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Medellín
Medellín ist die drittgrößte Stadt Kolumbiens und Hauptstadt der Provinz Antioquia. Sie hat 2.000.001 Einwohner in der eigentlichen Stadt und 3.263.949 in der Agglomeration (Stand jeweils 1. Januar 2005).
Geografie
Geografische Lage
Das Stadtgebiet von Medellín umfasst heute acht umliegende Ortschaften. Medellín liegt mitten im "Valle de Aburrá", einem Tal des mittleren Bergzugs der Anden im nordwestlichen Kolumbien, auf einer Höhe von 1.538 Meter über NN. Sie wird daher auch "Capital de la Montaña", Hauptstadt der Berge, genannt.
Die Stadt ist berühmt für ihre Gartenanlagen, ihre Blumen und die Vielfalt der Orchideen, die dort heimisch sind. Deswegen hat sie auch den Beinamen "Capital de las Flores".
Dem Stadtviertel Sierra wurde 2005 der Dokumentationsfilm La Sierra (dt. alt. „La Sierra - zum Killer geboren“) gewidmet. Er handelt von den jugendlichen Kämpfern der Bande „Bloque Metro“ die im kolumbianischen Bürgerkrieg ihr Stadtviertel zu verteigen versuchen.
Klima
Ihre Einwohner geben ihr stolz Namen wie "Bella Villa" oder "Capital de la Eterna Primavera", Hauptstadt des ewigen Frühlings, da die Temperaturen selten über 30 Grad klettern oder unter 16 Grad fallen. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 24 Grad.
Geschichte
Sie wurde 1616 von Francisco Herrera Campuzano gegründet. Die Bedeutung von Medellín fand ihren Ursprung in der ständig wachsenden Nachfrage und Produktion von Kaffee. Die Industrialisierung des Gebietes begann am Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Stadt entwickelte sich aber erst in den 1930er Jahren zu einem wichtigen Industriezentrum. Seit den 1980er Jahren leidet das öffentliche Leben der Stadt unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, das eine führende Rolle im weltweiten Handel mit Kokain einnahm.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sehenswert sind das Orquideorama, eine Sammlung von Orchideen im botanischen Garten, und die riesige Kathedrale aus der spanischen Kolonialzeit.
Bevölkerung
Die Bevölkerung Medellíns setzt sich zum großen Teil aus den Nachfahren baskischer Einwanderer zusammen. Sie zeichnen sich durch ganz spezifische Charaktereigenschaften, eine eigene Küche und sogar durch ihren spezifischen Dialekt aus. Dieser Menschenschlag ist außer in Antioquía in den Departamenden Caldas, Risaralda und Quindío - der so genannten Kaffeeachse - zu Hause.
Sport
In Medellín findet seit 1995 jedes Jahr ein Halb-Marathon statt.
Wirtschaft und Infrastruktur
In der Stadt befinden sich Betriebe der Textilindustrie, der Konfektion, der Nahrungsmittel- und Tabakindustrie, der Herstellung von Landwirtschaftsmaschinen, der metallurgischen und chemischen Industrie, der Zementherstellung und der Möbelindustrie und anderen Industriezweigen an.
Damit steht Medellín inzwischen an zweiter Stelle der nationalen Industrieproduktion und an erster Stelle in Südamerika in Bezug auf die Textilherstellung. Inzwischen hat sich neben der Industrie aber auch ein sehr breiter tertiärer Sektor entwickelt.
Verkehr
Medellín verfügt als einzige Stadt in Kolumbien mit einer 1995 eingeweihten Hochbahn über ein effizientes Massenverkehrsmittel, das die Stadt mit ihrer Umgebung verbindet. Die "Metro" hat zwei Linien mit insgesamt 42 km Schienennetz und gilt als eine der saubersten in Lateinamerika. Pro Jahr transportiert sie rund 100 Millionen Passagiere.
Bildung
Die Universität Antioquia (eröffnet 1822), die Universität Medellín (eröffnet 1950), die Pontifical University Bolivariana (eröffnet 1936) und die Autonome Universität Lateinamerika (eröffnet 1966) sind in der Stadt beheimatet.
Weblinks
Allgemeine Informationen
- http://www.maratonmedellin.com/default.asp
- http://www.terra.com.co/medellin/
Industrie- und Handelskammer
- http://www.camaramed.org.co/
Universitäten
- http://www.udea.edu.co/
- http://www.eafit.edu.co/
- http://www.udem.edu.co/
- http://www.unalmed.edu.co/
- http://www.usb-med.edu.co/
Zeitungen
- http://www.elcolombiano.com/
- http://www.elmundo.com/
Kategorie:Ort in Kolumbien
HauptstadtDie Hauptstadt ist der Sitz der Vertretung des Souveräns eines Staates (Demokratie: Parlament, Monarchie: Residenz).
Normalerweise sind Hauptstädte und Regierungssitze identisch, es gibt aber auch Ausnahmen wie beispielsweise in den Niederlanden (Hauptstadt Amsterdam, Regierungssitz Den Haag).
Meist ist die Hauptstadt gleichzeitig auch die größte Stadt und das wichtigste Wirtschafts-, Verkehrs-, Wissenschafts- und Kulturzentrum sowie geistiges Zentrum eines Staates. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, zum Beispiel in der Türkei: Hauptstadt ist Ankara, größte Stadt jedoch İstanbul; in Marokko: Hauptstadt Rabat, größte Stadt jedoch Casablanca; oder in den USA: Hauptstadt ist Washington, D.C., größte Stadt jedoch New York. Südafrika hat drei "Hauptstädte": Das Parlament tagt in Kapstadt, das Verwaltungs- und Regierungszentrum ist Tshwane (ehem. Pretoria), die obersten judikativen Einrichtungen (Gerichtshöfe) befinden sich in Bloemfontein, größte Stadt jedoch ist Johannesburg.
Einige Länder ließen eine Planhauptstadt errichten, wie z. B. Brasília oder Canberra.
De jure keine Hauptstadt haben folgende Staaten: Monaco, Nauru, Schweiz und Vatikanstadt. Jedoch erfüllt z.B. bei der Schweiz Bern dies de facto (siehe hierzu: Hauptstadtfrage der Schweiz). Bei Monaco und der Vatikanstadt gibt es auf Grund der Tatsache, dass es sich um reine Stadtstaaten handelt, keine Hauptstadt, auch wenn für Monaco häufig fälschlicherweise Monte Carlo als Hauptstadt genannt wird. In Nauru wird der Ort, an dem sich die Regierung befindet (also Yaren), als inoffizielle Hauptstadt aufgefasst.
Auch Teilstaaten (beispielsweise Bundesländer in Deutschland und in Österreich, Kantone in der Schweiz, Bundesstaaten in den USA) haben Landeshauptstädte, die für ihren Landesteil außer den politischen auch die übrigen Hauptstadtfunktionen aufweisen.
Siehe auch
- Bundeshauptstadt
- Bundesstadt (zu Bern und Bonn)
- Hauptstadtfrage der Schweiz
- Liste der Hauptstädte der Welt
Hauptstädte einzelner Staaten
Hierbei handelt es sich um eine historische Aufstellung der Hauptstädte der einzelnen Staaten, ihrer eventuellen Vorgängerstaaten (z. B. Deutscher Bund, Deutsches Reich), obersten Verwaltungseinheiten (Bundesstaaten, Bundesländer, Provinzen) und abhängigen Gebiete.
- Hauptstädte Australiens
- Hauptstädte Brasiliens
- Hauptstädte Deutschlands
- Hauptstädte Kanadas
- Hauptstädte Kasachstans
- Hauptstädte Nigerias
- Hauptstädte Österreichs
- Hauptstädte Polens
- Hauptstädte der Vereinigten Staaten von Amerika
Literatur
- Hauptstadt - Zum Wesen und Wandel eines nationalen Symbols. - 2005: Kirsch, Jens Münster
Weblinks
Kategorie:Politische Geographie
Kategorie:Hauptstadt
als:Hauptstadt
ja:首都
ko:수도
simple:Capital (city)
th:เมืองหลวง
zh-min-nan:Siú-to·
Agglomeration
Eine Agglomeration (lat. agglomerare „fest anschließen“) ist nach Definition der UNO von 1998 eine Kernstadt, die einen suburbanen Rand oder zumindest dicht besiedeltes Gebiet besitzt, das außerhalb der Stadtgrenzen liegt, aber direkt an sie angrenzt. Eine einzelne solche Agglomeration kann aus mehreren Städten mit ihren jeweiligen Vorstadt- bzw. Speckgürteln, sowie dem Stadtgebiet angeschlossenen Trabanten- und Satellitenstädten bestehen, wobei gesetzliche Grenzen keine Rolle spielen.
Andere häufig verwendete Bezeichnungen für solch ein Gebiet sind Stadtregion und Ballungsraum/-gebiet. Zwar meinen diese Begriffe im wesentlichen das gleiche, doch gibt es je nach Auslegung kleine Bedeutungsnuancen. So beinhaltet die Stadtregion im Gegensatz zu den weiter gefassten Begriffen Großregion, Metropolregion oder Wirtschaftsregion nicht deren ländlich geprägte periphere Teilräume, sondern nur die unmittelbare, dicht bebaute Umgebung der Kernstadt. Aber auch Siedlungen, die nicht direkt an die Kernstadt angrenzen, können zur Stadtregion gezählt werden, wenn der Großteil der Einwohner in der Kernstadt arbeitet.
Nach welchen Kriterien Zahlen für sämtliche dieser Begriffe berechnet werden, hängt aber letztendlich von der jeweiligen Gesetzesdefinition oder von den Institutionen ab, welche derartige Berechnungen zur Verfügung stellen. Ein oft verwendetes Kriterium ist die Pendlerrate. Pendelt ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung von Umlandgemeinden in die Kernstadt, so wird diese auch zur Agglomeration gezählt, obwohl baulich keine Verbindung zwischen dieser Gemeinde und der Kernstadt besteht. Da dies der Definition der UNO widerspricht, aber häufig, und in unterschiedlichem Maße, Gang und Gebe bei der Berechnung von Agglomerations-Einwohnerzahlen ist, erklärt dies die Tatsache, dass verschiedene Erhebungen selten den gleichen Wert ergeben. Besonders stark variieren die Zahlen bei Gebieten mit unzureichender statistischer Erfassung der Einwohner, sowie bei Kernstädten mit einem stark überhöhten Arbeitsplatzangebot im Verhältnis zu deren Bevölkerung.
Man unterscheidet zudem zwischen polyzentrischen und monozentrischen Agglomerationen. Je nach dem, ob ein oder mehrere Zentren existieren.
regionale Definitionen
Die Definition von Agglomerationen kann allerdings von Land zu Land anders im Gesetz verankert sein, was allerdings nur bei Rechtsfragen im jeweiligen Land von Bedeutung ist. An der Definition der UNO, nach welcher Einwohnerzahlen von Agglomerationen für internationale Statistiken ermittelt werden, ändert das allerdings nichts.
In Deutschland ist der Begriff Agglomeration kaum normiert, wird aber in verschiedenen Kontexten verwendet. So ist bei Verkaufsflächen über 700 m², welche im Regelfall als raumwirksam angesehen werden, eine Untersuchung der Auswirkung auf die Raumordnung und Regionalplanung vor Genehmigung zwingend erforderlich. Eine Agglomeration von Einzelhandelsflächen kann auch dann raumwirksam sein, wenn nur die Summe, nicht jedoch die einzelnen Teile, eine Verkaufsläche von 700 m² überschreiten. Als Einzelhandelsagglomerationen zählen daher auch Einkaufszentren, Fachmarktzentren oder Factory Outlet Center.
In der Schweiz hingegen ist der Begriff vom Bundesamt für Statistik exakt festgelegt:
- a) Agglomerationen sind zusammenhängende Gebiete mehrerer Gemeinden mit insgesamt mindestens 20'000 Einwohnern.
- b) Jede Agglomeration besitzt eine Kernzone, die aus der Kernstadt (als Städte zählen Gemeinden mit mindestens 10.000 Einwohnern) und gegebenenfalls weiteren Gemeinden besteht, von denen jede mindestens 2'000 Arbeitsplätze insgesamt und mindestens 85 Arbeitsplätze pro 100 wohnhafte Erwerbstätige aufweist. Diese Gemeinden müssen ferner entweder mindestens 1/6 ihrer Erwerbstätigen in die Kernstadt entsenden oder mit dieser baulich verbunden sein oder an sie angrenzen.
- c) Eine nicht der Kernzone zugehörige Gemeinde wird einer Agglomeration zugeteilt, wenn:
- mindestens 1/6 ihrer Erwerbstätigen in der Kernzone arbeitet und mindestens drei der fünf folgenden Kriterien erfüllt sind:
- 1.) Baulicher Zusammenhang mit der Kerngemeinde; Baulücken durch Nichtsiedelgebiet (Landwirtschaftsflächen, Wald) dürfen 200 Meter nicht überschreiten.
- 2.) Die kombinierte Einwohner-/Arbeitsplatzdichte je Hektare Siedlungs- und Landwirtschaftsfläche (ohne Alpweiden) übersteigt 10.
- 3.) Das Bevölkerungswachstum im vorangegangenen Jahrzehnt lag um 10 Prozent über dem schweizerischen Mittel. (Dieses Kriterium findet nur Anwendung für Gemeinden, die noch keiner Agglomeration angehört haben; für bestehende Agglomerationsgemeinden gilt es unabhängig vom erreichten Wert als erfüllt).
- 4.) Mindestens 1/3 der wohnhaften Erwerbstätigen arbeitet in der Kernzone. Schwellengemeinden, die an zwei Agglomerationen angrenzen, erfüllen dieses Kriterium auch dann, wenn mindestens 40% der Erwerbstätigen in beiden Kernzonen zusammen arbeiteten und auf jede einzelne mindestens 1/6 entfällt.
- 5.) Der Anteil der im 1. Wirtschaftssektor Erwerbstätigen darf das Doppelte des gesamtschweizerischen Anteils nicht überschreiten.
Verhältnis innerhalb einer Agglomeration
Agglomerationen sind in den seltensten Fällen in einer politischen Verwaltungseinheit zusammengefasst. Im Regelfall herrscht zwischen Kernstadt und politisch eigenständigen Vororten ein starker politischer Gegensatz, der in manchen Fällen durch traditionelle Rivalitäten, fast immer aber durch die sozialen, fiskalischen und siedlungsstrukturellen Auswirkungen der Suburbanisierung verstärkt wird.
Durch die anhaltende intraregionale Bedeutungs- und Bevölkerungsverschiebung zugunsten des Umlands, die Akkumulation sozial Benachteiligter in den Kernstädten, die Bereitstellung bzw. Finanzierung stadtregional bedeutsamer Infrastruktur (z.B. Verkehrsnetze, Kultur- und Freizeiteinrichtungen) durch die Kernstädte ohne finanzielle Beteiligung der davon profitierenden Vororte sowie den ruinösen Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen (Gewerbesteuer-Dumping) geraten die Kernstädte in immer größere Schwierigkeiten. Die finanzielle und funktionale Auszehrung kann eine Kernstadt so weit schwächen, dass sie zur Erfüllung ihrer gesamtregionalen Zentralfunktionen nicht mehr in der Lage ist, was letztlich der gesamten Stadtregion einschließlich der Vororte schadet.
Zur Schaffung eines gerechten Interessenausgleichs innerhalb der Stadtregion und zur Koordination der Stadtregion im überregionalen Wettbewerb gibt es in zahlreichen Stadtregionen Institutionen zu interkommunalen Kooperation:
Freiwillige Kooperationen
- Gemeinschaftliche Kooperationen privaten Rechts (GmbH u.a.)
- Regionalkonferenzen, Regionalforen u.a.
Verbandsmodelle
- Zweckverbände zur Lösung von Einzelaufgaben (z.B. Abfallwirtschaft, Wasserversorgung, ÖPNV).
- Planungsverbände zur gemeinsamen Flächennutzungsplanung, Regionalplanung oder Verkehrsplanung.
- Stadt-Umland-Verbände, in denen mehrere solcher Aufgaben gebündelt werden, wodurch eine bessere Möglichkeit zur Kompromissfindung entsteht.
Gebietskörperschaftliche Modelle
- z.B. Regionalkreise (BRD), Stadtprovinzen (Niederlande)
- Regionalstädte
Agglomerationen in einzelnen Ländern
Deutschland
Liste der größten Agglomerationen Deutschlands. Aufgeführt sind sämtliche Agglomerationen über 1.000.000 Einwohner. Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 1. Januar 2005. Für die Metropolregionen siehe Tabelle der deutschen Metropolregionen
- - inkl. Raum Bochum-Dortmund-Duisburg; ohne Raum Düsseldorf-Köln-Bonn; vgl. Metropolregion Rhein-Ruhr
Österreich
Stand: 2001
Schweiz
Seit 1930 werden alle zehn Jahre die städtischen Agglomerationen anhand der Ergebnisse der Volkszählungen statistisch neu abgegrenzt. Seit 1980 werden bei grenzüberschreitenden Agglomerationen auch die im Ausland liegenden Gemeinden berücksichtigt, was bei Basel, Genf und Lugano von Bedeutung ist.
Die 10 grössten Agglomerationen der Schweiz laut Bundesamt für Statistik (In Klammern die Bevölkerungszahl ohne ausländischen Teil):
Grössten Agglomerationen mit Einzug in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik:
Agglomerationen weltweit
Die größten Agglomerationen der Erde sind (2005):
Siehe auch
- Liste von Bezeichnungen für große Städte
- System der Zentralen Orte
Literatur
- United Nations (1998). Principles and recommendations for population and housing censuses
- Burgdorff, Stephan / Janssen, Dr. Hauke: Jahrbuch 2003 – Die Welt in Zahlen Daten Analysen, Spiegel-Buchverlag, Deutscher Taschenbuch Verlag, S.490f
- Häussermann, Hartmut: Grossstadt: soziologische Stichworte, Leske + Budrich Verlag, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2126-1
Weblinks
- [http://www.citypopulation.de/World_d.html Die größten Agglomerationen der Welt laut citypopulation.de]
- [http://www.bbr.bund.de/infosite/rob_karten_abb/karte28.htm Karte deutscher Verdichtungsgebiete]
Kategorie:Raumplanung
NormalnullMit Normalnull (Abkürzung: N.N. oder NN), auch Nullniveau, wird ein Referenzwert für Höhenangaben auf der Erdoberfläche bezeichnet (z. B. die Höhe von Bergen oder die Tiefe von Meeresgräben).
In der Luftfahrt werden die Höhen der Lufträume in der Regel über NN angegeben. Auch Luftfahrtkarten wie die ICAO-Karte besitzen Angaben über NN.
Die Angabe der Höhe bzw. Tiefe erfolgt dabei meist in einer der folgenden Formen: „Meter über NN“, „m ü. NN“, „m NN“ oder „müM“ (umgangssprachlich und in der Schweiz offiziell „Meter über (dem) Meer(esspiegel)“, korrekt „Meter über dem mittleren Meeresspiegel“). In der Luftfahrt und manchmal auch in der Schifffahrt spricht man vom Mean Sea Level (MSL), der mittleren Meereshöhe und gibt die barometrisch gemessene Höhe in Fuß an.
Hat man eine Referenz bestimmt, kann man sich durch Nivellement die Höhe in das Landesinnere übertragen. Systematische Fehler können bei unsachgemäßem Nivellement zu Messfehlern im Bereich von mehreren Metern führen:
- Auf lange Strecken summieren sich die Messfehler der Einzelmessungen auf. (Fehlerrechnung)
- Die Abweichung der Erde von der Kugelgestalt führt zu weiteren Fehlern. So kam es bei den Höhenangaben der Stadt Saarbrücken zu großen Höhenunterschieden, je nachdem, ob man die Messung an der Nordsee oder am Atlantik begann.
- Brückenbau mit Stufe: Beim Bau der neuen Rheinbrücke zwischen dem deutschen und dem schweizer Teil der Stadt Laufenburg ist eine peinliche Panne passiert: Zwischen beiden Seiten tut sich ein Höhenunterschied von 54 Zentimetern auf. Während die Schweiz das Niveau des Mittelmeers zu Grunde legt, orientiert sich Deutschland an der Nordsee: „Die Differenz von 27 Zentimetern ist natürlich bekannt, und auf dem Papier war alles klar“, erläuterte Beat von Arx, Abteilungsleiter im Bauamt des Schweizer Kantons Aargau. In der Praxis habe es dann aber gehapert: „Auf Schweizer Seite hätte das Niveau um 27 Zentimeter angehoben werden müssen. Stattdessen sei es aber um 27 Zentimeter gesenkt worden.“
Deutschland
Der Referenzwert ist für Deutschland seit 1879 definiert durch den mittleren Pegel von Amsterdam. In der DDR war die Bezeichnung Höhennormal HN und als Datum galt von 1958 bis zur Einführung des gesamtdeutschen Höhensystems NHN der rund 14 Zentimeter niedrigere Pegel von Kronstadt, d.h. H(NN)=H(HN)+14cm. Die HN-Höhen unterschieden sich nicht nur in der Pegelhöhe, sondern auch vom Höhensystem her, da HN-Höhen genauso wie NHN-Höhen sogenannte Normalhöhen sind. In Ost-Berlin, beim Höhensystem der Deutschen Reichsbahn und an den Binnenwasserstraßen wurden auch in der DDR unverändert NN-Höhen weiter verwendet.
Meter über Normalhöhennull (NHN)
Die neueste Entwicklung ist das 1992 eingeführte gesamtdeutsche amtliche Nivellementsnetz 1. Ordnung, das DHHN 92.
Die neuen Höhen werden als Höhen über Normalhöhennull (NHN) bezeichnet. Für die Normalhöhen wurde das genauere Höhensystem entsprechend der Theorie von Molodenskij (System HN) gewählt, Bezugspegel ist der Nullpunkt des Pegels von Amsterdam (System NN). Der NHN wurde eingeführt, da beim NN das Schwerefeld der Erde nicht berücksichtigt wurde. Das Schwerefeld der Erde bildet keine Kugel sondern ähnelt mehr einer Kartoffel. Diese „Kartoffel“ beschreibt als Geoid eine nur mit Wasser bedeckte Erde, auf der nur die Zentrifugalkraft und die Gravitation wirken. Die Bestimmung des Schwerefeld-Geoids gelingt auf Meereshöhe gut, kann aber im Falle eines Berges wie dem Mont Blanc um zwei Meter differieren. Neben dem Deutschen Haupthöhennetz (DHHN92) nimmt auch das United European Levelling Net (UELN) diese „Kartoffel“ als Bezugssystem
Damit ändern sich sowohl die bisher normal-orthometrischen westdeutschen NN-Höhen (neue Berechnungsmethode), als auch die Normalhöhen Ostdeutschlands (Bezug auf einen neuen Pegel).
Schweiz
Für die Schweiz gilt der Repère Pierre du Niton mit 373,6 m über mittlerem Meeresspiegel von Marseille als Ausgangspunkt der Vermessung (der Pierre du Niton ist ein großer Findling im Genfersee bei Genf). Die schweizerischen Höhenangaben weichen um + 0,32 m von den deutschen ab. Die offizielle Bezeichnung lautet: m ü. M.
Österreich
Für Österreich gilt der mittlere Pegel von Triest an der Adria (Meter über Adria) als Nullpunkt. Die österreichischen Höhenangaben weichen um + 0,25 m von den deutschen ab.
Sonstiges
NN ist nur eines von vielen möglichen Höhensystemen.
Daneben kann man als Referenzwert das so genannte Geoid verwenden, das man durch die Vermessung von Satellitenbahnen bestimmt. Es markiert die Oberfläche, die sich bilden würde, wenn die ganze Erde von Meer bedeckt wäre. Physikalisch handelt es sich dabei um eine Äquipotenzialfläche, eine Fläche, die überall senkrecht zur Richtung der Schwerkraft steht und auf der das Schwerepotenzial (die potentielle Energie) überall denselben Wert hat. Die Erde hat nun nicht mehr Kugelform, sie gleicht auch nicht mehr einem abgeplatteten Ball (Rotationsellipsoid), sondern – übertrieben gesagt – eher einer Kartoffel. Allerdings sind die Abweichungen so klein, dass sie aus dem All gesehen nach wie vor wie eine Kugel aussieht.
Im englischen Sprachraum wird die Bezeichnung Sea Level (kurz SL) für NN verwendet.
Weblinks
- [http://www.bsh.de/de/Meeresdaten/Vorhersagen/Gezeiten/808.jsp Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie – Begriffserklärungen]
- [http://www.gfz-potsdam.de/pb1/media/champ/eigen-cg01c/anim_web_EIGEN-CHGR01C.gif Gravitationsmodell der GfZ an der Uni Potsdam. Das Eiern der Erde stark überzeichnet]
- [http://www.wissenschaft-online.de/artikel/690951 Wo liegt eigentlich Normalnull?, spektrumdirekt]
Siehe auch
- Geodäsie
- Geografische Lage
- DHDN
- Haupthöhenpunkt
- Höhenmessung
- Kartennull
- Nivellement
- Höhennetz
- Fehlerrechnung
- Ausgleichungsrechnung
- Deutsches Haupthöhennetz
Kategorie:Geodäsie
Kategorie:Geographischer Begriff
Kategorie:Ozeanologie
als:Normalnull
ja:海抜
DokumentationsfilmDer Dokumentarfilm ist ein Film, in dem versucht wird, Aspekte der uns umgebenden Welt abzubilden, zu erzählen oder zu untersuchen. Im Gegensatz zum Spielfilm geschieht dies (meistens) ohne engagierte Schauspieler oder bezahlte Darsteller. An ihre Stelle treten Menschen, Orte, Situationen, die mit den erzählten Geschichten übereinstimmen.
Es gibt eine große Bandbreite von verschiedenen Dokumentarfilmarten, die sich vom Versuch, ein möglichst reines Dokument zu erschaffen, über die Doku-Soap bis hin zum Doku-Drama erstreckt. Dabei spielt die Inszenierung des Filmers eine große Bedeutung: Wie geht man mit den vorgefundenen Bildern um? Was wird ergänzt, verstärkt? Ein weiterer Schritt ist das Nachspielen von Szenen, die so hätten stattfinden können, oder zum Teil auch so stattgefunden haben (Reenactment bis hin zum Doku-Drama). Von den Zuschauern wiederum werden oft besonders stark inszenierte Bilder für echt gehalten.
Wahrheit und Echtheit
An einen Dokumentarfilm wird der Anspruch erhoben, authentisch zu sein. Durch die Anwesenheit der Kamera und des Kamerateams wird die Situations aber immer beeinflusst, wenn auch nur geringfügig. Um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, die Authentizität des gesehenen selbst zu beurteilen, machen seriöse Dokumentarfilme Art und Ausmaß der Beeinflussung mit geeigneten Mitteln transparent. Die Echtheit einer Dokumentation hängt aber nicht nur von Authentizität des Geschehenen ab, sondern auch von dessen Repräsentativität. Durch die Darstellung einer Szene wird bei fehlender Erläuterung implizit suggeriert, dass es sich um eine in irgend einer Weise typische Szene handelt. Auch der Blickwinkel des Filmemachers und seine Kommentare werten das Gezeigte. In dem Sinn gibt es keinen „echten“ Dokumentarfilm.
"Für mich ist es ziemlich egal, mit welchen Mitteln ein Film arbeitet, ob er ein Schauspielerfilm ist mit inszenierten Bildern oder ein Dokumentarfilm. In einem guten Film geht es um die Wahrheit, nicht um die Wirklichkeit." Sergej Eisenstein, 1925
Bei einigen Tierdokumentationen wird mit dressierten Tieren gearbeitet. In diesem Fall liegt keine Dokumentation im eigentlichen Sinne vor. Häufig wird die Szene aber auch durch das Drehteam bewusst beeinflusst, z.B. durch Provokation der Tiere. Hier bleibt der Charakter einer Dokumentation nur gewahrt, wenn die Beeinflussung dem Zuschauer transparent gemacht wird oder zweifellos einem typischen Ereignis (Auftauchen eines Beutetiers) entspricht. In einem berüchtigten Negativ-Beispiel, dem Film White Wilderness, der 1958 einen Academy Award erhielt, konstruierten Techniker der Walt Disney Company einen schneebedeckten sich drehenden Tisch, um den Eindruck von wild umherirrenden Lemmingen zu erzeugen, die sich dann über eine Klippe in das Meer stürzten. Diese Täuschung beeinflußt bis heute das populäre Verständins von Lemmingen. Tatsächlich bewegen sie sich zwar zeitweise in Schwärmen, begehen aber keinen Massenselbstmord.
Der echte Dokumentarfilm unterscheidet sich von den vielen dokumentarischen Formaten durch seine journalistisch-wissenschaftliche Recherche und die Geschichte, die zumindest versucht sich der Wahrheit anzunähern bzw. die auf einer Wahrscheinlichkeit aufbaut. Entscheidendes Merkmal ist es aber, dass ein „Zeitdokument“ entsteht, d.h. eine Bilderfolge, die ungespielt und einmalig ist.
Vermehrt gibt es auch TV-Sendungen, die dem Zuschauer massiv suggerieren, es würde sich um eine Dokumentation handeln, obwohl tatsächlich nach einem Drehbuch oder ähnlichem gespielt wird (siehe Pseudo-Doku).
Der experimentelle Dokumentarfilm als Untergattung des Experimentalfilms benutzt spielerisch Elemente und Konventionen des Dokumentarfilms.
Geschichte
Anfänge
Experimentalfilm
Die ersten "bewegten Bilder" waren per Definition Dokumentarfilme. Es waren einzelne Einstellungen, die Momente aus dem Leben auf Film bannten (Der Zug, der in den Bahnhof einfährt, das andockende Boot, die Arbeiter, die die Fabrik verlassen, siehe Brüder Lumière). Im frühen Film, Ende 19. Jahrhundert dominierte immer noch die Darstellung von Ereignissen. Es wurden kaum Geschichten erzählt, dies vor allem auf Grund technischer Grenzen: Die Kameras waren groß und hatten nur Platz für wenig Filmmaterial.
Als Pionier des Dokumentarfilms gilt unter anderem der österreichische Ethnograph Rudolf Pöch, dem 1901-1906 sensationelle Aufnahmen der indigenen Völker Neuguineas in Bild und Ton gelangen.
1920er Jahre
Flaherty Im Jahr 1922 produzierte Robert J. Flaherty den ersten abendfüllenden Dokumentarfilm, "Nanook of the North". Schon in diesem Film verabschiedete sich der Dokumentarfilm von der "Wahrheit": Zahlreiche Inszenierungen und Anweisungen des Regisseurs wurden zur besseren Unterhaltung und zum Darstellen eines vermeintlich "stimmigeren" Bildes eingesetzt. So bestand Flaherty darauf, dass kein Gewehr im Film vorkommt, obwohl sich die Inuit schon lange an dessen Gebrauch gewöhnt hatten. An einer anderen Stelle wurde ein halber Iglu errichtet, so dass die Kamera das Leben innerhalb des Iglus filmen konnte. Die Darsteller, obwohl nicht Schauspieler, "spielten" die Handlung für die Kamera. Der Bau des Iglus ohne Dach für Innenaufnahmen war dazu bestimmt, sich dem damaligen Stand der Technik anzupassen.
Später wurden Inszenierungen, die dem Zuschauer verheimlicht werden, als unethisch und dem Wesen des Dokumentarfilms widersprechend erachtet.
Kulturfilm
In Deutschland bildet der Kulturfilm eines der ältesten Dokumentarfilmgenres. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik befasste sich die Ufa, die in Berlin-Steglitz ein eigenes Kulturfilmatelier besaß, mit der Herstellung von Schul- und Lehrfilmen, d. h. populärwissenschaftlichen Tier-, Natur-, Medizin- und Reisefilmen, die im Beiprogramm der Kinos vorgeführt wurden. Unter der Leitung von Wolfmar Junghans und seinem Nachfolger Ulrich K. T. Schulz entwickelte sich dieses Spezialstudio in den folgenden Jahren zum weltweit besten seiner Art.
Thema Stadt
Die europäische realistische Tradition konzentrierte sich auf städtische Umgebungen in Filmen wie Berlin - Symphonie einer Großstadt von Walter Ruttmann, Rien Que Les Heurs von Alberto Cavalcanti (1926) und Der Mann mit der Kamera von Dsiga Wertow.
1930er und 1940er Jahre
Wochenschau und Propaganda
Die Wochenschau-Tradition ist eine wichtige Tradition des Dokumentarfilms. Auch die für die Wochenschau gefilmten Ereignisse wurden oft nachgestellt, aber selten frei erfunden. Zum Beispiel wurden viele Kampfszenen nachgestellt, da der Kameramann gewöhnlich erst nach der Schlacht erschien. Dsiga Wertow arbeitete nach der Oktoberrevolution an der Kino-Pravda mit.
Frank Capra's Why We Fight Serie war eine Wochenschau-Serie, die von der Regierung der USA in Auftrag gegeben wurde, um das heimische Publikum von der Notwendigkeit Krieg zu führen, zu überzeugen.
Nationalsozialismus
Einige der berüchtigtsten Propagandafilme - z. B. Leni Riefenstahls Film Triumph des Willens und Fritz Hipplers Der ewige Jude - entstanden unter dem Nationalsozialismus. Da nicht-fiktionale Filme jedoch auch kommerziell ein Erfolg waren, wurde die Dokumentarfilmproduktion nach 1933 auch insgesamt weiter ausgebaut. Die Ufa betrieb in Berlin-Babelsberg Mitte der 1930er Jahre unter der Leitung von Nicolas Kaufmann zwei Kulturfilmateliers mit Spezialeinrichtungen für Unterwasseraufnahmen und für die damals ganz neue Mikrofotografie. Die Produktion nicht-fiktionaler, v. a. pädagogischer Filme überstieg die Spielfilmproduktion zahlenmäßig bei weitem. Abgesehen von den Filmen von Leni Riefenstahl und Walter Ruttmann sind die meisten dieser Kulturfilme filmgeschichtlich heute jedoch kaum noch interessant.
Grierson
In den 1930ern argumentierte der Dokumentarfilmer und Filmtheoretiker John Grierson in seinem Essay First Principles of Documentary Robert Flaherty's Film Moana habe „dokumentarischen Wert“ und etablierte eine Reihe von Prinzipien für den Dokumentarfilm.
Grierson zufolge konnte das Potential des Kinos, das Leben zu beobachten, zu einer neuen Kunstform führen; der 'ursprüngliche' Darsteller und die 'echte' Szene seien besser geeignet die moderne Welt zu interpretieren als die Fiktion und das roh gewonnen Material sei realer als das Gespielte. Insofern stimmt Grieserson teilweise mit Wertovs Verachtung für den 'bürgerlichen' Spielfilm überein. In seinen Essays hatte Dsiga Wertow dafür plädiert, das Leben zu zeigen „wie es ist“, d.h. das unbeobachtete oder überraschte Leben.
Seit dem Zweiten Weltkrieg
Direct Cinema und cinema verité
Die Filme Harlan County, U.S.A. (Regie: Barbara Kopple), Don't Look Back (D. A. Pennebaker), Lonely Boy (Wolf Koenig und Roman Kroitor) und Chronique d'un été (1960)(Jean Rouch) werden zum Cinema vérité bzw. Direct Cinema gezählt. Obwohl die Ausdrücke manchmal synonym gebraucht werden, gibt es wichtige Unterschiede zwischen Cinema vérité (Jean Rouch) und dem amerikanischen Direct Cinema, zu dessen Pionieren Richard Leacock, Frederick Wiseman und die Maysle Brüder zählen. Die Regisseure nehmen unterschiedliche Haltungen an, was den Grad der Intervention angeht. Kopple und Pennebaker, zum Beispiel bevorzugen ein Minmum an Einmischung - der Idealfall wäre die reine Beobachtung - während Rouch, Koenig und Kroitor bewußt intervenieren und Reaktionen provozieren.
In Deutschland wurde besonders Klaus Wildenhahn vom Direct Cinema beeinflußt.
Dokumentarfilm und Spielfilm
Dem Cinema verité ist mit dem italienischen Neorealismus die Neigung gemein, Laien an Originalschauplätzen zu filmen, und die französische Nouvelle Vague machte häufig von nicht im Drehbuch stehenden Dialogen und in der Hand gehaltenen Kameras und synchronisertem Ton Gebrauch.
Dokumentarfilm und Politik
In den 60er und 70er Jahren wurde der Dokumentarfilm oft als politische Waffe im Kampf gegen den Neokolonialismus bzw. den Kapitalismus im allgemeinen verstanden, besonders in Lateinamerika. La Hora de los hornos (1968) [Die Stunde der Feuer] von Octavio Getino und Fernando E. Solanas beeinflußte eine ganze Generation von Filmemachern.
Besondere Genres
Kompilationsfilm
Kompilationsfilme sind nichts neues in der Geschichte des Kinos. Die Pionierin war Esther Schub mit Der Fall des Hauses Romanov (1927). Neuere Beispiele sind Point of Order (1964) von Emile de Antonio über die McCarthy- Anhörungen und The Atomic Cafe, der vollständig aus Material erstellt wurde, das die US-Regierung erstellen ließ, um die Bevölkerung über atomare Strahlung 'aufzuklären'. Den Soldaten wurde z.B. erklärt, ihnen könne nichts passieren, selbst wenn sie verstrahlt würden, solange sie die Augen und den Mund geschlossen hielten.
The Last Cigarette (1999) kombiniert Zeugenaussagen von Managern der amerikanischen Tabakindustrie mit Archivmaterial, das die Vorzüge des Rauchens anpreist.
Essayfilm
Eine Grenzform des nichtfiktionalen Films ist der Essayfilm. Die im Direct Cinema verbannte Off-Stimme kehrt zurückt, verliert aber ihren offiziösen, autöritären, pseudoobjektiven Charakter. Zu den wichtigen Essayfilmachern zählen Guy Debord, Raoul Peck und Harun Farocki.
Bedeutende Dokumentarfilmer
Deutschland
- Sylvie Banuls
- Hartmut Bitomsky
- Niels Bolbrinker
- Jürgen Böttcher
- Harun Farocki
- Eberhard Fechner
- Karl Gass
- Hans-Dieter Grabe
- Thomas Heise
- Peter Heller
- Walter Heynowski
- Winfried Junge
- Romuald Karmakar
- Volker Koepp
- Stanislaw Mucha
- Peter Nestler
- Gitta Nickel
- Leni Riefenstahl
- Walter Ruttmann
- Torsten Sasse
- Gerhard Scheumann
- Rolf Schübel
- Kerstin Stutterheim
- Andrew Thorndike
- Annelie Thorndike
- Georg Stefan Troller
- Klaus Wildenhahn
Andere europäische Länder
- Michael Apted (Seven Up!)
- Jerzy Bossak
- Pierre Carles
- Jean Cousteau
- John Grierson
- Joris Ivens
- Claude Lanzmann (Shoah)
- Chris Marker
- Bernd Mosblech
- Fredi Murer
- Marcel Ophüls
- Jacques Perrin (Le Peuple Migrateur)
- Alain Resnais (Nacht und Nebel )
- Jean Rouch
- Bertram Verhag
- Dziga Vertov
Afrika
- Safi Faye
- Sorious Samura, (Cry Freetown, Return to Freetown, Exodus, Living with Hunger, Living with Refugees)
Asien
- Anand Patwardhan.
- Artavazd Ashoti Peleshyan
Australien
Lateinamerika
- Tomas Gutierrez Alea
- Santiago Alvarez
- João Batista de Andrade
- Fernando Birri
- Sergio Bravo
- Patricio Guzman
- Leon Hirszman
- Miguel Littin
- Paul Leduc
- Marta Rodríguez
- Fernando E. Solanas
- Gerardo Vallejo
Nordamerika
- Emile de Antonio
- Denys Arcand
- William Arntz, Betsy Chasse and Marc Vicente What The Bleep Do We Know
- Joe Berlinger and Bruce Sinofsky (Brother's Keeper, Paradise Lost: The Child Murders at Robin Hood Hills, Metallica: Some Kind of Monster)
- Nick Broomfield (Aileen Wuornos: The Selling of a Serial Killer Biggie & Tupac, Kurt & Courtney, Heidi Fleiss: Hollywood Madam)
- Ken Burns (Baseball, Jazz, The Civil War)
- Merian C. Cooper and Ernest B. Schoedsack
- Peter Davis
- Robert J. Flaherty
- Mark Jonathan Harris, (The Long Way Home, Into the Arms of Strangers: Stories of the Kindertransport)
- Steve James (Hoop Dreams)
- Barbara Kopple (Wild Man Blues, Harlan County, USA)
- Richard Leacock
- Pare Lorentz
- Kevin Macdonald, (One Day in September, Touching the Void)
- Ron Mann (Comic Book Confidential, Twist, Grass)
- Albert Maysles and David Maysles (Salesman, Grey Gardens)
- Ross McElwee, (Time Indefinite, Sherman's March)
- Michael Moore (The Big One, Roger and Me, Bowling for Columbine, Fahrenheit 9/11)
- Errol Morris (The Thin Blue Line, Vernon, Florida, Fast, Cheap and Out of Control, The Fog of War)
- Alanis Obomsawin
- D. A. Pennebaker (Don't Look Back, Monterey Pop)
- Frederick Wiseman (High School, Titicut Follies)
- Leon Gast
Kommerzieller Erfolg
Michael Moores politischer Dokumentarfilm Fahrenheit 9/11 schrieb im Juni 2004 Filmgeschichte, da es zuvor noch niemals vorkam, dass ein Dokumentarfilm an der Spitze der US-Kinocharts stand. Bereits der vorherige Film Moores, Bowling for Columbine (2002), war ein US-Einspielrekord gewesen, hatte aber nicht an einem einzigen Wochenende 21,8 Millionen Dollar eingespielt. Weltweit hat der Film Fahrenheit 9/11 bis zum 11. Dezember 2004 ganze 220.194.771 Dollar eingespielt. Somit ist er mit Abstand der finanziell erfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten. Der finanziell zweiterfolgreichste Dokumentarfilm ist Michael Moores Bowling for Columbine mit Einnahmen von 58.008.423 Dollar.
What The Bleep Do We Know von William Arntz, Betsy Chasse und Marc Vicente, ist ein weiteres Beispiel fuer einen auch kommerziell erfolgreichen Dokumentarfilm. Allein in den U.S.A. wurde er von ueber einer Million Menschen gesehen und spielte ueber $12 Millionen ein. Die DVD liegt derzeit auf Platz 1 der Mehrfachbestellungen. Die Deutsche Version wurde vom neuen Verleih Horizon Film Distribution im November 2005 in die Kinos gebracht.
Literatur
- Erik Barnouw, Documentary. A History of the Non-Fiction Film, Oxford University Press 1993 - eine immer noch lesenwerte Einführung
- Mo Beyerle, Christine N. Brinckmann (Hrg.): Der amerikanische Dokumentarfilm der 60er Jahre. Direct Cinema und Radical Cinema. Campus, Frankfurt am Main, New York 1991, 527p.- Der Band enthält außer den Analysen der WissenschaftlerInnen auch Interviews mit Richard Leacock, Ed Pincus, Emile de Antonio und David Loeb Weiss sowie ausführliche Bibliographien
- Hohenberger, Eva, (Hg.), Texte zur Theorie des Dokumentarfilms, Berlin: Vorwerk 8, 1998
- Gilles Marsolais, „Dokumentarische Tendenzen im quebekischen Kino oder das Erbe des cinéma direct“ in: Michel Larouche, Jürgen E. Müller, Quebec und das Kino. Die Entwicklung eines Abenteuers, Münster: Nodus 2002, S. 55-84
- Michael Rabiger: Dokumentarfilme drehen. Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 2000
- Die überrumpelte Wirklichkeit : Texte zum sowjetischen Dokumentarfilm der 20er und frühen 30er Jahre ; [Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm] / [Hrsg.: Leipziger Dok-Filmwochen GmbH]. Leipzig : Leipziger Dok-Filmwochen GmbH, 2003.
- Schadt, Thomas: Das Gefühl des Augenblicks - Zur Dramaturgie des Dokumentarfilms. Bergisch Gladbach, 2002. ISBN 3-404-94014-8
Siehe auch
- Kulturfilm
- Kompilationsfilm
- Portal:Film, Radio-Feature, Denk ich an Deutschland...
- Liste wichtiger deutscher Dokumentarfilme (1933-1945)
Weblinks
- [http://www.bleep.de Homepage des populaeren Dokumentarfilms
- http://www.documentaryfilms.net/
- [http://www.hdf.de/ HAUS DES DOKUMENTARFILMS - Europäisches Medienforum Stuttgart]
- [http://www.weberberg.de/biff.html Biberach Independent Film Festival (für Kurz- und Dokumentarfilme)]
- [http://www.agdok.de/ AG DOK, arbeitsgemeinschaft dokumentarfilm] (der mitgliederstärkste deutsche Filmverband)
- [http://www.sensivision.com/ Dokumentarfilme zum herunterladen]
- [http://www.lib.berkeley.edu/MRC/documentarybib.html Documentary and Ethnographic Film: A Short Bibliography]
- [http://www.lussasdoc.com/ États Généraux du Film Documentaire]
- [http://www.duisburger-filmwoche.de/ DUISBURGER FILMWOCHE: Das Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms]
- [http://www.dokfestival-leipzig.de/homepage/de/index.html Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm]
- [http://www.deutsches-filminstitut.de/thema/dt2t001a.htm Deutsches Filminstitut] (Liste mit Kulturfilmen der Ufa 1919-1944)
- [http://www.filmportal.de/df/e1/Artikel,,,,,,,,EE1AA3B2D1F2D199E03053D50B371690,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.html Filmportal] (Traumfabrik und Staatskonzern - die Geschichte der Ufa. Der Kulturfilm)
Kategorie:Filmgenre
!
Kategorie:Journalismus
ja:ドキュメンタリー
La SierraLa Sierra (dt. alt. „La Sierra - Zum Killer geboren“) ist ein 2004 fertiggestellter kolumbianisch-US-amerikanische Dokumentation über die Jugendlichen der Bande „Bloque Metro“ im Viertel Sierra der kolumbianischen Millionenstadt Medellín.
Diese paramilitärische Bande befindet sich im beinahe täglichen Kampf gegen die Guerillas, und sind somit Teil des kolumbianischen Bürgerkriegs. Keines der Mitglieder ist älter als 22, und deren Freundinnen - obwohl meist nur zwischen 14 und 17 Jahren alt - sind häufig bereits schwanger oder gerade erst Mütter geworden.
Diese Dokumentation von Scott Dalton und Margarita Martinez wurde über ein Jahr lang mitten unter den jugendlichen Kombattanten gedreht und zeigt die Lebenswege von drei typischen Medelliner Jugendlichen in der hoffnungslosen Realität eines Lebens in Armut und Krieg in einer zerrütteten Gesellschaft. Die Jugendlichen übernehmen in den Städten die Drecksarbeit der großen verfeindeten Drogenkartelle. Vielfach drogensüchtig ermorden sie sich gegenseitig für den Lohn von Prestige, Macht, Geld und Begehrtheit unter den Frauen. Und das meist bis zum unausweichlichen Tod.
Edisón, der 22-jährige Kommandant des paramilitärischen "Bloque Metro", Cielo, die 17-jährige Freundin eines inhaftierten Bandenmitglieds, und Jesús, ein 19-jähriger Soldat in Edisóns Truppe öffnen sich den Filmemachern mit frappierender Ehrlichkeit und schockierendem Fatalismus. Sie alle leben einen bizarren Spagat zwischen Träumen von einem besseren Leben und brutalem Alltag.
Edisón hat acht uneheliche Kinder von sechs blutjungen Mädchen und kümmert sich rührend um jede einzelne seiner Familien. Nachts führt er die Killerkommandos des "Bloque Metro", in dem er seit seinem 15. Lebensjahr Mitglied ist, im Kampf gegen die Guerilla. „Wenn man jung ist, mag man Abenteuer. Wenn jemand eine Kanone hat, willst du auch eine haben. Ich wollte zu dieser Gruppe dazugehören, ich wollte schießen.“ sagte er während des Drehs. Nach Fertigstellung der Dokumentation wird er vom Militär mit einem Kumpanen auf offener Straße erschossen.
Cielo hat einen Sohn und wurde bereits mit 15 Witwe. Sie lebte im Grunde nur für die Besuche bei ihrem Freund im Gefängnis, doch nach der Trennung landete sie als Prostituierte in einer Bar.
Auch Jesús, Schulabbrecher und schwer Kokainabhängig, hat ein Kind. Als er einmal an einer Granate bastelte schoss er sich dabei den halben Arm weg. Das nimmt er ebenso gelassen hin wie sein scheinbar von vornherein besiegeltes Schicksal: "Natürlich werde ich jung sterben", sagt er, "wir haben keine Zukunft. Wir überleben vielleicht diesen Krieg, aber dann kommt der nächste und dann wieder ein nächster, bis man schließlich getötet wird."
Auszeichnungen
- „Best Documentary Feature“, IFP Market New York 2004
- „Best Documentary“, Miami 2005
- „Honorary Mention“, Slamdance 2005
Weblinks
-
Kategorie:Filmtitel
Kategorie:US-amerikanischer Film
Kategorie:Kolumbianischer Film
Kategorie:Dokumentarfilm
Kolumbianischer BürgerkriegIn Kolumbien findet seit dem Jahr 1964 ein Bürgerkrieg statt. Dieser wird jedoch von der weltweiten Medienlandschaft weitestgehend nicht beachtet.
Beteiligte Parteien
- Kolumbianische Regierung, Polizei und das Militär
- linksgerichtete Guerillagruppen:
- Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Ejército del Pueblo (FARC-EP)
- Ejército de Liberación Nacional (ELN)
- rechtsgerichtete paramilitärische Gruppierungen:
- Autodefensas Unidas de Colombia (AUC)
- Vereinigte Staaten von Amerika
- Drogenmafia
Strukturen des Konflikts
Es ist sehr schwierig, die Strukturen dieses Konfliktes zu durchblicken.
Es steht fest, dass die linksgerichteten Guerillagruppen gegen das kolumbianische Militär kämpfen. Die rechtsgerichteten Paramilitärs steht im Konflikt mit den Guerillagruppen. Beide Parteien verüben jedoch auch Anschläge auf die Zivilbevölkerung.
Es wird davon ausgegangen, dass etwa 20.000 Menschen auf Seiten der Guerillas und ca. 3.000 bis 5.000 Menschen auf Seiten der Paramilitärs kämpfen.
Die Guerillagruppen sind in Kolumbien stark vertreten und kontrollieren auch einen großen Anteil des Landes. Laut Aussage der Guerillas handelt es sich dabei um sogar fast 50% des kolumbianischen Territoriums. Insbesondere im Südosten sind die Guerillagruppen stark vertreten; in dieser Gegend wird auch besonders viel Koka angebaut.
Die Paramilitärs, die genau wie die Guerillas ohne Rücksicht auf die Menschenrechte kämpfen, werden von Teilen der militärischen Kräfte der kolumbianischen Regierung geduldet, wenn nicht sogar unterstützt. Diese Verstrickungen sind jedoch nicht offiziell bewiesen, da die Betroffenen natürlich kein Interesse haben, diese Verbindungen offenzulegen, so dass es auch hier auch viele Mutmaßungen gibt. Seit 2002 haben die in der AUC zusammengeschlossenen Gruppierungen ihre Entwaffnung angekündigt, die aber nur schleppend vor sich geht. Im Gegenzug wird ihnen Amnestie versprochen. Auch die Paramilitärs finanzieren sich zum großen Teil aus dem Kokaanbau und dem Handel mit Kokain.
Die USA beliefern die kolumbianische Regierung mit Waffen und liefern auch militärische Unterstützung in Form von Hubschraubern, Piloten und Ausbildern. Dies geschieht mit dem offiziellen Ziel, den Drogenanbau und den Drogenhandel zu bekämpfen. Insbesondere die Guerillagruppen, die sich selber als linksgerichet bezeichnen, werden von den USA als Narcoterroristas („Drogenterroristen“) bezeichnet, um den kriminellen Charakter der Organisationen in den Vordergrund zu stellen und ihnen politische Motivation abzusprechen.
Drogen
Die Aktivitäten der Guerillas und der Paramilitärs werden seit Anfang der 1980er Jahre verstärkt durch den Anbau und den Verkauf von Drogen, insbesondere Kokain finanziert; seit einigen Jahren wird auch verstärkt der Anbau von Schlafmohn gemeldet. Dem damit zusammenhängenden hohen organisierten Kriminalität und der Korruption scheint der kolumbianische Staat relativ hilflos gegenüber zu stehen.
Opfer
Im kolumbianischen Konflikt sind seit 1964 etwa 200.000 Menschen umgekommen. Außerdem werden insbesondere zur Finanzierung des Konfliktes, aber teilweise auch zur Destabilisierung des politischen Sytems bis zu 3.000 Personen jährlich von den bewaffneten illegalen Gruppierungen entführt und teilweise getötet.
Weblinks
- [http://www.welt.de/data/2005/08/21/763226.html Kolumbiens vergessener Krieg] Artikel von Freia Peters in der Welt am Sonntag, Ausgabe Nr. 34 (2005)
- [http://www.kolumbien-aktuell.ch Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien] Umfangreiche schweizer Site über Bürgerkrieg und Menschenrechte in Kolumbien
- [http://www.kolko.de kolko e.V.] Umfangreiche deutsche Site über Bürgerkrieg und Menschenrechte in Kolumbien
- [http://www.mediosparalapaz.org/ Medios para la Paz (spanisch)]
- [http://www.mediosparalapaz.org/index.php?idcategoria=1285 Medios Para la Paz (englisch)]
Akteure
- [http://www.gobiernoenlinea.gov.co offizielle Seite der Regierung]
- [http://www.policia.gov.co offizielle Seite der Polizei]
- [http://www.fuerzasmilitares.mil.co offizielle Seite des Militärs]
- [http://www.farcep.org Homepage der FARC-EP]
- [http://www.eln-voces.com Homepage der ELN]
- [http://www.colombialibre.net Homepage der Unidas de Colombia]
Kategorie:Bürgerkrieg
Kategorie:Kolumbien
Kaffee
]
Kaffee // (türk. kahve aus arab. qahwa „anregendes Getränk“; auch: Wein) ist ein schwarzes, koffeinhaltiges Heißgetränk, das aus gerösteten (Röstkaffee) und gemahlenen Kaffeebohnen hergestellt wird. Röst- und Mahlgrad variieren je nach Zubereitungsart (s. u.). Kaffee enthält das Vitamin Niacin.
Die Kaffeebohnen werden aus Steinfrüchten verschiedener Pflanzenarten aus der Familie der Rubiaceae gewonnen. Die beiden wichtigsten Arten der Kaffeepflanze sind Coffea arabica (Arabica-Kaffee) und Coffea canephora (Robusta) mit vielen Sorten/Varietäten. Je nach Art der Kaffeepflanze, Sorte der Kaffeebohne und Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. So gilt Kaffee aus Robusta-Bohnen als minderwertig gegenüber dem aus reinem Arabica, dabei haben diese Bohnensorten lediglich unterschiedliche Eigenschaften und Preisbildungsfaktoren. Als seltenste Kaffeesorte der Welt gilt der Kopi Luwak aus Indonesien...
Kaffee wird heute in über 50 Ländern weltweit angebaut.
Geschichte
Ursprung und Entdeckung
Indonesien
Nach einer 1671 zu Papier gebrachten Legende fiel einst Hirten aus Kaffa auf, dass ein Teil der Ziegenherde, die von einem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten gefressen hatten, bis in die Nacht hinein munter umhersprang, während die anderen Tiere müde waren. Die Hirten beklagten sich darüber bei Mönchen des nahe gelegenen Klosters. Als ein Hirte selbst die Früchte des Strauchs versuchte, stellte er auch bei sich eine belebende Wirkung fest. Bei Nachforschungen der Mönche an der Grasungsstelle entdeckten sie dort einige dunkelgrüne Pflanzen mit kirschenartigen Früchten. Sie bereiteten daraus einen Aufguss und konnten fortan ohne das gewohnte Schlafbedürfnis bis tief in die Nacht hinein wach sein, beten und miteinander reden. Somit haben wohl Ziegen die Kaffeebohne entdeckt.
Es wird angenommen, dass die Provinz Kaffa in Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees ist. Dort wurde er bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Von Äthiopien gelangte der Kaffee vermutlich im 14. Jahrhundert durch Sklavenhändler nach Arabien. Geröstet und getrunken wurde er aber dort wahrscheinlich erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Kaffeeanbau brachte Arabien eine Monopolrolle ein. Handelszentrum war die Hafenstadt Mocha, auch Mokka genannt, das heutige Al Mukha im Jemen.
Die äthiopische Zubereitungsart bzw. Kaffeetradition ist wohl die ursprünglichste: Nach dem Rösten der Bohnen in einer großen Eisenpfanne werden diese grob gemahlen oder im Mörser zerstampft. Das Mahlgut wird mit Wasser und Zucker in der sog. Jabana (einem bauchigen Tonkrug ähnlich einer Karaffe) aufgekocht und in kleinen Schalen serviert.
Verbreitung
Mit dem Aufstieg des osmanischen Reiches wurde das Getränk immer beliebter. Das erste Café entstand in Persien. In öffentlichen Kaffeehäusern traf man sich in Kleinasien, Syrien und Ägypten zum Genuss des Getränks. In Kairo wurden nach 1532 die Kaffeehäuser von einer aufgehetzten Menschenmenge gestürmt. Im 17. Jahrhundert wurde die Kaffeepflanze in holländische Kolonien verbreitet und sicherten Holland eine Vormachtstellung im Handel.
In Konstantinopel soll Kaffee 1517 erstmals aufgetaucht sein (durch Sultan Selim nach der Eroberung von Ägypten), jedenfalls wurde nach heftiger Opposition von Kirche und Staat 1554 das erste europäische Kaffeehaus eröffnet. 1645 verfügte Venedig, 1650 Oxford und 1652 London über eine solche Einrichtung. In Frankreich entstanden um 1659 erste Kaffeehäuser in Marseille, Paris folgte 1672, nachdem ein Armenier in St. Germain eine Kaffeebude aufgeschlagen hatte. Das erste eigentliche Kaffeehaus war jedoch das Café Procope, das um 1689 vom Sizilianer Procopio begründet wurde. Wien folgte 1683 mit dem ersten Wiener Kaffeehaus nach (Gründung eines Polen), nachdem beim Kampf gegen die Türken 500 Sack Kaffee erbeutet worden waren, und wurde zur klassischen Kaffeehausstadt. Nach Deutschland gelangte der Kaffee offenbar über Frankreich und er wurde erstmals 1673 in Bremen ausgeschenkt. Hier entstand dann 1697 das Bremer Kaffeehaus im Haus Schütting. 1675 kannte man Kaffee bereits am Hofe des Großen Kurfürsten, doch wurde hier erst 1721 das erste Kaffeehaus errichtet. In Hamburg entstand 1679 ein Kaffeehaus, das von einem Engländer gegründet wurde, in Regensburg 1686, in Leipzig 1694.
Der Augsburger Arzt Rauwolff lernte schon 1573 in Aleppo den Genuss von Kaffee kennen und berichtete 1582 darüber. Weitere Nachrichten über den Kaffee gelangten durch Prospero Alpino 1592 nach Italien.
Anbau
Waren die Kaffeepflanzen zunächst nur in Afrika und Arabien verbreitet, so kam man bald auf die Idee, sie in anderen geeigneten Regionen zu kultivieren.
Die erste Anpflanzung außerhalb Afrikas und Arabiens geschah durch van Hoorn, der als Gouverneur von Niederländisch-Ostindien 1690 (nach anderen Quellen bereits 1658) in Ceylon und 1696 (oder 1699) auf Java erste Versuche anstellen ließ. Die dort verwendeten Pflanzen stammten aus Arabien. Von diesen Plantagen gelangten 1710 mehrere Exemplare nach Europa und wurden hier in verschiedenen botanischen Gärten kultiviert, z.B. in Amsterdam, wo erstmals ein Kaffeebaum auf europäischem Boden gezogen wurde.
1718 brachten die Holländer den Kaffee nach Surinam, die Franzosen 1725 nach Cayenne, 1720/1723 nach Martinique, 1730 nach Guadeloupe und gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Kaffee bereits zu den verbreitetsten Kulturpflanzen in den Tropen. Dies ist auch auf die Ausbreitung der europäischen Kolonien zurückzuführen, ohne die die heutige weltweite Verbreitung des Kaffees nicht zu verstehen ist.
Genuss
Der Kaffee war ursprünglich sehr teuer, deshalb konnten sich nur gutsituierte Bürger und Aristokraten das aromatische Getränk leisten. Honoré de Balzac trank stets sehr viel starken Kaffee, um wach zu bleiben; er arbeitete meist zwölf Stunden am Tag. Ludwig van Beethoven hatte es sich angewöhnt, genau 60 Kaffeebohnen abzuzählen, um daraus eine Tasse Mokka zu brauen.
Von Johann Wolfgang von Goethe stammte die Idee, man solle die Bohnen destillieren. Beim Umsetzen des Gedankens entdeckte der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge das Koffein.
Der teure und seltene Kaffee wurde von ärmeren Bevölkerungsschichten und in Krisenzeiten durch Ersatzprodukte wie Muckefuck, Malzkaffee oder Zichorie ersetzt.
In einigen Ländern hat sich der nachmittägliche Genuss von Kaffee als eigene Mahlzeit Kaffee etabliert.
Wirtschaftliche Bedeutung
Mahlzeit Kaffee
Weltproduktion
Brasilien ist der größte Kaffeeproduzent der Welt mit 1,772 Mio. Tonnen Kaffeebohnen, was ca. 25 Prozent der Welternte ausmacht, die bei 7,300 Mio. Tonnen pro Jahr liegt. Weitere große Kaffeebohnenproduzenten sind Vietnam, Kolumbien, Indonesien, Elfenbeinküste, Mexiko, Indien, Guatemala, Äthiopien, Uganda, Costa Rica, Honduras, Peru und El Salvador.
Die bedeutendsten Hauptabnehmerländer sind weltweit die USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Italien.
Handel
Die Kaffeeindustrie in Deutschland ist ein Oligopol: sechs Anbieter (Tchibo, Aldi u. a.) teilen sich 85% des Marktes. Die deutschen Großröstereien konzentrieren sich dabei im Hamburger Raum. Der Hamburger Hafen ist nicht nur für Deutschland, sondern sogar weltweit der größte Umschlagplatz für Rohkaffee.
Durch den Verfall des Kaffeepreises, an dem vor allem auch das genannte Oligopol maßgeblichen Anteil hat, ist der Preis für Kaffee auf ein Niveau gesunken, das in den letzten 50 Jahren noch nie unterboten wurde: Im Jahresdurchschnitt mussten 2001 für 500 g Kaffee lediglich 3,28 Euro bezahlt werden.
Bis Ende 2001 befand sich der Kaffeepreis in einem Abwärtstrend, ging danach jedoch in einen leichten Aufwärtstrend über. Seit Ende 2004 nun steigen die Kaffeepreise sehr stark an. So lag das Tief an der Börse bei 0,246 US-Dollar, inzwischen legte der Preis rund 180 Prozent auf 0,689 Dollar je 100 Kilogramm Kaffee zu.
Neben dem gestiegenen Konsum, der zu einem ausgeglichenen Markt führte, tragen hierzu Hedge-Fonds und andere spekulative Anleger bei, die an Waren- bzw. Kaffeebörsen den Preis nach oben treiben. So hat die Anzahl der gehandelten und auch der ausstehenden Warenterminkontrakte deutlich zugenommen.
Traditionell bleibt im Anbauland selbst der geringste Anteil des vom Endverbraucher gezahlten Preises und davon wiederum nur ein kleiner Teil bei den Arbeitern und Bauern hängen. Im Fairen Handel, als dessen klassisches Produkt Kaffee gilt, wird versucht, diese schwierige wirtschaftliche Lage der Produzenten im gesamten Handelsprozess zu berücksichtigen und faire Bedingungen zu schaffen.
Dies führte bisher zwar zu einer anderen Verteilung in der Wertschöpfungskette, doch auch zu insgesamt höheren Preisen für den Verbraucher von seit Jahren stabil rund fünf Euro. Durch die aktuelle Preisentwicklung wird dieser bisher teurere Kaffee – mit einem bisherigen Marktanteil in Deutschland von unter einem Prozent – nun konkurrenzfähig und bei weiter steigenden Preisen sogar deutlich günstiger als der traditionell gehandelte.
Verbrauch
Den größten Kaffeekonsum der Welt haben die Finnen. Jeder Einwohner Finnlands konsumierte 1998 11,3 kg Kaffee, was insgesamt 1737 Tassen pro Jahr beziehungsweise 5 Tassen pro Tag und Person entspricht.
Den größten Gesamtverbrauch haben die USA, 1998 betrug er schätzungsweise 1.148.000 t (Finnland: 58.000 t). Umgerechnet auf den einzelnen Bewohner der USA, entsprechen diese Zahlen 4,2 kg bzw. 646 Tassen pro Jahr (1,8 pro Tag).
Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche 4 Tassen Kaffee am Tag, das entspricht 160 Liter bzw. 6,7 Kilo pro Jahr. Damit ist Kaffee noch vor Bier das beliebteste Getränk der Deutschen.
In Deutschland unterliegen Kaffee und kaffeehaltige Waren einer zusätzlichen Verbrauchsteuer, der Kaffeesteuer. Diese macht mit 2,19 €/kg Röstkaffee (Stand 2004) einen nicht unerheblichen Anteil des Kaffeepreises aus. Die jährlichen Einnahmen aus dieser Steuer belaufen sich auf rund 1 Mrd. Euro.
Zubereitung und Konsum
Euro]
Die Zubereitungsart von Kaffee ändert sich je nach Kultur, nationalen Gepflogenheiten oder persönlichem Geschmack. Grundsätzlich können fünf Zubereitungsarten unterschieden werden:
- Beim in Deutschland, der Schweiz und den USA weit verbreiteten Filterkaffee wird siedendes Wasser durch das in einer Filtertüte befindliche Kaffeepulver gefiltert. Dieses Verfahren wurde 1908 von Melitta Bentz erfunden.
- Unter anderem in Italien wird Espresso getrunken, bei dem Wasser unter hohem Druck (9–15 bar) durch den feingemahlenen Kaffee geleitet wird (Extraktion) und dabei einen Schaum aus Kaffeeölen bildet, die Crema.
- Bei der Zubereitung von Türkischem Kaffee (Türkei, Balkanländer) wird der sehr fein gemahlene Kaffee ggf. mit Zucker und Wasser in einem speziell dafür konzipierten, leicht konischen Kupferkesselchen aufgekocht, dem sog. Ibrik oder Djesvè // (siehe Mokka) .
- Eine in Frankreich sehr beliebte Methode des Kaffeekochens wird mittels der French Press oder Pressstempelkanne bewerkstelligt. Ähnlich wie beim türkischen Kaffee wird dabei das Kaffeepulver direkt in das heiße Wasser gegeben, und nach einer Weile mittels eines Metallsiebes abgetrennt.
- Löslicher Kaffee ist Kaffeepulver, der nur durch Zugabe von heißem Wasser zubereitet wird und ohne weitere Zubereitungsschritte getrunken werden kann.
Auf Basis dieser fünf Grundzubereitungen gibt es heute hunderte von Kaffeerezepten und Tausende von Rezepten, die Kaffee verwenden. Für viele Arten der Zubereitung gibt es spezielle Kaffeemaschinen.
Kaffee wird meist nicht wie andere Getränke als normaler Durstlöscher eingenommen. Kaffeetrinker erhoffen oft eine anregende Wirkung. Nach einer Studie des an der University of Scranton tätigen US-amerikanischen Chemikers Joe Vinson von August 2005 dient Kaffee, neben dem traditionellen Verzehr von frischem Obst und Gemüse, als eine wichtige Quelle von Antioxidantien. Das sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die indirekt das Krebsrisiko verringern.
Arten der Kaffeeröstung
Antioxidantien
- Helle Röstung = blasse oder Zimt-Röstung
- Mittlere Röstung = amerikanische Röstung, Frühstücksröstung
- Starke Röstung = helle französische Röstung, Wiener Röstung
- Doppelte Röstung = Continental-Röstung, französische Röstung
- Italienische Röstung = Espresso-Röstung
- torrefacto (spanisch für geröstet) = Röstung unter Zuckerbeigabe, vor allem in Spanien gebräuchlich. Der so geröstete Kaffee wird dem konventionell gerösteten (tueste natural) zu 20 % - 50 % beigemischt, das Ergebnis wird als mezcla (spanisch für Mischung) bezeichnet. Eine mezcla 70/30 z. B. besteht aus 70 % tueste natural und 30 % café torrefacto. Diese Röstungsart reduziert Säure und Bitterkeit des Kaffees.
Zubereitungsarten (Auswahl)
: Deutschland
: - Eiskaffee – gekühlter Kaffee mit Vanilleeis
: - Irish Coffee – starker Kaffee mit Whisky, Schlagsahne und Zucker
: - Kaffee Hag® – koffeinfreier Kaffee (Hag ist eine Marke)
: - Milchkaffee – Filterkaffee, halb Milch, halb Kaffee
: - Mokka / Türkischer Kaffee – starker Kaffee, im Kännchen mit Satz serviert
: - Pharisäer – schwarzer Kaffee mit Rum, Zucker und Schlagsahne
: - Rüdesheimer Kaffee – Kaffee mit Weinbrand flambiert, mit Schlagsahne, Vanillezucker und Schokoladestreusel
: - Schwaten oder Schwatten – schwacher Kaffee mit Zucker und 2 cl Korn pro Tasse (Norddeutsche Spezialität)
: Österreich (und Gebiet der ehemaligen Monarchie)
Pharisäer
: - Almkaffee – Kaffee mit Eidotter, Obstschnaps und Obers
: - Biedermeier – österreichisch; mit Marillenlikör und Schlagobers
: - Großer Brauner – doppelter Espresso mit Milch in großer Tasse
: - Kleiner Brauner – einfacher Espresso mit Milch in kleiner Tasse
: - Doppelmokka – doppelt starker Kaffee in großer Mokkaschale
: - Einspänner – großer Mokka im Henkelglas mit Schlagobers – Henkel weil der Kutscher mit einer Hand die Zügel halten musste (Wien)
: - Eiskaffee englischer Art – ein Drittel Kaffee, ein Drittel Eis, ein Drittel Obers
: - Eiskaffee Wiener Art – festes Kaffeeeis aus Eidottern, Sahne und Kaffee mit Schlagobers
: - Fiaker – Ein großer Schwarzer im Glas mit viel Zucker und einem Stamperl Slibowitz oder Rum (Wien)
: - Franziskaner – lichte Melange mit Schlagobers und Schokostreusel
: - Gebirgskaffee – Kaffee mit Eidotter, Obstschnaps und Obers
: - Gespritzter – Schwarzer Kaffee mit Rum oder Weinbrand
: - Granita di Caffé – fein gekörntes Eis mit starkem schwarzen gezuckertem Kaffee übergossen
: - Häferlkaffee – Kaffee im Häferl (und nicht in einer Tasse), Filterkaffee
: - Intermezzo – Kleiner Mokka, mit heißer Schokolade und Creme de Cacao verrührt und Schlagobershaube mit Praline (evtl. Mokkabohnen)
: - Kaffee Kirsch – Kaffee mit Kirschwasser
: - Kaffee Obermeier – Kaffee mit Milchhaut (Wien)
: - Kaffee Verkehrt – Kaffee mit 2/3 Milch und 1/3 Kaffee (Wien)
: - Kaisermelange – Mokka mit Eidotter, auch mit Honig und Cognac (Wien)
: - Kapuziner – schwarzer Kaffee mit einem Schuss Milch (Wien)
: - Katerkaffee – starker schwarzer Kaffee, der mit Zuckerstücken gesüßt wird, die man vorher an einer Zitronenschale abgerieben hat.
: - Konsul – schwarzer Kaffee mit etwas Schlagobers (Wien)
: - Kosakenkaffee – Kleiner Mokka im Einspännerglas, vermischt mit Rotwein, Wodka und flüssigem Zucker
: - Maria Theresia – Mocca mit einem Schuss Orangenlikör
: - Marghiloman – Mokka mit Cognac
: - Mazagran – Kalter gesüßter Kaffee mit Eisstückchen und Maraschino oder Cognac
: - Melange – halb Kaffee, halb Milch
: - Mokka gespritzt – Mokka mit Cognac und Rum
: - Piccolo – kleiner Schwarzer mit Schlag
: - Großer Schwarzer (auch großer Mokka) – österreichisch; doppelter Espresso ohne Milch in großer Tasse
: - Kleiner Schwarzer (auch kleiner Mokka) – österreichisch; einfacher Espresso ohne Milch in kleiner Tasse
: - Othello – Heiße Schokolade mit Espresso
: - Sanca® – koffeinfreier Kaffee (Sanca ist eine Marke)
: - großer Schwarzer - doppelter Espresso
: - kleiner Schwarzer - Espresso
: - Schale(rl) Braun – halb Kaffee, halb Milch
: - Schale(rl) Gold – Kaffee mit Milch, etwas heller als ein Brauner (Wien)
: - Separee – Kaffee und Milch werden getrennt serviert (Wien)
: - Sperbertürke – doppelt starker, mit Würfelzucker aufgekochter "Türkischer"
: - Türkischer Kaffee passiert – türkischer Kaffee, bei dem der Satz wieder herauspassiert wurde
: - Überstürzte Neumann – Schlagobers wird auf den Boden der leeren Schale gelagert und mit heißem Kaffee "überstürzt"
: - Ungarischer Kaffee – starker gesüßter Kaffee wird aufs Eis gestellt, dann mit gekühltem Schlagobers vermengt und im Glas serviert
: - Verlängerter – die Dosierung eines kleinen Schwarzen wird mit der Wassermenge eines großen Schwarzen zubereitet (Wien) oder ein mit etwa doppelter Menge Wasser zubereiteter Espresso
: - Weißer mit Haut – lichte Melange (heller Milchkaffee), der mit heißer, nicht verquirlter Milch serviert wird, worauf sich eine Haut bildet (Wien)
: - Wiener Melange – Melange, mit gesprudelter Milch im Glas serviert (Wien)
: - Zarenkaffee – starker Espresso, auf den eine Haube aus gesprudeltem Eidotter, vermischt mit Zucker und Eidotter aufgesetzt wird. Der Lieblingskaffee der russischen Zaren
: Schweiz
Milchhaut
: - Canard – Kaffee mit Marc (Traubenschnaps): ein Zuckerwürfel wird mit Marc beträufelt und in den Mund gesteckt, der Kaffee mit Schnaps und Sahne vermischt und über den Zuckerwürfel getrunken
: - Kaffee crème – Kaffee mit Sahne
: - Kaffee Melange – Kaffee mit Schlagsahne, häufig wird die Schlagsahne separat in einem Schälchen serviert
: - Luzerner Kafi – teefarbener, dünner Kaffee mit Zucker und Träsch (auch als Kafi Träsch oder Kafi Luz bekannt)
: - Schale – Milchkaffee
: - Schümli – Milchkaffee
: Frankreich
: - Café au lait – Variante eines stärkeren Cappucino mit wenig Milchschaum, im deutschen Sprachgebrauch meint man jedoch meist die französische Variante des Milchkaffees
: - Café Brulot – Weinbrand oder Cognac mit Zucker flambiert und mit Kaffee aufgegossen
: - Café Crème – Kaffee mit Sahne oder Milch, die durch Dampf aufgeschäumt wird
: - Café Filtre – Kaffee, der mit einem aufgesetzten Filter direkt in die Tasse filtriert wird. Weniger konzentriert als der Espresso
: - Café natur – Kaffee ohne Milch
: - Café Royal – wie Café Brulot
: Italien
Café au lait. Charakteristisch ist die achteckige Form.]]
: - Caffè Latte – italienische Variante des Milchkaffee, je zur Hälfte heiße Milch und Espresso
: - Cappuccino – je ein Drittel Espresso, heiße Milch und Milchschaum, oft mit Kakaopulver und/oder Zimt bestreut
: - Cappuccino con panna – Cappuccino mit Schlagsahne statt aufgeschäumter Milch
: - Chocolaccino – Cappuccino mit geriebener Schokolade bestreut
: - Coretto – Espresso mit Weinbrand, z.B. Coretto con Grappa, Coretto con Fernet ...
: - Doppio – doppelter Espresso
: - Espresso – sehr starker Kaffee ohne Milch und Zucker, bei dem das Wasser unter hohem Druck (9 bar) durch das sehr fein gemahlene Kaffeemehl gepresst wird, eine Tasse hat etwa 25 ml
: - Latte Macchiato – aufgeschäumte warme Milch mit einem vorsichtig zugegebenen Espresso Lungo
: - Lungo – Espresso, bei dem die doppelte Wassermenge verwendet wurde
: - Mischio – Mischung zwischen Kaffee und Kakao mit Schlagsahne
: - Ristretto – Espresso mit sehr wenig Wasser (15–20 ml statt der üblichen 25 ml)
: Spanien
:: Ein café wird in Spanien gewöhnlich mit einer Espressomaschine aus einer dunklen Röstung zubereitet und würde damit im deutschen Sprachraum als Espresso bzw. Brauner bezeichnet.
: - Café solo – schwarz
: - Cortado – mit einem Schuss Milch oder Milchschaum, meist in Tassen, manchmal auch im Glas oder mit gesüßter Kondensmilch (siehe auch: Cortado)
: - Café con leche – Milchkaffee, meist zur Hälfte café, zur Hälfte Milch (oft aufgeschäumt)
: - Café americano – Filterkaffee, manchmal auch ein mit Wasser verlängerter Café solo
: - Café con hielo – Zum café wird ein Trinkglas mit Eiswürfeln serviert, über die nach dem Zuckern der Kaffee gegeben wird.
: - Carajillo – mit einem Schuss Likör, Brandy (Cognac) oder Rum. Zubereitung: Zucker wird im Glas mit dem Alkohol verrührt, angezündet und mit starkem Kaffee (Espresso) aufgegossen. Als Dekoration werden Kaffeebohnen und ein Stück Zitronenschale ins Glas gegeben
: - Bombón – Aus der Region Castellón de la Plana - Kondensmilch (leche condensado) wird mit Espresso aufgegossen und in einem kleinen Glas serviert, sodass die zwei Schichten erkennbar sind. Vor dem Trinken wird umgerührt.
: Portugal
: - Bica – starker, schwarzer Kaffee, aus kleinen Tassen getrunken
: - Pingo (Bica Pingada) – Bica mit ein wenig Milch
: - Galão – portugiesischer Milchkaffee, aus einem Glas getrunken
Espresso
: Türkei (und Balkanländer)
: - Cyprus Coffee – türkischer Kaffee
: - Türkischer Kaffee – ungefiltert; mit Kaffeepulver als Bodensatz
: Griechenland
: - Griechischer Kaffee – zwei bzw. dreifach aufgekochter starker Kaffee, ähnlich türkischem Mokka
: - Café frappé – mit Eiswürfeln servierter, kalt aufgeschäumter Instantkaffee.
: USA
: - Iced coffee – Auf ein Glas mit Eisstücken wird heißer, starker und gesüßter Kaffee gegeben
: Südamerika
: - Café Americano – Espresso der mit heißem Wasser oder Spirituosen verlängert wurde
: - Café de olla - Kaffe der mit Gewürzen wie Zimt zubereitet wird, und dann kalt getrunken
Teilweise gibt es unterschiedliche Auffassung von Land zu Land, welche Benennung auf welche Zubereitungsart zutrifft.
Malzkaffee (ugs. Muckefuck) wird zwar Kaffee genannt, enthält aber Malz und ähnelt diesem geschmacklich nur wenig (z. B. Caro-Kaffee). Er ist ein Surrogat für Kaffee und somit u. a. für Kinder geeignet.
Kaffeesatz als Haushaltsmittel
Nach dem Aufbrühen kann der Kaffeesatz wegen seines hohen Stickstoff-Gehaltes noch als guter Garten-Dünger verwendet werden. Sein hoher Gehalt an Kalium, Phosphor und anderen Mineralstoffen ist gut für die Pflanzenentwicklung. Viele Gärtner schwören auf Kaffeesatz als Rosendünger.
Kaffeesatz ist auch ein hervorragendes Handwaschmittel für stark verschmutzte und beanspruchte Hände. Durch die körnige Struktur wirkt es leicht schmirgelnd und die Öle machen ein nachträgliches Einfetten überflüssig. Die schmirgelnde Wirkung des Kaffeesatzes findet auch bei der Reinigung von schwer erreichbaren Stellen Anwendung, wie sie beispielsweise bei Flaschen oder Thermoskannen vorliegen.
Kaffeesatz ist unter anderem auch ein hervorragendes Wurmfutter für die Wurmhaltung von Tauwurm (Lumbricus terrestris) oder Kompostwurm.
Das Lesen des insbesondere bei Mokkazubereitungen sich bildenden Kaffeesatzes dient im Volksspiritismus zum Wahrsagen über die Zukunft und wird "Kaffeedomantie" genannt.
Physiologische Wirkungen des Kaffees
Der Kaffee ist aufgrund seines Koffeingehaltes für seine aufmunternde Wirkung bekannt. Es gibt jedoch auch Wirkungen, die im Allgemeinen unbekannt sind. Kaffee hat eine beruhigende Wirkung. In der Praxis ist es bekannt, dass man besser einschläft, wenn man sich in den ersten 15 Minuten nach dem Kaffeetrinken hinlegt, weil das Schlafzentrum im Gehirn besser durchblutet wird. Zögert man jedoch zu lange, verpasst man die beruhigende Wirkung vom Kaffee und das Koffein fängt an zu wirken; nun ist es fast unmöglich einzuschlafen. Diese Methode der Beruhigung wird z. B. in Krankenhäusern angewandt. Bei älteren Menschen bekämpft Kaffee den Abfall der Atemfrequenz beim Einschlafen, was deren Schlafqualität verbessern kann.
Um die aufmunternde und konzentrationsfördernde Wirkung des Kaffees voll ausschöpfen zu können, ist es nach einem Artikel in der Fachzeitschrift Sleep (Vol. 27, Nr. 3) sinnvoller, viele kleine Schlucke Kaffee über den Tag (bzw. die Nacht) verteilt zu sich zu nehmen, als eine große Tasse Kaffee am Morgen. Auf diese Weise findet eine deutlich effektivere Einwirkung des Koffeins auf die Schlafzentren im Gehirn statt. Die Strategie, den Kaffeekonsum gleichmäßig auf einen längeren Zeitraum zu verteilen, ist besonders nützlich für Personen, die nachts arbeiten müssen: Ihnen fällt es so leichter wach zu bleiben und dabei ihre Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Eine nachteilige Wirkung des Kaffees besteht darin, dass er den Insulinspiegel und Blutzucker abrupt anhebt, das körpereigene Gleichgewicht durcheinanderbringen und die Bauchspeicheldrüse negativ beeinflussen kann. Insbesondere Personen mit Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) ist der Konsum von Kaffee strikt verboten. Diabetiker sollten Kaffee ebenfalls meiden oder allenfalls sehr geringe Mengen zu sich nehmen. Koffein kann in größeren Mengen genossen auch zu Überreizungen der Magenschleimhaut führen.
Derzeitige Untersuchungen zeigen, dass eine entwässernde (harntreibende) Wirkung nicht nachweisbar ist. Auch wenn in vielen Restaurants üblich ist, mit einer Tasse Kaffee ein Glas Wasser zu servieren, um den scheinbaren Flüssigkeitsverlust auszugleichen (Das Glas Wasser dient aber wie das Glas Wasser zum Wein auch dazu, den Gaumen zu neutralisieren und die Geschmacksnerven empfänglich zu machen für den Genuss des nächsten Schlucks Kaffee). Aufgrund der oben genannten weiteren Wirkungen von Kaffee sollte der Einsatz als Durstlöscher trotzdem vermieden werden.
In einer Untersuchung des Nationalen Krebs-Zentrums in Tokio haben Forscher in einer zehnjährigen Studie herausgefunden, dass von 100.000 Kaffeetrinkern statistisch nur 214 Personen an Nierenkrebs erkranken. Da die entsprechende Erkrankungszahl bei Nicht-Kaffeetrinkern 547 beträgt, geht man davon aus, dass die Antioxidantien des Kaffees die Nierenzellen vor kanzerogenen Sauerstoffradikalen schützen. In einer Vergleichsuntersuchung wurde gezeigt, dass grüner Tee diesen Schutzeffekt des Kaffees nicht aufweist.
Die Auswirkungen des Konsums von Kaffee auf die Potenz sind umstritten. Abwechselnd wurde Kaffee als Droge, die impotent mache, und als Aphrodisiakum bezeichnet. Der Forscher Amantea fand allerdings 1923 in einem Humanexperiment heraus, dass Koffein nicht nur die Lust am Geschlechtsverkehr steigerte, sondern auch den Orgasmus verstärkte und die Menge des Ejakulats erhöhte.
Literatur
- Stewart Lee Allen: Ein teuflisches Zeug: auf abenteuerlicher Reise durch die Geschichte des Kaffees. Campus-Verlag, Frankfurt/Main 2003. ISBN 3-593-37290-8
- Ulla Heise: Kaffee und Kaffeehaus: eine Geschichte des Kaffees. Insel-Verlag, Frankfurt/Main 2002. ISBN 3-458-34495-0
- Ernesto Illy: Von der Bohne zum Espresso. Spektrum der Wissenschaft, Mai 2003, S. 82–87, ISSN 0170 - 2971
- Heinrich Eduard Jacob: Sage und Siegeszug des Kaffees. Die Biographie eines weltwirtschaftlichen Stoffes. Rowohlt: Berlin 1934. Erw. Neufassungen Rowohlt, Hamburg 1952 sowie Rowohlt-TB-Ausgabe Nr. 675/676, Reinbek 1964. Auch in englisch (1935), amerikanisch (1935), italienisch (1936), schwedisch (1937), französisch (1953) und koreanisch (2002)
- Cornelia Teufl, Stephan Clauss: Coffee. Zabert Sandmann, München 2004, ISBN 3-89883-077-2
Weblinks
- [http://www.quarks.de/kaffee/ Faszination Kaffee] – sehr informatives und gut zu lesendes Skript zur Sendung Quarks & Co vom 7. Oktober 1997, auch als PDF-Datei vorhanden
- [http://www.tis-gdv.de/tis/ware/genuss/kaffee/kaffee.htm Transport-Informations-Service: Fachinformationen zum Transport von Kaffee / Rohkaffee]
- [http://www.uni-bayreuth.de/departments/didaktikchemie/umat/kaffee1/1_kaffee1.htm Kaffee aus der Sicht des Chemikers]
- [http://www.mesob.ch/deutsch/produkte/kaffee/coffeeshop-rep/seite1.htm Äthiopische Kaffeezubereitung]
- [http://www.oxfam.de/downloads/Kaffeestudie.pdf Oxfam: Kaffee und Handel – Auswirkungen auf die Dritte Welt]
- [http://www.kaffeewiki.de/index.php/Hauptseite Hauptseite des „Kaffeewikis“]
- [http://www.kaffeemuseum.at/kaffee.htm Alles zum Kaffee: Geschichte, Sorten, Rezepte usw.]
- [http://www.elbkutter.com/wiki Coffeewiki: Liste von Orten, wo man guten Kaffee trinken kann]
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IndustrialisierungDie Industrialisierung ist der Prozess des Übergangs von der Handarbeit zur Fabrikarbeit, der sich auf Maschinen stützte, sowie die Verbreitung dieser neuen Produktionsweise in allen Wirtschaftsbereichen.
Beginn
Die Industrialisierung begann zunächst in England während des 18. Jahrhunderts. Hier waren der Absolutismus und die Grundherrschaft früher als in anderen Ländern Europas gelockert, Zunftzwang gab es im Gegensatz zu deutschen Landen gar nicht. Somit waren die Voraussetzungen für die freiere Ausbreitung des Handels, der Kapitalbildung und der technischen Erneuerung gelegt. Meilensteine waren die Erfindung der Dampfmaschine 1712 durch Thomas Newcomen, sowie von Spinnmaschinen, mechanischem Webstuhl und des Puddelverfahrens bei der Eisengewinnung. Bedeutsam war auch die Erfindung der Dampflokomotive und der ersten öffentlichen Eisenbahnen. England wurde daher zum Mutterland der Industrialisierung unter privatwirtschaftlichen, kapitalistischen Bedingungen. Später verbreitete sie sich schrittweise in die anderen Länder Europas und Nordamerikas aus.
Der Begriff Industrielle Revolution steht dabei besonders für die erste Phase der Industrialisierung. Arnold Gehlen hat sie für die bedeutendste Revolution der Produktivkräfte seit der "neolithischen Revolution" erklärt, seit also dem Übergang vom Jagen, Sammeln und Fischen zu Landwirtschaft und Viehzucht in der Jungsteinzeit vor rd. 10.000 Jahren.
Folgt man der Sektoreneinteilung von Fourastié - "Primärer Sektor" der Rohstoffgewinnung (Ackerbau, Viehzucht, Förderung von Bodenschätzen), "Sekundärer Sektor" der Verarbeitung, "Tertiärer Sektor" der Dienstleistungen, auch schon: "Quartärer Sektor" der Freizeitwirtschaft, "Quintärer Sektor" der Abfallwirtschaft - so sind in allen Sektoren Industrialisierungsprozesse aufgetreten, historisch ausgehend vom Sekundären Sektor.
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