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| Adelsprädikat |
AdelsprädikatDer Begriff Adelsprädikat hat zwei verschiedene Bedeutungen:
Namenszusatz
Zum einen steht er für eine Präposition im Namen einiger Adliger. Sie steht vor dem Nachnamen (Herr von X).
Wird in Listen oder Büchern der Nachname zu erst aufgelistet, findet man die Person meist unter den Anfangsbuchstaben des Zunamens, z. B. Mustermann, Max von und nicht von Mustermann, Max.
Adelsprädikate in diesem Sinne sind:
von; zu; von und zu
Ursprünglich diente das Wort "von" zur Anzeige von Wohnsitz, Herrschaft oder Gerichtsbarkeit (z. B. Herzog von Wirtemberg). Um das Jahr 1630 wurde das Adelsprädikat üblich zur Benutzung von Adelshäusern. Nicht immer deuten diese Prädikate, vor allem von, auf adlige Herkunft hin. Besonders in Norddeutschland besitzen Leute "von" im Namen, was auf die Herkunftstadt deutete, bei denen keine adlige Verwandtschaft vorliegt. In manchen Fällen wird ein "von" bei Leuten, die zum Adel erhoben wurden, angehängt (Bsp. Johann Wolfgang von Goethe). Weitere "von"-Träger: Richard von Weizsäcker, Heinrich von Breslau
von; zu; von und zu
Seit 1919 ist es in Österreich verboten diese Prädikate im Namen zu führen. Sie wurden ersatzlos gestrichen, z.B. Caspar von Einem wurde zu Caspar Einem oder Otto von Habsburg zu Otto Habsburg-Lothringen.
Ähnliches gilt für die Schweiz: Echtes Patriziat und Herkunftsnamen wie von Gunten sind nicht immer einfach zu unterscheiden.
de (dt. von)
Meist wird "de" von Leuten getragen, die zum Adel erhoben wurden. Bsp. Hernando de Soto, Charles Maurice de Talleyrand, Samuel de Champlain. Gerade in Frankreich ist aber die Anzahl der Scheinadligen sehr groß. Ein adelig klingender Name deutet daher oft nicht auf Adel hin. Das französische "de" entspricht ziemlich genau dem niederländischen "van", was die Häufigkeit einer adligen Qualität betrifft. Charles de Gaulle z.B. war nicht adelig.
of (dt. von)
Im Gegensatz zu den anderen Adelsprädikate wird "of" nicht in den Namen eingebaut, sondern zum Titel gefügt (Bsp. Sir Richard X, Lord of X). Bsp. Gareth Wyn Williams, Lord of Mostyn, Sir Edward Elgar, Baronet of Broadheath. Die Adelstitel werden oft nur primogen vergeben. Die Angehörigen der Adelsfamilien, die über keinen Titel verfügen, werden zur Gentry, dem englischen Landadel, gezählt.
del, da, di (dt. von)
Das Adelsprädikat hängt vom Namen ab.
Endung -ski oder -cki
Im 15. Jh. trugen etwa zehn Prozent der Bevölkerung dieses Prädikat.
Anrede
Weiter bezeichnet der Begriff Adelsprädikat die Anrede für die Träger bestimmter Adelstitel. Sie lauteten im deutschsprachigen Raum wie folgt:
( - ) Nur, wenn bis zum Reichsdeputationshauptschluss reichsunmittelbar und vom Kaiser als Prädikat verliehen an Hauschef, Hauschef und Erbgraf, oder an alle Agnaten soweit vom Hauschef anerkannt
Siehe auch: Adelstitel, Prädikat, Namenszusatz
Kategorie:Adel
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Weblinks
- [http://www.adel-genealogie.de/Adelspraedikate.html Adelsprädikate]
PräpositionPräpositionen (von lat. prä: „vor, voran“ und ponere: „legen, setzen, stellen“), auch Verhältniswörter genannt, drücken Verhältnisse bzw. Beziehungen zwischen Personen, Gegenständen und/oder Sachverhalten aus. Sie gehören zu den nicht flektierbaren Wörtern (d. h. sie sind unveränderlich), verlangen aber einen bestimmten Kasus. Hierbei können lokale, temporale, kausale, konzessive, modale u.a. Verhältnisse ausgedrückt werden. Präpositionen stehen meist vor dem durch sie regierten Ausdruck, manchmal auch danach. Beispiel: Sie sitzt ihrer Tochter gegenüber im Zug.
Die durch Präpositionen gekennzeichneten Verhältnisse
- Räumlich: (lokale Präpositionen)
- ab, abseits, an, auf, aus, außer, außerhalb, bei, bis, diesseits, durch, entlang, fern, gegen, gegenüber, gen (alt), hinter, in, inmitten, innerhalb, jenseits, längs, nach, nächst, nahe, neben, nördlich, ob (alt), oberhalb, östlich, seitlich, südlich, über, um, unfern, unter, unterhalb, unweit, vis-à-vis, vor, westlich, zu, zunächst, zwischen
- Beispiele:
- in den Kühlschrank – in dem (im) Kühlschrank
- auf die Straße – auf der Straße
- an den Herd – an dem (am) Herd
- neben das Haus – neben dem Haus
- Zeitlich: (temporale Präpositionen)
- ab, an, auf, aus, außerhalb, bei, binnen, bis, für, gegen, in, innerhalb, mit, nach, seit, über, um, unter, von, vor, während, zeit, zu, zwischen
- Beispiele:
- am Sonntag
- vor der Party
- während des Essens (Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“)
- zeit seines Lebens (Es gibt kein „Davor“ oder „Danach“)
- in zwei Stunden
- gegen Abend
- Begründend: (kausale Präposition im weiteren Sinn)
- angesichts, anlässlich, auf, aus, behufs (alt), bei, betreffs, bezüglich, dank, durch, für, gemäß, halber, infolge, kraft, laut, mangels, mit, mittels[t], nach, ob (alt), seitens, trotz, über, um, um - willen, unbeschadet, ungeachtet, unter, vermittels[t], vermöge, von, vor, wegen, zu, zufolgen, zwecks
- Unterteilung:
- kausal im engeren Sinn/konsekutiv: Er konnte wegen eines Autounfalls nicht rechtzeitig hier sein.
- instrumental: Das Auto wurde durch einen Unfall beschädigt.
- konditional: Unter den gegebenen Umständen konnte er nicht rechtzeitig eintreffen.
- konzessiv: Trotz des Unfalls bemühte er sich rechtzeitig zu kommen.
- final: Er fuhr zur Einhaltung seines Termins mit dem Taxi.
- Beispiele:
- wegen des Schnees (instrumental)
- aufgrund dieses Sachverhalts (instrumental)
- angesichts seiner Schulden (konditional)
- anlässlich meines Geburtstages
- trotz des schlechten Wetters (konzessiv)
- Modal (modale Präpositionen)
- abzüglich, auf, aus, ausschließlich, außer, bei, bis, an, bis auf, bis zu, einschließlich, entgegen, exklusive, für, gegen, gegenüber, in, inklusive, mit, mitsamt, nebst, ohne, samt, sonder(alt), [an]statt, unter, von, wider, zu, zuwider, zuzüglich
- Unterteilung:
- Art und Weise: Dieser Artikel ist auf deutsch geschrieben.
- Grad, Maß: Wikipedia ist in hohem Maße zu loben.
- Beschaffenheit: Der Einband ist aus Leder.
- Erweiterung: Verkaufspreis zuzüglich Versandkosten wurde verrechnet.
- Gegensatz: Gegenüber der Vergangenheit wird heute weniger gelesen.
- Fehlendes: Die Jugend surft im Internet statt ein Buch zu lesen.
- Beispiele:
- mit Disziplin (Vorsicht: mit einem Hammer ist instrumental)
- auf englisch (Vorsicht: auf dem Tisch ist lokal)
Anmerkung:
Viele Präpositionen kennzeichnen mehrere Verhältnisse!
- etwas aus dem Kühlschrank nehmen (lokal)
- ein Tisch aus Holz (modal)
- etwas aus Furcht tun (kausal)
Manchmal kann man die Präpositionen nicht auf diese vier Gruppen zurückführen.
Rektion nach Präpositionen
Präpositionen treten mit einem bestimmten Kasus auf. Die Gruppe: aus, außer, seit, bis, nach, von und zu (Auswahl) regiert den Dativ, die Gruppe: durch, für, ohne, um (Auswahl) regiert den Akkusativ. Eine große Gruppe regiert den Genitiv: angesichts, abzüglich, bezüglich, einschließlich, wegen, mittels, zwecks uvam. Bei der Gruppe: an, auf, hinter, neben, in, über, unter, vor und zwischen muss zwischen Dativ und Akkusativ gewählt werden. Wie bei den Beispielen in, auf, an, neben ersichtlich, steht der Akkusativ, wenn eine Richtung bezeichnet wird, und der Dativ, wenn es um einen bestimmten Ort geht.
Bei relativ festen Verbindungen von Verben mit bestimmten Präpositionen aus der Gruppe der Wechselpräpositionen kann der zu verwendende Kasus jedoch nicht logisch erschlossen werden und hängt von der jeweiligen Verbindung ab.
Verbindungen aus Präposition und bestimmtem Artikel (zum, fürs, im) nennt man Kontraktionen (Kontraktion (Linguistik)).
Verbpräfixe
Präpositionen können auch als Verbpräfixe auftreten: abstellen, aufstellen, unterstellen, einstellen, durchstellen, zustellen, ...
Herkunft der Präpositionen
Präpositionen waren ursprünglich Ortsadverbien/Lokaladverbien.
Zu der örtlichen Bedeutung entwickelte sich oft für jede Präposition zusätzliche eine zeitliche und/oder bildliche bzw. übertragene Bedeutung.
Siehe auch: Postposition, Zirkumposition oder allgemein Adposition - griechische Präpositionen - lateinische Präpositionen - Portal:Sprache
Kategorie:Grammatik
Kategorie:Linguistische Morphologie
ja:前置詞
simple:Preposition
NameNamen sind Informationen, die etwas von etwas anderem unterscheiden sollen. Sie sind eine künstliche Eigenschaft, die mit dem Bezeichneten zu diesem Zweck verbunden wird. Namen, die ein individuelles Wesen oder Ding bezeichnen, sind Eigennamen, solche, die Wesen oder Dinge mit gemeinsamen Merkmalen bezeichnen, sind Gattungsnamen.
Das Herstellen und Verwenden (Erkennen) der Namen soll mit minimalem Aufwand möglich sein. Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Namen beschäftigt sich die Onomastik. Die Herkunft von Namen versucht die Etymologie zu klären.
Die sprachlichen Eigenschaften von Namen werden im Artikel Eigenname dargestellt.
Namensgebung von Menschen
(Hier soll behandelt werden, wie in verschiedenen Kulturen Menschen ihre Namen bekommen, wie in der Geschichte zusammengesetzte Namen entstanden usw. Einiges davon steht schon unter Vorname und unter Familienname)
In vielen, vor allem westlichen Kulturen, dient ein Vorname oder auch der Rufname innerhalb einer Familie zur Unterscheidung zwischen den Familienmitgliedern. Im Unterschied dazu drückt der Familienname die Zugehörigkeit zu einer Familie aus. In manchen Kulturen hatten bzw. haben die Herrscher noch einen speziellen Thronnamen (z. B. in Japan). In einigen Ländern wird zwischen Vornamen und Familienname als Vatersnamen der Vorname des Vaters (eventuell in grammatisch modifizierter Form) eingefügt. Beispiel: Iwan Wassiljewitsch: Iwan Sohn des Wassili.
Familiennamen entstanden im Deutschen Bereich erst relativ spät und sie hatten sich erst im 15./16. Jahrhundert in Deutschland durchgesetzt. Vorläufer der Familiennamen waren Beinamen in einem zweigliedrigen Namenssystem, das eine eindeutigere Zuordnung von Namen und Person ermöglichte als eingliedrige Namen. Quellen der Beinamen und damit der späteren Familiennamen waren unter anderem Herkunftsort, Wohnsitz, berufliche Tätigkeit und persönliche Eigenschaften. Bis zum 19. Jahrhundert konnte der Familiennamen relativ leicht geändert werden und es gab oft Schreibvarianten, zum Teil im selben Dokument. 1874 wurde dann die Schreibweise von Familiennamen in Deutschland verbindlich festgelegt. Familiennamen sind - im Gegensatz zu den Beinamen - relativ fest, und sie sind vererblich.
Ehename
Deutschland
Lange Zeit mussten Frauen bei der Heirat ihren ursprünglichen Familiennamen, den "Mädchennamen", ablegen, und den des Mannes übernehmen.
Wenn dies zwar auch immer noch die häufigste Form ist, bietet das Recht in Deutschland mittlerweile diverse Wahlmöglichkeiten: Die Ehepartner sollen einen gemeinsamen Ehenamen führen, wobei die freie Wahl zwischen dem Namen des Mannes und der Frau besteht.
Seit 2005 kann nach einer Gesetzesänderung infolge eines Bundesverfassungsgerichtsurteils auch ein Name zum Ehenamen gemacht werden, der nicht der Geburtsname ist, also aufgrund einer Ehe oder Lebenspartnerschaft erworben wurde.
Der andere Partner kann aus dem Ehenamen in Verbindung mit seinem Geburtsnamen oder dem vor der Eheschließung geführten Namen einen Doppelnamen machen; dabei wird der Teil des Doppelnamens, der nicht Ehename ist, oft Begleitname genannt.
Es können aber auch beide ihren Namen behalten; wurde bei der Eheschließung nichts entschieden, kann auch später noch eine Ehename und ggf. ein Begleitname bestimmt werden. Der Begleitname kann vor oder hinter dem Ehenamen stehen. Kinder bekommen den Ehenamen der Eltern bzw. einen der beiden Namen als Geburtsnamen, und zwar alle den gleichen, auch wenn die Eltern verschieden heißen.
Bei einer Lebenspartnerschaft gelten dieselben Wahlmöglichkeiten.
Einen Ehenamen kann zugunsten eines früheren Namens nur ablegen, wer geschieden oder verwitwet ist.
Beispiel: Im Personalausweis von Frank Mustermann-Gabler steht: Mustermann-Gabler geb. Gabler.
Dann kann man daraus schließen, dass sein Familienname (Nachname) "Mustermann-Gabler" ist, sein Ehename oder Lebenspartnerschaftsname "Mustermann" und sein Geburtsname "Gabler" (der hier auch sein Begleitname ist).
Allerdings könnte in seinem Ausweis auch Folgendes stehen: Mustermann-Gabler geb. Berger.
Dann ist nur klar, dass "Berger" der Geburtsname ist. "Mustermann" oder "Gabler" muss aus einer Vorehe (oder einer früheren Lebenspartnerschaft) stammen und der Begleitname sein, der andere Teil des Nachnamens ist dann der Ehe- oder Lebenspartnerschaftsname. Welcher von den beiden dies ist, lässt sich dann aber aus dem Ausweis nicht entnehmen; dazu ist eine entsprechende Personenstandsurkunde, insbesondere ein Auszug aus dem Familienbuch erforderlich.
Übrigens ist der Geburtsname (der frühere "Mädchenname") nicht unbedingt der bei der Geburt geführte Name, es kann sich z.B. auch um einen Namen handeln, den man von seinem Vater erst später bekommen hat (während man bei der Geburt den Namen der Mutter trug), oder um den später erteilten Namen des Stiefvaters. Auch durch eine öffentlich-rechtliche Namensänderung kann sich der Geburtsname geändert haben. Aufgrund der Fortführung des Geburtenbuches ergibt sich der Geburtsname jedoch immer aus einer aktuellen Geburtsurkunde.
Österreich
Auch in Österreich sollen die Ehegatten einen gemeinsamen Familiennamen führen. Bestimmen die Verlobten vor der Eheschließung keinen Familiennamen, dann ist dies der Name des Mannes, wenn die Frau nicht zuvor ausdrücklich erklärt hat, ihren Namen behalten zu wollen. In letzterem Falle müssen die Verlobten aber den Familiennamen der Kinder festlegen.
Derjenige, dessen Name nicht gemeinsamer Familienname wird, kann seinen bisherigen Namen mit Bindestrich voranstellen oder anfügen; die Erklärung muss spätestens bei der Eheschließung abgegeben werden.
Schweiz
In der Schweiz wird bei der Eheschließung grundsätzlich der Name des Mannes zum gemeinsamen Familiennamen. Soll der Name der Frau gemeinsamer Familienname werden, so muss vor der Eheschließung eine Namensänderung beantragt und erwirkt werden, die aber in diesem Falle durchgehend bewilligt wird (und nur gilt, wenn die Ehe auch wirklich geschlossen wird). In beiden Fällen kann derjenige, dessen Name nicht gemeinsamer Familienname wird, seinen bisherigen Namen voranstellen, und zwar anders als beim Allianznamen ohne Bindestrich; eine entsprechende Erklärung muss aber vor der Eheschließung abgegeben werden.
Künstlername
In der Kunst besitzt die Veröffentlichung von Werken unter einem Künstlernamen oder Pseudonym eine lange Tradition.
Siehe auch: Ordensname, Berufsname
Schemata der Namensbildung in verschiedenen Kulturen
Indogermanische Namen
Namen aus dem indoeuropäischen Sprachraum bestehen grundsätzlich aus 2 Wörtern verschiedener Wortart, in den meisten Fällen aus einem Adjektiv und einem Nomen ( Brunhild, Siegfried, Fürchtegott, Polynikes, Antigone, Ödipus)
- Arabische Namen
- Birmanische Namen
- Chinesische Namen
- Deutsche Namen
- Japanische Namen
- Koreanische Namen
- Polnische Namen
- Portugiesische Namen
- Römische Namen
- Russische Namen
- Spanische Namen
- Thailändische Namen
- Englische Namen
Häufig wird eine Person auch mit ihrem Spitznamen angesprochen.
Unternehmensnamen
Unternehmensnamen sind oft vom Namen des Gründers abgeleitet: Rosenthal AG. In vielen Fällen beinhalten sie aber auch den Namen eines Produktes oder der Produktgruppe, welches das Unternehmen anfertigt oder ursprünglich angefertigt hat. Auch Kunstnamen sind üblich. Unternehmensnamen können zugleich auch Markennamen sein oder Markennamen beinhalten.
Eigennamen
Eigennamen sind Namen von Orten oder von Gegenständen, die den Ort oder Gegenstand selbst bezeichnen. auch: Nomination
Ortsnamen
Die deutschen Ortsnamen haben zum Teil eine lange Geschichte und in dieser langen Geschichte haben sich Aussprache und Schreibung oft so verändert, dass der ursprüngliche Name nicht mehr zu erahnen ist. Aus dem lateinischen Augusta Vindeilicorum wurde das heutige Augsburg, aus Castra Regina - übersetzt - Regensburg.
Straßennamen
Straßennamen sind mehr als lediglich eine Orientierungshilfe für Ortsfremde und Briefträger, sie sind oft genug ein Politikum, denn sie werden von Politikern (Stadträten, Gemeinderäten) gemacht und unterliegen nicht selten dem Streit der Parteien.
Dass es auch anders geht, zeigen US-amerikanische Städte wie New York, wo ein großer Teil der innerstädtischen Straßen nummeriert ist, was die Orientierung ungemein erleichtert.
Politische Straßennamen
Die typische Karriere einer deutschen Straße ist die Umbenennung von Kaiser-Wilhelm-Straße zu Friedrich-Ebert-Straße und dann in Adolf-Hitler-Straße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Straße im Westen oft zur Konrad-Adenauer-Straße und im Osten zur Wilhelm-Pieck-Straße.
Aber nicht nur Politikernamen sind ein Politikum. Auch viele ostdeutsche Straßen der Deutsch-sowjetischen Freundschaft (Straße der DSF) mussten nach der Wende umbenannt werden.
Berühmte Straßennamen
Zu den Straßennamen die überregional bekannt sind gehören der Berliner Kurfürstendamm und die Straße Unter den Linden, die Düsseldorfer Königsallee und die Lindenstraße aus der ARD. International bekannt sind die Downing Street, der Broadway, die Champs-Élysées, die Wall Street und die Pennsylvania Avenue.
Historische Straßennamen
Manche historischen Straßennamen lassen noch erkennen, worauf sie zurückgehen. So haben viele Städte heute noch eine Straße, die Galgenberg oder Hochgericht heißt. Doch bei dem Frankfurter Straßennamen Gutleutstraße ist vielen nicht bewusst, dass die "guten Leute" die Pestkranken waren, die in dieser Gegend interniert wurden.
Eine Frauenstraße weist nicht unbedingt auf die Jungfrau Maria hin. Sie kann auch das Quartier der Prostituierten gewesen sein.
Alte Flurnamen
An der Tatsache, dass sich im Zentrum heutiger Großstädte alte Flurnamen finden, lässt sich erkennen, wie sehr die Städte gewachsen sind. Alte Flurnamen sind zum Beispiel Bleichwiesen (für die Wäsche) und Ochsenanger.
Gruppierte Straßennamen
Bei Neubaugebieten versucht man häufig mehrere Straßennamen inhaltlich unter einem Oberbegriff zusammen zu fassen. Die so entstandenen "Malerviertel" verlangen dem Laien oft aber einiges an Bildung ab. Jeder weiß, dass Dürer und Rembrandt Maler waren, aber die Thorvaldsen-Straße würde der nicht im Malerviertel suchen, der weiß, dass Thorvaldsen ein Bildhauer war. Und wer nicht weiß, wer Bertel Thorvaldsen überhaupt war, könnte ihn für einen skandinavischen Politiker halten.
Skurrile Straßennamen
Bei relativ wenigen Straßennamen haben die Stadtväter (und -mütter) Humor gezeigt. Die Heidelberger Straßen Oberer Fauler Pelz und Unterer Fauler Pelz sind Straßen, die am Gefängnis vorbeiführen. Die Tittentasterstraßen in manchen norddeutschen Städten leiten sich vermutlich von den Wohnquartieren der Hebammen her, die den Milchfluss der Ammen durch Betasten der Brust beurteilen sollten.
Tier- und Pflanzennamen
Neben den eingebürgerten Namen von Tieren und Pflanzen in der jeweiligen Landessprache gibt es eine zweigliedrige Bezeichnung mit Gattungsnamen und Art in lateinischer Sprache, bzw. der lateinischen Sprache nachempfundener Wortbildung. Beispiel: Micromys minutus (Zwergmaus)
Konkrete Tiere, zu denen Menschen eine besondere Beziehung aufbauen, erhalten sehr oft Namen, die menschlichen Namen entsprechen. Vor allem Hunde und Katzen erhalten Namen. Aber auch andere Tiere können Namen erhalten. Beispiel: Weihnachtsgans Auguste.
Zitate
"Der Name ist nicht alles, aber ohne guten Namen ist alles nichts." - (Karl-Heinz W.Smola, Trend- und Zukunftsforscher)
Siehe auch
- Ausdruck, Begriff, Wort
- Trivialname, Benennung, Bezeichnung, Buchtitel, Identifizierung, Firma
- Namenszusatz, Paragramm, Titel, Zuordnung
- Schlüssel
- Namensrecht, Markenartikel, Wappen, Zirkel (Studentenverbindung)
Weblinks
- [http://www.onomastik.com/ Namenforschung - Onomastik.com]
- [http://www.echtenamen.de/ Sammlung ausgefallener Personen- und Ortsnamen]
- [http://dejure.org/gesetze/BGB/1355.html § 1355 BGB: Ehename]
- [http://janeden.org/2288 Der Name als Stigma. Jüdische Namen in Deutschland bis 1933] (Zusammenfassung des Werkes von Dietz Bering)
ja:名前
simple:Name
Kategorie:Wort
Deutschland
Deutschland (die Langform der amtlichen Staatsbezeichnung lautet Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa und hat gemeinsame Grenzen mit Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden. Im Norden bilden die Nordsee und die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen.
Bundeshauptstadt und Regierungssitz ist Berlin; einige Bundesministerien befinden sich in der Bundesstadt Bonn, dem ehemaligen Regierungssitz. Das politische System ist föderal und als parlamentarische Demokratie organisiert: Nach Artikel 20 des Grundgesetzes versteht sich Deutschland als demokratischer und sozialer Bundesstaat und Rechtsstaat. Dieser Bundesstaat besteht aus 16 teilsouveränen Bundesländern. Deutschland ist mit über 82 Mio. Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Europas. Die Bundesrepublik Deutschland ist unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der NATO und der G8.
Viele Links zu Artikeln mit Deutschlandbezug finden sich im Portal Deutschland.
Geografie
Lage
Deutschland liegt in Mitteleuropa zwischen 47°16′15″ und 55°05′33″ nördlicher Breite und 5°52′01″ und 15°02′37″ östlicher Länge. Die Nord-Süd-Ausdehnung reicht von List auf Sylt (Schleswig-Holstein) bis Oberstdorf (Bayern) und beträgt 876 km; die West-Ost-Ausdehnung zwischen der Gemeinde Selfkant (NRW) und Deschka (Sachsen) beträgt 640 km.
Nachfolgend sind die an Deutschland angrenzenden Staaten und Meere im Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge (insgesamt 3.757 km lang) ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben.
Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (67 km), im Nordosten an Polen (442 km), im Osten an Tschechien (811 km), im Südosten an Österreich (815; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 km; mit Grenzen der Exklave Büsingen, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 km), im Westen an Luxemburg (135 km) und Belgien (156 km) und im Nordwesten an die Niederlande (567 km). Während im Nordwesten die Küsten der Nordsee und im Nordosten die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen bilden, hat Deutschland im Süden Anteil an den Alpen.
Exklaven
Eine Exklave Deutschlands ist das am Hochrhein gelegene Büsingen, das zum Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg gehört. Sie ist 7,62 km² groß und gänzlich von den drei Schweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich umgeben.
Daneben existiert eine zweite Exklave auf irischem Territorium, unweit von Dublin. Es handelt sich um einen Friedhof, auf dem während des Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten beerdigt wurden. Um nach dem Krieg eine kostspielige und aufwändige Überführung der Leichen zu vermeiden, wurde das Gebiet an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.
Mittelpunkt Deutschlands
Der geographische Mittelpunkt Deutschlands liegt laut dem Statistischen Jahrbuch Deutschland (Stand: 2000) in der Gemeinde Niederdorla im westlichen Thüringen auf der .
Großlandschaften
Die landschaftlichen Großräume unterscheiden sich vor allem in der Abfolge von Nord nach Süd, da das Gelände nach Süden hin tendenziell höher und steiler wird. Der nördliche Teil Deutschlands, die Norddeutsche Tiefebene, ist ein hauptsächlich von den Eiszeiten geformtes Tiefland, an das sich nach Süden die bewaldeten Mittelgebirge im Zentrum und in südlicheren Teilen des Landes anschließen. Insbesondere in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, gehen diese Landschaften in das relativ hoch liegende Nördliche Alpenvorland und dies wiederum in das Hochgebirge der Alpen über.
Geologie
Deutschland ist geologisch vielgestaltig. Während die glazial geprägten Landschaften, die Flussniederungen und -becken erst ab dem Tertiär ihre Gestalt annahmen, sind die Mittelgebirge deutlich älteren Datums.
Die kristallinen Rumpfgebirge (z. B. der Schwarzwald) sind bereits im Erdaltertum entstanden und bestehen hauptsächlich aus metamorphem und Tiefengestein wie Gneisen und Granit. Ähnlich alt ist das Rheinische Schiefergebirge, dessen Entstehung auf Silur und Devon zu datieren ist. An dessen Nordrand finden sich auch Formationen aus dem Karbon, in denen die gewaltigen Steinkohlevorkommen im Ruhrgebiet eingelagert waren.
Die süddeutsche Landschaft ist größtenteils auf die Entwicklungen im Erdmittelalter zurück zu führen: Während die Pfalz, Thüringen, Teile Bayerns und Sachsens geologisch im Trias gebildet wurden, ist die sich quer durch den süddeutschen Raum ziehende Schwäbische und Fränkische Alb ein Ergebnis der Auffaltung und Hebung von Meeresboden aus dem Jurazeitalter. Erstere Regionen weisen Sandstein, letztere Kalkstein als vorherrschende geologische Formation auf.
Vulkanismus wird in Deutschland nicht beobachtet. Dennoch findet sich in einigen Gebieten vulkanisches Gestein aus früherer Aktivität, insbesondere in der Vulkaneifel und auf dem Vogelsberg in Hessen. Auch Erdbeben mit schweren Folgen kommen praktisch nicht vor, da Deutschland vollständig auf der Eurasischen Platte liegt. Das Land wird daher nicht von Grenzen zwischen aneinander anstoßenden großen Platten der Erdkruste durchzogen.
Dennoch ist der Rheingraben in Nordrhein-Westfalen als mäßig gefährdete Erdbebenzone eingestuft, die sich bis in die Nachbarländer Belgien und Niederlande erstreckt (siehe auch Erdbebengebiet Kölner Bucht).
Gewässer
Erdbebengebiet Kölner Bucht bei Koblenz (Deutsches Eck)]]
Deutschland grenzt mit den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein an die Nordsee. Diese ist ein Randmeer des Atlantiks und das am dichtesten befahrene Seegebiet der Erde. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein liegen an der Ostsee, einem Binnenmeer, das über den Skagerrak mit der Nordsee verbunden ist. Der Tidenhub an der Ostsee ist wesentlich geringer als an der Nordsee.
Die deutschen Flüsse gehören zu sechs großen Flusssystemen, deren Einzugsbereiche fast die gesamte Fläche einnehmen. Diese sind der Rhein, die Donau, die Elbe, die Oder, die Weser, und die Ems. Der längste dieser Flüsse ist die Donau; sie ist mit 2.845 km ab dem Zusammenfluss von Brigach, Breg und der Donauquelle in Donaueschingen beziehungsweise 2.888 km ab der Breg-Quelle am Rande des Schwarzwaldes nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Allerdings verläuft nur ein kleiner Teil der Donau-Gesamtstrecke durch Deutschland. Die Donau mündet ins Schwarze Meer.
Alle anderen deutschen Flüsse entwässern in die Nord- oder Ostsee. Der Abschnitt der Europäischen Wasserscheide durch Deutschland verläuft östlich des Oberrheingrabens über den Hauptkamm des Schwarzwaldes, danach folgt sie der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Der Rhein ist von diesen Strömen derjenige, der die längste Strecke innerhalb Deutschlands zurücklegt: Von seinem 1.320 km langen Flusslauf führen 852 km durch Deutschland. Er hat zudem für die Deutschen eine identitätsstiftende Rolle inne, die sich aus der Geschichte und zahlreichen Mythen und Sagen speist. Auch seine wirtschaftliche Funktion ist bedeutend: er ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas.
Die Elbe entspringt im Riesengebirge an der Grenze Tschechiens zu Polen und mündet nach ungefähr 1.165 km – davon 770 km in Deutschland – bei Cuxhaven in die Nordsee. Sie gehörte zeitweilig zu den am meisten mit Schadstoffen belasteten Flüssen Europas, doch mittlerweile hat sich die Wasserqualität deutlich verbessert.
Die Oderquellen befinden sich in den tschechischen Beskiden. Nach wenigen Kilometern fließt die Oder nach Polen und in ihrem Mittellauf durch Schlesien. In ihrem Unterlauf bildet sie die deutsch-polnische Grenze um dann wieder in Polen bei Stettin in das Stettiner Haff zu münden. Als Swine fließt sie schließlich zwischen den Inseln Usedom und Wollin durch Swinemünde in die Ostsee.
Die Weser speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Teil Deutschlands. Die Einzugsgebiete von Oder und Ems liegen im äußersten Osten bzw. Westen.
Die Seen in Deutschland sind größtenteils in der Folge der Eiszeit entstanden, nach deren Ende sich ehemalige Gletschertäler (Gletscher- und Gletscherwasserabflussrinnen) teilweise mit Wasser füllten. Daher finden sich die meisten der großen Seen in ehemals von Inlandeis bedeckten Gebieten oder deren Vorland, insbesondere in Mecklenburg und dem Alpenvorland. Der größte mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Der größte vollständig zu deutschem Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist.
Siehe auch: Liste der Flüsse in Deutschland, Liste der Seen in Deutschland
Gebirge und Senken
Liste der Seen in Deutschland
Die Alpen sind das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Hier befindet sich mit der Zugspitze (2.962 m) der höchste Berg Deutschlands. Die Mittelgebirge nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald mit 1.493 m, gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald mit 1.453 m. Gipfel über 1.000 m erreichen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die Schwäbische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes Mittelgebirge in Deutschland mit dem Brocken auf 1.141 m erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erheben sich nur noch vereinzelte Formationen über 100 m, von denen der Hagelberg im Fläming mit 200 m die höchste ist.
Details finden sich in der Liste der höchsten Berge Deutschlands und der Liste der Gebirge Deutschlands.
Die niedrigste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 m unter Normalnull in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,10 m u. NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nord-nordöstlich von Lübeck. Die tiefste künstlich geschaffene Stelle liegt bei 293 m u. NN am Grund des Tagebau Hambach östlich von Jülich in Nordrhein-Westfalen.
Inseln
Jülich
Gemessen an der Küstenlinie verfügt Deutschland über eine beachtliche Zahl an Inseln. Diese sind in der Nordsee meist in Form von Inselketten dem Festland vorgelagert und stellen Festlandsreste dar, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der Küste getrennt wurden. Unterteilt werden sie in die nordfriesischen und die ostfriesischen Inseln, die Bestandteil des deutschen Wattenmeeres sind. Die nordfriesischen Inseln gehören zu Schleswig-Holstein und bestehen aus den größeren Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand sowie den wesentlich kleineren Halligen. Die zu Niedersachsen gehörenden ostfriesischen Inseln sind von Aufbau und Größe sehr ähnlich. Größte dieser Inseln ist Borkum. Einen Sonderfall stellt die weiter in der Nordsee gelegene Insel Helgoland dar, die Deutschlands einzige Hochseeinsel ist.
Die Inseln in der Ostsee liegen an der deutschen Boddenküste, sind tendenziell größer und weisen ein stärker bewegtes Relief auf. Die größte dieser Inseln und gleichzeitig größte deutsche Insel ist Rügen, gefolgt von Usedom, deren Ostzipfel bereits zu Polen gehört. Wie die Nordseeinseln sind auch die Ostseeinseln beliebte Reiseziele und von bekannten Seebädern gesäumt.
Auch in einigen deutschen Binnengewässern gibt es Inseln, von denen die bekanntesten Mainau und Reichenau im Bodensee sowie Herrenchiemsee im Chiemsee sein dürften. Für die vollständige Aufführung aller Inseln siehe: Liste deutscher Inseln
Klima
Deutschland gehört zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der die klimatischen Werte für die Breitenlage ungewöhnlich mild gestaltet.
Extreme Wetterbedingungen wie langanhaltende Dürren, Tornados, strenger Frost oder extreme Hitze sind vergleichsweise selten. Gelegentlich treten jedoch Stürme auf, die in den Jahren 2000 und 2002 zu schweren Schäden geführt haben. Regelmäßig ereignen sich auch Hochwasser, die nach intensiven Regenperioden im Sommer (Oderhochwasser 1997, Elbehochwasser 2002) oder nach der Schneeschmelze im Winter zu Überschwemmungen und erheblichen Zerstörungen führen können. Dass es am Rhein häufiger zu Hochwasser kommt, liegt wahrscheinlich an der im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Tulla durchgeführten Rhein-Begradigung, die weitgehend zur Beseitigung der früheren Rheinauen geführt hat. Dürren betreffen hauptsächlich den Nordosten Deutschlands, können zuweilen aber auch das ganze Land in Mitleidenschaft ziehen, wie zuletzt während der Hitzewelle 2003.
Die Klimadaten betragen (gemittelte Werte der Jahre 1961–1990):
Quelle: [http://www.cru.uea.ac.uk/~timm/cty/obs/TYN_CY_1_1.html Tyndall Centre for Climate Change Report]
Die deutschlandweiten Klimamittel werden je nach Region teils erheblich über- oder unterschritten. Die höchsten Jahrestemperaturen verzeichnet Südbaden mit über 11 °C, während in Oberstdorf der Durchschnitt unter 6 °C liegt. Zudem zeichnet sich ein allgemeiner Trend zu höheren Temperaturen ab: Nach Angabe des Deutschen Wetterdienstes lagen in 14 der 15 Jahre seit 1990 die Durchschnittstemperaturen über dem langjährigen Mittel von 8,3 °C, im Jahr 2000 wurden sogar 9,9 °C erreicht. Insbesondere die Sommer sind deutlich wärmer geworden. Zudem verfrüht sich der Frühlingseinzug im Schnitt um fünf Tage pro Jahrzehnt. Zugvögel halten sich fast einen Monat länger in Deutschland auf als noch in den siebziger Jahren.
Böden und Flächennutzung
Die Zusammensetzung und Qualität der Böden ist regional sehr unterschiedlich. In Norddeutschland bildet ein küstennaher Gürtel aus fruchtbaren Marschböden die Grundlage für ertragreiche Landwirtschaft, während die dahinter liegende, eiszeitlich geprägte Geest nur sehr magere Böden aufweist. In der Lüneburger Heide ist dieser durch jahrhundertelange Weidewirtschaft zum Podsol degeneriert, so dass Ackerbau kaum möglich ist. Sehr unergiebig sind auch die Gebiete der Alt- und Jungmoränenlandschaft, in denen sich Flugsand angelagert hat. Brandenburg beispielsweise war schon in historischer Zeit als des „Heiligen Reiches Streusandbüchse“ berüchtigt. Zwischen der Moränenlandschaft und der Mittelgebirgsstufe zieht sich von West nach Ost eine Reihe von Börden: In diesen Gebieten ist durch eiszeitliche Lössablagerungen äußerst fruchtbarer Boden entstanden. Dieser besteht zumeist aus Braunerden, im Osten teils auch aus Schwarzerden und wird intensivst landwirtschaftlich genutzt. In den Mittelgebirgen herrschen magere Böden vor, die landwirtschaftlich nur extensiv bewirtschaftet werden. Die weitaus größte Fläche ist bewaldet. Ergiebige Böden finden sich in Süddeutschland insbesondere entlang der Flüsse Rhein, Main und Donau.
Insgesamt werden 53,5 % der deutschen Fläche landwirtschaftlich genutzt, Wälder bedecken weitere 29,5 %. Aufgrund hoher Bevölkerungsdichte und Mobilität macht die Siedlungs- und Verkehrsfläche stolze 12,3 % aus (Tendenz weiterhin steigend). Wasserflächen kommen auf 1,8 %, die restlichen 2,4 % verteilen sich auf sonstige Flächen, zumeist Ödland.
Politik
Hauptartikel: Politisches System Deutschlands
Staatsorganisation
Hauptartikel: Politisches System Deutschlands
Hauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Nach Artikel 20 GG ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer, sozialer und rechtsstaatlicher Bundesstaat. Es gibt 16 teilsouveräne Bundesländer, von denen einige wiederum in Regierungsbezirke untergliedert sind. Die staatliche Ordnung regelt das Grundgesetz. Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident mit repräsentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Präsident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende Bundesratspräsident, der gemäß dem Grundgesetz den Bundespräsidenten vertritt. Der Regierungschef Deutschlands ist der Bundeskanzler. Er besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Bundesregierung (Kanzlerdemokratie).
Bundesregierung
Als Bundesstaat ist Deutschland föderal organisiert, d. h. es gibt zwei Ebenen im Politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem Bundesland einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Siehe auch: Gewaltenteilung
Bundestag und Bundesrat entscheiden gemeinsam über die Gesetze des Bundes und haben die Befugnis mit Zweidrittelmehrheit in beiden Organen das Grundgesetz, die Verfassung Deutschlands, zu ändern. In den Bundesländern entscheiden die Länderparlamente über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung.
Parteien]
Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler geleitet wird. Auf der Ebene der Bundesländer leitet der Ministerpräsident (bzw. der Bürgermeister der Stadtstaaten) die Exekutive. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze der Behörden.
Wie in anderen Ländern auch, spielen Verbände im politischen System eine wichtige Rolle. Mit ihrer Lobbyarbeit versuchen sie, die Politik in die Richtung ihrer Interessen zu bewegen. Die Sinnhaftigkeit dieser Tätigkeiten ist nicht unumstritten und unterliegt häufiger Kritik insbesondere der durch die Lobbyarbeit jeweils negativ betroffenen anderen Verbände.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes. Die Obersten Gerichtshöfe des Bundes sind der Bundesgerichtshof mit Hauptsitz in Karlsruhe, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, das Bundessozialgericht in Kassel und der Bundesfinanzhof in München. Der Großteil der Rechtsprechung liegt in der Verantwortung der Bundesländer. Die Bundesgerichte sind fast immer nur Revisionsinstanz und prüfen die Entscheidungen der Landesgerichte auf formelle und materielle Rechtmäßigkeit.
Siehe auch: Grundgesetz
Bundesländer
Parteienlandschaft
Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) wurde 1945 als überkonfessionelle Nachfolgepartei bürgerlicher und religiös geprägter Parteien gegründet. In ihr vereinigten sich vor allem Kräfte aus der Zentrumspartei. Sie ist konservativ geprägt. Mit der Ausnahme Bayerns ist die CDU im gesamten Bundesgebiet vertreten.
Die Christlich Soziale Union (CSU) hat eine ähnliche konservative Ausrichtung, wirkt aber nur in Bayern. Gemeinsam bilden beide Parteien im Deutschen Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft, zusammen werden sie „die Union“ oder auch „Unionsparteien“ genannt.
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) existiert einschließlich ihrer Vorläuferorganisationen seit 1863, und ist damit die älteste bis heute existierende politische Partei Deutschlands. Sie hat die Tradition der Sozialdemokratie begründet. Nach Verbot in der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie 1945 wiedergegründet. Sie versteht sich seit ihrem Godesberger Programm von 1959 auch offiziell nicht mehr nur als Arbeiterpartei, sondern als eine Volkspartei, die für breite Schichten wählbar sein will. Ihr Bekenntnis lautet „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“.
Die Freie Demokratische Partei (FDP) wurde 1948 gegründet und beruft sich in ihrem Selbstverständnis auf die Tradition des deutschen Liberalismus, der sich bereits 1861 mit der Deutschen Fortschrittspartei in Preußen als erste politische Partei Deutschlands im heute verstandenen Sinn organisiert hatte, sich wenige Jahre darauf jedoch in sich gegeneinander konkurrierende unterschiedliche Parteien aufgespalten hatte. Die moderne FDP steht insbesondere in Wirtschafts-, aber auch in Bürgerrechtsfragen für mehr Freiheiten und Verantwortung des Einzelnen, sowie für eine stärkere Zurückhaltung des Staates - insbesondere bei wirtschaftlichen Belangen. Sie war mit insgesamt 42 Jahren am längsten als kleinerer Koalitionspartner sowohl der CDU/CSU als auch der SPD an der Regierungsverantwortung der Bundesrepublik beteiligt.
Die Grünen entstanden als bundesweite Partei 1979/80 aus den damals neuen sozialen Bewegungen, beispielsweise der modernen Frauenbewegung, der Friedens- und der Ökologiebewegung der 1970er Jahre. 1983 zogen sie erstmals in den Bundestag ein. 1990 schlossen sie sich mit der ostdeutschen Bürgerbewegung Bündnis 90 zu Bündnis 90/Die Grünen zusammen.
Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) war die Rechtsnachfolgerin der in der DDR allein herrschenden SED. Inhaltlich beruft sich die Partei auf sozialistische Ideale, und steht im Parteienspektrum des Bundestags links von der SPD. Bedeutendere Wahlerfolge für die PDS blieben zunächst auf Ostdeutschland beschränkt. 2005 wurde aus Protest gegen die Reformpolitik der rot-grünen Bundesregierung die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) auf Initiative von Gewerkschaftern und enttäuschten vormaligen SPD-Mitgliedern gegründet. Für die Bundestagswahl 2005 öffnete die PDS ihre Listen für WASG-Mitglieder. Aus diesem Grund hat sich die PDS inzwischen in Die Linkspartei. umbenannt. Beide Parteien streben eine Vereinigung an.
Rechtsextreme Parteien waren, von der Deutschen Reichspartei im Ersten Bundestag (1949–1953) abgesehen, nie im deutschen Bundestag vertreten, konnten aber auf Landesebene zeitweise in Parlamente einziehen. Eine relative Blütezeit erlebten sie Ende der 1960er und seit der Wiedervereinigung. Parteien dieser Richtung sind Die Republikaner, die Deutsche Volksunion (DVU) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD).
Es gibt zahlreiche regionale Parteien und „Splitterparteien“, deren politischer Einfluss auf Bundesebene aber durch die Sperrklausel der 5%-Hürde in der Regel auf außerparlamentarische Aktivitäten beschränkt ist. Die Ausnahmeregelung, über Direktmandate in den Bundestag einzuziehen, ist für diese ebenso fast unmöglich. Im Landtag von Schleswig-Holstein ist jedoch aufgrund einer Sonderregelung für die dänische Minderheit der Südschleswigsche Wählerverband gesetzlich garantiert vertreten.
In der Geschichte der Bundesrepublik gab es mehrere Parteiverbote, gegen die rechtsradikale SRP 1952 und gegen die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 1956. Ein Verbotsantrag gegen die NPD scheiterte 2004 unter anderem wegen Versagens des Bundesamtes für Verfassungsschutz.
Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen – mehr oder weniger selbständig – Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sind die Junge Union (CDU/CSU), die Jusos (SPD), die Jungen Liberalen (FDP), die Grüne Jugend (Bündnis 90/Die Grünen) sowie ['solid] (Die Linkspartei.).
Siehe auch: Politische Parteien in Deutschland, Geschichte der Parteien in Deutschland, Politisches Spektrum, Bundestagswahl 2005
Außenpolitik
Die wichtigsten Leitlinien bundesdeutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europäische Integration. Deutschland hat am Aufbau europäischer Organisationen einen entscheidenden Anteil; Ziel war dabei auch, den Nachbarn Angst vor Deutschland zu nehmen und die Beschränkungen durch die Besatzungsmächte überflüssig zu machen. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen Verträge, den Grundstein für die heutige Europäische Union. Zentraler Aspekt für die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der die Bundesrepublik 1955 beitrat.
Während des Kalten Kriegs war der Spielraum deutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. Militäreinsätze im Ausland kamen nicht in Frage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und Bündnisverteidigung. Durch die von Deutschland initiierte Ostpolitik unter der Devise Wandel durch Annäherung, die zunächst von wichtigen Verbündeten sehr skeptisch betrachtet wurde, konnten dennoch eigenständige politische Akzente gesetzt werden. Später wurde diese Politik als erfolgreich angesehen.
Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine außenpolitischen Grundsätze erweitert und einen Weg zu größerer internationaler Verantwortung eingeschlagen. So nimmt die Bundeswehr seit 1991 mit Zustimmung des Bundestages und zusammen mit verbündeten Armeen an verschiedenen friedenserhaltenden und -erzwingenden Einsätzen auch außerhalb Deutschlands und des Territoriums der Nato-Verbündeten teil (Out-Of-Area-Einsätze).
Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine führende Rolle in der Europäischen Union. Deutschland treibt die Bemühungen voran, über die Wirtschafts- und Währungsunion hinaus ein einheitliches und wirkungsvolles System der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen. Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bedeutendes Interesse hat Deutschland auch an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Aufgrund der schwierigen Materie und den Begrenzungen deutscher Politik besteht der Beitrag vor allem in der Bereitstellung informeller Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien. Die Bundesregierung lehnte den Irak-Krieg 2003 ab, da sie die Existenz von Massenvernichtungswaffen bezweifelte, eine diplomatische Lösung bevorzugte und um erhebliche Gefahren für die politische Stabilität des gesamten als fragil eingestuften Raumes fürchtete. Dafür wurde sie von wichtigen Verbündeten stark kritisiert. Zusammen mit den Verbündeten Großbritannien und Frankreich bemüht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die Weiterführung seines Atomprogramms zu verzichten. Die Bundesregierung strebt einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Die Durchsetzung dieses Zieles wird jedoch aufgrund des Widerstands anderer, teils verbündeter Staaten erschwert und hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. So würden zwar Frankreich und Großbritannien die G4 Staaten (Deutschland, Indien, Japan und Brasilien) grundsätzlich unterstützen; jedoch fehlt Deutschland die Zustimmung der USA, so wie Japans Beitritt durch China blockiert wird.
Militär
Vereinten Nationen
Vereinten Nationen]
Hauptartikel: Bundeswehr
Nach ihrer Gründung 1949 hatte die Bundesrepublik Deutschland zunächst keine eigenen Streitkräfte. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der als aggressiv empfundenen sowjetischen Politik in Osteuropa trat die Bundesrepublik 1955 der NATO bei und stellte Streitkräfte auf. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationalen Volksarmee der DDR in diese Streitkräfte eingegliedert.
Die als Bundeswehr bezeichnete militärische Gesamtorganisation besteht aus den Streitkräften und ihrer Verwaltung. Die Streitkräfte gliedern sich in die Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine und die unterstützenden Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst.
In der Bundeswehr dienten im April 2005 257.000 Soldaten und 125.000 zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschränkten Zugang zum Dienst in den Streitkräften. Ihr Anteil beträgt 6,2 % der Soldaten (Stand 2005). Die Bundesrepublik Deutschland gab im Jahr 2004 24,4 Mrd. Euro für die Bundeswehr aus, womit sie im internationalen Vergleich nach absoluten Ausgaben den sechsten Platz und im Vergleich zum jeweiligen BIP einen Platz im letzten Drittel der NATO belegt. Das wird von einigen als zu wenig angesehen, vor allem, da die Bundeswehr sich nach dem Kalten Krieg auf erheblich veränderte Aufgaben einstellen muss.
Auf dem US-Stützpunkt Ramstein und dem Luftwaffenstützpunkt Büchel (in Rheinland-Pfalz) sind heute noch 65 US-amerikanische Wasserstoffbomben stationiert, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.
Geschichte
Der Hauptartikel Geschichte Deutschlands vermittelt einen detaillierten Überblick. Zum mittelalterlichen Deutschland siehe Deutschland im Mittelalter. Für die Entwicklung der neuen deutschen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg siehe die Artikel Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und Geschichte der DDR.
Frühgeschichte und Antike
Geschichte der DDR
Die ältesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, seit rund 500.000 Jahren geht man von einer dauerhaften Besiedlung aus. In Deutschland existieren bedeutende Fundstätten aus der Urzeit: Nach dem Neanderthal in Mettmann ist der frühe menschliche Vertreter der Gattung Homo sapiens neanderthalensis, dem Neanderthaler, benannt. Diese wurden vor etwa 40.000 Jahren von dem zugewanderten Homo sapiens sapiens, dem modernen Menschen, verdrängt. In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, etwa die Venus von Willendorf und die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000 vor Christus in dieser Region Astronomie betrieben wurde.
Erste schriftliche Erwähnung finden keltische und germanische Stämme bei den Griechen und Römern in der vorchristlichen Zeit. Um 500 vor Christus war das heutige Süddeutschland keltisch und das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die Germanen wanderten im Laufe der Jahrhunderte südwärts, so dass um Christi Geburt die Donau die ungefähre Siedlungsgrenze zwischen Kelten und Germanen war. Sprachforscher vermuten, dass viele Merkmale süddeutscher Dialekte auf keltischen Einfluss zurückgehen. Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins sowie südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania Superior, Germania Inferior und Raetia. In diesem Gebiet gründeten die Römer viele Legionslager, die sich später zu Städten entwickelten. Wichtigste Städte zu römischer Zeit waren Köln, Trier (die älteste Stadt Deutschlands) und Augsburg. Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Außerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, führten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und Militär ein. Eine erste Geschichte Gesamtgermaniens verfasste der römische Schreiber Tacitus im Jahr 98.
Völkerwanderung und Frühmittelalter
98
Nach dem Einfall der Hunnen 375 und zeitgleich mit dem Niedergang Westroms ab 395 setzte die Völkerwanderung ein, in deren Verlauf die germanischen Stämme immer weiter nach Südwesten zogen. In die fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschland wanderten im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische Stämme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen Bundesländer waren daher bis ins hohe Mittelalter slawisch geprägt (Germania Slavica). Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas wurde vom Frankenreich eingenommen, das heutige Norddeutschland wurde von den Sachsen beherrscht.
Nach der blutigen Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen erstreckte sich das Frankenreich bis zur Nordsee, der Elbe und dem heutigen Österreich. Auf dem Höhepunkt der fränkischen Macht stellte Karl der Große einen Anspruch auf die Führungsmacht in Europa. 800 ließ er sich in Rom zum Kaiser krönen. Doch die Einheit seines Reiches währte nicht lange: Streitigkeiten unter seinen Nachfolgern bewirkten im Vertrag von Verdun (843) die Dreiteilung des Reiches in das ostfränkische Reich unter König Ludwig Germanicus (später: ... dem Deutschen), das westfränkische Reich unter König Karl dem Kahlen und dem zwischen ihnen liegenden Königreich Lothars I., das den Namen Lotharingien erhielt. Das ostfränkische Reich bildete den groben geografischen Rahmen für das später entstehende Deutsche Reich.
Heiliges Römisches Reich (962–1806)
Hauptartikel: Heiliges Römisches Reich
Als traditioneller Beginn der deutschen staatlichen Tradition wird oft der 2. Februar 962 angesehen, an dem Otto I. als erster ostfränkischer König in Rom zum Kaiser gekrönt wurde und damit das Heilige Römische Reich begründete. Als Anfang wird aber auch das Jahr 911 genannt, der Regierungsantritt Konrads I. als erster nicht-karolingischer Herrscher in Deutschland. Im 10. Jahrhundert wurde erstmals für das bisherige ostfränkische Reich auch der Terminus regnum teutonicum („Deutsches Reich“) verwandt.
Die fränkischen Teilreiche waren schon zuvor unterschiedliche Wege gegangen: Während sich das ehemalige Westfränkische Reich, dessen fränkische Bewohner sich romanisierten, mit der Zeit zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das ostfränkische Reich durch Territorialfürsten geprägt, die den Kaiser wählten und dadurch ihre Partikularinteressen geltend machen konnten. Obwohl die Kaiser des römisch-deutschen Reiches wiederholt versuchten ihre Position zu stärken, teilte sich das Reich immer weiter in weitgehend souveräne Klein- und Kleinststaaten sowie Reichsstädte. Nach Reformation und Dreißigjährigem Krieg, dem nach Opferzahl relativ zur Gesamtbevölkerung Deutschlands fatalsten Krieg, hatte der Kaiser nur noch eine überwiegend formale Machtstellung.
Der Name des Heiligen Römischen Reiches änderte sich über die Jahrhunderte mehrfach. So wurde es im 12. Jahrhundert noch als „Heiliges Reich“ bezeichnet, ab Mitte des 13. Jahrhunderts als „Heiliges Römisches Reich“ und ab dem 15. Jahrhundert als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation.
Der Weg zum deutschen Nationalstaat (1806–1871)
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
Dieser Zustand währte bis 1806, als Napoléon in seinen Eroberungskriegen Mitteleuropa überrannte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des faktisch nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation), Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, musste die Reichskrone auf Druck des französischen Kaisers ablegen. Unter Napoléon Bonaparte wurde die Anzahl der deutschen Staaten durch Zusammenlegung erheblich verringert und auch viele Reichsstädte verloren ihre Unabhängigkeit (deren Zahl hatte zeitweise über 80 betragen).
Nach der Niederlage Napoleons restaurierte der Wiener Kongress weitgehend die alten Herrschaftsverhältnisse. Deutschland, nun ohne einigendes Band, war teilweise im Deutschen Bund, einer losen Vereinigung von 38 deutschen Staaten unter Führung Österreichs organisiert. Kurz darauf wurde der Deutsche Zollverein geschaffen, in dem das wiedererstarkte Preußen dominierende Macht war.
Schon bald nach der gescheiterten nationalen und liberalen Märzrevolution von 1848/1849 kam es zur Kollision der Preußen mit der Großmacht Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund wie auch in Europa, die zum Deutschen Krieg von 1866 führte. Nachdem Preußen diesen Krieg für sich entschieden hatte, kam es zur Auflösung des Deutschen Bundes, zur Annexion seiner norddeutschen Kriegsgegner durch Preußen und dadurch zu einer weiteren Schrumpfung der Zahl deutscher Staaten.
Deutsches Kaiserreich (1871–1918)
Die anschließende Gründung des Norddeutschen Bundes unter preußischer Führung leitete die so genannte kleindeutsche Lösung ein. Diese zielte entsprechend der Intention Bismarcks auf eine staatliche Einigung unter der Hegemonie Preußens ohne die damalige Großmacht Österreich. Das Deutsche Reich wurde nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Versailles ausgerufen.
Mit der Reichsgründung wurden Gebiete eingegliedert, die noch nie oder nicht mehr zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehört hatten, sondern seit den Polnischen Teilungen Ende des 18. Jh. Teile Preußens außerhalb des Reiches waren. Dazu gehörten West-, Ostpreußen und Danzig, das überwiegend polnischsprachige Gebiet Posen und Schleswig. Frankreich trat (deutsch- und französischsprachige) Teilgebiete der Regionen Lothringen (nördliche und östliche Teile) und Elsass (ohne Belfort) ab, welche als direkt von der Zentrale verwaltetes "Reichsland Elsass-Lothringen" ohne Gliedstaatrechte konstituiert wurden.
Als ideeller Begründer des Deutschen Reiches wurde Otto von Bismarck erster Reichskanzler. Seine antidemokratisch-konservative Grundhaltung verhinderte allerdings die Reichseinigung unter demokratischen Bedingungen und schuf die Voraussetzung dafür, dass in Deutschland Nationalismus und Demokratie einander fremd wurden. Er führte einen wenig erfolgreichen Kampf gegen die Sozialdemokratie, die polnische Minderheit und die katholische Kirche (siehe Kulturkampf). Seine aggressiv-kriegerische Außenpolitik änderte sich ab der Reichsgründung dagegen zu einer Bündnispolitik, die auf die Isolierung Frankreichs abzielte und ein vertraglich geregeltes, aber fragiles Paktsystem in Europa schuf. Gleichwohl blieb die Außenpolitik imperialistisch ausgerichtet: Auf der Berliner Kongo-Konferenz trat Deutschland 1884 mit der Forderung nach einem „Platz an der Sonne“ in den Kreis der Kolonialmächte ein, nachdem schon in den frühen 1880er Jahren deutsche Vereine Territorien in Afrika und Asien erworben hatten. Im Dreikaiserjahr kam Wilhelm II. an die Macht, der wenig später Bismarck zur Kündigung zwang und die Außenpolitik in Richtung Konfrontation änderte. Das Attentat auf den
NorddeutschlandDer Begriff Norddeutschland beschreibt einen Teil Deutschlands, der unterschiedlich definiert werden kann.
Einen Sprach- und Kulturraum mit Identität
Der Begriff Norddeutschland beschreibt ein nicht exakt definiertes Gebiet innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, das sich v.a. auf die Regionen nördlich der Benrather Linie bezieht, in denen historisch Niederdeutsch gesprochen wird. Das Hochdeutsche setzte sich aufgrund der hochdeutschen Schulsprache und des Zuzugs nur Hochdeutsch sprechender Menschen in den meisten Gebieten Norddeutschlands erst nach dem Zweiten Weltkrieg als mehrheitlich gesprochene Umgangssprache durch. Den süddeutschen Bundesländern gegenüber besteht in Norddeutschland - begründet in der gemeinsamen ursprünglichen Sprache, Geschichte (Hanse) und Mentalität - ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl, kulturell besteht ein engerer Zusammenhang mit den anderen Anliegern der Nord- und Ostsee wie beispielsweise den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark, Skandinavien und dem Baltikum (Nordeuropa).
Das geografische Gebiet der Norddeutschen Tiefebene
Der Begriff Norddeutschland beschreibt die Norddeutsche Tiefebene. Dies sind die Geest- und Marschgebiete entlang der Küsten von Nord- und Ostsee, die Grundmoränen, Endmoränen, Sander und Urstromtäler, Bruche und Luche, die ihre jetzige Ausformung durch die Weichsel-Eiszeit erhielten. Dies steht landschaftlich im Gegensatz zu den Mittelgebirgen Deutschlands, die allerdings wie der Harz und der Teutoburger Wald bezeugen, auch noch üblicherweise zu Norddeutschland gerechnet werden.
Norddeutsche Bundesländer
Die norddeutschen Bundesländer sind im allgemeinen Sprachgebrauch:
:Niedersachsen
:Schleswig-Holstein
:Mecklenburg-Vorpommern
:Hamburg
:Bremen
:siehe auch: Nordstaat
Norddeutsche Randgebiete
Auch werden gelegentlich noch die Altmark in Sachsen-Anhalt, das nördliche Brandenburg mit der Prignitz und der Uckermark sowie Westfalen nördlich der Porta Westfalica hinzugerechnet; das übrige Westfalen wird meistens als nördliches Westdeutschland beschrieben.
Nachwirkungen des Nord-Süd-Konfliks im Zuge der Reichseinigung 1871
Der Begriff Norddeutschland beschreibt die Teile des heutigen Deutschlands, die früher (im Deutschen Reich) zu Preußen gehörten sowie die davon umfassten Enklaven. Diese Sichtweise ist v.a. in weiten Teilen der süddeutschen Bevölkerung verbreitet. Daher rührt die weit verbreitete süddeutsche, österreichische und schweizer Sichtweise, die manchmal bereits alle nördlich der Mainlinie gelegenen Teile Deutschlands zu "Norddeutschland" zählt und deren Einwohner oft umgangssprachlich-scherzhaft als "Preußen" bezeichnet (siehe auch Norddeutscher Bund). In Schleswig-Holstein wird gelegentlich die Südgrenze Norddeutschlands bereits an der Elbe bei Hamburg gezogen.
Sichtweisen nach dem 2. Weltkrieg vor dem Hintergrund der Teilung Deutschlands
Häufig ist im Zusammenhang mit der deutschen Nachkriegsgeschichte auch eine Unterteilung in Nordwestdeutschland (einschließlich Westfalens) und Nordostdeutschland.
Siehe auch:
Süddeutschland, Westdeutschland, Mitteldeutschland, Ostdeutschland, Norddeutsche Tiefebene, Norddeutscher Staat
Kategorie: Region in Deutschland
Johann Wolfgang von GoetheJohann Wolfgang von Goethe ( - 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J.W. Goethe; † 22. März 1832 in Weimar; auch Göthe) ist als Dichter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der größte deutsche Dichter und ist eine herausragende Persönlichkeit der Weltliteratur.
Weltliteratur
Leben
Herkunft und Jugend (1749–1765)
Weltliteratur
Goethes Vater, Johann Caspar Goethe ( - 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunächst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schließlich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geräumigen Haus am Großen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemälden.
Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe ( - 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Bürgermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jährigen Rat Goethe geheiratet.
Außer der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister früh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken).
Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten.
Schon früh interessierte er sich für die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunächst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich für das Theater – so besuchte er während der französischen Besetzung 1759 häufig das französische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart.
Am 30. September 1765 verließ er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen.
Studium und Geniezeit (1765–1775)
Leipzig
Leipzig (1765–1768)
Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hörte dort die Poetikvorlesung von Christian Fürchtegott Gellert und nahm an dessen Stilübungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie.
Er verliebte sich in Käthchen Schönkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette).
Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er später Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. – Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurückzukehren.
Frankfurt/Straßburg (1768–1770)
Eine eineinhalbjährige, von manchen Rückfällen unterbrochene Genesungszeit folgte. Während der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Berührung.
Im April 1770 verließ er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Straßburg sein Studium zu beenden.
In Straßburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. „Willkommen und Abschied“, „Sessenheimer Lieder“ und „Heidenröslein“.
Frankfurt und Darmstadt (1771) und dann nach Wetzlar (1772)
Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem Darmstädter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben.
Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Großtante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Bürgermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der unglücklichen Liebe zu Charlotte Buff verließ Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder.
Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Drängen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessführung sammeln. Goethes Vater hatte große Pläne mit seinem einzigen Sohn: Sein Ziel war es, ihn zum Schultheißen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon früh mit Rechtsbüchern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen.
Es war nicht so, dass Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen wäre. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild über die Zustände im Reich machen zu können. Er nahm Veränderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes überschauen, war sich aber der Lückenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begründeten Gesetzen unter Berücksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies lässt sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten.
Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmöglichkeit. Denn zum einen war er gegenüber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerrütteten Verhältnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof »Zum Kronprinzen« traf, nicht, dass diese etwas verbessern könnten. Außerdem behauptet Goethe später, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust.
Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretärs Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal für kurze Zeit nach Wetzlar zurück. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war für Goethe der Auslöser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gesprächen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergründete. Der Roman wird ein großer Erfolg und gilt als literarische Initialzündung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur.
1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruß.
Weimar (1775–1805)
Burg Lahneck
1775–1776 betreibt Goethe einen intensiven Briefwechsel mit Gräfin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt.
1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem „Gartenhaus“ (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen „Garten am Stern“ bezeichnete er später in seinen Tagebüchern als „untern Garten“. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott hätte mich zum Gärtner oder Laboranten gemacht, ich könnte glücklich sein schreibt er in seinem Tagebuch.
Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung.
Charlotte von Stein schrieb Goethe 1780 sein Gedicht „Wanderers Nachtlied“]]
1779 wird er zum Geheimrat befördert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre jüngeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine für politische Reformtätigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich für eine wachsende Zahl von Zuständigkeiten. Politik blieb – auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst – ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte.
In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschäftigen.
Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit Skepsis und übergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Rücktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befördert, am 2. März 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwürfnissen kam.
Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schließlich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklärt. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstört wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu).
Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen „Abaris“, geworben von Johann Christoph Bode.
1777 Erste Reise in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise.
1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schädel.
Reise nach Italien (1786–1788)
Zwischenkieferknochen
Am 3. September 1786 verließ Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretär Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen „Filippo Miller“ aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Nächststehenden Nachricht über seine eigentlichen Entschlüsse und die Absicht, längere Zeit in Italien zu bleiben.
Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das berühmte Gemälde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der römischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der „Hauptstadt der Welt“ als Erfüllung eines Lebenstraumes – als „einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt“. Er lässt sich als Künstler von der Monumentalität der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendländischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den „Römischen Elegien“ (1795) blickt der Begründer der deutschen Klassik wehmütig auf sein Rom-Erlebnis zurück und äußert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoß für die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Größe anknüpft.
1788 bis 1805
Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich später herausstellte, unter schweren Bandscheibenschäden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel.
1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Schillers Tod 1805.
1798 schrieb er die Elegie „Die Metamorphose der Pflanzen“.
Nach 1805
Im Jahr nach Schillers Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789 zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte.
Am Rande des Erfurter Fürstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh.
1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau Christiane. 1817 begann er die „Geschichte seines botanischen Studiums“ „Zeitschrift Zur Naturwissenschaft überhaupt, besonders zur Morphologie“ (bis 1824).
Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter.
Goethe starb am 22. März 1832. Seine berühmten letzten Worte sollen „Mehr Licht!“ gewesen sein.
Er wurde am 26. März in der Fürstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Röhr, Generalsuperintendent in Weimar.
Nachkommen
Johann Wolfgang von Goethe und seine Frau Christiane hatten fünf Kinder. Außer August, dem ältesten, wurden alle tot geboren oder starben früh. August hatte drei Kinder: Walther Wolfgang ( - 1818), Wolfgang Maximilian ( - 1820) und Alma Sedina von Goethe ( - 1827). August starb zwei Jahre früher als Goethe selbst in Rom. Seine Frau Ottilie von Goethe gebar nach seinem Tod ein weiteres (nicht von August stammendes) Kind namens Anna Sybille, welches nach einem Jahr starb. Alma starb 1844 mit 16 Jahren, Wolfgang starb 1883 und Walther 1885. Alle waren unverheiratet, und so starben die direkten Nachkommen von Johann Wolfgang von Goethe 1885 aus. Wolfgang und Walther, der 1859 Freiherr wurde, vermachten den Nachlass der Großherzogin Sophie und dem Staat Sachsen-Weimar-Eisenach.
Friedrich Georg ( - 1657) (weitere 8 jüngere Geschwister)
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Johann Kaspar G.
+ Katharina Elisabeth Textor
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Johann Wolfgang Cornelia weitere früh Gestorbene
+ Christiane Vulpius |
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August vier früh Gestorbene
+ Ottilie von Pogwisch
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Walther Wolfgang Alma
( - ) Cornelia hatte zwei Töchter: Luise Maria Anna (1774–1811) und Julie (1777–1793; nur 16 Jahre). Luise hatte mit Ludwig Nicolovius neun Kinder. Vier davon waren früh gestorben oder kinderlos. Die anderen fünf Kinder hatten zahlreiche Nachkommen, wovon heute noch einige leben.
Einzelaspekte des Lebens
1859
Goethe ist eine faszinierende Persönlichkeit. Grund dafür ist vor allem seine Vielgestaltigkeit: Diese zeigt sich in vielen Aspekten, die sich gegenseitig erhellen. Jeder dieser Aspekte lässt sich oft über Jahrzehnte hindurch verfolgen und bildet gewissermaßen eine eigene Biografie.
Zwei spezielle Aspekte sind seine Beziehungen zu Frauen – und seine Krankheiten. Wobei diese beiden Aspekte einander insofern entgegengesetzt sind, als Frauen häufig die Anfangspunkte einer Entwicklung in Goethes Leben markieren – ein neues Kapitel wird aufgeschlagen -, während die (teilweise schweren) Erkrankungen häufig Endpunkt, Abschluss, aber auch Flucht kennzeichnen.
Lieben, Liebchen und Liebeleien: Goethe und die Frauen
Anna Katharina Schönkopf (auch „Käthchen“ und „Annette“) (1746–1810): Tochter des Zinngießers Christian Gottlieb Schönkopf, bei dessen Familie Goethe während seiner Leipziger Studienzeit den Mittagstisch nahm.
Dort lernt er 1766 das drei Jahre ältere Käthchen kennen und verliebt sich in sie; eine Liebe, die ihn zu | | |