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Östliche Philosophie

Östliche Philosophie

Als Östliche Philosophie kann man asiatische Geistestraditionen verstehen, die oftmals im Unterschied zur abendländisch-westlichen Philosophie ebenso in der Religionsgeschichte ihren Platz haben:
- Buddhismus
- Daoismus
- Konfuzianismus Siehe auch: Drei Lehren
- Hinduismus
- Darshan
- Legalismus
- Parsismus
- Zen Spätestens seit dem 19. Jahrhundert beziehen sich westliche Denker - wie etwa Arthur Schopenhauer und Theodor Lessing - stärker auch auf die Weisheitslehren des Ostens. Inzwischen hat sich sogar eine Interkulturelle Philosophie herausgebildet. Dagegen hatte man von der Spätantike bis zum Deutschen Idealismus fast ausschließlich den Monotheismus (Judentum, Christentum, Islam) als spirituellen Bezugsrahmen.

Literatur


- Lexikon der östlichen Weisheitslehren (ISBN 3-502-67403-5)
- Helmuth von Glasenapp: Die Philosophie der Inder (Kröner)
- Kuno Lorenz: Indische Denker (C.H. Beck)
- Shaopin Gan: Die chinesische Philosophie (Primus)

Siehe auch


- Chinesische Philosophie
- Indische Philosophie ! ja:東洋哲学 th:ปรัชญาตะวันออก

Abendland

Mit Abendland, auch Okzident, dem Land der untergehenden Sonne, wurde ursprünglich Europa bezeichnet, im Gegensatz zum Morgenland, dem Orient, das heute für den Nahen Osten steht. Früher beinhaltete dieser Begriff auch den Fernen Osten (Indien, China und Japan). Heute bezeichnet die Wendung abendländischer Kulturkreis häufig den gesamten Westen bzw. die westlich gelegenen Länder. Die Begriffe Abendland und Morgenland lassen sich nur verstehen, wenn man sie als Konzepte des kulturell jeweils Fremden versteht, so wie sich das Abendland durch die Abgrenzung vom Morgenland definierte, so verhält es sich durchaus auch umgekehrt, denn rein geographisch haben diese Begriffe wenig Sinn. Man könnte also zusammenfassend sagen, dass das Abendland ursprünglich der vorwiegend hellenistisch-römisch-christlich geprägte Teil Europas war, wobei hier noch einmal zwischen Westkirche und Ostkirche differenziert werden müsste. Das Wesen des Abendlandes lässt sich bildhaft damit beschreiben, dass es auf drei Hügeln ruht: Akropolis, Kapitol und Golgota. Grund für die Gleichsetzung von Westen und Abend ist, dass die Sonne am Abend im Westen steht. Der Begriff findet sich erstmalig bei Caspar Hedios 1529 "Abendlender" für "Okzident". Martin Luther prägte bei seiner Bibelübersetzung dafür den Ausdruck Abend. Siehe auch: Der Untergang des Abendlandes Kategorie:Kultur

Religionen der Welt

Eine Reihe der Religionen der Welt lassen sich schwer systematisieren, da vielfältige Elemente ineinanderspielen, so dass der Blickwinkel entscheidet.

Hinduismus


- Shivaismus
- Vishnuismus
- Shaktismus
- Tantrayana
- Advaita Vedanta oder Satsang-Bewegung
- Vishwa Hindu Parishad
- Yoga-Bewegung
  - Sahaja Yoga
  - Sri Aurobindo
- Neuere Bewegungen
  - Bhakti Yoga
  - Brahma Kumaris
  - ISKCON (International Society for Krishna-Consciousness) - Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein
  - Osho-Rajneesh-Bewegung
  - Sathya Sai Baba Sai-Religion
  - Sri Chinmoy-Centers
  - Vedanta-Bewegung / Ramakrishna-Mission
  - Radhasoami Satsang/Ruhani Satsang/Unity of Man

Buddhismus


- Hinayana ("Kleines Fahrzeug")
  - Theravada ("Schule der Ältesten")
  - Mahasanghika ("Große Gemeinde")
  - Pudgalavâda
  - Sarvâstivâda
  - Sautrântika
- Mahayana ("Großes Fahrzeug")
  - Madhyamaka ("Der Mittlere Weg")
  - Amitabha-Buddhismus
    - Jodo-shu
    - Jodo Shinshu
  - Vajrayana ("Diamantfahrzeug") / Tantrayana ("Tantra-Fahrzeug") / Lamaismus ("Tibetischer Buddhismus")
    - Gelugpa
    - Sakyapa
      - Bodong
      - Bulug
      - Jonangpa
      - Ngor-Tradition
      - Tsar-Tradition
    - Kadampa
    - Kagyüpa
      - Drukpa-Kagyü
      - Drikung-Kagyü
      - Karma-Kagyü
      -
- Diamantweg
      - Shangpa-Kagyü
    - Nyingmapa
      - Dorje Lingpa Tradition
      - Kathog
      - Mindrolling
      - Nördliche Schätze
      - Palyul
      - Pema Lingpa Tradition
    - Chen-yen
    - Mi-tsung
    - Shingon
  - Vijñanavada ("Bewusstseinslehre", auch: Yogacara)
- Schulen im chinesischen Buddhismus:
  - Hua-yen ("Blütenschmuckschule")
  - Fa-hsiang ("Schule der Daseinsmerkmale")
  - Chan
- Schulen im japanischen Buddhismus:
  - Kegon ("Blütenschmuckschule")
  - Hosso ("Schule der Daseinsmerkmale")
  - Nichiren
    - Soka Gakkai
    - Nichiren Shoshu of America
    - Reiyukai
    - Rissho Koseikai
    - Nipponzan-Myohoji
  - Tendai ("Schule der himmlichen Empore")
  - Zen
    - Rinzai
    - Sōtō
    - Obaku
    - Igyo
    - Hogen
    - Ummon

Weitere Religionen indischen Ursprungs


- Jainismus
  - Digambaras
  - Shvetambaras
- Radhasoamis
- Sikhismus
  - Healthy-Happy-Holy-Organisation (Kundalini-Yoga) (3HO)
  - Elan Vital

Christentum

Zu den christlichen Glaubensausprägungen im Detail siehe: Liste der christlichen Konfessionen
- Trinitarisches Bekenntnis
  - Katholische Kirche
  - Orthodoxe Kirche
  - Assyrische Kirche
  - Altorientalische Kirchen
  - Evangelische Kirchen
    - Evangelische Volkskirchen
      - evangelisch-lutheranische Kirche
      - reformierte Kirche
    - Evangelische Freikirchen
      - Täufer
      - Mennoniten
      - Baptisten
      - Methodisten
      - Pfingstbewegung
  - Anglikanische Kirche
  - Apostolische Kirchen
- Nichttrinitarische, unitarische und arianische Sondergemeinschaften

Islam


- Sunniten/Sunna, zahlenmäßig größte Gruppierung, die sich in vier sunnitische Rechtsschulen (siehe: Madhhab) aufteilt:
  - Hanafiten
  - Malikiten
  - Hanbaliten
  - Schafiiten
- Schiiten/Schia
  - Imamiten Zwölferschia
  - Zaiditen Fünferschia
  - Ismailiten Siebenerschia
    - Nizaris
- Kharidjiten
  - Ibaditen
  - Mozabiten
  - Jams

Aus dem Islam kommende Religionen


- Ahmadiyya
- Aleviten
- Drusen
- Nusairier
- Zindiken

Judentum und verwandte Religionen


- Reformjudentum
- Konservatives Judentum
- Orthodoxes Judentum
  - Chassidisches Judentum
- Samaritaner
- Karäer

Baha'i


- Babismus
- Baha'i Religion

Mandäer

(siehe auch: Gnosis)

Religionen fernöstlichen Ursprungs


- Bön
- Cao Dai
- Daoismus
- Falun Gong
- Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens
- Himmelsmeister
- Konfuzianismus
- Lingbao Pai
- Mahikari
- Mohismus
- Neidan
- Shangqing
- Shinto
- Tenrikyo
- Aum-Sekte

Afroamerikanische Religionen


- Candomblé
- Hoodoo
- Macumba
- Rastafari
- Santeria
- Umbanda
- Voodoo
- Hanftiten

Orientalische Religionen


- Mandäer
- Jesiden (Yezidi)
- Zoroastrismus

Polytheistische Glaubensrichtungen


- Animismus
- Native American Church
- Paganismus and Neopaganismus, Heidentum
  - Asatru
  - Druidentum
  - Feministische Spiritualität
  - Huna
  - Dievturiba
  - Wicca
- Schamanismus

Okkultismus und Satanismus


- Astrum Argenteum
- Armanenorden
- Black Order of the Trapezoid; Schwarzer Orden von Lucifer
- Church of Satan (CoS)
- Fraternitas Saturni
- Dragon Rouge (D.R.)
- Golden Dawn (G.D.)
- Ordo Templi Orientis (O.T.O.)
- Spiritismus
- The Storm
- Thelema
- Thule-Gesellschaft
- Temple of Set

Gnosis, Theosophie und Esoterik


- Anthroposophie
- Eckankar
- Kawwana - Kirche des Neuen Aeon
- Mandäer
- Mazdaznan
- Rosenkreuzer
- Sonnentempler
- Theosophische Gesellschaft
- Universelle Weiße Bruderschaft
- Zentrum für Experimentelle Gesellschafts Gestaltung

Neuoffenbarer


- Bo Yin Ra
- Jakob Lorber
- Fiat Lux
- Gralsbewegung
- Neugeist Bewegung
- Kinder Gottes, Familie der Liebe
- Universelles Leben
- Vereinigungskirche
- Seiphositu

So genannte Psycho-, Kommerz- und/oder Politgruppen


- Process Church of the Final Judgement
- Raelismus
- Scientology
- Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM)
- Jediismus

Mystik


- Christliche Mystik
- Gnosis
- Hinduistische Mystik
  - Tantra
  - Yoga
  - Ananda Marga (tantra-yoga)
- Kabbalah (Mystik im Judentum)
- Sufismus (Mystik im Islam)
- Sri Chinmoy

Weltanschauungen


- Agnostizismus
  - Freireligiöse
  - Skeptizismus
- Atheismus
  - Brights
  - Freidenker
  - Humanismus
- Deismus
- Monismus
- Neuplatonismus
- Nihilismus
- Pantheismus
- Panentheismus
  - Unitarier
    - Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft
- Stoa
- Theismus
  - Kreationismus

Historische Religionen und Mythologien

(christliche Gruppen siehe Liste der Konfessionen)
- Ägyptische Mythologie
- Aztekische Mythologie
- Germanische Mythologie
- Griechische Mythologie
- Keltische Mythologie
- Manichäismus
- Mithraismus
- Römische Mythologie
- Sabier von Harran
- Sumerische Mythologie
- Slawische Mythologie
- Sonnenreligion, z. B. EchnAton Ägypten, Neue Ökologische Religion, Hinweis auf Hubertus Mynarek,
- Ugaritische Religion
- Tengrismus

Literatur


- Georg Schmid und Georg Otto Schmid: Kirchen, Sekten, Religionen, Zürich, TVZ, 2003, ISBN 3290172155

Weblinks


- [http://www.remid.de/remid_info_zahlen.htm REMID: Religionen in Deutschland: Mitgliederzahlen]
- [http://www.uni-duesseldorf.de/ulb/rel.html Düsseldorfer Virtuelle Bibliothek Theologie]
- [http://www.religio.de/index.html Religio Informationssystem]
- [http://www.religionsforum.de Religionsforum]
- [http://www.meinglaube.at/linkverzeichnis/links-73.htm Links zu Religionen und Weltanschauungen]
- [http://www.relinfo.ch/ relinfo.ch - ev. Informationsstelle zu Kirchen, Sekten, Religionen] Siehe auch: Religionsstatistiken ! ! Religionen und Weltanschauungen ja:宗教一覧

Buddhismus

Der Buddhismus ist eine Religion, deren Gründung auf Siddhartha Gautama, den historischen Buddha, zurückgeht. Mit weltweit etwa 300 bis 450 Millionen Anhängern zählt er zu den fünf Weltreligionen (Jüdische Religion, Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam ).

Einleitung

Islam Islam Der Buddhismus entwickelte sich ursprünglich auf dem indischen Subkontinent, wo Siddhartha Gautama (Sanskrit; Pali: Siddhattha Gotama; ca. 563 v.Chr. bis 483 v.Chr) als Prinz im lokalen Königsgeschlecht der Shakya in Lumbini, im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, zur Welt kam. Im Alter von 35 Jahren erlangte er nach der Lehre des Buddhismus Bodhi ("Erleuchtung", "Erwachen") und wurde in der Folge als "der Buddha" bezeichnet, der "Erleuchtete" oder "Erwachte". Seit seiner Entstehung entwickelte der Buddhismus hinsichtlich seines Dogmatismus unterschiedliche Varianten zwischen Philosophie und Glaubenslehre mit unterschiedlichen Graden an religiöser Toleranz gegenüber anderen Glaubenssystemen. Im Hinblick auf seine Ursprünge und auf das auch heute zu findende Zulassen anderer Glaubenssysteme einiger buddhistischer Schulen kann der Buddhismus nicht nur als Religion, sondern auch als Weltanschauung bzw. Philosophie oder Weisheitslehre verstanden werden (s. Karl Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, 1919). Das gilt insbesondere dort, wo grundlegende Lehren des Buddhismus sich nicht auf überirdischen Autoritäten berufen (z.B. die Mahasatipatthana Sutta in Dígha Nikaya (DN 22)). Denn erst Buddhas Nachfolger haben aus der ursprünglich philosophischen Lehre, die keinen Gott, keine Seele, keine Wiedergeburt, keine Kasten und keine sozialen Unterschiede kennt und somit als Gegenteil zum indischen Brahmanismus gesehen werden kann, eine Lehre unter religiösen Aspekten gemacht. Im Laufe der Zeit und durch Vermischung mit Religionen und Philosophien in den Regionen, in die sich der Buddhismus verbreitete, entwickelten sich viele religiöse Elemente des Buddhismus, wie er heute bekannt ist. Wie in anderen Religionen trug zur Entwicklung der volksreligiösen Elemente auch die Instrumentalisierung des Buddhismus in der Politik bei. Starke Wechselwirkungen findet man heute insbesondere noch in Bhutan, aber auch in Sri Lanka und Thailand. Eine sichtbare Rolle spielt der Buddhismus, als im Rahmen des Parlamentarismus wirkende Kraft, noch heute in Japan. In der Volksrepublik China wird versucht, den Buddhismus politisch nutzbar zu machen und ihn im Sinne der Politik der Partei zu führen, z.B. 1995 in Tibet durch den Austausch des Panchen Lama durch ein Kind, dessen Eltern Parteimitglieder sind. Ziel eines Buddhisten ist es, sich durch ethisches Verhalten und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit vom ewigen Kreislauf des Leidens (Samsara) zu befreien und in den erleuchteten Zustand des Nirvanas einzutreten. Für Buddhisten, die von der Wiedergeburt ausgehen, ist dies auch die Befreiung von der selben. Im Buddhismus erlangt man die Befreiung vom Samsara aufgrund eigener Anstrengung. Die buddhistische Lehre (Pali: Dhamma, Sanskrit: Dharma) kann in ihrer Essenz wie folgt beschrieben werden:
- Der vom Leiden (Dukkha) befreiende Weg soll begangen werden. Leiden entsteht durch die Illusion des "ICH" und die Anhaftung an das "ICH", weil Wandel und Lebensdurst dem "ICH" Schmerzen zufügen.
- Ein Leben gemäß den sittlichen Prinzipien (Silas) soll geführt werden.
- Aufhebung des Leidens wird durch Meditation und Selbstbeobachtung (Achtsamkeit, Sati gegenüber den eigenen Gedanken, Gefühlen und Taten) angestrebt.

Siddhartha Gautama

Siehe Hauptartikel: Siddhattha Gotama Siddhattha Gotama (Pali) bzw. Siddhartha Gautama (Sanskrit) wurde, gemäß der Überlieferung, 563 v.Chr. in Lumbini, im heutigen Nepal, als Sohn des Herrscherhauses von Shakya geboren (daher der Beiname Shakyamuni, „Schweigender aus dem Hause Shakya“). Im Alter von 29 Jahren wurde ihm bewusst, dass Reichtum und Luxus kein Garant für Glück sind und er brach auf, verschiedene Religionslehren und Philosophien zu erkunden, um die wahre Natur menschlichen Glücks zu finden. Sechs Jahre der Askese, des Studiums und danach der Meditation führten ihn schließlich auf den Weg der Mitte und er erlangte in Bodh-Gaya im heutigen Nordindien, unter einer Pappelfeige „Erleuchtung“. Danach verbrachte der Buddha den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren mit der Unterweisung und Weitergabe der buddhistischen Lehre, des Dhamma (Pali) bzw. Dharma (Sanskrit) an die von ihm begründete „Vierfache Gemeinschaft“, bestehend aus den Mönchen (bhikkhu) und Nonnen (bhikkhuni) des buddhistischen Mönchtums, dem Sangha, und von männlichen (Upasaka) und weiblichen (Upasika) Laien.

Grundlagen des Buddhismus

Laie Buddha war weder ein Gott noch der Überbringer einer göttlichen Wahrheit, sondern er stellte klar, dass er die Lehre, Dhamma (Pali) bzw. Dharma (Sanskrit), nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhalten, sondern vielmehr durch eigene meditative Schau (Kontemplation) ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge erkannt hatte. Diese Erkenntnis ist jedem zugänglich, wenn er seiner Lehre und Methodik folge. Dabei ist die von ihm aufgezeigte Lehre nicht dogmatisch zu befolgen. Im Gegenteil warnte er vor blinder Autoritätsgläubigkeit und hob die Selbstverantwortung des Menschen hervor. Er verwies auch auf die Vergeblichkeit von Bemühungen, die Welt mit Hilfe von Begriffen und Sprache zu erfassen und mahnte eine Skepsis gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren ein, die in anderen Religionen in dieser Radikalität kaum anzutreffen ist. Zu den grundlegenden buddhistischen Überzeugungen gehört u. a. die Reinkarnation und das Gesetz des Karma (Sanskrit) bzw. Kamma (Pali). Buddha selbst hat keine metaphysischen Aussagen, z.B. über das, was nach dem Tode geschieht, wer die Welt erschuf, etc. gemacht.

Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad

Hauptartikel: Vier Edle Wahrheiten und Achtfacher Pfad Kern der Lehre des Buddha sind die von ihm benannten Vier Edlen Wahrheiten (Sacca), aus der vierten der Wahrheiten folgt als Weg aus dem Leiden der Achtfache Pfad.

Ursache und Wirkung - "Karma"

Hauptartikel: Karma Kamma (Pali) bzw. Karma (Sanskrit) bedeutet Tat, Wirken und bezeichnet das sinnliche Begehren, und das Anhaften an die Erscheinungen der Welt (Gier, Hass, Ich-Sucht), die Taten die dadurch entstehen und die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in moralischer Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Es entspricht dem Prinzip von Ursache und Wirkung, wie es die westliche Welt als Grundlage der klassischen Physik und der Naturwissenschaft allgemein kennt. Während das westliche Denken dieses Prinzip jedoch nur im materiellen Bereich kennt, bezieht Karma sich auf alles Tun und Handeln sowie die nicht-materiellen Ebenen des Denkens und Fühlens. All das erzeugt entweder gutes oder schlechtes Karma oder kann karmisch gesehen neutral sein. Gutes wie schlechtes Karma erzeugt die Folge der Wiedergeburten, das Samsara. Höchstes Ziel des Buddhismus ist es, diesem Kreislauf zu entkommen, indem kein Karma mehr erzeugt wird - Handlungen hinterlassen dann keine Spuren mehr in der Welt. Im Buddhismus wird dies als Eingang ins Nirvana bezeichnet.

Der Kreislauf des Leidens - "Samsara"

Hauptartikel: Samsara Samsara Samsara, "beständiges Wandern", bezeichnet den fortlaufenden Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt; Werden und Vergehen. Das Ziel der buddhistischen Praxis ist, diesen Kreislauf zu verlassen. Samsara umfasst alle Ebenen der Existenz, sowohl jene die wir als Menschen kennen wie auch alle andere, von den Höllenwesen (Asuras) bis zu den Göttern (Devas). Alle Wesen sind im Kreislauf des Lebens gefangen, daran gebunden durch Karma: ihre Taten, Gedanken und Emotionen, durch Wünsche und Begierden. Erst das Erkennen und Überwinden dieser karmischen Kräfte ermöglicht ein Verlassen des Kreislaufs.

Reinkarnation

Hauptartikel: Reinkarnation Reinkarnation (Pali: Punabbhava) und Karma waren Begriffe, die in der indischen Philosophie bereits vor Erscheinen des Buddha bekannt waren. Wie der westlichen Rezeption meist entgeht, widersprach der Buddha diesen vedischen Konzepten grundlegend und ersetzte sie entsprechend seiner Erfahrung: Die indische Philosophie kannte Atman (Sanskrit) bzw. Atta (Pali), das „Selbst“, vergleichbar mit der persönlichen Seele der westlichen Gedankenwelt. Buddha verneinte deren Existenz als individuelle und konstante Einheit die auch wiedergeboren werden könnte. Im Gegensatz dazu sprach er von Anatman (Sanskrit) bzw. Anatta (Pali), dem „Nicht-Selbst“. Die Vorstellung von Atman ist demnach Teil der Täuschung über die Beschaffenheit der Welt. Gemäß der Lehre Buddhas entsteht die Persönlichkeit, mit all ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Welt, erst aus den Fünf Aneignungsgruppen, den Skandhas (Sanskrit) bzw. Khanda (Pali): Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein. Was in der vedischen Tradition Atman genannt wurde, ist demnach aus buddhistischer Sicht keine konstante Einheit, sondern in beständigem Werden, Wandel und Vergehen begriffen. Es kann somit auch nicht als solches wiedergeboren werden. Reinkarnation wird im Buddhismus also nicht als „Seelenwanderung“ (Transmigration) verstanden, sondern als eine Kontinuität der Geistesprozesse. Sie ist Folge der beim Ableben eines Individuums noch nicht erloschenen mentalen Kräfte, die sich in einer oder mehreren neu in Erscheinung tretenden Existenzen erneut manifestieren. Eine bekannte Allegorie vergleicht diesen Prozess mit der Flamme einer Kerze, die weitere Kerzen anzündet. Weder die Kerze selbst, noch die Flamme, sind die selben, aber ohne die ursprüngliche Kerzenflamme gäbe es auch die ihr folgenden nicht. Die Ursache der Wiedergeburt liegt im Begehren nach Sinnesbefriedigung, im Trieb nach Sein und Verwirklichung, dem Karma. :Wenn du wissen willst, wer du warst, dann schau, wer du bist. :Wenn du wissen willst, wer du sein wirst, dann schau, was du tust. :(Padmasambhava, 8.-9. Jahrhundert)

Das bedingte Entstehen

Wiedergeburten vollziehen sich, solange verursachende, nach Realisierung drängende Triebkräfte vorhanden sind. Diese "bedingte Entstehung", auch "Entstehen in Abhängigkeit", (Pali: Paticcasamuppada, Sanskrit: Pratityasamutpada) ist eines der zentralen Konzepte des Buddhismus. Es beschreibt die Seinsweise aller Phänomene in ihrer dynamischen Entwicklung und gegenseitigen Bedingtheit.

Die Lehre - „Dharma“

Hauptartikel: Dharma Dharma, Tibet)]] Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus zweierlei:
- Die Lehre Buddhas (im Theravada auf Buddha beschränkt, im Mahayana und Vajrayana schließt das auch die Lehren der Bodhisattvas und großer verwirklichter Meister mit ein). Basis des Dharma sind die Vier edlen Wahrheiten. Es bildet eines der 3 Juwelen, der so genannten "Zufluchtsobjekte", bestehend aus dem Lehrer, der Lehre und der Gemeinschaft der Mönche - Buddha, Dharma und Sangha. Es ist auch Teil der 10 Betrachtungen (Anussati).
- Die Gesamtheit aller weltlichen Phänomene, der Natur, an sich und der ihr zu Grunde liegenden Gesetzmäßigkeiten (siehe oben Das bedingte Entstehen).

Erleuchtung - „Bodhi“

Hauptartikel: Bodhi und Erleuchtung Bodhi ist der Vorgang des "Erwachens", der "Erleuchtung". Voraussetzungen sind das vollständige Begreifen der "Vier edlen Wahrheiten", die Überwindung aller an das Dasein bindenden Bedürfnisse und Täuschungen und somit das Vergehen aller karmischen Kräfte. Durch Bodhi wird der Kreislauf des Lebens, Samsara, verlassen und Nirvana erlangt. Die buddhistische Tradition nennt drei Arten von Bodhi:
- Pacceka-Bodhi wird durch eigene Bemühungen, ohne die Hilfe von Lehrern, erreicht. Ein derart Erleuchteter wird als Pratyeka-Buddha bezeichnet.
- Savaka-Bodhi bezeichnet die "Erleuchtung" jener, die mit Hilfe von Lehrern Bodhi erlangen. Ein so Erwachter wird als Arhat bezeichnet.
- Samma-Sambodhi wird von einem Samma-Sambuddha ("Vollkommen Erwachter") erlangt. Ein solcher "Vollkommen Erwachter" gilt als die perfekte, mitfühlendste und allwissende Form eines Buddha.Der historische Buddha Shakyamuni (aus dem Geschlecht von Shakya) war ein solcher Samma-Sambuddha. Siehe auch: Bodhipakkhiyadhamma - Die 37 erforderlichen Dinge zur Erleuchtung

Nirvana - „Verwehen“

Hauptartikel: Nirvana Nirvana (Sanskrit) bzw. Nibbana (Pali) bezeichnet das Verlassen von Samsara, dem Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Nirvana kann letztlich mit Worten nicht beschrieben werden, es kann nur erlebt und erfahren werden als Folge intensiver meditativer Übung und Erkenntnis. Es ist auch kein Ort, nicht vergleichbar mit Paradies-Vorstellungen anderer Religionen. Es ist kein Himmel und keine greifbare Seligkeit in einem Jenseits. Nirvana ist ein Abschluss, kein Neubeginn in einer anderen Sphäre. Somit ist es ein Zustand der Zustandslosigkeit, in dem alle Vorstellungen und Wunschgebilde - alle karmischen Kräfte - überwunden und gestillt sind. Auch ist Nirvana nicht gleichbedeutend mit Tod. Buddha selbst lebte und unterrichtete noch 45 Jahre nachdem er Nirvana erreicht hatte. Das endgültige Aufgehen oder "Verwehen" im Nirvana nach dem Tod wird als Parinirvana bezeichnet.

Religion und/oder Philosophie bzw. Weltanschauung

Während der Buddhismus zu den Weltreligionen gezählt wird, gibt es Buddhisten, die sich nicht als Anhänger einer Religion ansehen, sondern den Buddhismus als Weisheitslehre oder Philosophie bzw. Weltanschauung betrachten, die den Glauben an eine Religion nicht ausschließt. Dabei spielt die neuere Entdeckung des Buddhismus im Westen eine große Rolle, da der Kontakt des Westens mit dem Buddhismus zu einer Zeit geschah, als Aufklärung, Säkularisation und Atheismus eine Gegenposition zur christlich-monotheistischen bildeten. Oft wird angeführt, dass der Buddhismus keine Götter kenne, was der in Asien gelebten Volksreligion, die die Götter der asiatischen Mythologie mit Glauben an Geister und Formen des Animismus verbindet, zu widersprechen scheint. Dies zeigt aber eher, dass der Buddhismus, der Verhaltens- und Lebensregeln aufstellt, mit anderen Religionen nicht konkurriert. Wer die buddhistischen Regeln einhält, ist nicht gehindert, eine andere Religion zu praktizieren und sich trotzdem als Buddhist zu bezeichnen. Viele Buddhisten in Asien sind gleichzeitig Mitglieder anderer, auch christlicher Religionsgemeinschaften. Da der Buddhismus menschliche Verhaltensregeln und nicht den Glauben an einen bestimmten Gott nahe legt, missioniert er auch nicht, sondern überlässt es dem einzelnen Menschen seinen Weg zur Wahrheit zu finden. Neben der Gottesfrage besitzt der Buddhismus sehr viele Eigenschaften einer Religion, deren Formen sich allerdings je nach Tradition stark unterscheiden: Ritual, Gemeinschaft, Liturgie, Askese und Mönchtum, Mystik und Dogmatismus - und eine jahrhundertealte Tradition in Asien, die der Kirchengeschichte der christlichen Konfessionen in vielem ähnelt, vor allem in ihrer Position zwischen Macht, Ethik und Glauben. Allerdings bleibt es eine Glaubensfrage, ob die asiatische Weisheitslehre nun letztendlich mit dem europäischem Wort "Religion" übersetzt wird, oder nicht, da sie gewisse kulturelle Eigenheiten besitzt.

Verbreitung des Buddhismus

Glauben Drei Monate nach dem Tod des Buddha traten seine Schüler in Rajagarha (heute Rajgir) zum ersten Konzil zusammen um den Dhamma (die Lehre) und die Vinaya (die Mönchsregeln) zu besprechen und gemäß den Unterweisungen des Buddha festzuhalten. Die weitere Überlieferung erfolgte mündlich. Etwa 100 Jahre später fand in Vesali das zweite Konzil statt. Diskutiert wurden nun vor allem die Regeln der Mönchsgemeinschaft da es bis dahin bereits zur Bildung verschiedener Gruppierungen mit unterschiedlichen Auslegungen der ursprünglichen Regeln gekommen war. Während des zweiten Konzils und den folgenden Zusammenkünften kam es zur Bildung von bis zu 18 verschiedenen Schulen (Nikaya-Schulen) die sich auf unterschiedliche Weise auf die ursprünglichen Lehren des Buddha beriefen. Daneben entstand auch die Mahasanghika, die für Anpassungen der Regeln an die veränderten Umstände eintrat und als früher Vorläufer des Mahayana betrachtet werden kann. Im 3. Jahrhundert v. Chr. trat in Pataliputra (heute Patna), unter der Schirmherrschaft des Königs Ashoka und dem Vorsitz des Mönchs Moggaliputta Tissa, das 3. Konzil zusammen. Ziel der Versammlung war es, sich wieder auf eine einheitliche buddhistische Lehre zu einigen. Insbesondere Häretiker sollten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und falsche Lehren widerlegt werden. Im Verlauf des Konzils wurde zu diesem Zweck das Buch Kathavatthu verfasst, das die philosophischen und scholastischen Abhandlungen zusammenfasste. Dieser Text wurde zum Kernstück des Abhidhammapitaka, einer philosophischen Textsammlung. Zusammen mit dem Suttapitaka, den niedergeschriebenen Lehrreden des Buddha, und dem Vinayapitaka, der Sammlung der Ordensregeln, bildet es das in Pali verfasste Tipitaka (Sanskrit: Tripitaka, deutsch: "Dreikorb", auch "Pali-Kanon"), die älteste große Zusammenfassung buddhistischen Schriftgutes. Pali-Kanon Nur diese Schriften wurden vom Konzil als authentische Grundlagen der buddhistischen Lehre anerkannt, was die Spaltung der Mönchsgemeinschaft besiegelte. Während der Theravada, die Lehre der Älteren, sich auf die unveränderte Übernahme der ursprünglichen Lehren und Regeln einigte, legte die Mahasanghika keinen festgelegten Kanon von Schriften fest und nahm auch Schriften auf, deren Herkunft von Buddha nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. In den folgenden Jahrhunderten verbreitete sich die Lehre in Süd- und Ostasien. Während der Regierungszeit des Königs Ashoka (3. Jahrhundert v. Chr.) verbreitete sich der Buddhismus über ganz Indien und weit darüber hinaus. Auch Teile von Afghanistan gehörten zu seinem Reich. Im Grenzgebiet zu Pakistan entstand dort, beeinflusst von griechischen Bildhauern, die mit Alexander dem Großen ins Land gekommen waren, in Gandhara die graeco-buddhistische Kultur, eine Mischung von indischen und hellenistischen Einflüssen. In deren Tradition entstanden unter anderem die Buddha-Statuen von Bamiyan. Buddha-Statuen von Bamiyan Ashoka schickte Gesandte in viele Reiche jener Zeit. So verbreitete sich die Lehre allmählich über die Grenzen jener Region, in der Buddha gelebt und gelehrt hatte, hinaus. Im Westen reisten Ashokas Gesandte bis in den Nahen Osten, Ägypten, zu den griechischen Inseln und nach Makedonien. Über Sri Lanka gelangte Buddhas Lehre zum malayische Archipel (Indonesien, Borobudur) und nach Südostasien, also Kambodscha (Funan, Angkor), Thailand, Myanmar (Pegu) und Laos. Im Norden und Nordosten wurde der Buddhismus im Hochland des Himalaya (Tibet), sowie in China und Japan bekannt. Während der Buddhismus so weitere Verbreitung fand wurde er in Indien ab dem 10. Jahrhundert allmählich zurückgedrängt. Zum einen wandten sich viele Menschen dem Hinduismus zu, und zum anderen war es relativ leicht, die Dharma-Anhänger durch Tötung der Mönche entscheidend zu schwächen und dann zwangsweise zu islamisieren. Deshalb gehören die letzen Hochburgen des Buddhismus auf den indischen Subkontinent (Sind, Bengalen) auch schnell zu den islamisierten Gebieten. Auch auf dem malayischen Archipel (Malaysia, Indonesien) sind heute - mit Ausnahme Balis - nur noch Ruinen zu sehen, die zeigen, dass hier einstmals buddhistische Kulturen geblüht hatten. Eine vielfältige Weiterentwicklung der Lehre war durch die Worte Buddhas vorbestimmt: Als Lehre, die ausdrücklich in Zweifel gezogen werden darf hat der Buddhismus sich natürlicherweise mit anderen Religionen vermischt, die auch Vorstellungen von Gottheiten kennen oder die die Gebote der Enthaltsamkeit weniger streng oder gar nicht handhabten. Das "kleine Fahrzeug" (Hinayana) hält sich an die Lehre Buddhas wie sie auf dem Konzil von Patna festgelegt wurde, es wird in Sri Lanka und in Thailand, Kambodscha, Burma und Laos befolgt. Das "grosse Fahrzeug" (Mahayana) durchmischte sich mehr mit den ursprünglichen Religionen und Philosophien der Kulturen, in denen der Buddhismus einzog. So kamen z.B. in China Elemente des Daoismus hinzu, wodurch schließlich die Ausprägung des Chan-Buddhismus und später in Japan Zen entstand. Heute leben weltweit circa 450 Millionen Buddhisten. Diese Zahl ist jedoch nicht verbindlich, da es starke Schwankungen zwischen einzelnen Statistiken gibt. Die Länder mit der stärksten Verbreitung des Buddhismus sind China, Bhutan, Japan, Kambodscha, Laos, Myanmar, Sri Lanka, Südkorea, Thailand, Tibet und Vietnam. In Indien beträgt sein Anteil an der Bevölkerung heute weniger als ein Prozent. Neuerdings erwacht jedoch wieder ein intellektuelles Interesse an der buddhistischen Lehre in der gebildeten Schicht. Auch unter den Dalit ("Unberührbaren") gibt es initiiert durch Bhimrao Ramji Ambedkar, den "Vater der indischen Verfassung" seit 1956 eine Bewegung, die in der Konversion zum Buddhismus einen Weg, der Unterdrückung durch das Kastensystem zu entkommen, sieht. Konversion Insbesondere der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts hat paradoxerweise in vielen Ländern Asiens zu einer Renaissance des Buddhismus geführt. Die Schaffung einer Internationalen Buddhistischen Flagge 1885 ist dafür ein symbolischer Ausdruck. Besonders den Initiativen von Thailand und Sri Lanka ist die 1950 stattgefundene Gründung der World Fellowship of Buddhists (WFB) zu verdanken. Seit dem 19. und insbesondere seit dem 20. Jahrhundert wächst auch in den industrialisierten Staaten USA, Europa, Australien die Tendenz, sich dem Buddhismus zuzuwenden. Im Unterschied zu den asiatischen Ländern, gibt es im Westen die Situation, dass die zahlreichen und oft sehr unterschiedlichen Ausprägungen aller drei Fahrzeuge nebeneinander in Erscheinung treten. Organisationen, wie die 1975 gegründete EBU (Europäische Buddhistische Union) haben sich zum Ziel gesetzt, diese Gruppen miteinander zu vernetzen und sie in einen Diskurs mit einzubeziehen, der einen längerfristigen Prozess zur Inkulturation und somit Herausbildung eines "Europäischen Buddhismus" begünstigen soll. Ein weiteres Ziel ist die Integration in die europäische Gesellschaft, damit die buddhistischen Vereinigungen ihr spirituelles, humanitäres, kulturelles und soziales Engagement ohne Hindernisse ausüben können. In vielen Ländern Europas ist es gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu einer öffentlichen und staatlichen Anerkennung des Buddhismus gekommen. Während der Buddhismus in Österreich schon 1983 die volle staatliche Anerkennung erhalten hat, steht sie für Deutschland und die Schweiz noch aus. Siehe auch: Zeittafel des Buddhismus

Buddhistische Schulen

Hauptartikel: Buddhismus - Schulen und Systeme Es existieren drei Hauptrichtungen des Buddhismus: Hinayana ("Kleines Fahrzeug"), aus dessen Tradition heute nur noch die Form des Theravada ("Lehre der Älteren") existiert, Mahayana ("Großes Fahrzeug") und Vajrayana (im Westen meist als Tibetischer Buddhismus bekannt oder irreführender Weise als Lamaismus bezeichnet). In allen drei 'Fahrzeugen' sind die monastischen Orden Hauptträger der Lehre und für ihre Weiterreichung an die nächsten Generationen verantwortlich.

Theravada

Hauptartikel: Theravada Theravada Theravada bedeutet wörtlich Lehre der Älteren. Der Theravada-Buddhismus ist die einzige überlebende Schule der verschiedenen Richtungen des ursprünglichen Buddhismus (Hinayana). Die Theravada-Tradition bezieht sich in Ihrer Praxis und Lehre ausschließlich auf die ursprünglichen Aussagen des Buddha. Grundlage dafür sind die ältesten erhaltenen Schriften der buddhistischen Überlieferung, die im Tipitaka (Pali), auch Tripitaka (Sanskrit) oder Pali-Kanon, zusammengefasst sind. Dieser "Dreikorb" (Pitaka: Korb) besteht aus folgenden Teilen:
- Die Regeln für die Gemeinschaft (Sangha) der buddhistischen Mönche und Nonnen - Vinaya, siehe auch: Vinayapitaka
- Die Lehrreden des Buddha - Sutta, siehe auch: Suttapitaka
- Eine philosophische Systematisierung der Lehren Buddhas - Abhidhamma, siehe auch: Abhidhammapitaka Die Betonung liegt im Theravada auf dem Befreiungsweg des einzelnen aus eigener Kraft nach dem Arhat-Ideal. Theravada ist vor allem in den Ländern Süd- und Südostasiens verbreitet: Sri Lanka, ­Myanmar, Thailand, Laos, und Kambodscha.

Mahayana

Hauptartikel: Mahayana-Buddhismus Mahayana-Buddhismus Der Mahayana-Buddhismus ("großes Fahrzeug") geht zentral auf die Mahasanghika ("große Gemeinde") zurück, eine Tradition, die sich in der Folge des zweiten buddhistischen Konzils (etwa 100 Jahre nach dem Tod Buddhas) entwickelt hatte. Der Mahayana verwendet, neben dem Tripitaka, auch eine Reihe ursprünglich in Sanskrit abgefasster Schriften ("Sutren"), die zusammen den "Sanskrit-Kanon" bilden. Zu den bedeutendsten Texten gehören das Diamant-Sutra, das Herz-Sutra und das Lotos-Sutra. Ein Teil dieser Schriften ist heute nur noch in chinesischen oder tibetischen Übersetzungen erhalten. Im Unterschied zur Theravada-Tradition, in der das Erreichen der "Erleuchtung" durch eigenes Bemühen im Vordergrund steht, nimmt im Mahayana das Bodhisattva-Ideal eine zentrale Rolle ein. Bodhisattvas sind Wesen, die als Menschen bereits Bodhi erfuhren, jedoch auf das Eingehen in das Parinirvana verzichteten, um statt dessen allen anderen Menschen, letztlich allen Wesen, zu helfen, ebenfalls dieses Ziel zu erreichen. Bedeutende Schulen des Mahayana sind beispielsweise der Zen-Buddhismus und der Amitabha-Buddhismus.

Vajrayana

Hauptartikel: Vajrayana Vajrayana Vajrayana, im Westen meist als Tibetischer Buddhismus oder auch Lamaismus bekannt, ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Schulen. Er beruht auf den Philosophischen Grundlagen des Mahayana, ergänzt diese aber um tantrische Techniken, die den Pfad zur Erleuchtung deutlich beschleunigen sollen. Zu diesen Techniken gehören neben der Meditation unter anderem Visualisierung (geistige Projektion), das Rezitieren von Mantras und weitere tantrische Übungen, zu denen Rituale, Einweihungen und Guru Yoga (Einswerden mit dem Geist des Lehrers) gehören. Der tibetische Buddhismus legt besonderen Wert auf direkte Übertragung von Unterweisungen von Lehrer zu Schüler. Eine wichtige Autorität des tibetischen Buddhismus ist der Dalai Lama, selbst Oberhaupt der Gelug-Schule und politisches Oberhaupt der Exiltibeter. Die vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus sind:
- Nyingma ("Rotmützen-Schule"): Die älteste tibetische Schule, zurückgehend auf Padmasambhava (8. Jahrhundert).
- Kagyü: Gegründet von Marpa und dessen Schüler Milarepa (11. Jahrhundert).
- Sakyapa ("Graue Erde"): Nach dem, von Khön Könchog Gyalpo gegründeten, Kloster benannt (11. Jahrhundert).
- Gelugpa ("Schule der Tugendhaften"): Gegründet von Tsongkhapa (14. Jahrhundert). Tibetischer Buddhismus ist heute in Tibet, Bhutan, Nepal, Indien, Ladakh, Sikkim, der Mongolei, Burjatien und Kalmükien verbreitet. Nach der Einführung des Vajrayana in Tibet hat sich im 9. Jahrhundert diese Art des Buddhismus in China als
- Mi-tsung oder auch Chen-yen (esoterischer Buddhismus) genannt, etabliert. Er wurde noch im gleichen Jahrhundert nach Japan übertragen. Dort wird Vajrayana in der
- Shingon-Schule gelehrt.

Siehe auch


- Portal Buddhismus

Literatur

Portal Buddhismus, die Verkörperung der Worte des Buddha]]
- W. Rahula (1963) Was der Buddha lehrt ISBN 3282000383
- Heinz Bechert: Der Buddhismus I: Der indische Buddhismus und seine Verzweigungen. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 3170153331
- Heinz Bechert, R. Gombrich: Der Buddhismus: Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3406421385
- Edward Conze: Der Buddhismus: Wesen und Entwicklung. 10. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1995, ISBN 3170135058
- Francesco Ficicchia: Buddhismus: Handlexikon der Namen und Begriffe in Tradition und Glaubenspraxis. IKS GmbH, Jena 2004, ISBN 3934601898
- David Fontana: Discover Zen - A Practical Guide to Personal Serenity. 2001, ISBN 0811831965
- Klaus K. Klostermaier: Buddhism - A Short Introduction. 1999, ISBN 1851681868
- Klaus Mylius (Hg.): Die Vier Edlen Wahrheiten. Texte des ursprünglichen Buddhismus. Bechtermünz Verlag Augsburg, 2000. ISBN 382894843x
- Hansjörg Pfister: Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus. Verlag Reith & Pfister, Bötzingen 2004, ISBN 3980562999
- Verena Reichle: Die Grundgedanken des Buddhismus. 11. Auflage. Fischer, Frankfurt 2003, ISBN 3596121469
- Hans W. Schumann: Handbuch Buddhismus: Die zentralen Lehren - Ursprung und Gegenwart. Diederichs, München 2000, ISBN 3720521532
- Gerhard Szczesny: Die eine Botschaft und die vielen Irrwege. 2004, ISBN 3826027078 (kritische Auseinandersetzung mit dem Buddhismus)
- P. Williams, A. Tribe: Buddhist thought: A complete introduction to the Indian tradition. Routledge, London 2000, ISBN 0415207010
- Stephen Batchelor: Buddhismus für Ungläubige, Spirit Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3596140269 (eine Einführung in den Buddhimus ohne östliche Konzepte)
- Volker Zotz: Geschichte der buddhistischen Philosophie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 3-499-55537-9
- Jean-François Revel / Matthieu Ricard: Der Mönch und der Philosoph (Buddhismus und Abendland; ein Dialog zwischen Vater und Sohn). Kiepenheuer & Witsch ISBN 3-462-02783-2

Weblinks

Volker Zotz] Organisationen
- [http://www.buddhismus-deutschland.de Deutsche Buddhistische Union]
- [http://www.buddhismus-austria.at Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft]
- [http://www.sbu.net Schweizerische Buddhistische Union] Allgemein
- [http://www.palikanon.com Der Text des Pali Kanon]
- [http://12koerbe.de/hanumans/buddha.htm Samanyaphala-suttam, Große Lehrrede von der Frucht des Mönchslebens, pali/ deutsch]
- [http://www.theravadanetz.de Information über Theravada]
- [http://www.dhamma-dana.de Dhamma Dana-Projekt] (Literatur zum Buddhismus)
- [http://www.buddhanetz.org Information über den Engagierten Buddhismus]
- [http://www.eurasien.net/kurz/ Virtuelle Sangha] („Buddhismus kurz und verständlich erklärt“)
- [http://www.retreat-infos.de Buddhistische Retreats]
- [http://www.gestalt.de/shanti.html Die Entfaltung des liebenden Klarblicks. Mettâ-Vipassanâ-Bhâvanâ]
- [http://www.navayana.ch Statements zur Thematik Westlicher Buddhismus] Kritisches
- [http://www.buddhistische-sekten.de Information über problematische Tendenzen in buddhistischen Gruppen] Englischsprachig
- [http://www.buddhanet.net BuddhaNet]
- [http://www.suanmokkh.org/ds/dhamsoc.htm Dhammic Socialism] - a Buddhist response to social suffering
- [http://www.siddharthasintent.org/Pubs/West.htm Tibetan Buddhism in the West by Dzongsar Khyentse Rinpoche] Kategorie:Östliche Philosophie als:Buddhismus ja:仏教 ko:불교 simple:Buddhism th:พระพุทธศาสนา zh-min-nan:Hu̍t-kàu

Konfuzianismus

Konfuzianismus (Pinyin: rújiā, Chinesisch: 儒家, Chinesisch für Schule der Gelehrten) ist der Begriff für Philosophien und politische Vorstellungen in China, die sich selbst in die Tradition des Meister Kong (lebte ca. Ende des fünften vorchristlichen Jahrhunderts, Chinesisch: 孔子 Pinyin: Kǒng Zǐ, latinisiert: Konfuzius) und seiner Schüler stellen. Konfuzius wurde von seinen Anhängern als Vorbild und Ideal verehrt. Seine moralischen Lehren, seine rituellen Schriften und seine Lebensweise wurden als mustergültig angesehen.

Konfuzius

Das Leben des "Konfuzius" ist durch den Kranz der Legenden hindurch nicht mehr zu bestimmen. Sowohl über seine Herkunft als auch über seinen tatsächlichen Lebensweg gibt es verschiedene, sich diametral widersprechende Beschreibungen. Sicher scheint lediglich die Tatsache, dass es einen wandernden Lehrer dieses Namens gab, dieser in Lu (in der heutigen Provinz Shandong) lebte und es einige schriftliche Werke gibt, die ihm zugeschrieben werden. Ziel seiner Lehren war es, die mythologische und religiösen Wertesysteme des chinesischen Feudalreiches zu erneuern. Als Ausweg aus dem politischen und sozialen Chaos sah er die Rückbesinnung auf die klassischen Tugenden.

Grundbegriff des Konfuzianismus

Harmonie des Universums und des Kosmos. Menschlicher Bereich: entspricht Ordnung in Natur

Fünf menschliche Elementarbeziehungen

# Vater-Sohn # Fürst-Untertan # Mann-Frau # Älterer Bruder-jüngerer Bruder # Freund-Freund Die Zahl Fünf findet sich auch in den
- Fünf Elementen des Daoismus
- Fünf Himmelsrichtungen(N, O, S, W + eigener Standpunkt)

Fünf Tugenden

# Ren, die gegenseitige Liebe # Yi, die Rechtschaffenheit # Zhong, die Gewissenhaftigkeit # Shu, die Gegenseitigkeit – was du nicht willst, dass man dir tu', das füge auch keinem anderen zu # Zhi, die Ehrlichkeit

Drei soziale Pflichten

Aus den fünf Tugenden wurden drei soziale Pflichten abgeleitet: # Loyalität (chin. 忠 zhong wörtl. "Untertanentreue") # kindliche Pietät (chin. 孝 xiao; wörtl. "Verehrung der Eltern und Ahne") # Anstand und Sitte (chin. 禮 li), umfasst alle Umgangsformen, sowohl unter den Menschen (Höflichkeit u. Etikette) als auch zwischen Menschen und der übersinnlichen Welt (Zeremonien, Opferriten) Weil die Ordnung Konfuzius' Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei, haben li und kindliche Pietät die wichtigste Stellung im praktischen Leben erhalten. Kinder sollen Ahnenverehrung fortsetzen und Ahnen erhalten. Demzufolge gilt Kinderlosigkeit als großes Unglück. Als Ausweg werden Adoption und Nebenfrauen empfohlen. Die Summe aller Tugenden ist die wirkliche Mitmenschlichkeit (chin. ren 仁). Sie allein zeigt, wer innerhalb der Ordnung loyal, gerecht und ehrlich handelt. Und das kann nur, wer ausgiebig li (3. soziale Pflicht; s.o.) studiert und praktiziert. Wer li entsprechend lebt – also der Etikette, den Riten und der Sitte nach – und sich für die Ahnen aufopfert, verändert sich allein dadurch zum Guten. Das löst dann einen Dominoeffekt aus, der auf seine Mitmenschen und schließlich auf den gesamten Kosmos wirkt und die eigentliche Urordnung wiederherstellen kann. Das heißt:
- Wenn Familien in Harmonie sind, ist es auch das Dorf
- Sind Dörfer in Harmonie, ist es auch die Provinz
- Sind Provinzen in Harmonie, dann ist es im Endeffekt auch das Reich

Wichtigkeit des Studiums

Das Studium ist Voraussetzung für das Verständnis der Ordnung des Himmels und der Menschen. Allerdings soll man nur ergänzend zum Denken lernen. Konfuzius sagt also: „Lernen ohne zu denken ist sinnlos; aber denken ohne zu lernen ist gefährlich.“ Der Kern der Lehre sind die Fünf, Neun, bzw. Dreizehn Klassiker # Yi Jing = das Buch der Wandlungen # Shi Jing = das Buch der Lieder # Shu Jing = das Buch der Urkunden # Chun qiu = das Buch des Frühlings und des Herbstes # Li Ji = das Buch der Riten # Lun Yu = das Buch der Unterredungen # Da Xue = das Buch der großen Wissenschaft # Zhong Yong = das Buch der Lehre von der Mitte # Meng Zi = das Buch der Zusammenfassung

Konfuzianismus als Gesellschaftsmodell und Staatsdoktrin

Die sich in Konfuzius Tradition sehenden Denker, die in China unter dem Begriff Rujia zusammengefasst sind, entwickelten Vorstellungen, die den gesamten ostasiatischen Raum bis heute entscheidend prägten: von China über Taiwan, Japan, Korea bis Vietnam. Trotz verschiedener großer Brüche in der Geschichte, wie der legendären Verfolgung der Rujia unter dem chinesischen Kaiser Qin Shi Huangdi im 3 Jh. v. Chr. oder der Verteufelung von Meister Kong durch Mao Tsetung während der ersten vierzig Jahre der Volksrepublik China im vergangenen Jahrhundert haben die humanistischen und klaren Vorstellungen, die Konfuzius geprägt hatte, durch ständige Neuinterpretation in den Epochen als Basis der Gesellschaftsform gedient und das Ideal von Besonnenheit und Mitgefühl geprägt. Der Konfuzianismus selbst bildete die Staatsdoktrin zahlreicher Dynastien; ab der Han-Dynastie gab es ein umfassendes Prüfungssystem für die Beamten, zu dem vor allem die umfassende Kenntnis konfuzianischer Lehren zählte. Da die "Bedrohung" durch andere Weltanschauungen (chin. , Pinyin: jiāo; es es bedeutet sowohl Lehre, Philosophie als auch Religion) wie Taoismus und Buddhismus entwickelte sich in der Song-Dynastie eine neue Strömung, der Neokonfuzianismus des Zhuxi (jap.: Shushi). Dieser Konfuzianismus tolerierte auch mythische Elemente, obgleich der „Meister“ einst sprach: „Wenn du das Leben noch nicht kennst, wie sollst du da den Tod verstehen!“ Der Konfuzianismus als Religion – das heißt die altchinesische Religionsform, der Konfuzius selbst anhing und die er förderte, die aber nicht durch ihn begründet wurde – spielt dagegen heute nur noch eine geringe Rolle; in den meisten betroffenen Ländern sind heute Buddhismus und Taoismus die dominanten Religionen. Chinesen jedoch sehen hierin keine Konkurrenz, sondern eine Art Koexistenz, da jede "Religion" ihren eigenen "Aufgabenbereich" hat. Konfuzianismus ist im eigentlichen Sinne keine Religion, sondern eine praktisch orientierte, moralische Philosophie. Im Jahre 1995 wurde der Konfuzianismus in Korea zur Religion erklärt. Zur Zeit gehören insgesamt etwa 10 Millionen Menschen dieser Religion an, allerdings sind nur rund 6,1 Millionen offiziell angegeben.

Siehe auch


- Kongzi (Konfuzius)
- Mengzi (Menzius)
- Xunzi

Literatur


- Kungfutse: Gespräche • Lun Yü. (übersetzt von Richard Wilhelm), ISBN 3-424-00622-X
- Kungfutse: Schulgespräche • Gia Yü. (übersetzt von Richard Wilhelm), ISBN 3-424-00696-3
- James Legge: The Chinese Classics. Five Volumes, Shanghai 1935
- Hans van Ess: Der Konfuzianismus. C.H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-48006-3
- Konfuzius Gespräche. Aus dem Chines. übers. und hrsg. von Ralf Moritz, Stuttgart : Reclam 1998
- Kungfutse. Aus d. Chines. übertr. u. hrsg. von Richard Wilhelm Köln
- Gregor Paul: Konfuzius, Freiburg 2001
- Gu, Xuewu: Konfuzius zur Einführung. Hamburg 2002
- Lee, Eun-Jeung: Anti-Europa. Die Geschichte der Rezeption des Konfuzianismus und der konfuzianischen Gesellschaft seit der frühen Aufklärung. Eine ideengeschichtliche Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Entwicklung (Univ. Habil. Halle an der Saale 2002) (Politica et Ars 6), Münster 2003. Kategorie:Chinesische Philosophie und Religion ! Kategorie:Östliche Philosophie Kategorie:Japan ja:儒教 ko:유교

Hinduismus

Der Hinduismus ist mit etwa 900 Millionen Anhängern die (nach Christentum und Islam) drittgrößte Religion der Welt, gegründet nach den Vedas, und hat seinen Ursprung in Indien. Angehörige dieser Religion werden Hindus genannt. Gläubige Hindus verstehen ihre Religion auch als Lebensart. Der Hinduismus ist eine Religion, die aus verschiedenen Richtungen mit recht unterschiedlichen Schulen und Ansichten besteht. Darum gibt es kein gemeinsames für alle gleichermaßen gültiges Glaubensbekenntnis. Nur einzelne Richtungen gehen auf einen bestimmten Begründer zurück, z.B. gehen Anhänger Krishnas davon aus, dass Krishna in prähistorischer Zeit tatsächlich lebte und ihren Glauben begründet hat. Da es sich beim Hinduismus um verschiedene Religionen handelt, gibt es auch keine zentrale Institution, die Autorität für alle Hindus hätte. Die Lehren über spirituelle Belange und sogar die Gottesvorstellungen sind in den einzelnen Strömungen sehr verschieden, selbst die Ansichten über Leben, Tod und Erlösung (Moksha) stimmen nicht überein. Die meisten Gläubigen jedoch gehen davon aus, dass Leben und Tod ein sich ständig wiederholender Kreislauf (Samsara) sind, sie glauben an die Reinkarnation. Für den persönlichen Glauben haben aufgrund der Vielfalt religiöse Lehrer (Gurus) oft einen großen Stellenwert. Trotz aller Unterschiede können Hindus der verschiedenen Richtungen weitgehend gemeinsam feiern und beten, wenn auch ihre Theologie und Philosophie nicht übereinstimmt. "Einheit in der Vielfalt" ist eine oft verwendete Redewendung zur Selbstdefinition im modernenen Hinduismus.

Geschichte des Hinduismus

Vedische Zeit

Guru Der Hinduismus ist eine der ältesten der heute noch praktizierten Glaubensformen. Nach einer Theorie, welche von Max Müller aufgestellt wurde, wanderten um 2000 v. Chr., am Ende der Indus-Kultur, arische Stämme nach Nordindien ein, die den weiteren kulturellen Verlauf maßgeblich prägten. Einige indische Historiker dagegen behaupten, dass die Arier ein schon ansässiger Stamm gewesen seien, der zu dieser Zeit die Oberherrschaft erlangen konnte. Zu den ältesten erhaltenen Schriften Indiens gehören der Rig Veda, der Sama Veda, der Yajur Veda und der Atharva Veda sowie einige astronomische Texte. Die ältesten indischen Texte können nicht mit Bestimmtheit datiert werden. Sie erlauben einen Einblick in das frühe religiöse Leben, das von Tier- und Pflanzenopfern, rituellen Waschungen und Hymnen an die Götter bestimmt war. Noch heute im Hinduismus bekannte Götter (Vishnu, Brahma, Saraswati) werden dort bereits verehrt, wenngleich sie damals noch nicht zu den Hauptgottheiten zählten.
- Der Rig Veda enthält Hymnen, um die Götter zu preisen und anzurufen. Er ist von allen Vedas der älteste, die anderen drei Veden entlehnen etliche Inhalte aus dem Rigveda.
- Der Sama Veda besteht aus Gesängen, die die Opfer musikalisch begleiten.
- Der Yajur Veda enthält Prosaverse, die bei Opferriten rezitiert werden.
- Der Atharva-Veda enthält Mantras und Beschwörungen gegen Feinde und Krankheiten sowie Gebete zur Vergebung für Fehler während der Opfer. Die frühe vedische Religion kannte keine Tempel oder Götterbilder. Die Götter wurden durch Feuer-Opfer angebetet, man bot Opfergaben des heiliges Safts Soma, Ghi (Butterschmalz), Milch, Brot und manchmal Fleisch der Tiere dar. Der Hinduismus ist eine Verschmelzung von mehreren verschiedenen religiösen Systemen: die altindischen Religionen und die Religion der vermutlich aus dem Norden eingewanderten Arier. Große Teile der Urbevölkerung Indiens, deren Geschichte weitgehend im Dunkeln liegt, wurde wahrscheinlich im Laufe der Zeit immer weiter in den Süden verdrängt. Aus dieser Kultur könnten Elemente wie die Verehrung von Göttinnen, heiliger Tiere und der Lingamkult stammen. Im Rigveda (auf ca. 1200 v.Chr. datiert, Datierung unsicher) der Arier hingegen werden die Götter teilweise als personifizierte Naturkräfte beschrieben, die Texte erzählen von Gold, Rindern und Kämpfen und fragen nach dem Wesen des Göttlichen. "Dem, das Eine Wahrheit ist, geben die Weisen viele Namen, sie nennen Es Agni, Yama, Matarishvan." (Rigveda 1,164,46)

Zeit der Upanishaden

Rigveda In der nächsten Entwicklungsstufe (ca. 800 v.Chr) erhielt die Brahmanenkaste durch komplizierte Rituale einen hohen Grad an Einfluss. Eine Neuausrichtung beginnt in der Zeit der Upanishaden (700 v. Chr. bis 500 v. Chr.). Sie wird bereits sichtbar in den Brahmanas und den Aranyakas und zeigt sich dann in der Philosophie der Upanishaden. Die Unterteilung in diese drei Textgattungen folgt der indischen Tradition, allerdings sind die Grenzen zwischen diesen Textsorten fließend. Die Brahmanas entwickeln eine komplizierte Opfertheologie, die Aranyakas ("Wald- oder Wildnisbücher") behandeln Geheimlehren, die nicht in den Siedlungen, sondern außerhalb (eben im Wald) diskutiert wurden, und die Upanishaden enthalten mystische Spekulationen. Sie umfassen etwa 250 Schriften, die über mehrere Jahrhunderte entstanden sind und Themen wie Wiedergeburt, Yoga und Karma ansprechen. Insbesondere die 13 vedischen Upanishaden haben den späteren Hinduismus geprägt.

Klassische Zeit

Das Ende der Upanishadenzeit wird oft als ein Einschnitt angesehen: Die Zeit davor wird in der Indologie gewöhnlich Brahmanismus genannt, und Hinduismus bezeichnet dann ausschließlich die nachfolgende Zeit. Seit 500 v.Chr. erfuhr der Hinduismus wahrscheinlich seine bis heute überlieferte wesentliche Ausgestaltung. Die Sprache der Überlieferung war Sanskrit, eine indogermanische Sprache, verwandt mit den europäischen Sprachen. Als Hauptgötter galten nun Brahma, Vishnu und Shiva und es wurden Tempel gebaut, Götterstatuen aufgestellt und viele Kult- und Weihehandlungen entstanden. Krishna und Rama, nach Hinduglauben menschliche Verkörperungen des Gottes Vishnu, erscheinen in der epischen Literatur zwischen 200 v. Chr. und 400. Das Ramayana und das Mahabharata sind umfangreiche und noch heute vielgelesene Dichtungen dieser Periode. Der wichtigste Teil des Mahabharata ist das Lehrgedicht Bhagavad Gita. In diese Zeit fällt auch die Ausformung einer Vielzahl von Glaubensrichtungen, die einzelne Götter speziell verehren (beispielsweise Shaktismus, Shivaismus und Vishnuismus) sowie eine Kodifizierung der brahmanischen Lehre im Dharma Sutra und dem Dharma Shastra. Seit dem 4. Jh. v.Chr. verloren die hinduistischen Religionen durch den Buddhismus zwar Anhänger, sie gingen jedoch nie ganz unter und wurde erst im 4. Jh. von den damaligen Königen wieder bevorzugt. Die darauf folgende Zeit von 400 bis 1000 ist durch die Puranas und eine Vielzahl historischer, mythologischer und lehrender Schriften charakterisiert. In diese Zeit fällt auch der Beginn tantrischer Traditionen. Im 8. Jh. gründete der Philosoph Shankara die ersten hinduistischen Orden.

Die islamische Invasion

Seit dem 8. Jahrhundert griff der Islam auf den indischen Subkontinent über und dominierte im 16. und 17. Jahrhundert unter dem Mogulreich. Im Punjab entstand der Sikhismus. Der Niedergang des Mogulreiches fiel mit der Ankunft der East India Company zusammen, die den Hinduismus mit christlichem und abendländischem Gedankengut konfrontierte.

Neohinduismus

East India Company Im 19. Jh. entstanden in Indien verschiedene religiös-soziale Reformbewegungen, die aus der Begegnung Indiens mit Europa hervorgegangen sind. Das Kastensystem oder die Tradition der Witwenselbstverbrennung wurden auch innerhalb des Hinduismus verstärkt hinterfragt. Im Zuge dieser Entwicklung begannen Hindus sich als Einheit aufzufassen (was vorher nicht in dem Maße der Fall gewesen war). Von Anfang an war der Neohinduismus mit den Unabhängigkeitsbestrebungen verbunden. Die christlichen Missionare in Indien bewirkten weniger ein Konvertieren zum Christentum als eine Auseinandersetzung mit der eigenen Religion. Die Übersetzungen der europäischen Indologen von Sanskrit in Englisch in gedruckter Form hatten zur Folge, dass das traditionelle Schriftgut auch in Indien einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wurde. Mehrere Organisationen formierten sich in dieser Zeit. Der Brahmo Samaj (gegründet 1828 von Ram Mohan Roy in Kalkutta) entwickelte einen monotheistischen Ansatz und sah im absolut formlosen Brahman den einen und einzigen Gott, das höchste Wesen. Der Arya Samaj (gegründet 1875 von Dayananda in Mumbai) wollte den Hinduismus von späteren Einflüssen befreien, die er als Verfälschungen ansah, wie z.B. den Puranas. Er lehnte den Polytheismus und das Kastensystem ab und sah nur den Veda als Quelle der Offenbarung an. Beide Organisationen wandten sich gegen die Bilderverehrung und strebten soziale Reformen an. Nach dem Vorbild der christlichen Mission gründete Swami Vivekananda 1897 die Ramakrishna-Mission, mit dem Ziel die Lehre des Vedanta, den er als Vollendung der Religionen betrachtete, auf der ganzen Welt zu verbreiten. Sein Lehrer Ramakrishna vertrat die Ansicht, alle Religionen der Welt verkündeten dieselbe Wahrheit, die Vielfalt der Religionen sei jedoch nur Schein (Maya). Die Rede Vivekanandas vor dem "Weltparlament der Religionen" 1893 in Chicago, in der er erstmals den Hinduismus als Universalreligion vorstellte, war die erste Gelegenheit, bei der sich der Hinduismus außerhalb Indiens präsentierte. Die Unabhängigkeitsbewegung Indiens unter Mahatma Gandhi mit seinem gewaltfreien Widerstand, trug zu einem größerem Interesse an hinduistischen Traditionen in der westlichen Welt bei.

Verbreitung

Der Hinduismus ist heute in Indien, Nepal, Sri Lanka, Bali und selbst in Mauritius, Südafrika, Fidschi, Singapur, Malaysia, Trinidad und Tobago verbreitet sowie in Europa besonders in Großbritannien. Dies erfolgte größtenteils durch Händler und indische Arbeiter, die im 19. und 20. Jahrhundert einwanderten. In Nepal ist der Hinduismus schon seit dem 4. Jh., in Bali seit dem 9. Jh. präsent. In beiden Ländern spielte bei der Verbreitung des Hinduismus die Flucht von Hindus vor islamischen Eroberungen eine Rolle, in Nepal ab dem 10. Jh. (aus Nordindien) und in Bali im 15.Jh (aus Java).

Glaubensrichtungen und Lehre

Java Der Hinduismus kennt keine gemeinsame Gründerperson. Jede Glaubensrichtung hat eigene nur für sie verbindliche heilige Schriften: z.B. Vishnuiten das Bhagavatapurana, Shaktianhänger das Devi Mahatmyam, einem puranischem Werk zur Verehrung der Göttin. Dagegen gelten die Veden mit den Upanishaden und die Bhagavad Gita (als Bestandteil des Mahabharata) als die grundlegenden Heilige Texte für alle Hindus. Entgegen dem ersten Anschein ist der Hinduismus keine polytheistische Religion. Die westliche Religionswissenschaft und die Indologie bezeichnet ihn als Henotheismus, da alle Götter - je nach individueller Glaubensausrichtung - Ausdruck des einen höchsten persönlichen Gottes oder auch der unpersönlichen Weltseele (Brahman) sein können. Im Hinduismus wird der Kosmos als geordnetes Ganzes angesehen, der vom Dharma, dem Weltgesetz, welches die natürliche und sittliche Ordnung darstellt, beherrscht wird. Die Zentren der hinduistischen Religiosität sind neben dem eigenen Haus die Tempel. Einer der größten Tempelkomplexe und Pilgerzentren ist Tirumala Tirupati in Südindien. In Nordindien zieht die heilige Stadt Varanasi am Ganges immer wieder Unmengen von Pilgern an.

Gottesbild

Die verschiedenen hinduistischen Traditionen und Philosophien vertreten verschiedene Gottesbilder, sie sind letztlich dem Einzelnen überlassen. Die Hauptrichtungen sind jedoch Shivaismus, Vishnuismus sowie Shaktismus, die aber wiederum völlig verschiedene Gottesvorstellungen beinhalten. Brahma, Shiva und Vishnu werden auch als Dreiheit Trimurti, dargestellt. Die Verehrung von Shiva und Vishnu, jeweils in unzähligen verschiedenen Formen und Namen, ist weit verbreitet. Brahma dagegen ist nur noch in der Mythologie präsent, in der Verehrung spielt er fast keine Rolle mehr, seine Stelle nimmt seine Shakti ein, Saraswati. Daneben gibt es aber unzählige andere Manifestationen z.B. den elefantenköpfigen Ganesha, der als Sohn von Shiva und Parvati gilt sowie Hanuman, der Diener Ramas, der wiederum ein Avatar von Vishnu ist. Es gibt auch eine große Zahl weiblicher Gottheiten, die entweder als 'Große Göttin' (Mahadevi) autonom auftreten wie etwa Durga oder als Gemahlinnen bzw. weibliche Seite der männlich gedachten Götter gelten, z.B. Sarasvati und Lakshmi. Die meisten Gläubigen gehen davon aus, dass die Anbetung eines jeden Gottes dem Anbeten des höchsten Göttlichen entspricht, da alle Erscheinungsweisen des Einen seien. Andere dagegen verehren das Höchste nur in einer Form, wie etwa viele der Anhänger Krishnas, und betrachten die anderen Götter als ihm untergeordnete Devas. Das Verehren des Göttlichen in Bildern dient dazu, dem Gläubigen zu helfen, Gott in einer einfacheren Weise anzubeten. Viele Hindus lehnen jedoch die Verehrung des Göttlichen in dieser Form strikt ab.

Hauptrichtungen

Die wichtigsten Strömungen innerhalb des Hinduismus sind der Vishnuismus und der Shivaismus. Vishnuiten glauben, dass ihr höchster Gott Vishnu sich in zehn Inkarnationen (Avatara) in der Welt manifestiert hat. Vishnu inkarniert sich vor allem dann in der Welt, wenn die kosmische Ordnung (Dharma) gefährdet ist und durch einen göttlichen Held wieder ins Reine gebracht werden soll. Zu den zehn Inkarnationen zählen auch Rama und Krishna. Die Idee der Inkarnationenlehre ist, dass Vishnu das höchste göttliche Prinzip ist, das alle anderen Gottheiten und die materielle Welt hervorbringt. Einige Schulen des Vishnuismus verkörpern eine monistische Sichtweise, die der Vedanta-Philosophie entspricht. Andere dagegen vertreten eine monotheistische Sicht, z.B. viele Anhänger Krishnas. Im Vishnuismus spielt die Hingabe an einen persönlichen Gott (Bhakti) meist eine größere Rolle als im Shivaismus. Die Shivaiten glauben, dass Shiva das höchste Wesen ist, das alle anderen Götter an Macht überragt und sie zudem erschaffen hat. Shiva ist der Gott der Asketen, der im Himalaya meditiert, und in periodischen Zyklen die Welt zerstört, um sie Kraft seines Yogas wieder neu zu schaffen. Shiva wird, mit Ausnahme des Nataraj, nicht figürlich, sondern mittels des formlosen Lingam verehrt. Shivaiten können Dualisten, wie im Shaiva Siddhanta, oder Monisten im Sinne Shankaras, oder auch Tantriker, wie im Shivaismus Kashmirs sein. In manchen Strömungen des Shivaismus spielt Yoga eine sehr große Rolle.

Wiedergeburt und Erlösung

Yoga Götter, Menschen und Tiere durchwandern nach hinduistischer Glaubensvorstellung in einem durch ewige Wiederkehr gekennzeichneten Kreislauf Samsara die Weltzeitalter Yuga. Während des Lebens wird je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft. Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung von Handlungen beeinflusst nach hinduistischer Vorstellung zukünftige Reinkarnationen und die Erlösung (moksha), das Aufgehen des Atman (Atman ist das innewohnende Brahman). Es ist nur bedingt zu vergleichen mit der Seele, da die Seele etwas Individuelles (also bei jedem verschieden) und das Atman immer das gleiche ist im "kosmischen Bewusstsein" (Brahman). Die persönliche Erleuchtung ist der Endpunkt der Entwicklung des Geistes und je nach Realisation des Suchenden kann diese durch die klassischen vier Methoden erreicht werden: 1. Bhakti Yoga, die liebende Verehrung Gottes, 2. Karma-Yoga dem Weg der Tat, 3. Jnana Yoga, dem Weg des Wissens, 4. Raja Yoga, dem "Königsweg" des Yoga.

Philosophie

Wie früh vor, das höchste Göttliche, das Hindus in allen Göttern verehren, ist letztlich das Brahman. Es ist das Eine ohne ein Zweites. Weder männlich noch weiblich. Das Schaffende und das Erschaffene zugleich. Es ist der Urgrund und die letzte Wirklichkeit und kann nur erkannt werden in allem, was ist. Brahman wird in Tempeln nie dargestellt, da es ohne Form und ohne Eigenschaften ist. Es ist alles, was ist, war und wird. Nach Auffassung des Advaita Vedanta ist der Mensch in seinem innersten Wesenskern mit dem Brahman identisch und diese Identität gilt es zu erkennen. Advaita Vedanta (Nichtdualität) ist die Lehre Shankaras (788-820 n. Chr), die auf diese Erkenntnis der Einheit zielt. Nach Lehre des Vishishtadvaita (qualifizerter Monismus) von Ramanuja dagegen ist Gott alles was existiert, es besteht jedoch ein qualitativer Unterschied zwischen Individueller Seele und höchstem Gott. Am anderen Ende des Spektrums steht die rein dualistische Philosophie des Dvaita Vedanta des Madhvas, die streng zwischen Seele und Gott unterscheidet. (siehe: Indische Philosophie)

Die heilige Kuh und vegetarische Nahrung

Indische Philosophie Möglicherweise auch als Reaktion auf den Vegetarismus im Buddhismus und auf die gestiegene Bedeutung von Ahimsa, der Gewaltlosigkeit, forderten die hinduistischen Schriften verstärkt Verzicht auf den Verzehr von Fleisch. In vedischen Zeiten waren die Lebensumstände noch völlig anders. In einigen Schriften gibt es Hinweise, dass Fleisch, selbst Rindfleisch, gegessen wurde, wobei es sich aber stets um das Fleisch von Opfertieren gehandelt haben dürfte. Allgemeiner Vegetarismus ist jedoch für Hindus weder eine Forderung noch ein Dogma, jedoch wird die vegetarische Lebensweise als die ethisch höhere angesehen, da Fleisch ein Produkt der Tötung ist und nicht sattvic (rein). Vegetarier sind in allen Bevölkerungsschichten zu finden, besonders wird der Verzicht aber von Brahmanen erwartet. Prinzipiell lehnen aber fast alle Hindus den Genuss von Rindfleisch ab. In der indischen Mythologie finden sich vielfältige Bezüge zur Kuh (Go). Von Krishna wird gesagt, er sei einerseits ein Govinda (Kuhhirte) und andererseits ein Gopala (Beschützer der Kühe). Seine Gefährtin Radha ist eine Gopi (Hirtenmädchen), Shivas Reittier ist ein Bulle (Nandi). Siegel aus vergangenen indischen Kulturen (Indus-Kultur) lassen darauf schließen, dass Kühe schon vor mehr als viertausend Jahren einen besonders hohen Stellenwert hatten. Die wichtigsten Wurzeln für die Verehrung sind jedoch die Veden, in denen immer wieder das Bild der Kuh als göttliches Wesen auftaucht. Trotzdem wurden Rinder in Indien zur Zeit des Neolithikums uneingeschränkt geopfert und verspeist. Warum und wann sich dies änderte ist unklar. Der Kulturanthropologe Marvin Harris führt die Tatsache auf veränderte ökonomische Rahmenbedingungen zurück: Mit dem Aufkommen des Staates und einer größeren Bevölkerungsdichte konnten nicht mehr genügend Rinder gezüchtet werden, um sowohl als fleischliche Nahrungsquelle als auch als Zugtiere genutzt zu werden. Möglicherweise war das einer der Gründe, dass die Tötung von Kühen auch als Opfertier für Hindus ein absolutes Tabu wurde und ihr Fleisch bis heute nicht gegessen wird. Interessanterweise waren es gerade die früher für die rituelle Rinderschlachtung verantwortlichen Brahmanen, die sich später am stärksten für den Schutz der Rinder einsetzten.

Ethik und Soziologie des Hinduismus

Kastensystem

Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hat für indische Hindus trotz Abschaffung des Kastensystems in der Verfassung weiterhin große soziale Relevanz. Grundsatz der Kastenordnung ist, dass die Lebewesen von Geburt an nach Aufgaben, Rechten, Pflichten und Fähigkeiten streng voneinander getrennt sind. Für die einzelnen Kasten (Varnas) gibt es unterschiedliche spezielle religiöse und kultische Vorschriften, die sich in allen Bereichen des Lebens äußern. Die oberste Kaste ist die Priesterkaste der Brahmanen, die zweite Kaste die der Kshatriya, die Kriegerkaste, dann die Vaishya, Bauern, Viehzüchter, Gewerbetreibende und Händler und die vierte Kaste, die Shudra, Arbeiter und Handwerker. Die niedrigste Gruppe sind die sogenannten Unberührbaren, die Dalits, die oft ein erbärmliches Dasein fristen und 'unreine' Berufe ausüben. Alle Kasten sind in viele Unterkasten (Jatis) geteilt, so dass es 2.000 bis 3.000 Kasten gibt. Obwohl das Kastenwesen im Hinduismus entstanden ist, wird es dort auch von anderen Religionen praktiziert. So hat die Christianisierung das Kastenwesen nicht immer überwunden. Noch heute müssen in vielen Kirchen Indiens Angehörige der unteren Kasten hinten sitzen.

Rolle der Frau

Dalit und der affenköpfige GottHanuman ]] Die Rolle der Frau im Hinduismus hat über die Jahrhunderte und Jahrtausende eine kontinuierliche Entwicklung durchgemacht und muss immer auch im Zusammenhang mit den jeweiligen Lebensumständen sowie der verschiedenen hinduistischen Kulturen gesehen werden. Einerseits verboten einige Gesetzgeber den Frauen das lesen der Veden, einige Hymnen des Rigveda jedoch wurden von Frauen geschrieben, und in der Brhadaranyaka Upanishad finden wir einen Dialog zwischen der gelehrten Tochter von Vachaknu Gargi und Yajnavalkya. Aus dieser Zeit ist auch die Sitte des Svayamvara überliefert, wörtlich "Selbstwahl": Frauen am Königshof wurden nicht einfach verheiratet, sondern wählten den Bräutigam aus den in Frage kommenden Kandidaten selbst aus. Ein zentrales Ritual, das Upanayana (Initiationsritus für Knaben) ist von frühester Zeit an jedoch Männern vorbehalten. Es ist dieser den oberen Kasten vorbehaltene Ritus, der einen Menschen zum "Dvijati" werden lässt, zum "Zweimalgeborenen". Nach der natürlichen Geburt stellt das Upanayana die kulturelle Geburt dar. Eine wichtige Rolle im hinduistischen Frauenbild stellt Sita dar, die Gattin Ramas aus dem großen Epos Ramayana. Das Bild der opferbereiten Gattin stellt für viele noch heute das Modell der idealen Frau dar. Sie wurde dadurch zum wichtigen Thema im indischen Feminismus und in der modernen indischen Literatur. Einerseits kann man aus heutiger Sicht bemängeln, dass hinduistische Traditionen Frauen oft nicht die Rechte zugestehen, die ihnen aus moderner Sicht zustehen würden. Andererseits war etwa Professor H.H. Wilson der Ansicht, dass Frauen in keiner anderen antiken Nation in so großer Achtung standen wie bei den Hindus.
- Mutterschaft Eine der Hauptaufgaben der Frau im Hinduismus ist die Mutterschaft. Jedes Stadium der Schwangerschaft bis hin zur Geburt wird begleitet von sakramentalen Riten zum Schutz und zu körperlichem und geistigem Wohlergehen von Mutter und Kind. Früher sollten Frauen möglichst viele Söhne bekommen, da diese die Sicherheit und das Überleben der gesamten Familie garantieren konnten. Obwohl Hindus die Töchter nicht generell geringer schätzen, gelten sie doch zu oft auch heute noch in manchen Familien als Belastung, da sie bei ihrer Hochzeit die Mitgift mitbringen müssen und die Familie durch Mitgiftzahlungen für zu viele Töchter auch verarmen kann. Dieses Problem führt zu einer hohen Abtreibungrate bei weiblichen Föten. Viele moderne Hindus, besonders in den Städten, freunden sich allmählich mit dem Gedanken an, dass auch eine Tochter ihre Eltern im Alter versorgen kann.

Familie

Normalerweise ist in der traditionellen Familie der Vater das Oberhaupt. Er trifft alle wichtigen Entscheidungen, beispielsweise über Geldangelegenheiten, Hochzeit usw. - zumindest soll es nach außen hin so aussehen. Traditionellerweise ist die Mutter-Sohn Bindung die engste im indischen Familiensystem. Meist wohnt der Sohn mit seiner Ehefrau im Haus der Eltern, wenn die räumlichen Verhältnisse dies zulassen. Bei den Töchtern jedoch ist auch heute noch meist von vorneherein klar, dass sie das Haus verlassen werden, um in die Familie des Ehemannes zu ziehen. Dies ist nicht einfach für die junge Ehefrau. Sie ist diejenige in der Familie mit den wenigsten Rechten, ihr Status verbessert sich oft erst, wenn sie Kinder (am besten einen Sohn) bekommt. Ältere Frauen, d.h. Schwiegermütter, haben oftmals einen sehr soliden Status und sind mit genügend Autorität ausgestattet. Eine soziale Rolle, die im Hinduismus traditionell nicht sehr angesehen ist, ist die der unverheirateten Frau. Ledige Frauen wohnen in Indien meist nicht alleine, sondern weiter im Haushalt der Eltern. Das Verhältnis zwischen Ehegatten ist in erster Linie von Pragmatismus geprägt. Bei einer "arranged marriage" sucht die Familie jene Person als Ehemann bzw. Ehefrau aus, die in Bezug auf Bildung, Status etc. am ähnlichsten ist. Die Liebe kommt später, sagt man in Indien. Das sei wie ein Topf Wasser, den man auf den Herd stelle und der eben erst später zu kochen anfange. Sogenannte "love marriages" sind jedoch heute immer häufiger. Das Ideal ist ein vierstufiges Lebensmodell, das vorsieht, nach den Schülerjahren eine Familie zu gründen und erst nachdem die Kinder erwachsen geworden sind, sich zurückzuziehen und sich intensiv religiösen Studien und der eigenen Erlösung zu widmen.

Literatur

Ramayana
- Georg Feuerstein: "Tantra - The Path of Ecstasy", Shambhala, ISBN 1-57062-304-X
- David Frawley: "Die spirituelle Praxis des Vedanta", Windpferd, ISBN 3-89385-412-6
- Helmuth von Glasenapp: "Der Hinduismus - Religion u. Gesellschaft im heutigen Indien", 1922
- Jan Gonda: "Die Religionen Indiens I, Veda und älterer Hinduismus". Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1978
- Jan Gonda: "Die Religionen Indiens II, Der jüngere Hinduismus". Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1963
- Vanamali Gunturu: Hinduismus. Diederichs, 2002, ISBN 3720523446
- Linda Johnson: "The Complete Idiot's Guide to Hinduism", Alpha, ISBN 0-02-864227-9
- Kim Knott: D