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Isla de la Juventud
Die Isla de la Juventud (dt. Insel der Jugend) ist die größte Neben-Insel Kubas. Sie ist keine eigene Provinz, sondern wird als Sonderverwaltungsgebiet behandelt. Die Insel liegt im Golfo de Batabanó im Archipiélago de los Canarreos auf der karibischen Seite Kubas. Nueva Gerona ist der Hauptort und mit ca. 15.000 Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt der Insel.
Geschichte
Archäologische Funde deuten auf die Guanahatabey-Indianer als erste Siedlungsgruppe hin, die vermutlich als Nomaden in küstennahen Höhlen lebten. Später wurde die Insel von den Ciboney aus Venezuela und (etwa ab dem 3. Jahrhundert n. Chr.) den Taíno vom benachbarten Jamaica besiedelt.
Die Ureinwohner nannten die Insel Siguanea, bis Christoph Columbus auf seiner zweiten Reise in die Neue Welt im Juni 1494 hier landete und ihr den Namen La Evangelista gab. Vom 16. bis 18. Jahrhundert war die Insel Rückzugsgebiet vieler Piraten, darunter auch solch prominenter Namen wie Francis Drake, John Hawkins, Thomas Baskerville und Henry Morgan. Die Aktivitäten auf der dann Parrot Island genannten Insel sollen Robert Louis Stevenson zu seinem weltberühmten Roman Die Schatzinsel inspiriert haben.
Später hieß die Insel Isla de Pinos (Kieferninsel) und war insbesondere bis zur Batista-Diktatur als Gefängnis-Insel berüchtigt. Hier saßen unter anderem im 19. Jahrhundert José Martí ein, und später von 1953 bis 1955 die Moncadistas um Fidel Castro. Auch während des Guerillakampfes wurden viele Revolutionäre insbesondere aus der "Bewegung des 26. Juli" (M-26-7) auf die Insel verbracht, so z.B. Armando Hart. Noch heute können die Ruinen des 1928 errichteten Gefängnisses Presidio Modelo besichtigt werden, in dem bis zu 6.000 Gefangene in fünf Rundgebäuden gefangen gehalten wurden.
Nach der kubanischen Revolution sollte die landwirtschaftliche Entwicklung auf der Insel vorangetrieben werden. Zu diesem Zwecke kamen viele tausend junge Leute, vor allem aus Ländern der Dritten Welt zum Lernen und Arbeiten auf die Isla, was die symbolträchtige Namensänderung in Jugendinsel (1978) erklärt. Die meisten der zahlreichen Internatsschulen sind heute verwaist.
Die Isla wurde unter anderem als Schatz-, Piraten- oder Goldinsel bekannt.
Ein Kubaner, der von der Isla spricht, meint damit fast ausschließlich die Jugendinsel und nicht sein großes Heimat-Eiland.
Kategorie:Insel (Karibik)
Kategorie:Geographie (Kuba)
Kategorie:Provinz in Kuba
Kuba
Kuba (span.: Cuba) ist ein Inselstaat in der Karibik. Im Nordwesten hat die Insel einen Küstenstreifen zum Golf von Mexiko, die gesamte Nordküste liegt jedoch am Atlantischen Ozean.
Im Südosten der Insel befindet sich der Marinestützpunkt der US-Navy Guantanamo Bay. Diese Exklave ist von einer früheren vorrevolutionären kubanischen Regierung de facto auf unbegrenzte Zeit an die USA verpachtet worden. De iure sah der Pachtvertrag aus dem Jahre 1902 ursprünglich nur eine Laufzeit von 99 Jahren vor - also bis 2001 -, allerdings beinhaltet er ebenso eine Klausel, nachdem er sich automatisch verlängert und nur mit dem Einverständnis beider Seiten gekündigt werden kann. Die kubanische Seite hat sich entschieden gegen das Weiterbestehen ausgesprochen und verweigert auch die Annahme der ohnehin nur symbolischen Pachtzahlungen seitens der USA.
Wichtige Agrarprodukte sind unter anderem Zucker, Tabak, Rum, Zitrusfrüchte, Kaffee, Kakao, Reis, Kartoffeln, Bohnen und Vieh.
Geographie
Hauptartikel: Geographie Kubas
Kuba ist die größte Insel in der Karibik. In der Rangfolge der größten Inseln der Welt liegt sie auf Platz 16.
Das Nachbarland im Norden sind die USA mit ihrem Bundesstaat Florida. Im Nordwesten liegt der Golf von Mexiko, im Westen die mexikanische Halbinsel Yucatán.
Kuba ist großteils eben, mit Hügellandschaft und Bergen hauptsächlich im Südosten. Der höchste Punkt ist der Pico Turquino (1.974 m ü. NN) in der Sierra Maestra.
Havanna ist die größte Stadt Kubas und Hauptstadt der Insel. Die nächstkleineren Städte sind Santiago de Cuba, Holguín und Camagüey.
Das Klima ist tropisch. Es gibt eine trockenere Jahreszeit von November bis April und eine regnerische Jahreszeit von Mai bis Oktober.
Im Osten Kubas entstand der Nationalpark "Alejandro de Humboldt", der die vier östlichsten Provinzen Holguín, Granma, Santiago de Cuba und Guantánamo umfasst. Das Gebiet schützt viele wichtige Ökosysteme zu Land (68.890 ha) und zu Wasser (2.250 ha), wie die Küste mit ihren Mangroven und vorgelagerten Riffen, die küstennahen Trockenwälder und die höher gelegenen und niederschlagsreichen Regenwälder mit dem 1.168 Meter hohen Gipfel des "El Toldo". Der Nationalpark wurde im Dezember 2001 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.
Siehe auch: Liste der Städte in Kuba
Bevölkerung
Auf Kuba leben etwa 11 Millionen Menschen.
Liste der Städte in KubaSchätzungen zufolge ist die Bevölkerung etwa zu je einem Drittel europäischer, afroamerikanischer und gemischter (Mulatten) Abstammung. Daneben existiert noch eine chinesische Minderheit. Von der indigenen Bevölkerung der Arawak gibt es keine Nachkommen.
Kuba hat mit 1,6 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate der lateinamerikanischen Staaten und der westlichen Hemisphäre nach Kanada. Dies liegt vor allem daran, dass Abtreibung in Kuba kostenlos und aus sozialen, medizinischen und eugenischen Gründen allgemein üblich ist, mehr als jede dritte Schwangerschaft wird künstlich abgebrochen.
Die Kindersterblichkeit beträgt 6,33 Kinder je 1000 Geburten und ist die zweitniedrigste in Amerika. Dagegen beträgt die Kindersterblichkeit in den USA 6,5 von 1000 Geburten. Nur Kanada hat eine niedrigere Sterblichkeitsrate in der westlichen Hemisphäre ([http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/rankorder/2091rank.html CIA World Factbook Geburtensterblichkeit]).
Homosexualität wird auf Kuba von staatlicher Seite nicht unterdrückt, solange sie kein öffentliches Aufsehen erregt, doch sind entsprechende Vereinigungen oder Zeitungen verboten. Bekennende Homosexuelle können nicht Parteimitglieder werden.
Kuba hat die höchste Selbstmordrate des Kontinents.
Religionen
Durch eine Verfassungsänderung vom 12. Juli 1992 wurde Kuba von einem atheistischen Staat zu einem säkularen, wodurch auch Gläubigen die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei (PCC) ermöglicht werden sollte. Nach Massenverfolgungen und Zerschlagung der sozialen Strukturen der Kirche wird aktive Religiosität auf Kuba heute nicht mehr verfolgt, aber weiterhin staatlicherseits geächtet.
Als Kubas Hauptreligion gilt neben dem Katholizismus die Santería, eine afro-katholische Mischreligion. Sie basiert auf der animistischen Religion der westafrikanischen Yoruba und ist stark mit katholizistischen Elementen versetzt. Da die Religionen keine offizielle Struktur besitzen, sind die tatsächlichen Anhängerzahlen schwer zu ermitteln. Als unpolitische und unorganisierte Form der Religionsausübung erfreut sich die Santeria in den letzten Jahren sogar staatlicher Förderung.
Der Katholizismus ist die - vermutlich nach der Santería - stärkste Religionsgemeinschaft Kubas. Einigen Schätzungen zufolge sind etwa 35 Prozent der Kubaner katholisch getauft, darunter jedoch auch viele Santería-Anhänger. Andere Schätzungen gehen von höheren Zahlen aus. Da die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche Voraussetzung für die Santería ist, sind genaue Abgrenzungen nicht möglich.
Neben der katholischen Kirche sind in den letzten Jahren zahlreiche protestantische und vor allem evangelikale Gemeinden entstanden. Daneben zählt man etwa 89.000 Zeugen Jehovas, deren Anhängerschaft sich trotz Verhaftungen und Predigtdienstverboten wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber chirurgischen Eingriffen und Bluttransfusionen seit der Revolution mehr als verfünffacht hat.
Katholische Schutzpatronin Kubas ist die Virgen de la Caridad de Cobre (Barmherzige Jungfrau von El Cobre), die in der Santería auch für die Göttin der Flüsse und der Liebe Ochún steht.
Siehe auch:
- Santería
- Judentum in Kuba
Geschichte
Judentum in Kuba
Hauptartikel: Geschichte Kubas
Kuba und die dort lebenden Arawak gerieten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter spanische Kontrolle. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden die indigenen Völker durch Gewalt und Krankheit praktisch ausgerottet. Für den sehr arbeitsintensiven Zuckerrohranbau besorgten die spanischen Pflanzer sich im 17. und 18. Jahrhundert zehntausende afrikanischer Sklaven.
Die Kämpfe der Kolonie um Unabhängigkeit begannen 1868 und dauerten mit Unterbrechungen bis zum Abzug der Spanier im Jahr 1898 an, als die USA intervenierten (Spanisch-Amerikanischer Krieg). Die USA besetzten die Insel, bis sie schließlich 1902 endgültig die Unabhängigkeit erlangte. Diese war allerdings bis 1934 durch das Platt Amendment eingeschränkt, das den USA bei Beeinträchtigung US-amerikanischer Interessen ein jederzeitiges Interventions-Recht in Kuba gab. Ein Überrest dieser US-amerikanischen Sonderrechte ist der gegen den erklärten kubanischen Willen noch heute von den USA aufrechterhaltene Marinestützpunkt Bahía de Guantánamo (Guantanamo Bay).
1959 ersetzte die Revolution unter der Führung von Fidel und Raúl Castro, Camilo Cienfuegos und dem Argentinier Ernesto Che Guevara die langjährige Diktatur von Fulgencio Batista durch die Diktatur Fidel Castros. Seit 1961 (Deklaration von Havanna) ist Kuba ein sozialistisches Land.
sozialistisches
Wegen der von der Revolutionsregierung betriebenen Verstaatlichungspolitik, von der insbesondere eine Reihe großer US-amerikanischer Wirtschaftsunternehmen, aber auch kubanische Großgrundbesitzer mit Besitz über 64 Hektar Land betroffen waren, verhängten die USA Sanktionen gegen Kuba, die schließlich unter dem Einfluss der Exilkubaner um den Alkohol-Clan Bacardi in einer totalen Wirtschaftsblockade der Insel mündeten, welche bis heute andauert. In Resolutionen der UNO und auch auf dem 15. Iberoamerikanischen Gipfeltreffen 2005 wurden die USA aufgefordert, ihre Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade gegenüber Kuba zu beenden. Parallel dazu verließen in mehreren Flüchtlingswellen tausende Kubaner ihre Heimat, von denen sich ein Großteil in Florida ansiedelte. Kuba suchte und fand Unterstützung bei den sozialistischen Staaten Osteuropas, insbesondere der damaligen Sowjetunion. Auf Grund der strategischen Lage Kubas eskalierte 1962 der Konflikt zwischen den USA und der UdSSR in der sogenannten Kubakrise. Darin wurde Kuba zum Spielball zweier Atommächte.
Nach dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch von Kubas wichtigsten Handelspartnern und Geldgebern (Sowjetunion und COMECON) zu Beginn der 1990er Jahre erlebte Kuba eine schwere Wirtschaftskrise, die 1993 ihren Tiefpunkt fand. Unter der Führung von Carlos Lage Dávila wurde die Wirtschaft dezentralisiert und an die Erfordernisse des Weltmarktes angepasst, Marktwirtschaft und Devisenhandel in einigen Nischen zugelassen. Seitdem gehört Kuba laut Weltbank zu den Staaten der Dritten Welt mit wirtschaftlichen Zuwachsraten. Joint-Venture-Geschäfte im Tourismus-Bereich, die Zusammenarbeit mit neuen Außenwirtschaftspartnern (u.a. Spanien, Italien, Kanada, Brasilien, Volksrepublik China, Venezuela), die Entdeckung von neuen Ölvorkommen und die Vermarktung der bedeutenden Nickelvorkommen trugen zur Stabilisierung der kubanischen Wirtschaft bei. Allerdings entstanden auch soziale Disparitäten.
Siehe auch: Liste der Gouverneure und Präsidenten auf Kuba
Liste der Gouverneure und Präsidenten auf Kuba
Politik
Staat und Regierung
Die Staatsorganisation entspricht dem klassischen sozialistischen Modell: Formal ranghöchstes und gesetzgebendes Organ ist das Parlament (asamblea nacional del poder popular), welches den Staatsrat (consejo de estado) und den Ministerrat, welcher als Regierung fungiert, wählt. Tatsächlich ist das nur zweimal im Jahr zusammentretende Parlament relativ einflusslos und hat vor allem die Aufgabe, Entscheidungen abzusegnen. Die Abgeordneten sind an der Staatsführung oder gar an der Kontrolle der Exekutive nicht beteiligt und nur nebenberuflich tätig, sie erhalten keine Diäten. Gemäß der Verfassung ist die führende Rolle im Staate der Kommunistischen Partei Kubas (Partido Comunista de Cuba) zugewiesen, welche sie gemeinsam mit den Massenorganisationen (Gewerkschaften, Komitees zur Verteidigung der Revolution, Frauen- und Jugendverbände etc.), die als Transmissionsriemen dienen, ausübt. Staatspartei wie Massenorganisationen sind hierarchisch von oben nach unten aufgebaut. Andere Parteien sind nicht zugelassen. Einen ähnlichen Monopolstatus genießen auch die Massenorganisationen, Arbeitnehmerorganisationen außerhalb des staatlichen Gewerkschaftsbundes sind verboten. Innovativ ist die Tatsache, dass in allen Wahlkreisen mindestens zwei Bewerber aufgestellt werden müssen, welche nicht immer Mitglied der Partei sind. Allerdings werden alle Bewerber von einem Ausschuß der PCC und der Massenorganisationen ausgewählt und dürfen keinen Wahlkampf betreiben, also keine eigenen politischen Programme vorstellen. Auf diese Weise führt die Parteispitze den Staat, ein ähnlicher Aufbau ist auf den unteren administrativen Ebenen gegeben. Als gleichzeitiger Generalsekretär der PCC, Vorsitzender des Staats- und des Ministerrates sowie Oberbefehlshaber der Streitkräfte vereinigt Fidel Castro alle Macht im Staate in seiner Person. Die Staatsverfassung Kubas lässt sich somit als totalitär-autokratisch kennzeichnen.
Das Gerichtswesen unterliegt staatlicher Kontrolle. Bei einfachen Zivil- und Strafverfahren auf den unteren Ebenen stellen Laien-, sonst Berufsrichter die Mehrheit. Alle Richter werden von der Volksvertretung ihrer jeweiligen Ebene gewählt. Das kubanische Rechtssystem entspricht nicht rechtsstaatlichen Standards, gewährleistet aber in unpolitischen Bereichen – insbesondere dem Zivilrecht – eine funktionierende Gerichtsbarkeit. Es gibt keine unabhängige Anwaltschaft.
Der PCC gehören etwa 15% der erwachsenen kubanischen Staatsbürger an. Aufgenommen werden nur Personen, welche sich durch einen vorbildlichen Lebenswandel und ideologische Festigkeit auszeichnen. Die Parteizugehörigkeit ist Voraussetzung für den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg in vielen Bereichen. Von den Mitgliedern wird ebenso wie von denen der anderen Massenorganisationen freiwillige unbezahlte Arbeit für die Wirtschaft erwartet.
Kontrolle der Bevölkerung
In jedem Viertel hat ein Beauftragter der kubanischen Regierung seine Mitbürger zu auf ideologische Festigkeit zu prüfen, politische „Straftaten“ anzuzeigen und darauf zu achten, dass niemand den gelenkten Wahlen fernbleibt.
Daneben gibt es die politische Polizei, welche dem Innenministerium untersteht. Ihr Netzwerk überzieht das gesamte Land und gewährleistet Kontrolle über jeden Betrieb. Sie betreibt auch das Informantennetzwerk.
Die Regierung bemüht sich, jeden Bürger von seiner Kindheit an in das totalitäre System einzubinden. Schule und Arbeitsplatz unterliegen der Kontrolle des Staates und dienen der Indoktrination. Schüler, Studenten und Arbeitnehmer werden von ihren Lehrern und Gewerkschaftsfunktionären jährlich auf ihre ideologische Festigkeit hin schriftlich beurteilt und katalogisiert. Außerhalb der Arbeitszeit übt der Staat Einfluss über die Massenorganisationen aus, in denen die Mitglieder ideologisch geschult werden und freiwillige Arbeit für den Staat leisten. Auch die Staatsgewerkschaft sieht es als ihre Hauptaufgabe an, ihre Mitglieder zu unbezahlter Mehrarbeit anzuhalten und über die politische Treue der einzelnen Arbeitnehmer nach oben Bericht zu erstatten.
Eine – zumindest öffentlich zur Schau getragene – Übereinstimmung mit der Parteilinie ist Voraussetzung für Studium und berufliches Fortkommen.
Selbst Psychologen müssen der Regierung regimekritische „Fälle“ melden und natürlich hat die Staatssicherheit Zugang zu ihren Akten.
Die Regierung erreicht so immer wieder eine beeindruckende Mobilisierung. Bei gut geplanten wochenlangen Demonstrationskampangnen bringt sie beinahe jeden erwachsenen Kubaner mindestens einmal auf die Straße (Rekord: 7 Millionen Teilnehmer). Für das Verfassungsreferendum zur Festschreibung des Sozialismus konnten die Comites de Defensa de la Revolucion die Unterschriften von fast 93% der Bevölkerung sammeln. Durch entsprechende Sanktionsmaßnahmen wird auch regelmäßig eine Wahlbeteiligung von über 90% erreicht.
Opposition
Eine dem Staat und der Partei gegenüberstehende, organisierte Opposition ist im politischen System Kubas nicht vorgesehen. Nicht staatskonforme Parteien oder Organisationen der Zivilgesellschaft sind illegal.
Es gibt mehrere hundert, meist nur aus wenigen Mitgliedern bestehende Organisationen und Parteien, die in Dachverbänden wie der Asamblea Para Promover la Sociedad Civil en Cuba (Versammlung zur Förderung einer Zivilgesellschaft auf Kuba), Todos Unidos (Alle Zusammen), Convergencia Liberal Cubana (Liberale Kubanische Konvergenz) oder der Frente de Unidad Nacional (Front der Nationalen Einheit) zusammenarbeiten, teilweise aber auch untereinander zerstritten sind.
Wichtige Gruppen sind die Partido Solidaridad Democrática (Partei der Demokratischen Solidarität), das Movimiento Cristiano Liberación (MCL, Christliche Befreiungsbewegung, Gründer: Osvaldo Payá) oder der Arco Progresista (Spektrum des Fortschritts) und die von Martha Beatriz Roque Cabello geführte Asamblea Para Promover la Sociedad Civil en Cuba, wobei letztere eng mit rechten exilkubanischen Organisationen in Miami zusammenarbeitet, was von den anderen großen Oppositionsgruppen sehr kritisch gesehen wird. Deutlich wurde dieser Unterschied in der Haltung zur ersten öffentlichen und von der kubanischen Regierung geduldeten Versammlung zur Förderung der kubanischen Zivilgesellschaft am 20. Mai 2005 unter Vorsitz von Martha Beatriz Roque Cabello und Vladimiro Roca in Havanna: die erstgenannten Organisationen und die Hälfte der 75 Opfer der letzten Massenverhaftung erklärten ihre Nichtteilnahme bzw. Ablehnung der dort vertretenen politischen Ziele.
Die innerkubanische Opposition versucht mit friedlichen Mitteln eine Transformation auf Kuba zu erreichen. Mittel dazu sind neben Aufklärungsarbeit gegen die allgegenwärtige staatliche Propaganda vor allem Aktionen wie (ungenehmigte) Demonstrationen, Sammlungen von Bürgerinterviews, Unterschriftensammlungen für (später nicht genehmigte) Volksabstimmungen und (abgelehnte) Angebote an die Regierung zum gemeinsamen Dialog. Diese Aktionen sind für die Teilnehmer nicht ungefährlich, da sie naturgemäß ein öffentliches Eingeständnis der regimekritischen Haltung mit sich bringen. Daneben gibt es kleine unabhängige Gewerkschaften oder Bibliotheken abseits der amtlichen Propagandamaschinerie.
Außerhalb Kubas existiert unter den 2 Millionen kubanischen Emigranten (siehe Exilkubaner) in Miami eine aktive Opposition, deren wichtigste Organisation die allgemein als rechtsradikal eingeschätzte Cuban-American National Foundation CANF ist.
Neben Aufklärungs- und Lobbyarbeit betreiben einige exilkubanische Organisationen auch regelrechte Flugdienste über der Karibik, um kubanische Flüchtlinge aus dem Meer zu fischen und sicher an Land zu bringen. Einige fliegen mit Kleinflugzeugen sogar bis nach Kuba und werfen dort regierungskritische Flugblätter ab. Im Februar 1996 ließ das Regime zwei dieser Flugzeuge über dem offenen Meer von der Luftwaffe abschießen, wobei umstritten ist, ob sich die Flugzeuge bei diesem Angriff innerhalb oder außerhalb des kubanischen Hoheitsgebietes befanden.
Teilweise in Zusammenarbeit mit Stellen der US-Regierung verüben dortige Oppositionsgruppen auch einzelne Terroranschläge, um die Lage in Kuba zu destabilisieren.
Für die kubanische Regierung sind prinzipiell alle Oppositionsgruppen und –aktivitäten das Werk des US-Imperialismus.
Tatsächlich stehen insbesondere einige exilkubanische Organisationen den USA nahe und streben nach der Überwindung des Castro-Regimes eine enge Anbindung an den großen Nachbarn an; ihre Kritiker bezeichnen dies als offenen oder verdeckten Annexionismus. Die US-Regierung hat allein für das Jahr 2006 15 Mio. US$ im Haushalt für die Unterstützung von kubanischen Oppositionsgruppen und exilkubanischen Organisationen in Miami vorgesehen (Quelle: USAID Kuba-Programm [1]), die z.T. unmittelbar von der US-amerikanischen Interessensvertretung in Havanna an die Zielorganisationen ausgezahlt werden oder über die Exilorganisationen in Miami verteilt werden. Eine 2005 eigens geschaffene US-Behörde im Weißen Haus, die Commission on Assistance to a Free Cuba (Unterstützungskommission für ein freies Kuba) soll die Arbeit der verschiedenen Ministerien gegen die kubanische Regierung koordinieren.
Eine fast vollständige Auflistung der gesetzlich nicht anerkannten Organisationen auf Kuba mit Mitgliederzahlen und kurzer Kennzeichnung ihrer Zielsetzungen findet sich hier: [http://www.cubasource.org/pdf/organizations_s.pdf] (spanisch, Stand: 29. Juli 2004))
Menschenrechte
Die kubanische Regierung enthält ihren Bürgern systematisch und strukturell wesentliche Menschenrechte vor, insbesondere die Rechte auf körperliche Unversehrtheit, Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit, freie Meinungsäußerung, Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Medien- und Informationsfreiheit, Ausbildungs- und Berufsfreiheit, Freizügigkeit innerhalb und außerhalb des Landes, Versammlungs-, Vereinigungs- und Koalitionsfreiheit. Rechtsstaatlichkeit, faire Verfahren und eine unabhängige Anwaltschaft sind nicht gewährleistet.
Die Verfassung erwähnt zwar die Grundrechte, ordnet ihre Ausübung aber den staatlichen Zielen unter. Es gibt keine unabhängige richterliche Gewalt, welche die Einhaltung der Menschenrechte sicherstellt. Menschenrechtsvereinigungen sind nicht zugelassen.
Als besonders schlimm gelten die kubanischen Gefängnisse, in denen zur Zeit fast ein Prozent der Bevölkerung, darunter Hunderte politische Gefangene, einsitzen (die Unterscheidung zwischen politischen und nichtpolitischen Gefangenen ist nicht immer ganz einfach, weil viele Dissidenten auch wegen unpolitischer Gummitatbestände, wie Asoziales Verhalten, eingekerkert werden). Gefangene werden häufig entfernt von ihren Angehörigen untergebracht und Besuche nur selten gestattet, ebenso wenig haben sie Zugang zu Radio oder Zeitungen. Nach Berichten ehemaliger Gefängnisinsassen sind primitivste Lebensbedingungen, verweigerte medizinische Versorgung, Isolationshaft, Misshandlungen und teilweise Folter an der Tagesordnung. Das Regime untersagt als eines von wenigen Ländern dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz den Zugang zu den Haftanstalten, so dass die dortigen Gefangenen völlig ihren Wärtern ausgeliefert sind.
Auch normale Bürger müssen mit Polizeiwillkür rechnen.
Die Todesstrafe ist nicht abgeschafft und ist für zahlreiche, auch politische, Straftaten vorgesehen und wird immer noch verhängt. Zur Zeit befinden sich rund 45 Kubaner in Todestrakten. Zuletzt wurde die Todesstrafe 2004 in drei Fällen vollstreckt. Fidel Casto liess drei Männer erschiessen, die in Havanna eine schrottreife Fähre entführt hatten, mit der sie nach Florida flüchten wollten.
Opposition und kritische Meinungsäußerung wird mit den Mitteln des Strafrechts geahndet. Dissidenten können jahrzehntelang eingesperrt werden, ihre Strafen müssen sie regelmäßig voll absitzen. Gemäß dem ley de peligrosidad ist es sogar möglich, jeden, der „eine Bedrohung für den Sozialismus“ darstellt, unbegrenzt lange und ohne Gerichtsverfahren in Haft zu halten. Bedroht sind vor allem die vielen international unbekannten regierungskritischen Bürger, die keine weltweite Lobby haben. Auf willkürliche Massenverhaftungen folgen oft ebenso willkürliche Freilassungen.
Neben den Maßnahmen des Strafrechts gibt es auch eine ganze Palette von „weichen“ Maßnahmen mit denen die Regierung gegen Regimekritiker vorgeht: Drohungen, Schikane, Hausarrest, Beschlagnahmungen, öffentliche Verunglimpfungen und Verlust des Arbeitsplatzes.
Zur Rechtfertigung der Menschenrechtsverletzungen führen das Regime und seine ausländischen Verteidiger folgendes an:
- Vergleich mit anderen Ländern. Zum einen wird darauf abgestellt, dass die kubanische Regierung viele Menschenrechtsverletzungen lateinamerikanischer Diktatoren (Verschwindenlassen, Todesschwadronen) unterlassen hat, zum anderen wird in fast allen Kommentaren auf die Menschenrechtslage in den USA und seit neusten insbesondere auf das rechtsfreie Gefängnis in Guantánamo Bezug genommen.
- Verunglimpfung der Opfer. Insbesondere wird behauptet, dass die meisten Regierungskritiker von den USA unterstützte und bezahlte Agenten seien.
- Kritik am „bürgerlichen Menschenrechtsbegriff“. Kuba behauptet, soziale Menschenrechte (Recht auf Arbeit und Bildung, Recht auf Teilhabe am nationalen Wohlstand und Recht auf medizinische und soziale Versorgung) besser zu achten als andere lateinamerikanische Staaten und tlw. die USA selbst.
International sorgen vor allem Human Rights Watch und Amnesty International dafür, dass die Menschenrechtsverletzungen an den Kubanern im Gespräch bleiben. Auch die UN-Menschenrechtskommission, in der Kuba selbst Mitglied ist, erteilte dem Land dieses Jahr eine „gemäßigte Rüge“.
Emigration
Prinzipiell ist das Auswanderungsrecht nicht gewährleistet, ungenehmigtes Verlassens des Territoriums, aufgrund der Insellage ohnehin gefährlich, wird strafrechtlich verfolgt. Bevorzugtes Auswanderungsziel sind die USA, aufgrund ihres Wohlstandes, der familiären Beziehungen zu den zahlreichen Exilkubanern und der Hilfe der US-Regierung für kubanische Emigranten (insbesondere dem sofortigen Erwerb der Staatsbürgerschaft).
Mit den Vereinigten Staaten besteht ein von der Clinton-Regierung ausgehandeltes Migrationsabkommen: die USA stellen jedes Jahr 20.000 in der Bevölkerung sehr begehrte Visa aus, die eine legale Auswanderung ermöglichen. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA, alle illegalen Flüchtlinge, welche sie auf See aufgreifen, unverzüglich wieder nach Kuba abzuschieben. Dies wird jedoch seit der Amtsübernahme von Präsident Bush nicht mehr praktiziert.
In den Jahren nach der Revolution verließen große Teile der ehemaligen Staatsführung, der Oberschicht, des Mittelstandes und des Klerus Kuba.
Zur zweiten großen Emigrationswelle nach der Revolution kam es 1980, als über US-amerikanische Sender die Nachricht verbreitet wurde, dass die peruanische Botschaft in Havanna Visa für die Ausreise nach Peru ausstelle, mit denen eine Weiterreise in die USA möglich sei. In Anbetracht des Ansturms von zehntausenden Ausreisewilligen, die zum Teil seit langem über Pässe verfügten, forderte der peruanische Botschafter Polizeischutz an. Als eine Gruppe diesen Polizeischutz durchbrach, zwei Polizisten tötete und trotzdem nicht von der peruanischen Botschaft ausgeliefert wurde, hob die kubanische Regierung die Abriegelung der peruanischen Botschaft auf. Die unhaltbaren Zustände auf dem Botschaftsgelände wurden am 17. April dadurch beendet, dass Fidel Castro in einer Rede die Möglichkeit eröffnete, auch ohne Visum mit dem Schiff vom Hafen Mariel aus in die USA auszureisen. Die Schiffe wurden bis zur 12-Meilen-Zone vor die US-amerikanische Küste eskortiert. Innerhalb von drei Monaten verließen ca. 125.000 Kubaner das Land. Um diese Einwanderungswelle zu beenden, schloss die US-Regierung unter dem Präsidenten Carter mit der kubanischen Regierung ein Abkommen, das die legale Einreise über festgelegte Quoten regeln sollte, aber von der nachfolgenden Reagan-Regierung nicht mehr eingehalten wurde.
Heute ist es neben der allgegenwärtigen staatlichen Kontrolle vor allem die desolate Wirtschafts- und Versorgungslage die viele Leute außer Landes treibt. Wer das Land verlässt, muss häufig seine Familie und sein soziales Umfeld zurücklassen und sich in einem fremden Land eine neue Existenzgrundlage schaffen, wobei die Regierung jede Mitnahme von Besitz untersagt und das Eigentum von Immigranten sofort verstaatlicht.
Die Grenze zum US-Stützpunkt hat die kubanische Regierung mit Zäunen umgeben und verminen lassen, um eine erfolgreiche Flucht dorthin zu verhindern.
Insgesamt verliessen über eine Million Kubaner seit der Revolution ihre Heimat, über 2 Millionen Kubaner leben außerhalb der Insel.
siehe auch Artikel Exilkubaner
Bildungswesen
Bildung ist in Kuba kostenlos und es besteht eine 9-jährige Schulpflicht. Kuba hat ein dreigeteiltes Bildungssystem, das aus Grund-, Mittel-, und Oberschule besteht.
Das Schulwesen steht für Jungen auch im Dienst vormilitärischer Ausbildung, ältere Schüler lernen den Umgang mit Waffen. Die Lehrer müssen jährlich jeden Schüler und auch dessen Eltern nach der politischen Ausrichtung und den politischen Aktivitäten schriftlich beurteilen. Negative Bewertungen verhindern trotz Begabung eine weitergehende Ausbildung. In den Schulen wird ausschließlich die Sicht der Partei auf Geschichte und Gegenwart Kubas gelehrt, welche nicht hinterfragt werden darf. Vom Staat unabhängige Schulen wurden nach der Revolution gleich aufgelöst und sind bis heute verboten.
Kubas Bildungssystem gehört zu den besten in Lateinamerika. 2001 lagen die kubanischen Schüler der vierten und fünften Klasse bei einem Test der UNESCO weit vor den anderen lateinamerikanischen Ländern. Weltbankpräsident James Wolfensohn sagte Ende 2002, dass es Kuba gelungen sei, die Einschulungsquote auf 100 % zu steigern. Die Analphabetenquote liegt bei 0,2 %. Nach dem UNESCO-Education for All Development Index (2004) gehört Kuba zu den am höchsten entwickelten Ländern der Welt im Bildungsbereich (neben Kanada, Finnland und Südkorea). Als Folge davon hat Kuba eine hervorragend ausgebildete Bevölkerung. Doch fällt es schwer, dieses Potenzial angemessen zu nutzen. Viele Ärzte und Facharbeiter erledigen im Tourismussektor Arbeiten völlig unterhalb ihrer Qualifikation, weil teilweise schon das Dollartrinkgeld eines Tages ihrem Monatsverdienst entspricht. Aus den selben Gründen gibt es auch viele Schulabbrecher.
Das Studium auf Kuba ist kostenlos, allerdings müssen alle Studenten nach ihrem Abschluss drei Jahre lang für den Staat einen "Sozialdienst" ableisten.
In Kuba ist der Frauenanteil der Studenten höher als in jedem anderen lateinamerikanischen Land. Ebenso schneiden kubanische Studenten besser ab als ihre Kommilitonen in Lateinamerika in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Sprache. Diese Leistungen werden auch von Regimegegnern anerkannt. [http://gseweb.harvard.edu/news/features/cuba04012002.html Harvard Graduate School of Education]
In Kuba gab es drei sogenannte Bildungsrevolutionen. Die dritte Bildungsrevolution wurde ca. 2000 gestartet und sollte Probleme, wie die steigende Zahl von Schulabbrüchen, das vermehrte Schwänzen, den Verfall von Gebäuden, die Ausstattung der Schulen und den Mangel an Lehrern lösen. Heute beträgt die durchschnittliche Klassenstärke 12 Schüler und jede Schule besitzt Computerarbeitsplätze und Video-Geräte. Zwischen 2000 und 2002 wurden für die Renovierung, Erweiterung und Neubau von ca. 779 Grund- und Mittelschulen 20 Millionen Euro und 215 Millionen Peso ausgegeben.
Probleme gibt es bei den Lehrkräften, da diese mit ungefähr 250 Kubanischen Peso (ca. 8 Euro) im Monat schlecht bezahlt werden und darum lieber im Tourismus arbeiten, wo mehr Geld (Devisen) verdient werden kann. Um dem Unterrichtsausfall entgegenzutreten, werden sogar Jugendliche zu sogenannten Notlehrern ausgebildet. Nach Schätzungen sollen bisher 40.000 Notlehrer ausgebildet worden sein.
Teil des kubanischen Bildungswesens sind auch regelmäßige Verschickungen in "Landinternate", wo die älteren Schüler und Studenten neben ihrer Ausbildung kostenlos in der Landwirtschaft arbeiten.
Militär
Die Revolutionären Streitkräfte Kubas (FAR - Fuerzas Armadas Revolucionarias) bestehen aus wehrpflichtigen Männern sowie Berufssoldaten und -soldatinnen. Sie sind ca. 38.000 Mann stark. Dem einflussreichen Militär gehört auch ein großer Teil der kubanischen Wirtschaft. Daneben verfügt das Innenministerium über paramilitärische Einheiten.
Aufgrund der eigenen historischen Erfahrungen (30-jähriger Unabhängigkeitskampf im 19. Jahrhundert, Invasion in der Schweinebucht) sowie des Verteidigungskrieges Vietnams gegen China 1979 wurden die Milizen zur Territorialverteidigung (MTT-Milicias de Tropas Territoriales) geschaffen. Die Milizen setzen sich aus aus dem Regime ergebenen Arbeitern, Hausfrauen, Studenten etc. zusammen. Die Milizionäre haben in ihren Wohn- und Arbeitsgebieten Zugang zu Waffen und sind für einen Guerillakrieg gegen mögliche Invasoren (gedacht ist speziell an die USA) ausgebildet. Nach kubanischer Auffassung ist der Zugang zu Waffen für die regimetreueste Minderheit ein wichtiger Teil demokratischer Machtausübung, aus dem die kubanische Revolution historisch und aktuell ihre Legitimität ableitet. Militärisch ist es die Aufgabe der Milizen, im Falle einer Invasion die gegnerischen Kräfte zu binden und damit den Einheiten der regulären Armee Zeit zur taktischen und strategischen Restrukturierung zu geben. Kritiker sehen eher deren Aufgabe darin, Aufstände in der Bevölkerung schnell und blutig zu beenden, bzw. solche gar nicht erst entstehen zu lassen.
Provinzen
Invasion
Invasion
Kuba ist in 14 Provinzen und das Sonderverwaltungsgebiet Isla de la Juventud unterteilt:
1. Isla de la Juventud
2. Pinar del Río
3. La Habana
4. Ciudad de la Habana
5. Matanzas
6. Cienfuegos
7. Villa Clara
8. Sancti Spíritus
9. Ciego de Ávila
10. Camagüey
11. Las Tunas
12. Granma
13. Holguín
14. Santiago de Cuba
15. Guantánamo
Wirtschaft
Guantánamo
Kuba zählt zu den letzten bestehenden sozialistischen Volkswirtschaften. Nach dem Ende der UdSSR kam es mit dem Wegfall des wichtigsten Handelspartners Kubas 1991 zu einer ökonomischen Krise (genannt período especial en época de paz = besondere Periode in Friedenszeiten; kurz: período especial/Sonderperiode), die bis heute andauert. Der Ostblock hatte Kubas landwirtschaftliche Produkte über dem Marktpreis gekauft und Finanzhilfen geleistet, allein die UDSSR zahlte zuletzt 5 Milliarden Dollar jährlich (zum Vergleich: das heutige Bruttosozialprodukt Kubas liegt in einer Größenordnung von etwa 30 Milliarden Dollar jährlich).
Wegen der großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten war der US-Dollar ab 1993 offizielles Zahlungsmittel neben dem Peso, doch seit dem 8. November 2004 ist der US-Dollar durch den Peso Convertible ersetzt.
Die desolate Wirtschaftslage zwang die Regierung zu marktwirtschaftlichen Reformen, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
Es entstand neben der ineffizienten Planwirtschaft eine zweiter produktiverer Wirtschafsbereich mit marktwirtschaftlichen Elementen. Erstmals wurde kleine innovative Familien- und Einpersonenbetriebe zugelassen, einige Staatsbetriebe wurde nach betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen geführt und Bauern durften einen Teil ihrer produzierten Waren selbst verkaufen.
Um schnell an ausländisches Kapital heranzukommen und die Standortvorteile als relatives Billiglohnland ohne Betriebsräte und freie Gewerkschaften auszunutzen, erlaubte die Regierung sogar ausländischen Unternehmen auf Kuba zu investieren, tlw. als Joint-Ventures mit Staatsunternehmen. Kritiker werfen der Regierung vor, damit einen Ausverkauf des Landes zu betreiben.
Die ausländischen Unternehmen dürfen sich ihre Mitarbeiter allerdings nicht selbst aussuchen, vielmehr werden diese ihnen vom Staat zugewiesen. Deren Löhne sind für die Regierung eine willkommene Einkommensquelle. Die ausländischen Arbeitgeber müssen den Lohn ihrer kubanischen Mitarbeiter nämlich in Dollar an die Regierung zahlen, welche dann den – nach dem völlig utopischen amtlichen Kurs – umgerechneten Betrag in Pesos ausbezahlt. Auf diese Weise behält die Regierung 95% des Lohnes ein.
Trotz hoher Strafen blüht auch der Schwarzmarkt, da er die Bedürfnisse der Einwohnern besser befriedigt als die Planwirtschaft.
Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erholte sich seit der Wirtschaftskrise von 1993 (0,7%) auf 3% im Jahre 2004. Die Produktion hat aber immer noch nicht den Stand des kalten Krieges wieder erreicht. Kubas Außenhandelsbilanz ist stark negativ, das Land muss mehr Güter importieren als es exportieren kann.
Aufgrund einer hohen Staatsverschuldung, einer sehr schlechten Zahlungsmoral und mangelhafter Bonitätseinschätzung hat Kuba keinen Zugang zu langfristigen Investitionskrediten auf den Weltfinanzmärkten, sondern muss sich Gelder mit niedrigen Laufzeiten zu hohen Zinsen (bis zu 20%) leihen.
In der Landwirtschaft ist der Zucker, immer noch Cash crop und Devisenbringer Nummer eins, gefolgt vom Tabakanbau. Die Zuckerproduktion sank jedoch von 9 Millionen Tonnen vor der Revolution auf den heutigen Tiefststand von 2,5 Millionen Tonnen. Inzwischen gewinnt die Nickelproduktion an Bedeutung, hier wirken sich die aktuell hohen Stahlpreise günstig aus. Noch immer müssen Lebensmittel importiert werden.
Wie viele andere Entwicklungsländer versucht Kuba über den Tourismus an Devisen und höhere Staatseinnahmen zu kommen. Viele Konsumgüter, Restaurants, Strände und Hotels sind inzwischen nur noch Touristen vorbehalten. Damit einher ging auch eine rasante Ausbreitung der Prostitution, vor allem auch der Gelegenheitsprostitution. Individualtourismus und enger Kontakt zur Bevölkerung werden möglichst unterbunden. Ein wichtiger Zweig ist auch der Gesundheitstourismus, viele Menschen kommen nach Kuba und lassen sich in dafür eigens eingerichteten Kliniken (ohne die üblichen mangelhafte Ausstattung) kostengünstig behandeln, diese Kliniken stehen auch Funktionären der Partei und Offizieren kostenlos zur Verfügung.
Kuba besitzt eine hochentwickelte Biotechnologie und hat als erstes Land der Welt Impfstoffe
gegen Meningitis B, Meningitis C und Hepatitis B entwickelt.([http://www.kinderkulturkarawane.de/2005/alas/cubainfo02.htm Länderinformationen]). Die Biotechnologie hat in der Landwirtschaft aus Mangel an Energie sowie synthetischen Düngern und Pflanzenbehandlungsmitteln biologische Anbaumethoden gefördert.
Eine ebenfalls hoch entwickelte Pharmaindustrie vermarktet weltweit relativ zahlreiche kubanische Patente auf Medikamente.
Eine weitere Stütze der Volkswirtschaft sind die umfangreichen Geldsendungen der exilkubanischen Gemeinden in den USA an ihre Familienangehörigen (etwa 900 Millionen Dollar pro Jahr). Die Einnahmen daraus sind ungefähr so groß wie die aus dem Tourismussektor.
Seit Juli 1960 besteht eine umfassende Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade seitens der USA gegen Kuba, offiziell als Handelsembargo bezeichnet, das in verschiedener Hinsicht gegen das Völkerrecht verstößt:
- es wurde nicht durch die UNO ratifiziert, sondern wird vielmehr regelmäßig beinahe einstimmig von der UN-Vollversammlung verurteilt
- es erstreckt sich (entgegen der UN-Charta) auch auf Nahrungsmittel und Medikamente.
- es bedroht auch Nicht-US-Bürger mit Strafen der US-Gerichtsbarkeit.
Dennoch sind die USA der zehntwichtigste Handelspartner und die kubanische Regierung muss jährlich Nahrungsmittel im Wert einer halben Milliarde Dollar aus dem Land importieren um die Versorgung ihrer Bevölkerung zu gewährleisten.
Umwelt und Energie
Die Stromversorgung ist unzureichend und störanfällig. Die Energieversorgung beruht vor allem auf fossilen Brennstoffen, wobei die fast kostenlosen Öllieferungen Venezuelas einen wesentlichen Teil des Bedarfs decken. Dennoch gibt es regelmäßig stundenlange Stromabschaltungen.
In den achtziger Jahren versuchte die Regierung erfolglos ein Atomkraftwerk zu errichten. Der Auftrag dazu wurde einem von Castros Söhnen zugeschanzt, der über 12 Jahre erfolglos Milliardensummen der Sowjetunion verschwendete, bis das Projekt aufgegeben wurde.
Kubas Umwelt wurde durch die forcierte Industrialisierung stark belastet. Besondere Umweltproblem sind kontaminierte Gewässer, Luftverschmutzung und Bodenerrosion. Auch der umfangreiche Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft und die mangelhafte Entsorgung von Industrieabfällen gefährden die Umwelt. Der Produktionseinbruch brachte zwangsweise eine gewisse Erleichterung mit sich und veranlasste die Regierung regenerative Energien und Nachhaltigkeit mehr zu fördern.
Offiziell besteht eine umfassende Umweltschutzgesetzgebung, doch ist der Umweltschutz vor allem den Managern der Staatsbetriebe anvertraut, welche sich eher um die Einhaltung der Produktionsvorgaben sorgen. Unabhängige Umweltschutzorganisationen sind nicht zugelassen.
Lebensstandard
Trotz der Probleme liegt der Lebensstandard in Kuba laut dem Human Development Index in den entsprechenden Bereichen noch deutlich über dem fast aller lateinamerikanischen Länder sowie Russlands und der Volksrepublik China. Kuba hat im Vergleich zum Rest Lateinmerikas und tlw. auch zur restlichen Welt eine niedrige Kindersterblichkeitsrate, hohe Lebenserwartung und wenig Analphabetismus.
In anderen Bereichen stagnierte das Wohlstandswachstum sogar oder fiel relativ hinter anderen lateinamerikanische Länder zurück (Telekommunikation, Automobilversorgung, Elektrizitäts- und Nahrungsmittelversorgung).
Die Häuser sind alt, renovierbedürftig und überfüllt.
Zwar wird offiziell jedem Kubaner kostenlose Schulbildung und Gesundheitsfürsorge gewährt, doch werden diese Versprechen wegen mangelhafter Sachausstattung nicht immer angemessen verwirklicht. Noch immer sind viele Konsumgüter rationiert und selbst mit den Lebensmittelkarten oft nicht verfügbar. Selten sind vor allem Fleisch und frisches Obst und Gemüse (ein großer Teil der kubanischen Obst- und Gemüseernten wird als Devisenbringer exportiert oder bleibt den Touristen vorbehalten)
Auf Kuba hat sich desweiteren eine Klassengesellschaft herausgebildet. Die beste Versorgung mit Wohnungen, Nahrung und Luxusartikeln ist den Parteikadern vorbehalten. Darunter sorgt der Staat durch seine Entlohnung für soziale Differenzierungen; am besten werden Polizisten bezahlt. Weitaus stärker wirkt jedoch der Zugang zu Devisen vor allem über Tourismus und Verwandte in den USA. Durch den hohen Schwarzmarktwert des Dollars sind selbst Trinkgelder lukrativer als staatlich bezahlte Arzt- oder Lehrerstellen (rund 8 Dollar im Monat).
Armut ist auf Kuba nicht verschwunden. Die Löhne und vor allem die Renten gelten für die Masse der Kubaner als sehr gering, so dass sie meisten sich bemühen müssen, im informellen Sektor etwas dazu zu verdienen oder aus der Produktion ihrer Betriebe abzugreifen.
Neben dem Staat betreibt auch die Kirche ein soziales Netz im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Soziale Hilfe außerhalb des Staates wird jedoch nicht gern gesehen und möglichst unterbunden. Ausnahmen gelten nur für die politische Entwicklungshilfe der zahlreichen Solidaritätsvereine außerhalb Kubas, welche bereit sind, sich dem Staat unterzuordnen. Auch bei staatlicher Entwicklungshilfe ist das Regime wählerisch; als die EU Castro allzu heftig für seine Menschenrechtsverletzungen kritisierte, strich er die Finanzhilfen der EU für die Bevölkerung.
Kultur
Kubanische Musik
Hauptartikel: Kubanische Musik
In Kuba sind zahlreiche Musikstile und Tänze entstanden, die z. T. international Verbreitung fanden. Zu ihnen gehören der Son, der Mambo, die Salsa, der Danzón, die Rumba, der Cha Cha Cha und die alte und neue Trova (Nueva Trova).
Durch die Übersiedlung vieler Süd- und Mittelamerikaner in die USA während des Zweiten Weltkrieges kam es sehr schnell zu einer leichten Vermischung aus kubanischen Rhythmen und dem Jazz. Nach 1945 wurde kubanische Musik auch in Westafrika sehr beliebt und beeinflusste den Highlife.
Zunehmenden Einfluss gewinnt weltweit der "Reggaeton", moderne kubanische Musik meist jugendlicher Gruppen. Einige dieser Hits mit meist "schlüpfrigen" Texten tauchen neuerdings sogar in europäischen Charts auf.
Tanzschulen
Im folgenden sind renommierte Schulen aufgelistet, die Tänzer ausbilden:
- Conjunto Folklórico Nacional de Cuba
- Escuela de Tropicana
- ENIA - Escuela Nacional de Instructores de Arte
- ISA - Instituto Superior de Arte
Kubanischer Film
Vor der Revolution von 1959 gab es auf Kuba keine eigenständige Filmproduktion. Die wenigen Filme, die auf Kuba produziert wurden, ahmten den Stil US-amerikanischer Produktionen nach. Es gab allerdings in Havanna zahlreiche große "Filmpaläste", in denen alle international bekannten Filme vorgeführt wurden. Andererseits hatten viele Kubaner in den ländlichen Regionen der Insel niemals einen Film gesehen.
Erst in den 1960er Jahren entstand eine eigenständige kubanische Filmproduktion. Am 24. März 1959 wurde aufgrund eines Gesetzes, das mit den Worten "Film ist Kunst" beginnt, das Kubanische Filminstitut ICAIC gegründet. Bis 1970 bestand die Filmproduktion allerdings hauptsächlich aus Dokumentar-, Zeichentrick- und Lehrfilmen. Der 1964 in Kuba gedrehte Film Soy Cuba war zwar eine sowjetisch-kubanische Koproduktion mit Micheil Kalatosow als Regisseur, die ausschließlich kubanischen Filmschauspieler und Mitarbeiter des Films gehören jedoch im weiteren Verlauf zu den Begründern eines eher vom französischen und italienischen Avantgarde-Film beeinflussten, dann aber sehr eigenständigen kubanischen Filmstils. Regisseure wie Tomás Gutiérrez Alea ("Tod eines Bürokraten" - Muerte de un Burócrata, 1964) führten nicht nur unter Cineasten zu einer internationalen Anerkennung des kubanischen Films. 1977 produzierte das ICAIC bereits innerhalb eines Jahres 10 abendfüllende Filme und 61 Kurzfilme. Bis zur Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre war die kubanische Film- und Fernsehproduktion ausgesprochen produktiv, musste dann jedoch aufgrund von Geldmangel so zurückgefahren werden, dass in den 1990er Jahren fast nur noch vom Ausland, besonders von Spanien finanzierte Filme hergestellt wurden, was sich auch in den veränderten Inhalten widerspiegelt. Erst neuerdings gibt es wieder eine eigenständige kubanische Filmproduktion, die mit Streifen wie Suite Habana [http://www.kairosfilm.de/redirect.htm?/filme/suite/index.htm] (Regie: Fernando Pérez, 2003) die besten Traditionen des kubanischen Films fortsetzt.
Bemerkenswert ist der für einen Oscar nominierte Film Erdbeer und Schokolade nach einer Kurzgeschichte von Senel Paz, der gekonnt das Thema Homosexualität in der kubanischen Gesellschaft thematisiert.
Gegen Ende der 1990er Jahre wurde durch den Film Buena Vista Social Club von Wim Wenders eine echte Kuba-Welle ausgelöst. Neben der bis dahin schon international verbreiteten modernen kubanischen Musik wurde nun wieder die Musik der 1940er Jahre zum Exportschlager. Der Film berichtet über die Arbeit von Ry Cooder mit einer Gruppe von kubanischen Musikern, die fast alle bereits das Rentenalter erreicht hatten.
Seit 1986 gibt es die von Gabriel García Márquez mit begründete Internationale Hochschule für Film und Fernsehen in San Antonio de los Baños, an der Studenten aus aller Welt, besonders aber Lateinamerikaner und auch Kubaner ausgebildet werden.
Unverzichtbar für Filmfreunde ist der Besuch des alljährlich stattfindenden Festival Internacional del Nuevo Cine Latinoamericano de La Habana [http://www.habanafilmfestival.com/], welches einen guten Einblick in die Welt des lateinamerikanischen Films ermöglicht.
Kubanische Literatur
Auswahl bekannter kubanischer Schriftsteller:
- Cirilo Villaverde, 1812-1894
- Nicolás Guillén
- José Lezama Lima
- Alejo Carpentier
- José Martí Das Lied Guantanamera von José "Joseito" Fernández Diaz nach einem Gedicht des kubanischen Nationaldichters über ein Mädchen aus der Provinz Guantánamo ist ein Klassiker der Folkmusik.
- Onelio Jorge Cardoso
- Miguel Barnet
- Jesús Díaz, 1941-2002
Medien
Durch die Wirtschaftskrise von 1993 bedingt ist das umfangreiche Angebot, das es an Printmedien (Zeitungen und Bücher) und Kinos auf Kuba gab, sehr stark zurückgefahren worden, während andere Medien wie Fernsehen und Internet, wenn auch nicht in gleichem Maße, zugenommen haben.
Die kubanischen Medien (medios de difusión masiva) sind Staatseigentum nach Kapitel VI Art. 52. der Verfassung von 1976. Das gesamte Medienwesen dient entsprechend auch der Propaganda des Staates.
Presse
Die kubanische Presse steht unter Kontrolle der Regierung, der Kommunistischen Partei Kubas und der Massenorganisationen (Gewerkschaften, Frauenföderation etc.). Den größten Verbreitungsgrad haben folgende kubanische Zeitungen, die alle auch über eine teilweise mehrsprachige Internet-Version verfügen. Die Zeitungen und Zeitschriften haben trotz ihrer nur allmählich wieder steigenden Auflagen sehr viele Leser, da sie in der Regel in der Nachbarschaft systematisch untereinander ausgetauscht werden.
- [http://www.granma.cu Granma] (Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas PCC)
- [http://www.jrebelde.cubaweb.cu Juventud Rebelde] (Organ der Kommunistischen Jugend UJC)
- [http://www.trabajadores.cubaweb.cu Trabajadores] (Zeitung des Gewerkschaftsverbandes CTC)
- [http://www.bohemia.cubaweb.cu Bohemia] (Wochenzeitschrift)
- [http://www.abyznewslinks.com/cuba.htm recht vollständige Liste der kubanischen Zeitungen mit Links]
Unabhängiger Journalismus wird konsequent verfolgt. Insbesondere Berichte über die Lage auf Kuba oder deren Weitergabe an ausländische Medien ist strengstens untersagt. Auf der anderen Seite bemüht sich das Regime auch zu verhindern, dass sich Bürger aus unabhängigen Quelle über die Lage in ihrem eigenen Land informieren können; so dürfen keine ausländischen Publikationen empfangen werden, unbequeme ausländische Sender werden gestört und Internetsites gefiltert.
Fernsehen
Es gibt auf Kuba drei staatliche Fernsehsender, die von der gesamten Bevölkerung empfangen werden können. Einer davon ist ein reiner Kultur- und Bildungssender. Nahezu alle kubanischen Haushalte verfügen über, allerdings mitunter sehr alte, Fernsehgeräte.
Seit Mai 2005 ist die Auslandsversion des kubanischen Fernsehens Cubavisión über Astra (Satellit) auch in Deutschland zu empfangen.
Seit Juli 2005 strahlt der Satellitensender teleSUR sein Programm für Lateinamerika aus, an dem Kuba mit 19% Einlage beteiligt ist.
Radio
Neben zahlreichen Radiosendern mit gemischten Programmen und reinen Musiksendern gibt es den viel gehörten Kanal Radio Reloj (Radio Uhr) mit ständiger Zeitansage und mehr oder weniger gefilterten 24-stündigen Tickermeldungen aller internationaler und nationaler Nachrichtenagenturen.
Ausländische Sender können frei empfangen werden (mit Ausnahme des zeitweise gestörten US-Propagandasenders Radio Marti).
Internet
Seit der Wirtschaftskrise von 1993 setzt die kubanische Regierung verstärkt auf das Internet als Kommunikationsmittel. Mit Hilfe der UNESCO wurde bereits 1994 ein Backbone für die ganze Insel installiert, der zunächst einmal speziell für die Anbindung der Ärzte an aktuelle nationale und internationale medizinische Datenbanken gedacht war. Jeder kubanische Arzt hat, soweit er über einen Computer verfügt, Zugangsmöglichkeiten zu diesem System, das über Gateways auch den beschränkten Zugang zu internationalen Informationsquellen und die freie Verwendung von E-Mail-Diensten ermöglicht. Des weiteren gibt es Internetzugänge in Schulen, Betrieben, Post und auch in privaten Haushalten. Privatzugänge müssen beantragt werden und sind so teuer, dass die breite Masse der Bevölkerung von ihnen ausgeschlossen bleibt. Praktisch kommt er nur für die Bestverdiener der Gesellschaft, also Parteifunktionäre, in Frage.
Die Ausstattung aller Schulen mit Computern und die Internet-Nutzung in vielen kubanischen Betrieben führen seit dem Jahr 2000 zu einem stetig ansteigenden internationalen Kommunikationsverkehr besonders über E-Mail. Der Emaildatenverkehr wird allerdings überwacht. Zur besseren Kontrolle dürfen sich Bürger nur mit ihrer registrierten Telefonnummer ins Internet einwählen.
Für einen Touristen kostet eine Stunde im Internetcafé meistens 6 Convertible Pesos (Dollar).
Mythos Kuba
Weltweit gibt es bei vielen Menschen vom linksradikalen Rand bis hinein in die Sozialdemokratie einen "Mythos Kuba". Das kubanische Staatswesen wird als ein(ziger) gelungener Versuch des Sozialismus
Nueva GeronaNueva Gerona ist eine Stadt auf der kubanischen Insel Isla de la Juventud. Sie ist Hauptort des Sonderverwaltungsgebietes Isla de la Juventud.
Nueva Gerona wurde im Jahr 1830 von US-amerikanischen Pionieren gegründet. Noch heute gibt es einen amerikanischen Friedhof in der Stadt.
Kategorie:Ort in Kuba
Venezuela
Die Bolivarische Republik Venezuela (spanisch República Bolivariana de Venezuela; "Klein-Venedig") ist ein südamerikanischer Staat an der Karibikküste. Die Staaten Brasilien, Kolumbien und Guyana grenzen an das Land.
- Nationalfeiertag: 5. Juli - Freiheitserklärung
- Weitere Feiertage: 24. Juli - Geburtsdatum Simón Bolívars
Geographie
An der Küste verläuft die Bergkette "Cordillera de la Costa". An der Grenze zu Kolumbien befinden sich die venezolanischen Anden.
Südlich der Berge erstrecken sich die großen Ebenen der Llanos, deren südliche Grenze wiederum der Orinokofluss bildet. Das Amazonasgebiet und die Region Guayana liegen südöstlich davon.
Hier, ganz im Süden von Venezuela, findet sich auch ein weltweit einzigartiges geographisches Phänomen, der Brazo Casiquiare, ein natürlicher Kanal, der die Flusssysteme des Orinoko und des Amazonas über den Río Negro miteinander verbindet, so dass die riesigen Gebiete zwischen Orinoko, Amazonas und Atlantik eine 'Insel' bilden. Wie als erster bereits Alexander von Humboldt Anfang des 19. Jahrhunderts berichtete, fließen die Wasser des Brazo Casiquiare je nach relativem Wasserstand Richtung Norden in den Orinoko oder nach Süden in den Río Negro.
Im Südosten befindet sich eine der ältesten Felsformationen der Erde, das "Macizo Guayanés".
Hier befindet sich auch der höchste Wasserfall der Welt, der "Salto del Angel" mit einer Fallhöhe von 965 m.
Die Tafelberge in dieser Region, auch Tepuis genannt, bieten aufgrund ihrer endemischen Tier- und Pflanzenwelt ein breites Forschungsgebiet für Wissenschaftler.
Flüsse
- Apure
- Arauca
- Cabriales
- Catatumbo
- Manzanares
- Tuy
- Caroní
- Caura
- Orinoko
- Guaire
- Cuyuní
- Brazo Casiquiare
- Negro
Wichtige Städte
- Caracas
- Maracaibo
- Valencia
- Barquisimeto
- Ciudad Guayana
- Puerto La Cruz
- Merida
Siehe auch: Liste der Städte in Venezuela
Bevölkerung
Amtssprache ist Spanisch, andere Sprachen sind Guajiro, Pemón und Warao.
Etwa 90 % der Bevölkerung sind katholisch, ein weitaus geringerer Anteil evangelisch.
evangelisch
Geschichte
evangelisch
Hauptartikel: Geschichte Venezuelas
Ab 1948 wurde Venezuela von einer Militärjunta, von 1952 unter Diktator Marcos Perez Jiménez geführt. Mit seinem Sturz 1958 wurde Venezuela eine Demokratie. Seitdem waren bis in die 1990er Jahre die beiden bestimmenden Parteien die sozialdemokratische Acción Democrática und die konservative COPEI, die auch die Präsidenten stellten. In der ersten Amtszeit von Carlos Andrés Pérez (1974 - 1979) stiegen die Einkünfte des Landes aus dem Erdölexport so rapide, dass das Land eines der wohlhabendsten Länder Südamerikas war, "[...] durch den Verkauf von Erdöl hat Venezuela von 1973 bis 1983 rund 240 Milliarden Dollar eingenommen, das heißt etwa das Zehnfache dessen, was der Marshallplan vorsah" (Arturo Uslar Pietri), die damit einhergehende Verteilungspolitik führte zur, für lateinamerikanische Verhältnisse, außerordentlich hohen politischen Stabilität des Landes.
Mit dem eklatanten Verfall des Ölpreises seit 1983 brachen diese Einkünfte jedoch weg und da es keine anderen Wirtschaftszweige gab, die die sinkenden Erdöleinnahmen zu kompensieren vermochten, führte dies gemeinsam mit den immer höher werdenden Auslandsschulden (1993: 45 Milliarden Dollar) zu einer anhaltenden Wirtschaftskrise.
Der in der zweiten Amtszeit Carlos Andrés Pérez' (1989 - 1993) als Folge von Weisungen des Internationalen Währungsfonds begonnene neoliberale Wirtschaftskurs führte im Februar 1989 zu Hungerrevolten, der sogenannten Caracazo, deren gewaltsame Niederschlagung offiziell 246, nach inoffiziellen Schätzungen weit über 1000 Menschen das Leben kostete. Nach zwei Putschversuchen im Jahre 1992, einem am 4. Februar durch Hugo Chávez und einem am 27. November 1993, einem Volkswirtschaftsjahr mit Minuswachstum und der schlussendlichen Absetzung des Präsidenten durch den Obersten Gerichtshof wegen Veruntreuung und Korruption wurde 1994 Rafael Caldera Präsident. Bis 1998 gelang ihm zwar die politische Stabilisierung, der Wirtschaftskrise aber wurde auch er nicht Herr (1994: Inflationsrate: 71 %, schwere Währungskrise und Bankencrash).
Am 6. Dezember 1998 wurde Hugo Chávez mit einem überraschenden Sieg (56 %) zum Präsidenten gewählt. Chávez ist ein Verfechter des Bolivarismus, seine erklärten Ziele sind der Kampf gegen Korruption, die Schaffung und Stärkung möglichst direkter Demokratie, sowie die nationale und ökonomische Unabhängigkeit. Diese Politik wird auch als "Bolivarianische Revolution" bezeichnet. Nach einer, nach damaliger Verfassung rechtlich bedenklichen, Ausarbeitung einer neuen "bolivarischen" Verfassung und deren Annahme per Referendum, wurde Chávez im Jahr 2000 mit einer gegenüber 1998 sogar nochmals deutlich gestiegenen Mehrheit (60 %) bestätigt. Venezuelas Staatsbezeichnung lautet seitdem "Bolivarische Republik Venezuela" und wird im Volksmund als "Fünfte Republik" (quinta república) bezeichnet.
Am 12. April 2002 kommt es zu einem Putsch gegen die Regierung mit dem Ziel, Chávez zu stürzen. Trotz Unterstützung aller privaten Mediensender durch "politisch-parteiische Berichterstattung" (venezolanischer Jornalistenverband) und Schließung des einzigen, staatlichen Senders (Canal 8) durch die neue Regierung scheitert der Umsturzversuch an den breiten Bevölkerungsmassen, die für ihren Präsidenten auf die Straße gehen. Die Putschisten bleiben ungestraft oder gehen ins Exil.
Die USA haben die Politik Chávez' wiederholt scharf angegriffen und öffentlich erklärt, dass man die Opposition unterstütze. Da sie aber einen Großteil ihres Erdöls aus Venezuela beziehen, können sie sich keine allzu große Kritik leisten. Venezuela ist im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern Lateinamerikas in der Lage, seine Auslandsschulden zu bezahlen und ist daher nicht gezwungen, sich dem Spardiktat des internationalen Währungsfonds zu unterwerfen.
Am 15. August 2004 fand ein Referendum statt, das von der Opposition initiiert wurde. Ihm voran gingen Streiks unter anderem bei dem staatlichen Erdölkonzern PDVSA. Nachdem das zuständige Wahlamt festgestellt hatte, dass die notwendige Anzahl von Unterschriften (etwa 2,5 Mio) knapp erreicht worden wäre, erklärte Chávez, er würde sich diesem Referendum stellen. Das Referendum bestätigte Chávez bei hoher Wahlbeteiligung (73 %) mit 58 % (knapp 5 Mio) klar im Amt. Die Opposition warf Chávez Wahlbetrug vor, aber eine von ihnen initiirte und von der OAS (Organisation Amerikanischer Staaten) und dem Carter Center durchgeführte Nachzählung der Stimmen bestätigte das Wahlergebnis. Aufgrund des bemerkenswert hohen Andrangs kam es zu teilweise stundenlangen Wartezeiten und die Schließung der Wahllokale musste mehrfach, letztendlich bis Mitternacht, verschoben werden.
Verwaltungsgliederung
Venezuela untergliedert sich in 23 Bundesstaaten, den abhängigen Gebieten sowie den Bundesdistrikt. Die Bundesstaaten und ihre Hauptstädte sind im Einzelnen:
- Amazonas: Puerto Ayacucho
- Anzoategui: Barcelona
- Apure: San Fernando de Apure
- Aragua: Maracay
- Barinas: Barinas
- Bolívar: Ciudad Bolívar
- Carabobo: Valencia
- Cojedes: San Carlos
- Delta Amacuro: Tucupita
- Falcón: Coro
- Guárico: San Juan de los Morros
- Lara: Barquisimeto
- Mérida: Mérida
- Miranda: Los Teques
- Monagas: Maturin
- Nueva Esparta: La Asunción
- Portuguesa: Guanare
- Sucre: Cumaná
- Táchira: San Cristóbal
- Trujillo: Trujillo
- Vargas: La Guaira
- Yaracuy: San Felipe
- Zulia: Maracaibo
- Dependencias Federales (Abhängige Gebiete)
- Distrito Federal Caracas (Bundesdistrikt)
Wirtschaft
Das OPEC-Gründungsmitglied Venezuela ist der fünftgrößte Exporteur von Erdöl und Erdölprodukten der Welt. Das Land führt auch Stahl, Eisen, Edelmetalle, Zement, Textilien und in viel geringerem Maße andere Produkte aus. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Tourismusbranche.
Venezuela ist Haupteigner des Fernsehsenders TeleSUR. Die Regierung beabsichtigt, mit dem Sender Lateinamerika eine eigene Stimme zu geben. Kritiker befürchten, dass der Staat den Sender für regierungsfreundliche Propaganda nutzen könnte.
Weitere Themen
- Liste der Staatspräsidenten von Venezuela
- Liste bekannter Venezolaner
Weblinks
- [http://www.botschaft-venezuela.de/ Offizielle Netzpräsenz der Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela in Deutschland]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=186 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.netzwerk-venezuela.de Netzwerk Venezuela]
- [http://www.venezuelanalysis.com venezuelanalysis.com]
- [http://www.venezuela-avanza.de Venezuela Avanza]
- [http://www.raulzelik.net/textarchiv/venez-index.htm Texte zu Venezuela von Raul Zelik]
- [http://www.weltfestspiele.de 16. Weltfestspiele der Jugend und Studierenden - Venezuela 2005]
- [http://www.burks.de/venezuel.html Linksammlung und Fotos von Burkhard Schröder]
- [http://astrid-kaiser.de/gallery/album79 Fotos aus Caracas, Merida, Coro, Maracay]
- [http://www.venezuela-info.net Venezuela Info]
Kategorie:Staat
Kategorie:Südamerika
ja:ベネズエラ
ko:베네수엘라
ms:Venezuela
simple:Venezuela
th:ประเทศเวเนซุเอลา
zh-min-nan:Venezuela
Christoph Columbus
Christoph Kolumbus (span. Cristóbal Colón, ital. Cristoforo Colombo, port. Cristovão Colombo, eingedeutscht (bzw. latinisiert) Kolumbus; - wahrscheinlich zwischen dem 25. August und dem 31. Oktober 1451 in Genua; † 20. Mai 1506 in Valladolid) war ein italienischer Seefahrer in spanischen Diensten, der den Europäern - ungewollt - den Weg in das bis dahin unbekannte Amerika eröffnete.
Im Bestreben, auf dem westlichen Seeweg von Europa nach Ostasien zu gelangen, erreichte er am 12. Oktober 1492 die dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten karibischen Inseln. Er selbst glaubte bis zu seinem Lebensende eine Route auf dem Seeweg nach "Hinterindien" entdeckt zu haben.
Seine frühere Bezeichnung als europäischer Entdecker Amerikas wird heute kaum noch verwendet, seit erwiesen ist, dass er nicht der erste Europäer war, der nach Amerika gelangte. Doch seine Fahrten im Auftrag der spanischen Krone hatten eine dramatische Veränderung des europäischen Weltbildes zur Folge und führten zur Kolonisation der Neuen Welt durch die europäischen Mächte.
Die Bewertung seiner Taten und Leistungen ist Gegenstand kontroverser Debatten. Seinem Entdeckerdrang und seinem Mut, in völlig unbekannte Gewässer vorzustoßen, die ihn zum Urbild des Entdeckers werden ließen, steht seine Mitverantwortung für den Völkermord an den Ureinwohnern Amerikas im Zuge der Konquista gegenüber.
Werdegang bis 1480
Nach langen und kontroversen Debatten um Ort und Zeit seiner Geburt neigt die Forschung heute mehrheitlich zu der Ansicht, dass Kolumbus im Jahr 1451 in Genua zur Welt kam. In einem Rechtsstreit von 1479 gibt Kolumbus an, 27 Jahre alt zu sein und 100 Gulden zu besitzen. Ebenso umstritten ist bis heute die Frage seiner Herkunft (siehe den Abschnitt Die Diskussion um seine Herkunft) und seines Lebens vor den großen Entdeckungsfahrten.
Folgende Version gilt heute unter Experten als die plausibelste: Der Vater des Kolumbus war der Genueser Wollweber Domenico Colombo († 1498), seine Mutter Suzanna Fontanarossa, die Tochter eines Wollhändlers. Kolumbus hatte drei jüngere Brüder, Bartolomeo, Giovanni Pellegrino und Giacomo (span. Diego), und eine Schwester, Bianchinetta. Zunächst übte er das Handwerk seines Vaters aus. Nach seinen eigenen Aussagen fuhr er aber auch schon mit 14 Jahren zur See. Ein Studium an der Universität von Padua, von dem mitunter die Rede ist, ist deshalb unwahrscheinlich. Vielmehr brachte er sich die Grundlagen der Kartografie im Selbststudium, zusammen mit seinem Bruder Bartolomeo, bei und erhielt ansonsten kaum eine formale Bildung. 1474 reiste Kolumbus mit einem Schiff nach Chios, wo er ein Jahr blieb.
1476 erreichte er mit einer Handelsexpedition den Atlantischen Ozean. Die Schiffe wurden am 13. August vor dem Kap St. Vincent/Portugal von Freibeutern attackiert, Kolumbus konnte sich aber schwimmend zur portugiesischen Küste retten. Ab 1477 lebte er in Lissabon. Portugal war damals ein Zentrum der europäischen Seefahrt. Der Bruder des Kolumbus, Bartolomeo, wohnte schon in Lissabon als Kartograf; die Brüder arbeiteten eine Zeit lang zusammen als Zeichner. Bald darauf, wahrscheinlich noch im gleichen Jahr, nahm Kolumbus an einer Fahrt in den Nordatlantik teil, die ihn angeblich bis in das sagenhafte Thule führte. In Diensten der portugiesischen Flotte nahm er an weiteren Fahrten teil; 1482-1483 begleitete er eine Expedition entlang der westafrikanischen Küste, die bis zum portugiesischen Handelsposten São Jorge da Mina in Guinea reiste.
1479 heiratete er Felipa Perestrello e Moniz. Ihr gemeinsamer Sohn Diego wurde 1480 geboren. Felipa stammte aus einer adligen Familie mit italienischen Vorfahren, ihr Vater Bartholomeus war an der Besiedlung Madeiras beteiligt gewesen und Gouverneur von Porto Santo. Kolumbus lebte daraufhin einige Zeit auf Porto Santo, wo er sich seinen Lebensunterhalt wiederum als Kartenmacher verdiente und zugleich die Seekarten, Logbücher und Papiere aus dem Nachlass seines verstorbenen Schwiegervaters studierte. Ungefähr zu dieser Zeit muss er begonnen haben, sich intensiv mit einer Seeroute nach Süd- und Ostasien zu beschäftigen.
Die Idee
Ostasien
Indien und das Kaiserreich China waren für Europa wichtige Bezugsquellen von wertvollen Gütern wie Seide und Gewürzen. Seit dem Eindringen der Osmanen in die Levante Mitte des 14. Jahrhunderts und der weitgehenden Entmachtung des Byzantinischen Reiches standen die Landwege nach Indien (dieser Begriff wurde damals für ganz Süd- und Ostasien verwandt) den Europäern nicht länger offen. Hohe Zölle führten zu stark steigenden Preisen für die Luxusgüter. Schon 1418 hatten die Portugiesen auf Veranlassung von Heinrich dem Seefahrer damit begonnen, eine Seeroute nach Indien südostwärts um Afrika herum zu suchen und dabei große Teile der afrikanischen Küste erkundet. (siehe Gewürzroute)
Kolumbus entdeckte für sich jedoch um 1480 die Idee einer Westroute nach Indien wieder, die auf Aristoteles zurückging, der behauptet hatte, man könne den Ozean zwischen den Säulen des Herakles (Gibraltar) und Asien innerhalb weniger Tage überqueren. Diese Theorie wurde auch von anderen Gelehrten unterstützt, unter anderem von Pierre d'Ailly (1350-1420). Kolumbus besaß ein Exemplar der Imago Mundi von d'Ailly, das er mit zahlreichen Anmerkungen versehen hatte. 1474 hatte er in zwei Briefen mit Paolo dal Pozzo Toscanelli über seinen Plan korrespondiert und von diesem Zustimmung erhalten. Des Weiteren las er die Bücher von Marco Polo und hatte auf seinen Reisen in den Norden möglicherweise von den Fahrten der Wikinger nach Nordamerika gehört. Anzunehmen ist, dass Kolumbus auch die seit dem Mittelalter populäre „Navigatio Sancti Brendani“ über eine Westfahrt des irischen Mönches Brendan bekannt war.
Indizien für das Vorhandensein einer Landmasse im Westen Europas gab es einige. Nach einem Sturm abgetrieben, fand ein portugiesischer Kapitän weit im Westen ein fremdartiges Stück Holz, das augenscheinlich bearbeitet worden war. Weitere Hölzer und fremde Pflanzen wurden an die Küsten Madeiras und Porto Santos gespült. Schließlich gab es Gerüchte, dass auf Flores (Azoren) zwei Leichen fremdartigen Aussehens aus dem Westen angespült worden waren. Kolumbus erfuhr von diesen Indizien während seines Aufenthalts auf Porto Santo, als er sich mit Seeleuten unterhielt und die Papiere seines Schwiegervaters las, unter denen sich auch so genannte roteiros (geheime Logbücher portugiesischer Seefahrer) befanden, die ihm Aufschluss über Strömungen und Winde des Atlantiks gaben und so bei der Ausarbeitung seines Plans hilfreich waren. Kolumbus erkannte, dass man sich die Passatwinde für eine schnelle Fahrt nach Westen zu Nutze machen konnte, indem man zunächst südlich steuerte.
Die Kugelgestalt der Erde, Voraussetzung für den Plan des Kolumbus, war seit der Antike und auch im Mittelalter den Gelehrten bekannt gewesen und Ende des 15. Jahrhunderts allgemein akzeptiert, entgegen vieler Klischees auch von der katholischen Kirche, die sich nurmehr gegen das Heliozentrische Weltbild wehrte. Vorstellungen einer scheibenförmigen Erde fanden sich allerhöchstens im einfachen Volk, hatten aber keinen Einfluss auf die Akzeptanz der Idee einer Westroute nach Indien. Unterschiedliche Theorien existierten aber bezüglich der Distanz, die auf solch einer Route zurückzulegen wäre. Diese Unterschiede beruhten auf verschiedenen Auffassungen über die Ost-West-Ausdehnung der eurasischen Landmasse. Seit Ptolemäus nahm man allgemein an, dass Eurasien 180° der Erdbreite einnahm, die restlichen 180° also noch unbekannt waren. D'Ailly dagegen kalkulierte mit 225° Ausdehnung der Landmasse und Kolumbus übernahm diese Auffassung. Tatsächlich beträgt die Breite etwa 130°. Da er zudem für die Entfernung zwischen den Breitengraden eine zu kleine Zahl annahm, erhielt er einen Abstand von unter 4.500 km zwischen den Kanaren und Zipangu (Japan). Der tatsächliche Abstand beträgt fast 20.000 km, doch aufgrund seiner falschen Zahlen hielt Kolumbus die von ihm später entdeckten Inseln in der Karibik für dem indischen Festland vorgelagerte Inseln, da sie ungefähr dort lagen, wo nach seiner Kalkulation Indien lag.
Das Werben um Unterstützung
Japan
Damit er seinen Plan durchführen konnte, benötigte Kolumbus die Unterstützung eines Staates oder Staatsoberhauptes. Um 1484 stellte er seine detailliert ausgearbeiteten Pläne für eine Expeditionsfahrt dem portugiesischen König Johann II. vor. Experten des Königs lehnten die Pläne aber ab, weil sie korrekterweise die Distanz für weitaus länger hielten und den Plan damit für nicht durchführbar. Nach dem Tod seiner Frau Felipa verließ Kolumbus mit seinem Sohn Diego 1485 Lissabon in Richtung Spanien, wohl auch, um so seinen Gläubigern zu entkommen. Er hoffte, das Königspaar Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien für seine Pläne gewinnen zu können. Diese hatten durch ihre Heirat ihre beiden Königreiche verbunden und befanden sich im Kampf gegen die Mauren.
1486 kam Kolumbus auf Aufforderung von Königin Isabella erstmalig zum Hof nach Córdoba, wo er freundlich empfangen und vom Verwalter der Krongüter und Schatzmeister der santa hermandad Alonso de Quintanilla anvertraut wurde. Alonso wurde schnell zu einem enthusiastischen Befürworter der Pläne von Kolumbus, der noch weitere Freunde fand. Bald traf er Beatriz Enriquez, die die Mutter seines zweiten Sohnes Fernando wurde. Beatriz blieb seine lebenslange Partnerin und wurde von Kolumbus auch in seinem Testament bedacht, die beiden heirateten jedoch nicht.
Ein zur Prüfung seiner Pläne eingesetztes Komitee lehnte die Idee zwar als unpraktikabel ab, doch Kolumbus folgte dem Hof weiter von Ort zu Ort und wurde ab und zu mit königlichem Geld unterstützt, damit er mit seinem Plan nicht zu einem anderen Staatsoberhaupt Europas zog. Der einflussreiche Kardinal Pedro González de Mendoza, dessen Bekanntschaft Kolumbus gemacht hatte, verschaffte ihm eine erste Audienz bei Königin Isabella, die aber noch keinen Erfolg brachte. Das spanische Königspaar war mit dem Krieg gegen die Mauren beschäftigt und konnte zu diesem Zeitpunkt wenig mit seinen hochfliegenden Plänen anfangen.
Nach einer langen Zeit unergiebigen Wartens im Gefolge des spanischen Hofes erhielt Kolumbus am 20. März 1488 eine Einladung des portugiesischen Königs Johann II., um die Kolumbus wahrscheinlich selbst gebeten hatte. Spätestens im Herbst desselben Jahres befand er sich in Lissabon bei seinem Bruder Bartolomeo, eine Einigung mit Portugal konnte aber offensichtlich nicht erzielt werden. Bevor Kolumbus nach Spanien zurückkehrte, erlebte er noch die Rückkehr von Bartolomëu Diaz, der von seiner Umsegelung der Südspitze Afrikas zurückkehrte (ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer Seeroute nach Indien). Sein Bruder verließ zur gleichen Zeit Lissabon, um in England und Frankreich Unterstützung zu suchen.
1491 wurden die Ideen des Kolumbus von einer spanischen Kommission wiederum abgewiesen. Vom Königspaar erhielt er die Zusage, dass man sich nach dem Krieg gegen Granada, dem letzten maurischen Fürstentum auf der iberischen Halbinsel, erneut seinen Plänen widmen würde. Kolumbus entschloss sich verzweifelt, nach Frankreich zu gehen. Auf dem Weg nach Huelva, wo er sich einschiffen wollte, machte er Station im Kloster La Rábida. Dort hielten ihn der Mönch Juan Perez, Beichtvater von Isabella, und der Arzt Garcia Hernandez zurück. Perez schrieb der Königin einen eindringlichen Brief und erreichte so, dass Kolumbus an den Hof zurückgerufen wurde. Kolumbus kam gerade rechtzeitig in Granada an, um die Kapitulation des Maurenfürsten Muhammad XII. (auch Boabdil) am 2. Januar 1492 mitzuerleben. Da der Krieg gegen die Mauren nun vorüber war, wurden die Verhandlungen fortgesetzt, scheiterten aber an den außergewöhnlich hohen Forderungen von Kolumbus: Er beanspruchte für sich den erblichen Titel eines Admirals des Ozeans und des Vizekönigs über die von ihm entdeckten Gebiete. Zudem verlangte er, zu einem Zehntel an den zu erwartenden Einnahmen von wertvollen Metallen beteiligt zu werden. Nachdem seine Bedingungen abgelehnt worden waren, machte er sich erneut auf den Weg nach Frankreich, das ihm seiner Behauptung zufolge ein besseres Angebot gemacht hatte. Auf Drängen verschiedener Personen am Hof, unter anderem des Schatzmeisters Luis de Santángel, entschied sich die Königin, die Forderungen nun doch zu akzeptieren. Ein ausgesandter Eilbote holte Kolumbus knapp 10 Kilometer von Granada entfernt ein.
Am 17. April 1492 wurde schließlich die sogenannte „Kapitulation von Santa Fé“, ein Vertrag zwischen den Monarchen und Kolumbus über eine Expedition, unterzeichnet. Der Vertrag sicherte Kolumbus die geforderten Titel sowie den Anteil am Edelmetall zu und bestimmte, dass Kolumbus für Spanien einen westlichen Seeweg nach Asien suchen sollte.
Die Entdeckungsreisen
Kolumbus unternahm in den folgenden Jahren vier Entdeckungsreisen im Auftrag der spanischen Krone. Seine Erlebnisse hielt er in einem Bordbuch fest, von dem heute nur noch die auszugsweise Abschrift von Bartolomé de las Casas existiert.
Erste Reise (3. August 1492 bis 15. März 1493)
Kolumbus stach am 3. August 1492 mit seinem Flaggschiff, der Karacke Santa Maria, sowie den beiden Karavellen Niña und Pinta von Palos de la Frontera bei Huelva aus in See. Die beiden Karavellen wurden von den Brüdern Martín Alonso und Vicente Yáñez Pinzón aus Palos bereitgestellt und kommandiert.
Ein Bruch des Schiffsmastes auf der Pinta erzwang nach drei Tagen einen Aufenthalt von einem Monat auf den Kanarischen Inseln. Nach der Reparatur segelten die Schiffe am 6. September weiter. Mehrmals bestand auf der Reise die Gefahr einer Rebellion der Matrosen aus Unzufriedenheit oder Angst, doch Kolumbus gelang es durch Erklärungen sie zu beruhigen, ebenso mehrten sich bald die Anzeichen eines nahen Festlandes: Vögel und im Wasser treibende Landpflanzen wurden gesichtet.
Matrose
Am 12. Oktober 1492 erreichten die Schiffe schließlich die Neue Welt. Kolumbus ging auf einer Insel der Bahamas an Land, die von den Einheimischen Guanahani genannt wurde. Er gab ihr den Namen San Salvador (span. für Heiliger Retter). Unter Wissenschaftlern umstritten ist die Frage, ob die heutige Insel San Salvador, die diesen Namen 1926 erhielt, identisch mit der von Kolumbus entdeckten ist. In den 1980er Jahren führten Neuberechnungen der Route anhand der Logbücher des Kolumbus zu der These, die Insel Samana Cay sei die Insel, auf der Kolumbus zuerst landete.
Auf der Weiterfahrt entdeckte er auch Kuba und Hispaniola, die zweitgrößte Insel der Antillen (heute Haiti und Dominikanische Republik), vor der die Santa Maria am 25. Dezember strandete und auf der er von König Guacanagari empfangen wurde. Aus den Überresten des Schiffes errichtete Kolumbus die erste spanische Festung in der neuen Welt, die er La Navidad (spanisch für Weihnachten) nannte. La Isla Española, von den Briten in Hispaniola verballhornt, wurde die erste Kolonie des spanischen Königreichs in der Neuen Welt, Kolumbus deren Gouverneur und Vizekönig.
Seine ersten Begegnungen mit dem indigenen Volk der Arawak verliefen friedlich. In seinem Logbuch beschrieb er sie als „unschuldig“ und freigebig, betrachtete sie aber gleichzeitig immer als zukünftige Untertanen oder gar als Sklaven.
Am 16. Januar 1493 machte Kolumbus sich mit seinen beiden verbliebenen Schiffen auf den Weg zurück nach Europa, einen Teil seiner Mannschaft ließ er wegen des Schiffbruchs als Bewohner der Kolonie La Navidad zurück. Er erreichte Palos am 15. März und wurde daraufhin auf einem Triumphzug durch Spanien gefeiert. Ihm wurden seine Privilegien bestätigt, und Papst Alexander VI. bestätigte das Anrecht Spaniens auf die entdeckten und noch zu entdeckenden Gebiete westlich des Längengrades von 100 spanischen Meilen westlich der Kapverden. (Ein Jahr später wurde diese Aufteilung im Vertrag von Tordesillas modifiziert und von Portugal anerkannt). Kolumbus begann kurz nach seiner Ankunft mit den Vorbereitungen für eine zweite Expedition, die die entdeckten Gebiete sichern und weitere für Spanien erobern sollte. Insbesondere wollte er weiter nach dem erhofften Goldland suchen, dem eigentlichen Ziel der Expedition.
Siehe auch: Entdeckung Amerikas 1492
Zweite Reise (25. September 1493 bis 11. Juni 1496)
Am 25. September brach Kolumbus von Cádiz aus mit 17 Schiffen und etwa 1.500 Leuten zu seiner zweiten Reise auf, um die entdeckten Gebiete zu besiedeln. Zunächst entdeckte die Flotte die Insel Dominica, auf der Kolumbus aber nicht landete. Auf der Weiterfahrt landete er dann auf Guadeloupe, Montserrat, Antigua und Nevis. Kolumbus nahm diese Inseln der Kleinen Antillen für das spanische Königreich in Besitz und benannte sie.
Danach segelte er im November nach La Navidad auf Hispaniola. Das auf der ersten Reise gegründete Fort war allerdings in Kämpfen mit den Arawak zerstört und alle Spanier getötet worden, so dass Kolumbus im Dezember an anderer Stelle auf der Insel die Kolonie La Isabela gründete. Bis zum April 1494 blieb die Flotte dort, während Kolumbus das Hinterland auf der Suche nach Gold erkundete.
Im April stach er wieder in See, um im Westen nach dem indischen oder chinesischen Festland zu suchen, das er in der Nähe der vorgelagerten Inseln vermutete. Er erkundete die südliche Küste der auf der ersten Reise entdeckten Insel Kuba, die er dem asiatischen Festland zurechnete und entdeckte Jamaika und Puerto Rico, erreichte aber nicht das Festland Mittelamerikas.
Bei seiner Rückkehr nach La Isabela am 25. September fand Kolumbus chaotische Zustände vor, da sich die Siedler zerstritten hatten. Zudem waren die Indianer, die den Siedlern zunächst freundlich gesinnt gewesen waren, wegen schlechter Behandlung zu ihren Feinden geworden. Dies veranlasste Kolumbus zu einem Feldzug gegen die einheimische Bevölkerung, auf dem er 1.600 Taino versklavte.
Diese Versklavung verstieß gegen den Willen und die Anordnungen des spanischen Königshauses. Ferdinand V. und Isabella I. hatten Kolumbus aufgetragen, die Ureinwohner freundlich zu behandeln, weil sie in ihnen zukünftige Christen sahen. Dennoch verschiffte Kolumbus 550 Sklaven nach Spanien. Auf der Überfahrt starb beinahe die Hälfte der Indianer, die Überlebenden wurden nach ihrer Ankunft in Spanien auf Betreiben Isabellas freigelassen und in ihre Heimat zurückgebracht.
Nachdem im Oktober 1495 eine königliche Untersuchungskommission in La Isabela angekommen war und ihre Arbeit aufgenommen hatte, verließ Kolumbus die Kolonie. Er ließ seinen Bruder Bartolomeo als Kommandanten zurück und brach am 10. März in Richtung Spanien auf, um dem Königspaar Bericht zu erstatten. Am 11. Juni erreichte er Spanien und konnte die Unterstützung von Ferdinand V. und Isabella I. zurückgewinnen. Bis zu seiner dritten Reise gingen aber wegen des mangelnden wirtschaftlichen Erfolgs seiner bisherigen Expeditionen fast zwei Jahre ins Land.
Dritte Reise (30. Mai 1498 bis 25. November 1500)
11. Juni
Auf seiner dritten Reise, zu der er am 30. Mai 1498 aufbrach, schlug Kolumbus eine Route ein, die südlicher gelegen war als auf den vorhergehenden Reisen. Er segelte an den Kapverdischen Inseln vorbei und dann westwärts über den Atlantik.
Am 31. Juli entdeckte er die Insel Trinidad, im weiteren Verlauf der Reise die Nachbarinsel Tobago, die von ihm allerdings Bella Forma getauft wurde (siehe auch Trinidad und Tobago). Auf der Weiterfahrt sichtete die Expedition mit der Mündung des Orinoco den südamerikanischen Kontinent und erkundete von Schiff aus die Küsten an dieser Stelle. Zunächst schrieb Kolumbus in sein Logbuch, dass dieses Land eine in Europa unbekannte Neue Welt sei. Später war er aber wieder der Meinung, die Gegend gehöre zu Asien.
Nachdem er an einigen Inseln vorbei nördlich gesegelt war, erreichte er am 31. August die von seinem Bruder zwischenzeitlich auf sein Geheiß neu gegründete Stadt Santo Domingo an der Südküste von Hispaniola. Die dortigen Siedler waren unzufrieden und rebellierten gegen seinen Bruder Bartolomeo. Kolumbus versuchte die Streitigkeiten zu schlichten und war auch bemüht, die Arawak zum Christentum zu bekehren. Gleichzeitig intensivierte er die Suche nach Gold. Heimgekehrte Siedler beschuldigten ihn am königlichen Hof in Spanien, die Verwaltung der Kolonie nicht im Griff zu haben. Deshalb setzte der Hof Kolumbus im Mai 1499 als Gouverneur ab und ernannte stattdessen Francisco de Bobadilla, der die Kolonie am 23. August 1500 erreichte.
Der neue Gouverneur ließ Kolumbus und seinen Bruder in Ketten nach Spanien bringen. Kolumbus weigerte sich, die Ketten abzulegen, ehe er vor die Königin trat. Vom Königspaar wurden beide wiederum begnadigt, wobei Kolumbus aber seine Ämter nicht wiedererhielt und seinen guten Ruf verloren hatte. Zudem hatte Vasco da Gama 1499 auf einer Südroute um Afrika herum den ersehnten Seeweg nach Indien entdeckt, womit die Portugiesen den Wettlauf gewonnen hatten.
Vierte Reise (Mai 1502 bis November 1504)
Vasco da Gama
Am 9. Mai oder laut anderen Quellen am 11. Mai 1502 brach Kolumbus mit seinem Sohn Fernando und einer Flotte von vier Schiffen, der „Capitana“, „La Gallega“ (die Galizierin), „Santiago de Palos“ und der „Vizcaína“, von Spanien aus zu seiner vierten Reise auf. Kolumbus erkundete die mittelamerikanische Festlandküste zwischen Honduras und Kolumbien. Am 14. August 1502 betrat er bei Kap Honduras zum ersten Mal das amerikanische Festland.
Er wollte beweisen, dass es dort eine Passage nach Indien und China gäbe. Die Karavelle „Vizcaína“ musste wegen Zerstörungen durch den Schiffsbohrwurm aufgegeben werden. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Wrack, das in der Bucht von Nombre de Dios bei Portobelo gefunden wurde, um diese Karavelle.
Nach Kämpfen mit Indigenas und einer Meuterei verbrachte er aufgrund der lecken Schiffe seiner Flotte rund ein Jahr in der Festung Jamaika, bevor er von den Strapazen erkrankt nach Spanien zurückkehrte. Obwohl er relativ wohlhabend war, bemühte er sich verbissen bei Ferdinand V. (Isabella starb am 26. November 1504) um die Wiederherstellung der ihm in der Kapitulation von Santa Fé zugesicherten Privilegien, was ihm allerdings nicht endgültig gelang.
Kolumbus starb am 20. Mai 1506 in Valladolid im Alter von etwa 55 Jahren. Sein Leichnam wurde in Sevilla begraben, auf Wunsch seines Sohns Diego aber 1542 nach Santo Domingo überführt, wo er bis 1795 verblieb. Inzwischen hatten die Franzosen die Insel zu ihrer Kolonie gemacht, so dass man die mutmaßlichen Gebeine des Kolumbus nach Kuba brachte. Diese wurden 1899 endgültig in Sevilla bestattet, wobei ihre Identität umstritten ist.
Die Diskussion um seine Herkunft
Über 400 Jahre lang gab es keine Zweifel, dass Kolumbus Genuese war. Zum 400. Jahrestag der (Wieder-)Entdeckung Amerikas durch Kolumbus begannen jedoch immer mehr Städte, zunächst in Italien, später auch in Spanien und sogar in Portugal, das Privileg einzufordern, Geburtsort des Entdeckers zu sein, weshalb diese Frage auch in der Forschung betrachtet wurde.
Da Kolumbus zu seinen Lebzeiten nie Auskunft über seine Herkunft gab, existieren tatsächlich keine absolut gesicherten Erkenntnisse über seinen Geburtsort oder seine Familie. Sein Sohn Fernando beschrieb das Verhalten seines Vaters so: Kolumbus »zog es vor, im Ungewissen zu lassen, was mit seinem Geburtsort und seiner Familie zu tun hat.«
Erst in seinen beiden Testamenten von 1498 und 1506 hielt Kolumbus fest: »siendo yo nacido en Génoba« (»ich wurde in Génoba geboren«). Zusammen mit weiteren Indizien deutet dies auf die italienische Stadt Genua hin. Deswegen wird sie in der Forschung für die Geburtsstadt von Kolumbus gehalten. Hier soll er zwischen dem 25. August und 31. Oktober 1451 als Sohn des Wollwebers Domenico Colombo geboren worden sein. Für zwei Kredite des Domenico ist sein Sohn Cristoforo als Bürge eingetragen, ferner verfügte Kolumbus in seinem Testament die Zahlung von 20 Dukaten an den Kreditgeber. Mehrere Briefe und Urkunden geben Zeugnis von Kontakten des Entdeckers Kolumbus mit dem Genueser Bankhaus Banco di San Giorgio und anderen Genueser Geschäftsleuten. Nur eine Urkunde, deren Wahrheitsgehalt aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen ist, erwähnt allerdings ausdrücklich, dass der Entdecker Kolumbus verwandtschaftliche Beziehungen nach Genua hatte.
Das Fehlen eines absoluten Beweises und das Vorhandensein einiger Ungereimtheiten ließen aber immer wieder Zweifel an der Genua-These aufkommen. Zum einen muss das im Testament erwähnte Génoba nicht identisch mit der italienischen Stadt sein, ebenso könnte auch die Republik Genua mit ihren Besitzungen auf Korsika gemeint sein. Die Stadt Calvi stellt als ehemalige genuesische Besitzung auf der Insel den Anspruch, der Geburtsort Kolumbus zu sein. Des Weiteren existierte auch auf Mallorca ein Dorf mit dem Namen Genova (heute zu Palma).
Ein weiteres Argument der Gegner der Genua-These ist die Tatsache, dass Kolumbus meist Kastilisch z.T. in portugiesischer Rechtschreibung schrieb und sprach und nur zwei bruchstückhafte Randnotizen gefunden wurden, in denen er sich des Italienischen bediente. Auch in den Briefen nach Genua schrieb er nicht in seiner vermutlichen Muttersprache. Einige Biografen geben an, Italienisch sei zu jenem Zeitpunkt keine Schriftsprache gewesen, Andere behaupten, der ligurische bzw. Genueser Dialekt jener Zeit habe sich vom zeitgenössischen Italienisch stark unterschieden, wieder Andere sehen darin den Beweis für eine denkbare spanisch-jüdische Abstammung. Die Vermutung, dass Kolumbus erst in Lissabon, auf Porto Santos und in Palos richtig schreiben gelernt hat, liegt näher.
Auch seine hohe soziale Position nach seiner Heirat in Portugal und später in Spanien gibt Zweifeln Nahrung, ob Kolumbus wirklich von einem Wollweber abstammte, zumal er eine gute Bildung hatte. Doch die soziale Position kann er sich durch die Heirat mit seiner aus verarmten portugiesischem Adel stammenden Ehefrau erworben und seine autodidaktische Bildung kann er im Kloster la Rábida bei den Mönchen Antonio de Marchena, Alonzo de Bolaños und deren Prior Juan Pérez erweitert haben. Als Alternativen zu Genua als Geburtsort existieren die verschiedensten Spekula | | |