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16. April
Der 16. April ist der 106. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 107. in Schaltjahren) - somit verbleiben noch 259 Tage bis zum Jahresende.
Ereignisse
- 1246 - Friedrich von Hochstaden schenkt die Grafschaft Hochstaden seinem Bruder Konrad von Hochstaden, dem Erzbischof von Köln, zwecks Einverleibung in das Erzbistum Köln.
- 1525 - Weinsberger Bluttat, Tötung des Grafen Ludwig von Helfenstein durch aufständische Bauern vor Weinsberg (Deutscher Bauernkrieg)
- 1746 - Die Schlacht bei Culloden in Schottland beendet den Aufstand der Jakobiten.
- 1780 - Die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen) wird gegründet.
- 1896 - Ecuador. Staatspräsident Eloy Alfaro sorgt für die Trennung von Kirche und Staat, sowie für Religionsfreiheit.
- 1917 - Lenin kehrt aus dem Exil nach St. Petersburg zurück.
- 1922 - Mit dem Vertrag von Rapallo zwischen Deutschland und Russland verzichten beide Länder auf den Ersatz der Kriegskosten und die Begleichung der Kriegsschäden der anderen Seite.
- 1945 - Beginn der Schlacht um die Seelower Höhen
- 1950 - Die Briten unterbrechen ihre Bombenabwürfe auf Helgoland, das seit Kriegsende als Übungsziel gedient hat.
- 1962 - Georges Pompidou wird französischer Ministerpräsident.
- 1974 - Bei einem Armeeputsch im Niger wird Präsident Hamani Diori gestürzt und durch Seyni Kountché ersetzt.
- 1991 - George H. W. Bush kündigt die Einrichtung von Schutzzonen für Kurden im Nordirak an.
- 1992 - Ahmed Schah Massud übernimmt mit Hilfe der Mujahedin die Macht in Kabul.
- 2002 - 4 Wochen vor den Parlamentswahlen tritt die niederländische Regierung wegen der Mitverantwortung für das Massaker von Srebrenica (Bosnien) zurück.
- 2003 - Das Wrack der Goya wird genau 58 Jahre nach dem Untergang des Flüchlingschiffes entdeckt.
- 2003 - Die Staats- und Regierungschefs der bisherigen fünfzehn EU-Staaten und der zehn neuen ost- und südosteuropäischen Mitgliedesländer unterzeichnen in Athen die Beitrittsverträge zur EU-Osterweiterung..
- 2004 - José Luis Rodríguez Zapatero wird vom spanischen Parlament zum Ministerpräsidenten gewählt. Damit löst er den Konservativen José María Aznar ab, der aufgrund seiner Informationspolitik im Zusammenhang mit den Madrider Zuganschlägen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist und damit die Wahlen von vor einem Monat deutlich verloren hat.
Wirtschaft
- 1903 - Kanada beschließt die Erhebung von Einfuhrzöllen auf deutsche Waren.
- 1948 - 16 europäische Staaten gründen in Paris die Organisation für europäische und wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC).
- 1996 - In Deutschland wird der Anbau von Hanf wieder erlaubt, wobei der Tetrahydrocannabinol-Gehalt 0,3% nicht überschreiten darf.
Wissenschaft, Technik
- 1943 - Dr. Albert Hofmann entdeckt bei Sandoz zufällig die psychoaktive Wirkung des LSD, das er bereits 1938 auf seiner Suche nach einem Kreislaufstimulans hergestellt hat.
- 1972 - Start der Apollo 16 Mission.
- 1982 - Das erste deutsche "Retortenbaby" wird in Erlangen geboren.
Kultur
- 1722 - Uraufführung des musikalischen Schauspiels Die unvergleichliche Psyche von Reinhard Keiser in Kopenhagen.
- 1782 - Uraufführung der Oper "Adriano in Siria" von Luigi Cherubini in Livorno.
- 1849 - Uraufführung der Oper "Le Prophète" (Der Prophet) von Giacomo Meyerbeer an der Grand Opéra Paris.
- 1851 - Uraufführung der Oper "Sapho" (Sappho) von Charles Gounod in Paris.
- 1905 - Uraufführung der Oper "Jessika" von Josef Bohuslav Foerster am Nationaltheater Prag.
- 1919 - Die Oper "Don Ranudo" von Othmar Schoeck wird in Zürich uraufgeführt.
- 1940 - Uraufführung der Oper "Maryša" von Emil František Burian in Brünn (Brno)
- 1958 - Uraufführung der Oper "Nana" von Manfred Gurlitt in Dortmund.
- 1970 - In Darmstadt wird Heinrich Böll bei der dreitägigen Generalversammlung des PEN-Zentrums zum neuen Präsidenten gewählt.
- 1972 - Uraufführung der Oper "Noch einen Löffel Gift, Liebling" von Siegfried Matthus an der Komischen Oper Berlin.
- 1988 - Uraufführung der Oper "Beatrice Cenci" von Berthold Goldschmidt in London.
Religion
- 1909 - Jeanne d'Arc, die "Jungfrau von Orleans", wird von Papst Pius X. in Rom seliggesprochen.
- 1984 - Muzaffer Efendi, der 19. Sheikh der Dscherrahi-Tariqa, besucht seine Derwische in New York.
- 2005 - Amtseinführung von Gerhard Feige als neuer katholischer Bischof von Magdeburg
Katastrophen
- 1850 - Einsturz der Hängebrücke von Angers (Frankreich) aufgrund der Resonanz, welche durch 730 im Gleichschritt marschierende Soldaten verursacht wurde. Dabei starben 226 Menschen.
- 1945 - Die Versenkung des mit Flüchtlingen beladenen deutschen Schiffes Goya in der Ostsee vor der pommerschen Küste durch das sowjetische U-Boot L3 fordert ca. 7.200 Tote, 175 Menschen können gerettet werden.
- 1947 - Die Explosion der mit Ammoniumnitrat beladenen Frachtschiffe Grandcamp (Frankreich) und Highflyer USA im Hafen von Texas City (Texas), führt zu 486 Todesopfern, über 100 Vermissten, 3000 Verletzten, hunderten Obdachlosen und 65 Millionen US-Dollar Schaden.
Sport
- Ereignisse aus dem Bereich der Formel 1 siehe dort.
- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden s. u. der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1996 - Die Chicago Bulls mit Michael Jordan gewinnen ihr 70. Spiel innerhalb einer NBA-Saison und sind somit das erste Team der Ligageschichte, das diese Marke erreicht.
Geboren
NBA
- 936 - As-Sulami, islamischer Mystiker
- 1319 - Johann II., König von Frankreich von 1350 bis 1364
- 1495 - Petrus Apianus, deutscher Astronom und Geograf
- 1619 - Jan van Riebeeck, niederländischer Schiffsarzt, Kaufmann und Kolonieverwalter
- 1646 - Jules Hardouin-Mansart, französischer Architekt
- 1652 - Klemens XII., Papst seit 1730
- 1671 - John Law, schottischer Nationalökonom
- 1682 - John Hadley, englischer Astronom und Mathematiker
- 1693 - Anna Sophie Reventlow, Gemahlin des dänischen Königs
- 1718 - Maria Gaetana Agnesi, italienische Mathematikerin und Philanthropin
- 1755 - Élisabeth Vigée-Lebrun, französische Malerin
- 1767 - Karl Julius Weber, deutscher Schriftsteller
- 1786 - Albrecht Adam, deutscher Schlachtenmaler
- 1797 - Adolphe Thiers, französischer Staatsmann und Historiker
- 1800 - Jakob Heine, deutscher Mediziner, Entdecker der spinalen Kinderlähmung
- 1802 - François-Christophe-Edouard Kellermann, französischer Staatsmann und Diplomat
- 1817 - Rudolf von Delbrück, deutscher Politiker
- 1821 - Ford Madox Brown, britischer Maler
- 1822 - Robert Luther, deutscher Astronom
- 1844 - Anatole France, französischer Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1921
- 1850 - Sidney Thomas, britischer Metallurg (Thomas-Verfahren, Thomasmehl)
- 1858 - Johann Flierl, deutscher Missionar
- 1867 - Wilbur Wright, US-amerikanischer Flugpionier und Flugzeugbauer
- 1871 - John Milington Synge, irischer Schriftsteller
- 1875 - Erwin Baur, deutscher Arzt, Botaniker, Genetiker und Züchtungsforscher
- 1879 - Leon Théry, Französischer Rennfahrer
- 1886 - Ernst Thälmann, Hamburger Arbeiter und Politiker
- 1889 - Charlie Chaplin, britischer Regisseur, Schauspieler und Komiker
- 1894 - Carl von Campe, deutscher Politiker
- 1896 - Ernst Udet, deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg
- 1896 - Tristan Tzara, französischer Schriftsteller
- 1897 - Alois Smolík, Flugzeugkonstrukteur
- 1897 - Eugen Leibfried, deutscher Politiker
- 1899 - Konstantin Konstantinowitsch Waginow, russischer Dichter
- 1914 - Mark Lasarewitsch Gallai, sowjetischer Testpilot und Ingenieur
- 1915 - Johannes Leppich, deutscher Jesuit und Wanderprediger
- 1916 - Walter Briest, Offizier, Diplomat, und MfS-Agent
- 1917 - Charlotte Salomon, deutsche Malerin
- 1918 - Spike Milligan, irischer Komiker, Schriftsteller, Dichter und Jazz-Musiker
- 1919 - Liberace, US-amerikanischer Musiker
- 1919 - Liesel Christ, Frankfurter Volksschauspielerin
- 1919 - Merce Cunningham, US-amerikanischer Tänzer und Choreograf
- 1921 - Peter Ustinov, Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur
- 1921 - Wolfgang Leonhard, politischer Schriftsteller, Publizist, Historiker und Ostexperte
- 1922 - Boby Lapointe, französischer Sänger
- 1922 - Leo Tindemans, belgischer Politiker und Regierungschef
- 1924 - Henry Mancini, US-amerikanischer Musiker
- 1927 - Benedikt XVI., Papst (bürgerlich Joseph Alois Ratzinger)
- 1927 - Claus Arndt, deutscher Politiker und MdB
- 1927 - Rolf Schult, deutscher Schauspieler und Synchronsprecher
- 1929 - Ed Townsend, US-amerikanischer Sänger
- 1929 - Roy Hamilton, US-amerikanischer Sänger
- 1930 - Herbie Mann, US-amerikanischer Jazz-Musiker
- 1932 - Henk Schouten, niederländischer Fußballspieler
- 1932 - Wolfgang Niederhöfer, deutscher Heimatforscher und Mühlenexperte
- 1933 - Karl Blecha, österreichischer Politiker und Innenminister
- 1933 - Ludwig Haas, deutscher Schauspieler
- 1933 - Perry Botkin, US-amerikanischer Musikproduzent
- 1934 - Alfred Flury, Schweizer Geistlicher und Chasonier
- 1934 - Robert Stigwood, australischer Musik- und Filmproduzent
- 1935 - Bobby Vinton, US-amerikanischer Sänger
- 1935 - Sarah Kirsch, deutsche Schriftstellerin
- 1939 - Dusty Springfield, britische Soulsängerin
- 1940 - Erika Simm, deutsche Politikerin und MdB
- 1940 - Erika Simm, Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD)
- 1940 - Margrethe II., Königin von Dänemark
- 1943 - Dave Peverett, britischer Rockmusiker
- 1944 - Dennis Russell Davis, Dirigent
- 1944 - Elmar Wepper, deutscher Schauspieler und Synchronsprecher
- 1945 - Stefan Grossman, US-amerikanischer Musiker
- 1946 - Peteris Vasks, lettischer Komponist
- 1947 - Gerry Rafferty, britischer Musiker
- 1947 - Kareem Abdul-Jabbar, US-amerikanischer Basketballspieler
- 1951 - Björgvin Helgi Halldórsson, bekannter isländischer Popsänger aus Hafnarfjörður
- 1952 - Alexander Tschäppät, Schweizer Politiker
- 1952 - Peter Arnold, deutscher Hornist
- 1952 - Peter Westbrook, US-amerikanischer Fechter
- 1952 - Ulrich Deuschle, deutscher Politiker
- 1953 - Kurt Maloo, schweizerischer Musiker
- 1954 - James Cameron, kanadischer Regisseur
- 1954 - Sibylle Lewitscharoff, deutsche Schriftstellerin
- 1955 - Henri von Luxemburg, Großherzog von Luxemburg
- 1955 - Kool DJ Herc, Musiker und Musikproduzent
- 1956 - Lise-Marie Morerod, schweizerische Skirennläuferin
- 1957 - Olexander Sintschenko, ukrainischer Politiker und stellvertretender Parlamentspräsident
- 1959 - Hartmut Koschyk, deutscher Politiker und MdB
- 1960 - Anke Gebert, deutsche Krimi-Schriftstellerin
- 1960 - Pierre Littbarski, deutscher Fußballspieler und Trainer
- 1960 - Sonja Leidemann, deutsche Politikerin
- 1962 - Ian MacKaye, US-amerikanischer Musiker und Labelgründer
- 1963 - Jimmy Osmond, US-amerikanischer Musiker
- 1966 - Kai Wiesinger, deutscher Schauspieler
- 1966 - Ovo Maltine, Polit-Tunte, Kabarett-Tunte und vor allem Aids-Aktivistin
- 1968 - Martin Dahlin, ehemaliger schwedischer Fußballspieler
- 1971 - Sven Fischer, deutscher Biathlet, Olympiasieger
- 1972 - Andreas Dittmer, deutscher Kanute
- 1972 - Conchita Martínez, spanische Tennisspielerin
- 1974 - Zali Steggall, australische Skiläuferin
- 1977 - Fredrik Ljungberg, schwedischer Fußballspieler
- 1979 - Lars Börgeling, deutscher Stabhochspringer
- 1979 - Christijan Albers, niederländischer Automobilrennfahrer
- 1980 - Adriana Sage, US-amerikanisches Fotomodell und Schauspielerin
Gestorben
- 1198 - Friedrich I., Herzog von Österreich
- 1597 - Caspar Cruciger der Jüngere, lutherischer Theologe
- 1689 - Aphra Behn, englische Schriftstellerin
- 1729 - Antonio Ferrante Gonzaga, Herzog von Guastalla
- 1756 - Jacques Cassini, französischer Astronom und Geograf
- 1757 - Daniel Gran, österreichischer Barockmaler
- 1783 - Benoit Joseph Labre, französischer Mystiker und katholischer Heiliger
- 1788 - Georges-Louis Leclerc de Buffon, französischer Naturforscher
- 1796 - Johann Friedrich Doles d. J., deutscher Komponist und Rechtsanwalt
- 1809 - Wassili Jakowlewitsch Tschitschagow, russischer Admiral und Polarforscher
- 1819 - Friedrich Valentin, deutscher Bildhauer
- 1828 - Francisco de Goya, spanischer Maler und Graphiker
- 1850 - Johann David Heegewaldt, Geheimer Hofrat
- 1858 - Johann Baptist Cramer, Pianist und Komponist
- 1859 - Alexis de Tocqueville, französischer Publizist und Politiker
- 1860 - Bartolomeo Borghesi, italienischer Inschriftenforscher
- 1861 - Friedrich Landolin Karl Freiherr von Blittersdorf, badischer Beamter
- 1870 - Maria-Carolina von Bourbon-Sizilien, älteste Tochter König Franz' I. von Neapel
- 1879 - Bernadette Soubirous, französische Nonne und katholische Heilige
- 1888 - Friedrich Grillo, deutscher Industrieller
- 1891 - Elisabeth Rosenthal, Gründerin der ersten privaten höheren Mädchenschule in Magdeburg
- 1901 - Henry Augustus Rowland, Physiker
- 1905 - Otto Wilhelm von Struve, deutschstämmiger Astronom in Russland
- 1914 - George William Hill, US-amerikanischer Astronom und Mathematiker
- 1921 - Willibrord Benzler, Bischof, Mönch
- 1932 - Ferruccio Cattelani, italienischer Komponist
- 1938 - Steve Bloomer, englischer Fußballspieler
- 1941 - Hans Driesch, deutscher Biologe und Naturphilosoph
- 1947 - Rudolf Höß, Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz
- 1951 - Martin Loibl, deutscher Politiker
- 1958 - Rosalind Elsie Franklin, britische Biochemikerin
- 1962 - Hans Dirscherl, deutscher Politiker
- 1965 - Wilhelm Banse, deutscher Politiker und MdB
- 1968 - Albert Betz, deutscher Physiker und Pionier der Windkrafttechnik
- 1968 - Edna Ferber, US-amerikanische Schriftstellerin
- 1972 - Yasunari Kawabata, japanischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger
- 1975 - Sarvepalli Radhakrishnan, indischer Philosoph, Politiker und Staatspräsident
- 1978 - Lucius D. Clay, Stellvertreter von Dwight D. Eisenhower
- 1978 - Richard Lindner, US-amerikanischer Maler und Grafiker
- 1980 - Morris Stoloff, US-amerikanischer Bandleader
- 1981 - Sigurd Debus, deutscher RAF-Terrorist
- 1982 - Anatoli Nikolajewitsch Alexandrow, russischer Komponist
- 1982 - Hermann Diebäcker, deutscher Politiker und MdB
- 1989 - Ishikawa Kaoru, entwickelte das Konzept des Qualitätszirkels
- 1989 - Kaoru Ishikawa, japanischer Chemiker, entwickelte 'Ishikawa-Diagramm'
- 1991 - Ernst Theodor Eichelbaum, deutscher Politiker und MdB
- 1992 - Werner Holtfort, deutscher Politiker
- 1994 - Ralph Ellison, US-amerikanischer Autor
- 1996 - Stavros Niarchos, griechischer Reeder
- 1997 - Roland Topor, französischer Autor, Schauspieler und Maler
- 2001 - Alberto Erede, in Monaco; italienischer Dirigent
- 2002 - Herbert Wernicke, deutscher Opernregisseur
- 2002 - Ramiro de Leon Carpio, guatemaltekischer Politiker und Präsident
- 2003 - Kurt Kluxen, deutscher Historiker
- 2004 - Giovanni Agnelli, italienischer Großindustrieller
- 2004 - Karin Eickelbaum, deutsche Schauspielerin
- 2005 - Marla Ruzicka, US-amerikanische Journalistin
Feier- und Gedenktage
- Benedikt - Benoit Joseph Labre, französischer Mystiker (katholisch)
- Bernadette - Bernadette Soubirous: französisches Mädchen, der im Jahre 1858 die Mutter Gottes erschien (katholisch)
- Paul - Paulus: Gedenktag der Überführung der Kopfreliquie in die Lateranskirche
Siehe auch
- 15. April - 17. April
- 16. März - 16. Mai
- Historische Jahrestage - Zeitskala
- Wikipedia:Glaskugel - Wikipedia:Formatvorlage Tag
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Gregorianischer KalenderDer gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII., ist der heute in den meisten Teilen der Welt gültige Kalender.
Gregorianische Kalenderreform
Kalender
Das erste Konzil von Nizäa bestimmte im Jahre 325, dass das Osterfest immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlings-Anfang (bezogen auf Jerusalem) gefeiert werden sollte. Das astronomische Ereignis des Primar-Äquinoktiums (Frühlings-Tagundnachtgleiche der nördlichen Hälfte unseres Planeten) fand im Konzilsjahr 325 am 21. März statt, und die julianische Schalttagsregelung wurde damals noch nicht als verbesserungsbedürftig erkannt. Der damals gültige julianische Kalender ging von einem mittleren Sonnenjahr von 365,25 Tagen aus und glich die Differenz (bezogen auf 365 Tage) von annähernd 6 Stunden alle vier Jahre durch die Einfügung eines Schalttags aus. Gegenüber dem vom tatsächlichen Gang der Himmelsmechanik astronomisch vorgegebenen Sonnenjahr, das im Jahre 2000 auf 365,242190517 Tage bestimmt wurde -also etwa 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45,25 Sekunden- war das Jahr des julianischen Kalenders also etwas mehr als 11 Minuten zu lang. Bis ins 16. Jahrhundert, zur Zeit Papst Gregors XIII., hatte sich dieser Fehler so ausgewirkt, dass das Primar-Äquinoktium im Jahr 1582 schon am 11. März stattfand.
Diese Verschiebung des Kalenders war jedoch schon längere Zeit vorher offenkundig geworden. Seit dem 14. Jahrhundert wurden immer wieder Vorschläge für eine Kalenderreform unterbreitet – u. a. durch Nikolaus von Kues, Regiomontanus und Nikolaus Kopernikus. Diese waren aber stets abgelehnt worden. Gleichwohl bildeten Kopernikus' Werk De Revolutionibus Orbium Coelestium (»Von den Umdrehungen der Himmelskörper«) sowie die prutenischen Tafeln von Erasmus Reinhold die Basis für die schließlich von Papst Gregor XIII. dekretierte Reform.
Um die Frühlings-Tagundnachtgleiche wieder mit dem 21. März in Übereinstimmung zu bringen und Ostern wieder am richtigen Tage feiern zu können, folgte der Papst dem Vorschlag des Mediziners und Hobby-Astronomen Aloisius Lilius und bestimmte, dass im Jahre 1582 zehn Tage übersprungen werden sollten. Daher folgte in einigen römisch-katholischen Ländern auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober – die Abfolge der Wochentage blieb dabei jedoch unverändert. Damit fand das Primar-Äquinoktium dort im Folgejahr 1583 wieder am 21. März statt; die Zeitrechnung innerhalb des Christentums war jedoch nicht mehr einheitlich. Damit war die Ausgangslage, wie sie zur Zeit des Konzils bestand, wieder ungefähr hergestellt.
Um ein erneutes Abrücken des 21. März vom Zeitpunkt des Primar-Äquinoktiums für alle Zukunft zu vermeiden, legte der neue gregorianische Kalender die Dauer des mittleren Sonnenjahrs auf 365,2425 statt wie bisher auf 365,25 Tage fest. Diese Verkürzung erfolgte dadurch, dass – abweichend von der Schaltregel des julianischen Kalenders – die Jahre keinen Schalttag haben, deren Zahl zwar ohne Rest durch 100, nicht aber durch 400 geteilt werden kann.
Weil bis zur ersten Anwendung dieser neuen Ausnahmeregel im Jahre 1700 noch 117 Jahre vergingen, hat sich der Kalender gegenüber dem astronomischen Ereignis des Primar-Äquinoktiums im Durchschnitt wieder um 1 Tag verrückt. Seither pendelt es zwischen dem 19. und 21. März.
Die Schaltregeln
- Nach der grundsätzlich weiterhin gültigen Julianischen Schaltregel weisen Jahre, deren Zahlen durch 4 dividiert natürliche Zahlen ergeben, im Februar einen 29. Tag (“Schalttag“) auf und umfassen dadurch als Schaltjahre 366 Tage.
- Die Gregorianische Schaltregel bestimmt hiervon drei Ausnahmen : Keine Schaltjahre sind diejenigen Säkular-Jahre (Jahre, deren Zahl am Ende zwei Nullen aufweist), deren Zahl durch 400 dividiert keine natürliche Zahl ergibt.(Deshalb waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre, und auch die Jahre 2100, 2200 und 2300 werden keine Schaltjahre sein.)
oder:
- Ist die Jahreszahl durch 4 teilbar, aber nicht durch 100, dann ist es ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Beispiele: 1980, 1972, 1720.
- Ist die Jahreszahl durch 100 teilbar, aber nicht durch 400, dann ist das Jahr ein gewöhnliches Gemeinjahr und hat nur 365 Tage, z. B. in den Jahren 1700, 1800 und 1900 oder ferner 2100.
- Ist die Jahreszahl durch 400 teilbar, ist das Jahr ein Schaltjahr. Die Jahre 1600 und 2000 waren – in Übereinstimmung mit der Julianischen Schaltregel – Schaltjahre zu 366 Tagen.
Einführung des gregorianischen Kalenders in verschiedenen Ländern
Nur wenige Länder wie Spanien oder Portugal übernahmen den gregorianischen Kalender tatsächlich am 4./15. Oktober 1582. Die meisten römisch-katholischen Länder Europas folgten in den nächsten Jahren, während die protestantischen Länder den neuen Kalender, weil vom Papst dekretiert, zunächst ablehnten. Beispielsweise führten ihn die meisten katholischen Kantone der Schweiz 1584 ein, das Wallis jedoch erst 1655. Dort folgte damals auf den 28. Februar der 11. März. Die evangelischen Territorien des Deutschen Reichs übernahmen den gregorianischen Kalender erst 1700. Auf den 18. Februar folgte dort unmittelbar der 1. März 1700. Zuvor mussten beispielsweise Verträge zwischen katholischen und protestantischen Fürsten mit beiden Daten versehen werden, etwa als 5./15. Oktober 1582. Um die Jahreswende differierten die Jahreszahlen zwischen den Gebieten des alten und neuen Kalenders. Aus dieser Zeit stammt der Ausdruck »zwischen den Jahren« für die Tage nach Weihnachten. Die reformierten Orte der Schweiz folgten ein Jahr später, allerdings mit drei Ausnahmen: Der protestantische Halbkanton Appenzell Ausserrhoden und die protestantischen Teile von Glarus und Graubünden. Der offizielle Übergang zum neuen Kalender sollte dort bis 1812 dauern; der alte Kalender blieb aber noch länger in der Bevölkerung lebendig. Die Appenzeller Silvesterkläuse werden noch immer am 31. Dezember nach dem julianischen Kalender (13. Januar nach dem gregorianischen Kalender) gefeiert. In England (und auch in den späteren USA) wurde der gregorianische Kalender erst in der Nacht vom 2. September auf den 14. September 1752 eingeführt.
Die orthodoxen Länder Osteuropas behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. Da die Jahre 1700, 1800 und 1900 in Russland Schaltjahre gewesen sind, machte die Abweichung vom gregorianischen Kalender dort mittlerweile 13 Tage aus. Die russische Oktoberrevolution 1917 fiel deshalb nach dem gregorianischen Kalender auf den 7. November. An diesem Tag wurde die Revolution denn auch bis zum Ende der Sowjetunion gefeiert, nachdem Russland 1918 die neue Kalenderrechnung eingeführt hatte. Einige orthodoxe Kirchen (z. B. in Russland und Serbien) begehen ihre feststehenden Feste weiterhin nach dem julianischen Kalender. Ihr Weihnachten (25. Dezember) fällt darum derzeit auf den 7. Januar (greg.). Andere orthodoxe Kirchen (z. B. in Griechenland und Bulgarien) verwenden hierfür den so genannten neo-julianischen Kalender, der bis zum Jahr 2799 dem gregorianischen Kalender entsprechen wird. Alle orthodoxen Kirchen berechnen Ostern und die anderen beweglichen Feste nach dem julianischen Frühlingsanfang sowie nach dem metonischen Vollmond; das Fest fällt daher nur gelegentlich mit dem Osterdatum der westlichen Kirchen zusammen; meist ist es eine, vier, oder fünf Wochen später als im Westen.
Als bisher letzter Staat übernahm 1927 die Türkei den gregorianischen Kalender; dort hatte bis dahin der islamische Kalender gegolten. Die nicht zeitgleiche Einführung des gregorianischen Kalenders in den verschiedenen Ländern sorgte für Verwirrung, aber auch für interessante Paradoxa: So sind sowohl William Shakespeare als auch Miguel de Cervantes am 23. April 1616 gestorben, obwohl Shakespeare Cervantes um 11 Tage überlebt hat. Auch die Feiern des Geburtstags von George Washington wurden verschiedentlich am 11. und am 22. Februar ausgerichtet, bis zu einer bundesgesetzlichen Feiertagsregelung.
Charakteristika
Die Regeln des gregorianischen Kalenders führen zu einer durchschnittlichen Länge des Kalenderjahres von 365,2425 Tagen.
Das sogenannte tropische Jahr – der zwischen zwei aufeinanderfolgenden Primar-Äquinoktien (Frühlings-Tag-Nachtgleichen) liegende Zeitraum – ist gegenwärtig im Mittel 365,24219879 mittlere Sonnentage lang. Danach ist also auch der gregorianische Kalender im Verhältnis zur astronomischen Wirklichkeit etwas zu lang, nämlich 0,000301 Tage (= 26 Sekunden) pro Jahr. Das bedeutet, dass nach rund 3320 Jahren das Primar-Äquinoktium wieder einen ganzen Tag früher eintreten würde. Sofern bis dahin die christliche Jahreszählung beibehalten wird, würde es sich anbieten, in allen durch 3200 teilbaren Jahren den Schalttag wiederum entfallen zu lassen, wenn auch zu jener Zeit noch die Bindung des Primar-Äquinoktiums an den 21. März gewünscht wird.
Der gregorianische Kalender hat eine Periode von 400 Jahren: Nach dieser Zeit wiederholen sich nicht nur der Ablauf der Schalttage und damit die Tages- und Monatszählung, sondern auch die zugehörigen Wochentage. 400 Jahre enthalten nämlich 400×365 + 97 Tage, also 146097 Tage; das sind genau 20871 Wochen; es geht also nach 400 Jahren mit demselben Wochentag weiter. Infolge dieser Periodizität kann ein bestimmtes Datum (Tag und Monat oder nur Tag) nicht gleich häufig auf alle Wochentage fallen. Ausgerechnet der 13. eines beliebigen Monats fällt öfter (nämlich 688mal in 400 Jahren) auf einen Freitag als auf andere Wochentage (Donnerstag und Samstag: 684mal, Montag und Dienstag: 685mal, Sonntag und Mittwoch: 687mal).
Siehe auch
- Julianischer Kalender, Osterdatum
- Umrechnung zwischen julianischem Datum und gregorianischem Kalender, Wochentagsberechnung
- Zeitrechnung, Kalender, Jüdischer Kalender, Christlicher Kalender, Islamischer Kalender, Chinesischer Kalender, v. u. Z., v. d. Z., v. d. Chr., n. d. Chr., v. Chr., n. u. Z., n. d. Z., n. Chr.
Wikipedia-Links zum Themenkomplex Kalender und Zeit
Weblinks
- [http://personal.ecu.edu/MCCARTYR/inter-grav-text.html Papst Gregor XIII: Inter Gravissimas – Die päpstliche Bulle, mit der der gregorianische Kalender verordnet wurde]
- [http://www.fh-friedberg.de/users/boergens/marken/beispiele/kalender.htm Briefmarke: Sondermarke zur Vollendung der ersten Periode des gregorianischen Kalenders]
- [http://www.kalenderlexikon.de 1. deutsches Online-Kalenderlexikon]
Kategorie:Kalender
als:Gregorianischer Kalender
ja:グレゴリオ暦
ko:그레고리력
ms:Kalendar Gregorian
simple:Gregorian calendar
th:ปฏิทินเกรกอเรียน
SchaltjahrEin Kalender hatte historisch den Zweck, den Beginn der Jahreszeiten Jahr für Jahr auf das gleiche Datum fallen zu lassen, um den Zeitpunkt zum Beispiel von Festen oder wiederkehrenden Ereignissen bestimmen zu können. Ein tropisches Jahr, also der Zeitraum zwischen zwei Frühlings-Tagundnachtgleichen, dauert allerdings etwa 365 Tage und etwas weniger als 6 Stunden (365d 5:48:45.98, nicht konstant!), so dass eine einfache Zuordnung, die jedem Jahr die gleiche Anzahl Tage gibt, unmöglich ist, ohne dass sich gleichzeitig der Beginn der Jahreszeiten verschiebt. In den Kalendern der verschiedenen Kulturen gibt es deshalb Methoden, um die jeweilige Dauer des Jahres dem tropischen Jahr anzunähern.
Der Beginn der Jahreszeiten kann beispielsweise auf dem gleichen Datum festgehalten werden, wenn in geeigneten Abständen ein Schaltjahr, ein Jahr mit einem zusätzlichen Tag, dem Schalttag, eingefügt wird. Eine einfache Methode ist, jedes Jahr mit einer glatt durch 4 teilbaren Jahreszahl zum Schaltjahr zu erheben. So wurde es im Julianischen Kalender eingeführt, in dem der Februar 29 statt 28 Tage hat. Genauere Kalender nähern das tropische Jahr besser an: Da etwas weniger als sechs Stunden pro Jahr auszugleichen sind, fällt der (Julianische) Schalttag manchmal aus (wie z. B. im Jahre 1900 im Gregorianischen Kalender).
Julianischer Kalender
46 v. Chr. benutzten die Römer einen Kalender mit zwölf Mondmonaten mit abwechselnd je 29 bzw. 30 Tagen, zusammen 354 Tage. Weil gerade Zahlen aber Unglück brachten, schlugen die Römer noch einen Tag drauf. Doch trotzdem waren es zum Sonnenjahr immer noch mehr als zehn Tage zu wenig. Zunächst verteilte Julius Caesar diese zehn Tage auf die verschiedenen Monate, die auf nun 30 bzw. 31 Tage anwuchsen. Nur der damals letzte Monat Februar ging als Unglücksmonat leer aus und blieb somit bei 29 beziehungsweise im Schaltjahr damals bei 30 Tagen. Dem Mythos, dass der Februar einen Tag verlor, weil Kaiser Augustus sich im August als Monatsbezeichnung verewigen wollte und dem Februar noch einen Tag wegnahm, da der August wie der Juli, der Monat seines Vorgängers Caesar, 31 Tage haben sollte, und weil eine gerade Zahl ja auch Unglück brachte, wird im Artikel zum Monat August widersprochen. Doch die Römer hatten eine winzige, aber auf die Jahrhunderte gesehen, wirkungsvolle Ungenauigkeit hinterlassen. 11 Minuten und 14 Sekunden pro Jahr schoss das damals julianische Jahr über das Ziel hinaus. Alle 128 Jahre wurde demnach ein Schaltjahr zu viel begonnen.
Gregorianischer Kalender
Von Papst Gregor XIII. wurde daher 1582 folgende Regelung eingeführt (Gregorianischer Kalender):
- Glatt durch 4 teilbare Jahre sind Schaltjahre.
- Glatt durch 100 teilbare Jahre sind jedoch keine Schaltjahre.
- Glatt durch 400 teilbare Jahre sind aber wieder Schaltjahre.
So sind zum Beispiel die Säkularjahre 1800, 1900 und 2100 keine Schaltjahre, die Säkularjahre 2000 und 2400 hingegen schon.
Damit dauert das Gregorianische Jahr 365,2425 Tage, und ist genauer als das Julianische Jahr.
Seit dem Ersten Konzil von Nicäa im Jahr 325, bei dem der Frühlingsanfang auf den 21. März festgelegt wurde, betrug die aufgelaufene Differenz bereits 10 Tage, und so ließ Gregor auf den 4. Oktober gleich den 15. Oktober 1582 folgen, um diese Zeit auszugleichen.
Nicht in allen Ländern erfolgte diese Umstellung am selben Tag. Besondere Schwierigkeiten gab es in Schweden, wo im Jahr 1712 zwei Schalttage eingefügt wurden und somit dieses Jahr einen 30. Februar hatte.
Recht ungewöhnlich und wenig bekannt ist die Tatsache,
dass nicht etwa der 29. Februar der Schalttag
des Gregorianischen Kalenders ist.
Vielmehr wird der 24. Februar verdoppelt:
der 24. und der 25. Februar fallen nach römischer Zählweise,
die auch bei der Einführung des Gregorianischen Kalenders noch üblich war,
auf dasselbe Datum.
Im Gemeinjahr heißt der 24. Februar
„a. d. VI Kal. Mart.“ (sechster Tag vor dem März-Beginn);
der doppelte Tag im Schaltjahr heißt ebenso.
Da dieser Sechste (lat. „sextus“) doppelt („bis“) gezählt wird,
heißen Schaltjahr bzw. -tag „bissextilis“ (lateinisch),
„bissextile“ (english), „bisestile“ (italienisch) usw.
Nach heutiger Zählung verschieben sich der 24. und die weiteren Tage im Februar um einen Tag;
Bedeutung hat dies heute noch in der katholischen Kirche bei der Zählung der Kirchentage:
kirchliche Feiertage und auch die Namenstage sind von dieser Regelung betroffen.
Orthodoxer Kirchenkalender
Das gregorianische Jahr ist rund 27 Sekunden zu lang. Als Ergebnis hinkt der gregorianische Kalender nach 1.600 Jahren um einen halben Tag hinterher. Deshalb schlug die griechisch-orthodoxe Kirche eine etwas kompliziertere Schaltregel vor: Abweichend vom gregorianischen Kalender sind die Jahrhunderte nur dann Schaltjahr, wenn sie durch 9 geteilt den Rest 2 oder 6 ergeben. Damit wäre das Jahr 2800 kein Schaltjahr, sondern erst das Jahr 2900. Die Abweichung zum Sonnenjahr beträgt beim orthodoxen Kirchenkalender nur noch knapp 3 Sekunden.
Französischer Revolutionskalender
In der Zeit, in der der Französische Revolutionskalender Gültigkeit hatte, waren die Jahre 3, 7 und 11 Schaltjahre.
Die ursprüngliche Regelung des Kalenders war, dass der erste Tag jeden Jahres auf die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche fallen und jedes vierte Jahr ein Schaltjahr sein solle. Diese Forderungen widersprechen sich jedoch, und so schlug Charles Rommes, der Autor des Kalendersystems, eine dem Gregorianischen Kalender ähnliche Regelung vor. Er stieß jedoch aus politischen Gründen damit auf Widerstand. Durch die kurze Gültigkeit des Revolutionskalenders wurden die Diskussionen jedoch obsolet.
Jüdischer Kalender
Im Jüdischen Kalender, einem nach dem Mond ausgerichteten Kalender, der durch komplizierte Regelungen dem Sonnenjahr angepasst wird, wird in allen Jahren, die bei einer Division durch 19 einen Rest von 0, 3, 6, 8, 11, 14, oder 17 haben, ein Schaltmonat eingefügt. Er wird als Adar II bezeichnet.
Islamischer Kalender
Im Islamischen Kalender ist die Bestimmung eines Schaltjahres äußerst schwierig. Nach einem gebräuchlichen System, das unter anderem im GNU Emacs verwendet wird, sind alle Jahre, die bei einer Division durch 30 einen Rest von 2, 5, 7, 10, 13, 16, 18, 21, 24, 26, oder 29 haben, Schaltjahre.
Nach diesem System haben im Islamischen Kalender alle geradzahligen Monate 30 Tage und alle ungeradzahligen Monate 29 Tage. In Schaltjahren wird dem letzten ungeradzahligen Monat ein Tag hinzugefügt, so dass er dann 30 Tage hat.
Chinesischer Kalender
Schaltjahre im traditionellen, lunisolaren Chinesischen Kalender haben 13 Monate statt der üblichen zwölf; mit 383, 384 oder 385 Tagen statt 353, 354 oder 355 Tagen in normalen Jahren.
Zur Berechnung zählt man die Anzahl der Neumonde zwischen dem elften Monat eines Jahres (dem Monat der Wintersonnenwende) und dem elften Monat des folgenden Jahres. Fallen in diesen Zeitraum 13 Neumonde, so wird ein Schaltmonat eingefügt. Der erste Monat, der keinen zhong qì enthält, erhält dieselbe Nummer wie der Vormonat mit einem Zusatz als Schaltmonat.
Azteken-Kalender
Im Azteken-Kalender werden am Ende eines jeden 52-Jahres-Zyklus 13 Tage eingeschaltet. Daraus ergibt sich ein durchschnittliche Jahreslänge von 365 Tagen und 6 Stunden. Das weicht vom tropischen Jahr mehr als 11 Minuten ab. Die Genauigkeit dieser Schaltjahresmethode ist mit dem Julianischen Kalender vergleichbar.
Atomzeit
Heute, im Zeitalter der Atomzeitmessung, muss gelegentlich eine Schaltsekunde eingefügt werden, um die Zeit der mittleren Sonnenzeit anzugleichen.
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Siehe auch: Sommerzeit, Jahr, Gemeinjahr
Weblinks
- [http://www.nabkal.de/schalttag.html zur Historie des 24./25. Februar]
- [http://www.gnomon.ku-eichstaett.de/LAG/kalender.html Die Kalenderreform Julius Cäsars]
- [http://www.tondering.dk/claus/calendar.html FAQ about calendars (englisch, sehr umfangreich)]
- [http://www.schaltjahr.de Regel der Schaltjahre, Ausnahmen und Programmcode]
- [http://www.marco-burmeister.de/index_frameaufbau.html?helferlein_jahre Schaltjahrberechnung]
- [http://www.nabkal.de/umrechnung.html Umrechnungen von Kalenderdaten]
- [http://www.ortelius.de/kalender/greg_de.php Der Gregorianische Kalender]
- [http://www.kalendersysteme.de/deutsch/index.html Verschiedene Kalendersysteme]
Kategorie:Kalender
als:Schaltjahr
ja:閏年
ko:윤년
simple:Leap year
th:ปีอธิกสุรทิน
Konrad von HochstadenKonrad I. von Hochstaden, auch Konrad I. von Are-Hochstaden ( - um 1205; † 18. September 1261) war Erzbischof von Köln (1238-1261).
Er war der Sohn von Lothar I. von Are-Hochstaden und dessen Frau Mathilde von Vianden. Er hatte noch zwei Brüder, wovon der ältere, Lothar II., die Grafschaft Hochstaden erhielt. Diese wurde - nach seinem und seines Sohnes Tod - am 16. April 1246 von Konrads Bruder Friedrich an das Erzstift Köln zwecks Einverleibung geschenkt.
Der jüngere Bruder, Friedrich, war Propst von St. Maria ad Gradus in Köln, danach Propst in Xanten sowie Gründer des Xantener Doms. Von Konrads vier Schwestern (u.a. Margarete von Hochstaden) waren zwei Ordensfrauen.
Er wurde am 30. April 1238 als Nachfolger von Heinrich I. von Müllenark zum Erzbischof gewählt. Bis zu seiner Wahl hatte Konrad von Hochstaden das Amt des Domprobstes usurpiert. Um seiner Aufforderung Nachdruck zu verleihen, ließ er den rechtmäßigen Domprobst bannen. Dieser strengte einen Prozess vor der römischen Kurie an, die Konrad nach Rom zitierte, ohne das Konrad der Aufforderung nachkam. Daraufhin wurde Konrad von Rom exkommuniziert und das Interdikt über alle Orte verhängt, an denen sich Konrad aufhielt. Nach seiner Wahl legte Konrad seinen Streit mit dem Domprobst bei und beließ ihn im Amt.
Anfang August wurde er im Lager zu Brescia durch Kaiser Friedrich II. mit den Regalien des Reiches belehnt und zeigte sich durch sein Eintreten für die Wahl des Aachener Propstes Otto von Eberstein zum Bischof von Lüttich sogleich als Stauferfreundlich. Doch bereits im Frühjahr des Folgejahres trat er zur päpstlichen Partei über, wofür sicherlich nicht nur das finanzielle Entgegenkommen Papst Gregor IX. verantwortlich war, denn mit dem Erzbistum übernahm Konrad zugleich enorme Schulden seines Vorgängers bei italienischen Bankiers. In seinen Territorialkriegen mit Brabant, Jülich, Sayn, Limburg und Berg zwischen 1239 und 1244 vermischten sich entsprechend handfeste Eigeninteressen und Reichsinterressen. Einen Tiefpunkt erreichten diese mit der Niederlage in der Schlacht bei Lechenich, welche ihn in von Februar bis November 1242 in die Gefangenschaft auf der Jülicher Burg Nideggen brachte, die er trotzdem siegreich und mit Machtzuwachs bestanden hatte.
Nachdem ihn der Bischof von Münster, Ludolph von Holte, zum Priester geweiht hatte, wurde er von diesem kurz darauf am 28. Oktober 1239 auch zum Bischof geweiht und erhielt durch den Papst im Februar 1244 das Pallium verliehen.
Mitte der 1240er Jahre war Konrad von Hochstaden fraglos der mächtigste Reichsfürst und konnte sich die Etablierung eines antistaufischen Gegenkönigtums erlauben, ohne dass die Auswahl der Kandidaten in jedem Fall sein Verdienst gewesen wäre. Das trifft allenfalls für Wilhelm von Holland, kaum aber für Heinrich Raspe und Richard von Cornwall zu. Entscheidend aber war, dass er sich mit seinem Standpunkt, ohne Zustimmung und Krönung des Erzbischofs von Köln gäbe es keine gültige Königserhebung, Gehör verschaffen konnte. Im März 1249 wurde er durch Klerus und Volk von Mainz eindeutig zum Nachfolger des verstorbenen Siegfried III. von Eppstein gewählt. Dieses lehnte er jedoch auf päpstliches Verlangen hin ab, wofür er jedoch mit der Legatenwürde für Deutschland ausgestattet wurde. Diese wurde ihm jedoch nach Jahresfrist nicht mehr verlängert; wahrscheinlich wollte Papst Innozenz IV. seiner Macht dann doch Grenzen setzen.
In den Jahren 1254 und 1255 kam es zu Spannungen zwischen ihm und König Wilhelm, der sich immer mehr der Leitung und Bevormundung durch seinen Protektor zu entziehen und hierzu den eben begründeten rheinischen Städtebund als Instrumentarium seiner realen Königsherrschaft zu nutzen suchte. Besorgte päpstliche Mahnungen lassen eine geplante Absetzung des Königs durch den Erzbischof vermuten. Das sich anbahnende Zerwürfnis mit König und Kurie hatte die mit dem Machtübergewicht des Kölner Erzbischofs-Herzogs unzufriedenen rheinischen und westfälischen Territorialherren, den Grafen von Jülich und den Bischof von Paderborn, zur Bildung einer antikölnischen Koalition angeregt, welcher Konrad jedoch rasch Herr werden konnte und im Oktober 1243 den Grafen von Jülich, wie auch im August 1256 den Bischof von Paderborn zur Anerkennung seiner überlegenen und herausgehobenen Stellung zwingen konnte. Hierbei nutzte Konrad von Hochstaden seine Herzogsgewalt jedoch nicht im Sinne einer bloßen Machtrestauration, sondern zum Ausbau einer unbestrittenen und wirkungsvollen Oberherrschaft über eigen- und selbständige Landesherrschaften, welche den Landfrieden sichern sollte. In diesem Zusammenhang ist auch der sog. "Kleine Schied" zu sehen, welcher den Streit zwischen dem Erzbischof und der Stadt 1252 um das Recht einer neuen, minderwertigen Münze beendete. Als Schiedsrichter wurde unter anderen Albertus Magnus eingesetzt. 1258 kam es erneut zu einem Schiedsspruch Albertus Magnus im Streit mit den Kölner Patriziern im "Großen Schied" zu seinen Ungunsten, bei dem Albertus Magnus dem Erzbischof zwar die höchste geistliche und weltliche Macht, der Stadt aber eine gewisse eigene Gerichtsbarkeit mit Schöffen (= Richtern) und Amtleuten zusprach. Doch konnte Konrad bereits 1259 die Macht des städtischen Patriziates brechen, in dem er statt der Schöffen aus dem Patriziat neue Schöffen aus den Zünften einsetzte. Damit spielte er geschickt die Zünfte gegen die Patrizier aus und erlangte auf diese Weise erneut die Stadtherrschaft. Einen Aufstand der Patrizier 1260 schlug er brutal nieder und sperrte die Beteiligten, sofern er sie nicht zum Tode verurteilen ließ, in Godesberg ein.
Am 7. Mai 1259 verlieh er der Stadt das Stapelrecht. Jeder auswärtige Kaufmann, der seine Waren über den Rhein transportiert, musste diese nun für eine festgelegte Zeit in Köln anbieten.
Eine enorme Erweiterung des Erzstifts verschaffte ihm der Tod des letzten Grafen von Are-Hochstaden, seinem Neffen. Nach einer Einigung mit seinem jüngeren Bruder Friedrich und den Verwandten konnte er so im Jahre 1246 die genannte Grafschaft seinem Bistum zufügen. Auch der Erwerb weiter Gebiete der Grafschaft Sayn ab 1248 gelang ihm. Durch Städtegründungen und -erhebungen, wie auch die Einführung moderner Territorialverwaltungen gelang ihm eine Absicherung dieses in wenigen Jahren enorm erweiterten Besitzkomplexes.
Nach seinem Tod wurde er in der Johanneskapelle des Kölner Domes beigesetzt, dessen Grundstein er 1248 legte und wo man durch den raschen Baufortschritt schon 1265 in den Kapellen des Chorumgangs den Gottesdienst feiern konnte.
Weblinks
- [http://www.kreis.aw-online.de/kvar/VT/hjb1953/hjb1953.5.htm Konrad von Are-Hochstaden]
Hochstaden, Konrad
Hochstaden, Konrad
Hochstaden, Konrad
Hochstaden, Konrad
Weinsberger BluttatDie Weinsberger Bluttat, auch bekannt als Weinsberger Blut-Ostern, war die Tötung des Grafen Ludwig von Helfenstein und seiner Begleiter vor den Toren der Stadt Weinsberg durch aufständische Bauern im Deutschen Bauernkrieg am 16. April 1525 (Ostersonntag).
Die Bauern hatten Stadt und Burg Weinsberg gestürmt, nachdem sie sie vorher vergeblich zur Übergabe aufgefordert hatten und auf ihre Parlamentäre geschossen worden war. Helfenstein, österreichischer Amtmann Weinsbergs, Obervogt über alle württembergischen Bauern und bei diesen verhasst, wurde gefangengenommen. Eine Gruppe von Adligen verschanzte sich auf dem Kirchturm der Johanneskirche, was ihnen aber nichts nutzte, da die Bauern sie trotzdem stellten und Berichten zufolge den Anführer der Adligen, Dietrich von Weiler, vom Turm warfen.
Obervogt
Helfenstein, weitere Adlige sowie Knechte und Reisige (berittene Söldner) wurden von den Bauern unter Führung Jäcklein Rohrbachs zum Tode verurteilt – gegen den Willen anderer, gemäßigterer Bauernführer wie z.B. Wendel Hipler. Das Urteil wurde vor dem Unteren Tor Weinsbergs vollstreckt, indem die Bauern die Adligen durch die Spieße laufen ließen. Der Pfeifer Melchior Nonnenmacher, vormals Musikant in Adelsdiensten, soll ihnen dabei einen „Letzten Tanz“ gespielt haben. Die Frau des Grafen, Margaretha von Helfenstein, und sein Sohn wurden nicht getötet, sondern – angeblich auf einem Mistwagen – nach Heilbronn geschickt, nachdem die Gräfin manchen Quellen zufolge die Bauern noch erfolglos um das Leben ihres Mannes angefleht haben soll.
Die Hinrichtung Helfensteins und seiner Begleiter löste bei den Herrschenden in Deutschland, vor allem in Franken, einen großen Schock, ja regelrechte Panik aus, da sie ihre Stellung zu Recht bedroht sahen. Mit großer Härte verfolgten sie daher die Bauern, insbesondere Rohrbach, aber auch die Stadt Weinsberg, obwohl diese für die Taten der Bauern nicht verantwortlich war. Jäcklein Rohrbach wurde gefangen und am 20. oder 21. Mai bei Heilbronn lebendig verbrannt. Weinsberg wurde am 21. Mai von einem Heer des Schwäbischen Bundes vollkommen zerstört, musste zahlreiche Bußen verrichten und Strafen zahlen und ging seiner Stadtrechte verlustig, die es erst 1553 zurückerhielt.
Nachwirkung in der Literatur
Johann Wolfgang von Goethe lässt 1771 in Götz von Berlichingen zu Beginn des 5. Aktes Jörg Metzler, einen der Bauernführer, von der Tat berichten. Justinus Kerner verfasst 1820 die historische Abhandlung Bestürmung der württembergischen Stadt Weinsberg durch den Hellen Christlichen Haufen im Jahr 1525 und deren Folgen für diese Stadt, sein Sohn Theobald Kerner thematisiert das Blut-Ostern in seinem Gedichtzyklus Bilder aus dem Bauernkrieg. Johannes Wüsten schreibt 1936 das Drama Weinsberg, in dem es um den Bauernkrieg geht. Yaak Karsunke schließlich stellt das Geschehen 1975 in den Mittelpunkt seiner Bauernoper.
Kategorie:Deutsche Geschichte (Heiliges Römisches Reich)
Kategorie:Bauernkrieg
HelfensteinHelfenstein war ein Grafengeschlecht, benannt nach der oberhalb von Geislingen an der Steige gelegenen Burg Helfenstein.
Erste nachweisbare Mitglieder waren Eberhard (um 1100 n. Chr.) und sein gleichnamiger Sohn (1140). Sie hatten umfangreiche Güter auf der Schwäbischen Alb, in Ulm, Heidenheim sowie im Donautal um Sigmaringen.
Auch rechnen einige die Grafen von der Vils zu den Vorfahren der Famile, aus welcher bereits 1060 Gebhard Erzbischof zu Salzburg war.
Der Helfensteiner Zweig erwarb 1258 große Teile des Besitzes der Grafen von Dillingen rund um Ulm und erreichte damit den Gipfelpunkt seiner Macht. 1369 wurde die Grafschaft Helfenstein der Stadt Ulm überlassen. Der Familienstamm teilte sich in die zwei Linien zu Möskirchen und zu Wiesensteig in Schwaben. Erstere erlosch 1626, letztere mit dem Ableben des Grafen Rudolph am 20. September 1627, worauf Möskirchen an das fürstliche Haus Fürstenberg gelangte und Wiesensteig an Kurbayern kam.
Kategorie:Deutsches Adelsgeschlecht
Weinsberg
Weinsberg ist eine Stadt im Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg, 4 km östlich von Heilbronn. Die Stadt wurde um das Jahr 1200 gegründet und hat etwa 11.850 Einwohner (Stand: 2004). Sie liegt am Eingang des nach ihr benannten, von der Sulm und ihren Zuflüssen gebildeten Weinsberger Tales zwischen Neckar und Löwensteiner Bergen. Bekannt ist Weinsberg für den Weinbau, der über Jahrhunderte hinweg zentral für die Weinsberger Wirtschaft war und immer noch eine wichtige Rolle spielt. Heute ist die Stadt der Zentralort des Weinsberger Tales mit ausgeprägter Infrastruktur und ein Unterzentrum mit mittelzentralen Funktionen.
Geografie
Geografische Lage
Weinsberg liegt hauptsächlich im bzw. auf den Hängen des Tales des Stadtseebaches (auch Saubach genannt), eines Zuflusses der Sulm. Die Sulm fließt zwar durch Weinsberger Gebiet, aber nicht durch die Stadt selbst, und nur ein kleiner Teil der Stadt liegt am Rand des Sulmtales. Nordwestlich des Stadtkerns erhebt sich der Burgberg mit der Burgruine Weibertreu, westlich davon der Schemelsberg. Beide Berge werden intensiv für den Weinbau genutzt. Im Süden erstrecken sich das Stadtseebachtal und das Brühltal. Die Beschreibung des Oberamts Weinsberg von 1861 vermerkt: „Die Lage der Stadt ist im Allgemeinen eine gesunde und sehr milde, gegen Nordwesten durch den Burgberg, an den sie sich anlehnt, gedeckt, gegen Süden den Sonnenstrahlen offen, vor den Nebeln des westlichen Neckarthales durch den dazwischenliegenden Jägerhaus-, Galgen- und Wartberg geschützt.“
Weinbau
Geologie
Weinsberg liegt am Rand der Keuperstufe der Löwensteiner Berge, deren Ausläufer sich bis nach Neckarsulm und Öhringen erstrecken. Der Burgberg und der Schemelsberg sind Zeugenberge, die von Sulm und Stadtseebach vom restlichen Gebirgsstock abgetrennt wurden. Beide haben eine Schicht aus Schilfsandstein, der auch zum Bau u.a. der Burg und der Johanneskirche verwendet wurde. Am Burgberg wurde von 1811 bis 1867 Gips abgebaut. Das Loch, das der Gipsabbau im Berg hinterlassen hatte, wurde in den 1950er-Jahren wieder zugeschüttet und in Weinberge der Weinsberger Weinbauschule umgewandelt.
Stadtgliederung
Weinsberg besteht aus der Kernstadt und den 1973/75 eingemeindeten Ortschaften Gellmersbach, Grantschen und Wimmental. Außerhalb der geschlossenen Bebauung befinden sich auch der Weißenhof (mit Klinikum), der Rappenhof und das Wohngebiet Stöcklesberg, ohne dass es sich dabei jedoch um eigene Ortschaften handelt.
Klinikum
Ausdehnung des Stadtgebiets
Das Weinsberger Stadtgebiet umfasst 22,22 km², wovon 14,29 km² auf Weinsberg, 3,37 km² auf Gellmersbach, etwa 2,50 km² auf Grantschen und etwa 2,06 km² auf die kleinste Ortschaft Wimmental entfallen.
Seit den Eingemeindungen kann die Form des Stadtgebietes am ehesten mit einem unregelmäßigen (Griechischen) Kreuz verglichen werden, wobei Weinsberg selbst den kurzen West- und den verdickten Südbalken darstellt, Gellmersbach den Nordbalken und Grantschen und Wimmental den verlängerten Ostbalken. Die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt etwa 8,6 km, in West-Ost-Richtung etwa 9,3 km.
In den Jahren 1957 sowie 1989–2001 verteilte sich die Flächennutzung wie folgt (Flächenangaben in ha, Quelle 1957: Jahrbuch für die Stadt Weinsberg; 1989–2001: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg):
Die Siedlungsfläche nimmt kontinuierlich zu, da Weinsberg nach wie vor Baugebiete ausweist. Im Umkehrschluss nimmt die landwirtschaftlich genutzte Fläche ab.
Der städtische Waldbesitz beträgt insgesamt 567 ha. Neben 426 ha Wald auf den Markungen Weinsbergs und seiner Teilorte besitzt die Stadt auch noch 141 ha Wald auf der Markung von Gemmingen, der am 29. Juli 1936 erworben wurde, als Ausgleich für Weinsberger Gebietsabgaben an den Staat für Militärzwecke (Erweiterung des Heilbronner Exerzierplatzes auf der Waldheide).
Nachbargemeinden
Nachbarstädte und -gemeinden Weinsbergs sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Heilbronn (Stadtkreis), Erlenbach, Eberstadt, Bretzfeld (Hohenlohekreis), Obersulm, Ellhofen und Lehrensteinsfeld. Bis auf Heilbronn und Bretzfeld gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Zusammen mit Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld bildet Weinsberg den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg.
Klima
Das Klima ist durch die geschützte Tallage meistens mild und begünstigt den ausgiebig betriebenen Weinbau. Die durchschnittliche Jahrestemperatur lag lt. Jahresberichten der Weinbauschule Weinsberg 1961–1990 bei 9,6 °C, der jährliche Niederschlag bei 740 mm. Für die Periode 1971–2000 liegen diese Werte bei 10,0 °C und 738,4 mm, 2002 bei 11,1 °C und 959 mm. Der Januar hatte von 1961–1990 durchschnittlich 0,6 °C bei 57 mm Niederschlag, 1971–2000 1,4 °C bei 51,7 mm und 2002 0,8 °C bei 21 mm. Der Juli hatte von 1961–1990 durchschnittlich 18,7 °C bei 65 mm Niederschlag, 1971–2000 19,2 °C bei 74,5 mmm und 2002 18,8 °C bei 92 mm.
Geschichte
Juli
Kelten und Römer
Auf Weinsberger Gemarkung wurde im 19. Jahrhundert eine keltische Silbermünze (Typ Kreuzmünze) aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Die Münzinschrift „V,O,L,C“ kann dem keltischen Stamm der Volcae zugeordnet werden, die damals u. a. in Süddeutschland lebten. Damit ist zu vermuten, dass sich zu dieser Zeit Kelten zumindest zeitweise im Gebiet des heutigen Weinsberg aufgehalten haben.
Die ersten sicher bekannten Siedler auf Weinsberger Gebiet jedoch waren die Römer. Durch das heutige Stadtgebiet verlief im 2. Jahrhundert eine Römerstraße, die von einem ehemaligen Grenzkastell des Neckarlimes bei (Heilbronn-) Böckingen zu einem Grenzkastell des Obergermanischen Limes bei Öhringen führte. An dieser Straße wurde unterhalb des späteren Burgberges zwischen 148 und 161 n. Chr. ein römischer Gutshof (villa rustica) errichtet, der bis zur Zerstörung durch Alamannen 234 oder 259/260 bestand. Das Badehauses dieses Gutshofes (in Weinsberg bekannt als Römerbad) wurde 1906 ausgegraben und konserviert, Teile des restlichen Gutshofes 1977.
Mittelalter
Die Alamannen wurden um 500 von den Franken verdrängt, die im 7. Jahrhundert auf Weinsberger Gemarkung westlich des Weißenhofes, zwischen Erlenbach und Gellmersbach, siedelten. 778 wurde die Gegend um Weinsberg als Sulmanachgowe (Sulmgau, Hauptort vermutlich Neckarsulm) in einer Schenkungsurkunde Karls des Großen an das Kloster Lorsch erstmals erwähnt. Auf dem heutigen Gebiet der Stadt Weinsberg sind mehrere mittelalterliche Siedlungen (Bodelshofen, Burchardeswiesen, Lyndach u.a.) nachweisbar, die teilweise auch nach der Stadtgründung noch weiterbestanden, dann aber nach und nach aufgegeben wurden.
Kloster Lorsch, spätes 16. Jahrhundert]]
Vermutlich um das Jahr 1000 wurde die Burg Weinsberg als Reichsburg auf einem Berg an der Handelsstraße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall errichtet. 1140 wurde die Burg von König Konrad III. im Zuge der Auseinandersetzung zwischen Staufern und Welfen belagert und musste sich, nachdem das zu ihrer Befreiung herangeführte Entsatzheer Welfs VI. von den Staufern in einer Schlacht besiegt worden war, schließlich am 21. Dezember 1140 ergeben. Den Frauen auf der Burg wurde freier Abzug gewährt unter Mitnahme von dem, was jede tragen könne. Sie trugen ihre Männer herab, denen sie so das Leben retteten, da der König sich an sein Wort hielt. Die Frauen wurden als Treue Weiber bekannt. Die Burg (heute Ruine) heißt aufgrund dieser Begebenheit Weibertreu.
Die Staufer setzten eine Ministerialenfamilie aus dem Göppinger Raum als Verwalter auf der Burg ein, die sich bald nach ihrem Sitz „von Weinsberg“ (Herren von Weinsberg) nannte und bis 1450 die Burg als Reichslehen innehatte (mit Unterbrechungen im Nutzungsrecht). Es entstand eine Vorburgsiedlung an den Hängen des Burgberges zwischen der Burg und der Kirche (heutige Ev. Johanneskirche), mit deren Bau um 1200 unterhalb der Burg begonnen wurde.
Um 1200 wurde vermutlich auch die Stadt Weinsberg gegründet. Wahrscheinlich war eine an der Handelsstraße gelegene Marktsiedlung zur Versorgung der Burg ihr Vorläufer. 1241 setzt die schriftliche Überlieferung ein mit der Erwähnung der Stadt in einem staufischen Einkünfteverzeichnis, in dem Weinsberg an 29. Stelle aufgeführt ist, ebenbürtig mit Donauwörth, Wiesbaden, Offenburg und Konstanz. Wann Weinsberg das Stadtrecht erlangte, ist unbekannt. Es muss aber vor 1283 gewesen sein, da in diesem Jahr König Rudolf I. der Stadt Löwenstein das Stadtrecht verleiht nach dem Vorbild des Stadtrechtes, das seine Vorfahren der Stadt Weinsberg verliehen hatten. Zu Beginn war Weinsberg zur Hälfte Reichsstadt, zur anderen Hälfte im Besitz der auf der Burg Weinsberg residierenden Herren von Weinsberg, die in der Stadt umfangreiche Rechte wie z.B. das Kelterrecht, das Badstubenrecht und das Recht auf die Besetzung des Schultheißenamtes hatten. Diese Rechte und das Beharren der Stadt auf ihrem Status als Reichsstadt, den sie durch Beitritt zu verschiedenen Städtebünden bekräftigte, führten zu zahlreichen Streitereien zwischen Stadt und Herren.
Reichsstadt
Im frühen 13. Jahrhundert war eine Stadtmauer aus Buckelquadern um die Stadt errichtet worden, die ursprünglich durch Schenkelmauern auch die Burg im Nordwesten mit einschloss. Im Gebiet zwischen diesen Schenkelmauern, unmittelbar unterhalb der Burg, standen Häuser für Priester, Ministeriale und Leibeigene der Herren. Vermutlich im frühen 14. Jahrhundert (vor 1312) zerstörten die Weinsberger Bürger diesen Stadtteil und schlossen die Stadt im Westen gegenüber der Burg ab, wie Urkunden aus dem Jahr 1375 aussagen. In Ausnutzung der Abwesenheit zweier der drei Burgherren und gegen den Widerstand des dritten errichteten sie eine Mauer zwischen Burg und Stadt mit einem davorliegenden Graben, der als Burgweg heute noch existiert. Die Schenkelmauern wurden vermutlich gleichzeitig abgebrochen. Reste der Stadtmauer existieren noch im Norden und Nordosten des alten Stadtkerns; im Süden ist nur noch ein kleines Stück zu finden. Drei der Türme – Wolfsturm, Diebsturm (später Geisterturm genannt) und Küh-, Säu- oder Wachturm – sind ebenfalls noch erhalten, vom Wolfsturm in der Nordwestecke der Stadtbefestigung gleich bei der Kirche allerdings nur der Turmstumpf.
Die Streitereien mit den Herren dauerten an. Schließlich, am 22. Mai 1417, belehnte König Sigismund seinen Reichserbkämmerer Konrad IX. von Weinsberg mit der Stadt Weinsberg, die damit vom Status einer Reichsstadt zu einer den Weinsberger Herren unterstellten Landstadt abgewertet worden wäre. Die Stadt suchte Schutz in einem weiteren Städtebund, dem Weinsberger Bund vom 27. November 1420, in dem sich 33 Reichsstädte zum Schutz der Stadt Weinsberg zusammenschlossen.
Weil die Stadt sich weigerte, seine Herrschaft anzuerkennen, und auch die ihm zustehenden Abgaben nicht mehr zahlte, bewirkte Konrad IX. beim königlichen Hofgericht die am 10. Februar 1422 vom König bestätigte Acht über die volljährigen Bürger. Weil diese nichts bewirkte, folgte 1425 die Aberacht. Außerdem verhängte Papst Martin V. 1424 den Kirchenbann über sie. All das nutzte jedoch nichts, und Konrad griff zu drastischeren Maßnahmen. Er wollte die mit Weinsberg verbündeten schwäbischen Städte schädigen und erwarb zu diesem Zweck (durch Tausch gegen Weikersheim mit Pfalzgraf Otto I. von Pfalz-Mosbach) die Stadt Sinsheim, durch die einer der Hauptwege zur Frankfurter Messe führte, an dem er damit Rechte erwarb. Im August 1428 überfiel er in Sinsheim zur Messe ziehende Kaufleute und setzte 149 Kaufleute aus 20 mit Weinsberg verbündeten Städten fest, davon allein 37 aus Ulm. Die Frankfurter Messe musste ausfallen. Der König empfand das als persönliche Beleidigung und entzog Konrad seine Gunst. Die Städte einigten sich zwar im Oktober 1428 in Heidelberg mit Konrad, der König verbot ihnen aber diese Einigung. Erst 1430 kam es zu einem neuerlichen Vergleich der Parteien auf Grundlage der zwei Jahre zuvor in Heidelberg erzielten Einigung, dem der König nun zustimmte. In diesem Vertrag musste Konrad die Stadt Weinsberg als (ungeteilte) Reichsstadt anerkennen.
Bereits 1440 verlor Weinsberg den Status der Reichsstadt wieder. Der 1596 in Frankfurt am Main erschienenen Schwäbischen Chronik (Paraleipomenos Rerum Sueuicarum Liber) des Tübinger Professors Martin Crusius zufolge soll es einer Schar von Rittern unter Führung von Kunz von Bebenburg und Hans von Urbach gelungen sein, einige Männer in einem großen Weinfass („Trojanisches Fass“) in die Stadt zu schmuggeln, die dann die Tore öffneten und so die Einnahme der Stadt ermöglichten. Am 16. September 1440 verkauften sie die Stadt für 3.000 Gulden an den Pfalzgrafen bei Rhein. Da Weinsberg die von diesem geforderte Auslöse von 7.966 Gulden nicht aufbringen konnte, wurde die Stadt Teil der Kurpfalz. 1450 kaufte der Pfalzgraf den Herren von Weinsberg die Burg und die ihnen noch verbliebenen Rechte in der Stadt ab und war damit alleiniger Besitzer Weinsbergs.
16. bis 19. Jahrhundert
1504 eroberte Herzog Ulrich von Württemberg im Landshuter Erbfolgekrieg Burg und Stadt Weinsberg nach dreiwöchiger Belagerung. Mit dem Uracher Vertrag von 1512 zwischen der Kurpfalz und Württemberg wurde Weinsberg dann auch offiziell württembergisch. 1520 wurde es wie ganz Württemberg österreichisch (bis 1534).
österreichisch
Im Bauernkrieg wurden am 16. April 1525, Ostersonntag, Burg und Stadt von aufständischen Bauern eingenommen. Der in Weinsberg gefangen genommene Graf Ludwig von Helfenstein, Amtmann von Weinsberg und Obervogt über alle württembergische Bauern, wurde vor den Stadtmauern mitsamt seinen Rittern und Reisigen von den Bauern durch die Spieße gejagt und getötet. Dieses Weinsberger Blut-Ostern zog die Vergeltung des Schwäbischen Bundes nach sich, der Weinsberg am 21. Mai niederbrennen ließ. Die Stadt verlor ihre Freiheiten und das Stadtrecht, ihre Einkünfte gingen künftig direkt an die Obrigkeit. Die Bürger mussten eine jährliche Buße von 200 Gulden zahlen. Bis 1534 wurden zudem Sühnegelder für die Hinterbliebenen Helfensteins von den Weinsbergern eingetrieben. Es wurde verboten, die zerstörten Häuser wieder aufzubauen; das Verbot wurde aber noch im selben Jahr wieder aufgehoben. Der Urfehdebrief vom 17. November 1525, der dieses Verbot aufhob, bestimmte auch, dass die gesamte Stadtmauer mitsamt Türmen geschleift werden sollte, was aber nicht geschah. Nach der Rückkehr Ulrichs nach Württemberg 1534 huldigte ihm Weinsberg und nannte sich fortan wieder Stadt, wenngleich ein (neues, württembergisches) Stadtrecht erst 1553 von Herzog Christoph wieder verliehen wurde.
Im Schmalkaldischen Krieg wurde Weinsberg am 21. Dezember 1546 von Kaiser Karl V. ohne Kampfhandlungen eingenommen. In der Folge lagen von November 1549 bis Oktober 1551 spanische Truppen in der Stadt. Danach kehrte für mehrere Jahrzehnte Ruhe ein, die nur durch den Durchzug von Infektionskrankheiten – „Englischer Schweiß“ (sudor anglicus) im Jahre 1529, Pest in den Jahren 1571, 1585, 1597 und 1612 – gestört wurde.
Pest
Im Dreißigjährigen Krieg lagen dann mehrfach Soldaten in Weinsberg. Im September 1634 fielen kaiserliche Truppen ein, plünderten die Stadt und ermordeten zehn Menschen. 1625 und 1635 suchte erneut die Pest die Stadt heim, die bis 1640 fast zwei Drittel ihrer Einwohner verlor. Ebenfalls 1635 schenkte Kaiser Ferdinand II. Stadt und Amt Weinsberg dem Grafen Maximilian von und zu Trauttmansdorff, der beide 1646 an Württemberg zurückgab. Aufgrund dieser Episode nennen sich seine Nachfahren bis heute von Trauttmansdorff-Weinsberg. 1649 bis 1742 gehörte Weinsberg (zusammen mit Möckmühl und Neuenstadt am Kocher) hälftig zur Herrschaft Württemberg-Neuenstadt. Während dieser Zeit wurde die Stadt am 19. August 1707 durch einen großen Brand zu zwei Dritteln zerstört und danach innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut, wobei das mittelalterliche Stadtbild mit engen Gassen wegen der Weiterverwendung der für den Weinbau wichtigen Keller weitgehend erhalten blieb – trotz anderer Wünsche der mit dem Wiederaufbau befassten herzoglichen Baumeister, die ihre barocken Ideale der geraden, breiten Straßen als Sichtachsen nur am Marktplatz durchsetzen konnten. 1755 wurde Weinsberg Sitz eines Oberamtes (Oberamt Weinsberg).
1784 wurde mit der Einrichtung eines (offenen) Feuertores beim südlichen Wachturm erstmals eine Bresche in die bis dahin lückenlose Stadtmauer geschlagen. 1803 wurden die noch vorhandenen Teile des Wehrgangs abgebrochen, ab 1805 in einem jahrzehntelangen Prozess nach und nach fast die gesamte restliche Stadtmauer. In zwei Schritten wurde 1811 und 1844/45 die Straße nach Heilbronn am westlichen Stadtausgang auf eine neue, weniger steile Trasse verlegt, wozu weitere Teile der Stadtmauer und auch einige Häuser abgerissen wurden.
Wehrgang
1817 setzte in der Stadt eine Auswanderungswelle vor allem nach Nordamerika ein, die bis ins späte 19. Jahrhundert anhielt. Die Gründe waren zum einen wirtschaftlicher Art (z.B. durch Missernten verursachte Not), zum anderen aber auch politischer Natur. Der später berühmte Nationalökonom Friedrich List, damals noch württembergischer Rechnungsrat, wurde im Frühjahr 1817 nach Weinsberg geschickt, um die Gründe der Auswanderungswilligen zu erforschen. Ihm wurden hauptsächlich Bedrückung durch Feudalrechte (z.B. Fronen) oder persönliche Bedrückung durch willkürlich handelnde Beamte genannt. Lists Bericht an die Regierung in Stuttgart findet seinen Höhepunkt in der Aussage, die Auswanderer „wollen lieber sklaven in Amerika seyn als bürger in Weinsperg.“ Erst Jahrzehnte später, 1892, wird in Weinsberg die letzte Auswanderung nach Nordamerika verzeichnet. Die Industrialisierung und der damit verbundene Wirtschaftsaufschwung verbesserten die Lage der Bürger.
Von 1819 bis zu seinem Tod 1862 lebte der Dichter und Arzt Justinus Kerner in Weinsberg. In seinem 1822 erbauten Haus, dem Kernerhaus, trafen sich oft mit ihm befreundete Dichter wie Ludwig Uhland, Gustav Schwab und Nikolaus Lenau und bescherten Weinsberg so den Ruf, ein „schwäbisches Weimar“ zu sein. Auch in der Heimat- und Denkmalpflege war Kerner tätig; er verhinderte den weiteren Abbruch der Burgruine und gründete für ihre weitere Instandhaltung zusammen mit 142 Weinsberger Frauen den Frauenverein Weinsberg, der 1824 vom württembergischen König Wilhelm I. mit der Burgruine belehnt wurde, die noch heute im Besitz des Vereins (inzwischen Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein Weinsberg) ist.
1860 bis 1862 wurde die Eisenbahnlinie von Heilbronn über Weinsberg nach Schwäbisch Hall (Hohenlohebahn) gebaut, bis 1867 deren Fortsetzung nach Crailsheim. Die Eisenbahn brachte den Fortschritt und mit einiger Verzögerung auch wirtschaftliche Prosperität in die Stadt. 1868 wurde nach jahrelangen Vorbereitungen eine Königliche Weinbauschule in Weinsberg eingerichtet, die unter anderem Namen bis heute besteht.
Königliche Weinbauschule
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts
Das erste Viertel des 20. Jahrhunderts sah die Gründung einiger Firmen, die sich hauptsächlich in zwei neu angelegten Gewerbegebieten in der Nähe des Bahnhofs ansiedelten und Güter wie Ziegel, Tabak, Möbel u.a. produzierten. 1903 wurde etwas außerhalb des Stadtgebietes die neu gebaute Königliche Heilanstalt (für Geisteskranke) eröffnet, die als Klinikum am Weissenhof heute der größte Arbeitgeber in der Stadt ist.
Nach mehreren gescheiterten Versuchen unternahm es die württembergische Regierung 1923 erneut, die Zahl der Oberämter zu verringern. Auch diese Reform scheiterte und führte zum Rücktritt der Regierung. Die weitere politische Debatte führte schließlich zu einer Mini-Reform, der 1926 als einziges Oberamt das Oberamt Weinsberg zum Opfer fiel, das mit Wirkung vom 1. April gegen den heftigen Protest der Weinsberger aufgelöst und auf die umliegenden Oberämter verteilt wurde. Weinsberg selbst wurde dem Oberamt Heilbronn zugeteilt. Die ehemalige Oberamtsstadt verlor an Bedeutung, die Heilbronn im Gegenzug dazugewann.
Im Zweiten Weltkrieg kam Weinsberg lange Zeit relativ ungeschoren davon und konnte sogar viele Ausgebombte aus dem am 4. Dezember 1944 stark zerstörten Heilbronn aufnehmen. In der Endphase des Krieges, am 12. April 1945, wurde die Stadt dann doch noch durch Artilleriebeschuss und Bombardierung und die daraus resultierenden Brände großteils zerstört. Insgesamt 15 Menschen starben. 330 Häuser brannten ab, auch das Rathaus und mit ihm das Stadtarchiv, das schon bei den Bränden 1525 und 1707 dezimiert worden war. Weitere wichtige Quellen zur Stadtgeschichte gingen verloren.
Zweiten Weltkrieg
Im 1937 am damaligen Stadtrand errichteten Landwehrübungslager, das ab 1940 bis Ende März 1945 als Offiziersgefangenenlager (Oflag V A) diente, wurden von den Siegermächten nach Kriegsende ehemalige Zwangsarbeiter und andere „Displaced Persons“ untergebracht. 1953 wurde das Lager umfunktioniert zu einem Landesdurchgangslager für Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten, das noch bis zum 30. November 1972 existierte. Auch Bundespräsident Horst Köhler lebte als Kind für einige Tage hier. Viele Flüchtlinge aus dem Lager ließen sich permanent in Weinsberg nieder und trugen zum Wiederaufbau der Stadt in den späten Vierziger- und den Fünfzigerjahren bei. Bis 1955 war der Wiederaufbau mit 450 Neubauten oder wieder aufgebauten Gebäuden im Wesentlichen abgeschlossen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren veränderte der Bau zweier Autobahnen und des Autobahnkreuzes die Stadt in bis dahin ungekanntem Ausmaß. Weinsberg war nun aus allen Himmelsrichtungen bequem und schnell per Automobil zu erreichen, sah sich aber auch zunehmend Verkehrslärm in bislang unbekanntem Ausmaß ausgesetzt, was Lärmschutzmaßnahmen notwendig machte.
Als Auswirkung der baden-württembergischen Kreis- und Gemeindereform schlossen sich am 21. Dezember 1971 Weinsberg, Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld zum Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg zusammen. 1973 wurde Grantschen, 1975 wurden Gellmersbach und Wimmental nach Weinsberg eingemeindet.
Religionen
Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“
Weinsberg ist seit der Reformation überwiegend evangelisch. Die Stadt war Hauptort des 1291 erstmals erwähnten Landkapitels Weinsberg des Bistums Würzburg, das 52 Pfarreien umfasste, u.a. Heilbronn.
1510 bis 1518 hatte Johannes Oekolampadius, der spätere Reformator Basels, eine Prädikantenstelle an der Weinsberger Johanneskirche inne. In Weinsberg erregte er mit seinen reformorientierten Predigten aber Anstoß und verließ die Stadt daher.
1520 kam der Heilbronner Erhard Schnepf als erster ausgesprochen evangelischer Prediger nach Weinsberg. 1522 wurde er von der österreichischen Regierung vertrieben. Nach der Rückkehr Herzog Ulrichs nach Württemberg, 1534, führte Schnepf im Auftrag des Herzogs die Reformation in Württemberg durch. In Weinsberg kam diese Aufgabe dem Pfarrer Johann Geyling zu, der 1548 als Folge des Interims (Versuch einer Rekatholisierung mit geringfügigen Zugeständnissen) abgesetzt wurde. Nach dem Ende des Interims 1552 setzte sich die Reformation in Weinsberg endgültig durch.
Weinsberg wurde Teil und zunächst auch Hauptort eines evangelischen Kirchenbezirks. 1586 wurde dessen Hauptort nach Möckmühl, 1612 nach Neuenstadt am Kocher verlegt, bis schließlich 1710 ein neuer Kirchenbezirk mit Hauptort Weinsberg errichtet wurde. Von 1752 bis 1759 war der Pietist Friedrich Christoph Oetinger Dekan in Weinsberg. Während dieser Zeit entstand sein Weinsberger Predigtbuch.
Nach verschiedenen Änderungen entsprach der evangelische Kirchenbezirk Weinsberg ab 1812 dem politischen Oberamt Weinsberg und blieb von dessen Auflösung 1926 unberührt, so dass die heutigen Grenzen des Dekanats Weinsberg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die früheren politischen Grenzen widerspiegeln. Die Evangelische Kirchengemeinde Weinsberg hat heute 4.700 Mitglieder (Stand: Oktober 2004). Ihre Kirche ist die Johanneskirche. Gellmersbach hat seine eigene Kirchengemeinde, die Evangelische Kirchengemeinde St. Leonhardskirche Gellmersbach. Die evangelischen Christen in Grantschen und Wimmental gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde (Obersulm-) Sülzbach, die 1.686 Mitglieder hat, davon 530 aus Grantschen und 150 aus Wimmental (Stand: Oktober 2002).
Obersulm
Wimmental war zwar ab 1504 unter württembergischer Oberhoheit, aber Besitz des Klosters Schöntal und nahm deshalb nicht an der Reformation teil. Die überwiegende Mehrheit der Einwohner ist auch heute noch katholisch. Für sie gibt es eine eigene katholische Kirchengemeinde, die Katholische Kirchengemeinde St. Oswald Wimmental, die auch für Grantschen und die zwei Weinsberger Nachbargemeinden Ellhofen und Lehrensteinsfeld zuständig ist und gegenwärtig 1.600 Mitglieder hat (Stand: 2003). In Weinsberg selbst wurden erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs, durch Zuwanderung von Flüchtlingen, Katholiken in nennenswerter Anzahl ansässig. Als Folge wurde die Katholische Kirchengemeinde St. Josef Weinsberg gegründet, die auch für Gellmersbach, das Klinikum am Weissenhof und die Nachbargemeinde Eberstadt zuständig ist. 1951 bis 1954 wurde die katholische Josefskirche neu gebaut. Gegenwärtig hat die Kirchengemeinde St. Josef 2.877 Mitglieder (Stand: 2003).
Eine jüdische Gemeinde gibt und gab es in Weinsberg nicht; es sind in der Weinsberger Geschichte aber vereinzelt Juden nachgewiesen. 1298 waren Weinsberger Juden von der Rintfleisch-Verfolgung betroffen. 1418 zahlten Juden in Weinsberg 100 Gulden Judensteuer an Konrad von Weinsberg. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden wieder vereinzelt jüdische Familien ansässig, es gab aber keine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Patienten der 1903 erbauten Heilanstalt wurden von Rabbinern aus Heilbronn betreut. Am 22. August 1942 wurden mit einem großen Eisenbahn-Transport zumeist betagte Juden aus dem Stuttgarter Raum und dem Kreis Heilbronn ins Ghetto Theresienstadt gebracht, darunter auch zwei Juden aus Weinsberg.
Neuapostolische Christen sind seit etwa 1920 in Weinsberg ansässig. Eine eigene Kirchengemeinde wurde 1931 gegründet, ein neugebautes Kirchengebäude am 29. Mai 1965 eingeweiht. Die neuapostolische Kirchengemeinde Weinsberg gehört zum Kirchenbezirk Heilbronn-Pfühl der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland und hat 182 Mitglieder (Stand: Jahresende 2004).
Die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde Weinsberg hat ein Einzugsgebiet von Neckarsulm bis ins Sulmtal und etwa 70 Mitglieder (Stand: 2003). Erste methodistische Prediger kamen 1851 von Heilbronn nach Weinsberg; ein eigener Gemeindebezirk wurde 1884 geschaffen.
Weitere in Weinsberg vertretene Konfessionen und Religionen sind u.a.:
- Baptisten (i.d.R. | | |