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Hubertussee (Grunewald)

Hubertussee (Grunewald)

Der Hubertussee liegt im Westen des Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villenkolonie Grunewald. Er hat eine langgestreckte Form bei einer Fläche von etwa 25.000 Quadratmetern und gehört zu einer Nebenrinne des Zwischenurstromtals Grunewaldseenkette, die vom Rathaus Schöneberg nach Westen über den Volkspark Wilmersdorf bis zum Herthasee verläuft und am Koenigssee senkrecht auf die Seenkette trifft. Im See liegt eine kleine Insel.

Schutzpatron der Jagd

Gespeist wird der Hubertussee vom Herthasee, mit dem er durch einen Graben direkt verbunden ist. Am Graben entlang führt ein Teil des noch nicht vollendeten „Uferwanderweges Grunewald", der die kleinen Seen und die Innenstadt auf einem durchgehenden Grünzug mit dem Forst Grunewald vernetzen soll. Allein am Hubertussee ist dieser Weg auf der gesamten Länge des Südufers mit rund 730 Metern fertiggestellt. Den Weg und den Wassergraben zwischen Herthasee und Hubertussee überspannt die als Baudenkmal geschützte „Bismarckbrücke" von 1891 mit sehenswerten Skulpturen, Obelisken und kolossalen ägyptischen Sphinxen (Sphingen) aus Sandstein. Die Gründungsväter der Kolonie Grunewald nannten den See nach dem katholischen Heiligen und Schutzpatron der Jagd Hubertus. Die östlich angrenzende Hubertusallee ist Teil des früheren Reitweges, auf dem die Kurfürsten vom Berliner Stadtschloss über den ehemaligen Knüppeldamm Kurfürstendamm zur Jagd in den Grunewald und zum Jagdschloss Grunewald ritten.

Torffenn und Nebenrinne

Wie die drei weiteren kleinen Seen in unmittelbarer Nachbarschaft, Herthasee, Koenigssee und Dianasee, zählt auch der Hubertussee nicht zu den ursprünglichen Seen der Grunewaldkette, sondern wurde 1889 zur Trockenlegung des sumpfigen Gebietes beim Bau der Villenkolonie Grunewald ausgehoben. Der ursprüngliche Name der gestreckten Niederung, „Torffenn", weist mit seinem flämischen Bestandteil Fenn = in etwa versumpftes Moorland auf den historischen, morastigen Charakter der Landschaft hin; der erste Wortbestandteil Torf deutet auf den fortgeschrittenen Verlandungsprozess des Niedermoores hin. Niedermoor] Niedermoor In östliche Richtung ist diese eiszeitliche Abflussrinne auf rund 2,2 Kilometer zugebaut und setzt sich nach dem Stadtring im schmalen Fennsee fort, mit dem der westliche Teil des Volksparks Wilmersdorf beginnt. Allerdings lassen sich auch im umbauten städtischen Bereich an vielen Stellen die Einschnitte der ehemaligen Niederung ablesen – beispielsweise östlich des Hubertussees an dem ausgedehnten Sportgelände mit „Hubertussportplatz", „Stadion Wilmersdorf", Tennisplätzen und Eisstadion sowie insbesondere an dem Sommerbad Wilmersdorf mit seiner abschüssigen Liegewiese. Dieser grüne „Sportzug" reicht bis an die Autobahn heran. Vom Eisstadion und Freibad leitet die weit geschwungene Fußgängerhängebrücke „Hoher Bogen" über die Autobahn und die parallelen Bahngleise hinweg zum Fennsee und zum benachbarten ehemaligen Ausflugsmagneten Wilmersdorfer See mit Badeanstalt und dem berühmten „Tanzpalast Schramm" – gehen wir zu Schramm zählte in den 1880er Jahren zu den Geflügelten Worten der Berliner. Das „Seebad Wilmersdorf" wurde nach 1915 zugeschüttet und zum Volkspark umgestaltet, der heute die Nebenrinne der Grunewaldseenkette fortsetzt.

Belastete Wasserqualität

Neben der Wasserqualität des Halensees weist die der vier künstlichen Grunewaldseen hohe Schwankungen hinsichtlich der Schadstoffbelastung auf. Senkungen des Grundwasserspiegels im Berliner Urstromtal haben die ursprünglich grundwassergespeisten Seen von der natürlichen Wasserzufuhr weitgehend abgeschnitten. Entgegen der ursprünglichen Fließrichtung wird seit 1913 Havel-Wasser vom Großen Wannsee durch die Grunewaldseenkette bis zum Dianasee gepumpt und gelangt von dort über eine weiteres Pumpwerk in die folgenden Seen. Über den Kanal vom Herthasee erhält damit auch der Hubertussee bei Bedarf sauberes Wasser. Allerdings hat sich das Wasserproblem in den letzten Jahren verschärft, da notwendige Pflegemaßnahmen wie die Laubbeseitigung wegen fehlender finanzieller Mittel nicht mehr im erforderlichen Umfang durchgeführt werden können. Durch den Laubfall, die Regeneinspülung von Ästen und Pflanzen der hohen Uferbereiche und durch das Zuschusswasser aus der Regenkanalisation gelangen verstärkt Biomasse und nährstoffreiche Keime in die Seen. Sauerstoffverzehr beim biologischen Abbau und Verschlammung sind die Folge, so dass der Bezirk zum Schutz der Seen Abholzungen im Uferbereich durchführen ließ. Wie fast alle Berliner Seen gehören der Hubertussee und seine Nachbarn zu den Angelgewässern und werden regelmäßig mit Fischen besetzt.

Siehe ausführlicher


- zum „Uferwanderweg Grunewaldseen" und Landschaftsplan: Koenigssee
- zur Aushebung der Seen: Dianasee
- zum Begriff „Fenn" (und Gesamtübersicht): Grunewaldseenkette
- zur „Bismarckbrücke": Herthasee

Weblinks, Quellen


- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/aktuelles/rundgaenge/030712.html Kiezspaziergang zu Seen ... mit Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer, 12. Juli 2003]
- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/aktuelles/rundgaenge/020608.html Kommunalpolitischer Spaziergang ... mit Bezirksstadtrat Joachim Krüger, 8. Juni 2002] Kategorie:See in Deutschland Kategorie:Gewässer in Berlin

Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist der 4. Verwaltungsbezirk von Berlin, der durch die Fusion der bisherigen Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf (beide ehemals Westteil) entstanden ist. Der Bezirk gilt heute als eher bürgerlicher Wohnbezirk. In Charlottenburg-Wilmersdorf befinden sich der Kurfürstendamm, die Technische Universität Berlin und die Deutsche Oper Berlin.

Geschichte

Deutsche Oper Berlin Charlottenburg ist aus der Gemeinde Lietzenburg (ursprünglich: Lietzow) hervorgegangen, auf deren Territorium zu Ehren von Königin Sophie Charlotte das Schloss Charlottenburg errichtet und 1705 die Stadt Charlottenburg gegründet wurde. Bis zur Eingemeindung zu Groß-Berlin (1920) entwickelte sich Charlottenburg zur reichsten Stadt Preußens. Nach der Oktoberrevolution wohnten zahlreiche russische Intellektuelle in Charlottenburg, weshalb es von den Berlinern auch Charlottengrad genannt wurde, auch heute befinden sich rund um den Stuttgarter Platz wieder zahlreiche russische Läden. Am 2. Juni 1967 wurde bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien gegenüber der Deutschen Oper Berlin der Student Benno Ohnesorg erschossen, während in der Oper für den Schah die Zauberflöte aufgeführt wurde. Am Kurfürstendamm wurde am 11. April 1968 Rudi Dutschke, eine der populärsten Figuren der Studentenbewegung, auf offener Straße angeschossen. und lebensgefährlich verletzt. Elf Jahre später erlag er als Spätfolge einem epileptischen Anfall in der Badewanne.

Ortsteile und Ortslagen

Studentenbewegung] Studentenbewegung]
- 04 Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (Aufteilung laut Beschluss der BVV vom 30. September 2004)
  - 0401 Charlottenburg war bis 1920 eine selbständige Großstadt westlich des alten Berlin.
    - Witzleben
    - Kalowswerder
    - Martinekenfelde
  - 0406 Charlottenburg-Nord
    - Jungfernheide
    - Paul-Hertz-Siedlung
    - Plötzensee
  - 0404 Grunewald entstand aus der Villenkolonie oder späteren Millionärskolonie Grunewald.
  - 0407 Halensee
  - 0403 Schmargendorf konnte bis heute seinen eigenständigen, eher kleinstädtischer Charakter mit eigenem Ortszentrum in der Breiten Straße und der Berkaer Straße erhalten.
  - 0405 Westend
    - Pichelsberg
    - Ruhleben
    - Siedlung Eichkamp
    - Siedlung Heerstraße
  - 0402 Wilmersdorf war bis 1920 eine Großstadt südwestlich des alten Berlins. Der historische Kern befindet sich an der Straße Wilhelmsaue.
    - Rheingau-Viertel

Sehenswürdigkeiten

Wilmersdorf]
- Grunewaldturm
- Kreuzkirche in Schmargendorf
- Dorfkirche in Berlin-Schmargendorf
- Rathaus Schmargendorf
- Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald
- Denkmal am Schildhorn für Jaxa von Köpenick Jaxa von Köpenick]
- Schloss Charlottenburg
- Luisenkirche von Karl Friedrich Schinkel auf dem Gierkeplatz
- Rathaus Charlottenburg
- Funkturm
- Messegelände und ICC Berlin
- Deutsche Oper Berlin
- Theater des Westens
- Schiller-Theater
- Berliner Olympiastadion und das Olympiagelände
- Breitscheidplatz mit Gedächtniskirche, Europa-Center und Wasserklops
- Gedenkstätte Plötzensee Siehe auch: Sehenswürdigkeiten in Berlin

Weblinks


- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/ Homepage des Bezirkes]
- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/wissenswertes/geschichte/bezirk.html Geschichte des Bezirks] Charlottenburg-Wilmersdorf

Berlin-Grunewald

Grunewald ist ein Ortsteil im Westen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin und wurde nach dem gleichnamigen Forst Grunewald benannt. In den 1880er Jahren verkaufte der Preußische Staat nach persönlicher Intervention von Kanzler Otto von Bismarck 234 Hektar des Forstes Grunewald an ein Bankenkonsortium, das die Villenkolonie oder spätere Millionärskolonie Grunewald errichtete. In diesem Zusammehang wurde auch der Kurfürstendamm ausgebaut. Aufgrund baulicher Vorgaben waren große Grundstücke erforderlich, die nur zu einem geringen Teil bebaut sein durften. So entwickelte sich Grunewald zu einer der wohlhabendsten Wohngegenden Berlins, obwohl die Villen stilistisch sehr heterogen sind. Im selben Jahr wurden die zum Zwischenurstromtal Grunewaldseenkette gehörenden Seen Hubertussee ('vorher' Torffenn), Herthasee (Rundes Fenn), Koenigssee (Langes Fenn) und Dianasee (Diebsloch) ausgehoben und über artesische Brunnen mit Wasser gefüllt. Man schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe: zum einen beseitigte man damit Moorgebiete (Fenns), die man als Infektionsherde fürchtete, zum anderen legte man gleichzeitig Attraktionen für die potenziellen Bewohner an, da sich die Villen um die Seen gruppierten und die Seeufer und Hangbereiche frei von jeder Bebauung blieben und zu privaten Garten- und Parkanlagen wurden. Erwartungsgemäß zog es in großer Zahl Unternehmer, Bankiers, Professoren und Künstler in das Gebiet. Bei der Eingemeindung nach Groß-Berlin 1920 wurden in Berlin-Grunewald-Landgemeinde 6.449 Einwohner und in Berlin-Grunewald-Forst-Gutsbezirk 507 Einwohner gezählt. Über den Bahnhof Grunewald besteht ein direkter Anschluss zur S-Bahn; von dort geht es stadteinwärts ins alte, beschauliche Villenviertel oder stadtauswärts direkt in den Wald. Nicht vergessen werden darf aber, dass während des Zweiten Weltkrieges seit Oktober 1941 die Deportation der Berliner Juden vorwiegend in östlich gelegene Konzentrations- und Vernichtungslager von Berlin-Grunewald erfolgte. Hieran erinnert seit 1998 das Mahnmal Gleis 17.

Bewohner

Die Grunewalder leben sprachlich korrekt in, nicht im Grunewald. Grunewald hatte viele berühmte Bewohner aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Kommerz:
- Ingeborg Bachmann, Hasensprung 2 und Koenigsallee 53
- Walter Benjamin, 1913-1928, Delbrückstr. 23
- Dietrich Bonhoeffer, Wangenheimstr. 14
- Arno Breker, 1940, Koenigsallee 65
- Emma Cotta, Auguste-Viktoria-Str. 4, danach 1945-1957 Caspar-Theyß-Str. 14
- Lion Feuchtwanger, 1930-1933, Regerstr.
- Carl Fürstenberg, Koenigsallee 53
- Maximilian Harden, 1900-1922, Wernerstr. 16
- Heinrich Himmler, Hagenstr. 22
- Gerhart Hauptmann, Trabener Str. und Hubertusallee
- Engelbert Humperdinck, 1901-1912, Trabener Str.
- Harald Juhnke, 1929 - 2005, Lassenstraße 1
- Alfred Kerr, 1912-1933, Douglasstr.
- Harry Graf Kessler, 1925-1930, Höhmannstr. 6
- Hildegard Knef, Bettinastr. 12
- Romy Schneider, Winkler Straße 12
- Else Lasker-Schüler, 1913, Humboldtstr. 13
- Max Pechstein, 1945-1955
- Max Planck, 1905-1944, Wangenheimstr. 21
- Walther Rathenau, 1910-1922, Koenigsallee 65
- Max Reinhardt, 1902-1905, Fontanestr. 8
- Ferdinand Sauerbruch, 1939-1951, Herthastr. 11
- Grethe Weiser, Herthastr. 17a
- Samuel Fischer, Erdener Straße 8
- Artur Brauner, Koenigsallee
- Helmut Käutner, Koenigsallee 18g
- Brigitte Mira, Koenigsallee
- Vicki Baum, Koenigsallee 43-45

Literatur


- Helga Gläser, Karl-Heinz Metzger u.a., 100 Jahre Villenkolonie Grunewald 1889-1989, Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin 1988 Grunewald

Zwischenurstromtal

Als ein Zwischenurstromtal oder Urstromtalung wird eine Verbindung zwischen zwei oder mehreren (Haupt-) Urstromtälern bezeichnet. Zwischenurstromtäler haben alle Merkmale eines Urstromtals, verlaufen aber meist in anderen Richtungen oder aber parallel zu den großen Urstromtälern. Aber auch Verzweigungen des Haupttals können in der wissenschaftlichen Literatur so bezeichnet werden. Eine klare Klassifizierung ist insofern nicht möglich, da der genaue zeitliche Ablauf des Schmelzwasserabflusses während der einzelnen Eiszeiten bzw. deren Stadien wegen fehlender wissenschaftlicher Methoden nicht exakt bekannt ist. Im Übrigen herrschen auch hier unterschiedliche Lehrmeinungen. Von der Anlage her ist das Zwischenurstromtal (bzw. das Urstromtal) von den Schmelzwasserrinnen streng zu trennen. Während erstere durch den Abfluss der Schmelzwässer vor dem Eisrand entstehen und meistens von Ost nach West, parallel zum Eisrand, verlaufen, sind letztere durch unter dem Inlandeis abfließende Schmelzwässer entstanden und verlaufen meist von Nord nach Süd. Zu einer Häufung von Urstromtälern und dazwischen liegenden Urstromtalungen kommt es beispielsweise im Gebiet zwischen der Elbe (nördlich von Magdeburg bis Havelberg) im Westen und der Oder im Osten sowie dem Nördlichen (Mecklenburgisch-Brandenburgische Seenplatte) und Südlichen Landrücken (Fläming und Lausitzer Grenzwall). In der Fachliteratur hat sich der etwas sperrige Begriff Zwischenurstromtal jedoch nicht durchgesetzt. Dort bezeichnet man sie als Urstromtalung oder neutral als (Schmelzwasser-)Abflussbahn. Siehe auch: Glaziale Serie Kategorie:Glaziologie Kategorie:Geomorphologie

Rathaus Schöneberg

Das Rathaus Schöneberg wurde 19111914 von den Architekten Peter Jürgensen und Jürgen Bachmann für die damals selbstständige Stadt Schöneberg bei Berlin errichtet. Die Planung erfolgte unter dem ersten Schöneberger Oberbürgermeister Rudolph Wilde und die Grundsteinlegung am 26. Mai 1911 unter seinem Nachfolger Alexander Dominicus, nach dem die „Dominicusstraße“ benannt ist. Die Straße hieß seinerzeit „Mühlendamm“ und führte zum „Mühlenberg“, auf dem das Rathaus errichtet wurde. Unmittelbar südlich neben dem Mühlenberg begann ein morastiges Fenn, das sich als eiszeitliche Nebenrinne bis zum Zwischenurstromtal Grunewaldseenkette erstreckte. Die Trockenlegung erfolgte parallel zum Rathausbau, auf der Fläche entstand der damalige „Stadtpark“, der heutige Rudolph-Wilde-Park. Breite repräsentativ angelegte Treppen führen vom Rathaus hinunter in den Ostteil des Parks zum „Hirschbrunnen“ mit dem Wappentier Schönebergs. 1920 wurde Schöneberg nach Berlin eingemeindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der politischen Teilung Berlins war das Rathaus Schöneberg bis zur Wiedervereinigung 1990 der politische Mittelpunkt West-Berlins: Das Parlament (Abgeordnetenhaus) und die Regierung (Senat) von West-Berlin hatten hier ihren Sitz. Im Rathaus-Turm befindet sich die Freiheitsglocke, die von gesammelten Spenden der US-amerikanischen Zivilbevölkerung für die Berliner gestiftet wurde und jeden Mittag um zwölf Uhr läutet. Das Rathaus, der umliegende Platz und die darauf zulaufenden Straßen waren der Ort vieler Kundgebungen und des Staatsbesuches des US-Präsidenten John F. Kennedy. Dort hielt er am 26. Juni 1963 seine Rede mit dem berühmten Bekenntnis „Ich bin ein Berliner“. Zu seinen Ehren wurde der Rudolph-Wilde-Platz vor dem Rathaus nach seiner Ermordung in John-F.-Kennedy-Platz umbenannt. Am 24. September 1991 fand hier die letzte Senatssitzung vor dem Umzug in das Berliner Rathaus statt und am 25. März 1993 tagte hier letztmalig das Berliner Abgeordnetenhaus vor dem Umzug in den Preußischen Landtag.

Literatur


- Wilfried Welz, Cornelius C. Goeters: Rathaus Schöneberg – Stationen einer politischen Karriere. Verlag Arno Spitz, Berlin 1995 Kategorie:Rathaus Kategorie:Bauwerk in Berlin Kategorie:Berlin (Politik) Kategorie:Berliner Geschichte

Volkspark Wilmersdorf

Die öffentliche Grün- und Erholungsanlage Volkspark Wilmersdorf liegt im Ortsteil Wilmersdorf des Berliner Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf nahe der Straße „Wilhelmsaue", dem ehemaligen Ortskern von Alt-Wilmersdorf. Gemeinsam mit dem benachbarten Schöneberger Rudolph-Wilde-Park bildet der Volkspark einen insgesamt rund 2,5 Kilometer langen und rund 150 Meter breiten innerstädtischen Grünzug. Davon beträgt der Wilmersdorfer Anteil rund 1.850 Meter, der sich vom Rudolph-Wilde-Park an der Kufsteiner Straße im Osten bis zum Stadtring im Westen erstreckt. Zum Park gehören der Fennsee am westlichen Ausgang sowie zwei Sportplätze zwischen der Uhlandstraße und der Bundesallee, an deren Stelle sich der Wilmersdorfer See befand, der ab 1915 zugeschüttet wurde. Sanft geschwungene Wiesen, baumbestandene Wege und viele Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen bestimmen den Charakter des Parks. Wilmersdorfer See

Geologie

Geologisch bildet der Volkspark Wilmersdorf einen Teil einer eiszeitlichen Nebenrinne zum Zwischenurstromtal Grunewaldseenkette. Die ehemals sumpfige Niederung (Fenn) erstreckt sich vom Rathaus Schöneberg über den Volkspark und Fennsee bis zum Herthasee und trifft am Koenigssee senkrecht auf die Grunewaldrinne. Dabei ist die Niederung heute westlich des Fennsees zwischen dem Stadtring und dem Hubertussee für rund 2.200 Meter durch bebautes Gebiet, verschiedene Sporteinrichtungen und durch das Sommerbad Wilmersdorf unterbrochen. Verschiedene Findlinge im gesamten Parkbereich verdeutlichen die geologisch junge Bodengestaltung in Berlin.

Seebad Wilmersdorf

Der ehemalige Wilmersdorfer See gab dem Park in den ersten Jahren den Namen „Seepark". Durch Landverkäufe an Bauinvestoren in der Randlage der schnell wachsenden Stadt Berlin waren verschiedene Schöneberger und Wilmersdorfer Bauern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Reichtum gekommen, die als „Millionenbauern" in die Geschichte eingingen. Einer dieser Millionenbauern war der Wilmersdorfer Otto Schramm (1845-1902), der am See eine Badeanstalt und den berühmten „Tanzpalast Schramm" anlegte. Gehen wir zu Schramm zählte in den 1880er Jahren zu den Geflügelten Worten der Berliner Ausflügler. Jüngere Offiziere und verarmte Adelige sollen hier gezielt und mit Erfolg nach den Töchtern der Millionenbauern Ausschau gehalten haben. Das „Seebad Wilmersdorf" nahm sein Ende, als der See ab 1915 zugeschüttet wurde. Der ehemalige Seepark erhielt daraufhin den heutigen Namen „Volkspark Wilmersdorf ".

Gliederung des Parks

Der langgestreckte Park besteht heute aus drei unterschiedlichen und durch Straßenzüge stark getrennten Bereichen, die im folgenden von Ost nach West dargestellt sind.

Östlicher Bereich

Geflügelten Worten Der östliche Bereich reicht vom benachbarten Schöneberger Rudolph-Wilde-Park bis zur Bundesallee. Unmittelbar neben dem Rudolph-Wilde-Park liegt nahe dem ehemaligen RIAS-Gebäude (heute Deutschlandradio) der größte Spielplatz des Parks, der bereits zum Bezirk Wilmersdorf zählt und mit dem der Volkspark beginnt. Der anschließende Hauptteil besteht aus einem Landschaftspark mit den für die Niederung typischen sanft geschwungenen Liegewiesen, den 1912/1913 der Gartenarchitekt Richard Thieme gestaltet hat. Durch den mehrspurigen Ausbau der Bundesallee (früher Kaiserallee) ist der folgende mittlere Parkbereich deutlich abgetrennt und über den „Volksparksteg" verbunden, der seit 1971 die Bundesallee für Fußgänger und Radfahrer überspannt. Unterhalb des Stegs steht die Bronzeskulptur "Speerwerfer" von Karl Möbius aus dem Jahr 1921, die 1944 eingeschmolzen und 1954 neu gegossen wurde.

Mittlerer Bereich

Dieser Bereich erstreckt sich von der Bundesallee bis zum Straßenzug Uhlandstraße/Mecklenburgische Straße, der wiederum den westlichen Bereich mit dem Fennsee scharf abtrennt. Der mittlere Parkbereich beginnt mit einem Wiesen- und Gartenteil, an den sich ein weiterer größerer Spielplatz, unter anderem mit einem Basketballplatz, anschließt. Dieser Bereich wird von den Schülern der drei örtlichen Gymnasien auch FEO-Wiese genannt, benannt nach dem Friedrich-Ebert-Gymnasium. Es folgen die Sportanlagen mit zwei Fußballplätzen auf dem Gelände des zugeschütteten Wilmersdorfer Sees. Die baumbestandenen breiten Wege, die den gesamten Park am Nord- und Südrand säumen, führen auch an den Sportplätzen vorbei. Die Gestaltung dieses Teils hatte 1933 der Landschaftsarchitekt Wilhelm Riemann begonnen, die Fertigstellung folgte 1945. 1960 legten Eberhard Fink und Karl Schmid die Sportplätze und einen Blumengarten an und gestalteten die Wiesen. Der mittlere Bereich wird von der wenig befahrenen Prinzregentenstraße durchquert, die im Parkbereich mit Schritttempo durchfahren werden muss.

Westlicher Bereich

Wilhelm Riemann Den westlichen Bereich nimmt wiederum ein Landschaftspark ein, der sich am langgestreckten Fennsee mit landschaftlich gestalteten Uferzonen bis zur Rudolstädter Straße unterhalb des Stadtrings hinzieht. Dabei sind See und Park von der kleinen, wenig befahrenen Barstraße beziehungsweise Barbrücke in zwei etwa gleich große Teile getrennt. (Siehe: Fennsee.)

Spiel-, Sport- und Freizeit

Im Gegensatz zum Schöneberger Nachbarn Rudolph-Wilde-Park verfügt der Volkspark Wilmersdorf über eine hohe Zahl an Freizeitanlagen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die landschaftlich ansprechend in die grünen Bereiche eingebunden und, bis auf die Fußballplätze, frei zugänglich sind. Neben den beiden großen Fußballplätzen gibt es sehr viele Tischtennisplatten aus Stein mit Metallnetzen, die zum Teil in die Spielplätze integriert sind. Ein schöner und gepflegter Basketballplatz findet großen Anklang bei den Jugendlichen. Darüberhinaus verfügt der Park über einen Tennisplatz, Boccia und eine Minigolfanlage. Die schattenspendenden Randwege sind bei Joggern beliebt – unter den schönsten Jogging- und Walkingrouten durch die Berliner Innenstadt schlägt der Senat als Route Nr. 9 eine 3,8 Kilometer lange Strecke im Grünzug vor. Tief im Schatten alter Kastanien liegt ein Platz mit 8 Steintischen für Brett- oder Kartenspiele mit jeweils 4 Sitzen, dabei sind Schach-, Mühle- oder Damemuster bereits im Stein eingelassen. Eine Besonderheit des Parks sind die zahlreichen Spielplätze. Es gibt kleinere Plätze für Kleinkinder, mittlere Plätze mit verschiedenen Klettergerüsten, Schaukeln, Rutschen, Wippen und Sandkästen für alle Altersklassen und insbesondere den ausgedehnten und vielfältigen Spielplatz am RIAS, der zusätzlich über einen Abenteuerbereich verfügt. Für Hundefreunde steht ein kleiner Hundeauslaufplatz zur Verfügung. Kioske und Lokale am Rand des Parks versorgen die Parkgäste mit Getränken und Speisen.

Verweise, Quellen

Siehe ausführlicher


- Siehe ausführlicher zu den „Millionenbauern": Wilmersdorfer See
- Siehe ausführlicher zum Begriff „Fenn": Grunewaldseenkette

Literatur


- Max Kretzer, Der Millionenbauer, 2 Bände, Leipzig 1891 (auch als Theaterstück 1891)

Weblinks


- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/aktuelles/rundgaenge/030510.html Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Kiezspaziergang mit Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen, 10.5.2003]
- [http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/berlin_move/de/download/LS9_Strecke_Download.pdf Senatsverwaltung, Joggingroute Nr. 9] Kategorie:Parkanlage in Berlin Kategorie:Gewässer in Berlin Kategorie:Berliner Geschichte

Koenigssee

Der Koenigssee liegt im Westen des Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villenkolonie Grunewald. Er stellt einen der Seen des Zwischenurstromtals Grunewaldseenkette dar und ist von länglicher Gestalt, seine Fläche beträgt etwa 22.000 Quadratmeter. Gespeist wird der See vom südwestlich gelegenen Dianasee, mit dem er über eine Rinne direkt verbunden ist, die von der denkmalgeschützten „Hasensprungbrücke" überspannt wird. Im Nordosten schließt sich nach rund 400 Metern bebauten Gebietes der Halensee an, eine Rohrleitung sorgt für die Wasserzufuhr aus dem Koenigssee. Das Gewässer stellt einen Knotenpunkt innerhalb der Grunewaldseenkette dar, da sich senkrecht zur Kette nach Südosten mit dem Herthasee ein weiterer See anschließt, der als letzter See Richtung Westen zu der Nebenrinne gehört, die nach Osten über den Hubertussee, Fennsee und Volkspark Wilmersdorf bis zum Rathaus Schöneberg verläuft. Am Koenigssee mündete diese kleinere eiszeitliche Abflussrinne ursprünglich in die große Grunewaldrinne. Ein Kanal unter der Koenigsalleebrücke verbindet Koenigssee und Herthasee. Auf dem Grundstück Koenigsallee 27a befindet sich eine prächtige Blutbuche, die als Naturdenkmal geschützt ist. __NOTOC__

Namensgeber Felix Koenigs

Naturdenkmal Der See und die parallel verlaufende „Koenigsallee" (vorher Grunewald Allee) tragen seit 1895 den Namen des Bankiers und Mäzens Felix Koenigs (1846-1900). Koenigs war Direktor des Bankhauses Delbrück Leo & Co., das 1854 unter anderen von Adelbert Delbrück gebildet worden war. Koenigs gehörte zu den Gründungsvätern und Finanziers der Villenkolonie Grunewald in den 1890er Jahren und besaß hier mehrere Grundstücke. Der großzügige und kunstsinnige Sammler alter und zeitgenössischer Werke wohnte an der nach ihm benannten Allee in direkter Nachbarschaft zum Bildhauer des Hochhistorimus Otto Lessing (1846-1912), mit dem ihn die Liebe zur Kunst verband und mit dem er einmal zum Bilderkauf nach Venedig reiste. Lessing baute unter anderem das Denkmal des Dichters Gotthold Ephraim Lessing im Berliner Tiergarten.

Landschaftsplan

Uferwanderweg Grunewald

Tiergarten Wie die drei weiteren Seen in unmittelbarer Nachbarschaft, Dianasee, Herthasee und Hubertussee, zählt auch der Koenigssee nicht zu den ursprünglichen Seen der Grunewaldkette, sondern wurde 1889 zur Trockenlegung des sumpfigen Gebietes beim Bau der Villenkolonie Grunewald ausgehoben. Das Gelände, auf dem der See entstand, hieß zuvor „Langes Fenn“. Die Villen gruppierten sich malerisch um die neuen Seen, die Ufer waren für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Heute stehen am Koenigssee 515 Meter als öffentliche Grünanlage und Teil des noch nicht vollendeten Grunewalder Uferwanderweges zur Verfügung. Der Wanderweg soll die dicht bebaute Innenstadt mit den Ufern der kleinen Seen bis zum Forst Grunewald verbinden. Planungen zu einem solchen Weg bestanden bereits in den 1920er Jahren, konnten jedoch nie realisiert werden. Ende der 1970er Jahre griff der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Idee auf und machte zunächst die Uferbereiche der landeseigenen Grundstücke öffentlich zugänglich. Durch Zukäufe kamen in den 1980er und 1990er Jahren weitere Partien hinzu. Die Gesamtlänge des Grünzugs soll 3,5 Kilometer betragen, davon waren im Jahr 2003 knapp 2 Kilometer fertiggestellt. Seitdem stagniert der Ausbau, da Mittel für weitere Ankäufe erst einmal nicht vorhanden sind.

Allgemeine Ziele des Landschaftplans

Am Ende des 20. Jahrhunderts stellte der Bezirk die Planungen für den Uferwanderweg in das Zentrum eines Landschaftsplans für die Bereiche der kleinen Grunewaldseen, der nach den Richtlinien des Berliner Naturschutzgesetzes aufgestellt ist. Dieser Plan ist für Berlin insofern ein Novum, als es sich um den ersten Berliner Landschaftsplan für einen zum großen Teil bebauten Stadtbezirk handelt. Auf einem Kommunalpolitischen Kiezspaziergang führte Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer laut Drucksache am 12. Juli 2003 aus: Prägende Landschaftselemente wie die Hangkanten zu den Seen, der Waldbaumbestand und die großzügigen Grundstücksfreiflächen sind heute zum Teil vollständig verschwunden. ... Zur Sicherung und Entwicklung der Qualitäten entlang der Seeufer wurde eine mit Mittel 35 m breite Uferschutzzone festgesetzt, für die besondere Schutz- und Pflegemaßnahmen anzuwenden sind. Die grundsätzlichen Ziele definiert der Landschaftsplan wie folgt (Zitat): Umweltstadträtin
- Erhaltung und Entwicklung des ehemals prägenden und typischen Landschaftsbildes einschließlich des standortgerechten und gebietstypischen Baumbestandes.
- Schutz, Erhaltung und Entwicklung der Lebensräume für die typischen, teilweise seltenen wildlebenden Pflanzen und Tiere.
- Sanierung und Renaturierung der Uferbereiche der Seen.
- Anlage eines geschlossenen Wegesystems über öffentliche Grünflächen von der Innenstadt in die Waldbereiche des Forstes Grunewald.
- Erschließung der Seen und ihrer Landschaftsräume für die Allgemeinheit durch einen Uferwanderweg.
- Erhaltung und Pflege der bedeutenden historischen Gartenanlagen. (Zitat Ende) Angesichts leerer kommunaler Kassen musste allerdings nicht nur die Vollendung des Wanderweges ausgesetzt werden, auch die teuren Pflegemaßnahmen konnten lediglich in sehr reduziertem Umfang wahrgenommen werden. Statt Erhaltung des Baumbestandes kam es zu Abholzungen im direkten Uferbereich, die von der Öffentlichkeit mit großem Unverständnis aufgenommen wurden. Hier wählte der Bezirk das kleinere Übel, da Gelder für das Einsammeln von Laub und Ästen nicht vorhanden waren und dadurch die Verschlammung der ohnehin belasteten Seen drohte, entschied sich der Bezirk in erster Linie für die Reinhaltung der Seen.
- Ausführlicher zur Aushebung der Seen und zur Hasensprungbrücke siehe: Dianasee

Weblinks, Quellen


- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/aktuelles/rundgaenge/030712.html Kiezspaziergang zu Seen ... mit Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer, 12. Juli 2003] Zitate laut Drucksache und zum Landschaftsplan Seite 8f (Druckversion)
- [http://www.charlottenburg-wilmersdorf.de/aktuelles/rundgaenge/020608.html Kommunalpolitischer Spaziergang ... mit Bezirksstadtrat Joachim Krüger, 8. Juni 2002]
- [http://www.historismus.net/texte/kuhn3.html Historismus.Net zu Otto Lessing, Daten zu Koenigs siehe Anmerkung 99] Kategorie:See in Deutschland Kategorie:Gewässer in Berlin Kategorie:Stadtbaugeschichte

Grunewald (Forst)

Der Grunewald ist ein rund 4.500 Hektar großes Forstgebiet in den westlichen Berliner Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Der Wald ist Namensgeber der Villenkolonie und Ortsteils Berlin-Grunewald. Nach Westen hin wird der Forst Grunewald von der Havel begrenzt. Er wird von einer Kette kleinerer Seen durchzogen, der danach benannten Grunewaldseenkette. Die größten davon sind der Grunewaldsee, der Schlachtensee und die Krumme Lanke. An der Havel gelegen befindet sich auf dem Karlsberg der Grunewaldturm. Auf dem Gelände des Grunewalds liegt auch die mit 120 m über NN höchste Erhebung Berlins, der aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttete Teufelsberg, und der alte Friedhof Grunewald-Forst.

Geschichte

Überblick

Teufelsberg In dem zunächst Teltower Heide oder Spandower Heide genannten Waldgebiet wurde im Jahre 1542 vom Baumeister Caspar Theiss ein Jagdschloss für den Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg errichtet. Fortan wurde der Grunewald bis zum Jahre 1904 hauptsächlich als herrschaftliches Jagdgebiet genutzt. Mit der Verkehrsanbindung über den Bahnhof Grunewald an der den Grunewald durchschneidenden Wetzlarer Bahn im Jahr 1879 entwickelte sich der Grunewald zum Berliner Naherholungsgebiet. Einige Gebiete des Grunewalds wurden in den folgenden Jahren zum Siedlungsbau umgewidmet, so etwa die gleichnamige Villenkolonie Grunewald im Jahre 1889 und die Siedlung Eichkamp im Jahre 1919.__NOTOC__

Ankauf 1915 im Dauerwaldvertrag

Mit dem so genannten Dauerwaldvertrag, „Dauerwaldkaufvertrag" oder auch „Jahrhundertvertrag" kaufte 1915 der kommunale Zweckverband Groß-Berlin erhebliche Waldflächen in der Berliner Umgebung vom Königlich-Preußischen Staat, darunter auch Teile des Grunewalds. Die heutige Großstadt Berlin, die fünf Jahre später aus dem Zweckverband hervorging, trat als Rechtsnachfolgerin in den Vertrag ein, so dass der Grunewald seither im Besitz Berlins beziehungsweise der Berliner Forsten ist. Berlin Grund für den Dauerwaldvertrag war unter anderem die ausufernde Bodenspekulation zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerade auch im Grunewald, die dadurch verursachte Waldvernichtung sollte aus ökologischen und gesundheitspolitischen Gründen eingedämmt werden. Als Ausdruck der so genannten Ersten Deutschen Umweltbewegung kamen auf Initiative zweier Berliner Zeitungen 1904 30.000 Unterschriften bei einer Protestaktion gegen die Vernichtung des Grunewalds zusammen. An den dennoch weitergehenden Spekulationen beteiligten sich sowohl der Staat wie auch private Waldbesitzer, im Jahr 1909 erreichte die Spekulation mit Waldflächen im Berliner Raum einen Umfang von rund 1800 Hektar. Der „Zweite Berliner Waldschutztag" vom 16. Januar 1909 wandte sich vehement gegen die rücksichtslose Spekulation und Waldvernichtung. Laut Forstrat Martin Klees fand die Beunruhigung der Bevölkerung ... ihren erneuten Niederschlag in einem von einer Groß-Lichterfelder Zeitung herausgebrachten Sonderabzug mit der Überschrift: »DER GRUNEWALD IST DEM VERDERBEN GEWEIHT.« Der Abschluss des Dauerwaldvertrages mit dem Ankauf auch des Grunewalds geht somit nicht zuletzt auf den Druck der ersten Deutschen Umweltbewegung zurück.

Quellen

Literatur


- Martin Klees, Der Berliner Waldbesitz im Wandel der Zeiten, in: AFZ - Allgemeine Forstzeitschrift 29, 1963, S. 450ff
- Reiner Cornelius, Geschichte der Waldentwicklung", Hrsg. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz Berlin, Reihe Monitoringprogramm Naturhaushalt, Heft 3, Vertrieb durch Kulturbuchverlag Berlin, 1. Aufl. 1995 ISSN 0946-3631

Weblinks


- [http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt99/9901nova.htm Hainer Weißpflug,
Das Landeswaldgesetz wird erlassen, in: Edition Luisenstadt 1999, S. 47-49]
- [http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/ Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Forsten] Kategorie:Berlin Kategorie:Waldgebiet


Obelisk

Ein Obelisk (v. lat. obeliscus, v. griech. obelískos: obelós — Spitzsäule, [Brat]spieß; Pl.: Obelisken) ist ein freistehender, hoher, sich nach oben verjüngender Steinpfeiler, der eine pyramidenförmige Spitze hat. Der Obelisk stellt wie die Pyramide die steingewordenen Strahlen des Sonnengottes dar und ist die Verbindung zwischen der hiesigen und der Götterwelt. Schon die Römer brachten 13 Obelisken aus Ägypten nach Rom. Den größten Obelisken ließ die Pharaonin Hatschepsut herstellen und aufrichten. Er steht bis heute im Amun-Tempel in Karnak bei Luxor und ist 32 m hoch. Seine Spitze war vergoldet. Große original ägyptische Obelisken stehen heute außer in Luxor (4) und Rom (13) noch je einer in Heliopolis, Kairo, Paris, Washington, London, Wimborne, Istanbul, Urbino, Florenz, Catania und Caesarea Maritima. Je ein kleiner befindet sich in Luxor und in Durham. Siehe auch: Obelisk von Luxor

Obelisken der Neuzeit

Im Jahre 1775 errichtet Carl Friedrich einen Obelisk in Linkenheim, in dieser Zeit entstehen weitere Obelisken in der Region Karlsruhe und auch bei Wiesbaden. Der Obelisk wird auch von den Freimaurern als Signum verwendet. Signum

Nebenbemerkungen

Die Asterix-Comicfigur „Obelix“ ist nach dem Obelisken benannt.

Weblinks


- Obelisken um Karlsruhe im Karlsruher Stadtwiki Kategorie:Denkmal Kategorie:Ägyptologie !

Sphinx (ägyptisch)

] Der Sphinx oder Sphynx ist eine ursprünglich antike ägyptische Statue eines männlichen Löwen mit (zumeist) einem Menschenkopf, daneben waren auch Widder- (Tempel in Karnak in der Nähe von Luxor, siehe Bild), Falken- und Sperberköpfe gebräuchlich. Einige Sphingen besitzen im Gegensatz zur altägyptischen Urform auch Flügel, insbesondere bei seit der Übernahme dieses Fabelwesens durch die alten Griechen. Die meisten als Sphinx bezeichneten Statuen stellen einen König oder Pharao als Sonnengott, Horus oder auch andere ägyptische Götter dar, andere fungierten in liegender Form als Wächterfiguren vor Tempeleingängen. Das Wort "Sphinx" σφίγξ (kommt vom Griechischen σφίγγο (σφίγγειν), sphíngo (Infinitiv: sphíngein) und bedeutet "erwürgen; (durch Zauber) festbinden" oder vom Ägyptischen spanch (das, was das Leben empfängt). Der Plural im Deutschen heißt Sphingen. Es ist unbekannt, wie die Ägypter die Sphingen nannten. Der heutige Name basiert auf der Legende der griechischen Sphinx. Im 2. Jahrtausend v. Chr. wurde der Sphinx von Vorderasien übernommen, z. B. in Mari (Wandmalerei), häufig in der Glyptik (auch geflügelt), als Großplastik v. a. bei den Hethitern, z. B. in Alaca Hüyük (Sphingentor). Daneben gibt es eine Variante mit Löwen- und Menschenkopf (Orthostatenrelief aus Karkemisch). Sphingen trugen auch Säulen oder Standbilder (z. B. in Sakçagözü; Tell Halaf). In Mykene ist eine (weibliche) Sphinx belegt (kleiner weiblicher Stuckkopf). Die Phöniker stellten Sphingen mit menschlichem oder Falkenkopf (auf Elfenbein, Bronzeschalen, Siegeln) schreitend mit Schwingen dar, phönikisch sind gegebenenfalls der Schurz oder die Frisur, ägyptische Attribute sind Sonnenscheibe, Pektorale, Uräusschlange oder Doppelkrone. Die Griechen übernahmen das in der Regel geflügelte und von ihnen weiblich aufgefasste orientalische Fabeltier Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. in der Kleinkunst (korinthische Vasen) rein dekorativ und seit dem späten 7. Jahrhundert auch in der monumentalen Plastik als Wächter von Grab und Tempel; dem Anschein nach hatte die Sphinx bei ihnen den Charakter eines Todesdämons. Sie war auch im Hellenismus und in der römischen Kultur häufig anzutreffen. Sphingen kamen auch in der Kunst des Mittelalters (romanischer Kapitellschmuck) vor, später besonders im 18. (Gartenskulpturen) und 19. Jahrhundert; in der Malerei des Symbolismus wurden sie durchweg als weiblich, auch als androgyn aufgefasst. Der berühmteste Sphinx ist der 20 Meter und 57 Meter lange Große Sphinx von Gizeh, die am Westufer des Nils in der 4. Dynastie, ca. 2700-2600 v. Chr. errichtet wurde. Siehe auch: Sphinx (griechisch).

Weblinks


- [http://www.cheopspyramide.de/inhalt/inhalt560/html560g/inhalt560g.htm Fotos und Fakten von dem Großen Sphinx in Gizeh] Kategorie:Ägyptische Mythologie Kategorie:fabelwesen ja:スフィンクス ko:스핑크스 th:สฟิงซ์

Heilige

Ein Heiliger ist in vielen Religionen eine Person, die durch ihr Leben - und oft auch durch ihr Sterben (als Märtyrer) - ein besonderes Vorbild für die Gläubigen ist. Der Heilige steht dabei meist über der Stufe der normalen Gläubigen, ist jedoch selbst kein Gott. Die griechischen Heroen wurden dementsprechend auch als Halbgötter bezeichnet. Der Heiligenkult der Katholischen und der Orthodoxen Kirche zeigt starke Ähnlichkeiten mit dieser Auffassung. So wird den Heiligen eine Mittlerfunktion als Fürsprecher der Gläubigen im Himmel zugeschrieben: Die Gläubigen rufen die Heiligen an, die deren Bitten dann Gott vortragen. Die Protestantischen Kirchen lehnen diese Lehre ab, betonen aber zum Teil den Vorbildcharakter der Heiligen. Arten von Heiligenverehrung gibt es auch im Islam (die Freunde Gottes; vor allem innerhalb des Sufismus), im Judentum (die Patriarchen), im Buddhismus (die Erleuchteten) und in anderen Religionen.

Gemeinschaft der Heiligen

Im Frühen Christentum wurde eine allgemeine Heiligkeit bereits durch die Taufe begründet, in der dem Menschen die Teilhabe am göttlichen Heilsversprechen zugesagt ist. Diese Auffassung von Heiligkeit spiegelt sich im apostolischen Glaubensbekenntnis wieder, in dem Kirche als "Gemeinschaft der Heiligen" beschrieben wird, womit die Gesamtheit aller Christen, lebendig und verstorben, gemeint ist.

Ursprünge des christlichen Heiligenkultes

Aus der besonderen Verehrung der frühchristlichen Märtyrer und der heimlichen Eucharistiefeier an deren Gräbern zum Jahrestag ihres Todes in Verfolgungszeiten, entwickelte sich die Heiligenverehrung, die nach der Konstantinischen Wende bald auch auf verehrungswürdige Christen ausgedehnt wurde, die nicht für den Glauben gestorben waren, wie etwa der heilige Martin von Tours. In der römisch-katholischen Kirche erfolgt die Heiligsprechung durch den Papst. In den orthodoxen Kirchen sind dabei auch viele Personen des Alten Testaments einbezogen. Die römisch-katholische Kirche feiert am Allerheiligen-Festtag (am 1. November) die Verstorbenen, die mit ihrem Tod das ewige Heil erlangt haben. Die meisten protestantischen Kirchen befürworten das Heiligengedächtnis (so z.B. Confessio Augustana XXI), lehnen aber die Anrufung der Heiligen ab, da sie der alleinigen Heilsmittlerschaft Christi widerspreche. Manche neueren Kirchen, bspw. die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen"), aber auch einige wenige protestantische Kirchen versuchen, sich der Heiligenverehrung wieder stärker zu öffnen.

Theologische Bedeutung


- Vorbildcharakter: Das Studium des Lebens der Heiligen kann den Menschen als Maßstab, Vorbild und Ideal dienen, ihr eigenes Leben daran zu orientieren.
- Fürbitte der Heiligen: Die Heiligen werden im Gebet auch als Fürbittende angerufen.
- Gemeinschaft zwischen Heiligen und Lebenden: In der Orthodoxen Kirche wird durch die Ikonen besonders im Gottesdienst das gemeinsame Lob Gottes in der Gemeinschaft der Heiligen, die bei Gott sind, und in der Gemeinde auf Erden betont.

Heilige im Islam

Im Islam bezieht sich die Heiligenverehrung meist auf bekannte Mystiker (Sufis). Häufig wirkten diese auch als Oberhaupt (Sheikh) eines Sufiordens (Tariqa), wie sie verstärkt ab dem 12. und 13. Jahrhundert entstanden. Zu jener Zeit, die als die Blütezeit des Sufismus gilt, fanden die islamischen Mystiker eine große Resonanz in der breiten Bevölkerung (vor allem in den Nordafrikanischen Ländern), wodurch sich noch heute die starke Verehrung der Heiligen nicht nur unter den Mystikern erklären läßt. Die Grabstätten der Heiligen gelten bis in die heutige Zeit als Wallfahrtsorte, die von den Pilgern als Kraftquelle gesehen werden, da die spirituelle Energie eines Heiligen nach muslimischer Auffassung auch über den irdischen Tod hinaus wirkt. Von Seiten orthodoxer Muslime wird die Heiligenverehrung abgelehnt. siehe auch: Marabut, Ghauth

Verwandte Themen


- Liste der Seligen und Heiligen
- Der Heiligenkalender enthält die Gedenktage für Heilige, die zugleich auch Namenstage sind.

Weblinks


- [http://heiligenlexikon.de Heiligenlexikon]
- [http://www.heilige.de Heilige und Namenspatrone]
- [http://www.klosterkirchberg.de/Graph/Namen/kn200.htm Ökumenischer Namenskalender]
- [http://www.religion-frauen.de.vu/ Heilige und selige Frauen]
- [http://www.people.freenet.de/sehnde-kat/ Heiligenlieder] Kategorie:Religion ! ja:聖人 ko:성인

Hubertus von Lüttich

Hubertus von Lüttich (
- um 655 in Toulouse, † 30. Mai 727 in Tervueren bei Lüttich, Belgien) war Bischof von Maastricht und Lüttich. Bedeutung des Namens Hubertus im Althochdeutschen: der durch seinen Geist glänzt. Hubertus lebte als Pfalzgraf am Hof Theoderichs III. in Paris, später in Metz am Hofe Pippins des Mittleren, mit dem er wohl verwandt war. Als er verwitwete, ging Hubertus als Einsiedler in die Wälder der Ardennen, wo er apostolisch tätig war. 705 wurde er zum Bischof von Tongern-Maastricht, 716 verlegte er seinen Bischofssitz nach Lüttich. Er ließ dort eine Kathedrale bauen, galt aber auch als fürsorglicher Wohltäter. Seit dem Mittelalter wird die Hubertus-Legende erzählt, nach der er auf der Jagd von einem prächtigen Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih bekehrt wurde, deshalb wird Hubertus als Schutzpatron der Jagd, der Natur und Umwelt, der Schützen, der Kürschner, Metzger, der Metallbearbeiter, Büchsenmacher, Optiker und Hersteller von mathematischen Geräten angesehen. Am Hubertustag, dem 3. November finden alljährlich große Hubertusjagden statt. Die Gebeine des heiligen Hubertus wurden am Hubertustag, dem 3. November 743 erhoben. 825 kamen sie nach Andagium, heute St. Hubert in den Ardennen. Im Mittelalter war St. Hubert ein Wallfahrtsort, seit der französischen Revolution sind die St. Hubert-Reliquien jedoch verschwunden. Der heilige Hubertus soll vor Hundebiss und Jagdunfällen schützen, am Hubertustag geweihtes Salz und Brot schützt - der Legende nach - aber auch Haustiere, auch vor Tollwut, die in der französischen Sprache die "Hubertus-Krankheit" heißt. Neben der traditionellen Hubertusjagd wird der Todestag des Heiligen Hubertus (französisch: Saint Hubert), der 30. Mai als sein Feiertag gefeiert, St. Hubertus gehört zu den vier heiligen Marschällen und mancherorts zu den vierzehn Nothelfern, sein Attribut ist ein weißer Hirsch mit einem Kruzifix im Geweih.

Weblinks


- [http://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hubertus_von_Luettich.html Sankt Hubertus im Heiligenlexikon.de] Siehe auch: Ordensgemeinschaft St. Hubertus Kategorie:Mann Kategorie:Heiliger Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (8. Jh.) Kategorie:Geboren 655 Kategorie:Gestorben 727

Berliner Stadtschloss

Das Berliner Stadtschloss war die Hauptresidenz (Winterresidenz) der Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg, später der Könige in bzw. von Preußen und der Deutschen Kaiser des Deutschen Reiches. Es stand auf der Spreeinsel in Berlin-Mitte. Nach der Novemberrevolution von 1918 fungierte das Schloss als Museum und wurde von zahlreichen anderen Mietern genutzt, so etwa von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft oder der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss schwer beschädigt, ließ sich jedoch immer noch als Veranstaltungsort nutzen. Vom 7. September bis zum 30. Dezember 1950 wurde es auf Geheiß von Walter Ulbricht gesprengt.

Baugeschichte

Gegründet wurde der Bau 1443 durch Kurfürst Friedrich II., genannt Eisenzahn. An der Stelle des späteren Schlüterhofes und Hof III stand zunächst eine Burg, welche die sich auf der Spreeinsel kreuzenden Handelswege kontrollieren sollte. 1465 wurde die bedeutende spätgotische Erasmuskapelle eingebaut. Kurfürst Joachim II. ließ die spätmittelalterliche Burg weitgehend abtragen und an ihrer Stelle durch die Baumeister Caspar Theiss und Kunz Buntschuh nach dem Vorbild des Schlosses in Torgau eine prachtvolle und bedeutsame Renaissance-Residenz errichten. Renaissance Unter Kurfürst Johann Georg entstand gegen Ende des 16. Jahrhunderts durch den Hofbaumeister Rochus Graf zu Lynar der Westflügel und Hofabschluss, sowie die nördlich anschließende Hofapotheke. Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, ließ das nach dem Dreißigjährigen Krieg ziemlich verfallene Schloss wieder herrichten. In der Spätzeit seiner Herrschaft entstanden bedeutende Innenräume wie die Kugelkammer oder die Braunschweigische Galerie. Letztere wurde in dem durch Johann Arnold Nering ausgeführten Galerietrakt an der Spree eingebaut. Unter Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König Friedrich I. in Preußen, kam es zum Ausbau des Schlosses zur großartigen Königsresidenz. Ab 1699 baute Andreas Schlüter das Schloss zum bedeutendsten Profanbau des protestantischen Barocks aus. Da der durch ihn entworfene Münzturm an der Nordwestecke des Schlosses aus statischen Gründen abgetragen werden musste, wurde Schlüter 1706 als Hofbaumeister unehrenhaft entlassen, blieb aber als Hofbildhauer im Amt. Schlüters Posten übernahm sein Konkurrent Johann Eosander von Göthe, der einen großartigen Erweiterungsplan für das Schloss vorlegte. In einer modifizierten Form sollte dieser Plan ausgeführt werden, was jedoch durch den Tod Friedrichs I. nur unzulänglich geschah. Denn sein Nachfolger König Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, entließ aus Sparsamkeit und angesichts der tatsächlich ruinierten Staatsfinanzen die meisten Künstler und ließ das Schloss durch den weniger bedeutenden Schüler Schlüters, Martin Heinrich Böhme, vollenden. Martin Heinrich Böhme Mit Ausnahme des Kuppelbaus durch Friedrich August Stüler und Albert Dietrich Schadow nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel erfolgten nur noch kleinere Änderungen am Außenbau. Das Innere erfuhr bis zuletzt zahlreiche, zum Teil künstlerisch bedeutsame Veränderungen. Erwähnenswert sind die dekorativen Arbeiten durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, Carl von Gontard, Carl Gotthard Langhans, Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff und Karl Friedrich Schinkel. Das Schloss wurde während des Zweiten Weltkrieges am 3. Februar 1945 bei einem Großangriff auf Berlin weitgehend zerstört und brannte aus. Mit den erhalten gebliebenen Außenmauern und tragenden Wänden, den Treppenhäusern sowie einigen Räumen im Flügel mit dem Weißen Saal wurde es zu einer grandiosen Ruine, weniger zerstört als das Schloss Charlottenburg im Westen der Stadt. Von 1945 bis Anfang 1950 wurden Teile Schlosses, darunter der Weiße Saal, notdürftig für Ausstellungszwecke instandgesetzt und genutzt. Ein Wiederaufbau wäre möglich gewesen, aber die DDR-Führung sah das Schloss als Symbol des „preußischen Absolutismus“ und beschloss dessen Sprengung. Diese wurde zwischen dem 7. September und dem 30. Dezember 1950 durchgeführt. 1950 Im Anschluss an die Sprengung wurde zunächst der Marx-Engels-Platz als großer Aufmarschplatz mit einer Tribüne für die Staatsführung der DDR zum 1. Mai 1951 fertiggestellt. 1973 begann der Bau des Palastes der Republik anstelle der Tribüne (fertiggestellt 1976). An der Südseite des Platzes wurde das Staatsratsgebäude errichtet (fertiggestellt 1964) . In das Staatsratsgebäude wurde dabei das Portal IV des Schlosses integriert, von dem aus am 9. November 1918 Karl Liebknecht die „sozialistische Republik“ ausgerufen hatte.

Künstlerische Bedeutung

Karl Liebknecht Zusammen mit den umliegenden Gebäuden ergab sich in der Mitte Berlins ein einzigartiges architektonisches Ensemble. Wenngleich das Berliner Schloss stets unvollendet im Sinne der Planungen Schlüters und Eosanders blieb, ist es als eines der Hauptwerke des protestantischen Profanbaus des Barocks von überragender Bedeutung für die Kunstgeschichte. An erster Stelle sind dabei die Arbeiten Schlüters zu nennen, der als eines der großen Genies der barocken Baukunst und Plastik kongenial an Berninis Seite tritt. Eosanders Beitrag – insbesondere sein nicht ausgeführter Erweiterungsentwurf – sind zwar auch bedeutsam, jedoch fällt sein Schaffen in seiner stilistischen Durchführung gegenüber Schlüter deutlich ab. Mit den klassizistischen Inneneinrichtungen entstehen etwa hundert Jahre nach Schlüter durch verschiedene Künstler erneut Raumfolgen, die in ihrer Epoche zur qualitativen Spitzenleistungen gehören. Insgesamt stellte das Berliner Schloss im europäischen Kontext einen Residenzbau aller ersten Ranges dar.

Kurioses

Im Berliner Stadtschloss soll sich auch die als „Hausgespenst“ der Hohenzollern anzusehende Weiße Frau ihr Unwesen getrieben haben. Sie soll regelmäßig drei Tage vorher den Tod eines Mitglieds der Hohenzollernfamilie angekündigt haben. Sie wurde erstmals 1628 gesehen, später nochmals in den Jahren 1840 und 1850. Nach Aussage der damaligen Schlosskastellanin und späteren Direktorin des Schlosses Charlottenburg, Margarete Kühn, soll sie am 31. Januar 1945, drei Tage vor der Bombardierung des Schlosses ein letztes Mal gespukt haben.

Wiederaufbau

1945 Bereits unmittelbar nach den Kriegszerstörungen war ein Wiederaufbau des Schlosses gefordert worden, einstimmig hatten sich kulturelle Gremien Berlins dafür ausgesprochen, ebenso die Akademie der Wissenschaften und das Denkmalamt. Der politisch motivierte Abriss konnte nicht verhindern, dass sich auch in den folgenden Jahren Stimmen für einen Wiederaufbau erhoben. Walter Ulbricht gab dem schließlich nach und versprach öffentlich, bei besserer Wirtschaftslage das Schloss, allerdings an einem anderen Ort, wieder aufzubauen. Der Bau des Palastes der Republik machte zwar einen Wiederaufbau auf dem Platz vorerst noch unwahrscheinlicher, war aber auch Anlass für Erich Honecker, die Sprengung des Schlosses öffentlich als Fehler zu deklamieren. Erneut wurde von Seiten einzelner Personen aus Ost wie West ein Wiederaufbau gefordert und von der DDR-Führung zumindest in Betracht gezogen (der Wiederaufbau historischer Gebäude auch nach völliger Zerstörung war in anderen sozialistischen Staaten wie Polen oder der UDSSR bereits erfolgt und deshalb nichts Ungewöhnliches). Konkrete Planungen dazu wurden allerdings, schon allein aufgrund der prekären Lage der DDR-Staatsfinanzen, nicht gefasst. Sofort nach der Wende flammte die Diskussion in Berlin, ob das Schloss wiedererrichtet werden sollte, wieder auf. Damit begann nicht nur eine bis heute andauernde öffentliche Debatte um den Schlossbau, sondern auch um den Umgang und das Selbstverständnis der Deutschen mit ihrem wiedervereinigten Staat und seiner Geschichte. Im Jahr 1992 gründeten sich zwei private Initiativen, die Gesellschaft Berliner Schloss e.V. und der Förderverein Berliner Schloss e.V. um den Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien. Der Förderverein veranstaltete in den Jahren 1993/1994 für eineinhalb Jahre eine farbige Fassadeninstallation des Schlosses. Sie wurde gemalt von den Ateliers Catherine Feff, Paris und am originalen Standort im Maßstab 1:1 mit dem weltgrößten Raumgerüst aufgestellt. Die Installation war privat finanziert über Spenden und unter anderem gesponsert von Thyssen-Hünnebeck. Damit kehrte das Schloss als Simulation an seinen Ort zurück, um den Berlinern die Notwendigkeit seines Wiederaufbaus ins Gedächtnis zu rufen. Dies war das erste sichtbare, nachhaltig bis heute wirkende Zeichen für die Initiative eines Wiederaufbaus. Auf diese Weise geriet das Schloss auch verstärkt ins Medieninteresse. Im Jahr 2001 gründete sich schließlich die Stadtschloss Berlin Initiative, die sich für eine vollständig private Finanzierung des Schlossneubaus einsetzt. Die Schlossbefürworter wollen mit einem Wiederaufbau des Stadtschlosses folgendes erreichen:
- Die Schließung der Lücke des historischen Stadtbildes am Platz, die Wiederherstellung des kostbaren Architekturensembles der Mitte Berlins, bei dem alle Gebäude um das Schloss herum gruppiert sich auf das Schloss bezogen haben, mit ihm kommunizierten.
- Die Wiederherstellung des Kunstwerkes an sich, dessen künstlerische Qualität auch unter den Schlossgegnern nicht debattiert wird.
- Die Wiedergewinnung der Identität des historischen Ortes in der Stadt mit dem preußischen Königsschloss als Mittelpunkt der Geschichte Berlins, Deutschlands und auch Preußens.
- Die Schaffung eines Bezugspunktes für die Mitte Berlins, eines zentralen, identitätsträchtigen Gebäudes.
- Der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden zeige, dass ein solches Projekt der völligen Rekonstruktion eines historischen Bauwerks technisch machbar sei.
- Die Wiedergewinnung einer lebendigen historischen Mitte, die jetzt durch eine zum Abriss verurteilte Ruine dominiert wird. Dagegen hielten und halten die Schlossgegner unter anderem:
- Ein wiedererrichtetes Gebäude einer vergangenen Zeitepoche wäre eine Absage an die Architektur der Gegenwart.
- Da es sich unter anderem um ein Symbol des deutschen Kaiserreichs handelt, wäre ein Wiederaufbau ein undemokratisches, antimodernistisches politisches Signal.
- Einem Wiederaufbau des Schlosses müsse der Palast der Republik weichen, der mindestens ebenso historisch bedeutsam sei.
- Die gegenwärtige Haushaltslage sowohl Berlins als auch der Bundesrepublik verbiete derartige Großprojekte mit unbestimmtem wirtschaftlichen Nutzen.
- Es wäre gar nicht möglich, ein so detailreiches Kunstwerk neu erstehen zu lassen, weil keine Originalpläne mehr vorhanden seien, die künstlerische Fähigkeit heute nicht mehr vorhanden wäre etc. Die Diskussion wird beiderseits durchaus scharf und polemisch geführt, was wieder einmal deutlich macht, dass es hier um mehr geht als um ein bloßes Bauwerk, sondern um das Setzen politischer und kultureller Symbole.

Entscheidung für den Wiederaufbau

Symbol Während die Mehrheit der (befragten) Berliner sich in den meisten Umfragen für das Schloss und in den restlichen Umfragen zumindest eher für das Schloss als für den Palast der Republik entschieden hatten, sich außerdem viele prominente Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und auch Sport für das Schloss ausgesprochen hatten, äußerten sich viele Architekten und einige Denkmalpfleger kritisch gegenüber einer Rekonstruktion. Die von Bundesregierung und Berliner Senat im Jahr 2000 eingesetzte Kommission Historische Mitte Berlin unter der Leitung des früheren Wiener Wohnbaustadtrates Dr. Hannes Swoboda schlug 2002 mit einer Mehrheit von 8 zu 7 Stimmen vor, dass ein Neubau in der Kubatur des Schlosses auf dem originalen Standort aus ästhetischen wie urbanen Gesichtspunkten anstelle des abzureissenden Palastes der Republik errichtet werden müsse. Man schlug des weiteren vor, dass dieser, um das historische Stadtbild sinnvoll zu rehabilitieren, zumindest die drei Barockfassaden und den Schlüterhof haben müsse. Die Kommission legte für eine Bebauung des Schlossplatzes zwei architektonische Alternativen vor: Einen Wettbewerb für einen Neubau, der auf jeden Fall die Kubaturen des Schlosses aufnehmen müsse und in dessen Rahmen ebenso ein Wiederaufbau des Schlosses ermöglicht werden könne („Lasst Schlüter beim Wettbewerb mitmachen“) oder alternativ dazu eine Entscheidung zum unmittelbaren Wiederaufbau des Schlossäußeren, mit mindestens den drei beherrschenden Barockfassaden und dem nach Schlüter benannten berühmten kleineren Schlosshof. Im Juli 2002 stimmte der Bundestag mit einer fast 2/3 Mehrheit für die Variante 2, also den unmittelbaren Wiederaufbau des Schlossäußeren und dem Humboldt-Forum zu. Das Besondere an dieser Abstimmung lag in der Aufhebung des Fraktionszwangs und der angeordneten, namentlichen Abstimmung, das heißt Anwesenheitspflicht für die Abgeordneten. Deswegen stimmten 589 Ageordnete über das Projekt ab, davon 383 direkt für das Schloss. Damit war ein demokratisch legitimierter und endgültig gefasster Beschluss auf dem Tisch. Er hatte aber noch nicht den Charakter eines endgültigen Baubeschlusses, da dieser erst mit der Bewilligung der finanziellen Mitel im Rahmen des Haushalts nach den Wettbewerben zustande kommt. Hier spielt die kritische Haushaltslage des Bundes eine wichtige Rolle. Die Debatte um einen Wiederaufbau wurde damit allerdings nicht beendet, selbst dann nicht, als der Bundestag seinen Beschluss im November 2003 fast einstimmig bestätigte. Im August 2005 stellte die Bundesregierung der Öffentlichkeit eine Machbarkeitsstudie vor, nach der die Verwirklichung des Bauvorhabens nunmehr im Rahmen des neuen PPP-Gesetzes (Public-Private-Partnership) möglich sein wird. Die dazu notwendigen Wettbewerbe sollen nun ausgeschrieben werden.

Nutzungskonzept – Empfehlung der Expertenkommission

Als Nutzungskonzept für den Komplex wurde emfohlen, das Humboldt-Forum im Schloss zu errichten. Hierzu sollen die Sammlungen der außereuropäischen Kunst der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aus Dahlem in das Schloss verlegt werden und zusammen mit den Sammlungen der europäischen Kunst auf der Museumsinsel einen Ort der Weltkultur bilden. Ergänzt wird diese Vorstellung mit der Errichtung des Wissenschaftmuseums (unter anderem die Medizinische Sammlung Rudolf Virchows aus den berühmten Sammlungen der Humboldt-Universität) und einer zum Konzept passenden Bibliothek der Landes- und Zentralbibliothek Berlin sowie der Staatsbibliothek Berlin. Ein Agora genanntes Veranstaltungszentrum soll dem Dialog der Kulturen der Welt und damit der Lösung vieler Zukunftsfragen der Menschheit im Zeitalter der Globalisierung gewidmet sein. Darüber hinaus wird die Agora das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der deutschen Hauptstadt sein. Das neue Schloss soll also nicht (nur) „um des Schlosses willen“ entstehen, sondern konkrete Aufgaben übernehmen. Auf diese Weise soll an die wissenschaftlich-kulturelle Vergangenheit des Ortes angeknüpft werden, an dem sich Staat (Schloss), Kirche (Dom) und Wissenschaft (Museen) vereinen. Ob sich das Humboldt-Forum gut ins Schloss einfügen lässt ist noch nicht geklärt. Ein neu gebautes Humboldt-Forum neben dem Schloss schlägt daher die Stadtschloss Berlin Initiative vor. (Artikel dazu: http://stadtschloss-berlin.de/images/aktuelles/hum1.jpg)

Konkrete Planung

Aufgrund der Finanzlage des Bundes wird eine laute Forderung nach Baubeginn weder von Regierungs- noch von Oppositionsseite erhoben. Wahrscheinlich ist eine erste Aufführung im Bundeshaushalt 2007. Bis dahin lässt der Förderverein Berliner Schloss e.V. bereits auf eigene Kosten Baupläne, Muster und Studien der Baudetails anfertigen, um bis zum ersten Spatenstich die notwendigen Vorarbeiten für die Rekonstruktion der Fassaden geleistet zu haben. Der Abriss des Palastes der Republik soll bis Anfang 2007 beendet sein, er ist von der Bundesregierung und der Berliner Senatsbauverwaltung für den Dezember 2005 angesetzt, Kultursenator Thomas Flierl möchte dies aber noch verhindern. Da der Baubeginn zum Wiederaufbau des Schlosses noch nicht fest steht, fand im Sommer 2005 im Rahmen einer kulturellen Zwischennutzung unter anderem eine Ausstellung im Palast der Republik mit alternativen Gestaltungsvorschlägen für die zukünftige Nutzung des Schlossplatzes statt. Bis heute nicht klar sind die Ausmaße der Rekonstruktion des Schlosses. Festgelegt wurden lediglich der Wiederaufbau der Nord, West- und Südfassade sowie des Schlüterhofs, einem der beiden Schlosshöfe. Als wahrscheinlich gilt eine Rekonstruktion der Kuppel über dem Westportal, der zumindest schlichte Einbau der bedeutendsten Räume des Schlosses und des kunsthistorisch bedeutenden Schlüterschen Treppenhauses. Noch umstritten sind die Rekonstruktion der Ostfassade aus der Renaissancezeit und des Apothekenflügels, der sich an der Nordseite zum Dom hin anschließt. Außerdem wurde mit der Bestätigung des Nutzungskonzeptes Humboldt-Forum jeder überwiegend kommerziellen Nutzung des Schlosses eine klare Absage erteilt. Nach Aussage des Fördervereins Berliner Schloss wird der Baubeginn mit 2008/2009 angegeben, die Fertigstellung wird nicht vor 2015 erfolgen. Der Verein hat sich mit allen Maßnahmen inhaltlich auf das verabschiedete Konzept ausgerichtet. Der Verein möchte die Mehrkosten der Schlossfassaden gegenüber einem modernen Bau in Höhe von 80 Millionen Euro über eine Spendensammlung aufbringen, er erhielt hierfür die Bestätigung der Gemeinnützigkeit. Zumindest einen mehrfach millionenfachen Betrag sammelte er nach eigener Aussage bereits seit Anfang 2004. Ab 2005 werben verschiedene Berliner Großunternehmen für Spenden. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lassen einige Fahrzeuge Werbung für den Wiederaufbau des Schlosses fahren. Die Wall AG plakatiert bundesweit für den Wiederaubau. 29 % der Berliner sollen nach einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts vom Frühjahr 2005 bereit sein, für den Wiederaufbau des Schlosses zu spenden. Im Frühjahr 2005 eröffnete der Förderverein ein großzügig gestaltetes Infocenter Wiederaufbau Berliner Schloss am Hausvogteiplatz 3 in Berlin-Mitte, nahe dem Gendarmenmarkt. Einen aktuellen Sachstandsbericht brachte die Sendung WAS! von RBB. Für den PC benötigen Sie den Real-Player um den Beitrag zu sehen. http://www.rbb-online.de/_/fernsehen/magazine/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_3323248 Für eine aussschließlich private Finanzierung des Vorhabens auf Basis einer Aktiengesellschaft, engagiert sich seit 2001 die Stadtschloss Berlin Initiative. Aus der Bürgerinitiative (http://www.schloss-pur.de) wurde 2002 ein gemeinnütziger Verein gleichen Namens (http://www.stadtschloss-berlin.org) gegründet. Der Verein Stadtschloss Berlin Initiative e.V. setzt sich dafür ein, dass in der Innenstadt Berlins das neue Stadtschloss Berlin in Anlehnung an die historischen Abmessungen (äußere Kubatur) und mit Fassaden im barocken Stil unter Einbeziehung des Renaissanceflügels und des so genannten Apothekerflügels unter Verwendung privaten Kapitals errichtet wird. Auch Kunstgegenstände und Kulturschätze, insbesondere das KPM-Archiv sollen im Stadtschloss Berlin einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hierfür wirbt der Verein durch Aktionen und Publikationen einschließlich Architekturzeichnungen, Ausstellungen und Vorträgen.

Literatur


- Wilhelm von Boddien, Helmut Engel (Hrsg.): Die Berliner Schlossdebatte. Pro und Contra. Berlin-Verlag Spitz, Berlin 2000 ISBN 3-8305-0106-4, zu beziehen über www.berlier-schloss.de
- Albert Geyer: Die Geschichte des Schlosses zu Berlin, Nicolai Verlag, Berlin.Das Standardwerk aus der Feder des letzten kaiserlichen Schlossbaumeisters in 2 Bänden, mit Bildband. 2. Auflage ISBN 3-87584-110-7
- Goerd Peschken, Lieselotte Wiesinger: Das Königliche Schloss zu Berlin, 3-bändige Ausgabe zum Schlüterbau, Deutscher Kunstverlag Berlin/München ISBN 3-422-06342-0
- Eberhard Cyran: Das Schloß an der Spree. Die Geschichte eines Bauwerks und einer Dynastie. 6. Auflage. Arani, Berlin 1995 ISBN 3-7605-8502-7
- Förderverein Berliner Schloss /Kristin Feireiss (Hrsg.): Das Schloß? Eine Ausstellung über die Mitte Berlins. Redaktion: Kristin Feireiss und Wilhelm von Boddien. Ernst, Berlin 1993 ISBN 3-433-02431-6 (Ausstellungskatalog)zu beziehen über www.berliner-schloss.de
- Guido Hinterkeuser: Das Berliner Schloss. Der Umbau durch Andreas Schlüter. Siedler, Berlin 2003 ISBN 3-88680-792-4
- Goerd Peschken, Hans-Werner Klünner: Das Berliner Schloss. Das klassische Berlin. 4. Auflage. Propyläen, Berlin 1998 ISBN 3-549-06652-X
- Lieselotte Wiesinger: Das Berliner Schloss. Von der kurfürstlichen Residenz zum Königsschloss. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989 ISBN 3-534-09234-1
- Berliner Extrablatt, 36-seitige, immer wieder aktualisierte Informationszeitung des Fördervereins Berliner Schloss. Auflage inzwischen 1,2 Millionen. Kostenlos zu beziehen über www.berliner-schloss.de

Weblinks


- [http://www.berliner-schloss.de/ Förderverein Berliner Schloss e.V.]
- [http://www.berliner-stadtschloss.de/ Gesellschaft Berliner Schloss e.V.]
- [http://www.stadtschloss-berlin.de/ Stadtschloss Berlin Initiative]
- [http://www.humboldt-forum.de/main/ Auf dem Weg zum Humboldt-Forum]
- [http://www.difu.de/publikationen/difu-berichte/1_02/artikel01.shtml Kommentar des Deutschen Instituts für Urbanistik zur Schlossdebatte]
- [http://www.uni-koeln.de/phil-fak/philtrat/49/s05.html Unser Dorf soll schöner werden] Kritischer Artikel zum Wiederaufbau Stadtschloss Kategorie:Wahrzeichen

Kurfürstendamm

Der Kurfürstendamm (volkstümlich Ku'damm) ist eine 3,5 Kilometer lange Straße im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Sie führt vom Breitscheidplatz mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg bis zum Rathenauplatz in Wilmersdorf. Der Kurfürstendamm wurde im 16. Jahrhundert als Dammweg vom Berliner Stadtschloss zum Jagdschloss Grunewald angelegt. Seinen Namen erhielt er Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach der Teilung der Stadt durch die Berliner Mauer entwickelte sich hier das Geschäftszentrum West-Berlins, besonders am Ostende in der Nähe des Bahnhofs Zoo. Der Begriff Ku'damm wurde zum Inbegriff der Flaniermeile, einschließlich Straßenmusikanten am Breitscheidplatz. Mit dem Fall der Mauer sank die Bedeutung des Ku'damms, da sich weitere kulturelle Möglichkeiten in Mitte, und am Potsdamer Platz boten. Derzeit ist die Flaniermeile langsam dabei, sich von diesem Umbruch zu erholen. Dem Reisenden und Zuziehenden sei geraten, insbesondere in den Seitenstraßen vom Ku'damm nach Bars und Cafés Ausschau zu halten.
Potsdamer Platz

Kultur

Am Kurfürstendamm liegen die Privattheater Theater am Kurfürstendamm und Komödie am Kurfürstendamm sowie die Schaubühne am Lehniner Platz.

Weblinks


- [http://www.kurfuerstendamm.de/ kurfuerstendamm.de] Kategorie:Straße in Berlin Kategorie:Bekannte Straße

Jagd

Jagd bezeichnet das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen, Erlegen und Aneignen von Wild. Wo die Jagd gesetzlichen Reglungen unterliegt oder die Jagdgebiete nur von bestimmten Personenkreisen genutzt werden dürfen, wird die unerlaubte Jagd als Wilderei bezeichnet.
Unter "Erlegen" versteht man das gezielte Töten von Wildtieren. Wilderei

Aufgaben und Motive

Die Jagd erfolgte ursprünglich aus verschiedenen Gründen:
- Nahrungsgewinnung
- Gewinnung von Tierteilen aller Art (wie zum Beispiel Felle, Hörner, Geweihe, etc.)
- Freizeitgestaltung In neuerer Zeit kam als weiterer angeblicher Grund hinzu:
- Ökologische Gründe (beispielsweise Bestandsregulierung, um Wildschäden in der Forst- und Landwirtschaft zu verhindern, und auch Seuchenbekämpfung) Auch heute sind die genannten Motive weiterhin nebeneinander zu finden. Jedoch ist darüber hinaus ein wesentlicher Bestandteil der Jagd die Hege. Dazu gehören beispielsweise auch Fütterungen von Wildtieren in Notzeiten und die Anlage von Wildäckern, womit der natürliche Nahrungsengpass im Winter und somit der Verbiß im Wald verringert wird. Diese Vorgehensweise bleibt nicht ohne Kritik (s. Absatz: Kritik). Weiterhin werden im Rahmen der Hege jedoch auch Maßnahmen ergriffen die allgemein den Zielen des Naturschutzes dienen, wie etwa Maßnahmen zum Schutz wertvoller Biotope, Biotopverbesserungen (etwa durch Anlage von Hecken) und Renaturierungen. Seit die Jagd nicht mehr Teil der Schaffung der Nahrungsgrundlage ist, wird sie als Hobby angesehen (Jagdsport).

Geschichte und Tradition

Jagdsport Jagdsport

Ursprung

Schon in der Altsteinzeit wurde von Menschen gejagt - "Jäger und Sammler" ist die gängige Bezeichnung für Menschen dieser Zeit. Die Jagd diente hauptsächlich zur Nahrungsversorgung und lieferte neben Fleisch wertvolle tierische Nebenprodukte wie Knochen und Felle. Mit der zunehmenden Sesshaftigkeit und damit verbundenen Domestizierung von Tieren trat die Jagd als Lebensgrundlage in weiten Teilen der Bevölkerung zunehmend in den Hintergrund. Schon in den antiken Hochkulturen wurde die Jagd als Freizeitvergnügen betrachtet. Sie wurde zunehmend nur noch von einem kleinen Teil der Gesamtbevölkerung ausgeübt. Bis im Mittelalter wurde die Jagd immer mehr zum Privileg des Adels, sowie staatlicher und kirchlicher Würdenträger. Aus dem Mittelalter stammt auch die Unterscheidung in "hohe Jagd" - die dem Adel vorbehaltene Jagd auf Hochwild - und "niedere Jagd" auf kleinere Tiere wie Hasen und Federwild (Niederwild). Bezirke in denen das Jagdrecht alleine dem König zustanden werden als Wildbann bezeichnet. Heute wird die Jagd in Deutschland vorrangig von privaten Jägern ausgeübt. Das Jagdrecht ist fest mit dem Grundbesitz verknüpft, so dass in Jagdgenossenschaften zusammengeschlossene Grundbesitzer das Jagdausübungsrecht an Dritte auf Zeit verpachten. Daneben existiert auch ein reger Jagdtourismus ins Ausland. In den Staats- und Landesforsten wird das Jagdrecht durch die Forstämter ausgeübt und zum Teil ebenfalls weiterverpachtet.

Brauchtum - Jäger in Märchen und Geschichten

Auch in Deutschland existiert ein jagdliches Brauchtum mit verschiedenen jagdlichen Bräuchen, u. a. wird eine Jägersprache gepflegt. Die traditionelle grüne Bekleidung ist jedem bekannt und kaum mehr wegzudenken. Die jagdlichen Traditionen werden in der Jägerschaft aktiv gepflegt und finden sich auch häufig in der Praxis. Wie wenige andere Berufsgruppen sind die Jäger in zahlreichen Märchen und Geschichten mystifiziert worden. In den (nord- und mitteldeutschen) Märchen und Geschichten treten sie vor allem als edele Gestalten auf. In Märchen sind sie es oft, die am Ende die Wende zu guten herbeiführen oder besiegeln (z.B. Rettung vor dem "bösen Wolf"). Auch in den Heimatfilmen der 50er Jahre traten Jäger oft als edle Kavaliere auf und traten damit die Nachfolge der Rittersgestalt in mittelalterlichen Geschichten an. Dagegen werden die Jäger oder Jager in süddeutschen, besonders in bayerischen Volkserzählungen oft negativ dargestellt. Der Wald gehörte im Empfinden des Volkes allen. Somit wurde das Wildern als legitim angesehen. Dies gilt vor allem für Lieder und Geschichten aus der Zeit des Absolutismus. Dort wird oft der Konflikt zwischen den "Wildschützen" (Wilderer) und den Jägern als Gehilfen der verhassten absolutistischen Obrigkeit beschrieben. Während die Wildschützen als mit den Armen teilende, tapfere Männer dargestellt werden, werden die Jäger als feige und hinterrücks beschrieben. Besonders deutlich kommt das in dem bayerischen Lied vom Schützen Jennerwein zum Ausruck (Vgl. [http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/jennerwein/index.xml Die Legende Jennerwein]).

Jagdarten

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedenste Jagdarten entwickelt, welche jeweils in speziellen Situationen bzw. bei der Jagd auf bestimmte Tierarten am geeignetesten sind. Die wichtigsten sind:

Einzeljagd


- Suche: Mit Hilfe eines Hundes "durchsucht" man Felder oder Waldabschnitte um flüchtendes Wild erlegen zu können. Diese Jagdart findet meist auf Hasen, Kaninchen oder Federwild statt. Sie wird von einem einzelnen oder einer kleineren Gruppe von Jägern ausgeübt. Dafür benötigt man kurzjagende Hunde oder Vorstehhunde.
- Ansitz: Beim Ansitz wartet ein Jäger still an einer Lichtung o.ä., häufig auf einem Hochsitz. Wild, welches vorbeizieht, kann so in Ruhe beobachtet werden, bevor entschieden wird, ob geschossen wird. Die Beunruhigung ist minimal. Beim Ansitz wird hauptsächlich auf Rehwild, Raubwild und Hochwild gejagt.
- Pirsch: Hierbei begeht der Jäger vorsichtig und leise das zu bejagende Gebiet, er "pirscht". Dabei kann Spuren gefolgt werden, um Wildtiere aufzuspüren. Besonders erfolgsversprechend ist diese Jagd bei Neuschnee, da hier die frischen Spuren besonders gut zu sehen sind.

Gemeinschaftsjagd


- Treibjagd: Eine Gemeinschaftjagd, bei der mehrere Treiber und Hunde das Wild hoch flüchtig machen. Treibjagden werden meist auf offenen Flächen auf Hasen und anderes Niederwild, außer Rehwild ausgeübt.
- Drückjagd: Bei einer Drückjagd gehen mehrere Treiber - meist ohne Begleitung von Hunden - durch das zu bejagende Gebiet um die Wildtiere in Bewegung zu bringen und aus den Einständen zu "drücken". Das Wild wird im Gegensatz zur Treibjagd nicht durch laute Geräusche und Hundegebell aus ihren Einständen getrieben. Das Wild kommt auf den natürlichen Wechseln auf die wartenden Jäger zu. Diese Art der Gemeinschaftsjagd erzeugt weniger Stress bei den Wildtieren. Die Jäger warten in der Nähe dieser Einstände an zuvor festgelegten Ständen auf das Wild. So wird zumeist Schwarzwild und Reh- und Rotwild bejagt.
- Bewegungsjagd: Bei dieser Jagdform, ähnlich der Drückjagd, wird weiträumiger abgestellt. Das Wild wird nur soweit beunruhigt, dass es seine Einstände verlässt und möglichst vertraut und langsam auf den Schützen zuzieht. Das erleichtert den Jägern die gezielte Selektion und das Wild wird weniger beunruhigt. Diese Jagdart wird in großen Revieren oder revierübergreifend auf alle Hochwildarten, Rehwild und Raubwild genutzt.

Weitere Jagdarten

Hochsitz um 1415. Es zeigt den Ausritt einer eleganten Gesellschaft zur Falkenjagd. Die lange Stange, die der Falkner mit sich führt, diente zum Aufschrecken der Vögel]]
- Fangjagd: Die Jagd mit Fallen. Diese wird in den Fang durch Lebendfallen und durch Totschlagfallen unterschieden. In Deutschland gibt es strenge Gesetze, die diese Jagdform regeln. In den meisten Bundesländern muss der Jäger eine zusätzliche Prüfung für einen Fallenschein ablegen. In anderen Ländern wie Russland sind die Regelungen anders. Professionelle Fallensteller unternehmen oft große Touren und kommen erst nach Tagen wieder an den Ort. Falls das Tier schon länger tot ist, ist nur noch das Fell - um das es meist primär geht - brauchbar.
- Hetzjagd: In Deutschland verboten. Auch in England wurde diese sehr umstrittene Jagdart nach Protesten im Juni 2004 per Gesetz verboten.
- Beizjagd: Die Jagd mit Greifvögeln durch Falkner. In verschiedenen Regionen haben sich darüber hinaus unterschiedliche Jagdtraditionen herausgebildet:
- In England gab es bis zum Verbot im Juni 2004 die traditionelle Fuchsjagd zu Pferd, in Schottland wurde diese bereits früher abgeschafft. In Deutschland sind Hetzjagden generell verboten.
- In Afrika wird seit Kolonialzeiten die Großwildjagd (Safari) betrieben.
- In Stadtgebieten (z.B. auf Friedhöfen, aber auch auf Privat- oder Firmengrundstücken oder Flughäfen) wird zudem zur Schädlingsbekämpfung Tauben oder Niederwild nachgestellt. Dies geschieht oftmals im Auftrag von Grundstückseigentümern oder der Stadtverwaltung und muss von der Jagdbehörde genehmigt werden.

Recht

Deutschland

Jagdrecht

Nach Art. 75 Abs. 1 Nr. 3 des Grundgesetzes hat der Bund das Recht zur Rahmengesetzgebung auf dem Gebiet der Jagd. In Ausübung dieser Gesetzgebungskompetenz hat der Bund das Bundesjagdgesetz (BJagdG) erlassen. Daneben existieren in allen Bundesländern Landesjagdgesetze. Auch das Europarecht hat indirekten Einfluss auf das bundesdeutsche Jagdrecht, z.B. durch die Vogelschutzrichtlinie oder die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Das Bundesjagdgesetz ist zwar das Nachfolgegesetz des Reichsjagdgesetzes von 1934, die jagdfachlichen Inhalte jedoch gehen viel weiter zurück: Die Grundlagen stammen aus dem preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zur Amtszeit des Sozialdemokraten und Jägers Otto Braun als Minister (1918-1921). Weitere Vorbilder waren die reformierten Jagdgesetze von Polen, Rumänien und das stark auf Naturschutz ausgerichtete britische Kolonial-Jagdrecht. Konkret veranlasst und durchgesetzt - durchaus auch gegen den Widerstand von Adolf Hitler und Joseph Goebbels - hat das Reichsjagdgesetz dann der preußische Ministerpräsident und spätere Reichsjägermeister Hermann Göring. Eigentlicher Spiritus rector des Gesetzeswerkes, mit dem die Jagd in Deutschland erstmals einheitlich geregelt wurde, war jedoch der Jagdfunktionär Ulrich Scherping (1889 - 1958), der seit 1933 als Jagdreferent in der preußischen Staatsforstverwaltung wirkte. Im Vorwort des Reichsjagdgesetzes waren die "ideologiegeprägten, teils von Hermann Göring selbst beigesteuerten Passagen konzentriert", so der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages, der sich mit der Herkunft des Bundesjagdgesetzes eingehend beschäftigt hat. Deshalb sei das Vorwort im BJG komplett gestrichen worden. Weitere Einzelheiten zur Entstehung des Reichsjagdgesetzes und seiner Bedeutung für das heutige Bundesjagdgesetz finden Sie in der entsprechenden Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages. ([http://www.bundestag.de/bic/analysen/2004/2004_10_01.pdf]) 1952 wurde das RJG nach formellen und redaktionellen Änderungen in bundesdeutsches Recht überführt. Die Tatsache, dass das Bundesjagdgesetz das Nachfolgegesetz des Reichsjagdgesetzes ist, dient Jagdgegnern häufig als Angriffspunkt. Wie die Auswertung des Wissenschaftlichen Dienstes belegt – zu Unrecht. Nach deutschem Recht ist das Jagdrecht unmittelbar mit dem Grundeigentum verknüpft. Die Ausübung der Jagd ist jedoch nur in Jagdbezirken erlaubt und auch dort, mit Ausnahme der Jagd zur Schädlingsbekämpfung, nur außerhalb von "befriedeten Bezirken" (z.B. Wohngegenden, Gärten, etc.) Alle Grundflächen innerhalb eines Jagdbezirks gehören diesem an. Die Jagdbezirke sind entweder Eigenjagdbezirke, oder gemeinschaftliche Jagdbezirke. In letzteren sind mehrere Grundstücke zu einem genügend großen Jagdbezirk zusammengeschlossen. Die zugehörigen Grundbesitzer sind zwangsläufig Mitglieder in Jagdgenossenschaften (einer Körperschaft öffentlichen Rechts). Ein gemeinschaftlicher Jagdbezirk ist üblicherweise mindestens 150 ha groß. Besteht ein solcher, so steht das Jagdausübungsrecht der Jagdgenossenschaft, also der Körperschaft, zu, die die Ausübung anderen per Verpachtung überlassen kann. Dies geschieht immer für den gesamten Jagdbezirk. Verpachtet wird also nicht etwa ein Grundstück, sondern ausschließlich das Recht zur Jagdausübung innerhalb eines Jagdbezirks. Im Bundesjagdgesetz und den Landesjagdgesetzen sowie weiteren Gesetzen (Waffengesetz) und Verordnungen sind darüber hinaus vielfältige Regeln und Beschränkungen zur Jagdausübung festgehalten. Dies umfasst u.a. Vorschriften zu Jagd- und Schonzeiten, jagdbaren Tieren und erlaubten Jagdmethoden. So darf beispielsweise bis auf einige Ausnahmen (Ländergesetze), wie z.B. für die Jagd auf Schwarzwild, nicht nachts gejagt werden. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß zahlreiche Wildarten seit vielen Jahren ganzjährig geschont sind oder keine Jagdzeiten haben. Sie werden dennoch nicht dem Jagdrecht entzogen, um sie in der aktiven Hegepflicht der Jäger zu belassen. Wilderei bezeichnet die illegale Jagd auf Tiere, also Jagd, die das Jagdrecht eines anderen verletzt.

Jägerprüfung

Wilderei Die Jagd ausüben dürfen nur Personen, welche zuvor einen Jagdschein erworben haben. Dieser setzt eine Prüfung voraus, die sich aus den Fachbereichen Jagd- und Waffenrecht, sowie dem Schießen zusammensetzt - auch Inhalte von Ökologie und Naturschutz fließen ein. Die Prüfung unterteilt sich in einen mündlichen, einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Die Ausgestaltung der Prüfungen ist in den jeweiligen Landesjagdgesetzen geregelt und obliegt zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Niedersachsen den Krei