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| Goiânia |
GoiâniaGoiânia ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Goiás. Sie liegt in Zentralbrasilien auf einer Hochebene etwa 750 Meter über dem Meeresspiegel. Sie hat etwa 1,1 Millionen Einwohner, das Gemeindegebiet umfaßt etwa 750 Quadratkilometer. Die Entfernung zur Hauptstadt Brasília beträgt etwa 200 Kilometer, zum Wirtschaftszentrum São Paulo sind es 950 Kilometer.
Goiânia grenzt im Norden an die Gemeinden Goianira, Nerópolis und Goianápolis, im Süden an Aparecida de Goiânia, im Osten an Bela Vista de Goiás und im Westen an Goianira und Trindade. Durchflossen wird Goiânia vom Fluss Rio Meia Ponte und seinen Zuflüssen, unter welchen namentlich der Ribeirão João Leite.
Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt höhenbedingt 21,9°C. Am kältesten ist es mit 18.8°C bis 21.0°C zwischen Mai und August. Die tiefste je gemessene Temperatur beträgt 1.2° im Monat Juli. Der Frühling ist die heisseste Jahreszeit mit Mittelwerten zwischen 29°C und 32°C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 1487,2mm.
Goiânia ist eine der geplanten Städte Brasiliens. Ihr Grundstein wurde am 24. Oktober 1933 gelegt, schon mit dem Ansinnen, aus ihr die spätere Hauptstadt des Bundesstaates Goiás zu machen. Bis dahin war die Barockstadt Goiás Velho Hauptstadt des Staates.
Die durch Pedro Ludovico geplante und durch Atílio Correia Lima verwirklichte Stadt gehört heute zu den brasilianischen Städten mit der besten Lebensqualität. Von den 1100 Hektar verbauter Fläche sind 375 Hektar begrünt.
Sehenswürdigkeiten:
- Palácio das Esmeraldas
- Torre do Relógio
- Teatro de Goiânia
- Zoo
- Bosque dos Buritis
- Museu Estadual Professor Zoroastro Artiaga
Der Flughafen von Goiânia heißt Santa Genoveva; daneben hat die Stadt einen riesigen Busterminal, der einer der wichtigsten Knotenpunkte für Linienbusse in Brasilien ist.
Goiânia wird von Bürgermeister Iris Rezende regiert. Das städtische Verwaltungszentrum (Centro Administrativo Municipal) befindet sich in der Av.do Cerrado, nº 999, Parque Lozandes, CEP: 74884-092.
Weblink
- [http://www.goiania.go.gov.br offizielle Homepage der Stadt Goiânia]
Kategorie:Ort in Brasilien
Kategorie:Hauptstadt eines brasilianischen Bundesstaates
Brasilien
Brasilien (portugiesisch Brasil) ist der fünftgrößte Staat der Erde und der bevölkerungsreichste Südamerikas. Er nimmt über die Hälfte des Kontinents ein. Das Land grenzt (von Nordosten gegen den Uhrzeigersinn) an Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Paraguay, Argentinien, Uruguay und den südlichen Atlantik. Damit hat es mit jedem südamerikanischen Land außer Chile und Ecuador eine direkte Grenze.
Geographie
Ecuador
Brasilien ist geprägt durch die ausgedehnten Regenwälder des Amazonas-Tieflands im Norden und Hochebenen, Hügeln und Gebirge im Süden. Während die landwirtschaftliche Basis des Landes in den Savannengebieten des Mittelwestens liegt, lebt der Großteil der Bevölkerung in der Nähe der Atlantikküste, wo sich auch fast alle Großstädte befinden.
Wichtige Städte
Atlantik
Atlantik
Die größten Städte sind São Paulo mit ca. 19 Mio. Einwohnern, Rio de Janeiro mit ca. 6 Mio. Einwohnern, Salvador da Bahia mit ca. 2,7 Mio. Einwohnern, Belo Horizonte und Fortaleza mit je 2,3 Mio. Einwohnern und Brasília mit 2,2 Mio. Einwohnern. Die Einwohnerzahlen beziehen sich jeweils auf die Großräume.
São Paulo ist die größte Stadt Südamerikas und der wirtschaftliche Motor Brasiliens. Als industrielles Zentrum des Landes zieht die Stadt kontinuierlich Einwanderer an, sodaß sich die Zahl der Einwohner innerhalb von 40 Jahren verdoppelte. Die rapide Bevölkerungsentwicklung brachte ihr eine vorrangige Stellung in Bezug auf Finanzen, Kultur und Wissenschaft ein, aber auch Verkehrsprobleme, Umweltverschmutzung und Kriminalität.
Rio de Janeiro war fast 200 Jahre lang Hauptstadt Brasiliens, bis sie diesen Status 1960 an Brasília abgeben mußte. Es ist die wohl bekannteste Stadt des Landes. Bei Touristen ist sie beliebt wegen des Karnevals und der Strände, die zu den schönsten der Welt zählen. Der Tourismus hat in Rio einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, aber auch produzierende Industrie ist in der Stadt beheimatet. Abseits der Urlaubszentren hat die Stadt mit den typischen Problemen einer Großstadt zu kämpfen, vorrangig mit Kriminalität und Armut großer Bevölkerungsteile.
Die Hauptstadt Brasília wurde in den 1960er Jahren innerhalb von drei Jahren erbaut. Es handelt sich um eine klassische Planhauptstadt. Sie wurde von Lúcio Costa im Auftrag des damaligen Präsidenten Kubitschek entworfen, Oscar Niemeyer entwarf die Regierungsgebäude. Brasília sollte ursprünglich als glänzendes städtisches Vorbild dienen. Allerdings ging die Entwicklung in wichtigen Punkten nicht so voran, wie es die Pläne vorsahen, und so ist Brasília in den äußeren Bezirken mittlerweile ebenfalls von Favelas geprägt. Heute hat die Stadt knapp 200.000 Einwohner, die Metropolregion zählt etwa 2,2 Millionen Menschen.
Höchste Berge
Der höchste Gipfel Brasiliens ist der 3.014 m hohe Pico da Neblina, der 1965 zum ersten Mal bestiegen wurde. Wie auch der zweithöchste Berg, der Pico 31 de Março (2.992 m), liegt der Pico da Neblina im gleichnamigen Nationalpark nahe der Grenze zu Venezuela und Guyana. Der Pico da Bandeira (2.891 m) wurde früher für den höchsten Berg des Landes gehalten, da er nicht im lange Zeit nur wenig erforschten Regenwald, sondern im eher dicht besiedelten Südosten liegt. Er gilt durch seine Besiedlung als bestbesteigbarster Berg Brasiliens. Berühmter noch ist der Corcovado, der mit seinen 710 m einen spektakulären Blick über Rio de Janeiro bietet. Auf ihm steht die 30 m hohe Erlöser-Statue.
Gewässer
Der mit Abstand wichtigste Fluss Brasiliens ist der Amazonas, größter und längster Fluss der Erde (zwischen 6850 und 7250 km), mit seinen Nebenflüssen. Die bedeutendsten Zuflüsse sind der Río Purús, der Rio Negro und der Rio Tapajós. Der Paraná (3.998 km) ist vor allem wegen seiner eindrucksvollen Wasserfällen von Iguaçu bekannt.
Siehe auch: Liste der Flüsse in Brasilien
Liste der Flüsse in Brasilien
Die Lagoa dos Patos bei Porto Alegre ist mit über 10.000 km² die größte Lagune Brasiliens und die zweitgrößte Südamerikas. Danach kommt die weniger als halb so große Lagoa Mirim, südlich der Stadt Rio Grande.
Inseln
Die etwa 800 km von der brasilianischen Küste gelegenen Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen, die nur mit einem Leuchtturm bebaut sind, gehören genauso zu Brasilien wie die Fernando de Noronha, die nicht weit von der Felsgruppe entfernt ist. Beide genannten Inseln beziehungsweise Felsen liegen auf dem mittelatlantischen Rücken. Die größte Insel Brasiliens aber liegt im Amazonas: Marajó ist etwa 48.000 km² groß (größer als die Schweiz), da aber große Teile in der Regenzeit überschwemmt sind, ist die Insel nur an einigen Orten besiedelt. Auch die Bananalinsel gehört mit ihrer Fläche (20.000 km²) zu den größten Flussinseln der Welt. Sie liegt in einem Nationalpark im Bundesstaat Tocantins im Fluss Araguay und ist immer noch größer als bespielsweise Jamaika.
Klima
Das Klima Brasiliens, das zwischen 5° nördlicher Breite und 34° südlicher Breite liegt, ist überwiegend tropisch mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen der Temperaturen. Nur im subtropischen Süden herrscht ein gemäßigteres Klima.
Besonders im feuchten Amazonasbecken gibt es reichhaltige Niederschläge, man findet jedoch auch relativ trockene Landstriche mit teilweise lang anhaltenden Dürrezeiten, besonders im Nordosten des Landes.
Im Süden befindet sich an der Grenze zu Bolivien und Paraguay ein ausgedehntes Feuchtgebiet, das Pantanal.
Flora und Fauna
Der tropische Regenwald im Amazonasbecken ist der größte weltweit und beherrbergt etwa 90 % aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Bislang wurden mehr als 1.000 Vogel-, sogar über 3.000 Fischarten entdeckt. Größere Tiere sind der Kaiman, der Flußdelphin und der vom Aussterben bedrohte Flußmanati. Das Brasilianische Bergland im Zentrum und Süden des Landes ist mit Baumsavanne bewachsen, der Nordosten dieser Region mit Laubbäumen durchsetzte Strauchsavanne. Auch das Pantanal weist eine große Tier- und Pflanzenvielfalt auf. Die Sumpfregion im Südwesten Brasiliens steht sieben Monate im Jahr unter Wasser.
Bevölkerung
Pantanal
Demographische Struktur und Entwicklung
Die brasilianische Bevölkerung ist sehr jung. Es sind 26,6 % unter 15 Jahre alt, 67,6 % sind 15 bis 64 Jahre alt und nur 5,8 % über 65. Das mittlere Alter beträgt 27,4 Jahre, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 71,4 Jahren. (Schätzungen für 2004)
81 % der Bevölkerung leben in den Städten, die sich durch rasantes Wachstum und Wildwuchs auszeichnen; in den Außenbezirken bilden sich Favelas genannte Armensiedlungen.
Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in kaum einem Land so groß wie in Brasilien. So erhalten 10 % der Brasilianer etwa 50 % des Einkommens, die ärmsten 50 % im Land müssen mit nur 10 % des Einkommens leben. Etwa 5 Millionen Familien gelten als landlos. Bis 1998 zum Beispiel waren 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen 57 % der gesamten Agrarfläche, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der Nutzfläche teilen müssen. Den schwersten Stand haben dabei Afro-Brasilianer, bei denen Armut, Säuglingssterblichkeit und Diskriminierung wieder zunehmen. Nicht viel besser ergeht es den Indios. Ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm gilt seit 2003.
Ethnien
2003]
2003
Ursprünglich vier Bevölkerungsgruppen bilden die brasilianische Bevölkerung. Sie sind heute jedoch so umfassend vermischt, dass eine klare Zuordnung oft nicht mehr möglich ist. Diese Gruppen sind:
- die Portugiesen, die ursprünglichen Kolonialisten
- die Afrikaner, die als Sklaven nach Brasilien verschleppt wurden
- verschiedene Immigrantengruppen, hauptsächlich aus Europa, dem Nahen Osten und Asien, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Brasilien angesiedelt haben. Seit 1818 sind über 300.000 Deutsche eingewandert. Eine große japanische Bevölkerungsgruppe lebt in Brasilien, außerdem viele Polen, vorwiegend in Paraná.
- einheimische Volksgruppen der Tupi- und Guarani-Sprachfamilien (200 ethnische Gruppen mit insgesamt etwa 250.000 Mitgliedern). Etwa 10 % der Fläche Brasiliens ist für Indianer reserviert.
Verbindungen (zumeist ohne offizielle Ehe) zwischen Portugiesen und Einheimischen oder Sklaven waren nicht ungewöhnlich und so begann schon früh in der Geschichte eine Verschmelzung der Ethnien und Kulturen.
Nur noch etwa 300.000 Indianer leben heute in Brasilien. Es gibt circa 200 Volksgruppen, die verschiedene Sprachen sprechen. Schon seit der Entdeckung des Landes wurden die Ureinwohner von den Neusiedlern zurückgedrängt. Durch die Rodung des Regenwaldes wird der Lebensraum dieser Volksgruppen immer mehr verkleinert. Aber die Brandrodung des Regenwaldes zeigt sich auch für Krankheitsepidemien, Umsiedlung und das Zerstören ihrer Kultur verantwortlich. Ihre Rechte sind zwar durch Gesetze geregelt, doch viele missachten sie einfach. Zum Schutz der Volksgruppen, viele sind in den letzten 50 Jahren ausgestorben, wurde die Behörde FUNAI gegründet, die aber auch nicht allein für den Schutz sorgen kann und deshalb oft kritisiert wird.
Sprachen
In Brasilien wird vorwiegend (brasilianisches) Portugiesisch gesprochen, das für mindestens 97 % der Bevölkerung Muttersprache ist. Indianersprachen werden nur noch von etwa 0.1 % der Bevölkerung gesprochen. Etwa 1.500.000 Brasilianer sprechen Deutsch als Muttersprache, 500.000 Italienisch, 380.000 Japanisch und 37.000 Koreanisch. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Anteil derjenigen mit Deutsch oder Italienisch als Muttersprache sehr optimistisch berechnet ist, da diese Volksgruppen zu den ersten Siedlern gehörten und die Nachfahren heute fast nur noch Portugiesisch verstehen, weil während des Zweiten Weltkriegs deutsche und italienische Schulen geschlossen wurden. Brasilien ist das einzige portugiesischsprachige Land Amerikas.
Religion
Ungefähr 76 % der Bevölkerung sind römisch-katholischer Konfession. Damit ist die Landeskirche mit circa 145 Millionen Gläubigen die größte der Welt. Die übrigen Brasilianer sind größtenteils protestantischen Glaubens (starke Zunahme evangelikaler Freikirchen) oder Anhänger von Kulten, die aus afrikanischen Religionen entstanden sind (Candomblé, Umbanda und andere).
Geschichte
Unterartikel: Geschichte Brasiliens
Brasilien war schon mindestens 10.000 Jahre vor der Entdeckung durch die Europäer besiedelt. Vor allem Höhlen im Amazonas-Gebiet waren bewohnt, große Stätten wie die der Inkas oder Mayas sind aber nicht bekannt. Das Land wurde nach dem in Europa sehr beliebten Brasilholz, einem roten Edelholz, das heute nur noch höchst selten ist, benannt.
Die Kolonialzeit
Brasilholz
Brasilholz
Der Portugiese Pedro Alvares Cabral war der erste Europäer, der Brasilien am 22. April 1500 betrat. Nach französischen Angaben stieß Jean Cousin schon 1488 auf die brasilianischen Küsten. 1494 beschlossen die großen Seemächte Portugal und Spanien jedenfalls die Aufteilung Südamerikas. Auf Anliegen des damaligen Papstes Alexander XI. wurde im Vertrag von Tordesillas festgeschrieben, dass die gesamte Westküste spanische, und die Küstenabschnitte des heutigen Brasiliens portugiesische Kolonie würden. Deshalb ist Brasilien heute das einzige portugiesisch sprachige Land Südamerikas. Bis 1580 hatten die Portugiesen das ganze Land unter Kontrolle. Schon 1549 wurde das heutige Salvador da Bahia (São Salvador da Bahía de Todos os Santos) zur Hauptstadt ernannt. Schon zu der Zeit mussten Afrikaner und aus dem Landesinnern an die Küste gebrachte Indios die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen im Nordosten verrichten. Von 1637 bis 1654 stand dieses Anbaugebiet unter niederländischer Kontrolle. 1629 hatten sich die Niederländer in der Nähe des heutigen Recife niedergelassen und später unter Führung von Johann Moritz von Nassau-Siegen die Anbaugebiete, die daraufhin nochmals kurz aufblühten, erobert. In der Schlacht von Guararapes wurden die niederländischen Truppen 1654 wieder vertrieben. Reiche Barockstädte entwickelten sich im 17. Jahrhundert, als Bandeirantes-Expeditionen das Hinterland erkundeten und neben anderen Bodenschätzen auch Gold und Diamanten entdeckten. Im selben Jahrhundert bauten entflohene Sklaven sogenannte Quilombos auf, die erst 1699 alle wieder zerstört waren. 1763 wurde Rio de Janeiro zur Hauptstadt ernannt, weil sich das wirtschaftliche Zentrum des Landes auf den Süden verlagerte. 25 Jahre später führte Tiradentes einen Aufstand an, der aber scheiterte. 1792 wurde der heutige Nationalheld Brasiliens hingerichtet. Gleichzeitig begann ein Konflikt mit Spanien, weil die Bandeirantes-Expeditionen die Westgrenze Brasiliens entgegen der Vereinbarungen verschoben.
König- und Kaiserreich
Spanien
1807 brachen die französischen Truppen von Napoleon Bonaparte nach Portugal ein, woraufhin der portugiesische König João VI. von einer britischen Eskorte geschützt nach Brasilien (erst Bahia, später Rio de Janeiro) flüchtete und dort erstmals in der Geschichte Auslandshandel erlaubte. Mit der Übersiedlung des Königs und des gesamten Hofstaates bekam Brasilien den Status eines gleichberechtigten Mitglieds des Mutterlandes. 1815, auf dem Wiener Kongress wird Brasilien mit Portugal gleichgestellt. 1821 konnte João wieder nach Portugal zurückkehren. Er überließ die Herrschaft über Brasilien seinem Sohn Pedro. Pedro I. erklärte am 7. September 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal und machte sich am 22. September zum ersten brasilianischen Kaiser. 1828, nach drei Kriegsjahren gegen Argentinien, löst sich die Provinz Uruguay und erklärt ihre Unabhängigkeit. Drei Jahre später kam es zu einem Militäraufstand wegen dessen König Pedro I. abtrat und die Herrschaft auf seinen fünfjährigen Sohn Pedro II. übertrug.
Regentenzeit
Ein Zusatzpunkt der 1822 geschaffenen Verfassung ermöglicht noch am Tag der Abdankung Pedro I. einige Reformen, so wurde die Einsetzung eines einzigen Regenten beschlossen. 1835 spaltete sich erneut eine Provinz, nämlich Rio Grande, ab. Zu der Zeit gab es eine Reihe von Aufständen, die vor allem vielen Armen das Leben kostete. Rio Grande konnte nur zehn Jahre eigenständig bleiben.
Zweites Kaiserreich
Rio Grande
1840, also noch vor der Volljährigkeit, wurde Pedro II. zum Kaiser gekrönt. Ab 1865 besiegten Brasilien, Uruguay und Argentinien innerhalb von fünf Jahren Paraguay. Zu der Zeit war Kautschuk Exportartikel Nummer eins. Die Sklaverei wurde 1888 von Pedro II. offiziell abgeschafft, was zu Aufständen von Großgrundbesitzern und der Armee führte. Es ist schon seit 1853 bekannt, dass die Sklaverei geächtet wurde. Am 15. November 1889 ging der Kaiser wegen eines Militärputsches ins Pariser Exil.
Republik und die Zeit der Weltkriege
Die erste brasilianische Republik mit föderativer Verfassung (am 24. Februar wurde von Manuel Deodoro da Fonseca als Vereinigte Staaten von Brasilien (República dos Estados Unidos do Brasil) ausgerufen. Der Wohlstand war durch die große Kaffee-Nachfrage gesichert. Doch in den Jahren des ersten Weltkriegs, an dem sich Brasilien auf Seite der Alliierten gegen Deutschland beteiligte, ging die Nachfrage nach Kaffee stark zurück. In den 1920er Jahren forderten große Teile der Bevölkerung ein Ende der Oligarchie. Als dann 1930 die Kaffee-Preise nochmals einbrachen, führte Getúlio Vargas, der "Vater der Armen", einen Aufstand an und wurde so Präsident. In den ersten Monaten seiner Regierungszeit wuchs die Wirtschaft Brasiliens spürbar. 1937 wurde die Herrschaft Vargas' als "wohlwollender Diktator" festgeschrieben, 1942 erklärte er den Krieg gegen Deutschland. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Vargas von der Armee abgesetzt.
Zurück zur Demokratie
Zweiten Weltkriegs
Schon fünf Jahre später wählte ihn das Volk erneut zum Präsidenten. Weil sich die USA gegen die sozialistische Politik Brasiliens stellte und daraufhin Rechte und die Armee Vargas' Rücktritt forderten, beging er 1954 Selbstmord. Vargas' Nachfolger Juscelino Kubitschek sorgte mit Hilfe der Partido Trabalhista Brasiliero (PTB) für neue, ausländische Investoren, die die brasilianische Wirtschaft in den späten 1950er Jahren ankurbelten. 1960 wurde dann Jânio da Silva Quadros zum Präsidenten gewählt. Nach seinem Amtsantritt 1961 versuchte er die Abhängigkeit zu den USA zu lösen und den desaströsen Staatshaushalt zu sanieren. Nach nur wenigen Monaten im Amt trat er wieder zurück, sein Nachfolger wurde der bisherige Vize-Präsident João Goulart, kurz nachdem die neue Hauptstadt Brasília nach drei Jahren Bauzeit eingeweiht wurde. Auch Goulart war in der Bevölkerung nicht unumstritten, weshalb seine Befugnisse in den ersten drei Präsidentschaftswahlen nur eingeschränkt waren.
Militärdiktatur
1964 schlug ein Militärputsch unter Castelo Branco fehl, doch im Folgejahr wurde Branco doch Diktator und verbot alle Parteien. Er selbst gründete zwei neue. Mehrere weitere Militärgrößen setzte er an wichtige Stellen im Staat. In den nächsten Jahr konnte zwar ein Wirtschaftswunder beobachtet werden, linke Aktivisten wurden aber gnadenlos unterdrückt. Durch die Ölkrise in den 1970ern endete der Wirtschaftsboom, 1974 ist Brasilien gar das Land mit den meisten Auslandsschulden. 1979 werden Parteien wieder zugelassen. Ab 1985 gibt es in Brasilien wieder eine Demokratie.
1980er und 90er Jahre
1985
Der Wahlsieger Tancredo Neves verstarb 1985 noch vor seinem Amtsantritt. Im selben Jahr wurde das Wahlrecht für Analphabeten eingeführt. 1987 fand man auf Yanomami-Land im Bundesstaat Roraima Gold, was viele illegale Goldgräber hervorrief. Im Jahr 1988 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die zwar vorsah die Sozialausgaben zu erhöhen, aber keine Landreform zum Schutz der Indios enthielt. Auch 1988 wird der Gewerkschafter und Umweltschützer Chico Mendes ermordet. 1989 wurde dann ein erster Umweltschutzplan beschlossen. Die Inflation lag in diesen Jahren bei bis zu 1000 %. Am 26. April 1991 wurde Mercosur (portugiesisch Mercosul) gegründet. Dieser Gemeinsame Markt des Südens, den die Staaten Argentinien, Paraguay und Uruguay gemeinsam mit Brasilien gründeteten, ist ein Binnenmarkt mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, der die Wirtschaft der Mitgliedsländer und dadurch die Stellung Lateinamerikas in der Welt stärken soll. 1992 fand der UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro statt. Außerdem trat Präsident Fernando Collor de Mello nach Korruptionsvorwürfen von seinem Amt zurück. 1993 konnte die Bevölkerung Brasiliens in einem Referendum über die Staatsform entscheiden. Die Wahl fiel dabei eindeutig auf die Republik. 1994 wurde eine umfassende Währungsreform beschlossen. Durch die neue Währung ("Plan Real") endet die Hyperinflation vorerst. Zur weiteren Sanierung des Haushalts beschließt das Parlament zwar die Privatisierung von Staatsmonopolen, lehnt eine Verfassungsänderung allerdings ab. 1999 wird Fernando Henrique Cardoso erneut zum Präsidenten gewählt, obwohl das Land in einer wirtschaftlichen Krise steckte, auch der Real wurde wieder abgewertet.
Das neue Jahrtausend
In den nächsten beiden Jahren konnte sich die Wirtschaft wieder erholen. Seit 2003 ist Luiz Inácio Lula da Silva Präsident Brasiliens. Er hat vor allem mit Korruption zu kämpfen. 2004 führte Brasilien erstmals in seiner Geschichte UN-Friedenstruppen an, das Militär entsandte 1.470 Soldaten nach Haiti.
Siehe auch: Liste der Präsidenten Brasiliens
Politik
Liste der Präsidenten Brasiliens
Brasilien wurde 1964 bis 1985 vom Militär regiert. In dieser Zeit litten vor allem die Indios unter Menschenrechtsverletzungen, die Wirtschaft wurde nicht gut genug unterstützt und aufgebaut. Zurück blieben Schulden (zwischenzeitlich hatte Brasilien höhere Auslandsschulden als alle anderen Staaten der Welt) und Staatsbetriebe, die finanziell am Ende waren.
Die Verfassung aus dem Jahr 1988 gewährt der Bundesregierung weitgehende Befugnisse. Der Präsident wird für eine Amtsperiode von vier Jahren direkt vom Volk gewählt. Seit 1998 kann er einmal wiedergewählt werden. Er besitzt eine weit reichende exekutive Gewalt, ist Staatsoberhaupt und Regierungschef und stellt das Kabinett zusammen.
Nach einer Übergangsbestimmung wurde 1993 ein Referendum über die Staats- (Monarchie oder Republik) und Regierungsform (Präsidial- oder parlamentarisches System) abgehalten. Die Bevölkerung entschied mit jeweils großer Mehrheit (87 % bzw. 69 %) für die Republik und ein Präsidialsystem. Im vierten Versuch wurde Luiz Inácio Lula da Silva, genannt Lula, 2002 zum Präsidenten gewählt.
Politische Probleme Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch begründete Programme. Diese bilden Koalitionen, die nie lange halten, somit müssen Gesetze meist durch Absprachen verabschiedet werden. Viele kleine Parteien und Korruption (1992 wurde der damalige Präsident Fernando Collor de Mello aus diesem Grund des Amtes enthoben) führen zu einer politisch sehr unstabilen Lage und zu einer nahezu zur Untätigkeit verdammten öffentlichen Verwaltung. Auch der vor allem beim einfachen Volk beliebte Präsident Lula da Silva musste sich mit seiner Parteiführung unlängst Korruptionsvorwürfen stellen, die nicht ausgeräumt wurden.
Brasilien empfängt jährlich etwa 376 Millionen US-Dollar Entwicklungshilfe, den Großteil stellen Japan und die EU-Länder zur Verfügung.
EU
Das brasilianische Parlament, der Nationalkongress oder Congresso Nacional, besteht aus zwei Kammern:
- Der föderative Senat oder Senado Federal setzt sich aus 81 Abgeordneten zusammen, von denen jeweils drei aus jedem der Bundesstaaten entsendet werden.
:Die Senatsabgeordneten werden nach dem Mehrheitswahlrecht für Amtsperioden von acht Jahren bestimmt.
- Neben dem Senat gibt es die Abgeordnetenkammer oder Câmara dos Deputados mit 513 Sitzen, deren Mitglieder nach dem Verhältniswahlrecht für Amtsperioden von vier Jahren gewählt werden.
Nach den Wahlen von 2002 haben sechs Parteien den Einzug in die Abgeordnetenkammer geschafft, stärkste Kraft ist die Partido dos Trabalhadores mit 18 %. Im Senat sind neben vier großen Parteien ebenso eine Reihe kleiner Gruppen vertreten. Die meisten Senatsabgeordneten (jeweils 23 %) gehören der Partido do Movimento Progressista und der Partido da Frente Liberal an.
Parteien
Partido da Frente Liberal]
Im Senat sind unter anderem folgende Parteien vertreten:
- Partido do Movimento Progressista (PMDB): zentralistische Ausrichtung, Gründung: 1979
- Partido da Frente Liberal (PFL): liberale Ausrichtung, Gründung: 1984
- Partido dos Trabalhadores (PT): Arbeiterpartei, Gründung: 1980
- Partido da Social Democracia Brasilieiro (PSDB): sozialdemokratische Ausrichtung, Gründung: 1988
In der Abgeordnetenkammer sind diese sieben Parteien, neben einer Reihe kleiner Gruppen, vertreten: PT, PFL, PMDB, PSDB, Partido Progressista Brasilieiro (PPB), Partido Trabalhista Brasiliero (PTB) und Partido Liberal (PL).
Wichtige Parteien des letzten Jahrhunderts, die mittlerweile aufgöst sind:
- Partido Comunista Brasil (PCB): kommunistische Ausrichtung, Gründung: 1922, Auflösung: Ende der 1980er Jahre
- União Democrático Nacional (UDN): gemäßigt konservative Ausrichtung, Gründung: 1945, Auflösung: 1965
- Aliança Renovadora Nacional (ARENA): vom Militär kontrollierte Partei, Gründung: 1966, Auflösung: 1979
- Movimento Democrático Brasileiro (MDB): gegen die Militärregierung gerrichtet, Gründung: 1966, Auflösung: 1979
Militär
1979]
Die Armee hat in Brasilien nach über zwanzig Regierungsjahren immer noch einen hohen Stellenwert. Die Waffenindustrie ist gut entwickelt. Während der Militärdiktatur bestand ein langjähriges Kernwaffenprojekt. Mit dem Übergang in die Demokratie hat Brasilien auch das Vorhaben aufgegeben, Kernenergie für militärische Zwecke zu nutzen. Die offizielle Aufgabe des Atomwaffenprogramms erfolgt 1998 mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags. Im Jahr 2004 übernahm man zum ersten Mal in seiner Geschichte eine größere Verantwortung und Rolle im Rahmen einer UN-Friedensmission in Haiti. 1.470 Soldaten haben im Juli die Führung des Einsatzes in dem Karibikstaat übernommen. Es besteht Wehrpflicht und der Etat des Verteidigungsministeriums liegt bei über 9,5 Milliarden US-Dollar.
Bildungswesen
Die Alphabetisierungsrate des Landes liegt bei 87 %, das Schulabgangsalter bei 14 Jahren. Damit ist die Schulausbildung im Vergleich zu anderen südamerikanischen Staaten kürzer. In die Bildung fließt ein ähnlich großer Teil des Bruttosozialprodukts wie in Europa; in absoluten Zahlen ist das brasilianische Bildungsbudget etwa so groß wie das deutsche (2004). In Brasilien teilt sich das Geld jedoch auf eine mehr als doppelt so große Bevölkerung auf und es wird weniger gut eingesetzt. Die schulische Grundausbildung ist deswegen eher schlecht ist.
In 150 Universitäten werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet. Etwas mehr als die Hälfte der Hochschulen sind staatlich. Sie sind für alle Menschen mit qualifizierendem Schulabschluß nach einer Aufnahmeprüfung frei zugänglich und gebührenfrei. Die privaten Hochschulen finanzieren sich über Studiengebühren, genießen dafür aber einen sehr guten Ruf. Zweimal jährlich werden einheitliche und offizielle Aufnahmeprüfungen, sogenannte vestibulares, durchgeführt.
Außenpolitik
Brasilien ist Mitglied u.a. folgender internationaler Organisationen:
- Vereinte Nationen (seit 1945)
- Organisation Amerikanischer Staaten (port. Organização dos Estados Americanos, OEA)
- Mercosur (port. Mercosul)
- Gruppe der Zwanzig
- Gruppe der Zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer
- Bewegung der blockfreien Staaten
- Iberoamerika-Gipfel
- Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder
- Rio-Gruppe
- Südamerikanische Staatengemeinschaft (hervorgegangen aus dem Südamerika-Gipfel)
- BRIC-Staaten
Neben einer Verbesserung der Verhältnisse zu Mexiko, Konkurrent im Kampf um die Vorherrschaft in Lateinamerika, erreichte Präsident Lula in seiner Amtszeit eine gute Partnerschaft mit Venezuela. Unter anderem bot er Vermittlung im Streit mit Kolumbien an.
Innere Sicherheit
Die Kriminalitätsrate Brasiliens ist im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt relativ hoch. Die Polizei hat vor allem in den Städten mit Entführungen, Raubüberfällen und Drogendelikten zu kämpfen. Das Polizistengehalt ist niedrig, weshalb vermehrt der Vorwurf nach Erpressung und Mord aufkam, Korruption innerhalb von justiz und polizei sind üblich. Auch Gefängnisaufstände sind durch schlechte Haftbedingungen in überfüllten Haftanstalten fast an der Tagesordnung. Das Leben der Kleinbauern und Indios auf dem Land ist wegen Auftragsmorden für Großgrundbesitzer gefährlich. In den letzten Jahren wurden vermehrt auch Fußballer und ihre Familienmitglieder entführt. Berühmte Beispiele sind Robinhos Mutter Marina de Souza und und der Vater des Weltfußballers 1994 Romario. Um die Kriminalität zu verringern wurde im Januar 2004 ein Gesetz vorgeschlagen, das den privaten Waffenbesitz verbieten sollte. Dieses Gesetz ist per Volksreferendum nicht angenommen worden und wurde ausgesetzt.
Administrative Gliederung
Brasilien ist in 26 Bundesstaaten und einen Bundesdistrikt (Distrito Federal) gegliedert.
Diese sind administrativ in fünf Regionen aufgeteilt:
- Norden (Região Norte):
:Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantins
- Nordosten (Região Nordeste):
:Alagoas, Bahia, Ceará, Maranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte, Sergipe
- Mittelwesten (Região Centro-Oeste):
:Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Distrito Federal Brasília
- Südosten (Região Sudeste):
:Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo
- Süden (Região Sul):
:Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul
Die wirtschaftlich bedeutendste Region ist der Südosten mit den Ballungsräumen São Paulo und Rio de Janeiro. Allein in dieser Region leben mehr Menschen als in jedem anderen Land Südamerikas.
Bundesdistrikt
Während des brasilianischen Kaiserreichs war Rio de Janeiro Hauptstadt Brasiliens und hatte den Status Município Neutro (Neutrale Stadt), was in etwa einem Hauptstadtdistrikt gleichzusetzen ist. Mit der Schaffung des Bundesstaats und der einhergehenden Umwandlung der Provinzen in Bundesstaaten wurde 1889 aus dem Município Neutro ein Distrito Federal (Bundesdistrikt). 1960 wurde die Hauptstadt nach Brasília verlegt, ebenso der Distrito Federal. Der Sonderdistrikt um Rio de Janeiro war zeitweilig in den Bundesstaat Guanabara umgewandelt, bis Guanabara 1975 in den Bundesstaat Rio de Janeiro eingegliedert wurde.
Der Distrito Federal hat eine besondere Bedeutung. Er ist in der Verfassung festgeschrieben und ist direkt der brasilianischen Regierung unterstellt.
Infrastruktur
Verkehrsnetze
Straßenverkehr
Das Autobahnnetz Brasiliens ist mit etwa 2 Millionen km das zweitlängste der Welt, annähernd 200.000 km sind gepflastert. Der brasilianische Name für Autobahn ist Rodovia. Annahmen zu Folge nehmen jährlich mehr als 1,2 Milliarden Reisende den Weg über die Fernstraßen, nur 80 Millionen fliegen. Es herrscht Rechtsverkehr. Der Name der Autobahnen führt zurück auf den Bundesstaat, wo sie liegen, und die Richtung, in die sie verlaufen. Ein Sonderfall sind Autobahnen, die nach Brasília führen:
- Autobahnen mit den Nummern 000-099 führen nach Brasília
- Autobahnen mit den Nummern 100-199 verlaufen von Norden nach Süden
- Autobahnen mit den Nummern 200-299 verlaufen von Westen nach Osten
- Autobahnen mit den Nummern 300-399 verlaufen diagonal (von Nordwest nach Südost oder von Nordost nach Südwest)
- Autobahnen mit den Nummern 400-499 sind unwichtigere Autobahnen. Sie verbinden meist nur eine Stadt mit einer größeren Autobahnen in der Nähe.
So liegt zum Beispiel die Autobahn SP-280 im Bundesstaat São Paulo und verläuft von West nach Ost. Neben ihrem offiziellen Namen sind einige Autobahnen auch noch nach berühmten Persönlichkeiten benannt.
Schienenverkehr
Die Bahnverbindungen wurden ausgedünnt, dennoch besteht noch ein Schienennetz von fast 30.000 km Länge.
Flugverkehr
Wegen der großen Entfernungen werden innerhalb Brasiliens Flugreisen immer wichtiger. Allerdings sind die Kosten für die meisten Brasilianer zu hoch, so dass sie auch lange Reisen mit dem Bus unternehmen müssen. Es etablieren sich aber immer mehr Fluggesellschaften, die nach Vorbild europäischer Billigfluglinien erschwingliche Flüge innerhalb des Landes anbieten. Der größte Flughafen des Landes ist Guarulhos International in São Paulo mit jährlich fast 13 Millionen Passagieren.
Schiffsverkehr
Die Binnenschifffahrtswege haben insgesamt eine Länge von rund 50.000 km. Die Handels- und Frachtflotte besteht aus etwa 475 Schiffe. Die größten brasilianischen Häfen liegen in Belém, Fortaleza, Ilheus, Imbituba, Manaus, Paranagua, Porto Alegre, Recife, Rio de Janeiro, Rio Grande, Salvador, Santos und Vitória.
Telekommunikation
In Brasilien gab es 2005 39 Millionen Telefone, was einen Anstieg um 20 Millionen Anlagen im Vergleich zu 1997 bedeutet. Außerdem sind etwa 80 Millionen Mobiltelefone im Umlauf. Auch hier ist der Anstieg zu 1997 (4 Millionen Mobiltelefone) deutlich. Das Telefonsystem funktioniert gut. Es existieren drei Koaxial-Tiefsee-Kabel, national ist das Funk-Relais-System gut ausgebaut, auch das Satellitensystem funktioniert gut.
Energie
Pipelines mit reinem Erdöl haben in Brasilien eine Länge von knapp 3.000 km, Erdöl-Produkte werden in einem Pipeline-Netz mit einer Länge von knapp 5.000 km transportiert und die Erdgasleitungen haben insgesamt eine Länge von etwa 4.250 km.
Wirtschaft
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von Agrarprodukten. Dann gab es aufgrund der beginnenden Industrialisierung des Landes einen zunehmenden Mangel an Arbeitskräften, der nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 noch weiter verschärft worden war. Dies lockte eine große Zahl von Einwanderern an, die größten Gruppen unter ihnen waren neben Portugiesen und Spaniern, Deutsche, Italiener, Polen und Japaner.
Während des ersten Weltkriegs geriet das Land, weil die wichtigsten Export-Artikel (Kaffee, Zucker, etc.) von einem enormen Preisverfall betroffen waren. Hilfe kam mit Kapital und Immigranten aus Großbritannien. Mit Ausnahme des ersten Weltkriegs konnte die Wirtschaft und auch das Verkehrsnetz in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhundert stetig wachsen.
1917 kam es zu ersten großen Streikwellen in São Paulo und Rio de Janeiro, auf die die Regierung mit Unterdrückung reagierte. In den 1920er Jahren bildeten sich Arbeiterparteien und Gewerkschaften, doch dies führte nicht zu einer stärkeren Stellung im Staat, da sie keine Vertretung in oberen Schichten hatten. Auch die Leutnantbewegung Tenentismo ab 1922 konnte daran nichts ändern, da Versuche einer Revolution scheiterten.
Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung und Zuwanderung der Landbevölkerung in die Städte. Allein in Brasilia steigt sie pro Jahr um 3 %, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.
Mit großen, gut entwickelten Landwirtschafts-, Bergbau-, Produktions-, und Dienstleistungssektoren auf der einen Seite und einem großen Vorrat an Arbeitskräften auf der anderen ist die brasilianische Wirtschaft heute die kräftigste Südamerikas und gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung. Die wichtigsten Exportprodukte sind Kaffee, Kakao, tropische Früchte, Sojabohnen und Eisenerz. 40 % der brasilianischen Agrarausfuhren gehen in die EU, 17 % in die USA.
Auf den meist von „Zuckerbaronen“ beherrschten Zuckerrohrplantagen herrschen äußerst schlechte Bedingungen. Menschen arbeiten teilweise in sklavenähnlichen Verhältnissen in riesigen Monokulturen.
Monokultur
Zu den größten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die größtenteils am Rande des Existenzminimums lebt. Es gibt eine große Bewegung von Landlosen, die Movimento dos sem terra (MST), die für eine Landreform kämpfen.
Wichtige brasilianische Unternehmen sind: Petrobras (Erdöl), Companhia Vale do Rio Doce (Bergbau), Gerdau (Metallverarbeitung), AmBev (Getränke), Embraer (Flugzeugbau), Norberto Odebrecht (Baugewerbe), Sadia (Lebensmittel).
Bodenschätze
Folgende Rohstoffe werden in Brasilien abgebaut: Eisen, Mangan, Kohle, Bauxit, Nickel, Erdöl, Zinn, Silber, Diamanten, Gold, Erdgas, Uran. Täglich werden 1,5 Millionen Barrel Erdöl gefördert, Uran ist im Landesinnern vorhanden, der Bauxit-Tagebau verschmutzt die Flüsse und gefährdet so die Umwelt.
Tourismus
Tagebau
Der Tourismus ist in Brasilien noch nicht sehr bedeutend und macht nur etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts aus, der weltweite Durchschnitt liegt bei 10 %. Die jährliche Besucherzahl liegt bei etwa 4,8 Millionen. Beliebt sind vor allem die Strände und der Karneval von Rio de Janeiro, die Hauptstadt Brasília, das Amazonasbecken und die Wasserfälle von Iguaçu. Die relativ geringe Anzahl an Touristen (auf einen Besucher kommen in Brasilien 37 Einheimische, in Deutschland nur etwa 4,6) ist mit hohen Preisen für schlechteren Service als zum Beispiel in den USA begründbar. Inlandflüge sind teuer, da es im ganzen Land keine Charterflüge gibt.
Umwelt
Der tropische Regenwald im Amazonasgebiet ist der größte unberührte Wald der Welt. Doch neue Straßen, zum Beispiel die Transamazonica und die Perimetral Norte, zerstören diese Unberührtheit. Experten warnen schon jetzt, dass bis 2020 alleine wegen Straßen- und Dammprojekten nur noch 28 % des Waldgebiets unberührt seien. Teilweise entstanden die Schäden auch im Zusammenhang mit den Goldgräbern Brasiliens, den so genannten garimpeiros. Zum Auswaschen des Goldes verwendeten sie Quecksilber in verhältnismäßig hohen Mengen. Diese gelangten schließlich in die Böden bzw. das Grundwasser und führten zu einer Verseuchung des Amazonasgebietes. Durch Straßen erschlossene Gebiete des Regenwaldes werden oft abgeholzt und gerodet, um Platz für Landwirtschaft zu schaffen. Die größte Gefahr ist die profitbringende Holzgewinnung. In Brasilien gibt es rund 2.500 Unternehmen, die mit tropischem Hartholz handeln. Die meisten von ihnen sind aber ausländische Großunternehmen. Zwar ist Mahagoni mittlerweile gesetzlich geschützt, illegal geht der Handel aber weiter. Selbst Behörden schätzen, dass 80 % des gewonnenen Holzes Mahagoni ist.
Da Regenwaldboden nährstoffarm ist, ist er auf die Wiederverwertung der Mineralstoffe im Laub angewiesen. Bei solch feuchtem Klima zerstetzen Mikroorganismen das Laub in Recht kurzer Zeit. Wenn aber kein Wald und damit auch kein Laub mehr auf dem Boden liegen, trocknet er aus und es kommt zu Erosion. Sind die gerodeten Flächen nun größer, kann sich der Wald dort nicht regenerieren. Bäume binden Kohlendioxid, das den Treibhauseffekt auslöst. So sind an den Treibhausabgasausstößen des Landes Brandrodungen mit 75 % beteiligt, während die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht einmal ein Viertel ausmachen. Im Amazonasgebiet leben viele Tier- und Pflanzenarten. Der Wert ihres Genbestandes für Medizin und Landwirtschaft lag 2001 bei etwa 2 Billionen US-$. Diese Arten können ohne Regenwald nicht überleben. Aber alleine von August 2003 bis August 2004 wurden in Brasilien 26.130 km² Regenwald vernichtet. Das entspricht fast der Fläche Brandenburgs. Die Behörden zum Schutz des Regenwaldes haben unter Geld- und Personalmangel, sowie Korruption zu kämpfen. Dennoch konnte 2002 das weltweit größte Schutzgebiet eines tropischen Regenwalds im Norden Brasiliens gegründet werden.
Ein weiteres Umweltproblem ist der Bauxit-Tagebau, der die Flüsse verschmutzt und die Indios gefährdet. 2000 erlitt zum Beispiel der Fluss Iguacu eine Ölpest. Ein Jahr später sank vor der brasilianischen Küste die größte Ölplattform der Welt und bedrohte das dortige Ökosystem. In den Städten hat man mit Luftverschmutzung und Abwässer zu kämpfen.
Brasilien hat sich an diesen Umweltabkommen beteiligt: Ramsar-Konvention (1971), Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (1973), Konvention über die biologische Vielfalt (1992), Basler Konvention (1989), Rahmenübereinkommen über Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen (1992), Kyoto-Protokoll (1991).
Kultur
Medien
Im Jahre 2002 wurde die Verfassung in der Hinsicht verändert, dass die Anteile ausländischer Unternehmen an den nationalen Medien nicht größer als 30 % sein dürfen.
Printmedien
In Brasilien gibt es etwa 380 Tageszeitungen. Die bekanntesten von ihnen sind Folha de São Paulo, O Día und O Globo. Letztere gehört zur Globo-Gruppe, die die brasilianische Medienlandschaft beherrscht. Ihre jetzige Stellung wird aber von internationalen Konzernen und dem Int
Brasília
Brasília ist die Hauptstadt Brasiliens. Sie liegt im Distrito Federal do Brasil (Bundesdistrikt) und hat 198.762 Einwohner (2003) und eine Fläche von 472,12 Quadratkilometern. In der Metropolregion, die identisch ist mit der Bodenfläche des Bundesdistriktes, leben 2.282.049 Menschen (2004) auf einer Fläche von 5.789,16 Quadratkilometer, das ist etwas kleiner als der Kanton Bern und mehr als doppelt so groß wie das Saarland.
Vier Definitionen von Brasília
Saarland]
Das Wort „Brasília“ hat vier unterschiedliche Bedeutungen:
# Die Verwaltungsregion Brasília: Administrativ ist Brasília nur eine der Verwaltungsregionen (Regiões Administrativas) des Bundesbezirkes (Distrito Federal do Brasil). „Asa Norte“ (Nordflügel), „Asa Sul“ (Südflügel) und die Innenstadt von „Plano Piloto“ sind Teile von ihm.
# Der „Plano Piloto“: Weiterhin ist Brasília alles, was im ursprünglichen städtischen Plan „Plano Piloto“ enthalten war; gegenwärtig wird dieses Gebiet in drei Verwaltungsregionen unterteilt: „Brasília“ , „Lago Norte“ (Nordsee) und „Lago Sul“ (Südsee).
# Der „Plano Piloto und “Cruzeiro„: Für viele der Einwohner des Bundesbezirkes schließt Brasília das in den Definitionen 1 und 2 genannte plus die Verwaltungsregion “Cruzeiro" mitein (die selbst in vier Bereiche – „Cruzeiro Velho“, „Cruzeiro Novo“, „Octogonal“ und „Sudoeste“ unterteilt wird). Für jene Bewohner ist „Cruzeiro“ keine Satellitenstadt. Allerdings sind für einige Einwohner nur „Octogonal“ und „Sudoeste“ Teile von Brasília, „Cruzeiro Velho“ und „Cruzeiro Novo“ aber nicht, obwohl alle vier Bereiche angrenzen.
# Der Bundesdistrikt: Schließlich wird das Wort „Brasília“ auch verwendet, um das „Plano Piloto“ und alle Satellitenstädte zu beschreiben. In diesem Fall würden die überwiegend etwa 20 bis 50 Kilometer von Brasília entfernt liegenden städtischen Kerne aller Verwaltungsregionen des Bundesbezirkes enthalten sein.
Dieser Artikel behandelt die Kernstadt Brasília in der gleichnamigen Verwaltungsregion nach Definition 1. Der ganze Bundesdistrikt wird im Artikel Distrito Federal do Brasil beschrieben.
Geografie
Geografische Lage
Die Hauptstadt befindet sich auf dem zentralen Hochplateau des Landes in 1.158 Meter Höhe nahe der Wasserscheide zwischen den Flüssen, die einerseits nach Norden zum Amazonas und andererseits nach Süden zum Rio de la Plata hin fließen, in der Mitte Brasiliens, aber weit entfernt von den anderen Zentren wie São Paulo, 1.015 Kilometer, Rio de Janeiro, 1.130 Kilometer, Recife, 2.280 Kilometer und Belém, 2.120 Kilometer. Die geografischen Koordinaten sind: 15,78 Grad südliche Breite und 47,91 Grad westliche Länge.
Klima
Belém
Brasília liegt in der subtropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur der Stadt beträgt 20,7 Grad Celsius, die mittlere Jahresniederschlagsmenge 1.555 Millimeter. Die monatlichen Durchschnittswerte der Temperatur unterscheiden sich kaum. So beträgt der Mittelwert für den wärmsten Monat September 21,7 Grad Celsius und der Durchschnittswert für den kältesten Monat Juli 18,5 Grad Celsius.
Der meiste Niederschlag fällt während der Regenzeit zwischen Oktober und April mit 121 bis 246 Millimeter im Monatsmittel, der wenigste in der Trockenzeit zwischen Mai und September mit acht bis 56 Millimeter im monatlichen Durchschnitt.
Geschichte
1891 wird der Beschluss eine neue Hauptstadt für Brasilien zu bauen in der Verfassung verankert. 1893 ist dann ein 14.400 Quadratkilometer großes Gebiet für deren Bau abgegrenzt worden. Am 7. September 1922 fand die Grundsteinlegung für Brasília in der Nähe der Stadt Planaltina statt. Der weitere Ausbau der Stadt zur neuen Hauptstadt von Brasilien wurde durch den Präsidenten Juscelino Kubitschek (1902–1976) angeordnet. Anlass war der Bedarf nach einer neutralen föderalen Hauptstadt. Durch die Lage nahe dem geografischen Zentrum des brasilianischen Staatsgebiets sollte die Entwicklung der Infrastruktur des Binnenlandes gefördert werden.
Binnenland]
Mit der Umgestaltung ist im Jahre 1956 begonnen worden und bereits am 21. April 1960 war die Planhauptstadt fertig gestellt und konnte von Präsident Kubitschek eingeweiht werden. Brasília löste damit Rio de Janeiro als neue Hauptstadt des Landes ab. Verantwortlicher Stadtplaner war Lúcio Costa. Der Architekt Oscar Niemeyer trug als Chef des staatlichen Bauamtes die Verantwortung für das Projekt Brasília und entwarf die öffentlichen Gebäude. Als Grundriss für die Stadt wurde die Form eines Flugzeuges gewählt. Sie wird architektonisch von der Kathedrale und dem Parlamentsgebäude geprägt. Dieses Projekt trug damals den Namen „plano piloto“.
Am 21. April 1962 ist die Universität von Brasília eröffnet worden und am 31. Mai wurde nach zehn Jahren Aufbau die Kathedrale eingeweiht. 1967 wurde der Fernsehturm fertig gestellt, 1977 das Postamt, 1978 der Stadtpark und 1981 die Zentralbank.
Seit 1987 steht Brasília auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. 1992 ist mit dem Bau der U-Bahn begonnen worden und am 31. März 2001 konnte der erste Streckenabschnitt offiziell eingeweiht werden.
Einwohnerentwicklung
2001
Die eigentliche Stadt Brasília ist mit 198.762 Einwohnern (Stand 1. Juli 2003) und einer Fläche von 472,12 Quadratkilometer hinter Ceilândia (346.675 Einwohner) und Taguatinga (253.750 Einwohner) nur die drittgrößte im Bundesdistrikt. Die meisten Bewohner leben in den Vorstädten und ländlichen Regionen außerhalb der Stadt Brasília.
Die Bevölkerungsentwicklung in der Metropolregion, die identisch ist mit der Bodenfläche des Distrito Federal do Brasil, nahm in den letzten fünf Jahrzehnten eine rasante Entwicklung. Lebten 1950 erst 36.000 Menschen dort, waren es mit 2.189.789 im Jahre 2003 rund 60 mal soviel. Der Bundesdistrikt hat mit seiner Fläche von 5.789,16 Quadratkilometer, das entspricht in etwa der Größe des Kanton Bern und ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland, eine Bevölkerungsdichte von 378 Einwohnern je Quadratkilometer. In Berlin sind es zum Vergleich 3.800.
Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Der Rückgang der Bevölkerung um über 180.000 Menschen zwischen 1985 und 1991 ist auf administrative Maßnahmen und Zwangsumsiedlungen von Menschen mit niedrigem oder keinem Einkommen in die Satellitenstädte in der Umgebung von Brasília zurückzuführen.
Entwicklung der Wohnsituation
Berlin]
In der Stadt Brasília leben heute vor allem Menschen der Mittel- und Oberschicht. Für die Arbeiter, die überwiegend aus dem Nordosten des Landes kamen und die Hauptstadt aufgebaut haben, war in der Planung kein Platz vorgesehen. Der größte Teil von ihnen lebt heute in den Satellitenstädten rund um Brasília. Die Industrie, für die große Areale des Bundesdistriktes freigehalten worden waren, hat sich nicht angesiedelt.
Hohe Arbeitslosigkeit und deren soziale Begleiterscheinungen wie hoher Alkohol- und Drogenkonsum sowie ansteigende Kriminalitätsraten prägen das Bild der Vorstädte. Die Lebensqualität in Brasília mit Grünflächen, Versorgungseinrichtungen und guter Infrastruktur ist für die dort lebenden Menschen im Vergleich zu anderen Städten des Landes hoch.
Der Stadt fehlt aber durch wenig vorhandene soziokulturelle Einrichtungen das pulsierende und kulturelle Leben einer Hauptstadt. Die Politiker, Abgeordneten und Angestellten verbringen das Wochenende lieber in anderen Städten des Landes. Die hypermoderne Hauptstadt mit ihren im extravaganten Stil errichteten Gebäuden ist für Brasilien ein Symbol des Fortschritts und bietet mit ihrer klimatischen Beschaffenheit, Lebensqualität, Landschaftsplanung, reicher Vegetation und entschärfter Verkehrssituation noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Vegetation]
Einen guten Überblick über die Hauptstadt gewinnt man von der Aussichtsplattform des 218 Meter hohen Fernsehturms, gleichzeitig das höchste Gebäude der Stadt. Er steht an der Monumentalachse, in der Nähe des alten Busbahnhofes, dort wo sich Rumpf und Flügel treffen.
Östlich davon wird die Achse von zwei schlanken Türmen des Parlamentsgebäudes und dem See begrenzt. Westlich davon steht das 1981 fertig gestellte Kubitschek-Denkmal. Im Norden und Süden liegen die Wohnbezirke, Hotels und Einkaufszentren. Etwas außerhalb der dicht bebauten Nord- und Südflügel befinden sich das Sportstadion, das meteorologische Observatorium, das Autodrom, der Campingplatz und der Tierfriedhof.
Die Monumentalachse vom Fernsehturm bis zum „Praça dos Três Poderes“ (Platz der drei Gewalten) ist zu Fuß begehbar. Hinter dem alten Busbahnhof steht links das Nationaltheater und auf der rechten Seite die Kathedrale. Die „Esplanada dos Ministérios“, die Straße der Ministerien, beginnt hinter der Kathedrale. Der „Palácio do Itamaraty“ spiegelt sich in dem das Gebäude umgebenden Wasserbecken.
Das Parlament, der „Congresso Nacional“, steht am Ende der Monumentalachse. Auf der anderen Seite, am „Praça dos Três Poderes“, befinden sich der Präsidentenpalast, der Oberste Gerichtshof und als neuestes Gebäude ein Pantheon zur Erinnerung an Tancredo Neves (1910–1985) – ein Mahnmal für die Demokratie. Auf der linken Seite des Platzes liegt der Amtssitz des Präsidenten, der „Palácio do Planalto“. Links vom Fernsehturm steht in einem Wohngebiet die Kirche „Igreja Dom Bosco“. Letztere wurde von der Stadt Brasilia zu Ehren ihres Schutzpatrons Johannes Bosco (1815–1888) erbaut.
Söhne und Töchter der Stadt
- Marcio Amoroso, brasilianischer Fußballspieler
- Joaquim Cruz, brasilianischer Leichtathlet
- Kaká, Fußballspieler
Weblinks
- [http://www.brasilienportal.ch/index.cfm?nav=12,3,15,32,267 Brasilien-Portal mit Informationen über die Hauptstadt Brasília]
- [http://www.geocities.com/TheTropics/3416/index.html The City of Brasília]
- [http://www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php?id=33 „Weltkulturerbe“ Brasília], RealPlayer-Video mit exzellenter Musik (15 Min.)
Kategorie:Hauptstadt in Südamerika
Kategorie:Ort in Brasilien
Kategorie:Stadtbaugeschichte
Kategorie:Weltkulturerbe
ja:ブラジリア
ko:브라질리아
São Paulo
São Paulo [] (port. für Sankt Paulus) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates in Brasilien.
Die Stadt ist das wichtigste Wirtschafts- Finanz- und Kulturzentrum sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes mit Universitäten, Hochschulen, Theater und Museen.
São Paulo ist der größte industrielle Ballungsraum in Lateinamerika. Die rund 1.000 deutschen Firmen im Großraum São Paulo bilden die weltweit größte Konzentration deutscher Industrie-Unternehmen. In der eigentlichen Stadt São Paulo leben 10.021.437 Menschen, in der Agglomeration Grande São Paulo 19.092.087 (Stand jeweils 1. Januar 2005). Damit ist sie eine der größten Metropolregionen der Erde.
Die Stadt ist durch zahlreiche Einwanderer aus aller Welt multikulturell geprägt mit wesentlichen portugiesischen, italienischen, deutschen, libanesischen und japanischen Einflüssen. Die Einwohner der Stadt São Paulo heißen "paulistanos", des Bundesstaates São Paulo "paulistas".
Geografie
Geografische Lage
multikulturell
Die Stadt liegt im Südosten Brasiliens 80 Kilometer vom Atlantischen Ozean entfernt im Hochbecken des Rio Tietê und Rio Pinheiros, durchschnittlich 795 Meter über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 1.523 Quadratkilometern und erstreckt sich ungefähr 60 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 80 Kilometer in Ost-West-Richtung.
Zwanzig Kilometer hinter der Hafenstadt Santos steigt die Serra do Mar schnell bis auf 1.400 Meter an und fällt dann auf die Hochebene von São Paulo ab. Santos und São Paulo verbindet ein natürlicher Pass über die Serra do Mar. Die Hochebene von São Paulo ist aber nicht flach, sondern ein Hügelland, so dass sich auch die Stadt São Paulo über zahlreiche Hügel erstreckt. Die geografischen Koordinaten sind 23° 30' südlicher Breite und 46° 37' westlicher Länge.
Nur etwa ein Drittel des Wassers im Rio Tietê ist natürlichen Ursprungs, und auch die für die städtische Wasserversorgung wichtigen Stauseen im Süden São Paulos sind durch die Einleitung nicht geklärter Abwässer ungeplanter Wohnsiedlungen und Favelas kaum noch für die Gewinnung von Trinkwasser nutzbar. Die Folgen sind Geruchsbelästigung der Bevölkerung, Eutrophierung und ein unzumutbarer Geschmack des Leitungswassers sowie hohe Kosten für das Erreichen von Trinkwasserqualität.
Geologie
Das östliche Bergland, in dem die Stadt São Paulo liegt, erstreckt vom südlichen Bahia über die Bundesstaaten Minas Gerais, Espírito Santo, São Paulo bis in den Nordteil des Bundesstaates Paraná. Die großen Höhenunterschiede und der engräumige Wechsel von hochaufragenden Gebirgsschollen und tiefeingesenkten Tälern und Becken bringen eine große Vielfalt hervor. Im allgemeinen treten die Gesteine der alten Brasilianischen Masse an die Oberfläche, also kristalline Schiefer, saure und basische Plutonite sowie Quarzite.
Nach dem Inneren zu dacht sich die alte Rumpffläche ab, und die auflagernden Schichten haben sich erhalten können. Unter ihnen sind die permokarbonischen Konglomerate im Süden, die die als Tillite bezeichneten verfestigten Moränenablagerungen enthalten, von besonderem Interesse. In altpaläozoischen Gesteinsserien finden sich die für die Landesgeschichte so bedeutsamen Gold- und Diamantenlager. Landschaftlich treten vor allem durch ihre Schichtstufen devone Sandsteine im südlichen Teil und kreidezeitliche Sandsteine im nördlichen Teil hervor. Die nach Osten gerichteten Steilabfälle dieser Schichtstufen begrenzen vielfach das östliche Bergland.
Stadtgliederung
kreidezeit
São Paulo gliedert sich nach Himmelsrichtungen in 9 Verwaltungszonen (zonas): Nordost, Nordwest, West, Zentrum-Süd, Zentrum, Südosten, Süd, West 01 und West 02. Diese wiederum teilen sich in 31 Stadtbezirke (subprefeituras), die in 96 Stadtteile gegliedert sind (distritos). Die Stadtbezirke von São Paulo sind:
Aricanduva/Vila Formosa, Butantã, Campo Limpo, Capela do Socorro, Casa Verde, Cidade Ademar, Cidade Tiradentes, Ermelino Matarazzo, Freguesia do Ó, Guaianazes, Ipiranga, Itaim Paulista, Itaquera, Jabaquara, Jaçanã/Tremembé, Lapa, M'Boi Mirim, Mooca, Parelheiros, Penha, Perus, Pinheiros, Pirituba/Jaraguá, Santana/Tucuruvi, Santo Amaro, São Mateus, São Miguel Paulista, Sé, Vila Maria/Vila Guilherme, Vila Mariana und Vila Prudente.
Klima
São Paulo befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 19,3 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 1.458 Millimeter im Mittel. Die Regenzeit dauert von Oktober bis März, die Trockenzeit mit relativ wenig Niederschlag von April bis September.
Der wärmste Monat ist der Februar mit durchschnittlich 22,3 Grad Celsius, der kälteste der Juli mit 15,7 Grad Celsius im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt in den Monaten Januar und Februar mit jeweils 233 Millimeter im Durchschnitt, der wenigste im Juli mit 44 Millimetern im Mittel.
Umweltprobleme
Regenzeit
Das Wachstum der Stadt, die hohe Industriedichte und Verkehrskonzentration führen in São Paulo zu zahlreichen Umweltproblemen. Die Verschmutzung der Luft, die Belastung der Gewässer, die Belästigung durch Lärm und Emissionen durch den Verkehr sowie Entsorgungsprobleme bei Müll und Abwasser sind die gravierendsten Probleme São Paulos.
Die Verschmutzung des Wassers des Rio Tietê und Rio Pinheiros durch industrielle und häusliche Abwässer hat dazu geführt, dass diese beiden Hauptflüsse im Stadtgebiet biologisch tot und zu reinen Abwasserkanälen mit hohen Konzentrationen an Schwermetallen geworden sind.
Die Versiegelung der Flächen engt nicht nur die Möglichkeiten zur Erholung der Bevölkerung auf wenige gut erreichbare Parks in der Stadt stark ein, sondern behindert auch den Abfluß der Niederschläge. So kommt es in São Paulo besonders während der Wintermonate immer wieder zu Überschwemmungen weiter Teile der Stadt, oft auch mit einigen Todesopfern.
Die Ver- und Entsorgung variiert sehr stark je nach dem sozialen Status eines Stadtteiles. Vom Citybereich und den innenstadtnahen gehobenen Wohnbereichen des Übergangsgebiets nimmt die Qualität dieser Dienstleistungen und infrastrukturellen Einrichtungen zum Stadtrand hin schnell ab. Die Qualität von Luft und Wasser ist im metropolitanen Kerngebiet allerdings schlechter als in zahlreichen peripheren Bezirken. So hat die Schadstoffbelastung der Luft trotz einem leichten Rückgang bei einzelnen Stoffen immer noch alarmierende Ausmaße, die durch Industriebetriebe (vor allem Schwebstäube, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid) und den Straßenverkehr (Kohlenmonoxid) verursacht werden.
Rund 90 Prozent der schlechten Luftqualität wird durch den Straßenverkehr bewirkt. Durch die Beckenlage São Paulos mit fehlendem Luftaustausch und häufigen thermischen Inversionen im Winter (Juni bis August) sind Atemwegserkrankungen bei der Bevölkerung sehr häufig. Eine städtische Weisheit besagt, dass Krankheiten mit dem Regen kommen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass die Niederschläge Schadstoffe aus der Luft auswaschen und zurück in Bodennähe transportieren.
Geschichte
Ursprung
Kohlenmonoxid
São Paulo wurde am 25. Januar 1554, dem Jahrestag der Konvertierung des heiligen Paulus, vom spanischen Padre José Anchieta, einem jesuitischen Missionar, um ein Jesuiten-Kloster gegründet. Für lange Zeit blieb das Gebiet isoliert, da die Produktivität der dortigen Zuckerrohrplantagen nicht besonders hoch war; die Bewohner betrieben Subsistenzwirtschaft. Erst im 17. Jahrhundert wurde in der Gegend Weizen für den Export angebaut.
Die Siedlung wurde nacheinander Hauptstadt des Kapitanats São Vicente (1681) und des Kapitanats São Paulo (1710). Die Jesuiten hatten von dem an der Küste des mittleren Brasiliens auf dem südlichen Wendekreis gelegenen portugiesischen Stützpunkt São Vicente aus - beim heutigen Santos - den von tropischen Regenwäldern überzogenen, zum Teil über 1.000 Meter hohen Steilabfall des Küstengebirges (Serra do Mar) überwunden und in einem Hochbecken in circa 800 Metern über dem Meeresspiegel die erste europäische Siedlungsgründung auf dem Hochland vorgenommen.
1711 ist São Paulo auf Grund der strategisch günstigen Lage in der Nähe eines Passes über die Serra do Mar das Stadtrecht verliehen worden. Am 7. September 1822 wurde in São Paulo die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal erklärt. São Paulo blieb bis in die 1870er Jahre relativ unbedeutend, obwohl die portugiesischen Einwanderer teilweise vermischt mit der indianischen Hochlandbevölkerung, im 17. und 18. Jahrhundert von São Paulo aus als Bandeirantes ("Bannerträger") weite Teile im zentralen Teil von Brasilien durchstreiften und als Sklavenjäger die berüchtigten Raubzüge zum Fang der Indianer unternahmen, die den Besitzern der Plantagen im Küstentiefland die beim Zuckerrohranbau benötigten Arbeitssklaven beschafften.
Kaffeeanbau und Industrialisierung
Plantage
Die wirtschaftliche Bedeutung São Paulos änderte sich rasch, als der Anbau von Kaffee, der um 1850 über das Rio-Paraiba-Tal die Stadt erreichte, sich im Hochland von São Paulo unter günstigen Klima- und Bodenbedingungen und steigender Kaufkraft in Europa ab den 1880er Jahren flächenhaft in nördliche und nordwestliche Richtung ausdehnte.
Hervorragende infrastrukturelle Voraussetzungen für den Kaffee-"boom" schufen die systematische Verkehrserschließung des Binnenlandes im Staate São Paulo durch strahlenförmige, von São Paulo auf den Hochebenen zwischen den Zuflüssen des Rio Paraná vorgetriebene Eisenbahnlinien und die günstige Verkehrslage zum nahen Exporthafen Santos. Eine gezielt betriebene Einwanderungspolitik, die überwiegend Italiener ins Land brachte, trug dazu bei, dass trotz der Befreiung der Sklaven 1888 die auf den Kaffeeplantagen benötigten Arbeitskräfte zur Verfügung standen.
Mehrere Hunderttausend Europäer, überwiegend Italiener, aber auch zahlreiche Japaner und Libanesen wanderten zwischen 1886 und 1905 ein, die sich vorwiegend auf den Paulistaner Kaffeeplantagen verdingten. In dieser Phase betrugen die jährlichen Wachstumsraten der Bevölkerung bis zu 14 Prozent. Dies alles verhalf São Paulo zu erstem Reichtum. Aber erst die Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts führte zu dem beeindruckenden Wachstum zur größten Metropole Südamerikas.
Industrieller Ballungsraum
19. Jahrhundert
In den 1920er Jahren wurde São Paulo die führende Industrieregion des Landes. Die Bevölkerung der Stadt überschritt bereits 1934 die Millionengrenze und verdoppelte sich bis 1950. Anfang der 1960er Jahre führte die hohe Inflation gemeinsam mit der politischen Mobilisierung der Arbeiter, Bauern und Studenten, die begannen ihre politischen Rechte einzufordern, zur Übernahme der Macht durch die Militärs im Jahre 1964.
Deren Regierung, die bis 1985 dauerte, war einerseits von Intoleranz gegenüber der politischen Opposition geprägt, andererseits aber auch von Modernisierung und ökonomischer Entwicklung, mit jährlichen Wachstumsraten von rund zwölf Prozent Anfang der 1970er Jahre. Es wurde begonnen eine neue Infrastruktur aufzubauen sowie nationale Gesundheits- und Sozialfürsorge eingeführt. Die nahe Hafenstadt Santos (schnelle Transportwege), die Vergabe staatlicher Kredite und der sich durch umfangreiche ausländische, vor allem auch deutsche Investitionen verstärkende industrielle Aufschwung verhalfen São Paulo zu neuerem Reichtum.
Diese ökonomische Entwicklung basierend auf einer hohen Auslandsverschuldung geschah aber ohne die politische Partizipation der Bevölkerung und ohne eine gerechte Verteilung des Reichtums. Das Ergebnis dieser Veränderung war, das eine zahlenmäßig kleine Schicht über eine sehr große Kaufkraft verfügte und mit ihrem Einfluss in Politik und Wirtschaft die elitären und autoritären Strukturen in der Gesellschaft verstärkte. Die zu dieser Zeit fehlende demokratische Kontrolle des Staates führte zu großen Mängeln, Niedriglöhnen und Korruption in der Qualität und Verteilung staatlicher Sozialleistungen, in den Bildungseinrichtungen, im öffentlichem Wohnungsbau, im Verkehr und den sanitären Anlagen.
Heute ist die Region um São Paulo der größte industrielle Ballungsraum Lateinamerikas und bedeutendste Industriestandort der Dritten Welt. Durch die Globalisierung, erhöhte Wechselkurse und die aufstrebende Industrie im gesamten Land verliert São Paulo aber immer mehr an Bedeutung. Die Industrie wird mehr und mehr vom Dienstleistungsgewerbe abgelöst. Dieser Sektor kann die Arbeitslosen aus der Industrie aber nicht abfangen. Die Folge davon sind Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne. Wie viele Großstädte in Entwicklungsländern ist auch São Paulo von einem Armutsgürtel mit Marginalsiedlungen, den sogenannten Favelas, umgeben und hat besonders dort eine hohe Kriminalitätsrate. São Paulo wird heute in Brasilien aber auch als die führende Stadt im Hinblick auf Konzerte, Theater, Modeshows, internationale Sportveranstaltungen, Konferenzen und Wirtschaftsmessen angesehen; viele Veranstaltungen finden zuerst oder nur dort statt.
Einwohnerentwicklung
Favela
In den ersten 300 Jahren seit der Gründung der Stadt im 16. Jahrhundert kamen überwiegend portugiesische Einwanderer und Sklaven vom afrikanischen Kontinent nach São Paulo. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts waren es auf Grund des beginnenden Kaffeanbaus und der Befreiung der Sklaven 1888 durch eine gezielte Einwanderungspolitik bis Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem Italiener, aber auch Deutsche, Libanesen und Japaner, die sich in der Stadt, teilweise in eigenen Vierteln, niederließen. Deren Nachkommen leben noch heute in eigenen Stadtteilen, in Liberdade die Japaner, in Bela Vista die Italiener, in Bom Retiro die Libanesen und im Viertel Brooklin die Deutschen. Bedeutende Ethnien in der Stadt sind des weiteren die Chinesen, Juden, Koreaner, Armenier, Bolivianer, Litauer, Spanier und Syrer.
Zu zwei weiteren Einwanderungswellen von Menschen aus Europa, Japan und dem Nahen Osten kam es wegen der politischen und wirtschaftlichen Wirren nach den beiden Weltkriegen.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts war São Paulo überwiegend das Ziel von Zuwanderern aus dem Nordosten Brasiliens, später auch aus dem Südosten. Wunschziel der Migranten war es bei der schnell expandierenden Industrieentwicklung oder in der blühenden Baubranche eine Beschäftigung zu finden. Seit den 1980er Jahren trägt das natürliche Wachstum erheblich mehr zum Bevölkerungszuwachs bei als die Zuwanderung. Diese Veränderung ist trotz abnehmender Geburtenraten durch den hohen Anteil jüngerer Stadtbevölkerung bedingt, den die jetzt zurückgehende Einwanderung mit sich gebracht hatte. Seit den 1990er Jahren ist die jährliche Zuwachsrate der Bevölkerung der Agglomeration São Paulo, die seit 1973 als Grande São Paulo institutionell verankert ist, sprunghaft zurückgegangen.
Die Metropolregion Grande São Paulo umfasst heute außer der Stadt São Paulo als Kernzone 38 weitere Städte mit einer Gesamtfläche von 8.051 Quadratkilometern. Das überbaute Stadtgebiet der Region mit 1.747 Quadratkilometern hat seit den 1980er Jahren um 372 Quadratkilometer zugenommen. Grande São Paulo beherbergt im Jahre 2005 mit 19,1 Millionen Menschen, von denen zehn Millionen (52 Prozent) in der Stadt São Paulo leben, eine größere Bevölkerung als das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 18,1 Millionen. Da das Ballungsgebiet Grande São Paulo bald mit weiteren sechs Städten über 100.000 Einwohnern zusammenwächst - darunter die Millionenstadt Campinas - die alle in einem Umkreis von weniger als 150 Kilometern um Grande São Paulo liegen, wird heute schon von einer erweiterten Metropolregion (Complexo Metropolitano Expandido, CME) gesprochen, der die Funktion einer Makro-Metropole zukommt.
Campinas
Campinas
Die Metropolregion Grande São Paulo ist flächenmäßig um circa 60 Prozent größer als die Stadtregion Rhein-Ruhr, übertrifft deren Bevölkerungszahl aber um das Vierfache. Während die durchschnittliche Bevölkerungsdichte im Ruhrgebiet bei 1.080 Einwohnern je Quadratkilometer liegt, beträgt sie in der Agglomeration von São Paulo 2.371 Einwohner je Quadratkilometer. Sie erreicht in der Stadt São Paulo mit 6.580 und in der Stadt Diadema mit 390.641 Einwohnern den Höchstwert von 12.724 Einwohnern je Quadratkilometer.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1929 handelt es sich meist um Schätzungen, von 1940 bis 2000 um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Berechnung.
Entwicklung der Wohnsituation
Das Stadtzentrum von São Paulo hat sich seit den 1960er Jahren gewaltig ausgedehnt und zeigt heute eine imposante Hochhauskulisse. In diesem Bereich haben sich jüngere, äußerst dynamische Zonen entwickelt, während das alte Zentrum seit Anfang der 1970er Jahre zahlreiche seiner zentralen Funktionen verloren hat, die an den Rand der Stadtmitte oder in nahe neue Subzentren abgewandert sind. Zur Abwertung der alten Stadtmitte um die Praça da Sé hat ein Verfall der Bausubstanz durch geringe Investitionen, Immobilienspekulation und zahlreiche nur teilweise genutzte oder leerstehende Gebäude, Lärm, Schmutz, hohe Kriminalität, starke Konzentration sozial marginalisierter Bevölkerungsgruppen zusammen mit unzureichender Präsenz staatlicher Organisation geführt.
1970er
Die öffentlichen und privaten Investitionen konzentrieren sich überwiegend auf neue Standorte und Entwicklungsachsen im Randbereich des Stadtzentrums. So hat sich die Avenida Paulista, die älteste Prachstraße der Stadt, an der sich der Paulistaner Geldadel, die Großindustriellen und Kaffeebarone ihre Paläste errichten ließen, seit den 1970er Jahren zu einer Hochhausschlucht entwickelt, entlang der Banken und Versicherungen sowie Industrie- und Handelskonzerne mit Bürotürmen die Appartementhochhäuser in die nahegelegenen hochrangigen Wohnquartiere abgedrängt haben.
Nachdem die letzte Baulücken im innerstädtischen und innenstadtnahen Bereich geschlossen wurden, ist São Paulo heute im Umkreis von mehr als 25 Kilometern um das Zentrum durch Wohnquartiere, Gewerbeflächen und Verkehrswege versiegelt, so dass kaum noch innerstädtische Möglichkeiten zur Erholung bestehen, die - wie zum Beispiel der Ibirapuera-Park - an den Wochenenden von der Bevölkerung intensiv genutzt werden.
Die Dynamik durch den immensen Bevölkerungsdruck seit Mitte des 20. Jahrhunderts bewirkte insgesamt eine explosive unkontrollierte Expansion São Paulos. Die Planung konnte mit diesen Veränderungen nicht mithalten. Täglich entstanden an der Peripherie unzählige irreguläre Siedlungen ("Loteamentos irregulares") und illegale Siedlungen ("Favelas"). Ein Viertel der Menschen in der Stadt leben in diesen Elendsquartieren.
Heute erstrecken sich rund um ein hochverdichtetes Stadtzentrum weitläufige zersiedelte Peripherien mit geringer städtischer Infrastruktur. Die informelle Bautätigkeit ist für einen überwiegenden Teil der Einwohner São Paulos die einzige Möglichkeit an Wohnraum zu kommen. Die unadequate Wohnsituation der Bevölkerung und die zahlreichen ökologischen Probleme haben die Regierenden in die Verantwortung gezogen, über eine neue Stadtplanungspolitik nachzudenken.
Politik
Infrastruktur
Infrastruktur
Der Großraum São Paulo mit der sehr aktiven Gewerkschaftsbewegung war der Geburtsort der inzwischen Brasilien regierenden Arbeiterpartei PT (1980) und des Gewerkschaftsdachverbandes CUT (1983). Zwei Parteien bestimmten zwischen 1989 und 2004 die Regierungspolitik der Stadt, der sozialistische PT (Partido dos Trabalhadores) und der extrem rechte PP/PPB (Partido Progressista, früher Partido Popular und Partido Populista Brasileiro). Die Oberbürgermeister(innen) São Paulos waren: Luiza Erundina (PT) (1989-1992), Paulo Maluf, einer der führenden Politiker während der Militärdiktatur (PPB) (1993-1996), Celso Pitta (PPB) (1997-2000), Marta Suplicy (PT) (2001-2004) mit 58,5 Prozent gegen Maluf gewählt.
Seit 1. Januar 2005 ist José Serra von der Sozialdemokratischen Partei (Partido da Social Democracia Brasileira, PSDB) der neue Bürgermeister der Stadt. Er war Gesundheitsminister unter Präsident Fernando Henrique Cardoso und Gegenkandidat von Lula da Silva bei der Präsidentschaftswahl 2002. Die frühere Amtsinhaberin Marta Suplicy hatte im Jahre 2001 eine abgewirtschaftete und tief in Korruptionsskandale verstrickte Stadtverwaltung übernommen. Sie wurde trotz der Erfolge ihrer Regierung nicht im Amt bestätigt und verlor bei den Kommunalwahlen im Oktober 2004 mit 45,1 Prozent gegen Serra.
Die Kommunalpolitik hat neben der Bundes- und Landesebene einen zunehmenden Einfluss auf das Leben der Bürger São Paulos. Die Bürgermeister werden in allgemeinen, direkten Wahlen für vier Jahre im Amt gewählt. Der Wahlkampf auf kommunaler Ebene wird weitgehend von Personen und lokalen Themen beeinflusst. Die Wahlbeteiligung im Jahre 2004 war wegen der allgemeinen Wahlpflicht im Land sehr hoch, aber Nichtwähler konnten ihre Abwesenheit ohne Probleme und unbürokratisch rechtfertigen. Insgesamt gingen nur 14 Prozent der Wahlberechtigten nicht zur Wahl, weitere sechs Prozent gaben entweder ungültige oder bewusst weiße Stimmzettel ab.
Siehe auch: Liste der Bürgermeister der Stadt São Paulo
Städtepartnerschaften
São Paulo unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften. In Klammern das Jahr der Etablierung.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
Liste der Bürgermeister der Stadt São Paulo
Eines der bekanntesten Theater in São Paulo ist das Theatro Municipal. Ganz in der Nähe des Anhangabaú gelegen, ist dieses alte Gebäude eines der wenigen Überbleibsel von Anfang des 20. Jahrhunderts, die dem Bauboom noch nicht zum Opfer gefallen sind. Mit dem Bau wurde 1903 begonnen - in neobarockem Stil, inspiriert von der Pariser Oper - eingeweiht am 12. September 1911 mit der Oper "Hamlet" von Ambrósio Thomas.
Im Theater sind im 20. Jahrhundert eine Reihe der berühmtesten Künstler der Weltgeschichte aufgetreten, wie zum Beispiel: Maria Callas, Enrico Caruso, Isadora Duncan, Benjamino Gigli, Vaslav Nijinski, Anna Pawlowa, Arthur Rubinstein, Madalena Tagliaferro, Arturo Toscanini und viele andere.
Das Theater besitzt edle Glasfenster und zahlreiche Kunstwerke. Seine Inneneinrichtung ist in sechs Ränge unterteilt, deren Balkon-Fronten mit Blattgold verkleidet sind, und seine Kuppel präsentiert die verschiedenen Phasen des menschlichen Lebens. Der zentrale Lüster besitzt 260 Lampen und circa 6.000 Kristall-Teile. Im Anschluss an das Gebäude liegt das Theater-Museum.
Museen
Lüster
Erwähnenswert sind das Museum für moderne Kunst (MASP), das die bedeutendste Kunstsammlung Südamerikas besitzt, und das Ipiranga-Museum mit seiner Ausstellung über brasilianische Geschichte.
Das Museu de Arte Sacra beherbergt eine der besten Sammlungen sakraler Kunst in Brasilien, mit 4.000 Stücken, von denen etwa 1.000 ausgestellt sind - Altäre, Gemälde, Möbel, Kelche, Kreuze und Skulpturen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert.
Das Gebäude ist im Kolonialstil errichtet und stammt aus dem Jahre 1774. Nahebei befindet sich die alte Igreja de Nossa Senhora da Lúz, mit den sterblichen Überresten des Frei Galvão, und daneben das Presépio Napolitano, mit den mehr als 1.600 Einzelteilen eines italienischen Dorfes aus dem 18. Jahrhundert.
Im Parque Ibirapuera befinden sich das Museu de Arte Contemporanea, mit einer sehenswerten Sammlung westlicher und südamerikanischer Moderner Kunst, mit etwa 3.000 Werken, darunter Picassos und Mondiglianis, das Gebäude der Biennale, in dem jährlich eine Weltausstellung moderner Kunst stattfindet, das Museu da Aeronáutica, ein Museum der Luftfahrt, das Museu da Folclore und ein Folklore-Museum.
Bauwerke
Biennale
Biennale
Anders als das wohlbekannte Rio de Janeiro wird São Paulo üblicherweise nicht als Touristenort betrachtet. Seine Attraktionen bleiben häufig unter dem städtischen Chaos verborgen. Das Stadtbild von São Paulo wird von vielen Hochhäusern geprägt, die aber bei weitem nicht so hoch sind wie in Manhattan. Das höchste Hochhaus in São Paulo ist das 170 Meter hohe Mirante do Vale (bis 1988 Palacio Zarzur Kogan genannt).
Viele Immigrantengruppen aus aller Welt haben die Stadt geprägt und einzelnen Stadtteilen ihre Charakteristik aufgeprägt. São Paulo wird von manchen daher in ihrem multikulturellen Charakter mit New York verglichen. Es gibt wesentliche portugiesische, italienische, deutsche, japanische und libanesische Einflüsse.
Die größte Kirche der Stadt ist die im neogotischen Stil errichtete Catedral Metropolitana - 1913 angefangen und erst 1954 eingeweiht. Sie hat ein Fassungsvermögen von 8.000 Gläubigen, eine Länge von 110 Metern und eine durchschnittliche Breite von 46 Metern. Ihr Mittelschiff wölbt sich mehr als 30 Meter in die Höhe - und ihre beiden Türme sind 92 Meter hoch. Die italienische Orgel ist die größte Südamerikas. In der Krypta sind die sterblichen Überreste des Indianerhäuptlings Tibiriçá und die des Paters Diogo Antônio Feijó - des "Regente Feijó" (1784-1843) untergebracht.
Das Solar da Marquesa de Santos wird als das letzte Exemplar einer urbanen Wohngebäude-Architektur aus dem 18. Jahrhundert im Zentrum von São Paulo angesehen. Das alte Gebäude aus Taipa (Holzgerüst, verkleidet mit von Häcksel durchsetztem Lehm) ist 1843 von der Gräfin gekauft und in eine der aristokratischsten Residenzen von São Paulo umgebaut worden - es war auch unter dem Namen "Palacete do Carmo" bekannt. Gegenwärtig beherbergt es die Sammlung des Museu da Cidade.
Nahe dem Stadtzentrum liegt der Mercado Municipal, die alten Markthallen von São Paulo, auch unter dem Namen Mercado Central bekannt. Die überdachten Hallen - sie wurden kürzlich vollständig renoviert - sind 1933 eröffnet worden, haben eine Innenraumhöhe von zehn Metern, runde Stützsäulen und schöne, aus Deutschland eingeführte Glasfenster mit landwirtschaftlichen Motiven. Ein wichtiges Zentrum zum Einkaufen und Zeitvertreib, mit einer großen Auswahl an Produkten, von Gemüsen und Früchten bis zu Gewürzen und exotischen Delikatessen, die in ganz São Paulo nur dort käuflich zu erwerben sind. Er ist außerdem der einzige Markt, auf dem man bestimmte Früchte stets auch außerhalb der Saison kaufen kann.
Im Stadtteil Ipiranga liegt das Museu Paulista, auch Museu do Ipiranga genannt, inmitten des Parque Independência (Unabhängigkeitspark), einer an die Gärten von Versailles angelehnten Gartenanlage mit dem Monument der Unabhängigkeit und der Casa do grito, dem Haus, nahe dem 1822 die Unabhängigkeit ausgerufen wurde.
In der Umgebung der Stadt ist die 1867 eröffnete Sierra Incline in Paranapiacaba eine viel besuchte Sehenswürdigkeit. Die Sierra Incline ist die Bezeichnung für die Schienenseilbahn im Küstengebirge Serra do Mar, an der Bahnlinie von São Paulo nach Santos. Diese elf Kilometer lange elektrifizierte Bahn ist zusammen mit der italienischen Schmalspurbahn von Triest nach Opicina die einzige heute noch existierende Schienenseilbahn der Welt.
Parks
Triest
Der Parque Ibirapuera ist der interessanteste Park der Stadt. Er bietet auf einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratmetern neben wunderschön gestalteten Gärten und Seen auch Kultur, zum Beispiel das Planetário, ausgerüstet mit den modernsten Geräten der Weltraumforschung.
Ibirapuera ist zweifellos eine der wichtigsten Grünanlagen São Paulos - sie wurde im Jahre 1954, anlässlich der 600-Jahrfeier der Stadtgründung, eingeweiht. Vom Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx angelegt, sind im Park die wichtigsten, einheimischen Gewächse Brasiliens versammelt. Bei der Gestaltung der Pflanzungen wurde explizit darauf geachtet, indigene Pflanzen anstelle von importierten Arten zu verwenden. Der Park wird oft auch als São Paulos "Central Park" bezeichnet und ist sonntags eines der Hauptausflugsziele der Paulistanos.
Auf dem Gelände befinden sich neben einer Anzahl Museen der Velódromo, ein Parcours für Fahrrad- und Motorrad-Rennen, ein mit Aluminium überdachtes Stadion für Hallensport, mit Platz für 20.000 Zuschauer, der Pavilhão Japonês, ein japanischer Pavillon, original aus Japan importiert, mit einem Salon für die Tee-Zeremonie und viele Fuß- und Radwege.
Sport
Burle Marx
Fußball ist in Brasilien Nationalsport und São Paulo ist eine der Fußballhochburgen des Landes. In der Stadt befindet sich das weltgrößte private Sportstadion Morumbi. Es hat eine Kapazität von 120.000 Zuschauern und ist Spielort des Fußballvereins São Paulo FC, des dreimaligen Landesmeisters von Brasilien der Jahre 1977, 1986 und 1991.
Weitere bekannte Fußballmannschaften der Stadt sind der sechsmalige Landesmeister Palmeiras São Paulo (1967, 1969, 1972, 1973, 1993, 1994), Spielort Parque Antártica-Stadion (Kapazität 32.000 Zuschauer) sowie der dreimalige Landesmeister SC Corinthians Paulista (1990, 1998, 1999), Spielort Pacaembu-Stadion (Kapazität 45.000 Zuschauer).
Ein weiterer Fußballverein aus São Paulo ist Portuguesa. Die Mannschaft spielt im Caninde-Stadion mit einer Kapazität von 27.500 Zuschauern.
Neben Fußball sind auch Volleyball, Tennis und Autorennsport in São Paulo sehr beliebt. So stammen mit Chico Landi (1907-1989), Ayrton Senna (1960-1994), Rubens Barrichello und Felipe Massa einige der ehemals und gegenwärtig besten Formel 1-Rennfahrer aus der Stadt. Neue Aktivsportarten wie beispielsweise Surfen, Windsurfen und Drachenfliegen finden in São Paulo, wo die nicht weit entfernte lange Küste und das günstige Klima hervorragende Bedingungen bieten, einen ständig wachsenden Zuspruch. Für Aerobic, Bodybuilding und Gerätegymnastik stehen zahlreiche Fitnessstudios zur Verfügung.
Regelmäßige Veranstaltungen
Felipe Massa
Der Karneval in São Paulo beginnt offiziell am Freitag vor Aschermittwoch und ist sicherlich eine der Hauptattraktionen der Stadt. Die vielfarbige Parade der Sambaschulen gehört zu den größten Paraden der Welt. Die meisten der prächtig kostümierten Teilnehmer haben das ganze Jahr über hart gearbeitet, um sich die Kostüme leisten zu können, die sie hier für nur wenige Stunden tragen.
Organisiert wird der Karneval von so genannten Samba-Schulen - den "Escolas de Samba".
Jede "Escola de Samba" wählt jährlich ein bestimmtes Thema, entsprechend werden dann die Festwagen dekoriert, und die Kostüme darauf abgestimmt. Danach werden Einzelheiten, wie Rhythmus, Choreographie, Präsentation und das Zusammenspiel der Gruppe abgestimmt, diese Elemente werden dann auch von Preisrichtern beurteilt. Die Paraden beginnen am Abend und dauern pro Festtag etwa zwölf Stunden. Das bedeutet, dass die letzten zwei Paraden bereits am nächsten Morgen durchgeführt werden.
Im Frühjahr findet in São Paulo die größte Homosexuellenparade der Welt statt. Bis zu zwei Millionen Menschen, unter ihnen viele Heterosexuelle, nehmen jedes Jahr an der farbenfrohen Veranstaltung mit Lautsprecherwagen, Techno- und Sambarhythmen teil. Regelmäßige Teilnehmer an der Veranstaltung sind auch der Bürgermeister der Stadt sowie Politiker verschiedener Parteien.
Ein weiteres Großereign | | |