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Imperial War Museum
Das Imperial War Museum (engl. Kriegsmuseum des Empires) in London ist eines der bedeutendsten Kriegsmuseen weltweit.
Geschichte
Das IWM entstand noch während des Ersten Weltkrieges auf Grund einer Initiative von Privatleuten, zu denen ein Industrieller (Alfred Moritz Mond), ein Schriftsteller (Sir Martin Conway) und der Kurator der Waffensammlung im Tower (Charles Ffoulkes) gehörten. Die englische Regierung sah in dem geplanten Museum vor allem eine Möglichkeit der Propaganda und unterstützte die Arbeit finanziell.
Im Jahre 1917 sammelte das Museumskomitee mit Hilfe der britischen Botschaften im befreundeten und neutralen Ausland und mit Hilfe von Privatleuten Material. Ffoulkes begab sich persönlich nach Frankreich, um Gegenstände, die nicht mehr benötigt wurden, für das Museum zu sichern.
Von Anfang an gingen die Planungen über ein reines Militärmuseum hinaus. Es sollte gezeigt werden, wie der Krieg Menschen aller sozialen Schichten in allen Ländern des Empires betrifft. Die ersten Ausstellungen des Museums thematisierten dann auch die Arbeit des Roten Kreuzes oder Frauenarbeit im Krieg.
Eröffnet wurde das Museum am 9. Juni 1920. Es war von Anfang an ein großer Erfolg. Wie das Komitee gehofft hatte, nutzten die Besucher die Ausstellung, um sich gegenseitig von ihren Kriegserlebnissen zu erzählen.
Außenstellen
Das IWM hat eine Außenstelle in Manchester (Imperial War Museum of the North).
Es wurde von dem Architekten Daniel Libeskind entworfen.
Das Museumsschiff HMS Belfast in London gehört zum Imperial War Museum.
Flugzeuge zeigt das Imperial War Museum Duxford bei Cambridge.
Exponate
Bild:Bronze eagle from the german rechs chancellery.jpg|Reichsadler von der Reichskanzlei
Weblinks
- [http://www.iwm.org.uk/ Webpräsenz des Museums]
Kategorie:Museum (London)
Britisches EmpireDas Britische Imperium (engl British Empire) war die größte Kolonialmacht der Geschichte mit Kolonien auf allen bewohnten Kontinenten. Die von Großbritannien beherrschten Gebiete umfassten zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwas mehr als zwei Fünftel der von Land bedeckten Erdoberfläche mit einer Gesamtbevölkerung von 500 Millionen (rund ein Viertel aller Menschen). Dass Englisch heute die wichtigste Verkehrs- und Handelssprache der Welt ist, ist auf die einstige Bedeutung der Kolonialmacht zurückzuführen. Der Begriff „British Empire“ geht auf John Dee zurück, den Astrologen, Alchimisten und Mathematiker der Königin Elisabeth I.
Überblick
Elisabeth I.
Das Britische Imperium wurde im Verlauf von über dreihundert Jahren gebildet. Expansive Phasen der Besiedlung und Eroberung lösten sich ab mit relativ friedlichen Phasen, die von Handel und Diplomatie geprägt waren. Die verschiedenen Territorien waren über die gesamte Erde verteilt und es wurde zu Recht als Imperium bezeichnet, „in dem die Sonne nie untergeht“. Der Höhepunkt dieser Entwicklung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreicht.
Das Imperium erleichterte die Verbreitung der britischen Technologie, des Handels, der englischen Sprache und der Regierungsform über die gesamte Welt. Die imperiale Hegemonie trug entscheidend zum wirtschaftlichen Wachstum bei und unterstrich den Einfluss Großbritanniens auf die Politik vieler Länder. Doch auch als das Empire immer größer und mächtiger wurde, wurden im Mutterland die demokratischen Institutionen ausgebaut und gestärkt.
Aus Sicht der Kolonien ist der Einfluss des Britischen Imperiums eher zwiespältig. Die Kolonien erhielten die englische Sprache, einen administrativen und rechtlichen Rahmen nach britischem Muster sowie technologische und wirtschaftliche Entwicklung. Während der Entkolonialisierung versuchte Großbritannien, in den ehemaligen Kolonien die parlamentarische Demokratie und den Rechtsstaat zu etablieren, jedoch mit unterschiedlichem Erfolg. Die meisten Kolonien haben sich jedoch dazu entschlossen, dem Commonwealth of Nations beizutreten, einem lockeren Bündnis, das das Imperium ablöste.
Die britische Kolonialpolitik diente hauptsächlich dazu, die wirtschaftlichen Interessen Großbritanniens durchzusetzen. Während die Kolonien der Auswanderer die Infrastruktur schufen, um eine eigenständige Wirtschaft aufzubauen, wurden die tropischen Territorien in Afrika und Asien lediglich als Rohmateriallieferanten betrachtet und erhielten nur eine minimale Infrastruktur. Noch heute ist die Wirtschaft vieler Entwicklungsländer oft nur von einem einzigen Rohstoff abhängig.
Ein Hauptpfeiler der britischen Kolonialpolitik war es, Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen zu schüren, um sie daran zu hindern, sich gegen die Kolonialmacht aufzulehnen. Diese klassische Teile-und-herrsche-Strategie ist die Ursache für viele Konflikte der heutigen Zeit, so z. B. in Irland, Indien, Simbabwe, Sudan, Uganda oder Irak. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Mau-Mau-Revolte in Kenia von 1952 bis 1957, wo ein kleiner Aufstand sich zu einem blutigen Stammeskrieg entwickelte. Insgesamt wurden „nur“ 22 Weiße getötet, während es bei den einheimischen Stämmen zwischen 18.000 und 30.000 Opfer gab.
Englischer Kolonialismus
Expansion auf den Britischen Inseln und in Frankreich
Nach der Eroberung durch die Normannen im Jahre 1066 unterstützte England zunächst die Besitzungen von Wilhelm I. in Frankreich. Während einiger Jahrhunderte übte England Einfluss auf die Politik in Kontinentaleuropa aus. Am Ende des 14. Jahrhunderts hatte sich der Handel mit Europa, vor allem der Export von Wollprodukten, zu einem Eckpfeiler der nationalen Politik entwickelt.
Die Expansion Englands begann mit der Eroberung der Insel Irland (seit 1169) und Wales (bis 1282). Schottland wurde zwar 1296 erobert, konnte sich jedoch 1314 in der Schlacht von Bannockburn wieder die Unabhängigkeit erkämpfen. Die beiden Königreiche sollten erst 1603 wieder durch Personalunion vereinigt werden.
Obwohl die Normandie im Jahre 1204 verloren ging, konnten im Westen Frankreichs durch eine geschickte Heirats- und Erbpolitik weite Gebiete hinzugewonnen werden. Diese gingen jedoch bis 1453 im Hundertjährigen Krieg wieder verloren. Nur die strategisch wichtige Hafenstadt Calais blieb vorläufig in englischem Besitz, fiel aber 1558 ebenfalls endgültig an Frankreich.
Grundsteinlegung des überseeischen Imperiums
1558
Der Grundstein für die späteren überseeischen Besitzungen wurde mit der pionierhaften Seefahrtspolitik Heinrichs VII. gelegt, der von 1485 bis 1509 regierte. Heinrich baute die moderne englische Handelsmarine auf, die die Entwicklung im Schiffbau und Seefahrt vorantrieb. Die Handelsmarine bildete auch die Grundlage für die Schaffung von Handelsgesellschaften, die später eine wichtige Rolle in der britischen Kolonialpolitik spielen sollten. Dazu gehörten die Massachusetts Bay Company und die Britische Ostindien-Kompanie. Heinrich ordnete auch den Bau des ersten Trockendocks in Plymouth an und reformierte die noch kleine englische Marine.
Die Seefahrten John Cabots
Noch viel bedeutender war die Unterstützung Heinrichs für die Entdeckungsreisen des Italieners Giovanni Caboto (zu John Cabot anglifiziert) nach Nordamerika in den Jahren 1496 und 1497. Cabot folgte damit dem Beispiel Christoph Kolumbus', der 1492 die Karibik erreicht hatte. Cabot wollte eine westliche Route zu den Handelsposten in Ostindien finden. Er segelte nach Neufundland im heutigen Kanada, entdeckte neue Landstriche und Inseln, zeichnete Karten und nahm das Land im Namen des Königs in Besitz. Cabot beschrieb auch detailliert die reichen Kabeljau-Fischgründe an der Küste Neufundlands. Seine Erzählungen lockten viele englische Fischer in diese Region. Auf Neufundland wurde eine saisonale Fischfangkolonie gegründet, die erste englische Kolonie in Übersee. Doch auch die Schiffe anderer Nationen beuteten die Fischgründe aus.
Aufstieg der Royal Navy
Die Seemacht, die Heinrich VII. begründet hatte, wurde nach und nach ausgebaut, um den englischen Handel zu schützen und neue Handelsrouten zu erschließen. König Heinrich VIII. gründete die moderne Royal Navy. Er ließ die Anzahl der Schiffe verdreifachen und die ersten großen Kriegsschiffe mit weitreichenden Kanonen bauen. Die Kriegsmarine erhielt eine zentralisierte Verwaltung. Entlang der Küste wurden zahlreiche Leuchtfeuer und Leuchttürme errichtet, die die Navigation für englische und ausländische Seefahrer erleichterten.
Die Elisabethanische Ära
Leuchttürme
Während der Herrschaft Königin Elisabeths I. ging die Entwicklung rasant weiter. Francis Drake segelte rund um die Welt, was seit Ferdinand Magellan niemand mehr versucht hatte. 1579 landete Drake irgendwo im nördlichen Kalifornien, nahm das Land im Namen der Königin in Besitz und taufte das Gebiet „Nova Albion“. Auf diese Besitznahme folgte jedoch keine Besiedlung. Der Einfluss Englands außerhalb Europas wuchs beständig. 1583 segelte Humphrey Gilbert auf den Spuren von John Cabot nach Neufundland und errichtete am 5. August die erste offizielle englische Kolonie namens Saint John's. Sir Walter Raleigh errichtete 1587 die Siedlung Roanoke, die erste Kolonie in Virginia. Diese beiden Kolonien waren jedoch kurzlebig und mussten schon sehr bald wegen Nahrungsmittelknappheit, Unwettern, Schiffsunglücken und feindlich gesinnten Ureinwohnern aufgegeben werden.
Die Stuart-Ära
Der Sieg gegen die spanische Armada im Jahre 1588 machte England zu einer bedeutenden Seemacht. Der anhaltende Krieg gegen Spanien in den 1590ern durchkreuzte vorerst die Pläne zur Bildung neuer Kolonien. Die Feindseligkeiten wurden 1604 beendet, nachdem Jakob I. einen Friedensvertrag mit Spanien abgeschlossen hatte. 1607 wurde die Ortschaft Jamestown am James River im heutigen Virgina gegründet. Sie ist damit die erste ständige Kolonie gewesem, doch leider gibt es von dieser Stadt nur noch Ruinen, welche heute ausgraben werden. Deutlich bekannter ist die Gründung der 1620 von den Pilgervätern in Massachusetts errichteten Kolonie, die Bestand haben sollte: Boston. Während des 17. Jahrhunderts wurden in Nordamerika insgesamt dreizehn Kolonien errichtet. 1707 wurden England und Schottland formell vereinigt und das Königreich Großbritannien entstand.
Kolonialisierung Amerikas und Ozeaniens
Im frühen 17. Jahrhundert nahm das Britische Imperium langsam Gestalt an, als die Kolonien an der Ostküste Nordamerikas besiedelt wurden. Daraus sollten später die Gründerstaaten der USA sowie die atlantischen Provinzen Kanadas entstehen. Weitere Kolonien entstanden auf den kleineren Inseln der Karibik, wie z. B. Jamaika, Bahamas und Barbados.
Die Zuckerrohr produzierenden Kolonien der Karibik, wo die Sklaverei zur Grundlage der Wirtschaft wurde, waren zunächst die wichtigsten und lukrativsten Kolonien Englands. Die nordamerikanischen Kolonien, die Tabak, Baumwolle, Reis, Holz und Pelze lieferten, waren finanziell gesehen weniger erfolgreich, boten aber gutes Landwirtschaftsland und lockten die meisten englischen Emigranten an.
Die amerikanischen Besitzungen Englands wurden durch Krieg und Kolonialisierung langsam erweitert. England eroberte 1664 die niederländische Kolonie Neu Amsterdam (heute New York). Auf der Suche nach immer mehr Landwirtschaftsland dehnten sich die Kolonien weiter nach Westen aus.
Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwischen England und Frankreich wurde auch in den Kolonien ausgetragen und dort als Franzosen- und Indianerkrieg bezeichnet. Zwischen 1758 und 1760 eroberten die Briten die wichtigsten französischen Stellungen in den heutigen USA und Kanada und siegten am 1759 in der entscheidenden Schlacht auf der Abraham-Ebene bei Québec. Frankreich akzeptierte 1760 den Verlust seiner Besitzungen in Nordamerika; das Louisiana-Territorium westlich des Mississippi zuzüglich New Orleans ging an Spanien, Kanada und das übrige Louisiana-Territorium an England.
Die Weigerung der Siedler in den dreizehn südlichen Kolonien, ohne angemessene Vertretung im Parlament Steuern an Großbritannien abzuliefern, führte zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und schließlich zur Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1783. Die Herrschaft der Briten beschränkte sich fortan auf Kanada.
Diese Periode wird manchmal als Ende des „Ersten Britischen Imperiums“ bezeichnet. Die Expansion in Nordamerika war zu Ende und Großbritannien dehnte sich nun in anderen Weltgegenden aus. Dies führte zur Bildung des „Zweiten Britischen Imperiums“ in Asien und Ozeanien, später auch in Afrika.
Die Besiedlung Australiens begann mit der Errichtung einer Sträflingskolonie auf dem Gebiet der heutigen Metropole Sydney. Die Auswanderung konzentrierte sich nun auf Australien und Neuseeland (im Besitz der Krone seit 1840). Die Urbevölkerung (Aborigines und Maori) wurde im Verlaufe eines Jahrhunderts durch Krieg und eingeschleppte Seuchen um 60 bis 70 % dezimiert. Die Kolonien erhielten später das Recht auf Selbstverwaltung und wurden wohlhabende Exporteure von Wolle und Gold.
Freier Handel und das „informelle Imperium“
Das alte britische Kolonialsystem näherte sich im 18. Jahrhundert seinem Ende. Während einer lang anhaltenden Dominanz der Whig-Partei in der Innenpolitik (1714–1762) spielte das Imperium eine untergeordnete Rolle und wurde kaum beachtet. Dies änderte sich nach der Niederlage im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg schlagartig, als Großbritannien seine meistbevölkerten Kolonien verlor. Dieser Verlust zeigte, dass Kolonien wirtschaftlich gesehen nicht immer gewinnbringend waren. Großbritannien konnte ja noch immer den Handel mit den Ex-Kolonien dominieren und musste nicht für deren Verteidigung und Verwaltung aufkommen.
Bis zu jenem Zeitpunkt war der Merkantilismus vorherrschend; eine Wirtschaftsform, in der jedes Land versuchte, möglichst mit eigenen Ressourcen einen Wirtschaftskreislauf aufzubauen. Dieser wurde nun durch die liberale Wirtschaftsordnung abgelöst, wie sie durch Adam Smith oder Richard Cobden propagiert wurde.
Die durch den Verlust der amerikanischen Kolonien gewonnene Einsicht, dass Handel auch ohne die Errichtung von Kolonien den Wohlstand mehren kann, führte zur Erweiterung der Selbstverwaltungsrechte der Kolonien in Kanada, Australien und Neuseeland. Die britischen und europäischen Einwohner wurden als Außenposten des Mutterlandes betrachtet.
Während dieser Periode verbot Großbritannien den Sklavenhandel (1807) und begann, dieses Prinzip anderen Nationen aufzuzwingen. Bis um die Mitte des Jahrhunderts hatte Großbritannien den Sklavenhandel weltweit fast zum Erliegen gebracht. In den britischen Kolonien selbst wurde die Sklaverei 1834 abgeschafft, doch in einigen Weltgegenden hielt sich diese Form der Unterdrückung bis 1920. Die Abschaffung der Sklaverei ging einher mit der Einführung des Freihandels. Der ungehinderte Zugang zum britischen Markt ließ den Wohlstand ansteigen, andere Länder folgten um die Mitte des 19. Jahrhunderts diesem Beispiel.
Pax Britannica
Die endgültige Niederlage Napoléon Bonapartes im Jahre 1815 führte dazu, dass Großbritannien die dominierende Weltmacht war. Während die Industrielle Revolution für die unangefochtene wirtschaftliche Vormachtstellung sorgte, kontrollierte die Royal Navy die Handelswege auf See. Da andere Mächte durch Konflikte in Europa gebunden waren, konnte Großbritannien sich auf den Handel konzentrieren und die Vormachtstellung noch weiter ausbauen. Großbritannien hatte zwar nur wenige Kolonien, bildete aber wegen des Freihandels und der strategischen Überlegenheit ein „informelles“ Imperium. Diese Zeitperiode der technischen und wirtschaftlichen Überlegenheit wird auch als Pax Britannica bezeichnet.
Die englische Sprache wurde zur wichtigsten Verkehrs- und Handelssprache, das britische Maßsystem und das britische Rechtssystem breiteten sich in der ganzen Welt aus. Als die Kolonien schließlich die Kapazität (aber nicht das Recht) hatten, selbst Handel zu treiben, führte dies zu Auseinandersetzungen mit der Zentralmacht und zum „Neuen Imperialismus“. Die Pax Britannica begann ihre Wirkung einzubüßen, als die durch den Wiener Kongress auferlegte Ordnung in Europa nach einem halben Jahrhundert ins Wanken geriet und neue Nationalstaaten wie Deutschland und Italien entstanden. Die Überlegenheit der britischen Industrie endete um 1870 mit der Industrialisierung Deutschlands und der USA.
Das Britische Imperium in Asien
Indien
Der Sieg von Truppen der Britischen Ostindien-Kompanie unter Robert Clive über den Herrscher von Bengalen bei Plassey im Jahre 1757 ermöglichte es den Briten, die Herrschaft über die wichtige indische Provinz Bengalen zu übernehmen. Doch eine Hungersnot im Jahre 1770, die durch die Enteignung der Einnahmen der Provinzregierung noch verschlimmert wurde, führte in Großbritannien zu heftiger Kritik. Die britische Regierung störte sich daran, dass eine Privatfirma so viel Einfluss ausüben konnte und erließ Gesetze, die die Aktivitäten der Kompanie in Indien einschränkten und die Rolle des Staates stärkten.
Bis 1818 dehnte die Kompagnie ihren Einfluss auf fast den gesamten indischen Subkontinent aus. Die lokalen Herrscher wurden gezwungen, die Vorherrschaft Großbritanniens anzuerkennen und wurden im Falle einer Weigerung abgesetzt. Einige Gebiete wurden direkt von den Briten verwaltet, in anderen Gebieten wiederum konnten die lokalen Machthaber weiterherrschen, wenn auch unter strenger Kontrolle. Nach der Niederschlagung der indischen Rebellion im Jahre 1857 wurden die Territorien der Kompagnie der Krone unterstellt. Königin Viktoria wurde 1876 zur Kaiserin von Indien proklamiert. Ceylon (das heutige Sri Lanka), Burma und Malaysia kamen ebenfalls unter die Herrschaft Großbritanniens.
China
Malaysia
Großbritannien begann im späten 18. Jahrhundert, sich für China zu interessieren und importierte von dort riesige Mengen Tee. Dies führte zu einem großen Handelsbilanzdefizit, das Großbritannien durch den Import von Opium aus Indien ausgleichen wollte. Die chinesischen Behörden waren gegen diese Art von Handel, was schließlich zum Ersten Opiumkrieg führte. Nach der vernichtenden Niederlage der Chinesen wurde 1841 an der Südküste Chinas die Kolonie Hongkong gegründet, um die Handelsaktivitäten der Kompagnie zu schützen.
Nach dem Opiumkrieg hielt Großbritannien eine komplexe Beziehung mit China aufrecht. Trotz der Annektierung Hongkongs lief der größte Teil des Handels über andere Hafenstädte, vor allem Shanghai. Großbritannien war an einem unabhängigen China interessiert, weil der Zusammenbruch des Reiches bloß zu territorialen Erweiterungen anderer westlicher Mächte geführt hätte. Andererseits war man daran interessiert, den chinesischen Staat zu schwächen, denn sonst hätte China die verschiedenen unter Zwang abgeschlossenen Verträge gekündigt oder neu ausgehandelt. Diese Interessen erklären die scheinbaren Widersprüche der britischen China-Politik. Einerseits unterstützte Großbritannien die Niederschlagung des Taiping-Aufstands, andererseits zettelte man (in einem Bündnis mit Frankreich) den Zweiten Opiumkrieg gegen die Qing-Dynastie an.
Niedergang der Pax Britannica
Da Großbritannien das erste industrialisierte Land der Welt war, konnten die Briten auf der ganzen Welt die Rohstoffmärkte sichern. Doch diese Vorherrschaft schwand im Verlaufe des 19. Jahrhunderts allmählich, als andere Großmächte ebenfalls begannen, die Industrialisierung voranzutreiben und auf Rohstoffe angewiesen waren. Um 1870 mussten sich die britischen Schlüsselindustrien erstmals mit ernstzunehmender ausländischer Konkurrenz auseinandersetzen.
Die Industrialisierung schritt in Deutschland und den USA rasch voran, und die Wirtschaftskraft dieser beiden Länder näherte sich jener Großbritanniens an. Die deutsche Textil- und Metallindustrie beispielsweise hatte um 1870 in den Bereichen Organisation und technische Effizienz die von Großbritannien übertroffen. Um die Jahrhundertwende sollte Großbritannien, die einstige „Werkstatt der Welt“, im großen Stil Waren aus Deutschland importieren.
Obwohl Großbritannien im Banken-, Versicherungs- und Schifffahrtswesen weiterhin dominierend war, sank sein Anteil am Welthandel von einem Viertel (1880) auf einen Sechstel (1913). Großbritannien verlor Marktanteile nicht nur in den neu industrialisierten Ländern, sondern auch in weniger weit entwickelten Staaten auf anderen Kontinenten. Sogar in Indien, China, Lateinamerika und an den Küsten Afrikas, wo der britische Handel einst unangefochten war, ging die Vormachtstellung verloren.
Die wirtschaftlichen Probleme Großbritanniens verschärften sich mit der „Langen Depression“, einer lang anhaltenden Rezessionsphase zwischen 1873 und 1896. Deflation und der schlechte Geschäftsgang vieler Unternehmen führten weitgehend zur Abschaffung des Freihandels in den europäischen Ländern (Deutschland 1879 und Frankreich 1881).
Die daraus folgende Beschränkung sowohl des Binnen- wie auch des Exportmarktes ließ bei Politik und Wirtschaft in Europa (und später in den USA) die Abschottung der Märkte als notwendig erachten. Die einheimischen Märkte wurden durch hohe Importzölle geschützt, die einzelnen Kolonien wurden stärker an die Heimmärkte gebunden und lieferten ihre Rohstoffe hauptsächlich an die jeweiligen Mutterländer.
Der neue Imperialismus
1881
Die europäische Kolonialpolitik und die dazugehörende Ideologie zwischen 1870 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 werden oft als Neuer Imperialismus bezeichnet. Diese Periode ist gekennzeichnet durch die Aufteilung der Welt unter den verschiedenen Großmächten, einen aggressiven Konkurrenzkampf bei der Bildung neuer Kolonien und das Aufkommen der Ideologie der rassischen Überlegenheit, die den beherrschten Völkern die Fähigkeit absprach, sich selbst zu verwalten.
Während dieser Zeit wurden die europäischen Kolonien um mehr als 23 Millionen km² erweitert. Da Afrika bis um 1880 weitgehend nicht besetzt gewesen war, wurde dieser Kontinent das Hauptziel der neuen imperialistischen Expansion der europäischen Großmächte. In Südostasien und an den ostasiatischen Küsten erweiterten vor allem die USA und Japan ihre Gebiete.
Der Einstieg Großbritanniens in dieses neue imperialistische Zeitalter lässt sich auf das Jahr 1875 festlegen. Damals kaufte die konservative Regierung Disraeli die Aktienanteile des ägyptischen Herrschers Ismail an der Sueskanal-Gesellschaft auf, um diesen strategisch wichtigen Handelsweg nach Indien zu sichern. Die gemeinsame britisch-französische Finanzkontrolle über Ägypten wurde mit der formellen Besetzung durch Großbritannien im Jahre 1882 beendet.
Die Angst vor der südlichen Expansion Russlands war ein weiterer Faktor der britischen Politik. 1878 wurde die Insel Zypern besetzt, als Reaktion auf eine russische Attacke auf das Osmanische Reich und den Krimkrieg von 1854 bis 1856. Auch Afghanistan wurde zeitweise besetzt, um dort den russischen Einfluss zurückzudrängen. Großbritannien führte in Afghanistan drei blutige und erfolglose Kriege gegen Aufständische und Heilige Krieger. Der erste britisch-afghanische Krieg endete mit einer der verheerendsten Niederlagen des viktorianischen Zeitalters, als die britische Armee 1842 beim Abzug aus Kabul durch paschtunische Stämme, die mit russischen Waffen ausgerüstet waren, fast vollständig ausgelöscht wurde. Der zweite britisch-afghanische Krieg führte 1880 zu einer verheerenden Niederlage bei Maiwand, der Belagerung Kabuls durch die Afghanen und dem britischen Rückzug nach Indien. Im dritten britisch-afghanischen Krieg von 1919 wurden die Briten endgültig vertrieben. Das „Great Game“ um die Vorherrschaft in Zentralasien endete mit einer blutigen, erfolglosen und völlig unnötigen britischen Invasion in Tibet in den Jahren 1903 und 1904.
Zur selben Zeit kamen mächtige Interessengruppen aus Wirtschaft und Politik zur Ansicht, dass die Bildung eines „formellen“ Imperiums nötig sei, um den Bedeutungsverlust in den Weltmärkten aufzuhalten. Vor allem Joseph Chamberlain setzte sich vehement dafür ein. Während der 1890er wurde der neue Imperialismus zur Leitidee der britischen Politik. Großbritannien übernahm bald darauf die Vorreiterrolle in der Aufteilung Afrikas. Der neue Imperialismus entstand also nicht aus einer Position der Stärke heraus, sondern war vielmehr eine Folge der Angst vor dem wirtschaftlichen Bedeutungsverlust.
Der Wettlauf um Afrika
1890er
Die wichtigsten europäischen Besitzungen in Afrika waren im Jahre 1875 Algerien und die Kapprovinz, der Rest des Kontinents bestand aus mehr oder weniger unabhängigen Reichen und Stammesgebieten. 1914 waren lediglich Äthiopien und Liberia formell unabhängig. Der Übergang vom „informellen“ Imperium (mit der Kontrolle der Handelswege und der technologischen Überlegenheit) zu einem „formellen“ Imperium erfolgte durch die Aufteilung Afrikas unter verschiedene europäische Staaten. Diesen Vorgang nannte man auch Wettlauf um Afrika (engl. Scramble for Africa).
Als die Aktivitäten Frankreichs, Belgiens und Portugals im Mündungsbereich des Kongo die Gefahr eines Krieges heraufbeschworen, wurden auf der Kongokonferenz in Berlin (1884–1885) Regeln für den Wettbewerb zwischen den einzelnen Nationen aufgestellt. Die „effektive Okkupation“ wurde als Kriterium für die internationale Anerkennung eines Anspruchs definiert; eine Formulierung, die regelmäßig als Vorwand für die Niederschlagung von Eingeborenen-Aufständen diente.
Die britische Besetzung Ägyptens im Jahre 1882 sicherte die Kontrolle über das Niltal und führte zur Eroberung des angrenzenden Sudan in den Jahren 1896 bis 1898 und zur Faschoda-Krise mit Frankreich im September 1898.
1899 begann Großbritannien mit der vollständigen Eroberung Südafrikas und der Unterwerfung der Afrikaaner-Republiken Transvaal und Oranje-Freistaat mit ihren reichen Goldvorkommen (Burenkrieg). Die Britische Südafrika-Kompanie hatte wenige Jahre zuvor bereits das Land nördlich davon besetzt und – nach ihrem Vorsitzenden Cecil Rhodes – „Rhodesien“ getauft.
Britische Eroberungen in Süd- und Ostafrika bewogen Rhodes und Alfred Milner (Hochkommissar für Südafrika) dazu, ein Reich vom „Kap nach Kairo“ anzustreben und eine transkontinentale Eisenbahn von Süd nach Nord zu bauen. Die deutsche Besetzung Tanganjikas verhinderte jedoch diese Pläne bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Gleichwohl wurde die transafrikanische Eisenbahn nur in Bruchstücken verwirklicht. Zwischen 1885 und 1914 nahm Großbritannien fast einen Drittel des afrikanischen Kontinents in Besitz. Die Briten hatten sich dabei auf besonders lukrativ erscheinende Kolonien konzentriert. Allein Nigeria hatte mehr Einwohner als Französisch-Westafrika oder alle deutschen Kolonien zusammen (etwa 15 Millionen).
Selbstverwaltung in den Siedlerkolonien
Die britischen Siedlerkolonien erhielten teilweise schon sehr früh den Status eines Dominions mit dem Recht auf Selbstverwaltung. Dazu gehörten Neufundland (1855), Kanada (1867), Australien (1901), Neuseeland (1907) und die Südafrikanische Union (1910). Die Führer dieser neuen Staaten trafen sich bei regelmäßigen Imperialkonferenzen mit britischen Politikern. Die erste solche Konferenz fand 1887 in London statt.
Die Dominions waren relativ selbständig, doch die Außenpolitik war allein Sache Großbritanniens. Als Außenminister fungierten dabei die von der britischen Regierung ernannten Generalgouverneure und Hochkommissare. Britisches Recht galt uneingeschränkt in allen Dominions. Als Großbritannien 1914 dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, galt diese Maßnahme auch für die Dominions. Doch die Dominions durften durchaus Beziehungen mit anderen Ländern unterhalten, solange dies nicht den britischen Interessen widersprach.
Auswirkungen des Ersten Weltkriegs
Hochkommissar
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erfolgte die letzte große Expansion der britischen Herrschaft, als Großbritannien im Auftrag des Völkerbunds die Mandatsgebiete Palästina und Irak übernahm, daneben auch die ehemals deutschen Kolonien Tanganjika, Namibia und Neuguinea (die beiden letztgenannten wurden freilich von Südafrika resp. Australien verwaltet). Die britische Besatzungszone im Rheinland zählte nicht zum Imperium.
Doch obwohl Großbritannien den Krieg gewonnen hatte und die Herrschaft auf neue Gebiete ausdehnen konnte, unterminierten die hohen Kriegskosten die Fähigkeit, das riesige Imperium zu verwalten. Großbritannien hatte Millionen von Opfern zu beklagen und musste in rascher Folge Vermögenswerte abstoßen. Dies führte zu einem hohen Budgetdefizit und zu Personalknappheit in den weit entfernten asiatischen und afrikanischen Kolonien. Der Nationalismus breitete sich in den Kolonien aus, verstärkt durch den Stolz, den Krieg gewonnen zu haben, und durch den Rassismus, den nichtweiße Soldaten während ihres Dienstes für das Imperium erfahren hatten.
In den 1920ern änderte sich der Status der Dominions. Obwohl keines der Dominions 1914 bei der Kriegserklärung mitentscheiden durfte, war jedes einzelne ein Unterzeichnerstaat des Versailler Vertrages von 1919, was ein Zeichen für die größer werdende Unabhängigkeit war. Die Abneigung der Dominions, 1922 einen Feldzug gegen die Türkei zu unterstützen, führte zu Verhandlungen über einen neuen Status. Die vollständige Unabhängigkeit der Dominions wurde 1926 im Balfour-Bericht formuliert und 1931 im Statut von Westminster bestätigt. Die Dominions waren nun frei von legislativen Einflüssen Großbritanniens und in der Außenpolitik autonom.
Irland wurde 1921 nach einem blutigen Bürgerkrieg selbständig und löste 1937 die letzte verfassungsmäßige Bindung zu Großbritannien. Mit der Wahl eines Präsidenten wurde der englische Monarch als Staatsoberhaupt abgelöst. 1949 erfolgten der Austritt aus dem Commonwealth of Nations und die Gründung der Republik Irland. Ägypten, seit 1922 formell unabhängig, ging den gleichen Weg (das Land war bis 1936 durch einen Bündnisvertrag mit dem Imperium verbunden und bis 1956 teilweise militärisch besetzt).
Entkolonialisierung
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden in den einzelnen Kolonien Unabhängigkeitsbewegungen. Zuerst verlangte Indien die Unabhängigkeit, dann auch andere Territorien in Asien und Afrika. Nach einigen katastrophalen Versuchen, diese Regungen zu unterdrücken, akzeptierte man die Wünsche der Untertanen, was zur Transformation des Imperiums zum heutigen Commonwealth of Nations führte.
Die Kriegserklärung von 1939 an Deutschland galt aufgrund des Statuts von Westminster nicht mehr automatisch auch für die Dominions. Hierbei bildeten Australien und Neuseeland eine Ausnahme, da beide Staaten es vorgezogen hatten, das Westminster-Statut noch nicht umzusetzen (was schließlich 1942 bzw. 1947 nachgeholt wurde). Die anderen Dominions erklärten den Krieg selbständig. Irland, das damals noch zum Commonwealth gehörte, hatte ein Jahr zuvor den Abzug sämtlicher britischer Truppen durchgesetzt und blieb während des gesamten Krieges neutral.
Der Zweite Weltkrieg untergrub die schon geschwächte Position der Wirtschaftsmacht Großbritannien noch weiter und erhöhte die Bedeutung der Dominions und der USA als militärische Bündnispartner. Als der australische Premierminister John Curtin 1942 unerwartet die Truppen zurückzog, die eigentlich für die Verteidigung Burmas vorgesehen waren, war klar, dass man von den Dominions nicht mehr verlangen konnte, ihre nationalen Interessen denjenigen des Imperiums unterzuordnen.
Großbritannien litt unter den Folgen des Krieges und die ehemaligen Verbündeten waren nicht mehr bereit, den Kolonialstatus weiterhin zu akzeptieren. Eine Wirtschaftskrise im Jahre 1947 zwang die Labour-Regierung unter Clement Attlee dazu, jegliche Versuche aufzugeben, sich wieder als Supermacht zu etablieren und die militärische und wirtschaftliche Überlegenheit der USA anzuerkennen.
In der Karibik, Afrika, Asien und im Pazifik geschah die Entkolonialisierung angesichts der zunehmend blutigen Unabhängigkeitsbewegungen mit schon beinah übertriebener Hast. Großbritannien wehrte sich kaum gegen die Auflösung des Imperiums. Diese Schwäche wurde 1956 schonungslos aufgedeckt, als die USA sich gegen die anglofranzösische Intervention während der Sueskrise wandte und dieses Unterfangen als Abenteuer betrachtete, das die amerikanischen Interessen im Nahen Osten gefährdete.
Sueskrise
Die Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947 beendete eine 40-jährige Auseinandersetzung mit der Kongresspartei unter der Führung Mahatma Gandhis, zuerst um Selbstverwaltung, später um volle Unabhängigkeit. Der Konflikt um die Teilung des Landes in Indien und Pakistan führte zu Hunderttausenden von Toten. Indien erklärte sich 1949 zwar zur Republik, blieb aber Mitglied des Commonwealth.
Burma erlangte die Unabhängigkeit 1948 (jedoch außerhalb des Commonwealth), Ceylon ebenfalls 1948 und Malaysia 1957. Das britische Mandat in Palästina endete 1948, nach einem blutigen Krieg zwischen Juden und Arabern wurde der Staat Israel gegründet. Zypern wurde 1960 nach einem Aufstand der griechischstämmigen Bevölkerung unabhängig.
Das Ende des Britischen Imperiums in Afrika kam außerordentlich rasch. So rasch, dass die neuen Staaten oft nicht in der Lage waren, mit den Problemen der Unabhängigkeit fertig zu werden. Zuerst wurde Ghana unabhängig (1957), danach Nigeria (1960), Sierra Leone und Tanganjika (1961), Uganda (1962), Kenia und Sansibar (1963), Gambia (1965), Botswana und Lesotho (1966) sowie Swaziland (1968).
Der Rückzug Großbritanniens aus den südlichen und östlichen Teilen Afrikas wurde durch die relativ große Anzahl weißer Siedler verkompliziert. Kenia litt unter der Mau-Mau-Rebellion, die sich an der Frage des Landbesitzes entzündet hatte und sich zu einem großen Stammeskrieg ausweitete. Die weiße Minderheit in Südafrika unterdrückte die schwarze Bevölkerungsmehrheit bis 1994 mit dem Apartheid-System. Die weiße Minderheit in Rhodesien erklärte 1964 lieber selbst die Unabhängigkeit, als sich einer schwarzen Herrschaft zu unterwerfen. Das rhodesische Regime hielt sich bis 1979, als die Übergabe der Macht an die Schwarzen und die Bildung von Simbabwe vereinbart wurde.
Die meisten karibischen Territorien entschlossen sich zur Unabhängigkeit, nachdem die Westindische Föderation gescheitert war. Zuerst wurden Jamaika sowie Trinidad und Tobago unabhängig (1962), danach folgten Barbados (1966) sowie die kleinen Inseln in der östlichen Karibik. Die Entwicklung im Pazifik verlief ähnlich. 1997 lief der 99-jährige Pachtvertrag für die New Territories ab und ganz Hongkong wurde an die Volksrepublik China zurückgegeben.
Siehe auch: Britische Kolonie, Britische Überseegebiete, Commonwealth of Nations
Literatur
- Claudia Schnurmann: Vom Inselreich zur Weltmacht. Kohlhammer 2001, ISBN 317016192X (Entwicklung des britischen Weltreichs vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert)
- Brian Moynahan und Wieland Giebel: Das Jahrhundert Englands. Goldmann 2002, ISBN 3442151449 (Geschichte des britischen Königreichs im 20. Jahrhundert)
- Edward Allhusen: British Empire Throughout the World 1905. Old House Books 2004, ISBN 1873590032 (Nachdruck einer Karte des Britischen Imperiums von 1905, mit einer Kurzbeschreibung aller Kolonien)
Weblinks
- [http://www.britishempire.co.uk The British Empire]
- [http://www.empiremuseum.co.uk British Empire & Commonwealth Museum in Bristol]
Empire
Empire
Grossbritannien
ja:大英帝国
ko:대영 제국
London
London (engl.: []) ist die Hauptstadt des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und liegt an der Themse in Südostengland auf der Insel Großbritannien. In der Stadt leben 7.385.575 Menschen, davon etwa 2,7 Millionen in den zwölf Stadtbezirken von Inner London, in der Agglomeration 10.645.800(Stand jeweils 10. Juni 2005). Das heutige Verwaltungsgebiet mit den Stadtbezirken entstand am 1. April 1965 mit der Gründung von Greater London.
London ist eines der wichtigsten Kultur-, Finanz- und Handelszentren der Welt. In der Stadt befinden sich zahlreiche Universitäten, Hochschulen, Theater, Museen und Baudenkmäler. Das Stadtgebiet von Greater London, welches in Inner- und Outer London unterteilt ist, gliedert sich in die City of London und weitere insgesamt 32 Stadtbezirke ("London boroughs"), darunter auch die City of Westminster. London ist auch UN-Stadt (IMO).
Geografie
Geografische Lage
IMO
London erstreckt sich etwa 40 Kilometer entlang der schiffbaren Themse und liegt durchschnittlich 62 Meter über dem Meeresspiegel. London entstand aus einer Siedlung am Nordufer, der heutigen City of London. Die London Bridge war während vieler Jahrhunderte die einzige Brücke über den Fluss.
Aus diesem Grund befindet sich der größere Teil der Stadt nördlich des Flusses. Mit dem Bau weiterer Brücken im 18. Jahrhundert und dem Bau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert begann sich die Stadt in alle Richtungen auszudehnen. Die Landschaft ist flach bis leicht wellig, wodurch das ungehinderte Wachstum begünstigt wurde.
Die Themse war in früheren Zeiten wesentlich breiter und seichter als heute. Sie wird heute fast gänzlich durch Dämme begrenzt und die meisten Zuflüsse fließen unterirdisch. Die Gezeiten der Nordsee machen sich in London noch deutlich bemerkbar, die Stadt ist deshalb durch Überschwemmungen und Sturmfluten gefährdet. Bei Woolwich (östlich von Greenwich gelegen), wurde in den 1970er Jahren der Thames Barrier gebaut, um diese Gefahr einzudämmen.
Die geografischen Koordinaten des Stadtzentrums (in der Nähe des Trafalgar Square) sind 51,30 Grad nördlicher Breite und 0,08 Grad westlicher Länge. Durch das königliche Observatorium (Royal Observatory) in Greenwich wurde der bekannte Nullmeridian gelegt. Er ist Ausgangspunkt der Längengrade und damit auch der Zeitzonen.
Klima
Zeitzone
London befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die Sommer sind warm aber selten heiß; die Winter sind zwar kühl, doch sinkt die Temperatur selten unter den Gefrierpunkt. Der wärmste Monat ist Juli mit 16,3° Celsius im Durchschnitt, der kälteste Januar mit 3,9° Celsius im Mittel. Die höchste jemals in London gemessene Temperatur war 37,9° Celsius, gemessen während der Hitzewelle 2003. Die große überbaute Fläche hält die Wärme zurück und schafft dadurch ein Mikroklima. Manchmal ist es in der Stadt bis zu fünf Grad wärmer als in der umliegenden Landschaft.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 9,7 Grad Celsius und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 753 Millimeter. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Dezember mit durchschnittlich 80 Millimeter und der wenigste im Juli mit 44 Millimeter im Mittel. Schnee fällt eher selten, höchstens einige Zentimeter pro Jahr. Ereignisse wie die Schneekatastrophe von 1978, als London geradezu im Schnee versank, sind eine Seltenheit. Keine Seltenheit sind dagegen Inversionswetterlagen. Eine davon führte 1952 zu einer großen Smog-Katastrophe.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Londons
Geschichte Londons, im Vordergrund Parliament Square, im Hintergrund das Riesenrad "London Eye"]]
Auf dem heutigen Stadtgebiet stand einst eine unbedeutende keltische Siedlung. Etwa um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde sie von den Römern eingenommen und "Londinium" getauft. Die römischen Siedler bauten eine Brücke über die Themse und nutzten das Lager für die Verschiffung von Mineralien und landwirtschaftlichen Produkten. Unter Kaiser Septimius Severus (146-211) entwickelte sich Londinium schnell zum Handelszentrum der römischen Provinz "Britannia superior". Im Jahre 61 n. Chr. zerstörten die Briten, angeführt von Königin Boudicca (30-61), die Siedlung.
Nach deren Wiederaufbau wurden im 2. Jahrhundert n. Chr. schützende Wallanlagen um die Stadt errichtet. Dennoch büßte sie ihre bedeutende Rolle nach dem Abzug der Römer im Jahre 410 und während der Eroberung Britanniens durch die Angeln und Sachsen vorübergehend ein. Während der Herrschaft der Dänen verwaisten weite Teile Londons. Im Jahre 886 nahmen die Sachsen unter der Führung von König Alfred dem Großen (848-899) die Stadt ein, die seit dem 7. Jahrhundert unter dem Namen "Lundenevic" Hauptstadt der Könige von Essex war.
1066 nahmen die Normannen die Stadt ein. Wilhelm I. (1027-1087) ließ sich nach der siegreichen Schlacht von Hastings als erster König in der Westminster Abbey krönen und bestätigte die besonderen Rechte Londons. In der Folgezeit strebte die Stadt wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit an. Im Jahre 1192 wählten die Einwohner ihr erstes eigenes Stadtoberhaupt, ab 1351 auch einen eigenen Stadtrat. Bis Ende des 14. Jahrhunderts durfte der regierende Monarch das freie und selbstverwaltete London nur mit einer gesonderten Genehmigung betreten. Die Entwicklung der Stadt lag überwiegend in den Händen einer Oberschicht von Kaufleuten, die den englischen Außenhandel als Mitglieder der Hanse (Stalhof) ausbauten.
London musste in seiner wechselvollen Geschichte viele Rückschläge hinnehmen. Nachdem im 16. Jahrhundert die Gründung der ersten großen Handelskompanien und der ersten Warenbörse (1570) den wirtschaftlichen Aufstieg vorangetrieben hatte, wurde die Stadt 1664 und 1665 von einer verheerenden Pestwelle ("Great Plague") heimgesucht, die über 70.000 Menschenleben forderte. Im September 1666 verwüstete eine Feuerkatastrophe große Teile der Altstadt. Etwa 13.000 Häuser und 89 Kirchen fielen den Flammen zum Opfer. Nach dem "Großen Brand von London" wurde London in erster Linie nach Entwürfen des Architekten Sir Christopher Wren (1632-1723) wiederaufgebaut. Das Stadtgebiet entwickelte sich weiter nach Westen - in Richtung der Gemeinden Kensington und Chelsea. In den Bezirken am westlichen Stadtrand von London entstanden in der Folgezeit große Plätze, wie die in "Berkeley", "Grosvenor" und "Hanover". Zudem wurden Wasserversorgungsanlagen und Abwassersysteme installiert und die Straßen gepflastert.
1723]
Zwischen 1675 und 1711 schuf Christopher Wren sein Hauptwerk, die "St. Paul's Cathedral" mit ihrer 110 Meter hohen Kuppel. Ende des 17. Jahrhunderts wurde auch Soho mit seinem rechtwinkligen Straßennetz und dem "Soho Square" angelegt. Ein weiteres städtisches Viertel entstand in Westminster. Während des 19. Jahrhunderts wuchs London rapide und errang während des viktorianischen Zeitalters große Bedeutung als Hauptstadt des British Empires. 1851 ist London laut Volkszählung mit 2.651.939 Einwohnern die größte Stadt Europas und das Zentrum der industrialisierten Welt. Hier findet die erste Weltausstellung statt.
Während des 2. Weltkrieges, vor allem 1940 und 1941 erlitt London, wie viele andere britische Städte auch, durch Angriffe der deutschen Luftwaffe schwere Verwüstungen. Diese Bombardements gingen mit dem Namen "the blitz" in die Geschichte der Stadt ein. London war gerade deshalb ein so "beliebtes" Ziel, weil die Stadt stark industrialisiert war und die Moral der Bevölkerung gebrochen werden sollte. Die zerstörten Gebäude wurden nach dem Krieg durch moderne Bauten ersetzt.
Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 galt auch London, vor allem wegen des Einsatzes britischer Truppen an der Seite der US-Army im Irak, als Ziel möglicher Anschläge islamistischer Terroristen. Am 7. Juli 2005 kam es in der britischen Hauptstadt schließlich zu vier Bombenanschlägen in drei U-Bahn-Zügen und einem Bus. Die Polizei und die englische Regierung gingen davon aus, dass die Täter aller Wahrscheinlichkeit nach dem Umkreis der islamistischen Terror-Organisation Al-Qaida zuzurechnen sind und britische Staatsbürger mit pakistanischen Wurzeln waren ("Homegrown terrorists"). Die Anschläge forderten 56 Todesopfer und mehr als 700 Verletzte.
Einwohnerentwicklung
London war von 1825 bis 1925 die bevölkerungsreichste Stadt der Welt, bis sie von New York überholt wurde. Bei der Volkszählung im Jahre 2001 wurden 7.172.036 Einwohner gezählt. London ist traditionellerweise ein Anziehungspunkt für verschiedene Kulturen und Religionen. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts hauptsächlich Iren, Polen, Italiener und osteuropäische Juden nach London kamen, sind seit circa 1950 vor allem Menschen aus ehemaligen britischen Kolonien, beispielsweise Indien, Pakistan und Bangladesch, eingewandert.
Heute stammen etwa zehn Prozent der Bevölkerung vom indischen Subkontinent und etwa fünf Prozent aus der Karibik, ein Prozent sind chinesischer Abstammung. 1,6 Millionen Einwohner sind Muslime. Insgesamt wurden 25,874 Prozent der Bevölkerung außerhalb der Europäischen Union geboren. Das Ballungsgebiet von London dehnt sich über das eigentliche Stadtgebiet von Greater London hinaus und zählt 12,6 Millionen Einwohner. Dies sind mehr als in Schottland, Wales und Nordirland zusammen. London ist damit der zweitgrößte Ballungsraum Europas und einer der größten in der Welt.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1750 handelt es sich um Schätzungen, von 1801 bis 2001 um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Berechnung.
Nordirland
Politik und Verwaltung
Nordirland
Im Jahre 1965 erfolgte die Gründung der Verwaltungsregion Greater London, ein Zusammenschluss der alten County of London mit Middlesex sowie Teilen der Grafschaften Essex, Hertfordshire, Kent und Surrey. Greater London ist unterteilt in 32 London Boroughs und die City of London. Die Boroughs sind für die lokale Selbstverwaltung und den Betrieb der meisten öffentlichen Einrichtungen auf ihrem Gebiet zuständig. Die City of London wird historisch bedingt von der Corporation of London verwaltet.
Die Greater London Authority (GLA) koordiniert die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Boroughs, ist für die strategische Planung zuständig und betreibt öffentliche Einrichtungen, die in der ganzen Stadt tätig sind; dazu gehören die Feuerwehr, die Polizei und der öffentliche Verkehr. Die GLA besteht aus dem Mayor of London (Oberbürgermeister) und der London Assembly (Stadtparlament mit 25 Sitzen), die beide ihren Sitz in der City Hall haben. Der aktuelle Mayor of London ist Ken Livingstone. Nachdem er im Jahre 2000 gegen den offiziellen Labour-Kandidaten angetreten war, wurde er aus der Partei ausgeschlossen, dann allerdings 2004 wieder aufgenommen und im Amt bestätigt. Der Lord Mayor of London, der Bürgermeister der City of London, übt lediglich zeremonielle Funktionen aus.
Frühere Verwaltungsbehörden waren die Metropolitan Board of Works (MBW) von 1855 bis 1889, der London County Council (LCC von 1889 bis 1965 und der Greater London Council (GLC) von 1965 bis 1986. Der GLC wurde von Premierministerin Margaret Thatcher aufgelöst, nach politischen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und dem GLC-Vorsitzenden Ken Livingstone. 14 Jahren besass London keine übergeordnete Verwaltung; die meisten Aufgaben wurden an die Boroughs übertragen, einzelne direkt an die Zentralregierung. Diese Maßnahme führte zu großen Koordinationsproblemen. Auch nach der Einsetzung der GLA im Jahr 2000 besitzen die Boroughs eine größere Autonomie als noch zu Zeiten der GLC.
Die Polizeibehörde der 32 London Boroughs ist der Metropolitan Police Service, besser bekannt unter dem Namen Metropolitan Police oder kurz als "the Met". Die City of London besitzt eine eigene Polizeibehörde, die City of London Police.
Stadtbezirke
Nachfolgend sind die Stadtbezirke von London (London Boroughs) aufgeführt. In Klammern die Einwohnerzahl (Stand: UK Census, 2001).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
City of London Police
Das National Theatre der National Theatre Company in South Bank und das Barbican Arts Centre der Royal Shakespeare Company gehören zu den vielen Zentren des professionellen Theaterschauspiels . Das Royal Court Theatre, eine der traditionsreichsten Bühnen in London, ist im Februar 2000 nach vier Jahren Umbauzeit wieder eröffnet worden.
Das Royal Opera House in Covent Garden und das Coliseum, in dem die English National Opera Company untergebracht ist, sind die beiden berühmtesten Opernhäuser. Konzerthäuser sind die Barbican, die Royal Festival Hall und die Saint John’s Church in Westminster. Der beliebteste Konzertsaal liegt in der Wigmore Hall hinter der Oxford Street. Im Juni 2002 sind nach umfangreichen Renovierungsarbeiten Teile des 1988 im heutigen Finanzviertel entdeckten römischen Amphitheaters der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.
London bietet eine breite Palette an kulturellen Veranstaltungen. Im Londoner Westend sind mehr als ein Dutzend Theater zu Hause. Gespielt wird alles von der Klassik bis zur Moderne.
Dort wurde unter anderem Andrew LLoyd Webbers weltberühmtes Musical Cats uraufgeführt. Das Globe Theatre ist eine Rekonstruktion des Freiluftschauspielhauses, das 1599 entworfen wurde. Für dieses Theater schrieb Shakespeare viele seiner größten Stücke. Die Spielzeit läuft von einem Mai bis September mit Produktionen von Shakespeare, seinen Zeitgenossen und von modernen Autoren.
The London Palladium ist das wohl berühmteste Londoner Theater. In den 1950er Jahren wurde die, in England, populäre Varieté Show „Sunday Night at the London Palladium“ live im Fernsehen ausgestrahlt. Das Royal Opera House, („Königliches Opern Haus“) in Covent Garden ist eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt. Es ist außerdem die Heimat des Royal Ballet. Weitere bekannte Theater sind das Theatre Royal Haymarket und das Theatre Royal Drury Lane.
Am Trafalgar Square befindet sich die Kirche St. Martin-in-the-Fields. Sie wurde in den Jahren 1721 bis 1726 nach den Plänen des Architekten James Gibbs gebaut. In der Kirche finden häufig Konzerte statt; zu den dort auftretenden Orchestern zählen unter anderem die Academy of St. Martin in the Fields und New Trinity Baroque aus den USA. In der Krypta wurde ein Café eingerichtet, in dem manchmal Jazz-Gruppen auftreten. Die Pfarrei beherbergt auch einen der berühmtesten Kirchenchöre der Welt.
London beheimatet fünf professionelle Symphonieorchester. Diese sind das London Symphony Orchestra, das London Philharmonic Orchestra, das Royal Philharmonic Orchestra, die Philharmonia und das BBC Symphony Orchestra. Der Höhepunkt eines jeden Jahres ist die von der BBC weltweit übertragene “Last Night of the Proms“ aus der Royal Albert Hall.
Museen
Royal Albert Hall
Royal Albert Hall
Zu den größten und bekanntesten Museen weltweit zählt das British Museum in Bloomsbury. In ihm befinden sich über sechs Millionen Ausstellungsstücke. Dort kann man sich Sammlungen mit ägyptischen und klassischen Antiquitäten, Schätze aus dem Reich der Sachsen, aber auch zeitgenössischen Artefakte ansehen. Berühmt ist auch der Reading Room, ein kreisrunder Lesesaal, in dem schon Mahatma Gandhi und Karl Marx studierten. Rechtzeitig zum Millennium ist der Queen Elizabeth II Great Court festiggestellt worden. Es ist der größte überdachte Innenhof Europas.
Das Victoria and Albert Museum im Stadtteil South Kensington verfügt über eine Sammlung von Kunstschätzen aus aller Welt, darunter Skulpturen, Kleidung und Kostüme, kostbare Porzellan- und Glasgefäße, Möbelstücke und Musikinstrumente. Nahe befinden sich das Science Museum London und die Museen für Geologie und Naturgeschichte auch Naturhistorisches Museum (Natural History Museum). Auf der anderen Seite der Stadt, direkt in der City, liegt das Museum of London, dessen Ausstellungen die Entwicklung Londons von seinen Anfängen bis zum heutigen Tag zeigt.
Die National Gallery am Trafalgar Square besitzt eine vielfältige Gemäldesammlung, die von den frühen Anfängen in Italien bis hin zu Werken von Cézanne und Seurat reicht. Nebenan ist die National-Portrait-Galerie, in der über 9.000 Porträts ausgestellt sind. Im Jahre 1897 ist die Tate Gallery auf der Uferstraße zwischen Chelsea und Westminster eröffnet worden. Sie umfasst die größte Sammlung britischer Gemälde vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Gegenüber der Saint Paul’s Cathedral ist im Juni 2000 die Tate Modern, ein Ableger der Tate Gallery, eröffnet worden.
Weitere bekannte Mussen und Ausstellungen sind Madame Tussaud's Waxworks, das National History Museum, die Cabinet War Rooms, das Medievel Archery Museum, das Imperial War Museum, Somerset House und in der Baker Street 221B das Sherlock Holmes Museum.
Bauwerke
Somerset House
Somerset House
Am westlichen Ende von London steht die Saint Paul's Cathedral und am nördlichen Ufer der Themse befindet sich der Tower von London, eine Festung der Normannen, die von Wilhelm dem Eroberer zur Verteidigung seiner neuen Ländereien Ende des 11. Jahrhunderts angelegt wurde. Die in der Nähe gelegene Tower Bridge zählt zu den Wahrzeichen von London.
Westlich davon verläuft die London Bridge; sie ist an Stelle der einzigen Brücke errichtet worden, die bis Ende des 18. Jahrhunderts die Themse in der Stadt überquerte. Bekanntester Turm in London ist der 98 Meter hohe Glockenturm, in dem sich Big Ben befindet, die 13. Glocke, die die Stunde schlägt. Er ist ein Teil des Palace of Westminster, dem Sitz des Parlaments. Am nördlichen Ufer der Themse findet man die Docklands, zu denen auch Canary Wharf mit dem Wolkenkratzer 1 Canada Square gehört.
Die altertümlichen Inns of Court, der Gerichtsbezirk, in dem sich viele Anwälte und Rechtsberatungsfirmen niedergelassen haben liegen im Westen und Nordwesten der City. Die Fleet Street, früher einmal Sitz der britischen Landespresseagentur, die heute in andere Teile der Stadt umgezogen ist, befindet sich im Westen der City. Den Stadtteil Bloomsbury, den eine berühmte Gruppe literarischer Intellektueller aus den 1920er Jahren dank seiner Nähe zur Universität in London und dem British Museum zu ihren Lieblingsplatz auserkoren hatte, kann man im Nordwesten besuchen.
Im Süden von West End liegt der Verwaltungsbezirk Londons, der Regierungsbezirk mit der Whitehall, dem Parlamentssitz (offizieller Name: Palace of Westminster), der St James's Palace (Wohnsitz des Prince of Wales) sowie der Buckingham Palace mit dem Ritual der Wachablösung, die Residenz der Königin in London. Die Stadtbezirke Knightsbridge und Kensington, beides äußerst elegante Wohnviertel besitzen vielen Sehenswürdigkeiten, darunter das Warenhaus von Harrods und die Royal Albert Hall.
Der Palast des Erzbischofs von Canterbury (Lambeth Palace) befindet sich im Süden von West End, am anderen Flussufer und in dessen Nähe der South Bank Arts Complex, zu dem auch die Royal Festival Hall gehört. Ganz in der Nähe liegen weitere Wohngebiete, die eng mit der Geschichte verknüpft sind, wie unter anderem Clapham, Dulwich, Greenwich und Wimbledon. Letzteres ist eine der ältesten Siedlungen der Stadt und Greenwich ist Namensgeber für die Greenwich Mean Time. Sie war früher die Hauptuhrzeit, von der die Uhrzeiten in der gesamten Welt berechnet wurden.
In Wandsworth befindet sich eines der markantesten und zugleich umstrittensten Wahrzeichen Londons, die Battersea Power Station. Das 1939 in Betrieb genommene Kraftwerk wurde durch das Pink Floyd-Album Animals weltberühmt und soll nun umfangreich restauriert werden.
Im Januar 2000 erregte die Eröffnung des London Eye-Riesenrades großes Aufsehen. Die Anlage, die mit einer Höhe von 137 Metern das höchste Riesenrad der Welt ist, sollte bereits zum Jahreswechsel fertig gestellt werden. Aufgrund von Sicherheitsmängeln ist das 35 Millionen Pfund Sterling teure Riesenrad aber erst einige Wochen später in Betrieb genommen worden.
Kurz nach dem Bau des Eiffelturms wollte man auch in London einen ähnlichen Turm bauen, den sogenannten Watkins Tower. Allerdings blieb er ein Turmstumpf, der 1907 abgerissen wurde. Der 1950 errichtete Crystal Palace Tower, ein 222 Meter hoher Sendeturm ohne Aussichtsplattform trägt wegen seiner Bauweise den Spitznamen "Londoner Eiffelturm".
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Abbey Road Studios, der Kensington Palace, der Stadtbezirk Covent Garden, der Sitz des Premierministers in Downing Street No. 10, Hampton Court Palace, das Riesenrad London Eye, der Platz Piccadilly Circus, der Stadtteil Soho mit seiner Chinatown, die Temple Church, Westminster Abbey sowie Carnaby Street und Whitehall.
Parks
Whitehall
London besitzt eine große Anzahl von luxuriösen Grünanlagen. Über 200 Parkanlagen breiten sich auf rund 220 Quadratkilometern aus. Die Royal Parks waren einst den englischen bzw. britischen Monarchen vorbehalten und wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts in öffentlich zugängliche Parkanlagen umgewandelt.
Der bekannteste der "Royal Parks" ist der Hyde Park mit der Marble Arch und dem Speakers' Corner, der an die Kensington Gardens angrenzt, ist früher als die „Lunge Londons” bezeichnet worden. Von eleganten Wohngebäuden umgeben, die für den Prinzregenten entworfen wurden, ist der Regent's Park im Norden des West End. Dieser Park umfasst gleichzeitig auch den zoologischen Garten (London Zoo). Mitten im Stadtzentrum befinden sich der Green Park und der St. James's Park.
Im Januar 2001 ist der Thames Barrier Park fertig gestellt worden; die Anlage entstand bei den Stauwerken der Themse (Thames Barrier) auf alten Dockanlagen. In den äußeren Stadtbezirken von London befinden sich noch einige weitere ausgedehnte Grünflächen, wie der Greenwich Park, Richmond Park, Bushy Park, Hampstead Heath und die Kew Gardens.
Weltkulturerbestätten
Kew Gardens
Die UNESCO hat insgesamt vier Bauwerke bzw. bauliche Ensembles in London zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Diese sind:
- Das Ensemble bestehend aus Palace of Westminster, Westminster Abbey und St. Margaret's Church (1987)
- Tower of London (1988)
- Greenwich Park mit Queens's House, Royal Greenwich Observatory und Royal Naval College (1997)
- Royal Botanic Gardens (2003)
Sport
In London gibt es 13 professionelle Fußballklubs; die meisten sind nach dem Stadtteil benannt, in dem sie ihre Heimspiele austragen. In der Premier League sind folgende Mannschaften vertreten: Arsenal, Charlton Athletic, Chelsea, Fulham, Tottenham Hotspur und West Ham United. In der Football League Championship, der zweithöchsten Spielklasse, spielen Crystal Palace, Millwall und Queens Park Rangers. Im legendären Wembley-Stadion fanden die Endspiele der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 und der Fußball-Europameisterschaft 1996 statt.
Sehr beliebt in London ist Cricket. Die Mannschaft des Middlesex County Cricket Club spielt in Lord's, dem berühmtesten Cricketstadion der Welt, welches dem Marylebone Cricket Club gehört, die Mannschaft des Surrey County Cricket Club im Stadion The Oval.
In Wimbledon findet jeweils im Juni das wichtigste der Grand Slam-Tennisturniere statt. Im Twickenham-Stadion finden nationale und internationale Rugby-Spiele statt. Im April wird jeweils der London Marathon durchgeführt, einer der beliebtesten Marathonläufe der Welt überhaupt.
Mit der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2012 an die britische Hauptstadt ist London die erste Stadt, welche zum dritten Mal - nach 1908 und 1948 - Austragungsort der Spiele sein wird.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
1948
1948]
In London haben die produzierenden Industriezweige seit vielen Jahren an Bedeutung verloren. Gegenwärtig sind lediglich noch 10 Prozent der Arbeitnehmer in diesem Sektor beschäftigt. Die Druck- und Verlagsindustrie schreibt noch die besten Umsatzzahlen. Sie stellt ein Viertel der oben genannten Arbeitsplätze und hat einen Anteil von einem Drittel an der gesamten Produktion in London.
Die High-Tech-Industrie, die auf elektronische und pharmazeutische Erzeugnisse spezialisiert ist, arbeitet erfolgreich mit hohen Umsätzen. Viele der Industriebetriebe, die sich überwiegend in den äußeren Stadtbezirken befinden, tendieren dazu, sich völlig aus London zurückzuziehen. Im Sektor der Leichtindustrie sind Bekleidungswerke und Brauereien vertreten.
Über den Hafen von London werden im Gegensatz zu früher nur noch zehn Prozent des Binnen- und Außenhandels Großbritanniens abgewickelt. Seit 1971 ist die wirtschaftliche Wachstumsrate der Stadt mit 1,4 Prozent geringer als die des gesamten Landes in einer Höhe von 1,9 Prozent. Trotzdem weist London eine positive Handelsbilanz auf, was überwiegend auf den Dienstleistungssektor – insbesondere die Bereiche Finanzdienstleistungen und Tourismus – zurückzuführen ist. Jährlich besuchen etwa 20 Millionen Touristen die Stadt.
Die Internationale Börse Großbritanniens und der Republik Irland befindet sich in der City of London. Die Aufhebung der Regulierungen, bekannt unter dem Begriff Big Bang, ermöglichte 1986 den Einstieg in die moderne Welt des elektronischen Finanzwesens. Die Warenbörse London Metal Exchange ist die größte der Welt, die Wertpapierböse London Stock Exchange belegt weltweit den dritten Platz hinter New York und Tokio. London ist einer der drei globalen Finanzplätze.
Ein anderer Dienstleistungsbereich sind die Versicherungen, denen die Stadt seit über 300 Jahren ihren Wohlstand verdankt. Lloyd's ist die bekannteste Institution, nicht als Versicherungsgesellschaft im eigentlichen Sinn, sondern als eine Börse für Versicherungsverträge. Es ist eine Aktiengesellschaft von Versicherern, die fast jede Art von Versicherungen auf dem internationalen Markt übernimmt.
Eine Besonderheit der Londoner Stromversorgung stellte der Einsatz der HGÜ Kingsnorth, der bis heute einzigen innerstädtischen Anlage zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung dar. Diese 1975 in Betrieb genommene Anlage muss sich offenbar nicht sehr bewährt haben und wurde inzwischen stillgelegt.
Verkehr
Alle Verkehrsträger der Stadt (außer den Flughäfen und den Eisenbahnen) werden durch die Verkehrsgesellschaft Transport for London koordiniert und reguliert.
Luftverkehr
Transport for London
London ist weltweit das wichtigste Zentrum des internationalen Luftverkehrs. Die fünf Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick, Luton, Stansted und City Airport fertigen jährlich über 120 Millionen Passagiere ab. Heathrow und City Airport befinden sich innerhalb der Grenzen von Greater London, die übrigen außerhalb. Gatwick, Heathrow und Stansted werden durch Airport-Express-Züge mit der Innenstadt verbunden.
Daneben existieren in und um London mehrere Flugplätze für privaten und kommerziellen Luftverkehr. Dies sind Northolt Aerodrome, Biggin Hill Airport, Manston Airport und Southend Airport.
Von London fand der allerletzte Flug des Überschall-Passagierflugzeugs Concorde statt. Die Maschine mit der Kennung G-BOAF startete am 26. November 2003 unter Leitung von Chefpilot Mike Bannister von London-Heathrow ins Museum nach Filton nahe Bristol.
Eisenbahn
Bristol
Das britische Schienennetz ist weitgehend auf London zentriert. Insgesamt acht große Kopfbahnhöfe in der Innenstadt bilden das Zentrum des englischen Bahnnetzes. Diese sind: Charing Cross, Euston, King's Cross, Liverpool Street, Paddington, St Pancras, Victoria und Waterloo. Hinzu kommt der Durchgangsbahnhof London Bridge.
Geringere Bedeutung haben die Bahnhöfe Cannon Street, Fenchurch Street, Marylebone und Moorgate. Der Bahnhof Clapham Junction im Stadtteil Wandsworth ist außerhalb Großbritanniens zwar relativ unbekannt, ist aber mit 2.000 Zugbewegungen täglich der meistbefahrene Bahnhof Europas.
Von Waterloo fährt zudem der Eurostar, der durch den Eurotunnel London mit Paris und Brüssel verbindet. In einigen Jahren, wenn die Hochgeschwindigkeitsstrecke Channel Tunnel Rail Link nach London fertig gestellt ist, werden die Eurostar-Züge im Bahnhof St. Pancras enden. Zusätzlich entstehen die Eurostar-Bahnhöfe Stratford International im Stadtteil Stratford und Ebbsfleet im Nordwesten von Kent.
Fast alle Vorortszüge enden in einem der Kopfbahnhöfe. Ausnahme ist Thameslink, eine S-Bahn-ähnliche Strecke in Nord-Süd-Richtung durch die Innenstadt. Eine weitere Verbindung in Ost-West-Richtung namens Crossrail befindet sich in der Planungsphase.
U-Bahn und Straßenbahn
Crossrail
Die London Underground (the Tube), deren erstes Teilstück am 10. Januar 1863 eröffnet wurde, ist die älteste und mit einer Länge von 415 Kilometern auch die längste U-Bahn der Welt. Südlich der Themse gibt es weitaus weniger U-Bahnlinien als im Norden. Der Grund liegt in der für den Tunnelbau ungünstigen Geologie südlich des Flusses. Der Süden von London wird stattdessen mit einem engmaschigen Netz von oberirdischen Vorortseisenbahnen erschlossen.
Die Docklands Light Railway, eine vollautomatische Stadtbahn, erschließt das ehemalige Hafengebiet Docklands. Mehrere Verlängerungen befinden sich in Bau oder sind geplant. Am 23. März 1861 fuhr die erste Pferdestraßenbahn durch London und am 4. April 1901 die erste elektrische Straßenbahn. Der Betrieb ist am 5. Juli 1952 eingestellt worden. Nach einer Zwangspause von fast 50 Jahren wurde am 10. Mai 2000 die Straßenbahn in London wieder eingeführt; Tramlink erschließt den südlichen Stadtteil Croydon und umliegende Gebiete. Geplant ist zudem eine Straßenbahnlinie durch das Stadtzentrum (Camden Town/ King's Cross - Euston - Waterloo - Elephant & Castle - Brixton/ Peckham).
Straßenverkehr
Auch der Straßenverkehr konzentriert sich auf London. Die wichtigsten Fernverkehrsstraßen und Autobahnen treffen in London aufeinander (siehe auch Straßensystem in Großbritannien). In den Außenbereichen von Greater London beginnen folgende Autobahnen: M1 nach Norden, M11 nach Nordosten, M2 und M20 nach Südosten, M23 nach Süden, M3 nach Südwesten, M4 nach Westen und M40 nach Nordwesten. Alle Autobahnen werden durch die M25 miteinander verbunden, eine rund um Greater London verlaufende Ringautobahn.
Um das Stadtzentrum herum führt eine Ringstraße, die sich aus der A406 (North Circular Road) und der A205 (South Circular Road) zusammensetzt.
A205
Im Februar 2003 führte Transport for London die City-Maut London Congestion Charge ein. Das Befahren der Mautzone in der Innenstadt mit PKWs und LKWs kostet acht Pfund (bis Juli 2005 fünf Pfund). Ausgenommen sind Busse, Taxis, Feuerwehr, Polizei, Ambulanzen, Fahrräder, Motorräder und mit Alternativenergien betriebene Fahrzeuge. Seit der Einführung hat sich der motorisierte Verkehr um etwa ein Drittel reduziert.
Busse und Taxen
Charakteristisch für London sind zudem die roten Doppeldeckerbusse. Der Busverkehr ist vollständig privatisiert; die einzelnen Gesellschaften sind aber gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Busse im traditionellen Rot anzustreichen. Die alten Routemaster-Doppelstockbusse sind bis circa 2006 noch unterwegs und werden allmählich durch Gelenkbusse (bendy buses) von Mercedes-Benz ersetzt. Zwischen dem 16. Mai 1931 und dem 8. Mai 1962 verkehrten Trolleybusse in der Stadt.
London ist auch bekannt für die schwarzen Taxis. Um die begehrten Taxilizenzen für die Innenstadt zu erhalten, müssen die zukünftigen Fahrer einen anspruchsvollen Test bestehen. Dabei müssen sie sämtliche Straßen in einem Radius von sechs Meilen rund um Charing Cross auswendig kennen. Die Taxis in den Außenbezirken sind weniger stark reglementiert.
Bildung
Universitäten
Charing Cross
Die Universitäten und Hochschulen in London können auf eine lange Geschichte zurückblicken. London ist auch die Stadt mit den meisten Studenten. Die Universitäten Londons können in zwei Gruppen eingeteilt werden.
Die föderal organisierte University of London ist mit über 100.000 Studenten die größte Universität Europas. Sie besteht aus über 50 Colleges und Instituten, die über einen hohen Grad an Autonomie verfügen. Die größten und prestigeträchtigsten Colleges sind University College London, Imperial College, King's College, Queen Mary und die London School of Economics and Political Science. Kleinere Schulen und Institute sind auf bestimmte Wissensgebiete spezialisiert, wie die School of Oriental and African Studies, das Institute of Education und das Birkbeck College.
Daneben existieren weitere Universitäten, die nicht der University of London angeschlossen sind. Einige waren früher Technische Hochschulen, bis sie 1992 durch eine Gesetzesänderung den Status einer Universität erhielten wie z.B. die University of East London , während andere lange vor der der Gründung der University of London entstanden waren. Zu diesen zählen die City University im historischen Stadtzentrum, die Middlesex University im Norden Londons und die Brunel University im Westen Londons.
Kunstschulen
Brunel University
London ist das britische Zentrum der künstlerischen Ausbildung. Die vier Konservatorien sind das Royal College of Music, die Royal Academy of Music, das Trinity College of Music und die Guildhall School of Music and Drama. Auf die Schauspielerei spezialisiert sind die Royal Academy of Dramatic Arts (RADA), und die Central School of Speech and Drama.
Mit Kunst befassen sich das Central Saint Martins College of Art and Design, die Chelsea School of Art und die Camberwell School of Art (alle Bestandteil der University of the Arts), daneben auch das Goldsmith's College und die Slade School of Art (beide Bestandteil der University of London) sowie das Royal College of Art und die Wimbledon School of Art. Die ehemalige Hornsey School of Art ist heute ein Teil der Middlesex University.
Medizin und Forschung
Es gibt zahlreiche medizinische Fakultäten in London. Einige bestehen schon seit Jahrhunderten, darunter Queen Mary's School of Medicine and Dentistry, Guy's Hospital und St Thomas' Hospital. Das Imperial College ist ein führendes Zentrum der wissenschaftlichen Forschung und ist von der Reputation her mit dem MIT zu vergleichen. Ebenfalls von Bedeutung ist die Royal Institution.
Persönlichkeiten
London ist der Geburtsort zahlreicher prominenter Persönlichkeiten. Zu den bekanntesten gehören unter anderem mehrere britische Monarchen, die Premierminister Benjamin Disraeli, Clement Attlee, John Major, der Fußballer David Beckham, die Popsänger David Bowie, Phil Collins und Elton John, die Schauspieler Charlie Chaplin, Hugh Grant und Peter Ustinov, der Regisseur Alfred Hitchcock, der Theologe Thomas Morus, der Astronom Edmond Halley, die Supermodels Naomi Campbell und Kate Moss.
Siehe auch: Liste der Persönlichkeiten aus London
Literatur
- Chris Ellmers and Alex Werner: Dockland life : a pictorial history of London's docks 1860 - 2000, Museum of London., NA (1. Aufl. 1991) Edinburgh [u.a.] : Mainstream 2000, 221 S., ISBN 1-8401-8318-7
- Doreen Evenden: The midwives of seventeenth-century London, Cambridge [u.a.] : Cambridge University Press 2000, 260 S., ISBN 0-521-66107-2
- Edward Impey and Geoffrey Parnell: The Tower of London. The official illustrated history, London : Merrell 2000, 128 S., ISBN 1-85894-106-7
- Ralf Nestmeyer: "London. Ein Reisehandbuch." Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2004, ISBN 3-89953-187-6
- London suburbs, Einführung von Andrew Saint, London : Merrell Holberton [u.a.] 1999, 240 S., ISBN 1-85894-077-x
- Dale H.Porter: The Thames embankment : environment, technology, and society in Victorian London, Ohio : University of Ohio, Akon Press 1998. - XVI, 318 S., ISBN 1-88483-628-3
- Malcolm Thick, The Neat House gardens : early market gardening around London, Totnes, Devon : Prospect Books 1998, 175 S., ISBN 0-907325-78-5
Weblinks
- [http://www.london.gov.uk/ Offizielle Seite der Stadt London] (englisch)
- [http://www.routenplaner24.de/city/,0,,London,GB,-208614.957929,271607.213926.htm Stadtplan von London]
- [http://www.londonleben.co.uk Deutsche Seite mit vielfältigen Informationen über London]
- [http://dmoz.org/World/Deutsch/Regional/Europa/Vereinigtes_K%c3%b6nigreich/England/St%c3%a4dte/London/ Linkliste zu London]
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Erster Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg war ein Krieg, der von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Ostasien geführt wurde und über 9 Millionen Menschenleben forderte.
Überblick
Er wurde zunächst zwischen den Mittelmächten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn auf der einen Seite und den Entente-Mächten Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen.
Wider Willen kam Belgien als Opfer hinzu, in das die Deutschen ungeachtet der belgischen Neutralität aufgrund des Schlieffenplans einmarschierten. Im Verlauf des Krieges wurden die Mittelmächte durch das Osmanische Reich und Bulgarien verstärkt, während auf alliierter Seite die Staaten Japan, Italien, Portugal, Rumänien und die USA in den Krieg eintraten. Im Ersten Weltkrieg entluden sich die machtpolitischen Gegensätze der europäischen Großmächte, die zu einer enormen Aufrüstung geführt hatten.
Zum Ende des Krieges befanden sich 25 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand.
Aufgrund der Verwerfungen, die der Erste Weltkrieg weltweit auslöste, und der Folgen, die noch heute spürbar sind, gilt er bei vielen Historikern als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.
Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts
Der Krieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Am 30. Juli befahl Russland die Generalmobilmachung zur Unterstützung Serbiens. Daraufhin erklärte das Deutsche Reich als Bündnispartner Österreich-Ungarns Russland am 1. August den Krieg. Am Abend des selben Tages überschritten russische Kavallerie-Abteilungen die ostpreußische Grenze.
Vorausgegangen war ein Attentat in Sarajewo am 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau ermordet worden waren und hinter dem die Mitglieder der verschworenen serbischen Geheimloge „Schwarze Hand“ vermutet wurden. In einem Ultimatum vom 23. Juli 1914 verlangte die österreichisch-ungarische Regierung in Wien Genugtuung von der serbischen Regierung in dem sie u.a. forderte, eine gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten und von der k. u. k. Regierung delegierte Organe an den bezüglichen Erhebungen teilnehmen zu lassen. Die serbische Regierung lehnte dies als Beeinträchtigung ihrer Souveränität ab, akzeptierte aber die übrigen harten Forderungen in dem Ultimatum. Durch die darauf folgende Kriegserklärung wurde eine Reihe von Bündnissen aktiviert, die sehr rasch zum Weltkrieg führten.
Manche Nachbetrachter sehen die Kriegsbegeisterung, die anfangs in vielen Ländern vorherrschte, letztlich als Resultat der im Europa des frühen 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Ansicht, der Krieg könne die aufkeimenden nationalen und sozialen Konflikte sowie die gegensätzlichen Machtinteressen der verschiedenen Herrscherhäuser und ihrer Reiche lösen. Der Verlauf des Ersten Weltkriegs dokumentiert zudem die Unfähigkeit der europäischen Führungsschichten, militärische Neuerungen und soziale Spannungen entsprechend zu erkennen oder zu akzeptieren (vergleiche auch Kriegsschulddebatte).
Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, der mit einem massiven Materialeinsatz (Panzer, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) geführt wurde. Die Fronten bewegten sich dennoch kaum, zum Teil, weil der modern anmutenden Technik die alten Militärstrategien gegenüber standen. Im endlosen Stellungskrieg rieben sich die Truppen gegenseitig auf. Insbesondere auf den Schlachtfeldern vor Verdun und in Flandern fielen auf beiden Seiten Hunderttausende von Soldaten, ohne dass sich etwas an der militärischen Lage änderte. Auch deswegen stellt sich der Erste Weltkrieg als ein Krieg dar, der an Grauen alles bis dahin Bekannte übertraf.
Der Krieg in den Deutschen Kolonien
Deutschland besaß als der Erste Weltkieg ausbrach auch Kolonien und sogenanten Pachtbesitz.
Kiautschou: Die Stadt im Norden Chinas war Deutscher Pachtbesitz. Die Japaner forderten im August des Jahres 1914 unter Kriegsandrohung die Auslieferung der Stadt. Deutschland beachtete diese Forderung nicht deshalb griffen die Japaner mit ungeheurer Überlegenheit an (63000 Japaner gegen 4000 Deutsche)an. November 1914 überliesen die Deutschen , nachdem sie alle Munition verschossen hatten , den Japanern die Stadt.
Politische Ausgangssituation
Siehe auch: Zeitalter des Imperialismus
Mittel- und Osteuropa
An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gab es in Mittel- und Osteuropa wesentlich weniger Staaten als heute. Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland teilten sich das Gebiet im Wesentlichen untereinander auf.
Im Südosten Europas lag das ebenfalls Großmachtspolitik treibende Osmanische Reich. Kleinere Staaten gab es nur auf dem Balkan, der in den Jahrzehnten zuvor wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der dortigen Völker und dem Aneinandergrenzen der expansiven europäischen Mächte und des osmanischen Reiches in dieser Region ein ständiger Unruheherd gewesen war. Im Deutschen Reich, Russland und Österreich-Ungarn, die sämtlich monarchisch regiert wurden und nur mehr oder weniger machtlose Parlamente hatten, gab es zahlreiche ethnische Minderheiten, die zumeist nach nationaler Unabhängigkeit strebten.
Im 19. Jahrhundert waren unter anderem in Ungarn und Polen entsprechende nationalistische Aufstände unterdrückt worden. Besonders im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn brodelte es erheblich zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Zudem stand das österreichisch-ungarische Kaiserreich im krassen Gegensatz zum russischen Zarenreich, das sich als Sprecher der „slawischen Völker unter Wiener Herrschaft“ sah und als Schutzmacht des (unabhängigen) Königreichs Serbien auftrat. Das Verhältnis Österreich-Ungarns zu beiden Staaten war erst wenige Jahre zuvor, 1908, im Zuge der | | |