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18. Jahrhundert
Das 18. Jahrhundert begann am 1. Januar 1701 und endete am 31. Dezember 1800. Es zählt zur Epoche der Neuzeit, gilt im Rahmen der europäischen Geschichte als eine Krönung der Aufklärung - man spricht auch von der Zeit der Spätaufklärung. Nachdem bereits seit der Renaissance und vermehrt im 17. Jahrhundert Forscher und Denker wie Galilei, Newton und Descartes Grundlagen geschaffen hatten, entwickelte sich die neuzeitliche Wissenschaft weiter, gab der Landwirtschaft und Warenproduktion (Manufaktur/ früher Industrialismus) neue Impulse, Ursprünge moderner Wirtschaftswissenschaft wurden erarbeitet - durch Adam Smith z. B. In Begleitung von Voltaire und Jean-Jacques Rousseau kam es auch zum Aufblühen einer Philosophie der Aufklärung. Neue Projekte wie die Enzyklopädie (Denis Diderot u. a.) bargen neben rein sachlichen Wissenssammlungen auch brisante Inhalte, beeinflussten die späteren politischen Revolutionen des Jahrhunderts. In Deutschland kam ein neues Durchsetzungskraft des Mittelstandes z. B. in den Werken Gotthold Ephraim Lessings zum Ausdruck. Mit der Aufklärung erweiterten auch die Vertreterinnen der Frauenemanzipation ihr Wirkungsfeld (Mary Wollstonecraft u. a.).
Ereignisse/Entwicklungen
- Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika
- Französische Revolution 1789
- Gründung der Zulu-Nation
- Die Aufklärung
- In London entwickelt sich anfangs Jahrhundert eine florierende Wertpapierbörse
- Wissenschaftliche Entdeckungen und Frühphase der Industriellen Revolution.
- Die Kleine Eiszeit (1500-1850) erreicht um 1750 ihren Höhepunkt.
- Die Parlamente von Schottland und England bilden das Vereinigte Königreich von Großbritannien
- James Cook umrundet die Welt in den 1770ern.
- Beginn der europäischen Besiedlung Australiens 1788.
- Napoleonische Truppen entdecken 1799 den Stein von Rosetta.
- Wars of Empire zwischen Großbritannien, Frankreich, Spanien, Österreich.
- siehe auch Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714 (engl. Queen Anne's War), Österreichischer Erbfolgekrieg, War of Jenkins Ear, Siebenjähriger Krieg (engl. French and Indian War). Besiegelt den Aufstieg Großbritanniens zur Großmacht.
Persönlichkeiten
- James Watt, schottischer Erfinder.
- Johann Sebastian Bach, Komponist
- Canaletto, italienischer Maler
- James Cook, englischer Entdecker
- Denis Diderot, französischer Schriftsteller und Philosoph
- Leonhard Euler, schweizer Mathematiker
- Henry Fielding, englischer Schriftsteller
- Benjamin Franklin, amerikanischer Erfinder und Diplomat
- Friedrich II. von Preußen, König
- Thomas Gainsborough, englischer Maler
- Johann Wolfgang von Goethe, Dichter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann
- Oliver Goldsmith, englischer Schriftsteller
- Thomas Gray, englischer Dichter
- Joseph Haydn, Komponist
- William Hogarth, englischer Maler
- David Hume, schottischer Philosoph
- Thomas Jefferson, amerikanischer Politiker
- Immanuel Kant, deutscher Philosoph
- Angelika Kauffmann, schweizerische Malerin
- Katharina II. (genannt: Katharina die Große)
- Gotthold Ephraim Lessing, deutscher Schriftsteller
- Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Aphorist
- Michail Lomonossow, russischer Universalgelehrte
- Anton Raphael Mengs, deutscher Maler
- Wolfgang Amadeus Mozart, Komponist
- Isaac Newton, englischer Physiker
- Joshua Reynolds, englischer Maler
- Jean-Jacques Rousseau, französischer Schriftsteller und Philosoph
- Friedrich Schiller, deutscher Dichter und Schriftsteller
- Laurence Sterne, englischer Schriftsteller
- Alexander Suworow, russischer Feldmarschall
- Jonathan Swift, irischer Schriftsteller
- Bertel Thorvaldsen, dänischer Bildhauer
- Giovanni Battista Tiepolo, italienischer Maler
- Voltaire, französischer Schriftsteller und Philosoph
- Johann Philipp Lorenz Withof, Dichter und Philosoph, Verfasser philosophischer Lehrgedichte
- Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, Königin Ungarns und Böhmens
- Christian Wolff, Universalgelehrter, Philosoph, Jurist und Mathematiker
Erfindungen und Entdeckungen
- Cotton Gin von Eli Whitney
- John Harrisons Chronometer löst das Längenproblem der Navigation der Seefahrt
- Verbesserte Dampfmaschinen durch Thomas Newcomen und James Watt
- Dampfboot
- Dampfwagen
- Heißluftballon
- Fallschirm
- optischer Telegraph
- Blitzableiter
- Kreissäge
- Steindruck / Lithographie
- Impfung
- Quecksilberthermometer
- diverse Innovationen der Textilindustrie, u. a. programmierbare Webstühle
01-18
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ja:18世紀
ko:18세기
1701
- 18. Januar: Friedrich III., Kurfürst von Brandenburg, lässt sich in Königsberg zum König in Preußen krönen
- Der Spanische Erbfolgekrieg beginnt (bis 1714)
- Christian Thomasius Werk gegen die Hexenverfolgung 'Dissertatio de crimine magiae' erscheint
- Mit dem Act of Settlement schafft das englische Parlament die Grundlage der Thronfolge des Hauses Hannover im Königreich England
- Fürst Leopold von Anhalt-Dessau wird Gouverneur der Festung Magdeburg
Kultur
- 12. Juli: Uraufführung der Oper La fede ne' tradimenti von Attilio Ariosti in Berlin
- 26. Oktober: Uraufführung der Oper Die wunder-schöne Psyche von Reinhard Keiser am Theater am Gänsemarkt in Hamburg
- 11. Januar: Johann Nikolaus Frobes, Mathematiker, Physiker und Philosoph († 1756)
- 24. Februar: Bartholomäus Altomonte, italienischer Maler († 1783)
- 1. März: Johann Jakob Breitinger, schweizerischer Philologe und Autor († 1776)
- 6. März: Louis-René de Caradeuc de La Chalotais, französischer Jurist († 1785)
- 9. April: Andreas Elias von Büchner, deutscher Mediziner († 1769)
- 29. April: Christian Ludwig Liscow, deutscher Satiriker († 1760)
- 7. Mai: Carl Heinrich Graun, deutscher Komponist und Sänger († 1759)
- 21. Juni: Otto Magnus von Schwerin, preußischer General der friderizianischen Epoche († 1777)
- 22. September: Anna Magdalena Bach, zweite Frau von Johann Sebastian Bach († 1760)
- 30. Oktober: Anton Gogeisl, deutscher Jesuit und China-Missionar († 1771)
- 27. November: Anders Celsius, schwedischer Astronom, Mathematiker und Physiker († 1744)
- 13. Januar: Friedrich Ulrich Calixt, deutscher Theologe ( - 1622)
- 10. März: Johann Schelle, deutscher Komponist ( - 1648)
- 2. Juni: Madeleine de Scudéry, französische Salondame ( - 1607)
- 7. Juni: Ferdinand Wilhelm von Württemberg-Neustadt, deutscher Heerführer und Generalfeldmarschall ( - 1659)
- 7. Juni: Ernst Rüdiger von Starhemberg, war der Verteidiger Wiens bei der Zweiten Türkenbelagerung 1683 ( - 1638)
- 8. Juni: Philipp I. (Orléans), Sohn von Ludwig XIII. und Anne von Österreich, und Bruder von Ludwig XIV. ( - 1640)
- 5. September: Jakob II., König von England ( - 1633)
- Anne-Hilarion de Cotentin, comte de Tourville ( - 1642)
ko:1701년
simple:1701
Neuzeit
Als Beginn der Neuzeit wurde in der Geschichtswissenschaft lange Zeit die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 und der Beginn der Reformation Luthers im Jahre 1517 angesehen. Weitere damit verbundene Zäsuren sind die Renaissance, der Humanismus und die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Schriftzeichenstempeln.
Periodisierung
Beginn
Die neuere historische Forschung tendiert wieder zu der schon von Philipp Melanchthon vertretenen Datierung und setzt den Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 als Beginn der Neuzeit an, der zur Flucht von Gelehrten nach Italien und dort zum Aufblühen des Humanismus führte, dessen Verbreitung durch die Erfindung der Buchdruckerkunst um 1450 wesentlich gefördert wurde und der kulturgeschichtlichen Epoche der Renaissance weitere Impulse gab.
Ideengeschichtlich ist der Beginn der Neuzeit von historisch arbeitenden Philosophen wie Wilhelm Kamlah und Jürgen Mittelstraß dagegen sehr viel später auf die Zeit um 1600 verlegt worden. Ausgangspunkt dieser Bestimmung ist die bis dahin erfolgte Ausbildung der neuzeitlichen Wissenschaft im Sinne der modernen, prototypisch in der Physik ausgebildeten wissenschaftlichen Forschung als methodisch durchgeklärte Verbindung von mathematischer Theorie und technischer Empirie (Kamlah), die in der oberitalienischen Werkstättentradition entwickelt und zur Grundlage des modernen Szientismus wurde.
Unterteilung
Die Neuzeit ihrerseits wird von der Geschichtswissenschaft wiederum begrifflich unterteilt in:
- die Frühe Neuzeit von der "Entdeckung Amerikas" bis zur Französischen Revolution 1789 und
- die Moderne (die manchmal auch "Neueste Zeit" genannt wird) für die Zeit danach.
Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bzw. seit der russischen Oktoberrevolution spricht man bis dato (noch) von der Zeitgeschichte, die in der historischen Betrachtung natürlich weiterhin Teil der Epoche der Neuzeit ist.
Epoche
Bedeutung
Eine wesentliche Rolle dabei spielten die Entdeckung Amerikas, die den praktischen Beweis lieferte, dass die Erde eine Kugel ist. Die Ablösung des geozentrischen (Ptolemäus) durch das heliozentrische Weltbild (Nikolaus Kopernikus) und die mit der Erstürmung Konstantinopels durch das Osmanische Reich verbundene Flucht vieler griechischer Gelehrter und anderer Leistungsträger in den Westen bildeten weitere Markierungspunkte auf unterschiedlichen Ebenen, die den Paradigmenwechsel (vgl. auch Paradigma) einer Zeitenwende begründen.
Somit werden der Beginn des überseeischen Kolonialismus (und die beginnende Vorherrschaft Westeuropas) als Übergang zur neuen Zeit angesehen. Gerade die Revolutionierung läutete damit das Ende jenes ideologischen Monopols ein, das die Kirche im Mittelalter innegehabt hatte. Dies wiederum erlaubte den Beginn der Reformation, die ebenfalls die beiden Epochen voneinander abgrenzt.
Soziologie
In der Soziologie wird die Debatte um eine Analyse dieser Prozesse meist nicht mit Hilfe des Begriffes "Neuzeit", sondern mit dem Begriff der "Moderne" (auch der "reflexiven Moderne" usw.) mit oft changierender Bedeutung geführt (selbst z.B. im Werk Max Webers).
Ferdinand Tönnies hingegen benutzte "Neuzeit" genau im Sinne seines theoretischen Werks Gemeinschaft und Gesellschaft als exakten Gegenbegriff zum "Mittelalter": In diesem seien die Menschen geneigt gewesen, alle sozialen Kollektive als "Gemeinschaften" zu verstehen, ganz anders als in der Neuzeit, wo sie diese sämtlich eher als "Gesellschaften" wahrnähmen. Im Mittelalter sei also ein großer Fernhandels- und Bankkonzern wie der Templerorden eher als religiöse "Gemeinschaft" aufgefasst worden, in der Neuzeit sogar die Ehe als rein "gesellschaftliches" Geschöpf eines Vertrages.
Literatur
- Ferdinand Tönnies, Geist der Neuzeit, EA 1935, 1998 (in: TG, Bd. 22).
- S. Skalweit, Der Beginn der Neuzeit. Epochengrenze und Epochenbegriff, 1982.
- Wilhelm Kamlah: Der Aufbruch der Neuen Wissenschaft. in: Utopie Eschatologie Geschichtsteleologie. Kritische Untersuchungen zum Ursprung und zum Futurischen Denken der Neuzeit. Bibliographisches Institut, Mannheim 1969 (BI Htb 461) S. 73-88
- Mittelstraß, Jürgen: Neuzeit und Aufklärung. de Gruyter, Berlin 1970
Demnächst erscheint der erste Band der vom J.B. Metzler Verlag verlegten "Enzyklopaedie der Neuzeit", die detailliert auf die wichtigsten Themen einzugehen verspricht.
Siehe auch
Frühe Neuzeit, Moderne, Zeitgeschichte
Kategorie:Soziologie
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ja:近代
RenaissanceDas französische Wort Renaissance [] bedeutet Wiedergeburt. Bezogen auf seinen Ursprung meint der Begriff die „kulturelle Wiedergeburt der Antike“.
Der Begriff wurde um 1820/30 von den Franzosen zunächst aus dem italienischen rinascimento [] abgeleitet und dann im deutschsprachigen Schrifttum um 1840 aus dem Französischen entlehnt, um eine kulturgeschichtliche Epoche Europas während des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit zu benennen.
Die Epoche der Renaissance wird deshalb so bezeichnet, weil die Wiedergeburt der Antike eines der Ideale jener Zeit war. Diese Wiedergeburt des antiken Geistes schlug sich besonders in den Künsten und ihren neuen, als fortschrittlich empfundenen Prinzipien nieder. Der Renaissance voraus ging die kunstgeschichtliche Epoche der Gotik, der Renaissance folgte der Barock.
Neben der Epoche der Renaissance, die als geistige Bewegung im 14. Jahrhundert einsetzt und sich seit dem 15. Jahrhundert im europäischen Abendland vor allem in der Kunst manifestiert, unterscheiden manche Experten auch noch die so genannten mittelalterlichen Renaissancen:
- die Karolingische Renaissance des 8. und 9. Jahrhunderts,
- die Ottonische Renaissance des 10. und 11. Jahrhunderts,
- die Protorenaissance in der Toskana und im Südfrankreich des 11. bis 13. Jahrhunderts sowie
- die süditalienischen Renaissancen unter dem Stauferkaiser Friedrich II. in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
13. Jahrhundert
Dies zeigt, dass die antike Tradition auch im Mittelalter noch wenigstens teilweise präsent gewesen und niemals ganz abgerissen ist.
Allgemein wird der Begriff Renaissance auch verwendet, um die Wiedergeburt der Werte, Bauwerke usw. eines vergangenen Zeitalters oder einer Werteordnung zu bezeichnen.
Wiedergeburt des antiken Geistes
Die Epoche der Renaissance wird so bezeichnet, weil ihr wesentliches Charakteristikum die Wiedergeburt des antiken Geistes war. Der Humanismus ist die wesentliche Geistesbewegung der Zeit. Diese „Wiedergeburt“ manifestierte sich darin, dass zahlreiche Elemente des Gedankenguts der Antike neu entdeckt und belebt wurden (Schriften, Baudenkmäler, Skulpturen, Philosophen, etc.).
Eine Voraussetzung für die neue Geisteshaltung der Renaissance waren die Gedanken selbstbewusster italienischer Dichter des 14. Jahrhunderts wie Francesco Petrarca, der durch seine ausgiebige Beschäftigung mit antiken Schriftstellern und durch seinen Individualismus den Glauben an den Wert humanistischer Bildung förderte und das Studium der Sprachen, der Literatur, der Geschichte und Philosophie außerhalb eines religiösen Zusammenhangs - als Selbstzweck - befürwortete. Das theozentrische Weltbild des Mittelalters wurde abgelöst durch eine stärker anthropozentrische Sicht der Dinge.
Auch der Einfluss von Griechisch sprechenden Gelehrten war beachtlich. Manche kamen im 13. und 14. Jahrhundert aus Byzanz nach Italien. Besonders nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 kamen verstärkt Gelehrte nach Venedig und in andere italienische Städte, die das Wissen über die Kultur der Antike mitbrachten, welches im Byzantinischen Reich nach dem Untergang Westroms nahezu 1000 Jahre lang konserviert worden war. In Byzanz waren noch im Jahre 1400 beispielsweise Homer, Herodot, Platon und Aristoteles in aller Munde. Bereits einige Jahre vor dem Untergang von Byzanz war der Italiener Giovanni Aurispa nach Konstantinopel gegangen und hatte 1423 über 200 Codizes mit Texten antiker profaner Literatur nach Italien gebracht.
Im weiteren Sinne nennt man Renaissance daher die Wiedergeburt des klassischen Altertums in seinem Einfluss auf die Wissenschaft, die Literatur, die Gesellschaft, das Leben der vornehmen Kreise und die Entwicklung der Menschen zu individueller Freiheit im Gegensatz zum Ständewesen des Mittelalters. Im engeren Sinne versteht man unter der Renaissance eine kunstgeschichtliche Epoche.
Die italienische Bezeichnung rinascita im Sinne eines Epochenbegriffs findet sich bereits bei Giorgio Vasari, der eine der wichtigsten Lebensbeschreibungen von Renaissance-Künstlern verfasst hat. Vasari unterscheidet in der Entwicklung der Kunst drei Zeitalter:
# das glanzvolle Zeitalter der griechisch-römischen Antike;
# ein Zwischenzeitalter des Verfalls, das etwa mit der Epoche des Mittelalters gleichgesetzt werden kann;
# das Zeitalter des Wiederauflebens der Künste und der Wiedergeburt des antiken Geistes im Mittelalter seit etwa 1250.
So hätten bereits die italienischen Bildhauer, Architekten und Maler der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, darunter Arnolfo di Cambio, Niccolò Pisano, Cimabue oder Giotto, „in dunkelsten Zeiten den Meistern, die nach ihnen kamen, den Weg gewiesen, der zur Vollkommenheit führt“.
Philosophie
Giotto
Die Renaissance-Philosophie wendet sich vom scholastisch verchristlichten aristotelischen Denken ab und ist vor allem dem Platonismus verpflichtet. Sämtliche Schriften Platons wurden ins Lateinische übersetzt. Viele Denker der Renaissance hängen dem Neuplatonismus an, der durch Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola verbreitet wird. Eine weitere große philosophische Richtung der Renaissance war der Humanismus.
Vertreter des humanistischen Denkens sind unter anderen:
- Coluccio Salutati (1331-1406)
- Erasmus von Rotterdam (1466–1536)
- Niccolò Machiavelli (1469–1527)
- Thomas Morus (1478–1535)
Kunst
Thomas Morus
In der Kunst waren Brunelleschi, Ghiberti und Donatello die Bahnbrecher der neuen Richtung, die schon im 13. und 14. Jahrhundert in den Pisani und in Giotto und anderen Künstlern ihre Vorläufer gehabt hatte (Protorenaissance). Grob kann man sagen: In Italien wird die Zeit etwa von 1420 bis 1600 als Renaissance bezeichnet, im übrigen Europa etwa die Zeit von 1500 bis 1600.
Zur Nachahmung der antiken Kunst gesellte sich im 15. Jahrhundert die intensivere Beschäftigung mit der Natur, die einen wichtigen Aspekt in der Entwicklungsgeschichte der Renaissancekunst darstellt. Schon vor Vasari hatten Dichter wie Boccaccio den Maler Giotto dafür gerühmt, dass er die Dinge so naturgetreu wie niemand vor ihm abzubilden verstand. Die Tendenz, Gegenstände und Personen der Natur gemäß zu gestalten, war seitdem ein Hauptanliegen der Künstler. In nahezu perfekter Ausprägung gelang ihnen eine solche naturalistische Darstellungsweise allerdings erst seit dem 15. Jahrhundert. Daher beschränken Kunsthistoriker den Renaissancebegriff meist nur auf die Kunstäußerungen des 15. Jahrhunderts, des Quattrocento, und auf die des 16. Jahrhunderts, des Cinquecento.
Eng mit der Forderung nach der Naturwahrheit in der Kunst hängt das Bekenntnis der Künstler zur Antike zusammen. Man bewunderte die antiken Kunstwerke als mustergültige Beispiele naturgemäßer Gestaltung und damit als nachzuahmende Beispiele dafür, wie man selbst die Natur darzustellen hatte. Der italienische Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti forderte darüber hinaus, dass sich die Künstler darum bemühen sollten, „den antiken Meistern nicht nur gleichzukommen, sondern sie womöglich noch zu übertreffen“. Das heißt: Gute Kunst sollte das, was einem die Realität bietet, nicht getreu abbilden, sondern versuchen, das Naturvorbild zu verbessern und zu idealisieren.
Neben der Neubestimmung des Verhältnisses der Kunst zur Natur und der Verehrung der Antike stellte die Renaissance also auch die Frage nach dem Wesen der Schönheit. Die Künstler versuchen z.B., den idealschönen Menschen darzustellen. Ideale Maße und Proportionen spielen sowohl bei der Darstellung des menschlichen Körpers in der Malerei und Skulptur als auch bei der Konzipierung von Gebäuden eine Rolle. Die Künstler entwickeln mit der Zentralperspektive eine Methode, mit mathematischer Exaktheit Verkürzungen in der Raumtiefe darzustellen.
Üblicherweise teilt man die kunstgeschichtliche Epoche der Renaissance, vor allem die italienische Renaissance, in drei Perioden ein:
# Frührenaissance
# Hochrenaissance
# Spätrenaissance oder Manierismus
Manierismus
Den ersten Abschnitt der Renaissance nennt man Frührenaissance (von etwa 1420 bis 1490/1500). Sie nimmt ihren Ausgangspunkt in Florenz mit den Skulpturen Donatellos, den Bronzereliefs Ghibertis, den Fresken Masaccios und den Bauten Filippo Brunelleschis. Die Zeit von ca. 1490/1500 bis 1520 bezeichnet man als Hochrenaissance. Zentrum dieser Periode, die sich durch das Streben nach höchster Vollkommenheit und Harmonie in der Kunst auszeichnet, ist das päpstliche Rom. In diese Zeit fallen Bramantes Zentralbau-Entwürfe für die neue Peterskirche in Rom, Leonardo da Vincis berühmteste Bilder („Abendmahl“; „Mona Lisa“, „Dame mit Hermelin“), Raffaels Ausmalung der „Stanzen“ (der Gemächer des Papstes) und sein berühmtestes Altarbild, die „Sixtinische Madonna“, Michelangelos Skulpturen („David“, „Moses“) und seine Fresken an der Decke der Sixtinischen Kapelle sowie Dürers Meisterstiche. Es folgt die etwa bis 1590 reichende Periode der Spätrenaissance oder des Manierismus, die durch unterschiedliche künstlerische Tendenzen gekennzeichnet ist. So neigt der Manierismus zu Übertreibungen des Formenrepertoires der Hochrenaissance (z.B. übertriebene Raumfluchten, überlange und verdreht dargestellte menschliche Körper in heftiger Bewegung). Ein Merkmal des Manierismus ist z. B. die Figura serpentinata, wie sie der Bildhauer Giovanni da Bologna in seinem „Raub der Sabinerin“ (1583) dargestellt hat. Menschliche Gestalten werden dabei als sich schlangenartig nach oben windende Körper wiedergegeben. Die letzte Phase der Spätrenaissance geht dann allmählich in den Barockstil über.
Doch nicht überall in Europa läuft die Epoche der Renaissance nach einem identischen Muster ab. Während in Italien der Geist der Renaissance am frühesten einsetzte, besonders blühte und gleichermaßen Einfluss auf die Malerei, Bildhauerei und Architektur nahm, begann im Norden die Renaissance erst um oder nach 1500 und konnte sich hier nur bedingt und mit nationalem Einschlag durchsetzen. Auch sind in den Ländern außerhalb Italiens die Architektur und Bildhauerkunst stärker als die Malerei von der Antike beeinflusst worden. In Frankreich und Deutschland vermischte sich der antike Stil mit nationalen Elementen, welche in der ersten Epoche der Renaissance, der Frührenaissance, naturgemäß stärker hervortraten als in der Periode der Spätrenaissance, welche die antiken Formen üppiger und kräftiger ausbildete und so zu den Übertreibungen des Barockstils überleitete. Eine nationale Färbung hat die Renaissance auch in den Niederlanden, in Polen, in England und in Spanien erfahren.
wichtige Renaissancekünstler
Malerei
Spanien
Die Mehrzahl der Gemälde der Renaissancekunst sind Altarbilder und Fresken religiösen Inhalts, die für Kirchen gemalt wurden. Die religiöse Gestalt wurde jedoch vermenschlicht, indem sie in einer irdischen Umgebung dargestellt wurde (Alltagskleidung). Außerdem entstanden Bilder mit weltlichen oder heidnisch-mythologischen Themen (z. B. Allegorien, antike Götter- und Heldensagen, antike Geschichte) und individuelle Bildnisse zeitgenössischer Persönlichkeiten. Daneben entwickelten sich auch erste Landschaftsdarstellungen und Sittenbilder, die das zeitgenössische Leben repräsentieren. Die Landschaftdarstellungen sollten jedoch nicht ein genaues Abbild der Wirklichkeit darstellen, vielmehr symbolisierten sie das Grundprinzip der Schönheit. Diese Schönheit wurde als Natur definiert.
Die Raumtiefe wird mit den Mitteln der Zentralperspektive, also eines Fluchtliniensystems, geometrisch genau konstruiert. Hinzu kommen die Mittel der Luft- und Farbperspektive. Um eine dreidimensionales Bild auf zweidimensionalem Bildwerk herstellen zu können, musste sich der Künstler an optische und geometrische Regeln halten. Diese legten fest, dass der Horizont wagerecht auf Augenhöhe des Betrachtes liegt. Um eine Räumlichkeit zu erlangen, mussten nun jede verschiedene Linienschar eines Bildes einen Fluchtpunkt vorweisen. Hierbei liegt der Fluchtpunkt von parallel zum Erdboden verlaufenden Linienscharen auf dem Horizont. So wurde es ermöglicht, dem Bild räumliche Tiefe zu verleihen.
In der Renaissance wurde immer mehr Wert auf die Anatomie des Menschen gelegt. Die Künstler erforschten Muskelzüge, Bewegungen, Verkürzugen und die Körperproportion an sich. Trotz dieser genauen Studien wurde der Mensch, wie bereits in der Antike, idealisiert. Der Künstler sah seine Aufgabe darin, dass er aus der Fülle der menschlichen Natur das Schöne herausfiltern und so ihre Vollkommenheit ausdrücken sollte. So kommt es auch, dass die Nacktheit als Symbol der Unschuld stand, da sie natürlich war und so Schönheit ausdrückte; dies ist wie andere Dinge aus der Antike übernommen.
Die Künstler stellen den nackten menschlichen Körper als Akt in idealen Proportionen dar. Ein symmetrischer, harmonisch ausgewogener Bildaufbau, unterstützt durch innerbildliche Kreis-, Halbkreis- und Dreiecksformen, wird bevorzugt.
Bildhauerei
Akt]]
Die Bildhauer der Renaissance schaffen vor allem Standfiguren und Bildnis-Büsten. Auf den Plätzen der Städte werden Monumentalplastiken, beispielsweise in Form von Reiterstandbildern aufgestellt. Die Grabplastik für weltliche und geistliche Würdenträger verbindet - z. B. in Form eines Wandgrabmals - die Skulptur mit der Architektur zu einem Gesamtkunstwerk.
Renaissancebildhauer orientieren sich bei ihrer Arbeit an antiken Vorbildern. Skulpturen werden allseitig durchmodelliert, der Mensch in seiner Nacktheit dargestellt, die Beinstellung erfolgt oft im klassischen Kontrapost. Anatomische Vorstudien dienen dazu, den menschlichen Körper wirklichkeitsgetreu wiederzugeben.
Architektur
Prinzipiell kann man in der Architektur der Renaissance zwei Tendenzen ausmachen. Die eine besteht darin, die Formensprache der Antike in voller Strenge wieder zu beleben. In Italien war dieses Ziel mit der Hochrenaissance durch Donato Bramante gegen 1500 erreicht und setzte sich von da an in ganz Italien durch. Italienische Renaissancebauten wurden klar, überschaubar und harmonisch ausgewogen konzipiert.
Die Architekten orientierten sich bei den Grundrissen an einfachen idealen geometrischen Formen wie dem Quadrat oder dem Kreis. Man entlehnt Bauelemente wie Säulen, Pilaster, Kapitelle, Dreiecksgiebel etc. direkt der Antike. Daneben kommt es zu eigenen, von antiken Vorbildern abgeleiteten Entwicklungen, etwa der toskanischen Säule. Die einzelnen Bauglieder hatten unter sich und mit dem ganzen Gebäude in Übereinstimmung zu stehen. Man studiert die Architektur-Traktate des römischen Baumeisters Vitruv, um daraus Anhaltspunkte für idealschöne Proportionen zu gewinnen.
Bild:Tempietto-1.jpg|Tempietto, Donato Bramante, Rom
Bild:La Rotonda.jpg|La Rotonda, Andrea Palladio
Bild:FlorenceSantaMariaNovella20020318.JPG|Santa Maria Novella, Florenz
Bild:020904_rathaus-augsburg-elias-holl-platz_1-640x480.jpg|Renaissance-Rathaus in Augsburg von Elias Holl
Bild:Aschaffenburg Schloss Johannisburg.jpg|Das Schloss Johannisburg (1605-1619) in Aschaffenburg
Bild:Mespelbrunn 02.JPG|Schloss Mespelbrunn
Image:Ratusz Poznan od Wielkiej.jpg|Giovanni Baptista di Quadro - Poznań
Die zweite Tendenz besteht darin, der Antike entlehnte, aber auch neue formensprachliche Elemente im Sinne der mittelalterlichen Baukunst in analogischer Weise zu variieren, ohne eine streng gesetzmäßige Baukunst anzustreben.
Auf der Seite der Architekturtheorie findet sich erstere Tendenz im Architekturtraktat wieder, letztere im Musterbuch. Generell kann gesagt werden, dass je stärker eine Kultur im nordisch geprägten Mittelalter verwurzelt war, desto beharrlicher wurde an der analogischen Form der Renaissance festgehalten, d.h. vor allem im mittel- und nordeuropäischen Raum.
In Frankreich war die klassische Strenge der Hochrenaissance gegen 1550 eingeholt (vgl. Westflügel des Louvre 1550 - 1558 durch Pierre Lescot).
Auf der iberischen Halbinsel bilden beide Tendenzen ein Nebeneinander, dass sich bis in die Barockzeit fortsetzt. Im germanischen Europa und Polen kam es teilweise zu einer Vermischung beider Tendenzen (z.B. Heidelberger Schloss oder Wawel Schloss in Krakau), jedoch blieb die analogische Form der Renaissance bis zum Schluss dominant.
Entsprechend diesen beiden Tendenzen muss man auch unterschiedliche Stilkriterien ansetzen:
Antikische Renaissance
- Akademisch korrekte Säulenordnungen nach dem Vorbild Vitruvs.
- Betonung der Horizontalen
- Säulenschäfte nach dem Vorbild der Antike entweder kanneliert oder glatt.
- Arkaden statt Kolonnaden.
- Grundrisse und Fassaden mit Rücksicht auf Symmetrie und Regelmäßigkeit gestaltet.
- Der Architekt versteht sich als Künstler und gehört der gebildeten Oberschicht des Landes.
Analogische Renaissance (Früh- bzw. nordische Renaissance)
- Die Nachahmung antiker Bauelemente wie Gesimse, Kapitelle geschieht nicht in voller Strenge, sondern gemäß der mittelalterlichen Baupraxis nur imitatorisch-variierend.
- Häufig reiche Ornamentierungen durch Maßwerk, Arabesken, später durch Rollwerk, Beschlagwerk, Schweifwerk u.a.
- Vertikale in der Tradition der Gotik nach wie vor stark betont
- Soziologisch der Tradition mittelalterlicher Handwerksbetriebe verpflichtet. Die Baumeister waren in der Regel keine Intellektuellen wie in Italien.
- Säulenschäfte werden oft noch zusätzlich mit Ornament überzogen.
- Kolonnaden statt Arkaden.
- Oft asymmetrische Grundrisse und Fassaden.
Zu den ältesten Renaissance-Bauten Deutschlands zählt Schloss Hartenfels in Torgau, hier erfolgten zwischen 1533 und 1544 Um- und Erweiterungsbauten im Stil der Frührenaissance. Der Schönhof in Görlitz wurde ab 1526 erbaut. Ältester Deutscher Sakralbau im Renaissance-Stil ist der Turm der Heilbronner Kilianskirche.
Dichter und Schriftsteller der Renaissance
In der Literatur leiten im 14. Jahrhundert Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ (La Divina Commedia, 1307-21), Francesco Petrarcas Briefe, Traktate und Gedichte und Giovanni Boccaccios Il Decamerone (1353) das Zeitalter der Renaissance ein. Graf Baldassare Castiglione beschreibt in Il Cortegiano (1528) den Idealtypus eines Renaissancemenschen.
Man darf auch nicht vergessen, dass die Literatur nach der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg in der Renaissancezeit einen ungeheuren Aufschwung nahm.
Zu den berühmten Dichtern und Schriftstellern der Renaissance zählen:
- Dante Alighieri (1265–1321)
- Francesco Petrarca (1304–1374)
- Giovanni Boccaccio (1313–1375)
- Angelo Poliziano (1454–1494)
- Ludovico Ariosto (1474–1533)
- Baldassare Castiglione (1478–1529)
- Andrzej Krzycki (1482–1537)
- Pietro Aretino (1492–1556)
- Torquato Tasso (1544–1595)
- François Rabelais (1494–1553)
- Sebastian Brant (1457–1521)
- Erasmus von Rotterdam (ca. 1466–1536)
- Thomas Murner (1475–1537)
- Philipp Melanchthon (1497–1560)
- Sebastian Franck (1500–1543)
- Andrzej Frycz Modrzewski (1503–1572)
- Mikołaj Rej (1505–1569)
- Łukasz Górnicki (1527–1603)
- Jan Kochanowski (1530–1584)
Musik
Die Musik der Renaissance war zunächst durch das Zeitalter der Franko-Flamen bestimmt, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts kamen die wesentlichen Impulse dann aus Italien, besonders durch Komponistenströmungen wie die Florentiner Camerata, die Römische Schule und die Venezianische Schule.
Auswahl von Komponisten der Renaissance:
- Guillaume Dufay (1400–1474)
- Johannes Ockeghem (1425–1497)
- Josquin Desprez (1440–1505)
- Heinrich Isaac (1450–1517)
- Jacob Obrecht (1450–1505)
- Paul Hofhaimer (1459–1537)
- Mateu Fletxa el Vell (1481-1553)
- Ludwig Senfl (1486–1543)
- Thomas Tallis (1505–1585)
- Hans Neusiedler (1508–1563)
- Giovanni da Palestrina (ca. 1525–1594)
- Orlando di Lasso (1532–1594)
Siehe auch: Liste von Komponisten der Renaissance
Besondere Eigenschaften und Stilmittel der Musik-Renaissance:
- Gegenüber der mittelalterlichen Musik geändertes Harmonie-Empfinden: Terzen und Sexten werden seit der Renaissance als konsonant empfunden.
- Verwendung des Neapolitaners als Schlusssequenz
Instrumente der Renaissance waren Blockflöten, Orgeln,Traversflöte und viele mehr.
Ökonomie/Soziales
Ökonomisch kann die Renaissance charakterisiert werden durch die Durchbrechung des mittelalterlichen Zinsverbots und der Abschaffung der mittelalterlichen Brakteatenwährung. Dies ermöglichte einerseits den Aufstieg der frühneuzeitlichen Bankhäuser wie die der Fugger oder der Medici, andererseits bedeutete das für viele – insbesondere für die Landbevölkerung – einen beträchtlichen sozialen Abstieg. Die sich daraus ergebenden sozialen Spannungen entluden sich u. a. durch die Bauernkriege.
Die Einführung der Doppelten Buchführung in Konten (Doppik) erlaubte eine sehr viel stärkere Kontrolle des Erfolges wirtschaftlicher Unternehmungen. Auch dies trug wesentlich zum Aufstieg von Medici und Fugger bei.
Literatur
- Jakob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien (1860). 2. Auflage Leipzig 1869.
- Hubert Janitschek: Die Gesellschaft der Renaissance in Italien und die Kunst. Stuttgart 1879.
- S. Harrison Thomson: Das Zeitalter der Renaissance. Von Petrarca bis Erasmus. Zürich 1969
- Heinrich Wölfflin: Die klassische Kunst. München 1898.
- Johan Huizinga: Das Problem der Renaissance. Tübingen 1953.
- Walter Paatz: Die Kunst der Renaissance in Italien. Stuttgart 1953.
- André Chastel: Italienische Renaissance. München 1965.
- André Chastel: Der Mythos der Renaissance. Genf 1969.
- Georg Kauffmann: Die Kunst des 16. Jahrhunderts. 1970.
- Jan Bialostocki: Spätmittelalter und beginnende Neuzeit. 1972.
- Paul Oskar Kristeller: Humanismus und Renaissance. 2 Bände. München 1976–1980.
- Richard Mackenney: Renaissances: The cultures of Italy, ca. 1300–ca. 1600, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2005, 302 S., ISBN 0-333-62905-1 (neueste engl. Monographie)
- Manfred Wundram: Renaissance. München 1978. ISBN 3-423-03173-5
- Erwin Panofsky: Die Renaissancen der europäischen Kunst. Frankfurt am Main 1979. ISBN 3-5182-8483-5
- Leonid M. Batkin: Die historische Gesamtheit der italienischen Renaissance. Dresden 1979.
- Denys Hay: Die Renaissance. Die Rückwendung zur Antike. München 1980.
- Edgar Wind: Heidnische Mysterien in der Renaissance., Suhrkamp Frankfurt am Main 1987; ISBN 3-518-28297-2
- Ludwig H. Heydenreich: Studien zur Architektur der Renaissance. München 1981. ISBN 3-7705-1066-6
- Ernst Hans Gombrich: Die Kunst der Renaissance I–IV. Stuttgart 1985–1988.
- Michael Jäger: Die Theorie des Schönen in der italienischen Renaissance. Köln 1990. ISBN 3-7701-1739-5
- Peter Burke: Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien. München 1998. ISBN 3-406-44200-5
- Boris von Brauchitsch: Renaissance. DuMont Verlag Köln 1999 ISBN 3-7701-4710-3
- Schunicht-Rawe, Anne; Lüpkes, Vera (Hrsg.): Handbuch der Renaissance. Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich. Köln 2002.
- Jeffrey Chipps Smith: The Northern Renaissance. London, New York 2004.
Weblinks
- [http://www.marcheworldwide.org/html/renaissance1.asp?lingua=de Frührenaissance]
- [http://www.marcheworldwide.org/html/renaissance2.asp?lingua=de Hochrenaissance]
- [http://www.ibiblio.org/wm/paint/glo/renaissance/ Webmuseum Paris: La Renaissance] (engl.)
Siehe auch:
- Irische Renaissance, Renaissance-Humanismus, Philosophie der Renaissance und des Humanismus, Neorenaissance
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Adam SmithAdam Smith [] ( - 1723; † 17. Juli 1790 in Edinburgh) war ein schottischer Moralphilosoph und Ökonom und gilt als der Begründer der klassischen Volkswirtschaftslehre.
klassischen Volkswirtschaftslehre
Leben
Herkunft
Smiths Vater, ein Anwalt, starb vor seiner Geburt; die Mutter, Tochter eines reichen Landbesitzers, widmete sich der Erziehung des kränklichen Kindes mit großer Sorgfalt. Adam Smith und seine Mutter bauten ein sehr inniges Verhältnis auf. Sie war es auch, die ihren Sohn in seiner späteren Ausbildung förderte.
Das genaue Geburtsdatum Adam Smiths ist unbekannt, er wurde jedoch am 5. Juni 1723 in Kirkcaldy (Grafschaft Fife, Schottland) getauft.
Smith wurde als Kind kurzzeitig entführt. Es gelang seinem Onkel jedoch, ihn wieder aufzuspüren.
Studium
Adam Smith studierte ab seinem 14. Lebensjahr von 1737 bis 1740 an der Glasgow University, wo er Vorlesungen von Francis Hutcheson besuchte, der ihn sowohl in seinen philosophischen als auch ökonomischen Überlegungen beeinflusste. Glasgow zeichnete sich zu dieser Zeit durch einen ökonomischen Aufschwung aus und diente Smith später auch als Objekt seiner ökonomischen Beobachtungen. Sein guter Abschluss im Jahr 1740 ermöglichte Smith ein weiteres Studium.
Von 1740 bis 1746 studierte er Philosophie am Balliol College, Oxford. Sehr wohl fühlte er sich im damals recht beschaulichen Oxford allerdings nicht. Die Atmosphäre empfand er im Vergleich zu Glasgow als rückständig. Unter den Kommilitonen hatte er kaum Freunde. Zusätzlich zu den bereits bestehenden antischottischen Vorurteilen verschärfte der Jakobitenaufstand 1745 die Situation. Immer wieder litt er an gesundheitlichen Problemen. So berichtet er in einem Brief an seine Mutter von "einem hartnäckigen Skorbut mit einem Zittern des Kopfes".
Lehrtätigkeit
1746 kehrte Smith nach Kirkcaldy zurück. Er bemühte sich um eine Anstellung, fand aber keine geeignete. Aufgrund der guten Beziehungen seiner Mutter bekam er aber dann 1748/49 eine öffentliche Vorlesung in Edinburgh. Öffentliche Vorlesungen galten damals als Voraussetzung für eine Tätigkeit als Universitätsdozent. Seine Themen waren umfassend: Von englischer Literatur und Rhetorik über Philosophie bis zu Jurisprudenz. In akademischen Kreisen konnte Smith eine große Anhängerschaft gewinnen. Seine Zeitgenossen berichten über riesigen Andrang der Studierenden, obwohl diese Vorträge nicht zum offiziellen Lehrprogramm gehörten. Leider ist über den Inhalt der Vorlesungen kaum etwas überliefert, sie konnten nur über Mitschriften der Studenten rekonstruiert werden.
Im Jahre 1750 (andere Quelle: 1751) wurde er im Alter von nur 27 Jahren Professor für Logik an der Universität Glasgow und 1752 Professor für Moralphilosophie, wofür er besser bezahlt wurde und Hutchinsons Lehrstuhl somit übernahm. Die Moralphilosophie deckte ein weites Spektrum von Theologie über politische Ökonomie bis hin zu Ethik ab, wobei Smiths Unterrichtsniveau als hoch eingestuft wurde. Seine Studenten waren 14 bis 16 Jahre alt. Unterrichtssprache war Latein, Smith unterrichtete bald jedoch als einer der ersten auf Englisch.
In dieser Zeit entstand seine Freundschaft mit dem Philosophen David Hume.
Sein erstes großes Werk, Theorie der ethischen Gefühle (1759) wurde zu einem Erfolg und machten ihn rasch bekannt. Es befasste sich mit der menschlichen Natur und ihrem Verhältnis zur Gesellschaft. Nicht eine höhere Instanz, sondern der Mensch selbst setzt sich selbst die Schranken. Smith hatte demnach ein eher positives Bild vom menschlichen Verhalten und steht damit im Widerspruch etwa zu Thomas Hobbes' Leviathan.
Bildungsreise
1763 legte er seine Professur nieder und nahm den finanziell lukrativen Posten des Tutors des jungen Henry Scott, 3rd Duke of Buccleugh an. Dieser war Stiefsohn Charles Townshends, der von Smith sehr beeindruckt war, und wurde von Smith von Anfang 1764 bis Ende 1766 bei dessen Bildungsreise auf dem europäischen Kontinent (Frankreich, Schweiz) begleitet. Diese dreijährige Tätigkeit brachte Smith eine lebenslange Rente von 300 Pfund jährlich ein.
Aus dieser Zeit stammte seine Freundschaft mit dem Nationalökonomen Turgot und François Quesnay, den führenden Köpfen des Physiokratismus. Diese Bekanntschaft stellte sicherlich ein Schlüsselerlebnis dar. Weitere Stationen der Reise waren Besuche bei Voltaire in Genf und mit David Hume in den Paris Salons.
Während dieser Bildungsreise verbrachte er ein ganzes Jahr in Toulouse. Da sein Französisch eher schlecht war und er nicht sehr sprachbegabt war, empfand er diese Zeit als sehr langweilig. Er begann deshalb im Jahr 1764 ein Buch zu schreiben (Der Wohlstand der Nationen). Die Reise musste 1766 abrupt abgebrochen werden, da der jüngere Bruder des Herzogs, der an dieser Reise teilnahm, plötzlich erkrankte und kurz darauf starb.
Letzte Jahre
Der Wohlstand der Nationen]
Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien erschien Der Wohlstand der Nationen (1776) und wurde zu einem überwältigenden Erfolg. Schon bald folgten Übersetzungen etwa ins Deutsche. Smith beschreibt erneut die Auswirkungen von Eigeninteresse auf die Gesellschaft. Der Mensch neige zu Handel und Tausch und möchte seine Lebenssituation verbessern. Reichtum ergibt sich durch menschliche Arbeit. Von Bedeutung für Smith ist die Arbeitsteilung.
Smith verbrachte die nächsten elf Jahre die meiste Zeit in seiner Geburtsstadt Kirkcaldy. Mit seiner im Jahre 1778 erfolgenden Berufung zum Zollkommissar von Schottland zog er in das benachbarte Edinburgh. Im Kampf gegen militante Tee- und Branntweinschmuggler war Smith als Zollkommissar rigoros. In Briefen ist überliefert, wie er das Militär zu Hilfe rief und zusammen mit seinen Kollegen alte Schiffsrümpfe an der Küste als Truppenstützpunkte stationieren ließ. Es gelang ihm innerhalb von zwei Jahren die Sanierung des schwer maroden schottischen Geldwesens. In dieser Zeit entstanden seine Freundschaften zu dem Chemiker Joseph Black und dem Naturforscher und Geologen James Hutton.
Den Siegeszug der Dampfmaschine des befreundeten Erfinders James Watt erlebte Smith nicht mehr. Smith starb 1790. Nach dem Tod wurden nach Smiths testamentarischem Wunsch zahlreiche private Aufzeichnungen vernichtet.
Smith muss dem Bild des "zerstreuten Professors" entsprochen haben. Es existiert eine Vielzahl von Anekdoten, die beschreiben, dass er eine vorwiegend geistige Existenz führte. So soll er zeitlebens Selbstgespräche geführt haben und auch einmal im Morgenrock auf der Straße angetroffen worden sein. Andererseits soll Smith überaus höflich gewesen sein. Sein Freund David Hume beschrieb ihn in einem Brief: „Sie werden in ihm einen wahrhaft verdienstvollen Mann finden, wenngleich seine sesshafte, zurückgezogene Lebensweise sein Auftreten und Erscheinungsbild als Mann von Welt getrübt hat.“ Smith machte mehrere Heiratsanträge, die jedoch alle abgelehnt wurden. Er baute eine ansehnliche Privatbibliothek auf.
Werke
Ökonomie
Smiths Wirken in der Ökonomie war vielseitig. So befasste er sich mit Arbeitsteilung, dem Prinzip des freien Marktes, der Verteilungstheorie, der Außenhandelstheorie und der Rolle des Staates (s. unten).
Smiths Vorlesungen in Moralphilosophie bildeten 1759 die Grundlage für die Veröffentlichung seines philosophischen Hauptwerkes Die Theorie der ethischen Gefühle (Originaltitel The Theory of Moral Sentiments), in welcher er die Sympathie mit unseren Mitmenschen als Grundlage der Moral und als Triebfeder der menschlichen Arbeit unterstellte, etwas später sein Werk On the origin of languages and of the different genius of those which are original and compounded.
1776 erschien sein berühmtes ökonomisches Hauptwerk Wohlstand der Nationen - Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen (Originaltitel: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations), an dem er zehn Jahre lang zurückgezogen in Kirkcaldy gearbeitet hatte. Das Erscheinen dieses Buches wird als Geburtsstunde der Nationalökonomie angesehen. Zwischen beiden Werken wird oft ein Widerspruch gesehen, der als Adam-Smith-Problem in der ökonomischen Fachliteratur thematisiert wird.
In Wohlstand der Nationen bezeichnet er die Arbeit (industria, industry, daher die Benennung des smithschen Systems als Industriesystem) als Quelle und Maßstab des Wertes. Im Gegensatz zur Anschauung der Merkantilisten und Physiokraten ist ihm jede nützliche Arbeit produktiv. Mit den letzteren bezeichnet er den nicht durch Staatseingriffe gehinderten freien Wettbewerb als Grundlage einer richtigen Arbeitsteilung. Der freie innere und internationale Verkehr bewirkt nach ihm nicht allein eine zweckmäßige örtliche und zeitliche Verteilung von Kräften und Mitteln sowie den Ausgleich von Preisen und Gewinnen, sondern auch die beste Förderung des Gemeinwohls.
Zu Smiths Zeiten gab es die Ökonomie als Wissenschaft im heutigen Sinn noch nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass Smith als Moralphilosoph aus heutiger Sicht auf einem fachfremden Gebiet arbeitete, als er seine Arbeiten zur Ökonomie verfasste. Eine den Kernfragen der Ethik der sich Smith als Moralphilosoph auch widmete lautet: "Was ist bedeutsamer: das allgemeine, gesellschaftliche Glück oder das persönliche, individuelle Glück?". Smith bearbeitete sie im Wohlstand der Nationen indem er mit empirischen Schlussfolgerungen arbeitet. Seine Folgerung: Das allgemeine, gesellschaftliche Glück werde maximiert, indem jedes Individuum im Rahmen seiner ethischen Gefühle versucht, sein persönliches Glück zu erhöhen. Durch die unsichtbare Hand werde gleichzeitig auch das allgemeine, gesellschaftliche Glück erhöht. Diese Schlussfolgerung ist zwar im Sinne der Ethik durchweg "praktisch" und trifft in so mancher Betrachtung auch zu (zum Beispiel ein funktionierender, freier Markt). Ihre Verallgemeinerung auf ein universales Leitprinzip ist jedoch bis heute umstritten. Gerne vergessen aber sowohl Befürworter als auch Kritiker Smiths die Begrenzung des persönlichen Glückstrebens durch die ethischen Gefühle.
Besonders populär geworden ist der von Adam Smith geprägte Begriff der unsichtbaren Hand: Das eigennützige Streben der Menschen trage zum Wohl der gesamten Gesellschaft bei.
Zu berücksichtigen ist hierbei aber, was Smith unter "Gemeinwohl" versteht. Im "Wohlstand der Nationen" definiert er den Reichtum eines Staates über die "Summe aus dem Ertrag von Boden und Arbeit". Der Wohlstand eines Staates steigt also mit der (arbeitsfähigen) Einwohnerzahl. Um den Faktor Arbeit zu vermehren, muss die Nachfrage nach Arbeit (und damit die Lohnhöhe) so weit steigen, dass die unteren Schichten mehr Kinder aufziehen können. Steigt der Lohn über die zur Aufzucht ausreichender Arbeitskräfte nötige Höhe, so wird ihn die übermäßige Vermehrung bald wieder auf die nötige Höhe herabdrücken. Dies funktioniert auch umgekehrt: Vermehrt sich die "Spezies Mensch" zu stark, so wird ihr durch Nahrungsmittelknappheit eine Grenze gesetzt. Dies geschieht dadurch, dass die meisten der in den fruchtbaren Familien der unteren Schichten geborenen Kinder sterben. Nachzulesen in Kapitel 8: Der Lohn der Arbeit. Die unsichtbare Hand sorgt also dafür, dass die unteren Schichten immer genau die richtige Menge an Arbeitskraft reproduzieren.
Weitere Veröffentlichungen von Adam Smith sind unter anderen A Dictionary of the English Language by Samuel Johnson, das er 1755 anonym veröffentlichte und mehrere Essays unter dem Titel Essays on Philosopical Subjects, die 1795 nach seinem Tod veröffentlich wurden.
Smith verbrannte im Beisein seiner Freunde alle Notizen und Manuskripte. Er wollte so verhindern, der Welt etwas Unfertiges zu überlassen.
Smith sah den gesellschaftlichen Wohlstand in einem System der natürlichen Freiheit am besten verwirklicht. Er geht als Grundprinzip davon aus, dass durch die Verfolgung privater Interessen immer zugleich auch öffentliche Interessen erfüllt werden.
Logische Konsequenz ist ein bürgerlicher Rechtsstaat, der kein eigenes Interesse wahrnimmt, sondern nur gesellschaftliche Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt. Dem Staat kommen nach Smith drei zentrale Aufgaben zu:
#Organisation der Landesverteidigung.
#Schutz jedes Mitgliedes der Gesellschaft vor Ungerechtigkeit und/oder Unterdrückung.
#Errichtung und Unterhalt von öffentlichen Anstalten, deren Errichtung oder Erhaltung durch Private nicht möglich wären, aber dennoch für die Allgemeinheit bedeutsam sind. Zum Beispiel sind das Unterrichts- und Transportwesen.
Die allgemeine Bildung durch den Staat zu sichern, war für Smith ein sehr wichtiges Thema, da er sehr wohl die Gefahren der von ihm propagierten Arbeitsteilung sah. Damit ist die Verdummung von Arbeitern gemeint, die nur wenige Handgriffe ausführen. Der Staat soll dem „einfachen Volk“ Schulausbildung zugänglich machen und es sogar, nach seinen Worten, dazu zwingen. Das war auch Smiths Antwort auf das Grundproblem der Ökonomie, die soziale Frage. Durch diese gebotene Bildung wird dem einfachen Mann ein Aufstieg aus seiner durch Geburt vorgegebenen Situation ermöglicht, welchen er durch eigenen Fleiß erreichen kann.
Die zentrale Funktion des Staates bleibt aber, das Privateigentum vor Übergriffen zu schützen. Aus obigen Gründen ergibt sich, dass Smith kein Vertreter eines reinen Nachtwächterstaates war.
Smith lebte im Zeitalter des britischen Merkantilismus und konnte daher aus politischen Gründen einige seiner Vorstellungen zum Staat nicht klar ausformulieren. Er war wohl ein Befürworter eines parlamentarisch-republikanischen Staates im Gegensatz zu der herrschenden Monarchie.
Die Schriften von Smith bildeten neben anderen das theoretische Fundament des späteren Manchesterliberalismus.
Kritik
Der Großteil der vorgefunden Kritik an Smiths Theorien beruht auf einem grundlegenden Missverständnis von Smiths Werken.
Adam Smith ist entgegen häufig aufgestellter Behauptungen nicht ein Verfechter eines reinen, ungeregelten Kapitalismus. Er postuliert zwar, dass der freie Markt den Wohlstand mehrt, mahnt aber ausdrücklich das menschliche Mitgefühl als Korrektiv an.
Will man Smiths Theorien gerecht kritisieren, so muss man seine Werke in ihrer Gesamtheit betrachten. Das heißt, der Wohlstand der Nationen steht nicht für sich allein, sondern ist unter anderem gemeinsam mit Smiths erstem Hauptwerk Die Theorie der ethischen Gefühle zu betrachten. Erst durch eine sorgfältige Betrachtung lässt sich eine Kritik einbringen, die Smith auch gerecht wird.
Eine Thematik, die Adam Smith aufgrund seiner Zeit noch komplett unbekannt war, ist der Umweltschutz. Die ökologischen Auswirkungen der Wirtschaft werden in seinen Werken noch nicht bedacht. So finden auch die verschieden Möglichkeiten, dieser Problematik gerecht zu werden, keinen Eingang in seine Theorien. Heute berücksichtigen wir auch eine intakte ökologische Umwelt bei der Ermittlung der Lebensqualität und des "Wohlstands einer Nation".
Siehe auch
- Liberalismus, laissez-faire, David Ricardo, Karl Marx
Werke
Anmerkung: Wer ein wenig Englisch spricht, dem empfehlen wir Smith im englischen Original zu lesen. Er schreibt in einem eleganten, auch heute noch leicht zu folgenden, Sprachstil.
- [http://de.wikisource.org/wiki/en:The_Theory_of_Moral_Sentiments The Theory of Moral Sentiments] (1759, englischer Originaltext)
- [http://de.wikisource.org/wiki/en:The_Wealth_of_Nations An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations] (1776, englischer Originaltext)
- Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker, UTB 2005, ISBN 3-8252-26557
Literatur
- Thomas Rommel, Helen Winter: Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen. DTV, München 2. Auflage 2003. ISBN 3-423-30708-0
- Karl Ballestrem: Adam Smith. Beck-Verlag, München 2001. ISBN 3-406-45976-5
- Ian Simpson Ross: Adam Smith, Leben und Werk. Verlag Wirtschaft und Finanzen, Düsseldorf 1998. ISBN 3-87881-123-3
- Gerhard Streminger: Adam Smith. 2. Auflage. Rowohlt-Verlag, Reinbek 1999. ISBN 3-499-50440-5
- Ulrich van Suntum: Die unsichtbare Hand. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York 2000 ISBN 3-540-41003-1 (314 Seiten)
- Paul Strathern: Schumpeters Reithosen. Die genialsten Wirtschaftstheorien und ihre verrückten Erfinder. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2003 ISBN 3-593-37293-2
- Peter Bendixen: Der Traum vom Wohlstand der Nationen. Kritik der ökonomischen Vernunft. WUV Universitätsverlag, Wien 2005 ISBN 3-85114-887-8
Populärwissenschaftliche Literatur
- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum; Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
Weblinks
-
- [http://www.adamsmith.org/smith/ Smith auf den Seiten des Adam Smith Institute] (engl., unter anderem mit einem Archiv seiner Werke)
- [http://oll.libertyfund.org/Intros/Smith.php Smiths Werke als Onlineausgabe - Liberty Fund]
- [http://members.aon.at/gstremin Adam Smith, Texte, Darstellung seines Werkes und Zeittafel von Gerhard Streminger]
- [http://www.zeit.de/archiv/1999/20/199920.biblioserie-smit.xml Smith in der ZEIT-Bibliothek der Ökonomie]
- Victoria Krummel: [http://www.ecochron.de?pp_smith1 Die "Unsichtbare Hand": Vor- und Nachteile nicht-regulierter Märkte aus der Sicht von Adam Smith]. In: ECOCHRON.
Smith, Adam
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Voltaire
Voltaire [], eigentlich François-Marie Arouet [] ( - 21. November 1694 in Paris; † 30. Mai 1778 in Paris) war einer der einflussreichsten Autoren der europäischen Aufklärung und gilt als wichtiger Vertreter des Deismus. In Frankreich hielt man ihn schon zu Lebzeiten für so bedeutend, dass man das ganze 18. Jahrhundert dort gern als „le siècle de Voltaire“ („das Jahrhundert Voltaires“) bezeichnet. Mit seiner Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft sowie auch am Deutungs- und Machtmonopol der katholischen Kirche war er ein Wegbereiter der Französischen Revolution. Seine wichtigsten Waffen im Kampf gegen seine ideologischen Gegner waren ein präziser und gemeinverständlicher Stil, Sarkasmus und Ironie.
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Leben und Werk
Jugend
Voltaire war das jüngste Kind eines vermögenden bürgerlichen Notars, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere zum königlichen Gerichtsgebühreneinnehmer avancierte. Bereits mit sechs verlor er seine Mutter. Im Jesuitenkolleg Louis-le-Grand (heute Lycée Louis-le-Grand) erwarb er eine solide humanistische Bildung in lateinischer und griechischer Literatur, Mathematik, Geschichte und Religion. Schon als Schüler verfasste er Gedichte und auch seine Theaterbegeisterung nahm in dieser Zeit ihren Anfang. Zudem gewann er einige Freunde unter seinen überwiegend adeligen Mitschülern, darunter die Brüder d'Argenson, die später hohe Ämter bekleideten. Allerdings lernte er so früh auch die Ständegesellschaft des Ancien Régimes kennen. Manche Schüler glaubten allein aufgrund ihrer adeligen Herkunft auf ihn herab sehen zu können.
Auf Drängen des strengen Vaters, der dem Jansenismus nahestand, absolvierte er ein Rechtsstudium an der Pariser juristischen Hochschule (1711-1713). Zugleich führte ihn sein Patenonkel, der Abbé de Châteauneuf, in verschiedene schöngeistige und literarische Zirkel ein. So verkehrte er im epikuräisch-freidenkerischen Kreis um Philippe de Vendôme, den Chef des Malteserordens, und wurde hier für seine eleganten und geistreichen Verse bewundert. Nach Beendigung des ungeliebten Studiums gab er dem Druck des Vaters nach und arbeitete für kurze Zeit in einem Notariat in Caen. Anschließend begleitete er einen Bruder seines Patenonkels als Privatsekretär nach Den Haag, wo jener in diplomatischer Mission zu tun hatte. Als er eine Liebschaft mit einer jungen Französin begann, beschwerte sich deren Mutter bei seinem Vater. Dieser erwog daraufhin, ihn zu enterben und nach Amerika deportieren zu lassen.
Erste Veröffentlichungen
Den Haag
Voltaire kam nach Paris zurück und arbeitete nochmals für kurze Zeit in einer Anwaltskanzlei. Er verkehrte jetzt nicht nur in literarisch-schöngeistigen Zirkeln, sondern zunehmend auch in adeligen Häusern, wo man ihn als Autor witziger, häufig spöttischer Gedichte schätzte. Auch beteiligte er sich an den Diskussionen und Streitereien der Pariser Literaten und machte sich beispielsweise 1714 mit einer Verssatire über den arrivierten Autor und Literaturtheoretiker Houdar de la Motte lustig, der für die vorrangige Verwendung der Prosa anstelle der Versform in den erzählenden Gattungen eingetreten war - eine Ansicht, die Voltaire später durchaus akzeptieren sollte. Bei der 1715 entstandenen Ode Le vrai Dieu handelt es sich vielleicht um seinen ersten philosophischen Text.
Eine der vornehmsten Adressen Voltaires war der Hof eines unehelichen, aber legitimierten Sohnes von Ludwig XIV., des Duc du Maine. Dieser war von seinem sterbenden Vater testamentarisch zum Regenten für den kleinen Ludwig XV. bestimmt worden, wurde aber zu seinem Ärger verdrängt von seinem Cousin, Herzog Philipp von Orléans. Bei Maine trug Voltaire 1716 ein satirisches Gedicht auf Philipp vor, in dem er dessen mutmaßliches inzestuöses Verhältnis zu seiner Tochter andeutete. Natürlich erfuhr Philipp davon und verbannte Voltaire für mehrere Monate aus Paris, die er größtenteils als Gast auf dem Schloss des Duc de Sully verbrachte. Nach einem Huldigungs- und Bittgedicht an Philipp konnte er zurück, verfasste aber bald eine neue Satire auf ihn. Diesmal war die Reaktion schärfer: Voltaire wurde im Mai 1717 in der Bastille inhaftiert.
Hier stellte er seine mit Sophokles und Corneille wetteifernde erste Tragödie Œdipe (Ödipus) fertig und begann unter dem Titel La Ligue ein Epos über die Religionskriege und ihre Beendigung durch Heinrich IV., der seines Erachtens ein vorbildlicher König gewesen war. Dank der Fürsprache hochstehender Gönner wurde er nach elf Monaten aus der Haft entlassen und nannte sich fortan „Voltaire“ - ein Anagramm aus den Buchstaben seines Namens A-R-O-V-E-T- (mit v statt u) L-I (d.h. le jeune, mit i statt j). Die erfolgreiche Aufführung von Œdipe machte ihn im Herbst 1718 schlagartig berühmt.
Wieder verkehrte er in literarischen Salons und war auch gerngesehener Gast in den Landschlössern des Hochadels rund um Paris. Hierbei lernte er den im Exil lebenden Politiker Lord Bolingbroke kennen, der ihm England näher brachte. In dieser Zeit entstanden die Tragödie Artémire (1720) und die Épître à Uranie (1722). Außerdem arbeitete er weiter an La Ligue.
Als sein Vater 1722 starb, erbte Voltaire seinen Anteil an dessen Vermögen. Da er im gleichen Jahr vom Regenten eine „pension“ (jährliche Gratifikation) aus der königlichen Schatulle zugesprochen bekam, war er finanziell in Zukunft abgesichert. Eine Liaison mit der verheirateten Adeligen Madame de Bernières krönte seine erfreuliche Situation.
1723 brachte zwei Misserfolge: Voltaire machte erstmals mit der Zensur Bekanntschaft, als ihm die Druckerlaubnis für La Ligue, ou Henri le Grand verweigert wurde, obwohl er darum ersucht hatte, das Werk dem König widmen zu dürfen. Er publizierte es deshalb anonym in der Stadtrepublik Genf. Überdies stieß seine Tragödie Hérode et Mariamne auf Ablehnung.
1725 war hingegen ein Jahr des Erfolgs. Die Herodes-Tragödie wurde in einer überarbeiteten Version gut aufgenommen. Außerdem erhielt er Zutritt zum Hof dank der einflussreichen Marquise de Prie, die ihn mit der Organisation von Theateraufführungen zur Hochzeit Ludwigs XV. beauftragen ließ. Sie war die Geliebte des Ersten Ministers, des Duc de Bourbon. Dies trug ihm eine zweite "pension" ein, nunmehr aus der Schatulle der jungen Königin. Als einer der gefragtesten Dramaturgen und Dichter Frankreichs schien er nun bestens in das herrschende System integriert.
Voltaire in England
1726 ließ ihn der Chevalier de Rohan, Spross eines alten französischen Adelsgeschlechts, von seinen Dienern verprügeln. Voltaire hatte auf die spöttische Frage Rohans, wie er denn zu seinem Namen komme, sarkastisch geantwortet: "Je commence mon nom, monsieur, vous finnissez le vôtre" (etwa: Ich bin der erste meines Namen, Sie nur der letzte). Der über die Prügel empörte Voltaire nahm Fechtunterricht, um den Chevalier zum Duell herauszufordern. Die Rohans erwirkten jedoch einen königlichen Haftbefehl gegen ihn, und wieder kam er in die Bastille. Da er inzwischen berühmt war, bot ihm der König die Freiheit an unter der Bedingung, dass er Frankreich verließ.
Voltaire akzeptierte und ging für zweieinhalb Jahre nach England, das dabei war, in die industrielle Revolution einzutreten. Er war fasziniert von der intellektuellen und wirtschaftlichen Aufbruchstimmung sowie von der relativ großen geistigen Freiheit und sozialen Mobilität in dieser multikonfessionellen Gesellschaft, in der die Religion Privatangelegenheit war und die Macht des Königs und die Privilegien des Adels eingeschränkt waren. Besonders beeindruckten ihn das parlamentarische System und der Schutz der Bürger vor staatlicher Willkür. Lord Bolingbroke führte ihn in die besten gesellschaftlichen und intellektuellen Kreise Londons ein und auch dem König wurde er vorgestellt. Eine überarbeitete Fassung von La Ligue, die er 1728 als La Henriade druckte, durfte er der Königin widmen.
Für einen Franzosen damals durchaus nicht selbstverständlich erlernte er die englische Sprache und trieb intensive Lektüre. So studierte er die Werke des englischen Empiristen und Theoretiker des „common sense“ John Locke. Auch las er die die Dramen Shakespeares im Original. Außerdem befasste er sich mit den revolutionären Theorien des Physikers und Astronomen Newton sowie auch mit den neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.
In seinen hier verfassten, aber erst später veröffentlichten "philosophischen Briefen" (Lettres anglaises oder Lettres philosophiques) stellte er England seinen Landsleuten als leuchtendes Vorbild vor Augen. 1729 ging er nach Paris zurück, den Koffer voller fertiger und angefangener Manuskripte, darunter die historiographischen Werke Histoire de Charles XII, roi de Suède (=Karl XII. von Schweden, 1731) und Le Siècle de Louis XIV ("Das Jahrhundert Ludwigs XIV.", fertiggestellt erst 1751), oder die Tragödien Brutus und Zaïre, die 1730 und 1732 erfolgreich aufgeführt wurden. Nebenher vermehrte er mit Hilfe der Brüder d'Argenson geschickt sein Vermögen, so dass er bald mehr als nur wohlhabend war.
Die Jahre mit Émilie du Châtelet
Als 1730 die Leiche Adrienne Lecouvreurs, einer befreundeten jungen Schauspielerin, auf den Schindanger geworfen wurde, empörte sich Voltaire mit der Ode sur la mort de Mademoiselle Lecouvreur. Er war entrüstet, dass einer beliebten und bewunderten Persönlichkeit eine würdige Bestattung verwehrt wurde, nur weil sie den traditionell verachteten und vom Klerus angefeindeten Beruf einer Schauspielerin ausgeübt hatte.
1734 erschienen zugleich in London und Paris die Lettres philosophiques, die von den Herrschenden in Frankreich erwartungsgemäß als Affront empfunden wurden. Besonders verärgert waren die meist jansenistisch-frommen Hohen Richter des Pariser Parlaments. Sie stießen sich an einer Diatribe gegen den anthropologischen Pessimismus des Jansenisten Blaise Pascal, die an die Briefe angehängt war. Das Parlament erließ einen Haftbefehl und das Buch wurde verboten. Seiner Verbreitung tat dies jedoch keinen Abbruch.
Voltaire zog sich mit seiner neuen Geliebten Émilie du Châtelet auf das Schlösschen ihres Mannes in Cirey zurück, von wo aus er notfalls schnell ins nahe Lothringen fliehen konnte, das bis 1738 de jure noch zum deutschen Reich gehörte. In den nächsten Jahren führte er ein unstetes Wanderleben. Er hielt sich in Paris auf, wenn es ihm verstattet war; er ging nach Cirey, wenn es zu gefährlich wurde. Längere Zeit verbrachte er auch in Brüssel und in Holland, das zur „Druckerei Europas“ aufgestiegen war und wo er viele seiner Werke veröffentlichte.
Madame du Châtelet war Autorin philosophischer Werke und Naturforscherin und arbeitete u. a. an einer kommentierten Übersetzung von Newtons Philosophiae naturalis principia mathematica. Auch ihrem Einfluss ist es wohl zu verdanken, dass sich Voltaire vertieft mit den Naturwissenschaften befasste. In der Abhandlung Éléments (=Grundzüge) de la philosophie de Newton stellte er die bahnbrechenden, in Frankreich noch wenig bekannten Theorien des englischen Physikers und Astronomen vor. Mit naturphilosophischen und theologischen Fragestellungen setzte er sich 1734 im Traité de métaphysique (= Abhandlung zur Metaphysik) auseinander.
Seine Domänen blieben jedoch die Geschichtsschreibung und die philosophisch inspirierte, d.h. aufklärerische Literatur, beispielsweise in Gestalt der Tragödien Adélaïde du Guesclin (1734) La Mort de César (1735) und Alzire (1736). Die Tragödie Mahomet wurde trotz einer Widmung an den Papst nach der dritten Aufführung 1742 abgesetzt, da die Darstellung des Religionsgründers Mohammed vom katholischen Klerus ganz richtig als Kritik an Priestertum und religiösem Fanatismus überhaupt verstanden wurde. Daneben schrieb er das spöttisch-burleske Epos La Pucelle über die (1920 heiliggesprochene) Kriegsheldin Jeanne d'Arc, das er lange nur in privaten Abschriften zirkulieren ließ.
Versailles
Dank d'Argenson, aber auch dank der Marquise de Pompadour, der einflussreichen Mätresse Ludwigs XV., durfte er nun an den Hof zurückkehren, obwohl ihn der König nicht mochte. Anlässlich der Hochzeit des Dauphin wurde 1745 seine Ballettkomödie La Princesse de Navarre und etwas später das Singspiel Le Temple de la Gloire (=der Ruhmestempel, Musik von Jean-Philippe Rameau) zur Aufführung gebracht. Darüber hinaus wurde er zum Königlichen Chronisten (historiographe du roi) ernannt sowie zum Königlichen Kammerherrn (gentilhomme de la chambre), womit er offiziell in den Adelstand erhoben war. 1746 wurde er Mitglied der Académie française und im gleichen Jahr ließ er eine sechsbändige Gesamtausgabe seiner Werke drucken. Einmal mehr schien er bestens etabliert.
Er fiel jedoch 1749 in Ungnade, als er auf Englisch Madame du Châtelet am Spieltisch der Königin vor hochadeligen Falschspielern warnte. Nachdem er sich außerdem am Hof darüber beschwert hatte, dass man seinen Konkurrenten Crébillon bevorzuge, wurde der König seiner überdrüssig und auch Madame Pompadour, seine bisherige Fürsprecherin und Beschützerin, distanzierte sich von ihm. Voltaire zog sich auf Schloss Sceaux, zur Duchesse du Maine, zurück und unterhielt diese mit seinen ersten erzählenden Werken, u.a. dem Kurzroman Memnon, dem späteren Zadig.
1748/49 lebte er zusammen mit Madame du Châtelet sowie seiner verwitweten Nichte Madame Denis meistens im Schloss von Lunéville/Lothringen, der Residenz des polnischen Ex-Königs Stanislaus I. Leszczynski. Hier verliebte sich Madame du Châtelet in den Offizier, Höfling und Dichter Saint-Lambert und starb Ende 1749 nach der Geburt eines Kindes.
Aufenthalt am Hof Friedrichs von Preußen
Stanislaus I. Leszczynski (mitte) in Sanssouci mit Voltaire (rechts) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, 1850, ehemals Nationalgalerie, Berlin, 1945 im Flakturm Friedrichshain verbrannt.]]
Im Sommer 1750 folgte Voltaire endlich der Einladung Friedrichs II. von Preußen, der ihn in einem regen Briefwechsel schon seit 1736 umwarb. Nach der Thronbesteigung des rund zwanzig Jahre jüngeren Friedrichs (1740) war Voltaire außerdem mehrfach von seinem Schulfreund, Kriegsminister d'Argenson, in diplomatischer Mission nach Preußen geschickt worden, das im österreichischen Erbfolgekrieg mit Frankreich verbündet gewesen, dann aber aus der Koalition ausgetreten war.
In Potsdam hatten schon mehrere französische Literaten und Gelehrte Hofämter inne und Voltaire erhielt den Titel eines Königlichen Kammerherrn samt zugehörigem Gehalt. Er wurde behandelt wie ein fürstlicher Gast und konnte relativ frei arbeiten. 1751 brachte er in Berlin sein Siècle de Louis XIV heraus, eine Darstellung der französischen Geschichte des 17. Jahrhunderts. Darin wies er der Kulturgeschichte eine zentrale Rolle zu und setzte so der Geschichtsschreibung neue Maßstäbe. Die kulturhistorische Ausrichtung wurde noch deutlicher im Abrégé de l'Histoire universelle (=Abriss der Universalgeschichte), der 1750/51 abschnittweise im Mercure de France erschien. Ebenfalls 1751 kam eine dritte, elf Bände umfassende Gesamtausgabe seiner Werke heraus.
Nach zwei Jahren kühlte sich seine Beziehung zu Friedrich jedoch ab. Voltaire stieg in die Niederungen des Berliner Wirtschaftslebens hinab und betätigte sich als Wertpapierhändler. Er lieh sich bei einem Bankier eine hohe Summe und kaufte unterbewertete Wertpapiere des sächsischen Kurfürsten, sog. Steuerantizipationsscheine. Tatsächlich stieg der Kurs zur Zeit der Steuereintreibung. Als der Bankier bemerkte, dass Voltaire einen stattlichen Gewinn erzielt hatte, beanspruchte er einen Anteil daran und zog vor Gericht. Die überforderten Richter verstanden die Natur der Transaktion nicht und waren geneigt, dem Bankier recht zu geben. Protokollant war ein junger Autor namens Lessing, der die Sache zwar auch nicht begriff, aber ein kleines Spottgedicht ad hoc verfasste. Der preußische Herrscher zeigte ebenfalls wenig Verständnis für Voltaires prosaische Freizeitaktivitäten.
Gespannt war auch das Verhältnis Voltaires zum Akademie-Präsidenten Maupertuis, über den er die spöttische Diatribe du Docteur Akakia verfasste. Als er sie entgegen einer Bitte Friedrichs drucken ließ, war dessen Geduld erschöpft und er äußerte sich in zynischer Weise über ihn mit dem Satz „On presse l'orange et on jette l'écorce“ (Man presst die Orange aus und man wirft die Schale weg). Voltaire bat nun um seine Entlassung, wurde aber zunächst nur beurlaubt. In Leipzig äußerte er sich nochmals kritisch über Maupertuis und wurde daraufhin in Unehren entlassen. In der freien Stadt Frankfurt ließ Friedrich ihn sogar kurz festsetzen und sein Gepäck nach unbefugt Mitgenommnem durchsuchen. Erst Jahre später versöhnten sich die beiden Männer und wechselten wieder Briefe.
Neuerliche Wanderjahre
Nach Aufenthalten an kleineren deutschen Höfen (Gotha, Kassel, Mainz, Mannheim) wartete Voltaire in den elsässischen Städten Straßburg und Colmar vergeblich auf die Erlaubnis, in Ehren nach Paris und an den französischen Hof zurückzukehren. 1755 schließlich erwarb er in der Stadtrepublik Genf ein Anwesen und gedachte sich dort niederzulassen. Doch während in Paris mit Erfolg sein neues Stück L'Orphelin de la Chine (das Waisenkind aus China) aufgeführt wurde, bekam er in Genf ersten Ärger mit dem theaterfeindlichen calvinistischen Kirchenrat, weil er private Aufführungen in seinem Haus organisierte.
In seinem berühmten, 1756 verfassten Gedicht über das Erdbeben von Lissabon (Poème sur le désastre de Lisbonne) setzt er sich mit dem grenzenlosen Optimismus des Schriftstellers Alexander Pope und vieler seiner Zeitgenossen auseinander, wonach alles was ist, gut und recht ist („Whatever is, is right“). Im selben Jahr veröffentlichte er seinen Essai sur l'histoire générale et sur les mœurs et l'esprit des nations (= Versuch über die allgemeine Geschichte und die Sitten und den Geist der Nationen), eine Universalgeschichte der Menschheit, die er insgesamt auf dem Weg des Fortschritts sieht.
Ebenfalls 1756 begann er seine Mitarbeit an dem 1746 von Diderot und d'Alembert initiierten Groß-Lexikon, der Encyclopédie. 1757 brachte ihm d'Alemberts kritischer Encyclopédie-Artikel „Genève“ neuen Ärger in Genf, obwohl er ihn nur als Informant beeinflusst hatte. Wieder ging er auf Reisen und schrieb 1758 die heute als sein bestes Werk geltende philosophische Erzählung Candide ou l'optimisme (teilweise verfasst im Schloss von Schwetzingen). Hierin führt er in einer turbulenten Handlung sarkastisch-ironisch den ihm als unhaltbar erscheinenden Naturoptimismus à la Rousseau und auch den Optimismus à la Leibniz („Unsere Welt ist die beste aller möglichen Welten“) ad absurdum.
Sesshaftwerdung und erfüllte letzte Jahre
Im Alter von 64 Jahren erwarb Voltaire die landwirtschaftlichen Güter Ferney und Tourney im französischen Grenzgebiet nahe Genf, die er zum Wohl seiner Tagelöhner und Pächter innovativ und effizient bewirtschaftete. Zusammen mit Madame Denis verbrachte er hier seine letzten zwei Lebensjahrzehnte, die den Zenith seiner Karriere bedeuten sollten.
Nicht nur schrieb und publizierte der „Patriarch von Ferney“ weiterhin fleißig, sondern er empfing als führende Persönlichkeit der Aufklärung Besucher aus ganz Europa und pflegte einen regen Briefwechsel mit vielen herausragenden Geistern seiner Zeit. Vor allem aber kämpfte er mit der Macht seiner stetig wachsenden Autorität gegen staatliche Willkür und religiösen Obskurantismus, so z. B. anlässlich des Justizmordes an Jean Calas, einem Protestanten, der beschuldigt worden war, er habe seinen Sohn ermordet, um ihn vom Übertritt zum Katholizismus abzuhalten. Dieser war erhängt auf dem Dachboden gefunden worden. Calas wurde daraufhin verhaftet, gefoltert, ohne Beweise zum Tod auf dem Rad verurteilt und am 9. Mai 1762 hingerichtet. Vieles deutete daraufhin, dass der katholische Klerus das willkürliche Urteil gebilligt hatte. Als Voltaire davon hörte, startete er eine publizistische Kampagne, in der er u.a. 1763 die Schrift Traité sur la tolérance (Abhandlung über die Toleranz) veröffentlichte. Unter dem Beifall des gesamten aufgeklärten Europas wurde Calas am 9. März 1765 posthum rehabilitiert.
Nach dem Erfolg von Candide veröffentlichte Voltaire weitere Erzählungen, so den meisterhaften empfindsamen Kurzroman L'Ingénu (=der Unbedarfte, 1767). Außerdem erschien 1760 und 1763 die Histoire de l'Empire de Russie sous Pierre le Grand (=Geschichte des russischen Reiches unter Peter dem Großen). Er verfasste aber auch philosophische Werke wie das sehr erfolgreiche, seine Bibel- und Religionskritik auf den Punkt bringende Dictionnaire philosophique portatif (1764). Voltaire versorgte damit die Sympathisanten der Aufklärung mit Argumenten und kreierte zugleich den Typ des „tragbaren“ einbändigen Konversationslexikons. Noch im 19. Jahrhundert diente das Lexikon der laizistischen französischen Bourgeoisie als wichtige Informationsquelle zur Aufdeckung von Widersprüchen und Paradoxien in den Lehren der Katholischen Kirche.
Im Februar 1778 reiste Voltaire nach Paris, um der Uraufführung seines neuen Stücks Irène beizuwohnen. Er wurde wie in einem Triumphzug empfangen und konnte sich der Ehrungen und Einladungen kaum erwehren. So wurde er am 7. April in die Pariser Freimaurerloge „Les Neuf Sœurs“ aufgenommen. Stuhlmeister der Loge war zu dieser Zeit der Astronom Jérome Lalande. Voltaires Bürge war der Historiker Abbé Cordier de St. Firmin und Graf Stroganow bereitete ihn auf die Aufnahme vor. In Gegenwart von etwa 250 Freimaurern, unter ihnen sein Freund Elie de Beaumaunt, führte ihn Benjamin Franklin in den Tempel.
Einen Monat später brach der Hochgeehrte entkräftet zusammen und starb. Erst nach seinem Tod wurde nach und nach seine umfängliche Korrespondenz publiziert. Sie umfasst mehr als 22.000 Briefe und erscheint nachträglich als ein bedeutender Teil seines Schaffens.
Leistungen
Voltaire war kein systematischer Denker, sondern ein „philosophe“ im französischen Sinn, d. h. ein Autor, der sowohl philosophische, als auch belletristische, historische und naturwissenschaftliche Schriften verfasste sowie auch publizistisch tätig war.
Typisch für ihn sind die philosophischen Erzählungen, in welchen er tiefschürfende Gedankengänge auf unterhaltsame Weise belletristisch einkleidet. Er selbst hielt sich vermutlich in erster Linie für einen bedeutenden Dramatiker aufgrund seiner rund vierzig, teilweise sehr erfolgreichen Stücke. Auch seine Zeitgenossen sahen ihn als Nachfolger großer Tragödiendichtern der Weltliteratur wie Sophokles, Seneca, Racine und Corneille. Heute schätzt man ihn vor allem als Erzähler sowie als Begründer einer kulturhistorisch orientierten Geschichtsschreibung. Wissenschaftlich ambitioniert und gemeinverständlich geschrieben, eröffneten seine historischen Studien eine Tradition, die noch heute in Frankreich lebendig ist.
Voltaire und die Bibel
Voltaire übte nicht nur an den politischen Missständen, sondern auch an den institutionellen Formen der Religion seiner Zeit pointierte Kritik. Außerdem betrachtete er die unkritische Rezeption und Verehrung der Scriptura Sacra als regressiv: „In hundert Jahren wird die Bibel ein vergessenes und unbekanntes Buch sein, sie wird nur noch als Rarität in den Rumpelkammern und Altertumssammlungen als Zeuge der Torheit früherer Geschlechter zu finden sein.“
Stilmittel
Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor, (Selbst-)Ironie und Sarkasmus kritisiert Voltaire die Missstände seiner Zeit. Dazu dienen ihm vor allem, groteske Namen und Begebenheiten, viele rhetorische Mittel (vor allem der Euphemismus, das Oxymoron und die Antiphrase), aber auch die Anhäufung einer Vielzahl von Naturkatastrophen in einer Erzählung, so in seiner berühmten Erzählung „Candide“. Hier lässt er die Protagonisten des öfteren scheinbar wieder auferstehen. Auch die Hyperbel ist ihm ein willkommenes Mittel. Hierbei scheint ihm nichts heilig gewesen zu sein. Kirche und Staat verschont er ebenso wenig wie seine Gegner.
Werke
- 1718: Tragödie: Oedipus (Œdipe)
- 1723: Epos über Heinrich IV.: La Henriade
- 1731: Philosophische Briefe (Lettres philosophiques ou lettres anglaises)
- 1732: Tragödie: Zaïre
- 1742: Tragödie: Mahomet (deutsch von Goethe 1802)
- 1747: Erzählung: Zadig, ou la destinée
- 1751: Die Zeiten Ludwigs XIV. ([http://www.voltaire-integral.com/Html/00Table/14Loui14_chap.html Le siècle de Louis XIV])
- 1756: Poème sur le désastre de Lisbonne (Gedicht ueber die Katastrophe von Lissabon, d.h. das Erdbeben von 1755)
- 1756: [http://www.voltaire-integral.com/Html/00Table/11_chap.html Essai sur les moeurs]
- 1759: Candide oder der Optimismus ([http://www.voltaire-integral.com/VOLTAIRE/Candide.htm Candide, ou l'optimisme])
- 1763: Geschichte des russischen Reiches unter der Regierung Peters des Großen ([http://www.voltaire-integral.com/Html/00Table/16russie_chap.htm Histoire de l'Empire de Russie sous Pierre le Grand])
- 1763: [http://www.voltaire-integral.com/VOLTAIRE/Traite.htm Traité sur la tolérance]
- 1764: Philosophisches Wörterbuch ([http://www.voltaire-integral.com/00Table/table.htm Dictionnaire philosophique portatif]) eine Zusammenfassung seines antikirchlichen Denkens
- 1767: Kurzroman: [http://www.susannealbers.de/03philosophie-literatur-Voltaire1.html Der Freimütige] (L'Ingénu: Das Naturkind)
Literatur
- Alfred J. Ayer: Voltaire, eine intellektuelle Biographie. Athenäum-Verlag 1987. ISBN 3-610-09223-8
- Georg Holmsten: Voltaire. 14. Aufl., Rowohlt, 2002, ISBN 3-499-50173-2
- Jean Orieux: Das Leben des Voltaire. Insel-Verlag, 1978, ISBN 3-458-05954-7
Weblinks
Biografien und Gesamtwürdigungen
- [http://www.correspondance-voltaire.de Leben und Werk Voltaires] (Zahlreiche Photos von seinen Aufenthaltsorten)
- [http://www.pinkernell.de/romanistikstudium Gert Pinkernell: Namen, Titel und Daten der französischen Literatur] (Hauptquelle für den biografischen Teil))
- [http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/voltaire.htm Illustrierte Biographie Voltaires]
- [http://www.km-regensburg.de/kmr/projekt/projekt2000/Candide/voltaire.htm François Marie Arouet - genannt Voltaire (1694-1778)]
- [http://www.pompadour.historicum.net/themen/biographien/voltaire.html Madame de Pompadour und ihre Zeit: François-Marie Arouet (Voltaire)]
- [http://www.textlog.de/6278.html Voltaire (aus: Karl Vorländer, Geschichte der Philosophie, 1902)]
- [http://www.biblioweb.org/-VOLTAIRE-.html Biografie, Bibliografie, Analyse] (französisch)
Organisationen
- [http://www.voltaire.ox.ac.uk/ The Voltaire Foundation] (eng., frz.)
- [http://www.ville-ge.ch/imv/ Institut et Musée Voltaire, Genf]
Candide
- [http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/candide.htm Illustrierte Zusammenfassung des Candide ]
- [http://ub-dok.uni-trier.de/candide.htm Bibliographie illustrierter Candide-Ausgaben und Materialien zur Rezeptionsgeschichte und Verbreitung des Romans]
- [http://gutenberg.spiegel.de/voltaire/kandide/kandide.htm Candide] (Der Text beim Projekt Gutenberg)
Sonstiges
- [http://www.preussen.de/de/geschichte/1740_friedrich_ii./voltaire.html Voltaire und Friedrich II.]
- [http://www.gkpn.de/voltaire.htm Voltaires Tod]
Siehe auch
- College Louis le Grand
- Cabaret Voltaire
Kategorie:Philosoph (18. Jh.)
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Kategorie:Autor
Kategorie:Weimarer Klassik (Literatur)
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