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Caldas

Caldas

Das Departamento de Caldas ist eine Provinz im Zentrum Kolumbiens. Es grenzt im Norden an Antioquia, im Osten an Cundinamarca, südlich liegen Tolima und Risaralda welches auch die Grenze im Westen mit Caldas teilt. Der Kaffee ist das Hauptprodukt der Landwirtschaft. Es werden weiterhin Zuckerrohr, Yucca, Bananen und Mais angebaut. Weit verbreitet ist auch die Viehzucht. In der Industrie überwiegen die Herstellung von Keramik und Glas und die Verarbeitung von Leder und Holz.
Kategorie:Provinz in Kolumbien

Kolumbien

Kolumbien (spanisch Colombia) ist ein Staat im nördlichen Teil von Südamerika und grenzt an Brasilien, Peru, Ecuador, Venezuela und Panama. Kolumbien liegt am Pazifischen Ozean und an der Karibik.

Geografie

Kolumbien liegt im Nordwesten Südamerikas und grenzt sowohl an den atlantischen (1.600 km Grenzlinie), als auch an den pazifischen Ozean (1.300 km Grenzlinie). Im Südwesten liegen Ecuador und Peru, im Nordosten Venezuela und im Südosten Brasilien. Die westliche Hälfte Kolumbiens wird von den Anden dominiert, die in drei große Bergketten geteilt sind: die westliche, die zentrale und die östliche Kordillere. Zwischen den Bergketten fließen die großen, teilweise befahrbaren Flüsse Cauca und Magdalena in den atlantischen Ozean. Die Hochgebirge beherbergen die zum Teil aktiven Vulkane Galeras, Huila, Nevado del Ruiz, Purace, Tolima und Doña Juana. Die höchsten Gipfel sind der Pico Cristóbal Colón sowie der Pico Simón Bolívar, beide jeweils 5.775 m hoch und in der Sierra Nevada de Santa Marta gelegen. Die östliche Hälfte ist durch dicht bewaldetes Flachland charakterisiert, durch das die Flüsse Putumayo, Yapura, Meta und Guaviare fließen, die entweder im Orinoco oder im Amazonas münden. Kolumbien hat Küsten sowohl am atlantischen wie am pazifischen Ozean. Die bekanntesten Inseln im Atlantik sind der Archipel von San Andrés und Providencia (770 km nordöstlich von Kolumbien), mit den Inseln San Andrés, Providencia und Santa Catalina. Der karibischen Küste vorgelagert ist die Insel Fuerte und die Archipele von San Bernardo und del Rosario. Im Pazifik liegen die Inseln Malpelo und Gorgona und Gorgonilla. Je nach Meereshöhe unterscheidet man vier Klimazonen. In den Flachländern (Llanos) herrscht tropisches Klima über 24° C, zwischen 1.000 und 2.000 m gemäßigtes Klima (17-24° C), zwischen 2.000 und 3.000 m kaltes (12-17° C) und in den Bergregionen (Páramos) ab 3.000 m Höhe hochalpines Gletscherklima (unter 12° C). Kolumbiens größte Städte sind die Hauptstadt Santa Fé de Bogotá, Medellín, Cali, Cartagena de Indias, Barranquilla, Ibagué, Manizales, Pasto, Cúcuta und Bucaramanga. Siehe auch: Städte in Kolumbien

Umwelt

Kolumbiens Lage mit unterschiedlichen Höhenstufen und Klimazonen, die den Übergang und Kontakt zwischen Amazonas und Anden einschliessen, heterogene Bodenbedingungen bedingen eine große Biodiversität mit einer hohen Anzahl endemischer Arten. Kolumbien ist eines der Länder mit der größten Artenvielfalt pro Gebietseinheit weltweit: Mit nur 0,7 % Anteil an der weltweiten Festlandsmasse vereinigt das Land 10% aller Tier- und Pflanzenarten des Planeten auf seinem Staatsgebiet. Obwohl Kolumbien den Schutz seiner natürlichen Ressourcen bereits seit den 70er Jahren vorantreibt, haben neben natürlichen Umweltkatastrophen (häufig entweder bedingt durch extreme Trocken- oder Regenzeiten) vor allem das dynamische soziale und wirtschaftliche Wachstum und die bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten erhebliche Umweltschäden mit sich gebracht. Mit der Verfassung von 1991 hat sich das Land nun explizit der Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben; etwa 60 Verfassungsartikel beziehen sich direkt oder indirekt auf die Umwelt. Den normativen Rahmen für die Ausgestaltung dieser Vorgaben bildet das Gesetz 99 von 1993, durch das ein Umweltministerium als Bestandteil des Nationalen Umweltsystems (Sistema Nacional Ambiental, kurz SINA) geschaffen wurde. Zum SINA gehören nebem dem Ministerium unter anderem die Regionalentwicklungsbehörden, die mit dem Management der natürlichen Ressourcen und ihrer nachhaltigen Entwicklung beauftragt sind, städtische Umweltplanungsbehörden und -systeme wie das DAMA in Bogotá und der Ecofondo, der Zusammenschluss aller Umwelt-NGOs. Staatliche Umweltpläne sollen zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele beitragen. Allerdings werden den Regionalentwicklungsbehörden unter anderem überhöhte Betriebskosten, fehlende Investitionen in Umweltprogramme und die Aufgabe wieder aufgeforsteter Gebiete vorgeworfen. Diese und andere Mängel sollen deshalb mittels einer weitgreifenden Umweltsektorreform beseitigt werden. Dazu wurde bereits im März 2003 ein Gesetzesvorschlag vorgelegt; darüber hinaus wurde das Umweltministerium im April 2003 zum Ministerio de Ambiente, Vivienda y Desarollo Territorial fusioniert. Derzeit gibt es Bestrebungen, die bereits seit Jahrzehnten bestehende Nationalparkverwaltung (UAESPNN - Unidad Administrativa Especial del Sistema de Parques) umzustrukturieren. Insgesamt wird die bisherige Umweltpolitik von Präsident Uribe oft als ein Rückschritt hinter bereits erzielte Erfolge bezeichnet, insbesondere, da die Umwelt- und Naturzerstörung als Folge des bewaffneten Konflikts von Jahr zu Jahr steigt.

Klima

Da der Äquator durch Kolumbien läuft, liegt das Land in der tropischen Klimazone. Der Norden, also die Karibikküste, liegt in der subtropischen Zone. In Gebieten unterhalb 550m werden Durchschnittstemperaturen von 25°C bis 30°C gemessen (tropischer Bereich), zwischen 550m und 2300m Jahresmittel von bis zu minimal 18°C (gemäßigter Bereich) erreicht. Zwischen 2300m und 3000m beträgt die Temperatur nur noch 10 - 17°C. Bogotá, welches in einer Höhe von 2550m über dem Meeresspiegel liegt, hat eine Jahresdurchschnitttempereatur von 13°C. Über 3000m liegt die kaltgemäßigte bis kalte Klimazone mit Temperaturen zwischen - 17,8°C bis +12,8°C. Jährlich gibt es zwei Regenzeiten (April und Oktober) und zwei Trockenzeiten, die aber nicht extrem ausfallen. An der Westküste der Anden fällt die größte Menge an Niederschlag. Im südlichen Teil des Landes werden ca. 3000mm Niederschlag pro Jahr und gemessen, im Norden bis zu 10.000mm. Einige Orte mit einem Niederschagsvolumen von bis zu 16.000mm im Jahr gehören zu den regenreichsten Gebieten der Erde. Die östlichen Gebiete werden weniger stark beregnet. Durch den Passatwind sind diese Teile der Karibikküste sehr regenarm (unter 400mm Niederschlagsmenge pro Jahr und m²). Weiterhin ist die Niederschlagsmenge in den Hochtälern und Hochbecken durch die Regenschattenseite nur bei 1000mm angesiedelt.

Bevölkerung

Kolumbien mit einer Bevölkerungszahl von ca. 42,31 Mio. hat auf Grund seiner Geschichte eine sehr diversifizierte Bevölkerungsstruktur. Auf jedem Quadratkilometer leben durchschnittlich 31 Einwohner. 72% der Gesamtbevölkerung leben in den Ballungsgebieten und Städten, hauptsächlich in den Tälern des Río Magdalena und des Río Cauca sowie an der Küste des karibischen Meeres. Allein in Bogota, die Hauptstadt und das Zentrum der Industrie, lebt ca. 1/7 der Bevölkerung. Die Bevölkerung setzt sich aus drei sehr unterschiedlichen Gruppen zusammen: den indigenen Indios, den europäischen, zumeist aus Spanien stammenden Kolonisten und den importierten Sklaven aus afrikanischer Herkunft. Die heutige Demografie des Landes besteht aus einer Mischung dieser Gruppen. Demografie Verbindungen zwischen diesen Gruppen waren und sind sehr weit verbreitet. Den größten Anteil an der Bevölkerung stellen mit 60 % die Mestizen, deren Vorfahren Europäer und Indigene waren. Zur hellhäutigen Bevölkerung gehören die Kreolen, Nachfahren der europäischen Kolonisten, die somit die größte Minderheit mit 20 % darstellen. Weiter sind mit 16 % die Mulatten in der kolumbianischen Gesellschaft vertreten, Nachkommen von Europäern und afrikanischen Sklaven. Rein afrikanische Vorfahren haben 4 % der Bevölkerung, 3 % zählen zu den Zambos, die von afrikanischen Sklaven und indigenen Indios abstammen. Im Dorf Palenque de San Basilio existiert die einzige spanischbasierte Kreolsprache in Lateinamerika. Die Menschen dort sind zum größten Teil Nachfahren entlaufener Sklaven und sprechen Palenquero. Heutzutage werden nur noch 1 % als Indigene klassifiziert, unter anderem durch ihre Kultur und Sprache. Dominant ist die römisch-katholische Glaubensrichtung (ca. 90 % der Bevölkerung). Völkerbewegungen vom Land in die Stadt sind massiv. Stadtbevölkerung ist von einem Anteil von 57 % der Gesamtbevölkerung im Jahre 1951 auf 74 % 1994 gestiegen. Dreißig Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. Die östlichen Llanos Kolumbiens, die aus 9 Departamentos bestehen und 54 % der Fläche ausmachen, beherbergen nur 3 % der Bevölkerung und damit eine Dichte von einer Person pro Quadratkilometer. Siehe auch: Afrokolumbianer

Geschichte

Nach der Entdeckung Mittelamerikas durch spanische Seefahrer entstanden mit Santa Marta (gegr. 1527) und Cartagena de Indias (gegr.1533) die ersten kolonialen Stützpunkte an der kolumbianischen Karibikküste. Als im Jahr 1537 die ersten spanischen Entdecker unter Gonzalo Jiménez de Quesada in das Andengebiet vordrangen, wurden die Chibcha unterjocht. Die Spanier erbauten einige Siedlungen, die die ehemaligen indianischen Handelszentren ersetzten, so zum Beispiel Santa Fé de Bogotá und Tunja (gegr. beide 1539). Wenig später erfolgte die Gründung einer Provinz, aus der sich das Vizekönigreich Neugranada entwickelte. Kolumbien ist einer der Staaten, die durch den Zerfall Großkolumbiens im Jahr 1830 entstand (andere sind Ecuador und Venezuela). Bis zum Jahre 1903 gehörte Panama zu Kolumbien. Kolumbien gehört zu der 1969 gegründeten Andengemeinschaft, die seit 1995 eine Freihandelszone zwischen den Mitgliedsstaaten aufgebaut hat. Seit Jahrzehnten dauert nun schon der Bürgerkrieg in Kolumbien an. Nach einer Welle von Gewalt und Terror verhängt Präsident Álvaro Uribe Vélez am 12. August 2002 für 90 Tage den Ausnahmezustand. Der im Jahre 2003 von Präsident Álvaro Uribe begonnene Friedensprozess mit den Paramilitärs droht zu scheitern. Ein Grund dafür ist das spurlose Verschwinden des Gründers der Paramilitärs, Carlos Castaño, ein anderer die Forderung der Paramilitärs, für ihre Taten, einschließlich des Drogenhandels, nicht bestraft und an die USA ausgeliefert zu werden. Siehe auch: Liste der Präsidenten Kolumbiens

Verwaltungsgliederung

Kolumbien ist in 32 Provinzen untergliedert (Hauptstädte in Klammern): right #Amazonas (Leticia) #Antioquia (Medellín) #Arauca (Arauca) #Atlántico (Barranquilla) #Bolívar (Cartagena de Indias) #Boyacá (Tunja) #Caldas (Manizales) #Caquetá (Florencia) #Casanare (Yopal) #Cauca (Popayán) #Cesar (Valledupar) #Chocó (Quibdo) #Córdoba (Monteria) #Cundinamarca (Bogotá) #Guainía (Puerto Inirida) #Guaviare (San José del Guaviare) #Huila (Neiva) #La Guajira (Riohacha) #Magdalena (Santa Marta) #Meta (Villavicencio) #Nariño (Pasto) #Norte de Santander (Cúcuta) #Putumayo (Mocoa) #Quindío (Armenia) #Risaralda (Pereira) #San Andrés und Providencia (San Andrés) #Santander (Bucaramanga) #Sucre (Sincelejo) #Tolima (Ibagué) #Valle del Cauca (Cali) #Vaupés (Mitú) #Vichada (Puerto Carreño) Zusätzlich: Bogotá - Distrito Capital

Wirtschaft

Kolumbien ist der größte Produzent zahlreicher Schnittblumenarten. Bei der Produktion von Nelken steht es weltweit an erster, bei Schnittblumen insgesamt an zweiter Stelle. Mit 3.500 verschiedenen Orchideen-Arten hat Kolumbien die größte Vielfalt der Welt. Ebenfalls an erster Stelle steht Kolumbien bei der Produktion von Smaragden und Guadua-Holz. Es ist außerdem der zweitgrößte Kaffee-Produzent der Welt und steht bei der Produktion von Bananen weltweit an dritter Stelle. Bei der Produktion von Kartoffeln ist Kolumbien in Lateinamerika führend. Das Land ist der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Produkte in die USA. Darüber hinaus ist Kolumbien weltweit der viertgrößte Produzent von Kohle und Nickel und hat außerdem eine sichere Erdölreserve von zwischen 1,54 bis 1,84 Milliarden Barrel. Ein Teil der kolumbianischen Wirtschaft wird direkt oder indirekt vom Anbau und der Produktion von illegalen Drogen beeinflusst. So bauen Bauern insbesondere Koka, aber auch Schlafmohn an, da sie sich so ein besseres Einkommen versprechen als bei der Produktion von Nahrungsmitteln oder Kaffee; und der Druck der Drogenkartelle ermöglicht es den Kokabauern oft auch nicht, auf legale Waren umzuschwingen. Hauptexportgüter Kolumbiens sind Kaffee, Bananen, Schnittblumen, Smaragde, exotische Früchte, Textilien, Lederwaren, Lebensmittel, Erdöl und Erdölderivate, Kohle und Kohlederivate, Gold und Zucker.

Politik

Als Präsidialrepublik ist Kolumbien in die Exekutive, Legislative und Judikative aufgeteilt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Kongress (congreso) und dem Senat (senado). Die geltende Verfassung wurde am 5. Juli 1991 nach einem Volksentscheid verabschiedet. Fast alle Ämter, vom Präsidenten bis zum Abgeordneten, werden direkt vom Volk gewählt. Als volljährig gilt jeder ab dem 18. Lebensjahr und nur Mitglieder der Armee und Strafgefangene dürfen nicht wählen. Der Präsident und die Senats- und Kongressabgeordneten werden zu einer Amtszeit von vier Jahren gewählt. Kolumbien ist Mitglied in der Südamerikanische Staatengemeinschaft, Organisation Amerikanischer Staaten und den Vereinten Nationen. Beitrittsverhandlungen zu Mercosur werden geführt.

Parteien


- Partido Liberal (liberale)
- Partido Conservador Colombiano (konservative)
- Movimiento de Salvación Nacional (konservative)
- Alianza Democrática M-19 (ehemalige M-19 Guerillagruppe)
- Polo Democrático Independiente
- Unión Democrática
- Unión Patriótica (komunistische)
- Partido Comunista de Colombia (komunistische)
- Movimiento Obrero Independiente y Revolucionario
- Partido para Defensa del Folklore Nacional.
- Oxígeno verde

Bildungswesen

In Kolumbien wird die Bildung in vier Stufen aufgeteilt, Vorschule (preescolar), Schule (educación básica), Gymnasium (educación media) und Universität (nivel universitario). Verantwortlich für die Bildung ist das Ministerium de Educación Nacional. Im Durchschnitt sind die staatlichen Bildungseinrichtungen für die Familien günstiger als die in privater Hand. Außerdem werden auch nicht staatlich anerkannte Titel, meist von privaten technischen Schulen, angeboten, die oft die Selbständigkeit des Auszubildenden zum Ziel haben. Im Vorschulalter werden den Eltern, fast ausschließlich aus dem privaten Sektor, Kindergärten angeboten. Die letzten zwei Jahre vor der Grundschule werden Kinder (4-5 Jahre) und transición (Übergang) (5-6 Jahre) genannt. Von einem Kind in der transición Altersgruppe wird erwartet, dass es schon mit dem Lesen- und Schreibenlernen angefangen hat. Die Schulzeit eines Kindes begrenzt sich auf neun Jahre, fünf davon in der Grundschule (básica) und vier im Gymnasium (secundaria). Meist nur für Familien, die die nötigen finanziellen Mittel haben, bieten Schulen zwei weitere Jahre der Educación Media, auch Bachillerato genannt, an. Schüler die das Bachillerato machen haben meist zum Ziel die Universität zu besuchen. Universitäten werden sowohl vom Staat als auch privat betrieben. Technische Abschlüsse werden nach drei Jahren, Graduierte (vergleichbar mit Bachelor) nach vier und Diplome nach fünf Jahren vergeben. Ergänzend werden Master- und Doktortitel, letztere nur durch staatlich anerkannte Institutionen, angeboten. Die bekannteste Universität Kolumbiens ist die Universidad Nacional de Colombia mit Hauptsitz in Bogotá.

Kultur

Siehe auch: Liste berühmter Kolumbianer

Kunst

Kolumbien rühmt eine lange Geschichte der Künste, die bis in die präkolumbischen Zeiten zurückgeht. Bekannt sind aus diesen Zeiten Goldfiguren, Schmuck und Tonarbeiten. In der Hauptstadt Bogotá sind im Goldmuseum viele dieser Stücke zu bewundern. Ein Großteil der Kunststücke ist aber seit der Entdeckung, erst durch die Entdecker und dann durch Grabräuber, verschwunden. Die diversen Volksgruppen stellen weiterhin unterschiedlichste Arten von Kunst her, unter anderem die handgewebten Handtaschen (Mochilas) und Hängematten der Guajiros. Zu den bekanntesten kolumbianischen Künstlern des 20. Jahrhunderts zählen Enrique Grau, Fernando Botero und Alejandro Obregón. Bekanntester kolumbianischer Schriftsteller ist der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez.

Musik

Die traditionelle kolumbianische Musik ist sehr vielfältig. Die Musik der Karibikküste, wo viele Afro-Kolumbianer leben, ist stark von afrikanischen Rhythmen geprägt, wie man es in Stilen wie der Cumbia und dem verwandten, aber melodischeren Vallenato hören kann. Eine neue in dieser Region Kolumbiens entstandene Musikrichtung ist der ebenfalls stark von afrikanischen und karibischen Einflüssen geprägte Champeta. Völlig anders ist dagegen die traditionelle Musik der Andenregion um Bogotá, die eine Mischung spanischer und vorkolumbischer Stilelemente ist und damit der Folkloremusik des Hochlandes von Peru und Ecuador ähnelt. Im Rest des Landes ist die traditionelle Musik vor allem von spanischen und italienischen Einflüssen geprägt. Salsa ist in Kolumbien, wie auch im Rest Südamerikas ebenfalls sehr beliebt. Berühmte kolumbianische Salsa-Interpreten sind die Grupo Niche, Fruko y sus Tesos und Joe Arroyo. Eine der populärsten Salsa-Tänzerinnen ist Maria del Pilar, die inzwischen zusammen mit ihrem Guitarriero Nico Berdugo auch in Europa bei zahlreichen Auftritten gefeiert wird. Die bekannteste Musikerin Kolumbiens ist die Sängerin Shakira. Mittlerweile haben es auch der Pop-Sänger Juanes und der Vallenato-Interpret Carlos Vives zu internationaler Berühmtheit gebracht. In den kolumbianischen Großstädten gibt es seit den 90er Jahren eine ständig wachsende moderne Musikkultur. Trotzdem wächst die Szene weiter. Im Jahr 1994 fand zum ersten Mal das Festival „Rock al parque“ statt, dass mittlerweile das größte kostenlose Rockfestival Lateinamerikas ist.

Sport

Kolumbien ist besonders für Fußball und Radsport international bekannt und seit einigen Jahren durch Juan Pablo Montoya in der Formel 1 vertreten. Bekannteste Tennisspielerin ist Fabiola Zuluaga. 2005 hat die Golfspielerin María Isabel Baena erstmalig einen Titel für Kolumbien bei dem in New Jersey, USA ausgetragenen Match Play-Meisterschaft gewonnen. Clara Juliana Guerrero ist die weltbeste Kegelspielerin, eine Sportart in der auch u.a. die Geschwister Paola Rocío Gómez Ardila und Jaime Andrés Gómez Ardila das Land vertreten. Berühmte Boxer sind der legendäre Antonio Cervantes "Kid Pambelé", der vier Jahre lang Weltmeister in der Gewichtsklasse 140 Pfund Juniorgewicht der (WBA) war und Miguel "Happy" Lora, der zwischen 1985 und 1989 den Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse 118 Pfund Bantamgewicht der (WBC) hielt.

Fußball

Eine Fußballliga wurde 1924 angedacht und durch den Beitritt 1936 zu der Confederación Sudamericana de Fútbol (CONMEBOL) besiegelt. Die Nationalelf spielte zum ersten mal 1962 in Chile bei der Weltmeisterschaft mit. Aus drei Spielen erhielt sie aber nur einen Punkt, spielte aber mit einem 4:4 gegen die UdSSR eine historische Partie. 1964 wurde die Bundesliga „Federación de Fútbol de Colombia (Fedebol)” mit Unterstützung der FIFA gegründet. Kolumbien wurde 1974 von der FIFA die Austragung der 1986 zu spielenden Weltmeisterschaft zugesprochen, die aber letztlich wegen Uneinigkeiten zwischen Privat- und Staatsfinanzierungen 1981 an Mexiko ging. Der bisher größte Erfolg der Fußball-Nationalmannschaft ist der im Jahre 2001 errungene Titel der Copa América, welcher zudem in Kolumbien ausgetragen wurde. Weitere Höhepunkte waren die jeweilige Qualifikation zu den Fußball-Weltmeisterschaften von 1962, 1990, 1994 und 1998, sowie der historische 5:0-Sieg über Argentinien in Buenos Aires. Dieses Spiel diente der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Die Nationalmanschaft wird nicht die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bestreiten, da sie sich trotz einem 1-0 im letzten Spiel gegen Paraguay nicht qualifizieren konnte. Siehe auch: Kolumbianischer Fußball

Radsport

Das erste in Etappen gefahrene Rennen Südamerikas wurde 1951 in Kolumbien absolviert. Erster bekannter kolumbianischer Radrennfahrer bei der Tour de France war Cochise Rodríguez, der das Rennen 1977 als 27. beendete. Fabio Parra gewann 1988 drei Etappen und endete als Dritter in der Gesamtwertung. Luis „Lucho“ Alberto Herrera gewann 1985 und 1987 zwei Bergetappen und wurde dadurch zum kolumbianischen Nationalhelden. Von sich reden machte seit Ende der 1990er Jahre zudem der aus Medellín stammende Santiago Botero. Er wurde 2002 Zeitfahr-Weltmeister bei der Straßen-Radweltmeisterschaft im belgischen Zolder. Darüber hinaus sicherte er sich unter anderem drei Etappen bei der Vuelta a España sowie bei der Tour de France, bei der er im Jahre 2000 zudem als Gewinner des Bergtrikots die Avenue des Champs-Élysées in Paris erreichte. 2005 gewann der Kolumbianer Ivan Parra zwei Etappen beim Giro d’Italia.

Inline-Skating

Seit einigen Jahren zählt Kolumbien in dieser Disziplin zu den stärksten Nationen weltweit. Die bekannteste Inline-Skaterin ist Cecilia Baena (Sportlerin des Jahres 2001 in Kolumbien), bei den Panamerikanischen Meisterschaften 2005 gewann sie neun Medaillen. 2004 wurde sie in Italien dreifache Weltmeisterin. Außerdem gewann sie das größte Inlinerennen der Welt, den Berlin Marathon mit 10.000 Teilnehmern. Weitere bekannte Weltmeister, sowie Weltrekordhalter sind Diego Rosero und Jorge Andrés Botero.

Tejo

Tejo, eine moderne Version eines Indianerspieles namens Turmequé, wird schon über 500 Jahre lang in den Provinzen Cundinamarca und Boyacá gespielt und wurde im Juni 2000 vom kolumbianischen Kongress zum Nationalsport ernannt. Die moderne Version sieht vor, eine eiserne Halbkugel, den Tejo, in einen metallischen Kreis zu werfen und so, die an den vier Himmelsrichtungen aufgelegten Schwarzpulvertaschen, die Mechas, zum lauten Knall zu zwingen. Wer die meisten dieser Mechas zum Explodieren bringt, gewinnt das Spiel, das sowohl im Team als auch einzeln gespielt werden kann. Die Partien werden traditionell von alkoholischen Getränken begleitet. Die Brauereien sind daher naturgemäß die größten Sponsoren.

Infrastruktur

Kolumbien bedient sich eines Bahnnetzes von 3.304 km Länge, davon aber nur 150 km in Standardbreite, die hauptsächlich zur Förderung von Kohle aus dem El Cerrejón zum Hafen Bahía Portete dienen. Der Personenverkehr auf der Schiene beschränkt sich auf drei kurze touristische Strecken. Zusammen mit den 112.998 km Straßennetz, von denen nur ca. 26.000 km gepflastert sind, besitzt Kolumbien daher eine der am schlechtesten Verkehrsinfrastrukturen Süd- und Mittelamerikas. Der Straßenausbau liegt mit etwa 100 m/km² unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 118 m/km². Häfen von größerer Bedeutung sind die von Barranquilla, Buenaventura, Cartagena, Muelles El Bosque, Puerto Bolivar, Santa Marta und Turbo. Die Flughafenanzahl wird auf 980 geschätzt, wobei fast jede Millionenstadt einen international angebundenen Flughafen hat. Es sind etwa 1,89 Millionen Festnetztelefone in Betrieb. Offiziell funken 413 LW/MW- und 217 UKW-Radiosender; es sind ca. 5,5 Millionen Fernseher im Einsatz. Seit der neuen Verfassung von 1991 sind die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur zurückgegangen, die privaten dagegen angestiegen. Dadurch ist die Beteiligung des Privatsektors in Infrastrukturprojekte des Transportes, Strom und Wasserversorgung rasant gestiegen. Seit 1994 werden Teile des Fernstraßennetzes in Konzession an Privatunternehmer vergeben, die bis dato dadurch 10% bis 15% des Straßennetzes verwalten. Erfahrungen zeigen, dass die Bau- und Unterhaltkosten dadurch von 300% über den ursprünglich veranschlagten Kosten auf 40% reduziert werden. Diese Strecken werden über eine Maut finanziert.

Gesundheitswesen

Der Altersaufbau ist charakterisiert durch einen großen Anteil an junger Bevölkerung. Zwischen 1985 und 1990 ist zwar der Anteil von Menschen unter 15 Jahren von 45,7% auf 36% gesunken, dennoch ist dieser Wert sehr hoch. Für die männliche Bevölkerung ist die Lebenserwartung zwischen 1965 und 1993 von 54 auf 66,5 Jahre gestiegen, bei Frauen von 59 auf 72,4 Jahre. Die medizinische Versorgung ist nicht gleichwertig über das Staatsgebiet verteilt; Küstengebiete und ländliche Regionen sind hier benachteiligt. Ärzte, medizinische Angestellte und Krankenhäuser konzentrieren sich auf die Ballungsgebiete. 23.520 Ärzte, 13.815 Zahnärzte und 43.065 Krankenpfleger verrichten ihren Dienst an der Gesundheit; 1989 wurden 45.858 Krankenhausbetten gezählt. Durch mangelnde Ernährung und schlechte Wohnbedingungen sind die Krankheiten Tuberkulose, Malaria, Ruhr und Typhus in den wenig medizinisch versorgten Gebieten weit verbreitet. Um diesen Missstand zu beseitigen, hat der kolumbianische Staat Weltbankdarlehen aufgenommen und Einnahmen aus der Erdölproduktion für den Aufbau des Gesundheutssystems verwendet. Mutterschaft und Zahnarztbehandlung werden durch die Sozialversicherung unterstützt. Auch Arbeiter im Industriesektor sind unfallversichert und bei Invalidität versichert, die Angehörigen erhalten auch eine Unterstützung. Die Sozialversicherung wird durch Arbeitnehmer, Arbeitgeber und durch den Staat mit Hilfe von Beiträgen finanziert.

Medien

Kolumbiens Medienwelt besteht im wesentlichen aus dem Fernsehen (3 Hauptsendern), der Presse und dem Radio. Die meistgelesenen Zeitungen sind El Tiempo und bis zur Umwandlung zur Wochenzeitung El Espectador. Die Medien sind in Kolumbien in der Hand von wenigen Großunternehmern. Die Organización Ardila Lülle ist Eigentümer von Radio Cadena Nacional (RCN), ein großer Radiosender, seit 1995 auch dem eigenen TV Sender RCNTV und auch des größten Musikverlegers Sonolux. Der Grupo Santo Domingo und weitere Firmen und Beteiligungen der Familie Santo Domingo sind (Teil)Inhaber von Radio Caracol, Caracol TV, Bogotá City TV und der Zeitung El Espectador.

Weitere Themen


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Literatur


- Curth, Oliver: Musik der Welt: Kolumbien. 2002 Lugert Verlag, ISBN 3-89760-803-0
- Dilger, Gerhard: Kolumbien. Beck`sche Reihe Länder. 1996 Verlag C.H. Beck, ISBN 3-406-39864-2
- Raul Zelik/Dario N. Azzellini: Kolumbien-Große Geschäfte, staatlicher Terror und Aufstandsbewegung. ISBN 3-929-008-48-3

Weblinks


- [http://www.presidencia.gov.co/ Homepage Regierung/Präsident von Kolumbien]
- [http://www.auswaertigesamt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=82 Informationen des Deutschen Auswärtigen Amtes]
- [http://www.toedte.privat.t-online.de/dkfz.html Deutsch-Kolumbianischer Freundeskreis e.V.]
- [http://www.kolumbienweb.de Kolumbienweb]
- [http://www.kolumbien-aktuell.ch/ Kolumbien (CH)]
- [http://www.colegioandino.edu.co/willkommen.php Deutsche Schule Bogotá]
- [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/co.html CIA: The World Factbook - Kolumbien] (englisch)
Kategorie:Staat Kategorie:Südamerika ! ja:コロンビア ko:콜롬비아 ms:Colombia zh-min-nan:Colombia

Antioquia

Das Departamento de Antioquia ist eine Provinz im Nordwesten Kolumbiens. Es ist umgeben von den Provinzen (im Uhrzeigersinn angefangen im Norden) Córdoba, Sucre, Bolívar, Santander, Boyacá, Caldas, Risaralda und Chocó. Im äußersten Norden grenzt Antioquia an den Atlantik. Antioquia ist reich an Bodenschätzen. Hauptsächlich werden Gold und Silber abgebaut, aber auch Erdöl, Kohle, Eisen und Blei. In der Landwirtschaft werden Kaffee und Bananen angebaut. Das industrielle Herz bildet Medellín unter anderem mit Lebensmittelverarbeitung, Elektro- und Textilindustrie. Der Nationalpark Las Orquídeas ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten.
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Tolima

Das Departamento del Tolima ist eine Provinz im Zentrum Kolumbiens. Ausgehend von Norden im Uhrzeigersinn ist es umgeben von den Provinzen Caldas, Cundinamarca, Huila, Valle del Cauca, Quindío und Risaralda. Die Wirtschaft basiert auf Landwirtschaft und Viehzucht. Angebaut werden Reis, Sorghum, Baumwolle, Kaffee und Früchte. Die wenige Industrie verarbeitet die landwirtschaftlichen Produkte weiter. Die Naturparks Las Hermosas und Nevado del Huila sind touristische Anziehungspunkte.
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Kaffee

] Kaffee // (türk. kahve aus arab. qahwa „anregendes Getränk“; auch: Wein) ist ein schwarzes, koffeinhaltiges Heißgetränk, das aus gerösteten (Röstkaffee) und gemahlenen Kaffeebohnen hergestellt wird. Röst- und Mahlgrad variieren je nach Zubereitungsart (s. u.). Kaffee enthält das Vitamin Niacin. Die Kaffeebohnen werden aus Steinfrüchten verschiedener Pflanzenarten aus der Familie der Rubiaceae gewonnen. Die beiden wichtigsten Arten der Kaffeepflanze sind Coffea arabica (Arabica-Kaffee) und Coffea canephora (Robusta) mit vielen Sorten/Varietäten. Je nach Art der Kaffeepflanze, Sorte der Kaffeebohne und Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. So gilt Kaffee aus Robusta-Bohnen als minderwertig gegenüber dem aus reinem Arabica, dabei haben diese Bohnensorten lediglich unterschiedliche Eigenschaften und Preisbildungsfaktoren. Als seltenste Kaffeesorte der Welt gilt der Kopi Luwak aus Indonesien... Kaffee wird heute in über 50 Ländern weltweit angebaut.

Geschichte

Ursprung und Entdeckung

Indonesien Nach einer 1671 zu Papier gebrachten Legende fiel einst Hirten aus Kaffa auf, dass ein Teil der Ziegenherde, die von einem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten gefressen hatten, bis in die Nacht hinein munter umhersprang, während die anderen Tiere müde waren. Die Hirten beklagten sich darüber bei Mönchen des nahe gelegenen Klosters. Als ein Hirte selbst die Früchte des Strauchs versuchte, stellte er auch bei sich eine belebende Wirkung fest. Bei Nachforschungen der Mönche an der Grasungsstelle entdeckten sie dort einige dunkelgrüne Pflanzen mit kirschenartigen Früchten. Sie bereiteten daraus einen Aufguss und konnten fortan ohne das gewohnte Schlafbedürfnis bis tief in die Nacht hinein wach sein, beten und miteinander reden. Somit haben wohl Ziegen die Kaffeebohne entdeckt. Es wird angenommen, dass die Provinz Kaffa in Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees ist. Dort wurde er bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Von Äthiopien gelangte der Kaffee vermutlich im 14. Jahrhundert durch Sklavenhändler nach Arabien. Geröstet und getrunken wurde er aber dort wahrscheinlich erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Kaffeeanbau brachte Arabien eine Monopolrolle ein. Handelszentrum war die Hafenstadt Mocha, auch Mokka genannt, das heutige Al Mukha im Jemen. Die äthiopische Zubereitungsart bzw. Kaffeetradition ist wohl die ursprünglichste: Nach dem Rösten der Bohnen in einer großen Eisenpfanne werden diese grob gemahlen oder im Mörser zerstampft. Das Mahlgut wird mit Wasser und Zucker in der sog. Jabana (einem bauchigen Tonkrug ähnlich einer Karaffe) aufgekocht und in kleinen Schalen serviert.

Verbreitung

Mit dem Aufstieg des osmanischen Reiches wurde das Getränk immer beliebter. Das erste Café entstand in Persien. In öffentlichen Kaffeehäusern traf man sich in Kleinasien, Syrien und Ägypten zum Genuss des Getränks. In Kairo wurden nach 1532 die Kaffeehäuser von einer aufgehetzten Menschenmenge gestürmt. Im 17. Jahrhundert wurde die Kaffeepflanze in holländische Kolonien verbreitet und sicherten Holland eine Vormachtstellung im Handel. In Konstantinopel soll Kaffee 1517 erstmals aufgetaucht sein (durch Sultan Selim nach der Eroberung von Ägypten), jedenfalls wurde nach heftiger Opposition von Kirche und Staat 1554 das erste europäische Kaffeehaus eröffnet. 1645 verfügte Venedig, 1650 Oxford und 1652 London über eine solche Einrichtung. In Frankreich entstanden um 1659 erste Kaffeehäuser in Marseille, Paris folgte 1672, nachdem ein Armenier in St. Germain eine Kaffeebude aufgeschlagen hatte. Das erste eigentliche Kaffeehaus war jedoch das Café Procope, das um 1689 vom Sizilianer Procopio begründet wurde. Wien folgte 1683 mit dem ersten Wiener Kaffeehaus nach (Gründung eines Polen), nachdem beim Kampf gegen die Türken 500 Sack Kaffee erbeutet worden waren, und wurde zur klassischen Kaffeehausstadt. Nach Deutschland gelangte der Kaffee offenbar über Frankreich und er wurde erstmals 1673 in Bremen ausgeschenkt. Hier entstand dann 1697 das Bremer Kaffeehaus im Haus Schütting. 1675 kannte man Kaffee bereits am Hofe des Großen Kurfürsten, doch wurde hier erst 1721 das erste Kaffeehaus errichtet. In Hamburg entstand 1679 ein Kaffeehaus, das von einem Engländer gegründet wurde, in Regensburg 1686, in Leipzig 1694. Der Augsburger Arzt Rauwolff lernte schon 1573 in Aleppo den Genuss von Kaffee kennen und berichtete 1582 darüber. Weitere Nachrichten über den Kaffee gelangten durch Prospero Alpino 1592 nach Italien.

Anbau

Waren die Kaffeepflanzen zunächst nur in Afrika und Arabien verbreitet, so kam man bald auf die Idee, sie in anderen geeigneten Regionen zu kultivieren. Die erste Anpflanzung außerhalb Afrikas und Arabiens geschah durch van Hoorn, der als Gouverneur von Niederländisch-Ostindien 1690 (nach anderen Quellen bereits 1658) in Ceylon und 1696 (oder 1699) auf Java erste Versuche anstellen ließ. Die dort verwendeten Pflanzen stammten aus Arabien. Von diesen Plantagen gelangten 1710 mehrere Exemplare nach Europa und wurden hier in verschiedenen botanischen Gärten kultiviert, z.B. in Amsterdam, wo erstmals ein Kaffeebaum auf europäischem Boden gezogen wurde. 1718 brachten die Holländer den Kaffee nach Surinam, die Franzosen 1725 nach Cayenne, 1720/1723 nach Martinique, 1730 nach Guadeloupe und gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Kaffee bereits zu den verbreitetsten Kulturpflanzen in den Tropen. Dies ist auch auf die Ausbreitung der europäischen Kolonien zurückzuführen, ohne die die heutige weltweite Verbreitung des Kaffees nicht zu verstehen ist.

Genuss

Der Kaffee war ursprünglich sehr teuer, deshalb konnten sich nur gutsituierte Bürger und Aristokraten das aromatische Getränk leisten. Honoré de Balzac trank stets sehr viel starken Kaffee, um wach zu bleiben; er arbeitete meist zwölf Stunden am Tag. Ludwig van Beethoven hatte es sich angewöhnt, genau 60 Kaffeebohnen abzuzählen, um daraus eine Tasse Mokka zu brauen. Von Johann Wolfgang von Goethe stammte die Idee, man solle die Bohnen destillieren. Beim Umsetzen des Gedankens entdeckte der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge das Koffein. Der teure und seltene Kaffee wurde von ärmeren Bevölkerungsschichten und in Krisenzeiten durch Ersatzprodukte wie Muckefuck, Malzkaffee oder Zichorie ersetzt. In einigen Ländern hat sich der nachmittägliche Genuss von Kaffee als eigene Mahlzeit Kaffee etabliert.

Wirtschaftliche Bedeutung

Mahlzeit Kaffee

Weltproduktion

Brasilien ist der größte Kaffeeproduzent der Welt mit 1,772 Mio. Tonnen Kaffeebohnen, was ca. 25 Prozent der Welternte ausmacht, die bei 7,300 Mio. Tonnen pro Jahr liegt. Weitere große Kaffeebohnenproduzenten sind Vietnam, Kolumbien, Indonesien, Elfenbeinküste, Mexiko, Indien, Guatemala, Äthiopien, Uganda, Costa Rica, Honduras, Peru und El Salvador. Die bedeutendsten Hauptabnehmerländer sind weltweit die USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Italien.

Handel

Die Kaffeeindustrie in Deutschland ist ein Oligopol: sechs Anbieter (Tchibo, Aldi u. a.) teilen sich 85% des Marktes. Die deutschen Großröstereien konzentrieren sich dabei im Hamburger Raum. Der Hamburger Hafen ist nicht nur für Deutschland, sondern sogar weltweit der größte Umschlagplatz für Rohkaffee. Durch den Verfall des Kaffeepreises, an dem vor allem auch das genannte Oligopol maßgeblichen Anteil hat, ist der Preis für Kaffee auf ein Niveau gesunken, das in den letzten 50 Jahren noch nie unterboten wurde: Im Jahresdurchschnitt mussten 2001 für 500 g Kaffee lediglich 3,28 Euro bezahlt werden. Bis Ende 2001 befand sich der Kaffeepreis in einem Abwärtstrend, ging danach jedoch in einen leichten Aufwärtstrend über. Seit Ende 2004 nun steigen die Kaffeepreise sehr stark an. So lag das Tief an der Börse bei 0,246 US-Dollar, inzwischen legte der Preis rund 180 Prozent auf 0,689 Dollar je 100 Kilogramm Kaffee zu. Neben dem gestiegenen Konsum, der zu einem ausgeglichenen Markt führte, tragen hierzu Hedge-Fonds und andere spekulative Anleger bei, die an Waren- bzw. Kaffeebörsen den Preis nach oben treiben. So hat die Anzahl der gehandelten und auch der ausstehenden Warenterminkontrakte deutlich zugenommen. Traditionell bleibt im Anbauland selbst der geringste Anteil des vom Endverbraucher gezahlten Preises und davon wiederum nur ein kleiner Teil bei den Arbeitern und Bauern hängen. Im Fairen Handel, als dessen klassisches Produkt Kaffee gilt, wird versucht, diese schwierige wirtschaftliche Lage der Produzenten im gesamten Handelsprozess zu berücksichtigen und faire Bedingungen zu schaffen. Dies führte bisher zwar zu einer anderen Verteilung in der Wertschöpfungskette, doch auch zu insgesamt höheren Preisen für den Verbraucher von seit Jahren stabil rund fünf Euro. Durch die aktuelle Preisentwicklung wird dieser bisher teurere Kaffee – mit einem bisherigen Marktanteil in Deutschland von unter einem Prozent – nun konkurrenzfähig und bei weiter steigenden Preisen sogar deutlich günstiger als der traditionell gehandelte.

Verbrauch

Den größten Kaffeekonsum der Welt haben die Finnen. Jeder Einwohner Finnlands konsumierte 1998 11,3 kg Kaffee, was insgesamt 1737 Tassen pro Jahr beziehungsweise 5 Tassen pro Tag und Person entspricht. Den größten Gesamtverbrauch haben die USA, 1998 betrug er schätzungsweise 1.148.000 t (Finnland: 58.000 t). Umgerechnet auf den einzelnen Bewohner der USA, entsprechen diese Zahlen 4,2 kg bzw. 646 Tassen pro Jahr (1,8 pro Tag). Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche 4 Tassen Kaffee am Tag, das entspricht 160 Liter bzw. 6,7 Kilo pro Jahr. Damit ist Kaffee noch vor Bier das beliebteste Getränk der Deutschen. In Deutschland unterliegen Kaffee und kaffeehaltige Waren einer zusätzlichen Verbrauchsteuer, der Kaffeesteuer. Diese macht mit 2,19 €/kg Röstkaffee (Stand 2004) einen nicht unerheblichen Anteil des Kaffeepreises aus. Die jährlichen Einnahmen aus dieser Steuer belaufen sich auf rund 1 Mrd. Euro.

Zubereitung und Konsum

Euro] Die Zubereitungsart von Kaffee ändert sich je nach Kultur, nationalen Gepflogenheiten oder persönlichem Geschmack. Grundsätzlich können fünf Zubereitungsarten unterschieden werden:
- Beim in Deutschland, der Schweiz und den USA weit verbreiteten Filterkaffee wird siedendes Wasser durch das in einer Filtertüte befindliche Kaffeepulver gefiltert. Dieses Verfahren wurde 1908 von Melitta Bentz erfunden.
- Unter anderem in Italien wird Espresso getrunken, bei dem Wasser unter hohem Druck (9–15 bar) durch den feingemahlenen Kaffee geleitet wird (Extraktion) und dabei einen Schaum aus Kaffeeölen bildet, die Crema.
- Bei der Zubereitung von Türkischem Kaffee (Türkei, Balkanländer) wird der sehr fein gemahlene Kaffee ggf. mit Zucker und Wasser in einem speziell dafür konzipierten, leicht konischen Kupferkesselchen aufgekocht, dem sog. Ibrik oder Djesvè // (siehe Mokka) .
- Eine in Frankreich sehr beliebte Methode des Kaffeekochens wird mittels der French Press oder Pressstempelkanne bewerkstelligt. Ähnlich wie beim türkischen Kaffee wird dabei das Kaffeepulver direkt in das heiße Wasser gegeben, und nach einer Weile mittels eines Metallsiebes abgetrennt.
- Löslicher Kaffee ist Kaffeepulver, der nur durch Zugabe von heißem Wasser zubereitet wird und ohne weitere Zubereitungsschritte getrunken werden kann. Auf Basis dieser fünf Grundzubereitungen gibt es heute hunderte von Kaffeerezepten und Tausende von Rezepten, die Kaffee verwenden. Für viele Arten der Zubereitung gibt es spezielle Kaffeemaschinen. Kaffee wird meist nicht wie andere Getränke als normaler Durstlöscher eingenommen. Kaffeetrinker erhoffen oft eine anregende Wirkung. Nach einer Studie des an der University of Scranton tätigen US-amerikanischen Chemikers Joe Vinson von August 2005 dient Kaffee, neben dem traditionellen Verzehr von frischem Obst und Gemüse, als eine wichtige Quelle von Antioxidantien. Das sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die indirekt das Krebsrisiko verringern.

Arten der Kaffeeröstung

Antioxidantien
- Helle Röstung = blasse oder Zimt-Röstung
- Mittlere Röstung = amerikanische Röstung, Frühstücksröstung
- Starke Röstung = helle französische Röstung, Wiener Röstung
- Doppelte Röstung = Continental-Röstung, französische Röstung
- Italienische Röstung = Espresso-Röstung
- torrefacto (spanisch für geröstet) = Röstung unter Zuckerbeigabe, vor allem in Spanien gebräuchlich. Der so geröstete Kaffee wird dem konventionell gerösteten (tueste natural) zu 20 % - 50 % beigemischt, das Ergebnis wird als mezcla (spanisch für Mischung) bezeichnet. Eine mezcla 70/30 z. B. besteht aus 70 % tueste natural und 30 % café torrefacto. Diese Röstungsart reduziert Säure und Bitterkeit des Kaffees.

Zubereitungsarten (Auswahl)

: Deutschland :
- Eiskaffee – gekühlter Kaffee mit Vanilleeis :
- Irish Coffee – starker Kaffee mit Whisky, Schlagsahne und Zucker :
- Kaffee Hag® – koffeinfreier Kaffee (Hag ist eine Marke) :
- Milchkaffee – Filterkaffee, halb Milch, halb Kaffee :
- Mokka / Türkischer Kaffee – starker Kaffee, im Kännchen mit Satz serviert :
- Pharisäer – schwarzer Kaffee mit Rum, Zucker und Schlagsahne :
- Rüdesheimer Kaffee – Kaffee mit Weinbrand flambiert, mit Schlagsahne, Vanillezucker und Schokoladestreusel :
- Schwaten oder Schwatten – schwacher Kaffee mit Zucker und 2 cl Korn pro Tasse (Norddeutsche Spezialität) : Österreich (und Gebiet der ehemaligen Monarchie) Pharisäer :
- Almkaffee – Kaffee mit Eidotter, Obstschnaps und Obers :
- Biedermeier – österreichisch; mit Marillenlikör und Schlagobers :
- Großer Brauner – doppelter Espresso mit Milch in großer Tasse :
- Kleiner Brauner – einfacher Espresso mit Milch in kleiner Tasse :
- Doppelmokka – doppelt starker Kaffee in großer Mokkaschale :
- Einspänner – großer Mokka im Henkelglas mit Schlagobers – Henkel weil der Kutscher mit einer Hand die Zügel halten musste (Wien) :
- Eiskaffee englischer Art – ein Drittel Kaffee, ein Drittel Eis, ein Drittel Obers :
- Eiskaffee Wiener Art – festes Kaffeeeis aus Eidottern, Sahne und Kaffee mit Schlagobers :
- Fiaker – Ein großer Schwarzer im Glas mit viel Zucker und einem Stamperl Slibowitz oder Rum (Wien) :
- Franziskaner – lichte Melange mit Schlagobers und Schokostreusel :
- Gebirgskaffee – Kaffee mit Eidotter, Obstschnaps und Obers :
- Gespritzter – Schwarzer Kaffee mit Rum oder Weinbrand :
- Granita di Caffé – fein gekörntes Eis mit starkem schwarzen gezuckertem Kaffee übergossen :
- Häferlkaffee – Kaffee im Häferl (und nicht in einer Tasse), Filterkaffee :
- Intermezzo – Kleiner Mokka, mit heißer Schokolade und Creme de Cacao verrührt und Schlagobershaube mit Praline (evtl. Mokkabohnen) :
- Kaffee Kirsch – Kaffee mit Kirschwasser :
- Kaffee Obermeier – Kaffee mit Milchhaut (Wien) :
- Kaffee Verkehrt – Kaffee mit 2/3 Milch und 1/3 Kaffee (Wien) :
- Kaisermelange – Mokka mit Eidotter, auch mit Honig und Cognac (Wien) :
- Kapuziner – schwarzer Kaffee mit einem Schuss Milch (Wien) :
- Katerkaffee – starker schwarzer Kaffee, der mit Zuckerstücken gesüßt wird, die man vorher an einer Zitronenschale abgerieben hat. :
- Konsul – schwarzer Kaffee mit etwas Schlagobers (Wien) :
- Kosakenkaffee – Kleiner Mokka im Einspännerglas, vermischt mit Rotwein, Wodka und flüssigem Zucker :
- Maria Theresia – Mocca mit einem Schuss Orangenlikör :
- Marghiloman – Mokka mit Cognac :
- Mazagran – Kalter gesüßter Kaffee mit Eisstückchen und Maraschino oder Cognac :
- Melange – halb Kaffee, halb Milch :
- Mokka gespritzt – Mokka mit Cognac und Rum :
- Piccolo – kleiner Schwarzer mit Schlag :
- Großer Schwarzer (auch großer Mokka) – österreichisch; doppelter Espresso ohne Milch in großer Tasse :
- Kleiner Schwarzer (auch kleiner Mokka) – österreichisch; einfacher Espresso ohne Milch in kleiner Tasse :
- Othello – Heiße Schokolade mit Espresso :
- Sanca® – koffeinfreier Kaffee (Sanca ist eine Marke) :
- großer Schwarzer - doppelter Espresso :
- kleiner Schwarzer - Espresso :
- Schale(rl) Braun – halb Kaffee, halb Milch :
- Schale(rl) Gold – Kaffee mit Milch, etwas heller als ein Brauner (Wien) :
- Separee – Kaffee und Milch werden getrennt serviert (Wien) :
- Sperbertürke – doppelt starker, mit Würfelzucker aufgekochter "Türkischer" :
- Türkischer Kaffee passiert – türkischer Kaffee, bei dem der Satz wieder herauspassiert wurde :
- Überstürzte Neumann – Schlagobers wird auf den Boden der leeren Schale gelagert und mit heißem Kaffee "überstürzt" :
- Ungarischer Kaffee – starker gesüßter Kaffee wird aufs Eis gestellt, dann mit gekühltem Schlagobers vermengt und im Glas serviert :
- Verlängerter – die Dosierung eines kleinen Schwarzen wird mit der Wassermenge eines großen Schwarzen zubereitet (Wien) oder ein mit etwa doppelter Menge Wasser zubereiteter Espresso :
- Weißer mit Haut – lichte Melange (heller Milchkaffee), der mit heißer, nicht verquirlter Milch serviert wird, worauf sich eine Haut bildet (Wien) :
- Wiener Melange – Melange, mit gesprudelter Milch im Glas serviert (Wien) :
- Zarenkaffee – starker Espresso, auf den eine Haube aus gesprudeltem Eidotter, vermischt mit Zucker und Eidotter aufgesetzt wird. Der Lieblingskaffee der russischen Zaren : Schweiz Milchhaut :
- Canard – Kaffee mit Marc (Traubenschnaps): ein Zuckerwürfel wird mit Marc beträufelt und in den Mund gesteckt, der Kaffee mit Schnaps und Sahne vermischt und über den Zuckerwürfel getrunken :
- Kaffee crème – Kaffee mit Sahne :
- Kaffee Melange – Kaffee mit Schlagsahne, häufig wird die Schlagsahne separat in einem Schälchen serviert :
- Luzerner Kafi – teefarbener, dünner Kaffee mit Zucker und Träsch (auch als Kafi Träsch oder Kafi Luz bekannt) :
- Schale – Milchkaffee :
- Schümli – Milchkaffee : Frankreich :
- Café au lait – Variante eines stärkeren Cappucino mit wenig Milchschaum, im deutschen Sprachgebrauch meint man jedoch meist die französische Variante des Milchkaffees :
- Café Brulot – Weinbrand oder Cognac mit Zucker flambiert und mit Kaffee aufgegossen :
- Café Crème – Kaffee mit Sahne oder Milch, die durch Dampf aufgeschäumt wird :
- Café Filtre – Kaffee, der mit einem aufgesetzten Filter direkt in die Tasse filtriert wird. Weniger konzentriert als der Espresso :
- Café natur – Kaffee ohne Milch :
- Café Royal – wie Café Brulot : Italien Café au lait. Charakteristisch ist die achteckige Form.]] :
- Caffè Latte – italienische Variante des Milchkaffee, je zur Hälfte heiße Milch und Espresso :
- Cappuccino – je ein Drittel Espresso, heiße Milch und Milchschaum, oft mit Kakaopulver und/oder Zimt bestreut :
- Cappuccino con panna – Cappuccino mit Schlagsahne statt aufgeschäumter Milch :
- ChocolaccinoCappuccino mit geriebener Schokolade bestreut :
- Coretto – Espresso mit Weinbrand, z.B. Coretto con Grappa, Coretto con Fernet ... :
- Doppio – doppelter Espresso :
- Espresso – sehr starker Kaffee ohne Milch und Zucker, bei dem das Wasser unter hohem Druck (9 bar) durch das sehr fein gemahlene Kaffeemehl gepresst wird, eine Tasse hat etwa 25 ml :
- Latte Macchiato – aufgeschäumte warme Milch mit einem vorsichtig zugegebenen Espresso Lungo :
- LungoEspresso, bei dem die doppelte Wassermenge verwendet wurde :
- Mischio – Mischung zwischen Kaffee und Kakao mit Schlagsahne :
- RistrettoEspresso mit sehr wenig Wasser (15–20 ml statt der üblichen 25 ml) : Spanien :: Ein café wird in Spanien gewöhnlich mit einer Espressomaschine aus einer dunklen Röstung zubereitet und würde damit im deutschen Sprachraum als Espresso bzw. Brauner bezeichnet. :
- Café solo – schwarz :
- Cortado – mit einem Schuss Milch oder Milchschaum, meist in Tassen, manchmal auch im Glas oder mit gesüßter Kondensmilch (siehe auch: Cortado) :
- Café con leche – Milchkaffee, meist zur Hälfte café, zur Hälfte Milch (oft aufgeschäumt) :
- Café americano – Filterkaffee, manchmal auch ein mit Wasser verlängerter Café solo :
- Café con hielo – Zum café wird ein Trinkglas mit Eiswürfeln serviert, über die nach dem Zuckern der Kaffee gegeben wird. :
- Carajillo – mit einem Schuss Likör, Brandy (Cognac) oder Rum. Zubereitung: Zucker wird im Glas mit dem Alkohol verrührt, angezündet und mit starkem Kaffee (Espresso) aufgegossen. Als Dekoration werden Kaffeebohnen und ein Stück Zitronenschale ins Glas gegeben :
- Bombón – Aus der Region Castellón de la Plana - Kondensmilch (leche condensado) wird mit Espresso aufgegossen und in einem kleinen Glas serviert, sodass die zwei Schichten erkennbar sind. Vor dem Trinken wird umgerührt. : Portugal :
- Bica – starker, schwarzer Kaffee, aus kleinen Tassen getrunken :
- Pingo (Bica Pingada) – Bica mit ein wenig Milch :
- Galão – portugiesischer Milchkaffee, aus einem Glas getrunken Espresso : Türkei (und Balkanländer) :
- Cyprus Coffee – türkischer Kaffee :
- Türkischer Kaffee – ungefiltert; mit Kaffeepulver als Bodensatz : Griechenland :
- Griechischer Kaffee – zwei bzw. dreifach aufgekochter starker Kaffee, ähnlich türkischem Mokka :
- Café frappé – mit Eiswürfeln servierter, kalt aufgeschäumter Instantkaffee. : USA :
- Iced coffee – Auf ein Glas mit Eisstücken wird heißer, starker und gesüßter Kaffee gegeben : Südamerika :
- Café AmericanoEspresso der mit heißem Wasser oder Spirituosen verlängert wurde :
- Café de olla - Kaffe der mit Gewürzen wie Zimt zubereitet wird, und dann kalt getrunken Teilweise gibt es unterschiedliche Auffassung von Land zu Land, welche Benennung auf welche Zubereitungsart zutrifft. Malzkaffee (ugs. Muckefuck) wird zwar Kaffee genannt, enthält aber Malz und ähnelt diesem geschmacklich nur wenig (z. B. Caro-Kaffee). Er ist ein Surrogat für Kaffee und somit u. a. für Kinder geeignet.

Kaffeesatz als Haushaltsmittel

Nach dem Aufbrühen kann der Kaffeesatz wegen seines hohen Stickstoff-Gehaltes noch als guter Garten-Dünger verwendet werden. Sein hoher Gehalt an Kalium, Phosphor und anderen Mineralstoffen ist gut für die Pflanzenentwicklung. Viele Gärtner schwören auf Kaffeesatz als Rosendünger. Kaffeesatz ist auch ein hervorragendes Handwaschmittel für stark verschmutzte und beanspruchte Hände. Durch die körnige Struktur wirkt es leicht schmirgelnd und die Öle machen ein nachträgliches Einfetten überflüssig. Die schmirgelnde Wirkung des Kaffeesatzes findet auch bei der Reinigung von schwer erreichbaren Stellen Anwendung, wie sie beispielsweise bei Flaschen oder Thermoskannen vorliegen. Kaffeesatz ist unter anderem auch ein hervorragendes Wurmfutter für die Wurmhaltung von Tauwurm (Lumbricus terrestris) oder Kompostwurm. Das Lesen des insbesondere bei Mokkazubereitungen sich bildenden Kaffeesatzes dient im Volksspiritismus zum Wahrsagen über die Zukunft und wird "Kaffeedomantie" genannt.

Physiologische Wirkungen des Kaffees

Der Kaffee ist aufgrund seines Koffeingehaltes für seine aufmunternde Wirkung bekannt. Es gibt jedoch auch Wirkungen, die im Allgemeinen unbekannt sind. Kaffee hat eine beruhigende Wirkung. In der Praxis ist es bekannt, dass man besser einschläft, wenn man sich in den ersten 15 Minuten nach dem Kaffeetrinken hinlegt, weil das Schlafzentrum im Gehirn besser durchblutet wird. Zögert man jedoch zu lange, verpasst man die beruhigende Wirkung vom Kaffee und das Koffein fängt an zu wirken; nun ist es fast unmöglich einzuschlafen. Diese Methode der Beruhigung wird z. B. in Krankenhäusern angewandt. Bei älteren Menschen bekämpft Kaffee den Abfall der Atemfrequenz beim Einschlafen, was deren Schlafqualität verbessern kann. Um die aufmunternde und konzentrationsfördernde Wirkung des Kaffees voll ausschöpfen zu können, ist es nach einem Artikel in der Fachzeitschrift Sleep (Vol. 27, Nr. 3) sinnvoller, viele kleine Schlucke Kaffee über den Tag (bzw. die Nacht) verteilt zu sich zu nehmen, als eine große Tasse Kaffee am Morgen. Auf diese Weise findet eine deutlich effektivere Einwirkung des Koffeins auf die Schlafzentren im Gehirn statt. Die Strategie, den Kaffeekonsum gleichmäßig auf einen längeren Zeitraum zu verteilen, ist besonders nützlich für Personen, die nachts arbeiten müssen: Ihnen fällt es so leichter wach zu bleiben und dabei ihre Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Eine nachteilige Wirkung des Kaffees besteht darin, dass er den Insulinspiegel und Blutzucker abrupt anhebt, das körpereigene Gleichgewicht durcheinanderbringen und die Bauchspeicheldrüse negativ beeinflussen kann. Insbesondere Personen mit Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) ist der Konsum von Kaffee strikt verboten. Diabetiker sollten Kaffee ebenfalls meiden oder allenfalls sehr geringe Mengen zu sich nehmen. Koffein kann in größeren Mengen genossen auch zu Überreizungen der Magenschleimhaut führen. Derzeitige Untersuchungen zeigen, dass eine entwässernde (harntreibende) Wirkung nicht nachweisbar ist. Auch wenn in vielen Restaurants üblich ist, mit einer Tasse Kaffee ein Glas Wasser zu servieren, um den scheinbaren Flüssigkeitsverlust auszugleichen (Das Glas Wasser dient aber wie das Glas Wasser zum Wein auch dazu, den Gaumen zu neutralisieren und die Geschmacksnerven empfänglich zu machen für den Genuss des nächsten Schlucks Kaffee). Aufgrund der oben genannten weiteren Wirkungen von Kaffee sollte der Einsatz als Durstlöscher trotzdem vermieden werden. In einer Untersuchung des Nationalen Krebs-Zentrums in Tokio haben Forscher in einer zehnjährigen Studie herausgefunden, dass von 100.000 Kaffeetrinkern statistisch nur 214 Personen an Nierenkrebs erkranken. Da die entsprechende Erkrankungszahl bei Nicht-Kaffeetrinkern 547 beträgt, geht man davon aus, dass die Antioxidantien des Kaffees die Nierenzellen vor kanzerogenen Sauerstoffradikalen schützen. In einer Vergleichsuntersuchung wurde gezeigt, dass grüner Tee diesen Schutzeffekt des Kaffees nicht aufweist. Die Auswirkungen des Konsums von Kaffee auf die Potenz sind umstritten. Abwechselnd wurde Kaffee als Droge, die impotent mache, und als Aphrodisiakum bezeichnet. Der Forscher Amantea fand allerdings 1923 in einem Humanexperiment heraus, dass Koffein nicht nur die Lust am Geschlechtsverkehr steigerte, sondern auch den Orgasmus verstärkte und die Menge des Ejakulats erhöhte.

Literatur


- Stewart Lee Allen: Ein teuflisches Zeug: auf abenteuerlicher Reise durch die Geschichte des Kaffees. Campus-Verlag, Frankfurt/Main 2003. ISBN 3-593-37290-8
- Ulla Heise: Kaffee und Kaffeehaus: eine Geschichte des Kaffees. Insel-Verlag, Frankfurt/Main 2002. ISBN 3-458-34495-0
- Ernesto Illy: Von der Bohne zum Espresso. Spektrum der Wissenschaft, Mai 2003, S. 82–87, ISSN 0170 - 2971
- Heinrich Eduard Jacob: Sage und Siegeszug des Kaffees. Die Biographie eines weltwirtschaftlichen Stoffes. Rowohlt: Berlin 1934. Erw. Neufassungen Rowohlt, Hamburg 1952 sowie Rowohlt-TB-Ausgabe Nr. 675/676, Reinbek 1964. Auch in englisch (1935), amerikanisch (1935), italienisch (1936), schwedisch (1937), französisch (1953) und koreanisch (2002)
- Cornelia Teufl, Stephan Clauss: Coffee. Zabert Sandmann, München 2004, ISBN 3-89883-077-2

Weblinks


- [http://www.quarks.de/kaffee/ Faszination Kaffee] – sehr informatives und gut zu lesendes Skript zur Sendung Quarks & Co vom 7. Oktober 1997, auch als PDF-Datei vorhanden
- [http://www.tis-gdv.de/tis/ware/genuss/kaffee/kaffee.htm Transport-Informations-Service: Fachinformationen zum Transport von Kaffee / Rohkaffee]
- [http://www.uni-bayreuth.de/departments/didaktikchemie/umat/kaffee1/1_kaffee1.htm Kaffee aus der Sicht des Chemikers]
- [http://www.mesob.ch/deutsch/produkte/kaffee/coffeeshop-rep/seite1.htm Äthiopische Kaffeezubereitung]
- [http://www.oxfam.de/downloads/Kaffeestudie.pdf Oxfam: Kaffee und Handel – Auswirkungen auf die Dritte Welt]
- [http://www.kaffeewiki.de/index.php/Hauptseite Hauptseite des „Kaffeewikis“]
- [http://www.kaffeemuseum.at/kaffee.htm Alles zum Kaffee: Geschichte, Sorten, Rezepte usw.]
- [http://www.elbkutter.com/wiki Coffeewiki: Liste von Orten, wo man guten Kaffee trinken kann] ! Kategorie:Äthiopien Kategorie:Lebensmittel Kategorie:Stoffgemisch ms:Kopi simple:Coffee ja:コーヒー ms:Kopi th:กาแฟ

Landwirtschaft

Landwirtschaft ist der Prozess, durch den gezielten Anbau von Pflanzen (Ackerbau, Gartenbau, Obstbau, Weinbau, nicht jedoch Forstwirtschaft) und durch die Nutzung und Zucht von domestizierten Tieren (Viehzucht) Nahrungsmittel, Futter, Fasern und andere gewünschte Rohstoffe zu produzieren. Sie dient der Ernährung der Menschheit und ist heute vorwiegend auf Erzielung von Profit ausgerichtet. Profit

Einordnung

Allgemein

Landwirtschaft beinhaltet dreierlei:
- Subsistenzwirtschaft: Hierbei produziert der Landwirt genug Nahrungsmittel für sich und seine Familie (jedoch nicht mehr).
- (generell in den sogenannten "entwickelten" Ländern und in anderen Ländern ebenfalls mehr und mehr) die Produktion eines finanziellen Einkommens durch Landkultivierung oder kommerzielle Viehzucht. Neben Nahrungsmitteln und Futter nimmt die Produktion von anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Zierpflanzen, Düngemittel, Leder, industriellen Chemikalien (Stärke, Ethanol, Farbstoffe und Plastik), Fasern (Baumwolle, Wolle, Hanf, Naturseide und Flachs), Kraftstoffen (Methan, Biodiesel, Biomasse) sowie zugelassenen medizinischen Wirkstoffen (Biopharmaceutica, legalen Drogen (Alkohol, Tabak) und verbotenen Drogen (Marihuana, Opium, Kokain) zu. Auch die Produktion genetisch veränderter Pflanzen und Tiere steigt an.

Ökonomische Einordnung

In den Wirtschaftswissenschaften wird die Landwirtschaft als Primärsektor (auch: Urproduktion) bezeichnet. Die Betriebswirtschaftslehre bezieht sich in vielen Grundlagen auf die landwirtschaftliche Produktion.

Bedeutung in Deutschland

Im Jahr 2003 gab es in Deutschland ca. 420.700 landwirtschaftliche Betriebe ab 2 ha LF. Darin waren rund 1,3 Millionen Personen haupt- oder nebenberuflich beschäftigt, was 560.000 Vollzeitarbeitsplätzen entsprach. Insgesamt wurden 17 Millionen ha (Hektar) Boden landwirtschaftlich genutzt (das sind ca. 49,3 Prozent der Gesamtfläche). Davon entfielen auf die Pflanzenproduktion rund 11,8 Millionen Hektar und auf Dauergrünland rund 5 Millionen Hektar. Im Vergleich dazu spielen Obstanlagen, Baumschulen und Weihnachtsbaumkulturen hinsichtlich des Flächenverbrauchs keine große Rolle. Deutschland war 2004 mit Waren im Wert von 13,8 Mrd. Dollar weltweit viertgrößter Exporteur von Agrarprodukten.

Rechtliche Einordnung

Der Begriff der Landwirtschaft wird in Deutschland grundlegend durch § 201 Baugesetzbuch(BauGB) geregelt.

Produktion

Bereiche

Baugesetzbuch Baugesetzbuch Generell kann die Landwirtschaft in zwei Produktionsrichtungen eingeteilt werden:
- Viehhaltung
- Pflanzenproduktion. Welche dieser Formen lokal überwiegt, ist vom Standort abhängig: Auf leichten Standorten (schlechter Boden) ist die Viehhaltung konkurrenzkräftiger, während auf besseren Böden die Pflanzenproduktion wirtschaftlicher ist. Unformatierten Text hier einfügenUnformatierten Text hier einfügenUnformatierten Text hier einfügen

Ziele


- Ernährungssicherung durch die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel,
- Schonung der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft,
- infrastrukturelle, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Belebung der ländlichen Räume,
- Pflege der Kulturlandschaft und Erhalt der Artenvielfalt,
- in Zukunft möglicherweise vermehrt Erzeugung regenerativer Energien

Formen der Landwirtschaft


- historische Landwirtschaft :bis zur Erfindung des mineralischen Düngers
- traditionelle Landwirtschaft :bis ca. 1960
- moderne Landwirtschaft :erzielt hohe Ernteerträge durch Züchtung spezieller Sorten (in einigen Staaten auch bereits unter Einsatz der Gentechnik), durch Monokultur, sowie den Einsatz von Futtermitteln, Kunstdünger (dessen Entwicklung maßgeblich zur Erholung der Wälder in Mitteleuropa beigetragen hat), Insektiziden, Fungiziden, Herbiziden und Wachstumsregulatoren (den so genannten Pflanzenschutzmitteln). Der intensive Einsatz der genannten Produktionsfaktoren dient der stetigen Ertragssteigerung, führt aber oft zu negativen Wechselwirkungen mit der Natur (Umweltschutz) und den erzeugten Lebensmitteln (Fragen zu Rückständen in Nahrungsmitteln). :
- bäuerliche Landwirtschaft :
- industrielle Landwirtschaft :
- extensive Landwirtschaft :
- ökologische Landwirtschaft ::versucht, modernes Wissen zu nutzen und dabei die genannten negativen Wechselwirkungen zu vermeiden. Die Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel führt seit Sommer 2003 einen auf mehrere Jahre ausgelegten Vergleich der beiden Produktionsformen durch, dessen Ergebnis in der aktuellen Diskussion hilfreich sein kann.

Methoden

Hinsichtlich der Produktionsmethoden wird heute unterschieden in (alphabetisch):
- Biologische Landwirtschaft (oder auch Ökologische Landwirtschaft), zu der auch die Unterform der auf den Lehren R. Steiners gründenden Biologisch-dynamischen Landwirtschaft zählt
- Konventionelle Landwirtschaft mit der Unterform der integrierten Landwirtschaft
- Permakultur
- Synergistische Landwirtschaft

Politik

Hauptartikel: Agrarpolitik

Politische Konfliktfelder

Die Landwirtschaft in Deutschland, Europa und weltweit befindet sich in einem tiefen Umbruch: Große Erfolge in der Produktivitätssteigerung auf der einen Seite stehen ungleicher Verteilung, Preisdumping, zahlreichen Betriebsaufgaben sowie ökologischen Problemen gegenüber. Die seit 1992 eingeleiteten Reformen der europäischen Agrarpolitik mit einem komplexen System von Ausgleichszahlungen konnten Fehlentwicklungen nicht verhindern. Die gegenwärtige Situation ist für die soziale Lage der landwirtschaftlichen Familien, für die Volkswirtschaft und für die ökologische Situation von Boden-, Gewässer- und Tierschutz mit hohen Belastungen verbunden. Die große Zahl der Betriebsaufgaben ist Zeugnis einer existenziellen Not. Die in der Öffentlichkeit heftig diskutierten Krankheiten bzw. Skandale – BSE-Krise, Maul- und Klauenseuche – sind keine Einzelphänomene, sondern sind teilweise Ausdruck von Strukturproblemen der Landwirtschaft in der Zerreißprobe zwischen ökonomischen und ökologischen Erfordernissen. Zugleich ist die weltweite Krise der Landwirtschaft ein Kernproblem globaler Gerechtigkeit: Während auf den Weltmärkten ein Überschuss an Nahrungsmitteln herrscht, die Preise immer weiter fallen und subventionierte Überschussprodukte aus den USA und der EU die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern zurückdrängen, ist es nicht gelungen, das Problem der Welternährung zu bewältigen. Der rapide Verlust an fruchtbarem Boden und der bedrohliche Rückgang der Verfügbarkeit von Wasser, das zu 70 % in der Landwirtschaft verbraucht wird, ist schon heute eine der primären Armutsursachen. Wirksame Armutsbekämpfung für die 800 Millionen hungernden Menschen ist nicht möglich ohne eine tiefgreifende Reform der globalen Agrarpolitik. Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH, die heimische Agrarprodukte in den Medien bewirbt, ist bei den Landwirten weitgehend umstritten, da sie ihre Beiträge zwangsweise erhebt.

Geschichte

Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH] Hauptartikel: Agrargeschichte Der systematische Anbau von Pflanzen begann vermutlich vor rund 12.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit. Es ist wahrscheinlich, dass die Entwicklung nahezu gleichzeitig in Amerika, China und dem mittleren Osten einsetzte. Dabei werden die Veränderung des Klimas durch das Ende der Eiszeit, das Bevölkerungswachstum und die beginnende Sesshaftigkeit als sich begünstigende Faktoren angesehen. Im 8. Jahrhundert wurde der Ackerbau auf die Dreifelderwirtschaft umgestellt. Die bis dahin verwendeten Ochsen wurden durch Pferde ersetzt, wodurch schwere Eisenpflüge eingesetzt werden konnten. Durch die Entdeckung Amerikas 1492 entwickelte sich ein reger, weltweiter Austausch an Agrarprodukten, der für nahezu alle Völker einschneidende Änderungen bewirkte (Columbian Exchange).

Aktuelle Diskussion

Erneuerbare Energieträger

Die landwirtschaftliche Produktion von Erneuerbaren Energieträgern kann nicht mehr leisten als den durch die Sonne gegebenen Energieeintrag. Solange die Nicht-Bilanzierung der Nutzung von fossilen Brennstoffen in unseren Wirtschaftssystemen anhält, kann jede Form der landwirtschaftlichen Produktion von regenerativen Energieträgern (unabhängig von ihrer Nachhaltigkeit) nicht mit der Nutzung der fossilen Energiegewinnung konkurrieren. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist in Deutschland gesetzlich festgeschrieben.

Siehe auch

Portal:Land- und Forstwirtschaft, Agrarpolitik, Forstwirtschaft, Landwirt, Leibgedinge, Erzeugergemeinschaft, Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, FAO, Haupterwerbsbetrieb, Nebenerwerbsbetrieb, Zuerwerbsbetrieb

Weblinks


- [http://www.zbmed.de/bonn_service.html Fachinformationszentrum: Bereichsbibliothek für Ernährung, Umwelt und Agrarwissenschaften, Bonn]
- [http://www.destatis.de/themen/d/thm_land.php Statistiken zur Landwirtschaft in Deutschland]
- [http://www.verbraucherministerium.de/index-0005BCF0323B1050A9746521C0A8D816.html Ernährungs- und agrarpolitischer Bericht 2005 der Bundesregierung]
- [http://www.situationsbericht.de Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes]
- [http://www.cma.de/wissen_100489.php Materialien zum Thema Landwirtschaft der CMA]
- [http://www.kritischer-agrarbericht.de/index.php?id=79 "Kritischer Agrarbericht" des AgrarBündnis e.V.]
- [http://www.agrar.de/infothek Infothek - Suchmaschine zum Thema Landwirtschaft]
- [http://www.landtreff.de Forum für die Landwirtschaft]
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-bildarchiv/bildarchiv.cgi?action=projektbilder&id=-lf-&templ=04_01_projekte_bilder&start=0&proseite=10 Dokumentation zur Geschichte der Landwirtschaft in Bayern aus dem Archivbestand des Hauses der Bayerischen Geschichte] !Landwirtschaft Kategorie:Umwelt- und Naturschutz ja:農業 ko:농업 simple:Agriculture

Zuckerrohr

Wikipedia:Taxoboxen Zuckerrohr (Saccharum officinarum) ist eine Pflanze aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) und wird dort der Unterfamilie Panicoideae mit etwa 3270 weiteren Arten zugeordnet.

Beschreibung

Vom Aussehen her ähnelt es dem Bambus oder Mais oder jeder anderen Einkeimblättrigen Pflanze. Die Halme können einen Durchmesser von bis zu 5 cm und eine Höhe von bis zu 4 m erreichen.

Geschichte

Seine Geschichte begann vermutlich auf Neuguinea, wo man 1928 eine nahe verwandte Wildpflanze, das Gras Saccharum robustum, entdeckte. Bis zur Züchtung der Zuckerrübe aus der Runkelrübe war das Zuckerrohr die einzige Quelle, um Zucker zu gewinnen. Als ursprüngliche Herkunftsgebiete werden Insel-Indien, aber auch Neuguinea (und China) angegeben, die genaue genetische Herkunft ist aber noch unklar. Im Mittelmeergebiet war das Zuckerrohr schon während der Römerzeit bekannt, es erfuhr eine weitere Verbreitung durch die Mauren, Araber und reiste mit der entstehenden Plantagenwirtschaft der Spanier nach Südamerika. Die Portugiesen brachten es in die Bucht von Benin, auf die Kanaren, in die Karibik und nach Mittelamerika. Der Zuckerrohranbau in der so genannten Neuen Welt hat entscheidend zur Verschleppung schwarzafrikanischer Ethnien in die Sklaverei (10 - 15 Mio. Menschen) und zur Ausrottung ganzer Volksgruppen in Mittelamerika geführt. Heute wird Zuckerrohr weltweit angebaut und stellt etwa 55% der Zuckerproduktion. Hauptanbauländer sind Indien, Australien, Thailand, Südafrika, die karibischen Inseln wie Kuba, Jamaika und die Dominikanische Republik und natürlich Brasilien. Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern sind teilweise katastrophal. Häufig werden Kinder und Frauen als Arbeitskräfte eingesetzt, schlechte Bezahlung ist in den Regionen des Zuckerrohranbaus ohnehin an der Tagesordnung. Entsprechend billig kann der Rohrzucker angeboten werden, in der EU ist er allerdings wegen sehr hoher Zölle trotzdem nicht konkurrenzfähig gegen den Rübenzucker.

Nutzung

Inhaltsstoffe des Zuckerrohrs sind Zucker (überwiegend Saccharose) mit einem Anteil von bis zu 18% und ein Wachs, das teilweise auch industriell genutzt wird. Bei der industriellen Rohr-Zuckerfabrikation werden die faserigen Bestandteile des Zuckerrohrs (die Bagasse) als Brennstoff für die Zuckerproduktion genutzt. Der Anbau des Zuckerrohrs geschieht über Stecklinge. Halmstücke aus dem unteren Bereich der „Zuckerrohrhalme“, die zwei bis vier Knoten aufweisen, werden je nach Technisierungsgrad entweder manuell oder maschinell reihenweise dicht hintereinander in den Boden gelegt und angehäufelt, so dass die Halmstücke leicht mit Boden überdeckt sind. Der Reihenabstand beträgt 1,2 bis 1,5 m (pro Hektar 15.000-20.000 Stecklinge). Nach kurzer Zeit (ein- bis zwei Wochen) treiben die Stecklinge aus, d. h. sie bilden Wurzeln und treiben an den Augen neue Halme (Rohre) aus. Rund 3 bis 4 Monate Wachstumszeit benötigt der Bestand bis zum Reihenschluß. Die erste Ernte, das Schneiden des Rohrs, kann 9 bis 24 Monate nach dem Auspflanzen erfolgen. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach Zuckergehalt und Reifegrad. Die Halme werden direkt über dem Boden und in einer Höhe unter dem zuckerlosem Blattapparat abgeschnitten. Die “Halmstümpfe” schlagen wieder aus und nach weiteren 12 Monaten kann die nächste Ernte geschnitten werden. Bis zu 8 Ernten können auf einem Zuckerrohrfeld wachsen. In Indien beträgt die Nutzungsdauer z. B. 2 Schnitte, in Brasilien dagegen 5 Schnitte. Eine Zuckerrohrpflanze kann bis zu 20 Jahre alt werden. In Brasilien wird Zuckerrohr auch dazu verwendet, einen Schnaps (den Cachaça) zu brennen, der zur Herstellung von Caipirinha benötigt wird. Außerdem dient aus Zuckerrohr gewonnener Alkohol als Kraftstoff für Autos (siehe Flexible Fuel Vehicle). Der aus frischem Zuckerrohr gepresste, meist gekühlte Saft ist z.B. in Kuba oder Spanien als Guarapo ein beliebtes Getränk.

Bilder

Image:Saccharum-officinarum-harvest.JPG|Zuckerrohr-Ernte ohne Maschinen. Image:Cuba canna da zucchero.jpg|Links und rechts Zuckerrohr-Plantagen auf Kuba.

Literatur


- Hobhouse, Henry: Sechs Pflanzen verändern die Welt. Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle, Kartoffel, Kokastrauch. Klett-Cotta : Hamburg 4. Auflage 2001, 401 S., ISBN 3-608-91024-7 (spannend zu lesende Geschichte mit komplett anderer Perspektive)

Weblinks

Kategorie:Süßgräser Kategorie:Nutzpflanze ja:サトウキビ

Banane

Die Banane (Musa) (v. arab.: banān = "Fingerspitze") ist die Frucht der rund 100 verschiedenen Arten der triploiden einkeimblättrigen Musa-Staude, die in fast allen Teilen der Tropen beheimatet sind. Der aus Blattscheiden bestehende hohle Scheinstamm und die büschelartig angeordneten Blattspreiten geben den Bananengewächsen ein palmenartiges Aussehen. Wegen ihrer Form wird die Banane auch Krummfrucht genannt. Eine Pflanze liefert im Jahr etwa 60 kg Früchte, die an einem Fruchtkolben (oft über 150 Stück) hängen. Die Früchte, die botanisch zu den Beeren gehören, haben etwa folgende Eigenschaften, fallen aber sehr unterschiedlich aus:
- 5 bis 15 Zentimeter lang,
- mehr oder weniger sichelförmig
- von gelb- grünlicher Farbe (auch ausgereift). Das Fruchtfleisch der in den Läden Europas vorherrschenden Obstbananen (Musa paradisiaca sapientum) ist mehlig und süß. In den (vorwiegend afrikanischen) Ursprungsländern ist die grün bis rote Gemüsebanane (auch Koch- oder Mehlbanane) (Musa paradisiaca normalis) eine bedeutende Nahrungsquelle. Ihr weißlich-gelbes Fruchtfleisch, das im Geschmack mild bis leicht säuerlich ist, ist nicht zum Rohverzehr geeignet. Es wird sowohl gekocht als auch gebacken oder gegrillt. Bei den in Indonesien verbreiteten Faserbananen (auch Abaka, Musa textilis) werden die so genannten Manilafasern der Blattscheiden zu Netzen, Tauwerk und Garnen verarbeitet. Garn Bananen werden für den Export in Plantagen angebaut, die durch die Monokultur so stark mit Pflanzenschutzmitteln versehen werden, dass sie oft danach als vergiftetes Land abgesperrt werden müssen. Außerdem benötigt die Pflanze große Mengen an Wasser. Die Bananenstauden wachsen in den Plantagen zwei Jahre. In dem tropischen Klima, in dem Bananen beheimatet sind, gibt es natürlich auch viele Insekten. Einige davon stechen in die Schalen der reifenden Bananen und saugen Saft heraus. Wenn es nicht zu viele Einstiche werden, hat das auf den Geschmack oder die Bekömmlichkeit der Banane keinen Einfluss. Trotzdem haben diese Einstiche Nachteile: Die Banane bekommt später an den Einstichstellen kleine kreisrunde, braune Punkte. Eine größere Anzahl von Einstichen beschleunigt die Reifung der Banane und lässt sie schneller verderben. Um die Insekteneinstiche zu vermeiden, wird über die Staude (beziehungsweise den Fruchtkolben) eine Kunststofftüte gestülpt. Da aber die Tüte nicht vollkommen dicht abschließt, finden immer noch einige Insekten den Weg hinein. Deshalb wird die Tüte meist innen mit Pflanzenschutzmitteln besprüht, das eingedrungene Insekten schnell tötet. In dieser giftreichen Umgebung wächst dann die Banane heran. Man kann davon ausgehen, dass Bananen mit glatter, reiner Oberfläche während ihres Wachstums einer hohen Dosis Insektiziden ausgesetzt waren. Sind auf der Schale kleine braune, kreisrunde Punkte zu sehen, deutet dies darauf hin, dass einige Insekten zur Frucht vordringen konnten. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln war dann offensichtlich weniger massiv. Pflanzenschutzmittel dann nach oben zeigt. Deshalb ist die Banane krumm. Die blauroten Blätter geben die Blüten zur Bestäubung frei, vertrocknen und fallen ab. Die Staude blüht weiter, während sie schon Früchte ausbildet.]]

Geschichte

Die Banane wird erstmals in buddhistischen (wohl indischen Texten - Sanskrit -, da Buddha erst um 560 v.Chr. geboren wurde) Texten aus dem Jahre 600 v. Chr. erwähnt. Alexander der Große entdeckte den Geschmack der Banane in den Tälern Indiens 327 v. Chr.. Bananenplantagen wurden in China bereits für das Jahr 200 n. Chr. nachgewiesen. 650 brachten islamische Eroberer die Banane nach Palästina.