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Jáchymov
Jáchymov (deutsch: Sankt Joachimsthal) ist eine Stadt im nordwestlichen Böhmen in der Tschechischen Republik und gehört zur Region Karlsbad (Karlovarský kraj). St. Joachimsthal liegt auf 733 m ü. M. im Erzgebirge an der Weseritz.
Anfang des 16. Jahrhunderts wurde in der Gegend Silber gefunden. Die reiche Ausbeute ließ Joachimsthal schnell wachsen und machte gleichzeitig die Grafen von Schlick, zu deren Besitz die Stadt gehörte, zu einem der reichsten Adelsgeschlechter von Böhmen. Die Schlicks ließen Münzen prägen. Diese wurden Joachimstaler genannt und gaben dem Taler und dem Dollar ihren Namen.
1523 wurde die Reformation eingeführt. Im Schmalkaldischen Krieg war Joachimsthal zeitweilig von sächsischen Truppen besetzt. Von 1621 an erfolgte die Rekatholisierung der Stadt, viele protestantische Bürger und Bergleute wanderten deshalb ins nahe Sachsen aus.
Im 19. Jahrhundert war die Stadt Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und einer Berg- und Hüttenverwaltung. Auch in dieser Zeit war der Bergbau noch bedeutend. Er wurde teils von staatseigenen teils von privaten Firmen betrieben. Man förderte neben Silbererz (1885: 227 Zentner), auch Nickel, Wismut und Uranerz. In einer großen Tabaksfabrik waren 1000 Arbeiterinnen beschäftigt. Daneben gab es Handschuh-und Korkstöpselfabrikation, Spitzenklöppelei.
Am 31. März 1873 brannte die Stadt fast gänzlich ab.
Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte Marie Curie im Joachimsthaler Uranerz das Element Radium, wofür sie später den Nobelpreis erhielt.
1919 wurde Joachimsthal Teil der Tschechoslowakei, 1938 wurde es mit dem Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen. Díe tschechische Minderheit wurde ins Innere Böhmens vertrieben. 1945 erfolgte dann die Vertreibung der Deutschen aus Joachimsthal.
Joachimsthal ist das älteste Radiumheilbad der Welt. Bis zum Ersten Weltkrieg lag hier die einzige bekannte Lagerstätte von Uran. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vorkommen massiv abgebaut, viele missliebige politische Häftlinge landeten als Zwangsarbeiter in den Minen, diese Art von "Bewährung durch Arbeit" verkürzte ihre Haftzeit enorm, denn sie starben oft nach kurzer Zeit. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Jáchymov lag bei 42 Jahren.
Seit 1964 wird kein Uran mehr abgebaut. Die im ehemaligen Uranerzbergwerk entspringenden radioaktiven Thermalquellen werden zur Behandlung von Nerven- und Rheumaerkrankungen nach ärztlicher Voruntersuchung der Patienten eingesetzt.
Unweit des Ortes befand sich das Kapuzinerkloster Mariasorg am Fuße des Pleßberges, das in den fünfziger Jahren geschleift wurde.
Aus dem Weseritztal führt ein Sessellift hinauf zum höchsten Berg des Erzgebirges, dem 1244 m hohen Klínovec (deutsch: Keilberg).
Persönlichkeiten
- Georgius Agricola (1494-1555), Stadtarzt und Apotheker, Vater der Mineralogie
- Johannes Mathesius (1504-1565), ab 1532 Rektor der Lateinschule, seit 1542 Bergprediger
Söhne der Stadt (Auswahl)
- Samuel Fischer (1547-1600), Professor, Pfarrer und Superintendent
Kategorie:Ort in Tschechien
Kategorie:Kurort
Kategorie:Erzgebirge
Böhmen
Böhmen (lateinisch Bohemia, tschechisch Čechy) ist eine historische Region in Mitteleuropa. Sie umfasst die westlichen zwei Drittel Tschechiens. Dazu gehören heute die tschechische Hauptstadt Prag (Praha), die sie umgebende Mittelböhmische Region (Středočeský kraj) und die um diese Region im Uhrzeigersinn liegenden Regionen Liberecký kraj, Královéhradecký kraj, Pardubický kraj, die Westhälfte des Kraj Vysočina, die Südböhmischen Region (Jihočeský kraj), die Region Pilsen (Plzeňský kraj), der Karlovarský kraj, und der Ústecký kraj. Im historischen Zusammenhang wird die Bezeichnung Böhmen oft auch für die Gesamtheit der Länder der Böhmischen Krone verwendet.
Böhmens Fläche beträgt etwa 52.060 km². Es grenzt im Nordosten an Polen, im Osten an die historische Region Mähren, im Süden an Österreich, im Südwesten und Westen an Bayern und im Nordwesten an Sachsen.
Sachsenzum König. Die Kurfürsten, durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, sind, von links nach rechts, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen.]]
Böhmen, dessen Namen sich von dem keltischen Stamm der Boier ableitet (Boiohaemum = Heim der Boier, spätlat.: Bohemia), ist ein Landschaftskessel, begrenzt, bis auf kleine Ausnahmen, durch die Wasserscheiden der Zuflussgebiete der Moldau (Vltava) und der Elbe (Labe) (bis zur Grenze mit Deutschland). In letztere mündet auch die Eger (Ohře), deren Quellgebiet in Franken liegt (im Fichtelgebirge). Am Rand wird das Land von Mittelgebirgen begrenzt, im Nordwesten von dem Erzgebirge, im Nordosten von dem Riesengebirge und dem Adlergebirge und im Südwesten vom Böhmerwald. Die Grenze zu Mähren im Osten bildet der Höhenzug der Vysočina (Böhmisch-Mährische Höhe). Die Kämme der beiden letztgenannten gehören zu der Mitteleuropäischen Hauptwasserscheide.
Berühmt sind beispielsweise die Böhmische Küche, das böhmische Bier und die böhmische Blasmusik. Typisch für die böhmische Küche sind Mehlspeisen, Knödel, fettes Fleisch, wenig Salat und Gemüse, dafür süße Nachspeisen. Die kulturellen Traditionen Böhmens sind eng mit denen in Bayern und Österreich verwandt - die Wiener Küche etwa ist ohne böhmische Einflüsse undenkbar.
Landschaft
Die heutigen Grenzen Böhmens sind weit über 1000 Jahre alt, nur das Egerland kam erst im späten Mittelalter dazu. Böhmen wird von drei Seiten durch bergige Landschaften umfasst, ohne jedoch ein eigentliches Kesselland zu bilden. Es schließt sich durch das Fichtelgebirge an die mitteldeutschen Terrassenlandschaften an und ist ebenso wie diese vertikal ausgerichtet. Böhmen hängt mit Mähren so eng zusammen, dass man in dem Raum zwischen Eger, Elbe und Donau einerseits und March und Raab andererseits ein gemeinsamen böhmisch-mährisches Terrassenland verfolgen kann.
Die Einzugsgebiete der Donau und der Oder betragen nur 6,4% des Landesgebietes (3.184 km²), während die Elbe mit 48.772 km² den Hauptanteil bringt. Neben der Elbe selbst sind dies die Moldau, die bei Mělník mündet.
Das Terrassenland Böhmens wird durch die Elbe und die Eger, die Sasau und Beraun und durch die tiefe Meridianfurche der Moldau gegliedert. Die kleinen, rings umschlossenen Tiefebenen sind folgende:
- Teplitz-Komotauer Becken im Norden
- Laun-Saazer Ebene (an der Eger)
- Theresienstädter Ebene
- Melniker Ebene
(Osten)
Nimburger Ebene
- Pardubitzer Ebene
- Budweis-Wittingauer Tiefplatte
Hier erheben sich auch zahlreiche Berge:
- Engelhäuser Berg (713 m)
- Burberg (591 m)
- Georgenberg (455 m)
- Tockberg (853 m)
- Trschemschinberg (822 m)
- Kubany (1.358 m)
Die natürliche Grenze Böhmens nach Westen bildet der Böhmerwald, der durch das Plateau von Waldsassen mit dem Fichtelgebirge in Verbindung steht.
Bild:EGER1.jpg|der Marktplatz von Cheb/Eger - Westböhmen
Bild:THERES4.jpg|Die "Lange Strasse" in Terezín/Theresienstadt
Bild:DECIN.jpg|Blick von der Schäferwand (Pastýřská stěna) über Děčín - Nordböhmen
Bild:KAMENIC.jpg|im Tal der Kamenice - Ortsausgang Jetřichovice - Nordböhmen
Geschichte
Siehe Hauptartikel: Geschichte Böhmens
Geschichte Böhmens]
Verwaltungsgliederungen in Böhmen
Alte böhmische Kreise
Der deutsche Kaiser Karl IV., zugleich König von Böhmen, begann in der Mitte des 14. Jahrhunderts, sein Königreich in große Verwaltungseinheiten einzuteilen. Eine solche Verwaltungseinheit hieß in den Urkunden auf deutsch Kreis, auf tschechisch kraj und auf lateinisch circulus). Es gab allein im Landesteil Böhmen je nach Zeitperiode 7 bis 16 Kreise. (Mähren und Österreichisch-Schlesien hatten zusammen etwa (2 bis 6)+2 Kreise.)
[Achtung: Der preußischen Verwaltungstradition folgend ist der deutsche Begriff für einen heutigen tschechischen kraj meistens Bezirk oder Region!]
Die Zahl (7 bis 16) der alten böhmischen Kreise, und somit auch deren Größe, änderte sich mehrmals. Diese Kreiseinteilung galt zwar bis 1862, spielte aber schon kurz nach der Revolution von 1848 praktisch keine Rolle mehr für die Verwaltung. (Siehe auch Weblinks.)
Politische Bezirke und Gerichtsbezirke
Ab 1850 wurden in allen Gebieten der Monarchie außer Ungarn die alten großen Kreise durch politische Bezirke (der Exekutive) ersetzt, von denen jeder aus einem oder mehreren Gerichtsbezirken (der Judikative) bestand. In den österreichischen Bundesländern besteht diese Einteilung bis heute. Normalerweise war ein politischer Bezirk (tschechisch: politický okres) kleiner als ein ehemaliger alter Kreis, und ein Gerichtsbezirk (tschechisch: soudní okres) ist kleiner als ein Politischer Bezirk. Es gab allein im Landesteil Böhmen etwa 104 politische Bezirke und darin etwa 229 Gerichtsbezirke. (Mähren und Österreichisch-Schlesien hatten zusammen 32+9 politische Bezirke.)
[Achtung: Der preußischen Verwaltungstradition folgend ist der deutsche Begriff für einen tschechischen okres meistens Kreis!]
Diese Bezirkeinteilung galt für Böhmen (abgesehen von kleineren Änderungen) bis 1938, also auch noch nach dem Ende des Staates Böhmen, in der (Ersten) Tschechoslowakischen Republik (1918 bis 1938). (Siehe auch Weblinks.)
Stadt- und Landkreise neben Politischen Bezirken und Gerichtsbezirken
Aufgrund des Münchner Abkommens vom 29. September 1938 wurde der vorwiegend deutschsprachige Teil Böhmens als Reichsgau Sudetenland dem Deutschen Reich zugeschlagen und (wie in Deutschland) in Stadt- und Landkreise eingeteilt; übergeordnet waren Regierungsbezirke. Der restliche Teil Böhmens (im neu geschaffenen Protektorat Böhmen und Mähren) blieb weiterhin in Politische Bezirke und Gerichtsbezirke eingeteilt, wobei allerdings je über einer Gruppe von Politischen Bezirken noch ein Oberlandratsbezirk eingeführt wurde.
Im gesamten Reichsgau Sudetenland gab es 5 Stadtkreise und 52 Landkreise. (Im gesamten Protektorat Böhmen und Mähren gab es 67+30 politische Bezirke.)
Diese Verwaltungsgliederung galt bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1945).
(Siehe auch Weblinks.)
Böhmische Kultur
Böhmen war stets eine europäische Region, in der religiöse und ethnische Gegensätze aufeinander trafen. Dies erzeugte Konflikte, aber auch reiche Wechselwirkungen, in denen die Teilkulturen einander befruchtet haben. Die böhmische Kultur ist in ihrer Vielfalt geprägt vom Zusammenwirken und Aufeinanderprallen von deutschen, tschechischen und jüdischen Einflüssen.
So war beispielsweise Prag unter den Luxemburgern maßgeblich an der Ausprägung der internationalen Kunst der Parlerzeit beteiligt. Schriftsteller wie Adalbert Stifter, Franz Kafka, Franz Werfel, Friedrich Torberg, Jaroslav Hašek und Karel Čapek oder Komponisten wie Antonín Dvořák, Leoš Janáček und Bedřich Smetana schöpfen in ihren Werken aus diesem Reichtum. Das deutschsprachige Prager Tagblatt galt als eine der besten Zeitungen seiner Zeit.
Der Einfluss der böhmischen Kultur insbesondere auf Österreich beschränkte sich nicht nur auf Kunst und Literatur. Auch im Alltagsleben bereicherten böhmische Schöpfungen die österreichische Kultur, etwa in der Küche (Powideltascherln), die bis heute von der Reichhaltigkeit böhmischer Kochkunst zehrt. Auch die sehr seltene Pferderasse der goldenen Kinsky-Pferde, die 1838 in Chlumec von Oktavian Graf Kinsky aus der Adelsfamilie Kinsky begründet wurde, haben in Böhmen ihren Ursprung.
Literatur
Geschichte
- Bosl, K. (Hg.): Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder, 4 Bde. Stuttgart 1966-1974.
- Hoensch, J. K.: Geschichte Böhmens. Von der slavischen Landnahme bis zur Gegenwart. München 1997
- Collegium Carolinum (Hg.): Ortslexikon der böhmischen Länder. München/Wien 1983. ISBN 3-486-51761-9.
Kunstdenkmäler
- Poche, Emanuel : Böhmen und Mähren, München/Berlin 1986 (Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakei, hg. v. Reinhardt Hootz)
- Zdenek Prochazka - Jan Oulik: HISTORICKE NAHROBNIKY TACHOVSKA - DIE HISTORISCHEN GRABMÄLER DER TACHAUER REGION, Herausgegeben im Verlag "Cesky les" Domazlice 1995: - ISBN 80-901122-69
Sprache
- Fehr, Götz: Fernkurs in Böhmisch. - ISBN 3-458-33033-X
Weblinks
- [http://www.bohemistik.de/index.html Bohemistik.de]
- [http://ekeil.gmxhome.de/vwe-bms.htm Verwaltungsgliederungen in Böhmen bis 1945]
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=24 Karte: Königreich Böhmen um 1619 : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]
Siehe auch
- Liste der Herzöge und Könige von Böhmen
- Přemysliden
- Karl IV. (HRR)
- Jan Hus
- Habsburg
- Österreich-Ungarn
- Austroslawismus
- Geschichte der Tschechoslowakei
- Tschechische Sprache
- Liste deutscher Bezeichnungen tschechischer Orte
- Mitteleuropa
Kategorie:Staat (historisch)
Kategorie:Europa
Kategorie:Böhmen
ja:ボヘミア
Karlovarský kraj
Die Region Karlsbad (tschech.: Karlovarský kraj) ist eine der 14 Verwaltungseinheiten, die den tschechischen Staat gliedern. Die nach Liberec kleinste Region bildet den westlichsten Teil des Landes und grenzt dabei an den deutsche Freistaat Sachsen im Norden, an den Freistaat Bayern im Westen, sowie an die tschechischen Regionen Pilsen im Süden und Ústí im Osten. Hauptstadt der Region ist das namensgebende Karlsbad.
Die Region um Karlsbad beheimatet die bekannten Kurbäder Karlsbad (Karlovy Vary), Marienbad (Mariánské Lázně) und Franzensbad (Františkovy Lázně). Weitere bedeutende Städte sind Eger (Cheb) und Falkenau (Sokolov).
Landschaft
Höchster Punkt ist der Berg Klínovec (1.244 m ü. NN) im Erzgebirge, der tiefste (320 m ü. NN) liegt an der Grenze im Bezirk Karlovy Vary. Das Klima und der Boden bilden keine gute Grundlage für die Landwirtschaft. Das Rohstoffaufkommen besteht vor allem aus Braunkohle, Ton und kleinen Erzlagerstätten. Das Waldgebiet nimmt einen Anteil von 43 % an der Gesamtfläche ein, etwa das 1,3-fache des Landesdurchschnitts. Landwirtschaftliche Fläche nimmt nur einen Anteil von 17 % der Kreisfläche ein.
Statistische Kennzahlen 2002
Anteil am Bruttoinlandsprodukt (2001): 2,3 %
Arbeitslosenquote (2002): 10,1 %
Wirtschaft
In den Bezirken Karlsbad und Eger überwiegt der Fremdenverkehr, vor allem durch Kuraufenthalte. Im Bezirk Sokolov überwiegt die Industrie mit Schwerpunkten im Kohlebergbau, Energiewirtschaft, chemische Industrie und Maschinenbau. Immer noch von Bedeutung ist die Glas- und Porzellanindustrie, Getränkewirtschaft sowie die Herstellung von Musikinstrumenten und die Textilproduktion. Die Lage im Zentrum Europas, Sehenswürdigkeiten und die eigene Wirtschaftskraft sind Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Region.
Demographie
2002 lebten im Kreis 304.220 Menschen, davon 51,2 % Frauen. Im Vergleich zu Vorjahren stieg die Anzahl der Geburten, wobei die Sterblichkeit sank. Ebenfalls positiv entwickelte sich das Wanderungssaldo. Die Anzahl der Eheschließungen stieg um 2,1 Prozent, während die Anzahl der Scheidungen um 9,7 Prozent zunahm.
Beschäftigung
Die Anzahl der Beschäftigten berägt 2,3 % aller Beschäftigten in Tschechien. Die Arbeitslosigkeit, nach der Wende zunächst äußerst niedrig, da viele Einwohner im benachbarten Deutschland arbeiteten, stieg inzwischen auf 10,1 %. Auf eine offene Stelle kommen 13,1 Arbeitslose (Landesdurchschnitt 12,7). 1994 waren es noch 1,2 Prozent. Der durchschnittliche Monatsverdienst beträgt 13.975 Kc (umgerechnet etwa 470 EUR), 13,8% weniger als der Landesdurchschnitt.
Soziale Einrichtungen
Durch die Veränderung der Altersstruktur ging der Bedarf an Kindergärten und Grundschulen in den letzten Jahren zurück, während es nunmehr einen gestiegenen Bedarf an Einrichtungen der Alterspflege gibt. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden einige kleine Krankenhäuser geschlossen, dafür stieg die Zahl der Arztpraxen.
Fremdenverkehr
In der Region findet man die höchste Konzentration von Kurstädten in Tschechien. 70 Kureinrichtungen (44 % des Landes) sowie weitere 512 Übernachtungseinrichtungen beherbergten 2002 etwa 480.000 Besucher (etwa 65 % aus dem Ausland). Für Wassersportler bietet sich Talsperre Hracholusky und für Wassersportler der Fluss Berounka an.
Verkehrsstruktur
Nach der Grenzöffnung 1989 stieg der Straßenverkehr übermäßig an; insbesondere der Güterverkehr belastete mit seinen Emissionen sehr stark die Umwelt. Die Infrastruktur im Straßenbau entspricht noch heute bei weitem nicht dem gestiegenen Verkehrsaufkommen. Die Region ist mit einem relativ dichten Schienennetz ausgestattet.
siehe auch Portal:Tschechien - Liste deutscher Bezeichnungen tschechischer Orte - Liste der Städte in Tschechien - Liste historischer Gebäude in Tschechien
Karlovarský kraj
Karlovarský kraj
16. Jahrhundert
Das 16. Jahrhundert begann am 1. Januar 1501 und endete am 31. Dezember 1600.
Mit der Reformation Luther im Jahre 1517 endete das Spätmittelalter in Europa, und es begann damit die Epoche der frühen Neuzeit.
Ereignisse/Entwicklungen
- Weitergehende Reformation der Kirche
- König Heinrich VIII. (England) bricht mit der katholischen Kirche (1533)
- Religionskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten in Frankreich
- Die Zeit der großen europäischen Hexenverfolgung beginnt gegen Ende des Jahrhunderts
- Erste Erdumseglung von Ferdinand Magellans Expedition.
- Die Türken schlagen Ungarn (Schlacht bei Mohács, 1526) und belagern Wien (Erste Wiener Türkenbelagerung, 1529)
- Kopernikus veröffentlicht seine Theorie vom heliozentrischen Weltbild (1543)
- Der Gregorianische Kalender wird in vielen katholischen Ländern eingeführt (1582)
- Die britische Flotte unter Sir Francis Drake schlägt die spanische Armada vernichtend (1588)
Persönlichkeiten
- Martin Luther, religiöser Reformator
- Michelangelo Buonarotti, Maler und Bildhauer
- Thomas More, englischer Politiker und Schriftsteller
- Miguel de Cervantes, spanischer Schriftsteller
- Elizabeth I., englische Königin
- Philip II., spanischer König
- Nostradamus, Arzt, wurde berühmt für seine Prophezeiungen
- Nikolaus Kopernikus, Astronom
- Mary Queen of Scots, Königin Schottlands und Mutter James I of England and VI of Scotland
- William Shakespeare, englischer Dichter und Dramatiker
Erfindungen und Entdeckungen
- Erfindung des Spinnrads.
01-16
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ja:16世紀
ko:16세기
Schlick (Adelsfamilie)Die Grafen Schlick, (tschechisch Šlikové) waren ursprünglich ein Patriziergeschlecht mit Wurzeln im böhmischen Eger (Cheb) und in Deutschland.
Der Aufstieg der Familie begann in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als sie für Ihre Dienste von Kaiser Sigismund zu Reichsgrafen erhoben wurden. Den Schlick gehörten neben den Grafschaften Passaun (Bassano) in Norditalien und Weißkirchen (Holíč) in der heutigen Westslowakei auch Falkenau an der Eger, Höfe bei Elbogen (Loket) und Eger. Später kamen Kunštát, Kopidlno, Veliš, Ploschkowitz) und andere hinzu.
Quelle ihres Reichtums waren die Silberbergwerke bei St. Joachimsthal und die Prägung von Münzen (Joachimstaler). Nach den Silberfunden zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatten sie das königliche Münzregal mit Zustimmung der böhmischen Stände usurpiert. König Ferdinand I. konnte den Schlick das Münzrecht 1528 wieder entziehen.
Die weitverzweigte Adelsfamilie spielte im ersten Jahrhundert der Habsburgerherrschaft eine bedeutende Rolle im böhmischen Ständestaat. Sie bekleideten wichtige Positionen in der ständischen Verwaltung oder waren Amtsträger der habsburgischen Herrscher.
Bereits Anfang der zwanziger Jahre schlossen sich zahlreiche Angehörige des Geschlechts der lutherischen Reformation an, andere blieben katholisch.
Bedeutende Repräsentanten der Familie und standen für das Recht der Stände gegenüber dem Herrscher ein. Sie nahmen aktiv an den Aufständen gegen die Habsburger 1547 und 1618-1620 teil. Nach der Schlacht am Weißen Berg verloren die evangelischen Schlicks ihr Vermögen, das vom Kaiser konfisziert wurde. Einer der Führer der böhmischen Aufständischen, Joachim Andreas von Schlick, wurde 1621 hingerichtet. Der Teil der Familie, die den Habsburgern treu geblieben waren, erhielten ein Teil der Höfe der Herren Waldstein.
Personen
- Franz von Schlick, österreichischer General
- Joachim Andreas von Schlick, böhmischer Politiker
- Albrecht von Schlick, Landvogt der Niederlausitz
- Joachim von Schlick, Landvogt der Oberlausitz
- Leopold von Schlick, österreichischer Feldmarschallleutnant
Literatur
- Vinař, Otakar: Pět století Šliků. Praha 1998.
Kategorie:Adelsgeschlecht
Kategorie:Deutsches Adelsgeschlecht
Kategorie:Tschechische Geschichte
Kategorie:Böhmen
Dollar
Dollar ist der Name verschiedener Währungen. Der Name leitet sich von der deutschen Münzbezeichnung Taler ab. Ohne Vorsatz des Ländernamens ist meist der US-Dollar aus den USA gemeint.
Das Währungssymbol für den Dollar ist das Dollarzeichen ($), eine geschwungene S-Linie mit früher zwei parallelen, heute oft einer senkrechten Linie.
Dollar-Währungen
- Weiterhin haben die Kaimaninseln den Kaiman-Dollar als Währungseinheit.
Weitere Bedeutungen von Dollar
- eine Ortschaft in Clackmannanshire, Schottland, siehe Dollar (Schottland)
- einen ehemaligen französischen Motorradhersteller, siehe Dollar (Motorrad)
- ein US-Amerikanisches Mietwagenunternehmen Dollar Rent A Car
Siehe auch
- Cent
- Mill
- Liste der Währungen
- Portal:Wirtschaft
Kategorie:Währungseinheit
Kategorie:Begriffsklärung
Kategorie:Geld
ja:ドル
ko:달러
simple:Dollar
ReformationDie Reformation (v. lat.: reformatio = Umgestaltung), ist eine Bewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts, in deren Verlauf es zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche und zur Entstehung der reformierten, lutherischen und anglikanischen Kirchen sowie einiger Freikirchen kam. Die gemeinsame Grundlage sehen die ersten beiden Strömungen in der Rückbesinnung auf die Bibel und der Abkehr von bestimmten Auswüchsen der katholischen Kirche.
Eine Trennung von der Römisch-Katholischen Kirche war zunächst nicht die Absicht der Reformatoren. Die re-Formation ("Wieder-Formierung") sollte die ursprüngliche christliche Lehre in der katholischen Kirche wiederherstellen.
Ausgangssituation
Die Reformation entstand nicht an einem Ort durch einen Menschen - es gab verschiedene Zentren und verschiedene Reformatoren, die von unterschiedlichen Voraussetzungen her kamen und in unterschiedlichen politischen Verhältnissen arbeiteten.
Eine Vielzahl von Faktoren bereitete zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Nährboden für die Reformation
- Deutschland war kein Zentralstaat wie z.B. Frankreich oder England. Es existierten viele geistliche und weltliche Fürstentümer unterschiedlichster Größe. Die Kurfürsten wählten den Kaiser. Daneben stellten die Reichsstände wesentliche Machtfaktoren dar. Deren Versammlung, der Reichstag sollte im Zuge der Reformation immer wieder eine wichtige Rolle spielen.
- Deutscher Kaiser war Karl V. Seine Verpflichtungen in Spanien, Italien, den Niederlanden und Burgund und seine Kriege mit Frankreich führten nicht selten zu seiner Abwesenheit vom Deutschen Reich und beanspruchten seine volle Aufmerksamkeit.
- In Folge der Konzile von Pisa und Konstanz war das Schisma der abendländischen Kirche beendet worden. Obwohl die Lehren John Wyclifs und Jan Hus' verworfen wurden, kam es durch die Konzile zur Aufstellung umfangreicher Reformprogramme. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts konnte der Papst seine Position gegenüber dem Konziliarismus ausbauen. Bestehende Reformbeschlüsse wurden abgeschwächt.
- Verschiedene Steuern, Gebühren und Abgaben flossen in die päpstlichen Kassen. Diese wurden von vielen Fürsten als zu hoch empfunden. Die Praxis des Ablasshandels stand zunehmend in der Kritik.
- Das Erscheinen der Frühreformatoren im Mittelalter: z.B. Jan Hus, John Wyclif, Petrus Waldes
- Die Philosophie der Renaissance: Erasmus von Rotterdam, die Vorstellung Wilhelm von Ockhams zur Trennung von Kirche und Staat.
- Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther.
- Das seit Johannes Gutenberg wachsende Buchdruckerhandwerk begünstigte die Verbreitung neuer Ideen.
Die Auseinandersetzung mit den bestehenden Strukturen hatte dabei zunächst den Charakter eines wissenschaftlichen Disputes der Theologischen Fakultäten; die Disputationen der mittelalterlichen Universitäten trugen wesentlich zur Differenzierung, Festigung und Ausbreitung der reformatorischen Gedanken bei. Schnell wurden auch die Möglichkeiten des Buchdruckes genutzt. Viele Reformatoren veröffentlichten Streitschriften in hoher Auflage. Lucas Cranach der Ältere illustrierte meisterhaft die Streitschriften Luthers und Philipp Melanchthons.
Der lutherische Ansatz
Der Augustinermönch Martin Luther litt und rang damit, sich Gottes Gnade durch eigene Anstrengungen verdienen zu müssen, bis er im Bibelstudium Römer 3, 28 entdeckte: So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
Die oft in den Vordergrund gerückten Mißstände der Römisch-Katholischen Kirche waren für Luther nicht der Auslöser der Reformation. Sein Problem war allein theologischer Natur. Seine Verwerfung des sich in Deutschland durch den Prediger Tetzel verbreitenden Ablasshandels und vieler anderer Traditionen der Kirche war die für ihn notwendige Folge seiner Auslegung der bereits von Paulus diskutierten Gerechtigkeit allein aus Glauben (Römer 1, 17: Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie es in der Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte wird leben.)
Grundgedanken
Die wesentlichen Punkte der Reformation, die auch heute noch gemeinsamer Nenner der protestantischen Kirchen sind, werden oft mit dem vierfachen "allein ..." ausgedrückt:
- sola scriptura - allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die Tradition
- solus Christus - allein Christus, nicht die Kirche, hat Autorität über Gläubige
- sola gratia - allein durch die Gnade Gottes wird der Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun
- sola fide - allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke
Bibelübersetzungen
Luthers Bibelübersetzung war ebenfalls grundlegend und neu. Die zu seiner Zeit verbreiteten Bibelübersetzungen fußten auf der Vulgata, der von Hieronymus geschaffenen lateinischen Bibel, die ihrerseits auf der griechischen Septuaginta beruhte (Altes Testament). Die ursprünglich hebräischen und aramäischen Texte des Alten Testamentes hatten also mindestens drei Übersetzungsvorgänge, die des Neuen Testamentes zwei hinter sich, bevor sie in Deutscher Sprache zu lesen waren. Luther bemühte sich um direktere Übersetzungen aus dem Hebräischen bzw. Griechischen. Dabei bediente er sich einer volkstümlichen und verständlichen Sprache, die für lange Zeit zum Maßstab deutscher Bibelübersetzungen wurde.
Kritik an bestehenden Traditionen
Dabei gibt es zwei Ansätze:
- Luther unterzog die Traditionen der Kirche einer strengen Überprüfung. Messlatte war der Text der Bibel. Traditionen, die nach seiner Meinung der Schrift zuwider liefen, wurden abgeschafft. Er trat aber dafür ein, Traditionen, die nicht direkt auf der Bibel fußten, aber hilfreich für das Leben der Gläubigen waren, beizubehalten. So sprach sich Luther aus didaktischen Gründen gegen ein Bilderverbot in der Kirche aus.
- Ulrich Zwingli und Johannes Calvin lehnten alle Traditionen ab, die nicht in der Bibel begründet sind. Daher haben die reformierten Kirchen nüchterne Gotteshäuser, die höchstens mit Bibelsprüchen dekoriert sind; die Kirchenstruktur ist synodal, presbyterianisch oder kongregationalistisch strukturiert (ohne Bischof), Zwingli lehnte zeitweilig sogar Instrumentalmusik in der Kirche ab. Das Abendmahl ist eine Gedenkfeier.
Beiden Richtungen gemeinsam war die massive Kritik am Papsttum. Zugrunde liegt wieder ein theologisches Problem. Die Sonderstellung des römischen Bischofs wird traditionell begründet mit Matthäus 16,18 (Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.) Christus bezeichnet Petrus als Fundament der Kirche. Petrus wird später Bischof von Rom. Das wird als Einsetzung des Papstes durch Christus ausgelegt. Dieser wiederum hat stellvertretend für Christus die Vollmacht, weitere Priester zu ernennen. Dem stellt Luther Matthäus 18,19 gegenüber, wo die Gemeinde Christi als Versammlung von mindestens zwei Menschen unter dem Namen Christi definiert wird. In Verbindung mit Kapitel 12 des 1. Korintherbrief wird die Vorstellung vom Laienpriestertum entwickelt. Der Pfarrer ist dann nicht mehr Nachfolger des von Christus eingesetzten Petrus, sondern das Glied der Gemeinde, das es am besten versteht, die Aufgaben des Pfarrers, wie Predigt und Seelsorge, wahrzunehmen. Dieses Gemeindemitglied hat seine Sonderstellung nicht aufgrund seiner Weihe sondern aufgrund seiner Ausbildung.
Neue Gottesdienstordnungen
Verschiedene Reformatoren (Thomas Müntzer mit der ersten deutschsprachigen Gottesdienstordnung 1523, auch Karlstadt oder Luther) bemühten sich um die Schaffung von Gottesdienstordnungen in der Landessprache. Diese ersetzten in den protestantischen Gebieten zunehmend die Liturgie der lateinischen Messe. Im Zentrum dieser Ordnungen standen Schriftlesung und Predigt (Wortgottesdienst). Die deutsche Bibelübersetzung ermöglichte es jedem Gemeindemitglied, die Auslegung des Pfarrers (Predigt) mit dem Wort der Bibel zu vergleichen.
Unmittelbare politische Entwicklungen
Die Grundlagen der Reformation waren im Gegensatz zu späteren Interpretationen nicht die politischen und sozialen Missstände der Kirche. Diese waren lediglich der Nährboden für die neuen theologischen Gedanken der Reformatoren. Luther versuchte zuerst ein theologisches Problem zu lösen. Die protestantischen Reichsfürsten hingegen versuchten mit der Reformation einige ihrer politischen Probleme mit Kaiser und Papst zu lösen.
Zum theologischen Ringen um die richtige Auslegung der Bibel traten auch bald politische Aspekte hinzu. Die neuen Gedanken gaben den Reichsfürsten eine theologische Begründung, die von Rom auferlegte Abgabenlast reduzieren zu können. Das Entstehen der protestantischen Landeskirchen stärkte ebenfalls die Autonomie der Fürstentümer. Bedeutende protestantische Territorien im Deutschen Reich waren Hessen, die Pfalz, Sachsen und Württemberg.
Es kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu verschiedenen Kriegen zwischen Katholiken und Protestanten innerhalb von Deutschland und der Schweiz, die in Deutschland 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden und in der Schweiz 1531 mit dem 2. Landfrieden von Kappel endeten. Bei beiden kam es auf "cuius regio, eius religio" (wessen Land, dessen Glaube) heraus. In Deutschland bestimmte der jeweilige Fürst die Konfession seines Landes, in den Schweizer Kantonen die jeweiligen republikanischen Regierungen.
Die radikalen Ansätze
Für radikale Reformatoren wie Thomas Müntzer, Andreas Bodenstein von Karlstadt, Menno Simons oder Jakob Hutter stand die Zeit unter apokalyptischen Vorzeichen. Sie deuteten die Ereignisse spiritualistisch und sahen ihre Aufgabe darin, dem in ihren Augen real hereinbrechenden Reich Gottes als einer endzeitlichen Herrschaft der Gerechtigkeit die Bahn zu ebnen.
Sie suchten enthusiastisch die Schaffung endzeitlicher Strukturen. Die Gemeinden sollten aus, in wahrhaftigem Glauben, Getauften bestehen (Täufer), sie wirkten bis in die politischen Strukturen hinein und kehrten die sozialen und politischen Verhältnisse teilweise revolutionär um (Deutscher Bauernkrieg).
Dies stieß nicht nur auf Seiten der sozialen Oberschicht und der katholischen Kirche auf heftigen Widerstand. Auch die Protestanten mit Luther an der Spitze riefen zur gewaltsamen Beendigung der Unruhen auf. Mit Waffengewalt bereiteten die fürstlichen Truppen den Aufständen ein Ende - die Täufer fanden erst als Auswanderer in Amerika religiöse Freiheit (Puritaner).
Die Reformation in England
Die Reformation in England wurde vor allem aus politischen Gründen ausgelöst. Allerdings hatten Theologen auch aus eigenen Gründen die Schriften und das Wirken von Martin Luther, Johannes Calvin, und Ulrich Zwingli mit Interesse verfolgt, und es kam vielen von ihnen nicht ungelegen, dass sich nun mehr die Gelegenheit bot, bestimmte Prinzipien, die vormals von Rom verboten waren, auch in England anwenden zu dürfen. So hatte es z.B. Versuche gegeben, die Bibel in englischer Sprache zu verbreiten (siehe John Wycliffe, William Tyndale). Diese endeten auch unter Heinrich VIII. mit der Hinrichtung des Übersetzers. Erst unter Edward VI. wurden größere Reformen (z.B. das erste Book of Common Prayer) eingeführt. Mit seinem Tod wurde England unter der "blutigen Maria" wieder gewaltsam zur römischen Lehre zurückgeführt, aber mit der Nachfolge von Elisabeth I. auf dem Thron wurde die Anglikanische Kirche endgültig in England etabliert. Siehe hierzu: Geschichte der Anglikanischen Kirche.
Reaktion der katholischen Kirche
Die katholische Kirche versuchte zuerst zu überzeugen, dann verlegte sie sich auf politischen und kirchlichen Druck. Luther musste fliehen und überlebte nur durch fürstlichen Schutz. Zwingli gelang es, den Rat von Zürich von der Richtigkeit seiner Lehre zu überzeugen. Die Ideen der Reformation breiteten sich wie ein Lauffeuer aus - die Bevölkerung strömte zum neuen Glauben, Reichsstädte und Fürsten gingen auf die Seite der Reformation über.
Der damalige Kaiser Karl V. blieb katholisch, konnte sich jedoch nicht auf die Niederschlagung der Reformation konzentrieren, da ihn die Außenpolitik stark beanspruchte (Türkei, Frankreich).
In der Folge leitete der von Ignatius von Loyola gegründete Orden der Jesuiten die Gegenreformation ein.
Ausbreitung in Europa
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam eine zweite Generation von Reformatoren zum Zug. In Genf Calvin, in Zürich Heinrich Bullinger, der als Nachfolger von Ulrich Zwingli der Züricher Kirche vorstand. Deren Beitrag war es, die Reformation theologisch zu konsolidieren - Calvin mit seiner "Institutio", Bullinger mit dem "Zweiten Helvetischen Bekenntnis". Beide übten einen europaweiten Einfluss auf den Protestantismus aus. Aus ihren Lehren geht die Reformierte Kirche hervor.
Theologisch wie auch politisch gipfelte die Reformation in den Bekenntnisschriften der protestantischen Kirchen:
- Augsburger Bekenntnis
- Konkordienformel
- Konkordienbuch
- Zweites Helvetisches Bekenntnis
Bedeutung und Folgen der Reformation
Die Reformation war einer der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes.
Für die Geschichte des Christentums bedeutete die Reformation den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die von der beinahe vollständigen Allmacht der katholischen Kirche über die ab dem 13. Jahrhundert verstärkt formulierte Kritik an ihr (Averroismus, Jan Hus, John Wyclif,Wilhelm von Ockham) und die Bildung zahlreicher "häretischer" christlicher Glaubensgruppen bis hin zur endgültigen Spaltung der Christenheit führten. Die neu entstandenen Konfessionen konnten sich nach langem Ringen schließlich als gleichberechtigte Kirchen neben der katholischen etablieren.
Da die neuen Konfessionen zu stark waren, um dauerhaft unterdrückt werden zu können, waren, obwohl es zahlreiche Rückschläge und sogar Religionskriege gab, beide Seiten auf Dauer zur religiösen Toleranz gezwungen. Die katholische Kirche verlor nicht nur in weiten Teilen Europas an Einfluss, sondern insbesondere auch ihr bis dahin beinahe unantastbares Deutungsmonopol für die Auslegung der Bibel.
Die Reformation führte durch den Druck, der durch den schnellen Abfall ganzer Regionen vom Katholizismus verursacht wurde, auch auf katholischer Seite zu Reformen.
Zwar wurde die christliche Religion durch die Reformation nicht grundlegend in Frage gestellt, dennoch wurden fundamentale Glaubenssätze und religiöse Praktiken, die jahrhundertelang als unumstößlich galten, erfolgreich von den Reformatoren und ihren Anhängern verworfen. Erstmals hatte sich eine von in der Kirchenhierarchie weitgehend unbedeutenden Personen geäußerte Kritik tatsächlich durchgesetzt. Die Autorität der Kirchen über die Gläubigen wurde zwar zunächst nur teilweise aufgebrochen, dennoch bereitete die Reformation den Weg zum Zeitalter der Aufklärung, in dem das Individuum in seiner persönlichen Freiheit deutlich aufgewertet wurde und in der schließlich selbst atheistische Weltbilder Anerkennung erfuhren, oftmals (wie in Frankreich von Voltaire) sogar zur Doktrin erhoben wurden.
Doch die Reformation revolutionierte nicht nur das geistige Leben, sie setzte auch eine gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang. Der Staat löste sich von der Bevormundung durch die Kirche, um nun seinerseits im Landesherrentum und Absolutismus die Kirche von sich abhängig zu machen. Doch auch dies stellte nur eine Übergangsphase in einer Entwicklung dar, die in vielen Ländern in die Trennung von Kirche und Staat mündete.
Somit wirkte die Reformation weit über die eigentliche Reformationszeit hinaus und bildete einen Wendepunkt hin zur Entwicklung der modernen Gesellschaft der Neuzeit.
Literatur
- Christine Roll (Hrsg.): Recht und Reich im Zeitalter der Reformation. Festschrift für Horst Rabe, Frankfurt/a.M. u.a. 1996, 531 S., ISBN 3-631-47923-9
- Rudolf Stickelberger, Kirchengeschichte für Jedermann, 1969 (Kirchengeschichte mit Schwerpunkt Reformation, etwas Schweiz-lastig, aus reformierter Sicht)
- B. Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, (Deutsche Geschichte 4), 1999 ISBN 3-525-33462-1 (die profanhistorische Reihe zeichnet sich durch einen sozialgeschichtlichen Zugang aus)
- Armin Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band 3, Reformation und Gegenreformation, 2000, ISBN 3-7751-3247-3. (umfassende Darstellung, viele Quellenangaben, aus landeskirchlich-evangelikaler Sicht)
- Hans Küng, Das Christentum, 1994, ISBN 3-492-03747-X, Kapitel IV, Das protestantisch-evangelische Paradigma (neuartige Sicht auf die Kirchengeschichte, eher katholisch)
- Carter Lindberg: The European Reformations, 1996, ISBN 1-55786-575-2 (Sehr umfassende Geschichte der Reformation vom Spätmittelalter bis zur Gegenreformation, die sämtliche europäischen Länder mit reformierter Geschichte einschließt - aus amerikanischer Sicht)
- Stefan Zweig: Ein Gewissen gegen die Gewalt: Castellio gegen Calvin, 1936, (Roman)
Siehe auch
- Protestantismus, Reformation und Gegenreformation, Liste der Reformatoren, Marburger Religionsgespräche, Geschichte des Christentums
- Portal:Religion, Portal:Bibel
Weblinks
- [http://www.luther.de/ Martin Luther]
- [http://www.reformiert-online.net:8080/t/de/bildung/grundkurs/gesch/index.jsp Einführung in die Reformierte Geschichte]
- [http://www.calvinianum.de/ Calvinianum]
- [http://www.dieterwunderlich.de/Luther_reformation.htm Martin Luther und die Reformation]
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Schmalkaldischer KriegDer Schmalkaldische Krieg wurde 1546/1547 von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund, ein nach der Stadt Schmalkalden benanntes Bündnis protestantischer Landesfürsten, geführt. Dabei versuchte er auch die Frage der Anerkennung des Protestantismus für den Katholizismus zu entscheiden.
Die protestantischen Fürsten, die sich nach dem Augsburger Reichstag von 1530 zum Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossen hatten, wurden zunehmend zu einem Machtfaktor, der die Autorität des Kaisers gefährdete.
Erst nachdem Karl V. 1544 die Auseinandersetzung mit Frankreich im Frieden von Crépy beenden konnte, hatte er die Möglichkeit und die Mittel, gegen den Schmalkaldischen Bund vorzugehen. Karl schloß mit Papst Paul III. einen Bund gegen die Ketzer. Als der Bund sich 1546 weigerte, Vertreter zum Konzil von Trient zu entsenden, erlegte er den Bundeshauptleuten Johann Friedrich I. von Sachsen und Philipp I. von Hessen die Reichsacht auf. Es gelang ihm, den eigentlich protestantischen Herzog Moritz von Sachsen auf seine Seite zu ziehen, wodurch er den Bund empfindlich schwächte. Den Moment ausnutzend, ging er nun im so genannten Donaufeldzug militärisch gegen den Bund vor, zunächst gegen die isolierten Bundesstädte in Süddeutschland (Ulm, Konstanz, Biberach) und besiegte dann in der Schlacht auf der Lochauer Heide bei Mühlberg an der Elbe am 24. April 1547 das Bundesheer der Schmalkaldener. Johann Friedrich I. geriet in Gefangenschaft, Landgraf Philipp von Hessen ergab sich. Beide wurden auf Jahre in den Niederlanden gefangen gesetzt. Obwohl Bremen und Magdeburg auch weiterhin Widerstand gegen den Kaiser leisteten, war der Bund damit faktisch aufgelöst.
Als Belohnung für seinen Seitenwechsel erhielt Herzog Moritz von Sachsen die sächsische Kurwürde übertragen, die bis dahin Johann Friedrich von der ernestinischen Linie der Wettiner inne gehabt hatte. Die Kurlande und weitere Teile Sachsens waren seitdem im Besitz der albertinischen Wettiner. Den Ernestinern blieben nur mehr Teile Thüringens.
Auf dem geharnischten Augsburger Reichstag von 1548 mussten die protestantischen Fürsten das so genannte Augsburger Interim annehmen, das ihnen immerhin den Laienkelch und die Priesterehe zugestand.
Die Unruhen konnte Karl V. damit aber nicht beenden und der Sieg über die Protestanten war nur von kurzer Dauer. 1552 verschwor sich der gestärkte Kurfürst Moritz von Sachsen mit anderen protestantischen Fürsten gegen die Spanische Sukzession und den Kaiser und der Verschwörung gelang es, Karl V. zur Flucht zu zwingen. Sein Bruder Ferdinand I. handelte unterdessen mit Moritz von Sachsen und den protestantischen Fürsten den Passauer Vertrag aus, der ihnen weitgehende Rechte zusicherte. Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurden diese bestätigt.
Karl V. dankte nach diesen Niederlagen 1556 zugunsten Ferdinands I. ab.
Siehe auch: Liste von Schlachten
Kategorie:Krieg
Kategorie:Deutsche Geschichte (Heiliges Römisches Reich)
Kategorie:Reformation
Kategorie:Thüringer Geschichte
Kategorie:1546
Kategorie:1547
RekatholisierungDefinition und Inhalt
Rekatholisierung meint einen Vorgang innerhalb der Reformations- und Gegenreformationsgeschichte. Die Gegenreformation war "eher" eine Bewegung der geistigen Auseinandersetzung mit der Reformation mit dem Ziel, deren Wirkung zu begrenzen und schließlich sie aufzuheben. Die Rekatholisierung hingegen stellte hingegen stärker einen seit den 1540er Jahren mit machtpolitischen Mitteln durchgeführten Versuch dar, protestantische Gebiete für den Katholizismus zurück zu gewinnen, nachdem die zumeist geistige Auseinandersetzung mit dem Protestantismus zu keinem Ergebnis in diesem Sinne führte.
Historischer Überblick
Seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 galt im Reich der Grundsatz, dass der Landesherr die Konfessionszugehörigkeit seiner Untertanen bestimmte (Cuius regio, eius religio). Hintergrund dieses Prinzips war die gemeinsame Überzeugung der Zeit, ein gemischtkonfessionelles Territorium sei nicht lebens- und friedensfähig und keinesfalls wünschenswert.
Rekatholisierung bedeutete in diesem Zusammenhang die Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes in einer Pfarrkirche bzw. in allen Pfarrkirchen eines Gebiets, in denen zuvor lutherischer oder reformierter Gottesdienst gehalten worden war, auf Weisung des katholischen Landesherrn.
Konkret geschah das durch die Vertreibung der lutherischen oder reformierten und die Einsetzung katholischer Pfarrer. Die "Eingepfarrten", für die der Bekenntniswechsel oft ohnehin nicht nachvollziehbar war - gerade die lutherische Reformation behielt die meisten kirchlichen "Zeremonien" bei und trat nur durch Priesterehe und Laienkelch unmissverständlich ins Bewusstsein -, galten damit ipso facto wieder als katholisch.
Mit dieser kirchenrechtlichen Rekatholisierung ging ein Prozess der Glaubensunterweisung einher, der oft weniger eine Neu- als vielmehr Erst-Katechese war und in den katholischen Territorien vielfach den Jesuiten anvertraut wurde.
Man sagt, nur kleine Minderheiten gerieten durch Rekatholisierung mit ihrem Gewissen in Konflikt und wurden zur Auswanderung gezwungen.
So tat sich Ferdinand II. (1578-1637) durch radikale antiprotestantische Deportationsmaßnahmen im österreichischen Bereich hervor. Noch im 18. Jahrhundert kam es zu konfessionell begründeten Vertreibungen (z.B. der Salzburger Lutheraner 1732), und die konfessionelle Geschlossenheit von Dorf- und Stadtgemeinden blieb bis weit ins 19. Jahrhundert der auch von der Bevölkerung begrüßte Normalzustand. Schon im 17. Jahrhundert wurde das Prinzip von 1555, etwa bei Grenzverschiebungen, nicht mehr streng durchgeführt, und Rekatholisierungen (ebenso wie der umgekehrte Vorgang) wurden seltener.
Zur Begriffsgeschichte
Der Hamburger Historiker Arno Herzig hat vor einigen Jahren eine fachliche Definition des Begriffes Rekatholisierung versucht, die einer Neubewertung dieses geschichtlichen Vorgangs innerhalb der Gegenreformation gleich kommt.
Demnach bedeutet Rekatholisierung nicht unbedingt, wie in gängiger Forschungsmeinung oft zu lesen ist, für das 16. bis 18. Jahrhundert einen Versuch, den sich ausbreitenden Protestantismus zurückzudrängen und die Bevölkerung unter Zwang wieder zum Katholizismus zurückzuführen. Herzig definiert den Begriff der "Rekatholisierung" zu Beginn seiner Studie als "weitgehend durch Gewalt herbeigeführte Einrichtung der katholischen Konfession als allein gültige Konfession im Staat". Die katholische Konfession wird hier somit als eine Institution verstanden und damit zugleich als einen Machtfaktor im Staat, unter der man versucht, die zum Protestantismus gewechselten Bevölkerungsteile wieder in den Einflußbereich der katholischen Kirche einzubeziehen. Es ist aber damit nicht eine innere kirchliche Erneuerung gemeint, wie man im Konzil von Trient beabsichtigte. Das wird auch bei Herzig selbst betont. Dieser Prozess der Rekatholisierung als solcher ist schon lange in der Forschung bekannt. Auch ist das Wort Rekatholisierung hierfür seit langen im Gebrauch. Durch Arno Herzig wird er allerdings erstmalig in einer übergreifenden Studie angewendet. Herzigs Rekatholisierung basiert auf dem Begriffsschema der (katholische) Konfessionalisierung, welches von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling, und dem der Sozialdisziplinierung, der von Gerhard Oestreich geprägt wird. Oestreich spricht auch bei langfristigen Lern- und Transformationsprozessen von "Fundamentaldisziplinierung". Auch das lässt sich letzten Endes in das Modernisierungsparadigma für die Frühe Neuzeit insgesamt einbeziehen.
Die Rekatholisierung bedeutet im Grunde ähnlich wie die Sozialdisziplinierung oder "Fundamentaldisziplinierung, von der Oestreich spricht beziehungsweise der Konfessionalisierung von Reinhard und Schilling ein historiographisches Deutungsmuster für die Frühe Neuzeit. Mit dem Modernisierungsparadigma, in dem diese Prozesse eingebunden sind, lassen sich ähnliche Erscheinungen, so wohl auch die Zielvorstellungen, die später als die eigentliche Gegenreformation abgelaufen sind wie im 17. und 18. Jahrhundert, hier mit zuordnen und erklären.
Tatsächlich handelt es sich hierbei um Maßnahmen der Sozialdisziplinierung, die von verbaler diplomatischer Einflussnahme bis hin zur offenen Gewalt gehen. Die Folge der restriktiven Praxis war die Ausbildung eines sogenannten Kryptoprotestantismus. Bei Herzig ist die "weitgehend konfliktfrei verlaufende Sozialdisziplinierung" in den katholischen Territorien das eigentliche Modernisierungspotential des Katholizismus neben der spezifischen Formen der Kollektivbildung in dieser Epoche überhaupt.
Siehe auch:
- Gegenreformation
- Reconquista
Literatur
- Adolf Schosser, Die Erneuerung des religiös-kirchlichen Lebens in der Oberpfalz nach der Rekatholisierung : (1630-1700) : eine zusammenfassende Darstellung, Düren-Rhld 1938 (Diss. Erlangen 1937).
- Arno Herzig, Der Zwang zum wahren Glauben: Rekatholisierungspolitik vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, Göttingen 2000.
- ders., "die Rekatholisierung in den deutschen Territoren im 16. und 17. Jahrhundert", in: Geschichte und Gesellschaft 26 (2000), S. 76-106.
- Wolfgang Reinhard: Was ist katholische Konfessionalisierung?, in: Die katholische Konfessionalisierung, hg. von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling, Gütersloh 1995, 419-452.
Weblinks
- http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/REZENSIO/buecher/2001/MaRe0901.htm.
- http://www.sfn.uni-muenchen.de/rezensionen/rezp20010307.htm
Kategorie:Gegenreformation
Kategorie: Geschichtswissenschaft
Bergbau
Als Bergbau bezeichnet man die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen aus unserem Planeten. Häufig geförderte Rohstoffe sind z. B.: Kohle, Eisen- und Metallerze, Salze , Gold, Silber, Flussspat (Fluorit), Schwerspat (Baryt) und radioaktive Uranerze wie Pechblende. Die Förderung von Erdöl und Erdgas gehört ebenso wie die Gewinnung von Steine und Erden dazu. Abzubauende Stoffe liegen in einer Lagerstätte vor.
In Deutschland ist der Bergbau grundsätzlich durch das Bundes-Berggesetz geregelt.
Abbautechniken
Hier werden 2 Grundtechniken unterschieden:
1. Übertage: Hier werden die Rohstoffe in offenen Gruben gefördert; siehe --> Tagebau
- Steinbruch
- Schürfen
2. Untertage: Förderung durch Stollen oder Schächte in sog. Gebirge; -->
Untertagebau
- Solen
Geschichte
Sole]
Sole]
Frühste archäologische Zeugnisse des Bergbaus weisen in die Jungsteinzeit. Kupfer wurde schon um 5000 v. Chr. im Sinai, Kupfer, Gold und Türkise um 3000 v Chr. in Ägypten abgebaut. Wahrscheinlich gab es gegen 3000 v. Chr. auch schon Metallgruben in Indien und China. Um 2500 v. Chr. begann dann auch die Kupferförderung in Mitteldeutschland. Eisenerz wurde ab etwa 800 v. Chr. in den Alpen abgebaut und Steinkohle ist seit dem 9. Jahrhundert in England bekannt.
Bergbau in Deutschland
Erste schriftliche Zeugnisse über den Metallabbau mittelalterlichen Mitteleuropa berichten aus Böhmen im 8. Jahrhundert, Goslar im 10. Jahrhundert, dem Erzgebirge in Freiberg und
Joachimsthal im 12. Jahrhundert und in allen Fällen vorwiegend im Zusammenhang mit Silber und Kupfer. Mitte des 16. Jahrhunderts veröffentlichte Georgius Agricola mehrere für den Bergbau entscheidende Werke, wie das 1556 erschienene De re metallica libri XII. Ab dem Mittelalter lassen sich Bergordnungen nachweisen, die den Bergbau umfassend regelten. Mitte des 19. Jahrhunderts traten an ihre Stelle Berggesetze.
Steinkohleförderung im Aachener Steinkohlenrevier an Inde und Wurm wird in den Annales Rodenses des Klosters Roda (heute Rolduc/NL) bereits für das Jahr 1113 bezeugt. Abbauort war der Beckenberg (schwarze Berg) direkt bei der Burg und Siedlung Rode (heute Herzogenrath/D). Der Eschweiler Kohlberg wird 1394 urkundlich erwähnt, der Eschweiler Bergwerksverein 1838 gegründet. Im Ruhrgebiet wird Steinkohle seit dem 14. Jahrhundert gefördert, Mitte des 18. Jahrhunderts begann man an der Saar Steinkohle abzubauen, später auch in Schlesien.
Schlesienes Wieliczka bei Krakau (Polen)]]
Durch die Industrialisierung, besonders die 1798 von James Watt erfundene Dampfmaschine wurde vor allem der Abbau von Kohle und Eisenerz erheblich gesteigert und sorgte so für die Häufung von Industrie zum Beispiel im Ruhrgebiet und in Oberschlesien. Gebraucht wurde z.B. Steinkohle zu Heizzwecken, auch in Form von Brikett (in Deutschland seit 1861) oder als Treibstoff für Lokomotiven und stationären Dampfmaschinen zum Antrieb von Arbeitsmaschinen in Industriebetrieben. Später stellten die kohlebefeuerten Dampfkraftwerke das Rückrat der Stromversorgung dar, und dies ist auch heute noch so. Nachdem Rohstoffe immer günstiger vom Ausland eingeführt werden konnten, verloren besonders die heimischen Eisen- und Metallerzlagerstätten an Bedeutung, da diese nur schwierig und somit teuer zu gewinnen waren. Auch die Steinkohlengewinnung ist bei uns geologisch bedingt schwierig und daher teuer. Steinkohlenzechen werden aber als sichere Energiequelle im eigenen Land benötigt, aber auch, um unseren hohen Stellenwert bei der Bergbautechnologie auf dem Weltmarkt behalten zu können.
Die Förderung von Braunkohle, die 30% der deutschen Energieversorgung darstellt, sowie von Kali- und Steinsalz werden in großem Umfang weiter betrieben. Kali und Steinsalze werden unter anderem in der heimischen Agrarwirtschaft als Dünger eingesetzt und auch weltweit exportiert.Deutschland besitzt die weltweit modernsten und leistungsfähigsten Kalibergwerke. Ein erheblicher Wirtschaftsfaktor stellt auch der Bergbau auf Steine und Erden dar, die i.d.R. im Tagebau abgebaut werden.
Siehe auch
Weblinks
- [http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Kategorie/Bergbau Bergbaulexikon Mineralienatlas WiKi]
- [http://www.erzwege.at Bergbaugeschichte online]
- [http://www.erzwege.at/mailform/lexikon.htm Bergbau-Lexikon]
- [http://www.bergschaeden.info Bergbaustandorte in Deutschland]
- [http://www.meinemineraliensammlung.de/index.html Lexikon mit Begriffen aus Bergbau und Geowissenschaften]
- [http://wirtschaft.fh-trier.de/ri/fell/besucherbergwerke/besucherbergwerke.php5?nr=15&unr=0&eTyp=h&Art=Mineral Besucherbergwerke mit deutschsprachigen Internetseiten]
-
- [http://www.bergbaumuseum.de Deutsches Bergbau-Museum Bochum]
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Kategorie:Ingenieurwissenschaft
Kategorie:Geographie
ja:鉱業
Nickel
Nickel ist ein chemisches Element mit dem Symbol Ni und der Ordnungszahl 28.
Geschichte
Nickel wurde bereits 3500 v. Chr. benutzt. Bronze aus dem Gebiet des heutigen Syriens enthielt bis zu 2 % Nickel. Chinesische Schriften bezeugen, dass in Asien „weißes Kupfer“ (Neusilber) zwischen 1700 und 1400 v. Chr. verwendet wurde. Da Nickelerze jedoch leicht mit Silbererzen verwechselt werden können, datieren ein Verständnis für das Metall und seine zielgerichtete Nutzung erst in neuere Zeit. Ähnlich wie beim Kobalt wurde hier ein Wort für böse Geister zum Namensgeber, man verwechselte das wertlose Nickel oft mit Silber und glaubte sich dann vom bösen Erdgeist „Nickel“ betrogen.
Nickelhaltige Minerale wurden auch zur Glasfärbung verwendet. 1751 versuchte Baron Axel Frederic Cronstedt Kupfer aus Rotnickelkies zu gewinnen, erhielt stattdessen aber ein weißes Metall, das er Nickel nannte.
Die erste Münze aus reinem Nickel wurde 1881 geprägt.
Eigenschaften und Vorkommen
1881
Nickel ist ein silbrig weißes Metall. Im Periodensystem gehört es zur Eisen-Gruppe. Es ist hart, schmiedbar, und duktil. Nickelhaltige Erze sind: Nickelmagnetkies, Garnierit, Gelbnickelkies und Rotnickelkies. Abbauwürdige Vorkommen findet man vor allem in Kanada, Russland (Norilsk), Australien und Kuba.
Wegen seiner Oxidationsbeständigkeit wird Nickel in Münzen und als Überzug für andere Metalle und Legierungen wie Eisen und Messing verwendet, außerdem in chemischen Apparaten und in einigen Legierungen wie Neusilber. Nickel ist magnetisch und wird in seinen Erzen häufig von Kobalt begleitet.
Der häufigste Oxidationszustand ist +2. Seltener werden +1 und +3 Nickel-Komplexe beobachtet.
Chemisches Verhalten: Die in Wasser meist mit grüner Farbe löslichen Nickel(II)-Salze werden durch Ammoniumsulfid als grauschwarzes Nickel(II)-sulfid ausgefällt. Der spezifische Nachweis ist durch Tschugajews Reagens, einer alkoholischen Dimethylglyoxim-Lösung, möglich. In ammoniakalischer Lösung fällt das rote Nickel-dimethylglyoxim aus, welches in verdünnten Mineralsäuren unter Zerfall und in Natronlauge in Gegenwart von starken Oxidationsmitteln wie Peroxodisulfat zur ebenfalls intensiv roten Nickel(III)-Verbindung löslich ist.
Fein verteiltes Nickel reagiert mit Kohlenmonoxid bei 50 bis 80 Grad Celsius zu Nickeltetracarbonyl Ni(CO)4, einer farblosen, sehr giftigen, in Wasser unlöslichen Flüssigkeit der Dichte 1,31, einem Schmelzpunkt von -25 Grad Cesius und einem Siedepunkt von +43 Grad Celsius. Es dient als Zwischenprodukt zur Herstellung von reinstem Nickel nach dem Langer-Mond-Verfahren. Bei 180–200 Grad Celsius zerfällt Nickeltetracarboyl wieder in Nickel und Kohlenmonoxid.
Biologische Funktion
Viele, wenn nicht alle Hydrogenasen enthalten zusätzlich zu Eisen-Schwefel-Clustern auch Nickel. Nickel-Zentren sind ein charakteristisches Element in Hydrogenasen, deren Funktion es ist zu oxidieren anstatt Wasserstoff zu erzeugen. Das Nickelzentrum scheint seinen Oxidationszustand zu ändern, und es gibt Hinweise darauf, dass das Nickelzentrum der aktive Teil dieser Enzyme sein könnte. Nickel ist ein Spurenelement, das im menschlichen Organismus in sehr geringen Mengen (Tagesbedarf 25–30 Mikrogramm) benötigt wird. Tatsächlich nehmen wir aber etwa 90–100 Mikrogramm pro Tag auf – der Bedarf ist daher auf jeden Fall durch normale Mischkost gedeckt. Möglicherweise beeinflusst Nickel auch die Eisenaufnahme und -verwertung.
In der Elektrophysiologie werden Nickel-Ionen dazu verwendet, spannungsaktivierte Kalzium-Kanäle zu blockieren.
Gesundheitliche Probleme
Da viele Menschen eine Nickelallergie haben, werden Metalle und Legierungen, die mit der Haut in Kontakt kommen können, in den letzten Jahren seltener vernickelt.
Nickel bzw. seine Verbindungen wirken bereits ab 50 mg toxisch und können zu chronischen Schäden führen. Das Einatmen des Staubs und auch die Berührung vernickelter Gegenstände kann zu Allergien und entzündlichen Reaktionen führen. Bei Hautkontakt kann die Nickelkrätze auftreten, eine entzündliche Veränderung der Haut. Desweiteren wirken Nickel und seine Verbindungen karzinogen. Akute Vergiftungen von höheren Dosen äußern sich durch Übelkeit und Kopfschmerzen. Nach einer dreitägigen Ruhezeit kann der Tod durch Husten, Fieber und Krämpfen im Atemtrakt auftreten.
Siehe auch
Organometallchemie, Metallcarbonyle, Nickellegierungen, Raney-Nickel
Weblinks
- http://www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/28Nickel.htm
- [http://www.lme.co.uk/dataprices_daily.asp London Metal Exchange – Metallpreise]
Kategorie:Chemisches Element
Kategorie:Gruppe-10-Element
Kategorie:Periode-4-Element
Kategorie:Übergangsmetall
Kategorie:Schwermetall
ja:ニッケル
nb:Nikkel
WismutWismut (weisse Masse) ist
- die alte Bezeichnung für das chemische Element Bismut
- der Tarnname für das Uranabbau-Unternehmen in Sachsen und Thüringen SDAG Wismut
Siehe auch: Wismut Aue (ehemaliger Name eines DDR-Sportvereins, seit 1992 FC Erzgebirge Aue)
Uranerz
Uran ist ein chemisches Element im Periodensystem der Elemente mit dem Symbol U und der Ordnungszahl 92. Natururan ist das schwerste in der Natur vorkommende Element. Es besteht weltweit zu 0,711 % aus dem Isotop 235U und zu 99,3 % aus dem 238U.
Geschichte
Uran wurde 1789 von dem deutschen, in Berlin lebenden Chemie-Professor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817) aus dem Mineral Pechblende isoliert. Es ist nach dem Planeten Uranus benannt, der acht Jahre zuvor (1781) von Friedrich Wilhelm Herschel (1738 bis 1822) entdeckt worden war. Am 24. September 1789 gab er die Entdeckung in einer Ansprache vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften bekannt. Zuerst wurde seine Entdeckung Uranit genannt, 1790 dann in Uranium umbenannt. Klaproth hatte seine Entdeckung beim Analysieren des Erzes aus dem Bergwerk „George Wagsfort“ in Wittigsthal bei Johanngeorgenstadt in Sachsen gemacht. Er behandelte das Erz mit Säure und erwärmte es stark. Das Ergebnis bestand in einem schwarzen Pulver, das er Uran nannte.
Klaproth hatte tatsächlich ein neues Element identifiziert, aber was er gewonnen hatte, war nicht das Element Uran selbst, sondern ein Oxid. Erst fünfzig Jahre später im Jahre 1841 gelang es dem Franzosen Eugène Peligot, reines Uranmetall zu gewinnen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Uran zusammen mit anderen Mineralien in Joachimsthal sowie in einigen Minen in Cornwall (England) gewonnen.
Abgesehen vom Wert, den es für Chemiker hatte, wurde Uran im ganzen 19. Jahrhundert nur zum Färben von Glas und Keramik verwendet. Uranverbindungen wurden in der Glasherstellung eingesetzt, um Vasen und Dekorationsstücken aber auch alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Schüsseln, Gläser etc. eine gelbgrüne Farbe (Annagrün) zu geben. Glashersteller aus Joachimsthal (Böhmen) benutzten diese Technik bereits 1826. Die Verwendung von Uran zur Glasfärbung wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts fortgeführt, erst dann wurde es durch andere, weniger bedenkliche farbgebende Mineralien ersetzt. Keramische Glasuren von Orange bis leuchtend Rot wurden für Geschirr bis hin zum architektonischen Beiwerk verwendet. Die gesundheitlichen Risiken durch die Verwendung bzw. das Sammeln von Uranglas und Keramiken mit Uranglasur sind bis heute Streitpunkt von Sammlern und Wissenschaft.
Dass Uran radioaktiv ist, wurde 1896 zuerst von Henri Becquerel festgestellt, der die volle Tragweite seiner Entdeckung jedoch nicht erkannte. Eine seiner Schülerinnen interpretierte seine Ergebnisse jedoch richtig und gab dem neuen Phänomen den Namen Radioaktivität. Die Schülerin hieß Marie Curie. Zusammen mit ihrem Mann Pierre Curie entdeckte sie 1898 zwei weitere neue Elemente, das Radium und das Polonium.
Vorkommen
Mineralische Vorkommen
Polonium
Uran kommt in der Natur nicht als reines Metall vor, sondern in Form von über 200 Uranmineralen. Uraninit (Pechblende) und Coffinit (USiO4) sind die wichtigsten lagerstättenbildenenden Minerale.
In Deutschland wurde Uran in der Sächsischen Schweiz (Königstein) untertage durch Laugung, in Dresden (Coschütz-Gittersee) und im Erzgebirge (Schlema, Schneeberg) sowie in Ostthüringen ( Ronneburg) untertage als Pechblende durch die SDAG Wismut abgebaut. Diese Abbaugebiete wurden nach 1990 geschlossen, da sie unwirtschaftlich waren und auch der Bedarf an Uran zurückging. Letzteres geschah auf Grund der geänderten politischen Weltlage (geringere Bedeutung von strategischen Atomwaffen) und des Ausstiegs aus der Kernenergie.
SDAG Wismut
Die Weltproduktion von Uran betrug im Jahr 2001 45.103 Tonnen, wovon 34 % in Kanada gewonnen wurde. Weitere große Förderländer sind Australien, Niger, Namibia, Usbekistan, Kasachstan, Russland, die USA, Südafrika und Gabun. Aufgrund der intensiven Forschung nach Lagerstätten seit den 1960er Jahren hat sich bis heute ein Überangebot auf dem Weltmarkt entwickelt, der das sechsfache des Weltjahresverbrauchs beträgt. Der Weltmarktpreis für Uran liegt deshalb auf relativ niedrigem Niveau.
Die größten Uranreserven nach Angaben der IAEA gibt es in den USA, Niger, Australien, Kasachstan, Südafrika, Kanada, Brasilien, Russland, Ukraine und Usbekistan.
Uran im Wasser
Uran tritt in der Natur überwiegend mit den Wertigkeiten +4 oder +6 auf. Vierwertige Uran-Minerale sind in Wasser unter normalen pH/EH-Bedingungen nahezu unlöslich. Das sechswertige Uran ist dagegen unter oxidierenden Bedingungen auch im Bereich neutraler pH-Werte gut löslich, weil es sehr stabile Komplexe bildet. Die wichtigsten Komplexe sind in der Wasserphase die Uranylcarbonatokomplexe . Daneben treten je nach Wasserzusammensetzung auch Sulfonato-, Phosphato- und Nitratkomplexe auf. Als Folge dieser Komplexbildung ist Uran ein ubiquitäres Element in der Hydrosphäre.
In der Erdkruste ist Uran mit einem Vorkommen von 4 mg/kg relativ häufig vertreten. Die Urankonzentration von ca. 3,3 µg/l in Meerwasser gegenüber den zum Teil deutlich geringeren Konzentrationen in den Flüssen - 0,03 µg/l im Amazonas bis 3,9 µg/l im Ganges - zeigt, dass Uran ein sehr mobiles Element ist, das im Meer angereichert wird. Deutsche Flüsse weisen in der Regel Uran-Konzentrationen zwischen ca. 1 und 3 µg/l auf. Die Quelle für das Uran liegt in dem geogenen Aufbau der durch die Flüsse entwässerten Gebiete, in uranhaltigen Phosphatdüngern und in besonderen Fällen im Uranbergbau (Zwickauer Mulde: ca. 10 µg/l) bzw. der Nutzung der Kernenergie begründet. Uran findet sich in Deutschland im unbeeinflussten Grundwasser in Konzentrationen von kleiner 1 bis über 100 µg pro Liter. Die regelmäßige Einnahme von Trinkwasser mit erhöhten Urangehalten kann zum Auftreten von Nierenkrebs führen. Aus diesem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsbehörde (WHO) für Trinkwasser einen Grenzwert von 15 µg/L.
Aus Uran entsteht ständig eine Reihe von kurzlebigen Tochternukliden, von denen einige sehr mobil sind wie das Edelgas Radon. Andere Tochternuklide neigen dazu, weniger mobil zu sein (Thorium, Radium, Polonium, Blei). Unter stark reduzierenden Bedingungen ist U(IV) die dominierende Spezies.
Gewinnung und Darstellung
Der Uranabbau kann zu schweren Schäden bei Mensch und Umwelt führen, da durch den Uranbergbau Uran und radioaktive Folgeprodukte (z.B. das Gas Radon) freigesetzt und aus dem Untergrund an die Oberfläche geholt werden. Der überwiegende Teil der radioaktiven Folgeprodukte wird auf Halden und in Absetzbecken abgelagert und stellt somit langfristig eine Gefährdung für die Umwelt dar. Während mittel- und hochradioaktive Abfälle aus dem Medizinbereich und der Kernenergietechnik mit großem technischen Aufwand in Endlagern entsorgt werden, verbleiben die Bergbaurückstände oft wenig geschützt an der Erdoberfläche. (Siehe auch [http://www.antenna.nl/wise/uranium/] [http://www.geo.tu-freiberg.de/umh/Uranium-links.htm])
Uran kommt auch im normalen Boden als Spurenelement vor. Die US-amerikanische Agency for Toxic Substances and Disease Registry (ATSDR) schätzt, dass sich in den obersten 33 Zentimetern Erdboden einer Fläche von einer Quadratmeile Land im Mittel ca. 4 Tonnen Uran befinden, also etwa anderthalb Tonnen pro Quadratkilometer.
Wirtschaftlich nutzbare Uranreserven
Die wirtschaftlich förderbaren Uranreserven (definiert durch den maximalen Förpderpreis pro Kilogramm) wurden von der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEA) und der OECD Nuclear Energy Agency (NEA) im Jahr 1999 im so genannten "Red Book" ausgewiesen. Demnach sind - je nach Höhe der unterstellten Förderkosten - insgesamt noch zwischen 1,25 und 4 Millionen Tonnen Uran wirtschaftlich abbaubar. Dabei handelt es sich zum Teil um gesicherte, zum Teil aber nur um vermutete Uranvorkommen.
Der derzeitige (2005) Uranbedarf für die weltweit über 440 Atomkraftwerke liegt bei rund 62.000 Tonnen pro Jahr. Allein die Europäische Union hat einen jährlichen Bedarf von etwa 20.000 Tonnen Uran.
Nach diesen Zahlen wären die wirtschaftlich förderbaren Reserven in 18 bis 59 Jahre erschöpft. Werden die Atomkraftwerkskapazitäten noch weiter ausgebaut, so sind die Reserven entsprechend schneller verbraucht.
Während die Atomindustrie davon ausgeht die verbeibenden Reserven mit Hilfe von Brütern in einem Brennstoffzyklus zukünftig besser nutzen zu können, wird dies von den Atomkraftgegnern als ineffizient und zu risikoreich angesehen.
Eigenschaften und Anwendung
Uran kommt in drei Modifikationen vor: α-Uran bei Temperaturen unter
688 °C, β-Uran im Temperaturbereich zwischen 688 und 776 °C und γ-Uran im Temperaturbereich zwischen 776 °C und seinem Schmelzpunkt.
Uran ist ein sehr schweres, relativ weiches, silber-weißes Metall, welches in fein verteiltem Zustand selbstentzündlich ist. Die meisten Säuren lösen metallisches Uran auf, während es von Alkalien nicht angegriffen wird. An der Luft überzieht sich das Metall mit einer Oxidschicht.
Uran-Verbindungen sind giftig. Die Toxizität wird v.a. durch deren Löslichkeit bestimmt. Die leichtlöslichen Uranyle sind am giftigsten, die schwerlöslichen Oxide sind weniger giftig. Natürliches Uran bzw. das am häufigsten vorkommende Isotop 238U hat eine Halbwertszeit von 4,47 Milliarden Jahren und ist wie die anderen natürlichen Isotope (234U und 235U) ein α-Strahler. Die spezifische Aktivität von 238U beträgt 12450 Bq/g.
Das Uranisotop 235U wird in Atomkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt, das Isotop 238U kann in Brutreaktoren eingesetzt werden, um Plutonium herzustellen.
Plutonium
Das Isotop 235U kommt in nur geringer Konzentration (etwa 0,72 %) im natürlichen Uran vor und wird durch Anreicherung konzentriert. Die übrig bleibende Fraktion wird auch abgereichertes Uran genannt. Uran-235 ist neben Plutonium der wichtigste Spaltstoff für den Bau von Atombomben, Kernsprengsätzen und Zündsätzen für Wasserstoffbomben.
Aufgrund seiner hohen Dichte wird abgereichertes Uran (depleted uranium, DU) in einigen Ländern in Abschirmblechen in der Atomindustrie eingesetzt. Im Flugzeugmodell B-747 Jumbojet des Herstellers Boeing wurde es wegen der hohen Dichte als Gegengewicht im Heck eingesetzt.
Einige Staaten (zum Beispiel USA, Russland) nutzen es auch als Projektilkernmaterial für panzerbrechende Munition (Uranmunition). Im großen Umfang wurde die DU-Munition erstmalig in den beiden Irak-Kriegen 1990 und 2003 und im Kosovo-Krieg 1999 seitens der USA zum Einsatz gebracht. Dementsprechend weisen diese Länder derzeitig viele Fundorte verschossener DU-Munition auf. DU-Munition zerstäubt und verbrennt beim Aufprall teilweise; die entstehenden Stäube und Aerosole sind giftig und radioaktiv und führen durch Aufnahme in die Lunge zu Gesundheitsschäden bei Bevölkerung und Soldaten.
Abgereichertes Uran wird in amerikanischen Panzern (z.B. M1 Abrams) als Panzerung eingesetzt. Es handelt sich um eine Sandwichpanzerung mit einer Schicht Uran zwischen zwei Schichten Panzerstahl.
Isotope
Uran kommt in der Natur hauptsächlich in zwei Isotopen vor, U-238 (99,27 %) und U-235 (0,72 %). Mit angereichertem Uran wird Uran bezeichnet, dessen Anteil an (mit thermischen Neutronen spaltbarem) U-235 gegenüber dem (mit thermischen Neutronen nicht spaltbarem) U-238 durch Anreicherung erhöht wurde. Schwach angereichertes Uran (etwa 2-4 % U-235) wird in Kernkraftwerken, hoch angereichertes (typisch > 80 % U-235) zur Herstellung von Atomwaffen sowie zum Betrieb von Schiffsreaktoren verwendet. Die kritische Masse von U-235 beträgt etwa 49 kg.
In natürlichem Uran finden sich die Isotope 234U, 235U und 238U. Wegen seiner relativ kurzen Halbwertszeit im Vergleich zu 238U ist 234U nur in Spuren vorhanden, liefert aber einen gleich großen Beitrag zur Radioaktivität wie 238U. Es entsteht aus 238U Bild:Pfeil mit alpha.png 234Th Bild:Pfeil mit beta-.png 234Pa Bild:Pfeil mit beta-.png 234U.
Weblinks
- [http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Uran Uran und Uranmineralien im Mineralienatlas WiKi]
- http://www.chemie-master.de/pse/pse.php?modul=U
- http://www.uniterra.de/rutherford/ele092.htm
- http://www.nndc.bnl.gov/wallet/zz/z092.html Nuclear Wallet Card - Z(92)
- http://atom.kaeri.re.kr/cgi-bin/nuclide?nuc=U Table of Nuclides 92-Uranium
- http://www.uxc.com/ Aktuelle Informationen zum Uranmarkt
- http://www.incomindios.ch/arbeitsgruppen/uran/index.html Informationen zu den Folgen des Uranabbaus
Kategorie:Chemisches Element
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Kategorie:Periode-7-Element
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ja:ウラン
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31. MärzDer 31. März ist der 90. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 91. in Schaltjahren) - somit verbleiben 275 Tage bis zum Jahresende. .
Ereignisse
- 307 - Nach der Scheidung von Minerva heiratet Konstantin der Große Fausta, die Tochter des abgedankten römischen Kaisers Maximian.
- 1282 - Beginn der Sizilianischen Vesper.
- 1794 - Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder: Georges Jacques Danton, zuerst als Held der französischen Revolution gefeiert, wird wegen einer angeblichen Verschwörung verhaftet.
- 1854 - Der Friede von Kanagawa wird zwischen den USA und Japan geschlossen und öffnet ersteren die Handelshäfen Shimoda und Hakodate.
- 1866 - Die spanische Marine beschießt den Hafen von Valparaíso in Chile.
- 1885 - Großbritannien erklärt Bechuanaland zum britischen Protektorat.
- 1889 - In Paris wird der Eiffelturm eingeweiht.
- 1905 - Die erste Marokkokrise wird ausgelöst, nachdem Kaiser Wilhelm II. von Deutschland in Tanger ein deutsches Mitspracherecht in Marokko einfordert und damit Frankreich und Großbritannien vor den Kopf stößt.
- 1909 - Serbien anerkennt die österreichische Annexion von Bosnien und Herzegowina.
- 1917 - Die Todesstrafe wird in Russland von der provisorischen Regierung abgeschafft.
- 1917 - Die USA übernehmen die Jungferninseln nach einer Zahlung von 25 Millionen US-Dollar von Dänemark.
- 1933 - In Österreich verbietet das austrofaschistische Regime den Republikanischen Schutzbund.
- 1939 - Freundschafts- und Nachbarschaftsvertrag zwischen Italien und San Marino
- 1948 - Das bis heute geltende Autonomiegesetz für die Färöer tritt in Kraft.
- 1959 - Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, überquert die Grenze zu Indien und erhält politisches Asyl.
- 1964 - Brasilien. Militärputsch. General Humberto Castelo Branco wird Staatspräsident.
- 1966 - die Parlamentswahlen in Großbritannien enden mit einem deutlichen Sieg der Labour Party.
- 1979 - Abzug der letzten britischen Truppen von Malta
- 1979 - Bei einer Volksabstimmung im Iran entscheiden sich angeblich 99 % der Bürger gegen die Monarchie.
- 1991 - Der Warschauer Pakt wird aufgelöst.
- 1991 - In Albanien finden die ersten freien Wahlen statt.
- 1992 - Deutschland. Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg tritt zurück.
- 1998 - Beginn der Verhandlungen über Estlands EU-Beitritt
- 1999 - Angola. Die Beobachter der Vereinten Nationen werden abgezogen.
- 2001 - In Nauru wird Staatspräsident Bernard Dowiyogo durch ein Misstrauensvotum gestürzt, da ihm Korruption und die Begünstigung von Geldwäsche vorgeworfen werden.
- 2001 - Nach dem offiziellen En | | |