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Nordvietnam
Vietnam (vietnamesisch Việt Nam, chin. 越南 = Südlich von Yuè) ist ein Staat in Südostasien. Der offizielle Name lautet Sozialistische Republik Vietnam (Cộng Hòa Xã Hội Chủ Nghĩa Việt Nam). Vietnam grenzt an China, Laos, Kambodscha und an das Südchinesische Meer. Nach Jahrzehnten des Krieges war es in den 1980er Jahren eines der ärmsten Länder Asiens. Seit Ende der 1980er Jahre verfolgt das Land eine auf Wirtschaftswachstum ausgerichtete Politik, die die wirtschaftlichen Verhältnisse stetig verbessert hat und das Land dem Status eines Schwellenlandes angenähert hat.
Geographie
Hauptartikel: Geographie Vietnams
Vietnam ist mit 331.688 Quadratkilometern Größe etwas kleiner als Deutschland. Flachland macht nur etwa 20 % der Fläche aus. Der Rest sind bergige (40 %) oder hügelige Gebiete (40 %). Der Norden setzt sich aus dem Delta des Roten Flusses und den Hochländern im Nordwesten mit dem Phan-xi-păng (3143 m) zusammen. Im Süden gibt es neben flachen Küstengebieten das Delta des Mekong, Gebirge und das Hochplateau Tay Nguyen.
Tay Nguyen
Das Klima ist tropisch und vom Monsun geprägt. Im Gegensatz zum Süden kühlt es in Nordvietnam von November bis April deutlich ab. Temperaturen schwanken zwischen 5° C und 37° C und die Niederschläge zwischen 1200 und 3000 cm pro Jahr. Die Luftfeuchtigkeit beträgt durchschnittlich 84 %.
Die wichtigsten Städte des Landes sind Hà Nội und Thành phố Hồ Chí Minh (Ho-Chi-Minh-Stadt). Weitere bedeutende Städte sind Cần Thơ, Đà Nẵng, Hải Phòng Nha Trang, und Huế.
Siehe auch: Liste der Städte in Vietnam
Bevölkerung
Die Bevölkerungszahl Vietnams wird auf etwa 83,5 Millionen Menschen geschätzt, was in etwa der Bevölkerung Deutschlands entspricht. Die Bevölkerung ist im Schnitt sehr jung: Landesweit sind etwa 30 % der Menschen unter 14 Jahre alt, und nur etwa 5 % sind über 65. Das Bevölkerungswachstum wird auf 1,3 bis 1,4 % geschätzt. Die Geburtenrate ist tendenziell rückläufig, während aufgrund verbesserter medizinischer Bedingungen die Sterberate ebenfalls sinkt. Die Lebenserwartung liegt momentan bei 64 Jahren für Männer und 68 Jahren für Frauen.
Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in den dicht besiedelten Gebieten der Mündungsdeltas vom Roten Fluss und Mekong, in denen Landwirtschaft vorherrscht. Trotz der agrarischen Prägung leben bereits rund 25 % der Vietnamesen in den urbanen Regionen der großen Städte, und die Zuwanderung aus den wirtschaftlich wenig entwickelten ländlichen Gebieten (Landflucht) nimmt stetig zu.
Etwa 88 % der Bevölkerung sind ethnische Vietnamesen ("Viet", oder Kinh). Daneben sind 53 ethnische Minderheitengruppen anerkannt. Die größte davon sind die "Auslandschinesen" (vietnamesisch: "Hoa"), deren Zahl auf etwa 1,2 Millionen geschätzt wird. Die Mehrzahl von ihnen sind Nachfahren von Einwanderern, die 1644, nach dem Zusammenbruch der Ming-Dynastie, ins Land gekommen waren. Weitere Volksgruppen sind Thai, Khmer (vor allem im Süden, der Region des Mekong-Deltas, die über Jahrhunderte zu Kambodscha gehörte) und die, unter der Sammelbezeichnung "Bergvölker" (Montagnards) bekannten, Bewohner der Bergregionen. Letztere, die als die ursprünglichen Bewohner des kontinentalen Südostasiens gelten, wurden im Verlauf der Geschichte in Vietnam, Thailand, Myanmar und Laos von den zugewanderten Mehrheitsvölkern aus den fruchtbareren Regionen der Flussebenen und Küsten in die unzugänglichen Bergregionen verdrängt. Diese Völker sind bis heute von der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder weitgehend abgeschnitten und leben in vergleichsweiser Armut. Kultur und Sprache der Minderheiten unterscheiden sich meist sehr stark von jener der Vietnamesen.
Da Angehörige der "Bergvölker" im Indochinakrieg und im Vietnamkrieg jeweils auf Seiten Frankreichs bzw. der USA kämpften, gab es nach der Wiedervereinigung Vietnams Repressionen gegen diese Völker, und sie sind in der Gesellschaft teils nicht gut angesehen.
Der Human Development Index von Vietnam, der neben dem Wirtschaftswachstum auch die Lebenserwartung und das Bildungsniveau sowie die Alphabetisierungsrate berücksichtigt, lag 2004 bei 0,69 (Platz 112 von 177 Staaten). Danach ist die Lebensqualität etwa vergleichbar mit der in vielen arabischen oder südamerikanischen Ländern. Sie ist besser als die in den südostasiatischen Entwicklungsländern (Kambodscha, Laos, Myanmar), reicht aber nicht an die in den Schwellenländern der Region heran.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Vietnams
Vietnam hat eine über 2.700 Jahre alte Geschichte. Etwa eintausend Jahre lang wurde es von China beherrscht. Es erlangte im 10. Jahrhundert die Unabhängigkeit.
Nach dem 2. Weltkrieg versuchte Frankreich die Kontrolle über Vietnam zurückzugewinnen, scheiterte aber nach einem einige Jahre dauernden Krieg. Nach der Indochinakonferenz wurde das Land vorübergehend in Süd- und Nordvietnam aufgeteilt, bis Wahlen in beiden Landesteilen stattfinden sollten. Während des Kalten Krieges wurde der Norden vor allem durch die Sowjetunion und der Süden vor allem durch die USA unterstützt. In Südvietnam wurden US-Truppenteile stationiert. Da die geplanten landesweiten Wahlen von Südvietnam und den USA verhindert wurden, konnte eine Wiedervereinigung zunächst nicht durchgeführt werden.
Es entstanden Spannungen zwischen den beiden Teilstaaten, insbesondere jedoch auch zwischen den USA und Nordvietnam, die 1964 schließlich zum Vietnamkrieg führten, in dem neben anderen Beteiligten Nordvietnam und der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams (bekannt als Vietcong) gegen Südvietnam und die USA kämpften. Heute ist bekannt, dass die US-Regierung ein nicht vorhandenes Gefecht und einen Angriff auf US-Schiffe vortäuschen ließ, um dann mit diesem Vorwand nordvietnamesisches Gebiet zu bombardieren (zweiter Tonkin-Zwischenfall).
Bis 1973 zogen sich die US-amerikanischen Truppen aus dem Land zurück. 1975 hatten die Nordvietnamesen und der Vietcong Südvietnam vollständig erobert. Kennzeichnend dafür und als Ende des Krieges angesehen ist der Fall von Saigon. 1976 wurde Vietnam offiziell unter dem heutigen Staatsnamen wiedervereinigt.
1979 beendete Vietnam durch einen Krieg die Herrschaft der international des Massenmords verdächtigten Roten Khmer in Kambodscha und verhalf dem Land damit wieder zu etwas Stabilität. Daraufhin startete China eine Strafoffensive gegen Vietnam, die jedoch scheiterte.
siehe auch: Vietnamkrieg
Politik
Die erste Verfassung Vietnams wurde im November 1946 verabschiedet. Sie legte die Unteilbarkeit des Landes sowie die Gleichheit aller Bürger des Landes fest.
Die vietnamesische Verfassung wurde zuletzt 2002 modifiziert. Sie legt fest, dass die Nationalversammlung als Parlament das oberste repräsentative Organ ist, welches alle fünf Jahre in freien, gleichen und geheimen Wahlen bestimmt wird. Die 450 Mitglieder der Versammlung wählen einen Vorsitzenden und ein Komitee. Mindestens zweimal jährlich muss die Nationalversammlung eine Vollversammlung abhalten.
Der Staatspräsident, der Premierminister, der Vorsitzende des Obersten Volksgerichtes und der Vorsitzende der Obersten Kontrollbehörde werden von der Nationalversammlung gewählt. In der Verfassung werden die Kompetenzen von Staatspräsident und Premierminister bestimmt.
Artikel 4 der Verfassung legt die führende Rolle der Kommunistischen Partei Vietnams fest. Über die Politik und die Zukunft des Landes wird daher auf den Parteikongressen entschieden. Vietnam ist damit eines der wenigen noch verbliebenen kommunistischen Regimes.
Die Verfassung Vietnams räumt auch allen Bürgern Grundrechte wie Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Glaubensfreiheit usw. ein, obwohl diese Rechte in der Praxis häufig eingeschränkt werden.
Außenpolitik
Während des Vietnamkrieges und danach war Vietnam in Südostasien weitgehend isoliert. Die USA hatten ein Wirtschaftsembargo verhängt und drängten auch andere Staaten, Vietnam zu boykottieren. Speziell nach dem Einmarsch in Kambodscha waren auch die Beziehungen zur Volksrepublik China so gespannt, dass an der vietnamesisch-chinesischen Grenze ein Krieg ausbrach. Vietnam integrierte sich deshalb sehr stark in den RGW. Aus der Isolation kam das Land erst nach dem Rückzug aus Kambodscha heraus.
In den 1990er Jahren entspannten sich die Beziehungen zu allen Nachbarstaaten. Im Jahre 1991 nahm das Land wieder diplomatische Beziehungen zu China auf. Die USA hoben ihr Embargo gegen Vietnam auf und so wurde der Beitritt
- zur Weltbank,
- zum internationalen Währungsfonds und
- zur Asiatischen Entwicklungsbank
möglich. Im Juli 1995 trat Vietnam der ASEAN bei, 1998 dem APEC. Vietnam ist jedoch noch nicht Mitglied der WTO, hat aber einen Beobachterstatus und einen Mitgliedsantrag gestellt.
Grenzstreitigkeiten gibt es mit einer Reihe von Staaten um die Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer. Sie liegen in einem Gebiet, in dem Erdöl vermutet wird.
Rechtssystem und Polizei
Nach der Einführung von marktwirtschaftlichen Reformen zeigte sich bald, dass Vietnam Rechtssicherheit und entsprechende Gesetze braucht, um mehr Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Seitdem wurden viele Gesetze nach europäischem oder nordamerikanischem Vorbild erlassen. Die Rechtsprechung bleibt jedoch schwach, obwohl mit einer Reihe ausländischer Organisationen zusammengearbeitet wird, um Richter besser auszubilden.
In der vietnamesischen Polizei ist wegen niedriger Gehälter die Korruption ein großes Problem. Insbesondere Ho-Chi-Minh-Stadt ist bekannt dafür, dass Taxifahrer, die Ausländer befördern, wegen eines erfundenen Deliktes angehalten und bestraft werden, wobei vom Ausländer erwartet wird, dass er die Strafe übernimmt.
Auf Drogenschmuggel steht in Vietnam, wie in mehreren anderen asiatischen Staaten auch, die Todesstrafe, womit verhindert werden soll, dass im Zuge von Doi Moi, verringerter Kontrolle des Individuums durch den Staat und fortschreitender Verwestlichung die sogenannten sozialen Übel um sich greifen.
Militär
Die Vietnamesische Volksarmee hat etwa 480.000 Soldaten. Es existiert eine allgemeine Wehrpflicht für alle Männer ab der Vollendung des 17. Lebensjahres. Trotz der großen Heeresstärke wird die Schlagkraft des vietnamesischen Militärs als niedrig eingeschätzt, da es mit weitgehend veralteter Technik ausgestattet ist. In der jüngeren Vergangenheit war die Volksarmee trotzdem in der Lage, in Kambodscha die Roten Khmer zu stürzen und die Strafexpedition Chinas zurückzuschlagen. Der Anteil der Ausgaben für die Verteidigung am Staatshaushalt beläuft sich auf etwa 0,5 % oder eine Milliarde Dollar.
Administrative Gliederung
Hauptartikel: Administrative Gliederung Vietnams
Vietnam ist in 59 Provinzen und fünf Städte unterteilt. Jede dieser administrativen Einheiten hat ein Parlament und eine Regierung, die jedoch der Zentralregierung untergeordnet sind.
Infrastruktur
Erreichbarkeit
Vietnam liegt ca. 10.000 km von Mitteleuropa entfernt. Das entspricht auf direktem Weg mindestens 10-12 Flugstunden. Die zwei größten Städte des Landes, Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, haben einen internationalen Flughafen, der von wenigen europäischen Flughäfen entweder direkt mit Vietnam Airlines von Frankfurt sowie Paris oder mit Umsteigen aber über die meisten asiatischen Großstädte (wie Dubai, Bangkok, Singapur, Taipeh) angeflogen wird. Auf dem Landweg ist Vietnam über Eisenbahnverbindungen via China und auf Straßenverbindungen über alle Nachbarländer erreichbar; eine Anreise auf diesem Weg ist in Wochen und Tagen zu bemessen.
Die Grenzübergänge sind meist nur am Tag geöffnet. Ausländer können, sofern sie alle notwendigen Papiere haben, jeden beliebigen Grenzübergang zur Einreise benutzen.
Straßenverkehr
China
Vietnams Straßen haben eine Länge von insgesamt etwa 93.000 Kilometern, wovon nur etwa 23.000 asphaltiert sind. Sie entsprechen zu einem kleinen Teil, häufig in der Nähe von Großstädten, internationalen Standards. Der größere Teil ist bemitleidenswert schlecht. Es gibt nur wenige Kilometer Straße in einer Qualität, die man als Autobahn bezeichnen könnte. Die wichtigste Straße Vietnams, die auf 2.100 km als verkehrstechnisches Rückgrat das gesamte Land von der chinesischen Grenze bis ins Mekongdelta durchschneidet (häufig als Highway 1 oder Nationalstraße 1 bezeichnet, auch wenn die Straße in Vietnam nicht so heißt), ist eine ganz normale Landstraße.
In Vietnam herrscht offiziell Rechtsverkehr. In der Regel wird jedoch gefahren, wo gerade Platz ist. Kreuzungen, die mit Ampeln geregelt sind, kommen nur in den Großstädten vor, und Verkehrszeichen werden von den Verkehrsteilnehmern bestenfalls als Vorschlag interpretiert. Vorrang hat generell das größere Fahrzeug. Beim Überqueren einer Straße sollte man möglichst gleichmäßig gehen, damit sich der stetige Verkehrstrom der Mofas darauf einstellen kann. Ausländer dürfen in Vietnam kein Auto steuern (wohl aber Mopeds). Dies ist weniger tragisch, da man Autos inklusive Fahrer sehr günstig mieten kann.
Während auf dem Land noch das Fahrrad als häufigstes Verkehrs- und Transsportmittel dominiert, oft auch als geschobenes Lastrad ohne Sitz, ist es in den letzten Jahren in der Stadt durch das Moped (Hon Da) abgelöst worden. Als Tourist kann man sich heute preisgünstig auf dem Soziussitz eines Mopeds chauffieren lassen. Für eine oder mehrere Personen oder auch Waren ist die Fahrrad-Rikscha ein günstiges und akzeptiertes Transportmittel. Es gibt die abgebildete Variante mit den 2 Rädern vorne, wo der Fahrgast vor dem Chauffeur sitzt, und die Möglichkeit, dass der Fahrgast (oder die Ladung) hinter dem Fahrer auf einem Anhänger transportiert wird. Daneben ist für den Transport die Lastrikscha bedeutsam, eine Art stabiles Dreirad, das per Pedale oder auch von einem Mopedmotor angetrieben wird. Zunehmend beginnt in den größten Städten der Autoverkehr, zu dem auch schwere, oft veraltete Lastwagen und Busse und neuerdings Taxis gehören, den ohnehin schon dichten und zähen Zwei- und Dreirad-Verkehr zum Erlahmen zu bringen.
Für die Vietnamesen nimmt der Verkehr mit Überlandbussen eine hohe Bedeutung ein. Sie sind die billigste und schnellste Art zu reisen. Allerdings sind viele dieser Busse schrottreif und dementsprechend unbequem und unsicher. Für mutige Besucher stellen sie aber eine Möglichkeit dar, mit den Einheimischen in einen intensiveren Kontakt zu kommen, wenn man keine Probleme damit hat, eventuell auf Reissäcken Platz zu nehmen. Speziell für Ausländer gibt es mehr und mehr sogenannte Open-Tour-Busse, die ebenfalls sehr günstig sind, jedoch ein Vielfaches der öffentlichen Busse kosten. Sie sind sicherer, bequemer und schneller, werden aber fast ausschließlich von Touristen benutzt.
Schienenverkehr
Rikscha
Das vietnamesische Eisenbahnnetz stammt größtenteils aus der Kolonialzeit und wird nur langsam modernisiert. Von den insgesamt 2.652 Kilometern Schiene sind 2.249 Kilometer Schmalspurbahn (1000-mm-Spur), 166 Kilometer Normalspur und 237 Dualspur (d. h. sie kann von Fahrzeugen beider Spurweiten befahren werden). Ein Übersichtsplan über das Eisenbahnnetz befindet sich [http://www.worldbank.org/transport/rail/sys_maps/vietnam.gif hier]. Das gesamte Netz ist einspurig. Eine Fahrt von Hanoi nach Saigon dauert mit dem Expresszug etwa 30 Stunden.
Die Fahrzeuge stammen in der Regel aus sowjetischer Produktion. Fahrkarten werden in verschiedenen Klassen verkauft, wobei Ausländer früher höhere Preise zahlten als Vietnamesen, diese Regelung gilt jedoch als abgeschafft. Die Züge fahren recht langsam, sind dafür sicher und vergleichsweise pünktlich. Für längere Fahrten empfehlen sich Liege- oder Schlafwagen, die man längere Zeit im voraus buchen sollte, dabei empfiehlt sich für den verwöhnten Europäer der Schlafwagen mit "Soft"-Betten.
Luftverkehr
Die nationale Fluglinie Vietnams heißt Vietnam Airlines. Sie bietet zahlreiche Regionalflüge in andere Großstädte Asiens sowie einige Interkontinentalflüge an und bestreitet auch den Inlandsverkehr. Besonders im abgelegenen Bergland besitzen auch kleinere Städte einen Flugplatz. Das Fluggerät von Vietnam Airlines entspricht internationalen Standards, die Flotte der Fluggesellschaft wird ständig erweitert und umfasst daher einige sehr neue Flugzeuge.
Die Tickets sind günstig. Ausländer und Vietnamesen zahlen die gleichen Preise. Flüge sind häufig nur wenig teurer als lange Fahrten mit Schlafwagen, ganz abgesehen von der Zeitersparnis.
Vietnam Airlines]
Wasserverkehr
Vietnam verfügt über etwa 5.000 Kilometer Wasserstraßen, die ganzjährig befahrbar sind. Besonders im Mekong-Delta ist der Wassertransport wichtig, und die Straßen werden durch zahlreiche Flussarme unterbrochen, die mittels Fähre überbrückt werden müssen.
Die wichtigsten Seehäfen sind Da Nang, Haiphong sowie Ho-Chi-Minh-Stadt.
Telekommunikation
In das Telefonnetz Vietnams wurde in den letzten Jahren viel investiert. Wo investiert wurde, wird modernste Technologie eingesetzt, und dementsprechend zuverlässig und komfortabel ist das Netz. Wo noch nicht investiert wurde, ist das Telekommunikationsnetz hinter dem seiner Nachbarländer weit zurückgeblieben. Da die Investitionen refinanziert werden müssen, sind Auslandsgespräche in Vietnam extrem teuer.
Man schätzt, dass es in Vietnam bereits mehrere Millionen Internet-Benutzer gibt. Die meisten Benutzer besuchen ein Internet-Café, von denen es im ganzen Land eine hohe Anzahl gibt. Ähnlich wie in China ist die Regierung besorgt, dass durch das Internet das staatliche Informationsmonopol untergraben wird und letzten Endes die Legitimität der Alleinregierung der Kommunistischen Partei Vietnams in Frage gestellt werden könnte. Deshalb werden ausländische Webseiten häufig blockiert, die Übertragungsraten künstlich niedrig gehalten und illegale Internetcafés geschlossen. Der Verdacht, dass von Regierungsstellen im Hintergrund „mitgelesen“ wird, lässt sich nicht ausräumen, wenn man bedenkt, dass die Übertragungstechnik v. a. in Großstädten auf dem neuesten Stand ist.
Die vietnamesische Post gilt als langsam und unzuverlässig. Jedoch sind in letzter Zeit starke Verbesserungen spürbar und die durchschnittliche Laufzeit nach Deutschland beträgt 10 Tage. Postkarten kosten in Vietnam 8.000 Dong (ca. 45 Cent) nach Deutschland.
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft Vietnams
Der Transformationsprozess - und damit der wirtschaftliche Aufstieg - begann nach dem Tod Le Duans 1986. Der Süden konnte an seine marktwirtschaftliche Vergangenheit vor der Wiedervereinigung anknüpfen und machte im Transformationsprozess schnellere Fortschritte. Vor allem Ho-Chi-Minh-Stadt entwickelte sich gut und wurde zum Wachstumsmotor des Landes.
Ho-Chi-Minh-Stadt]
Zunächst wurde der Aufschwung vor allem durch den tertiären Sektor getragen. Nachdem die landwirtschaftlichen Betriebe nach der Kollektivierung einen großen Teil ihrer Produktivität einbüßten und Vietnam sogar auf Nahrungsmittelimporte angewiesen war, lösten die Privatisierungen in der Landwirtschaft einen Boom aus. Die Produktionsüberschüsse sind so stark gewachsen, dass Vietnam inzwischen der zweitgrößte Exporteur von Reis und Kaffee ist. Das Mekongdelta im Süden und das Delta des roten Flusses im Norden gehören zu den größten Reisanbaugebieten der Welt. Auch heute noch ist der größte Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Der Anteil geht aber vor allem zugunsten der Beschäftigten in der Industrie zurück.
Weiterhin verhalfen die Aufhebung des von den USA verhängten Wirtschaftsembargos und Direktinvestitionen aus dem Ausland dem Land zu seinem rasanten Aufschwung. Die Direktinvestitionen pro Kopf übersteigen die der Volksrepublik China.
Insgesamt hat sich die vietnamesische Wirtschaft als recht stabil erwiesen. Weder SARS noch die Vogelgrippe haben die Entwicklung stark beeinträchtigt. Selbst während der Asienkrise, die viele südostasiatischen Länder in eine Rezession stürzte, fiel das Wachstum in Vietnam nie unter 4,8 %.
Kultur
Vogelgrippe]
Die vietnamesische Kultur wurde wesentlich von der chinesischen Kultur und später der französischen Kultur beeinflusst.
- Hauptartikel: Vietnamesische Kultur
Vietnamesische Literatur
- Hauptartikel: Vietnamesische Literatur
Sprache und Schrift
Hauptartikel: Vietnamesische Sprache
Vietnamesisch wird von fast allen Bewohnern des Landes gesprochen. Es ist eine Tonsprache und ähnelt der Sprache der Muong und Khmer. Vietnamesisch wird seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem lateinischen Alphabet und einigen Diakritika geschrieben, die die sechs Töne ausdrücken.
Neben Vietnamesisch werden noch über 50 weitere Sprachen der ethnischen Minderheiten gesprochen.
Feiertage
- 1. Januar: Neujahr
- Ende Januar oder Februar: Têt (chinesische Neujahrsfest)
- 30. April: Befreiungstag (Befreiung Saigons)
- 1. Mai: Tag der Arbeit
- 2. September: Nationalfeiertag
Religion
Nationalfeiertag
Die bedeutendste Religion in Vietnam ist der Buddhismus, dem etwa 55 % der Bevölkerung angehören. Die meisten davon sind Mahâyâna-Buddhisten. Die Mehrheit der Bevölkerung praktiziert eine Mischung aus Buddhismus, Daoismus, Animismus und Ahnenkult.
Etwa 7 % der Bevölkerung sind Katholiken, ca. 2 % sind Caodaisten. Weitere 180.000 Vietnamesen sind Protestanten.
In den Bergregionen Zentralvietnams gibt es auch einige Muslime. Auch Taoismus und Konfuzianismus hinterließen ihre Spuren.
Gastronomie
Die vietnamesische Küche gehört zu den leichtesten und gesündesten der Welt. Sie ist mit der chinesischen Küche verwandt. Im Süden gibt es Einflüsse der Küchen der Thai, Khmer und Inder. Der Buddhismus hat zu einer reichen vegetarischen Küche beigetragen, und die Franzosen haben Baguettes, Croissants und Kaffee mitgebracht.
Als Grundnahrungsmittel werden in Vietnam Reis und Reisnudeln und eine große Zahl verschiedener Arten von Gemüse gegessen. Fisch und Fleisch spielen in der Ernährung der Massen eine untergeordnete Rolle.
Getrunken wird in Vietnam vor allem Tee.
Bildung
Für die Verhältnisse eines so armen und kriegsgezeichneten Landes hat Vietnam eine außerordentlich niedrige Analphabetenrate. Nur etwa 6 % der Personen über 15 Jahre sind Analphabeten. Trotzdem sieht sich das Bildungssystem Vietnams großen Herausforderungen gegenüber. Zwar können fast alle Menschen lesen und schreiben, abgesehen davon ist das Schul- und Bildungsniveau jedoch zu gering. Die Anzahl der Schulen ist speziell auf dem Land zu niedrig. Generell ist der bauliche Zustand vieler Schulen nicht gut und ihre Ausstattung häufig schlecht.
Es gibt eine Schulpflicht für alle Kinder zwischen 6 und 14 Jahren, wobei auch auf Vorschulbildung (Kindergarten) ein hoher Wert gelegt wird. Die Pflichtschulbildung ist in zwei Phasen unterteilt, nämlich die 5-jährige Grundstufe und die 4-jährige untere Sekundarstufe. Nach Absolvierung der unteren Sekundarstufe können die Schüler zwischen oberen Sekundarstufen verschiedenen Typs (technisch etc.) wählen. Der Abschluss der oberen Sekundarstufe berechtigt zum Universitätsstudium oder einer anderen höheren Ausbildung.
Die Nachfrage nach Bildung (sowohl Sekundarstufe als auch höhere Bildung) ist momentan bedeutend höher als das Angebot. Neue Schulen, Hochschulen und Universitäten werden laufend gegründet und die Zahl der Institutionen, die höhere Bildung anbieten, übersteigt bereits 100. Es gibt staatliche und private Einrichtungen, die renommiertesten davon sind die Staatliche Universität Hanoi und die Staatliche Universität Ho-Chi-Minh-Stadt. Um mehr Nachfrage befriedigen zu können und auch um die Entwicklung des ländlichen Raumes zu fördern, werden zahlreiche Fernstudiengänge angeboten. Seit kurzem vergibt die vietnamesische Regierung auch Stipendien für Studien im Ausland, wobei diese nur in sehr geringer Zahl zur Verfügung stehen.
Die bei weitem populärste Fremdsprache in Vietnam ist Englisch. Aus Gründen, die mit der Geschichte des Landes und der früheren Einbindung in den Ostblock zusammenhängen, findet man oft Leute, die französisch, russisch oder deutsch sprechen (etwa 100.000 Vietnamesen haben in Deutschland studiert). Zunehmend werden japanisch und chinesisch gelernt.
Medien
Die Medien werden in Vietnam allesamt vom Staat und damit der Kommunistischen Partei Vietnams kontrolliert. Es gibt englischsprachige Printmedien in Vietnam. Dies sind entweder Zeitschriften, die sich an Touristen richten und Reise- oder Unterhaltungsmöglichkeiten bewerben. Die meisten englischsprachigen Publikationen richten sich jedoch an Geschäftsleute und verkünden die neuesten Errungenschaften der Wirtschaftspolitik Vietnams. Ausländische Publikationen werden nicht zensiert, da sie für die durchschnittlichen Vietnamesen sowieso nicht bezahlbar sind. Man findet sie dort, wo sich die Ausländer konzentrieren. Alte Exemplare von ausländischen Zeitungen werden häufig von Straßenhändlern angeboten.
Das vietnamesische Radio und Fernsehen strahlt mehrere teils landesweite, teils regionale Programme aus. Im Fernsehen VTV gibt es am späteren Abend englische Kurznachrichten, der Rest des Programmes wird mit vietnamesischen Shows und einigen wenigen ausländischen Filmen bestritten.
Es gibt einen vietnamesischen Kurzwellensender namens Voice of Vietnam, der seit der Augustrevolution existiert und während des Vietnamkrieges hauptsächlich Propaganda gegen die Vereinigten Staaten ausstrahlte. Heute werden halbstündige Programme auf englisch, französisch und russisch produziert, die auch in Europa gehört werden können.
Einreise nach Vietnam
Reisende aller Staaten benötigen für die Einreise nach Vietnam ein Visum, welches rechtzeitig bei einer vietnamesischen Botschaft beantragt und ausgestellt werden muss. Ein Touristenvisum wird für maximal 4 Wochen ausgestellt, kann jedoch vor Ort noch verlängert werden.
Die Botschaften der Sozialistischen Republik Vietnam befinden sich in:
Ein Konsulat der Sozialistischen Republik Vietnam befindet sich in:
In Vietnam herrschen nicht überall hygienische Bedingungen. Vor der Einreise nach Vietnam sollte man sich deshalb über eventuelle Ausbrüche von Krankheiten informieren. Vorsorgen (teils per Impfung, teils per Medikamentenmitnahme) sollte man gegen Malaria, Hepatitis, Typhus, Diphtherie, Kinderlähmung, Japanische Enzephalitis sowie Tollwut. Dies bedeutet, dass man auf jeden Fall vor einer Reise nach Vietnam einen Arzt, der sich mit Tropenmedizin auskennt, kontaktieren sollte. Vorbereitet sein sollte man jederzeit auf Erkrankungen des Verdauungsapparates. Beratung bieten ihnen auch ihr Hausarzt, das nächstgelegene Tropeninstitut oder Institut für Infektionskrankheiten oder auch das Grüne Kreuz.
Feiertage
Literatur über Vietnam
- Monika Heyder: Kulturschock Vietnam. Bielefeld 2001, ISBN 3-89416-451-4 Andere Länder - andere Sitten, Alltagskultur, Tradition, Verhaltensregeln, Religion, Tabus, Mann und Frau, Stadt- und Landleben
- Heinz Kotte, Rüdiger Siebert: Vietnam. Die neue Zeit auf 100 Uhren. Lamuv, Göttingen 2001 ISBN 3-88977-604-3 Aufsätze eines Entwicklungshelfers über den Umbruch der Lebensbedingungen zwischen Plan- und Marktwirtschaft
- Hans-Jörg Keller: Kulturschlüssel Vietnam. München 2000, ISBN 3-19-005309-X Über kulturelle Unterschiede und Besonderheiten; der Autor lebt in Vietnam und ist mit einer Vietnamesin verheiratet - sehr empfehlenswert vor einer Reise
- Huynh Quang Nhuong: Mein verlorenes Land. Verlag Sauerländer, Aarau 1986. (Jugendbuch)
- Peter Scholl-Latour: Der Tod im Reisfeld: 30 Jahre Krieg in Indochina. Ullstein, 1981, ISBN 3-548-33022-3
- Peter Krebs: Die Kinder von Vietnam. Bilanz eines modernen Krieges. Hamburg 1984, ISBN 3-455-08226-2, auch als dtv Bd. 11288, München 1990 ISBN 3-423-11288-3
- Hella Kothmann: Vietnam. Bielefeld 2000 ISBN 3-89416-838-2 Handbuch für individuelles Reisen und Entdecken auch abseits der Hauptreiserouten
- Annaliese Wulf: Vietnam - Pagoden und Tempel im Reisfeld - im Fokus chinesischer und indischer Kultur. dumont Kunstreiseführer Köln 1991 ISBN 3-7701-2237-2
- Baedeker Vietnam. Ostfildern 2002 ISBN 3-89525-905-5
- Friedrich Schwarzenauer, Lois Hechenblaikner (Fotos): Vietnam. München 1993 ISBN 3-7658-0771-0Fachkundige, fundierte Einführung in Land, Nation und Kultur incl. Abriss der Historie, sehr gekonnt von einem Profi bebildert; kann als gute Hinführung gelten, aber nicht den aktuellen Reiseführer ersetzen.
- National Centre for Social Sciences and Humanities: National Human Development Report 2001 - Doi Moi and Human Development in Vietnam. The Political Publishing House, Hanoi 2001.
- International Monetary Fund: Vietnam: Selected Issues and Statistical Appendix. Washington DC (es gibt mehrere Ausgaben - verwendet für diesen Artikel wurden die Ausgaben 1998 und 2002)
- Stanley Karnow: Vietnam, a history. New York, Penguin Books, 1997
- Jeffrey E. Curry: Passport Vietnam: your pocket guide to Vietnamese business, customs and etiquette. San Rafael 1997
- Rick Smolan, Jennifer Erwitt: Passage To Vietnam, New York 1994 ISBN 1-885559-00-3 Der ultimative, 400-seitige Bildband aus der Serie "A Day in the Life of..." mit Bildern eines einzigen Tages aus allen Landesteilen und Lebensbereichen von 70 international etablierten Fotografen
Zeitschriften
- Vietnamese Cultural Window, monatlich: The Gioi Publishers, Hanoi
- Vietnamese Studies, vierteljährlich: The Gioi Publishers, Hanoi
- VietNam Kurier, vierteljährlich: Freundschaftsgesellschaft Vietnam e.V. Düsseldorf
- Südostasien Aktuell, zweimonatlich: Institut für Asienkunde, Hamburg
Weblinks
- [http://www.vietnambotschaft.org/ Vietnamesische Botschaft in Deutschland]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=190 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.bmz.de/de/laender/partnerlaender/vietnam/index.html Deutsches Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)]
- [http://www.vietnam-dvg.de/index.html Deutsch-Vietnamesische Gesellschaft]
- [http://www.vietnam-freunde.net/ Übersicht über zahlreiche Artikel der Vietnam-Freunde]
- [http://www.undp.org.vn/undp/unews/mr/2004/eng/0726a-e.htm Vietnam im Human Development Report der Vereinten Nationen]
- Menschenrechte in Vietnam - [http://www.ahrchk.net Asiatische Menschenrechtskommission]
- [http://www.kas.de/publikationen/2003/3663_dokument.html Politisches System Vietnams aus Sicht der Konrad-Adenauer-Stiftung]
- [http://www.datenreise.de/de/censorship/vietnam.php Internetzensur in Vietnam]
Kategorie:Staat
Kategorie:Vietnam
Kategorie:Südostasien
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Vietnamesische Sprache
Die Vietnamesische Sprache (Vietnamesisch, tiếng Việt, tiếng Việt Nam, oder Việt ngữ) ist die Amtssprache in Vietnam. Sie wird von etwa 75 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, davon etwa 72 Millionen Menschen in Vietnam und schätzungsweise zwei bis drei Millionen Vietnamesen im Ausland. Sie hat keine Verwandtschaft mit der chinesischen Sprache, obwohl sie eine hohe Zahl an Lehnwörtern aus dem Chinesischen aufweist. Vietnamesisch ist eine tonale und monosyllabische Sprache (die Wörter bestehen aus nur einer Silbe). Aufgrund jahrzehntelanger kriegerischer Auseinandersetzungen und der darauf folgenden Abschottung des Landes bis in die 1980er Jahre gehört Vietnamesisch zu den linguistisch weniger erforschten Sprachen.
Verbreitung
Vietnamesisch ist ausschließlich in Vietnam Amtssprache. In Vietnam wird es von der gesamten Bevölkerung gesprochen; die zahlreichen ethnischen Minderheiten des Landes (dazu gehören Chinesen, Inder und Kambodschaner ebenso wie zahlreiche Bergvölker) sprechen die Sprache entweder als Muttersprache oder als Zweitsprache.
Weiterhin hat sich die Sprache mit der Auswanderung von Millionen Vietnamesen in die ganze Welt verbreitet. So wird Vietnamesisch vor allem in den USA, Australien, Kanada und Frankreich von Überseevietnamesen gesprochen. In Deutschland gibt es etwa 100 000 Muttersprachler, in Polen sind es etwa 5 000. Auch mehrere Hunderttausend Ausländer beherrschen die Sprache.
Klassifizierung
Die genetische Einordnung der vietnamesischen Sprache ist nicht unumstritten, wobei die Einordnung in die Mon-Khmer-Gruppe innerhalb der austroasiatischen Sprachfamilie am verbreitetsten ist. Dies geht auf die Sprachwissenschaftler Jean Przyluski und A.-G. Haudricourt zurück, die Vietnamesisch mit der Mường-Sprache verglichen, die zwar keine Tonsprache ist, aber trotzdem nachweislich mit dem Vietnamesischen verwandt ist. In einem vielbeachteten Artikel erklärte Haudricourt 1954 die Tonogenese der vietnamesischen Sprache, nämlich dass sie ursprünglich keine Tonsprache war und sich die sechs Töne erst später herausbildeten.
Eine andere bedeutende Klassifizierung der vietnamesischen Sprache stammt von Henri Maspéro. Er zählt das Vietnamesische zu den Taisprachen im Rahmen der sinotibetischen Sprachfamilie – vor allem deshalb, weil alle Taisprachen tonale Sprachen sind.
Geschichte
Die Geschichte der vietnamesischen Sprache ist nicht zweifelsfrei geklärt. Die heute vorherrschende Meinung geht auf Henri Maspéro zurück. Nach dieser gab es eine Proto-Vietnamesische Sprache, die bezüglich Flexion und Konsonantenverbindungen anderen Sprachen in der Austro-Asiatischen Sprachfamilie ähnlich war. Diese Eigenschaften sind später verloren gegangen; stattdessen hat sich die vietnamesische Sprache ähnlich anderen südostasiatischen Sprachen entwickelt (etwa den Tai-Kadai-Sprachen). So kamen Töne und der isolierende Sprachbau im Vietnamesischen auf.
Diese Vorgängersprache war möglicherweise zunächst in der Region um den Roten Fluss im heutigen Nordvietnam beheimatet und kam erst mit der langsamen Ausdehnung des vietnamesischen Einflusses nach Süden in das heutige Mittel- und noch viel später erst in das heutige Südvietnam.
Gleichzeitig zu dieser Ausdehnung kam es zu einer politischen chinesischen Dominanz über Vietnam, die 1000 Jahre dauern sollte. Die Chinesen machten die chinesische Sprache zur Literatur- und Amtssprache, sie wurde damit zur Sprache der herrschenden Klasse des Landes. Bis zum 10. Jahrhundert hatte sich eine Art Sino-Vietnamesisch herausgebildet, das eine hohe Anzahl von chinesischem Vokabular enthielt und auch mit chinesischen Zeichen geschrieben wurde. Vor allem aus dem gesellschaftspolitischen und kulturellen Bereich wurden zahlreiche Wörter in die vietnamesische Sprache übernommen.
Nach dem Ende der chinesischen Herrschaft über Vietnam bekam die vietnamesische Umgangssprache wieder höhere Bedeutung. Diese Sprache wurde ebenfalls mit chinesischen Zeichen geschrieben, die die vietnamesischen Gelehrten jedoch nach und nach an ihre Bedürfnisse anpassten, das Ergebnis war chữ nôm. Diese altvietnamesische Sprache erreichte im 16. Jahrhundert ihre Blütezeit, zahlreiche Schriftsteller verfassten heute noch bedeutende Werke in chữ nôm.
Im 17. Jahrhundert entwickelten Missionare aus Europa eine Romanisierung der vietnamesischen Sprache. Gleichzeitig begannen europäische Sprachen, speziell das Französische, die vietnamesische Sprache zu beeinflussen. Langsam entwickelte sich dadurch die mittelvietnamesische Sprache heraus. Nachdem im späten 19. Jahrhundert Vietnam zur französischen Kolonie wurde, wurde die französische Sprache auch Amts- und Bildungssprache. Viele Worte aus dem Französischen kamen als Lehnwörter in die vietnamesische Sprache, und eine bedeutende Zahl von Sino-Vietnamesischen Wörtern bekam eine neue, von westlichem Gedankengut inspirierte Bedeutung. Die chinesische Schrift, blieb jedoch in Verwendung, die romanisierte Schrift blieb bis auf weiteres nur den Missionaren vorbehalten. Erst nach der Unabhängigkeit Vietnams wurde die romanisierte Schrift eingeführt, um eine schnellere Alphabetisierung großer Bevölkerungsteile zu ermöglichen.
Schrift
Französische
Die vietnamesische Sprache wurde in drei Schriftsystemen geschrieben:
# chữ Hán, also chinesischen Schriftzeichen
# chữ Nôm, eine auf chinesischen Schriftzeichen aufbauende Schrift
# chữ Quốc ngữ, eine lateinische Schrift mit zahlreichen Zusätzen
Die vietnamesische Sprache wurde, ähnlich wie die koreanische oder japanische Sprache, von der chinesischen Sprache stark beeinflusst. Während der tausendjährigen chinesischen Fremdherrschaft (111 v. Chr. bis 968) war Chinesisch Amts- und Bildungssprache. Die Chinesen brachten mit ihrer Sprache auch ihre Literatur, Philosophie und Geschichte mit nach Vietnam. Dies führte zur Übernahme zahlreicher chinesischer Wörter in die vietnamesische Sprache, denn vor allem für die konfuzianistischen Beamtenprüfungen waren profunde Kenntnisse der chinesischen Sprache und Schrift unerlässlich.
Wahrscheinlich zu der Zeit, als sich die Sino-Vietnamesische Aussprache gefestigt hatte, also frühestens ab dem 11., sicher jedoch ab dem 13. Jahrhundert, begannen vietnamesische Gelehrte, die chinesische Schrift abzuwandeln.
Dies begann zunächst mit der Vereinheitlichung der Schreibung von vietnamesischem Wortgut, etwa Eigennamen. Später wurden eigene Zeichen eingeführt, um Wörter, die im Vietnamesischen häufig vorkamen, besser auszudrücken. Es entstand eine eigene vietnamesische Schrift, das Chữ Nôm. Diese Schrift wurde für die Chinesen letzten Endes unlesbar. Die ältesten Inschriften dieser Chữ Nôm-Zeichen finden sich auf Glocken in Tempeln und in Steininschriften. Kim Vân Kiều ist das bedeutendste literarische Werk, welches in Chữ Nôm verfasst wurde. Dieses Epos des Schriftstellers Nguyễn Du gehört bis heute zu den Klassikern der vietnamesischen Literatur und ist Standardlesestoff an vietnamesischen Schulen.
Ab dem 16. Jahrhundert begann die missionarische Tätigkeit von katholischen Priestern aus Europa (v.a. Portugal, Italien, Spanien und Frankreich). Sie benötigten eine Umschrift der vietnamesischen Aussprache in lateinische Buchstaben, um die Sprache derer, die sie vom Christentum überzeugen wollten, zu lernen. Gleichzeitig hofften sie, dass das Erlernen des lateinischen Alphabetes auch das Erlernen der jeweiligen europäischen Sprache erleichtern würde. Die Schrift, die sie entwickelten, heißt Chữ Quốc Ngữ (nationale Schrift). Die Pioniere bei der Entwicklung dieser Schrift waren Christofora Borri, Francisco de Pina und Francisco de Buzomi. Die Missionare Gaspar d’Amaral, Antoine de Barbosa und Alexandre de Rhodes erstellten in der Folge unabhängig voneinender Wörterbücher der vietnamesischen Sprache. Im Jahre 1651 wurde das Dictionarium Annamiticum Lusitinum et Latinum von Alexandre de Rhodes in Rom zum Druck freigegeben.
Chữ quốc ngữ entwickelte sich durch mehrere Modernisierungen und Vereinheitlichungen von Schreibweisen zu einer lateinischen Schrift mit zwei zusätzlichen Buchstaben für Vokale, die in westlichen Sprachen nicht existieren. Daneben werden die sechs Töne durch Diakritika dargestellt. Chữ Quốc Ngữ ist seit 1945 die offizielle Staats- und Verkehrsschrift Vietnams.
Aussprache
Die vietnamesische Schrift ist eine phonemische Schrift, d.h. dass man aus der Schreibweise die Aussprache sehr exakt ableiten kann. Die Phonemik der vietnamesischen Schreibweise ist sehr konsistent.
Aufbau der Silben
Jede vietnamesische Silbe hat einen vokalischen Kern, der aus einem oder zwei Vokalen (plus eventuell einem Halbvokal) sowie einem konsonantischen Anlaut (Anfangskonsonant) und einem konsonantischen Auslaut (Endkonsonant) besteht. Im Auslaut können nur einige stimmlose oder nasale Konsonanten stehen. Somit ergibt sich folgendes Schema:
(K1) (Hv) V1 (V2) (K2)
Vokale
In der vietnamesischen Sprache gibt es zwölf Vokale, jedoch haben zwei dieser Vokale eine identische Aussprache. Zwei ihrer Vokale (ơ, ư) sind im Deutschen unbekannt und werden zuweilen als Stöhnlaute bezeichnet.
Tonalität
Die Höhe und der Verlauf der Tonhöhe bei der Aussprache einer Silbe ist sinntragend. Dies bedeutet, dass eine falsche Aussprache des Tones sinnentstellend wirkt; beim Erlernen der vietnamesischen Sprache muss deshalb auf die Töne besonderer Wert gelegt werden.
Ohne die Töne hätte die vietnamesische Sprache eine extrem hohe Anzahl an Homonymen.
In der Schrift werden die Töne durch diakritische Zeichen kenntlich gemacht. Anders als etwa im chinesischen werden die Töne nicht numeriert, sondern durch den Namen bezeichnet.
diakritische Zeichen
# Der Normalton (Thanh không) wird mittelhoch ausgesprochen, wobei die Stimme weder steigt noch fällt. Silben im Normalton haben kein Tonzeichen.
# Der steigende Ton (Thanh sắc) beginnt hoch und steigt kurz an. Die Silben im steigenden Ton werden meist mit etwas mehr Nachdruck gesprochen. Der dominierende Vokal in der Silbe wird mit einem steigenden Akzent gekennzeichnet.
# Der fallende Ton (Thanh huyền) beginnt tief und sinkt von dort noch etwas. Er wird meist etwas weniger stark als andere Silben, dafür etwas länger, ausgesprochen. Der dominierende Vokal in der Silbe wird mit einem fallenden Akzent gekennzeichnet.
# Der tiefe gebrochene Ton (Thanh nặng) wird mit einem Punkt unter dem dominanten Vokal gekennzeichnet. Die Aussprache ist tief und fallend, sie hat ebenfalls einen Knacklaut und wird häufig mit etwas Nachdruck gesprochen.
# Der fallend-steigende Ton (Thanh hỏi) wird mit etwas mehr Nachdruck gesprochen. Die Stimmhöhe sinkt zunächst und steigt dann. Silben im fallend-steigenden Ton erhalten ein Tonzeichen, das wie das Oberteil des Fragezeichens aussieht.
# Der unterbrochen steigende Ton (Thanh ngã) steigt, jedoch enthält die Silbe einen Knacklaut. Das Tonzeichen für Silben im unterbrochen hohen Ton ist eine Tilde.
Da es Vokale gibt, die bereits von Natur aus ein diakritisches Zeichen haben, sind Vokale mit zwei Diakritika keine Seltenheit.
Nicht jede Silbe existiert in jeder Tonhöhe; einige Silben ergeben nur in einem oder zwei der sechs möglichen Töne Sinn.
Konsonanten
Die vietnamesische Sprache kennt 28 Konsonanten, wobei einige gleich ausgesprochen werden. Nicht jeder der Konsonanten kann auch am Silbenende stehen, wobei Endkonsonanten prinzipiell anders ausgesprochen werden als Konsonanten, die am Ende deutscher Silben stehen, nämlich in der Regel unbehaucht oder unexplodiert.
Dialekte
Es gibt drei wesentliche Dialekte. Die Sprecher des einen Dialektes können jedoch in jedem Fall den Sprecher eines anderen Dialektes verstehen, denn die Dialekte unterscheiden sich nur in der Aussprache und Wortwahl, nicht aber in Grammatik oder Syntax. Die drei Dialekte sind:
# Nordvietnamesischer Dialekt (Hanoi-Dialekt), früher auch Tonkinesisch genannt
# Zentralvietnamesicher Dialekt (Hué-Dialekt), früher auch Hoch-Annamesisch genannt
# Südvietnamesischer Dialekt (Saigon-Dialekt), früher auch Cochinchinesisch genannt
Hauptunterschiede bestehen bezüglich der Aussprache der Töne – die Norddialekte neigen dazu, die Töne stärker voneinander zu unterscheiden als die Süddialekte; das betrifft besonders den hỏi-Ton und den ngã-Ton.
Die Rechtschreibung ist an den Dialekt der Hauptstadt angelehnt. Dieser Dialekt gilt innerhalb Vietnams auch als eleganter, während der Süddialekt als eher grob gilt.
Grammatik
Das Vietnamesische ist eine isolierende Sprache. Die Wörter werden also nicht flektiert, die Beziehung eines Wortes im Satz zu anderen Wörtern wird nur durch ihre Stellung im Satz deutlich. Deshalb wird die Satzkonstruktion Subjekt – Prädikat – Objekt im allgemeinen eingehalten. Ausnahmen, etwa das Vorziehen des Objekts an den Satzbeginn zum Zwecke der Betonung, sind möglich.
Da es keine Tempora gibt, wird die Zeitform nur aus dem Kontext sichtbar, d. h. sie geht aus dem Zusammenhang hervor oder wird angegeben.
Bedeutsam ist das Vorkommen von Zähleinheitswörtern in der vietnamesischen Sprache. Wie in anderen asiatischen Sprachen ist es nicht möglich, das Numeral und das Nomen direkt zu verbinden, sondern es muss ein Zähleinheitswort dazwischengestellt werden. Diese unterscheiden sich danach, ob das Nomen belebt ist oder nicht, bei unbelebten Nomen sind Eigenschaften wie die Form entscheidend.
Ähnlich wie in romanischen Sprachen steht bei Attributkonstruktionen das Attribut immer nach dem Wort, das es näher beschreibt, also etwa tiếng Việt (Sprache Vietnam).
Wortschatz
Vietnamesisch ist eine Sprache, bei welcher ursprünglich jedes Wort nur aus einer einzigen Silbe bestand. Bis heute sind das Grundvokabular und alle grammatisch bedeutsamen Wörter einsilbig. Im Laufe der Geschichte sind jedoch zahlreiche zweisilbige Wörter in den Wortschatz der Sprache aufgenommen worden. Mehrsilbige Wörter werden aber, von Eigennamen abgesehen, als mehrere Einzelsilben geschrieben.
Mehrsilbige Wörter sind entstanden, in dem man neue Formen aus existierenden Wörtern zusammengesetzt hat, etwa bàn ghế (Tisch Stuhl, Bedeutung: Möbel) oder nước mắt (Wasser Auge, Bedeutung: Träne).
Weiterhin sind mehrsilbige Lehnwörter aus dem chinesischen in die vietnamesische Sprache aufgenommen worden. Sind sie zweisilbig, so erkennt man sie leicht daran, dass das Beschreibende nicht hinter dem Beschriebenen steht (wie im Lateinischen: domus magna), sondern das Beschreibende vor dem Beschriebenen steht (wie im Deutschen: Das große Haus). Die Aussprache ähnelt dabei nicht dem Mandarin, sondern südchinesischen Sprachen. Beispiele sind đại học (chin. 大學 = Großes Lernen (ein Buch des Konfuzius), Bedeutung: Universität, Aussprache fast ganz gleich wie in der Kantonesischen Sprache) oder ngữ pháp (chin. 文法 = Schrift-Gesetz, Bedeutung: Grammatik). Es gibt eine hohe Anzahl an Synonympaaren, wobei das eine Wort aus vietnamesischen Komponenten zusammengesetzt ist, während es ein Wort chinesischen Ursprunges mit gleicher Bedeutung gibt. In der Regel wird das sino-vietnamesische Wort als archaisch empfunden und es gibt Bestrebungen, durch Standardisierungen die sino-vietnamesischen Wörter abzuschaffen.
Wörter mit neueren Bedeutungsinhalten werden in der Regel durch Umschreibung geschaffen. Dazu gehört beispielsweise máy thu thanh (Maschine sammeln Klang, Bedeutung: Radio).
Bedingt durch die jahrezehntelange französische Kolonialherrschaft gibt es eine Reihe französischer Worte im Vietnamesischen, die vor allem technische Ausdrücke wiedergeben. Dazu gehören etwa ga (von gare, Bahnhof) oder xi-măng (von ciment, Zement).
Vietnamesisch im Unicode
Literatur
- Đinh-Hoà Nguyễn: Vietnamese. In: Bernard Comrie (Hrsg.): The languages of East and Southeast Asia. London 1990, S. 49ff. ISBN 0-415-04739-0. Sehr brauchbarer Überblick über Herkunft und Besonderheiten der vietnamesischen Sprache.
- Haudricourt, A.-G.: La place du vietnamien dans les langues austroasiatiques. in: Bulletin de la Societé Linguistique de Paris, 1953 (49), S. 122-128. Der Aufsatz, welcher zur aktuellen Einordnung der vietnamesischen Sprache führte
- Haudricourt, A.-G.: De l'origine des tons en vietnamien. Journal Asiatique, 1954 (242), S. 69-82. Der Aufsatz, in dem Haudricourt die Entwicklung der Töne in der vietnamesischen Sprache belegt.
Weblinks
-
- [http://www.ethnologue.com/show_language.asp?code=VIE Ethnologue] (englisch)
- [http://www.vov.org.vn/amthanh1/tiengviet/hoctiengviet/hoctiengviet1.htm Einführender Sprachkurs von Radio VOV] (englisch/vietnamesisch)
- [http://vdict.com/ Online-Wörterbuch: Vietnamesisch - English - Französisch] (englisch)
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Vietnam
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th:ภาษาเวียดนาม
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Südostasien
& Indochinesische Halbinsel) und Indonesischem Archipel]]
Südostasien ist ein Teil des asiatischen Kontinents und umfasst etwa die Hinterindische Halbinsel und den Indonesischen Archipel.
Religionen
In Südostasien leben etwa 600 Mio. Menschen.
Buddhismus (240 Mio.) und Islam (230 Mio.) sind die Hauptreligionen in diesem Teil Asiens.
Auch etwa 130 Mio. Christen leben in Südostasien. Die meisten davon auf den Philippinen (rund 80 Mio.), Indonesien (30 Mio.) und Vietnam (etwa 7-8 Mio.)
Der Islam spielt erst seit den religiös inspirierten Aufständen in den siebziger Jahren in Indonesien und den Philippinen politisch eine größere Rolle. Traditionell ist der Islam in Südostasien synkretistisch und gemäßigt; er wurde ab dem 13. Jahrhundert via Indien importiert. Aufgrund der globalen Islam-Renaissance sowie politischer und sozialer Repression gewannen Fundamentalisten in den letzten Jahren aber an Zulauf. Am berüchtigtsten ist die indonesische Jemaah Islamiah (JI), die mit Terror das Ziel eines südostasiatischen Kalifats verfolgt und über enge Kontakte zur al Kaida verfügen soll.
Geographie
Im Norden grenzt Südostasien, welches das Australasiatische Mittelmeer enthält, an China, im Osten an den Pazifischen Ozean (mit Polynesien und Melanesien), im Südosten an Australien und im Süden und Westen an den Indischer Ozean (mit der Andamanensee und dem Golf von Bengalen) und im Westen an Indien.
Teilgebiete & Abgrenzung
Südostasien besteht u.a. aus der Hinterindischen Halbinsel und Chinas Südküste, beides Bereiche des asiatischen Festlands, dem Indonesischen Archipel:
Hinterindische Halbinsel:
- Indochinesische Halbinsel
- Malaiische Halbinsel
Meere
An Südostasien grenzen diese Meere:
alphabetisch sortiert
- Indischer Ozean
- Andamanensee
- Australasiatisches Mittelmeer (siehe dort)
- Golf von Bengalen
- Malakkastraße
- Pazifischer Ozean
- Australasiatisches Mittelmeer (siehe dort)
- Malakkastraße
Inselwelt
Siehe: Australasiatisches Mittelmeer
Geschichte
Unmittelbar nach ihrer Unabhängigkeit in den 1950er Jahren verfolgten die südostasiatischen Staaten einen nationalistisch inspirierten Alleingang. Wirtschaftspolitisch verfolgten sie mit Ausnahme Singapurs bis in die siebziger Jahre das Konzept der Importsubstitution. Äußere Einflüsse – die kommunistische Bedrohung durch China und die Sowjetunion, vor allem der Korea-Krieg 1950-53 und die Indochina-Krisen seit den 1960er Jahren – zeigten auf sicherheitspolitischem Gebiet die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der westlich orientierten Staaten auf. Erste Gehversuche regionaler Kooperation, vor allem die SEATO, scheiterten jedoch rasch. Der traditionelle bilaterale Ansatz Washingtons in Südostasien erschwerte die regionale Kooperation zusätzlich, die anfänglich ganz unter dem Motto stand, die bilateralen regionale Konflikte einzudämmen, um so einen von Einmischungen freien Entwicklungsweg verfolgen zu können. Regionale Kooperation als solche hatte keinen Wert an sich.
Die Politik hinkte daher der in den siebziger Jahren verstärkt einsetzenden Regionalisierung – vorangetrieben von den Marktkräften, namentlich japanischen Konzernen und auslandchinesischen Firmennetzwerken – lange Zeit hinterher. Erst Anfang der neunziger Jahre begannen die in der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) verbundenen Regierungen, den Integrationsprozess mit der Schaffung einer Freihandelszone (AFTA) aktiv zu steuern. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle Mitglieder einen marktwirtschaftlichen, exportorientierten Pfad eingeschlagen. – Seit den 1990er Jahren versteht es ASEAN zudem, sicherheitspolitische und ökonomische Institutionen zu etablieren und damit Brücken zwischen Südost- und Ostasien zu schlagen, wobei auch die USA geschickt einbezogen wurde. Vor allem der nach der Asien-Krise 1997 entstandene Koordinationsmechanismus ASEAN+3, der ASEAN mit China, Japan und Südkorea verbindet, scheint ausbaufähig. Insgesamt gilt ASEAN, der mit Ausnahme Osttimors alle zehn südostasiatischen Nationen angehören, als das erfolgreichste Regionalbündnis nach der EU. Bis 2020 soll gar eine Asiatische Gemeinschaft mit einer ökonomischen, kulturellen und sicherheitspolitischen Säule entstehen; eine supranationale Zusammenarbeit ist indes nicht geplant. Am aktivsten vorangetrieben wird das Integrationsprojekt von Singapur und Thailand, wogegen die ökonomisch weniger entwickelten Staaten, speziell Vietnam, eher bremsen.
Staaten
alphabetisch sortiert
- Bangladesh - wohl nur der äußerste Südosten des Staats
- Brunei - kompletter Staat
- China - wohl nur der äußerste Süden des Staats
- Indonesien - kompletter Staat
- Indien - nur der äußerste Südosten des Nordostteils des Staats
- Andamanen und Nikobaren - komplette Inselgruppe
- Kambodscha - kompletter Staat
- Laos - kompletter Staat
- Malaysia - kompletter Staat
- Myanmar (früher Birma oder Burma) - kompletter Staat
- Osttimor (offiziell Timor-Leste) - kompletter Staat
- Philippinen - kompletter Staat
- Singapur - kompletter Staat
- Taiwan - komplettes Gebiet
- Thailand (früher Siam) - kompletter Staat
- Vietnam - kompletter Staat
Siehe auch
- ASEAN
- Asien
- Nordasien
- Ostasien
- Südasien
- Südostasien
- Hinterindische Halbinsel:
- Indochina
- Indochinesische Halbinsel
- Malaiische Halbinsel
- Vorderasien
- Zentralasien
Ostindien-Kompanie
Literatur
- Reginald le May: Südostasien. Das Erbe Indiens. Zürich 1967
Kategorie:Asien
Kategorie:Südostasien
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Laos
Die Demokratische Volksrepublik Laos ist ein Staat in Südostasien. Sie grenzt an China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar. Das einzige Binnenland in Südostasien hat sechs Millionen Einwohner auf einer Fläche von 236.800 km²; Hauptstadt und größte Stadt ist Vientiane.
Geographie
Lage
Der schmale Südteil von Laos liegt auf der Indochinesischen Halbinsel zwischen Vietnam im Osten, Kambodscha im Süden und Thailand im Westen.
Der Nordteil des Landes liegt auf dem eigentlichen südostasiatischen Festland, hier teilt sich Laos zudem Grenzen mit der südchinesischen Provinz Yunnan und Myanmar.
Landschaftsbild
Myanmar
Laos, das einzige Binnenland Südostasiens, lässt sich topographisch in zwei Gebiete gliedern. Ein von Gebirgen geprägtes Gebiet zieht sich in Nord-Süd-Richtung fast durch das gesamte Land und erreicht dabei Höhen über 2.000 Meter, ihr höchster Berg ist der Phu Bia mit 2.819 m. Diese Gebirgsregion umfasst etwa neun Zehntel des Landes. Die übrige Region, in der sich auch die Hauptstadt Vientiane befindet, ist ein kleines Tiefland an der Süd- und Südwestgrenze zu Thailand,
Der bedeutendste Fluss ist der Mekong, der in Tibet entspringt und bei Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam) ins Südchinesische Meer mündet. Er bildet auf einer Länge von etwa 1.000 Kilometern die Grenze zu Thailand und auch zu Myanmar; insgesamt berührt er laotisches Territorium auf 1.898 Kilometern. Der größte Teil des Landes befindet sich im Mekong-Becken und entwässert somit in das Südchinesische Meer. Nur 12 % des Territoriums, ganz im Nordosten, entwässern in den Golf von Tonkin. Am Mekong liegt die Hauptstadt Vientiane und die Stadt Luang Prabang. Andere wichtige Flüsse sind der Nam Ou, Nam Ngum sowie der Nam Xebanghieng.
Klima
Nam Xebanghieng
In Laos herrscht tropisches Klima mit hohen Temperaturen, wobei es durch die großen Höhenunterschiede regional zu starken Temperaturschwankungen kommen kann. Das Klima wird sehr stark von den Monsunen beeinflusst. Von Mai bis Oktober herrscht der Sommer- oder Südwestmonsun, der mit starken Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit verbunden ist. In dieser Zeit fällt eine Niederschlagsmenge von durchschnittlich 1.778 Millimetern, während zwischen November und Februar durch den Nordostmonsun ein trockenes und kühleres Klima anzutreffen ist. In den Monaten März und April herrscht feucht-heißes Klima.
Natur
Das Land ist etwa zu 50 % bewaldet. Es gibt sowohl Regenwälder mit tropischen Pflanzen wie auch Monsunwälder. Rund 8 % der Wälder werden als Urwald eingestuft. Laos beheimatet Tierarten wie Leoparden, Tiger und Elefanten, die wie in den anderen Ländern Südostasiens als Lasttiere eingesetzt werden.
Städte
Die größten Städte in Laos sind (Stand 1. Januar 2005): Vientiane 196.644 Einwohner, Pakxé 88.463 Einwohner, Savannakhet 66.552 Einwohner und Luang Prabang 47.510 Einwohner.
- Siehe auch: Liste der Städte in Laos
Bevölkerung
Die Bevölkerung von fast sechs Millionen verteilt sich sehr ungleichmäßig über das Territorium. Die größte Bevölkerungsdichte weisen die Ebenen am Mekong auf, darunter besonders die Region um die Hauptstadt. Die bergigen Gebiete im Osten und Norden sind sehr dünn besiedelt.
Weniger als ein Drittel der Bevölkerung lebt in Städten. Das größte urbane Ballungszentrum, Vientiane, hat eine Bevölkerung von schätzungsweise 600.000.
Volksgruppen
Trotz der relativ niedrigen Bevölkerungszahl hat das Land eine sehr hohe Vielfalt in seiner ethnischen Zusammensetzung. Über die genaue Anzahl der ethnischen Gruppen gibt es immer wieder Diskussionen, da die Unterteilung der Gruppen nach mehreren Kriterien erfolgen kann.
Liste der Städte in Laos
Die Regierung von Laos unterscheidet die folgenden drei Gruppen nach ihrem Siedlungsgebiet (und nicht nach linguistischen Kriterien):
- die Lao Loum leben in den Ebenen und vor allem in Städten. Sie machen ca. 67 % der Gesamtbevölkerung aus.
- die Lao Theung leben auf den Hängen der Hügel und Berge bis in eine Höhe von etwa 1000 Metern. Anteil an der Gesamtbevölkerung: ca. 22 %. Sie gelten als die Urbevölkerung des heutigen Laos.
- Lao Soung bewohnen die Regionen, die über 1000 Metern Seehöhe liegen und extrem abgelegene Gebiete. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wird auf 10 % geschätzt.
In rein linguistischer Hinsicht gibt es in Laos vier große Gruppen, nämlich die Lao-Tai, Mon-Khmer, Tibeto-Birmanische und die Hmong-Yao-Familien. Diese Unterteilung ist Gegenstand von Diskussionen und Änderungen – bei der Volkszählung 1985 unterschied man noch sechs Sprachfamilien.
Unter den Sprachfamilien werden 47 Ethnien und 149 Untergruppen unterschieden (1985 waren es 68 Ethnien und mehr als 800 Untergruppen).
Menschen, die nicht unter diese vier Sprachgruppen fallen, sind Einwanderer indischer, thailändischer, chinesischer oder vietnamesischer Herkunft. Deren Anzahl ist aber in den letzten 50 Jahren stark zurückgegangen. Die meisten verließen Laos in zwei Wellen – nach der Unabhängigkeit des Landes und nach der Machtübernahme der Kommunisten.
Bildung
Laos verzeichnet eine niedrige Alphabetisierungsrate. So können nur Zweidrittel der Männer und Eindrittel der Frauen über 15 Jahre lesen und schreiben. Rund 40 % der Laoten haben noch nie eine Schule besucht, in den nördlichen Provinzen wie Louang Namtha oder Phongsaly sind es mehr als 60 %. Zweidrittel der laotischen Kinder brechen vorzeitig die sechs Jahre lange Grundschule ab, um zum Lebensunterhalt der Familie etwas beitragen zu können.
Gesundheit
Phongsaly
Durch Fehlen moderner Einrichtungen zur Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung ist in ganz Laos Malaria verbreitet, obwohl das Risiko in und um Vientiane deutlich niedriger ist als anderswo. Zwischen Mai und Oktober ist das Malariarisiko am höchsten. Einige der vorkommenden Malariaerreger sind gegen bestimmte Prophylaxemedikamente bereits resistent. Weitere Krankheiten, die von Stechmücken übertragen werden, sind Dengue-Fieber und Japanische Enzephalitis, daneben sind Hepatitis und Typhus weitere gefährliche Krankheiten, gegen die Touristen zeitig genug vor der Einreise nach Laos geimpft sein müssen. Auf einen Arzt kommen 5.393 Einwohner. Das vom Gesundheitsministerium unterhaltene Gesundheitswesen stellt Einrichtungen zur mobilen Gesundheitsfürsorge und stellt pro 389 Einwohner ein Krankenhausbett zur Verfügung. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 54 Jahren.
Vorbereitet sein müssen Reisende auch auf Durchfallerkrankungen sowie Dehydrierung. HIV/AIDS ist in Laos noch wenig verbreitet, auch wenn offizielle Statistiken nicht zuverlässig sind. Laos ist jedoch von Ländern umgeben, in denen HIV ein allgemeines Problem geworden ist. Durch verstärkte Migration innerhalb Indochinas, etwa laotische Arbeiter in den Nachbarländern oder ausländische Beschäftigte in Laos, sowie Tourismus und den weiterhin niedrigen sozialen Status der Frau wird sich HIV wahrscheinlich auch in Laos weiter ausbreiten, obwohl es Regierungsinitiativen zur HIV-Aufklärung gibt.
Sprache und Schrift
Laos ist, speziell in Anbetracht der niedrigen Bevölkerungszahl, ein Land mit außerordentlicher linguistischer Vielfalt, die aber aufgrund der Abgeschiedenheit noch nicht sehr weit erforscht ist. So ist die genaue Anzahl der unterscheidbaren Sprachen unbekannt und wird mit 70 bis 120 angegeben. Die Sprachen gehören zu vier verschiedenen Sprachgruppen:
- Tai-Sprachen, deren südwestliche und nördliche Zweige bereits seit etwa 2000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Laos gesprochen werden. Die Anwesenheit dieser Sprachen ist das Ergebnis der Südwestmigration von Tai-Völkern aus Südwestchina vor etwa 2000 Jahren. Zu den Tai-Sprachen gehört auch die Amtssprache des Landes, die Laotische Sprache.
- Mon-Khmer-Sprachen, die vor der Ankunft aller anderen Sprachen vorherrschten. Sie sind geographisch am weitesten verbreitet und weisen die höchste interne Diversität auf. Viele dieser Sprachen stehen jedoch kurz vor dem Aussterben, andere, speziell im Norden verbreitete Sprachen, sind fester Bestandteil des Kulturlebens der dortigen Bevölkerung, wie etwa das Khmu.
- Miao-Yao-Sprachen werden in Laos erst seit etwa 200 Jahren gesprochen, sie kam mit Migranten aus Südwestchina ins Land.
- Tibeto-Birmanische Sprachen (Lolo-Birmanischer Zweig).
Die Amtssprache in Laos ist Laotisch, welche eine Tonsprache ist und große Ähnlichkeit zum Thai hat. Sie wird von etwa 2 Millionen Menschen in Laos als Muttersprache gesprochen, dazu kommen etwa 20 Millionen Personen in Nordthailand, die einen Thai-Dialekt sprechen, der sehr ähnlich dem Laotischen ist. Das Laotische ist zur Kommunikationssprache zwischen den laotischen und nichtlaotischen Volksgruppen des Landes geworden. Es gibt eine eigene laotische Schrift, welche mit dem Sanskrit verwandt ist. Es ist ein phonetisches Alphabet, was bedeutet, dass man die Wörter schreibt, wie sie ausgesprochen werden. Die Töne werden durch die Kombinationen der Vokale und Konsonanten und teils durch Diakritika deutlich gemacht.
Obwohl das Laotische Amtssprache ist und die Regierung versucht, die Benutzung dieser Sprache im ganzen Land durchzusetzen, beherrscht sie nicht jeder Einwohner des Landes. Das liegt vor allem an der schwachen Infrastruktur, aber auch an der Stärke anderer Sprachen, speziell der Hmong-Sprachen. Das Vordringen des Laotischen geht aber schnell voran, vor allem durch die Medien und durch Binnenmigration aus dem Bergland in die Ebenen.
Die beiden bedeutendsten Fremdsprachen in Laos sind Thai und Vietnamesisch. Thai ist für Laoten sehr leicht erlernbar und ist im Land vor allem durch die thailändischen Medien präsent, jedoch auch durch laotische Gastarbeiter, die zeitweilig in Thailand arbeiten. Vietnamesisch wird entlang der Grenze zu Vietnam gesprochen, um den Grenzverkehr zu erleichtern, daneben gibt es in den Städten bedeutende Gruppen von Vietnamesen. Die Französische Sprache ist aufgrund der kolonialen Vergangenheit bedeutend, wird jedoch zunehmend von Englisch, der offiziellen ASEAN-Sprache, verdrängt.
ASEAN
Religion
Die laotische Kultur ist sehr eng mit der Religion verbunden. Die buddhistischen Tempel bildeten in früheren Zeiten in jedem Dorf das geistige Zentrum. Das Leben der laotischen Menschen war von der Religion bestimmt und die meisten Aktivitäten erfolgten nach dem buddhistischen Kalender. Vientiane und Luang Prabang sind als Städte der tausend Tempel bekannt und weisen eine große Anzahl von Beispielen traditioneller Kunst und Architektur auf. Der Königspalast in Luang Prabang und der That-Luang-Stupa in Vientiane sind die bekanntesten Nationalheiligtümer in Laos.
Die Hauptglaubensrichtung in Laos ist der Theravada-Buddhismus, der um 800 in das Gebiet des heutigen Laos kam. Es ist eine verbreitete Sitte, dass Jungen oder junge Männer ein paar Tage bis Wochen in einem Tempel als Mönch verbringen. Ebenso haben viele Familien einen kleinen Altar in ihrem Haus.
Ahnenkult und Animismus sind vor allem in der Bevölkerung der Gebirgsregionen verbreitet, wobei diese Leute teils zum Buddhismus übergetreten sind, ohne ihren traditionellen Glauben aufzugeben.
Kleine Gruppen von Moslems, Christen sowie Anhänger vietnamesischer und chinesischer Sekten finden sich in den Städten.
1999 wurde das Christentum zum öffentlichen Feind Nr. 1 ernannt. (Siehe auch Christenverfolgung)
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Laos
siehe auch: Liste der Herrscher von Laos
Archäologische Funde in Huaphanh und Luang Prabang belegen menschliche Aktivität auf dem Gebiet des heutigen Laos vor etwa 40.000 Jahren. Siedlungen sesshafter, Landwirtschaft betreibender Bewohner gab es um 4000 v. Chr., während Funde in Grabstätten aus der Zeit um 1500 v. Chr. auf eine komplexe, entwickelte Gesellschaft schließen lassen. Ab etwa 700 v. Chr. wurden im heutigen Laos Eisenwerkzeuge verwendet, die auf enge Kontakte mit benachbarten indischen und chinesischen Zivilisationen hindeuten. Die ersten Bewohner des heutigen Laos werden als Kha-Völker bezeichnet. Die Kha-Völker besiedelten das Land um 500 n. Chr. und lebten unter der Verwaltung des Staates Funan.
Die Wurzeln des heutigen Laos führen ins 14. Jahrhundert, als Fa Ngum das Königreich Lan Xang, das Reich der Millionen Elefanten, gründete. Das Königreich umfasste das gesamte heutige Laos, sowie das heutige Nordthailand und Teile Myanmars. Es erreichte im 17. Jahrhundert unter König Sulignavongsa seine Glanzzeit, in welcher bemerkenswerte Kulturgüter, vor allem in Literatur und Dichtung, geschaffen wurden. Handel und Bildung erreichten in dieser Zeit ein hohes Niveau. Das Lan-Xang-Königreich existierte bis ins 18. Jahrhundert und zerfiel dann in drei rivalisierende Dynastien: Luang Prabang, Vientiane und Champasak. Alle drei waren ständigen Invasionen der mächtigeren Nachbarn aus Burma, Siam (Thailand) und Vietnam ausgesetzt. Siam erreichte schließlich die Hoheit über das Gebiet und zwang viele Bewohner von Laos dazu, sich in siamesischem Gebiet anzusiedeln.
Hoheit
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erlangten die Franzosen als Kolonialmacht immer stärkeren Einfluss in Indochina. Im Jahre 1893 eroberten die Franzosen die linke Uferseite des Mekong und zwangen Siam zur Anerkennung des Mekong als Grenze. Das heutige Laos wurde als "Protektorat Laos" in die französische Kolonie Indochina eingegliedert. Sämtliche Pläne für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes blieben jedoch unverwirklicht. Im frühen 20. Jahrhundert bildeten sich in Indochina Widerstandsbewegungen gegen die französische Kolonialherrschaft. Unter anderem gründete Ho Chi Minh 1930 die Kommunistische Partei Indochinas, deren Ziel die Vertreibung der Kolonialherren war.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Laos vorübergehend durch Japan besetzt. Nachdem Japan bedingungslos kapituliert hatte und sich aus dem Land zurückziehen musste, erklärte Laos am 12. Oktober 1945 seine Unabhängigkeit. Es gelangte jedoch wiederum unter die Herrschaft der Franzosen. Am 19. Juli 1949 wurde der französisch-laotische Vertrag unterzeichnet, der Laos zu einem unabhängigen Mitglied innerhalb der Union Française machen sollte. Daraufhin spaltete sich die Lao Issara (Unabhängigkeitsbewegung), da nur ein Teil der laotischen Unabhängigkeitskämpfer mit diesem Vertrag zufrieden war. In den folgenden Jahren ging der Einfluss Frankreichs zurück, Wahlen fanden statt und die USA gewannen an Einfluss. Frankreich unterlag schließlich in Vietnam und gab am 21. Juli 1954 während der Indochinakonferenz (Genfer Konferenz) offiziell alle Ansprüche in Indochina auf, sagte zu, seine Truppen abzuziehen und die Unabhängigkeit Laos' anzuerkennen, womit Laos schließlich seine vollständige Souveränität erlangte.
Während des Vietnamkriegs war Laos neutral und es gab keine offizielle Kriegserklärung der Vereinigten Staaten an Laos. Trotzdem bombardierten die US-amerikanischen Streitkräfte Laos massiv, denn der Ho-Chi-Minh-Pfad verlief zu einem bedeutenden Teil über laotisches Territorium. Es wurden über Laos mehr Bomben abgeworfen als im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen, womit Laos zu den schwerst bombardierten Ländern der Welt gehört.
Nach dem Ende des Vietnamkrieges übernahmen die kommunistisch und neutralistisch geprägten Kräfte der Pathet Lao durch eine unblutige Revolution im Jahre 1975 die Macht und proklamierten am 2. Dezember 1975 die Demokratische Volksrepublik Laos. Die Laotische Revolutionäre Volkspartei wurde zur regierenden Partei des Landes bestimmt und der erste Premierminister, Kaysone Phomivane blieb bis 1992 in seinem Amt. Durch politische und wirtschaftliche Repressionen blieb das Land weithin unsicher und instabil und etwa 10 % der Bevölkerung verließen Laos, vor allem in Richtung Thailand, Frankreich, USA und Australien.
Aufgrund von schwerwiegenden Wirtschaftsproblemen leitete Laos ab 1986 unter dem Namen Neuer ökonomischer Mechanismus eine Öffnungs- und Reformpolitik ein mit dem Ziel, den allmählichen Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft zu realisieren. Im Rahmen dieser Reformen wurden Wirtschaftsliberalisierungen durchgeführt und die Beziehungen zum Ausland verstärkt.
Auch politische Reformen werden allmählich in Angriff genommen. So verabschiedete die Volksversammlung am 14. August 1991 die erste Verfassung seit der Machtübernahme der Kommunisten und seit 1997 ist Laos Mitglied der ASEAN.
Einen nach wie vor ungelösten Konflikt gibt es in der Sonderzone Saysomboun nordöstlich von Vientiane, wo es noch heute Freiheitskämpfer gegen die kommunistische Regierung gibt. Diese rekrutieren sich hauptsächlich aus Mitgliedern der Hmong-Minderheit und haben sich in die Bergregionen zurückgezogen, wo sie in großer Armut leben. Wiederholt kommt es jedoch zu Überfällen und Attentaten in und um Vientiane und an wichtigen Verkehrswegen, denen nicht zuletzt ausländische Touristen zum Opfer gefallen sind. Andererseits wird auch von schweren Menschenrechtsverletzungen des Militärs im Kampf gegen die Aufständischen berichtet.
Politik
Die kommunistische Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP) regiert das Land seit der Proklamation der Demokratischen Volksrepublik Laos am 2. Dezember 1975. Erst seit 1991 gibt es eine Verfassung (Nationalversammlung) und ein Parlament, das seit 1997 99 Sitze hat. Seitdem gilt auch das Prinzip der zentralisierten Demokratie, das heißt, dass die Nationalversammlung Entscheidungen in Absprache mit den niedrigeren Verwaltungsebenen fällt.
Legislative
Das Staatsoberhaupt von Laos ist der Präsident, den die Laotische Revolutionäre Volkspartei stellt und der in der Regel auch Parteivorsitzender ist. Der Präsident ernennt den Premierminister und seine Stellvertreter, Minister, Provinzgouverneure und Bürgermeister der Präfekturen, wobei er sich alle Personalentscheidungen vom Parlament bestätigen lassen muss.
Die gesetzgebende Körperschaft ist die Nationalversammlung, ein Ein-Kammer-Parlament, welches in allgemeinen Wahlen bestimmt wird. Es gibt pro 50.000 Menschen ein Parlamentsmitglied, wobei es pro Provinz mindestens drei Parlamentarier geben muss. Es gibt ein allgemeines aktives Wahlrecht ab 18 Jahren und ein passives Wahlrecht ab 21 Jahren. Bei den Parlamentswahlen gibt es in der Regel mehr Kandidaten als Sitze. Die Nationalversammlung wird für einen Zeitraum von fünf Jahren gewählt.
Aufgabe des Parlamentes ist es, Gesetzesvorschläge des Staatspräsidenten, des ständigen Ausschusses der Nationalversammlung, der Regierung, des Präsidenten des Obersten Gerichtes oder der Obersten Staatsanwaltschaft zu diskutieren und zu verabschieden. Auch Massenorganisationen dürfen unter gewissen Voraussetzungen Gesetzesentwürfe einbringen. Das Parlament ist auch für die Genehmigung von Wirtschaftsplanung, Budget sowie Änderungen in der Regierung zuständig. Es wählt den Staatspräsidenten, den Vizepräsidenten sowie die Präsidenten vom Obersten Gericht und Staatsanwaltschaft. Es genehmigt auch Personalvorschläge des Staatspräsidenten.
Exekutive
Der Premierminister ist auch Vorsitzender des Ministerrates und somit höchster Repräsentant der Exekutive. Er hat eine Reihe von Stellvertretern (nämlich die Minister für Verteidigung, Finanzen und Äußeres). Seine Amtszeit ist wie jene der Parlamentsabgeordneten auf fünf Jahre festgelegt.
Die Verwaltungen der Provinzen und Distrikte haben die gleiche Struktur wie die Zentralregierung. Die Gemeindevertreter werden andererseits von der Bevölkerung gewählt und danach vom Provinzgouverneur formell ernannt.
Judikative
Nominell gibt es in Laos ein oberstes Gericht sowie Gerichte auf Provinz- und Distriktebene, daneben gibt es noch Militärgerichte. Ebenso gibt es Staatsanwaltschaften auf Landes-, Provinz- und Distriktebene.
Die Gesetzgebung in Laos ist jedoch nicht sehr konsistent und Rechtssicherheit ist größtenteils nicht gegeben. Für die Lösung von Konflikten hat deshalb Schlichtung eine große Bedeutung, und auf Gemeindeebene liegt dies in der Regel in der Verantwortung der Dorfältesten.
Administrative Gliederung
Hauptartikel: Administrative Gliederung von Laos
Laos gliedert sich in 16 Provinzen (khoueng), eine Präfektur (kampheng nakhon) sowie eine Sonderzone (khetphiset). Darunter folgt eine Unterteilung in etwa 140 Distrikte und über 11.000 Gemeinden.
Infrastruktur
Laos verfügt über 13.000 Kilometer Straße, wovon jedoch nur etwa 1.700 asphaltiert sind. Die wichtigste Straßenverbindung ist die Nationalstraße 1, die von Pak Mong im Norden nach Khong im Süden führt und dabei die wichtigen Städte Luang Prabang, Vientiane, Savannakhet und Champasak quert.
Öffentlicher Verkehr mit Bussen ist momentan noch selten anzutreffen, lediglich zwischen Vientiane und Pakse verkehren regelmäßige Linienbusse. Ansonsten sind aufgrund schlechter Straßenverhältnisse eher Lkw mit Holzsitzen anzutreffen. Die Fahrzeit kann je nach Witterungslage und technischem Zustand des Fahrzeuges länger oder kürzer dauern.
Der größte Flughafen befindet sich nahe Vientiane (Flughafen Wattay).
Der Luftverkehr wird von der staatlichen Lao Airlines (früher Lao Aviation) dominiert. Sie bietet Flüge in die Nachbarländer sowie Inlandsflüge an. Die Linie ist jedoch hoch verschuldet, da die Ticketpreise zu niedrig sind, um die Kosten zu decken. Der Service und auch die Sicherheit erreichen nicht westliche Standards. Lao Airlines wird deshalb in Zusammenarbeit mit europäischen Beratern restrukturiert und neu ausgerichtet. Es wurde ein Joint Venture gegründet, um neue Flugzeuge zu beschaffen. Der für Besucher interessanteste Weg, per Flugzeug nach Laos zu gelangen, ist über Bangkok, von wo es regelmäßig Verbindungen nach Vientiane gibt. Andere Verbindungen werden häufig storniert.
Es gibt in Laos keine Eisenbahn, aber Pläne, Vientiane über die Thai-Lao-Freundschaftsbrücke an das thailändische Eisenbahnnetz anzubinden.
Laos verfügt über einige schiffbare Flüsse, allen voran der Mekong, der auf etwa 1.300 km schiffbar ist. Durch Stromschnellen und einen Wasserfall hat der Mekong jedoch nur eine begrenzte Bedeutung für den Verkehr. Andere für den Transport wichtige Flüsse sind Nam Ou, Nam Khan, Nam Tha, Nam Hgur sowie Se Don. Auf den laotischen Wasserwegen ereignen sich überdurchschnittlich viele Unfälle.
Das Telefonnetz von Laos deckt nach wie vor nicht das ganze Land ab. Die Zahl der Telefonanschlüsse ist mit etwa 30.000 auch sehr niedrig. Direkte Telefonverbindungen von und nach Laos gibt es noch nicht sehr lange und sind sehr teuer. Laos hat vier GSM Mobilfunk Netze, die derzeit Ballungsgebiete und Teile der Verkehrswege, zum Beispiel den Mekong auf vielbefahrenen Routen abdecken. Roaming ist seit kurzem möglich.
Internet ist in Laos ebenfalls nicht besonders weit verbreitet, etwa 60 % der Internetbenutzer sind Ausländer, und nur 14 % der User befinden sich außerhalb der Hauptstadt Vientiane. Laoten gehen meist in Internet-Cafés online.
Die laotische Post gilt als ineffizient, Briefe vom Ausland nach Laos können mehrere Wochen benötigen.
Wirtschaft
Seit 1986 versucht die laotische Regierung im Rahmen des New Economic Mechanism (NEM) die ehemals planwirtschaftlich organisierte Ökonomie des Landes in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. So wurden nach und nach Preisbindungen und Subventionen abgeschafft, der Wechselkurs des Kip an den Marktkurs angepasst, ein Bankensystem nach westlichem Vorbild eingeführt und private Wirtschaftstätigkeit gefördert. Mit dem Aufbau von Institutionen, die die Marktwirtschaft regeln, wie etwa das Rechts- und Verwaltungssystem, wurde begonnen.
Die Währungseinheit in Laos ist der neue Kip. Der Warenaustausch in den ländlichen Gebieten erfolgt aber meist im Tauschhandel; die Geldwirtschaft beschränkt sich auf die Städte. Die Handelsbilanz ist negativ. Die wichtigsten Exportprodukte sind Holz, Kaffee, Stromenergie und Zinn. Außerdem werden Kaffee, Benzoin, Harze, Kardamom, Leder und Häute ausgeführt. Importiert werden chemische Produkte, Kraftfahrzeuge, Maschinen, elektrische Anlagen, Stahl und Baumwolle. China, Thailand und Japan sind die wichtigsten Abnehmer laotischer Waren. Thailand, China, Japan und Singapur sind die wichtigsten Lieferanten.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2002 1,5 Mrd. Euro, das Pro-Kopf-Einkommen lag 2001 bei 275 Euro. Das BIP-Wachstum belief sich in den vergangenen 15 Jahren auf jeweils sechs bis acht Prozent, wobei sich während der Asienkrise das Wachstum vorübergehend auf vier Prozent verlangsamte. Der Großteil des Wachstums kommt aus der Landwirtschaft, dem Export von Textilien, Holz und Holzprodukten, der Elektroenergie sowie ausländischen Investitionen (Entwicklungshilfe oder FDI).
Landwirtschaft
Laos ist ein Agrarstaat, ca. 80 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Sie erwirtschaften damit etwa 50 % des laotischen BIP. Besonders für die Landwirtschaft geeignet sind die Schwemmebenen des Mekong und seiner Nebenflüsse sowie das Bolavens-Plateau in Südlaos. Die Böden in anderen Regionen des Landes sind weniger fruchtbar.
Die gesamte landwirtschaftliche Aktivität befindet sich in Privathänden. Viele der Haushalte betreiben Subsistenzwirtschaft, insbesondere in den abgelegenen Gebieten, wo fehlende Infrastruktur den Zugang zu den Märkten verwehrt. Reis ist das Hauptprodukt der landwirtschaftlichen Produktion und macht etwa 40 % des gesamten produzierten Volumens aus. Nur 10 % der produzierten Menge wird auf den Märkten verkauft, der Rest wird von den Bauern selbst konsumiert. Laos verfügt bei Reis über eine sehr hohe Artenvielfalt, etwa 3000 bis 4000 Sorten sind bekannt, von denen die meisten zu Klebreis-Sorten gehören.
Neben Reis werden Mais, Kartoffeln, Yams, Mungo- und Sojabohnen, Erdnüsse, Baumwolle, Zucker, Kaffee und Tee angebaut.
Die Landwirtschaft wird nur in den Ebenen des Mekong intensiv betrieben. Dort liegen auch die 12 % des Ackerlandes, die künstlich bewässert werden können. Besonders in den abgelegenen Gebieten werden weder Pestizide noch Düngemittel verwendet und es gibt auch keine Bewässerung. Die Reisproduktion ist aus diesen Gründen niedriger als in den Nachbarländern. Etwa 2,2 Millionen Tonnen wurden im Jahr 2000 geerntet, womit sich das Land in punkto Reis selbst ernähren kann.
Die Viehzucht erwirtschaftet etwa ein Fünftel des BIP, obwohl sie nur extensiv und mit wenig Aufwand betrieben wird. Die Bauern erleiden häufig Verluste, wenn ihre Tiere mangels veterinärmedizinischer Betreuung sterben oder das Fleisch nicht zum Verkauf geeignet ist. Das Wachstumspotential in diesem Bereich ist jedoch sehr hoch. Ähnliches gilt für die Fischproduktion.
Laos ist ein potentieller Exporteur von Lebensmitteln, betrachtet man seine relativ geringe Bevölkerungsdichte. Dem stehen momentan jedoch die subsistenzorientierte Wirtschaftsform, die nicht vorhandene oder mangelhafte Infrastruktur, die schlechte Ausbildung der Bauern sowie das Fehlen von Finanzinstitutionen im Land entgegen.
Etwa die Hälfte des Landes ist mit Wald bewachsen, worunter sich auch tropische Edelhölzer befinden, die für die Herstellung von Möbeln Verwendung finden. Daneben werden aus dem Wald Gewürze, etwa Kardamom, Rattan, Medizin und Baumharze gewonnen.
Industrie
Die Industrie ist kaum entwickelt. Die wirtschaftliche Entwicklung wird stark beeinträchtigt durch eine schlecht ausgebildete Bevölkerung, kaum verfügbares in- und ausländisches Kapital. Die wichtigste Industrie ist die Gewinnung von Strom aus Wasserkraft, wobei momentan mehrere kleinere Kraftwerke in Betrieb sind und mehrere weitere in Planung. Die Stromerzeugung ist ausnahmslos in der Hand der staatlichen Electricité du Laos.
Daneben werden in geringem Umfang Textilien erzeugt sowie Holz verarbeitet. Etwa 90 % der Industrie- und Handwerksbetriebe sind Kleinstbetriebe. Die größeren Unternehmen waren bis vor kurzem reine Staatsunternehmen oder wurden von staatlichen Organisationen, wie etwa dem Militär, kontrolliert.
Das Wachstum der Industrieproduktion hat sich seit der Asienkrise verlangsamt, was vor allem auf die schlechter gewordenen Exportmöglichkeiten zurückzuführen ist, die durch den sehr kleinen Binnenmarkt nicht kompensiert werden können. Zudem ist das Finanzsystem unterentwickelt: drei Staatsbanken dominieren den Markt, haben jedoch hohe Summen an faulen Krediten, die sie illiquid machen. Die Banken wurden zwar schon einmal rekapitalisiert, jedoch hat eine schlechte Kreditkultur und besonders das Leihen an staatliche Industriebetriebe dazu geführt, dass sich neue faule Kredite angesammelt haben.
Außenhandel
Die wichtigsten Exportgüter sind Strom aus den Wasserkraftwerken (20 % der Exporte), Holz und Holzprodukte sowie Kaffee. Zu den wichtigsten Importgütern zählen Nahrungsmittel, Maschinen, Fahrzeuge und andere Industriegüter. Der Außenhandel, speziell der Export, wird durch den Mangel an Infrastruktur, die relativ weiten Transportwege (Laos ist ein Binnenland) und durch das Fehlen von gut ausgebildeten Arbeitskräften gebremst.
Laos importiert mehr, als es exportiert. Das entstehende Leistungsbilanzdefizit wird durch Kapitalzuflüsse ausgeglichen, die teils als Entwicklungshilfe oder als ausländische Investitionen kommen. Größte Investoren in Laos sind die Nachbarländer Thailand, China und Vietnam.
Um die einseitige Abhängigkeit von thailändischen Exporthäfen zu bekämpfen, kooperiert Laos verstärkt mit vietnamesischen Häfen.
Tourismus
Laos ist, im Gegensatz zu Thailand und zunehmend auch Kambodscha oder Vietnam, noch weitgehend unberührt von den großen Touristenströmen. In Vientiane ändert sich die Sperrstunde laufend, meist liegt sie bei 23 Uhr. Aufgrund von niedrigem Prokopfeinkommen, Kommunismus, Gesundheitsstatus und mangelnder touristischer Infrastruktur ist das Land derzeit für Pauschaltouristen unattraktiv. Trotzdem ist der Tourismus einer der aufstrebenden Wirtschaftszweige und Devisenbringer, so setzt man in Laos auf den sanften Öko- und Kulturtourismus.
Es gibt zwei internationale Flughäfen, Vientiane (VTE) und Luang Prabang. Die nationale staatliche Fluggesellschaft ist Lao Airlines mit Sitz in Vientiane.
Regelmäßige Busverbindungen gibt es auf den asphaltierten Straßen, wohingegen in die abgelegeneren Regionen vorrangig Kleintransporter mit Pritschenaufbau und zwei Sitzbänken (Songthaew) fahren. Je nach Straßenzustand und Wetter können dabei die Reisedauern stark variieren.
Auf dem Mekong verkehren Boote von Huay Xay über Luang Prabang nach Vientiane. Diese Reise mit Übernachtungen in Pakbeng und Luang Prabang dauert zwei bis drei Tage. Außerdem sind Schnellboote (Speedboats) unterwegs, die diese Strecke in nur einigen Stunden bewältigen; allerdings sind die Schnellboote unfallanfällig, und die Passagiere müssen Schutzhelme tragen.
Drogenproblematik
Mit Opium sind die Bewohner des heutigen Laos seit dem 18. Jahrhundert vertraut, als der Opiumhandel mit den Chinesen sowie die Opiumabhängigkeit in das Land kamen. Das Wissen über die Produktion von Opium kam im frühen 19. Jahrhundert mit den einen wandernden Hmong nach Laos. Ab 1899 ließ die französische Kolonialverwaltung in Vietnam und später auch in Laos Opium produzieren.
Opium und andere Drogen sind aus verschiedenen Gründen bis heute in Laos sozial anerkannt. Für Bauern stellt die Opiumproduktion eine wichtige Einkommensquelle dar. Opium ist bedeutend im lokalen Tauschhandel und es kompensiert zu niedrig ausgefallene Reisernten. Daneben hat Opium eine hohe Bedeutung in der traditionellen laotischen Medizin.
In den frühen 1970er Jahren wurde die Anzahl der opiumabhängigen Laoten auf 50.000 geschätzt. Im Jahr 1971 wurde die Produktion von Opium verboten, jedoch wurde in der Folge Heroin sofort verfügbar. Für 1992 wurde geschätzt, dass etwa zwei Prozent der Bevölkerung Opiumabhängig waren. 60 Prozent der Abhängigen waren Bewohner der bergigen Regionen im Norden des Landes (v.a. Angehörige der Akhas, Hmong, Yao, Lantan, Lahu), wo der pro- Kopf-Verbrauch zwischen 1,3 und 1,8 Kilogramm und Jahr liegt. Für 1995 wurde geschätzt, dass Laos 80 Tonnen Opium für den eigenen Verbrauch produzierte und weiterhin 40 bis 60 Tonnen exportierte. Damit war Laos nach Afghanistan und Myanmar die drittwichtigste opiumproduzierende Nation.
Erst seit 1996 sind Produktion, Handel und Gebrauch von Opium strafbar. Trotzdem wurde für 2001 eine Zahl von 58.000 Drogenabhängigen geschätzt. In zunehmendem Maße werden neben Opium auch Heroin, Amphetamine und Klebstoffe konsumiert.
Die Regierung von Laos versucht in Zusammenarbeit mit dem UNDP und N | | |