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| Über-Ich |
Über-IchDas Über-Ich ist ein Begriff aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds.
In seiner Metapsychologie ("Das Ich und das Es" 1923) unterscheidet Freud drei Instanzen des psychischen Apparats:
- Das Es, die naturnahe Triebinstanz,
- das Ich, und
- Über-Ich
Das Über-Ich kann im Freudschen Dreiinstanzenmodell vereinfacht als die moralische Instanz oder auch das Gewissen angesehen werden. Es wird in der frühen Kindheit gebildet und enthält die (moralischen) Normen und verinnerlichte Wertvorstellungen der kulturellen Umgebung, in der das Individuum aufwächst.
Wenn ein Mensch zu denken beginnt, geschieht das bereits unter der Ägide des ihm introjizierten Über-Ichs und der darin enthaltenen grundsätzlichen Werthaltungen. Da er sie als seine ureigenen empfindet und er seine persönliche Identität aus ihnen bezieht, kann er sich durch rationales Denken nur sehr bedingt von ihnen distanzieren oder emanzipieren.
Freuds Schüler Wilhelm Reich hat versucht, das Über-Ich konkreter zu erfassen, indem er es in seiner "Charakteranalyse" (1933) und deren anschliessender physiologischer Begründung (Körperpsychotherapie) als "funktionell identisch" mit dem psycho-physiologisch verstandenen Charakter(panzer) bezeichnete.
Literatur
- Hans-Martin Lohmann: Sigmund Freud zur Einführung, Hamburg: Junius, 2002, 5. Aufl., ISBN 3-88506-362-X
- Erich Fromm, Über den Ungehorsam, DVA 1982, ISBN 3-421-01946-0
- Wilhelm Reich: Charakteranalyse, 1933; stark erweiterte Fassung (engl. 1945) Köln 1970ff ISBN 3-462-01982-1
Weblinks
- [http://beat.doebe.li/bibliothek/w00434.html Über-Ich] in Beats Biblionetz
- [http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/s_z/ueberich.htm Über-Ich] im Lexikon.sociologicus
- [http://www.lsr-projekt.de/wrnega.html Die Negation des irrationalen Über-Ich bei Wilhelm Reich] von Bernd A. Laska
Kategorie:Psychoanalyse
Über-IchDas Über-Ich ist ein Begriff aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds.
In seiner Metapsychologie ("Das Ich und das Es" 1923) unterscheidet Freud drei Instanzen des psychischen Apparats:
- Das Es, die naturnahe Triebinstanz,
- das Ich, und
- Über-Ich
Das Über-Ich kann im Freudschen Dreiinstanzenmodell vereinfacht als die moralische Instanz oder auch das Gewissen angesehen werden. Es wird in der frühen Kindheit gebildet und enthält die (moralischen) Normen und verinnerlichte Wertvorstellungen der kulturellen Umgebung, in der das Individuum aufwächst.
Wenn ein Mensch zu denken beginnt, geschieht das bereits unter der Ägide des ihm introjizierten Über-Ichs und der darin enthaltenen grundsätzlichen Werthaltungen. Da er sie als seine ureigenen empfindet und er seine persönliche Identität aus ihnen bezieht, kann er sich durch rationales Denken nur sehr bedingt von ihnen distanzieren oder emanzipieren.
Freuds Schüler Wilhelm Reich hat versucht, das Über-Ich konkreter zu erfassen, indem er es in seiner "Charakteranalyse" (1933) und deren anschliessender physiologischer Begründung (Körperpsychotherapie) als "funktionell identisch" mit dem psycho-physiologisch verstandenen Charakter(panzer) bezeichnete.
Literatur
- Hans-Martin Lohmann: Sigmund Freud zur Einführung, Hamburg: Junius, 2002, 5. Aufl., ISBN 3-88506-362-X
- Erich Fromm, Über den Ungehorsam, DVA 1982, ISBN 3-421-01946-0
- Wilhelm Reich: Charakteranalyse, 1933; stark erweiterte Fassung (engl. 1945) Köln 1970ff ISBN 3-462-01982-1
Weblinks
- [http://beat.doebe.li/bibliothek/w00434.html Über-Ich] in Beats Biblionetz
- [http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/s_z/ueberich.htm Über-Ich] im Lexikon.sociologicus
- [http://www.lsr-projekt.de/wrnega.html Die Negation des irrationalen Über-Ich bei Wilhelm Reich] von Bernd A. Laska
Kategorie:Psychoanalyse
Sigmund Freud
Sigmund Freud (ursprünglich Sigismund Schlomo Freud) ( - 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London) war ein österreichischer Neurologe und Tiefenpsychologe, der als Begründer der Psychoanalyse und als Religionskritiker Bekanntheit erlangte. Obwohl seine Theorien heute umstritten sind und die Methode der Psychoanalyse in den meisten Fällen als ineffektiv oder zumindest ineffizient im Vergleich zu anderen Therapiemethoden betrachtet wird, gilt Freud nach wie vor als einflussreicher Denker des letzten Jahrhunderts.
Leben
Kindheit und Jugend
Freud wird am 06.05.1856 als Sohn jüdischer Eltern in Freiberg (Mähren) geboren, wohin die Familie im 14./15. Jahrhundert aus Köln infolge von Judenverfolgungen gekommen war. Obwohl Freud später Atheist wurde, hat er stets die Bedeutung seines Judentums für sich betont.
Sein Vater Kallamon Jacob Freud (1815 - 1896), ein verarmter Wollhändler, war bei Sigmunds Geburt schon fast vierzig und zum dritten Mal verheiratet. Freud hatte zwei ältere Halbbrüder aus den früheren Ehen seines Vaters, sowie sieben jüngere leibliche Geschwister. 1859 zog die Familie über Leipzig nach Wien. Dort wurde Freud 1865 ins Leopoldstädter Communal-Realgymnasium aufgenommen, wo er 1873 die Matura mit Auszeichnung bestand.
Nach anfänglichen Plänen, Jura zu studieren, immatrikulierte er sich 1873 an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. 1876 befasste er sich während eines Forschungsstipendiums an der Zoologischen Versuchsstation in Triest u.a. mit Aalhoden. Im selben Jahr wechselte er in Wien an das Physiologische Institut unter Ernst Wilhelm Brücke. Am 30.03.1881 promovierte Freud dort mit dem Thema "Über das Rückenmark niederer Fischarten" zum Doktor der Medizin...
Wirken als Arzt
1882 trat Freud eine Stelle im Wiener Allgemeinen Krankenhaus unter Theodor Meynert an, wo er bis 1885 blieb. 1884-87 befasste er sich mit Forschungen zum Kokain. Die Studie "Über Coca" erscheint nach Selbstexperimenten. Der Versuch, einen morphiumsüchtigen Freund mit Kokain zu heilen, misslingt.
Während einer Studienreise nach Paris 1885 besucht er u.a. die psychiatrische Klinik am Hôpital Salpêtrière, wo Jean-Martin Charcot wirkt, ein als "Napoleon der Hysteriker" bekannter Professor für Pathologische Anatomie. Des Weiteren lernt der junge Freud den Arzt Josef Breuer kennen. Der Fall "Anna O." (Bertha Pappenheim), führt zur gemeinsamen Erfindung der so genannten "Sprechtherapie", die praktisch eine Vorstufe der Psychoanalyse darstellt. Nach seiner Habilitation erhält er im September eine Dozentur für Neuropathologie an der Universität Wien.
Am 25.04.1886 lässt sich Freud als Arzt nieder und leitet die neurologische Abteilung im Ersten Öffentlichen Kinder-Krankeninstitut von Max Kassowitz bis 1897. Sein im Oktober 1886 gehaltener Vortrag "Über männliche Hysterie" stößt beim Publikum, der "Gesellschaft der Ärzte", auf Ablehnung.
1889 besucht Freud in Nancy Hippolyite Bernheim, der Versuche mit der so genannten posthypnotischen Suggestion (Hypnose) betreibt. Aus diesen Versuchen schließt Freud, dass es ein Unbewusstes geben müsse, welches verantwortlich für einen Großteil menschlicher Handlungen ist. In den folgenden Jahren entwickelt er seine Theorie noch weiter (vgl. Verführungstheorie).
Private Wege
1886 heiratet Freud Martha Bernays (1861-1951). Aus der Ehe werden die Kinder Mathilde (1887), Jean Martin (1889-1967), Oliver (1891-1969), Ernst (1892-1970), Sophie (1893-1920) und Anna (1895-1982) hervorgehen. 1891 zieht Freud innerhalb Wiens in die Berggasse 19 um, wo er die nächsten 47 Jahre verbringen wird.
Die Geburt der Psychoanalyse
In einem Brief an Wilhelm Fliess formuliert Freud 1897 nach selbstanalytischen Betrachtungen erstmals den "Ödipus-Komplex", also das Phänomen libidinöser Bindungen zur eigenen Mutter bei einem gleichzeitigen Rivalitätsverhältnis zum Vater.
Im November 1899 veröffentlicht Freud sein auf 1900 vordatiertes Werk „Die Traumdeutung“. Traditionell setzt man den Beginn der Psychoanalyse mit dem Publikationsjahr dieses Buches an.
1902 wird er zum außerordentlichen Professor ernannt und gründet die Psychologische Mittwochsvereinigung, die neben Ferenczi und anderen auch von Alfred Adler besucht. Ihren Namen hat sie von dem Wochentag, an dem regelmäßig neueste Forschungsergebnisse diskutiert werden und die neue Kunst der Deutung geübt wird.
1908 beruft er den Ersten internationalen psychoanalytischen Kongress nach Salzburg ein, es folgen weitere Kongresse 1910 in Nürnberg, 1911 in Weimar, 1913 in München, 1918 in Budapest und 1920 in Den Haag und Berlin. 1910 gründet Freud die "Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung" (IPV), es folgen 1911 die "amerikanische psychoanalytische Vereinigung" sowie 1919 die "britische psychoanalytische Vereinigung".
1913 erscheint die Schrift Totem und Tabu, in der sich Freud mit dem kulturgeschichtlichen Phänomen des Inzestverbots auseinandersetzt.
Freud und Jung
1906 beginnt Freud einen Briefwechsel mit seinem Fachkollegen Carl Gustav Jung. Bei einem Treffen 1907 redet man 13 Stunden lang ohne eine einzige Unterbrechung. Jung wird von Freud als "Kronprinz" angesehen. 1909 reisen die beiden Psychoanalytiker mit Ferenczi in die USA. Freuds 1914 veröffentlichte Streitschrift "Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung" führt gemeinsam mit vorangegangenen Differenzen zum Bruch mit C. G. Jung, der aus der von Freud gegründeten Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung austritt.
Auf dem Höhepunkt des Schaffens
In den zwanziger Jahren erscheinen zahlreiche von Freuds zentralen Werken, die seinen internationalen Ruhm als Psychoanalytiker begründen. Zu nennen sind insbesondere
- "Jenseits des Lustprinzips" (1920), in dem es um die biologischen Grundlagen der Psychoanalyse geht und die Begriffe "Wiederholungszwang" und "Todestrieb" eingeführt werden.
- "Massenpsychologie und Ich-Analyse" aus dem Jahr 1921.
- "Das Ich und das Es" von 1923
- "Die Zukunft einer Illusion" von 1927, das Freuds kulturtheoretisch-religionspsychologischen Werke einleitet.
- Das Unbehagen in der Kultur von 1930
1930 verleiht die Stadt Frankfurt Freud gegen den Protest antisemitischer Kreise den Goethe-Preis, 1935 wird er Ehrenmitglied der British Royal Society of Medicine
Zu Freuds 80. Geburtstag hält Thomas Mann 1936 den Festvortrag "Freud und die Zukunft".
Schicksalsschläge
1920 stirbt Freuds Tochter Sophie in Hamburg an der Grippe. Zwei Jahre später erkrankt Freud selbst an Gaumenkrebs, der sich trotz zweier 1923 durchgeführter Operationen mit Entfernung von Teilen von Kiefer und Gaumen bis zu seinem Tod beständig verschlimmert. 1930 stirbt Freuds Mutter.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten fallen auch Freuds Werke der Bücherverbrennung vom Mai 1933 anheim. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 12.03.1938 und dem Verhör seiner Tochter Anna durch die Gestapo emigriert Freud am 4. Juni nach London, wo er ein Haus im Stadtteil Hampstead kauft (20 Maresfield Gardens).
Am 23.09.1939 um 3 Uhr morgens stellt Dr. Schur, Freuds Hausarzt, nach einer Morphiuminjektion von zwei mal zwei Zentigramm Freuds Tod fest.
Erbe
Freuds Arbeit wurde von seiner Tochter, der Volksschullehrerin und Kinderanalytikerin Anna Freud, weitergeführt. Er gilt als Stammvater der modernen Psychoanalyse und hat Einfluss auf nahezu alle Vertreter dieses Fachs ausgeübt.
Ein Sigmund Freud Museum wurde 1971 in Freuds alter Wohnung in der Berggasse 19 in Wien eröffnet. Im Londoner Freud-Museum, welches nach dem Tod von seiner Tochter Anna eröffnet wurde, befindet sich die Mehrzahl von Freuds Büchern, Sammlungsstücken und Möbeln (einschließlich der berühmten Couch). 1964 wurde in Frankfurt ein Sigmund-Freud-Institut errichtet.
Auch wurde in den 90ern Jahren der 1874 errichtete Feldhof in Graz in "Landesnervenklinik Sigmund Freud" umbenannt, dabei handelt es sich um eine Einrichtung für Menschen mit psychischen, neurologischen und psychosomatischen Erkrankungen.
Werk
Freud erforschte zunächst die Hypnose und deren Wirkung, um psychisch kranken Personen zu helfen.
Später wandte er sich von dieser Technik ab und entwickelte eine Behandlungsform, die u.a. auf freien Assoziationen und Traumdeutung beruhte, um die seelische Struktur des Menschen zu verstehen und zu behandeln (Psychoanalyse). Nach ihm ist der „freudsche Versprecher“ als offensichtlichstes Beispiel einer Fehlleistung benannt.
Fehlleistung
Um zu erklären, wie die menschliche Psyche funktioniert, entwickelte Freud eine damals ungewöhnliche Technik, bei der er seine Patienten und deren freie Assoziationen analysierte und hermeneutisch (textauslegend) deutete. Aus diesen Beobachtungen und Deutungen entwickelte er seine Idee der dreiteiligen psychischen Struktur. Seinem Vorschlag zufolge setzt sich die Struktur der Psyche eines Menschen aus drei Teilen (Instanzen) zusammen, dem Es, dem Ich und dem Über-Ich. Er vertrat die Ansicht, dass ca. 89-90 % der menschlichen Entscheidungen unbewusst motiviert sind und nur ein geringer Teil „sichtbar“ ist.
Sein "Drei-Instanzen-Modell" der Psyche entwickelte Freud in zwei Schritten. So veröffentlichte er im Laufe seiner Forschungen verschiedene topische Modelle über die Struktur und die Dynamik des psychischen Apparates.
Ich, Es und Über-Ich
In der ersten Topik unterschied er das "Bewusste" vom größeren und einflussreicheren "Unbewussten" und legte dar, wie das Unbewusste das Bewusstsein beeinflusst. In der zweiten Topik, die er vor allem in seiner Schrift Das Ich und das Es (1923) entwickelte, beschrieb Freud erstmals seine Theorie über das Es, das Ich und das Über-Ich.
- Dabei tritt das Es an die Stelle des Unbewussten. Es bildet das triebhafte Element der Psyche und kennt weder Negation, noch Zeit oder Widerspruch. Das Es ist von Anfang an vorhanden, es ist angeboren. Außerdem ist es dem Bewusstsein nicht möglich, darauf zuzugreifen. Damit bezeichnet Freud also jene psychische Struktur, in der die Triebe (z.B. Essen, Sexualtrieb), Bedürfnisse (z.B. Geltungsbedürfnis, Angenommenseinsbedürfnis) und Affekte (Neid, Hass, Vertrauen, Liebe) gründen. Die Triebe, Bedürfnisse und Affekte sind auch Muster (psychische „Organe“), mittels denen wir weitgehend unwillentlich bzw. unbewusst wahrnehmen und unser Handeln leiten.
- Das Ich: Randgebiet des "Es"; bezeichnet jene psychische Strukturinstanz, die mittels des selbstkritischen Denkens und mittels kritisch-rational gesicherter Normen, Werte und Weltbild-Elementen realitätsgerecht vermittelt "zwischen den Ansprüchen des Es, des Überich und der sozialen Umwelt mit dem Ziel, psychische und soziale Konflikte konstruktiv aufzulösen (= zum Verschwinden zu bringen)." (Rupert Lay, Vom Sinn des Lebens, 212)
- Denken, Erinnern, Fühlen, Ausführen von Willkürbewegungen;
- Vermittler zwischen impulsiven Wünschen des ES und dem Über-Ich;
- sucht nach rationalen Lösungen
- ist zum größten Teil bewusst
- Das Über-Ich bezeichnet jene psychische Struktur, in der die aus der erzieherischen Umwelt verinnerlichten Handlungsnormen, Ichideale, Rollen und Weltbilder gründen.
- "Gewissen"
- moralische Instanz, Wertvorstellungen
- Gebote und Verbote der Eltern dienen als Vorbild
- Vorstellungen von Gut und Böse
- der Gegenpart zum Es
Das Ich und das Über-Ich entstehen aus dem Es. Die verdrängenden Vorstellungen werden dem Über-Ich zugeschrieben. Es ist ein Teil des Ich und beurteilt die Gedanken, Gefühle und Handlungen des Ich. Das Über-Ich entsteht nach Freud mit der Auflösung des Ödipus-Komplexes (ca. im 5. Lebensjahr). Nach Freud entsteht ein Großteil der Motivation menschlichen Verhaltens aus dem unbewussten Konflikt zwischen den triebhaften Impulsen des Es und dem strengen bewertenden Über-Ich (vgl. die Konzepte zur Abwehr & Sublimierung). Nach Freud unterliegt auch die Gesellschaft einer solchen Triebdynamik.
Entwicklungsmodell der Psyche
Nach den ersten Lebensmonaten erfährt ein Neugeborenes immer deutlicher, dass es von Dingen und anderen Menschen unterschieden ist. Es entwickelt ein erstes Bewusstsein von den eigenen Körpergrenzen und Selbstgefühlen. "In den folgenden vier Lebensjahren lernt ein Kind (vorsprachlich und deshalb auch unbewusst) die Fragen zu beantworten: 'Wer bin ich?' - 'Was kann ich?' und somit sein Selbstbewusstsein auch inhaltlich zu füllen." (Rupert Lay, Ethik für Wirtschaft und Politik, 68) Um das Es herum wird also eine Zone aufgebaut, die man als frühes Ich bezeichnen kann. Das frühe Ich, das sich wie eine Hülle um das Es legt, wird somit von den frühen Körperrepräsentanzen und den frühen Selbstrepräsentanzen gebildet. Die frühen Körperrepräsentanzen sind die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte über Körperbereiche. Zu den frühen Selbstrepräsentanzen zählen die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte bezüglich der eigenen Person. Sie bestimmen den Sozialcharakter und all unsere später erworbenen Selbstvorstellungen (wer wir sind, was wir fürchten und erhoffen, was wir uns zutrauen...) auf unterschiedliche Weise mit.
Gesellschaftliche Wertung und Kritik
Es ist Sigmund Freuds großer Verdienst, die Erkenntnis von unbewussten und inneren Kräften für die Entstehung von psychischen Fehlentwicklungen ausgewertet zu haben. Die Psychoanalyse wird von ihren Anhängern gerne als eine umfassende Theorie betrachtet, die das komplexe menschliche Erleben und Verhalten erschöpfend beschreiben und erklären kann.
Die Freudschen Theorien sind nichtsdestoweniger auch einigen Kritikpunkten ausgesetzt. Vorausgeschickt werden sollte hierbei aber, dass die Psychoanalyse in ihrer modernen Form in vielfältige Richtungen weiterentwickelt wurde und nicht mehr in allen Punkten mit den Freudschen Auffassungen übereinstimmt. Zu erwähnen sind die in den USA vorherrschende Ich-Psychologie, die durch Melanie Klein v.a. in Großbritannien verbreitete Objektbeziehungstheorie und die Selbstpsychologie von Heinz Kohut.
So wurde z.B. die Existenz eines Todestriebs nicht nur von Wissenschaftlern anderer Fachgebiete, sondern auch von den meisten Psychoanalytikern angezweifelt, anderseits von dem Soziologen Franz Borkenau zum Ausgangspunkt einer Theorie der Dynamik der Kulturen ausgebaut. Auch die klassische Triebtheorie, welche von einem Antagonismus zwischen Libido und Aggression ausging, wurde um zusätzliche menschliche Grundbedürfnisse, wie z.B. Bindung, Individuation und Exploration erweitert. Der Pansexualismusvorwurf, welcher in nuce besagt, die Psychoanalyse führe alles auf Sexualität zurück, übersieht zum einen, dass Freud einen sehr viel umfassenderen Begriff von "Sexualität" als wir heute hatte, und zum anderen, dass die Sexualtheorie in der modernen Psychoanalyse nur eine Randstellung innehat.
- Sigmund Freuds Menschenbild zeigt pessimistische Züge, das davon ausgeht, dass aufgrund der menschlichen Triebgebundenheit eine Verbesserung der sozialen und kulturellen Zustände nur sehr schwer möglich ist.
- Persönlichkeitseigenschaften wie Abhängigkeit und Unterwürfigkeit sind typisch 'weibliche' Eigenschaften, die auf die Penislosigkeit, und der damit verbundenen Minderwertigkeit der Frauen, zurückzuführen ist.
- Für viele Wissenschaftler sind die Aussagen Freuds zu wenig wissenschaftlich fundiert, d.h. empirisch nicht ausreichend belegt.
- Eine grundsätzlichere Kritik der Psychoanalyse besagt, dass sie nicht in hinreichendem Maße wissenschaftlich formuliert sei, um überhaupt empirisch überprüfbar zu sein.
Freuds Werk zeigt deutliche Prägungen seiner Kindheits- und Jugendzeit im bürgerlichen Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts und seiner humanistischen Bildung. So benennt er viele innerpsychische Komplexe nach Vorbildern der griechischen Mythologie. Manche seiner Beschreibungen über den Zwiespalt zwischen den triebhaften und als bedrohlich erlebten Impulsen des Es auf der einen und den harten moralischen Vorgaben des Über-Ich auf der anderen Seite, werden aus heutiger Sicht als Ausdruck des damals vorherrschenden gesellschaftlichen Anspruchs verstanden.
Seine Theorien und später auch seine Behandlungsmethoden erregten im Laufe der Zeit zunehmend Aufsehen, so dass er im Laufe der Zeit auch andere Ärzte in seiner Psychoanalyse ausbildete. Unter ihnen war auch C.G. Jung, der sich später von seinem Lehrer abwandte und mit der analytischen Psychologie eine veränderte Form der Psychoanalyse entwickelte.
Kritik erntete S. Freud für seine Aussagen zum Thema sexuellen Missbrauchs, auf das er in seinen Analysen immer wieder durch Erinnerungen, Träume und andere Hinweise seiner Patientinnen gestoßen war. Als er diese Erkenntnisse veröffentlichte, erhielt er heftige Gegenreaktionen von vielen akademischen und gesellschaftlichen Institutionen und Personen. Er ordnete die Aussagen seiner Patientinnen in späteren Veröffentlichungen als 'ödipal gefärbte Wunschphantasien' ein. Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis sich die Einsicht durchsetzen konnte, dass Freuds erste Einschätzung des Themas die richtigere war.
Eine der meist bezweifelten Theorien Freuds ist die vom so genannten "Penisneid": Dieser stehe in der psychischen Entwicklung von Mädchen symmetrisch der Kastrationsangst der Jungen gegenüber. In Freuds Analysen ergab sich ihm, dass psychisch fehlgeleitete Handlungen von Frauen oft auf die mangelhafte psychische Verarbeitung der Beobachtung zurück gingen, dass ihnen der Penis eines Jungen unerreichbar fehle, woraus ein Gefühl des Neides resultiere. (Dabei verkannte die Kritik nicht selten, dass "Neid" etwas ganz Anderes als "Habsucht" beschreibt.)
Obwohl Freuds Theorien und Behandlungsmethoden in späteren Jahrzehnten von anderen Ärzten und Psychotherapeuten immer wieder kritisiert worden sind, wird sein Beitrag zum Verständnis des menschlichen Erlebens und Verhaltens meistens als außergewöhnliche Leistung eingeordnet. Viele der von ihm geprägten Begriffe wie "das Unbewusste" oder der Ödipuskomplex sind im Laufe der Jahre in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen worden.
Bekannte Veröffentlichungen
- 1887 Studie "Über Coca"
- 1893 "Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene" zusammen mit Breuer.
- 1895 "Entwurf einer Psychologie" (Manuskript; gemeinsam mit Josef Breuer)
- 1895 "Studien über Hysterie".
- 1896 Aufsatz Zur Ätiologie der Hysterie (Erste Verwendung des Begriffes "Psychoanalyse")
- 1900 "Die Traumdeutung"
- 1901 "Zur Pathologie des Alltagslebens"
- 1904/05 Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
- 1914 Streitschrift "Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung"
- 1915 Essay "Zeitgemäßes über Krieg und Tod"
- 1916 "Trauer und Melancholie"
- 1920 "Jenseits des Lustprinzips"
- 1920 Falldarstellung "Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität". - 1921 "Massenpsychologie und Ich-Analyse"
- 1923 "Das Ich und das Es"
- 1925 "Selbstdarstellung"
- 1927 "Die Zukunft einer Illusion"
- 1930 Das Unbehagen in der Kultur
- 1933 "Warum Krieg?"
Freuds Patienten
Das Unbehagen in der Kultur
Dies ist eine unvollständige Liste von Patienten, deren Behandlungsverlauf von Freud veröffentlich wurde. Die richtigen Namen wurden durch die angegebenen Pseudonyme ersetzt.
- Cäcilie M. = Anna von Lieben
- Dora = Ida Bauer (1882-1945)
- Frau Emmy von N. = Fanny Moser
- Fräulein Elizabeth von R.
- Fräulein Katharina = Aurelia Kronich
- Fräulein Lucy R.
- Kleiner Hans = Herbert Graf (1903-1973)
- Rattenmann = Ernst Lanzer (1878-1914)
- Wolf Mann = Sergius Pankejeff (1887-1979)
Veröffentlichte psychoanalytische Beobachtungen an Leuten, die keine Patienten Freuds waren:
- Anna O. = Bertha Pappenheim (1859 - 1936)
- Daniel Paul Schreber (1842-1911)
Weitere Patienten:
- H.D. (1886-1961)
- Emma Eckstein
- Gustav Mahler (1860-1911)
Literatur
- Hans-Martin Lohmann: Sigmund Freud zur Einführung, Hamburg: Junius, 2002, 5. Aufl., ISBN 388506362X
- F.-W. Eickhoff: Sigmund Freud, Abriss der Psychoanalyse, ISBN 3596104343
- (kritisch) Dieter E. Zimmer: Tiefenschwindel, ISBN 3499187752
Siehe auch
Gustav Mahler
- Portal:Psychotherapie
- orale Phase, anale Phase, ödipale Phase, genitale Phase (unter Triebtheorie)
- Sigmund-Freud-Preis
- Wilhelm Fließ
- Viktor Frankl
- Wilhelm Reich
- Geschichte der Medizin
- Liste bedeutender Mediziner und Ärzte
- Pansexualismus
- Scham
- Sublimierung
- Überdeterminierung
Weblinks
-
- [http://www.mediathek.ac.at/wissenschaft_kunst/freud_sigmund.htm Hörprobe aus der österreichischen Mediathek: Sigmund Freud] einzige Tonaufnahme der Stimme Sigmund Freuds (London 1939)
- [http://www.freud-museum.at/ Wiener Sigmund Freud Museum]
- [http://www.freud.org.uk/ Freud Museum London]
- Andreas Weigel: Karl Kraus und Sigmund Freud. http://members.aon.at/andreas.weigel/Kraus01.htm
- [http://www.bruehlmeier.info/Freud.htm Die Psychoanalyse Sigmund Freuds, eine Einführung von Arthur Brühlmeier]
- [http://www.lsr-projekt.de/wrfreud.html Sigmund Freud contra Wilhelm Reich]
- [http://www.vsfi.at/ Virtuelles Sigmund Freud Institut]
-
- [http://www.sicetnon.org/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&topic_id=52&page_id=280 detaillierte Studie zu Macht und Freiheit bei Freud und Marcuse]
- [http://people.freenet.de/oliverwalter/Psychotherapie/Psychoanalyse/psychoanalyse.htm#Kritik detaillierte Kritik an Freud und eine Zusammenfassung seiner Psychoanalyse]
Freud, Sigmund
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ja:ジークムント・フロイト
ko:지그문트 프로이트
Es (Psychoanalyse)In der Psychoanalyse von Sigmund Freud determiniert das "Es" einer Person seine durch Triebe und das Unbewusste gesteuerte Handlungen.
Als Beispiel hierfür kann man Mephistopheles in Goethes Faust nehmen.
Man muss ihn nicht als eigenständige Person sehen, sondern kann ihn als einen Persönlichkeitsaspekt von Faust betrachten. Das "Es" ist der Teil des Psychismus, der den Entwicklungsstufen des Subjekts nicht folgt, sondern nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung verlangt.
Es bildet damit den Gegenpol zum Über-Ich.
Angeregt wurde Freud durch Georg Groddeck.
In jüngeren psychoanalytischen Theorien, wie etwa der von Jacques Lacan, wird das "Es" (hier unter anderer Terminologie - Lacan spricht vom "Objekt klein a") deutlich anders konzipiert.
Hier ist es das Unbewusste, strukturiert wie eine Sprache, das das Subjekt beeinflusst. Das Unbewusste, also das Verdrängte, ist vor allem das Begehren des Subjekts, das sich gewissermaßen auf vorsprachliche Weise, insbesondere in Form von Symptomen zu "artikulieren" versucht. Ein wesentlicher Unterschied besteht in den psychoanalytischen Auffassungen demnach darin, dass Triebe bei Lacan nicht dem "Es" zugeschrieben werden, sondern das Begehren als ein prinzipiell sprachliches und idealerweise artikulierbares Begehren dargestellt wird.
Kategorie:Psychoanalyse
IchIch ist die Bezeichnung einer (grammatischen) ersten Person in der Einzahl, zurückweisend auf das Selbst des Aussagenden. Beispiel: „Ich denke, also bin ich“, von René Descartes: cogito ergo sum.
Das Ich in Wissenschaft und Psychologie
Die Kategorie des Ich findet besondere Berücksichtigung im philosophischen System Johann Gottlieb Fichtes, mit zumindest wissenschaftlichem Anspruch angegangen wurde es erstmals in der Psychoanalyse Sigmund Freuds.
Das Ich in der Psychoanalyse Freuds
Sigmund Freud war der erste, der sich mit dem Ich psychologisch ausführlich befasste. Seiner Meinung nach ist die menschliche Psyche in drei Teile geteilt:
- Das Es, der vegetative Teil der Psyche, der meist im Unbewussten verbleibt und die grundlegenden Instinkte des Menschen umfasst.
- das Über-Ich, das die Funktion des Gewissens einnimmt und das Ich leitet. Es wird von Freud als das Überbleibsel der elterlichen Autorität in der Kindheit angesehen.
- das Ich, mit dem Freud das bewusst Erfahrene bezeichnet. Dieses Ich wird sowohl vom Über-Ich als auch vom Es beeinflusst und nähert sich demnach einem dieser beiden an. Ichstärke
Das Selbst in anderen Bereichen der Psychologie
Die Erforschung des Selbst ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Psychologie. Spezielle Forschungsbereiche umfassen z. B. die Bedeutung des Selbstwertes, der Selbstsicherheit, der Selbstkontrolle oder der Selbstwirksamkeitserwartung.
Das Ich im Symbolischen Interaktionismus
Einen großen Stellenwert nahm das Ich in der in den USA entwickelten mikrosoziologischen Theorie des Symbolischen Interaktionismus ein. Diese Theorie ging von der philosophischen Richtung des Pragmatismus aus, die den Menschen als ein aktives Wesen bezeichnet, das sich seine Welt mittels Interaktion mit ihr selbst konstruiere. Mit anderen Worten: Ohne das Individuum existiere die Welt nicht.
Im Symbolischen Interaktionismus sind die Theorien von Charles Cooley, George Herbert Mead und Erving Goffman richtungsweisend.
Charles Cooley war der erste, der sich mit dem Ich im Rahmen dieser Theorie beschäftigte. Für ihn entsteht das Selbst bzw. das Ich einzig und allein in der Interaktion des Individuums mit seiner Umwelt. Sein Modell wird auch Spiegel-Ich genannt, da sich das Individuum seiner Theorie zufolge nach der Weise definiert, wie es von anderen Menschen wahrgenommen wird.
George Herbert Mead ging von einer ähnlichen Theorie aus, nach ihm gibt es jedoch zwei Dimensionen des Ich, das I und das ME. Das ME entspricht in etwa dem Spiegel-Ich Cooleys, es besteht aus der Reflexion mit dem Umweg über die Gesellschaft in Form von Normen und Regeln. Das I jedoch ist eine autonome, unvorhersehbare, individuelle Dimension des Ich. Hier befindet sich laut Mead die menschliche Kreativität. I und ME befinden sich in einer permanenten Interaktion untereinander.
Erving Goffman sieht das Ich dagegen in seinem sogenannten Dramaturgischen Modell als eine Art Schauspieler an, das in verschiedenen Situationen verschiedene Formen annimmt. Laut Goffmann ist es unmöglich, das Ich einer Person wirklich zu definieren, da dieses Ich auch in der Selbstreflexion verschiedene Rollen annehmen kann.
Physikalische Theorien über das Ich
Derzeit steht die Physik noch mit der Frage, ob und wie es ein Ich im Menschen auch physikalisch gibt, vor einem großen Rätsel. Es gibt zwar mehrere Theorien, von denen aber der Großteil als reine Spekulationen abgetan werden müssen. Es gibt sogar Wissenschaftler, die behaupten, das menschliche Gehirn sei nicht fähig, sich selbst zu erkennen, also zu definieren, was das Ich ist.
Neurobiologische Aspekte
Früher dachte man, das Ich sei auf ein bestimmtes Hirnareal beschränkt. Als heute einigermaßen anerkannte Theorie kann man dagegen die Theorie des Bindungprinzips ansehen. Diese Theorie geht davon aus, dass sich das Ich auf das gesamte Gehirn (eventuell auch auf das gesamte Nervensystem) ausdehnt, wobei die Nervenzellen über einen noch nicht verstandenen Mechanismus miteinander interagieren und sich so als Ganzheit vereinigen (die dann mehr als die Summe ihrer Teile ist).
Das Selbst im spirituellen und philosophischen Bereich
Das Transzendieren, die bewusste Klärung von Ich (Ego) und Selbst, ist das Hauptthema und Ziel im Hinduismus und im Buddhismus. Der Schüler (Tschela) eines geistigen Weges im Hinduismus (Yoga) erkennt, dass sein Ich sich im „inneren Selbst“ (dem Atman) auflöst und damit die Einheit mit dem Göttlichen (Brahman) als Selbsterkenntnis stattfindet.
Im Buddhismus hingegen wird die Existenz einer Seele und von etwas Göttlichem abgestritten, alle Phänomene sind letztendlich Leerheit und der Weg ist lediglich ein Erwachen zur Erkenntnis der Realität.
Dieses Erlebnis wird Samadhi genannt, im japanischen Buddhismus Satori. Alle Yogapraxis (Jnana-Yoga, Raja-Yoga) dient nur dazu, diese Täuschung einer eigenen separierten Existenz des Ichs (Egos) zu überwinden. Es gibt in der Erfahrung des eigenen Selbst das Licht-Erlebnis des Einen ohne ein Zweites (Erleuchtungserlebnis).
Das Ich (Ego) gibt seine Täuschungs-Existenz auf und wird eins mit dem Ganzen (mit dem spirituellen Licht des ewigen Lebens).
Tatsächlich „wird“ es nicht eins: Da das Ich (Ego) tatsächlich nie existiert hat, wird diese Einheit nach dem Loslassen von der Täuschung eines „Ichs“ als allumfassende Glückseligkeit im ewigen Licht erlebt.
Im ursprünglichen (Theravada) Buddhismus existiert dieses spontane Erleuchtungserlebnis zwar auch, wird aber letztlich als Täuschung bzw. ohne bleibenden Wert begriffen. Das „kleine Tor“ (Lankavatara Sutra) des Erleuchtungserlebnisses ist dort lediglich ein erster Kontakt mit dem durch Übung zu beschreitenden Weg, und kein erstrebenswerter Zustand.
Entsprechende Licht-Erlebnisse haben Eingang in die religiöse Literatur aller Kulturen gefunden, obwohl sie nicht überall als zentrales Gotteserlebnis begriffen werden. Diese Selbsterfahrung wird auch in der Bibel bei Johannes beschrieben: Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis. Weiter wird Jesus ein Satz in den Mund gelegt, womit er sich selbst, aber auch das Prinzip der Selbst-Erkenntnis meinte: Das Licht leuchtet in der Finsternis (Ego), und die Finsternis hat es nicht begriffen.
Auch der Satz über dem Eingang zum Orakel von Delphi Erkenne dich selbst!, als Imperativ auch als Leitsatz dem Sokrates zugeschrieben, handelt von der Transzendenz des Egos hin zum göttlichen Selbst (Licht).
Im christlichen Bereich ist besonders der Mystiker Joel S. Goldsmith (†1964) zu erwähnen, der die philosophischen Grundlagen für das Loslassen des menschlichen Ichs (Egos) hin zum göttlichen Selbst in seinen Büchern beschreibt:
- Das mystische Ich
- Der Donner der Stille
- The infinite way
In der Psychologie der Sufis (islamische Mystiker) existieren sieben verschiedene Stufen des Selbst (arabisch: nafs), die unterste ist an-nafs al-ammara, das niedere Selbst, die höchste an-nafs al-safiya, das reine Ich. Dazwischen liegen die Stationen der Gottessuchenden auf dem Weg zur göttlichen Einheit (tauhid).
Werke mit dem Titel „Ich“
tauhid
„Ich“ ist der Titel des 34. Bandes von Karl Mays gesammelten Werken, erschienen im Karl May Verlag. Der Band enthält zum Teil von fremder Hand bearbeitete autobiographische Schriften, u. a. die 1910 erschienene Autobiographie Mein Leben und Streben.
„Ich“ ist ein Roman von Wolfgang Hilbig, welches 1993 erschien und autobiografische Züge hat.
Am südlichen Mainufer in Frankfurt steht das „Ich“-Denkmal, das von Hans Traxler entworfen und am 24. März 2005 eingeweiht wurde. Auf einer Tafel hat Traxler seine Idee illustriert, dass den Denkmalsockel jeder benutzen kann, um sich darauf fotografieren zu lassen, und als Kommentar hinzugefügt: Jeder Mensch ist einzigartig. Das gilt natürlich auch für alle Tiere..
„Das Ich“ ist eine deutschsprachige Musikgruppe Das Ich
„Ich“ als Wort
Als Wort spielt „Ich“ in der Kommunikation eine spezielle Rolle, wo es in Beziehung zu einem „Du“ tritt oder „etwas“ über eine Sache oder 3. Person mitteilt. Für Psychologie oder Soziologie und in Gesprächen ist es interessant, ob und wann das „Ich“ umschrieben wird (etwa durch „man“ oder „wir“), und wieweit dies mit Unsicherheit und Selbstwertgefühl zu tun hat. Siehe auch Grammatik, Singular.
Zitat
Das Leib-Seele-Problem ist eine philosophische Fragestellung, die sich mit der Konzeption des Ichs auseinandersetzt: Bin ich nur mein Körper als Biomaschine, oder besitze ich eine Seele, die eventuell sogar unabhängig von der materiellen Substanz von mir existiert. Auch die Neurologie und die Hirnforschung vermögen diese Frage noch nicht abschliessend zu beantworten, und so bleibt die Fragestellung weiterhin eine Domäne der Metaphysik und der Religion. Siehe auch bei Immanuel Kant:
:Ich, als denkend, bin ein Gegenstand des innern Sinnes und heiße Seele. Dasjenige, was ein Gegenstand äußerer Sinne ist, heißt Körper. - Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft, B 400)
Siehe auch
- Autismus, autonom, Egoismus, Freier Wille, Ich-Botschaft, Philosophie, Selbstbewusstsein, Subjekt (Philosophie), Lyrisches Ich, Ich-AG, Das Ich, Spiegelstadium
Kategorie:Erkenntnistheorie
Kategorie:Philosophie des Geistes
Kategorie:Psychoanalyse
ja:自我
GewissenÜber das Gewissen gibt es die unterschiedlichsten Ansichten, Meinungen oder Theorien.
Viele stellen sich unter Gewissen eine spezielle Instanz des menschlichen Bewusstseins vor, die einen dazu drängen, wenn nicht sogar zwingen soll, aus ethischen bzw. moralischen Gründen bestimmte Handlungen auszuführen oder zu unterlassen. Entscheidungen können dabei als unausweichlich empfunden werden oder mehr oder weniger bewusst, also im Wissen um ihre Voraussetzungen und denkbaren Folgen, vorgenommen werden.
Handelt ein Mensch entsprechend seinem Gewissen, ist er oder fühlt er sich gut und zufrieden und gibt üblicherweise an, ein gutes oder reines Gewissen zu haben oder zu besitzen; handelt er indessen entgegen seinem Wissen und Gewissen, so fühlt er sich von dieser vermeintlichen Bewusstseinsinstanz vielleicht angeklagt oder gar verfolgt. Andere verspüren eher ein nagendes Gewissen, und wieder andere fühlen sich von Gewissensbissen geplagt oder geradezu gepeinigt.
Ersichtlich handelt es sich bei diesen geläufigen Redeweisen um alltagssprachliche Redewendungen, die über die realen Zusammenhänge kaum etwas aussagen, zumal sie teilweise deutlich metaphorischer Art sind und daher nicht wörtlich verstanden werden dürfen. Auch von anderen Voraussetzungen ausgehende Ansichten und Vorstellungen, Meinungen und Theorien von Natur und Herkunft des Gewissens scheinen kaum geeignet, etwas zur Aufklärung der psychologischen Eigenart des Gewissens beizutragen.
Nach dem Dialektischen Materialismus (Marx) spiegelt das Gewissen den wandelbaren Gesellschaftszustand, welcher sich aus wechselnden materiellen Produktionsverhältnissen erkläre. Da die Materie, die einzige Wirklichkeit, sich ständig verändere, gelte keine sittliche Wahrheit absolut.
Viele Nichtmarxisten sehen in dieser Denkweise eine Mitursache für die Verbrechen, die im Namen des Kommunismus begangen wurden.
Gewissensgründe
Der bundesdeutsche Gesetzgeber geht von der Existenz des Gewissens aus, zum Beispiel dadurch, dass er die Möglichkeit zur Verweigerung des Wehrdienstes aus „Gewissensgründen“ ermöglicht (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, GG Artikel 4, Punkt 3).
Die Psychologie nach Sigmund Freud beruht auf der Unterscheidung der drei Instanzen Es, Ich und Über-Ich. Seiner Vorstellung nach wird das unbewusst-triebhafte Es in seinen Äußerungen durch das Über-Ich hemmend kontrolliert. Dabei wird das Über-Ich verstanden als Introjekt der elterlichen und gesellschaftlichen Autorität, wodurch sich das Gewissen herausbildet. Es veranlasst das Kind, gesellschaftlich übliche oder erwartete Verhaltensweisen und Erwartungen einzuhalten. Das reife Ich, die individuelle Persönlichkeit mit ihren aus Erfahrung gewonnenen bewussten Wertsetzungen, bildet sich in der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner gesellschaftlichen Umwelt und durch Überwindung der Anforderungen des Über-Ich.
Die sinnzentrierte Therapie nach Viktor Frankl, Elisabeth Lukasio und anderen geht davon aus, dass das Gewissen in jeder Lebenslage den größtmöglichen Sinn (ziemlich) eindeutig erkennt.
Unterordnung und Gehorsam
Stanley Milgram untersuchte in seinen sozialpsychologischen Experimenten der 60er Jahre (s. Milgram-Experiment) die Gehorsamsbereitschaft unter verschiedenen Bedingungen. Dabei wies er in Wirklichkeit experimentell nach, wie das Gewissen je nach Versuchsanordnung ganz unterschiedlich reagiert.
Das Alte Testament kennt das Herz als Ausgangspunkt guter wie böser Taten, allerdings ist nirgends die Rede von einer kritischen Instanz im Geist oder in der Seele des Menschen. Erst Paulus hat den Begriff Gewissen in die christliche Theologie eingeführt. Ihm zufolge ist das Gewissen keine Instanz, die eigene ethische Maßstäbe setzt, sondern Wissen um das eigene Verhalten angesichts der für dieses Verhalten bestehenden Forderung (siehe Römerbrief 2,15; 1. Korintherbrief 8,7-13 und 10,25-30).
Siehe auch Gewissen (Psychologie)
Weblink
Kategorie:Ethisches Prinzip
NormEine Norm ist
- allgemeine Bedeutung: eine als verbindlich anerkannte Regel oder Richtschnur, Leitfaden;
- der Sinn eines Normsatzes;
- ein von einer Normungsorganisation geschaffener Standard, siehe auch Normung;
- Recht: eine Rechtsnorm als eine gesetzliche Vorschrift (Gesetz, Verordnung, Richtlinie, Satzung);
- Mathematik (siehe auch Normalisierung (Mathematik)):
- Vektornorm: eine Verallgemeinerung der Begriffe Absolutbetrag einer Zahl und Länge eines Vektors für Elemente beliebiger Vektorräume: normierter Raum;
- Körpernorm: in der Algebra eine kanonische multiplikative Abbildung aus einem Erweiterungskörper in den zugehörigen Grundkörper, siehe Norm (Körpererweiterung);
- Soziologie: eine Werteordnung innerhalb einer Gesellschaft (Gesellschaftliche Norm)
- in einer Planwirtschaft zu leistende Arbeit, siehe Arbeitsnorm;
- in der Planwirtschaft der DDR eine Kennziffer, siehe Normativ (DDR).
Kategorie:Nachricht
IndividuumUnter einem Individuum (lat.: unteilbar, aber auch nicht zu Teilendes) versteht man etwas Einzelnes in seiner Gesamtheit mit allen Eigenheiten und Eigenarten, die in ihrem Gesamtgefüge wiederum bestimmend sind für seine Individualität. Es bezeichnet also das räumlich und qualitativ einmalige Einzelwesen (seltener auch Einzelding).
Der Begriff Individuum wird praktisch ausschließlich auf Lebewesen und auf den Menschen angewendet; Einheit und intakte Ganzheit ist bei ihnen lebensnotwendig. Bei Menschen wird statt von Individuen mit derselben Bedeutung auch von Personen geredet, deren individuelle Eigenschaften und Interessen dann den Besonderheiten, die in einer Personengruppe (Gemeinschaft, Gesellschaft, Kollektiv) vorherrschen, gegenübergestellt werden können.
Die Bedeutung des Individuums schwankt in der Geistesgeschichte sowohl in der zeitlichen Dimension (epochenabhängig) wie auch in der räumlichen Dimension (Kulturen). Die Moderne, die heute Europa und Nordamerika bestimmt, betont das Individuum im historischen wie auch im interkulturellen Vergleich sehr stark. Diese starke Betonung des Individuums wird auch Individualismus genannt, im Gegensatz zum Kollektivismus.
Die geistesgeschichtliche Streitfrage ist die nach der Bedeutung des Einzelnen im Vergleich zu der Gemeinschaft, in der er lebt. In neuerer Zeit wurde dies in den Extrempositionen von Max Stirner ("Der Einzige und sein Eigentum") und dem Nationalsozialismus ("Du bist nichts, Dein Volk ist alles") besonders deutlich. Dem Individualismus kommen Gedankensysteme wie der Anarchismus oder der Liberalismus sehr entgegen. Die Gegenpositionen zum Indiviualismus nehmen besonders sozialistische Systeme ein. Es gibt allerdings Ausnahmen von dieser groben Orientierung. So betont etwa der Liberale Max Weber das Volk als hohen Wert, während es Sozialisten gibt, die eine Gesellschaftsordnung anstreben, in der der einzelne ohne gesellschaftliche Bindung leben kann.
Einer der ersten, die im europäisch-abendländischen Kulturkreis das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft thematisiert haben, war Aristoteles, der in seiner Politik den Menschen als zoon politikon, also als Gemeinschaftslebewesen bezeichnete. In neuerer Zeit war es vor allem Jean-Jacques Rousseau, der sich des Themas annahm. Er unterschied in der Gesellschaft zwischen dem Willen aller (Individuen) einerseits und dem allgemeinen Willen der Gemeinschaft. Diese Unterscheidung findet heute z. B. Anwendung im Versicherungsparadoxon. Danach hat jeder individuelle Versicherte ein Interesse daran, möglichst viel aus der Versicherung herauszuholen. Wenn dies aber alle tun, wird die Versicherung immer teuerer, was dem Interesse der Versichertengemeinschaft widerspricht.
Die Abhängigkeit der Moral und Ethik von der Gesellschaft hat der Soziologe Emile Durkheim herausgearbeitet. Nach ihm gibt es Moral überhaupt erst durch das Kollektiv. Das Individuum an sich kennt keine Moral. Nach Durkheim sind so auch Verbrechen nichts als ein Verstoß gegen kollektive Gefühle.
In der liberalen Wirtschaftsideologie von Adam Smith hingegen wird - ganz im Gegensatz zur Aussage von Rousseau - davon ausgegangen, dass die Summe der Eigenegoismen automatisch zum größtmöglichen Glück der größten Zahl führt. Lediglich für die wenigen Ausnahmen muss der Staat Sicherheit gewähren, was polemisch häufig als Nachtwächterstaat bezeichnet wurde.
Individuum, Masse und Persönlichkeit
Mit dem Heraufkommen der besonderen Bedeutung eines jeden Individuums entstanden Begriffe wie Masse und Persönlichkeit. Individuen werden ohne soziale Einbindung zur einsamen Masse, wie der Soziologe David Riesmann es nannte. Einen Aufstand der Massen diagnostizierte der spanische Philosoph Ortega y Gasset. Er erfolgt aus der Vereinigung der zu Individuen Vereinzelten.
Unter einer Persönlichkeit versteht man im allgemeinen ein Individuum, dem es gelungen ist, sich aus der Masse zu erheben. So sieht denn die Kritik am Individualismus zwei Möglichkeiten: Das anonyme Aufgehen des Einzelnen in der Masse, die unter Umständen von kollektivistischen Bewegungen organisiert werden und dann geschichtsträchtig werden können. Die andere Möglichkeit ist die Höherentwicklung des Individuums zur eigenständigen, emanzipierten Persönlichkeit.
Daraus ergeben sich zwei Bewegungsrichtungen. Eine optimistische unterstellt, dass sich die meisten Individuen zur Persönlichkeit weiterentwickeln können und der Indivualismus daher ein Fortschritt auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft ist. Die entgegengesetzte pessimistische unterstellt, dass die Individuen dies nicht schaffen, sondern als Masse lediglich Spielball einer Minderheit sind bzw. werden oder von Demagogen ausgenutzt werden, der Individualismus daher eine Fehlentwicklung sei.
Individuum im interkulturellen Vergleich
Das Individuum hat unter einer religiös-göttlichen Betrachtung eine gänzlich andere Bedeutung als in der Moderne. Zwar ist es der einzelne Mensch, der selig wird, aber dies wird nicht so sehr im Gegensatz zur Gesellschaft, sondern im Verhältnis zu Gott gesehen. Der Individualismus der Moderne setzt daher die Säkularisierung voraus. Wo diese nicht erfolgt ist, hat das Individuum eine sehr persönliche Bedeutung gegenüber Gott, aber nicht gegenüber der Gesellschaft. Erkennbar wird das beispielsweise daran, dass im Mittelalter Künstler, die Kirchen ausschmückten, ihre Werke nicht individuell zeichneten. Die Signatur eines Kunstwerkes kam erst auf, als das Individuum begann, eine gesellschaftliche Bedeutung zu erlangen.
Auch der Islam hat in weiten Zügen eine solche anonyme Ausrichtung, verstärkt durch die Bilderfeindlichkeit im Koran. Im Gegensatz der Moderne und dem Islam prallen so auch unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung und den Wert des Individuums aufeinander.
Das vor allem aus indischen Einflüssen bestimmte asiatische Denken legt dem Individuum ebenfalls einen deutliche geringeren Wert bei. Die antiwestlichen Strömungen werden auch daraus genährt. Zwar gibt es auch im asiatischen Denken den einzelnen Menschen, aber niemals in der starken Betonung wie in der westlichen Moderne. Das Indiviuum ist dort viel stärker eingebunden in den ewigen Kreislauf bzw. in die Tradition der Familie, wie dies insbesondere in China deutlich wird.
Wissenschaften, die sich mit dem Individuum befassen
- Die Soziologie befasst sich mit der Einbindung des Indivduums in die Gesellschaft.
- Die Philosophie behandelt das Thema Individuum und Gemeinschaft im weitesten Sinne. Spezialgebiete wie Anthropologie und politische Wissenschaften greifen Einzelbereiche des Individuums heraus.
- Die Psychologie befasst sich insbesondere mit individuellen Problemen, die aus dem Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft erfolgen.
- Die Verhaltensforschung befasst sich mit den genetischen Bedingungen von Individuum und Gruppe.
- Die Rechtswissenschaften behandeln die Normen, die eine Gesellschaft (der Staat) den einzelnen Individuen gibt und bestimmt das Verhältnis zwischen den individuellen und den kollektiven Interessen.
- In der Biologie sind Individuen Einzellebewesen einer Art.
- Die Theologie nimmt sich des Verhältnisses des Einzelmenschen zu Gott an und thematisiert die Moral.
Auffassungen in der Antike und im Idealimus
In der antiken Philosophie wurde der Begriff hauptsächlich für das "Atom" verwendet, später, vor allem mit der frühbürgerlichen Revolution in Europa auch für das einzelne Lebewesen und den einzelnen Menschen.
In idealistischen und religiösen Auffassungen beschränkt sich die Anwendung auf das Wesen, dem eine immatrielle Seele zugesprochen wird. In der neueren Zeit wird damit vorwiegend eine einzelnen Organisation und der Mensch bezeichnet, aber auch andere materiellen Objekte, z.B. für einzelne Elementarteilchen.
Die Systemeigenschaften im Hinblick auf Eigenschaften eines Individuums
Im Prinzip ist jedes materielle System als Individuum anzusehen, da es über Eigenschaften(d.h. Systemeigenschaften) verfügt, die keines seiner Elemente losgelöst von den anderen Elementen des Systems besitzt und in dieser spezifischen Ausprägung infolge seiner Herausbildung in einer konkreten spezifischen Umwelt auch kein anderes System.
Als Individuum grenzt sich jedes System raumzeitlich und qualitativ von seiner Umwelt ab, mit der es in Wechselwirkung steht, so daß von einer dialektischen Wechselwirkung gesprochen werden kann, welches spezifische Bedingungen für das Individuum schafft.
Daraus ergibt sich die relative Selbständigkeit des Individuums, die Fähigekit zu eigener Entwicklung aufgrund innewohnender Triebkräfte, zu ihm eigentümlichen Bewegungen und Reaktionen auf Einwirkungen aus der Umwelt.
Die Herausbildung der Individualität
Der Grad der relativen Selbständigkeit, Besonderheit und Eigentümlichkeit wird auch der Grad der Individualität bezeichnet. Der Grad der Individualität jedes Systems ist abhängig von dem des übergeordneten umfassenden Systems und dem seiner eigenen Elemente.
In Integrationsprozessen nimmt in der Regel der Individualitätsgrad von Systemen zu und der ihrer Elemente ab(Integration (Philosophie)). Die Verabsolutierung der Individualität, besonders des einzelnen Menschen, wird als Individualismus bezeichnet.
Im Sinne der oben genannten Auffassung vom Individuum kann man jedoch auch andere Verabsolutierungen der Individualität(z.B. einer terrotialen Einheit, einer Berufsgruppe, eines Volkes, einer Nation, der menschlichen Zivilisation auf der Erde) als verschiedene Formen des Individualismus auffassen. Daraus ergibt sich auch die Staatsräson.
Der Begriff des Individuums in der Biologie
In der Biologie wurde über lange Zeiträume der Begriff des Individuums fast ausschließlich auf den einzelnen Organismus bezogen. Diese Verabsolutierung wurde im 20. Jahrhundert schrittweise übernommen unter Kritik des "Organismozentrismus". Nach der Entdeckung der pflanzlichen und tierischen Zelle trat im 19. Jahrhundert zeitweilig eine gewisse Überbewertzung der Individulität der Zelle zuungunsten der Individualität des Gesamtorganismus auf("Zellenstaattheorien").
In der biologischen Diskussion um die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es eine Überbewertung der Individualität der Art zuungunsten des Organismus. Derartige Überbewertungen sind in den heutigen Vorstellungen der hierarchischen Ordnung lebender Systeme weitgehend überwunden.
Das Individuum in der Logik
In der modernen Logik wird unter einem Individuum jedes Objekt außerhalb und innerhalb des Bewußtseins bezeichnet, das Eigenschaften besitzt und irgendwelche Beziehungen aufweist, aber nicht selbst Eigenschaft oder Beziehung bildet.
Die Individuen in diesem allgemeinen und abstrakten Sinne mit ihren Eigenschaften und Beziehungen konstituieren Individuenbereiche, auf die sich die logischen Ausdrücke, Aussagen u.a. beziehen. Da die logischen Gesetze im Allgemeinen für beliebige (nicht leere) Individuenbereiche gelten, wird üblicherweise nicht näher bestimmt, welcher Natur diese Individuen sind. Hängt die Gültigkeit eines logischen Gesetzes von der Anzahl der Individuen ab, die dem zugrunde liegenden Individuenbereich angehören, so wird nur diese Anzahl angegeben. Der Begriff des Individuums gehört zu den Grundbegriffen der modernen Logik, die in ihrem Rahmen als indefiniert angenommen werden und auch dort gar nicht definiert werden können.
Bei Anwendungen der Logik muss jedoch genau bestimmt werden, was im Rahmen des betrachteten Individuenbereichs als Individuum anzusehen ist. Wird insbesondere die Unterscheidung zwischen den Individuen einerseits und den ihnen zukommenden Eigenschaften und Beziehungen andererseits nicht streng eingehalten, besteht die Gefahr des Auftretens logischer, d.h. syntaktischer Antinomien. Im Rahmen verschiedener Anwendungen der Logik kann allerdings ein und dasselbe Objekt einmal als Individuum, ein anderes Mal als Eigenschaft angesehen werden. Will man z. B. gewisse Eigenschaften und ihre Beziehungen untersuchen, ohne ihre Beziehungen zu den Individuen, deren Eigenschaften sie sind, ebenfalls zu berücksichtigen, dürfen sie wie Individuen und dürfen ihre Eigenschaften und Beziehungen wie solche erster Stufe behandelt werden.
Der Vorteil dieser Verfahrensweise besteht darin, dass man nicht von der Stufenlogik mitsamt den mit ihr verbundenen Schwierigkeiten Gebrauch machen muss, sondern mit der wesentlich enfacheren Prädikatenlogik der ersten Stufe auskommt. In Darstellungen der Prädikatenlogik verwendet man Individuenvariable, um Existential- oder Allaussagen über die Individuen des entsprechenden Individuenbeichs treffen zu können. Bei Anwendungen der Logik muss man eventuell auch Individuenkonstante einführen.
Individuum in der Wirtschaft
siehe: Homo oeconomicus (=Individuum (Wirtschaft))
Individuum in der Gesellschaft
siehe: Homo sociologicus
Individuum in der Politik
siehe: Homo politicus
Literatur
- Franciscus Suarez: Über die Individualität und das Individuationsprinzip (Fünfte metaphysische Disputation), lateinisch – deutsch, herausgegeben, übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Rainer Specht, Hamburg 1976
Siehe auch
- Individualaussage
- Individualisierung
- Individualgut
- Individualbegriff
Kategorie:Sozialphilosophie
Kategorie:Logik
Kategorie:Ontologie
ja:個人
IntrojektionAls Introjektion bezeichnet man in der Psychologie die Aufnahme von bestimmten Teilen des Verhaltens, spezifischen Merkmalen oder Anschauungen einer anderen Person in die eigene Persönlichkeit.
Nach Sigmund Freud versteht man unter Introjektion das Übernehmen von Lebens- und Moralauffassungen von Personen, mit denen sich der heranwachsende Mensch identifiziert, als eigene Normen.
Weblinks
- [http://www.gestalttherapie-lexikon.de/introjektion.htm Stichwort: Introjektion (aus dem "Lexikon der Gestalttherapie")]
- [http://www.gestalttherapie-lexikon.de/introjekt.htm Stichwort: Introjekt (aus dem "Lexikon der Gestalttherapie")]
Siehe auch
- Entwicklungs-/ Pädagogische Psychologie
- Psychoanalyse
- Portal:Psychotherapie
Kategorie:Psychoanalyse
Kategorie:Allgemeine Psychologie
RationalitätRationalität (von lat. rationalitas = Denkvermögen) bezeichnet im Allgemeinen die Vernunft oder vernunftbegabtes Handeln. Im erweiterten Sinne wird der Begriff auch im Sinne von Verhältnismäßigkeit verwendet, zum Beispiel für die Verhältnismäßigkeit von Mittel und Zweck. Rationales Handeln liegt demnach vor, wenn angestrebter Zweck und verwendetes Mittel in einem vernünftigen Maß zueinander stehen.
Im Besonderen wird der Begriff Rationalität in folgenden Bereichen verwendet:
Philosophie
Die Philosophie definiert die Rationalität als ein auf Einsicht begründetes Verhalten. Die Rationalität als Charaktereigenschaft wurde von Aristoteles den Männern zugeschrieben, Frauen hingegen bezeichnete er als irrational.
Mathematik
Rationalität in der Mathematik ist die Eigenschaft von Zahlen, sich als Bruch zweier ganzer Zahlen darstellen zu lassen, also als Ergebnis einer Division, als Quotient dieser Zahlen aufzutreten. Eine Zahl ist also eine rationale Zahl, wenn sie ein Verhältnis zweier ganzer Zahlen darstellt.
Ökonomie
In der Ökonomie wird der Begriff Rationalität hauptsächlich verwendet um folgendes näher zu definieren:
- die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens
- die Rational Choice: Adam Smith und seine Nachfolger unterstellten dem Homo oeconomicus ein rationales Verhalten in der Entscheidungsfindung.
- die Rationale Erwartungen: Bezeichnet die Standardannahme der Ökonomie, dass Individuen die bestmögliche Prognose über Variablen bilden, die sie vorhersehen wollen.
- die individuelle Rationalität: In der Spieltheorie eine Bedingung, die besagt, dass jeder Spieler sich einen individuellen Nutzen sichert, der mindestens so hoch ist wie der Nutzen, den er aus eigener Kraft erreichen kann. Sie besagt also, dass keiner einem Verhandlungsergebnis zustimmen würde, das ihn schlechter stellen würde, als in einer Situation, in der er nicht kooperiert.
- die kollektive Rationalität: In der Spieltheorie eine Bedingung, die besagt, dass in einer Lösung der Nutzen verteilt wird, den die Spieler haben würden, wenn alle kooperieren.
Sozialwissenschaften
Bedeutende Arbeiten über Rationalität veröffentlichte Max Weber, unter anderem auf dem Gebiet der Rechtssoziologie. Von der finalen Rationalität (Zweckmäßigkeit) wird hier die materielle Rationalität (Legitimität) und die formelle Rationalität (Rechtssicherheit) unterschieden (vgl. auch den Typus der rationalen Herrschaft). Diese Gedanken wurden von Niklas Luhmann insbesondere in seinem Werk Legitimation durch Verfahren aufgegriffen.
In der Folge wurde der Begriff unter anderem von Jürgen Habermas (Kommunikative Rationalität) erweitert.
Siehe auch
Rationalisierung, Rationalismus, Rationierung, Rationalitätenfalle
Kategorie:Erkenntnistheorie
Kategorie:Ethisches Prinzip
Kategorie:Wirtschaft
EmanzipationEmanzipation (lat. emancipare: einen Sklaven oder erwachsenen Sohn aus dem mancipium – das ist die feierliche Eigentumserwerbung durch Handauflegen – in die Selbstständigkeit entlassen)
Im 17./18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung: Aus dem Akt des Gewährens von Selbständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung; Ziel jedes emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit bzw. Gleichheit durch Kritik an Diskriminierung und/oder paternalistischer Strukturen.
Oft bezeichnet Emanzipation die Befreiung von Gruppen, die aufgrund ihrer Rasse, Ethnizität, Geschlecht, Klassenzugehörigkeit usw. diskriminiert und von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind (z.B. Judenemanzipation - siehe unten - oder Katholikenemanzipation). Für diesen weiteren Begriff politischer Emanzipation hat sich insbesondere im US-amerikanischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung empowerment (wörtl. "Ermächtigung") durchgesetzt.
Emanzipation in der Geschichte
War die Emanzipation im antiken Rom ein einmaliger, durch den Höher- dem Niedrigergestellten erwiesener Erweis eines Rechtes, kannte das Mittelalter die emancipatio canonica, die besagte, dass Kinder von Ketzern aus deren Erziehungsberechtigung entnommen und Klosterschulen übergeben werden konnten.
In der frühen Neuzeit beginnt der reflexive Gebrauch der Emanzipation: Einzelne vermögen sich bevormundenden Strukturen zu entziehen, wobei sie sich häufig Verdächtigungen aussetzen.
Im Zeitalter der Aufklärung schließlich wird eine allgemeine gesellschaftliche Emanzipation angestrebt, zunächst im rechtlichen Bereich, deren Einlösung in der sozialen und kulturellen Wirklichkeit vielfach noch aussteht.
Emanzipation bedeutet Gleichstellung von Minderheiten und Benachteiligten: z. B.: Frauen, Schwarzen, Arbeiter, Bauern oder Homosexuellen.
Die Forderung nach Emanzipation als Forderung nach Befreiung anderer (z. B. der Sklaven) und der Selbstbefreiung kulminierte bei Karl Marx in dem Satz: "Wir müssen uns selbst emancipieren, ehe wir andere emancipieren können.", wobei er in jeder Hinsicht die Emanzipation als eine Klassenfrage und keine Frage der Natur - etwa bei der Gleichberechtigung der Frau - herausstellte.
Emanzipation hat sich nicht bereits im Zusprechen von Freiheitsrechten erfüllt, sondern wird es erst sein im bewussten Wahrnehmen und Gestalten derselben.
Frauenemanzipation
In der neuen westlichen Geschichte können grob drei Emanzipationsbewegungen unterschieden werden.
- Der erste Emanzipationsversuch der Frauen geschah im 12./13. Jhd., auch als Beginen-Bewegung bekannt. Charakteristisch ist, dass die Emanzipationsbestrebung innerhalb des kirchlichen Rahmens stattfand und diesen nicht infrage stellte. Nach anfänglichen Erfolgen muss diese Bewegung letztendlich als gescheitert betrachtet werden.
- Die zweite Emanzipationsbewegung entstand nach der Französischen Revolution. Die Ideale der Revolution Freiheit und Gleichheit galt nämlich zunächst nicht für Frauen. Doch im Begeisterungstaumel der Revolution entschlossen sich die Frauen ebenfalls für ihre Rechte zu kämpfen. Neu war hier, dass diese Bewegung sich nicht mehr an die Kirche orientierte wie die Beginen. Bekannt wurden diese Frauenrechtlerinnen unter anderem unter dem Namen Suffragetten. Wichtigste Ziele waren die Erlangung der Bürgerrechte (Wahlrecht, Recht auf Bildung, Recht auf Privateigentum und Erwerbsarbeit). Das Ende dieser Bewegung kann europaweit zu Beginn des zweiten Weltkrieges datiert werden. Charakteristisch war hier, dass Rechte für Frauen eingefordert wurden, ohne die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau grundsätzlich in Frage zu stellen.
- Die dritte Frauenbewegung entstand mitte der 1940er Jahre, ausgehend von Frankreich. Zu einer Massenbewegung wurde sie in der Folge der Studentenunruhen der 1960er Jahre, als die VertreterInnen der Frauenbewegung kritisch vorbrachten, den spezifischen Belangen von Frauen werde von vielen männlichen 68ern nicht genügend Beachtung geschenkt. Diesmal wurde auch die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau und das Patriarchat insgesamt massiv in Frage gestellt. Der Katalog der thematisierten Frauenrechte wurde stark ausgeweitet und im Feminismus thematisiert.
Siehe auch
- Autonomie
- Judenemanzipation
- Frauenbewegung
- Lesben- und Schwulenbewegung
- Selbstbestimmung
- Eigenverantwortung
- Menschenwürde
Kategorie:Soziologie
KörperpsychotherapieAls Körperorientierte Psychotherapie werden verschiedene Methoden bezeichnet, die Körper und Geist (Psyche) als eine untrennbare Einheit betrachten. Der Körper wird als Zugang zum "Selbst" betrachtet.
Diese Betrachtungsweise glaubt, dass Gefühle fließende Kräfte darstellen würden, wenn sie einen "gesunden und harmonischen Ausdruck" fänden. Werde dieser Ausdruck behindert, so staue sich diese Kraft, was die verschiedensten Auswirkungen auf das "Körper-Bewusstsein" haben und langfristig sogar krank machen könne.
Auf diesen Theorien fußen verschiedenste Methoden wie z.B. Alexander Lowens "Bioenergetik", Gerda Boyesens Biodynamik, Ida Rolfs "Rolfing" und das "Rebalancing". Methoden wie "Rebirthing" oder "holotropes Atmen" berücksichtigen zusätzlich die Rolle des Atmung als Teil des Körpergeschehens. Die Zugehörigkeit zu den körperorientierten Psychotherapien ist jedoch teilweise strittig.
Bereits im Yoga, einem philosophisch-religiösem Meditationssystem aus Indien, wurde die Einsicht der Einheit von Körper, Geist (Psyche) umgesetzt. Entstanden sind u.a. Hatha-Yoga und Prana-Yoga. Auch Taijiquan, eine langsamen Bewegungsmeditation aus dem chinesischen Kulturkreis, legt diese Einsicht zugrunde. Die im 20. Jahrhundert entstandene körperorientierte Psychotherapie ordnet sich selbst in diese Tradition ein. Sie behauptet, Hilfe, Anleitung und Einstieg in Meditation zu sein, Heilungsprozesse von innen heraus zu fördern, aus Alltagsneurosen zu helfen und sogar Selbstfindung und Selbsterfahrung zu unterstützen.
Der Stellenwert von Meditation für persönliche Heilungs- und Wachstumsprozesse ist allerdings umstritten.
Die positive Resonanz findet Niederschlag in vielfältigen Schriften von Dalai Lama, Bhaghwan Shree Rajneesh, Krishnamurti und anderen zeitgenössischen spirituellen Lehrern.
Jüngste Entwicklung
In den letzten zwanzig Jahren gab es einen bedeutenden Paradigmenwechsel in der körperorientierten Psychotherapie. Bislang hatten sich die Neo- Reichianer "Körpertherapeuten" genannt. Seit der Annäherung an die Tiefenpsychologie gibt es nun den Begriff der Körperpsychotherapie, der identisch mit dem Begriff körperorientierte Psychotherapie ist. Man möchte hier gerne den Schwerpunkt auf das Wort "Psychotherapie" legen. Die "European Association for Bodypsychotherapy", die auch die Mitinitiatorin der "American Association for Bodypsychotherapy" ist, setzt die weltweiten begrifflichen und ethischen Standards.
Wirksamkeitserwägungen
Psychosomatische Kliniken in Deutschland und auf der ganzen Welt haben ein ähnlich ganzheitliches Verständnis von Heilung. Psychosomatische Kliniken (z. B. Bad Grönenbach) tragen dem Zusammenwirken von Körper und Geist Rechnung.
Auch der Umstand, dass einige Krankenkassen zwischenzeitlich die kombinierenden Behandlungsmethoden der "körperorientierten Psychotherapie" in der Einzeltherapie bezahlen, kann als ein Hinweis auf die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethoden verstanden werden.
Weblink
- http://www.eabp.org
Kategorie:Psychotherapie
Wilhelm ReichWilhelm Reich, ( - 24. März 1897 in Dobzau, Galizien, † 3. November 1957 in Lewisburg, Pennsylvania, USA.) war Psychoanalytiker und Begründer der sog. Körperpsychotherapien.
Über Reichs Geburtsort Dobzau gibt es keine zuverlässigen Informationen. Wo es heute genau liegt, wie es heute heißt und was aus dem Geburtshaus Reichs geworden ist, ist bisher unbekannt. Der Ort müsste ukrainisch Dobzhanitsa, polnisch Dobrzcynica heißen. Schon ob Dobzau aber in Galizien, heute in der Ukraine gelegen ist, ist umstritten, andere Quellen sprechen von der Bukovina, im damals östlichsten Teil von Österreich-Ungarn, heute Rumänien.
Leben
Wilhelm Reich studierte in Wien ab 1919 zunächst Jura, dann – durch die Arbeiten Sigmund Freuds, die er in einem Seminar kennenlernte, beeinflusst – Medizin. Reich wurde bereits als Student in die Wiener Psychoanalytische Gesellschaft aufgenommen, obwohl es zu jener Zeit nicht üblich war, Studenten ohne akademischen Abschluss als Mitglieder zuzulassen. Ohne jemals eine Lehranalyse abgeschlossen zu haben, praktizierte er mit kaum 23 Jahren als Psychoanalytiker. Von 1924-1930 war er Leiter des "Seminars für Psychoanalytische Therapie", wo man praktische Probleme der Behandlung erforschte. Aus den Diskussionen in diesem Seminar und aus einer konsequenten Weiterentwicklung der Freudschen Libidotheorie speisten sich seine späteren Ansätze, anfangs ausgeformt in der Charakteranalyse, die er dann zur Vegetotherapie und später zur Orgontherapie weiterentwickelte. In manchen seiner Schriften bemühte er sich um eine Synthese von Marxismus und Psychoanalyse. Mitte der 20er Jahre erfolgte der Bruch mit Freud, obwohl Reich selbst in seinen Arbeiten die konsequente Weiterentwicklung der 1. Angsttheorie Freuds sah (die dieser später, manche sagen aus gesellschaftlichen Druck, andere sahen darin eine Hinwendung der informationssträchtigern Strukturen der Psyche, revidierte). 1934 wurde er auf Betreiben Sigmund Freuds aus der Internationalen Psychoanalytischen Gesellschaft ausgeschlossen, nachdem die Kommunistische Partei ihn bereits 1933 aufgrund seiner Kritik an der Parteiführung ausgeschlossen hatte.
Reich floh vor den Nazis zunächst nach Dänemark, von dort nach Schweden und später nach Norwegen, dort betrieb er unter anderem eine psychoanalytische Praxis. Er lernte in Oslo den Pädagogen Alexander Neill kennen, mit dem ihn zeitlebens eine enge Freundschaft verband.
Nach der Emigration in die USA übte er großen Einfluss auf Psychotherapeuten wie Ronald D. Laing, Alexander Lowen und Fritz Perls aus. Beachtung fand Reich vor allem mit seiner Beschreibung psychischer Blockaden, die er als "Charakterpanzer" bezeichnete, und die sich in der Verspannung bestimmter für die praktische Arbeit abgrenzbarer Muskelgruppen ("Muskelpanzer") äußern würden. Die von ihm entwickelte Vegetotherapie diene laut Reich dazu, den Muskel- wie den Charakterpanzer aufzulösen.
Seine "Entdeckung" des Orgons als sich auf alle Lebensbereiche auswirkende Bioenergie führte zur Begründung der Orgontherapie. Diese Energieform sei nach Reich und seinen Anhängern die biophysikalische Grundlage für die Wirksamkeit der Psychotherapie, wirke bakterizid, töte Krebszellen und sei in so genannten Akkumulatoren speicherbar. Ein Verbot dieser "Orgon-Kästen" sowie die Verfügung, diese Kästen selbst sowie alle seine Bücher zu vernichten, ließ Reich an der Kompetenz des Gerichts in Sachfragen zweifeln. Nachdem ein Mitarbeiter Reichs entgegen der Anweisung der Gerichte, "Orgon-Akkumulatoren" nicht über die Staatsgrenzen zu transportieren verstieß, wurde dieser und Reich 1956 zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen Missachtung des Gerichts verurteilt. Während der Haft starb Reich an plötzlichem Herztod.
Reichs arbeiten wurden als "Werbeschriften" für den "Orgon-Akkumulator" unter Aufsicht der FDA verbrannt. Die FDA bestand auf die Verbrennung aller Arbeiten Reichs in denen zum einen das Wort Orgon auftaucht und denen zum anderen gedankliche Vorarbeit für dieses Konzept unterstellt wurde, so wurden auch Schriften zur "Charakteranalyse" verbrannt, die 1933 erschienen, also viele Jahre bevor Reich überhaupt erste Gedanken in Richtung auf die Orgon-Energie gefasst hatte oder sich gar mit Akkumulatoren beschäftigte.
Reichs Werk
Oberflächlich betrachtet hinterließ Reich also ein sehr heterogenes Werk, das weit über die Grenzen der Psychologie oder Psychoanalyse hinausgeht: Auf der Makroebene ragen seine Arbeiten bis hinein in die politische Soziologie; auf der Mikroebene erstrecken sie sich über Biologie, Physikochemie bis hinein in die Physik. Allerdings kann man seine Beschäftigung als jeweils logische und unmittelbare Konsequenz der zuvor erbrachten Ergebnisse aus Forschungsarbeiten betrachten, die bei der Frage nach dem Verständnis und der Therapie psychischer Beeinträchtgungen ansetzen. So bestätigen zahlreiche Autoren, darunter auch wissenschaftliche Kritiker Reichs, dass seine Arbeiten durch eine faszinierende Stringenz und scharfe Logik gekennzeichnet sind (Fragestellung, Forschung, Ergebnisse, neue Implikationen)
Kritik an Reich
Das Werk Wilhelm Reichs stieß auf ungewöhnlich heftige Reaktionen, seine Arbeiten polarisierten und polarisieren heute noch sehr stark. Die frühen in der Psychoanalyse wurzelnden Arbeiten zur Charakteranalyse stießen noch auf eher breite Zustimmung, doch mit der zunehmenden Weiterentwicklung seiner Forschungen und Hypothesen zunächst in den Bereich der orgastischen Potenz, später der Körperpanzerung wurde der Kreis seiner Anhänger sehr schnell kleiner. Entgegen der häufigen Meinung, erst seine Arbeiten zum Orgon hätten seine Kollegen abgeschreckt, zeigte sich schon in den früheren Arbeiten eine starke Abwehr gegen seine Theorien. Mit der Entdeckung des Orgons sank die Zahl seiner Anhänger und Mitarbeiter nicht weiter, jedoch wurden seine Arbeiten von allen Bereichen der akademischen Wissenschaft gänzlich abgelehnt.
Er wurde allerdings auch schon früher von vielen seiner wissenschaftlichen Kollegen diskreditiert und gesellschaftlich abgelehnt, außerdem litt er offenbar sehr stark darunter, dass seiner Wahrnehmung nach ein großer Bereich seiner Theorien von Psychoanalytikern zwar abgelehnt wurde, "brauchbare" Teile daraus aber entnommen wurden, ohne ihn als Urheber zu würdigen - so habe Charles Berg (1948) in einem Buch zur klinischen Psychologie Reichs sexualökonomische Angsttheorie so dargestellt, als sei sie seine eigene. Auch in den Arbeiten und Theorien Anna Freuds wird Reich nur beiläufig erwähnt, obwohl er auf deren Entstehung unter anderem durch die Leitung des oben genannten Seminars, an dem A.Freud teilnahm, großen Einfluss gehabt habe (vgl. Boadella unten im Literaturverzeichnis).
Auch heute noch liegt im "Fall Reich" eine unklare Faktenlage vor, die Einschätzungen reichen heutzutage von der Aussage, er "habe einige wertvolle Beiträge zur Charakterforschung geleistet, ehe er `schizophren oder zum Scharlatan` geworden sei" bis hin zu der Aussage Laings, der behauptete, es sei eine Neubewertung der Reichschen Theorien gerade in der Jugend im Gange, die selbst seine späteren Arbeiten zur Biophysik nicht mehr so leicht "ins Kuriositätenkabinett" verweisen könnten. Je genauer er sich selbst mit den Arbeiten Reichs beschäftige, desto ernster nehme er sie. Physiker hingegen, die für Energiearten eher kompetent sind als der Psychoanalytiker Laing, haben Reichs Arbeiten über Orgon bisher nicht in den Bestand der Universitätsphysik aufgenommen. Gerechterweise muss man auch sagen, dass selbst Psychologische Institute seine Theorien nach wie vor ablehnen, seine Bücher sind eher in den Religionswissenschaften zu finden.
Die objektive Einschätzung seiner Arbeiten wird wohl vielen unmöglich sein, da sie sich über verschiedene wissenschaftliche Forschungsbereiche erstrecken und teilweise in Anlehnung akzeptierter Theorien, teilweise in einem klaren Widerspruch zu gängigen Theorien stehen, welche (sofern damals schon vorhanden) Reich aber in seinen Arbeiten stets als Alternativmodelle anführt und deren Erklärungsgehalt mit dem seiner Theorie verglich.
neuere Rezeption
Reichs Theorien waren nach seinem Tod 1957 ziemlich schnell in Vergessenheit geraten. Ein Jahrzehnt später wurde er von der Studentenbewegung in den USA und Westeuropa wiederentdeckt, zum einen als Freudo-Marxist, zum anderen als Künder einer Sexuellen Revolution. Einige Jahre später entdeckte man ihn als Begründer der körperorientierten Psychotherapie, und bald auch als Entdecker der "primordialen" Lebensenergie Orgon. Unabhängig von dieser breiteren Rezeption hat sich seit 1967 in den USA das "College of Orgonomy" etabliert.
Reichs Orgontheorie wird gelegentlich mit anderen "alternativen" Energietheorien, etwa denen Nikola Teslas, Carl Reichenbachs oder Viktor Schaubergers, sowie mit ostasiatischen Energielehren in Verbindung gebracht.
In Deutschland stützen sich heutzutage viele Tantraschulen auf Reichs Ideen.
Werke
- Der triebhafte Charakter (1925). In: Frühe Schriften I, Köln 1977
- Die Funktion des Orgasmus (1927). Revidierte Fassung: Frühe Schriften II, Köln 1982
- Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse (1929)
- Der Einbruch der Sexualmoral (1932). Erweiterte und revidierte Fassung: Köln 1972
- Die Massenpsychologie des Faschismus (1933). Erweiterte und revidierte Fassung: Köln 1971
- Charakteranalyse (1933). Erweiterte Fassung: Köln 1970
- Was ist Klassenbewusstsein? (1934) - (Pseudonym "Ernst Parell")
- Die Sexualität im Kulturkampf (1936), Neuauflage u.d.T. Die sexuelle Revolution, Frankfurt/M 1966
- Die Bione (1938)
- The Function of Orgasm (1942). Deutsch u.d.T. Die Funktion des Orgasmus (völlig verschieden von dem Buch gleichen Titels 1927), Köln 1969
- The Cancer Biopathy (1948). Deutsch u.d.T. Der Krebs, Köln 1974
- Listen, Little Man! (1948). Deutsch u.d.T. Rede an den kleinen Mann, Frankfurt/M 1984
- Ether, God, and Devil (1949). Deutsch u.d.T. Äther, Gott und Teufel, Frankfurt/M 1983
- Cosmic Superimposition (1951)
- The ORANUR Experiment - First Report (1951)
- People in Trouble (1953). Deutsch u.d.T. Menschen im Staat, Frankfurt/M 1982; verbesserte Auflage Frankfurt/M 1995
- The Murder of Christ (1953). Deutsch u.d.T. Christusmord, Olten und Freiburg 1978
- Contact with Space, The ORANUR Experiment - Second Report (1957)
Als Einführung sei "Ausgewählte Schriften: Eine Einführung in die Orgonomie" W.Reich bspw. 1976 Verlag Kiepenheuer& Wirtsch Köln empfohlen
Im Verlag und Vertrieb Zweitausendeins erschienen 1995-1997 Reichs "Späte Schriften" in deutscher Übersetzung in 6 Bänden: 1) Die Bionexperimente; 2) Orop Wüste (Artikelsammlung), 3) Das ORANUR-Experiment - Erster Bericht; 4) Das ORANUR-Experiment - Zweiter Bericht; 5) Die kosmische Überlagerung; 6) Christusmord
Postum erschienen außerdem einige Bücher mit (auto-)biographischem Material:
- Reich Speaks of Freud, New York 1967. Deutsch auszugsweise u.d.T. Wilhelm Reich über Sigmund Freud, o.O., o.J. (1969ff)
- Beverley A. Placzek (ed.): Record of a Friendship (Correspondence Wilhelm Reich / Alexander Neill), New York 1981. - Deutsch u.d.T. Zeugnisse einer Freundschaft, Köln 1986
- Leidenschaft der Jugend (frühe Arbeiten und autobiogr. Ms.), Köln 1994
- Beyond Psychology (Letters and Journals 1934-1939), New York 1994. Deutsch u.d.T. Jenseits der Psychologie, Köln 1996
- An American Odyssey (Letters and Journals 1940-1947), New York 1999
- David Boadella: "Wilhelm Reich" (1981)
Quellen
- [http://www.lsr-projekt.de/zpps/zpps5.html#ausschluss Reich: Mein Ausschluss aus der Int. Psychoanalytischen Vereinigung]
- [http://www.lsr-projekt.de/wrfreud.html Sigmund Freud contra Wilhelm Reich]
- [http://www.comz.asfh-berlin.de/~goedde/reich.htm Wilhelm Reich - Leben und Werk]
- [http://www.zenorgon.de/texte/orgon.htm Orgontherapie - Zentrum für Orgontherapie, Berlin]
- [http://www.datadiwan.de/harrer/ha_001d_.htm Kritische Evaluation der Lebensenergie-Forschung von Wilhelm Reich]
Literatur
- Ilse Ollendorff-Reich: Wilhelm Reich (1969), München 1975 ISBN 3463022346 .
- David Boadella: Wilhelm Reich. Leben und Werk (1973/1980), Bern und München 1981 ISBN 3596267609 .
- Bernd A. Laska: Wilhelm Reich. Rowohlt-Bildmonographie. 1981. 5.Aufl. 1999. ISBN 3499502984
- Stefan Müschenich: Der Gesundheitsbegriff im Werk des Arztes Wilhelm Reich, Marburg 1995 ISBN 3922906540
- Fritz Erik Hoevels: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse, Freiburg 2001, ISBN 3894848138
- Karl Fallend, Bernd Nitzschke (Hg.): Der 'Fall' Wilhelm Reich, Frankfurt/M 1997, ISBN 3518288857 (Neuaufl. Giessen 2002 ISBN 3898061477 )
Weblinks
- [http://www.lsr-projekt.de/wr.html Wilhelm Reich im LSR-Projekt] zahlreiche Artikel über Reich
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Reich, Wilhelm
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Reich, Wilhelm
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Reich, Wilhelm
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Badan KonstituanteKonstituante adalah lembaga negara Indonesia yang ditugaskan untuk merumuskan Undang-Undang Dasar atau konstitusi baru. Pada saat pembentukannya, Indonesia masih memiliki UUD Sementara.
Pada tahun 1955, Pemilu diselenggarakan untuk memilih anggota-anggota konstituante.
Konstituante dibubarkan oleh Presiden Soekarno melalui Dekrit Presiden 5 Juli 1959, setelah lama gagal merumuskan konstitusi yang baru. Kegagalan ini disebabkan karena kesulitan mencapai 2/3 dari para anggota Konsituante untuk menyetujui rumusan UUD yang ada.
Kategori:Sejarah Indonesia
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