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Adelsrepublik
Rzeczpospolita (auf Litauisch Žečpospolita, Abiejų Tautų Respublika) ist ein Begriff aus der Geschichte und Politik Polens und Litauens. Es handelt sich dabei um eine Lehnübersetzung des lateinischen Begriffes res publica (Republik, eigentlich: "Sache des Volkes" bzw. "öffentliche Sache"). Analog dazu bedeutet rzecz "Sache", pospolity historisch u.a. "gemein" - also etwa "gemeinsame Sache".
Interessant ist, dass die beiden Teile rzecz und pospolita zwar zusammen geschrieben, aber jeder für sich dekliniert werden. Also lauten z.B. der Genitiv und Lokativ Singular ("der Republik" bzw. "in der Republik") (w) Rzeczypospolitej, der Nominativ Plural ("Republiken") Rzeczypospolite, usw.
Verwendung
Im polnischen Sprachgebrauch wird Rzeczpospolita jedoch nur zur Bezeichnung des polnischen Staates sowie historisch für die Römische Republik verwendet. Für andere Staaten wird dagegen die direkte Entlehnung aus dem Lateinischen (republika) verwendet (z.B. Republika Federalna Niemiec für Bundesrepublik Deutschland).
Die Zählung der polnischen Republiken
Politisch-historisch unterscheidet man zwischen drei polnischen Republiken, die in der Schriftsprache auch mit römischen Ordinalzahlen durchnummeriert und mit RP abgekürzt werden:
- Die Erste Rzeczpospolita (I RP), auch als "Adelsrepublik" (Rzeczpospolita szlachecka) bezeichnet war eine Wahlmonarchie mit demokratischer Beteiligung des Adelsstandes in Form eines nicht-ständigen Parlaments, des Sejm (Reichstag). Da der polnische Adel (Szlachta) sehr viel größer war als der in anderen europäischen Ländern waren damit immerhin 10% der Bevölkerung an der politischen Willensbildung beteiligt - für die Verhältnisse der frühen Neuzeit war dies außerordentlich viel. Als Gründungsjahr der ersten Rzeczpospolita wird häufig 1505 angegeben, in dem die Verfassung Nihil Novi erlassen wurde, oder auch 1569, als Polen und Litauen, die bis in Personalunion) regiert wurden, sich in der Lubliner Union zu einer Realunion in der Republik beider Nationenzusammenschlossen ).
Von entscheidender Bedeutung war das Einstimmigkeitsprinzip), durch das der Sejm im 17. und 18. Jahrhundert oftmals beschlussunfähig war, und das den Nachbarmächten die Teilungen Polens erleichterte. 1791 gab sich die erste Rzeczpospolita die erste geschriebene Verfassung Europas, in der u.a. das Liberum veto abgeschafft wurde. Mit der dritten Teilung 1795 hörte die erste Rzeczpospolita auf zu existieren.
- Die Zweite Rzeczpospolita (II RP) ist die polnische Republik der Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg. Formell begann sie am 14. November 1918. Sie war zunächst eine parlamentarische Demokratie, wurde jedoch nach einem Putsch Józef Piłsudskis im Mai 1926 in ein von diesem autoritär geführtes Regime mit lediglich demokratischer Fassade umgewandelt. Als faktisches Enddatum gilt meist der 1. September 1939, der Beginn des deutschen Angriffs auf Polen. Während des Krieges existierte jedoch ein effektiver polnischer Untergrundstaat mit einer bis 1944 von den meisten Staaten diplomatisch anerkannten Exilregierung in London. Daher wird teilweise auch erst die Machtübernahme durch eine sowjetisch gelenkte kommunistische Regierung 1944/1945 als Ende der II RP. Manchmal wird sogar das Jahr 1990 genannt, in dem die in London bis dahin fortbestehende polnische Exilregierung ihre Tätigkeit auch formell einstellte und Lech Wałęsa als legitimes Staatsoberhaupt anerkannte.
- Die Dritte Rzeczpospolita (III RP) bezeichnet die seit 1989 bestehende Republik Polen. Die kommunistische Volksrepublik (Rzeczpospolita Ludowa) Polen taucht in dieser Zählung nicht auf, da sie von den meinungsbildenden Kreisen im Allgemeinen nicht als legitimer polnischer Staat, sondern als ein von außen aufoktroyiertes System betrachtet wird. Als Anfangsdaten werden genannt: 4. Juni 1989 (Sieg der Solidarność bei den ersten halbfreien Parlamentswahlen), 24. August 1989 (Wahl Tadeusz Mazowieckis zum Premierminister) oder der 29. Dezember 1989 (Änderung der Verfassung, durch die u.a. der Name des Staates von "Volksrepublik" (Rzeczpospolita Ludowa) wieder in "Republik" (Rzeczpospolita) geändert wurde).
In der in letzter Zeit durch verschiedene Korruptionsskandale (siehe Rywin-Affäre, Orlen-Affäre) erschütterten polnischen Öffentlichkeit werden Meinungen geäußert, wonach die Dritte Republik "gescheitert" sei und durch umfassende Säuberungen in eine neue "Vierte Republik" mit autoritären Strukturen umgewandelt werden müsse. Wortführer ist dabei die rechtspopulistische Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), die mit diesem Slogan die Sejm- und Präsidentschaftswahlen 2005 gewann und sich dabei unerwartet gegen die moderatere konservative Bürgerplattform (PO) durchsetzen konnte.
Kategorie:Polnische Geschichte
Geschichte PolensDieser Artikel behandelt die Geschichte Polens von der Urzeit bis heute.
Vor- und Frühgeschichte
in Polen]]
Neolithikum
Die erste Besiedlung Polens ist im Paläolithikum nachgewiesen.
Die ersten Ackerbauern in Polen gehörten zur Bandkeramischen Kultur, seit etwa
5500 v. Christus. Die Tiefebene wurde erst in der Trichterbecherkultur neolithisiert.
Bronzezeit
Die Kulturen der frühen Bronzezeit entwickelten sich aus der Kugelamphoren-Kultur und der Schnurkeramik. Die wichtigste Kultur der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit war die Lausitzer Kultur. Die Siedlung Biskupin wurde seit den 1920ern ausgegraben und die Rekonstruktion einer befestigten Siedlung der Lausitzer Kultur zieht heute zahlreiche Besucher an.
1920 durch den Einfall der Hunnen um das Jahr 375, Großmacht unter König Attila um 450, auf dem Bild die Hunnen im Kampf mit den Alanen (Holzstich von 1873) ]]
Eisenzeit und Antike
Zwischen 1000 und 750 v. Chr. wanderten in den Nordwesten des heutigen Polen germanische Stämme ein, die sich um 500 v. Chr. etwa bis zur Grenze des Riesengebirges nach Süden ausbreiteten. Publius Cornelius Tacitus bezeichnete um 75 die Weichsel als Ostgrenze des germanischen Siedlungsgebietes. Er lokalisierte die Rugier und Gepiden entlang der Ostsee, Burgunden und Goten auf mittlerer Höhe, sowie die Vandalen und Bastarnen im Süden. Die Goten begannen seit Ende des 2. Jahrhunderts in Richtung Süden und Osten zu wandern. Im 5. Jahrhundert endete die germanische Besiedelung. Ob und inwieweit dies mit dem großen Vorstoß der Hunnen nach Gallien im Jahre 451 zusammenhängt, ist historisch umstritten.
Spätantike und Frühmittelalter
451, die Zeit der Völkerwanderung um 375 bis 568 ]]
Erst danach begannen slawische Stämme, wahrscheinlich auf Druck der Awaren, um 550 von Osteuropa kommend, sich in den fast menschenleeren Gebieten anzusiedeln. Wie einst die Hunnen um 375 hatten im 6. und 7. Jahrhundert die Awaren die Völker in Bewegung gesetzt und die politische Karte Europas verändert. Sie rissen die Slawen aus ihrer Heimat zwischen Karpaten und Don nach Westen und Süden mit sich fort und setzten sich, nachdem sie im Verbund mit den Langobarden das Gepidenreich im heutigen Rumänien 567 vernichtet hatten, gleich den Hunnen in der Donau-Theiß-Ebene fest, von wo aus sie den Rest Europas bedrohten. Im Westen waren es vor allem die Reiche der Langobarden und der Franken und im Südosten das mächtige Oströmische Reich, dessen Hauptstadt Konstantinopel sie im Jahr 626 belagerten.
Die Westslawen hatten um 600 die Elbe-Saale-Linie überschritten. Es werden diverse westslawische Stämme erwähnt, wie die Abodrites, Veleti, Liutici, Sorben, wie auch der Stamm, aus dem sich die späteren Polen entwickeln sollten, die Polanen. In der althistorischen Forschung wird diskutiert, ob die slawischen Stämme zwischen der Weichsel und der Elbe-Saale-Linie auf germanische Restbevölkerung trafen und wie ein möglicher erster Siedlungskontakt verlief. Der Umstand, dass Flussnamen wie z. B. Weichsel vermutlich germanischen Ursprungs sind, wird als Indiz gedeutet, dass die Slawen Sprechkontakt mit verbliebenen germanischen Bewohnern hatten.
Weichsel schufen die kulturelle Basis zur Entwicklung autarker slawischer Staaten (Portrait von Jan Matejko) ]]
Die ersten Versuche einer Staatenbildung unter den Westslawen fanden südlich des heutigen Polen auf dem Gebiet Tschechiens und der Slowakei statt. Um 626 wurde im Kampf gegen das Awaren- und Frankenreich der erste slawische Staat gegründet, das Reich des Samo. Im Kampf gegen die Franken und nach der fehlgeschlagenen Belagerung der Wogastisburg durch den Frankenkönig Dagobert I., schloss sich Derwan, Herzog der Sorben, Samo an. Er war der erste historisch fassbare Herrscher der Nordwestslawen, über den die Quellen zu 632 berichten. Nach dem wahrscheinlichen Auseinanderbrechen des Samo-Reiches gegen 660 verlieren sich jedoch die Spuren, da bis 800, der Zeit Karls des Großen, kaum schriftliche Quellen über die Westslawen verfügbar sind. Die schriftlichen Quellen setzen erst am Ende des 8. Jahrhunderts ein, im Zusammenhang mit dem Kampf der Franken gegen die Awaren zwischen 791 - 803. Um 805 wurde zur Sicherung der nördlichen Ostgrenze der Limes Sorabicus an der Elbe, die sorbische Grenzmark errichtet. In den Sachsenkriegen unterwarf Karl der Große das Heimatgebiet der heidnischen Sachsen - Niedersachsen und Westfalen -und gab den östlichen Teil Sachsens, das heutige Wendland, den slawisch-heidnischen Polaben, im Deutschen auch Wenden genannt, welche mit ihm im Kampf gegen die Sachsen verbündet waren, zur Besiedlung frei. In den von Karl eroberten ehemaligen awarischen Gebieten, den Pannonischen Marken, entstanden lose dem Frankenreich angehörende slawische Fürstentümer. Bedeutende Rollen spielten vor allem das Mährische und das Nitraer Fürstentum, aus denen sich das spätere Reich der Großmährer um 830 herausbilden sollte. Unter Sventopluk, gegen Ende des 9. Jahrhunderts, erreichte dieses Reich seine größte Ausdehnung und weitete seine Einflusssphäre auf die Gebiete des heutigen Polens, Schlesien und Kleinpolen, aus, auch war Böhmen ein Teil dieses Reiches. Nach dem Zusammenbruch der Großmährer um 900 stand dann Böhmen bis 973 unter der Administration des ostfränkischen Bistums in Regensburg. Nach der Gründung des Bistums Prag wurde die böhmische Kirche dem Erzbistum Mainz unterstellt.
Erzbistum Mainz und Frankenreich im Westen, Ostrom und das Chasaren-Reich im Osten]]
Die direkte Grenze mit den christlichen Mährern forcierte die politische Vereinigung polanischer Kräfte in der Hand einer Zentralgewalt. Das Reich der Polanen wurde nach großmährischem Muster aufgebaut. Im 9. Jahrhundert berichtete ein bayerischer Geograph erstmalig über die slawischen Stammesstrukturen im heutigen Polen. Der Slawenapostel Methodius sprach von einem mächtigen Staat der Wislanen, der bereits nach slawisch-griechischem Ritus christianisiert gewesen sein soll. Der weitere Weg zu einer eigenständigen staatlichen Entwicklung wurde aber wahrscheinlich durch ungarische Raubzüge zu Beginn des 10. Jahrhunderts unterbunden. Unter ihrem Fürst Arpad drangen die Magyaren nach Mitteleuropa vor und wüteten dort länger als ein halbes Jahrhundert. Erst deren vernichtende Niederlage, die sie 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg gegen den deutschen König Otto I. hinnehmen mussten und die zum vollständigen Rückzug ins ungarische Stammland führte, öffnete den Weg zur Konsolidierung des Staatsgefüges unter den ersten Piasten.
Die Zeit war günstig dafür, denn auch die deutschen Könige und Kaiser machten keine Anstalten, ihr eigenes Reich, im Rahmen der deutschen Ostsiedlung, gen Osten auszuweiten. Es wurden in karolingischer Tradition Grenzmarken errichtet, die anfangs dem Schutz des Heiligen Römischen Reiches vor den heidnischen Slawen dienen sollten. Die deutschen Könige schickten sich an, auch Könige der Langobarden im alten römischen Kernland Italien zu werden, eine Voraussetzung, um die Kaiserwürde zu erhalten und damit die Führungsrolle und das Primat in der abendländischen Christenheit.
Staatsgründung und die ersten Piasten 960 - 1138
Mieszko I. und die Christianisierung Polens
Christenheit
Um 960 trat Polen aktiv auf die politische Bühne Europas. Das Land, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist als Herzogtum im frühen 10. Jahrhundert von Posen und Gnesen aus gegründet worden. Es wurde von 960 bis 992 vom Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten regiert. Das weiß markierte Gebiet auf der Karte repräsentiert die ungefähre Größe des polnisches Staates um das Jahr 960 zu Beginn der Herrschaft Mieszkos. Da es sich um eine recht alte Karte handelt (19. Jh.?), ist das dort erwähnte Datum 992 falsch.
Im Jahr 963 wurde Mieszko das erste Mal schriftlich erwähnt, daher gilt dieses Datum oft als das erste in der polnischen Geschichtsschreibung. Der Anlass waren die Einfälle der Markgrafen Gero aus der Ostmark und Wichmanns des Jüngeren, eines abgefallenen sächsischen Vasalls des deutschen Königs Otto I.. Im Zuge dieser Kämpfe wurde Mieszko von beiden ostmärkischen Grafen besiegt und für einen Teil seines Herrschaftsgebiets, in der Region um Lebus, dem Heiligen Römischen Reich tributpflichtig gemacht.
Im Jahre 965 verbündete sich Herzog Mieszko mit den christlichen Tschechen und ließ sich 966 nach römisch-katholischem Ritus taufen, um im Anschluss die böhmische Herzogstochter Dobrawa aus dem Geschlecht der Przemysliden zu heiraten. Mit dieser Entscheidung hoffte er einerseits zu verhindern, dass Polen zwischen missionseifrigen Nationen aus dem Westen aufgerieben wurde, andererseits konnte er unter dem Vorwand der Heidenmission die eigenen Grenzen ausweiten. Es wurde ein unabhängiges Missionsbistum in Posen gegründet. Die Annahme des Christentums war eine politische Entscheidung, bedingt durch den Druck des Heiligen Römischen Reiches.
Christentum durch Böhmen (Gemälde von 1889) ]]
967 zahlte sich das Bündnis mit Böhmen das erste Mal aus. Mit Hilfe przemyslidischer Reitertruppen schlug Mieszko den Grafen Wichmann, den militärischen Führer des slawischen Wolinerbundes, der seinen Vorstoß nach Pommern mit Hilfe der Woliner verhindern wollte, in die Flucht. Das Schwert des Markgrafen wurde Kaiser Otto ausgeliefert.
Auf der Grundlage eines im Innern gefestigten Staatswesens unterwarf Mieszko in den Jahren 967 - 979 ganz Hinterpommern mit Stettin und Pommerellen mit Danzig. Der Zugang zur Ostsee bedeutete unmittelbaren Kontakt mit Skandinavien. Mieszkos Tochter Swietoslawa aus der Ehe mit Dobrawa heiratete König Sven von Dänemark und wurde die Mutter Knuts des Großen.
972 wurden die Truppen des Markgrafen Odo (Hodon) an der unteren Oder in der Nähe von Zehden besiegt und in die Flucht geschlagen, dabei fand der einzig mit Namen bekannte Bruder Mieszkos, Czcibor, den Tod. Mit dem Sieg über Odo wurde den ostmärkischen Markgrafen vorerst Einhalt für fast drei Jahrhunderte geboten, dennoch kam es 973 auf dem Quedlinburger Hoftag zum Verständigungsfrieden mit dem Heiligen Römischen Reich bzw. Odo, wo Mieszko als Freund des Kaisers (amicus imperatoris) seinen persönlichen Treueeid leistete. Inwieweit und ob überhaupt damit Polen in ein Lehnsverhältnis zum Heiligen Römischen Reich eintrat, ist historisch umstritten.
Quedlinburger Hoftag (Portrait von Jan Matejko)]]
981 verlor Polen die Tscherwenischen Burgen - Galizien - und somit die Kontrolle über die West-Ost-Handelspassage zu Gunsten des Kiewer Großfürsten Wladimir I., der die schwierige militärische Lage der Piasten im Westen für sich selbst auszunutzen wusste.
986 bestätigte Mieszko seinen Vasallenstatus (Tributpflicht) abermals, indem er dem noch minderjährigen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches - Otto III. - in Quedlinburg huldigte. Er führte in seinem Namen, als „Markgraf des Reiches“, einen Heidenfeldzug gegen die Elbslawen an, dafür unterstütze ihn Kaiserin Theophanu militärisch bei der Eroberung Kleinpolens und Schlesiens, die im Besitz Böhmens waren.
Nach dem Tod von Mieszkos erster christlichen Frau Dobrawa 977 und seiner Heirat mit der Sächsin Oda von Haldensleben erfolgte ein Bruch zwischen Polen und Böhmen. Es kam zur Entfremdung zwischen beiden Staaten, was schließlich 989-999 zum Krieg führte. In diesem Konflikt wurden Schlesien, Kleinpolen, Mähren und die Slowakei erobert.
Im Jahr 991, kurz vor seinem Tod, stellte der erste historisch belegte Herrscher Polens sein gesamtes Land unter den Schutz des Papstes, der ein politischer Gegenspieler des Kaisers im Mittelalter war. Polen wurde päpstliches Lehen. Er verstarb im Jahr 992 und liegt in der Kathedrale zu Posen begraben. Sein Nachfolger wurde sein Sohn aus der Ehe mit Dobrawa Bolesław der Tapfere.
Boleslaw Chrobry und der erste Aufstieg zur Großmacht
Bolesław der Tapfere
992 teilte Mieszko I. sein Reich in altslawischer Tradition unter seinen Söhnen Boleslaw aus der Ehe mit Dobrawa und Swietopelk, Lambert, Mieszko (jun.) aus der Ehe mit Oda auf. Boleslaw brach jedoch mit dem Willen des Vaters, indem er, sicherlich unterstützt durch eine starke Gruppe einflussreicher Magnaten, seine Stiefmutter und seine Halbbrüder in das Heilige Römische Reich vertrieb. Die Reichseinheit wurde wiederhergestellt. Boleslaw setzte die Politik seines Vaters „Bündnis mit dem Reich“ als Tributpflichtiger fort und unterstützte 995 den für volljährig erklärten Kaiser Otto III. bei der Verteidigung des christlichen Glaubens. Gemäß der Quedlinburger Absprache von 991 beteiligte er sich an dessen Kampf gegen die heidnischen Elbslawen. Dieser Kampf war jedoch weitgehend erfolglos. Der östliche Teil der Nordmark blieb dessen ungeachtet bis ins 12. Jahrhundert unter polnischem Einfluss, der sein Zentrum in der Region um Lebus hatte.
Lebus erhebt Herzog Boleslaw I. in den Stand der Könige, während des Staatsakts von Gnesen im Jahr 1000 (Gemälde von 1889) ]]
Im Rahmen der Christianisierung der baltisch-pruzzischen Stämme an der Ostsee kam Bischof Adalbert von Prag 997 nach Polen, von wo er mit polnischer Unterstützung in das Pruzzenland gelangte. Dort wurde er jedoch bei Fischhausen ermordet. Boleslaw löste den Leichnam Adalberts aus und setzte diesen in der Kathedrale zu Gnesen bei. Allerdings wurde der Leichnam 1038, nach dem polnisch-böhmischen Krieg, nach Prag entwendet. Adalbert wurde 999 vom Papst Silvester II. heilig gesprochen. Dieser Umstand erleichterte die Errichtung einer unabhängigen polnischen Kirchenprovinz, sodass schließlich Kaiser Otto III. und Papst Silvester II. dem Wunsch Boleslaws entsprachen.
Im Jahre 1000 pilgerte der römisch-deutsche Kaiser Otto III., zu dem Boleslaw ein freundschaftliches Verhältnis hatte, an das Grab seines Freundes, des Märtyrers Adalbert, in Gnesen, um als Staatsakt sein Reichskonzept von der »Renovatio Imperii Romanorum« zu verkünden; ein Konzept, in dem Polen eine gleichrangige Stütze am Gebäude des „Imperiums“ war, genauso wie Gallia oder Germania. Es wurde für die slawischen Provinzen das Erzbistum Gnesen errichtet, mit Adalberts Bruder Gaudentius als erstem Erzbischof von Gnesen, dem die neugegründeten Bistümer Kolberg, Krakau und Breslau unterstanden. Die Errichtung einer unabhängigen Kirchenprovinz war ein erster Grundpfeiler der späteren Emanzipation Polens vom Heiligen Römischen Reich. Während dieses Besuches erkannte Otto III. offiziell die Souveränität des piastisch-polnischen Herrschers an. Die seit 963 bestehende Tributpflicht entfiel. Der junge Kaiser wollte unter Einbindung der inzwischen christianisierten Völker des Ostens ein neues christliches Weltreich unter der Führung des Kaisers als weltliches Oberhaupt der Christenheit wieder erstehen lassen. Dabei sollte Polen ein führender Platz innerhalb der „Sclavinia“ zukommen. 963)]] Otto begünstigte die Konsolidierung und Machtausweitung der Piasten gegenüber den tschechischen Przemysliden, die mit den Interessen des Heiligen Römischen Reiches weit weniger in Einklang standen. Boleslaw soll von Otto in Gnesen in den Stand der Könige erhoben worden sein. Dies ist aufgrund mangelnder Beweise historisch umstritten; es gibt aber deutliche Indizien, die die Königsthese stützen. Auf jeden Fall wurde die Krönungszeromonie de jure nicht vollendet, weil die Erlaubnis des Papstes fehlte. Diese konnte aber wegen des frühen Tods Ottos III. und des vehementen politischen Widerstands des neuen deutschen Königs und späteren römisch-deutschen Kaisers, Heinrichs II. fast zwei Jahrzehnte lang nicht eingeholt werden.
Der frühe Tod Ottos III. im Jahre 1002 und die Thronbesteigung Heinrichs II., der dem Polenkönig nicht wohlgesonnen war, änderte die Beziehungen des Königreichs Polen zum Heiligen Römischen Reich diametral. Boleslaw trat in Opposition zum Reich und verfolgte nunmehr eigene Ziele der Expansion. Dies führte zu einem mehrjährigen Krieg Polens mit dem römisch-deutschen Kaiser, an dessen Ende sich Polen dank seiner in Ansätzen bereits gefestigten Staatlichkeit behaupten konnte und im Frieden von Bautzen einen Ausgleichsfrieden mit dem Deutschen Reich schloss. Dies verdankte Boleslaw seiner klugen dynastischen Politik, ebenso seinen sächsischen Verbündeten im Reich, wie seinem Neffen Knut von Dänemark.
Die im Jahr 1000 in Gnesen getroffene Absprache zwischen Polen und dem Reich wurde widerwillig von Heinrich bestätigt, auch verlangte Boleslaw vom deutschen Kaiser militärische Unterstützung für seinen lange geplanten Zug nach Kiew, gegen Jaroslaw, die er auch bekam. Er konnte dem Kaiser zwar die Mark Meißen nicht abtrotzen, jedoch behielt er seine Erwerbungen im Westen, das Milzener Land und die Mark Lausitz lehnsfrei, die dann bis 1031 bei Polen verblieben. Für Boleslaw Chrobry führte der Krieg mit dem Reich zu einem Substanzverlust des Landes. Er griff aber in die Streitigkeiten der slawischen Stämme in der Nordmark ein und legte in Berlin-Köpenick eine Burg auf der heutigen Schlossinsel an. Für fast 120 Jahre, bis Mitte des 12. Jahrhunderts, war Köpenick der Sitz eines piastischen Vasalls.
12. Jahrhundert ]]
Nach dem Friedensschluss mit dem Kaiser wandte er sich nach Kiew, der reichen Hauptstadt der Kiewer Rus, um seinen Schwiegersohn, Großfürst Swjatopolk, gegen dessen Bruder Jaroslaw zu unterstützen. Nach erfolgreicher Wiedereinsetzung des geschassten Fürsten, erwarb er 1018 die tscherwenischen Burgen für Polen zurück. Nach dem Frieden von Bautzen und seinem Zug nach Kiew befand sich Boleslaw nun auf dem Höhepunkt seiner Macht und war bis zum erneuten Erstarken Jaroslaws des Weisen der Kiewer Rus und des Reiches unter Kaiser Konrad II. der mächtigste Herrscher Mittel- und Osteuropas. Im Jahr 1024 verstarb Kaiser Heinrich. Nun stand der endgültigen Königskrönung nichts mehr im Weg. Das deutsche Interregnum ausnutzend, setzte er sich 1025 ein zweites Mal die Krone aufs Haupt, wodurch er der erste König von Polen wurde. Dies stieß im Reich zwar auf ein negatives Echo, war aber zweifellos ein großer Prestigegewinn für Polen. Allerdings sollte sich das Königtum zunächst nicht als dauerhaft erweisen.
Boleslaw förderte den christlichen Glauben in Polen, wissend, dass der Papst im 11. Jahrhundert einer der bedeutendsten machtpolitischen Konkurrenten des deutschen Kaisers war. Durch die erfolgreiche Gründung einer unabhängigen polnischen Kirchenprovinz mit dem Erzbistum Gnesen und seiner Krönung zum ersten polnischen König begründete er die polnische Emanzipation vom Heiligen Römischen Reich. Er war auch der Begründer der polnischen Kastellanverfassungsordnung. Er hat aus dem relativ politisch unbedeutenden Herzogtum seines Vaters einen in der ganzen Region bedeutsamen Staat gemacht, mit Einflusssphären von der Elbe bis zum Dnepr und von der Ostsee an die Donau. In Polen gilt er bis heute als eine der wichtigsten historischen Persönlichkeiten und liegt neben seinem Vater Mieszko I. in der Kathedrale von Posen begraben.
Die Wirren unter Mieszko II.
Donau) ]]
1025 Nach dem Tod Boleslaws übernahm sein für die damalige Zeit äußerst gebildeter Sohn Mieszko Lambert, er beherrschte neben seiner Muttersprache Polnisch, auch Latein und Griechisch, die Herrschaft und erhob sich und seine deutsche Frau Richeza in den Stand der Könige, um seine Souveränität vor der Lehnsherrschaft der römisch-deutschen Kaiser zu sichern. Jedoch gelang es ihm nicht, die von seinem Vater eroberten Gebiete lange zu halten. Nach nur fünf Jahren der Herrschaft begann sein Reich, bedingt durch diverse militärisch-ökonomische, aber auch soziale Umstände in Form von Kriegen, Aufbau der jungen Monarchie und der Kirche, die riesige Kosten verursachten, und nunmehr dem einfachen Volk auferlegt wurden (siehe auch Kirchenzehnt) und von außen erzeugte Instabilitäten, ins Ausland geflüchtete (Halb-)brüder Mieszkos, Otto und Bezprym, die mit dem Willen des Vaters Boleslaw brachen, zu Erosion|erodieren.
In väterlicher Tradition unternahm der neue Herrscher in den Jahren 1028 und 1030 präventive Kriegszüge gegen östliche Teile des Heiligen Römischen Reiches, vor allem Thüringen und Sachsen (Einnahme und Zerstörung von Hamburg), da der neue Kaiser im Reich, Konrad II., ihn als König nicht anerkennen wollte und zu seinen Intimfeinden gehörte. Dies brachte ihm im Reich der Salier und im restlichen Europa (Kiewer Rus, Ungarn, Böhmen) viele Feinde ein und überforderte am Ende den immer noch jungen Staat. Außerdem provozierte es mehrere gleichzeitige militärische Reaktionen Konrads und des Großfürsten von Kiew, Jaroslaws des Weisen, der zu den Feinden seines Vaters gehörte. Dieser mächtigen Allianz konnte Mieszko nicht mehr gerecht werden und am Ende überforderte sie ihn schlicht. Dies führte zum Verlust einiger Gebiete (Mähren, Slowakei, Tscherwenische Burgen und Mark Lausitz) und zur Stärkung der inneren Opposition, da sich Mieszkos Brüder jetzt mit den Gegnern des Herrschers verbünden konnten. Schließlich wurde Mieszko 1031 sogar gestürzt und musste fliehen und das Land seinen (Halb-)brüdern Bezprym und Otto überlassen.
1031)]]
Bezpryms Herrschaft dauerte nicht lange. Es kam zum Aufstand gegen den neuen Herrscher. Kurz darauf wurde Bezprym 1032 ermordet. Der Tod Bezpryms eröffnete für Mieszko die Möglichkeit der Rückkehr in die Heimat. Er verständigte sich mit seinem jüngeren Bruder Otto und kam aus Böhmen nach Polen zurück. Auch mit Kaiser Konrad, nachdem dieser mit einer weiteren militärischen Intervention in Polen drohte, einigte sich Mieszko im Rahmen des Hoftags von Merseburg 1033 bald. Mieszko verzichtete auf Druck des Kaisers auf die Königskrone und teilte sein Reich zunächst mit seinem Bruder Otto und einem gewissen Dietrich. 1033 verstarb bereits Mieszkos Bruder Otto und Dietrich verlor aus nicht bekannten Gründen seinen ihm zugewiesenen polnischen Machtbereich und so konnte Mieszko noch kurz vor seinem Tod am 10. Mai 1034 die Hauptprovinzen Polens an seine Herrschaft binden.
Die boleslawischen Erwerbungen, sowohl im Osten als auch im Westen, waren jedoch verloren. Polen beschränkte sich auf die Hauptprovinzen Groß-/Kleinpolen, Masowien, Pommerellen und Schlesien und entsprach um 1034 somit ungefähr den heutigen Grenzen, doch hinterließ er nach seinem Tod ein von Aufständen und heidnischer Reaktion zerrüttetes Land. Mit dem Verzicht auf die Königswürde stand Polen ab 1033 für Jahrzehnte wieder in formeller Abhängigkeit zu römisch-deutschen Kaisern.
Staatskrise und Erneuerung
1033 endgültig in Polen durch (Portrait von Jan Matejko)]]
1034 ging die Herrschaft auf Mieszkos Sohn Kasimir über, der aus der Heimat seiner deutschen Mutter kommend, die Gewalt im Staate übernahm. Er hielt sich jedoch nicht lange an der Macht und musste bereits 1037, auf Druck der Opposition, Polen Richtung Ungarn verlassen. Eventuell kam er überhaupt erst 1039 das erste Mal nach Polen. Von 1037 bis 1039 fand ein Auflösungsprozess des polnischen Staates statt. Es kam vor allem in der Region Großpolen zu Aufständen gegen die Kirche und das Magnatentum, den eigentlichen Profiteuren des sozio-politischen Umbruchs der ersten Piasten - die Einführung eines dem „Zehnten“ ähnlichen Systems für die Kirche und den Adel - die Bauern waren bis dato frei -, verbunden mit einem starken Rückfall ins Heidentum. Einzelne Regionen verselbständigten sich, zum Beispiel Masowien und Pommern.
Den Niedergang der piastischen Zentralgewalt ausnutzend, unternahm der böhmische Herzog einen Kriegszug in das polnische Vakuum, bei dem er die Gebeine des Hl. Adalbert erbeutete, das Land (besonders Großpolen), fast ohne Widerstand verwüstete und Schlesien eroberte. Hinzu kamen noch Plünderungszüge der heidnischen Pruzzen und Pomoranen. Der neue Kaiser im Reich, Heinrich III., befürchtete nun ein politisches Erstarken Böhmens unter Břetislav I. und erteilte dem jungen Herzog Kasimir 1039, nachdem dieser zuerst sein Vasall geworden war, militärische Hilfe. Mit dieser gelangte der Herzog wieder in den Besitz Großpolens und 1040 Kleinpolens mit Krakau. Sogleich machte er Krakau zur neuen Hauptstadt Polens, weil Großpolen durch die vielen Aufstände und den böhmisch-polnischen Krieg zu verwüstet war. 1041 zwang der Kaiser den böhmischen Herrscher zum Verzicht auf Ansprüche gegenüber Polen, gab jedoch Schlesien nicht an Polen zurück. Um die Grenze im Osten abzusichern, schloss Kasimir im gleichen Jahr ein Bündnis mit Jaroslaw von Kiew und heiratete wenig später dessen Schwester, Fürstin Dobroniega-Maria. Jaroslaw gewährte ihm daraufhin militärische Hilfe bei der Rückeroberung Masowiens und Pommerellens mit Danzig 1047. Vor seinem Tod 1058 erwarb er um 1046, gegen den Willen des Kaisers, Schlesien - Restauration des Bischofssitzes in Breslau - von den Böhmen zurück. Erst nachdem Břetislav I. 1053 - 1055 die „bayrische Rebellion“ gegen den Kaiser unterstützte und hierdurch bei ihm in Ungnade fiel, musste er auf Drängen des deutschen Souveräns 1054 in Quedlinburg auf Schlesien endgültig verzichten, gegen jährliche Tributzahlungen aus Polen, was zum Anlass für weitere böhmisch-polnische Auseinandersetzungen wurde. Die beiden gleichstarken slawischen Staaten wurden so für Jahrzehnte politisch-militärisch geschwächt.
Quedlinburg (Portrait von Jan Matejko)]]
Kasimir der Erneuerer gilt als derjenige polnische Herrscher, der mit Hilfe seines Onkels, des Erzbischofs zu Köln, Hermann II., den christlichen Staat der Piasten nach der letzten größeren heidnischen Reaktion wiederaufgebaut hat und zudem durch seine Landvergabe an Krieger zu deren Versorgung das Rittertum in Polen eingeführt hatte. Unter seinen mannigfachen Benediktinergründungen in Polen befindet sich das Kloster auf dem Berge Tyniec bei Krakau, in das er Mönche aus Köln berufen hatte. Diese Verbindung ist bis zum heutigen Tage erhalten geblieben. Das Domkapitel in Krakau trägt noch heute die drei Kronen Kölns im Wappen.
Nach dem Tod von Kasimir 1058, einem der bedeutendsten Vertreter der Piasten-Dynastie, folgte ihm sein Sohn Boleslaw der Kühne nach. Dieser betrieb eine sehr erfolgreiche Außenpolitik. So entledigte er sich der Tributpflicht für Schlesien an Böhmen. Auch gelang es ihm 1077 mit Erlaubnis des Papstes Gregors VII., die Königswürde wiederherzustellen. Er setzte, vor allem im Bereich der kirchlichen Strukturen, die Wiederaufbauarbeit seines Vaters fort. Einen Schatten auf seine Herrschaft wirft die Verurteilung und Tötung - unter unklaren Umständen - des Bischofs Stanislaus von Krakau, welche einen Aufstand gegen Boleslaw auslösten, der schließlich zu seiner Flucht nach Ungarn führte, wo er auch 1082 starb.
Boleslaw II. folgte dessen jüngerer Bruder Wladyslaw Herman. Bereits wenige Jahre nach seiner Thronbesteigung versöhnte er sich mit dem Sohn seines vertriebenen Bruders, gestattete ihm, zurückzukehren und stattete ihn mit einer eigenen Provinz aus. Für einige Jahre zahlte er wieder Tribut für den Besitz Schlesiens. Zum Ende seiner Herrschaft geriet er in Konflikt mit seinen Söhnen, Boleslaw III. und Zbigniew, und musste ihnen 1098 auf Druck der Adelsopposition - sein Neffe war inzwischen verstorben - eigene Provinzen zuteilen, behielt aber noch die Oberherrschaft. Während seiner Herrschaft kamen 1096 die ersten Juden in großer Zahl nach Polen, die dort Schutz gegen die Pogrome, die während des Ersten Kreuzzugs in vielen Städten Westeuropas ausbrachen, suchten.
Er starb schließlich 1102.
1102)]]
Boleslaw Schiefmund und sein Testament
Boleslaw gelang es 1108 seinen Halbbruder Zbigniew zu unterwerfen und 1109 einen Invasionsversuch Kaiser Heinrichs V., der damit nicht einverstanden war, erfolgreich abzuwehren, sodass Polen bereits nach wenigen Jahren geeinigt war.
Unter Boleslaw III. dehnte Polen 1121, bis zur Intervention Heinrichs des Löwen um 1164, seinen Machtbereich auf Pommern aus, durch die Unterwerfung der heidnischen Pomoranen, damit der letzten freien heidnischen Slawengebiete, die er von Otto von Bamberg christianisieren ließ. In Ottos Geleit kamen unter anderen die ersten deutschen Siedler als Mönche nach Pommern. Auch erstreckte sich Boleslaws Einflussbereich bis ins heutige Brandenburg hinein - Gründung des Bistums Lebus -, womit Brandenburg bis 1424 kirchlich mit dem polnischen Erzbistum Gnesen verbunden war.
Da er viele männliche Nachkommen hatte und er Kämpfe unter seinen Söhnen vermeiden wollte, wie damals seine mit Zbigniew, teilte er sein Reich nach slawischem Brauch unter seinen Söhnen auf, indem nur der älteste des Piastengeschlechts im Rahmen des Senioratsprinzips das Land nach außen repräsentieren sollte.
Die Zeit der Zersplitterung: Der Partikularismus 1138 - 1295
Das Scheitern des Senioratsprinzips und die deutsche Ostkolonisation
Senioratsprinzip zum ersten polnischen Sejm im Jahr 1182 (Gemälde von 1888) ]]
Im Jahre 1138 trat die neue Verfassung in Kraft und der älteste Vorsteher des Piastengeschlechts, Wladyslaw der Vertriebene, wurde Seniorherzog von Polen mit Sitz in Krakau, die jüngeren Brüder herrschten als Juniorherzöge in den ihnen zugewiesenen Regionen.
Bereits 1146 kam es zum Bruch und Boleslaws Ältester, Wladyslaw, wurde mit Hilfe des Adels von seinen Brüdern aus Polen vertrieben. Die erhoffte Stärkung der Einheit blieb aus. Vielmehr entbrannten dauerhafte Kämpfe um die Führungsrolle und die Macht in Krakau in den nächsten 150 Jahren. Das Land zerbrach in mehrere de facto unabhängige piastische Herzogtümer. Es war die Zeit des Partikularismus, wodurch die politische Stellung und Autorität Polens im Europa des 13. Jahrhunderts beträchtlich geschwächt wurde. Die Idee der polnischen Einheit, des Regnum Poloniae, lebte weiter in der einheitlichen Kirchenorganisation und der Tradition der großen Adelsgeschlechter, sowie in der dynastischen Verbundenheit (Verwandtschaft) aller Herrscher.
Bei der Vertreibung von Mieszko III. 1177 setzten sich die jüngeren Vertreter der Dynastie im ganzen Land durch. Zwar blieb eine gewisse Oberhoheit des Herzogs von Krakau - princeps - erhalten, aber das Seniorat, als Herrschaft des Ältesten, wurde abgeschafft. 1182 hob die Versammlung der polnischen Herzöge und Bischöfe in Łęczyca das Senioratsprinzip formell auf und verbriefte Vorrechte der Geistlichkeit. Die Einheit Polens wurde nicht erreicht. Die Fürstentümer der Piasten bestanden weiterhin als souveräne Regionen nebeneinander. 1202 fiel die Senioratsprovinz Kleinpolen mit Krakau an Leszek den Weißen, Sohn von Kasimir dem Gerechten und durch den Tod seines Onkels Mieszko des Alten brach das Senioratsprinzip endgültig in Polen zusammen. Seit jener Zeit galt die Herrschaft über Krakau für die jeweiligen Piastenherzöge als Legitimation für Maßnahmen zur Vereinigung des Landes. In seiner Titulatur erhob Leszek als letzter Herzog Ansprüche auf die Oberhoheit in ganz Polen und versuchte diese ab 1217 auch in Pommerellen durchzusetzen. 1227 trafen sich die polnischen Fürsten in Gasawa, um sich gegen den Herzog Swantopolk von Pommerellen und ihren Vetter Herzog Wladyslaw Odonic von Großpolen zu beraten, wo Leszek bei einem plötzlichen Überfall des Swantopolk den Tod fand.
Großpolen bis zum Ausbruch der Pest etwa 1350, die ihr Ende einleitete ]]
In diese Zeit fiel eine verstärkte deutsche Ostkolonisation. Bereits zwischen 1200 - 1250 waren große Teile Pommerns und Schlesiens mit Deutschen und Flamen besiedelt, die durch die einheimischen slawischen Herren, wie die Greifen in Pommern und die schlesischen Piasten ins Land geholt wurden. Die pommerschen Adeligen, ebenso die schlesischen Fürsten versprachen sich eine höhere wirtschaftliche Prosperität und Entwicklung ihrer Ländereien. Aufgrund der Anzahl der Neusiedler und durch den persönlichen Einsatz und Förderung der Ostsiedlung durch die polnischen Dynasten, wurden weite Teile des mittelalterlichen Polens ein Teil des deutschen Sprachraums und verloren im Laufe der Zeit ihren slawisch-polnischen Charakter. Auch öffneten sich einige Regenten, wie zum Beispiel die schlesischen Piasten, freiwillig dem Deutschtum - deutscher Klerus, Heirat mit deutschen Prinzessinen, Verwandtschaft zum deutschen Hochadel -, was die deutsche Ostkolonisation und das Deutschtum in Schlesien und über die Grenzen Schlesiens hinaus - deutsches Patriziat in polnischen Städten z. B. in Posen, Danzig oder Krakau -, zusätzlich begünstigte, waren sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nicht nur polnische Seniorherzöge sondern auch die mächtigsten Landesfürsten des sich im Partikularismus befindenen Polens überhaupt. Die Entslawisierung und die entsprechende Germanisierung vollzog sich, zumindest auf die Gebiete Pommerns und Schlesiens beschränkt, relativ friedlich und war keine brutale deutsche Landnahme polnischer Gebiete - freilich sind Konflikte zwischen den Autochthonen Polen und den mehrheitlich nicht des Slawischen mächtigen Zuwanderern nicht auszuschließen -. Dieses Faktum wurde und wird historisch jedoch kaum wahrgenommen. Erst Ende des 13. Jahrhunderts, besonders seit Beginn des 14. Jahrhunderts, begann eine antagonistische Bewegung, die kulturell-wirtschaftliche Dominanz und der Einfluss des Deutschtums, zumindest in den Kernprovinzen Polens (Klein- und Großpolen), zurückzudrängen und führte zu Repolinisierung weiter Landstriche und des deutschen Bürgertums in den Städten, zum Beispiel in Krakau.
Äußere Eingriffe und territoriale Verluste
Entwicklung Schlesiens im 12. und 13. Jahrhundert und der Mongolensturm von 1241
antagonistische Bewegung, intervenierte militärisch in Polen]]
Der in das Reich geflohene Wladyslaw der Vertriebene gewann die Gunst des Kaisers, welcher für ihn in Polen 1157 militärisch intervenierte. Friedrich Barbarossa zwang den polnischen Seniorherzog Boleslaw IV. zur Herausgabe Schlesiens an die Söhne des geschassten Souveräns und machte ihn für einen Teil seines Reiches lehnspflichtig. Jedoch zögerte Boleslaw einige Jahre der staufischen Forderung nachzukommen und erst im Jahre 1163, unter der Drohung einer neuen kaiserlichen Intervention, händigte er Schlesien an die Söhne Wladyslaws, Boleslaw den Langen und Mieszko Kreuzbein aus. Mit der Aushändigung dieser Provinz an die Nachkommen Wladyslaws entstand die langlebige Linie der schlesischen Piasten, die erst Anfang des 18. Jahrhunderts im Mannesstamm ausstarb.
Die einsetzende Einigung Polens durch die schlesische Linie der Piasten nahm mit dem Tod Heinrichs des Frommen ein jähes Ende. Der Herzog verlor im Kampf gegen die mongolischen Horden in der Schlacht bei Liegnitz sein Leben und Schlesien zerfiel in eine Vielzahl feudalistischer Fürstentümer, die nach dem Mongolensturm 1241 nach und nach vom Königreich Böhmen absorbiert wurden. Obwohl die Reiterhorden des Großkhans Ugedai, eines Sohnes Dschingis Khans, siegreich blieben, verwüsteten und entvölkerten sie große Teile Südpolens (vor allem Kleinpolen und Schlesien). Die Mongoleninvasion verlieh der deutschen Ostkolonisation in Polen und in anderen von ihr betroffenen Regionen Mitteleuropas, zum Beispiel in Ungarn, wo die Hälfte der ungarischen Bevölkerung den Tod fand oder in die mongolische Knechtschaft nach Zentralasien getrieben wurde, zusätzlich an Bedeutung (siehe auch Siebenbürger Sachsen). Die Mongolen, die man auch Tartaren nannte, zogen sich in die von ihnen eroberten russischen Fürstentümer zurück und wurden für über 250 Jahre die neuen Herren des zerfallenden Reiches der Kiewer Rus und ihrer juristischen Nachfolgerin Moskowien. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts blieben sie dennoch eine ständige Bedrohung und unternahmen weitere Raubzüge Richtung Westen, die das politisch zersplitterte Polen wirtschaftlich aber auch miltärisch immer schwächer werden ließen, sodass die Landesfürsten der Nachbarvölker, wie der Litauer, vor allem aber der Böhmen und der Deutschen (Brandenburg, Deutscher Orden), begannen, ihre eigenen Territorien auf Kosten Polens zu erweitern.
Böhmen, unterwarf zwischen 1147-1164 die Slawen in Mecklenburg und Pommern ]]
Pommern unter den Greifen
Das Land, das sich mit Zentrum Stettin über die beiden Seiten der Oder ausbreitet, wurde Anfang des 7. Jahrhunderts von den slawischen Pomoranen besiedelt. Seit dem 10. Jahrhundert gerieten die Pomoranen in den Einflussbereich ihrer christlichen Nachbarn. Aus dem Westen drohten ihnen die deutschen Landesfürsten. Es waren die Sachsen mit Mark dem Billunger und die ostmärkischen Markgrafen aus Brandenburg - beide Teil des Heiligen Römischen Reiches. Aus dem Südosten kamen die Fürsten der Polanen, die Piasten, die die Pomoranen politisch enger an ihre Exekutive binden konnten. Um die pommersche Provinz nicht ganz den Deutschen und den Polen zu überlassen, versuchten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auch die Dänen, unter ihrem König Knuth VI., Pommern unter ihre Lehnsherrschaft zu bringen, was ihnen erst 1185 erfolgreich gelang. Pommern war bis zur Schlacht bei Bornhöved unter dänischer Vorherrschaft.
Die Pomoranen leisteten vehement Widerstand gegen Unterwerfungs- und Christianisierungsbestrebungen ihrer Nachbarn. Nach mehreren erfolgreichen Volksaufständen, in denen sie sich ihre Freiheit kurzzeitig erkämpft hatten, wurden sie schließlich von Boleslaw Schiefmund in drei Feldzügen zwischen 1116 - 1121 unterworfen. Dieser ließ die Pomoranen durch den Deutschen Otto von Bamberg christianisieren. Auch setzte der polnische Souverän den Pommernfürsten Wartislaw I. als seinen Vasallen in Stettin ein. Er stammte aus der Greifen-Dynastie, die sich bis zum Aussterben in männlicher Linie in Pommern bis 1637 behaupten konnte. Durch die Erfolge des polnischen Fürsten in Mecklenburg und Vorpommern ermutigt und um seinen Einfluss bei den Elbslawen fürchtend, zwang Kaiser Lothar III. 1135 Boleslaw, seine kaiserliche Lehnsherrschaft über Pommern anzuerkennen und vergab dieses mit der Insel Rügen bis 1137 zu Lehen.
1137 Anfang des 13. Jahrhunderts ]]
Während der Wendenkreuzzüge unterwarf Heinrich der Löwe, der Herzog von Sachsen, 1164 die Fürsten von Stettin und wurde Lehnsherr Pommerns. 1181 unterwarf er sich nach einem verlorenen Krieg seinem Vetter, Kaiser Friedrich Barbarossa; damit verlor er seine Macht im Reich und alle seine slawischen Lehnsherrschaf
Litauen
Litauen (litauisch Lietuva) gehört zu den drei baltischen Staaten innerhalb Nordeuropas. Litauen grenzt im Norden an Lettland (Grenzlänge 588 km), im Osten an Weißrussland (654 km), im Südwesten an die russische Oblast Kaliningrad (249 km + 19 km im Kurischen Haff) mit dessen Hauptstadt Kaliningrad (Königsberg), im Süden auf einem relativ kurzen Stück an Polen (104 km) und im Westen an die Ostsee (99 km).
Geographie
Ostsee
Die Litauer teilen ihr Land in vier historische Regionen, die sich hinsichtlich Tradition, Dialekt und Landschaftsbild unterscheiden. Es sind dies: die Aukštaitija (Aukschtaitien/Oberlitauen) im Nordosten bis hinunter zur Hauptstadt Vilnius/Wilna, die größte der vier Regionen, die Žemaitija (Schemaitien/Niederlitauen) im Nordwesten mit einem starken eigenen Dialekt, die traditionell sehr wohlhabende Suvalkija im Südwesten und die traditionell eher arme Dzukija im Süden. Eine fünfte Region, die aber heute in Litauen meistens als Teil von Niederlitauen angesehen wird, bildet Kleinlitauen (Mažoji Lietuva, auf der Karte hellblau), das den äußersten westlichen Streifen Litauens bildet und bis 1918 als Teil Ostpreußens zum Deutschen Reich gehörte. Hier, nördlich und südlich der Hafenstadt Klaipėda (Memel), grenzt Litauen mit kilometerlangen feinen Sandstränden und Dünen an die Ostsee. Nach Osten hin setzt sich die Landschaft als leicht gewellte Moränenlandschaft fort, unterteilt in die Žemaitija (Schemaitien/Niederlitauen, auf der Karte rot) im Westen und die Aukštaitija (Aukschtaitien/Oberlitauen, auf der Karte grün) im Osten. Die Aukštaitija ist im Grenzgebiet zu Weißrussland sehr hügelig und seenreich, im Zentrum dieser Gegend liegt der Aukštaitija-Nationalpark. Der an Polen grenzende Teil im Süden Litauens wird als Suvalkija bezeichnet (rund um Marijampolė, auf der Karte blau). Dies ist, zusammen mit der zentralen Ebene zwischen Panevėžys und Kaunas, der landwirtschaftlich am intensivsten genutzte Teil Litauens. Östlich der Suvalkija bildet die waldreiche Dzūkija (auf der Karte gelb) die Grenze zu Weißrussland.
Von dort erreicht der Fluss Nemunas (dt. Memel) beim Kurort Druskininkai litauisches Territorium. Mit 475 Kilometern Länge (Gesamtlänge 937 km) ist er Litauens größter Fluss und bildet auf seinen letzten 200 Kilometern die Grenze zur russischen Oblast Kaliningrad (nördlicher Teil des früheren Ostpreußen), bevor er bei Rusnė ins Kurische Haff mündet. Etwas nördlich der Hauptstadt Wilna befindet sich eine Stelle, die den Anspruch erhebt, der geographische Mittelpunkt Europas zu sein. Die beiden größten Städte Litauens, Vilnius und Kaunas, sind nicht Zentrum jeweiliger ethnographischer Regionen, sondern liegen an ihrem Übergang.
Mittelpunkt Europas
Siehe auch: Städte in Litauen
Bevölkerung
Der mit Abstand größte Teil der Bevölkerung besteht aus Litauern. Jedoch gibt es im Land auch nationale Minderheiten. Die russischsprachige Minderheit ist zumeist während des Zweiten Weltkriegs nach Litauen gekommen, nachdem das Land von der Sowjetunion besetzt worden war, und konzentriert sich auf die Hauptstadt Wilna sowie die Hafenstadt Klaipeda (Memel) und die umliegende Region Kleinlitauen (Mažoji Lietuva), so dass hier häufig Russisch zu hören ist. Während Russisch bei älteren Litauern (>30 Jahre) als Lingua Franca gelten kann, sprechen jüngere Litauer eher/lieber Englisch als Russisch.
In Klaipeda und v. a. auf der Kurischen Nehrung (Neringa) finden sich auch einige Litauer, die noch Deutsch sprechen. Polnisch ist im östlichen Teil, besonders in den ländlichen Regionen um Wilna und im Gebiet um die Ortschaft Dieveniškės, häufig anzutreffen, da dort trotz der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine große polnische Minderheit lebt. Durch die jahrhundertlange Präsenz des Russischen in Litauen hat sich das von den Polen gesprochene Polnisch stark mit russischen Wörtern und Ausdrücken vermischt.
Von den knapp 3,5 Millionen Einwohnern sind 83,5 % Litauer, 6,75 % Polen, 6,3 % Russen, 1,2 % Weißrussen und 0,65 % Ukrainer (Zensus des Statistischen Amtes Litauens vom April 2001).
Sprachen
- Litauisch ca. 2.694.000 Sprechende
- Russisch ca. 344.000
- Polnisch ca. 258.000–400.000
- Weißrussisch ca. 63.000
- Ukrainisch ca. 45.000
- Tatarisch ca. 5.100
- Lettisch ca. 5.000
- Karaimisch < 300
Das Litauische ist eine der ältesten Sprachen Europas, es gehört zum Stamm der baltischen Sprachen, die bis auf das Litauische und Lettische ausgestorben sind und soll der Indoeuropäischen Ursprache von allen noch lebenden Sprachen am ähnlichsten sein.
Religion
Der Großteil der Litauer sind römisch-katholisch 79%, etwa 4.1% sind russisch-Orthodox, Protestanten machen in etwa 1.9% aus.
Persönlichkeiten
Liste bedeutender Litauer
Geschichte
Siehe Geschichte Litauens
Politisches System
Staatsorganisation
Litauen ist eine parlamentarische Demokratie mit präsidialer Herrschaft.
Hauptstadt und Regierungssitz der Republik Litauen ist Vilnius. Nach Verfassung ist die Republik Litauen eine demokratische und rechtsstaatliche Republik. Es gibt 10 Verwaltungsbezirke ( Landkreise), die wiederum in Bezirke (Stadtverwaltungen und Landgemeinden) untergliedert sind. Die staatliche Ordnung regelt die Verfassung Litauens.
Präsident
Staatsoberhaupt ist der Präsident mit repräsentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Parlamentsvorsitzende Seimas', der Ministerpräsident, die gemäß der Verfassung in Abwesenheit des Präsidenten die Republik Litauen (im Inland) leiten und bzw. gegenüber den ausländischen Staatsgästen vertreten können.
Parlament
Als Einheitsstaat ist Litauen einheitlich organisiert. Es gibt aber zwei Ebenen im Politischen System: die staatliche (nationale) Ebene, die den Gesamtstaat Litauen nach außen vertritt, und die Gemeindeebene, die in jeder Landesgemeinde einzeln existiert.
Jede Ebene besitzt eigene Institutionen der Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt (Seimas) oder Satzungbefugnis (Landesgemeinden). Die nationale Ebene besitzt auch Judikative (rechtsprechende Gewalt) auf dem gesamten Staatsgebiet.
Siehe auch: Gewaltenteilung
Seimas Litauens entscheidet über die Gesetze der Republik und hat die Befugnis mit Zweidrittelmehrheit die Verfassung zu ändern. In den Landesgemeinden entscheiden die Gemeinderäte (Gemeinderat über die Satzungen ihrer Gemeinde. Die Abgeordneten des Parlaments (Seimo nariai) und Mitglieder der Gemeinderäte (savivaldybes tarybos nariai) nach der Verfassung sind nicht weisungsgebunden. Vorentscheidungen in den Parteien dominieren die Gesetzgebung.
Weblinks:
[http://wwwdb.europarl.eu.int/ep6/owa/p_meps.short_list?ilg=EN&ictry=LT Current List of MEPs from Lithuania]
Die Exekutive bildet auf Nationalebene die Regierung, die durch den Ministerpräsident geleitet wird. Auf der Ebene der Landesgemeinde leitet der Bürgermeister die Exekutive (Vorstand der Landesgemeinde).
Regierung
Der Regierungschef Litauens ist der Ministerpräsident. Er besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Regierung.
Die Verwaltung Litauens wird jeweils durch die Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze des Ministeriums und anderer Behörden wie Departamente, Inspektionen, Ämter (Finanzamt, Steuerinspektion (Valstybinė mokesčių inspekcija).
Verwaltungsgliederung
Finanzamt
Litauen besteht aus 10 Distrikten, Landkreisen (lit.: apskritys, Singular: apskritis), die jeweils nach ihrer Hauptstadt benannt sind (in Klammern Verwaltungssitze und geographische Lage):
Die zehn Distrikte werden schließlich in Bezirke unterteilt. Einige Städte gehören keinem dieser Bezirke an, sondern bilden einen eigenständigen Stadtbezirk.
Lobby
Verbände im politischen System spielen eine nicht so wichtige Rolle wie in anderen Ländern (Deutschland, Frankreich). Die Gewerkschaften haben sehr geringe Bedeutung im politischen und sozialen Leben.
Die Lobbyarbeit realisiert man durch private, gesellschaftliche (e.V.) und andere Bekanntschaften, um wichtige Entscheidungen in die Richtung ihrer Interessen zu beeinflüssen. Litauen ist ein kleines Land, wo verschiedene öffentliche und private Tätigkeiten manchmal den Bezug aufeinander haben. Die Zulässigkeit dieser Tätigkeiten ist nicht unumstritten und unterliegt häufiger Kritik insbesondere der durch solche Lobbyarbeit jeweils negativ betroffene öffentliche Interessen.
Parteienlandschaft
- Darbo partija (DP) Arbeitspartei
- Liberalų ir Centro Sąjunga (LiCS) (Liberale)
- Liberaldemokratų partija (LDP) (Freiheitliche)
- Lietuvos Krikščionys Demokratai (LKD) (Christdemokraten)
- Valstiečių ir Naujosios demokratijos partijų sąjunga (VNDS) (Bauernpartei)
- Lietuvos Socialdemokratų Partija (LSDP) (Sozialisten)
- Naujoji Sajunga - Socialliberalai (NS) (Sozialliberale)
- Tėvynės Sąjunga (TS), Vaterlandsunion (Konservative)
Insgesamt ist es sehr schwierig, die litauische Parteienlandschaft auf die in Westeuropa gängigen Muster fest zu legen. Die Parteien haben - mit Ausnahme vielleicht der Konservativen und der Sozialdemokraten keine wirkliche Tradition und sind in der Festlegung ihrer praktischen Positionen sehr viel mehr von ihren politischen Führungskräften und deren persönlichen Interessen abhängig als von Parteiprogrammen oder festen ideologischen Ansichten. Einige Parteien dürfen sogar als Gründungen gelten, allein zu dem Zweck, Einzelpersonen eine Parteiplattform zu bieten: etwa die Liberaldemokraten (Rolandas Paksas) oder die erst 2003 gegründete Arbeitspartei (Viktoras Uspaskichas).
Vereinfachend kann gesagt werden, dass fast alle Parteien ein marktwirtschaftliches Konzept verfolgen, am offensten die Liberalen, mit Einschränkungen Sozialdemokraten, Arbeitspartei und Liberaldemokraten. Die Konservativen und die Liberalen finden ihre Wählerschaft eher unter den Gebildeten und "Gewinnern" der letzten zehn Jahre, während Sozialdemokraten, Arbeitspartei und Liberaldemokraten mit populistischen Versprechungen bei der einfachen Bevölkerung um Unterstützung werben/warben, die vielfach in den letzten Jahrn wenig vom Wirtschaftsaufschwung profitiert hat. Nach der Affäre um den ehemaligen Präsidenten Paksas ist ein großer Teil seiner Wählerschaft zur neu gegründeten Arbeitspartei übergelaufen. Paksas nahm einen großen Teil der Wählerschaft für sich ein, indem er versprach, ihre Interessen, die Interessen der "runkeliai" ("Rüben"), wie sie von der herrschenden Elite genannt würden, zu verteidigen.
In den letzten Jahren ist eine gewisse Konsolidierung innerhalb der Parteienlandschaft fest zu stellen, die in Fusionen ihren Ausdruck findet, um die Wahlaussichten zu verbessern (so etwa die Fusion von Liberaler Union und Zentrumspartei zur Liberalen und Zentrumsunion im Jahr 2003).
Außenpolitik
Litauen ist Mitglied vieler internationalen Organisationen.
Die wichtigsten Leitlinien litauischer Außenpolitik sind die Westbindung, die transantlantische und europäische Integration, regionale Stabilität in Europa.
Während des Konfliktes um die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine im November/Dezember 2004 engagierte sich der litauische Präsident Valdas Adamkus mit polnischem Präsidenten Aleksander Kwaśniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien, während die baltische, polnische Öffentlichkeit und die Medien in noch nie dagewesenem Ausmaß Solidarität mit Wiktor Juschtschenko übten.
Seit dem 29. März 2004 ist Litauen Mitglied der NATO und seit dem 1. Mai 2004 Mitglied der EU. Es wird am 1. Januar 2007 voraussichtlich Mitglied der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und am 1. Januar 2008 dem Schengener Raum beitreten.
Sicherheitspolitik
Zentraler Aspekt für die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der Litauen 2004 beitrat.
Weblinks:
http://www.urm.lt
Militär
Teilnahme an Internationalen Friedensaktionen in Kosovo, Afghanistan, Kooperationen mit der NATO (BALTRON) mit den benachbarten baltischen Staaten (BALTBAT) und mit Polen, LITPOLBAT ( 780 Männer Bataillon mit Stabs-HQ in Orzysz, Polen).
Bei der Minensuche (Ostsee) arbeiten die Streitkräfte Litauens eng mit Belgien, Estland, Frankreich, Deutschland, Lettland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien zusammen.
Weblinks:
- http://www.kam.lt
- http://www.globaldefence.net
- http://www.globaldefence.net/deutsch/europa/litauen/litauen.htm
Recht
Geschichte
- Verfassung vom 3. Mai 1791 der litauisch-polnischen Realunion Rzeczpospolita gilt als die älteste geschriebene Verfassung Europas.
- Statuten Litauens: Rechtskodifikation des litauisch-polnischen Staates im XVI Jh.
Das 16. Jahrhundert war eine kulturelle Blütezeit. 1529, 1566 und 1588 wurden 3 Statuten Litauens ausgearbeitet. Sie zeugen von einer reifen Rechtskultur. Das letzte Statut von 1588 galt auf dem Gebiet des ehemaligen Großfürstentums Litauen sogar im XIX Jh., obwohl der Staat schon längst von der europäischen Landkarte verschwunden war.
Gerichtswesen
Das Verfassungsgericht wacht über die Einhaltung der Verfassung. Die Obersten Gerichtshöfe Litauens sind der Oberste Gericht 'Aukščiausiasis Teismas' (allgemeine Gerichtsbarkeit), das Oberste Verwaltungsgericht in Vilnius 'Vyriausiasis Administracinis Teismas' (verwaltungsrechtliche Gerichtsbarkeit). Der absolute Großteil der Rechtsprechung liegt in der Verantwortung der nationalen Gerichte.
Die höchsten Gerichte sind immer nur Revisionsinstanz (Kassationsinstanz) und prüfen die Entscheidungen der nationaler Gerichte (Bezirksgerichte und Amtsgerichte) auf formelle Rechtmäßigkeit.
Der Appelationshof und Bezirksgerichte prüfen die Entscheidungen auf formelle und materielle Rechtmäßigkeit (als Tatsacheninstanz).
Siehe auch: Grundgesetz.
Infrastruktur
Energie
In Litauen wird etwa 80 Prozent der nötigen Elektrizität durch das Kernkraftwerk Ignalina (Bautyp: Leichtwasserreaktor wie auch in Tschornobyl) produziert. Damit hat Litauen neben Frankreich momentan (Anfang 2005) den höchsten Prozentsatz an Atomstromproduktion der Welt. Nach der Abschaltung des ersten Reaktors zu Jahresbeginn 2005 soll allerdings auch der zweite (und letzte) Reaktor wegen der EU Verpflichtungen bis 2009 vom Netz.
Danach wird Litauen vom Energieexporteur zum Energieimporteur. Eine Modernisierung und Vollauslastung bestehender Kohle-/Erdölkraftwerke und Wasserkraftwerke soll allerdings den Großteil des Energiebedarfs decken können.
Erneuerbare Energien werden auch grössere Rolle spielen. Es gibt viel Potenzial bei der Energieerzeugung aus Biomasseanlagen (33 % Territorium Litauens sind Wälder).
Verkehr
Frankreich
Litauen verfügt über eine große Bedeutung als Transitland zwischen Mitteleuropa und Nordeuropa, zwischen der Oblast Kaliningrad und dem russischen Kernland sowie zwischen Weißrussland und Skandinavien. Die Hauptstadt Vilnius befindet sich aufgrund ihrer Nähe zur stark abgeriegelten EU-Außengrenze nach Weißrussland in einer Art "totem Winkel". Daher hat die zweitgrößte Stadt Kaunas in verkehrsplanerischer Hinsicht eine größere Bedeutung für Litauen als Vilnius.
Straße
Litauen verfügt über ein im Ausbau begriffenes Straßennetz mit den Autobahnverbindungen (Autobahnen haben in Litauen keine eigenständige Nummerierung, werden jedoch grün beschildert, während Landstraßen blau beschildert werden) Wilna–Kaunas–Klaipėda und Wilna-Panevėžys sowie der Fernstraße E67 "Via Baltica" von Warschau über Kaunas und Riga nach Tallinn bzw. Helsinki, die langfristig zur Vollautobahn ausgebaut werden soll. Litauen besitzt außerdem eine wichtige Funktion als Erdöl-Transitland.
Schifffahrt
In Klaipeda befindet sich ein wichtiger Seehafen mit Fährverbindungen in den gesamten Ostseeraum (u. a. nach Kiel und Sassnitz) und zunehmender Bedeutung für den Frachtverkehr. Daneben ist die Memel für die Binnenschifffahrt befahrbar.
Fluglinien
Litauen hat 4 internationale Flughäfen. Sie befinden sich in Vilnius, Karmėlava (in der Naehe von Kaunas), Palanga und Zokniai (Šiauliai).
Der Flughafen Vilnius wird von vielen internationalen Fluggesellschaften angeflogen. Auch Billigfluge sind auch aus deutschen Städten wie Frankfurt (Main), Hahn (ab 2006), Berlin, Hamburg, München, Dortmund, Köln möglich (mit AirBaltic, LAL).
Eisenbahn
Bei Šeštokai/Suwalki (PL) befindet sich ein Eisenbahn-Grenzübergang nach Polen, der infolge der politischen Situation in Weißrussland wiedereröffnet wurde, da die wichtigste Alternativstrecke über weißrussisches Gebiet verläuft. Seit 2004 ist allerdings der zweitägliche Nachtzug von Warschau nach Vilnius eingestellt, es fährt nurmehr an wenigen Tagen im Jahr ein Zug zur Grenze, wo dann umgestiegen werden muss. Litauens Eisenbahn verkehrt (wie in der gesamten ehemaligen Sowjetunion und in Finnland) auf einer Spurweite von 1.524 mm (Mitteleuropa: 1.435 mm), weswegen die Züge von Polen ins Baltikum umgespurt werden müssen. Hierzu werden teilweise moderne Umspursysteme wie das polnische SUW-2000-System verwendet.
Siehe Lietuvos Geležinkeliai
Überlandbusse
Für die nationale und internationale Personenbeförderung spielt aber der Autobusverkehr (z.B. Eurolines oder Ecolines) die entscheidende Rolle.
Wirtschaft
Mit dem Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft ist in Litauen ein struktureller Wandel verbunden. Dieser hat sich seit dem Beitritt des Landes zur EU im Jahr 2004 verschärft. Der befürchtete Niedergang der Landwirtschaft durch den bisher dominierende Agrarsektor wegen mangelnder Produktivität und fehlender Konkurrenzfähigkeit, aber auch wegen des ohnehin in der EU stark subventionierten Angebots, blieb allerdings aus.
Der Wegfall der Agrarzölle der EU für das Land machten Bauern und Lebensmittelindustrie Litauens zu Gewinnern der EU. So entwickelten sich z. B. Milchprodukten zu einem wichtigen Exportartikel (nach osteuropäische Länder).
Aufgrund eines beachtlichen wirtschaftlichen Wachstums seit 2001 (9,5% 2003) ist die Arbeitslosigkeit in Litauen schon unter der Grenze der natürlichen Arbeitslosigkeit und liegt z. Zt. bei 3,9 % (Oktober 2005).
Das grösste ökonomische Problem ist die grosse Abhängigkeit des Landes von transnationalen Energiekonzernen, von Investitionsentscheidungen der ausländischen Untermehmen, die mangelnde Kaufkraft der litauischen Haushalte aufgrund sehr geringer Löhne. Darum kann der Abbau von Industriearbeitsplätzen durch neue Dienstleistungsarbeitsplätze nur stufenweise kompensiert und erweitert werden. Zahlreiche Reformen sind nach Meinung der Wirtschaftsexperten (Institut für freien Markt, Free Market Institut) notwendig. Der Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft Litauens ist bisher noch nicht komplett verwirklicht.
Die Zukunft Litauens ist klar. Durch Integration in die transatlantische Strukturen (NATO, EU, Europarat, Ostseerat) nimmt die Bedeutung der Beziehungen zu westlichen Staaten zu. Zur Zeit deutet vieles darauf hin, dass das Land z. B. beim Durchschnittseinkommen auf lange Zeit keinen Anschluss an das westeuropäische Wohlstandsniveau finden wird.
Die Funktion als "verlängerte Werkbank" Westeuropas könnte ihm schon bald durch die EU Beitrittsländer streitig gemacht werden, in denen die Löhne noch niedriger sind (Rumänien, Bulgarien, Kroatien).
Wichtigste Exportartikel Litauens sind Maschinen, Elektroartikel, Textilien. Wichtigste Handelspartner sind die EU-Staaten, vor allem Deutschland (10 %), Lettland (9,1 %), Frankreich.
BIP
Seit der Überwindung der Russlandkrise von 1998/99 boomt die Wirtschaft aller drei baltischer Staaten. In Litauen lag der Zuwachs des BIP (real) jährlich bei über 6 %, zuletzt (2004) bei 6,7 %. Das BIP erreichte damit 17,9 Mrd. €. Daraus ergibt sich ein Pro-Kopf-BIP von 5.218 € (Deutschland: 26.400 €).
Staatsschulden
Staatsschulden betragen (November 2005) 11,8 Mrd. Litas (za. 3,6 Mrd. Eu). Das ist 17,2 % des BIP (2005).
Direktinvestitionen
Die Bedeutung des EU-Beitritts für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist sehr groß. Die ausländischen Direktinvestitionen machen mit 4,7 Mrd. € (I. Quartal 2004) fast ein Drittel des jährlichen Wirtschaftsprodukts aus. Deutsche Unternehmen liegen mit einer Investitionssumme von 416 Mio. € hinter Dänemark und Schweden auf Rang 3 (10 % aller Investitionen). Große Investoren sind u. a.
: - Telekommunikation:
::TeliaSonera (S/SF): Anteile an Lietuvos Telekomas (590 Mio. €, 2002) und an Omnitel
::TDC (DK): Bitė GSM
::Tele 2 (S)
: - Finanzwesen:
::Hansapank (EE-SF): Hansabankas
::Nord/LB (D): Nord/LB Lietuva
::SEB (S): Vilniaus Bankas
::Ergo (D/Versicherung)
: - Nahrungs- und Genussmittel
::Philip Morris (USA, Zigaretten)
::Carlsberg/Scottish-Newcastle über Baltic Breweries Holding (DK-UK/Brauerei): Anteile an Švyturys-Utenos
::Danish Brewery Group (DK/Brauerei): Anteile an Kalnapilis-Tauras
::Danisco (DK/Zucker)
::Mars (USA/Tierfutter): Masterfoods
::KraftFoods (USA/Süßwaren)
::Coca-Cola (USA/Limonaden)
: - Energie
::E.on, Ruhrgas und Gazprom (D und RU/Gas): Anteile an Lietuvos Dujos (Gasversorger)
::Vattenfall (S): Anteile an Lietuvos Energija (Stromversorger)
::Yukos (RU/Erdöl): Anteile an Mažeikių Nafta (Raffinerie)
::Statoil (N/Erdöl): Statoil Lietuva (Tankstellen)
Handel
Die Exporte belaufen sich auf 7,89 Mrd. €, die Importe auf 9,2 Mrd. €. Der Außenhandel (Exporte wie Importe) hat sich damit seit 1995 verdoppelt. Das Handelsdefizit erreicht 1,31 Mrd. €, hat sich aber im Vergleich zu den Jahren der Russlandkrise, als die Absatzmärkte im Osten wegbrachen, deutlich verringert.
Hauptexportländer sind die Schweiz (Sonderfall durch Erdölexporte über Handelsfirmen mit Sitz in der Schweiz), Russland und Deutschland, wohin 10 % der Exporte gehen. Nach Russland gehen heute nur noch 10 % der Exporte - 1996 waren es noch knapp 25 %. Haupteinfuhrländer sind Russland (22 %, v. a. Rohstoffe) und Deutschland (16 %).
Staatsbudget und -defizit / Inflation
Das staatliche Budget betrug (2004) 4,2 Mrd. €. Das Wahljahr 2004 hat mit 596 Mio. € ein neues Rekorddefizit (3,3 %) markiert (Vorjahre: um die 2 %). Die Inflationsrate liegt beständig niedrig, seit 2000 bei unter 1 %, erst der EU-Beitritt führte zu einer Inflationsrate von etwa 3 %.
Liste mit Personen und Unternehmen zur litauischen Wirtschaft
- Achemos grupė, Chemiekonzern, Präsident Bronislavas Lubys, www.achemosgrupe.lt
- Algos grupė, UAB Koncernas "Alga", Präsident Andrius Linkus, http://www.alga.lt
- Rubicon group, UAB „Rubicon group“, Präsident Andrius Janukonis, http://www.rubicongroup.lt
- MG Baltic, Präsident Darius Mockus, www.mgbaltic.lt
- LIBRA GROUP, Präsident Tomas Juška, http://www.libragroup.lt
- SBA, Koncernas UAB SBA, Präsident Arūnas Martinkevičius, www.sba.lt
- SONEX,UAB „Sonex Holding“, IT Konzern, Präsident Arūnas Bartusevičius, www.sonex.lt
- Vakarų Lietuvos pramonės ir finansų korporacija, AB "Vakarų Lietuvos pramonės ir finansų korporacija", Präsident Antanas Bosas, http://www.vlpfk.lt
- VIKONDA, Koncernas UAB "Vikonda", Präsident Viktor Uspaskich, www.vikonda.lt
- VP MARKET, UAB „VP MARKET“, Handelskonzern, Präsident Nerijus Numavičius, http://www.vpmarket.lt
Produktionszweige
Wichtige Zweige der Industrie sind
- Maschinenbau und Fahrzeugtechnik: AB "GRAŽTAI" in Vilnius, Rokiškio mašinų gamykla in Rokiškis (Landmaschinen), Vienybė in Ukmergė, Vilma in Vilnius
- Elektrogeräteherstellung: Snaigė in Alytus (Kühlschränke), Ekranas in Panevėžys (Bildröhren), Tauras in Šiauliai (Fernseher)
- Metallprodukte: Vilmeta in Vilnius
- Erdöl und Erdölverarbeitung: Mažeikių Nafta in Mažeikiai und Butingė, Geonafta in Gargždai
- Holzverarbeitung und Möbelherstellung / Papier: Vilniaus Baldai in Vilnius, Kauno Baldai in Kaunas, Venta in Šiauliai sowie Klaipėdos Mediena in Klaipėda, die fast ausschließlich für den schwedischen Konzern IKEA produzieren, Grigiškės in Vilnius (Papier)
- Glas und Keramik: Dvarčionių Keramika in Vilnius, Panevėžio Stiklas in Panevėžys
- Textilindustrie: Alytaus Tekstilė in Alytus, Audejas in Vilnius, Drobė in Kaunas, Kauno audiniai in Kaunas, Linas in Panevėžys (Leinen), Utenos Trikotažas in Utena, Korelita in Kaunas (Chemiefasern), Vernita in Marijampolė (Garne)
- Nahrungsmittelindustrie:
:Milchprodukte (insbes. Käse): Žemaitijos Pienas in Telšiai, Pieno Žvaigždės in Vilnius (auch Eiscreme), Kauno pieno centras in Kaunas, Klaipėdos Pienas in Klaipėda, Rokiškio Sūris in Rokiškis
:Bier: Utenos-Švyturys in Utėna und Klaipėda, Kalnapilis in Kaunas, Gubernija in Šiauliai
:Spirituosen und Sekt: Alita in Alytus, Anykščių vynas in Anykščiai, Sema in Panevėžys, Stumbras in Kaunas, Vilniaus Degtinė in Vilnius
:Konserven: Vikonda in Kėdainiai
:Fleischwaren: Krekenavos Agrofirma im Bezirk Kėdainiai, Utenos Mėsa in Utena, Vilniaus Paukštynas in Vilnius
:Zucker: Danisco Sugar in Kėdainiai und Panevėžys
:Zigaretten: Philip Morris in Klaipėda
:Süßigkeiten: KraftFoods in Kaunas, Naujoji Ruta in Šiauliai, Vilniaus Pergalė in Vilnius
- elektronische Komponenten: Vilniaus Vingis in Vilnius, Sigma in Vilnius (Telefone)
- Düngemittel: Achema in Jonava, Lifosa in Kėdainiai
- Kunststoffprodukte: Plasta in Vilnius
- Schiffbau: Baltija, Klaipėdos laivų remontas, Laivitė und Vakarų laivų gamykla in Klaipėda
Die Land- und Forstwirtschaft trägt noch gut 5 % zum BIP bei.
Kultur
Kulturelle Übergangszone
Kulturell befindet sich Litauen in einer Übergangszone. Wird der Westen des Landes nahe der Ostsee durch die hanseatisch-nordeuropäischen Traditionen mit starken deutschen, dänischen und schwedischen Einflüssen geprägt (Backsteingotik, Fachwerkhäuser), überwiegen im Osten um die Hauptstadt Vilnius polnische Kulturelemente. Durch den römischen Katholizismus der Bevölkerung fanden vor allem in der Architektur viele italienische Einflüsse Eingang in die litauische Kultur (Renaissancekathedrale von Vilnius).
Vilnius wird die erste Stadt aus den neuen EU Ländern sein, die EU-Kulturhauptstadt 2009 sein wird. Das ist auch ein Signal, dass man auf ein geistiges und kulturelles Zusammenwachsen und Zusammenarbeit im Baltikum wartet oder man sie sich zumindest wünscht.
UNESCO-Weltkulturerbe
Die barocke Altstadt von Vilnius ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, ebenso wie die Dünen auf der Halbinsel Kurische Nehrung (Neringa) und die archäologische Stätte Kernavė.
Altstadt Vilnius
Museen
Teufelsmuseum
In der litauischen Mythologie und als Symbol im Alltagsleben spielt der Teufel eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zur mitteleuropäischen Vorstellungen gilt er nicht als die Verkörperung des absolut Bösen, sondern mehr als eine Art Trickster, der den Menschen auch hilft. Deshalb finden sich in der Öffentlichkeit verhältnismäßig viele Teufels-Statuen und -Abbildungen, in Kaunas gibt es ein Teufelsmuseum und in Juodkrante (Neringa) einen Hexenberg.
Bernstein
Das Bernsteinmuseum in der Kurortstadt Palanga an der Ostsee, im Schloss von Grafen Tiskevicius bietet unikale Kollektionen des Bernsteins.
Symbole und Heilige Litauens
Vytis
Als nationales Symbol für Litauen gilt Vytis (vom Wort 'vyti', 'vytis'=überrennen). Es ist auf dem Staatswappen dargestellt. Vytis symbolisiert den litauischen Reiter (Ritter), der die Heimat gegen die Feinde verteidigt. Das litauische Wappen stammt ursprünglich aus dem Jahr 1366 und ist somit eines der ältesten Staatswappen in Europa.
Rūpintojėlis
Schmerzensmann (Schmerzensmensch) ist der Name einer hölzernen Skulptur von Jesus Christus, der nachdenklich (manche behaupten melancholisch) sitzt und mit der rechten Hand den Kopf hält. Solche Skulpturen sind von mehreren litauischen Holzmeistern gebaut. Rūpintojėlis kann man in ganzem Litauen am Stadtrand, an vielen Wegen (besonders in den Dörfern) und in einzelnen Siedlungen, Kirchen, Friedhöfen finden. Als Souvenire kann man kleine Skulpturen in vielen litauischen Galerien kaufen (insbes. Pilies Strasse), Altstadt Vilnius.
Kryžių Kalnas
Der Kryžių Kalnas ("Berg der Kreuze") befindet sich bei der Stadt Šiauliai. Er symbolisiert den Kampf gegen Sowjetmacht und Okkupation, Sowjetisation und Russifikation.
Bernstein
Bernstein symbolisiert die Ostsee und die hier ansässigen baltischen Stämme seit tausenden Jahren vor Christi Geburt.
Storch
Der weisse Storch (baltasis gandras) gilt als Nationalvogel Litauens. Ihn kann man häufig in vielen Wiesen, Dörfern, sogar in privaten Siedlungen (Netz am Dach des Hauses) finden. Er gilt als Symbol des Glücks.
Leine
Nationalpflanze; Leinen(tracht,-tücher) waren und sind noch sehr populär.
- http://www.jurate.de
Kazimieras
Casimir (Kasimir) war der litauische Nationalheilige und Sohn eines Fürsten. Kasimirs Messe (Kaziuko mugė) findet jedes Jahr am Wochenende vor dem 3. März in der Altstadt von Vilnius statt. Hier versammeln sich Handwerke von ganz Litauen und verkaufen ihre Werke, Erzeugnisse und demonstrieren alte Künste und Gewerbe.
Sport
Basketball ist der Nationalsport und auch 'Nationalreligion' in Litauen. Bereits 1937 und 1939 konnte Litauen die Europameisterschaften in dieser Sportart gewinnen. Diese Tradition fand ihre Fortsetzung in der sowjetischen Zeit als litauische Spieler immer wieder Teil der UdSSR-Auswahlteams waren.
Bekannte Namen sind Kazys Petkevičius, Modestas Paulauskas, Sergėjus Jovaiša, Arvydas Sabonis, Rimas Kurtinaitis und Šarūnas Marčiulionis.
Bei den ersten Olympischen Spielen nach der wieder erlangten Unabhängigkeit konnte das litauische Basketballteam der Herren 1992 in Barcelona überraschend Bronze gewinnen, ein Erfolg der 1996 und 2000 wiederholt werden konnte. Im Halbfinale brachte man sogar das Dream Team der USA erstmals an den Rand einer Niederlage. Nach Silber 1995 wurde die neue Generation um Šarūnas Jasikevičius und Arvydas Macijauskas 2003 Europameister. Bei den Olympischen Spielen 2004 gewannen die Litauer souverän die Vorrunde und besiegten das Team der USA, verloren dann aber überraschend das Halbfinale gegen Italien und wurden nach einer Niederlage gegen die USA Vierter.
Andere Mannschaftssportarten fristen demgegenüber ein Schattendasein. Das größte Fußballstadion des Landes in Kaunas fasst gerade einmal 20.000 Zuschauer.
Bei den olympischen Sportarten hat Litauen eine Tradition guter Werfer (Romas Ubartas und Virgilijus Alekna) sowie Radfahrer und Ruderer.
siehe auch: Liste der olympischen Medaillengewinner aus Litauen
Tourismus
Litauen bietet sowohl für den kulturell interessierten Reisenden mit seiner spektakulären Architektur, Kirchengeschichte, jüdischen Geschichte, Hinweisen auf die deutsche und die sowjetische Besatzung, Teufel-Symbolik, als auch für den Strandurlauber mit teilweise menschenleeren und sehr schönen Sandstrände auf der Kurischen Nehrung und bei Palanga, und für den Naturliebhaber mit hunderten unberührter Seen, unverbauten Flüssen für Kanutouren viele Anreize. Zudem ist das Reisen und Leben in Litauen vergleichsweise billig: die Preise für Bus- und Taxifahrten sind sehr gering mit beispielsweise 1 LTL (= 30 Euro-Cent) pro km für eine Taxifahrt. Ähnliches gilt für die Gastronomiebetriebe. Auch Hotels sind billiger als in Deutschland. Kreditkarten werden fast überall akzeptiert, die Akzeptanz ist größer als in Deutschland.
Siehe auch: Tourismus in Litauen
Weitere Themen
- Liste bedeutender Litauer
- Portal:Litauen
Weblinks
- [http://www.litauen.li/ Schweizerisches Internetportal für Litauen] auf Deutsch
- [http://www.lietuva.lt/ Zentrales Internetportal] auch auf Deutsch
- [http://amb.urm.lt/vokietija/ambtopmenuitems.php?TopMenuID=986&LangID=7&SiteID=62 amb.urm.lt] Litauische Botschaft in Berlin
- [http://www.litauischeskulturinstitut.de/ litauischeskulturinstitut.de] Litauisches Kulturinstitut in Hüttenfeld, Hessen
- [http://daugenis.mch.mii.lt/alka/foje.en.htm daugenis.mch.mii.lt] virtuelle Ausstellung litauischer Kultur (englisch)
- [http://www.uni-graz.at/franz.koelbl/litauen/ www.uni-graz.at/franz.koelbl/litauen] Bilder und Erlebnisse einer Reise nach Litauen
- [http://astrid-kaiser.de/gallery/lietuva Webfotos Lietuva] Bilder von der Kurischen Nehrung
- [http://www.chrissie.info/litauen/ www.chrissie.info/litauen] Bilder + Reisebericht aus Litauen: Kurische Nehrung, Vilnius, Landschaft
- [http://www.getting-around.de/Reisebericht_Land_Litauen.html Reisebericht aus Litauen]
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Latein
Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Entwicklung
romanischen Sprachen
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des | | |