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| Herodes Antipas |
Herodes AntipasHerodes Antipas ( - 20 v. Chr. in Judäa; † ca. 39 n. Chr. in Lugdunum, Südgallien) ist der Sohn Herodes des Großen und der Samaritanerin Malthake, der zur Zeit von Jesus als Tetrarch in Galiläa herrschte.
Herodes Antipas wurde in Rom erzogen. Als sein Vater im Jahre 4 v. Chr. starb, wurde er als einer der wenigen Söhne, der allen Nachstellungen entgangen waren, Herrscher von Galiläa und Peräa. Er machte Sepphoris in Galiläa zu seiner Hauptstadt. Außerdem gründete er Tiberias am See Gennesaret, eine hellenistische Stadt, die nach Kaiser Tiberius benannte wurde.
Er verliebte sich in seine Schwägerin und Nichte Herodias, die Frau seines Halbbruders Herodes Philippos. Herodias verließ aus Liebe zu ihm ihren Mann, und Herodes Antipas wiederum verstieß seine erste Frau, die Tochter des arabischen Königs Aretas IV. Dieser doppelte Ehebruch erregte bei den Juden Anstoß. Der gekränkte Schwiegervater Aretas brachte ihm in einem Grenzkrieg eine schwere Niederlage bei.
Auch Johannes der Täufer hielt Herodes um 28 n.Chr. diesen schweren Gesetzesverstoß öffentlich vor, worauf er verhaftet, in die Bergfestung Machärus gebracht und später auf Veranlassung von Herodias hingerichtet wurde.
Herodes Antipas ging auf Betreiben von Herodias 39 n. Chr. nach Rom, um von Caligula den Königstitel zu erhalten, wurde jedoch aufgrund von schweren Anklagen, die sein Neffe und Schwager Herodes Agrippa I. gegen ihn vorgebracht hatte, nach Lugdunum in Südgallien verbannt. Dort starb er, das genaue Todesdatum ist unbekannt. Im Anschluss daran wurde sein Reich mit dem Gebiet von Herodes Agrippa vereinigt.
Herodes Antipas wird im Neuen Testament meist als König Herodes erwähnt:
Mt 14,1;
Mk 6,14;
Lk 3,1 – 9,7 - 13,31;
Apg 4,27 – 12,1 - 13,1
Kategorie:biblische Person neues Testament
Kategorie:Mann
20 v. Chr.
Politik und Weltgeschehen
- Der griechische Architekturtheoretiker Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio) beschreibt erstmals die Funktionsweise von Hebekranen.
Rom
- Konsulat des Marcus Appuleius und Publius Silius Nerva
-
-
ko:기원전 20년
nb:20 f.Kr.
39
Politik und Weltgeschehen
-
- 3. November - Marcus Annaeus Lucanus, römischer Dichter und Neffe Senecas († 65)
- 30. Dezember - Titus Flavius Vespasianus, römischer Kaiser († 81)
-
ko:39년
GallienAls Gallia (Gallien) bezeichneten die Römer den geographischen Raum, der überwiegend von Kelten (lat. Galli) besiedelt war.
Geographische Lage
Kelten) unterteilt in Gallia Belgica, Gallia Celtica, Aquitania, Gallia Narbonensis (römische Provinz) und Gallia cisalpina]]
In modernen geographischen Begriffen gesprochen entspricht dies im wesentlichen dem heutigen Frankreich, Belgien und Norditalien, also dem Gebiet zwischen dem Rhein im Osten, den Alpen und dem Mittelmeer im Süden, den Pyrenäen und dem Atlantik im Westen und Norden. Die Poebene gehörte nach antiker Auffassung nicht zu Italien, sondern zu Gallien (lat. Gallia cisalpina, Gallien dieseits der Alpen). Zur Unterscheidung bezeichnete man das Gebiet jenseits der Alpen, das man heute Gallien nennen würde, als Gallia transalpina.
Geschichte
Kelten
Vor der keltischen Besiedlung sind mehrere Kulturen archäologisch belegt, von denen die Völker der Megalithkultur wohl die bekannteste Gruppe darstellen. Seit etwa 700 v. Chr. oder 600 v. Chr. wurde Gallien von keltischen Volksgruppen besiedelt, die das Gallische, eine keltische Sprache, in diesem Gebiet einführten. Die nichtkeltischen Stämme der Iberer nördlich der Pyrenäen und der Ligurer am Mittelmeer blieben dabei vorerst eigenständig.
Etwa im Jahre 600 v. Chr. gründeten Ionische Griechen an der Mündung der Rhône die Stadt Massilia (heute Marseille). Massilia entwickelte sich zu einer bestimmenden Stadt in der Region.
Das Gebiet in der Poebene, das von den keltischen Stämmen der Cenomanen, Insubrer und Boier besiedelt wurde, kamen etwa 200 v. Chr. unter römische Herrschaft. Das Gebiet wurde zur römischen Provinz Gallia cisalpina.
Römische Eroberung
Ab 125 v. Chr. begannen die Römer mit der Eroberung der Mittelmeerküste sowie des Rhônetals. 122 v. Chr. gründeten die Römer die Stadt Aquae Sextiae (Aix-en-Provence). 121 v. Chr. errichteten die Römer die Provinz Gallia Narbonensis (die heutige Provence) mit dem wenig später (118 v. Chr.) gegründeten Verwaltungszentrum Narbo.
113 v. Chr. begann der Einfall der germanischen Kimbern und Teutonen in das heutige Südfrankreich und Oberitalien. Im Jahr 105 v. Chr. wurden diese Stämme jedoch durch zwei römische Heere an der Rhône zurückgeschlagen. Im Jahr 102 v. Chr. besiegte der römische Feldherr Gaius Marius die Teutonen bei Aquae Sextiae. 101 v. Chr. siegte Marius in Oberitalien nahe dem Ort Vercellae (Vercelli) auch über die Kimbern.
In den Jahren 58 - 51 v. Chr. wurde Gallien von Julius Cäsar erobert. Cäsar berichtete über diesen Krieg in seinem Buch De bello gallico - Der Gallische Krieg.
Romanisierung
De bello gallico - Der Gallische Krieg, Lugdunensis und Belgica zur Zeit von Kaiser Augustus]]
Im Zug der folgenden Romanisierung wurde eine römische Zivilverwaltung eingesetzt. Als Amtssprache wird das Lateinische verwendet. Dieses entwickelt sich, parallel zu den anderen nicht-italienischen Provinzen unter Einfluss der einheimischen Sprache (hier also des Gallischen) zum Vulgärlatein, das die hauptsächliche Sprachgrundlage des späteren Französischen bildet. Es entsteht eine gallo-römische Mischkultur. Insbesondere in Nîmes und Arles finden sich noch heute römische Bauten der Periode.
Den in diesen Provinzen lebenden keltischen Stämmen wurde unter Julius Cäsar etwa 50 v. Chr. die römische Staatsbürgerschaft gewährt. Andere Quellen datieren die Gewährung auf 69 n. Chr.
In der Amtszeit von Kaiser Augustus (30 v. Chr.-14 n. Chr.) wurde Gallien in die Provinzen Narbonensis, Aquitania, Lugdunensis und Belgica unterteilt. Unter Domitian entstanden aus dem germanischen Militärsprengel Germania Superior und Germania Inferior.
Ende des 2. Jahrhunderts setzte in Gallien die Christianisierung ein. Um 300 wurden zahlreiche Festungsanlagen modernisiert. In Lutetia (Paris) residierten zeitweilig einige der römischen Kaiser.
Die Völkerwanderung, die am Ende des 4. Jahrhunderts einsetzte, beendete für Gallien eine lange Zeit des Wohlstandes und Friedens als Teil des römischen Reiches. Im Verlauf der Völkerwanderung drangen Germanische Stämme (Vandalen, Alamannen, Westgoten, Burgunder, Franken) nach Gallien ein. Im 5. Jahrhundert etablierten die Franken, Burgunder und Westgoten ihre Reiche in Gallien.
Damit ging in der ausgehenden Spätantike auch die Gallo-römische Kultur langsam zugrunde.
Siehe auch
- Gallo-römische Kultur
- Gallorömer
- Römisches Reich
- Spätantike
- Portal und Themenliste Rom
Weblinks
- http://www.areion.org/areiononline/frankreichc.html Chronik von Frankreich
Kategorie:Römische Provinz
als:Gallische Sprache
ja:ガリア
ko:갈리아
Herodes der GroßeHerodes I. auch Herodes der Große ( - um 73 v. Chr., † im März 4 v. Chr. in Jerusalem).
Biographie
4 v. Chr.]
Herodes entstammt einer vornehmen, wohlhabenden und einflussreichen idumäischen Familie. (Die Idumäer, in der Bibel als Edomiter erwähnt, siedelten im südlichen Judäa.) Er war kein Jude im klassischen Sinne, wahrscheinlich wurde seine Familie um 130 v. Chr. unter dem Makkabäer Johannes Hyrkanus I. zwangsweise zum Judentum bekehrt. Obwohl er sich Zeit seines Lebens an die jüdischen Regeln und Riten hielt, und alles unterließ, was den Zorn des jüdischen Volkes oder der jüdischen Obrigkeit hätte hervorrufen können, wurde ihm immer vorgeworfen, dass er kein Jude sei, denn im AT steht: »Du sollst nicht einen, der nicht einer deiner Brüder ist, über dich setzen!« also niemanden als Herrscher anerkennen, der nicht Jude ist.
Herodes ist der 2. Sohn von Antipatros und seiner Frau Kypros, einer nabatäischen Araberin. 47 v. Chr. wird Herodes von seinem Vater als Statthalter von Galiläa eingesetzt.
Nachdem Antipatros 43 v. Chr. vergiftet worden war, lässt Herodes den Mörder seines Vaters umbringen. 42 v. Chr. verlobt er sich mit der Hasmonäerin Mariamme, und lässt sich von seiner ersten Frau Doris scheiden.
40 v. Chr. Antigonos und die Parther fallen in Palästina ein. Herodes flieht aus Jerusalem und fährt anschließend das erste Mal nach Rom. Dort wird er zum König ernannt.
39 v. Chr.-37 v. Chr. Krieg gegen Antigonos. Nach der Eroberung von Jerusalem und dem Sieg über Antigonos wird dieser von Marcus Antonius hingerichtet.
36 v. Chr. Herodes macht seinen Schwager Aristobulos zum Hohepriester.
32 v. Chr. Beginn des Krieges gegen die Nabatäer und Sieg über sie ein Jahr später.
31 v. Chr. schweres Erdbeben in Palästina. Herodes entscheidet sich gegen seinen Gönner Antonius und für Octavian, den späteren Augustus.
30 v. Chr. Herodes wird auf Rhodos von Octavian als König bestätigt. Außerdem bekommt er weitere Gebiete zu seinem Herrschaftsbereich dazu.
29 v. Chr. Herodes lässt seine Frau Mariamme hinrichten.
28 v. Chr. Herodes lässt Kostobar wegen einer Verschwörung hinrichten. Große Festspiele in Jerusalem, da Herodes ein Theater und ein Amphitheater errichten hat lassen.
27 v. Chr. Attentat auf Herodes, das aber vorzeitig entdeckt wird. Zu Ehren von Augustus lässt Herodes Samaria ausbauen und zu Ehren des römischen Kaisers in Sebaste umbenennen.
25 v. Chr. Nach einer großen Dürre gibt es eine Hungersnot und Seuchen. Herodes lässt in Ägypten Getreide kaufen und startet damit eine vorbildliche Hilfsaktion. Außerdem erlässt er ein Drittel aller Steuern.
23 v. Chr. Herodes lässt sich in Jerusalem einen Königspalast bauen sowie die Residenz »Herodeion« in Judäa. Herodes heiratet seine dritte Frau, wieder mit dem Namen Mariamme, sie ist die Tochter des Priester Simon.
22 v. Chr. Beginn des Ausbaues der am Meer gelegenen Stadt Caesarea Maritima und des Hafens. Vom römischen Kaiser bekommt er die Landschaften Trachonitis, Batanäa und Auranitis zu seinem Herrschaftsgebiet dazu.
Um 20 v. Chr. beginnt der prächtige Um- und Ausbau des zweiten Israelitischen Tempels, der daraufhin den Namen Herodianischer Tempel erhält
Um 18 v. Chr. Herodes fährt das zweite Mal nach Rom.
14 v. Chr. Herodes setzt sich für die Juden in Kleinasien und Kyrene ein. Aufgrund der wirtschaftliche Prosperität in Judäa erlässt er ein Viertel aller Steuern. Streit mit seinen Söhnen.
13 v. Chr. Herodes macht seinen erstgeborenen Sohn Antipatros (Sohn von Doris) testamentarisch zu seinem Nachfolger.
12 v. Chr. Da ihm die beiden Söhne (mit der ersten Mariamme) Alexandros und Aristobulos angeblich nach dem Leben trachten, klagt Herodes sie vor dem Kaiser an. Er fährt mit beiden nach Aquileia, wo der Prozess stattfinden soll, doch Augustus kann die drei aussöhnen. Herodes unterstützt die finanziell angeschlagenen Olympischen Spiele und sichert damit ihre weitere Zukunft. Die Nachfolge regelt Herodes so, dass sowohl Alexandros als auch Aristobulos in königlichen Rang erhoben werden, aber Antipatros zum Oberkönig wird.
Um 10 v. Chr. Der neugebaute Tempel in Jerusalem wird eingeweiht. Aufständische verbinden sich mit einem nabatäischen Heer und bedrängen Herodes. Dieser kann die Aufständischen und die Nabatäer jedoch besiegen.
9 v. Chr. Die Einweihung von Caesarea Maritima wird zu einem glanzvollen Spektakel mit Festspielen. Infolge des Kriegszuges gegen die Nabatäer fällt Herodes bei Augustus in Ungnade. Wiederum vermutet Herodes, dass Alexandros beabsichtigt, ihn zu ermorden.
8 v. Chr. Nach einem neuerlichen Verdacht klagt Herodes die Söhne der Mariamme (I.) wegen Hochverrats an. Einerseits kann sich Herodes mit Augustus aussöhnen, andererseits gibt dieser ihm die Erlaubnis, gerichtlich gegen seine Söhne vorzugehen.
7 v. Chr. Die Gerichtsverhandlung findet in Berytos (Beirut) vor einem römischen Gericht statt. Die Mariamme-Söhne werden schuldig gesprochen und hingerichtet. Die Erbfolge wird dahingehend geändert, dass Antipatros alleiniger Thronfolger wird. An zweiter Stelle reiht er seinen gleichnamigen Sohn aus der Ehe mit der zweiten Mariamme Herodes ein.
6 v. Chr. Herodes geht mit Härte gegen Pharisäer vor, die verkündet hatten, dass mit der Geburt des Messias das Ende seiner Herrschaft bevorstünde.
5 v. Chr. Antipatros wird ebenfalls wegen eines beabsichtigten Mordes an Herodes vor Gericht gestellt. Der Schuldspruch muss erst durch den römischen Kaiser gebilligt werden. Herodes bestimmt seinen Sohn Herodes Antipas aus seiner 4. Ehe mit Malthake zu seinem Thronfolger. Herodes ist bereits von schwerer Krankheit gezeichnet.
4 v. Chr. Junge Thoraschüler zerschlagen nach einem Aufruf von pharisäischen Lehrern den goldenen Adler über dem Haupteingang zum Tempel in Jerusalem als angeblich römisches Symbol. Herodes lässt die Schuldigen verhaften, vor Gericht stellen und bestrafen. Kaiser Augustus billigt die Todesstrafe für Antipatros. Herodes lässt ihn hinrichten.
Er ändert nochmals sein Testament: Herodes Archelaos (aus der Ehe mit Malthake) soll als König über das gesamte Reich des Herodes herrschen, während Herodes Antipas (aus der Ehe mit Malthake) und Herodes Philippos (aus der fünften Ehe mit Kleopatra aus Jerusalem - nicht zu verwechseln mit der ägyptischen Königin) als Tetrarchen über Galiläa und Peräa, beziehungsweise über Gaulanitis (Golan), Trachonitis, Batanäa und Panias herrschen sollten.
Ende März oder spätestens Anfang April des Jahres 4 v. Chr. stirbt Herodes. Da Augustus sein Testament jedoch nicht bestätigt, bekommt keiner den Königstitel. Jedoch erhalten die drei obgenannten Kinder die ihnen zugedachten Gebiete.
Leistungen
Herodes wurde und wird durch die nur im Neuen Testament wiedergegebene Geschichte mit dem Betlehemitischen Kindermord im Christentum teilweise geradezu als Inkarnation des Bösen (des Teufels) betrachtet. Wenn man von diesem stark religiös beeinflussten Aspekt absieht, so war er vor allem einmal in wirtschaftlichen Belangen einer der erfolgreichsten Herrscher über das jüdische Volk. Während seiner Herrschaft kam Judäa wieder an den alten Glanz der Zeiten von König David und Salomo heran.
Salomo
Um nur einige seiner Leistungen aufzuzählen: Neubau der Wasserleitung für Jerusalem, prächtiger Ausbau des Tempels in Jerusalem, Neubau des Palastes in Jerusalem, Anlage neuer Städte wie z. B. Caesarea Maritima. Durch die »Erdpech«- (Asphalt-) Gewinnung am Toten Meer, die er gemeinsam mit Kleopatra betrieb, hatte er fast ein Monopol auf diese für den Schiffbau so wichtige Substanz. Vom römischen Kaiser hatte er die Kupferminen auf Zypern gepachtet. In Kombination mit dem britischen Zinn hatte er eine dominante Stellung in der Herstellung von Bronze.
Familienverhältnisse und Nachkommen
1. Ehe mit Doris
- Sohn Antipatros, hingerichtet 4 v. Chr.
2. Ehe mit Mariamme (I.) — Tochter des Hasmonäers Alexandros
- Sohn Alexandros, hingerichtet 7 v. Chr.
- Sohn Aristobulos, hingerichtet 7 v. Chr.
- Tochter Salampsio
- Tochter Kypros
- Sohn Alexander
3. Ehe mit Mariamme (II.) — Tochter des Priesters Simon
- Sohn Herodes
4. Ehe mit Malthake
- Sohn Herodes Archelaos — Ethnarch
- Sohn Herodes Antipas — Tetrarch
- Tochter Olympias
5. Ehe mit Kleopatra aus Jerusalem
- Sohn Herodes Philippos — Tetrarch
- Sohn Herodes
6. Ehe mit Pallas
- Sohn Phasael
7. Ehe mit Phaidra
- Tochter Roxane
8. Ehe mit Elpis
- Enkelin Salome (bekannt durch die Legende um ihre Beteiligung an der Enthauptung Johannes des Täufers)
9. Ehe mit einer Base, deren Name nicht überliefert ist
10. Ehe mit einer Nichte, deren Name nicht überliefert ist
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Herodes speziell mit den letzten Ehefrauen noch weitere Kinder gezeugt hat. Außerdem ist anzunehmen, dass er noch weitere Töchter hatte, die keinen Eingang in die Geschichtsbücher gefunden haben.
Der Tempelausbau war im Grunde ein Tempelneubau.
Erwähnung des Herodes des Großen im Neuen Testament
Herodes wird bei Matthäus (Mt 2) als der König von Judäa beschrieben, der wegen des Besuchs der Heiligen Drei Könige und deren Frage nach der Geburt des »Königs der Juden« (d. h. Jesus) um seine eigene Regentschaft bangt und schließlich die Ermordung aller Knaben in Betlehem befiehlt. Bei Lukas findet er nur kurz in seiner Eigenschaft als König Erwähnung (Lk 1,5).
Siehe auch: Herodes, Herodianische Tetrarchie
- Herodes I, genannt der Große ein Beitrag zur neutestamentlichen Zeitgeschichte (1897) von Franz Eugen Schlachter
Weblinks
-
- [http://w210.ub.uni-tuebingen.de/dbt/volltexte/2001/290/ Herodes der Große - u.a. mit akkuraten Informationen über die Steuerschätzungen und Volkszählungen zur Zeit Christi Geburt]
Kategorie:Herrscher
Kategorie:Römer
Kategorie:Mann
Kategorie:Geboren 73 v. Chr.
Kategorie:Gestorben 4 v. Chr.
ja:ヘロデ大王
ko:헤로데대왕
SamaritanerDie Samaritaner sind wie Juden eine religiöse Gruppierung. Ethnisch bilden sie ein Mischvolk aus den "Restisraeliten", die im Jahre 722 v. Chr. bei der großen assyrischen Deportation der Bevölkerung daheim blieben, und den von der Assyrischen Grossmacht dort Angesiedelten. Es wurden aber wohl nur die "oberen Zehntausend" der israelitischen Bevölkerung deportiert. Als das Jüdische Volk nach seiner Rückkehr aus der Babylonische Gefangenschaft den Tempel in Jerusalem neu errichtete, galt die Bevölkerung Samarias als "unrein" und wurde nicht als gläubig akzeptiert - siehe Esra 9 und Nehemia 9 -.
Geschichte
Nach biblischen Quellen haben sich die 10 Stämme im Norden Israels nach der Teilung des Königreichs Israel durch Auflösung der Personalunion unter Saul, David und Salomo 926 v. Chr. zum Staat Israel mit einem Wahlkönigtum zusammengeschlossen. Die Hauptstadt wurde bald
Samaria, und die Bevölkerung wurde später nach dieser Stadt "Samariter" oder "Sameritaner" genannt.
Samaritaner im Mittelalter und der Neuzeit
Waren die Samaritaner im Mittelalter noch ein recht zahlreiches Volk, so sank ihre Zahl im Zuge von Christianisierung und Islamisierung extrem. Die Samaritaner praktizieren, auch zu ihrem eigenen Schutz, eine strenge Endogamie. Im Jahre 1918 zählten die Briten im damaligen Mandatsgebiet Palästina 146 Samariter in fünf miteinander verwandten Familien, davon eine Priesterfamilie. Die wohlwollende Einstellung der Zionisten hat wohl die letzten Samaritaner vor dem Untergang bewahrt. Seit 1923 ist den Samaritanern auch die Heirat mit Juden erlaubt, wenn diese zur Religion der Samaritaner übertreten. Das geschah dann auch und einige Jüdinnen traten über und heirateten Samaritaner. Seitdem ist ihre Zahl wieder angestiegen und betrug 1996 wieder über 660 Personen. Die Samaritaner leben heute in Cholon in der Nähe von Tel Aviv sowie in Nablus im Westjordanland. Es gibt nur fünf Familienverbände. Die Trennung in zwei etwa gleich große Gruppen von denen eine, die in Cholon, stark von der israelischen Gesellschaft beeinflusst wurde, und eine andere, die ihre arabisch-orientalischen kulturellen Bräuche aufrecht erhielt, führte zu gewissen Loyalitäts- und Identitätsproblemen. Die Gruppe in Cholon spricht z.B. vorwiegend Hebräisch, die Gruppe in Nablus Arabisch. Seit der Intifada wurden mehrmals Samaritaner von israelischen Soldaten für Palästinenser gehalten und sehr harsch behandelt, was die Gespaltenheit nur noch verstärkt hat.
Religion der Samaritaner
Die Samaritaner erkennen als Bibel nur die Autorität der fünf Bücher Mose (Pentateuch, Tora) an, die sie in einer eigenen, der ursprünglichen hebräischen Schrift schreiben, die auf dem phönizischen Alphabet basiert (die heutige hebräische Schrift ist eigentlich eine aramäische Schrift, die von den Juden erst während des Babylonischen Exils übernommen wurde). Darüber hinaus haben sie eine eigene Überlieferungs- und Aussprachetradition ihrer heiligen Schriften und der althebräischen Sprache erhalten können, für Bibelwissenschaftler eine Fundgrube.
Die Samaritaner haben auch viele Bräuche des alten Judentums aus der Zeit vor der Zerstörung des Tempels und teilweise sogar aus der Zeit vor dem babylonischen Exil bewahrt. Beispielsweise kennen sie bis heute das Hohepriestertum und das Tieropfer und feiern ihr Neujahr im Frühling, nicht wie die Juden im Herbst.
Hohepriester
Die Samaritaner haben einen eigenen Hohepriester, der auf dem Berg Gerizim residiert.
Die Hohepriester der Vergangenheit waren:
- Sashai Mitte 1000er v. Chr.
- Bakhi
- Shebet
- Shalom
- Hezekiah I.
- Jonathan I. c. 1000 v. Chr.
- Yair c. 980 v. Chr.
- Daliah
- Yair II.
- Jonathan II.
- Ishmael
- Tobiyah
- Zadok
- Amram I.
- Hilkiah
- Amram II.
- Akob I.
- Akabiah I. ca. 701 v. Chr.
- Hillel
- Seriah
- Levi
- Netaniel I.
- Azariah ca. 586 v. Chr.
- Abdael um 530er v. Chr.
- Hezekiah II.
- Hananiah
- Amram III. ca. 500 v. Chr.
- Hana
- Hezekiah III.
- Daliah
- Akob II.
- Akabiah II.
- Levi I.
- Eleazar II.
- Menasseh
- Yair III.
- Netaniel II.
- Joiachim um 0
- Jonathan III. ca. 30 n. Chr.
- Elishama ca.70er
- Shemaiah
- Tobiah
- Amram IV.
- Akabon I.
- Phineas II.
- Levi II. um 130er
- Eleazar III.
- Baba I.
- Eleazar IV.
- Akabon II.
- Netaniel III. (Vater von Baba Rabba)
- Baba Rabba Mitte 300er
- Akabon III.
- Netaniel IV.
- Akabon IV.
- Eleazar V.
- Akabon V.
- Eleazar VI.
- Akabon VI. spätes 6. Jh.
- Eleazar VII.
- Netaniel V. frühes 7. Jh.
- Eleazar VIII. ca. 630
- Netaniel VI.
- Eleazar IX. 640-650
- Akabon VII.
- Eleazar X.
- Akabon VIII.
- Eleazar XI.
- Akabon IX. um 750er
- Eleazar XII. 780-810
- Simeon
- Levi III.
- Phineas III.
- Netaniel VII.
- Baba II.
- Eleazar XIII.
- Netaniel VIII.
- Eleazar XIV.
- Phineas IV.
- Netaniel IX.
- Abdael II.
- Eleazar XV.
- Abdael III.
- Eleazar XVI.
- Aaron II.
- Sadakah
- Amram V.
- Aaron III.
- Netaniel X.
- Itamar
- Amram VII.
- Uzzi
- Joseph
- Phineas V. spätes 13. Jh.
- Eleazar XVII.
- Phineas VI. der Nazarite
- Abisha
- Eleazar XVII.
- Phineas VIII.
- Rabban Shalmiya ben Phineas ? -1624
- Tsedaka ben Tabiyya Ha'abta'ai 1624-1650
- Isaac ben Tsedaka 1650-1694
- Abraham ben Isaac 1694-1732
- Tabiyya ben Isaac 1732-1752
- Levi ben Abraham 1752-1787
- Shalmah ben Tabiyyah der Große 1787-1855
- Shelah ben Isaac (1787-1799)
- Amram ben Shalmah 1855-1874
- Jacob ben Aaron ben Shalmah 1874-1916
- Isaac ben Amram 1916-1932
- Matzliach ben Phinhas 1933-1943
- Abrisha ben Phinhas 1943-1961
- Amram ben Isaac 1961-1980
- Asher ben Matzliach 1980-1982
- Shafiq Uzzi ben Jacob 1982-1984
- Jacob ben Shafiq 1984-1987
- Joseph ben Ab-Hisda 1987-1998
- Levi ben Abisha 1998-2001
- Shalom ben Amram 2001-2004
- Eleazar ben Tzedakah 2004-
Siehe auch
- Portal:Bibel
Weblinks
- [http://members.aon.at/bjaros/SichemArea.htm Ausführliche Infos über die Geschichte der Samaritaner]
- [http://www.the-samaritans.com Englischsprachige Homepage der Samaritaner]
Kategorie:asiatische Ethnie
Kategorie:Judentum
Jesus
]
Jesus von Nazaret ( - vermutlich zwischen 7 und 4 v. Chr. in Nazaret, Kafarnaum oder Bethlehem; † 30 oder 33 in Jerusalem) war die historische Person, die hinter dem Jesus Christus des Neuen Testaments (NT) steht.
Jesus war ein Jude aus Galiläa, der etwa seit 28 als Wanderprediger im Gebiet des heutigen Israel und im Westjordanland öffentlich auftrat und wenige Jahre später als angeblicher Aufrührer gegen die römische Besatzungsmacht gekreuzigt wurde. Er wollte nach dem NT keine neue Religion gründen, sondern das Judentum angesichts des erwarteten Gottesreichs zur Umkehr rufen.
Aus den urchristlichen Quellen lassen sich nur bedingt gesicherte biografische Details zu Jesus erschließen, da sie ihn als den Christus (Messias, Sohn Gottes, Erlöser) verkündigen wollen. So sehen Christen ihn aufgrund der Auferstehungstexte im NT. Auch außerhalb des Christentums haben Jesu Lehre und persönliches Vorbild religiöse, kulturelle und aktuelle Bedeutung.
Dieser Artikel stellt weithin als plausibel anerkannte Grundzüge seines Auftretens und seiner Verkündigung, aber auch umstrittene Thesen der heutigen Leben-Jesu-Forschung dar. Diese werden in der angegebenen Literatur näher ausgeführt; Bibelstellen werden wie üblich abgekürzt.
Grundlagen der Kenntnisse über den historischen Jesus
Jesus hat keine schriftlichen Werke hinterlassen. Fast alles Wissen über ihn stammt aus zeitgenössischen Quellen, die nach seinem Tod verfasst wurden, um ihn als den Christus zu verkünden. Nur wenige Daten dieser Glaubensdokumente werden durch außerchristliche Notizen gestützt. Ihre Prüfung und kritische Interpretation unternimmt die Leben-Jesu-Forschung.
Nichtchristliche Zeugnisse
Einige jüdische, römische und griechische Geschichtsschreiber überliefern kurze außerbiblische Notizen zu Jesus von Nazaret. Diese wurden frühestens 60 Jahre nach Jesu Tod verfasst und nennen fast nur seine Hinrichtung, nicht sein Wirken und seine Lehre. Sie sind zudem quellenkritisch umstritten, da sie zum Teil auf Gerüchten und Missverständnissen beruhen oder später von christlichen Kopisten eingefügt wurden.
Das sogenannte Testimonium Flavianum ist das älteste außerchristliche Dokument, das Jesus erwähnt. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen etwa 90 bis 94 verfassten Antiquitates Judaicae (Kap. 20,200) über die Hinrichtung des Jakobus, eines Bruders Jesu. Diese Notiz wird in der Regel als echt angesehen. Eine längere Notiz dagegen (Kap. 18,63f.), die Jesus als „Gesalbten“ (Messiasanwärter) bezeichnet, gilt als nachträglicher Einschub von Christen. Allenfalls die erwähnte Hinrichtung durch Pilatus wird als echter Kern vermutet.
Tacitus berichtet um 117 in den „Annales“ (Buch XV, 44) von so genannten Chrestianern, denen Kaiser Nero die Schuld am Brand Roms im Jahr 64 zugeschoben habe. Er fährt fort:
:Der Mann, von dem sich dieser Name herleitet, Christus, war unter der Herrschaft des Tiberius auf Veranlassung des Prokurators Pontius Pilatus hingerichtet worden.
Unklar bleibt, ob diese Nachricht sich auf unabhängige römische Quellen oder bereits auf christliche Überlieferung stützt.
Sueton schreibt etwa um 120 in seiner Biographie des Kaisers Claudius (Kap. 25,4), dieser habe die Juden, welche, von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, aus Rom vertrieben (49). Ob „Chrestos“ sich auf Jesus Christus bezieht, ist ungewiss.
Weitere Notizen stammen von Plinius dem Jüngeren, dem ansonsten unbekannten syrischen Stoiker Mara bar Sarapion sowie aus rabbinischen Quellen. Diese Autoren beziehen sich jedoch nur polemisch auf ihnen bekannte christliche Gebräuche und Überlieferungen.
Christliche Zeugnisse
Informationen über Jesus lassen sich primär aus der Analyse und Interpretation der vier Evangelien sowie dem apokryphen, nicht in das NT aufgenommenen Thomasevangelium gewinnen. Diese bilden eine eigene Literaturform von Christen meist jüdischer Herkunft, die von Jesu Auferstehung überzeugt waren (Mk 16,6) und ihn als den Messias für ihre Gegenwart erzählerisch verkündigen wollten. Sie enthalten fast keine exakten historischen Daten, da sie nicht deren nachprüfbare Feststellung, sondern die Glaubensentscheidung der Leser intendierten. Ihre historische Auswertbarkeit und Zuverlässigkeit ist daher seit Beginn der Leben-Jesu-Forschung stark umstritten.
Nach heutigem Wissensstand wurden die drei synoptischen Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas frühestens 30 bis 40 Jahre nach Jesu Tod schriftlich fixiert, wahrscheinlich erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70. Nur wenige Historiker vertreten ein früheres Entstehungsdatum einzelner Evangelien. Demnach hat wohl keiner ihrer Autoren Jesus persönlich gekannt.
Jedoch lag den Evangelisten Matthäus und Lukas nach der im Kern weithin akzeptierten Zweiquellentheorie bereits das Markusevangelium vor. Von diesem übernahmen sie die Komposition und die meisten Texte, wobei sie diese ihren theologischen Aussageabsichten gemäß veränderten (Peter Stuhlmacher).
Sie verarbeiteten außerdem wohl eine nur ihnen bekannte Logienquelle, in der Reden und Sprüche Jesu gesammelt waren. Ähnliche Jesusworte wurden eventuell zeitlich parallel auch von syrischen Gemeinden gesammelt und später im Thomasevangelium fixiert. Alle diese Stoffe wurden seit Jesu Tod jahrzehntelang mündlich von Angehörigen der ersten Christengeneration (Lk 1,2) überliefert. Ihre frühesten Bestandteile können direkt auf Jesus zurückgehen, da sie eventuell von Jüngern stammen, die ihn noch selbst erlebt haben.
Der „Markus“ genannte Evangelienredaktor fügte seinerseits einen frühen Passionsbericht der ersten Christengemeinde in sein Evangelium ein, der die in den Paulusbriefen überlieferten Credoformeln erzählend ausführt (Ulrich Wilckens). Diese bilden die wahrscheinlich ältesten Kristallisationskerne der NT-Überlieferung.
Der vormarkinische Passionsbericht legt den Schwerpunkt auf die Jerusalemer Ereignisse am Lebensende Jesu, auf die hin alle Evangelien verfasst wurden. Er begann wahrscheinlich mit dem Verrat des Judas (Mk 14,10) und endete mit der Entdeckung des leeren Grabes Jesu. Ihm wurden dann allmählich weitere Ereignisse vorangestellt.
Dass alle Evangelien vom Einzug Jesu in Jerusalem an demselben festgefügten Ablauf folgen, gilt als starkes Indiz für Alter und Zuverlässigkeit der Passionsüberlieferung. Diese bildet ihren größten Anteil, so dass diese Literaturform seit Martin Kähler als „Passions- und Ostergeschichte mit ausführlicher Einleitung“ gilt.
Das Johannesevangelium kann nach heutiger Forschermeinung trotz seiner späten Entstehung (um 130) durchaus unabhängige historische Stoffe enthalten, etwa von Jesu Verhältnis zu den Mandäern oder seinen Jerusalem-Besuchen. Da die Evangelisten ihre Quellen auf je eigene Weise theologisch gestalteten und in ihre Missions- und Lehrabsichten einordneten, lassen ihre Gemeinsamkeiten umso mehr auf einen realen, historischen Kern schließen.
Die Leben-Jesu-Forschung
Seit etwa 1750 entstand die universitäre Leben-Jesu-Forschung, die sich von kirchlicher Bevormundung zu lösen begann. Sie versuchte, historische Informationen von rein theologischen Aussagen des NT nach wissenschaftlichen Kriterien methodisch zuverlässig zu unterscheiden. Seitdem erwogen NT-Forscher jede denkbare Hypothese. Manche bezweifelten Jesu Existenz oder ergänzten spekulativ fehlendes Wissen. Viele der so entstandenen „Jesusbiografien“ gelten seit Albert Schweitzers Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1899) als überholt. Auch heute gibt es einige spekulative Theorien über Jesus von Nazaret, die die seriöse NT-Forschung verwirft.
Seit dem frühen 20. Jahrhundert werden zunehmend außerbiblische Quellen herangezogen, um die historische Glaubwürdigkeit der NT-Überlieferung zu überprüfen. Aufgrund gewachsener Kenntnisse der Archäologie, Sozialgeschichte und Orientalistik und dank immer differenzierterer historisch-kritischer Textanalysen gehen heute auch nichtchristliche Historiker in der Regel davon aus, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und sich relativ sicher ermitteln lässt, was er verkündete, wer er sein und was er tun wollte.
So bieten u. a. die Schriftfunde von Qumran der Judaistik heute ein differenzierteres Bild des palästinischen Judentums zur Zeit Jesu. Danach haben sich manche, von theologischen Vorurteilen bestimmte Sichtweisen – etwa Jesu angebliche „Aufhebung“ der Tora und sein Gegensatz zu den Pharisäern – als unhaltbar erwiesen. Auch apokalyptische und weisheitliche Elemente seiner Predigten werden nicht mehr vom Judentum abgerückt. Andererseits hält man auch einen Messiasanspruch und die bewusste Leidensannahme heute eher für Bestandteile der Eigenverkündigung Jesu als nur für eine nachösterliche Deutung früher Christen.
Jesu Herkunft
Der Name
- Jesus ist die latinisierte Form des griechischen Ιησους und wird demgemäß lateinisch dekliniert (Genitiv „Jesu“). Es übersetzt den männlichen hebräischen Vornamen Jeschua, auch Jehoschua oder Josua. –- Hebräisch wurde in Palästina zur Zeit Jesu kaum noch gesprochen. Griechische, nicht jedoch hebräische oder aramäische Namen wurden damals in andere Sprachen übersetzt.
- Jehoschua verbindet „Je“ (Vorsilbe von JHWH, dem Gottesnamen der hebräischen Bibel) mit „Hoshea“ (Rettung, Heil, siehe Hosea). „Jesus“ bedeutet auf Hebräisch also „Gott-Retter“ oder „Gott-rettet“. Dieser Name war damals unter Juden verbreitet. Nach der Trennung des Christentums vom Judentum wurden Juden aber nur noch selten so genannt.
- Ben oder Bar Joseph hieß Jesus mit Nachnamen, falls man ihn wie üblich bei seiner Beschneidung nach seinem Vater nannte (Lk 2,21). Das NT belegt dies nicht: Lk 4,22 nennt „Josefs Sohn“ ohne Vornamen und betont so den Kontrast zur Jungfrauengeburt (Lk 3,23). Joh 1,45 betont mit „Jesus, Josefs Sohn aus Nazaret“ seine königliche Abstammung von David. Frühere Versionen nennen ihn dagegen „Sohn der Maria“ (Mk 6,3; Mt 13,55).
- Christus ist die lateinische Form des griechischen Χριστος. Dieses übersetzt das hebräische „Maschiach“, deutsch „der Gesalbte“. Das ist ein jüdischer Ehrentitel für Könige und Hohepriester, später für den erwarteten König der zukünftigen Heilszeit, den Messias.
- Jesus Christus verbindet den jüdischen Vornamen und griechischen Titel zu einem Nominalsatz, der das christliche Glaubensbekenntnis in Kurzform ausdrückt: Dieser Jesus ist der Messias.
Nazarener, Nazoräer oder Nasiräer?
Die Angabe von Nazaret (lat.: „Nazarenus“) bezeichnet im NT Jesu Herkunftsort in Galiläa (Mk 1,9). Doch dieser Zusatz wird mit „Nazoraios“ variiert: So nannten die Mandäer die Lehrer ihrer Taufriten. Auch Jesus (Joh 19,19) und die Christen (Apg 24,5) nannte man anfangs Nazoräer: eventuell weil er und einige seiner Jünger früher zu Johannes dem Täufer gehörten und auch tauften. Nach Mark Lidzbarski bezogen erst die Evangelien-Autoren den Ausdruck irrtümlich oder bewusst auf den Ort. So sagt Mt 2,23:
:(Josef) kam und wohnte in der Stadt, die Nazaret heißt, damit erfüllt würde, was die Propheten gesagt haben: Er soll Nazarener heißen.
Doch diese Verheißung kennt die Bibel nicht.
Die Herleitung von „Nasiraios“ ist dagegen unwahrscheinlich: Ein Nasiräer war ein Asket, der – wie der Täufer – auf strenge kultische Reinheit bedacht war. Er legte einen Eid ab, keinen Alkohol zu trinken, sich die Haare nicht mehr zu scheren, sich keiner Leiche und keinem Grab zu nähern (Num 6,1–4). Doch Jesus tat all das im Verlauf seines Wirkens und lehnte jeden Eid ab (Mt 5,33ff).
Geburt und Lebensdauer
Historiker beurteilen die Geburts- und Jugendgeschichten des NT weitgehend als spät entstandene Legenden. Dies gilt auch für das apokryphe Kindheitsevangelium nach Thomas, das von Wundertaten des Knaben Jesus erzählt.
Mt 1–2 und Lk 1–2 wollen Jesus als Messias verkünden und stellen seine Geburt dazu in den Rahmen biblischer Verheißungen. Der unbelegte Kindermord des Herodes (Mt 2,13) etwa erinnert an den Kindermord des ägyptischen Pharao vor Israels Exodus (Ex 1,22): Damit wird Jesus wie Moses als Befreier des Gottesvolks dargestellt. Auch der Stern, der orientalische Astrologen zu seinem Geburtsort geführt haben soll (Mt 2,2), verkündet Jesus als kosmischen Erlöser. Ob zum Zeitpunkt seiner Geburt ein besonderes stellares Phänomen zu beobachten war, ist umstritten.
In Betlehem, einer Kleinstadt nahe Jerusalem, sollte nach biblischer Weissagung der Messias geboren werden (Mi 5,1). Damit bezeugen Mt 2,1.6 und Lk 2,4 Jesu Abstammung vom König David. Die meisten Historiker nehmen dagegen an, dass er in Nazaret, dem Wohnort seiner Familie, oder in Kafarnaum, dem Ort seines ersten und wiederholten Auftretens (Mk 1,21), geboren wurde.
Geburtstag und -jahr Jesu waren schon den Urchristen unbekannt. Historische Bezüge im NT legen nahe, dass er nach dem ersten römischen Reichscensus unter dem Statthalter Syriens, Quirinius (7 v. Chr.; Lk 2,1–2) und vor dem Tod Herodes des Großen (4 v. Chr.; Mt 2,1) geboren wurde. Die abendländische Zeitrechnung, deren Nullpunkt das Geburtsjahr Jesu sein sollte, beruht auf einem Rechenfehler.
Historisch gesehen ist aus Jesu Kindheit und Jugend fast nichts bekannt. Die Evangelien erzählen außer den Geburts- und Jugendlegenden nur von Jesu letzten drei bis vier Lebensjahren. Zu Beginn seines Auftretens soll er etwa 30 Jahre alt gewesen sein (Lk 3,23). Sein Todesdatum ist nicht überliefert. Da er aber nach allen Evangelien am Vortag eines Schabbat an einem Passahfest gekreuzigt wurde, bleiben nur 30 oder 33 n. Chr. als Todesjahr. Demnach wurde er 34 bis 40 Jahre alt.
Sprache
Als galiläischer Jude sprach Jesus im Alltag die westliche Variante des Aramäischen: die Reichssprache der Assyrer, die die Perser in Israel eingeführt hatten. Das bestätigen einige aramäische Jesuszitate im NT. Er sprach wohl auch das verwandte Hebräisch, in dem der Tanach – Israels Heilige Schrift – abgefasst war. Fraglich ist, ob er lesen und schreiben konnte und auch Griechisch beherrschte, die damalige Verkehrssprache im Osten des römischen Reichs. Die ins Griechische übersetzte Bibel, die Septuaginta, lasen wohl nur hellenistisch gebildete Angehörige der jüdischen Oberschicht, nicht arme Galiläer.
Ob man griechische Ausdrücke und Redewendungen ins Aramäische zurück übersetzen kann, ist ein wichtiges Kriterium für die Suche nach „echten“, anfangs mündlich tradierten Jesusworten (Joachim Jeremias). So versucht man, seine eigene Verkündigung von urchristlicher Deutung zu unterscheiden.
Familie
Jesus war nach Lk 2,4 ff. und Mt 13,55 der älteste Sohn Josefs und seiner Frau Maria, beide aus Nazaret. Seine Stammbäume (Mt 1; Lk 3) betonen seine väterliche Abstammungslinie. Zugleich verkünden Mt 1,18 und Lk 1,35 ihn als vom Heiligen Geist gezeugt. Dies sahen Urchristen jüdischer Herkunft nicht unbedingt als Gegensatz.
Nach Mt 1,19 glaubte Josef, Jesus sei unehelich gezeugt, bis ein Engel ihm den wahren Sachverhalt erklärt habe (Mt 1,20). Der jüdische Talmud stellt Jesus als uneheliches Kind eines römischen Soldaten dar. Der Historiker Gerd Lüdemann greift diese These heute wieder auf und vermutet, ein Römer habe Maria vergewaltigt. Urchristen hätten dies zur göttlichen Herkunft umgedeutet. Daraus erklärt er Jesu Benennung als „Sohn der Maria“ anstelle des üblichen „Joschua ben Josef“ und seine Außenseiterrolle in seiner Heimatstadt.
Nach Mk 6,3 hatte Jesus vier Brüder – Jakobus, Joses (Josef? Mt 13,55), Judas, Simon – und eine unbekannte Zahl Schwestern, deren Namen nicht überliefert sind. „Brüder“, seltener auch „Schwestern“, kann im biblischen Umfeld aber auch andere Verwandte einer Sippe bezeichnen (siehe dazu Geschwister Jesu).
Laut Lk 2,43 ging Jesus schon als Junge zur Familie auf Distanz, um im Tempel zu lehren. Nach seiner Taufe erwähnen die Evangelien seinen Vater nicht mehr: dafür nun öfter Kafarnaum, wo Jesus zuerst auftrat (Lk 4,16.23). Daher vermuten manche Forscher, er sei dorthin umgezogen, nachdem sein Vater fort oder tot war. Andere gehen von einer Geburt und einem Leben in Kafarnaum aus, da Nazaret zu dieser Zeit für einen Baumeister keine Arbeit geboten habe.
Das 4. der 10 Gebote – Ehre Vater und Mutter (Ex 20,12) – verlangte damals die Fürsorge des ältesten Erben für seine Sippe. Doch zu Jesu Nachfolge gehörte das Aufgeben der familiären Bindungen. Nach der Gesellschaftsmoral seiner Zeit verhielt er sich damit wie ein Mörder und Ehebrecher. Sein Umherziehen, Predigen und Heilen stieß auf Unverständnis und führte zu Konflikten mit seinen Verwandten. Sie lehnten seine Gastfreundschaft für Arme und Kranke ab, erklärten ihn für verrückt und versuchten, ihn zurückzuhalten (Mk 3,20f.; 3,31). In diesen Kontext gehören Aussagen wie Mk 3,33–35:
:Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Und er schaute auf die, die rings um ihn saßen und sagte: Siehe, ihr seid meine Mutter und meine Brüder! Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Bei anderer Gelegenheit mahnte er (Mt 10,37):
:Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner (Nachfolge) nicht wert...
oder noch schärfer (Lk 14,26):
:Wer zu mir kommt und seine Eltern, Kinder, Geschwister und dazu sein eigenes Leben nicht hasst, der kann nicht mein Jünger sein.
Er hob damit das 4. Gebot nicht auf (Mk 7,10 f.), legte es aber konträr zur jüdischen Tradition aus: Achte nur die als deine Angehörigen, die Gottes Willen tun. Darum wurde er in Nazaret abgelehnt und verließ es daraufhin ganz (Mk 6,1–6):
:Ist das nicht der Bauhandwerker, Marias Sohn ...? Und sie waren verärgert über ihn. Jesus aber sagte zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seiner Heimat, bei seiner Sippe und in seinem Ort.
Aber Frauen aus Jesu näherer Umgebung sorgten für ihn und die übrigen Männer auf ihrem Weg (Mk 1,31). Sie blieben bis zum Ende bei ihm (Mk 15,41), so nach Joh 19,26f auch seine Mutter. Er soll noch am Kreuz für ihr Wohlergehen gesorgt haben, indem er sie einem anderen Jünger anvertraute. – Verwandte Jesu gehörten nach Ostern zu den ersten Christen. Sein ältester Bruder Jakobus wurde sogar ein Leiter der Urgemeinde (Gal 2,9).
Jugend, Ausbildung, Beruf
Jesus soll schon früh mit Pharisäern diskutiert und gute Torakenntnis gehabt haben (Lk 2,46f). Der Argumentationsstil seiner Predigten und Gleichnisse ist originär rabbinisch (Halacha und Midraschim). Dazu wurde er wohl von Rabbinern seiner Heimat ausgebildet. Er heilte am Sabbat (Mk 2–3) und ordnete die Nächstenliebe allen übrigen Geboten über (Mk 12,28ff), so wie es zuvor Rabbi Hillel gelehrt hatte. Seine Armenfürsorge, seine Heilwunder und die Tateinheit von Beten und Almosengeben ähneln dem Auftreten von Chanina Ben Dosa (ca. 40–70), dem berühmtesten der galiläischen Chassidim (von „Chesed“ = Gnade, Barmherzigkeit Gottes). So ordnet die Judaistik Jesu Tora-Auslegung heute ganz in das zeitgenössische Judentum ein.
Seine ersten Jünger nannten ihn „Rabbuni“ (aramäisch: „mein Meister, Lehrer“). Ein Rabbi lebte von einem gewöhnlichen Handwerk, nicht vom Lehren. Jesus erlernte von seinem Vater das Bauhandwerk (Mk 6,3). Ein „Tekton“ (oft irreführend als „Zimmermann“ übersetzt) konnte generell mit Steinen, Stroh und Holz umgehen und war meist im Hausbau tätig. Ob Jesus beim Broterwerb der Familie half, bevor er sie verließ, ist den Texten aber nicht zu entnehmen. Manche Forscher nehmen dies an, da Josef allein die Familie nicht hätte ernähren können.
Jesu Wirken
Johannes und die Taufe im Jordan
Zimmermann
Nach allen Evangelien begann Jesus nach seiner Begegnung mit dem Täufer Johannes öffentlich aufzutreten. Nach den Synoptikern (Mk, Mt, Lk) ließ er sich von Johannes taufen. Sie verkünden dies als das Ereignis, bei dem Gott ihn wie sein Volk Israel (Hos 11,1) als seinen Sohn bezeugte und seinen Geist auf ihn sandte (Mk 1,11).
Johannes war einer der damaligen jüdischen Bußprediger. Er kündete die bevorstehende radikale Wende der Endzeit an und rief das ganze Volk Israel zur Umkehr: Damit griff er auf die Zukunftserwartung (Eschatologie) der jüdischen Prophetie und Apokalyptik zurück. Er berief Anhänger, lebte aber abseits bewohnter Gegenden als Wüstenasket. Das Tauchbad im Jordan war symbolische Vorwegnahme des Todes, sollte von sündigem Lebenswandel reinigen, zur Umkehr befähigen und die Getauften so vor dem drohenden Endgericht retten. Darauf geht die spätere christliche Taufe zurück.
Ob Jesus sich ihm nach seiner Taufe anschloss, ist ungewiss. Nach den älteren Evangelien hat er nicht, nach Joh 3,22ff aber eine Weile parallel zu Johannes getauft. Eventuell lernte er die Brüder Petrus und Andreas bei ihm kennen und warb sie ihm ab (Joh 1,35–42). Er predigte das Reich Gottes dann auf andere, offenbar attraktivere Art: als gnädige Zuwendung Gottes zu den Armen und Sündern. Er übernahm den endgültigen Umkehrruf von Johannes, lehnte aber das Fasten, die Askese für seine Jünger ab (Mk 2,16–19), pflegte die Tischgemeinschaft mit „Unreinen“ und heilte gerade die, die Gottes Gericht verfallen gewesen wären. Daraus wollte er ganz Israel, nicht bloß ein „reines“ Restisrael retten.
Wohl deswegen sahen die Mandäer in Jesus später einen „Lügenpropheten“. Die Evangelien dagegen sehen in Johannes den letzten Propheten des Alten Bundes, den Vorläufer der Ankunft des geistbegabten Messias (Mk 1,7f; 8,28f). Sie betonen den Zeugnischarakter seiner Botschaft (Joh 1,7f) gegenüber dem ihm überlegenen endgültigen Heilsbringer (Mt 3,11). Historiker nehmen daher an, dass es Austausch und Konkurrenz, aber auch gegenseitige Achtung zwischen Jesu und Johannes’ Anhängern gab (Joh 4,1).
Gebiet des Auftretens
Jesus war ein Wanderprediger unter vielen. Er sah sich nur zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“ gesandt (Mt 10,5/15,24) und hatte kein Interesse an Weltruhm. Sein Wirken blieb anfangs auf das Ortsdreieck Kafarnaum–Bethsaida–Chorazim am Nordufer des Sees Genezareth begrenzt, das höchstens 200 Quadratkilometer umfasste. Diese Gegend war im römischen Reich unbedeutend. Römerstädte wie Sepphoris, Tiberias oder Cäsarea Philippi betrat Jesus laut NT nicht, wohl weil fromme Juden die Besatzer ablehnten und er von den Herodianern verfolgt wurde (Mk 3,6). Daher wundert es nicht, dass damalige römische Quellen ihn nicht erwähnen.
Im Haus des Petrus in Kafarnaum richtete er eine Art Hauptquartier ein, in das er von seinen Missionswegen öfter zurückkehrte (Mk 1,29; 2,1). In jenem Fischerdorf von etwa 1.000 Einwohnern fanden Archäologen eine frühchristliche Pilgerstätte: Dort könnten Reisende ihn gehört haben, die auf der Fernstraße Via Maris nach Syrien oder Ägypten unterwegs waren. Er wirkte auch am Westufer des Sees Genezareth im heutigen Westjordanland (Gerasa, Mk 5,1) sowie im heutigen Südlibanon (Tyros und Sidon, Mk 7,24) und streifte eventuell auch durch Samaria (Joh 4,5 gegen Mt 10,5). Diese Provinz Palästinas gehörte früher zum Nordreich Israel, das den Jerusalemer Tempelkult im Südreich Juda ablehnte.
Reich-Gottes-Verkündigung
Nach allen Evangelien begann Jesus nach der Festnahme des Täufers durch Galiläas Dörfer zu ziehen und verkündete wie dieser das unmittelbar bevorstehende „Reich Gottes“ (Mk 1,14ff). Damit folgte auch er Israels Prophetie, die seit Amos (5,18ff, etwa 800 v. Chr.) einen „Gerichtstag“ Gottes als endzeitliche Befreiung von allen ungerechten irdischen Verhältnissen angekündet hatte. Jesus erneuerte diese jüdische Heilserwartung, indem er sie auf sein eigenes Leben bezog: In seinem Handeln und Dasein sei Gottes Reich schon angebrochen (Lk 7,22; 17,21; vgl. Mt 11,4-5). Er bezog sich dabei vor allem auf Heilsansagen der Exilspropheten Deuterojesaja (Jes 40–55) und Tritojesaja (Jes 56–66, ab etwa 530 v. Chr.). Nach Lk 4,17–21 wollte er diese erfüllen und den „Armen“ das Reich Gottes verkünden: Das sah er als seine ihm von Gott aufgetragene Sendung an.
Nach sozialgeschichtlichen Untersuchungen waren die meisten Juden damals bettelarm: Sie litten unter Ausbeutung, Abgaben für Rom und den Tempel, täglicher römischer Militärgewalt, Arbeitsmangel, Schuldversklavung, Hunger, Epidemien und sozialer Entwurzelung. Aus diesen Lebensumständen erklärt z.B. Gerd Theißen viele Texte der Logienquelle, die die prophetische Zukunftserwartung einer Revolution Gottes zu Gunsten der Besitz- und Rechtlosen erneuerten. Dazu gehören Aussagen, wonach Jesus den Armen das Erbe des Landes (Mt 5,5) und das „Gnadenjahr“ des allgemeinen Schuldenerlasses und der gerechten Bodenreform (Lk 4,19f) zusagte. An dieses alte biblische Gottesrecht (Lev 25; Dtn 15) erinnerte schon Deuterojesaja im babylonischen Exil (Jes 61).
Als Eigenverkündigung Jesu gelten auch die „Seligpreisungen“ (Makarismen), die dem ganzen angeredeten Volk zusagten (Lk 6,20):
:Glücklich ihr Armen, denn euch gehört Gottes Reich!
Sie versprachen den Leidenden, Machtlosen und Verfolgten die Überwindung ihrer Not, so dass sie auch das Erdreich besitzen würden (Mt 5,3-10). Als redaktioneller Beginn der Bergpredigt (Mt 5–7) bzw. „Feldrede“ (Lk 6,20–49) lassen sie sich als prophetische Auslegung des 1. Gebots (Ex 20,2) verstehen: Weil Gott der Sklavenbefreier ist, bringt sein Reich den Armen umfassende Gerechtigkeit.
Lukas ergänzte sinngemäß die Weherufe an die Reichen. Diese werden meist nicht als originär angesehen, da Jesus etwa nach Lk 19,1–10 auch reichen Zöllnern Vergebung schenkte. Nach Mk 10,21 lud er einen Großgrundbesitzer zum Besitzverzicht zu Gunsten der Armen ein, um ihn zu seiner Nachfolge zu befreien: Dies ist als „Einlassbedingung“ für Gottes Reich formuliert, während es den Armen ohne Vorbedingung zugesagt wird.
Diese Zusagen enthielten einen indirekten Messiasanspruch, da der Messias in Israels Prophetie Gottes Recht auf Erden durchsetzen soll. Demgemäß antwortete Jesus auf die Messiasfrage des Täufers („Bist du der Kommende?“) mit dem Hinweis auf sein Wirken, in dem sich die prophetischen Heilsverheißungen erfüllten (Mt 11, 2-5). Diese Verbindung von Gottes weltveränderndem Kommen mit seinem gegenwärtigen Handeln, das die Situation der Angeredeten bereits veränderte, unterschied seine Predigt von prophetischen, rabbinischen oder zelotischen Traditionen seiner Umgebung.
Der Begriff „Reich Gottes“ wurde in der Theologiegeschichte sehr verschieden gedeutet. Schon bald wurde die Spannung der „sich realisierenden Eschatologie“ Jesu (C.H. Dodd, W.G. Kümmel) zu Gunsten einer bloß jenseitigen Erlösung oder innerlichen Heilspräsenz aufgelöst. Dahin tendieren schon manche Aussagen im NT selbst (Joh 18,36). Andere reduzierten Jesu Heilszusagen auf ein rein kirchliches Gnadenangebot oder sozialpolitische Impulse ohne Bezug auf Gott. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte Albert Schweitzer die apokalyptische Dimension der Botschaft Jesu wieder.
Heiltätigkeit und Wunder
Heilen gehörte zum Aufgabenbereich eines Rabbi. Wie andere reformorientierte Pharisäer erfüllte Jesus das Gebot der Nächstenliebe (Lev 19, 17f) mit seinem Heilwirken für Kranke und soziale Randgruppen.
Wunder berichtet die antike Umwelt oft von Herrschern oder berühmten Ärzten, denen als „göttlichen Menschen“ (griechisch theios aner) besondere Kräfte zugeschrieben wurden. Auch die Evangelien tradieren gemeinsame und verschiedene Heilwunder; einige davon gehören zu den ältesten Stoffen der Logienquelle. Doch die Jesuswunder lassen sich kaum auf einen historischen Kern zurückführen, da sie alle nachösterliche Verkündigung seiner Person sind.
Nach dem NT soll Jesus auch „Dämonen“ ausgetrieben haben. Textmotive legen nahe, dass es dabei um damals unheilbare Krankheiten wie Lepra, grauen Star, Epilepsie und Schizophrenie ging. Solche Kranke galten nach damaliger Tora-Auslegung als „von unreinen Geistern besessen“. Man vermied Umgang und Berührung mit ihnen, verstieß sie aus bewohnten Orten und verurteilte sie so meist zum Tod (Adolf Holl).
Jesu Zuwendung zu ihnen gilt dem NT bereits als Wunder; doch verkündet es seine Heiltaten nicht als isolierte Mirakel, sondern als Angriff auf die Herrschaft des Bösen über das Gottesvolk und zeichenhaften Beginn des Reiches Gottes (Mk 3, 27). Die Exorzismen betonen das dramatische Kampfgeschehen mit der Feindmacht, das den Sohn Gottes als Sieger erweist (Mk 1,25f). Demnach habe Jesus durch das Machtwort des Schöpfers sogar Tote auferweckt: Talita kumi! – „Mädchen, steh auf!“ (Mk 5,41).
Andere Texte betonen das Heilen durch Nähe (Mk 1,31), Berührung (Mk 1,41), Schuldvergebung (Mk 2,5), Handauflegen oder Speichel (Mk 7,32f). Hinzu kommen soziale Aspekte: Jesus führt den Kranken aus dem Dorf und heilt ihn getrennt von seiner Umgebung (Mk 8,23). Manche sendet er verwandelt dorthin zurück (Mk 5,19), andere nicht (Mk 8,26). Dem Bedürftigen wird das Heil ohne Vorleistung geschenkt (Mk 3,3); Jünger wie Zuschauer aber werden zum Glauben ermahnt (Mk 9,19.25). Demnach war Jesu Anliegen ganzheitlich zu verstehen: Er heilte den Einzelnen, indem er ihn Gottes bedingungslose Gnade spüren ließ, seine gesamte Lebensorientierung radikal umwandelte, wo möglich, auch seine krankmachende Umgebung veränderte und so den Geheilten neue Lebenschancen eröffnete.
Diese Tätigkeit galt auch Ausländern (Mk 7,24ff) wie dem Diener eines römischen Offiziers (Mt 8,5–13; Lk 7,1–10). In Israel galten besondere Kräfte jedoch schnell als Teufelei. Seine „Vollmacht“ brachte Jesus nicht nur Sympathie, sondern auch Misstrauen, Neid, Abwehr ein (Mk 3,22). So weisen gerade seine Heilerfolge schon auf seine Passion voraus (Mk 3,6).
Neben den Heilungen schreiben die Evangelien Jesus noch andere Wunder wie Massenspeisungen, Sturmstillung, Seewandel (Mt. 14, 24–33) zu. Während die rationalistische Theologie diese Texte seit der Aufklärung „entmythologisierte“, glauben viele besonders evangelikale und charismatische Christen auch heute noch an „Dämonen“ als reale übernatürliche Wesen. Auch Esoteriker sehen bei Jesus Fähigkeiten wie Levitation.
Die Naturwissenschaft schließt „Wunder“ generell aus. Die psychosomatische Medizin erkennt jedoch an, dass jede Krankheit auch seelisch-geistige Dimensionen hat und Heilung immer den ganzen Menschen umfasst. Moderne Therapiemethoden wie die Gestalttherapie finden in den Wundertexten daher durchaus verwandte Motive.
Tora-Auslegung
Nach den unbedingten Heilszusagen erinnert die Bergpredigt die Nachfolger Jesu an Israels Auftrag, als Volk Gottes „Licht der Völker“ zu sein, indem es die Tora vorbildlich erfüllt (Mt 5,14–16; Jes 42,6). Der Evangelist Matthäus betont demgemäß, dass Jesus alle Toragebote bis ins Kleinste erfüllen, nicht aufheben wollte und Christen die Juden darin übertreffen sollen (Mt 5,17–20).
Ob Jesus selbst das so sah, ist umstritten. Einige überlieferte Gebote verschärfte er, andere relativierte er, wieder andere hob ganz auf. Zum Gebot der Sabbatruhe soll er z. B. gesagt haben (Mk 2,27):
:Der Sabbat ist für den Menschen, nicht der Mensch für den Sabbat da!
So lehrte später auch der Talmud: Lebensrettung verdrängt Toragebot.
Dem entsprachen Jesu „Antithesen“ (Mt 5,21–48), die heute nicht mehr als neue Ethik im Kontrast zum Judentum, sondern innerjüdische Toradeutung aufgefasst werden. Sie beziehen sich auf die Zehn Gebote (Ex 20,2–17) und das Vergeltungsrecht (Ex 21,23f). Jesus radikalisierte sie über den Wortlaut hinaus und bezog sie auf die innere Einstellung: Schon wer andere hasst, ist tendenziell ein Mörder und verdient eigentlich den Tod (5. Gebot). Schon wer als verheirateter Mann eine andere Frau begehrt, bricht die Ehe (6. Gebot). Jeder Eid missbraucht den Gottesnamen (2. Gebot) und ist Lüge (8. Gebot). Gottes Schöpfungstreue (Gen 8,22) entkräftet das Vergeltungsgebot. Auch Israels Feinde sind als Nächste zu segnen. Das Anhäufen von Besitz bricht das 1. Gebot (Mt 6,19f.24). Besitzaufgabe für die Armen erfüllt den ganzen Dekalog (Mk 10,17–27).
Gerichte waren in römischer und sadduzäischer Hand, Rechtsbeistand konnten Arme dort kaum erwarten. Jesus rettete eine Hure vor der Steinigung, indem er ihren Anklägern ihre eigene Schuld bewusst machte (Joh 8,1–11). Das hob die Todesstrafe nicht direkt auf, entkräftete sie aber.
Die Besatzer benutzten Juden als Lastesel und schlugen die, die sich weigerten. Verschuldung, Enteignung, römische Gewalt bedrohten ihre Existenz. Jesus nannte diese Unterdrückung seiner Mitjuden „das Böse“ (Mt 5,39), rief aber dazu auf, auf Gegengewalt zu verzichten und Feinde mit freiwilligem Entgegenkommen zu demütigen. Er erhöhte keine Strafen, sondern deckte das gnadenlose Verurteilen anderer auf, um es zu überwinden und Gottes Volk vor Krieg und Untergang zu retten (Mt 7,1–6):
:Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
Er erinnerte an Israels Aufgabe (Gen 12,3), die Völker zu segnen, nicht zu hassen. Seine Nachfolger sollten übermächtiger Gewalt durch unerwarteten Gewaltverzicht begegnen, Feinde mit Fürsorge überraschen (Mt 5,38–48) und so „entfeinden“ (Pinchas Lapide).
Jesu Ziel war demnach, ganz Israel und die Völker von Gewaltherrschaft zu befreien. Er lud darum gerade die in Gottes Reich ein, die die damals gültige Tora-Auslegung davon ausschloss (Mk 2,17):
:Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Gemeint waren beispielsweise jüdische „Zöllner“, die für die Römer Steuern eintrieben, oft dabei ihre Landsleute übervorteilten und daher gehasst und gemieden wurden.
Gerade weil Jesus das 1. Gebot über alles stellte, ordnete er die „Sozialtafel“ (6.-10. Gebot) der „Kulttafel“ des Dekalogs (1.-5. Gebot) über: Er hob die Reinheitsgesetze auf (Mk 7,1–22) und relativierte die Kultgesetze (Mt 5,24). Die Versöhnung mit dem Bruder und das Segnen der Feinde (Mt 5,23f.44) geht dem Opfern im Tempel voraus, weil Nächstenliebe gleichrangig mit Gottesfurcht ist (Mk 12,28–34): Dieses Doppelgebot nahm eine zentrale Lehre des Talmud schon vorweg. Es erfüllte für Jesus ebenso wie für die Pharisäer Israels ganze Tora.
Anhänger
Von Beginn seines Auftretens an gewann Jesus Nachfolger (Mk 1,14ff). Frühe Texte der Logienquelle zeigen: Der Ruf in die Nachfolge war mit dem „Verlassen“ von Beruf, Familie, Besitz unlösbar verbunden (Mk 10,28–31). Doch damit forderte er nur ihre Zugehörigkeit zum einfachen Volk, das total verarmt und vom Hunger bedroht war. Demgemäß zogen seine Anhänger mittel- und waffenlos umher (Mt 10,5–15). Ihre Aufgabe war, wie er das Reich Gottes zu verkünden, Kranke zu heilen, Dämonen auszutreiben, sogar Tote zu erwecken und Gottes Segen weiterzugeben. Beim Betreten eines Hauses grüßten sie mit dem Friedensgruß „Schalom“. Damit segneten sie die ganze Sippe und stellten sie unter Gottes Schutz. Waren sie nicht willkommen, dann verließen sie den Ort, reinigten sich von dessen Staub und überließen ihn Gottes Gericht, ohne zurückzukehren.
Die Gefahr für diese Wanderbettler war nicht das Festhalten von Besitz, sondern das Aufgeben ihrer Mission für ein gesichertes Existenzminimum (Mt 6,25–33). Mk 2,23ff zufolge lasen sie am Sabbat Ähren von abgeernteten Feldern auf. Jesus heilte bewusst auch am Sabbat und erlaubte den Bruch der Sabbatruhe bei Lebensgefahr (Mk 3,4), da Gesetze für den Menschen gemacht seien, nicht umgekehrt (Mk 2,27).
Das soll den Plan seiner Gegner, ihn zu töten, ausgelöst haben (Mk 3,6). Aber gerade Pharisäer wie Hillel erlaubten schon vorher Lebensrettung und Wohltätigkeit für die Armen auch am Sabbat. Sie wollten die Tora im Alltag flexibler anwenden. Dazu ergänzten sie die Bibel durch die mündliche Auslegung verschiedener Pharisäerschulen, die später in der Mischnah zusammengefasst wurde.
Die Evangelien stellen die Pharisäer überwiegend negativ und zum Teil falsch dar. Historiker erklären das aus ihrer Entstehungszeit: Nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. gewannen die Pharisäer die Führung des Judentums und grenzten die Christen aus, da diese sich bereits gegen die volle Weitergeltung der Tora und für die Völkermission entschieden hatten. Daraufhin grenzten die Evangelien sich ebenfalls polemisch gegen die Pharisäer ab, obwohl Jesus ihnen nahe stand.
Frauen
Jesu Verhalten zu Frauen war im patriarchalischen Judentum damals neu und ungewöhnlich (Hanna Wolff). Auch sie folgten ihm von Beginn an nach (Mk 1,31). Seine Heilwunder galten oft gerade Frauen, die gesellschaftlich ausgegrenzt wurden, z. B. Huren, Witwen, Ausländerinnen oder Kranken. Viele, die er geheilt hatte, versorgten ihn und die Männer (Lk 8,2–3). Maria Magdalena stand ihm nach dem Johannesevangelium besonders nahe (Joh 11–12; 20,16).
Die biblische und rabbinische Tradition betont die Einehe als den legitimen Ort für Sexualität. Der Scheidebrief (Dtn 24,1) sollte geschiedene Frauen vor Ehrverlust schützen, erlaubte aber auch, sie zu verlassen. Obwohl Männer selbst fremdgingen, erwarteten sie unberührte Ehefrauen. Verstoßene Frauen waren daher praktisch recht- und mittellos und oft zur Prostitution gezwungen, die wiederum als todeswürdig galt. – Jesus entzog dieser männlichen Doppelmoral die Rechtfertigung, indem er verheirateten Männern den „Seitensprung“ (Mt 5,27–32) und die Ehescheidung (Mk 10,1–12) verbot.
Aber er gebot seinen Jüngern nicht die Eheschließung, sondern ließ „um des Himmelreichs willen“ Ehelosigkeit zu (Mt 19,12). Ob er selbst eine Partnerin hatte, erwähnen die Evangelien nicht. Falls er ein ausgebildeter Rabbi war, wäre er laut Mischnah zur Ehe verpflichtet gewesen. Da er dem Verkünden des Reiches Gottes Vorrang vor allen weltlichen Bindungen gab (Mt 6,33), kann er unverheiratet und sexuell enthaltsam umhergezogen sein. Die Erinnerung an eine Freundin Jesu könnte aber auch später getilgt worden sein, da sie nicht zum Bild des Gottessohns passte (Luise Schottroff).
Die Frau wird auch in der urchristlichen Verkündigung hochgeschätzt. Jesu Stammbaum (Mt 1,1–17) erinnert bewusst an weibliche Außenseiter in Israels Erwählungslinie: die vermeintliche Hure Tamar, die Hure Rahab, die Moabiterin Ruth, die Witwe des ermordeten Uria. Eine Frau salbte Jesus vor seinem Tod (Mk 14,3–9). Nachfolgerinnen waren nach allen Evangelien die letzten Zeugen seines Todes, entdeckten sein leeres Grab und bezeugten als Erste seine Auferweckung.
Gegner
Zum damaligen Judentum gehörten neben den schon erwähnten Mandäern, Essenern, Pharisäern und Samaritanern weitere, oft miteinander verfeindete Gruppen: Herodianer, Sadduzäer und Zeloten.
Herodes Antipas, ein von Rom eingesetzter König aus Idumäa (Südjudäa, das vormalige Edom), regierte damals Galiläa und Judäa. Sein Vater, Herodes der Große, ließ Paläste bauen und missbrauchte dazu Teile der Tempelsteuer. Antipas selbst nahm eine bereits verheiratete Nichte als Zweitfrau und ließ den Täufer Johannes wegen dessen Kritik daran hinrichten (Mk 6,17–29). Daher waren die Herodianer den meisten Juden genauso verhasst wie die Römer. Sie gelten den Evangelien wohl historisch zutreffend auch als Gegner und Verfolger Jesu (Lk 13,31).
Seine Hauptgegner aber waren die hellenistisch geprägten, vornehmen Sadduzäer. Als Erben der Leviten verwalteten sie den Tempelkult in Jerusalem. Aus ihnen kam der Hohepriester, der sein erbliches Amt auf Zadok zurückführte: jenen Priester, der auf Geheiß König Davids den Tempelerbauer Salomo gesalbt hatte (1.Kön 1, 32) und dessen Nachfahren seit der Makkabäerzeit Priesterkönige waren. Im Hinterland war ihr Einfluss zwar geringer; doch wachten sie auch dort über die strenge Einhaltung der biblischen Reinheits- und Opfergesetze. Da Jesus diese für seine Jünger außer Kraft setzte (Mk 7,1–23), wurde ein Konflikt mit ihnen unvermeidbar.
Die jüdische Oberschicht kooperierte eng mit den römischen Besatzern. Diese ließen den Tempelkult zu, solange innerjüdische Konflikte ihre Machtkontrolle nicht bedrohten. Sie setzten Juden als Steuereintreiber und Ortsvorsteher ein, um Judäa als „Kornkammer“ für Rom auszubeuten. – Da Jesus den Armen schon in Galiläa den Landbesitz zusagte (Mt 5,5) und immer mehr Zulauf gewann (Mk 10,1.46), bahnte sich auch mit den Römern ein Konflikt an. Nachdem er sich zum Passahfest nach Jerusalem aufmachte, kam es dort zur direkten Konfrontation mit den damaligen Autoritäten in Religion und Politik: dem Hohenpriester Kaiphas und dem römischen Statthalter Pontius Pilatus.
Die Zeloten
Seit Judas Makkabäus (ca. 170 v. Chr.) gab es in Israel offenen Widerstand gegen Fremdmächte, die Israel ihre Religion aufzwangen. Jüdische Befreiungskämpfer kamen oft aus dem früheren bergigen Nordreich, wo die Exodustradition lebendig blieb. Auslöser für gesamtjüdische Aufstände waren oft Königs- oder Götterstatuen, die ein Fremdherrscher im Jerusalemer Tempel aufstellen ließ. Das widersprach dem biblischen Bilderverbot als Kehrseite des 1. Gebots (Ex 20,2ff).
Die Religionspolitik der Römer war anfangs toleranter als die ihrer Vorgänger. Doch um 6 n. Chr. verordnete Augustus allen Juden eine Volkszählung, um ihre Tributpflicht zu erzwingen (nach Lk 2,1 der Kontext der Geburt Jesus). Judas Galiläus organisierte einen Boykott dagegen. Nachdem er scheiterte, verübten seine Anhänger vermehrt Anschläge gegen römische Beamte und Soldaten. Die, die Meuchelmorde begingen, hießen „Sikarier“ (Dolchträger). Sie selber nannten sich nach biblischem Vorbild „Zeloten“ (Eiferer) und verweigerten das Zahlen römischer Steuern. Diese galten vielen Juden als Götzendienst, da der römische Kaiser auf den Münzen abgebildet war und sich als Gott verehren ließ.
Nach Mk 12,13–17 prüften Jesu Gegner sein Verhalten zur Kaisersteuer, um ihn als Zeloten zu überführen und an die Römer ausliefern zu können. Darauf soll er gesagt haben:
:Gebt dem Kaiser, was ihm gehört, und Gott, was Gott gehört!
Die Deutung ist umstritten. Nach Martin Luther trennte er Religion und Politik und verlangte: Bezahlt die Kopfsteuer jeweils dem Kaiser und dem Tempel. Nach Martin Buber sagte Jesus damit: Der Kaiser ist nicht Gott. Gebt ihm nicht, was Gott gehört: euch und euer Volk.
So zeigte sich auch dieser Galiläer bei der Tempelreinigung als „Eiferer“ für Gottes Reich (Joh 2,17). Darum folgten ihm auch einige Zeloten nach: Dazu gehörte wohl Judas Iskariot, der ihn später an Kaiphas verriet. Der Grund wird nicht genannt; Historiker vermuten meist eine Enttäuschung darüber, dass Jesus keinen zelotischen Aufstand anführen wollte. Er wollte nicht Israels Besatzer mit Gewalt vertreiben, sondern die Feindschaft zwischen Juden und Heiden überwinden.
Zug nach Jerusalem
Wann und warum Jesus sich dem Zentrum des jüdischen Glaubens zuwandte, ist ungewiss. Viele Historiker glauben, dass dieser Entschluss ungeplant war und erst allmählich reifte. Vielleicht pilgerte er wie die meisten Juden vom Land nur einmal in seinem Leben in die Tempelstadt: Dann wirkte er nur etwa ein Jahr öffentlich.
Er verließ Galiläa wohl, weil sich dort nach seiner Predigt nichts entscheidend besserte. Das lassen seine Weherufe über Galiläas Städte vermuten (Mt 11,20–24; Lk 10,13–16). Diese geprägten Klagen nehmen das Endgericht vorweg, als sei es schon passiert: Das war in Israels Gerichtsprophetie als letzter ultimativer Umkehrruf zu verstehen. Jesus vertraute die besuchten Städte also Gottes Gericht an und zog weiter, wie er es seinen Jüngern auch geboten hatte (Mt 10,14f).
Er zog nach der Enthauptung des Täufers nach Jerusalem (Mt 14,12): Sie kann ihn dazu veranlasst haben, sein Werk zuende zu führen, ganz Israel zur Umkehr zu rufen und den jüdischen Gottesdienst zu reformieren. Spätestens jetzt musste er mit seinem gewaltsamen Tod rechnen (Mt 14,13). Er nahm diesen wohl bewusst in Kauf (Mk 8,31 par.), um – wie der verheißene leidende „Knecht Gottes“ (Jes 53) – ganz Israel von Not, Krankheit, Unrecht und Sünde zu befreien (Mk 10,45). Unterwegs folgten ihm einfache Juden, die ihn für den wiedergeborenen Johannes, den Endzeitpropheten Elija oder sogar für den Maschiach hielten (Mk 8,27–30). Sie erwarteten offenbar eine Entscheidung über die Rechtmäßigkeit seines Anspruchs.
Jesu Passion
Einzug in Jerusalem
Mit Jesu Einzug zum Passahfest beginnt für die Evangelien seine Leidensgeschichte. Die Festpilger sollen ihn nach einer historischen Passahliturgie als den erwarteten Davidssohn begrüßt haben (Mk 11,9f):
:Gelobt sei das Reich unseres Vaters David!
Demnach sahen sie ihn als den ersehnten Retter und neuen König Israels.
Daraufhin soll Jesus auf einem zuvor unberittenen Esel in die Stadt geritten sein. Diese prophetische Zeichenhandlung erinnerte die Menge an eine Verheißung des Propheten Sacharja: Dieser hatte nach dem Tempelneubau (um 530) einen gewaltlosen Messias der Armen angekündet, der Gottes weltweites Abrüstungsgebot aufrichten und in Israel zuerst durchsetzen würde (Sach 9,9–11).
Jesu Eselsritt widersprach damit der Erwartung eines machtvollen Herrschers, der die Römer verjagen und ein Großreich Israel
wiederherstellen sollte. Demnach wollte er kein kriegerischer Anführer sein, sondern die biblische Prophetie des Völkerfriedens durch Abrüstung<
Galiläa]
Galiläa (von hebr.: galil Kreis), ist ein großes Gebiet im Norden Israels, das in drei Teile zerfällt: Oberes Galiläa, unteres Galiläa und Westgaliläa.
Einst machte Salomo die Hochebene unterhalb von Naphtali dem König Hiram als Lohn für bestimmte Dienste zum Geschenk. Hiram war mit dem Geschenk unzufrieden und nannte es "das Land von Cabul". Die Juden nannten es Galil.
Galiläa umfasst mehr als ein Drittel Israels und erstreckt sich "von Dan im Norden, am Fuß des Hermon bis zu den Grenzen von Carmel und Gilboa im Süden und vom Jordantal im Osten über die Ebene von Jezreel und von Akko zum Mittelmeer im Westen." In der römischen Zeit wurde Israel in drei Provinzen, Judäa, Samaria und Galiläa aufgeteilt, das den gesamten Nordabschnitt des Landes umfasste, Galiläa war die größte Provinz.
In Galiläa spielten sich einige der denkwürdigsten Ereignisse der jüdischen Geschichte ab. Es war für mindestens dreißig Jahre die Heimat des Jesus von Nazaret. Die ersten drei Evangelien des Neuen Testaments betonen das öffentliche Auftreten Jesu in dieser Provinz.
Wichtige Städte:
- Sepphoris
- Tiberias
Siehe auch: Galiläisches Meer (auch See Gennesaret)
Kategorie:Israel Kategorie:Geographie (Israel)
Kategorie:Ort in der Bibel
ja:ガリラヤ
ko:갈릴리
Rom
Rom (italienisch: Roma) ist eine Stadt mit 2.823.201 Einwohner an den Ufern des Flusses Tiber. In der näheren Agglomeration wohnen 3.615.972 Einwohner (Stand jeweils 1. Januar 2005).
In der Antike war sie das Zentrum des Römischen Reiches und seit 1871 ist sie die Hauptstadt Italiens. Darüber hinaus ist sie Verwaltungssitz der Region Latium und der Provinz Rom. Innerhalb der Stadt bildet der unabhängige Staat der Vatikanstadt eine Enklave. Der Vatikan ist der Sitz des Papstes, des Bischofs von Rom und Oberhauptes der katholischen Kirche. Außerdem ist Rom auch der Sitz des Malteser Ritterordens, der ein eigenständiges, jedoch nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt ist. Somit kann Rom als dreifache Hauptstadt gelten.
Die Altstadt von Rom, der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO im Jahre 1980 zum Weltkulturerbe erklärt. Außerdem ist Rom der Sitz folgender UN-Organisationen: FAO, IFAD, WFP.
Geografie
Geografische Lage
WFP
Rom liegt im Zentrum des Landes, am Tiber, unweit des Tyrrhenischen Meeres durchschnittlich 37 Meter über dem Meeresspiegel. Im Osten Roms befinden sich die Abruzzen, im Nordosten die Sabiner Berge und im Süden die Albaner Berge.
Rom liegt in der Tiberebene, in welcher sich Tiber und Aniene kurz vor der Stadt vereinigen. Die geografischen Koordinaten sind 41,53 Grad nördlicher Breite und 12,29 Grad östlicher Länge. Die weitere Umgebung ist die Campagna Romana oder kurz Campagna.
Die Provinz Rom grenzt im Norden an die Provinz Viterbo und die Provinz Rieti, im Osten an die Provinz L'Aquila in der Region Abruzzen, sowie im Süden an die Provinz Frosinone und die Provinz Latina.
Stadtgliederung
Rom gliedert sich in 19 Munizipien und 155 Stadtbereiche. Die Munizipien sind Stadtbezirke, welche zur leichteren Regierbarkeit der Stadt Anfang der 1990er Jahre eingeführt wurden. Ursprünglich waren es 20 municipi, aber das Municipio XIV ist Mitte der 1990er Jahre ausgemeindet worden und heute als Stadt Fiumicino bekannt. Die Stadtbezirke sind :
- Area Nord-Est: Municipi I, III, V und XVII
- Area Nord-Ovest: Municipi II, IV, XVI, XVIII, XIX und XX
- Area Sud-Ovest: Municipi XII, XIII und XV
- Area Sud-Est: Municipi VI, VII, VIII, IX, X und XI
Klima
Fiumicino
Das Klima Roms ist von seiner mediterranen Lage geprägt. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 15,4 Grad Celsius und die jährliche Niederschlagsmenge 758 Millimeter im Mittel.
Die wärmsten Monate sind Juni bis August mit durchschnittlich 21 bis 23,8 Grad Celsius und die trockensten Juni und Juli mit 19 bis 21 Millimeter Niederschlag im Mittel.
Die größten Niederschläge sind im Herbst und Winter mit durchschnittlich 74 bis 104 Millimeter zu verzeichnen. Der kälteste Monat ist der Januar mit 7,9 Grad Celsius im Mittel.
Geschichte
Gründung
Nach der Gründungssage wurde Rom am 21. April 753 v. Chr. von Romulus gegründet. Romulus brachte später seinen Zwillingsbruder Remus um. Die Zwillinge waren nach der Sage die Kinder des Mars mit der Vestalin Rhea Silvia. Sie seien auf dem Tiber ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt und dann von dem Hirten Faustulus am Velabrum unterhalb des Palatin gefunden und aufgezogen worden.
Das Gründungsdatum Roms ist der Beginn der Zeitskala des Römischen Kalenders, lat. ab urbe condita, abgekürzt a.u.c., deutsch „von der Gründung der Stadt (Rom) an“. Ausgrabungen auf dem Palatin fanden tatsächlich Siedlungsreste aus der Zeit um 1000 vor Christus.
Königszeit und Republik
Römischen Kalenders
Die Zusammenfassung einzelner Siedlungen zu einem Gemeinwesen könnte sich nach Auffassung der Historiker tatsächlich um das legendäre Gründungsdatum herum ereignet haben. Die sprichwörtlichen sieben Hügel Roms sind: Palatin, Aventin, Kapitol, Quirinal, Viminal, Esquilin und Caelius (auch Caelian(us)).
Zu Beginn seiner Geschichte war Rom ein Königreich, als erster Etruskerkönig wird Tarquinius Priscus (616 bis 578 v. Chr.) genannt. Nach Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus - angeblich im Jahr 509 v. Chr. - wurde Rom eine Republik - wenngleich dies wohl erst um 475 v. Chr. geschah. Die Folgezeit war von Ständekämpfen zwischen den rechtlosen, wenn auch freien Plebejern und den adeligen Patriziern gekennzeichnet. Rom begann nun, die umliegenden Gebiete anzugliedern.
Obwohl sich Rom 390 v. Chr. einer Invasion der Kelten kaum erwehren konnte, expandierte die Stadt dennoch ständig. Zum Schutz vor weiteren Übergriffen wurde die Servianische Mauer errichtet. 312 v. Chr. folgte der Bau des ersten Aquädukts sowie der Bau der Via Appia. Zur Expansion Roms trugen insbesondere auch die Punischen Kriege (264-146 v. Chr.) bei.
Nachdem die Brüder Tiberius Gracchus und Gaius Sempronius Gracchus, die versucht hatten, Landreformen durchzusetzen, ermordet wurden, kam es zu einer Phase der Instabilität, welche in Bürgerkriegen ihren Höhepunkt fand. Gaius Iulius Caesar setzte als Diktator eine Reihe von Reformen durch, wurde jedoch 44 v. Chr. ermordet. Zu diesem Zeitpunkt erreichte das Forum Romanum bereits eine Bebauungsdichte, die eine Ausweitung des Areals nötig machte. Aus diesem Grund begann Caesar mit dem Bau des Forum Iulium.
Kaiserzeit
Forum Iulium
Im 1. Jahrhundert vor Christus war Rom wohl bereits eine Millionenstadt und sowohl geographisches als auch politisches Zentrum des Römischen Reiches. Es verfügte über ein funktionierendes Frisch- und Abwassersystem, ein gut ausgebautes Straßennetz, funktionierende Bevölkerungsschutzeinheiten (Vigiles) welche als Feuerwehr mit Polizeibefugnissen ihren Dienst versahen. Trotzdem wurde der Ausbau Roms, welcher besonders unter Caesars Erbe Kaiser Augustus forciert worden war, durch einen großen Brand unter Nero im Jahr 64 vorübergehend zurückgeworfen.
Unter der Herrschaft der Flavischen Dynastie (69-96 n. Chr.) begannen umfangreiche Bautätigkeiten. Zu diesen neuen Bauwerken gehören die berühmtesten Baudenkmäler, wie das Kolosseum und die Kaiserforen. Das letzte dieser Foren wurde Anfang des 2. Jahrhunderts unter Trajan fertiggestellt. Zu dieser Zeit erreichte Rom den Höhepunkt seiner Zivilisation. Große Thermen wie die von Caracalla und Diokletian, welche sogar Bibliotheken einschlossen, waren fester Bestandteil des römischen Lebens geworden. Besessen vom Gigantismus errichteten die Kaiser immer größere Bauwerke, wie die Maxentiusbasilika. Hierin begann sich bereits der Niedergang des Kaiserreiches abzuzeichnen.
Spätantike und Niedergang
Maxentiusbasilika
Zu Beginn der Spätantike erreichte Rom wohl seine größte Bevölkerungszahl, verlor aber bald an politischer Bedeutung. Im 5. und 6. Jahrhundert kam es zu Katastrophen, die das Ende der antiken Herrlichkeit der Stadt bedeuteten: Auch die im 3. Jahrhundert errichtete Aurelianische Mauer konnte nicht verhindern, dass Rom während der Völkerwanderung 410 von den Westgoten, 455 von den Vandalen und 472 von den Burgundern geplündert wurde.
Nach dem formellen Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 wurden bekannte städtische Einrichtungen wie die Diokletiansthermen und das Kolosseum zunächst weiter unterhalten und trotz sinkender Einwohnerzahlen bestand das antike Leben fort. Prokopios hielt fest, dass die Bauwerke der Stadt während der Herrschaft der Ostgoten instand gehalten worden seien. Um 530 lebten noch etwa 100.000 Menschen in Rom. Die eigentliche zivilisatorische Katastrophe war der Gotenkrieg mit der endgültigen Zerstörung fast aller römischen Wasserleitungen durch Witichis 537, der Auslöschung der das antike Erbe bewahrenden Senatorenschicht und einem mehrjährigen Aussetzen des städtischen Lebens durch oströmisch-gotische Belagerungskämpfe.
Das letzte spätantike Bauwerk in der Stadt ist die 608 errichtete Phokas-Säule. Die Stadt entging nur knapp einer vollständigen Zerstörung. Rom gehörte zwar formell seit 554 wieder zum Oströmischen Reich, die Ordnungsfunktionen wurden jedoch in den Zeiten der Völkerwanderung mehr und mehr vom Papsttum ausgeübt. Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert folgten weitere Belagerungen, Angriffe und Plünderungen durch Langobarden, Sarazenen und Normannen, so dass sich das Stadtgebiet zeitweise kaum über die Tiberufer hinaus erstreckte.
siehe Untergang des Römischen Reiches
Hochmittelalter und Neuzeit
Untergang des Römischen Reiches
Seit Pippin erlangte Rom, das im Mittelalter nur noch etwa 20.000 Einwohner zählte, neue Bedeutung als Hauptstadt des Kirchenstaates (Patrimonium Petri) und als wichtigster Wallfahrtsort des Christentums neben Jerusalem und Santiago de Compostela. Neuer Glanz kam im Jahr 800 in die Stadt, als Karl der Große durch Papst Leo III. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde.
Die Gräber der nach dem Brand Roms unter Nero im Jahre 64 hingerichteten Apostel Simon Petrus und Paulus sowie unzählige andere Reliquien verhießen ab 1300 in den Heiligen Jahren den Pilgern außergewöhnliche Gnaden und Ablässe. Das Aufblühen Roms in der Renaissance wurde 1527 durch das Sacco di Roma ("Plünderung Roms") unterbrochen, als die Söldnertruppen Karls V. Rom plünderten und verwüsteten.
In christlicher Zeit sind viele bedeutende Bauten entstanden, zum Beispiel die so genannten vier Patriarchalbasiliken Sankt Paul vor den Mauern über dem Grab des heiligen Apostels Paulus aus dem 4. Jahrhundert, der Lateran, ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert, von Francesco Borromini barockisiert, Santa Maria Maggiore aus dem | | |