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| Überlieferung |
ÜberlieferungMündliche Überlieferung bezeichnet die erzählende Weitergabe von geschichtlichen, gesellschaftlichen und religiösen Informationen - insbesondere in Form von Geschichten, Sagen, Legenden und Traditionen. Sie spielt in allen Kulturkreisen eine große Rolle, insbesondere in jenen, die keine oder erst eine späte schriftliche Überlieferung kennen.
Formen und Zeitdauer
Meist versteht man unter mündlicher Überlieferung Vorgänge von längerer Zeitdauer, deren Inhalte von Generation zu Generation weitererzählt werden und teilweise erst in jüngerer Zeit niedergeschrieben wurden. Bis heute sind sie von besonderer Wichtigkeit im Orient und in Gesellschaften mit ausgeprägter Erzählkultur, wie sie auch in Europa bis ins 19. Jahrhundert bestand. In der gesellschaftlichen Unterschicht, die nicht schreiben konnte, oder in schriftlosen Kulturen bilde(te)n mündliche Überlieferungen einen großen Teil der Geschichte. Auch bei vielen Gebräuchen ist die mündliche Weitergabe vorherrschend.
Um sicherzustellen, dass mündliche Formen der Überlieferung die Zeiten überdauern, kann man verschiedene Methoden verwenden. Oft werden wichtige Erzählungen in Rituale eingebaut, die sich dann wegen ihrer nonverbalen Inhalte den Beteiligten besonders ins Gedächtnis einprägen. Ein bekanntes Beispiel ist die jährliche Verlesung der Weihnachtsgeschichte in vielen Familien und im Gottesdienst - und ihre Verstärkung durch das Nachspielen der Kinder - die sich auch in "Hirtenspielen" oder in unzähligen Volksliedern dokumentiert.
Hilfreich für eine dauerhafte Überlieferung ist auch die Gedichtform, weil Reim und Versmaß verhindern, dass einzelne Wörter leicht vergessen und verändert werden können. Allerdings werden gerade Gedichte aktuellen Bedürfnissen bewusst angepasst.
Er gilt als gesichert, dass große Teile des Alten Testamentes mündlich überliefert wurden, bevor man sie aufschrieb. Auch die Evangelien des Neuen Testaments wurden über einige Jahrzehnte mündlich überliefert, bevor ihre Form von einigen Zeitzeugen schriftlich niedergelegt wurde.
In der deutschen Romantik entstanden die beiden wichtigsten Sammlungen mündlich überlieferter Texte: Die Märchen der Brüder Grimm ("Kinder- und Hausmärchen") und "Des Knaben Wunderhorn" von Achim von Arnim und Brentano. Bei beiden Werken ist allerdings zu beachten, dass die Herausgeber ihre Quellen nach ihren Bedürfnissen bearbeiteten. In den 60er Jahren gab Peter Rühmkorf seine Sammlung Über das Volksvermögen heraus, in dem er mündlich überlieferte Aphorismen, Gedichte und Abzählreime sammelte. Rühmkorf betonte dabei die derbe, brutale und sexuelle Seite dieser Überlieferung.
In der Geschichtswissenschaft kann mündliche Überlieferung die wichtigste Quelle für Zeiten und Kulturen sein, in denen es keine schriftliche Überlieferung gibt oder sie (etwa durch Kriegseinwirkungen) verloren ging. Dann muss der Historiker versuchen, den "wahren Kern" in Sagen und Legenden zu finden. Viele Wissenschafter haben auf diesem Wege dazu beigetragen, in Form methodischer Textkritik auch manche schriftliche Überlieferung ihrer Urfassung näher zu bringen.
Oral History
Der englische Ausdruck für mündliche Überlieferung "oral history" bezeichnet eine bestimmte Methode der Geschichtswissenschaft, die seit den 1960er Jahren auch in Bundesrepublik Deutschland angewendet wird. Seit damals erforschen Historiker auch die Alltagsgeschichte von Personen aus der Unterschicht. Über diese Menschen gibt es zwar auch schriftliche Quellen, wie Akten von Musterungen oder der Finanz, Kirchenbücher, Wanderbücher von Gesellen, Prozessakten und andere amtliche Dokumente, die aber nur zu besonderen Gelegenheiten entstehen. Durch mündliche Befragung von Betroffenen und sogenannten Zeitzeugen hoffen die Historiker - und auch mancher Leiter eines Bezirksmuseums - Aufschluss über den Alltag in der Vergangenheit zu erhalten. Durch Interviews wollen sie erfahren, was die Menschen persönlich und jenseits des politischen Geschehens bewegte.
Diese Art der Geschichtsforschung muss sehr sorgfältig eingesetzt werden, da die Ergebnisse immer im Zusammenhang mit der Wahrnehmung gedeutet werden müssen. Bereits im Vorfeld sollte geklärt werden, welche Erkenntnisse gewonnen werden können. Konkrete Namen und Daten sind häufig mit Fehlern behaftet oder unterliegen verschiedenen Schreibweisen. Sehr gut können mit diesen Methoden hingegen Stimmungen, Meinungen, Gefühle oder der Informationsstand von Personengruppen ermittelt werden. (Streitfall: Kenntnis über den Holocaust)
Ein Pionierwerk der oral history ist die von Lutz Niethammer herausgegebene Studie über "Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet" (Niethammer, Lutz. "Die Jahre weiß man nicht wo man die heute hinsetzen soll." Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet. Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930-1960, Band 1).
Weblink
- [http://www.phil.uni-erlangen.de/~p1ges/geschichtsdidaktik/bibliographien/body_bibliographien.html#orhi Literaturangaben]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D27838.html Artikel Oral history] im Historischen Lexikon der Schweiz
Kategorie:Geschichtswissenschaft
Kategorie:Oralität Kategorie:Volkskunde
simple:Oral history
Geschichte
Begriff Geschichte
Allgemein
Geschichte im allgemeinen Sinn meint die ständige Entwicklung und Anpassung gesellschaftlich organisierter Lebewesen an ihre Umwelt. Im engeren Sinn bezieht sie sich auf die Entwicklung des Menschen und der Menschheit. Auch bei der Erde, bei Natur und Universum sprechen wir von Geschichte, Erdgeschichte, Naturgeschichte. Doch nur ein kleines Teilgebiet dieser Gesamtgeschichte ist Gegenstand der Geschichtswissenschaft. Bei genauer Betrachtung gibt es folgende vier Bereiche zu unterscheiden:
# Die Entstehung des Universums: Sie wird von Astronomen, Astrophysikern, Mathematikern und Philosophen betrachtet. (Urknall, Kosmologie)
# Damit ist die Geschichte der Menschen gemeint, denn hier setzt Entwicklung ein, die nicht nur genetisch und von Ähnlichem, sondern auch kulturell bedingt ist: Handeln u. Traditionen verändern. Der Mensch greift bewusst in die Veränderung seiner Umwelt ein, um diese seinen Bedürfnissen anzupassen. Diese Geschichte ist Gegenstand von Archäologie und Ethnologie.
# Die Geschichte seit Erfindung von Schrift, von Zeichen mit Bedeutung, denn hier hat sich Bewusstsein manifestiert und braucht nicht mehr bloß erraten und erschlossen zu werden. Außerdem wird hier die Tradition überpersönlich, weil hier sekundäre Kommunikation einsetzt - sprich auf Schriftzeichen gegründete Überlieferung. - Denn es lässt sich auch über Bildsprache, die keine Bilderschrift ist, kommunizieren. Frühe Formen sind unter anderem die Höhlenmalerei, die Tätowierungen der Ureinwohner in der Südsee, die Keilschrift und die Hieroglyphen.
# Die Geschichte, die sich selbst als Geschichte versteht, die der Mensch sich anverwandelt hat, erzählbare Geschichte.
Im engeren Sinne ist nur Geschichte in diesem vierten engsten Bereich Gegenstand der Geschichtswissenschaft, doch haben sich Geschichtsschreiber und Historiker schon immer auch für Geschichte im weiteren Sinne interessiert. Auch wird in historischen Kompendien meist auch dieser weitere Bereich mit behandelt, obwohl Historiker bei der wissenschaftlichen Erschließung dieser Fragen mit ihrer Methode nichts beitragen können.
Geschichte als Begriff der Geschichtswissenschaft
Geschichte im Sinne der Geschichtswissenschaft meint das in menschlichen Kulturen Geschehene. Geschichte in diesem Sinn ist etwas dem Menschen Eigenes; der Begriff wird jedoch häufig auch erweitert verwendet, um die Zeit vor dem Auftreten des Menschen bzw. vor der Entwicklung des Geschichtsbewusstseins darzustellen, insbesondere also die Naturgeschichte, dabei speziell die Erdgeschichte, die Vorgeschichte und andere Forschungsgebiete. (vgl. dazu Geschichtlichkeit)
Zu scheiden von diesem Begriff von Geschichte ist Geschichte als Überlieferung, Erforschung und Darstellung in ihrer zeitlichen oder sachlichen Aufeinanderfolge (vgl. Geschichtsschreibung).
Die Geschichtserkenntnis gründet sich auf Überreste und Tradition. (vgl. Geschichtswissenschaft).
Solche Erkenntnis ist allerdings nie objektiv, sondern abhängig von der historischen Situation, der Perspektive des Betrachtenden. Eine bestimmte Perspektive gegen andere Perspektiven durchzusetzen (aber auch der Versuch, Multiperspektivität zu ermöglichen) ist Sache der Geschichtspolitik.
Dagegen hat sich Geschichtsdidaktik die Aufgabe gestellt, den Zugang zu den wichtigsten Bereichen von Geschichte zu erleichtern und ein mehrdimensionales Geschichtsbewusstsein zu ermöglichen.
Der Geschichtsunterricht ist der Versuch der praktischen Umsetzung von Geschichtsdidaktik.
Einen Zugriff auf Geschichte von den verschiedenen Geschichtsräumen und Nationalgeschichten aus ermöglicht das Portal:Geschichte. Einen Zugriff auf spezifische Sachbereiche der Geschichte ermöglichen die verschiedenen Disziplinen der Geschichtswissenschaft.
Definitionsversuche
Über Geschichte gibt es sowohl aus der Philosophie als auch der Geschichtswissenschaft eine Reihe von allgemeinen Definitionsversuchen. Beispielhaft nur diese:
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Geschichte ist „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ – „die Entfaltung der Natur Gottes in einem besonderen, bestimmten Element“
Wilhelm von Humboldt: „Das Ziel der Geschichte kann nur die Verwirklichung der durch die Menschheit darzustellenden Idee sein.“
Johann Gustav Droysen: „Was in ihr täglich geschieht, wird von keinem Verständigen als Geschichte getan oder gewollt. Erst eine gewisse Art, das Geschehene nachmals zu betrachten, macht aus Geschäften Geschichte".
Karl Jaspers: „Wir sprechen zwar von Geschichte der Natur und von Geschichte der Menschen. Beiden gemeinsam ist ein unumkehrbarer Prozess der Zeit. Aber beide sind in Sinn und Wesen verschieden. Die Geschichte der Natur ist ihrer selbst nicht bewusst. Sie ist ein bloßes Geschehen, das sich nicht weiß, sondern von dem erst der Mensch weiß. Bewusstsein und Absicht ist nicht ein Faktor dieses Geschehens. Es ist daher eine Verführung unseres in Kategorien der Natur gewohnten Denkens, die Geschichte selber noch nach Analogie von Naturgeschehen zu betrachten.“
Golo Mann: „Immer hat Geschichte zwei Komponenten: das, was geschehen ist, und den, der das Geschehene von seinem Orte in der Zeit sieht und zu verstehen sucht. Nicht nur korrigieren neue sachliche Erkenntnisse die alten; der Erkennende selber wandelt sich. Die Vergangenheit lebt; sie schwankt im Lichte neuer Erfahrungen und Fragestellungen.“
Zur Aufgabe der Geschichtsschreibung: Leopold von Ranke: „Man hat der Historie das Amt, die Vergangenheit zu richten, die Mitwelt zum Nutzen zukünftiger Jahre zu belehren, beigemessen; so hoher Ämter unterwindet sich gegenwärtiger Versuch nicht: er will bloß sagen, wie es eigentlich gewesen.“
Davon ließen sich ungezählte weitere anführen. Hier offenbart sich das Problem einer allgemein verbindlichen Definition, was Geschichte denn sei. Sämtliche hier aufgeführten Definitionen von Geschichte deuten auf etwas Wesentliches hin. Sie sind jedoch alle von einer gewissen subjektiven Sicht derer durchdrungen, welche sie aufstellen. Das ist insoweit auch kaum anders denkbar, als diese Gelehrten jeweils von einer anderen Geschichtsperspektive aus urteilen. Außerdem muss sich bei der Frage nach der Definition der Geschichte unweigerlich die Frage nach den Aufgaben der Geschichtsschreibung anschließen. Sehr schnell offenbart sich dabei, dass die Geschichtsschreibung auch von der Politik und damit von politischen Interessen abhängt. Sehr deutlich tritt das an der Nationalgeschichte zutage. Da diese wiederum immer einem Wandel unterworfen war, ist und bleiben wird, ändern sich entsprechend die politischen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Geschichtsschreibung. So stellt sich nämlich das Problem der historischen Wahrheit. Es gibt nicht eine historische Wahrheit, sondern nur Interpretation der Quellen aus der jeweiligen Perspektive (Ort, Zeit, Interesse, Freund/Feind …). (Im Jahr 5000 wird man - gleichen Quellenstand vorausgesetzt - ein anderes Bild von Geschichte haben als wir heute. Wir können nicht heute schon sagen, es sei falsch.)
wissenschaftliche Betrachtungsweisen
- Geschichte kann einerseits wissenschaftlich erforscht werden, andererseits ist die Darstellung der Ergebnisse und Zusammenhänge als eine künstlerische Tätigkeit zu betrachten: Der Historiker soll dem Leser auf eine nachvollziehbare, objektive und überzeugende Weise den Gang der Ereignisse sowie deren Ursachen und Wirkungen darlegen. Die Geschichtsphilosophie versucht, den Gang der Handlungen in einen übergeordneten Zusammenhang, ein Geschichtsbild, zu bringen. Dieses ist der Ansatz vorwiegend der von den Geisteswissenschaften.
- Die Erforschung der Geschichte der Natur oder die Erdgeschichte wird selbstverständlich auch von der Naturwissenschaft betrieben. Hierbei geht es hauptsächlich darum, die Naturgeschichte beziehungsweise die Geschichte der Erde nachvollziehbar zu machen auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnismethoden.
künstlerische Betrachtungsweisen
- Indem die Darstellung der Geschichte auch als eine künstlerische Aufgabe betrachtet werden kann, kommt es umgekehrt zur künstlerischen bzw. literarischen Verarbeitung von geschichtlichen Themen, ohne dass vordergründig ein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse besteht. Zum Beispiel das Drama Wallenstein von Friedrich von Schiller oder der Torquato Tasso von Johann Wolfgang von Goethe sind literarische Werke auf der Grundlage des historischen Stoffes, ohne zugleich als Geschichtswerke verstanden werden zu können.
- Neben den literarischen Betrachtungsweisen von Geschichte manifestieren diese sich auch in der Bildenden Kunst wie z.B. in der Malerei und Graphik. Diese Betrachtungsweisen setzen ein hohes Maß von individuellem Geschichtsbewusstsein des Künstlers voraus und eine ausgeprägte Fähigkeit, sich kritisch mit Geschichte auseinanderzusetzen.
Die Darstellung von Geschichte ist Gegenstand der Geschichtspolitik. Geschichtsschreibung steht stets auch unter der Verdacht der interessensgeleiteten Darstellung. Das gilt insbesondere dann, wenn ihr eine Geschichtsphilosophie zugrundeliegt. Geschichtspolitik dient also der Einflussnahme auf die allgemeine Meinungsbildung der Gesellschaft. Die Formen der Geschichtspolitik können sehr unterschiedlich sein. Verwandte Begriffe sind etwa: Geschichtlichkeit, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsraum, Geschichtsperspektive, Historisierung, Erinnerungskultur, Glorifizierung beziehungsweise Geschichtsfälschung. Dem Geschichtsunterricht und der Geschichtsdidaktik kommt hierbei eine erhebliche Bedeutung zu. Die Reflexion über Geschichtlichkeit ist Aufgabe der Geschichtsphilosophie und der Geschichtsdidaktik.
Siehe auch
- Weltgeschichte, Universalgeschichte, Menschheitsgeschichte, Globalgeschichte, transnationale Geschichte
- Geschichtswissenschaft
- Periodisierung
- Chronologie
Zitate
- Jedesmal, wenn ein Mensch über Vergangenes berichtet, und sei er auch ein Geschichtsschreiber, haben wir in Betracht zu ziehen, was er unabsichtlich aus der Gegenwart oder aus dazwischenliegenden Zeiten in die Vergangenheit zurückversetzt, sodass er das Bild derselben fälscht. - Sigmund Freud
- Those who cannot remember the past are condemned to repeat it. (Wer die Geschichte nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.) George Santayana
- Die geschichtliche Wirklichkeit ist oft wie die Elster, die an einem Ort schreit und am anderen ihre Eier legt. - José Ortega y Gasset (Aufbau und Zerfall Spaniens)
- Geschichte ist Lüge, auf die man sich geeinigt hat. - Napoleon Bonaparte
- Keine Atempause - Geschichte wird gemacht - es geht voran - die Musikgruppe Fehlfarben 1982
- Eine Reihe zufälliger Ereignisse, die besser nicht stattgefunden hätten. - anonym
Literatur
- Marc Bloch: Apologie der Geschichte oder Vom Beruf des Historikers. München 1987 (1. Aufl. 1949)
- Jacob Burckhardt: Weltgeschichtliche Betrachtungen. Hrsg. v. Jacob Oeri, Berlin/Stuttgart 1905.
- Manfred Mai: Weltgeschichte. 2002. 240 S. ISBN 3-446-20191-2
- Neil Grant: Weltgeschichte. Young Oxford. 2000. 191 S. ISBN 3-407-75305-5
- Raphael, Lutz: Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart. München 2003
- Weltgeschichte : 1. Die Anfänge der Menschheit und frühe Hochkulturen 2. Antike Welten. 3. Um Glaube und Herrschaft. 4. Wege in die Moderne. 5. Aufbruch der Massen. 6. Schrecken der Kriege.(= Brockhaus Die Bibliothek) 1997 - 1999. Je 704 S. ISBN 3-7653-7400-8
- Der große Ploetz - Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte; Daten, Fakten, Zusammenhänge, ersch. in diversen Sonderausgaben, u.a. bei zweitausendeins, ISBN 3-86150-412-X
- Erich Bayer und Frank Wende (Hrsg.): Wörterbuch der Geschichte. 5. Auflage, Stuttgart 1995.
- Jörg Baberowski: Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault. München 2005.
- Pietro Rossi (Hg.): Theorie der modernen Geschichtsschreibung. Frankfurt/M. 1987
Weblinks
- [http://www.geschichte.fb15.uni-dortmund.de/links/ Fachkatalog zur Geschichtswissenschaft]
- [http://lotse.uni-muenster.de/geschichte/index-de.php Lotse - Fachbereich Geschichte]
- http://www.vl-geschichte.de
- http://www.clio-online.de
- http://www.historiker.de/
- http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/
- http://www.historicum.net
- [http://netzwerk.wisis.de/text/41.htm SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Geschichte]
- [http://www.wcurrlin.de/pages/5.htm didaktisch aufbereitete Geschichtsdarstellung mit Links]
- [http://www.ralf-arndt.de/geschichte.html Ralf Arndt - kommentierte Links]
- [http://www.lo-net.de/home/fontane44/index.htm Epochenüberblicke mit Links]
Kategorie:Geschichtswissenschaft
Kategorie:Geisteswissenschaft
Kategorie:Kulturwissenschaft
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GesellschaftGrundsätzlich muss unterschieden werden zwischen einem Alltagsverständnis von Gesellschaft (beispielsweise 'eine Menge von Personen', oder spezieller: "in guter Gesellschaft sein", "gesellschaftlichen Anschluss suchen", "das ist mir eine feine Gesellschaft") und der Verwendung des Begriffs in der Soziologie bzw. den Sozialwissenschaften überhaupt und im Privatrecht. Biosoziologisch gesehen ist der Mensch 'von Natur in Gesellschaft', mit (bereits) Aristoteles' Worten also ein ζώον πολιτικόν (zóon politikón), ein auf 'Staaten-(Gemeinden-, Poleis-)Bildung angelegtes Wesen'.
Die Herkunft des Begriffes "Gesellschaft" ist aus altertümlich gewordenen Worten wie "Geselle" erkennbar (vgl. Gleich und gleich gesellt sich gern). Eine oft implizite Bedeutung des Begriffs "Gesellschaft" ist, dass seine Mitglieder ein gegenseitiges Interesse oder ein Interesse an einer allgemeinen Zielsetzung teilen.
Gesellschaft (Soziologie)
Zum Begriff
In der Soziologie wird unter Gesellschaft allgemein das Zusammenleben von Menschen verstanden. Der Begriff wird auch für Gruppen von Menschen verwandt, beispielsweise für ein Volk, oder für einen strukturierten, räumlich abgegrenzten Zusammenhang zwischen Menschen (z.B. ("die schwedische Gesellschaft") oder für ein durch die Dichte und Multiplexität sozialer "Interaktionen" abgegrenztes Knäuel im Netzwerk der Menschheit.
Die Bezeichnung "Gesellschaft" ist als zentraler Grundbegriff der Soziologie nicht unumstritten. Analytisch eingeführt wurde der Terminus durch den Soziologen Ferdinand Tönnies 1887 in seinem Werk "Gemeinschaft und Gesellschaft". Tönnies stellt dem Begriff Gemeinschaft, welche sich durch gegenseitiges Vertrauen, emotionale Anbindung und Homogenität auszeichnet, den Begriff Gesellschaft gegenüber, derer sich die Akteure mit jeweils individuellen Zielen bedienen. Dies führt zu einer nur losen Verknüpfung der Individuen in der Gesellschaft. Beide, Gemeinschaft und Gesellschaft, sind für ihn Gegenstände der Soziologie.
Max Weber knüpfte mit dem Begriff Vergesellschaftung daran an.
Konkrete Anwendung des Begriffs
Für konkrete Anwendungen des Begriffs wird die Grenze der Gesellschaft wegen allzu schlecht bestimmbarer Allgemeinbegriffe meist da angesetzt, wo (vermeintlich) die Gemeinsamkeit endet, die mit der Verwendung des Begriffs angedeutet werden soll. Diese Gemeinsamkeiten werden nach verschiedenen Kriterien abgegrenzt. So werden einzelne Länder (Abgrenzungskriterium: Landesgrenzen) als Gesellschaften bezeichnet, ebenso wie Kulturen (Abgrenzungskriterium: Kulturgrenzen) und soziale Systeme.
Wer Soziologie betreibt, wird immer fragen, wer erfolgreich eine "Gesellschaft" definiere. Dies ist schwieriger als beim Staat (auch der Nation) zu ermitteln, der durch völkerrechtlichen Vertrag oder erfolgreiche Proklamation entsteht, oder selbst beim Volk, das sich im Selbstverständnis durch symbolische, miteinander eng vernetzte Medien (Sprache, Liedgut, Abstammungs- und andere Mythen usw. als solches versteht, oft mit dichterischer Nachhilfe - vgl. Homer, Dante, Luther; Nationaldichter). Wer aber definiert z.B. die "polnische Gesellschaft", d.h. grenzt das oben angesprochene "Knäuel" im sozialen Netzwerk Ostmitteleuropa als das "polnische" ab? Vermutlich Soziolog/inn/en.
Den politischen Eliten kann das kaum Recht sein. Die neoliberale Politikerin Margaret Thatcher stellte die Existenz von "Gesellschaft" überhaupt in Abrede.
Soziologische Schulen und ihr Zugriff zur "Gesellschaft"
Im (z.B.) Strukturfunktionalismus bildet sich aus Akteuren dann eine "Gesellschaft", wenn sie in der Lage ist, mittels bestimmter sozialer Funktionen die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen (vgl. Talcott Parsons, aber auch: den Funktionalismus). Funktional darauf ausgerichtet bilden sich "Institutionen"; und ohne die Herausbildung von entsprechenden "Strukturen" ist eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung nicht möglich.
Auch ein Robinson Crusoe überlebt nur, weil er die Methoden zur Bewältigung der Welt (Normen, Werte, Fähigkeiten) verinnerlicht hat, weil er die Gesellschaft in sich trägt - z.B., wenn er auf seiner einsamen Insel 'fromm' wird. Akteur (oder, strittig, Individuum) und Gesellschaft stehen in einem wechselseitigem Abhängigkeitsverhältnis. Langfristig stabilisieren sich Gesellschaften nur, wenn sie sich über Sozialisation Strukturen und Wertvorstellungen reproduzieren. Ursprüngliche Instanz ist hier durch biologische Determination die Kernfamilie (sogar dies ist umstritten).
"Gesellschaft" in systemtheoretischen Begriffen ist, mit Luhmann ausgedrückt, das umfassendste soziale System, die Einheit, die keine soziale Umwelt mehr hat und alle (anderen) sozialen Systeme, Verhältnisse und Tatbestände umfasst. Anders ausgedrückt ist Gesellschaft alles, was durch Kommunikation füreinander erreichbar ist.
Für den 2002 verstorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu ist "Gesellschaft" nicht völlig erklärbar. Es gebe aber zwei zu unterscheidende Ebenen: die Ebene der sozialen Praxis, in der sich das Leben nach Regelmäßigkeiten abspiele, deren Ablauf die Akteure zum großen Teil unbewusst inkorporiert haben, und die Ebene der "Theorie der Praxis", wo untersucht werden müsse, die unbewussten, in ihrer Gesamtheit kaum wahrgenommenen Machtverhältnisse der sozialen Praxis aufzudecken, und zwar dort, wo sie weitest gehend mit den Gewohnheiten des Handelns, des Wahrnehmens und Beurteilens bricht. Bourdieus sehr einflussreiches Werk enthält damit eine gesellschaftskritische Komponente.
Auch in der heutigen (2005) Soziologie ist die Verwendung des Begriffes "Gesellschaft" nicht unumstritten. So fordert z.B. der britische Soziologie John Urry für eine Soziologie des 21. Jahrhunderts die Abkehr von der Analyse von "Gesellschaften" (Sociology Beyond Societies, London 2000).
"Weltgesellschaft"
Tönnies' und Luhmanns Ansätze erlauben - wie die vieler anderer soziologischer Makrotheoretiker - auch die Konzeption einer "Weltgesellschaft" (bei Karl Marx durch den durchdringenden Ausbeutungsmechanismus im Kapitalismus; bei Ludwig Gumplovicz durch den Krieg zwischen Gruppen; bei Ferdinand Tönnies durch den Fernhandel; bei Niklas Luhmann durch Anschluss von Kommunikationmedien wie etwa durch "Zahlungen" von "Geld"; usw.).
Die Gesellschaft wird hier nach dem geschichtlichen Entwicklungsstand der Produktionsverhältnisse beschrieben:
- Urgesellschaft
- Sklavenhaltergesellschaft
- Feudalismus
- Asiatische Produktionsweise
- Kapitalismus
- Sozialismus
- Kommunismus
Rechtsform
Das Wort Gesellschaft wird im juristischen Sprachgebrauch für Zusammenschlüsse natürlicher oder juristischer Personen gebraucht, siehe Rechtsform.
Verwandte Themen
- Gesellschaftsordnung, Sozialstruktur, Gemeinwesen, Unterscheidung von Staat und Gesellschaft, Gesellschaftsmodell, Nivellierte Mittelstandsgesellschaft
- Industriegesellschaft, Konsumgesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft, Informationsgesellschaft, Erlebnisgesellschaft, Netzwerkgesellschaft, Risikogesellschaft
ja:社会
ko:사회
nb:Samfunn
simple:Society
zh-min-nan:Siā-hōe
Kategorie:Soziologie
Kategorie:Gesellschaftsrecht
Kategorie:Wortexport
Sage
Im Wortsinn ist Sage zunächst - ähnlich wie Spruch und Rede - etwas Gesprochenes (Sprache). Derart unspezifisch findet es nur als Bestandteil -sage verschiedener Komposita Verwendung: in Absage, Ansage, Aussage, Durchsage, Vorhersage, Zusage.
Im spezifischen Wortgebrauch ist Sage (v. althochdeutsch saga Gesagtes; Prägung durch die Brüder Grimm) ein Sammelbegriff für mündlich überlieferte Erzählungen für wahr gehaltener oder auf einem wahren Kern basierenden Begebenheiten, deren Realitätsanspruch über dem des Märchens steht. Sie wurde im Lauf der Zeit ausgeschmückt und ständig umgestaltet.
Stoff oder Motiv einer Volkssage können von anderen Völkern und Kulturen übernommen sein (Wandersagen), werden aber gewöhnlich mit landschaftlichen und zeitbedingten Eigentümlichkeiten und Anspielungen vermischt.
Sagen sind - anders als Märchen - eng verbunden mit einer Lokalisation (Ortssagen) oder einer Datierung, sowie mit einer strengen Scheidung zwischen dies- und jenseitigem Bereich.
Bei der Entstehung von Sagen greifen subjektive Wahrnehmung und objektives Geschehen so ineinander, dass ein übernatürliches Erlebnis und nicht glaubhafte Elemente Wesenskerne der Sage werden.
Ätiologische Sagen erklären, warum etwas ist, was man in der Wirklichkeit vorfindet: beispielsweise ein Brauch, ein Ereignis, ein Kreuzstein, eine Salzsäule, der Name eines Ortes, eines Sees (Beispiel: Bosten-See), eines Berges, eines heiligen Ortes.
Grundsätzlich kann man zwischen der Volkssage und dem Epos unterscheiden.
Nach André Jolles wird Sage als eine sogenannte einfache Form verstanden und von der Saga unterschieden.
Epos
Bei Epischen Sagen handelt es sich eher um eine archaische Form der "Geschichtsschreibung" aus Zeiten vorwiegend mündlicher Überlieferungen, die irgendwann in meist höchst kunstvoll dichterischer Form niedergeschrieben wurden. Dazu gehören die germanischen Götter- und Heldensagen und die keltische Artussage ebenso wie das griechische Epos. Sie schmücken meist die Abenteuer eines großen Helden aus; sie schließen sich oft zu Sagenkreisen zusammen (z. B. um Dietrich von Bern), die in einem historischen Kontext stehen. Die isländischen Sagas nehmen eine Zwischenstellung zwischen Sagen und Romanen ein, da bei ihnen auch inhaltlich die gestalterische Hand eines einzelnen Autors meist deutlich stärker spürbar ist als bei echten Sagen.
Volkssage
Die Volkssage ist sprachlich und stilistisch eher anspruchslos, ein-episodisch und mundartlich gefasst. Sie ist einerseits durch Elemente der Magie, des Numinosen oder Dämonischen gekennzeichnet. Die Natursagen erklären auf ihre Art seltsame Naturerscheinungen oder -ereignisse. Die Geschlechtersagen behandeln die Entstehung und Geschichte eines bekannten Geschlechts. Andererseits gibt es die historische Sage, die ein bestimmtes Ereignis oder eine Persönlichkeit zum Gegenstand hat.
Gliederung
Volkssagen können nach folgenden Kriterien unterschieden werden:
- Inhaltlich:
- Drachensagen
- Hexensagen
- Riesensagen, analog: Zwerge, Elfen
- Totensagen
- Sprungsagen
- Funktional:
- ätiologische Sage (Tellsage)
- Formal:
- Zeitungssage
- Schwanksage
- nach Herkunft
- europäische Sage
- sorbische Sagen (Briefmarkenserie der Bundespost)
- Rübezahl
- Sagen aus Coswig (Sachsen)
- Sagen aus Uri, Josef Müller (Pfarrer)
- Tösstaler Sagen (Sagen aus der Schweiz)
- Südtiroler Sagen
- afrikanische Sage
- amerikanische Sage, Indianersage
- asiatische Sage
- australische Sage
Siehe auch
- :Kategorie:Sage
- Liste mythologischer Orte, Liste von Fabeltieren
- Literatur,Epik
- Fabel, Mär, Märchen, Mythos, Mythologie, moderne Legende
- Klassische Mythologie
- Wandersage
Beispiele
- Blondelsage,
Literatur
- Brüder Grimm: [http://gutenberg.spiegel.de/grimm/sagen/grimmsag.htm Deutsche Sagen]
- Gustav Schwab: [http://gutenberg.spiegel.de/schwab/sagen/schsagen.htm Sagen des klassischen Altertums]
Weblinks
- [http://www.sagen.at Volltext-Sagensammlung, Traditionelle Sagen bis Gegenwart aus ganz Europa]
- [http://www.sagen.at/infos_quellen_links/def_sagen.htm Begriffsdefinition bei www.sagen.at]
- [http://gutenberg.spiegel.de/info/genres/34.htm Sagen im Projekt Gutenberg]
- [http://literaturnetz.org/sagen Sagen] im Literaturnetz
- [http://members.aon.at/wilhelmkuehs/] Sagen aus Kärnten, zur Kulturgeschichte der Sagen
- [http://www.taurachsoft.at/sagenwelt Die Lungauer Sagenwelt]
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TraditionTradition bezeichnet die Überlieferung des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche in einer Kultur oder einer Gruppe. Der Gebrauch des Wortes ist allerdings nicht einheitlich. Unter Tradition versteht man unter anderem
- das Überlieferte, die Überlieferung selbst (traditum)
- das Überliefern, die Weitergabe (tradendum)
- Gepflogenheiten, Konventionen, Brauchtum
Begriff
Allgemein
Tradition stammt von lateinisch traditio („Übergabe, Auslieferung, Überlieferung“). Das Substantiv leitet sich wiederum her vom Verb tradere (aus „trans-“ 'hinüber-' und -dare 'geben'). Die Wortbedeutung entspricht weitgehend dem altgriechischen Wort paradosis.
Insgesamt lassen sich zwei Hauptbedeutungen unterscheiden: 1. Tradition als kulturelles Erbe und 2. Tradition als Tradierung. Forschungen zum Begriff und zum Verhältnis der beiden Hauptbedeutungen fallen in den Bereich der Traditionstheorie.
Tradition als kulturelles Erbe
Unter Tradition wird in der Regel die Überlieferung der Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche einer Kultur oder einer Gruppe verstanden. Tradition ist in dieser Hinsicht das kulturelle Erbe, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Wissenschaftliches Wissen und handwerkliche Kunst gehören ebenso dazu, wie Rituale, moralische Regeln und Speiseregeln.
Neben diesen hochkulturellen Inhalten werden zuweilen auch nur temporär gültige Üblichkeiten als Tradition bezeichnet. In diesem Sinne wird der Ausdruck traditionell gebraucht; es ist das Übliche und Gewohnte. Der eher bildungssprachliche Ausdruck traditional wird dagegen auf die hochkulturellen Inhalte bezogen.
Tradition als Tradierung
Seltener bezeichnet Tradition die Tradierung, also den Prozess der Überlieferung selbst, auch wenn in systematischer Hinsicht der Traditionsprozess die Grundlage für die Tradition als kulturelles Erbe bildet.
Traditionstheorie
Traditionstheorien gibt es in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen: In der Ethnologie, der Soziologie, der Philosophie, der Theologie, der Literaturwissenschaft und der Rechtswissenschaft. Dabei konzentrieren sich die einzelnen Wissenschaften jeweils auf Teilaspekte des Phänomens Tradition. Bislang liegt kein Ansatz für eine systematisch entwickelte Traditionstheorie vor.
Vor allem die Soziologie hat sich dem Phänomen Tradition zugewandt: Max Weber zählt die Orientierung an Tradition zu einem der vier Grundtypen sozialen Handelns. Edward Shils und Shmuel N. Eisenstadt haben der Entwicklung der Traditionstheorie für die Soziologie große Bedeutung beigemessen und ihre Überlegungen dazu monographisch dargelegt.
Auch der Philosoph Karl Popper sah die Entwicklung einer Traditionstheorie vor allem als Aufgabe der Soziologie.
Auf philosophischer Seite haben sich insbesondere Josef Pieper, die so genannte Ritter-Schule und Alasdair MacInytre mit traditionstheoretischen Fragen befasst: Pieper hat vor allem die Verbindung von mittelalterlicher Philosophie und Katholizismus in den Blick genommen. Die Ritter-Schule hat Tradition vor allem wegen der geschichtlichen Einbettung allen kulturellen Lebens diskutiert. MacIntyre hat als Kommunitarist auf die Notwendigkeit traditionaler und regional gültiger Maßstäbe für die gegenwärtige Ethik und Politik verwiesen.
Traditionskritik
Traditionskritik ist zum einen der Name einer Methode in der historisch-kritischen Textforschung, zum anderen eine Bezeichnung der Kritik an Tradition und den tradierten Inhalten selbst.
Historisch-kritische Methode
Traditionskritik als historisch-kritische Methode dient dazu, in verschriftlichten Texten die zugrundeliegenden mündlich verbreiteten Fassungen zu rekonstruieren (beispielsweise bei biblischen Texten, Lehrmärchen, Gebetssammlungen, Mythen).
Die Traditionskritik steht im Verbund mit anderen historisch-kritischen Methoden, zum Beispiel der Textkritik und der Formkritik, und lässt sich aus dem Forschungszusammenhang nicht als eigenstänige Methode herauslösen.
Kritik der Tradition
Traditionskritik meint auch Kritik an Tradition als dem überlieferten, kulturellen Bestand. Tradition wird dann problematisch, wenn Formen sich verselbstständigen, deren ursprünglicher Sinn verloren ging: „Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“ (Goethe).
In Europa begann mit der Reformation, später mit Rationalismus und Aufklärung, ein kritisches Infragestellen überlieferter Formen des Wissens, Glaubens und der Moral. Mit der Betonung des Vernunftprinzips (das an die Stelle des reformatorischen Schriftprinzips trat) wurde die Gültigkeit jedes Traditionsprinzips in Frage gestellt. Darauf reagierte schon frühzeitig der Französische Traditionalismus, Ausdruck der konservativen Reaktion.
Das Kräftemessen von Tradition und Vernunft hält bis in die Gegenwart an. Zusammen mit der Eigendynamik eines rationalisierenden Kapitalismus und den Folgen kultureller und ökonomischer Globalisierung ist derzeit eine weltweite Revision überkommener Werte und Überlieferungen zu beobachten. Als Gegenreaktion sind ebenfalls weltweit fundamentalistische Tendenzen zu verzeichnen. Wie schon der Französische Traditionalismus ist die konservative Reaktion in der Gegenwart häufig religiös legitimiert und gewaltbereit.
Tradition in den Kultur- und Geisteswissenschaften
Ethnologie
Geschichtswissenschaft
Auch die Geschichtswissenschaft versteht unter dem Begriff Tradition alles, was von Begebenheiten in irgendeiner Form überliefert worden ist und durch menschliche Auffassung hindurchgegangen und wiedergegeben ist.
In den vergangenen Jahren sind so genannte „erfundene Traditionen“ (invented traditions, vergleiche Eric Hobsbawm), die zur Legitimierung bestimmter Dinge und Handlungsweisen dienen sollen, zunehmend ins Blickfeld der Historiker gekommen.
Rechtswissenschaft
In der antiken Rechtssprache (römisches Recht) war Tradition (traditio) der Übergabeakt einer (beweglichen) Sache zum Beispiel bei der Vererbung und beim Kauf. Daher auch die noch heute manchmal begegnende Verwendung von Tradition als Auslieferung (vergleiche englisch: trade).
In der modernen Rechtswissenschaft bezeichnet Traditionstheorie einen bestimmten Ansatz zur Abgrenzung des öffentlichen Rechts vom Privatrecht. Die Traditionstheorie bezeichnet danach die Auffassung, dass bestimmte Rechtsgebiete traditionell dem öffentlichen Recht zugeordnet werden. Dazu gehören zum Beispiel Rechtsstreitigkeiten innerhalb des Polizei-, des Ordnungs- und des Verwaltungsrechtes.
Neben der Traditionstheorie gibt es als weitere Abgrenzungstheorien die Interessentheorie, die Subordinationstheorie (auch: Subjektstheorie) und die Sonderrechtstheorie (auch: modifizierte Subjektstheorie]].
Tradition und Religion
Tradition im Judentum
Tradition ist im Judentum immer im Zusammenhang von Tradierung, Lehre und Erinnerung gesehen worden. In Deuteronomium 6 (5. Mose 6) findet sich die Anweisung, das jüdische Glaubensbekenntnis als Summe des (göttlichen) Gesetzes an den Sohn weiter zu geben, dass dieser es an seinen Sohn weiter gebe. Außerdem soll die Erinnerung an die Geschichte des eigenen Volkes, seine Entstehung und an den mit Gott am Berge Sinai geschlossenen Bund tradiert werden.
Kern des jüdischen Traditionsverständnisses ist das Gesetz, die Tora. Bei der Überlieferung der Tora wird unterschieden zwischen der schriftlichen Tora (die so genannten fünf Bücher Mose) und der mündlichen Tora, der (zunächst) mündlich überlieferten Auslegung der schriftlichen Tora. Diese ist wiederum zum Teil verschriftlicht im Talmud.
Einen eigenen Begriff für solche Tradition gibt es im Tanach nicht. Es gibt wohl das Wort magan, das überliefern im Sinne von ausliefern meint, nicht aber im hier behandelten Sinn. Ein solches Wort entwickelt sich erst später aus dem Wort masorät (das Verpflichtende, Bindende). Daraus leiten sich die Bezeichnung Masoreten ab, die im speziellen für eine jüdische Gelehrtengruppe des Mittelalters gebraucht wird. Die Masoreten bemühten sich um eine möglichst genaue schriftliche Überlieferung der Tora. Sie erstellten unter hinzufügen der Masora, einem umfangreichen textkritischen Apparat, den sogenannten Masoretischen Text. Masora gilt heute als Kernbegriff des jüdischen Überlieferungsverständnisses.
Tradition im Christentum
Katholizismus
In der römisch-katholischen Kirche wird unter Tradition die neben der Bibel stehende, aber genauso verbindliche Glaubenslehre seit den Aposteln und Kirchenvätern verstanden. Als Traditionsprinzip dient diese Glaubenslehre in der römisch-katholischen Exegese zur Auslegung der christlichen Heiligen Schrift; nach römisch-katholischer Auffassung kann die wahre Aussage christlich-biblischer Texte nur durch die Auslegungstradition der Kirche verstanden werden. Das Traditionsprinzip ergänzt demnach das Schriftprinzip.
Christliche Orthodoxie
Der Begriff der Orthodoxie verweist bereits auf die beiden wesentlichen Aspekte des orthodoxen Traditionsverständnisses: Orthodoxie heißt zugleich „richtiger Glaube“ und „ richtiger Lobpreis“.
Die „Rechtgläubigkeit“ bezieht sich vor allem auf die biblische Überlieferung. Für den orthodoxen Glauben ist wichtig, sich dem Ursprünglichen zuzuwenden und diesem Ursprünglichen treu zu bleiben. Der biblische Text gilt als Garant, Herzstück und Kern der Tradition. An diesem Punkt unterschiedet sich die Orthodoxie wesentlich vom römischen Katholizismus, der die kirchliche Lehrtradition eher gleichberechtigt neben die Bibel stellt. In den Anfängen der Reformation sahen die ersten Reformatoren in den orthodoxen Kirchen mögliche Verbündete. Erste Kontaktaufnahmen bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts blieben am Ende aber folgenlos.
Der „rechte Lobpreis“ bezieht sich auf den liturgischen Gottesdienst. Die sogenannte „Göttliche Liturgie“ geht im Kern auf jüdische und frühestchristliche Formen zurück; seit gut 1000 Jahren wird sie in unveränderter Form gefeiert. Allerdings haben sich unterschiedliche Varianten dieser Liturgie entwickelt. Die bekannteste Form geht auf die Liturgie aus Konstantinopel zurück und ist in allen Orthodoxen Kirchen in Gebrauch. Diese liturgische Tradition, zu der neben den Texten auch Melodien, Handlungsabläufe, Gewänder, liturgische Geräte, der Kirchenbau selbst, Ikonen etc. gehören, hat eine ebenso große Bedeutung wie die biblische Lehre und wird auch oft zur Auslegung der Bibel herangezogen.
Protestantismus
Seit der Reformationszeit, in der das römisch-katholische Traditionsverständnis kritisiert wurde, entwickelte sich der Begriffsgegensatz von christlicher Heiliger Schrift und Tradition. Das Traditionsprinzip wurde zugunsten des Schriftprinzips als notwendiges Element des wahren Schriftverständnisses aufgegeben; nach evangelischer Lehre ist die heilige Schrift selbsterklärend und deshalb allein die Schrift verbindlich für Fragen des Glaubens (vergleiche sola scriptura). In einer gewissen Spannung hierzu stehen die neuen Traditionen, die sich in den einzelnen evangelischen Konfessionen herausgebildet haben.
Die neuzeitliche Traditionskritik der Aufklärung verdankt sich wesentlich des traditionskritischen Impulses der Reformation, ging aber auch wesentlich darüber hinaus, indem sie auch die Bibel selbst als zu kritisierende Tradition verstand.
Tradition im Islam
Im Kern des islamischen Traditionsverständnisses steht der Begriff der Sunna (arabisch für „Tradition, Überlieferung“). Weil im Koran als dem geoffenbarten Gotteswort nicht für alle Lebensbereiche Regeln niedergeschrieben waren, hat sich nach dem Tod Mohammeds ein Lehr- und Rechtssystem entwickelt, das verschiedene säkulare Rechts- und Brauchtumstraditionen aufnahm und in Verbindung mit Mohammed religiös fundierte. Nach zunächst mündlicher Überlieferung in vier verschiedenen Rechtsschulen, die auf verschiedene Imame als Nachfolger Mohammeds zurückgehen, wurde die Sunna gut 200 Jahre nach Mohammeds Tod in mehreren Büchern verschriftlicht.
Die überlieferten Rechtssammlungen gelten nicht in allen islamischen Glaubensrichtungen. Die Sunniten halten alle vier Rechtsschulen für orthodox und akzeptieren die gesamte Sunna. Die Schiiten halten nur die Rechtstradition jener Gelehrten für orthodox, die sich zu Ali ibn Abi Talib als einzig legitimen Nachfolger Mohammeds bekennen.
Weiteres
Literatur
- Aleida Assmann: Zeit und Tradition. Kulturelle Strategien der Dauer (1999) ISBN 3-412-03798-2
- Karsten Dittmann: Tradition und Verfahren (2004) ISBN 3-8334-0945-2
- Samuel N. Eisenstadt: Tradition, Wandel und Modernität (1973; dt. 1979) ISBN 3-518-57901-0
- Josef Pieper: Über den Begriff der Tradition (1958)
- Leonhard Reinisch (Hrsg.): Vom Sinn der Tradition (1970) ISBN 3-406-02468-8
- Edward Shils: Tradition (1981) ISBN 0-226-75325-5
Siehe auch
- Folklorismus
- Historizismus
- Kultur
- philosophia perennis
Weblinks
- [http://www.holmespeare.de/tradition/ Texte, Zitate und Links zum Thema Tradition]
- [http://www.theologie-systematisch.de/erkenntnislehre/8schrift-tradition.htm Aktuelle Literatur zur theologischen Bedeutung der Tradition]
Kategorie:Ethnologie
Kategorie:Feste & Brauchtum
Kategorie:Geschichtswissenschaft
Kategorie:Religionswissenschaft
Kategorie:Kultur
Kategorie:Wertvorstellung
Kategorie:Volkskunde
KulturkreisAls Kulturkreis bezeichnet man in der Geisteswissenschaft eine Ansammlung von Völkern oder Nationen, die die gleiche oder zumindest eine ähnliche Kultur haben. So gibt es z.B. einen lateinamerikanischen Kulturkreis.
lateinamerika
Den Kulturkreis kann man unterschiedlich groß ziehen, je nach dem wie eng man die Unterschiede misst.
So kann man von einem skandinavischen Kulturkreis sprechen, aber man könnte diese Nationen ebenso gut zum europäischen Kulturkreis zählen - oder zu beiden. Eine größere Einteilung wäre in Westlicher Kulturkreis, Fernöstlicher Kulturkreis oder in Arabischer Kulturkreis.
Ähnlich ist es mit dem christlichen Abendland und dem islamischen Orient. Wenn man die Religion als differentia specifica (Unterscheidungsmerkmal) weglässt, hat man die durch ihre gemeinsame Geschichte verbundene Alte Welt, also diejenigen Länder und Erdteile, die seit dem Hellenismus als zum (griechisch) zivilisierten Kulturkreis (Ökumene) gehörend angesehen werden.
Siehe auch: Kampf der Kulturen
Kategorie:Kultur
GenerationEine Generation ist die Gesamtheit aller Lebewesen, die zu anderen Lebewesen, in aufsteigender oder absteigender Linie durch Abstammung verbunden sind und im selben Abstand stehen. Geht man von einem Probanden oder einer Probandengeneration von Gleichaltrigen aus, dann kann man von der ersten, zweiten, dritten usw. Ahnen- oder Nachkommen-Generation eines Probanden oder einer Probandengeneration sprechen. Bei einer Familie gehören demzufolge die Kinder zur Kinder-, die Eltern zur Eltern- und die Großeltern zur Großelterngeneration.
In genealogischen Listen und Tafeln ist es üblich, die Generationen durch vorgesetzte römische Zahlen (etwa vor den Kekule-Ziffern) kenntlich zu machen.
Außerhalb der Genealogie wird der Begriff Generation auch gebraucht für alle Menschen eines bestimmten Lebensalters oder eines bestimmten geschichtlichen Zeitabschnitts.
Generationenabstand
Der Generationenabstand oder die Generationenspanne ist das Mittel aus der Altersdifferenz aller Kinder zu Vater oder Mutter in Jahren.
Entsprechend den Unterschieden im mittleren Heiratsalter von Mann und Frau ist die Generationenspanne zum Vater größer als zur Mutter. In der Mutterlinie ergibt sich deshalb in zehn Generationen etwa eine Generationenspanne mehr als in der Vaterlinie.
Vor 1800 betrug der mittlere Generationenabstand noch über 30 Jahre. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts sank er um einige Jahre, weil die Mehrzahl der Kinder von Müttern unter 25 Jahren geboren wurde, die dann kaum noch weitere Kinder hatten. Früher waren noch zahlreiche Kinder von Müttern über 30 oder auch 40 Jahren geboren worden. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich dieser sinkende Trend in Deutschland erneut umgekehrt, und der Generationenabstand ist wieder gewachsen.
„Generationen“ in der Soziologie
In der post- klassischen Soziologie hat Karl Mannheim 1928 im Rahmen seiner Wissenssoziologie einen (durch gemeinsame „Generationserlebnisse“ charakterisierten) „Generations“-Begriff vorgelegt. Vermehrte Soziologische Generationenforschung seit den späten 80er Jahren. Allerdings wird der Generationsbegriff inflationär mit z.T. unklaren Deutungsmustern benutzt, z.B. bei Claus Leggewie.
Siehe auch: Baby Boomer Flakhelfer 68er Generation Generation X Generation Golf 89er Generation Generation @
Literatur:
Mannheim, Karl: Das Problem der Generation. In: Ebd. Wissenssoziologie. Neuwiedt 1964
Bude, Heinz: Deutsche Karrieren, Frankfurt am Main 1987
Bude, Heinz: Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938- 1958. Frankfurt/ m 1995
„Generationen“ technischer Geräte
Der Begriff einer Generation wird nicht nur bei Lebewesen, sondern im übertragenen Sinn auch auf verschiedene, aufgrund weiterentwickelter Eigenschaften deutlich unterscheidbare Entwicklungsstufen technischer Geräte, z. B. verschiedene „Generationen“ bei Rechnern.
„Generationen“ in der Botanik
In der Botanik beschreibt eine Generation das Entwicklungsstadium eines Organismus mit einem eigenen Fortpflanzungsmodus. Dabei können Generationen morphologisch gleichartig oder unterschiedlich sein. Oft geht ein Generationswechsel mit einem Kernphasenwechsel einher.
Siehe auch
- Generationsbezeichnungen
- Gerontologie
- Generationengerechtigkeit
Kategorie:Genealogie
Kategorie:Genetik
simple:Generation
OrientOrient (vom lat.: oriens = aufgehend, d.h. Aufgang der Sonne) auch Morgenland genannt, ist das Gegenstück zum Okzident (Abendland), der europäischen Welt (im griechischen nennt man den Orient Anatole und im italienischen Levante).
Im Lauf der Geschichte hat das Bedeutungsspektrum dieses Begriffs eine Wandlung erfahren. Während früher die gesamte asiatische Welt, d.h. die arabischen Länder, Indien und die heutige Volksrepublik China als Orient galt, später dann nur die Länder Vorderasiens mit Ägypten und die meisten islamischen Kulturen dazu zählte, tendiert man heute im Sprachgebrauch dazu, den Begriff auf den Nahen Osten und die arabisch-islamische Welt – einschließlich der Türkei und Nordafrika, aber ohne die islamischen Staaten Südostasiens – zu beschränken.
Orient wird meist weniger in einem politischen oder geographischen, sondern eher in einem kulturellen Sinne verwendet.
Die Welt des Orients inspirierte viele Dichter und Schriftsteller, siehe z.B. Goethes „West-östlicher Diwan“ oder Hesses Roman „Morgenlandfahrt“.
Geschichte
Die Arabische Halbinsel, Kleinasien (die heutige Türkei), Nordafrika und Vorderasien (Irak, Iran, Afghanistan) werden zum Kulturkreis des Orients gezählt. Seit jeher war das Zweistromland ein fruchtbares Gebiet. Die Gegend des heutigen Afghanistan war stets von verschiedenen Mächten umkämpft. Im Orient befanden sich viele frühe Hochkulturen, wie zum Beispiel die Sumerer im Zweistromland und das antike Perserreich. Alexander der Große zog auf seinen Eroberungszügen durch Vorderasien und gründete griechische Städte. Später standen das Imperium Romanum und das Persische Reich im kriegerischen Gegensatz. Missionare und Mönche verbreiteten das Christentum. Nach dem Tode Mohammeds verbreiteten arabische Heere und Händler den Islam, der die dortige Gesellschaft stark beeinflussen sollte. Das Osmanische Reich umfasste Kleinasien, Teile des Balkans, weite Gebiete der arabischen Halbinsel und Vorderasien. Im 1. Weltkrieg wurden der Irak und der Iran von britischen und amerikanischen Truppen besetzt. Beim Kongress von Verona 1922 suchten die europäischen Großmächte die sogenannte Orientalische Frage zu lösen. 1923 wurde das Osmanische Reich von neuen Staaten abgelöst. Durch zahlreiche Erdölfunde wurden einige Staaten zu den reichsten Ländern der Welt, zum Beispiel Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrein.
Freimaurerei
In der Freimaurerei bezeichnet Orient den Ort, von dem das Licht ausgeht. Es bezeichnet sowohl den Standort der Loge als auch die Stelle in der versammelten Loge, an welchem der Meister vom Stuhl seinen Sitzplatz hat.
Siehe auch
Orientalistik, Alter Orient, Naher Osten, Mittlerer Osten, Ferner Osten, Deutsche Orient-Gesellschaft, Orientalismus
Weblinks
- [http://www.ex-oriente-lux.de/index.htm ex-oriente-lux]. Eine der ausführlichsten deutschen Websites über den Orient.
- [http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ost/default.html Telepolis Orient]
- [http://www.uni-graz.at/franz.koelbl/index2.html Bilder und Eindrücke von mehreren Reisen in den Orient]
Kategorie:Orient
Kategorie:Kultur
Kategorie:Freimaurerei
ja:東洋
ErzählkulturAls Erzählkultur bezeichnet man die soziale und kulturelle Einbettung von mündlichen Erzählungen, die teils aus der Erinnerung teils neuerfunden zwischen den Angehörigen kleiner Gemeinschaften hin und herfließen. Wesentlich ist die Unmittelbarkeit der beteiligten Personen im Gegensatz zur Mittelbarkeit der Erzählung als Literaturform.
Vorkommen
Überall wo Menschen vertraut miteinander umgehen, Muße und Phantasie wertgeschätzt werden und man sich die Zeit nimmt, frei zu erzählen (Synonym: fabulieren) und zuzuhören, gibt es auch im 21. Jahrhundert der Hektik und Arbeitszeitverdichtung noch Inseln der Erzählkultur. Wenn ein Elternteil sich Zeit nimmt, dem eigenen Nachwuchs nicht nur Erzähl-Musikkassetten zu schenken sondern eigens selbsterfundene Geschichten - und denen der Kleinen aufmerksam zuhört, dann ist das praktizierte Erzählkultur. Und wenn später in der Kinder- oder Jugendclique einzelne besonders "saftige", witzige Erlebnisse für die eigene Selbstdarstellung in der Gruppe "erfinden" und ausschmücken, dann ist das ein Stück Erzählkultur. Und wo Männer am Tresen oder in den Situationen des Flirtens oder Sichherausredens auch mal kreativ werden (müssen), da ereignet sich die Erzählkultur des Alltags.
Geschichte
In der vorindustriellen Welt der Geschichte oder der "Dritten Welt", die noch nicht von technischen Unterhaltungsmedien wie TV, Radio oder Abspielgeräten durchflochten und geprägt war, mussten sich die Menschen ihre Unterhaltung durch eigene Aktivitäten wie singen oder eben Erzählen selber schaffen. Das geschah zum Beispiel in der Tradition der ländlichen "Spinnstuben" beim gemeinschaftlichen Verspinnen der Wolle oder Pflanzenfasern.
In einigen Gesellschaften gab es auch Menschen, die ihr erzählerisches Talent zu einem Beruf, dem Geschichtenerzähler, machen konnten. In Elias Canettis Erzählungssammlung "Die Stimmen von Marrakesch" gibt es eine Schilderung dieser Tradition am Beispiel eines marokkanischen Marktplatzes, die die Kunstfertigkeit jener stets von Menschentrauben umlagerten Geschichtenerzählerprofis hervortreten lässt.
Wissenschaftlich dokumentiert und untersucht werden diese historischen Vorkommen von Erzählkultur durch die Disziplinen der Völkerkunde und der Europäischen Ethnologie.
Literatur
- Christoph Schmitt: "Homo narrans : Studien zur populären Erzählkultur ; Festschrift für Siegfried Neumann zum 65. Geburtstag". Waxmann, Münster 1999. 431 S. Schriftenreihe: Rostocker Beiträge zur Volkskunde und Kulturgeschichte 1 ISBN 3-89325-767-5
- Leander Petzoldt: "Überlieferung und Deutung : zur historischen Funktion der Volkserzählung und ihrer Instrumentalisierung in der Gegenwart ; Vorträge des 11. Interdisziplinären Symposions zur Volkserzählung, Innsbruck vom 5. - 8. Oktober 1997". Olschki, Firenze 1999. 182 S. Schriftenreihe: Lares ; Anno 55, n. 1-2. Zusammenfassungen in engl., französ., italien. Sprache
- Gerhard Neweklowsky: "Totenklage und Erzählkultur in Stinatz im südlichen Burgenland : kroat. u. dt.". Ges. zur Förderung Slawist. Studien, Wien 1987. 315 S. Schriftenreihe: Wiener slawistischer Almanach : Sonderband ; 19 : Linguistische Reihe
Siehe auch: Erzählforschung, Urbane Mythen, Biographieforschung, Narrativität, Papier-und-Bleistift-Rollenspiel
Kategorie:Volkskunde
Kategorie:Oralität
Kategorie:Kulturwissenschaft
Geschichte
Begriff Geschichte
Allgemein
Geschichte im allgemeinen Sinn meint die ständige Entwicklung und Anpassung gesellschaftlich organisierter Lebewesen an ihre Umwelt. Im engeren Sinn bezieht sie sich auf die Entwicklung des Menschen und der Menschheit. Auch bei der Erde, bei Natur und Universum sprechen wir von Geschichte, Erdgeschichte, Naturgeschichte. Doch nur ein kleines Teilgebiet dieser Gesamtgeschichte ist Gegenstand der Geschichtswissenschaft. Bei genauer Betrachtung gibt es folgende vier Bereiche zu unterscheiden:
# Die Entstehung des Universums: Sie wird von Astronomen, Astrophysikern, Mathematikern und Philosophen betrachtet. (Urknall, Kosmologie)
# Damit ist die Geschichte der Menschen gemeint, denn hier setzt Entwicklung ein, die nicht nur genetisch und von Ähnlichem, sondern auch kulturell bedingt ist: Handeln u. Traditionen verändern. Der Mensch greift bewusst in die Veränderung seiner Umwelt ein, um diese seinen Bedürfnissen anzupassen. Diese Geschichte ist Gegenstand von Archäologie und Ethnologie.
# Die Geschichte seit Erfindung von Schrift, von Zeichen mit Bedeutung, denn hier hat sich Bewusstsein manifestiert und braucht nicht mehr bloß erraten und erschlossen zu werden. Außerdem wird hier die Tradition überpersönlich, weil hier sekundäre Kommunikation einsetzt - sprich auf Schriftzeichen gegründete Überlieferung. - Denn es lässt sich auch über Bildsprache, die keine Bilderschrift ist, kommunizieren. Frühe Formen sind unter anderem die Höhlenmalerei, die Tätowierungen der Ureinwohner in der Südsee, die Keilschrift und die Hieroglyphen.
# Die Geschichte, die sich selbst als Geschichte versteht, die der Mensch sich anverwandelt hat, erzählbare Geschichte.
Im engeren Sinne ist nur Geschichte in diesem vierten engsten Bereich Gegenstand der Geschichtswissenschaft, doch haben sich Geschichtsschreiber und Historiker schon immer auch für Geschichte im weiteren Sinne interessiert. Auch wird in historischen Kompendien meist auch dieser weitere Bereich mit behandelt, obwohl Historiker bei der wissenschaftlichen Erschließung dieser Fragen mit ihrer Methode nichts beitragen können.
Geschichte als Begriff der Geschichtswissenschaft
Geschichte im Sinne der Geschichtswissenschaft meint das in menschlichen Kulturen Geschehene. Geschichte in diesem Sinn ist etwas dem Menschen Eigenes; der Begriff wird jedoch häufig auch erweitert verwendet, um die Zeit vor dem Auftreten des Menschen bzw. vor der Entwicklung des Geschichtsbewusstseins darzustellen, insbesondere also die Naturgeschichte, dabei speziell die Erdgeschichte, die Vorgeschichte und andere Forschungsgebiete. (vgl. dazu Geschichtlichkeit)
Zu scheiden von diesem Begriff von Geschichte ist Geschichte als Überlieferung, Erforschung und Darstellung in ihrer zeitlichen oder sachlichen Aufeinanderfolge (vgl. Geschichtsschreibung).
Die Geschichtserkenntnis gründet sich auf Überreste und Tradition. (vgl. Geschichtswissenschaft).
Solche Erkenntnis ist allerdings nie objektiv, sondern abhängig von der historischen Situation, der Perspektive des Betrachtenden. Eine bestimmte Perspektive gegen andere Perspektiven durchzusetzen (aber auch der Versuch, Multiperspektivität zu ermöglichen) ist Sache der Geschichtspolitik.
Dagegen hat sich Geschichtsdidaktik die Aufgabe gestellt, den Zugang zu den wichtigsten Bereichen von Geschichte zu erleichtern und ein mehrdimensionales Geschichtsbewusstsein zu ermöglichen.
Der Geschichtsunterricht ist der Versuch der praktischen Umsetzung von Geschichtsdidaktik.
Einen Zugriff auf Geschichte von den verschiedenen Geschichtsräumen und Nationalgeschichten aus ermöglicht das Portal:Geschichte. Einen Zugriff auf spezifische Sachbereiche der Geschichte ermöglichen die verschiedenen Disziplinen der Geschichtswissenschaft.
Definitionsversuche
Über Geschichte gibt es sowohl aus der Philosophie als auch der Geschichtswissenschaft eine Reihe von allgemeinen Definitionsversuchen. Beispielhaft nur diese:
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Geschichte ist „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ – „die Entfaltung der Natur Gottes in einem besonderen, bestimmten Element“
Wilhelm von Humboldt: „Das Ziel der Geschichte kann nur die Verwirklichung der durch die Menschheit darzustellenden Idee sein.“
Johann Gustav Droysen: „Was in ihr täglich geschieht, wird von keinem Verständigen als Geschichte getan oder gewollt. Erst eine gewisse Art, das Geschehene nachmals zu betrachten, macht aus Geschäften Geschichte".
Karl Jaspers: „Wir sprechen zwar von Geschichte der Natur und von Geschichte der Menschen. Beiden gemeinsam ist ein unumkehrbarer Prozess der Zeit. Aber beide sind in Sinn und Wesen verschieden. Die Geschichte der Natur ist ihrer selbst nicht bewusst. Sie ist ein bloßes Geschehen, das sich nicht weiß, sondern von dem erst der Mensch weiß. Bewusstsein und Absicht ist nicht ein Faktor dieses Geschehens. Es ist daher eine Verführung unseres in Kategorien der Natur gewohnten Denkens, die Geschichte selber noch nach Analogie von Naturgeschehen zu betrachten.“
Golo Mann: „Immer hat Geschichte zwei Komponenten: das, was geschehen ist, und den, der das Geschehene von seinem Orte in der Zeit sieht und zu verstehen sucht. Nicht nur korrigieren neue sachliche Erkenntnisse die alten; der Erkennende selber wandelt sich. Die Vergangenheit lebt; sie schwankt im Lichte neuer Erfahrungen und Fragestellungen.“
Zur Aufgabe der Geschichtsschreibung: Leopold von Ranke: „Man hat der Historie das Amt, die Vergangenheit zu richten, die Mitwelt zum Nutzen zukünftiger Jahre zu belehren, beigemessen; so hoher Ämter unterwindet sich gegenwärtiger Versuch nicht: er will bloß sagen, wie es eigentlich gewesen.“
Davon ließen sich ungezählte weitere anführen. Hier offenbart sich das Problem einer allgemein verbindlichen Definition, was Geschichte denn sei. Sämtliche hier aufgeführten Definitionen von Geschichte deuten auf etwas Wesentliches hin. Sie sind jedoch alle von einer gewissen subjektiven Sicht derer durchdrungen, welche sie aufstellen. Das ist insoweit auch kaum anders denkbar, als diese Gelehrten jeweils von einer anderen Geschichtsperspektive aus urteilen. Außerdem muss sich bei der Frage nach der Definition der Geschichte unweigerlich die Frage nach den Aufgaben der Geschichtsschreibung anschließen. Sehr schnell offenbart sich dabei, dass die Geschichtsschreibung auch von der Politik und damit von politischen Interessen abhängt. Sehr deutlich tritt das an der Nationalgeschichte zutage. Da diese wiederum immer einem Wandel unterworfen war, ist und bleiben wird, ändern sich entsprechend die politischen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Geschichtsschreibung. So stellt sich nämlich das Problem der historischen Wahrheit. Es gibt nicht eine historische Wahrheit, sondern nur Interpretation der Quellen aus der jeweiligen Perspektive (Ort, Zeit, Interesse, Freund/Feind …). (Im Jahr 5000 wird man - gleichen Quellenstand vorausgesetzt - ein anderes Bild von Geschichte haben als wir heute. Wir können nicht heute schon sagen, es sei falsch.)
wissenschaftliche Betrachtungsweisen
- Geschichte kann einerseits wissenschaftlich erforscht werden, andererseits ist die Darstellung der Ergebnisse und Zusammenhänge als eine künstlerische Tätigkeit zu betrachten: Der Historiker soll dem Leser auf eine nachvollziehbare, objektive und überzeugende Weise den Gang der Ereignisse sowie deren Ursachen und Wirkungen darlegen. Die Geschichtsphilosophie versucht, den Gang der Handlungen in einen übergeordneten Zusammenhang, ein Geschichtsbild, zu bringen. Dieses ist der Ansatz vorwiegend der von den Geisteswissenschaften.
- Die Erforschung der Geschichte der Natur oder die Erdgeschichte wird selbstverständlich auch von der Naturwissenschaft betrieben. Hierbei geht es hauptsächlich darum, die Naturgeschichte beziehungsweise die Geschichte der Erde nachvollziehbar zu machen auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnismethoden.
künstlerische Betrachtungsweisen
- Indem die Darstellung der Geschichte auch als eine künstlerische Aufgabe betrachtet werden kann, kommt es umgekehrt zur künstlerischen bzw. literarischen Verarbeitung von geschichtlichen Themen, ohne dass vordergründig ein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse besteht. Zum Beispiel das Drama Wallenstein von Friedrich von Schiller oder der Torquato Tasso von Johann Wolfgang von Goethe sind literarische Werke auf der Grundlage des historischen Stoffes, ohne zugleich als Geschichtswerke verstanden werden zu können.
- Neben den literarischen Betrachtungsweisen von Geschichte manifestieren diese sich auch in der Bildenden Kunst wie z.B. in der Malerei und Graphik. Diese Betrachtungsweisen setzen ein hohes Maß von individuellem Geschichtsbewusstsein des Künstlers voraus und eine ausgeprägte Fähigkeit, sich kritisch mit Geschichte auseinanderzusetzen.
Die Darstellung von Geschichte ist Gegenstand der Geschichtspolitik. Geschichtsschreibung steht stets auch unter der Verdacht der interessensgeleiteten Darstellung. Das gilt insbesondere dann, wenn ihr eine Geschichtsphilosophie zugrundeliegt. Geschichtspolitik dient also der Einflussnahme auf die allgemeine Meinungsbildung der Gesellschaft. Die Formen der Geschichtspolitik können sehr unterschiedlich sein. Verwandte Begriffe sind etwa: Geschichtlichkeit, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsraum, Geschichtsperspektive, Historisierung, Erinnerungskultur, Glorifizierung beziehungsweise Geschichtsfälschung. Dem Geschichtsunterricht und der Geschichtsdidaktik kommt hierbei eine erhebliche Bedeutung zu. Die Reflexion über Geschichtlichkeit ist Aufgabe der Geschichtsphilosophie und der Geschichtsdidaktik.
Siehe auch
- Weltgeschichte, Universalgeschichte, Menschheitsgeschichte, Globalgeschichte, transnationale Geschichte
- Geschichtswissenschaft
- Periodisierung
- Chronologie
Zitate
- Jedesmal, wenn ein Mensch über Vergangenes berichtet, und sei er auch ein Geschichtsschreiber, haben wir in Betracht zu ziehen, was er unabsichtlich aus der Gegenwart oder aus dazwischenliegenden Zeiten in die Vergangenheit zurückversetzt, sodass er das Bild derselben fälscht. - Sigmund Freud
- Those who cannot remember the past are condemned to repeat it. (Wer die Geschichte nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.) George Santayana
- Die geschichtliche Wirklichkeit ist oft wie die Elster, die an einem Ort schreit und am anderen ihre Eier legt. - José Ortega y Gasset (Aufbau und Zerfall Spaniens)
- Geschichte ist Lüge, auf die man sich geeinigt hat. - Napoleon Bonaparte
- Keine Atempause - Geschichte wird gemacht - es geht voran - die Musikgruppe Fehlfarben 1982
- Eine Reihe zufälliger Ereignisse, die besser nicht stattgefunden hätten. - anonym
Literatur
- Marc Bloch: Apologie der Geschichte oder Vom Beruf des Historikers. München 1987 (1. Aufl. 1949)
- Jacob Burckhardt: Weltgeschichtliche Betrachtungen. Hrsg. v. Jacob Oeri, Berlin/Stuttgart 1905.
- Manfred Mai: Weltgeschichte. 2002. 240 S. ISBN 3-446-20191-2
- Neil Grant: Weltgeschichte. Young Oxford. 2000. 191 S. ISBN 3-407-75305-5
- Raphael, Lutz: Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart. München 2003
- Weltgeschichte : 1. Die Anfänge der Menschheit und frühe Hochkulturen 2. Antike Welten. 3. Um Glaube und Herrschaft. 4. Wege in die Moderne. 5. Aufbruch der Massen. 6. Schrecken der Kriege.(= Brockhaus Die Bibliothek) 1997 - 1999. Je 704 S. ISBN 3-7653-7400-8
- Der große Ploetz - Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte; Daten, Fakten, Zusammenhänge, ersch. in diversen Sonderausgaben, u.a. bei zweitausendeins, ISBN 3-86150-412-X
- Erich Bayer und Frank Wende (Hrsg.): Wörterbuch der Geschichte. 5. Auflage, Stuttgart 1995.
- Jörg Baberowski: Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault. München 2005.
- Pietro Rossi (Hg.): Theorie der modernen Geschichtsschreibung. Frankfurt/M. 1987
Weblinks
- [http://www.geschichte.fb15.uni-dortmund.de/links/ Fachkatalog zur Geschichtswissenschaft]
- [http://lotse.uni-muenster.de/geschichte/index-de.php Lotse - Fachbereich Geschichte]
- http://www.vl-geschichte.de
- http://www.clio-online.de
- http://www.historiker.de/
- http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/
- http://www.historicum.net
- [http://netzwerk.wisis.de/text/41.htm SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Geschichte]
- [http://www.wcurrlin.de/pages/5.htm didaktisch aufbereitete Geschichtsdarstellung mit Links]
- [http://www.ralf-arndt.de/geschichte.html Ralf Arndt - kommentierte Links]
- [http://www.lo-net.de/home/fontane44/index.htm Epochenüberblicke mit Links]
Kategorie:Geschichtswissenschaft
Kategorie:Geisteswissenschaft
Kategorie:Kulturwissenschaft
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zh-min-nan:Le̍k-sú
MündlichGesprochene Sprache sind alle mit dem menschlichen Sprechapparat produzierten (=mündlichen) Äußerungen in einer Sprache, im Unterschied zur geschriebenen Sprache, der visuell und manuell orientierten Gebärdensprache und teilweise der Parasprache. Gesprochene Sprache ist die ursprüngliche und grundlegende Form menschlicher Sprache. In manchen Kulturen gab oder gibt es keine Schriftsprache.
Im engeren Sinn bezieht sich gesprochene Sprache auf das spontane, frei formulierte Sprechen in nicht gestellten, „natürlichen“ Kommunikationssituationen. Gesprochene Sprache wird in Gesprächen zwischen zwei oder mehreren Beteiligten, vorwiegend von Angesicht zu Angesicht oder fernmündlich in fast allen Situationen unseres alltäglichen Lebens produziert. Das schließt den Vortrag schriftlich vorformulierter Texte aus. Zu den besonderen Produktionsbedingungen der gesprochenen Sprache gehören neben der geringeren Normierung die Situationgebundenheit, die Interaktivität und die geringere Verarbeitungszeit des Sprechens. Zu den Besonderheiten der gesprochenen Sprache gehören Ellipsenbildung, das heißt Sprechen in syntaktisch unvollständigen Sätzen, die Verwendung von Interjektionen verschiedene Korrekturphänomene sowie die Hörer- und Sprechersignale, so genannte Gliederungssignale.
Merkmale
Gesprochenes und geschriebenes Deutsch sind Varianten eines Sprachsystems. Zunächst basiert auch unsere gesprochene Sprache auf den morphologischen und syntaktischen Regeln der Schriftsprache, in der Mehrzahl der Fälle kann eine gewisse Einhaltung von Regeln in puncto Grammatik und Syntax verzeichnet werden; es werden bestimmte standardisierte Wortfolgen wie Subjekt, Prädikat und Objekt eingehalten. Da die gesprochene Sprache jedoch unter anderen Bedingungen entsteht, gibt es eine Reihe von Besonderheiten, die mit dem natürlichen Spracherwerb erlernt wurden und während des Sprechvorgangs nicht mehr bewusst wahrgenommen werden. Sie beruhen insbesondere auf der Wahrnehmung der Sprechsituation (anwesende Personen, fokussierbare Objekte etc.). Die lautliche Realisierung bietet spezifische Möglichkeiten der Nuancierung und des Emotionsausdrucks.
Die gesprochene Sprache ist ein flüchtiges Medium. Daraus ergibt sich eine geringe Vorausplanungskapazität auf der Sprecherseite und die Notwendigkeit, den Beitrag in der laufenden Interaktion zu verankern, ohne durch Unterbrechungen das Rederecht zu verlieren. Es werden andere Anforderungen an das Verstehen und Verstandenwerden gestellt, als an einen schriftsprachlichen Text, der ohne Zeitdruck verfasst und beliebig oft gelesen werden kann. Das spontane Gespräch ist interaktiv, der Hörer ist am Zustandekommen des Sprecherbeitrags durch Rückmeldungen (z.B. durch Interjektionen wie „hm" oder durch Mimik) beinahe ebenso beteiligt wie der Sprecher selbst. Die „Redekonstellation“, das heißt in welchem Zusammenhang ich mit wem spreche, ist genau so prägend für die Kommunikation wie Alter, Rang, Geschlecht, Dialektraum, Einstellung und Verhalten der Sprechenden. Viele verbale Erklärungen können durch nonverbale Aktionen und durch den Verweis auf den gemeinsamen Erfahrungsraum eingespart werden. Detaildarstellungen zum situativen Zeigen (Deixis), zur Ellipse und zu anderen Phänomenen geben am Beispiel des Deutschen Zifonun/Hoffmann/Strecker 1997.
Ellipsen
Bei den Ellipsen handelt es sich um - im Sinne der traditionellen Grammatik - unvollständige Sätze. Da auch die mündliche Kommunikation auf einer gemeinsamen Syntax und auf gemeinsamen Wissen von der Welt basiert, aber zusätzlich eine gemeinsame räumlich-situative Erfahrung existiert, erlaubt und erfordert die Sprachökonomie eine Vermeidung von Redundanzen. Ein nahezu „klassischer“ Fall einer Ellipse besteht in einer Antwortellipse, die in dem folgenden Beispiel aufgezeigt werden soll.
A: Dieses Jahr fahre ich mal wieder in den Urlaub
B: wohin?
A: in die Provence
B: alleine ?
A: mit meiner Frau
B: wann?
A: im Juni
Es handelt hier sich um eine „Konstruktionsübernahme“. Ein einmal errichtetes syntaktisches „Fundament“ bleibt solange gültig, bis durch einen Themenwechsel ein neues geschaffen werden muss. Innerhalb einer solchen Konstruktion wird nur das ausgesprochen, was für den Hörer überhaupt neu und informativ ist. Werden dennoch „überflüssige“ Informationen gegeben, bedient sich der Sprecher „unnötigerweise“ vollständiger Sätze, so misst er damit seiner Äußerung eine besondere Bedeutung bei, die auch vom Hörer als solche verstanden werden kann. So kann es sich um den Versuch handeln, die eigene sprachliche Kompetenz unter Beweis zu stellen.
Ellipsen sind situationsgeprägte Muster unseres Sprachverhaltens, deren Verschränkung mit kotextuellen Bezügen, vor allem aber mit dem Kontext aller außersprachlichen Äußerungen und Wahrnehmungen in die Form der sprachlichen Äußerung eingeht. Kontextuelle Verweise sorgen dafür, daß die Interaktionsteilnehmer gewissermaßen ihre Syntax „synchroniseren“ können.
"Wahrnehmungsfenster" und Korrekturphänomene
Der Sprecher verfügt über eine nur geringe Vorausplanungskapazität. Der zeitliche Rahmen bewegt sich im Bereich von etwa 3 Sekunden. Der Hirnforscher und Gestaltpsychologe Ernst Pöppel spricht hier von einem „Wahrnehmungsfenster“, innerhalb dessen eine Integration von Reizen stattfinden kann. Sequentielle (zeitlich nacheinander ablaufende) Informationen wie sie beim Sprechen vermittelt werden, können als gleichzeitig wahrgenommen werden. In diesem Zeitraum gelingt (abgesehen von einigen wenigen rhetorisch geschulten Menschen, die über ein großes Repertoire „vorgestanzter“ Formulierungen verfügen) selten ein Satz „mit Punkt und Komma“. Dem Sprecher liegt im Allgemeinen zu Beginn seiner Äußerung noch keine endgültige syntaktische Struktur vor. Somit entsteht häufig die Notwendigkeit, das bereits eingeleitete Sprechen abzubrechen. Gedanken werden neu strukturiert, um dann neu zu beginnen (Satzabbruch) oder bestehende Konstruktionen werden in andere überführt (Anakoluth), so dass man mit gutem Recht von einer „allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden“ (Heinrich von Kleist) sprechen kann.
Eine mündliche Äußerung kann im Gegensatz zur Schriftsprache durch Korrekturen nicht mehr zurückgenommen werden, doch lässt sich der Weg der Sprachproduktion zurückverfolgen. Da es hier häufig zu Redundanzen kommt, erfüllen auch Korrekturen einen wichtigen kommunikativen Zweck: Disambiguierung (Schaffung von Eindeutigkeit), Präzisierung und Spezifizierung, inhaltliche Abschwächung oder Distanzierung. Selbst-Korrekturen (Reparaturen) dienen der Verständnissichertung, selten auch der Imagesicherung. Die Regulariteäten sind in Zifonun/Hoffmann/Strecker (1997:443ff.) dargestellt. Abbrüche können auch vom Interaktionspartner durch ein passendes Hörersignal, durch nonverbale Faktoren, wie einen „zweifelnden“ Blick oder ein Kopfschütteln, aber auch schlichtweg durch das Ausbleiben solcher Signale herbeigeführt werden. Ein beliebtes Spiel beim Telefonieren besteht in der Unterdrückung von Hörersignalen wie „hm“, „ja“. Nach kurzer Zeit erfolgt durch den Sprecher ein irritiertes „Bist Du noch dran?“.
Siehe auch: urban legend, Witz, Spruch, yarn und oral history
Gliederungssignale als kommunikatives Element der Sprache
Bis Mitte der 60er Jahre galt in Deutschland der Satz der Schriftsprache als Norm auch für die gesprochene Sprache. Im Zuge der „kommunikativ - pragmatischen Wende“ in der Linguistik, die unter der Einwirkung pragmatischer und soziolinguistischer Theorien zustandekam, wurden zu Beginn der 70er die Besonderheiten der gesprochenen Sprache gegenüber der Schriftsprache rehabilitiert. Eine große Rolle spielte auch die Kommunikationstheorie der Gruppe um Paul Watzlawick, nach der jede Kommunikation eine Einheit von Inhalts- und Beziehungsaspekt darstellt, eine Erkenntnis, der sich auch die Sprachwissenschaft auf Dauer nicht verschließen konnte.
Hier waren es speziell die Gliederungssignale, die als ein kommunikatives Element ausgemacht wurden, nachdem sie zuvor bei der Verschriftung gesprochener Texte als störend galten und regelmäßig getilgt wurden. Lexikalische (durch Laute repräsentierte) Hörer- und Sprechersignale, wie zum Beispiel „äh“, „öh“, „also“ und „nicht wahr“ sorgen in der mündlichen Kommunikation dafür, dass die Portionierung einer Äußerung in kleinere Einheiten möglich gemacht und die Beziehung von Sprecher und Hörer hinsichtlich der Redeübernahme (turn - taking) und der Sicherung des Rederechts geregelt wird.
Neben diesen lexikalischen Gliederungssignalen und der inhaltlich-thematischen Gliederung sind es vor allem prosodische Elemente, das heißt Stimmsenkung und -erhöhung, gefüllte und ungefüllte Pausen, die eine Binnengliederung der Sprecherbeiträge in kleinere kommunikative Einheiten bewirken.
Viele psychotherapeutische Richtungen kritisieren das „uneigentliche Sprechen“, was den Gebrauch von Einleitungsfloskeln wie „Ich meine..“, „ich denke, dass..“ etc. betrifft. Hier ist anzumerken, dass es sich meist nicht um eine referentielle (inhaltlich bezogene) Verwendung solcher Floskeln handelt. Es wird lediglich der Versuch gemacht, das Rederecht zu behaupten. Der redundante Teil der Äußerung wird dabei an den Anfang gestellt, so dass bei der Vergabe der Informationen das Rederecht als gesichert gelten kann.
Bei Erzählungen, die eine längere Aufmerksamkeit erfordern, erscheinen so genannte Episodenmarken als Einleitung: „Weißt Du, was mir gestern passiert ist?“,
„Hast du schon gehört?“. Hier signalisiert der Sprecher, dass er mit der Bereitschaft seiner Zuhörer rechnet, ihm für einen größeren Zeitraum das Wort zu überlassen. Oft ist mit einem falschen Signal schon die Grundlage für eine gestörte Kommunikation gesetzt. Wer im Freundeskreis seine Sätze mit "Pass mal auf..." einleitet, kann bei Fremden missverstanden werden, die die Floskel: "Passen Sie mal auf!" als Drohung oder Belehrung empfinden könnten.
Literatur
- Miller, George A.: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. Heidelberg 1993
- Pöppel, Ernst und Edinghaus, Anna-Lydia: Geheimnisvoller Kosmos Gehirn. München 1994. ISBN 3-570-12063-5
- Rath, Rainer: Kommunikationspraxis. Analysen zur Textbildung und Textgliederung im gesprochenen Deutsch. Göttingen 1979
- Schwitalla, Johannes: Gesprochene Sprache - dialogisch gesehen. In: Fritz, Gerd und Hundsnurscher, Franz (Hg.): Handbuch der Dialoganalyse.1994
- Watzlawick, Paul; Beavin. Janet H.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern 1972
- Zifonun, Gisela/Hoffmann, Ludger/Strecker, Bruno: "Grammatik der deutschen Sprache." Berlin/New York 1997
Kategorie:Sprache
ja:口語
RitualEin Ritual ist eine kulturell gebundene menschliche Handlung, die durch strukturierte Mittel die Wandlung eines Lebensbereiches in, über den Alltag hinaus reichende, Zusammenhänge bewirkt.
Rituale sind ein menschheitliches Phänomen. Sie ermöglichen durch den Umgang mit Grundfragen der Existenz das menschliche Miteinander. Dazu zählen Sicherheit, Ordnung ebenso wie die Sterblichkeit. Sie vermögen die Welt einfacher und handhabbarer zu machen und erleichtern Entscheidungen. Manchmal verkehren sich ihre Wirkungen aber auch ins Negative, dann setzt Ritualkritik ein.
Rituale dienen zumal der Rhythmisierung sozialer Abläufe (vgl. Karl Bücher: Arbeit und Rhythmus). So gibt es
- Zyklische Rituale, die dem tageszeitlichen, wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Kalender folgen, (z.B. das Sonnenwendfest);
- Lebenszyklische Rituale, z.B. Initiationsrituale (bei Geburt, Mannbarkeit etc.).
- ereignisbezogene Rituale, die z.B. bei bestimmten Krisen Anwendung finden (z.B. der Tod, eine Hungersnot etc.);
Zur Technologie des Rituals
Das Ritual weist nach Wallace die Aspekte der Technologie, Therapie und Antitherapie, der Ideologie bzw. sozialen Kontrolle, der Salvation und der Revitalisierung auf.
#Das Ritual als Technologie bezieht sich auf den Umgang mit der Umwelt. So werden durch Weissagungen Hinweise von höchster Instanz erwartet, die zur Entscheidungsfindung beitragen. Das Intensivierungsritual erstreckt sich auf Jagd-, Vieh-, Acker-, und Wetterzauber. Das Schutzritual soll Unglück und Katastrophen abwenden.
#Das Ritual als Therapie bzw. Antitherapie bezieht sich auf die Kontrolle des menschlichen Gesundheitsbereichs. Dabei meint Antitherapie Hexerei: übernatürliche Krankheitsursachen werden gefunden, Personen wird die Fähigkeit zugesprochen, andere negativ beeinflussen zu können. Der Hexenglaube fördert in einer Gesellschaft die soziale Kontrolle: Man vermeidet Anstößigkeit, um nicht verhext zu werden. Man sucht auf der anderen Seite die Unauffälligkeit, um nicht als Hexe verdächtigt zu werden. Antitherapeutischen Rituale der Hexen erhöhen Stress und Krankheitsrisiko, therapeutische Rituale verringern dieselben.
#Das Ritual als Ideologie bezieht sich auf Verhalten, Gefühle, Werte und Moralvorstellungen der Gesellschaft. Dies kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden: Übergangsriten beziehen sich auf die Rollenveränderung einer Person oder Gruppe im sozialen oder territorialen Bereich.
#Das Ritual als soziale Intensivierung betont die Identität einer Gruppe, es befriedet sie. Es ist wiederholbar wie die Kommunion oder der Gruß. Ebenso stabilisiert das Tabu das Miteinander. Rebellionsrituale bieten durch ritualisierte soziale Umkehrung eine "Ventilsitte" (Richard Thurnwald) und stabilisieren somit die bestehende Gesellschaft (vgl. die Saturnalien, den Karneval). Soziologisch gesehen sind Rituale geeignet, Widersprüchliches zu vereinen, wofür typisch ist, dass die Teilnehmer ihm kundig folgen können und wollen, obwohl sie die darin integrierten sozialen Konflikte im Einzelnen gar nicht nachvollziehen müssen; dem kundigen Feldforscher (etwa dem Ethnologen) sind jedoch die Signale des anders als rituell nicht zu Vereinbarenden erkennbar - z. B. verneigen sich (wie in Japan) beim Gruß die Grüßenden voreinander, davon ist der Kaiser nicht ausgenommen, aber der niedriger Stehende verbeugt sich tiefer. Lars Clausen: Das Ritual zeigt, was es verbirgt.
#Das Ritual als Salvation ("Heilung") bietet die Chance, Abweichungen wie Psychosen etc. zu integrieren und zu akzeptieren, da auf diesem Wege neue Schamanen geschaffen werden, welche durch den Kontakt zum Übernatürlichen hohe Bedeutung erlangen.
#Das Ritual als Revitalisierung Bestimmte Gruppen, die gesellschaftliche oder ethnische Unterdrückung und damit das Schwinden ihrer Normen erfahren (religiöse) Erweckungsbewegungen, die mittels Lösungsritualen ein besseres Leben bieten.
Religiöse Rituale
Rituale sind häufig im Bereich der Religion verankert. (siehe Ri | | |