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MormoneDieser Artikel beschäftigt sich mit dem Begriff Mormonen. Der Artikel über die Religionsgemeinschaft befindet sich unter Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
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Als Mormonen wurden schon früh die Anhänger der von Joseph Smith 1830 gegründeten Kirche, die seit 1838 Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage genannt wird, bezeichnet. Der Name wurde ihnen aufgrund ihres Glaubens an das Buch Mormon als weitere Heilige Schrift, von Außenstehenden gegeben.
Heutzutage werden alle der mehreren Dutzend Gemeinschaften und Gruppierungen als „Mormonen“ bezeichnet, die im Laufe der Zeit aus der ursprünglichen von Joseph Smith gegründeten Kirche hervorgegangen sind oder sich in ihrem Glaubensbekenntnis auf das Buch Mormon berufen. Dazu gehören auch polygamistische Gruppen im Süden und Westen der USA, von denen sich die Hauptkirche und viele andere der Splittergruppen ausdrücklich distanzieren.
Die meisten Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und der daraus abgeleiteten Konfessionen gebrauchen die Begriffe „Mormonen“ oder „Mormonenkirche“ selten. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ermutigt ihre Mitglieder den eigentlichen Namen dieser Kirche zu benutzen. In ihrem „Style Guide“ für die englischsprachige Presse bittet sie darum, in Zeitungsartikeln nicht „Mormons“ oder „The Mormon Church“ zu schreiben.
Dennoch ist innerhalb der Kirche auch der Begriff „Mormonen“ noch im Gebrauch, vor allem im Umgang mit Außenstehenden. Dem wird auch durch die Webseite der Kirche www.mormonen.de Rechnung getragen. Es ist eine Informationsseite der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage für Nichtmitglieder.
Der „Style Guide for Journalists“ der Associated Press (AP) empfiehlt auf Drängen der Kirche in Utah den Namen „Mormonen“ als zulässige Bezeichnung für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, nicht jedoch für Mitglieder von Splittergruppen oder sogenannte Fundamentalisten.
Heutige Aufteilung
- „Rocky Mountain Heilige“ – Zogen nach Utah, erkennen Brigham Young als legitimen Propheten an:
- Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (die größte Gemeinschaft mit Sitz in Salt Lake City, Utah; heute nicht mehr polygamistisch)
- viele weitere, meist sehr kleine Gemeinschaften, darunter mormonische Fundamentalisten und Polygamisten. Die meisten pflegen die Gütergemeinschaft. Diese Gemeinschaften müssen teilweise als totalitäre religiöse Gruppen (Sekten) betrachtet werden.
- „Prärie-Heilige“ – Blieben im Mittleren Westen, erkennen Brigham Young nicht als legitimen Propheten an:
- Die Gemeinschaft Christi (ehemals „Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, antipolygamistisch)
- viele weitere, kleinere Gemeinschaften, die teilweise auch Joseph Smith selbst als gefallenen Propheten betrachten und nur die Lehren seiner frühen Jahre akzeptieren. Die meisten erkennen die Polygamie nicht an, auch nicht als historische Phase. Größtenteils nicht-totalitär.
Die ausführlichen Artikel hierzu finden sich in den oben verlinkten Richtungen.
Weblinks
- [http://www.kirche-jesu-christi.ch/ mormonen.ch] Offizielle Website der Kirche in der Schweiz
- [http://www.relinfo.ch/mormonen/info.html www.relinfo.ch] Kurzer Abriss über die Mormonen mit Hintergründen für ihre Aufspaltungen
- [http://mormonen.de/ mormonen.de] Offizielle Website der Kirche in Deutschland
Kategorie:Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
ja:モルモン教
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten TageDie Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, LDS, im folgenden Die Kirche) ist eine Glaubensgemeinschaft mit christlichen Wurzeln. Zusammen mit weit kleineren Abspaltungen bildet sie die Mormonen genannte Konfessionsgruppe. Formell gegründet wurde die Kirche von Joseph Smith jun. am 6. April 1830 in Fayette im US-Bundesstaat New York. Heute hat sie ihren Hauptsitz in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah.
Mitglieder der Kirche, die sich selbst „Heilige der Letzten Tage“ (englisch Latter-day Saints) nennen, verstehen ihren Glauben als eine durch Gott eingerichtete Wiederherstellung der Kirche, die, wie im Neuen Testament beschrieben, ursprünglich durch Jesus Christus gestiftet wurde. Daher sehen sie sich als Christen, doch unterscheiden sich Lehre und Praxis der Kirche in vielen Punkten deutlich von denen der traditionellen christlichen Zweige (orthodoxe, römisch-katholische und evangelische Kirchen). Die Kirche wird von Vertretern dieser Kirchen mehrheitlich nicht als christlich anerkannt und beteiligt sich nicht an der Ökumene. Auch die Taufe wird nicht anerkannt.
Lehre
Die Kirche behauptet, in ihrer Lehre auf das ursprüngliche Christentum zurückzugreifen. Viele Ausprägungen anderer christlicher Gemeinschaften betrachtet sie als nicht ursprünglich und daher als unrichtig. Hier liegt der Grund, warum sich die Kirche in ökumenischen Bemühungen nicht einbringt. Ein Dialog zum gegenseitigen Verstehen mit anderen und auch nichtchristlichen Religionsgemeinschaften soll hingegen gepflegt werden. Die Kirche bezeichnet sich selbst als die "einzig vollständig wahre Kirche auf Erden".
Offenbarung
Die Kirche glaubt, durch fortlaufende Offenbarung von Jesus Christus direkt angeleitet zu werden. Dies geschehe durch Propheten, Apostel und andere Kirchenführer. Darüber hinaus erklärt sie, dass jeder Mensch ein Anrecht darauf habe, für seinen persönlichen Bereich und kirchliche Aufgaben (zum Beispiel auf Gemeinde-Ebene) direkte göttliche Offenbarung zu empfangen. Das Fortlaufen der Offenbarung impliziert auch, dass der Schriftenkanon nicht abgeschlossen ist. So wie Gott damals zu den Propheten des Alten Testaments gesprochen hat, so ist es Gott möglich, auch heute noch in den beschriebenen Weise zu den Menschen zu sprechen.
Schriftenkanon
Als kanonische Schriften anerkennt die Kirche das Buch Mormon, die Bibel mit Altem und Neuem Testament sowie Lehre und Bündnisse und die Köstliche Perle. Dieser Schriftenkanon ist nicht abgeschlossen, da die Kirche für sich in Anspruch nimmt, fortgesetzt Offenbarung zu erhalten, die dann gegebenenfalls (jedoch eher selten) als Erweiterung in den Kanon einfließt.
Der Wert der Bibel wird relativiert, da sie als nicht vollständig überliefert und durch Übertragungsfehler teilweise entstellt angesehen wird, was auch damit begründet wird, dass es heutzutage etliche Bibelübersetzungen gibt, die teilweise unterschiedlich interpretiert werden können. Dazu gibt es die sogenannte Joseph-Smith-Übersetzung, eine stellenweise Ergänzung und Neuinterpretation der King-James-Bibel. Die Joseph-Smith-Übersetzung konnte jedoch durch den Tod von Joseph Smith nicht fertiggestelllt werden und erhebt daher auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Für die englische Sprache wird in der Kirche eine eigene Ausgabe der King-James-Bibel verwendet, in der als Fußnoten bzw. als Anhang die Übersetzungen von Joseph Smith aufgenommen sind. Außerdem enthält sie Querverweise zu anderen kanonischen Schriften der Kirche. Die Fußnoten sind ähnlich zu den Bibelkommentaren anderer Bibelanstalten.
Deutschsprachige Mitglieder benutzen heute im offiziellen Gebrauch die Einheitsübersetzung der Bibel. Daher finden sich wesentliche Teile der Joseph-Smith-Übersetzung im Schriftenführer, der im Zuge der deutschsprachigen Neuausgabe 2003 in die Dreifachkombination (Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Köstliche Perle in einem Band) aufgenommen wurde.
Plan der Erlösung
Die Kirche sieht den Zweck der Erde darin, den Menschen, die alle Geistkinder Gottes seien, einen Ort weiteren Lernens in der Körperlichkeit zu verschaffen. Damit sei auch ein vorübergehendes Vergessen eines vorirdischen Daseins als Geistwesen verbunden. Die Menschen beteiligen sich an diesem Plan, indem sie durch das Zeugen von Kindern Geistwesen das Erdenleben ermöglichen.
Jeder Mensch könne sich immer entscheiden, ob er das Gute oder das Böse tun wolle. Allerdings seien die natürlichen und für die Entwicklung notwendigen Schwächen die Ursache dafür, dass jeder Mensch Falsches tue, also sündige. Damit sei er verunreinigt und aus eigener Kraft nicht im Stande, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren.
Jesus Christus habe durch sein Sühnopfer allen Menschen die Möglichkeit gegeben, von ihren Sünden umzukehren und nach allem, was sie selbst tun können, aus Gnade errettet zu werden. Dazu sei die Taufe durch einen dazu Bevollmächtigten unerlässlich. Diese Taufe kann frühestens nach Vollendung des 8. Lebensjahres vollzogen werden, mit der Begründung, dass sonst keine wirksame Entscheidung des Täuflings möglich sei. Die Kirche kritisiert vor diesem Hintergrund scharf die in ihren Augen nichtige Kindertaufe der großen christlichen Kirchen.
Nach dem Tod habe der Mensch den Körper verloren, lebe aber als Geistwesen weiter und könne weiter lernen. Wer im Erdenleben die gültige Taufe durch einen Priester der Kirche nicht empfangen habe, für den könne dieses Sakrament stellvertretend von einem Lebenden empfangen werden (siehe Totentaufe).
Am Ende der Entwicklung stehe die Auferstehung mit dem Jüngsten Gericht, in dem Jesus Christus jedem die ihm gebührende Herrlichkeit zuteilen werde: Dies sind nach der Lehre der Kirche das Celestiale Reich mit der größten Herrlichkeit (Gegenwart Gott Vater), das Terrestriale Reich (Gegenwart von Jesus Christus) als mittleres und das Telestiale Reich (Wirkung des Heiligen Geistes) als niederstes. Nur wer bewusst Gott leugnet, obwohl er ihn erkannt haben soll, der werde in die äußerste Finsternis gestoßen werden und ein Sohn des Verderbens werden. Mehr dazu siehe unter Reiche der Herrlichkeit.
Vollmachtsanspruch
Die Kirche erklärt, dass nur jemand, der die Vollmacht von Jesus Christus bekommen habe, in seinem Namen sprechen und heilige Handlungen durchführen dürfe. Die ersten Bevollmächtigten seien die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes. Sie seien Joseph Smith als auferstandene Wesen erschienen und hätten ihm diese Vollmacht übertragen. Von Joseph Smith ausgehend sei sie von Generation zu Generation in ungebrochener Linie weitergegeben worden. Nach Meinung der Kirche habe niemand ausserhalb dieser Apostolischen Sukzession diese Vollmacht.
Der Name der Kirche
In Lehre und Bündnisse, Abschnitt 115 Vers 4, schreibt Joseph Smith am 26. April 1838 als Offenbarung von Gott: "denn so soll meine Kirche in den letzten Tagen genannt werden, nämlich: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage." Bei ihrer Gründung am 6. April 1830 hieß sie noch "Die Kirche Christi". Dieser Name wurde jedoch am 3. Mai 1834 durch den einstimmigen Beschluss der Kirchenführung in »Die Kirche der Heiligen der Letzten Tage« geändert. Eine letzte Änderung erfolgte am 26. April 1838: der Name Jesu Christi wurde wieder eingefügt.
Durch den Namen wird verdeutlicht, dass in der Kirche Jesus Christus im Mittelpunkt stehen soll und auch, dass es sich um die wiederhergestellte "Kirche Jesu Christi" aus dem Neuen Testament handele. Die Formulierung "der Letzten Tage" unterscheidet namentlich die Kirche von eben dieser ursprünglichen "Kirche Jesu Christi" in neutestamentlicher Zeit. Smith sah mit seiner Mission die Endzeit eingeläutet, an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang glaubte er allerdings, soweit festzustellen, nicht.
Entstehung und Geschichte
Die Kirche entstand im ländlichen Norden des Staates New York am Anfang des 19. Jahrhunderts, als diese Gegend noch zivilisatorisches Neuland war. Die dort lebende Bevölkerung war im wesentlichen protestantisch und bibelgläubig, gehörte aber oft keiner Kirche an. Auch abergläubische Vorstellungen waren weit verbreitet. Manchmal bekannten sich verschiedene Familienmitglieder zu unterschiedlichen Konfessionen.
Gründung (1820-1830)
Der spätere Gründer, Joseph Smith jun., erklärte, im Jahre 1820 nach einem Gebet über die Frage, welche Kirche die wahre sei, eine Vision gehabt zu haben. In dieser so genannten Ersten Vision seien ihm Gott Vater und Jesus Christus erschienen. Diese hätten ihm mitgeteilt, dass alle zu jener Zeit bestehenden Kirchen im Irrtum seien und er sich keiner anschließen dürfe.
In den Jahren von 1823 bis 1827 habe er weitere Erscheinungen gehabt, diesmal von einem Engel namens Moroni, der ihm den Auftrag gegeben habe, das Buch Mormon von goldenen Platten, die seit Jahrhunderten in einem von Moroni Cumorah genannten nahen Hügel lagerten, zu übersetzen, wozu Smith die bei den Platten aufbewahrten "Sehersteine" Urim und Tummim zu Hilfe genommen haben will. Das Buch wurde 1830, kurz vor der Gründung der Kirche, erstmals veröffentlicht.
1829 sei Joseph Smith und seinem Mitarbeiter Oliver Cowdery der auferstandene Johannes der Täufer erschienen und habe ihnen mit dem Aaronische Priestertum mit der Vollmacht gegeben, zu taufen. Einige Wochen später seien die Apostel Christi Petrus, Jakobus und Johannes erschienen und hätten ihnen das Melchisedekische Priestertum übertragen, wodurch der Weg für die "Wiederherstellung" der Kirche Jesu Christi frei gemacht worden sei. Die formelle Gründung erfolgte am 6. April 1830 mit Joseph Smith als "erstem Ältesten" und Präsidenten und Oliver Cowdery als "zweitem Ältesten", Hyrum und Samuel Smith (Brüder von Joseph), sowie Peter Whitmer jun. und David Whitmer als eingetragene Mitglieder.
Die Kirche fand rasch glühende Anhänger und erbitterte Gegner. Bereits im Jahre 1830 sandte Joseph Smith seinen Bruder Samuel als ersten Missionar aus. Relativ viele Menschen aus dem Umland schlossen sich der neuen Kirche an. Gegner der Kirche griffen zu Mitteln wie Boykott und Anzeigen, aber auch teilweise zu Tätlichkeiten. Aus dieser Zeit stammen die ersten Zeitungsartikel und Flugblätter, die sich auch gegen Joseph Smiths Persönlichkeit richteten.
Kirtland und Missouri (1830-1840)
Wegen dieser unerquicklichen Umstände verlegte Joseph Smith den Hauptsitz der Kirche bereits 1831 nach Kirtland in Ohio. Dies bedeutete den Umzug der meisten Mitglieder unter Verlust ihrer Farmen und Geschäfte, die sie im noch kaum besiedelten Ohio neu aufbauten.
In Kirtland errichtete die Kirche ihren ersten Tempel, in dem Joseph Smith 1836, wie er in Lehre und Bündnisse Abschnitt 110 ausführt, weitere Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln, erhalten haben will. 1834 war das "Kollegium der zwölf Apostel" als Führungsgremium unter Joseph Smith als Propheten in Leben gerufen worden.
Aufgrund des Zusammenbruchs der "Kirtland Safety Society Anti-Banking Company", eines von Joseph Smith privat gegründeten Kreditinstitutes im Jahr 1837, verloren viele, auch führende Mitglieder der Kirche, viel Geld. Dies veranlasste eine größere Anzahl, das göttliche Mandat Joseph Smiths nicht nur zu bezweifeln, sondern als Lüge zu bekämpfen.
Bereits 1831 hatte sich Joseph auch nach Missouri – damals die Grenze der USA im Westen – orientiert und dort Kircheneinheiten gegründet. Er wollte die Kirche langfristig zentral dorthin verlegen und steckte in der Stadt Far West bereits einen Platz für einen weiteren Tempel ab. Nach blutigen Verfolgungen im Jahr 1833 flohen die dortigen "Heiligen", wie sie sich nannten, in nördlichere Kreise des Staates Missouri. Nach dem Zusammenbruch von Kirtland musste Smith mit seinen Getreuen Ohio verlassen und folgte den "Heiligen" nach Missouri. Dort wurde Joseph Smith 1838 verhaftet und gemeinsam mit mehreren Mitarbeitern unter Arrest gestellt.
Durch Gegner der Kirche aufgehetzt, erließ Gouverneur Lilburn Boggs 1838 einen Ausrottungsbefehl, der besagte, die „Mormonen müssen aus dem Staat vertrieben oder vernichtet werden“.
Nauvoo (1840-1845)
Die Heiligen wurden in Illinois aufgenommen und gründeten dort als neuen Anfang am Ufer des Mississippi am Ort Commerce die Stadt, die sie dann Nauvoo nannten. Von dort aus begann das Missionswerk in alle Welt, besonders nach Europa. Wieder wurde ein Tempel gebaut. Nauvoo erhielt einen Sonderstatus, praktisch als Stadtstaat mit eigener Miliz, der Nauvoo Legion.
1842 wurde in Nauvoo die Frauenhilfsvereinigung als Organisation der Frauen in der Kirche unter der Leitung von Emma Smith, der Ehefrau des "Propheten", gegründet.
Nach der Zerstörung der Druckerpresse der mormonenkritischen Zeitung "Nauvoo Expositor" – dieser prangerte in seiner einzigen erschienenen Ausgabe vor allem die heimliche Polygamie der Kirchenführer an – durch einen vom Bürgermeister Joseph Smith beauftragten Marshall, entzündete sich der Volkszorn umliegender Gemeinden gegen die Kirche. Dies gipfelte schließlich in der Ermordung von Joseph Smith und seines Bruders Hyrum durch einen Mob am 27. Juni 1844. Über der Nachfolgefrage entstand ein heftiger Streit, der zu einer Reihe von Abspaltungen führte. Der dienstälteste Apostel, Brigham Young, übernahm die Führung des Hauptteils der Mitglieder. Die meisten der anderen Fraktionen wiedervereinigten sich wesentlich später (ab 1860) zur RLDS-Kirche, die sich seit 2001 Gemeinschaft Christi nennt.
Schon Joseph Smith hatte sich mit der Frage beschäftigt, ob die Kirche nicht in eine menschenleere Gegend ziehen solle, um weiteren Verfolgungen zu entgehen. Dies realisierte Brigham Young mit dem (vorzeitig erzwungenen) Auszug fast aller "Heiliger" aus Nauvoo und deren Übersiedlung in das Tal des Großen Salzsees in den Rocky Mountains.
Im Selbstverständnis der Kirche ist dies „das große, teils tragische, teils glorreiche Epos der Heiligen der Letzten Tage, auf das in Reden, Theaterstücken und Filmen immer wieder Bezug genommen wird“. (Zitat eines Mitglieds der Kirche.)
Salt Lake City, seither Hauptsitz der Kirche, wurde mit Ankunft von Brigham Young am 24. Juli 1848 praktisch gegründet.
Konsolidierung in Salt Lake City (1850-1896)
Zunächst hieß es in den Rocky Mountains, zu überleben und ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen. Dennoch wurden rasch Missionare ausgesandt, die vor allem im Osten der USA, in Kanada und Europa versuchten, Menschen von der Wahrheit ihrer Lehren zu überzeugen. Dazu gehörte damals auch die „Sammlung in Zion“, das Auswandern in den neu gegründeten "Staat Deseret". Mit den Neuankömmlingen und der starken Vermehrung, bedingt durch das religiös begründete Ausüben einer (Mehrehe), welches ab 1852 auch öffentlich geschah, wuchsen Zahl der Mitglieder und Einfluss der Kirche.
Die frühe Geschichte von Utah und die des "Staates Deseret" wurden sehr stark durch die Kirche geprägt. In diesem Zusammenhang steht auch der Utah-Krieg von 1857.
Verbunden mit der Sklavenfrage kämpfte die amerikanische Innenpolitik gegen die Vielehe und erschwerte durch immer restriktivere Gesetze diese Praxis der Kirche. Die Durchsetzung des Rechts führte zu Massenverhaftungen von Mitgliedern und groß angelegten Beschlagnahmungen von Kircheneigentum, wie z.B. Grundstücken und Kirchengebäuden. Als Reaktion darauf erklärte im Jahr 1890 der damalige Präsident und Prophet Wilford Woodruff die Vielehe als nicht mehr akzeptabel in der Kirche (siehe Amtliche Erklärung Nr. 1 im Buch Lehre und Bündnisse). Dies war ein wesentlicher Faktor dafür, dass 1896 Utah die Eigenständigkeit als Bundesstaat zugebilligt wurde. Aber erst unter der Präsidentschaft von Joseph F. Smith (1901-1918), dem Neffen des Gründers, konnte innerhalb der Kirche die
Polygamie vollständig abgeschafft werden. Zu dieser Zeit kam es auch zu weiteren Abspaltungen, welche die Polygamie teilweise bis heute noch leben.
Weltweite Ausbreitung (seit 1900)
Nach der rechtlichen Anerkennung und der finanziellen Konsolidierung und noch einmal verstärkt seit dem Ersten Weltkrieg begann die Kirche, sich international zu positionieren. Zu dieser Zeit wurde auch die Auffassung aufgegeben, dass sich möglichst alle Mitglieder in Utah sammeln sollen. Stattdessen erhielten die Mitglieder den Auftrag, die Kirche in den Gegenden der Welt aufzubauen, in denen sie zu Hause sind.
Bis 1978 konnten Männer mit schwarzafrikanischer Herkunft das Priestertum nicht bekommen und folglich auch keine Führungsaufgaben übernehmen. Sie durften auch nicht den Tempel besuchen und konnten keine Tempelrituale empfangen. Somit waren es ihnen nicht möglich, die Voraussetzungen für das Erlangen der höchsten Erfüllung des mormonischen Glaubens zu erreichen. Veranlasst durch großen Zulauf von Bekehrten mit schwarzafrikanischer Herkunft in Brasilien erließ Präsident Spencer W. Kimball die Amtliche Erklärung Nr. 2 (siehe Lehre und Bündnisse), die besagt, dass nunmehr alle Männer, unabhängig von ihrer rassischen Herkunft, das Priestertum erhalten können.
Mittlerweile hat die Kirche mehr als 12 Millionen Mitglieder (Stand 2004), von denen mehr als die Hälfte außerhalb der USA leben. Wichtige Schwerpunkte sind Lateinamerika und Afrika. Ein Zeichen für die stärkere internationale Präsenz der Kirche ist der seit ca. 1990 massiv gesteigerte Bau von Tempeln der Kirche. Während die Kirche in Osteuropa ein starkes (Nachhol-)Wachstum aufweist, ist die Mitgliederzahl in den westeuropäischen Industriestaaten eher rückläufig oder stagnierend.
Organisation
In allen Kirchenebenen werden Mitglieder in Ämter berufen. Eine Berufsgeistlichkeit gibt es nicht, auch keine schulische Ausbildung zum Geistlichen.
In der Kirche herrscht strenge Hierarchie, die aber zeitlich stark wechselt und flexibel den Gegebenheiten der Zeit und des Ortes angepasst werden kann. Niemand kann sich um ein Amt bewerben, sondern man wird in ein Amt berufen, nach Überzeugung der entsprechenden Verantwortlichen, stützt sich die Auswahl eines bestimmten Funktionsträgers auf persönliche Offenbarung an denjenigen, der ihn beruft. Wer wen in welcher Organisationsebene zu berufen hat, ist genau festgelegt. Nachdem jemand ausgewählt wurde, wird er oder sie in einem vertraulichen Gespräch vom Verantwortlichen gefragt, ob er das Amt annimmt. Ist dies der Fall, wird er in einer öffentlichen Versammlung den betroffenen Mitgliedern zur Zustimmung vorgelegt. Durch Handaufheben erkären sich die Mitglieder mit der Berufung einverstanden und verpflichten sich, die Person in ihrer neuen Berufung zu unterstützen. Sie haben auch die Möglichkeit sich ebenfalls durch Aufheben der Hand dagegen auszusprechen. Auch der Prophet wird so bestätigt. (Extrem selten wurde bisher eine Berufung wegen Verweigerung der Zustimmung nicht wirksam.)
Dieser Grundsatz gilt nur für die Kirche in ihrer seelsorgenden Funktion selbst, nicht für von ihr gegründete, unterstützende Organisationen, wie beispielsweise das Bildungswesen der Kirche oder die Bereiche Verwaltung, Bauwesen, Lehrmittelherstellung, Übersetzung usw., die professionelle, vollzeitige berufliche Arbeit erfordern.
Berufungen werden, mit Ausnahme der Funktion des Propheten und der Apostel, die bis zum Lebensende währen, für begrenzte Zeit ausgesprochen. Dadurch wechselt die Position eines Mitgliedes in der Hierarchie üblicherweise mehrmals im Leben und kann von Aufgaben auf Gemeindeebene durchaus zu Aufgaben auf Weltebene und wieder zurück führen.
Auch wenn Frauen nicht das Priestertum tragen können, haben sie dennoch Führungsaufgaben auf allen Ebenen inne, allerdins unter der Führung von männlichen Priestertumsführern.
In der Führung der Kirche spielt der Grundsatz der Offenbarung eine sehr wichtige Rolle. Es wird gelehrt, dass jeder ganz persönlich im Zwiegespräch mit Gott Antwort auf Fragen und Hilfe beim Lösen von Problemen erhalten könne, aber nur bezogen auf seinen Verantwortungsbereich. So könne beispielsweise ein Gemeindeleiter Offenbarung bezüglich Fragen in der Leitung der Gemeinde, aber nicht für die gesamte Kirche erhalten. In dieser Lehre manifestiert sich wiederum die streng geordnete Hierarchie der Kirche. Wenn sich jeder Amtsträger in seinen Entscheidungen darauf beruft, er habe ein Anrecht auf Offenbarung und er habe solche Offenbarung auch erhalten, ist im Rahmen der Organisation eine "Reform von unten" oder gar eine "Revolution von unten" undenkbar.
Weltebene
Apostel
Regionale Ebene
Apostel
Lokale Ebene
Apostel
Kirchenleben
Ein wesentlicher Teil des Kirchenlebens spielt sich in für diesen Zweck errichteten Gemeindehäusern ab. Sie sind für alle Veranstaltungen allgemein zugänglich. Neben den Gottesdiensten finden dort gesellige Veranstaltungen von Ballspielen bis zu Theaterstücken und Tanzabenden statt.
Die Gemeinden sind überschaubar gehalten und umfassen nicht mehr als 500 Mitglieder.
Ein weiterer Ort für das Kirchenleben sind die Tempel. Sie sind Mitgliedern vorbehalten, die sich zuvor bereit erklärt haben, nach den Grundsätzen der Kirche zu leben und von ihrem Bischof und ihrem Pfahlpräsidenten für würdig befunden wurden.
Ansonsten beeinflusst die Kirche das Familienleben sehr stark.
Sonntagsgottesdienst
Der übliche Gottesdienst am Sonntag umfasst:
- Die Abendmahlsversammlung (ca. 70 min)
:Dies ist der wichtigste Teil des Gottesdienstes. Hier wird das Abendmahl in Form von Wasser und Brot gereicht, es werden Kirchenlieder gesungen und es gibt einige Predigten von Mitgliedern, männlich und weiblich, auch von Jugendlichen. Familien nehmen komplett daran teil. Priestertumsträger, die während des Gottesdienstes heilige Handlungen vollziehen, sollen anständig und konservativ gekleidet sein (In Deutschland z.B.:Anzug, weißes Hemd und Krawatte), so dass sie die Würde des Anlasses unterstreichen und nicht von der heiligen Handlung ablenken. Weiblichen Mitgliedern in Deutschland werden gebeten statt Hosen, Röcke oder Kleider zu tragen, um den mormonischen Bild der Frau besser zu entsprechen.
- Sonntagschule (40 min)
:Hier gibt es unterschiedliche Klassen für Erwachsene, Jugendliche und für interessierte Außenstehende. Es werden Themen aus den Schriften, Aussagen von Propheten und anderer Kirchenführer besprochen.
- Kollegiumsversammlung (50 min)
:Hier treffen sich die Priestertumsträger nach Kollegien getrennt: "Diakone" (12 bis 14 Jahre), "Lehrer" (14-16 Jahre), "Priester" (16-18 Jahre), "Älteste und Hohepriester" (ab 18 Jahre). Ebenso treffen sich die Frauen in der Frauenhilfsvereinigung und die Mädchen von 12-18 Jahren in den Versammlungen der Jungen Damen. Hier werden die Lehren speziell für die Gruppe besprochen und diskutiert.
- Primarvereinigung (während Sonntagschule und Kollegiumsversammlung)
:Dies ist die wesentliche religiöse Erziehung der Kinder bis 12 außerhalb der Familie nach Altersgruppen getrennt.
Gebete
Die öffentlichen und die persönlichen Gebete richten sich stets an den "Himmlischen Vater" und werden mit "Im Namen Jesu Christi, Amen" beendet. Wenn ein öffentliches Gebet gesprochen wird, dann ist es üblich, dass die Anwesenden nach der Beendigung des Gebetes mit "Amen" zustimmend antworten. Man betet in kniender, stehender oder sitzender Haltung. Mitglieder sind dazu angehalten, täglich persönlich, als Familie und vor dem Essen zu beten. Alle Gebete werden frei gesprochen, außer den Abendmahlsgebeten und dem Taufgebet, die wörtlich festgelegt sind.
Aufgaben des Priestertums
Neben dem Lehren des Evangeliums hat das Priestertum auch die Aufgabe, ”Heilige Handlungen” zu vollziehen (Taufe, Konfirmation, Abendmahl, Priestertum übertragen usw.) und Segen zu spenden (Kindersegnung, Krankensegen, Väterlicher Segen usw.).
Religionserziehung
Neben den sonntäglichen Versammlungen gibt es für Jugendliche von 14 bis 18 das Seminarprogramm und für junge Erwachsene von 18 bis 30 das Institutprogramm. Beides wird vom Bildungswesen der Kirche (CES) organisiert. Es findet je nach den örtlichen Umständen wöchentlich am Abend statt oder täglich am Morgen vor der Schule bzw. Arbeit statt. Die meist ehrenamtlichen Lehrer werden von CES gestellt und fortgebildet.
Seelsorge
Die Seelsorge ist wie die sonstigen kirchlichen Aufgaben auf die Schultern vieler verteilt. Im Einzelnen handelt es sich dabei um ein Paar von Priestertumsträgern, die häufig aus einem Jugendlichen (Lehrer oder Priester im aaronischen Priestertum) und einem Träger des melchisedekischen Priestertums bestehen. Sie sind gemeinsam einigen Familien als sog. Heimlehrer zugeteilt und haben die Aufgabe, ihnen in allen Arten von Nöten zu helfen. Dazu gehört auch ein monatlicher Seelsorgebesuch, bei dem eine geistige Botschaft vermittelt wird. Heimlehrer helfen ihren 'Schäfchen' auch, wenn sie ein Problem mit dem Halten eines Gebot haben.
Frauen sind paarweise einige Frauen zugeteilt, denen sie als "Besuchslehrerinnen" dienen. Auch sie vermitteln monatlich eine geistige Botschaft und helfen wo es nötig erscheint.
Monatliches Fasten
Den Mitgliedern, die alt genug und gesund sind, wird empfohlen am ersten Sonntag im Monat zu fasten, um ihre Geistigkeit zu stärken. Das bedeutet, auf zwei Mahlzeiten zu verzichten und während dieser Zeit auch nichts zu trinken. Das dadurch eingesparte Geld wird üblicherweise zweckgebunden für die Versorgung von Bedürftigen gespendet.
Das Fasten soll durch Gebet begleitet werden und endet in der Fasten- und Zeugnisversammlung. Das ist eine Abendmahlsversammlung in der jeder, der möchte, die Gelegenheit hat, seine Glaubengewissheit mitzuteilen.
Familienleben
Die Familie ist für die Errettung von besonderer Wichtigkeit. Ein aktives und positives Familienleben wird von den Kirchenführern sehr stark betont (siehe Proklamation für die Familie). Die Rolle der Frau als Mutter genießt höchstes Ansehen.
Die Familie nimmt nicht nur an den Sonntagsgottesdiensten teil, sondern kommt auch möglichst montags zu einem Familienheimabend zusammen. Dort können Probleme und Vorhaben der Familie besprochen werden. Die Eltern nutzen diesen Abend, um die Lehre ihren Kindern in einer fröhlichen und entspannten Atmosphäre nahezubringen.
Die Siegelung im Tempel soll die Familienbande ewig machen. Sie entspricht einer Eheschließung, die jedoch die Kinder ausdrücklich einschließt.
Tempel
Von den Mitgliedern der Kirche wird der Tempel als ganz besonders heiliger Ort verstanden. Dort geht man Gott gegenüber besondere Verpflichtungen ein und wird über den Erlösungsplan in symbolischer Weise belehrt. Neubeigetretene Mitglieder müssen sich für mindestens ein Jahr als treu erweisen, bevor ihnen der Zugang zum Tempel gewährt wird.
Das wichtigste Bündnis ist die „Ehesiegelung“, wodurch Familienbande nach dem Glauben der Kirche ewig werden.
Siehe auch: Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Missionsdienst
Jedes Mitglied soll die Lehren unter seinen Bekannten nach Möglichkeit verbreiten, dabei aber nicht aggressiv auftreten, sondern die göttliche Entscheidungsfreiheit des einzelnen respektieren.
Junge Männer sollen ab dem 19. Lebensjahr 24 Monate lang einen vollzeitigen Missionsdienst absolvieren. Auch Frauen ab 21 und ältere Ehepaare im Rentenalter können diesen Dienst, aber zeitlich verkürzt (meist 18 Monate bei jungen Frauen und 12 bis 18 Monate bei älteren Ehepaaren), erfüllen. Dies wird jedoch von ihnen nicht so stark erwartet wie von den jungen Männern.
Die Arbeit dieser vollzeitigen Missionare wird von einem Missionspräsidenten beaufsichtigt, der für ein bestimmtes geographisches Gebiet zuständig ist und direkt dem "Kollegium der Zwölf Apostel" unterstellt ist. Finanziert wird der Lebensunterhalt für diese Zeit von den Missionaren selbst (aus Erspartem) oder von ihren Familien und Freunden.
Siehe auch: Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage
Prägende Gebote
Mitglieder der Kirche sind dazu angehalten, völlig auf den Genuss von Alkohol, Tabak, Kaffee und schwarzem Tee zu verzichten sowie keine Drogen zu nehmen und sich gesund zu ernähren. Dieser Grundsatz, dessen Einhaltung eine Bedingung für den Besuch eines Tempels darstellt, ist bekannt als "Das Wort der Weisheit".
Die Mitglieder zahlen den "Zehnten", also zehn Prozent ihres Einkommens. Die Zehnteneinnahmen werden für die Finanzierung von Bauprojekten, Gebäudeunterhalt, Lehrmittel, Aktivitäten und anderes verwendet. Auch dies ist Bedingung für den Tempelbesuch.
Das Gebot der Keuschheit bedeutet völlige sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und vollständige Treue in der Ehe. Dazu gehört auch das Verbot von Selbstbefriedigung. Auch dieses Gebot ist eine Bedingung für den Besuch von Tempeln. Übertretungen hinsichtlich dieses Gebotes führen grundsätzlich zu Sanktionen wie Gemeinschaftsentzug bis hin zur Exkommunikation, wenn sie den Kirchenoberen bekannt werden.
Tätowierungen und Piercings werden nicht befürwortet. Jeweils ein Ohrloch bei Frauen bildet eine Ausnahme. Andere Art Körperverstümmelungen haben die Mitglieder ebenfalls zu unterlassen.
Unter "Sabbatheiligung" versteht man in der Kirche den Besuch des Gottesdienstes und den Verzicht auf kommerzielle und sportliche Betätigung (etwa Schwimmen im Freibad) am Sonntag. Statt dessen soll man sich mit familienzentrierten und geistlichen Dingen, wie dem Studium der "heiligen Schriften", befassen.
Wirkung nach außen
Neben dem Missionsprogramm tritt die Kirche vermehrt mit Internetauftritten, mit Interviews von Kirchenführern in öffentlichen Medien und mit Zeitungsberichten an die Öffentlichkeit.
Die Kirche betreibt umfangreiche Ahnenforschung, da dies für die Mitglieder als religiöse Pflicht gilt. Sie ist mit ihren riesigen Archiven, vor allem durch die Genealogische Gesellschaft von Utah, auch Nichtmitgliedern bei der Ahnenforschung behilflich, wobei diese nicht zu einer Mitgliedschaft gedrängt werden.
Viele internationale Hilfsorganisationen loben zudem die Zusammenarbeit mit der Kirche in humanitären Hilfsprojekten.
Kritik
Folgende Kritikpunkte stammen von Außenstehenden, wie z. B. einigen konfessionellen Weltanschauungsbeauftragten und Wissenschaftlern, sowie von ehemaligen Mitgliedern.
Grundsätzlich werden Zweifel bezüglich Joseph Smith und der Authentizität seiner Visionen geäußert. Smith habe demnach keine Offenbarungen erhalten, sondern seine Werke mittels Phantasie und Adaption anderer Lehren erstellt oder sie - nach anderer Ansicht - von Dämonen erhalten. Details hierzu findet man unter Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Buch Abraham.
Die Lehre von der "Mehrzahl der Götter" (engl. plurality of Gods) sei Polytheismus und deshalb nicht mit dem Christentum zu vereinbaren. Ähnlich verhält es sich auch mit der Lehre, die besagt, dass jeder Mensch ein Gott werden und Welten erschaffen könne. Auch die Sonderlehre, dass der Garten Eden im Gebiet des US-Bundesstaates Missouri gelegen habe, und dass auch das Neue Jerusalem dereinst dort entstehen wird, stößt bei Christen, Juden und Wissenschaftlern auf Unverständnis.
Einige Christen kritisieren auch die Lehre der Kirche, die besagt, dass Jesus ein Bruder Satans sei. Gerade von Protestanten wird der Kirche oft Werkgerechtigkeit vorgeworfen. Manche Kritiker sehen einen Widerspruch zwischen dem allgemeinen "Anrecht auf Offenbarungen" einerseits und der internen Hierarchiebildung durch Offenbarungen andererseits. Der Kirchenführung wird außerdem vorgeworfen, die eigene Geschichte zu verfälschen und negative Punkte zu verheimlichen.
Kritisiert werden ferner ihr autoritärer Führungsstil, die Forderung der Abgabe des "Zehnten" und manche geschäftliche Aktivitäten. Tatsächlich ist die Abgabe aber freiwillig (wenn auch mit einem merklichen sozialen Druck verbunden), und es wird jedes halbe Jahr von der Kirche ein Buchprüfungsbericht vorgelegt.
Themen, die Kritiker oft anführen, sind der Utah-Krieg von 1857, der angeblich innerkirchliche Geheimbund namens Daniten gegründet 1837, sowie die offiziell von 1852 bis 1890, tatsächlich wohl schon seit ca. 1840 gepflegte Polygamie.
Die auf Druck der Öffentlichkeit (z.B. New York Times) von der Kirche eingeräumte Existenz des sogenannten "Strengthening the Members Committee" wird auf das Schärfste kritisiert. Dieses Komitee wird von Aposteln der Kirche geführt und unterhält eine geheime Liste von sogenannten Kirchengegnern und Kritikern.
Kirche regional
Insgesamt umfasst die Kirche nach eigenen Angaben zur Zeit (2004) rund 12 Millionen Mitglieder weltweit in über 160 Ländern und Territorien, davon ca. 5,5 Millionen in den USA. Auch die folgenden Daten entstammen den Angaben der Kirche.
In Österreich
1883 wurde Paul Haslinger, das erste Mitglied auf österreichischem Gebiet, in Lambach getauft. Die erste Gemeinde wurde in Haag am Hausruck 1901 gegründet. Die Kirche wurde am 27. September 1955 in Österreich staatlich anerkannt.
Im Jahr 2004 gab es in Österreich 20 Gemeinden und 2 österreichischen Pfählen:
Pfahl Wien mit Gemeinden und Zweigen in Wien (5x), Bruck an der Mur, Judenburg, St. Pölten, Graz und Wiener Neustadt.
Pfahl Salzburg mit Gemeinden und Zweigen in Neumarkt am Wallersee, Haag am Hausruck, Innsbruck, Klagenfurt, Linz (2x), Salzburg, St. Johann im Pongau und Wels.
Die Gemeinde in Dornbirn gehört zum Pfahl Zürich.
In Deutschland
Das erste Gemeindehaus auf „deutschem Boden“ (östlich der Oder/Neißelinie) wurde 1929 in Selbongen (jetzt Zełwągi in Polen) gebaut.
Die Kirche hat lediglich in zwei Bundesländern Hessen (seit 1954) und Berlin (seit 1954) den Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts. In den übrigen Ländern ist sie als rechtsfähiger Verein im Sinne des BGB - also privatrechtlich organisiert - eingetragen. Weiter soll die Kirche in diesen Ländern, den Antrag zur Verleihung der Körperschaftsrechte gestellt haben, jedoch ist bisher nicht eindeutig geklärt, wann diese Anträge gestellt wurden und wann in etwa mit einer Entscheidung der zuständigen Behörden darüber zu rechnen ist. Eine Meinung in der Staatskirchenrechtswissenschaft bezweifelt gar die Wirksamkeit des Körperschaftsstatus im Bundesland Berlin, da im Jahre 1954 entgegen den Bestimmungen der Berliner Landesverfassung Formerfordernisse im Verleihungsverfahren nicht eingehalten wurden (Quelle: Held, Die kleinen öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften im Staatskirchenrecht der Bundesrepublik, S. 132, 149 f., München 1974). In Deutschland leben ca. 36 000 Mitglieder, davon sind ca. 35% aktiv, d.h. sie besuchen regelmäßig die Versammlungen und Aktivitäten der Kirche. Es gibt zwei Tempel: in Friedrichsdorf (Taunus) bei Frankfurt am Main (Frankfurt-Tempel) und in Freiberg in Sachsen (Freiberg-Tempel). Es gibt 184 Gemeinden und Zweige in den Pfählen München, Stuttgart, Nürnberg, Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, Hannover, Neumünster, Dortmund, Mannheim, Frankfurt am Main, und den Distrikten Neubrandenburg und Erfurt.
Literatur
- Christian Gellinek: Christus in Amerika, Mormonentum als christliche Religion, Agenda-Verlag, Münster 1999
- Albert Mössmer: Die Mormonen. Die Heiligen der Letzten Tage, Walter Verlag, Solothurn/Düsseldorf 1995.
- Rüdiger Hauth: Die Mormonen. Sekte oder neue Kirche Jesu Christi? Ein Ratgeber. Herder Verlag, Freiburg 1995.
- Daniel C. Peterson: Entgegnung auf Rüdiger Hauth's Buch "Die Mormonen. Sekte oder neue Kirche Jesu Christi?" LDS BOOKS Schubert & Roth OHG, Bad Reichenhall.
Siehe auch
- Neue Religiöse Bewegung
- Religionsgemeinschaft
- Liste der christlichen Konfessionen
- Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen
- Liste der Religionen und Weltanschauungen
Weblinks
- Offizielle Homepage [http://www.kirche-jesu-christi.de Deutschland], [http://www.kirche-jesu-christi.ch Schweiz], [http://hlt.at Österreich], [http://www.lds.org International]
- Kritische Informationen bei [http://www.relinfo.ch/mormonen/index.html relinfo.ch] und [http://www.infosekta.ch/is5/gruppen/mormonen_infosekta2000.html infosekta.ch]
- [http://www.confessio.de/gemeinschaften/mormonen/mormonen.htm Linksammlung bei confessio.de]
- [http://www.mormonentum.de/literatur/deutsche.html Kurzbeschreibung kritischer deutschsprachiger Literatur]
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Kategorie:Körperschaft des öffentlichen Rechts (kirchenrechtlich)
ja:末日聖徒イエス・キリスト教会
zh-min-nan:Iâ-so• Ki-tok Āu-kî Sèng-tô· Kàu-hōe
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten TageDie Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, LDS, im folgenden Die Kirche) ist eine Glaubensgemeinschaft mit christlichen Wurzeln. Zusammen mit weit kleineren Abspaltungen bildet sie die Mormonen genannte Konfessionsgruppe. Formell gegründet wurde die Kirche von Joseph Smith jun. am 6. April 1830 in Fayette im US-Bundesstaat New York. Heute hat sie ihren Hauptsitz in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah.
Mitglieder der Kirche, die sich selbst „Heilige der Letzten Tage“ (englisch Latter-day Saints) nennen, verstehen ihren Glauben als eine durch Gott eingerichtete Wiederherstellung der Kirche, die, wie im Neuen Testament beschrieben, ursprünglich durch Jesus Christus gestiftet wurde. Daher sehen sie sich als Christen, doch unterscheiden sich Lehre und Praxis der Kirche in vielen Punkten deutlich von denen der traditionellen christlichen Zweige (orthodoxe, römisch-katholische und evangelische Kirchen). Die Kirche wird von Vertretern dieser Kirchen mehrheitlich nicht als christlich anerkannt und beteiligt sich nicht an der Ökumene. Auch die Taufe wird nicht anerkannt.
Lehre
Die Kirche behauptet, in ihrer Lehre auf das ursprüngliche Christentum zurückzugreifen. Viele Ausprägungen anderer christlicher Gemeinschaften betrachtet sie als nicht ursprünglich und daher als unrichtig. Hier liegt der Grund, warum sich die Kirche in ökumenischen Bemühungen nicht einbringt. Ein Dialog zum gegenseitigen Verstehen mit anderen und auch nichtchristlichen Religionsgemeinschaften soll hingegen gepflegt werden. Die Kirche bezeichnet sich selbst als die "einzig vollständig wahre Kirche auf Erden".
Offenbarung
Die Kirche glaubt, durch fortlaufende Offenbarung von Jesus Christus direkt angeleitet zu werden. Dies geschehe durch Propheten, Apostel und andere Kirchenführer. Darüber hinaus erklärt sie, dass jeder Mensch ein Anrecht darauf habe, für seinen persönlichen Bereich und kirchliche Aufgaben (zum Beispiel auf Gemeinde-Ebene) direkte göttliche Offenbarung zu empfangen. Das Fortlaufen der Offenbarung impliziert auch, dass der Schriftenkanon nicht abgeschlossen ist. So wie Gott damals zu den Propheten des Alten Testaments gesprochen hat, so ist es Gott möglich, auch heute noch in den beschriebenen Weise zu den Menschen zu sprechen.
Schriftenkanon
Als kanonische Schriften anerkennt die Kirche das Buch Mormon, die Bibel mit Altem und Neuem Testament sowie Lehre und Bündnisse und die Köstliche Perle. Dieser Schriftenkanon ist nicht abgeschlossen, da die Kirche für sich in Anspruch nimmt, fortgesetzt Offenbarung zu erhalten, die dann gegebenenfalls (jedoch eher selten) als Erweiterung in den Kanon einfließt.
Der Wert der Bibel wird relativiert, da sie als nicht vollständig überliefert und durch Übertragungsfehler teilweise entstellt angesehen wird, was auch damit begründet wird, dass es heutzutage etliche Bibelübersetzungen gibt, die teilweise unterschiedlich interpretiert werden können. Dazu gibt es die sogenannte Joseph-Smith-Übersetzung, eine stellenweise Ergänzung und Neuinterpretation der King-James-Bibel. Die Joseph-Smith-Übersetzung konnte jedoch durch den Tod von Joseph Smith nicht fertiggestelllt werden und erhebt daher auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Für die englische Sprache wird in der Kirche eine eigene Ausgabe der King-James-Bibel verwendet, in der als Fußnoten bzw. als Anhang die Übersetzungen von Joseph Smith aufgenommen sind. Außerdem enthält sie Querverweise zu anderen kanonischen Schriften der Kirche. Die Fußnoten sind ähnlich zu den Bibelkommentaren anderer Bibelanstalten.
Deutschsprachige Mitglieder benutzen heute im offiziellen Gebrauch die Einheitsübersetzung der Bibel. Daher finden sich wesentliche Teile der Joseph-Smith-Übersetzung im Schriftenführer, der im Zuge der deutschsprachigen Neuausgabe 2003 in die Dreifachkombination (Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Köstliche Perle in einem Band) aufgenommen wurde.
Plan der Erlösung
Die Kirche sieht den Zweck der Erde darin, den Menschen, die alle Geistkinder Gottes seien, einen Ort weiteren Lernens in der Körperlichkeit zu verschaffen. Damit sei auch ein vorübergehendes Vergessen eines vorirdischen Daseins als Geistwesen verbunden. Die Menschen beteiligen sich an diesem Plan, indem sie durch das Zeugen von Kindern Geistwesen das Erdenleben ermöglichen.
Jeder Mensch könne sich immer entscheiden, ob er das Gute oder das Böse tun wolle. Allerdings seien die natürlichen und für die Entwicklung notwendigen Schwächen die Ursache dafür, dass jeder Mensch Falsches tue, also sündige. Damit sei er verunreinigt und aus eigener Kraft nicht im Stande, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren.
Jesus Christus habe durch sein Sühnopfer allen Menschen die Möglichkeit gegeben, von ihren Sünden umzukehren und nach allem, was sie selbst tun können, aus Gnade errettet zu werden. Dazu sei die Taufe durch einen dazu Bevollmächtigten unerlässlich. Diese Taufe kann frühestens nach Vollendung des 8. Lebensjahres vollzogen werden, mit der Begründung, dass sonst keine wirksame Entscheidung des Täuflings möglich sei. Die Kirche kritisiert vor diesem Hintergrund scharf die in ihren Augen nichtige Kindertaufe der großen christlichen Kirchen.
Nach dem Tod habe der Mensch den Körper verloren, lebe aber als Geistwesen weiter und könne weiter lernen. Wer im Erdenleben die gültige Taufe durch einen Priester der Kirche nicht empfangen habe, für den könne dieses Sakrament stellvertretend von einem Lebenden empfangen werden (siehe Totentaufe).
Am Ende der Entwicklung stehe die Auferstehung mit dem Jüngsten Gericht, in dem Jesus Christus jedem die ihm gebührende Herrlichkeit zuteilen werde: Dies sind nach der Lehre der Kirche das Celestiale Reich mit der größten Herrlichkeit (Gegenwart Gott Vater), das Terrestriale Reich (Gegenwart von Jesus Christus) als mittleres und das Telestiale Reich (Wirkung des Heiligen Geistes) als niederstes. Nur wer bewusst Gott leugnet, obwohl er ihn erkannt haben soll, der werde in die äußerste Finsternis gestoßen werden und ein Sohn des Verderbens werden. Mehr dazu siehe unter Reiche der Herrlichkeit.
Vollmachtsanspruch
Die Kirche erklärt, dass nur jemand, der die Vollmacht von Jesus Christus bekommen habe, in seinem Namen sprechen und heilige Handlungen durchführen dürfe. Die ersten Bevollmächtigten seien die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes. Sie seien Joseph Smith als auferstandene Wesen erschienen und hätten ihm diese Vollmacht übertragen. Von Joseph Smith ausgehend sei sie von Generation zu Generation in ungebrochener Linie weitergegeben worden. Nach Meinung der Kirche habe niemand ausserhalb dieser Apostolischen Sukzession diese Vollmacht.
Der Name der Kirche
In Lehre und Bündnisse, Abschnitt 115 Vers 4, schreibt Joseph Smith am 26. April 1838 als Offenbarung von Gott: "denn so soll meine Kirche in den letzten Tagen genannt werden, nämlich: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage." Bei ihrer Gründung am 6. April 1830 hieß sie noch "Die Kirche Christi". Dieser Name wurde jedoch am 3. Mai 1834 durch den einstimmigen Beschluss der Kirchenführung in »Die Kirche der Heiligen der Letzten Tage« geändert. Eine letzte Änderung erfolgte am 26. April 1838: der Name Jesu Christi wurde wieder eingefügt.
Durch den Namen wird verdeutlicht, dass in der Kirche Jesus Christus im Mittelpunkt stehen soll und auch, dass es sich um die wiederhergestellte "Kirche Jesu Christi" aus dem Neuen Testament handele. Die Formulierung "der Letzten Tage" unterscheidet namentlich die Kirche von eben dieser ursprünglichen "Kirche Jesu Christi" in neutestamentlicher Zeit. Smith sah mit seiner Mission die Endzeit eingeläutet, an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang glaubte er allerdings, soweit festzustellen, nicht.
Entstehung und Geschichte
Die Kirche entstand im ländlichen Norden des Staates New York am Anfang des 19. Jahrhunderts, als diese Gegend noch zivilisatorisches Neuland war. Die dort lebende Bevölkerung war im wesentlichen protestantisch und bibelgläubig, gehörte aber oft keiner Kirche an. Auch abergläubische Vorstellungen waren weit verbreitet. Manchmal bekannten sich verschiedene Familienmitglieder zu unterschiedlichen Konfessionen.
Gründung (1820-1830)
Der spätere Gründer, Joseph Smith jun., erklärte, im Jahre 1820 nach einem Gebet über die Frage, welche Kirche die wahre sei, eine Vision gehabt zu haben. In dieser so genannten Ersten Vision seien ihm Gott Vater und Jesus Christus erschienen. Diese hätten ihm mitgeteilt, dass alle zu jener Zeit bestehenden Kirchen im Irrtum seien und er sich keiner anschließen dürfe.
In den Jahren von 1823 bis 1827 habe er weitere Erscheinungen gehabt, diesmal von einem Engel namens Moroni, der ihm den Auftrag gegeben habe, das Buch Mormon von goldenen Platten, die seit Jahrhunderten in einem von Moroni Cumorah genannten nahen Hügel lagerten, zu übersetzen, wozu Smith die bei den Platten aufbewahrten "Sehersteine" Urim und Tummim zu Hilfe genommen haben will. Das Buch wurde 1830, kurz vor der Gründung der Kirche, erstmals veröffentlicht.
1829 sei Joseph Smith und seinem Mitarbeiter Oliver Cowdery der auferstandene Johannes der Täufer erschienen und habe ihnen mit dem Aaronische Priestertum mit der Vollmacht gegeben, zu taufen. Einige Wochen später seien die Apostel Christi Petrus, Jakobus und Johannes erschienen und hätten ihnen das Melchisedekische Priestertum übertragen, wodurch der Weg für die "Wiederherstellung" der Kirche Jesu Christi frei gemacht worden sei. Die formelle Gründung erfolgte am 6. April 1830 mit Joseph Smith als "erstem Ältesten" und Präsidenten und Oliver Cowdery als "zweitem Ältesten", Hyrum und Samuel Smith (Brüder von Joseph), sowie Peter Whitmer jun. und David Whitmer als eingetragene Mitglieder.
Die Kirche fand rasch glühende Anhänger und erbitterte Gegner. Bereits im Jahre 1830 sandte Joseph Smith seinen Bruder Samuel als ersten Missionar aus. Relativ viele Menschen aus dem Umland schlossen sich der neuen Kirche an. Gegner der Kirche griffen zu Mitteln wie Boykott und Anzeigen, aber auch teilweise zu Tätlichkeiten. Aus dieser Zeit stammen die ersten Zeitungsartikel und Flugblätter, die sich auch gegen Joseph Smiths Persönlichkeit richteten.
Kirtland und Missouri (1830-1840)
Wegen dieser unerquicklichen Umstände verlegte Joseph Smith den Hauptsitz der Kirche bereits 1831 nach Kirtland in Ohio. Dies bedeutete den Umzug der meisten Mitglieder unter Verlust ihrer Farmen und Geschäfte, die sie im noch kaum besiedelten Ohio neu aufbauten.
In Kirtland errichtete die Kirche ihren ersten Tempel, in dem Joseph Smith 1836, wie er in Lehre und Bündnisse Abschnitt 110 ausführt, weitere Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln, erhalten haben will. 1834 war das "Kollegium der zwölf Apostel" als Führungsgremium unter Joseph Smith als Propheten in Leben gerufen worden.
Aufgrund des Zusammenbruchs der "Kirtland Safety Society Anti-Banking Company", eines von Joseph Smith privat gegründeten Kreditinstitutes im Jahr 1837, verloren viele, auch führende Mitglieder der Kirche, viel Geld. Dies veranlasste eine größere Anzahl, das göttliche Mandat Joseph Smiths nicht nur zu bezweifeln, sondern als Lüge zu bekämpfen.
Bereits 1831 hatte sich Joseph auch nach Missouri – damals die Grenze der USA im Westen – orientiert und dort Kircheneinheiten gegründet. Er wollte die Kirche langfristig zentral dorthin verlegen und steckte in der Stadt Far West bereits einen Platz für einen weiteren Tempel ab. Nach blutigen Verfolgungen im Jahr 1833 flohen die dortigen "Heiligen", wie sie sich nannten, in nördlichere Kreise des Staates Missouri. Nach dem Zusammenbruch von Kirtland musste Smith mit seinen Getreuen Ohio verlassen und folgte den "Heiligen" nach Missouri. Dort wurde Joseph Smith 1838 verhaftet und gemeinsam mit mehreren Mitarbeitern unter Arrest gestellt.
Durch Gegner der Kirche aufgehetzt, erließ Gouverneur Lilburn Boggs 1838 einen Ausrottungsbefehl, der besagte, die „Mormonen müssen aus dem Staat vertrieben oder vernichtet werden“.
Nauvoo (1840-1845)
Die Heiligen wurden in Illinois aufgenommen und gründeten dort als neuen Anfang am Ufer des Mississippi am Ort Commerce die Stadt, die sie dann Nauvoo nannten. Von dort aus begann das Missionswerk in alle Welt, besonders nach Europa. Wieder wurde ein Tempel gebaut. Nauvoo erhielt einen Sonderstatus, praktisch als Stadtstaat mit eigener Miliz, der Nauvoo Legion.
1842 wurde in Nauvoo die Frauenhilfsvereinigung als Organisation der Frauen in der Kirche unter der Leitung von Emma Smith, der Ehefrau des "Propheten", gegründet.
Nach der Zerstörung der Druckerpresse der mormonenkritischen Zeitung "Nauvoo Expositor" – dieser prangerte in seiner einzigen erschienenen Ausgabe vor allem die heimliche Polygamie der Kirchenführer an – durch einen vom Bürgermeister Joseph Smith beauftragten Marshall, entzündete sich der Volkszorn umliegender Gemeinden gegen die Kirche. Dies gipfelte schließlich in der Ermordung von Joseph Smith und seines Bruders Hyrum durch einen Mob am 27. Juni 1844. Über der Nachfolgefrage entstand ein heftiger Streit, der zu einer Reihe von Abspaltungen führte. Der dienstälteste Apostel, Brigham Young, übernahm die Führung des Hauptteils der Mitglieder. Die meisten der anderen Fraktionen wiedervereinigten sich wesentlich später (ab 1860) zur RLDS-Kirche, die sich seit 2001 Gemeinschaft Christi nennt.
Schon Joseph Smith hatte sich mit der Frage beschäftigt, ob die Kirche nicht in eine menschenleere Gegend ziehen solle, um weiteren Verfolgungen zu entgehen. Dies realisierte Brigham Young mit dem (vorzeitig erzwungenen) Auszug fast aller "Heiliger" aus Nauvoo und deren Übersiedlung in das Tal des Großen Salzsees in den Rocky Mountains.
Im Selbstverständnis der Kirche ist dies „das große, teils tragische, teils glorreiche Epos der Heiligen der Letzten Tage, auf das in Reden, Theaterstücken und Filmen immer wieder Bezug genommen wird“. (Zitat eines Mitglieds der Kirche.)
Salt Lake City, seither Hauptsitz der Kirche, wurde mit Ankunft von Brigham Young am 24. Juli 1848 praktisch gegründet.
Konsolidierung in Salt Lake City (1850-1896)
Zunächst hieß es in den Rocky Mountains, zu überleben und ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen. Dennoch wurden rasch Missionare ausgesandt, die vor allem im Osten der USA, in Kanada und Europa versuchten, Menschen von der Wahrheit ihrer Lehren zu überzeugen. Dazu gehörte damals auch die „Sammlung in Zion“, das Auswandern in den neu gegründeten "Staat Deseret". Mit den Neuankömmlingen und der starken Vermehrung, bedingt durch das religiös begründete Ausüben einer (Mehrehe), welches ab 1852 auch öffentlich geschah, wuchsen Zahl der Mitglieder und Einfluss der Kirche.
Die frühe Geschichte von Utah und die des "Staates Deseret" wurden sehr stark durch die Kirche geprägt. In diesem Zusammenhang steht auch der Utah-Krieg von 1857.
Verbunden mit der Sklavenfrage kämpfte die amerikanische Innenpolitik gegen die Vielehe und erschwerte durch immer restriktivere Gesetze diese Praxis der Kirche. Die Durchsetzung des Rechts führte zu Massenverhaftungen von Mitgliedern und groß angelegten Beschlagnahmungen von Kircheneigentum, wie z.B. Grundstücken und Kirchengebäuden. Als Reaktion darauf erklärte im Jahr 1890 der damalige Präsident und Prophet Wilford Woodruff die Vielehe als nicht mehr akzeptabel in der Kirche (siehe Amtliche Erklärung Nr. 1 im Buch Lehre und Bündnisse). Dies war ein wesentlicher Faktor dafür, dass 1896 Utah die Eigenständigkeit als Bundesstaat zugebilligt wurde. Aber erst unter der Präsidentschaft von Joseph F. Smith (1901-1918), dem Neffen des Gründers, konnte innerhalb der Kirche die
Polygamie vollständig abgeschafft werden. Zu dieser Zeit kam es auch zu weiteren Abspaltungen, welche die Polygamie teilweise bis heute noch leben.
Weltweite Ausbreitung (seit 1900)
Nach der rechtlichen Anerkennung und der finanziellen Konsolidierung und noch einmal verstärkt seit dem Ersten Weltkrieg begann die Kirche, sich international zu positionieren. Zu dieser Zeit wurde auch die Auffassung aufgegeben, dass sich möglichst alle Mitglieder in Utah sammeln sollen. Stattdessen erhielten die Mitglieder den Auftrag, die Kirche in den Gegenden der Welt aufzubauen, in denen sie zu Hause sind.
Bis 1978 konnten Männer mit schwarzafrikanischer Herkunft das Priestertum nicht bekommen und folglich auch keine Führungsaufgaben übernehmen. Sie durften auch nicht den Tempel besuchen und konnten keine Tempelrituale empfangen. Somit waren es ihnen nicht möglich, die Voraussetzungen für das Erlangen der höchsten Erfüllung des mormonischen Glaubens zu erreichen. Veranlasst durch großen Zulauf von Bekehrten mit schwarzafrikanischer Herkunft in Brasilien erließ Präsident Spencer W. Kimball die Amtliche Erklärung Nr. 2 (siehe Lehre und Bündnisse), die besagt, dass nunmehr alle Männer, unabhängig von ihrer rassischen Herkunft, das Priestertum erhalten können.
Mittlerweile hat die Kirche mehr als 12 Millionen Mitglieder (Stand 2004), von denen mehr als die Hälfte außerhalb der USA leben. Wichtige Schwerpunkte sind Lateinamerika und Afrika. Ein Zeichen für die stärkere internationale Präsenz der Kirche ist der seit ca. 1990 massiv gesteigerte Bau von Tempeln der Kirche. Während die Kirche in Osteuropa ein starkes (Nachhol-)Wachstum aufweist, ist die Mitgliederzahl in den westeuropäischen Industriestaaten eher rückläufig oder stagnierend.
Organisation
In allen Kirchenebenen werden Mitglieder in Ämter berufen. Eine Berufsgeistlichkeit gibt es nicht, auch keine schulische Ausbildung zum Geistlichen.
In der Kirche herrscht strenge Hierarchie, die aber zeitlich stark wechselt und flexibel den Gegebenheiten der Zeit und des Ortes angepasst werden kann. Niemand kann sich um ein Amt bewerben, sondern man wird in ein Amt berufen, nach Überzeugung der entsprechenden Verantwortlichen, stützt sich die Auswahl eines bestimmten Funktionsträgers auf persönliche Offenbarung an denjenigen, der ihn beruft. Wer wen in welcher Organisationsebene zu berufen hat, ist genau festgelegt. Nachdem jemand ausgewählt wurde, wird er oder sie in einem vertraulichen Gespräch vom Verantwortlichen gefragt, ob er das Amt annimmt. Ist dies der Fall, wird er in einer öffentlichen Versammlung den betroffenen Mitgliedern zur Zustimmung vorgelegt. Durch Handaufheben erkären sich die Mitglieder mit der Berufung einverstanden und verpflichten sich, die Person in ihrer neuen Berufung zu unterstützen. Sie haben auch die Möglichkeit sich ebenfalls durch Aufheben der Hand dagegen auszusprechen. Auch der Prophet wird so bestätigt. (Extrem selten wurde bisher eine Berufung wegen Verweigerung der Zustimmung nicht wirksam.)
Dieser Grundsatz gilt nur für die Kirche in ihrer seelsorgenden Funktion selbst, nicht für von ihr gegründete, unterstützende Organisationen, wie beispielsweise das Bildungswesen der Kirche oder die Bereiche Verwaltung, Bauwesen, Lehrmittelherstellung, Übersetzung usw., die professionelle, vollzeitige berufliche Arbeit erfordern.
Berufungen werden, mit Ausnahme der Funktion des Propheten und der Apostel, die bis zum Lebensende währen, für begrenzte Zeit ausgesprochen. Dadurch wechselt die Position eines Mitgliedes in der Hierarchie üblicherweise mehrmals im Leben und kann von Aufgaben auf Gemeindeebene durchaus zu Aufgaben auf Weltebene und wieder zurück führen.
Auch wenn Frauen nicht das Priestertum tragen können, haben sie dennoch Führungsaufgaben auf allen Ebenen inne, allerdins unter der Führung von männlichen Priestertumsführern.
In der Führung der Kirche spielt der Grundsatz der Offenbarung eine sehr wichtige Rolle. Es wird gelehrt, dass jeder ganz persönlich im Zwiegespräch mit Gott Antwort auf Fragen und Hilfe beim Lösen von Problemen erhalten könne, aber nur bezogen auf seinen Verantwortungsbereich. So könne beispielsweise ein Gemeindeleiter Offenbarung bezüglich Fragen in der Leitung der Gemeinde, aber nicht für die gesamte Kirche erhalten. In dieser Lehre manifestiert sich wiederum die streng geordnete Hierarchie der Kirche. Wenn sich jeder Amtsträger in seinen Entscheidungen darauf beruft, er habe ein Anrecht auf Offenbarung und er habe solche Offenbarung auch erhalten, ist im Rahmen der Organisation eine "Reform von unten" oder gar eine "Revolution von unten" undenkbar.
Weltebene
Apostel
Regionale Ebene
Apostel
Lokale Ebene
Apostel
Kirchenleben
Ein wesentlicher Teil des Kirchenlebens spielt sich in für diesen Zweck errichteten Gemeindehäusern ab. Sie sind für alle Veranstaltungen allgemein zugänglich. Neben den Gottesdiensten finden dort gesellige Veranstaltungen von Ballspielen bis zu Theaterstücken und Tanzabenden statt.
Die Gemeinden sind überschaubar gehalten und umfassen nicht mehr als 500 Mitglieder.
Ein weiterer Ort für das Kirchenleben sind die Tempel. Sie sind Mitgliedern vorbehalten, die sich zuvor bereit erklärt haben, nach den Grundsätzen der Kirche zu leben und von ihrem Bischof und ihrem Pfahlpräsidenten für würdig befunden wurden.
Ansonsten beeinflusst die Kirche das Familienleben sehr stark.
Sonntagsgottesdienst
Der übliche Gottesdienst am Sonntag umfasst:
- Die Abendmahlsversammlung (ca. 70 min)
:Dies ist der wichtigste Teil des Gottesdienstes. Hier wird das Abendmahl in Form von Wasser und Brot gereicht, es werden Kirchenlieder gesungen und es gibt einige Predigten von Mitgliedern, männlich und weiblich, auch von Jugendlichen. Familien nehmen komplett daran teil. Priestertumsträger, die während des Gottesdienstes heilige Handlungen vollziehen, sollen anständig und konservativ gekleidet sein (In Deutschland z.B.:Anzug, weißes Hemd und Krawatte), so dass sie die Würde des Anlasses unterstreichen und nicht von der heiligen Handlung ablenken. Weiblichen Mitgliedern in Deutschland werden gebeten statt Hosen, Röcke oder Kleider zu tragen, um den mormonischen Bild der Frau besser zu entsprechen.
- Sonntagschule (40 min)
:Hier gibt es unterschiedliche Klassen für Erwachsene, Jugendliche und für interessierte Außenstehende. Es werden Themen aus den Schriften, Aussagen von Propheten und anderer Kirchenführer besprochen.
- Kollegiumsversammlung (50 min)
:Hier treffen sich die Priestertumsträger nach Kollegien getrennt: "Diakone" (12 bis 14 Jahre), "Lehrer" (14-16 Jahre), "Priester" (16-18 Jahre), "Älteste und Hohepriester" (ab 18 Jahre). Ebenso treffen sich die Frauen in der Frauenhilfsvereinigung und die Mädchen von 12-18 Jahren in den Versammlungen der Jungen Damen. Hier werden die Lehren speziell für die Gruppe besprochen und diskutiert.
- Primarvereinigung (während Sonntagschule und Kollegiumsversammlung)
:Dies ist die wesentliche religiöse Erziehung der Kinder bis 12 außerhalb der Familie nach Altersgruppen getrennt.
Gebete
Die öffentlichen und die persönlichen Gebete richten sich stets an den "Himmlischen Vater" und werden mit "Im Namen Jesu Christi, Amen" beendet. Wenn ein öffentliches Gebet gesprochen wird, dann ist es üblich, dass die Anwesenden nach der Beendigung des Gebetes mit "Amen" zustimmend antworten. Man betet in kniender, stehender oder sitzender Haltung. Mitglieder sind dazu angehalten, täglich persönlich, als Familie und vor dem Essen zu beten. Alle Gebete werden frei gesprochen, außer den Abendmahlsgebeten und dem Taufgebet, die wörtlich festgelegt sind.
Aufgaben des Priestertums
Neben dem Lehren des Evangeliums hat das Priestertum auch die Aufgabe, ”Heilige Handlungen” zu vollziehen (Taufe, Konfirmation, Abendmahl, Priestertum übertragen usw.) und Segen zu spenden (Kindersegnung, Krankensegen, Väterlicher Segen usw.).
Religionserziehung
Neben den sonntäglichen Versammlungen gibt es für Jugendliche von 14 bis 18 das Seminarprogramm und für junge Erwachsene von 18 bis 30 das Institutprogramm. Beides wird vom Bildungswesen der Kirche (CES) organisiert. Es findet je nach den örtlichen Umständen wöchentlich am Abend statt oder täglich am Morgen vor der Schule bzw. Arbeit statt. Die meist ehrenamtlichen Lehrer werden von CES gestellt und fortgebildet.
Seelsorge
Die Seelsorge ist wie die sonstigen kirchlichen Aufgaben auf die Schultern vieler verteilt. Im Einzelnen handelt es sich dabei um ein Paar von Priestertumsträgern, die häufig aus einem Jugendlichen (Lehrer oder Priester im aaronischen Priestertum) und einem Träger des melchisedekischen Priestertums bestehen. Sie sind gemeinsam einigen Familien als sog. Heimlehrer zugeteilt und haben die Aufgabe, ihnen in allen Arten von Nöten zu helfen. Dazu gehört auch ein monatlicher Seelsorgebesuch, bei dem eine geistige Botschaft vermittelt wird. Heimlehrer helfen ihren 'Schäfchen' auch, wenn sie ein Problem mit dem Halten eines Gebot haben.
Frauen sind paarweise einige Frauen zugeteilt, denen sie als "Besuchslehrerinnen" dienen. Auch sie vermitteln monatlich eine geistige Botschaft und helfen wo es nötig erscheint.
Monatliches Fasten
Den Mitgliedern, die alt genug und gesund sind, wird empfohlen am ersten Sonntag im Monat zu fasten, um ihre Geistigkeit zu stärken. Das bedeutet, auf zwei Mahlzeiten zu verzichten und während dieser Zeit auch nichts zu trinken. Das dadurch eingesparte Geld wird üblicherweise zweckgebunden für die Versorgung von Bedürftigen gespendet.
Das Fasten soll durch Gebet begleitet werden und endet in der Fasten- und Zeugnisversammlung. Das ist eine Abendmahlsversammlung in der jeder, der möchte, die Gelegenheit hat, seine Glaubengewissheit mitzuteilen.
Familienleben
Die Familie ist für die Errettung von besonderer Wichtigkeit. Ein aktives und positives Familienleben wird von den Kirchenführern sehr stark betont (siehe Proklamation für die Familie). Die Rolle der Frau als Mutter genießt höchstes Ansehen.
Die Familie nimmt nicht nur an den Sonntagsgottesdiensten teil, sondern kommt auch möglichst montags zu einem Familienheimabend zusammen. Dort können Probleme und Vorhaben der Familie besprochen werden. Die Eltern nutzen diesen Abend, um die Lehre ihren Kindern in einer fröhlichen und entspannten Atmosphäre nahezubringen.
Die Siegelung im Tempel soll die Familienbande ewig machen. Sie entspricht einer Eheschließung, die jedoch die Kinder ausdrücklich einschließt.
Tempel
Von den Mitgliedern der Kirche wird der Tempel als ganz besonders heiliger Ort verstanden. Dort geht man Gott gegenüber besondere Verpflichtungen ein und wird über den Erlösungsplan in symbolischer Weise belehrt. Neubeigetretene Mitglieder müssen sich für mindestens ein Jahr als treu erweisen, bevor ihnen der Zugang zum Tempel gewährt wird.
Das wichtigste Bündnis ist die „Ehesiegelung“, wodurch Familienbande nach dem Glauben der Kirche ewig werden.
Siehe auch: Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Missionsdienst
Jedes Mitglied soll die Lehren unter seinen Bekannten nach Möglichkeit verbreiten, dabei aber nicht aggressiv auftreten, sondern die göttliche Entscheidungsfreiheit des einzelnen respektieren.
Junge Männer sollen ab dem 19. Lebensjahr 24 Monate lang einen vollzeitigen Missionsdienst absolvieren. Auch Frauen ab 21 und ältere Ehepaare im Rentenalter können diesen Dienst, aber zeitlich verkürzt (meist 18 Monate bei jungen Frauen und 12 bis 18 Monate bei älteren Ehepaaren), erfüllen. Dies wird jedoch von ihnen nicht so stark erwartet wie von den jungen Männern.
Die Arbeit dieser vollzeitigen Missionare wird von einem Missionspräsidenten beaufsichtigt, der für ein bestimmtes geographisches Gebiet zuständig ist und direkt dem "Kollegium der Zwölf Apostel" unterstellt ist. Finanziert wird der Lebensunterhalt für diese Zeit von den Missionaren selbst (aus Erspartem) oder von ihren Familien und Freunden.
Siehe auch: Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage
Prägende Gebote
Mitglieder der Kirche sind dazu angehalten, völlig auf den Genuss von Alkohol, Tabak, Kaffee und schwarzem Tee zu verzichten sowie keine Drogen zu nehmen und sich gesund zu ernähren. Dieser Grundsatz, dessen Einhaltung eine Bedingung für den Besuch eines Tempels darstellt, ist bekannt als "Das Wort der Weisheit".
Die Mitglieder zahlen den "Zehnten", also zehn Prozent ihres Einkommens. Die Zehnteneinnahmen werden für die Finanzierung von Bauprojekten, Gebäudeunterhalt, Lehrmittel, Aktivitäten und anderes verwendet. Auch dies ist Bedingung für den Tempelbesuch.
Das Gebot der Keuschheit bedeutet völlige sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und vollständige Treue in der Ehe. Dazu gehört auch das Verbot von Selbstbefriedigung. Auch dieses Gebot ist eine Bedingung für den Besuch von Tempeln. Übertretungen hinsichtlich dieses Gebotes führen grundsätzlich zu Sanktionen wie Gemeinschaftsentzug bis hin zur Exkommunikation, wenn sie den Kirchenoberen bekannt werden.
Tätowierungen und Piercings werden nicht befürwortet. Jeweils ein Ohrloch bei Frauen bildet eine Ausnahme. Andere Art Körperverstümmelungen haben die Mitglieder ebenfalls zu unterlassen.
Unter "Sabbatheiligung" versteht man in der Kirche den Besuch des Gottesdienstes und den Verzicht auf kommerzielle und sportliche Betätigung (etwa Schwimmen im Freibad) am Sonntag. Statt dessen soll man sich mit familienzentrierten und geistlichen Dingen, wie dem Studium der "heiligen Schriften", befassen.
Wirkung nach außen
Neben dem Missionsprogramm tritt die Kirche vermehrt mit Internetauftritten, mit Interviews von Kirchenführern in öffentlichen Medien und mit Zeitungsberichten an die Öffentlichkeit.
Die Kirche betreibt umfangreiche Ahnenforschung, da dies für die Mitglieder als religiöse Pflicht gilt. Sie ist mit ihren riesigen Archiven, vor allem durch die Genealogische Gesellschaft von Utah, auch Nichtmitgliedern bei der Ahnenforschung behilflich, wobei diese nicht zu einer Mitgliedschaft gedrängt werden.
Viele internationale Hilfsorganisationen loben zudem die Zusammenarbeit mit der Kirche in humanitären Hilfsprojekten.
Kritik
Folgende Kritikpunkte stammen von Außenstehenden, wie z. B. einigen konfessionellen Weltanschauungsbeauftragten und Wissenschaftlern, sowie von ehemaligen Mitgliedern.
Grundsätzlich werden Zweifel bezüglich Joseph Smith und der Authentizität seiner Visionen geäußert. Smith habe demnach keine Offenbarungen erhalten, sondern seine Werke mittels Phantasie und Adaption anderer Lehren erstellt oder sie - nach anderer Ansicht - von Dämonen erhalten. Details hierzu findet man unter Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Buch Abraham.
Die Lehre von der "Mehrzahl der Götter" (engl. plurality of Gods) sei Polytheismus und deshalb nicht mit dem Christentum zu vereinbaren. Ähnlich verhält es sich auch mit der Lehre, die besagt, dass jeder Mensch ein Gott werden und Welten erschaffen könne. Auch die Sonderlehre, dass der Garten Eden im Gebiet des US-Bundesstaates Missouri gelegen habe, und dass auch das Neue Jerusalem dereinst dort entstehen wird, stößt bei Christen, Juden und Wissenschaftlern auf Unverständnis.
Einige Christen kritisieren auch die Lehre der Kirche, die besagt, dass Jesus ein Bruder Satans sei. Gerade von Protestanten wird der Kirche oft Werkgerechtigkeit vorgeworfen. Manche Kritiker sehen einen Widerspruch zwischen dem allgemeinen "Anrecht auf Offenbarungen" einerseits und der internen Hierarchiebildung durch Offenbarungen andererseits. Der Kirchenführung wird außerdem vorgeworfen, die eigene Geschichte zu verfälschen und negative Punkte zu verheimlichen.
Kritisiert werden ferner ihr autoritärer Führungsstil, die Forderung der Abgabe des "Zehnten" und manche geschäftliche Aktivitäten. Tatsächlich ist die Abgabe aber freiwillig (wenn auch mit einem merklichen sozialen Druck verbunden), und es wird jedes halbe Jahr von der Kirche ein Buchprüfungsbericht vorgelegt.
Themen, die Kritiker oft anführen, sind der Utah-Krieg von 1857, der angeblich innerkirchliche Geheimbund namens Daniten gegründet 1837, sowie die offiziell von 1852 bis 1890, tatsächlich wohl schon seit ca. 1840 gepflegte Polygamie.
Die auf Druck der Öffentlichkeit (z.B. New York Times) von der Kirche eingeräumte Existenz des sogenannten "Strengthening the Members Committee" wird auf das Schärfste kritisiert. Dieses Komitee wird von Aposteln der Kirche geführt und unterhält eine geheime Liste von sogenannten Kirchengegnern und Kritikern.
Kirche regional
Insgesamt umfasst die Kirche nach eigenen Angaben zur Zeit (2004) rund 12 Millionen Mitglieder weltweit in über 160 Ländern und Territorien, davon ca. 5,5 Millionen in den USA. Auch die folgenden Daten entstammen den Angaben der Kirche.
In Österreich
1883 wurde Paul Haslinger, das erste Mitglied auf österreichischem Gebiet, in Lambach getauft. Die erste Gemeinde wurde in Haag am Hausruck 1901 gegründet. Die Kirche wurde am 27. September 1955 in Österreich staatlich anerkannt.
Im Jahr 2004 gab es in Österreich 20 Gemeinden und 2 österreichischen Pfählen:
Pfahl Wien mit Gemeinden und Zweigen in Wien (5x), Bruck an der Mur, Judenburg, St. Pölten, Graz und Wiener Neustadt.
Pfahl Salzburg mit Gemeinden und Zweigen in Neumarkt am Wallersee, Haag am Hausruck, Innsbruck, Klagenfurt, Linz (2x), Salzburg, St. Johann im Pongau und Wels.
Die Gemeinde in Dornbirn gehört zum Pfahl Zürich.
In Deutschland
Das erste Gemeindehaus auf „deutschem Boden“ (östlich der Oder/Neißelinie) wurde 1929 in Selbongen (jetzt Zełwągi in Polen) gebaut.
Die Kirche hat lediglich in zwei Bundesländern Hessen (seit 1954) und Berlin (seit 1954) den Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts. In den übrigen Ländern ist sie als rechtsfähiger Verein im Sinne des BGB - also privatrechtlich organisiert - eingetragen. Weiter soll die Kirche in diesen Ländern, den Antrag zur Verleihung der Körperschaftsrechte gestellt haben, jedoch ist bisher nicht eindeutig geklärt, wann diese Anträge gestellt wurden und wann in etwa mit einer Entscheidung der zuständigen Behörden darüber zu rechnen ist. Eine Meinung in der Staatskirchenrechtswissenschaft bezweifelt gar die Wirksamkeit des Körperschaftsstatus im Bundesland Berlin, da im Jahre 1954 entgegen den Bestimmungen der Berliner Landesverfassung Formerfordernisse im Verleihungsverfahren nicht eingehalten wurden (Quelle: Held, Die kleinen öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften im Staatskirchenrecht der Bundesrepublik, S. 132, 149 f., München 1974). In Deutschland leben ca. 36 000 Mitglieder, davon sind ca. 35% aktiv, d.h. sie besuchen regelmäßig die Versammlungen und Aktivitäten der Kirche. Es gibt zwei Tempel: in Friedrichsdorf (Taunus) bei Frankfurt am Main (Frankfurt-Tempel) und in Freiberg in Sachsen (Freiberg-Tempel). Es gibt 184 Gemeinden und Zweige in den Pfählen München, Stuttgart, Nürnberg, Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, Hannover, Neumünster, Dortmund, Mannheim, Frankfurt am Main, und den Distrikten Neubrandenburg und Erfurt.
Literatur
- Christian Gellinek: Christus in Amerika, Mormonentum als christliche Religion, Agenda-Verlag, Münster 1999
- Albert Mössmer: Die Mormonen. Die Heiligen der Letzten Tage, Walter Verlag, Solothurn/Düsseldorf 1995.
- Rüdiger Hauth: Die Mormonen. Sekte oder neue Kirche Jesu Christi? Ein Ratgeber. Herder Verlag, Freiburg 1995.
- Daniel C. Peterson: Entgegnung auf Rüdiger Hauth's Buch "Die Mormonen. Sekte oder neue Kirche Jesu Christi?" LDS BOOKS Schubert & Roth OHG, Bad Reichenhall.
Siehe auch
- Neue Religiöse Bewegung
- Religionsgemeinschaft
- Liste der christlichen Konfessionen
- Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen
- Liste der Religionen und Weltanschauungen
Weblinks
- Offizielle Homepage [http://www.kirche-jesu-christi.de Deutschland], [http://www.kirche-jesu-christi.ch Schweiz], [http://hlt.at Österreich], [http://www.lds.org International]
- Kritische Informationen bei [http://www.relinfo.ch/mormonen/index.html relinfo.ch] und [http://www.infosekta.ch/is5/gruppen/mormonen_infosekta2000.html infosekta.ch]
- [http://www.confessio.de/gemeinschaften/mormonen/mormonen.htm Linksammlung bei confessio.de]
- [http://www.mormonentum.de/literatur/deutsche.html Kurzbeschreibung kritischer deutschsprachiger Literatur]
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Kategorie:Körperschaft des öffentlichen Rechts (kirchenrechtlich)
ja:末日聖徒イエス・キリスト教会
zh-min-nan:Iâ-so• Ki-tok Āu-kî Sèng-tô· Kàu-hōe
PolygamieDie Polygamie – von griech. πολύς (pollys) (= viel) und γάμος (gamos) (= Ehe) – bezeichnet eine Form der Vielehe und von eheähnlichen Beziehungen. Bei zwei Ehen spricht man von Bigamie. Polygamie wird im Allgemeinen als das Gegenteil von Monogamie verstanden. Polygamie als gesellschaftliche Institution ist zu unterscheiden von Polyamorie, bei der die Partner freiwillig entgegen gesellschaftlichen Normen mehrere offen geführte Liebesbeziehungen eingehen können, und die als Subkultur einen Teil der Queer-Bewegung darstellt.
Es wird unterschieden zwischen Polyandrie (Vielmännerei – eine Frau, mehrere Männer) und Polygynie (Vielweiberei – ein Mann, mehrere Frauen) sowie der so genannten Gruppenehe (Polygynandrie) und anderen Eheformen, bei denen mehrere Frauen und mehrere Männer beteiligt sind.
Polygamie in Deutschland
Grundsätzlich ist die Polygamie in der Bundesrepublik Deutschland laut § 1306 BGB (vgl. Doppelehe) verboten und wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (siehe § 172 StGB). Jedoch ist es nicht mehr strafbar, dass eine Person mit mehreren Männern oder Frauen in Geschlechtsgemeinschaft zusammenlebt; man kann nur nicht mehr als eine staatlich anerkannte Ehe eingehen.
Allerdings ist die eheliche Polygamie unter Umständen schützenswert, wenn sie im Ausland rechtmäßig zu Stande kam. So entschied das Oberverwaltungsgericht von Rheinland-Pfalz am 12. März 2004 unter dem Aktenzeichen 10 A 11717/03. OVG, dass die Ausländerbehörde der Stadt Ludwigshafen der Zweitfrau eines Irakers, der seit 1996 in der Bundesrepublik lebte, eine Aufenthaltsbefugnis zu erteilen hatte, da die Ehe der Zweitfrau wie die der Erstfrau rechtsgültig anerkannt wurde. Derartige Urteile wurden von Politikern und einigen Medien jedoch heftig kritisiert.
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Im Dritten Reich sollten Männer, Angehörige der SS, also „reinen Blutes“ mehrere Frauen gleichzeitig haben, um den Fortbestand und Erweiterung der „Deutschen Rasse“ zu gewährleisten. Frauen wurden also nicht wegen Ehebruchs bestraft, wenn sie außerehelich schwanger wurden, vorausgesetzt, beide Partner waren „arischen Blutes“.
Zudem erlaubten Frauen, welche an den Nationalsozialismus glaubten, ihren Männern diese Promiskuitäten.
Polygamie in Großbritannien
1922 gestand eine Britin aus Sheffield mit 61 Männern verheiratet zu sein. Dies ist bisher die höchste bekannte Anzahl von Ehen.
Polygamie in den USA
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, auch als Mormonen bekannt, erlaubte und förderte die Polygamie zwischen 1852 und 1890 offiziell; im Geheimen wurde sie auch schon einige Jahre vorher und noch einige Jahre später gepflegt. Erst im frühen 20. Jahrhundert unter Joseph F. Smith hat sich die Kirche nach einer Zeit der Ambivalenz offensiv gegen die Polygamie gewandt; bekannte Polygamisten werden seitdem rigoros exkommuniziert. Den die Polygamie lehrenden Abschnitt 132 ihrer heiligen Schrift Lehre und Bündnisse hat die Kirche beibehalten, er wird jedoch heute nur noch symbolisch-mystisch interpretiert und wurde um eine Erklärung ergänzt, die die praktische Ausübung der Polygamie verbietet. Die meisten schon vor 1852 abgespaltenen mormonischen Gruppen, darunter die Gemeinschaft Christi, lehnen die Polygamie strikt ab.
Heute pflegen nur noch einige meist kleine fundamentalistische Splitterkirchen, die sich meist nach 1890 von der Hauptkirche abgetrennt haben, die Polygamie. Viele dieser Gruppen leben in extrem abgelegenen Örtlichkeiten, in denen außer ihnen niemand siedelt; auf diese Weise dominieren sie auch die dortige Lokalpolitik. Dabei ist meist nur die erste Frau legal mit ihrem Ehemann verheiratet, teilweise werden auch überhaupt keine Zivilehen geschlossen. Einige dieser Kirchen sind totalitäre religiöse Gruppen, die immer wieder negative Schlagzeilen machen – etwa durch Kindesmissbrauch, Inzest, Zwangsheiraten, Vergewaltigung in der „Ehe“, Sozialhilfebetrug, Ehrenmorde an Aussteigern, Bildungsfeindlichkeit, zwangsweise Vertreibung „überzähliger“ junger Männer, Verweigerung jeder Zusammenarbeit mit der Staatsmacht und allgemein äußerst autoritäres Verhalten und Machtmissbrauch ihrer „Propheten“. Daneben gibt es im mormonischen Umfeld noch eine große Zahl individueller Fundamentalisten, die in ihrer eigenen Familie die Polygamie pflegen, ohne einer dieser Splitterkirchen anzugehören. Manche halten dies geheim, um ihre Mitgliedschaft in der Hauptkirche und vor allem ihre Zutrittsberechtigung zu deren Tempeln zu behalten, andere nehmen den Ausschluss in Kauf. Es wird geschätzt, dass heute zwischen 20.000 und 40.000 Einwohner der USA in polygamistischen mormonischen Gruppen oder polygamistischen Einzelfamilien leben, die meisten davon in Utah und dessen Nachbarstaaten. Zum Vergleich: die mormonische Hauptkirche hat heute ca. 12 Millionen Mitglieder.
Einige heutige Mitglieder der Hauptkirche behaupten, die früheren Vielehen hätten keine sexuellen Beziehungen beinhaltet, sondern hätten nur der materiellen Versorgung der Frauen, deren Männer nach dem Umzug nach Westen verstorben waren, gedient. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass etwa Brigham Young, der zweite Vorsitzende dieser Kirche, immerhin 57 Kinder von 16 Frauen hatte (Quellen siehe dort), auch wenn er daneben tatsächlich noch etwa 30 solche reinen Versorgungsehen vor allem mit älteren Witwen eingegangen war. Dies wurde seinerzeit auch keineswegs verschwiegen oder geheimgehalten. Auch heutige Kirchenführer verschweigen es nicht und sehen die damaligen sexuellen Beziehungen zu mehreren „rechtmäßig angetrauten“ Ehefrauen als vor Gott gerechtfertigt an, vermeiden das Thema jedoch nach Möglichkeit. Außereheliche sexuelle Beziehungen allerdings führten damals wie heute zu Disziplinarmaßnahmen bis hin zum Ausschluss aus der Kirche.
Polygamie in Afrika
Im südafrikanischen Königreich Swasiland ist Polygamie nichts ungewöhnliches. Der jetzige König Mswati III. hat erst im Mai 2005 seine 12. Frau geheiratet. Sein Vater König Sobhuza II., der 1982 starb, hatte immerhin zehn mal so viele Frauen.
Siehe auch
- Polyamorie
- Monogamie
Weblinks
- [http://attorneygeneral.utah.gov/polygamy/The_Primer.pdf Information der Justizminister von Utah und Arizona bezüglich polygamistischer mormonischer Gruppen (auf Englisch)]
Kategorie:Eheform
USA
Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl.: United States of America, kurz: USA) sind eine Bundesrepublik in Nordamerika. Sie grenzen im Norden an Kanada und (über die 100 km breite Beringstraße mit dem Bundesstaat Alaska) an Russland, im Süden an Mexiko, im Osten an den Atlantik und im Westen an den Pazifik.
Die Vereinigten Staaten entstanden 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien in Amerika und gewannen durch starke Industrialisierung und massive Immigration aus Europa im 19. Jahrhundert rasch an Einfluss. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren sie nach der Überwindung des totalitären Faschismus (im 2. Weltkrieg) und Kommunismus (im Kalten Krieg), zu der sie wesentlich beitrugen, die einzige verbliebene Supermacht.
Seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts sind die USA weltweit die weltpolitisch, wissenschaftlich, wirtschaftlich, (populär)kulturell und militärisch führende Macht. In all diesen Gebieten prägen sie die Gegenwart in einem Maße wie kein anderes Land der Welt.
Geographie
Hauptartikel: Geographie der USA
Das Kernland der USA besteht aus 48 Bundesstaaten und dem District of Columbia (D.C.), die innerhalb einer gemeinsamen Grenze liegen. Inklusive der beiden Bundesstaaten Alaska und Hawaii, die außerhalb dieses Kernlandes liegen, zählen die USA 50 Bundesstaaten.
Das Landschaftsbild ist sehr vielfältig: es gibt Waldgebiete und Mittelgebirge an der Ostküste, Mangrovenwälder im subtropischen Florida, die Flusssysteme von Mississippi und Missouri, weite Ebenen im Zentrum des Landes, große Gebirgszüge wie die Rocky Mountains, trockene Wüsten im Südwesten, gemäßigte Regenwälder im Nordwesten und Küstengebirge an der Westküste der USA. Hinzu kommen die arktische Region der Tundra in Alaska und die tropischen Inseln von Hawaii mit dem 4.170 Meter hohen Vulkan Mauna Loa.
Das Kernland der USA liegt zwischen dem 24. und 49. nördlichen Breitengrad und zwischen dem 68. und 125. westlichen Längengrad und ist in vier Zeitzonen eingeteilt. Alaska und Hawaii sowie die politisch an die USA angeschlossenen Außengebiete (beispielsweise Puerto Rico und Guam) liegen außerhalb dieser Zone.
Im Norden grenzt das Kernland an Kanada, im Süden an Mexiko und an den Golf von Mexiko. Im Osten liegt der Atlantische Ozean und im Westen der Pazifische Ozean. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 2.500 km. Zwischen Atlantik und Pazifik liegen rund 4.500 km.
Hawaii ist eine Inselkette im Pazifischen Ozean. Alaska liegt nordwestlich von Kanada und ist durch die Beringstraße von Russland getrennt.
- Grenze zu Kanada: 8.895 km (davon 2.477 km zwischen Alaska und Kanada)
- Grenze zu Mexiko: 3.326 km
- Küstenlinie: 19.924 km
Fläche
Die Vereinigten Staaten sind der flächenmäßig drittgrößte Staat der Erde nach Rußland und Kanada.
- Fläche der 50 Bundesstaaten (inkl. District of Columbia): 9.629.891 km²
- Landmasse: 9.158.453 km²
- Wasserfläche: 47.356 km²
Siehe auch: Liste der US-amerikanischen Staaten nach Fläche sortiert
Bevölkerung
Bevölkerungsgruppen
Die USA gelten traditionell als Schmelztiegel (melting pot) der Völker. Die ersten kolonialen Einwanderer auf dem von Indianern besiedelten Kontinent waren Europäer; anfänglich vorrangig spanischer, französischer und englischer Herkunft. Ab Mitte des 18. und verstärkt zur Mitte des 19. Jahrhunderts folgten Europäer deutscher und irischer Herkunft. Später kamen Einwanderer aus anderen Regionen Europas, vor allem aus Italien, Skandinavien und Osteuropa. Die europäischstämmigen US-Amerikaner bilden heute 74 % der Bevölkerung der USA.
deutscher
Afro-Amerikaner, Nachfahren der afrikanischen Sklaven, stellen etwas mehr als 13 % Bevölkerungsanteil. Sie leben vor allem im Süden der USA und in den großen Industriestädten des Nordens, wie z. B. Detroit. Asiatische Einwanderer, z. B. aus China, Japan, Korea, Indien und den Philippinen bilden noch eine relativ kleine Gruppe (ca. 4 %). Die Einwanderungspolitik war Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber Asiaten besonders restriktiv.
Heute zeigen sich weiterhin sozialstrukturell große Unterschiede zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung: Schwarze haben im Durchschnitt ein geringeres Einkommen, eine kürzere Lebenserwartung, eine schlechtere Ausbildung und eine höhere Kriminalitätsrate. Die Ursachen dafür und mögliche Wege der Problembehebung sind innerhalb der USA heftig umstritten. Nicht nur in den Südstaaten sind Wohngegenden und nicht-öffentliche Einrichtungen - wie die sozial wichtigen Kirchen oder private Organisationen - oft faktisch noch nach Rassen getrennt, wenn auch die formale Trennung inzwischen ungesetzlich und verpönt ist. Vielfach liegt dies ebenfalls an den ökonomischen Unterschieden.
Vor allem im Südwesten der USA und in Florida gibt es einen hohen Bevölkerungsanteil lateinamerikanischer (hispanischer) Herkunft. Sie werden in den Statistiken separat geführt, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Ihr Anteil wuchs in den letzten Jahrzehnten stetig (bis 2004 auf knapp 13 %), da viele Lateinamerikaner vor der wirtschaftlichen Not ihrer Heimatländer in den Norden fliehen. Sie leben oft als illegale Einwanderer und halten stark an ihrer Kultur und Sprache fest.
Die Indianer ("Native Americans") (siehe auch Indianer Nordamerikas) bilden heute eine kleine, jedoch langsam wieder wachsende Minderheit; nur in Alaska erreichen sie eine zweistellige Prozentzahl der Bevölkerung. Ebenfalls relativ viele Indianer leben in South Dakota und Oklahoma.
Sprachen
Die am meisten gesprochene Sprache in den USA ist historisch bedingt amerikanisches Englisch. Daneben werden aber auch noch vereinzelt die vielen Sprachen der amerikanischen Ureinwohner und zunehmend die Sprachen anderer immigrierter Ethnien gesprochen, insbesondere Spanisch, aber auch Koreanisch, Chinesisch und Vietnamesisch. Französisch, Polnisch und Deutsch, die aufgrund früherer Migrationswellen in bestimmten Regionen einst eine wichtige Rolle spielten, werden heute fast nur noch als Fremdsprache gesprochen.
Die USA als Ganzes haben keine Amtssprache, jedoch werden alle amtlichen Schriftstücke auf Englisch verfasst. In einigen Bundesstaaten ist Englisch Amtssprache, einzelne Staaten und Territorien definieren sich jedoch als zwei- oder dreisprachig.
Siehe auch:
- Gesellschaft der USA
- Deutsche Sprache in den USA
- Deutsche in den USA
- Das amerikanische Spanisch der USA
- Französisch in Louisiana
- Französisch in Neuengland
- Liste US-amerikanischer Persönlichkeiten
Religion
Im Jahr 2004 bezeichneten sich 54 % der Bevölkerung als protestantisch, 25 % als römisch-katholisch, 10 % gaben keine religiöse Überzeugung an (aber nur 0,3 bis 0,5 % waren explizit Atheisten oder Agnostiker), 3 % waren Mitglied einer orthodoxen Kirche, 2 % waren Mormonen, 2 bis 3 % Juden und weniger als 2 % moslemisch. Kleinere Gruppen, je 0,3 bis 0,5 %, bezeichneten sich als Buddhist, Hindu oder hingen dem Unitarismus an. Die größte einzelne Konfession war die Römisch-Katholische Kirche, gefolgt von der Southern Baptist Convention, der United Methodist Church und den Mormonen.
Die Zahl der praktizierenden Christen ist im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern sehr hoch. Allerdings hat auch hier der Bevölkerungsanteil, der sich zum Christentum bekennt in den Jahren von 1990 (86,2 %) bis 2004 (81 %) abgenommen
Geschichte
Hauptartikel Geschichte der USA
Das Gebiet der heutigen USA wurde vor Jahrtausenden durch die Vorgänger der späteren Indianerstämme besiedelt. Die schriftliche Geschichtsschreibung beginnt jedoch erst mit der Ankunft der europäischen Siedler im 16. Jahrhundert. Die erste europäische Siedlung auf dem heutigen US-Gebiet war von den Spaniern in St. Augustine, Florida, im Jahr 1565. Die politische Geschichte der USA geht jedoch aus den 13 britischen Kolonien hervor, deren Besiedlung mit der Gründung von Jamestown, Virginia im Jahr 1609 anfing. Der Ankunft der Mayflower in Plymouth Colony (später mit Massachusetts Bay Colony zu Massachusetts zusammengefügt) 1620 ist ebenfalls für viele US-Amerikaner ein wichtiges symbolisches Datum. Schwedische Kolonien an der Delaware-Bucht und niederländische Siedlungen um New York (damals Nieuw Amsterdam) waren nicht von Dauer bzw. wurden von den englischen Siedlern assimiliert. Französische Siedlungen entlang der Mississippi- und St.-Lorenz-Flüsse fielen 1763 an Großbritannien oder (westlich des Mississippi) an Spanien, das auch eigene Kolonien im Südwesten und in Florida hatte. Die spanischen Gebiete nahmen an der Revolution, die durch die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 ausgelöst wurde, nicht teil. Nach dem Unabhängigkeitskrieg, der im Vertrag von Paris 1783 endete, wurden die USA durch Großbritannien als eigenständiger Staat anerkannt.
Zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges lebten etwa zwei Millionen Weiße und 500.000 versklavte Schwarze in den ursprünglichen 13 Kolonien. Jenseits der Appalachen erstreckte sich bis zum Mississippi-Fluss ein weiteres, großes Gebiet, das etwa zehn Millionen Ureinwohner („Indianer“) bewohnten. Diese Konstellation ergab zwei wichtige Themen für die kommende Entwicklung der Nation: Die weitere Landnahme Richtung Westen zu Lasten de | | |