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27. April

27. April

Der 27. April ist der 117. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 118. in Schaltjahren) – somit verbleiben noch 248 Tage bis zum Jahresende.

Ereignisse


- 1622Schlacht bei Wiesloch: die vereinigten Heere Mansfelds und Georg Friedrichs von Baden-Durlach besiegen im Dreißigjährigen Krieg die Kaiserlichen unter Tilly.
- 1788Maryland tritt als 7. Bundesstaat den USA bei.
- 1848 – Die Deutsche demokratische Legion unter Führung des revolutionären Dichters Georg Herwegh unterliegt konterrevolutionären Truppen bei einem Gefecht in Dossenbach/Baden (vgl. Badische Revolution, Märzrevolution und Heckerzug)
- 1848Frankreich verkündet die Abschaffung der Sklaverei in seinen Kolonien.
- 1915Erster Weltkrieg: Ein österreichisch-ungarisches U-Boot versenkt in der Straße von Otranto den französischen Panzerkreuzer "Gambetta".
- 1937 – In San Francisco erfolgt die Verkehrsfreigabe der Golden Gate Bridge.
- 1940Zweiter Weltkrieg: Das Oberkommando der Wehrmacht bestätigt erstmals Kämpfe zwischen deutschen und britischen Truppen in Norwegen.
- 1941 – Die deutsche Wehrmacht erobert Athen.
- 1945 – Befreiung des Konzentrationslagerkomplexes Kaufering / Landsberg am Lech durch die US-Armee
- 1945 – Die in Wien gebildete Provisorische Staatsregierung unter Staatskanzler Karl Renner – mit Leopold Figl (ÖVP), Adolf Schärf (SPÖ) und Johann Koplenig (KPÖ) als Stellvertreter - wird von der UdSSR anerkannt. Vor dem Parlamentsgebäude an der Ringstraße proklamiert sie die Wiederherstellung der unabhängigen demokratischen Republik Österreich und erklärt den "Anschluss" an Deutschland von 1938 für null und nichtig: Geburtsstunde der Zweiten Republik.
- 1952 – Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen Japan und der Volksrepublik China.
- 1960Togo, bis dato formal UN-Treuhandgebiet, erhält seine volle Unabhängigkeit; Sylvanus Olympio wird erster Staatspräsident.
- 1961Sierra Leone wird von Großbritannien unabhängig, verbleibt jedoch im Commonwealth of Nations.
- 1969 – Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle tritt nach einer Niederlage bei einem Referendum über die Regionalisierung der Verwaltung zurück.
- 1972 – Im Deutschen Bundestag scheitert ein Konstruktives Misstrauensvotum gegen Willy Brandt.
- 1978Afghanistan: Militärputsch gegen Mohammad Daud; Taraki wird neuer Präsident und Amin zweiter Mann im Staat
- 1992Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) kündigt seinen Rücktritt an.
- 1992 – Die "Föderative Republik Jugoslawien" (FRJ) wird durch den Zusammenschluss Serbiens und Montenegros gebildet.
- 1993 – Erste demokratische und geheime Wahlen im Jemen
- 1994 – In Südafrika garantiert die neue Übergangsverfassung den Staatsbürgern aller Rassen die Gleichberechtigung und das Wahlrecht.
- 1997 – Bei den Parlamentswahlen im Jemen gewinnt der Allgemeine Volkskongress (AVK) von Präsident Ali Abdallah al-Saleh.
- 1997 – In Kanada wird das Parlament durch Premierminister Jean Chrétien aufgelöst, Neuwahlen werden für den 1. Juni anberaumt.
- 1999Georgien wird als 41. Mitglied des Europarats aufgenommen.
- 2002 – In Frankreich demonstrieren Hunderttausende gegen den Erfolg des Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen im 1. Durchgang der Präsidentenwahl
- 2003 – Dritte demokratische Wahlen im Jemen
- 2003 – In Paraguay wird Nicanor Duarte Frutos zum Staatspräsidenten gewählt, gleichzeitig verliert die Regierungspartei bei den Parlamentswahlen ihre absolute Mehrheit.
- 2005 – Das offizielle Österreich feiert den 60.Jahrestag seiner Wiedergründung (2.Republik) am 27.April 1945 mit einem Staatsakt in der Wiener Hofburg. Zahlreiche Diplomaten, Schulklassen und 60-jährige 'Geburtstagskinder' feiern den "Tag der Freude" (Bundeskanzler Schüssel) mit.
- 2005 – In Ägypten demonstrieren hunderte Anhänger der Bewegung Kifaja in 15 verschiedenen Städten für mehr Demokratie und gegen den Präsidenten Mubarak.

Wirtschaft

Mubarak
- 1940 – Mit dem Abschluss der Abwrackung von LZ 127 „Graf Zeppelin“ und LZ 130 „Graf Zeppelin II“ endet die Ära der Großluftschifffahrt.
- 2005 – Unter dem Beifall tausender Schaulustiger startet das Großraumflugzeug Airbus A380 in Toulouse zu seinem Erstflug. Airbus erhofft sich damit, seinen Marktanteil gegenüber Boeing auszubauen.

Wissenschaft und Technik


- 1949Harald E. Thompson erreichte mit seinem Hubschrauber Sikorsky S-52 den Geschwindigkeitsweltrekord von 208,5 km/h.

Kultur


- 1720 – Uraufführung der Oper Radamisto von Georg Friedrich Händel am King's Theatre in London.
- 1877 – Uraufführung der Oper Le Roi de Lahore von Jules Massenet an der Grand Opéra Paris.
- 1893Uraufführung der Oper Aljeko von Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow im Bolschoi-Theater in Moskau.
- 1929 – Uraufführung der Oper Jürg Jenatsch von Heinrich Kaminski an der Staatsoper in Dresden.
- 1985 – Der DDR-Dramatiker Heiner Müller erhält den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Religion

Katastrophen


- 1865 – Das Dampfschiff „Sultana“, explodiert mit 2.300 Passagieren an Bord auf dem Mississippi. 1.700 Menschen werden getötet.
- 1895 – Die Staumauer von Bouzey (Frankreich) versagt. Die Katastrophe hat zwischen 86 und 200 Todesopfer zur Folge.
- 1952 – Der Schnelle Minensucher Hobson sinkt während eines Manövers im Atlantik nach der Kollision mit dem Flugzeugträger Wasp (beide USA. 176 Tote und viele Verletzte.
- 1993Afghanistan. Bei Tashqurgan stürzt eine Antonow An-32 der afghanischen Luftwaffe mit 76 Menschen ab. Niemand überlebt.
- 1993 – Eine aus Lusaka, Sambia kommende de Havilland Canada DHC-5 Buffalo der sambischen Luftwaffe stürzt nach einem Zwischenstopp in Libreville, Gabun ins Meer, nachdem der linke Motor ausgefallen ist. An Bord stirbt die sambische Fußball-Nationalmannschaft samt Begleitern (30 Menschen), die auf dem Weg zu einem WM-Qualifikationsspiel in Dakar, Senegal sind.

Sport


- Einträge im Bereich Formel 1 siehe Formel 1.
- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden s. u. der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1908 – Die IV. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit werden in London eröffnet.

Geboren


- 1623Johann Adam Reinken, deutscher Organist und Komponist
- 1737Edward Gibbon, britischer Historiker
- 1748Adamantios Korais, griechischer Gelehrter und Schriftsteller
- 1759Mary Wollstonecraft, englische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin irischer Abstammung
- 1764Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf, deutscher Verleger Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf
- 1791Samuel Morse, US-amerikanischer Erfinder
- 1812Friedrich von Flotow, deutscher Komponist
- 1820Herbert Spencer, britischer Philosoph und Soziologe
- 1822Ulysses Simpson Grant, Unions-General im Amerikanischen Bürgerkrieg (18. Präsident der USA)
- 1844Albert von Keller, schweizerischer Maler
- 1848Johann Desch, Mitbegründer der industriellen Fertigung von Bekleidung in Deutschland
- 1848Otto I., König von Bayern
- 1856Tongzhi, Chinesischer Kaiser (Qing-Dynastie)
- 1857Johannes Chrzaszcz, schlesischer Priester, oberschlesischer Landesgeschichtsforscher
- 1884Arthur Wieferich, deutscher Mathematiker
- 1893Norman Bel Geddes, US-amerikanischer Bühnenbildner und Unternehmer
- 1896Wallace H. Carothers, US-amerikanischer Chemiker
- 1897Wilhelm Busch, deutscher Pfarrer, Evangelist und Schriftsteller
- 1900Martin Beheim-Schwarzbach, deutscher Schriftsteller
- 1903Frank Belknap Long, US-amerikanischer Autor
- 1903Karl Maron, Minister des Inneren der DDR 1955-1963
- 1904Cecil Day-Lewis, englisch-irischer Schriftsteller
- 1908Carlo Felice Trossi, italienischer Rennfahrer
- 1913Werner Sanß, deutscher Theologe und Friedensaktivist
- 1921Erwin Ringel, österreichischer Tiefenpsychologe und Neurologe.
- 1921Hans-Joachim Kulenkampff, deutscher Schauspieler und Fernsehmoderator
- 1922Hans Bemmann, deutscher Schriftsteller
- 1929Willi Hoss, deutscher Grünen-Politiker
- 1931Krzysztof Komeda, polnischer Jazzmusiker und Komponist
- 1932Anouk Aimée, französische Filmschauspielerin
- 1932Maxine Brown, US-amerikanische Sängerin
- 1932Roelof Frederick Botha, südafrikanischer Jurist, Politiker und Außenminister
- 1936Theo Angelopoulos, griechischer Regisseur
- 1937Zhang Jie, chinesische Schriftstellerin
- 1941Peter Ensikat, deutscher Schriftsteller und Kabarettist
- 1944Bassam Salih Kubba, stellvertretender irakischer Außenminister
- 1944Cuba Gooding, US-amerikanischer Bandleader
- 1944Walter Kolbow, deutscher SPD-Politiker und MdB
- 1945Veronika Ehrich, Linguistin und Hochschulpolitikerin
- 1946Franz Roth, ehemaliger Fußballspieler
- 1946 - Gerd Wiltfang, deutscher Springreiter, WM-Sieger 1978
- 1947Ann Peebles, US-amerikanische Sängerin und Songschreiberin
- 1947Peter Ham, britischer Musiker
- 1950Ace Frehley, US-amerikanischer Musiker
- 1951Olivia Hussey, argentinisch-britische Schauspielerin
- 1951Viviane Reding, luxemburgische Politikerin und Journalistin, EU-Kommissarin
- 1959Sheena Easton, britische Sängerin
- 1963Dorota Mogore-Tlałka, polnische Skirennläuferin
- 1963Małgorzata Mogore-Tlałka, polnische Skirennläuferin
- 1967Willem-Alexander, ältester Sohn von Königin Beatrix und Claus von Amsberg
- 1972Mehmet Kurtulus, deutscher Schauspieler
- 1976Olaf Tufte, norwegischer Ruderer
- 1977Judith Hildebrandt, deutsche Schauspielerin, Moderatorin und Popsängerin
- 1978Jakub Janda, tschechischer Skispringer
- 1981Sandy Mölling, deutsche Sängerin

Gestorben


- 1304Petrus Armengol, spanischer Mercedarier
- 1386Leonore Teles de Menezes, portugiesische Adlige
- 1404Philipp II. der Kühne, Herzog von Burgund Philipp II. der Kühne
- 1521Ferdinand Magellan, portugiesischer Seefahrer, der für die spanische Krone segelte
- 1524Anton Tucher, deutscher Kaufmann und Mäzen
- 1586Adam Henricpetri, Verfasser eines mehrbändigen Geschichtswerks
- 1605Leo XI. (Alessandro Medici), Papst vom 1. bis 27. April 1605
- 1641Wilhelm von Rath, deutscher Soldat
- 1656Gerrit van Honthorst, niederländischer Maler
- 1656Jan van Goyen, niederländischer Maler
- 1672Kurt Reinicke von Callenberg, deutscher Soldat und Verwaltungsbeamter
- 1694Johann Georg IV. (Sachsen), Kurfürst von Sachsen aus dem Hause Wettin
- 1702Jean Bart, Freibeuter aus Dünkirchen
- 1715Valerian Brenner, Baumeister des Vorarlberger Barocks
- 1794James Bruce, schottischer Reisender
- 1794William Jones, englischer Orientalist und Jurist, Richter am Obersten Gericht in Kalkutta
- 1806Amalie von Gallitzin, Mitbegründerin des 'romantischen' Katholizismus
- 1837Heinrich Schmelka, Schauspieler
- 1847Henry Wellesley, 1. Baron Cowley of Wesley, englischer Staatsmann und Diplomat
- 1881Emile de Girardin, französischer Verleger
- 1882Ferdinand Reich, deutscher Chemiker und Physiker
- 1882Ralph Waldo Emerson, US-amerikanischer Philosoph und Dichter
- 1886Eugène Isabey, französischer Maler
- 1887Alfred von Reumont, deutscher Staatsmann und Historiker
- 1896Albert Fischer, evangelischer Pfarrer und Hymnologe
- 1897Ludwig Wilhelm August von Baden, badischer Prinz, Politiker und General
- 1913Gabriel von Seidl, deutscher Architekt und Vertreter des Historismus
- 1915Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, russischer Pianist und Komponist
- 1915Alexandr Skrjabin, russischer Pianist und Komponist
- 1916Bruno Schmitz, deutscher Architekt
- 1918Oskar Troplowitz, deutscher Pharmakologe und Unternehmer
- 1932Hart Harold Crane, US-amerikanischer Dichter
- 1936Karl Pearson, britischer Mathematiker und Philosoph
- 1937Antonio Gramsci, Italienischer Schriftsteller, Politiker und Theoretiker des Kommunismus
- 1938Edmund Husserl, deutscher Philosoph
- 1943Fanny Starhemberg, österreichische Politikerin
- 1947Heinrich Altherr, schweizerischer Maler
- 1950Karl Straube, deutscher Organist und Thomaskantor in Leipzig
- 1959William Fielding Ogburn, US-amerikanischer Soziologe
- 1960Anton Pannekoek, holländischer Astronom und marxistischer Theoretiker
- 1963Lilo Linke, deutsche Schriftstellerin und Reporterin
- 1964Georg Britting, deutscher Schriftsteller
- 1965Paul Beckers, deutscher Komiker
- 1970Ilmari Kianto, finnischer Schriftsteller
- 1972Kwame Nkrumah, ghanesischer Politiker und Staatspräsident
- 1975Mike Brant, fränzösischer Musiker
- 1978Mohammed Daoud, afghanischer Politiker, Regierungschef und Staatspräsident
- 1979Willibald Schmaus, deutscher und österreichischer Fußballspieler
- 1983Georg von Holtzbrinck, deutscher Verleger
- 1984Z. Z. Hill, US-amerikanischer Sänger
- 1987Attila Hörbiger, österreichischer Schauspieler
- 1987Walther Kauer, Schweizer Schriftsteller
- 1989Konosuke Matsushita, japanischer Industrieller
- 1991Fritz Corterier, deutscher Politiker und MdB
- 1992Olivier Messiaen, französischer Komponist und Organist
- 1995Willem Frederik Hermans, niederländischer Schriftsteller
- 1998Carlos Castaneda, US-amerikanischer Anthropologe und Schriftsteller
- 1998Pauline Réage, französische Autorin
- 1999Mark Weiser, US-amerikanischer Informatiker
- 2000Lothar Herbst, polnischer Poet
- 2000Joachim Kemmer, deutscher Schauspieler und Synchronsprecher
- 2002George Alec Effinger, Science-Fiction-Autor
- 2003Dorothee Sölle, deutsche evangelische Theologin
- 2003Klaus Mertens, deutscher Schauspieler
- 2004Alex Randolph, US-amerikanischer Spieleautor
- 2004Ulrich Stranz, deutscher Komponist

Feier- und Gedenktage


- Kirchliche Gedenktage:
  - Hl. Petrus Canisius, Kirchenlehrer (katholischer Gedenktag im deutschen Sprachgebiet, sonst 21. Dezember)
  - Sel. Petrus Armengol (katholisch)
- Nationalfeiertage:
  - Nationalaufstandstag in Slowenien
  - Tag der Verfassung (1994) in Südafrika
  - Unabhängigkeitstag in Togo
- Welttag des Designs

Siehe auch


- 26. April28. April
- 27. März27. Mai
- Historische JahrestageZeitskala
- Wikipedia:GlaskugelWikipedia:Formatvorlage Tag 0427 ja:4月27日 ko:4월 27일 simple:April 27 th:27 เมษายน

Gregorianischer Kalender

Der gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII., ist der heute in den meisten Teilen der Welt gültige Kalender.

Gregorianische Kalenderreform

Kalender Das erste Konzil von Nizäa bestimmte im Jahre 325, dass das Osterfest immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlings-Anfang (bezogen auf Jerusalem) gefeiert werden sollte. Das astronomische Ereignis des Primar-Äquinoktiums (Frühlings-Tagundnachtgleiche der nördlichen Hälfte unseres Planeten) fand im Konzilsjahr 325 am 21. März statt, und die julianische Schalttagsregelung wurde damals noch nicht als verbesserungsbedürftig erkannt. Der damals gültige julianische Kalender ging von einem mittleren Sonnenjahr von 365,25 Tagen aus und glich die Differenz (bezogen auf 365 Tage) von annähernd 6 Stunden alle vier Jahre durch die Einfügung eines Schalttags aus. Gegenüber dem vom tatsächlichen Gang der Himmelsmechanik astronomisch vorgegebenen Sonnenjahr, das im Jahre 2000 auf 365,242190517 Tage bestimmt wurde -also etwa 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45,25 Sekunden- war das Jahr des julianischen Kalenders also etwas mehr als 11 Minuten zu lang. Bis ins 16. Jahrhundert, zur Zeit Papst Gregors XIII., hatte sich dieser Fehler so ausgewirkt, dass das Primar-Äquinoktium im Jahr 1582 schon am 11. März stattfand. Diese Verschiebung des Kalenders war jedoch schon längere Zeit vorher offenkundig geworden. Seit dem 14. Jahrhundert wurden immer wieder Vorschläge für eine Kalenderreform unterbreitet – u. a. durch Nikolaus von Kues, Regiomontanus und Nikolaus Kopernikus. Diese waren aber stets abgelehnt worden. Gleichwohl bildeten Kopernikus' Werk De Revolutionibus Orbium Coelestium (»Von den Umdrehungen der Himmelskörper«) sowie die prutenischen Tafeln von Erasmus Reinhold die Basis für die schließlich von Papst Gregor XIII. dekretierte Reform. Um die Frühlings-Tagundnachtgleiche wieder mit dem 21. März in Übereinstimmung zu bringen und Ostern wieder am richtigen Tage feiern zu können, folgte der Papst dem Vorschlag des Mediziners und Hobby-Astronomen Aloisius Lilius und bestimmte, dass im Jahre 1582 zehn Tage übersprungen werden sollten. Daher folgte in einigen römisch-katholischen Ländern auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober – die Abfolge der Wochentage blieb dabei jedoch unverändert. Damit fand das Primar-Äquinoktium dort im Folgejahr 1583 wieder am 21. März statt; die Zeitrechnung innerhalb des Christentums war jedoch nicht mehr einheitlich. Damit war die Ausgangslage, wie sie zur Zeit des Konzils bestand, wieder ungefähr hergestellt. Um ein erneutes Abrücken des 21. März vom Zeitpunkt des Primar-Äquinoktiums für alle Zukunft zu vermeiden, legte der neue gregorianische Kalender die Dauer des mittleren Sonnenjahrs auf 365,2425 statt wie bisher auf 365,25 Tage fest. Diese Verkürzung erfolgte dadurch, dass – abweichend von der Schaltregel des julianischen Kalenders – die Jahre keinen Schalttag haben, deren Zahl zwar ohne Rest durch 100, nicht aber durch 400 geteilt werden kann. Weil bis zur ersten Anwendung dieser neuen Ausnahmeregel im Jahre 1700 noch 117 Jahre vergingen, hat sich der Kalender gegenüber dem astronomischen Ereignis des Primar-Äquinoktiums im Durchschnitt wieder um 1 Tag verrückt. Seither pendelt es zwischen dem 19. und 21. März.

Die Schaltregeln


- Nach der grundsätzlich weiterhin gültigen Julianischen Schaltregel weisen Jahre, deren Zahlen durch 4 dividiert natürliche Zahlen ergeben, im Februar einen 29. Tag (“Schalttag“) auf und umfassen dadurch als Schaltjahre 366 Tage.
- Die Gregorianische Schaltregel bestimmt hiervon drei Ausnahmen : Keine Schaltjahre sind diejenigen Säkular-Jahre (Jahre, deren Zahl am Ende zwei Nullen aufweist), deren Zahl durch 400 dividiert keine natürliche Zahl ergibt.(Deshalb waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre, und auch die Jahre 2100, 2200 und 2300 werden keine Schaltjahre sein.) oder:
- Ist die Jahreszahl durch 4 teilbar, aber nicht durch 100, dann ist es ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Beispiele: 1980, 1972, 1720.
- Ist die Jahreszahl durch 100 teilbar, aber nicht durch 400, dann ist das Jahr ein gewöhnliches Gemeinjahr und hat nur 365 Tage, z. B. in den Jahren 1700, 1800 und 1900 oder ferner 2100.
- Ist die Jahreszahl durch 400 teilbar, ist das Jahr ein Schaltjahr. Die Jahre 1600 und 2000 waren – in Übereinstimmung mit der Julianischen Schaltregel – Schaltjahre zu 366 Tagen.

Einführung des gregorianischen Kalenders in verschiedenen Ländern

Nur wenige Länder wie Spanien oder Portugal übernahmen den gregorianischen Kalender tatsächlich am 4./15. Oktober 1582. Die meisten römisch-katholischen Länder Europas folgten in den nächsten Jahren, während die protestantischen Länder den neuen Kalender, weil vom Papst dekretiert, zunächst ablehnten. Beispielsweise führten ihn die meisten katholischen Kantone der Schweiz 1584 ein, das Wallis jedoch erst 1655. Dort folgte damals auf den 28. Februar der 11. März. Die evangelischen Territorien des Deutschen Reichs übernahmen den gregorianischen Kalender erst 1700. Auf den 18. Februar folgte dort unmittelbar der 1. März 1700. Zuvor mussten beispielsweise Verträge zwischen katholischen und protestantischen Fürsten mit beiden Daten versehen werden, etwa als 5./15. Oktober 1582. Um die Jahreswende differierten die Jahreszahlen zwischen den Gebieten des alten und neuen Kalenders. Aus dieser Zeit stammt der Ausdruck »zwischen den Jahren« für die Tage nach Weihnachten. Die reformierten Orte der Schweiz folgten ein Jahr später, allerdings mit drei Ausnahmen: Der protestantische Halbkanton Appenzell Ausserrhoden und die protestantischen Teile von Glarus und Graubünden. Der offizielle Übergang zum neuen Kalender sollte dort bis 1812 dauern; der alte Kalender blieb aber noch länger in der Bevölkerung lebendig. Die Appenzeller Silvesterkläuse werden noch immer am 31. Dezember nach dem julianischen Kalender (13. Januar nach dem gregorianischen Kalender) gefeiert. In England (und auch in den späteren USA) wurde der gregorianische Kalender erst in der Nacht vom 2. September auf den 14. September 1752 eingeführt. Die orthodoxen Länder Osteuropas behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. Da die Jahre 1700, 1800 und 1900 in Russland Schaltjahre gewesen sind, machte die Abweichung vom gregorianischen Kalender dort mittlerweile 13 Tage aus. Die russische Oktoberrevolution 1917 fiel deshalb nach dem gregorianischen Kalender auf den 7. November. An diesem Tag wurde die Revolution denn auch bis zum Ende der Sowjetunion gefeiert, nachdem Russland 1918 die neue Kalenderrechnung eingeführt hatte. Einige orthodoxe Kirchen (z. B. in Russland und Serbien) begehen ihre feststehenden Feste weiterhin nach dem julianischen Kalender. Ihr Weihnachten (25. Dezember) fällt darum derzeit auf den 7. Januar (greg.). Andere orthodoxe Kirchen (z. B. in Griechenland und Bulgarien) verwenden hierfür den so genannten neo-julianischen Kalender, der bis zum Jahr 2799 dem gregorianischen Kalender entsprechen wird. Alle orthodoxen Kirchen berechnen Ostern und die anderen beweglichen Feste nach dem julianischen Frühlingsanfang sowie nach dem metonischen Vollmond; das Fest fällt daher nur gelegentlich mit dem Osterdatum der westlichen Kirchen zusammen; meist ist es eine, vier, oder fünf Wochen später als im Westen. Als bisher letzter Staat übernahm 1927 die Türkei den gregorianischen Kalender; dort hatte bis dahin der islamische Kalender gegolten. Die nicht zeitgleiche Einführung des gregorianischen Kalenders in den verschiedenen Ländern sorgte für Verwirrung, aber auch für interessante Paradoxa: So sind sowohl William Shakespeare als auch Miguel de Cervantes am 23. April 1616 gestorben, obwohl Shakespeare Cervantes um 11 Tage überlebt hat. Auch die Feiern des Geburtstags von George Washington wurden verschiedentlich am 11. und am 22. Februar ausgerichtet, bis zu einer bundesgesetzlichen Feiertagsregelung.

Charakteristika

Die Regeln des gregorianischen Kalenders führen zu einer durchschnittlichen Länge des Kalenderjahres von 365,2425 Tagen. Das sogenannte tropische Jahr – der zwischen zwei aufeinanderfolgenden Primar-Äquinoktien (Frühlings-Tag-Nachtgleichen) liegende Zeitraum – ist gegenwärtig im Mittel 365,24219879 mittlere Sonnentage lang. Danach ist also auch der gregorianische Kalender im Verhältnis zur astronomischen Wirklichkeit etwas zu lang, nämlich 0,000301 Tage (= 26 Sekunden) pro Jahr. Das bedeutet, dass nach rund 3320 Jahren das Primar-Äquinoktium wieder einen ganzen Tag früher eintreten würde. Sofern bis dahin die christliche Jahreszählung beibehalten wird, würde es sich anbieten, in allen durch 3200 teilbaren Jahren den Schalttag wiederum entfallen zu lassen, wenn auch zu jener Zeit noch die Bindung des Primar-Äquinoktiums an den 21. März gewünscht wird. Der gregorianische Kalender hat eine Periode von 400 Jahren: Nach dieser Zeit wiederholen sich nicht nur der Ablauf der Schalttage und damit die Tages- und Monatszählung, sondern auch die zugehörigen Wochentage. 400 Jahre enthalten nämlich 400×365 + 97 Tage, also 146097 Tage; das sind genau 20871 Wochen; es geht also nach 400 Jahren mit demselben Wochentag weiter. Infolge dieser Periodizität kann ein bestimmtes Datum (Tag und Monat oder nur Tag) nicht gleich häufig auf alle Wochentage fallen. Ausgerechnet der 13. eines beliebigen Monats fällt öfter (nämlich 688mal in 400 Jahren) auf einen Freitag als auf andere Wochentage (Donnerstag und Samstag: 684mal, Montag und Dienstag: 685mal, Sonntag und Mittwoch: 687mal).

Siehe auch


- Julianischer Kalender, Osterdatum
- Umrechnung zwischen julianischem Datum und gregorianischem Kalender, Wochentagsberechnung
- Zeitrechnung, Kalender, Jüdischer Kalender, Christlicher Kalender, Islamischer Kalender, Chinesischer Kalender, v. u. Z., v. d. Z., v. d. Chr., n. d. Chr., v. Chr., n. u. Z., n. d. Z., n. Chr.

Wikipedia-Links zum Themenkomplex Kalender und Zeit

Weblinks


- [http://personal.ecu.edu/MCCARTYR/inter-grav-text.html Papst Gregor XIII: Inter Gravissimas – Die päpstliche Bulle, mit der der gregorianische Kalender verordnet wurde]
- [http://www.fh-friedberg.de/users/boergens/marken/beispiele/kalender.htm Briefmarke: Sondermarke zur Vollendung der ersten Periode des gregorianischen Kalenders]
- [http://www.kalenderlexikon.de 1. deutsches Online-Kalenderlexikon] Kategorie:Kalender als:Gregorianischer Kalender ja:グレゴリオ暦 ko:그레고리력 ms:Kalendar Gregorian simple:Gregorian calendar th:ปฏิทินเกรกอเรียน

1622

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 12. März: Papst Gregor XV. spricht Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Theresa von Ávila, Isidor von Sevilla und Philipp Neri heilig
- 27. April: Schlacht bei Wiesloch: die vereinigten Heere Mansfelds und Georg Friedrichs von Baden-Durlach besiegen im Dreißigjährigen Krieg die Kaiserlichen unter Tilly
- 6. Mai: Schlacht bei Wimpfen. Zwischen den siegreichen Ligatruppen unter Tilly und González Hernandez de Córdoba und den pfälzischen Truppen unter Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach
- 29. August: Schlacht bei Fleurus. In dieser Schlacht liefern sich die Truppen von Ernst von Mansfeld und Christian von Halberstadt sowie die spanischen Truppen unter General Córdoba ein verlustreiches Gefecht
- Gründung des Kapuzinerklosters Dinkelsbühl

Geboren


- 14. Januar (vermutlich): Molière, eigentlich Jean-Baptiste Poquelin, französischer Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker († 1673)
- Willem Kalf, niederländischer Maler († 1693)
- Berend Jacob Karpfanger, Kapitän des Konvoischiffes „Wappen von Hamburg“, das Hamburg gegen Piraten verteidigte († 1683)
- 8. März: Friedrich Ulrich Calixt, deutscher Theologe († 1701)
- 5. April: Vincenzo Viviani, Mathematiker und Physiker († 1703)
- 15. Oktober: Magnus Gabriel de la Gardie, schwedischer Graf, Reichsmarschall, Reichsdrost und Reichskanzler († 1686)
- 18. November: Karl X. Gustav von Schweden, König von Schweden von 1655 bis 1660 († 1660)

Gestorben


- 23. Januar: William Baffin, englischer Entdecker (
- 1584)
- 5. März: Ranuccio I. Farnese, Herzog von Parma und Piacenza (
- 1569)
- 15. April: Leandro Bassano, italienischer Maler (
- 1557)
- 24. April: Fidelis von Sigmaringen, Märtyrer (
- 1578)
- 9. Oktober: Johann der Jüngere, Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg (
- 1545)
- 2. November: Jan Lohelius, Abt von Strahov und Erzbischof von Prag
- 28. Dezember: Franz von Sales, Bischof von Genf/Annecy, Ordensgründer, Kirchenlehrer (
- 1567)
- Sophie von Brandenburg, Kurfürstin von Sachsen (
- 1568) ko:1622년

Peter Ernst II. von Mansfeld

Graf Peter Ernst II. von Mansfeld, meist einfach "Ernst von Mansfeld", (
- 1580; † 29. November 1629 in Bosnien) war ein Heerführer im Dreißigjährigen Krieg. Peter Ernst war ein leibliches (außereheliches) Kind des Statthalters von Luxemburg und Brüssel Peter Ernst I. von Mansfeld und wurde im katholischem Glauben erzogen. Er leistete in den Niederlanden und in Ungarn wichtige Dienste, so dass ihn Kaiser Rudolf II. legitimierte. Entgegen dem gegebenen Versprechen enthielt man Peter Ernst die Güter seines Vaters in den Niederlanden vor. Daraufhin ging er 1610 zu den Protestanten über und trat in die reformierte Kirche ein. 1618 vereinigte er seine Truppen mit den unruhigen Böhmen und kämpfte unter anderem in der Pfalz. Am 27. April 1622 schlug er mit dem Markgrafen Georg Friedrich den bayrischen General Grafen Tilly bei Wiesloch. Im Herbst desselben Jahres besetzte er mit Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel Ostfriesland. 1625 warb er neue Truppen, nachdem er von einer Reise nach Holland, Paris und London zurückgekehrt war. Im Jahr darauf drang er nach Deutschland vor, wurde aber von Wallenstein am 25. April 1626 bei Dessau vollständig geschlagen. Wallenstein verfolgte ihn durch halb Europa über Schlesien bis nach Ungarn hinein als dieser auf dem Weg war um sich mit Gábor Bethlen zu vereinigen. Mansfeld starb auf dem Weg, neue Truppen zu werben in einem bosnischen Dorf. Siehe auch Grafen von Mansfeld Kategorie:Haus Mansfeld Mansfeld, Peter Ernst II. von Mansfeld, Peter Ernst II. von Mansfeld, Peter Ernst II. von Mansfeld, Peter Ernst II. von Mansfeld, Peter Ernst II. von

Georg Friedrich von Baden-Durlach

Georg Friedrich (
- 30. Januar 1573; † 24. September 1638 in Straßburg) war Markgraf von Baden-Durlach. Baden-Durlach Georg Friedrich erhielt zunächst nur einen Teil des väterlichen Erbes zugesprochen. Nach dem Tode seines Bruders Ernst Friedrich, der nach dem Tode Jakob III.bereits 1590 die Markgrafschaft Baden-Hachberg erlangt hatte, hielt er das ganze Erbe seines Vaters und vereinte die ernestinische Markgrafschaft wieder. Bis 1622 verwaltete er auch die Markgrafschaft Baden-Baden. Georg Friedrich gehörte sehr aktiv der protestantischen Union an. Um durch seine Parteinahme für die Union seine Herrschaft im Umfeld der Religionskriege nicht zu gefährden, trat er sie 1622 an seinen Sohn Friedrich V. ab und warb selbst Truppen gegen die immer wieder siegreichen katholischen Kräfte. Zu Beginn des dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) stellte er ein gut gerüstetes Heer von 12.000 Mann zur Verfügung. Er besiegte zusammen mit Peter Mansfeld am 27. April 1622 bei Wiesloch die kaiserlichen Truppen unter Tilly. Nach der Trennung von Mansfeld wurde er wenige Tage später jedoch von Tilly, dem spanische Truppen unter Córdorba zu Hilfe kamen, bei Wimpfen besiegt (6. Mai 1622). Georg Friedrich rettete sich nach Stuttgart, legte dort die Herrschaft zu Gunsten seines Sohnes endgültig nieder und zog sich nach Genf zurück. 1627 trat er in dänischen Diensten wieder in den Krieg ein. Beim Anrücken Wallensteins zog er sich auf die Insel Poel zurück und rettete sich von hier nach Heiligenhafen in Holstein. Dort wurde sein Heer von den Kaiserlichen fast ganz aufgerieben. Georg Friedrich zog sich nun nach Straßburg zurück, wo er am 24. September 1638 starb.

Ehen und Nachkommen

In erster Ehe heiratete Georg Friedrich von Baden am 2. Juli 1592 Juliane Ursula von Salm-Neufville (
- 29. September 1572; † 30. April 1614), die Tochter des Wild- und Rheingrafen Friedrich von Salm-Neufville. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:

- Katharina Ursula (
- 19. Juni 1593; † 15. Februar 1615), heiratete am 24. August 1613 den Landgrafen Otto von Hessen-Kassel (
- 25. Dezember 1594; † 7. August 1617)
- Friedrich (
- 6. Juli 1594; † 8. September 1659)
- Anna Amalie (
- 9. Juli 1595; † 18. November 1651), heiratete am 25. November 1615 den Grafen Wilhelm Ludwig von Nassau-Saarbrücken (
- 18. Dezember 1590; † 22. August 1640)
- Philipp (
- 30. Dezember 1596; † 14. März 1597)
- Karl (
- 22. Mai 1598; † 27. Juli 1625)
- Juliane Ursula (
- 1. Januar 1600; † 31. August 1600)
- Rudolf (
- 21. Januar 1602; † 31. Mai 1603)
- Christoph (
- 16. März 1603; † 30. April 1632)
- Anna Auguste (
- 30. März 1604; † 2. April 1616)
- Sibylle Magdalene (
- 21. Juli 1605; † 22. Juli 1644), heiratete am 6. Juni 1644 den Grafen Johann von Nassau-Idstein (
- 24. November 1603; † 23. Juni 1677)
- Franziska (
- 9. August 1606; † 27. August 1606)
- Ursula Marie (
- 3. November 1607; † 22. Dezember 1607)
- Franziska Sibyle (
- 4. Februar 1609; † 2. März 1609)
- Sofie Dorothea (
- 14. März 1610; † 24. Oktober 1633)
- Ernestine Sofie (
- 26. Dezember 1612; † 4. Juli 1658) In zweiter Ehe heiratete Georg Friedrich von Baden am 23. Oktober 1614 Agathe von Erbach (
- 16. Mai 1581; † 30. April 1621), die Tochter des Grafen Georg II. von Erbach. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:

- Agathe (
- 2. September 1615; † 29. Juni 1616)
- Anna (
- 29. Mai 1617; † 15. Oktober 1672)
- Elisabeth (
- 5. Februar 1620; † 13. Oktober 1692) In dritter Ehe heiratete Georg Friedrich von Baden am 29. Juli 1621 Elisabeth Stolz († 14. Mai 1652), die Tochter von Johann Thomas Stolz. Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Baden, Georg Friedrich von Baden, Georg Friedrich von Baden, Georg Friedrich von Kategorie:Zähringer Georg Friedrich von Georg Friedrich von Baden, Georg Friedrich von Baden, Georg Friedrich von

Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war zugleich ein Religionskrieg und ein klassischer Staatenkonflikt um Hegemonie oder Gleichgewicht zwischen den Mächten Europas. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb Deutschlands als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. So trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus. Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche des Reiches. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wurden völlig umgestürzt. Deutschland brauchte mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Kriegsfolgen zu erholen. Seuche

Vorgeschichte und Ursachen

Konfessionelle Gegensätze

Nach der ersten Phase der Reformation, die Deutschland konfessionell gespalten hatte, versuchten die katholischen und protestantischen Landesherren zunächst, eine für beide Seiten akzeptable Verfassungsordnung und ein Mächtegleichgewicht zwischen den Konfessionen im Reich zu finden. Im Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 einigten sie sich schließlich auf den Grundsatz cuius regio, eius religio (Wer die Herrschaft hat, bestimmt die Glaubensrichtung seiner Untertanen). Seither waren das katholische und das lutherische Glaubensbekenntnis als gleichberechtigt anerkannt, nicht jedoch das reformierte. Mit der weiteren Ausbreitung der Reformation gegen Ende des 16. Jahrhunderts und dem gleichzeitigen Wiedererstarken des Katholizismus in der Gegenreformation schwand jedoch zunehmend die Bereitschaft zum Kompromiss. Eine neue Generation von Fürsten – sowohl auf katholischer als auch auf evangelischer Seite – strebte danach, mit Gewalt die eigene Position auf Kosten der Gegenseite auszubauen oder verlorengegangenes Terrain zurückzugewinnen. Dazu kam das Bestreben der Calvinisten nach reichsrechtlicher Gleichstellung ihrer Konfession. Verschärft wurde die Lage in Deutschland zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch eine Wirtschaftskrise sowie durch dynastische Konflikte, die weit über den konfessionellen Gegensatz hinausgingen.

Dynastische Gegensätze

Seit Beginn des 16. Jahrhunderts versuchte Frankreich sich aus der Umklammerung durch die Habsburgischen Territorien – Spanien, die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund – zu lösen. Der habsburgisch-französische Konflikt um die Vorherrschaft überlagerte bis zum 18. Jahrhundert alle anderen Auseinandersetzungen in Europa, so auch den Dreißigjährigen Krieg. Beide Seiten suchten sich dabei ihre Verbündeten auch jenseits konfessioneller Grenzen. So unterstützte das katholische Frankreich die protestantischen Niederlande, die seit 1568 einen Unabhängigkeitskrieg – den so genannten Achtzigjährigen Krieg - gegen die spanische Linie der Habsburger führten, deren Oberhaupt die römisch-deutsche Kaiserkrone trug. Nach fast 40 Jahren Krieg schlossen Spanien und die Niederlande 1609 einen Waffenstillstand, der aber auf 12 Jahre befristet war.

Verschärfung der Konfliktlage

Während der erneute Ausbruch des Kampfes um die Niederlande absehbar war, verschärften sich die konfessionellen Gegensätze im Reich: Im Jahr 1608 untersagte der protestantische Rat der Stadt Donauwörth den Katholiken die Ausübung ihres Glaubens. Daraufhin wurde über die Stadt die Reichsacht verhängt. Herzog Maximilian I. von Bayern führte Donauwörth gewaltsam zum katholischen Glauben zurück. Als Reaktion darauf schlossen sich die meisten protestantischen Reichsstände zur Protestantischen Union zusammen, um den Bestrebungen zur Rekatholisierung evangelischer Gebiete entgegenzutreten. Führer der Union war der calvinistische Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz. Im Gegenzug schlossen sich 1609 die katholischen Reichsstände unter der Führung Maximilians I. von Bayern – einem Wittelsbacher wie Friedrich V. – zur Katholischen Liga zusammen. Katholischen Liga Konfessionelle und dynastische Spannungen hatten mittlerweile in ganz Europa ein enormes Konfliktpotenzial angehäuft. Diese Spannungen hätten sich beinahe bereits 1610 im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit entladen und zum Ausbruch eines großen, gesamteuropäischen Krieges geführt. Verhindert wurde dies nur durch die Ermordung des französischen Königs Heinrich IV., der die treibende Kraft hinter dem anti-habsburgischen Bündnis gewesen war.

Der Ausbruch des Krieges

Der Auslöser, der zum Ausbruch des großen Krieges führte, war schließlich der Aufstand der mehrheitlich protestantischen böhmischen Stände im Jahr 1618. Im Streit um die Nutzung einer Kirche in dem böhmischen Dorf Braunau hatte der streng katholische, gegenreformatorisch gesinnte österreichische Erzherzog und König von Böhmen Ferdinand II., der 1619 zum Kaiser gewählt werden sollte, den Majestätsbrief widerrufen, der den Protestanten in Böhmen Religionsfreiheit zugesichert hatte. Die Aufständischen schritten im Mai 1618 zu einer in Böhmen traditionellen Form des Protests und warfen die kaiserlichen Räte Martinitz und Slavata sowie einen Sekretär aus einem Fenster der Prager Burg. Zufällig überlebten die kaiserlichen Räte den Fenstersturz, weil sie wahrscheinlich auf einen Misthaufen gefallen waren. Die Errettung wurde nachher von katholischer Seite als göttliche Fügung angesehen. Dieser 2. Prager Fenstersturz gilt bis heute als Auslöser des Krieges. Die böhmischen Stände beriefen sich nun auf ihr angestammtes Recht, ihren König selbst zu wählen und erklärten 1619 Ferdinand für abgesetzt. Statt seiner wählten sie den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, das Oberhaupt der Protestantischen Union im Reich. Beeinflusst von seinem Minister, Christian I. von Anhalt-Bernburg, akzeptierte Friedrich die Wahl, erhielt von den protestantischen Reichsständen nach der Unterzeichnung des Ulmer Vertrags jedoch nicht die erhoffte militärische Unterstützung. Dennoch zog Friedrich in Prag ein. Er hoffte auch auf Unterstützung aus dem international recht agilen Kalvinismus, wie etwa in den Freien Niederlanden und auf seine engen verwandtschaftlichen Beziehungen zur englischen Krone. Er sollte dort aber nicht länger als ein Jahr regieren und als "Winterkönig" in die Geschichte eingehen. Der Aufstand der böhmischen Stände bedeutete eine grundsätzliche Infragestellung der kaiserlichen Vorherrschaft, die Ferdinand II. nicht akzeptieren konnte, ohne das gesamte Machtgefüge des Reiches zu gefährden. Da ihm aber selbst die Mittel für einen Krieg mit Friedrich V. und den böhmischen Ständen fehlten, schloss er mit Maximilian I. von Bayern den Vertrag von München. Danach sollte der Herzog den böhmischen Aufstand mit einer Armee der Katholischen Liga niederschlagen. Im Gegenzug sollte der bayerische Wittelsbacher die Kurwürde seines pfälzischen Vetters Friedrich erhalten und die Oberpfalz für Bayern annektieren dürfen. annektieren Mit der Entsendung der Liga-Truppen unter der Führung des bayerischen Feldherrn Johann Tserclaes Tilly nach Böhmen trat der Konflikt endgültig in die kriegerische Phase ein. Alle Beteiligten waren entscheidende Schritte zu weit gegangen: Ferdinand II., der seine katholische Überzeugung über Frieden und Kompromiss in seinem Herrschaftsbereich stellte; Friedrich V., der eine Krone akzeptierte, die traditionell den Habsburgern zustand, wohl wissend, dass Ferdinand II. schon aus Gründen der Reputation nicht kampflos auf sie verzichten konnte; und schließlich Maximilian I., der die Unterstützung des Kaisers von Forderungen abhängig machte, die das Mächtegleichgewicht im Reich so stark zugunsten des Katholizismus verschieben mussten, dass die protestantischen Fürsten dies nicht würden hinnehmen können.

Der Verlauf

Obwohl zunächst religiös begründet, wurde im Verlauf des Krieges schon bald offenbar, dass er aus rein machtpolitischen Gesichtspunkten geführt wurde. Im Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation bekriegten sich zwei Machtblöcke, die beide von katholischen Mächten geführt wurden: die spanischen und österreichischen Habsburger einerseits und Frankreich andererseits. Insgesamt lassen sich in den 30 Jahren von 1618 bis 1648 vier aufeinanderfolgende Konflikte unterscheiden.

Böhmisch-pfälzischer Krieg (1618–1623)

Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation Anfänglich erschien es so, als würden die böhmischen Stände mit ihrem Aufstand erfolgreich sein. Das böhmische Heer unter Heinrich Matthias von Thurn drang in die österreichischen Stammlande der Habsburger ein und stand am 6. Juni 1619 vor Wien. Besonders der mit den Böhmen verbündete Fürst von Siebenbürgen, Bethlen Gábor, machte Kaiser Ferdinand II. schwer zu schaffen. Erst als der Kaiser im Münchner Vertrag (8. Oktober 1619), die Unterstützung von Maximilian I. von Bayern versprochen bekam, der protestantische Kurfürst von Sachsen, Johann Georg I. an die Seite des Kaisers trat und die in der Union zusammengeschlossenen protestantischen Reichsstände Friedrich V. von der Pfalz nicht adäquat zu Hilfe kamen (Ulmer Vertrag), wendete sich das Kriegsblatt. In der Schlacht am Weißen Berg wurde das Heer der böhmischen Stände unter Christian I., Fürst von Anhalt-Bernburg von den kaiserlich-ligistischen Truppen unter Tilly und Karl Bonaventura Graf von Buquoy schwer geschlagen. Nach der Schlacht floh Friedrich aus Böhmen, über ihn wurde die Reichsacht verhängt. Ein Großteil der aufständischen böhmischen Adeligen wurde am 21. Juni 1621 hingerichtet. Schon vorher hatte sich die Protestantische Union aufgelöst. 1621 Die noch verbliebenen protestantischen Heerführer Christian von Halberstadt und Ernst von Mansfeld setzten den Krieg außerhalb Böhmens fort. In den pfälzischen Erblanden des "Winterkönigs" konnten sie zunächst bei Wiesloch und Wimpfen größere Erfolge feiern, mussten jedoch bei Höchst gegen die Kaiserlichen und bei Fleurus gegen die Spanier schwere Niederlagen erleiden. Die Pfalz konnte nicht gehalten werden und Friedrich V. verlor am 23. Februar 1623 die Kurwürde, die auf Maximilian von Bayern übertragen wurde. Christian von Halberstadt erlitt bei Stadtlohn erneut eine verheerende Niederlage und seine dezimierten Truppen waren fortan für die Kaiserlichen kein ernstzunehmender Gegner mehr.

Dänisch-niedersächsischer Krieg (1623–1629)

Nachdem die protestantischen Heere im Reich eine Niederlage nach der anderen erlitten hatten, griff nun Christian IV. von Dänemark zu den Waffen. Der dänische König plante mit seinem Verbündeten Ernst von Mansfeld einen Feldzug, der sich zunächst gegen Thüringen und dann gegen Süddeutschland richten sollte. Christian konnte diesen Plan jedoch nicht umsetzen, da er am 27. August 1626 bei Lutter am Barenberge eine vernichtende Niederlage gegen Tilly einstecken musste. Nach der Schlacht verloren die Dänen die Unterstützung sämtlicher protestantischer Fürsten in Norddeutschland. Bereits am 25. April 1626 hatte Christians Verbündeter Ernst von Mansfeld an der Dessauer Elbbrücke eine entscheidende Niederlage gegen den kaiserlichen Feldherren Wallenstein erlitten. Mansfelds militärische Karriere war nach der Schlacht beendet. Die protestantische Sache im Reich schien verloren und Ferdinand II. erließ das Restitutionsedikt (1629), das den Höhepunkt der kaiserlichen Macht im Reich markierte.

Schwedischer Krieg (1630–1635)

1629 Nachdem mit Dänemark eine Ostseemacht aus dem Dreißigjährigen Krieg ausgeschieden war, sah Gustav Adolf von Schweden die Chance gekommen seine hegemonialen Ansprüche in Nordosteuropa durchzusetzen. Er landete mit seiner Armee am 4. Juli 1630 auf Usedom und zwang Pommern, Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen zu einem Bündnisvertrag. Am 17. September 1631 trafen die Schweden bei Breitenfeld auf die kaiserlichen Truppen unter Tilly, der noch kurz zuvor die Stadt Magdeburg dem Erdboden gleich gemacht hatte. Tilly wurde vernichtend geschlagen und konnte auch im folgenden Jahr den Vormarsch der Schweden in Süddeutschland nicht aufhalten. In der Schlacht bei Rain am Lech wurde er verwundet und zog sich nach Ingolstadt zurück, wo er am 30. April an den Folgen der Verwundung starb. Die Schweden versuchten die Stadt einzunehmen, was ihnen jedoch nicht gelang. Diesen Zeitvorsprung nutzte Kurfürst Maximilian um von Ingolstadt nach Regensburg zu ziehen und es zu besetzen. Die Schweden drangen daraufhin bis München vor und bedrohten Österreich. Österreich In dieser für den Kaiser gefährlichen Situation ernannte er den 1630 auf dem Reichstag von Regensburg entlassenen Wallenstein erneut zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen (April 1632). Wallenstein gelang es tatsächlich Gustav Adolf Paroli zu bieten. Der charismatische schwedische König verlor in der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 das Leben. Die Herrschaft für die noch unmündige Christine von Schweden, Tochter Gustav Adolfs, übernahm Axel Oxenstierna. Dieser schloss mit den Protestanten des fränkischen, schwäbischen und rheinischen Reichskreises den Heilbronner Bund (1633–1634) und führte den Kampf weiter. Sein fähigster Gegner Albrecht von Wallenstein wurde am 26. Februar 1634 in Eger ermordet. Im selben Jahr konnten die kaiserlichen Armeen in der Schlacht bei Nördlingen den ersten wirklich großen Sieg über die Schweden unter dem bedeutenden Feldherrn Bernhard von Sachsen-Weimar erringen. Bernhard von Sachsen-Weimar Die protestantischen Reichstände, zuallererst Kursachsen brachen im Jahre 1635 aus dem Bündnis mit Schweden aus und schlossen mit Kaiser Ferdinand II. den Prager Frieden, der die Aussetzung des Restitutionsedikt von 1629 beinhaltete. Man beschloss auch, nun gemeinsam gegen die Feinde des Reiches vorzugehen. Der Dreißigjährige Krieg hörte damit auf ein Krieg der Konfessionen zu sein, da sich ab 1635 die protestantischen und katholischen Stände des Reiches sowie das protestantische Schweden und das katholische Frankreich gegenüberstanden.

Schwedisch-Französischer Krieg (1635–1648)

Obwohl Frankreich fast zur Gänze von habsburgischen Territorien umgeben war und ein Hauptinteresse an der Schwächung der spanischen und kaiserlichen Macht hatte, wurde es bis 1635 nicht selbst militärisch aktiv. Erst als der Kaiser militärische Siege gegen Schweden errang und dadurch die Gefahr bestand, dass er seine Macht auf ganz Deutschland ausdehnen könnte, trat Frankreich offen in den Krieg ein. Schon vorher hatte die französische Krone Schweden und die protestantischen Fürsten, im Vertrag von Bärwalde 1631, finanziell unterstützt. Vertrag von Bärwalde Zudem suchte Kardinal Richelieu, der als Erster Minister König Ludwigs XIII. die Politik des Landes maßgeblich bestimmte, durch diplomatische Aktivitäten einzelne Fürsten im Westen des Reichs an sich zu binden. Dies gelang beispielsweise in dem Schutzvertrag mit dem Kurfürsten von Trier Philipp Christoph von Sötern, der den Franzosen kampflos die Festungen Philippsburg und Ehrenbreitstein einbrachte. In den folgenden Jahren drangen Französische Armeen unter den Generälen Turenne und Condé bis nach Bayern und Böhmen vor. Mit dem Eingreifen Frankreichs stand fest, dass der habsburgische Kaiser seinen absoluten Machtanspruch gegenüber den Reichsständen nicht würde durchsetzen können.

Der Westfälische Friede und die Kriegsfolgen

Es dauerte knapp 30 Jahre, bis alle Beteiligten eingesehen hatten, dass "mit Krieg keine Seelen zu gewinnen sind" und keine Partei einen dauerhaften Sieg würde erringen können. Als die Truppen ausgeblutet waren, Erfolge ausblieben und die Sinnlosigkeit weiterer Kämpfe offenbar wurde, war man 1648 endlich bereit, Frieden zu schließen (letzte Schlacht in Nederling). Zur Aushandlung des Friedensvertrages wählte man die Städte Münster, traditionell eine Hochburg der Katholiken, und Osnabrück, das dem protestantischen Lager zugehörte. Der kaiserliche Gesandte, Graf (später Fürst) Johann Ludwig von Nassau Hadamar führte die Friedensverhandlungen zum erfolgreichen Abschluss. Im Westfälischen Frieden wurden neben der katholischen und der lutherischen nun auch die reformierte Konfession im Reich als gleichberechtigt anerkannt. Vier konfessionell gemischten Städten wurde Parität verordnet. Die neue Großmacht Schweden erwarb 1648 Vorpommern und das Herzogtum Bremen mit Verden. Spanien verlor nicht nur die Niederlande endgültig, sondern auch seine Stellung als Großmacht. Österreich verlor kaiserlichen Einfluss an die Fürsten, und auch die angestrebte religiöse Einheit wurde nicht erreicht. Frankreich hingegen wurde zum mächtigsten Land Europas. Die Folgen für das Heilige Römische Reich waren gewaltig. Die Niederlande fielen vom Reich ab und wurden international – sogar von Spanien – anerkannt. Die Landesfürsten erlangten fast völlige Souveranität. Der Titel des Kaisers war nun kaum noch mehr als ein Ehrentitel, auch wenn die Habsburger ihn noch bis 1806 führten. Wenig beachtet aber nicht minder bedeutsam war, dass Deutschland mit der Unabhängigkeit der Niederlande und dem Verlust wichtiger Küstenregionen und Ostseehäfen an Schweden fast völlig von der Hohen See abgeschnitten war. Es war weitgehend vom Erwerb von Kolonien ausgeschlossen und damit vom Seehandel, der andere Nationen wie England, Schweden, Spanien und die Niederlande nach dem Dreißigjährigen Krieg einflussreich und wohlhabend machen sollte. Mit dem überseeischen Handel ging in diesen Ländern ein Aufschwung des liberalen Bürgertums einher, dessen Ausbleiben für Deutschland kaum ermessliche geschichtliche und gesellschaftliche Folgen ergeben hat. Der Krieg endete ohne wirklichen Sieger. Sein Ende bedeutete jedoch auch die Abkehr von Glaubenskriegen in Europa. Deutschland war verwüstet, verarmt und über ganze Landstriche entvölkert: Weit mehr als bei allen früheren (und vielen späteren) Kriegen war praktisch die gesamte deutsche Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen worden. Heutigen Erkenntnissen zufolge waren die Verluste an Menschenleben geringer als in früheren Schätzungen angenommen wurde, die bei 25 bis 33 Prozent lagen, aber dennoch erheblich. Von etwa 20 Millionen Bewohnern des Reiches fanden schätzungsweise drei bis vier Millionen den Tod, ein Bevölkerungsanteil von 15 bis 20 Prozent. Während sich Frankreich und England bereits zu Nationalstaaten entwickelt hatten, bildete Deutschland einen lockeren Verbund von Fürstentümern, der sich aber in den nächsten 150 Jahren als wesentlicher Friedensfaktor in Europa erweisen sollte. Bis zur Französischen Revolution war das Reich noch stark genug, um Angriffe von Außen abzuwehren, aber zu schwach, um selbst angreifen zu können. Andererseits wirkte sich das Fehlen einer starken Zentralmacht und einer Hauptstadt von der Größe Londons oder Paris' negativ auf die Herausbildung eines selbstbewussten Bürgertums aus.

Der Krieg in der kollektiven Erinnerung

Der Dreißigjährige Krieg entvölkerte ganze Landstriche und hat natürlich vielfältige Spuren in Kunst und Alltagsleben hinterlassen – von einfachen Kinderreimen wie Bet’, Kindchen, bet’, morgen kommt der Schwed’ bis zu großen Werken der Dichtkunst. In seinem Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus, erschienen 1669, schilderte Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (16251676) die Wirren und Gräuel des Krieges und schuf damit den ersten bedeutenden Roman der deutschen Literatur. Einen Augenzeugenbericht hat uns der Söldner Peter Hagendorf in seiner Chronik hinterlassen. Das Erlebnis von nicht enden wollendem Krieg, Hunger, Krankheiten und allgemeiner Zerstörung ließ eine Lyrik von bis dahin nicht gekannter Eindringlichkeit entstehen, in der sich die Gewissheit von Tod und Vergänglichkeit mit barocker Lebensgier verband. So schrieb Andreas Gryphius das Sonett „Tränen des Vaterlandes Anno 1636“, das bis heute zu den meist zitierten Antikriegsgedichten zählt. Es beginnt mit den Versen: :Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun,
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.
Im 18. Jahrhundert beschäftigte sich Friedrich Schiller als Historiker und Dramatiker mit dem Krieg. 1792 veröffentlichte er eine in weiten Teilen noch heute gültige „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“. Sieben Jahre später vollendete er sein dreiteiliges Drama „Wallenstein“. Mit wachsendem zeitlichen Abstand sahen Schriftsteller in dem großen Konflikt des 17. Jahrhunderts zunehmend eine Metapher für die Schrecken des Krieges überhaupt. Das bekannteste Beispiel dafür aus dem 20. Jahrhundert ist Bertolt Brechts Stück "Mutter Courage und ihre Kinder", das im Dreißigjährigen Krieg angesiedelt ist, aber deutlich macht, dass die Verrohung und Zerstörung des Menschen durch die Gewalt überall und zu jeder Zeit möglich ist.

Literatur


- Alfred Döblin: Wallenstein, bei DTV, Juni 2003, Erstausgabe 1920, expressionistischer Roman
- Ricarda Huch: Der Dreißigjährige Krieg (Erstausgabe hieß: Der große Krieg in Deutschland), Erstausgabe 1912–1914 in 3 Bänden, historischer Roman
- Klaus Bußmann und Heinz Schilling (Hg.): 1648 – Krieg und Frieden in Europa, Katalogband und zwei Textbände, Münster 1998 [Dokumentation der Europaratsausstellung zum 350-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens in Münster und Osnabrück. Standardwerk zu den europäischen Verflechtungen im Krieg]
- Bernhard Kroener und Ralf Proeve (Hg.): Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1996
- Burkhardt, Johannes: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt a. M. 1992 [ein Standardwerk zur modernen Interpretation des Krieges und seiner Ursachen]
- Fritz Dickmann: Der Westfälische Friede, Münster 1965 [Standardwerk zu den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück]
- Heinz Duchhardt (Hg.): Der Westfälische Friede. Diplomatie, politische Zäsur, kulturelles Umfeld, Rezeptionsgeschichte, München 1998
- Findeisen, Jörg-Peter: Der Dreißigjährige Krieg. Eine Epoche in Lebensbildern, Graz/Wien/Köln 1998
- Ernst Höfer: Das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Strategie und Kriegsbild, Köln/Weimar/Wien 1997
- Cordula Kapser: Die bayerische Kriegsorganisation in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges 1635–1648/49 (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 25), Münster 1997
- Benigna von Krusenstjern, Hans Medick (Hg.): Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe, Göttingen 1999
- Mieck, Ilja: Wallenstein 1634. Mord oder Hinrichtung? in Demandt, Alexander (Hrsg.) Das Attentat in der Geschichte, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1999
- Golo Mann: Wallenstein, Frankfurt am Main 1971 [Erzählende Biographie des kaiserlichen Feldherrn]
- Markus Meumann, Dirk Niefanger (Hg.): Ein Schauplatz herber Angst. Wahrnehmung und Darstellung von Gewalt im 17. Jahrhundert, Göttingen 1997
- Friedrich Schiller: Die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, München 1988 [erstmals erschienen 1792]
- Friedrich Schiller: Wallenstein, bei Reclam, Ditzingen, 2003, Erstausgabe 1800
- Gunnar Teske: Bürger, Bauern, Söldner und Gesandte. Der Dreißigjährige Krieg und der Westfälische Frieden in Westfalen, Münster, 1997, ardey verlag, 2te Auflage 1998, ISBN 3-87023-085-1
- Cicely Veronica Wedgwood: Der Dreißigjährige Krieg, Berlin 2002 [Erstausgabe: London 1938; noch immer eine der besten erzählenden Darstellungen des Krieges]
- Julia Zunckel: Rüstungsgeschäfte im Dreißigjährigen Krieg. Unternehmer­kräfte, Militärgüter und Marktstrategien im Handel zwischen Genua, Amsterdam und Hamburg (Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 49), Berlin 1997
- Peter Engerisser: "Von Kronach nach Nördlingen – Der Dreißigjährige Krieg in Franken, Schwaben und der Oberpfalz 1631–1635", Verlag Heinz Späthling 2004, ISBN 3-926621-32-X, knapp 700 Seiten starkes Kompendium mit mehr als 120 Kurzbiographien,
- Literaturempfehlung für Jugendliche: Tilman Röhrig: "In 300 Jahren vielleicht", Arena-Verlag, Würzburg, ISBN 3-401-01850-7, sehr spannend geschrieben, manchmal etwas grausam-realistisch, also nicht unbedingt etwas für schwache Nerven.
- Hans-Christian Huf: Mit Gottes Segen in die Hölle- Der dreißigjährige Krieg, Ullstein-Verlag Berlin 2001
- Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder 1939 - Der Zerfall einer Familie im 30jährigen Krieg

Weblinks


- [http://www.fruehe-neuzeit.net/modules.php?op=modload&name=Web_Links&file=index&req=viewlink&cid=5 Virtuelle Bibliothek] Geschichte Frühe Neuzeit – Konfessionelles Zeitalter und Dreißigjähriger Krieg (1500–1648)
- [http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/ Einführung in die Frühe Neuzeit, Uni Münster]
- [http://www.uni-potsdam.de/u/geschichte/mdk/index.htm Museum des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/m30jk.htm München im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/30jkpersonen.htm Dramatis Personae – Akteure des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.muenster.de/friede/d/04_akteure/04_set.htm Die Akteure des Dreißigjährigen Krieges]
- [http://www.westfaelischer-frieden.de Projekt zum Thema "Dreißigjähriger Krieg" und "Westfälischer Friede"]
- [http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=que&ID=741 Münsterscher Friedensvertrag in Volltext, dt. (Instrumentum Pacis Monasteriensis, IPM)]
- [http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=que&ID=740 Osnabrücker Friedensvertrag in Volltext, dt. (Instrumentum Pacis Osnabrugensis, IPO)][http://dmoz.org/World/Deutsch/Gesellschaft/Geschichte/Nach_Zeitabschnitten/Neuzeit/17._Jahrhundert/Kriege/Drei%c3%9figj%c3%a4hriger_Krieg/ Open Directory: Dreißigjähriger Krieg]
- [http://www.cac1632.de.vu/ Der dreißigjährige Krieg – lebendige Geschichte in Kronach]
- [http://www.engerisser.de/ Bewaffnung und Ausrüstung der Armeen im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.historisches-chemnitz.de/ereignisse/30jaehrigerkrieg/30jaehrigerkrieg.html Chemnitz im Dreißigjährigen Krieg]
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=28 Karte: Lebensweg eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]

Siehe auch


- Zeittafel zum Dreißigjährigen Krieg
- Liste von Kriegen
- Liste von Schlachten ! Dreißigjähriger Krieg ja:三十年戦争

Tilly

Personen mit Namen Tilly:
- Johann Tserclaes Graf von Tilly, General im Dreißigjährigen Krieg (17. Jhd.)
- Jacques Louis François Delaistre de Tilly, französischer General um 1800
- Jennifer Tilly, US-amerikanische Schauspielerin
- Meg Tilly, US-amerikanische Schauspielerin Orte mit Namen Tilly:
- Tilly (Wallonisch-Brabant), Wallonisch-Brabant, Belgien
- Tilly (Eure), Eure, Frankreich
- Tilly (Indre), Indre, Frankreich
- Tilly (Yvelines), Yvelines, Frankreich
- Tilly-Capelle, Pas-de-Calais, Frankreich
- Tilly-la-Campagne, Calvados, Frankreich
- Tilly-sur-Meuse, Meuse, Frankreich
- Tilly-sur-Seulles, Calvados, Frankreich
- Tilly (Arkansas)

1788

Ereignisse


- 1. Januar: Die erste Ausgabe von The Times erscheint
- 26. Januar: Die ersten britischen Gefangenen werden in Australien an Land gebracht
- Katastrophale Missernte im vorrevolutionären Frankreich
- New York tritt als 11. Staat der amerikanischen Union bei
- Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft
- „Über den Umgang mit Menschen“ von Adolph Freiherr Knigge erscheint
- Joseph-Louis Lagrange veröffentlicht die Méchanique analytique und fasst die Entwicklung der Mechanik systematisch zusammen
- James Watt entwickelt den Fliehkraftregler zur Geschwindigkeitssteuerung von Maschinen
- Dänemark. Agrarreform. Die Leibeigenschaft der Bauern wird aufgehoben

Kultur


- 8. Januar: Uraufführung der tragikomischen Oper Axur, Re d'Ormus (dt. Axur, König von Ormus) von Antonio Salieri im Wiener Burgtheater
- 28. Januar: Uraufführung der komischen Oper Der Erntekranz von Justin Heinrich Knecht in Biberach
- 2. Februar: Uraufführung der Oper Andromeda von Johann Friedrich Reichardt an der Königlichen Oper in Berlin
- 10. September: Uraufführung der komischen Oper Il Talismano (dt. Der Talisman) von Antonio Salieri am Burgtheater in Wien
- 28. Oktober: Uraufführung der komischen Oper Der lahme Husar von Justin Heinrich Knecht in Biberach
- 5. Dezember: Uraufführung der Oper Démophon von Luigi Cherubini an der Grand Opéra Paris

Geboren


- 1. Januar: Étienne Cabet, französischer Publizist, Politiker und Revolutionär († 1856)
- 3. Januar: Enne Heeren Dirksen, Professor der Mathematik († 1851)
- 12. Januar: José Manuel Inácio da Cunha Faro Menezes Portugal da Gama Carneiro e Sousa, portugiesischer Militär und Politiker († 1849)
- 22. Januar: George Gordon Byron, 6. Baron Byron of Rochdale, englischer Dichter († 1824)
- 5. Februar: Robert Peel, britischer Politiker und Regierungschef († 1850)
- 11. Februar: Anton Gottfried Claessen, Weihbischof in Köln († 1847)
- 12. Februar: Carl Reichenbach, Industrieller, Chemiker, Naturforscher und Philosoph († 1869)
- 22. Februar: Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph († 1860)
- 8. März: Antoine César Becquerel, französischer Physiker († 1878)
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