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| 1. August |
1. AugustDer 1. August ist der 213. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 214. in Schaltjahren) - somit bleiben 152 Tage bis zum Jahresende.
Ereignisse
- 527 - Justinian I. wird byzantinischer Kaiser.
- 762 - Kalif al-Mansur erhebt Bagdad zur Hauptstadt des Kalifats.
- 1291 - Mythos: Gründung der Schweiz (Rütli-Schwur, Nationalfeiertag).
- 1619 - Die ersten Sklaven kommen in Jamestown (Virginia) an.
- 1664 - Graf Raimund von Montecuccoli besiegt in der Schlacht bei Mogersdorf ein türkisches Heer unter Achmed Köprülü.
- 1714 - Kurfürst Georg Ludwig von Hannover wird britischer König (Georg I.).
- 1834 - Großbritannien entläßt die Sklaven in die Freiheit.
- 1838 - Krönung von Königin Viktoria I. von England.
- 1844 - Eröffnung des Berliner Zoos - der erste Zoo Deutschlands (der 9. in Europa).
- 1855 - Erstbesteigung der Dufourspitze, des höchsten Bergs der Schweiz, durch eine Seilschaft unter der Leitung von Charles Hudson.
- 1914 - Das Deutsche Reich erklärt Russland den Krieg.
- 1919 - Ende der ungarischen Räterepublik.
- 1929 - Das preußische Gesetz zur kommunalen Neuordnung tritt in Kraft. Die Stadt Barmen-Elberfeld wird durch Vereinigung von Barmen und Elberfeld gegründet und ein Jahr später in Wuppertal umbenannt. Die Stadtkreise Duisburg und Hamborn werden zur Stadt Duisburg-Hamborn vereinigt.
- 1936 - Eröffnung der XI. Olympische Spiele in Berlin
- 1941 - Der erste Jeep wird produziert.
- 1943 - Das von Japan besetzte Birma erklärt Großbritannien und den USA den Krieg und proklamiert die staatliche Unabhängigkeit.
- 1944 - Anne Frank macht den letzten Eintrag in ihr Tagebuch.
- 1944 - Aufstand der polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzungstruppen im besetzten Warschau (Warschauer Aufstand).
- 1944 - Neuer Reichspräsident in Finnland wird Carl Gustaf von Mannerheim.
- 1945 - Die Frankfurter Rundschau erscheint als die erste Lizenzzeitung im Deutschland der Nachkriegszeit.
- 1953 - Gründung der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) als Träger der gesetzlichen Rentenversicherung.
- 1955 - In Österreich wird vom ORF die erste Fernsehsendung ausgestrahlt.
- 1960 - Benin, das damalige Dahomey, erhält die Unabhängigkeit von Frankreich.
- 1960 - Ingrid Pedersen überfliegt in einer einmotorigen Cessna als erste Frau den Nordpol.
- 1966 - bei einem Amoklauf erschießt Charles Whitman 15 Menschen von der Aussichtsplattform im Turm der Universität Texas in Austin aus, bevor er selbst von der Polizei erschossen wird.
- 1975 - OSZE-Gipfeltreffen in Helsinki: Gründung der KSZE und Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki.
- 1976 - In Wien stürzt die Reichsbrücke ein.
- 1984 - Beginn der Sanktonierung gegen nicht angeschnallte Autofahrer („Gurtmuffel“) in der Bundesrepublik Deutschland.
- 1990 - Schelju Schelew wird Staatspräsident Bulgariens.
- 1994 - Die Republik Niger wird Mitglied in der UEMOA (Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft).
- 1998 - In den deutschsprachigen Ländern tritt die Rechtschreibreform in Kraft.
- 2000 - Mosche Katsav wird als erster Likud-Politiker Staatspräsident von Israel.
- 2001 - Mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft werden gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland erstmals rechtlich anerkannt.
Wirtschaft
Wissenschaft, Technik
- 1930 - Erste Fernsehempfangsgeräte sind auf der 7. Großen Deutschen Funkausstellung in der Vorführphase.
- 1972 - Das mit 100 m Durchmesser bis 2000 größte frei bewegliche Radioteleskop der Welt wird in Effelsberg in Betrieb genommen.
Kultur
- 1981 - MTV geht in New York City auf Sendung.
Religion
Katastrophen
- 1948 - Das französische Wasserflugzeug Latecoere 631 verunglückt über dem Atlantik mit 52 Menschen an Bord.
- 1990 - Eine aus Eriwan, Armenien kommende Jakowlew Jak-40 der Aeroflot prallt beim Anflug auf Stepanakert, Nagorny-Karabach bei schlechter Sicht gegen einen Berg. Keiner der 47 Insassen überlebt.
- 2004 - Beim Brand eines Supermarktes in Asuncion (Paraguay) sterben 215 Menschen.
Sport
- Einträge im Bereich Formel 1 siehe Formel 1.
- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden s. u. der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1922 - Als erste Sport-Rundfunkreportage wird das Autorennen in Brooksland (USA) live übertragen.
- 1987 - Mike Tyson gewinnt seinen Boxkampf und damit den Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Tony Tucker im Hilton Hotel, Las Vegas durch Sieg nach Punkten.
- 1976 - Niki Lauda verunglückt am Nürburgring schwer.
Geboren
- 10 v. Chr. - Claudius, römischer Kaiser
- 126 - Pertinax, römischer Kaiser
- 1377 - Go-Komatsu, 100. Kaiser von Japan
- 1495 - Jan van Scorel, niederländischer Maler
- 1500 - Johann Rivius, deutscher Pädagoge und Theologe
- 1685 - Pier Giuseppe Sandoni, italienischer Komponist
- 1714 - Richard Wilson, britischer Maler
- 1744 - Jean-Baptiste de Lamarck, französischer Naturforscher
- 1770 - William Clark, amerikanischer Entdecker
- 1779 - Francis Scott Key, US-amerikanischer Lyriker
- 1779 - Lorenz Oken, deutscher Naturforscher
- 1782 - Eugen von Mazenod, katholischer Heiliger
- 1802 - Karl Uschner, deutscher Übersetzer antiker Dichtungen
- 1818 - Maria Mitchell, US-amerikanische Astronomin
- 1819 - Herman Melville, US-amerikanischer Autor
- 1858 - Hans Rott, österreichischer Komponist
- 1863 - Gaston Doumergue, französischer Präsident
- 1865 - Alfred Hoche, deutscher Psychiater
- 1881 - Rose Macauley, britische Schriftstellerin
- 1881 - Otto Toeplitz, deutsch-jüdischer Professor der Mathematik
- 1882 - Reinhold Wulle, deutscher Politiker und Publizist
- 1885 - George de Hevesy, ungarischer Physiochemiker
- 1889 - Walther Gerlach, deutscher Physiker
- 1891 - Enrique Mario Casella, argentinischer Komponist
- 1891 - Karl Kobelt, schweizerischer Politiker und Bundesrat
- 1893 - Alexandros I., König von Griechenland
- 1894 - Ottavio Bottecchia, italienischer Radrennfahrer
- 1898 - Morris Stoloff, US-amerikanischer Musiker und Bandleader
- 1907 - Marga von Etzdorf, deutsche Pilotin
- 1908 - William Ling, englischer Fußball-Schiedsrichter
- 1913 - Bhagwan, indischer Sektengründer
- 1913 - Heinz Ellenberg, deutscher Biologe, Botaniker, Landschaftsökologe
- 1915 - Hann Trier, deutscher Maler, unter anderem des Informel, und Grafiker
- 1918 - Artur „Atze“ Brauner, deutscher Filmproduzent
- 1922 - Hans Löfflad, deutscher Politiker
- 1924 - Georges Charpak, französischer Physiker
- 1925 - Ernst Jandl, österreichischer Schriftsteller
- 1926 - Theo Adam, deutscher Sänger
- 1929 - Josef Homeyer, Bischof von Hildesheim
- 1930 - Lionel Bart, britischer Komponist
- 1930 - Pierre Bourdieu, französischer Soziologe
- 1933 - Dom DeLuise, US-amerikanischer Schauspieler
- 1933 - Ko Ûn, koreanischer Dichter und Schriftsteller
- 1934 - Oskar Negt, deutscher Sozialphilosoph
- 1936 - Yves Saint Laurent, französischer Modedesigner
- 1938 - Bernward Vesper, deutscher Schriftsteller
- 1940 - Horst Herrmann, deutscher Kirchenkritiker
- 1942 - Claes-Håkan Ahnsjö, schwedischer Tenor
- 1942 - Jerry Garcia, US-amerikanischer Musiker und Songschreiber
- 1943 - Geoff Britton, britischer Musiker
- 1945 - Douglas D. Osheroff, US-amerikanischer Physiker
- 1946 - Peter F. Bringmann, deutscher Regisseur
- 1946 - Boz Burell, britischer Musiker
- 1947 - Rick Coonce, US-amerikanischer Musiker
- 1948 - Ditmar Staffelt, deutscher Politiker
- 1950 - Roy Williams, US-amerikanischer Basketballtrainer
- 1952 - Zoran Đinđić, serbischer Politiker
- 1953 - Robert Cray, US-amerikanischer Musiker
- 1954 - Michael Badnarik, US-amerikanischer Software-Ingenieur und Politiker
- 1956 - Axel Milberg, deutscher Schauspieler
- 1957 - Beate Merk, deutsche Politikerin
- 1957 - Klaus Brähmig, deutscher Politiker
- 1959 - Peter-Martin Schmidt, Generalvikar im Bistum Fulda
- 1960 - Chuck D, US-amerikanischer Rapper
- 1960 - Ann-Kathrin Linsenhoff, deutsche Dressurreiterin
- 1960 - Joe Elliot, britischer Sänger
- 1963 - Coolio, US-amerikanischer Rapper und Schauspieler
- 1965 - Sam Mendes, britischer Regisseur
- 1968 - Marco Börries, deutscher Unternehmer
- 1970 - Fabio Casartelli, italienischer Radrennfahrer
- 1974 - Enie van de Meiklokjes, deutsche TV-Moderatorin
- 1979 - Sascha Bäcker, deutscher Fußballspieler
- 1984 - Bastian Schweinsteiger, deutscher Fußballspieler
Gestorben
- 1137 - Ludwig VI., König von Frankreich 1108-1137
- 1252 - Giovanni Piano Carpini, italienischer Forschungsreisender
- 1348 - Blanca Margarete von Valois, erste Ehefrau des böhmischen Königs Karl I.
- 1443 - Metrophanes II., ökumenischer Patriarch von Konstantinopel
- 1457 - Lorenzo Valla, italienischer Humanist und Kanoniker
- 1464 - Cosimo de Medici, florentiner Politiker
- 1546 - Peter Faber, Mitbegründer der Jesuiten
- 1562 - Virgilius Solis, deutscher Zeichner und Kupferstecher
- 1580 - Albrecht Giese, Danziger Ratsherr und Diplomat
- 1580 - Everard Mercurian, Jesuit
- 1589 - Heinrich III., König von Frankreich
- 1589 - Jacques Clément, Dominikanermönch, der den französischen König Heinrich III. erstach
- 1714 - Anne Stuart, Königin von England und Schottland und von Irland
- 1787 - Alfonso Maria de Liguori, italienischer Jurist, Bischof und Ordensgründer
- 1798 - Aristide Aubert Dupetit-Thouars, französischer Admiral
- 1798 - François-Paul Brueys d'Aigalliers, französischer Admiral
- 1815 - James Gillray, britischer Karikaturist
- 1845 - Conrad Daniel Graf von Blücher-Altona, Oberpräsident von Altona
- 1851 - Wilhelm Joseph Behr, deutscher Jurist, Politiker und Schriftsteller
- 1861 - Johann Philipp Abresch, deutscher Demokrat
- 1869 - Alexandrine Tinné, niederländische Entdeckerin und Afrikaforscherin
- 1882 - Henry Kendall, australischer Schriftsteller
- 1884 - Heinrich Laube, deutscher Schriftsteller und Dramatiker
- 1895 - Heinrich von Sybel, deutscher Historiker
- 1907 - Ernesto Rodolfo Hintze Ribeiro, portugiesischer Politiker
- 1911 - Konrad Duden, deutscher Gymnasiallehrer, Herausgeber des Duden
- 1913 - Lesja Ukrainka, ukrainische Dichterin, Dramaturgin und Übersetzerin
- 1935 - Alfred Müller, Ethnologe, Autor, Realschuldirektor
- 1935 - Hellmut von Gerlach, deutscher Politiker und Publizist
- 1940 - Hugo Lederer, Bildhauer
- 1944 - Antoine de Saint Exypéry vermisst, französischer Schriftsteller
- 1959 - Jean Behra, französischer Rennfahrer
- 1968 - Anton Hoppe, deutscher Politiker
- 1970 - Frances Farmer, US-amerikanische Schauspielerin
- 1970 - Otto Heinrich Warburg, deutscher Biochemiker, Arzt und Physiologe
- 1973 - Gian Francesco Malipiero, italienischer Komponist und Musikwissenschaftler
- 1973 - Walter Ulbricht, Politiker (SED) und Staatsmann, Staatsratsvorsitzender der DDR
- 1974 - Alois Hundhammer, deutscher Politiker, Minister und stellvertretender Ministerpräsident
- 1974 - Ildebrando Antoniutti, Kardinal der römisch-katholischen Kirche
- 1977 - Francis Gary Powers, US-amerikanischer Pilot
- 1979 - Ethelbert Stauffer, protestantischer Theologe
- 1980 - Patrick Depailler, französischer Formel 1-Rennfahrer
- 1981 - Paddy Chayefsky, US-amerikanischer Autor
- 1982 - Otto Bayer, deutscher Chemiker
- 1984 - Paul Le Flem, französischer Komponist
- 1985 - Alois Carigiet, schweizerischer Zeichner
- 1986 - Robert Wolfgang Schnell, deutscher Schriftsteller
- 1987 - Pola Negri, polnische Schauspielerin und ein Star des Stummfilms
- 1990 - Norbert Elias, deutsch-britischer Soziologe, Philosoph und Dichter
- 1996 - Mohammed Farah Aidid, Führer des somalischen Habr Gidr-Klans
- 1996 - Tadeus Reichstein, schweizer Chemiker
- 1997 - Swjatoslaw Teofilowitsch Richter, sowjetischer Pianist
- 2000 - Karl Reinthaler, österreichischer Politiker
- 2003 - Guy Thys, belgischer Fußball-Nationaltrainer
- 2003 - Marie Trintignant, französische Schauspielerin
- 2004 - Madeleine Robinson, französische Schauspielerin
- 2005 - König Fahd von Saudi Arabien
- 2005 - Constant, niederländischer Maler und Bildhauer
Feier- und Gedenktage
- Schweizer Nationalfeiertag zum Gedenken an den (Rütli-Schwur von 1291)
- Nationalfeiertag in Benin (Unabhängigkeitstag von 1960)
- Katholische Kirche: Alfons - Gebotener Gedenktag für Alfonso Maria de Liguori, Kirchenlehrer und Schutzpatron der Beichtväter und Moraltheologen
Siehe auch
- 31. Juli - 2. August
- 1. Juli - 1. September
- Historische Jahrestage - Zeitskala
- Wikipedia:Glaskugel - Wikipedia:Formatvorlage Tag
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Gregorianischer KalenderDer gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII., ist der heute in den meisten Teilen der Welt gültige Kalender.
Gregorianische Kalenderreform
Kalender
Das erste Konzil von Nizäa bestimmte im Jahre 325, dass das Osterfest immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlings-Anfang (bezogen auf Jerusalem) gefeiert werden sollte. Das astronomische Ereignis des Primar-Äquinoktiums (Frühlings-Tagundnachtgleiche der nördlichen Hälfte unseres Planeten) fand im Konzilsjahr 325 am 21. März statt, und die julianische Schalttagsregelung wurde damals noch nicht als verbesserungsbedürftig erkannt. Der damals gültige julianische Kalender ging von einem mittleren Sonnenjahr von 365,25 Tagen aus und glich die Differenz (bezogen auf 365 Tage) von annähernd 6 Stunden alle vier Jahre durch die Einfügung eines Schalttags aus. Gegenüber dem vom tatsächlichen Gang der Himmelsmechanik astronomisch vorgegebenen Sonnenjahr, das im Jahre 2000 auf 365,242190517 Tage bestimmt wurde -also etwa 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45,25 Sekunden- war das Jahr des julianischen Kalenders also etwas mehr als 11 Minuten zu lang. Bis ins 16. Jahrhundert, zur Zeit Papst Gregors XIII., hatte sich dieser Fehler so ausgewirkt, dass das Primar-Äquinoktium im Jahr 1582 schon am 11. März stattfand.
Diese Verschiebung des Kalenders war jedoch schon längere Zeit vorher offenkundig geworden. Seit dem 14. Jahrhundert wurden immer wieder Vorschläge für eine Kalenderreform unterbreitet – u. a. durch Nikolaus von Kues, Regiomontanus und Nikolaus Kopernikus. Diese waren aber stets abgelehnt worden. Gleichwohl bildeten Kopernikus' Werk De Revolutionibus Orbium Coelestium (»Von den Umdrehungen der Himmelskörper«) sowie die prutenischen Tafeln von Erasmus Reinhold die Basis für die schließlich von Papst Gregor XIII. dekretierte Reform.
Um die Frühlings-Tagundnachtgleiche wieder mit dem 21. März in Übereinstimmung zu bringen und Ostern wieder am richtigen Tage feiern zu können, folgte der Papst dem Vorschlag des Mediziners und Hobby-Astronomen Aloisius Lilius und bestimmte, dass im Jahre 1582 zehn Tage übersprungen werden sollten. Daher folgte in einigen römisch-katholischen Ländern auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober – die Abfolge der Wochentage blieb dabei jedoch unverändert. Damit fand das Primar-Äquinoktium dort im Folgejahr 1583 wieder am 21. März statt; die Zeitrechnung innerhalb des Christentums war jedoch nicht mehr einheitlich. Damit war die Ausgangslage, wie sie zur Zeit des Konzils bestand, wieder ungefähr hergestellt.
Um ein erneutes Abrücken des 21. März vom Zeitpunkt des Primar-Äquinoktiums für alle Zukunft zu vermeiden, legte der neue gregorianische Kalender die Dauer des mittleren Sonnenjahrs auf 365,2425 statt wie bisher auf 365,25 Tage fest. Diese Verkürzung erfolgte dadurch, dass – abweichend von der Schaltregel des julianischen Kalenders – die Jahre keinen Schalttag haben, deren Zahl zwar ohne Rest durch 100, nicht aber durch 400 geteilt werden kann.
Weil bis zur ersten Anwendung dieser neuen Ausnahmeregel im Jahre 1700 noch 117 Jahre vergingen, hat sich der Kalender gegenüber dem astronomischen Ereignis des Primar-Äquinoktiums im Durchschnitt wieder um 1 Tag verrückt. Seither pendelt es zwischen dem 19. und 21. März.
Die Schaltregeln
- Nach der grundsätzlich weiterhin gültigen Julianischen Schaltregel weisen Jahre, deren Zahlen durch 4 dividiert natürliche Zahlen ergeben, im Februar einen 29. Tag (“Schalttag“) auf und umfassen dadurch als Schaltjahre 366 Tage.
- Die Gregorianische Schaltregel bestimmt hiervon drei Ausnahmen : Keine Schaltjahre sind diejenigen Säkular-Jahre (Jahre, deren Zahl am Ende zwei Nullen aufweist), deren Zahl durch 400 dividiert keine natürliche Zahl ergibt.(Deshalb waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre, und auch die Jahre 2100, 2200 und 2300 werden keine Schaltjahre sein.)
oder:
- Ist die Jahreszahl durch 4 teilbar, aber nicht durch 100, dann ist es ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Beispiele: 1980, 1972, 1720.
- Ist die Jahreszahl durch 100 teilbar, aber nicht durch 400, dann ist das Jahr ein gewöhnliches Gemeinjahr und hat nur 365 Tage, z. B. in den Jahren 1700, 1800 und 1900 oder ferner 2100.
- Ist die Jahreszahl durch 400 teilbar, ist das Jahr ein Schaltjahr. Die Jahre 1600 und 2000 waren – in Übereinstimmung mit der Julianischen Schaltregel – Schaltjahre zu 366 Tagen.
Einführung des gregorianischen Kalenders in verschiedenen Ländern
Nur wenige Länder wie Spanien oder Portugal übernahmen den gregorianischen Kalender tatsächlich am 4./15. Oktober 1582. Die meisten römisch-katholischen Länder Europas folgten in den nächsten Jahren, während die protestantischen Länder den neuen Kalender, weil vom Papst dekretiert, zunächst ablehnten. Beispielsweise führten ihn die meisten katholischen Kantone der Schweiz 1584 ein, das Wallis jedoch erst 1655. Dort folgte damals auf den 28. Februar der 11. März. Die evangelischen Territorien des Deutschen Reichs übernahmen den gregorianischen Kalender erst 1700. Auf den 18. Februar folgte dort unmittelbar der 1. März 1700. Zuvor mussten beispielsweise Verträge zwischen katholischen und protestantischen Fürsten mit beiden Daten versehen werden, etwa als 5./15. Oktober 1582. Um die Jahreswende differierten die Jahreszahlen zwischen den Gebieten des alten und neuen Kalenders. Aus dieser Zeit stammt der Ausdruck »zwischen den Jahren« für die Tage nach Weihnachten. Die reformierten Orte der Schweiz folgten ein Jahr später, allerdings mit drei Ausnahmen: Der protestantische Halbkanton Appenzell Ausserrhoden und die protestantischen Teile von Glarus und Graubünden. Der offizielle Übergang zum neuen Kalender sollte dort bis 1812 dauern; der alte Kalender blieb aber noch länger in der Bevölkerung lebendig. Die Appenzeller Silvesterkläuse werden noch immer am 31. Dezember nach dem julianischen Kalender (13. Januar nach dem gregorianischen Kalender) gefeiert. In England (und auch in den späteren USA) wurde der gregorianische Kalender erst in der Nacht vom 2. September auf den 14. September 1752 eingeführt.
Die orthodoxen Länder Osteuropas behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. Da die Jahre 1700, 1800 und 1900 in Russland Schaltjahre gewesen sind, machte die Abweichung vom gregorianischen Kalender dort mittlerweile 13 Tage aus. Die russische Oktoberrevolution 1917 fiel deshalb nach dem gregorianischen Kalender auf den 7. November. An diesem Tag wurde die Revolution denn auch bis zum Ende der Sowjetunion gefeiert, nachdem Russland 1918 die neue Kalenderrechnung eingeführt hatte. Einige orthodoxe Kirchen (z. B. in Russland und Serbien) begehen ihre feststehenden Feste weiterhin nach dem julianischen Kalender. Ihr Weihnachten (25. Dezember) fällt darum derzeit auf den 7. Januar (greg.). Andere orthodoxe Kirchen (z. B. in Griechenland und Bulgarien) verwenden hierfür den so genannten neo-julianischen Kalender, der bis zum Jahr 2799 dem gregorianischen Kalender entsprechen wird. Alle orthodoxen Kirchen berechnen Ostern und die anderen beweglichen Feste nach dem julianischen Frühlingsanfang sowie nach dem metonischen Vollmond; das Fest fällt daher nur gelegentlich mit dem Osterdatum der westlichen Kirchen zusammen; meist ist es eine, vier, oder fünf Wochen später als im Westen.
Als bisher letzter Staat übernahm 1927 die Türkei den gregorianischen Kalender; dort hatte bis dahin der islamische Kalender gegolten. Die nicht zeitgleiche Einführung des gregorianischen Kalenders in den verschiedenen Ländern sorgte für Verwirrung, aber auch für interessante Paradoxa: So sind sowohl William Shakespeare als auch Miguel de Cervantes am 23. April 1616 gestorben, obwohl Shakespeare Cervantes um 11 Tage überlebt hat. Auch die Feiern des Geburtstags von George Washington wurden verschiedentlich am 11. und am 22. Februar ausgerichtet, bis zu einer bundesgesetzlichen Feiertagsregelung.
Charakteristika
Die Regeln des gregorianischen Kalenders führen zu einer durchschnittlichen Länge des Kalenderjahres von 365,2425 Tagen.
Das sogenannte tropische Jahr – der zwischen zwei aufeinanderfolgenden Primar-Äquinoktien (Frühlings-Tag-Nachtgleichen) liegende Zeitraum – ist gegenwärtig im Mittel 365,24219879 mittlere Sonnentage lang. Danach ist also auch der gregorianische Kalender im Verhältnis zur astronomischen Wirklichkeit etwas zu lang, nämlich 0,000301 Tage (= 26 Sekunden) pro Jahr. Das bedeutet, dass nach rund 3320 Jahren das Primar-Äquinoktium wieder einen ganzen Tag früher eintreten würde. Sofern bis dahin die christliche Jahreszählung beibehalten wird, würde es sich anbieten, in allen durch 3200 teilbaren Jahren den Schalttag wiederum entfallen zu lassen, wenn auch zu jener Zeit noch die Bindung des Primar-Äquinoktiums an den 21. März gewünscht wird.
Der gregorianische Kalender hat eine Periode von 400 Jahren: Nach dieser Zeit wiederholen sich nicht nur der Ablauf der Schalttage und damit die Tages- und Monatszählung, sondern auch die zugehörigen Wochentage. 400 Jahre enthalten nämlich 400×365 + 97 Tage, also 146097 Tage; das sind genau 20871 Wochen; es geht also nach 400 Jahren mit demselben Wochentag weiter. Infolge dieser Periodizität kann ein bestimmtes Datum (Tag und Monat oder nur Tag) nicht gleich häufig auf alle Wochentage fallen. Ausgerechnet der 13. eines beliebigen Monats fällt öfter (nämlich 688mal in 400 Jahren) auf einen Freitag als auf andere Wochentage (Donnerstag und Samstag: 684mal, Montag und Dienstag: 685mal, Sonntag und Mittwoch: 687mal).
Siehe auch
- Julianischer Kalender, Osterdatum
- Umrechnung zwischen julianischem Datum und gregorianischem Kalender, Wochentagsberechnung
- Zeitrechnung, Kalender, Jüdischer Kalender, Christlicher Kalender, Islamischer Kalender, Chinesischer Kalender, v. u. Z., v. d. Z., v. d. Chr., n. d. Chr., v. Chr., n. u. Z., n. d. Z., n. Chr.
Wikipedia-Links zum Themenkomplex Kalender und Zeit
Weblinks
- [http://personal.ecu.edu/MCCARTYR/inter-grav-text.html Papst Gregor XIII: Inter Gravissimas – Die päpstliche Bulle, mit der der gregorianische Kalender verordnet wurde]
- [http://www.fh-friedberg.de/users/boergens/marken/beispiele/kalender.htm Briefmarke: Sondermarke zur Vollendung der ersten Periode des gregorianischen Kalenders]
- [http://www.kalenderlexikon.de 1. deutsches Online-Kalenderlexikon]
Kategorie:Kalender
als:Gregorianischer Kalender
ja:グレゴリオ暦
ko:그레고리력
ms:Kalendar Gregorian
simple:Gregorian calendar
th:ปฏิทินเกรกอเรียน
527
Politik und Weltgeschehen
- 1. April - Der oströmische Kaiser Justin I. bestimmt seinen Neffen Justinian I. zum Mitkaiser und Thronerben.
- 1. August - Justinian I. wird nach dem Tod seines Onkels Justin I. dessen Nachfolger als oströmischer Kaiser.
- Gründung des Königreiches von Essex nördlich der Themse durch Angelsachsen unter Aescwin.
- um 527 - Der Überlieferung nach Sieg des Königs Cerdic von Wessex über die Briten bei Chearsley.
-
- 1. August - Justin I., oströmischer Kaiser, stirbt in Konstantinopel
Staatsoberhäupter
Afrika
- Vandalisches Königreich - Hilderich, König der Wandalen und Alanen (523 - 530)
Asien
- Japan - Keitai, japanischer Kaiser (507 - 531)
- Lachmidenreich - Mundir III., König der Lachmiden (505 - 554)
- Persien (Sassaniden) - Kavadh I. (498 - 531)
- Korea (Geumgwan Gaya) - Guhyung Wang (521 - 532)
Europa
- Burgundisches Königreich - Godomar II., König der Burgunder (524 - 534)
- Byzantinisches Reich -
- Justin I., byzantinischer Kaiser (518 - 527)
- Justinian I., byzantinischer Kaiser (527 - 565)
- Frankenreich -
- Theuderich I., Herrscher des Königreichs von Reims (511 - 533)
- Childebert I., Herrscher des Königreichs von Paris (511 - 558)
- Chlothar I., Herrscher des Königreichs von Soissons (511 - 561)
- Königreich Essex - Aescwine von Essex, König (527 - 587)
- Königreich von Kent - Ohta, König in Canterbury (512 - 540)
- Ostgotisches Reich - Athalarich, König der Ostgoten ((526 - 534)
- Amalasuntha, übt als Vormund die Macht aus (526 - 535)
- Tolosanisches Reich - Amalrich, König der Westgoten (511 - 531)
Ohne eigenen Staat
- Felix III., Papst (526 - 530)
- Epiphanios, Patriarch von Konstantinopel (520 - 535)
ko:527년
Liste der byzantinischen KaiserIn der Forschung werden die Herrscher der spätantiken Phase des Reiches (bis etwa 602) auch als oströmische Kaiser bezeichnet.
- Konstantin I. (alleine 324–337)
- Konstantin II. (337–340)
- Constans (337–350)
- Constantius II. (337–361)
- Julian Apostata (361–363)
Ende der konstantinischen Dynastie
- Jovian (363–364)
- Valens (364–378)
- Theodosius I., der Große (379–395)
- Arcadius (395–408)
- Theodosius II. (408–450)
- Pulcheria (Mit-)Regentin für Ihren Bruder Thedosius II. 408–450
- Markian (450–457)
- Leo I. (457–474)
- Leo II. (474)
- Zenon (474–475) 1. Regierungszeit
- Basiliskos (475–476)
- Zenon (476–491) 2. Regierungszeit
- Anastasios I. (491–518)
- Justin I. (518–527)
- Justinian I. (527–565)
- Justin II. (565–578)
- Tiberios I. Konstantinos (578–582) Gehörte durch Adoption zur Dynastie Justinians
- Maurikios (582–602) Schwiegersohn des Tiberios
Ende der justinianischen Dynastie
- Phokas (602–610)
Dynastie des Herakleios
- Herakleios (610–641)
- Konstantin III. und Heraklonas (641)
- Heraklonas und Konstans II. (641)
- Konstans II. (641–668)
- Konstantin IV. Pogonatos (668–685)
- Justinian II. (685–695) 1. Regierungszeit
- Leontios (695–698) Kaiser an Stelle Justinians II.
- Tiberios II. (698–705) Kaiser an Stelle Justinians II.
- Justinian II. (705–711) 2. Regierungszeit
Ende der herakleischen Dynastie
- Philippikos (711–713)
- Anastasios II. (713–715)
- Theodosios III. (715–717)
Die syrische Dynastie wird oft auch als isaurische Dynastie bezeichnet, was aber falsch ist, da Leo III. aus Syrien stammte.
- Leo III. Isauros (717–741)
- Konstantin V. (741–775)
- Artabasdos, Gegenkaiser (741–743)
- Leo IV. (775–780)
- Konstantin VI. (780–797)
- Irene von Athen (797–802)
- Nikephoros I. (802–811)
- Staurakios (811)
- Michael I. Rangabe (811–813)
- Leo V. (813–820)
- Michael II. (820–829)
- Theophilos (829–842)
- Michael III. (842–867)
- Basileios I. (867–886)
- Leo VI. (886–912)
- Alexander (912–913)
- Konstantin VII. Porphyrogennetos (913–959)
- Romanos I. Lakapenos (920–944)
- Romanos II. (959–963)
- Nikephoros II. Phokas (963–969)
- Johannes I. Tzimiskes (969–976)
- Basileios II. (976–1025)
- Konstantin VIII. (1025–1028)
- Romanos III. Argyros (1028–1034)
- Michael IV. (1034–1041)
- Michael V. (1041–1042)
- Zoe und Theodora III. (1042)
- Konstantin IX. Monomachos (1042–1055)
- Georg Maniakes, Gegenkaiser (1042-1043)
- Theodora III. (1055–1056) 2. Regierungszeit
- Michael VI. (1056–1057)
- Isaak I. Komnenos (1057–1059)
Dynastie der Dukai
- Konstantin X. Dukas (1059–1067)
- Romanos IV. Diogenes (1068–1071)
- Michael VII. Dukas (1071–1078)
- Nikephoros III. Botaneiates (1078–1081)
- Alexios I. Komnenos (1081–1118)
- Johannes II. Komnenos (1118–1143)
- Manuel I. Komnenos (1143–1180)
- Alexios II. Komnenos (1180–1183)
- Andronikos I. Komnenos (1183–1185)
- Isaak II. Angelos (1185–1195)
- Alexios III. Angelos (1195–1203)
- Isaak II. Angelos (2. Amtszeit) und Alexios IV. Angelos (1203-1204)
- Alexios V. Murtzuphlos (1204)
- Theodor I. Laskaris (1204–1222)
- Johannes III. Dukas Batatzes (1222–1254)
- Theodor II. Laskaris (1254–1258)
- Johannes IV. Laskaris (1258–1261)
- Michael VIII. Palaiologos (1259–1282)
- Andronikos II. Palaiologos (1282–1328)
- Michael IX. Palaiologos, Mitkaiser (1294–1320)
- Andronikos III. Palaiologos (1328–1341)
- Johannes V. Palaiologos (1341–1391)
- Johannes VI. Kantakuzenos (1347–1354)
- Andronikos IV. Palaiologos (1376–1379)
- Johannes VII. Palaiologos (1390)
- Manuel II. Palaiologos (1391–1425)
- Johannes VIII. Palaiologos (1425–1448)
- Konstantin XI. Palaiologos (1449–1453)
Siehe auch
- Liste der römischen Kaiser
- Byzantinisches Reich
!
Kaiser, Byzanz
ja:ローマ皇帝一覧#東ローマ帝国
ms:Daftar Maharaja Byzantine
KalifDas Kalifat (abgeleitet aus dem arabischen khilâfa bzw. khalîfa rasûl Allâh (); arabisch khalîfa, Plural khulafâ’ "Nachfolger, Stellvertreter, Kalif", wörtlich also "die Nachfolger des Gesandten Gottes". Allerdings wurde unter Auslassung des Wortes rasûl schon unter den Umayyaden der Titel in khalîfat Allâh , "Stellvertreter Gottes [auf Erden]" geändert) ist eine islamische Regierungsform, bei der säkulare und geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind.
Mohammeds Lehre basierte nach seiner Auswanderung nach Medina auf einem theokratischen Modell: er war sowohl der Führer der religiösen Bewegung, als auch der Herrscher über den Machtbereich, in dem dieser Glauben gelebt wurde. Das Kalifat war somit nicht nur ein Amt, es wurde auch mit dem Machtbereich gleichgesetzt, dem Reich des Kalifen.
Siehe auch: Liste der Kalifen
Liste der Kalifen
Geschichte
Die Anfänge
Mohammed besaß keine direkten männlichen Nachkommen und hatte auch keinen Nachfolger bestimmt oder eine Prozedur zu dessen Wahl festgelegt. Nach seinem Tod 632 trafen sich die muslimischen Führer der Gemeinden. Ein Teil von ihnen vertrat die Meinung, Mohammed habe seinen Schwiegersohn Ali ibn Abi Talib zu seinem Nachfolger auserkoren. Der Großteil der Muslime war davon nicht überzeugt und legte erste Richtlinien für die Nachfolge fest. Demnach musste der Nachfolger des Propheten ein Araber aus dem Stamm Mohammeds (den Quraisch) sein, der zum einen für die Einhaltung der Regeln des islamischen Glaubens verantwortlich war, zum anderen die Verbreitung der Bewegung mit allen Mitteln, auch durch den Dschihad genannten Krieg, vorantreiben sollte. Die Mehrheit der muslimischen Führer wählte Abu Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, zum Nachfolger des Propheten. Dieser nahm den Titel chalifat rasul allah an.
634 wurde Umar ibn al-Chattab zum zweiten Kalifen gewählt. In seiner Amtszeit dehnte sich die Macht der Muslime auf Syrien (635-636), den Irak/Mesopotamien (636) und Ägypten (639-642) aus. Nach dem Sieg der Muslime bei Nehawend (südlich von Hamadan) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig auseinander (siehe Islamische Expansion).
Uthman ibn Affan, ein Schwiegersohn Mohammeds, wurde 644 zum dritten Kalifen gewählt. Bedeutung erlangte seine Regierungszeit vor allem durch die endgültige Abfassung des Koran. Er setzte aber auch die Expansionen seines Vorgängers fort. So wurde Tripolitanien (heute Libyen; 647) und weitere Teile des Iran erobert sowie erste Vorstöße nach Anatolien unternommen. Doch mit der Zeit machte er sich durch die Bevorzugung seiner Sippe (Umayyaden) bei der Ämter- und Beuteverteilung etliche Feinde, insbesondere unter den Heerführern und Muslimen der eroberten Gebiete. 656 wurde er von aufständischen Muslimen aus Ägypten und dem Irak in Medina ermordet.
Uthmans Gegner waren vor allem die Anhänger des bereits erwähnten Ali ibn Abi Talib, die Schiiten (aus dem arab. schiat ali, Partei Alis). Diese und die aufständischen Führer wählten Ali auch zum Kalifen. Doch Muawiya, der Statthalter von Syrien aus der Sippe der Umayyaden und damit ein Verwandter Uthmans, verweigerte die Gefolgschaft. Als es zum Ausbruch der Kämpfe kam, einigte man sich nach der Schlacht von Siffin auf Verhandlungen.
Eine Gruppe von Muslimen, die sich später Charidschiten nannte, sah darin eine Postenschacherei und eine große Schande und verließ das Lager Ali ibn Abi Talibs. 661 fiel Ali einem Attentat dieser Gruppe zum Opfer. Dessen Sohn Hassan verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch als er die Übermacht der Umayyaden erkannte. Muawiya begründete nun die Dynastie der Umayyaden-Kalifen. Hassans Bruder Husain erhob jedoch nach dem Tod von Muawiya I. Anspruch auf das Kalifat. Er wurde aber in der Schlacht von Kerbela (680) geschlagen.
Das Kalifat der Umayyaden
Nach der Machtübernahme der Umayyaden unter Muawiya mussten diese sich auch in der Folgezeit immer wieder gegenüber Oppositionsbewegungen behaupten. Umstritten war dabei die Legitimation der Umayyaden, denen u.a. vorgeworfen wurde in der Anfangszeit des Islams zu den heftigsten Gegnern des Propheten Mohammed gezählt zu haben. Nach der Befriedung des Kalifats konnten die Muslime ihre Expansion wieder aufnehmen. So wurde unter Abd al-Malik und al-Walid I. zu Beginn des 8. Jahrhunderts der Maghreb, Andalusien, Transoxanien und das Industal erobert. Damit erreichte das Kalifat seine größte Ausdehnung. Trotz dieser Erfolge dauerte die Opposition vieler Muslime an. Als sich nach 744 die Umayyaden durch interne Machtkämpfe schwächten, wurden sie durch den Aufstand des Abu Muslim gestürzt, der 749 die Dynastie der Abbasiden an die Macht brachte.
Das Kalifat der Abbasiden
Nach dem Sturz der Umayyaden durch die Abbasiden entwickelte sich der Irak mit der neuen Hauptstadt Bagdad zum politischen Zentrum des Kalifats. Zugleich wurde Bagdad, vor allem unter Harun al-Raschid (786-809), zu einem, wie es in den Geschichten Scheherazades in dem Buch Tausendundeine Nacht beschrieben wurde: eine vor Prunk und Reichtum strotzende Stadt und ein Zentrum der Kultur und Naturwissenschaften. Im 9. Jahrhundert hatte das Kalifat seine Blütezeit erreicht. Doch die Ausdehnung und die Bürokratie verlangten ihren Preis: Mehr und mehr gaben die Kalifen die politische Macht an Staatsminister, die Wesire und mittlere Beamte ab.
Dies führte seit Beginn des 9. Jahrhunderts zur Gründung unabhängiger Emirate (u.a. Aghlabiden, Tuluniden, Tahiriden und Samaniden), die nur noch formal der Herrschaft der Kalifen in Bagdad unterstanden. Zu Beginn des 10. Jahrhundert kam es im Maghreb und Andalusien sogar zur Gründung unabhängiger Kalifate (Fatimiden, Umayyaden). Mitte des 10. Jahrhunderts wurden die Kalifen in Bagdad politisch endgültig entmachtet und unterstanden in der Folgezeit der Kontrolle der persischen Buyiden bzw. türkischen Seldschuken (seit 1055). Die Kalifen waren damit nur noch geistiges Oberhaupt der Muslime. Zwar konnten die Kalifen während des 12. Jahrhunderts ihre politische Macht zumindest im Irak zurückgewinnen, doch wurde das Kalifat der Abbasiden mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen unter Hülägü 1258 zerschlagen.
Einigen Abbasiden gelang aber die Flucht nach Ägypten. 1261 wurde ein Prinz der Abbasiden vom Mameluken-Sultan Baibars in Kairo als Kalif eingesetzt. Seine Macht war aber nur spirituell und das teilweise auch nur in der Theorie. Bald trugen diese Kalifen nur noch einen inhaltslosen Titel, den sie 1517 den Osmanen übertrugen.
Das Kalifat der Fatimiden und spanischen Umayyaden
Die schiitischen Fatimiden, der Legende nach Nachfahren von Ali ibn Abi Talib und dessen Frau Fatima (daher der Name), gründeten ihr Kalifat 909 in Ifriqiya/Tunesien und dehnten ihren Machtbereich von Algerien bis Ägypten, Syrien und Sizilien aus. Nachdem sie 1059 zeitweise die Kontrolle über Bagdad errungen hatten begann der Niedergang dieser Dynastie. Sie wurde 1171 durch Saladin beseitigt.
Der letzte Umayyade, der den Massenmord an seiner Familie 750 durch die Abbasiden überlebt hatte, floh nach Andalusien. Dort gründeten seine Nachfahren 929 das umayyadische Kalifat. 1031 zerfiel es aber in mehrere Einzelreiche und erlosch.
Im 12. und 13. Jahrhundert beanspruchten im Maghreb noch die Almohaden und die Hafsiden das Kalifat.
Die Kalifen der Fatimiden und Umayyaden in Andalusien erlangten ebensowenig die allgemeine Anerkennung der Sunniten wie die Kalifen der Almohaden und Hafsiden.
Das Kalifat der Osmanen
Ab dem 13. Jahrhundert beanspruchten immer wieder muslimische Herrscher den Titel Kalif, der aber nun politisch bedeutungslos war. Jedoch gelang es im Jahre 1517 den osmanischen Sultanen das Osmanische Kalifat zu errichten. Erst im 19. Jahrhundert, als mehr und mehr Christen in die muslimischen Gebiete eindrangen, pochten die Sultane auf den Titel als geistiges Oberhaupt, um dadurch die Unterstützung der Muslime außerhalb ihres Machtbereiches zu erlangen. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg 1918 wurde der Sultan nach der türkischen Republiksgründung 1923 entmachtet. Die türkische Regierung schaffte das Kalifat 1924 endgültig ab.
Das Kalifat nach 1924
Dies erregte die Gemüter der muslimischen Welt. 1924 erhob König Hussain ibn Ali von Hedschas, heute Teil Saudi-Arabiens, seinen Anspruch auf den Titel, da er aus dem Haus des Propheten Mohammed über dessen Urgroßvater Haschim stamme -- was wahrscheinlich sogar der Wahrheit entspricht -- und zudem über Mekka und Medina herrsche. Dieser Anspruch erlosch mit der Eroberung seines Reiches durch König Abd al-Aziz al Saud von Nadschd.
1926 versuchte man, auf einem muslimischen Kongress in Kairo einen neuen Kalifen zu wählen. Doch auch dieser Versuch, das Kalifat neu zu beleben, scheiterte. Nach Ansicht von Experten gab es seither keine ernsthaften Bemühungen, sieht man von den eher lächerlichen Versuchen eines Metin Kaplan und seines Kalifats von Köln einmal ab. Die religiös-politische Bewegung Hizb-ut-Tahrir versucht ebenfalls, das Kalifat neu zu errichten. Sie ist jedoch in allen islamischen Staaten und darüber hinaus verboten.
Das Kalifat der Ahmadiyya
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad gründete 1889 in Qadian die Ahmadiyya-Bewegung im Islam. Er beanspruchte für sich, der verheißene Messias und Mahdi zu sein, und ein Schattenprophet nach dem Vorbild Mohammeds. Nach seinem Ableben 1908 folgten ihm Khalifa genannte Führer der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft. Der Kalif wird auf Lebenszeit gewählt. Aktuell ist (seit 22. April 2003) Hazrat Mirza Masroor Ahmad der Khalifatul Masih V. (der 5. "Kalif des Messias") in London.
Im Unterschied zu anderen islamischen Gruppen hat der Khalifa der Ahmadiyya nur spirituelle Funktionen als geistliches Oberhaupt.
Das Kalifat von Omdurman
Die Nachfolger des sudanesischen Rebellenführers Muhammad Ahmad al-Mahdi bezeichneten sich ebenfalls als Kalifen. Insbesondere Abdallahi ibn Muhammad, der sich 1891 an die Spitze der sudanesischen Mahdi-Bewegung setzen konnte, ist im Sudan noch heute unter der Bezeichnung al-Khalifa bekannt. Der frühere Palast Abdallahis ist heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Omdurman.
Theorie des Kalifats
Nach orthodoxer islamischer Doktrin ist legitime Herrschaft allein im Kalifat möglich. Der Kalif ist als Nachfolger Mohammeds mit der politischen und religiösen Führung der umma, der muslimischen Gemeinschaft betraut. Die Institution des Kalifats leiten die islamischen Theologen und Juristen aus dem Koran her. In Sure 38 heißt es: "Oh Da'ud (König David), siehe, wir machten dich zu einem Stellvertreter (khalifa) auf Erden; So richte zwischen den Menschen in Wahrheit...". Über dem Kalifen steht allein das religiöse Gesetz, die Schari'a, die aus den Rechtsquellen Koran, Sunna, idschma (Konsens) und qiyas (Analogieschluss) schöpft und an die auch der Kalif gebunden ist.
Nach imamitisch-schiitischer Auffassung waren ihre zwölf Imame rechtmäßige Kalifen. Der zwölfte Kalif verstarb nach dieser Auffassung nicht, sondern entrückte in die Verborgenheit, aus der er dereinst als Mahdi (Erlöser) erscheinen wird. In der Zwischenzeit übt der schiitische Klerus nur treuhänderisch für diesen verborgenen Iman die Macht aus. In der iranischen Verfassung ist das so festgeschrieben. Deshalb können auch nach dieser Lehre das relativ frei gewählte iranische Parlament und der gewählte Präsident des Irans nur begrenzte Macht ausüben.
Die schiitischen Nizaris, die zu den Ismailiten oder Siebener-Schiiten gehören, haben bis heute einen Imam-Kalifen, nämlich Karim Aga Khan IV., der der 49. in der direkten Nachfolge des Propheten Mohammeds aus der Linie über seine Tochter Fatima und seinen Schwiegersohn Ali ist (zumindest nach ihrer Lehre). Die ebenfalls ismailitischen Bohras glauben wie die Imamiten an einen verborgenen Imam-Kalifen.
Das Kalifat ist im islamischen Recht als eine so genannte fard kifaya verankert, das heißt als gemeinschaftliche Glaubenspflicht. Im Gegensatz zur fard `ayn, der individuellen Glaubenpflicht, wie beispielsweise das Fasten oder die Pilgerreise, die zu verrichten jeder einzelne verpflichtet ist, muss eine fard kifaya nur von einigen, dazu geeigneten Menschen der Gemeinschaft betrieben werden. Die Verpflichtung zum Dschihad oder das Streben nach Wissen sind typische Beispiele dafür. Im Fall des Kalifats heißt das, dass die Erfüllung der fard kifaya den für das Amt des Kalifen geeigneten Personen obliegt. Falls es nur einen einzigen Kandidaten geben sollte, der die Kriterien erfüllt, darf dieser das Amt beispielsweise nicht ablehnen.
Die Universalität des Kalifats, das heißt den religiösen und säkularen Machtanspruch, leiten die klassischen Theologen aus der Pflicht zum Dschihad ab. Die religiöse Pflicht zum Dschihad macht es notwendig, dass der Kalif nicht nur die religiöse Führung innehat, sondern auch in der Lage ist, Krieg zu führen, das heißt dass er die Kontrolle über die Armee besitzt. Die sprachliche Trennung zwischen Kalif und Imam verweist auf diese beiden Aspekte. Unter Imamat wird gemeinhin die religiöse Führung verstanden, während das Kalifat sich auf den politischen und militärischen Bereich bezieht. Diese Aufgabenbereiche fallen im Amt des Kalifen und Imam zusammen. Mit dem Zusammenbruch des Kalifats verselbstständigte sich die Bezeichnung Imam und wurde später nicht mehr ausschließlich für das Oberhaupt der muslimischen Gemeinde, sondern auch als Ehrentitel für besonders angesehene religiöse Persönlichkeiten gebraucht.
Diese erst wesentlich später formulierte sunnitisch-orthodoxe Kalifatskonzeption dauerte bis etwa zum Niedergang des abbasidischen Kalifats. Die Bestimmung, dass der Kalif dem Stamme Mohammeds, den Quraisch angehören müsse, überdauerte bis zum Beginn des Kalifats der Osmanen. Die Osmanen erhielten den Anspruch auf die Stellung des Kalifen aufrecht und untermauerten ihn mit dem Gebrauch religiöser Symbolik.
Auch wenn das Kalifat in der Realität an Bedeutung verlor, blieb die Kalifatstheorie theoretisch die ganze Zeit über maßgeblich und viel diskutiert, wenn auch Realität und Theorie weit auseinander klafften. Die muslimischen Juristen standen vor der eigentlich unlösbaren Aufgabe, diese Diskrepanz zu überbrücken. Erwin Rosenthal stellt die Situation folgendermaßen dar: "This meant in practice that they had to achieve a reconciliation between the caliph as the highest authority in theory, and the sultan or emir as the actual wielder of power, by accommodating both under the Islamic law, which insisted on the unity of power spiritual and temporal."
Die Aufweichung der Kalifatstheorie vollzog sich in mehreren Schritten. Als einer der ersten versuchte sich der ascharitische Jurist al-Mawardi (972--1058) an einer Lösung. Ironischerweise galt Mawardis Theorie lange Zeit als die klassische Ausformulierung der sunnitischen orthodoxen Kalifatsdoktrin, was von Hamilton Gibb mittlerweile widerlegt wurde. Zu einer Zeit, als der Kalif nur noch eine Marionette in den Händen der Buyiden-Dynastie in Baghdad war, stellte er in seiner Schrift Ahkam as-Sultaniya eine Theorie über das imarat al-istila, das Emirat durch Usurpation, auf.
Dieser Theorie zufolge ist der Kalif verpflichtet, seine Exekutivgewalt an denjenigen zu delegieren, der gerade die reale politische Macht innehat, solange dieser nach den Gesetzen der Scharia regiert. Der Fiktion der Souveränität des Kalifen wird durch eine formelle Anerkennung der Oberhoheit des Kalifen und durch die Erwähnung seines Namens im Freitagsgebet Genüge getan. Mawardi versucht hier mit dem Delegationsgedanken die Kalifatstheorie mit der historischen Realität wieder in Einklang zu bringen.
Al-Mawardi knüpfte die Delegation der Macht noch an eine Herrschaft nach der Schari'a. Weil spätere islamische Theoretiker überzeugt waren, dass jede Form von Herrschaft besser sei als Anarchie, legitimierten sie auch reine Gewaltherrschaft, solange die nominelle Oberherrschaft des Kalifen dabei aufrecht erhalten werde.
So gibt zum Beispiel al-Ghazali (1058--1111) zur Zeit der Seldschukenherrschaft viele der Erfordernisse auf, die Mawardi noch für nötig gehalten hatte. Der Kalif muss nicht mehr über die Fähigkeit vefügen, den Dschihad anzuführen, auch Regierungskompetenz (kifaya) ist nicht erforderlich, solange ihm ein kompetenter Wesir zur Seite steht. Anstelle der Fähigkeit zum idschtihad, das heißt der eigenständigen Interpretation des Rechts muss der Kalif lediglich wara, Gottesfurcht, besitzen. Den traditionellen Wahlverfahren des Kalifen fügt Ghazali ein weiteres hinzu: die Ernennung des Kalifen durch den gerade herrschenden Sultan. Damit legitimierte er die zu seiner Zeit übliche Praxis.
Der Theologe Ibn Dschama'a versetzt der klassischen Kalifatstheorie schließlich den Todesstoß, indem er jeglichen religiösen Anspruch aufgibt und das Kalifat allein auf gewaltsame Oberherrschaft reduziert: "When the Imama is thus contractually assumed by one person by means of force and military supremacy, and thereafter there arises another who overcomes the first by his might and his armies, then the first is deposed and the second becomes Imam, for the reasons of the well-being and unity of the Muslims."
Siehe auch
Liste islamischer Begriffe auf Arabisch, Religiöse Titel, Osmanisches Kalifat
Literatur
- Ulrich Haarmann, Geschichte der Arabischen Welt, Verlag C.H.Beck, München, 2001
- Stephan und Nandy Ronart, Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, 1972
Kategorie:Islam
Al-Mansur (Abbasiden)Abū Dschaʿfar ʿAbd Allāh ibn Muhammad ibn ʿAlī al-Mansūr (ابو جعفر عبد الله بن محمد بن علي المنصور; - ca. 709–13; † Oktober 775) war der zweite Kalif der Abbasiden (754-775).
Abū Dschaʿfar übernahm unter dem Thronnamen al-Mansūr 754 die Herrschaft von seinem Bruder as-Saffah (749-754). Nachdem er schon seinen Bruder bei der Regierung unterstützt hatte, musste er seine Herrschaft zunächst gegen seinen Onkel Abdallah ibn Ali durchsetzen, der allerdings bald von Abu Muslim, dem Wesir von Chorassan besiegt wurde. Als dieser nun als eigentlicher Begründer der Abbasiden-Dynastie zu mächtig wurde, ließ ihn al-Mansūr 755 beseitigen. Nachdem Aufstände der Anhänger Abu Muslims in Chorassan (755) und der Schiiten in Kufa und Medina (762) niedergeschlagen waren, konnte sich al-Mansūr dem Ausbau der Reichsverwaltung widmen.
Dieser Ausbau der Verwaltung führte zum steigenden Einfluss der Iraner in der Beamtenschaft, zunehmend aber auch in der Aristokratie. Die Konzentration der Verwaltung in der Person des Kalifen steigerte dessen Macht erheblich. Außerdem begann al-Mansūr die Herrschaft des Kalifen als gottgewollte Theokratie zu interpretieren. Er setzte auch durch, dass der Kalif seinen Nachfolger frei bestimmen kann um Machtkämpfe nach seinem Tod zu verhindern.
Als Krönung seiner Regierung gründete al-Mansūr am 1. August 762 mit Bagdad die neue Hauptstadt des Kalifats. Diese Stadt sollte schnell zur bedeutendsten wirtschaftlichen und kulturellen Metropole der muslimischen Welt aufsteigen.
Nach dem Tod von al-Mansūr (775) folgte diesem der von ihm designierte Sohn al-Mahdi (775-785) auf den Thron.
Kategorie:Mann
Kategorie:Abbasiden
Kategorie:Kalif
Kategorie:Geboren 714
Kategorie:Gestorben 775
ja:マンスール
Bagdad
Bagdad (persisch für Geschenk Gottes, arabisch بغداد Baghdād; manchmal auch Baghdad geschrieben) ist die Hauptstadt des Irak und mit 5.672.516 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005) eine der größten Städte im Nahen Osten.
Geographie
Nahen Osten
Bagdad liegt etwa in der Landesmitte des Irak. Die Stadt erstreckt sich am Mittellauf des Tigris, der bis Bagdad schiffbar ist. Die Ortsmitte befindet sich 34 m über NN auf den geographischen Koordinaten . In Bagdad laufen auch einige durch den fruchtbaren Halbmond führenden Handelrouten zusammen.
Geschichte
Bagdad (persisch=Gottgegeben-im Sinne von: Gottesgeschenk-) wurde im Jahr 762 von dem abbasidischen Kalifen Al-Mansur als neue Hauptstadt des islamischen Reichs gegründet (Name: Madīnat as-Salām مدينة السلام). Sie entstand nur wenige Kilometer östlich der alten Hauptstadt des Sassanidenreiches, Ktesiphon. Innerhalb von vier Jahren entstanden der Kalifenpalast (Bāb al-dhahab oder al-Kubbat al-Kadra) und die Hauptmoschee am westlichen Tigrisufer.
Aufgrund der günstig gewählten Lage am Knotenpunkt zahlreicher Handelsstraßen und der fruchtbaren Anbaugebiete in ihrer Nähe zum Tigris (Didschla) florierte die neugegründete Stadt schnell. Als al-Mansurs Sohn al-Mahdi den Thron bestieg, hatte Bagdad bereits eine Fläche von 15 Quadratkilometern. Wie ein arabischer Historiker berichtet, besaß Bagdad zur Zeit des Kalifen Al-Ma'mun 65.000 öffentliche Bäder. Es war Zentrum der Wissenschaften und Künste, kurzum, es war die Glanzzeit Bagdads.
Zwischenzeitlich verlegte der Kalif al-Mu'tasim, um seine Armee von der Bevölkerung fernzuhalten, die Hauptstadt nach Samarra (808-819 und 836-892), doch auch als das Kalifat an Macht verloren hatte und zuerst die Buyiden-Dynastie (945-1055) und später die Seldschuken (1055-1135) das islamische Reich beherrschten, blieb sie eine der wichtigsten Städte der islamischen Welt, bis sie 1258 von den Mongolen unter Hulagu erobert wurde, die am 10. Februar 1258 den letzten Kalifen Al-Mu'tasim töteten und nach Augenzeugenberichten unvorstellbare Gräueltaten anrichteten, Quellen berichten von einer Pyramide aus Totenschädeln. Viel gewichtiger war aber die im Gefolge der Eroberung Bagdads und des Zweistromlandes sowohl von den verteidigenden Mamlucken als auch den Mongolen begangene Zerstörung der hochkomplexen Bewässerungssysteme des Landes, die durch die Vertreibung der lokalen Bevölkerung(und dem damit verbunden Verlust des Wissens über den Betrieb und die Instandhaltung des Bewässerungssystems) noch verstärkt wurde. Die Desertifikation Mesopotamiens setzte ein, und Bagdad, zuvor zumindest zweitgrößte Stadt der Welt, versank zusammen mit dem Rest Mesopotamiens in der Bedeutungslosigkeit. Bis heute hat sich der Irak von der Zerstörung der Bewässerungssysteme nicht erholt.
Seit dem 16. Jahrhundert stritten sich die Herrscher Persiens und der Türkei mehrfach um die Stadt.
Im Jahre 1652 zählte Bagdad nur noch ungefähr 15.000 Einwohner.
Bagdad blieb unter osmanischer Herrschaft, und wurde die Hauptstadt der Provinz Bagdad, einer der 3 Provinzen aus dem der spätere Irak entstand.
Bis 1921 unter britischer Kontrolle das Königreich Irak errichtet wurde; 1932 folgte die formelle und 1946 die vollständige Unabhängigkeit. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg von schätzungsweise 145.000 (1900) auf 580.000 (1950), vor allem durch Zuwanderer aus dem schiitischen Süden, die, angekommen in der Hauptstadt, unter massiver Wohnungsnot litten. Erst unter der Herrschaft General Quassems wurde durch den Bau der damals geradezu vorbildlichen Sattelitenstadt "Madinat al-Thaura"("Stadt der Revolution"), später Saddam City, dann Sadr-City, etwas Abhilfe verschafft.
Vor allem während des Wirtschaftsbooms der 70er Jahre stieg die Bevölkerungszahl weiter rasant an. Den Löwenanteil der Zuwanderer stellten schiitische Araber, die in Slums in prekärsten Verhältnissen hausten.
Im Gefolge der Eroberung Bagdads durch die US-amerikanischen Streitkräfte im Dritten Golfkrieg 2003 wurden zahlreiche historisch wertvolle Kulturgüter der Stadt durch Kampfhandlungen oder Plünderungen vernichtet oder beschädigt; insbesondere wurden die Nationalbibliothek mit Tausenden wertvoller alter Manuskripte durch einen Brand völlig zerstört, das Nationalmuseum (von den ansässigen Irakern) geplündert. Die eintreffenden US-Truppen griffen nicht ein.
Der Großteil der Stücke wurde aber relativ schnell wieder ausfindig gemacht und befindet sich wieder im Irak.
Nationalbibliothek
Bevölkerung
Bagdad hat 5.672.516 Einwohner (Stand 1. Januar 2005). Die Amtssprache des Iraks ist arabisch und Kurdisch. Die irakischen Städte und vor allem Bagdad besitzen ein gut ausgebautes Bildungssystem. Die Schulbildung ist gratis, dennoch ist die Analphabetenrate hoch. In Bagdad befinden sich 3 der 6 Universitäten des Landes. Der Gesundheitszustand ist im Irak bis auf die Städte unzureichend.
Die große Mehrheit der Bevölkerung ist arabischer Abstammung, doch es gibt auch eine große kurdische Gemeinde, sowie eine bedeutende Anzahl von Turkmenen und Assyrern. Auch einige Sudanesen bewohnen die Millionenmetropole.
Wirtschaft und Infrastruktur
In Bagdad ist der Großteil der irakischen Industrie angesiedelt. Die wichtigsten Industriezweige Bagdads sind die Textilindustrie, Ölraffination, Holzindustrie, Baustoffindustrie und Nahrungsmittelverarbeitung. Bagdad ist der Schnittpunkt der 3 Haupteisenbahnlinien des Landes(momentan noch nicht wieder in Betrieb) und auch der Highways. Von den vier in Bagdad und Umgebung liegenden Flughäfen ist nur einer zivil, dieser bietet Flüge nach Erbil und Amman an. Bis auf den Stadtkern wirkt das Straßennetz der Stadt Großteils geplant. Nach der Invasion der US Truppen hat sich die Zahl der PKW rasant zugenommen, was die Straßen Bagdads nicht nur überlastet sondern auch äußerst gefährlich macht.
Verstärkt wird dies noch durch das völlige Fehlen des öffentlichen Verkehrs, von der einzigen, um 1870 erbauten Strassenbahnlinie nach Qazzimiyya ist nicht mal mehr die Trasse erkennbar.
Der Fluss Tigris, an dessen Ufern Bagdad liegt, ist auch ein wichtiger Handelsweg für die Stadt. Die Landwirtschaft im Umland produziert hauptsächlich Datteln und Gemüse.
Klima
Die Temperatur in der Gegend um Bagdad schwankt zwischen 33,3 °C im Juli und August und 9,4 °C im Winter. Die Hauptregenzeiten sind im Oktober und im Mai.
Religion
95 % der Bevölkerung sind Muslime. In Bagdad gibt es dementsprechend viele Moscheen. Der Islam ist eine Buchreligion und besitzt viele Parallelen zum Christentum. Es gibt einen Streit zwischen den Konfessionen der Schiiten und der Sunniten um die Nachfolge Mohammeds. Das Rechtssystem ist religiös bestimmt.
Bagdad ist auch der historische Sitz des Patriarchen der Assyrischen Kirche des Ostens.
Söhne und Töchter der Stadt
- Adil Abd al-Mahdi, Schiit und irakischer Politiker, derzeit als Vizepräsident
- Iyad Allawi, irakischer Politiker, früher Ministerpräsident
- Zaha Hadid, irakisch-britische Architektin und Professorin
- Qusai Hussein, zweitältester Sohn von Saddam Hussein
- Ibn Kammuna, Philosoph
- Yaqub ibn Killis, ägyptischer Wesir unter den Fatimiden
- Bassam Salih Kubba, stellvertretender irakischer Außenminister (April bis Juni 2004)
- Abd al-Karim Qasim, irakischer Militär und Politiker und von 1958 bis 1963 Premierminister seines Landes
Sonstiges
Bagdad ist der Schauplatz zahlreicher Geschichten in Tausendundeine Nacht (zum Beispiel Aladin, Ali Baba und die 40 Räuber), Der Dieb von Bagdad
Von 1903 bis 1940 wurde die Bagdadbahn gebaut.
Literatur
- Karin Rührdanz: Das alte Bagdad - Hauptstadt der Kalifen, Leipzig ²1991. ISBN 3-332-00503-0
- Mona Yahia: Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom, München 2004. ISBN 3-423-20715-9
- Jacob Lassner: The Caliph’s personal Domain. The City Plan of Baghdad Re-Examined. IN: Hourani/Stern (Hrsg.): The Islamic City. Oxford 1970.
- Jacob Lassner: The Topography of Baghdad in the Early Middle Ages. Text and Studies, Detroit 1970.
- Vincenzo Strika und Jabir Khalil: The islamic Architecture of Baghdad. The Results of a Joint Italian – Iraqi Survey, Napoli 1987.
Weblinks
- [http://www.derjemen.de/pdf/islamstadtha.pdf Gründungsgeschichte Bagdads] (PDF)
- [http://www.hot-maps.de/middle_east/irak/baghdad/homede.html Stadtplan Bagdad]
Kategorie:Ort im Irak
Kategorie:Hauptstadt in Asien
ja:バグダード
ko:바그다드
nb:Bagdad
1291
Politik und Weltgeschehen
- 17. Juni - Akkon, die letzte Kreuzfahrerbastion, fällt. Ende der Kreuzzüge
- 1. August (in Wahrheit: "Anfang August") - Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft, (Rütli-Schwur, Bundesbrief) durch die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden auf der Rütliwiese am Vierwaldstättersee.
- Erste urkundliche Erwähnung von Altdorf bei Nürtingen und Illerrieden.
- Maunu wird Erzbischof von Tartu.
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