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Adobe (Ziegel)

Adobe (Ziegel)

Adobe ist ein luftgetrockneter Ziegel aus Lehm und Sand, bei dem manchmal als Füllmaterialien Stroh und Tierkot verwendet werden. Als Baumaterial wurde es bereits vor 2000 Jahren von den Einwohnern der Andenregion, in Mexiko und im Südwesten der USA eingesetzt. Sie verwendeten Adobe aber auch als Rohstoff für Tonwaren und für Formen zum Gießen von Schmuckstücken. Heute wird Adobe im Nahen Osten, in Nordafrika und in Spanien zum Häuserbau verwendet. Auch in der Gegend um New Mexico wurde der Baustoff neu entdeckt. New Mexico Bei der Herstellung wird die zähflüssige Masse in eine rechteckige Form gegossen. Sobald die Masse fest ist, wird der Rahmen entfernt und die Ziegel im Schatten an der Luft getrocknet. Eine direkte Sonnenbestrahlung würde Risse durch die schnelle Wasserverdunstung verursachen. Das richtige Mischungsverhältnis zwischen Sand und Lehm ist für die Herstellung wichtig. Bei der Verwendung von zuviel Sand zerfällt der Ziegel und bei zuviel Lehm zerbricht er. Die Adobe-Ziegel sind gegen Feuchtigkeit sehr empfindlich, bieten aber in trockenen heißen Klimagebieten aufgrund der Wärmeisolierung entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Baumaterialien. Der größte Vorteil ist aber die Wärmespeicherung. Während des Tages heizen sich die Ziegel unter Einwirkung der Sonne auf und geben die Wärme nachts an die Umgebung ab. Dadurch bleibt es in einem aus Adobe errichteten Gebäude tagsüber kühl und nachtsüber warm. Adobe-Bauten werden auf der Sonnenseite mit einer dickeren Wand versehen, weil dadurch mehr Energie gespeichert wird. Zur Verstärkung der Wirkung wird in manchen Fällen zusätzlich Glas verwendet, um die Wärmewirkung zu erhöhen. Nach Europa wurde das Geheimnis der Herstellung von Spanien im 16. Jahrhundert aus Peru und Mexiko gebracht. Der Name stammt aus dem spanischen adobar (vergipsen) und ist etwa gleichbedeutend mit dem arabischen beziehungsweise ägyptischen Wort für Ziegel. Der größte bestehende Adobe-Bau ist die Zitadelle der Stadt Bam im Südosten Irans, die durch ein Erdbeben am 26. Dezember 2003 zu 80% zerstört wurde. Kategorie:Ziegel

Ziegel

Der Mauerziegel, auch Backstein oder kurz Ziegel (v. latein. tegula) ist der älteste künstliche Mauerstein. Das Wort taucht in fast allen europäischen Sprachen auf. Der künstliche Stein wird in einer für Region und Einsatzzweck typischen einheitlichen Größe geformt und erlaubt damit eine sehr effiziente Arbeitsweise beim Bauen. Das Ziegelformat wird für besondere Situationen an Ecken, Fensterlaibungen und Dekorationen mit speziellen Formsteinen ergänzt. In Gegenden mit Naturstein wurden oft besondere Details wie Fensterlaibungen und Schmuckelemente in Sandstein ausgeführt, die Mauerflächen dagegen mit Ziegeln, entweder verputzt oder als Sichtmauerwerk. Diese Bauweise ist häufig bei Bauten des Historismus bis etwa 1914 in Deutschland anzutreffen. Für Dekorationszwecke gibt es bereits seit dem Mittelalter farbig glasierte Ziegel. Einteilung hinsichtlich der Herstellung:
- Luftgetrocknete Ziegel (Adoben) werden nicht gebrannt, sondern über eine längere Zeit an der Luft getrocknet. Die Konsequenz ist, dass sie sich bei Aufnahme von Wasser wieder aufweichen können und daher hauptsächlich in niederschlagsarmen, trockenen Regionen verwendet werden. Für gewöhnlich ist der Hauptbestandteil dieser Ziegel Lehm.
- Weichgebrannte Ziegel werden im Brennofen gebacken (siehe Brennen von Tonminerale). Sie sind zwar im Gegensatz zum luftgetrockneten Ziegel dauerhaft verfestigt aber dennoch nicht sonderlich witterungsbeständig, da sie eine hohe Porösität und Wasseraufnahmefähigkeit aufweisen. Sie werden daher entweder beim Bau im Innenbereich verwendet (Hintermauerziegel) oder am fertigen Bauwerk (überlicherweise mit Putz) abgedeckt.
- Hartgebrannte Ziegel werden mit höheren Temperaturen gebrannt, und sind dadurch härter und dichter als weichgebrannte Ziegeln. Sie finden im Außenbereich Verwendung. Zu dieser Sorte gehören die Vormauerziegel, die Klinker (Pflasterklinker) sowie die Dachziegel (Tondachziegel). Klinker sind so stark gebrannt, dass eine glasartige Oberfläche entsteht. Sie nehmen daher kein Wasser auf und sind sehr widerstandsfähig.

Geschichte

Dachziegel Die Verwendung des Ziegels lässt sich in Vorderasien und auf dem indischen Subkontinent bis über fünftausend Jahre zurückverfolgen und gebrannte Lehmsteine nachweisen. In Europa verteilten die römischen Legionen den Ziegelstein, die Feldziegeleien betrieben und damit Vorbild für zivile Bautätigkeit waren. Römische Ziegel haben oft eine Marke, die die Legion kennzeichnet, unter deren Regie der Ziegel hergestellt wurde. Die Verwendung des Ziegels in Süd- und Westdeutschland, also in den Gebieten unter römischen Einfluss lässt sich auf diese Tradition zurückführen, deren Technik bereits vom römischen Baumeister Vitruv beschrieben wurde. In Norddeutschland wurde die Ziegeltechnik im 12. Jahrhundert vermutlich erneut aus Oberitalien eingeführt und entwickelte sich selbständig weiter. Die Blütezeit der Dekoration aus Formziegeln war die Backsteingotik, eine deutsche Sonderform der Gotik, die vor allem im Gebiet der Hanse weit verbreitet war; als Beispiel sei das Rathaus in Stralsund erwähnt. In dem Gebiet der Backsteingotik waren Natursteine Mangelware, so dass man sich mit Ziegeln als vermeintlich minderwertigem Ersatz begnügen musste, eine Einschätzung, die sich sehr lange hielt. In früherer Zeit wurde noch Naturstein über weite Strecken transportiert, der schon in standardisierten Größen angeliefert wurde und damit einen nahtlosen Übergang zum standardisierten Kunststein ermöglichte. In der Renaissance und im Barock war Sichtmauerwerk aus Ziegel wenig beliebt und man überdeckte den Ziegel mit Putz, Stuck oder überschlämmte ihn zumindest. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Bauweise mit sichtbaren Ziegeln wiederbelebt, zum Beispiel beim Bau des holländischen Viertels in Potsdam.

Herstellung

Ziegel werden seit Jahrtausenden auch von Hand geformt, indem Lehm in einen einseitig offenen Kasten gepresst, das überstehende Material abgestrichen und dann die Form gestürzt wird - dies ergibt die Handstrichziegel, die als sichtbares Merkmal typische Quetschfalten aufweisen. Gebrannt werden die Ziegel dann in so genannten Feldbrandöfen oder Meilern. Dieses Verfahren hat sich bis heute in Entwicklungsländern erhalten.

Bilderserie über traditionelle Herstellung von Handstrichziegeln

Die nachfolgende Bilderserie zeigt die Herstellung von Handstrichziegeln bei Dukatole (Maletswai, Südafrika). Ca. 200 Ziegelhersteller leben dort von der Herstellung von Backsteinen. Nach Pressung und Trocknung der Ziegel an der Luft werden die Ziegelformen in einem Meiler aufgeschichtet. Zwischen den Ziegeln wird Kohle (im unten stehenden Bild grau) hinzugefügt. Der Meiler wird abschließen mit Lehm und Ziegeln minderer Qualität abgedeckt. Nach ca. 14 Tagen ist der Brennvorgang abgeschlossen. Anschließend werden die fertig gebrannten Ziegel nach der Qualität sortiert.

Industrielle Fertigung

Mit der Industrialisierung wurde auch bald die Herstellung mechanisiert. Erst die industrielle Fertigung von Ziegeln mittels Strangpressen, die den Ziegeln eine sehr glatte Oberfläche geben, ermöglichte es, die gewaltigen Bauleistungen der Industrialisierung mit den Fabrikhallen, Arbeitersiedlungen, Mietskasernen und repräsentativen Bürgerhäusern zu meistern. Für eine typische Berliner Mietskaserne benötigte man über eine Million Ziegel, der Bau des Anhalter Bahnhofs in Berlin bestand aus 16 Millionen Ziegel. Kalksandziegel (oder auch Sandsteinziegel) sind seit 1855 bekannt, wurden aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit Hilfe von patentierten Herstellungsverfahren in großen Mengen hergestellt. Sie wurden aus scharfkantigem kieselsäurehaltigem Sand gefertigt, der möglichst frei von erdigen Bestandteilen, wie Lehm und Humus sein sollte. Als Kalk kam Fettkalk (Weißkalk), Magerkalk (Graukalk) oder auch hydraulischer Kalk (Schwarzkalk) in Betracht. Das Mischungsverhältnis von Kalk zu Sand betrug etwa 1:6.

Formate

Der traditionelle kleinformatige Backstein ist ein länglicher Quader, dessen größte Kantenlänge (Länge) etwas mehr als dem doppelten Maß der mittleren Kantenlänge (Breite) entspricht. Die Differenz entspricht der Breite der vertikalen Fuge, der so genannten Stoßfuge. Unter Berücksichtigung der Fuge entspricht damit ein längs eingemauerter Ziegel, der so genannte Läufer genau zwei quer eingemauerten so genannten Binder. Die beim Binder sichtbare schmale Seite bezeichnet man auch als Kopf, die horizontale Fuge heißt Lagerfuge. Da die Industrialisierung den weiten Transport von Baumaterialien ermöglichte und die Lieferanten damit austauschbar wurden, führte man 1872 in Deutschland per Gesetz das so genannte alte Reichsformat für Ziegel ein, mit den Abmessungen 25 x 12 x 6,5 cm. Damit konnte man ein Gebäude aus Mauer-Ziegeln verschiedener Herkunft bauen und die Anwendung des neuen Formats wurde bei staatlichen Bauten gefordert. Dieses Ziegelformat wurde 1869 von dem Berliner Baumeister Lämmerhirth vorgeschlagen, wobei ein m³ Mauerwerk inklusive 1cm Fuge und üblichen Verlusten an den Ecken aus 400 Steinen bestand. Eine Anpassung an das Metrische System war noch nicht gegeben. Das (neue) Reichsformat mit 24 x 11,5 x 6,3 cm und das etwas dickere Normalformat nahm Bezug auf das metrische System, denn mit dieser Ziegelgrundfläche und 1 cm Mörtelfuge waren die Bauten in 1/8 Meter-Einheiten gerastert - oktametrisches System. Durch die fehlende beziehungsweise zusätzliche Mörtelfuge bei Innen- und Außenmaßen ergibt sich immer eine Differenz um +/- 1cm von 1/8 Meter. Auf dieses Raster wurden später die anderen Gewerke des Hauses, wie zum Beispiel Fenster und Türen abgestimmt und in den Maßen genormt. In anderen Ländern oder bestimmten Regionen waren andere Formate gebräuchlich. Es gab folgende gebräuchliche Formate (Auswahl):
- 25 x 12 x 6,5 cm altes Reichsformat
- 25 x 12 x 6,5 cm Normalformat in Österreich
- 24 x 11,5 x 6,3 cm Reichsformat (RF) in Deutschland
- 24 x 11,5 x 7,1 cm Normalformat (NF) in Deutschland
- 24 x 11,5 x 5,2 cm Dünnformat (DF)
- 29 x 14 x 6,5 cm Standardformat in der Donaumonarchie
- 28 x 13,5 cm Klosterformat
- 21 x 10 x 6,5 cm englisches Format Die Rohdichte beträgt etwa 1,4 bis 2,0 kg/dm³. Geregelt werden die genauen Formate und die Rohdichten für Deutschland in der DIN 105.

Verband

Für gebräuchliche Mauerstärken, abgesehen vom Fachwerk und Trennwänden innerhalb von Wohnungen, war das Ziegelformat in seiner Breite viel zu schmal, so dass Ziegel immer im Verband gemauert wurden. Die Mauerstärken bemaßen sich in ganzen Steinen, gerechnet in Ziegellänge. 1-Stein-Mauerwerk ist zum Beispiel im (neuen) Reichsformat 24cm dick. Für mehrgeschossige Stadthäuser der Gründerzeit war 2,5 bis 3-Stein-Mauerwerk (61,5 bis 74 cm) in Keller und Erdgeschoss üblich, das sich alle ein bis zwei Geschosse um einen halben Stein verjüngte. Gelegentlich wurde der Ziegel auch hochkant vermauert, zum Beispiel bei sehr dünnen nichttragenden Trennwänden. In Griechenland ist diese sehr sparsame Bauweise noch gebräuchlich. Je nach sichtbarer Abfolge von Läufer und Binder an der Außenseite gibt es verschiedene Arten des Verbandes:
- Gotischer Verband (Klosterverband)
- Wendischer Verband (Wechselverband)
- Märkischer Verband
- Holländischer Verband
- Binderverband
- Läuferverband
- Blockverband
- Kreuzverband
- Sparverband
- Kaminverband
- Stromverband (Burgenverband) Das Ziegelmauerwerk des Mittelalters und der frühen Neuzeit war inhomogen und bestand aus zwei vorab gemauerten Schalen und dem Kern, der dazwischen eingebracht wurde. Dieser bestehend aus (z.T. minderwertigen) Ziegel, Ziegelbruch und teilweise auch Findlingen. Die Schalen sind meist im Gotischen Verband gemauert und nur durch wenige Binder mit dem Kern verbunden. Bei alten Bauwerken kann sich daher die Schale vom Kern lösen. Der Grund für diese Bauweise war der unausgereifte Brennvorgang, der wenige gute und viele schlecht gebrannte Ziegel lieferte. Die guten Qualitäten mussten daher an der Außenseite konzentriert werden. Die Ecken wurden im mittelalterlichem Mauerwerk immer aus ganzen (unbehauenen) Steinen gefügt, der Ausgleich zur üblichen Überdeckung um 1/4 Steinlänge erfolgte innerhalb des Verbandes. Erste Anwendungen des Blockverbandes kann man ab dem 16. Jahrhundert nachweisen, der aus abwechselnden Lagen von Bindern und Läufern besteht. Damit entstand ein homogenes Mauerwerk, das durch die gesamte Dicke durchgebunden war. Beim davon abgeleiteten Kreuzverband sind die Läufer zusätzlich versetzt, so dass sich die Schichtenfolge erst nach 4 Lagen wiederholt. Bei gezielter Verwendung unterschiedlich farbiger Ziegel ergibt sich dabei ein Kreuzmuster. An den Ecken werden 3/4-Steine vermauert.

Ziegel heute

16. Jahrhundert Der traditionelle kleinformatige Ziegel hat heute als Tragendes Mauerwerk im Neubau nur noch geringe Bedeutung. Die Ziegel wurden durchlöchert und immer größer, dies nennt man Lochziegel. Die Löcher machten einerseits den Ziegel leichter und damit auch größere Formate handhabbar, andererseits dient die eingemauerte Luft zur Wärmedämmung, genauer zur Reduzierung der Wärmeverluste durch Wärmeleitung im Material. Um diese Eigenschaften noch zu verbessern, wird das Ziegelmaterial inzwischen selbst porosiert, indem die Rohmasse mit brennbaren Stoffen wie Sägemehl oder Kunststoffkügelchen vermengt wird. Diese Stoffe verbrennen beim Brennvorgang und hinterlassen Poren. Die Aufschäumung mit Treibmitteln ist weniger gebräuchlich. Diese Produkte tragen den Namen Schaumton. Bei den Großformaten gelten immer noch die alten Standardmaße, die modernen Steine sind immer Vielfache des Normal- oder Dünnformats. Als Verblendmauerwerk sind Ziegel vor allem in Norddeutschland immer noch sehr beliebt. Die Baustoffindustrie hat eine breite Palette von Formaten, Tönungen und Oberflächenstrukturen entwickelt, um auf die modischen Wünsche der Bauherren eingehen zu können. Das Spektrum reicht von weiß glasierten bis zu anthrazit durchgefärbten Steinen. Im Gegensatz zu historischen Ziegeln, die durch Verunreinigungen im Ton in der Fläche ein lebendiges Bild ergaben, wirken moderne Wandflächen aus Ziegeln oft steril. Man versucht dies durch farbliches Changieren zu kompensieren. Alte Backsteine werden inzwischen aus Abbrüchen geborgen und wiederverwendet bei Renovierungen und Neubauten in alter Tradition. Dieses Recycling hat eine sehr lange Tradition und konnte bereits bei Bauten im Zweistromland oder bei römischen Ziegeln beobachtet werden, die in mittelalterlichen Bauwerken zu finden sind.

Trivia

Feierabendziegel sind spezielle Ziegel, die mit Datumsangaben, Texten, Sprüchen oder Ornamenten verziert wurden. In Zeiten der manuellen Produktion wurde der noch weiche Ton/Lehm damit verziert, dies passierte häufig nach getaner Arbeit - zum Feierabend.

Siehe auch


- Wienerberger AG
- Ziegelböhm
- Klinker, der durch höhere Brenntemperaturen Wasserabweisend wird und vor allem in Norddeutschland ein wesentliches Element in der Fassadengestaltung darstellt.

Weblink


- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/bild/werk/meyers/band/15/seite/0279/meyers_b15_s0279.html Steinverband] - Steinverband in Meyers-Konversationslexikon von 1889, Band 15 Seite 279. ja:煉瓦

Lehm

Lehm entsteht durch Verwitterung aus Fest- oder Lockergesteinen (Löß) und ist einer der ältesten Baustoffe der Welt. Man unterscheidet je nach Entstehung Berglehm, Gehängelehm, Geschiebelehm (Gletscher), Lößlehm (Löß) und Auenlehm (aus Flussablagerungen). Lehm ist definiert als eine Mischung aus Sand (Partikel > 63µm), Schluff (Partikel > 2µm) und Ton (Partikel < 2µm). Die Mischungsverhältnisse können innerhalb definierter Grenzen schwanken. Lehm kann bei wenig fortgeschrittener Verwitterung auch Kalk enthalten. Tonreiche Lehme nennt man fett, tonarme mager. Lehm ist nicht so plastisch wie Ton und auch nicht so wasserundurchlässig, da im Ton der Anteil kleinerer Partikel (Tonminerale) wesentlich größer ist. In feuchtem Zustand ist Lehm formbar, in trockenem Zustand fest. Bei Wasserzugabe quillt Lehm, beim Trocknen schwindet bzw. schrumpft er, was im Lehmbau besonders zu beachten ist.

Als Baumaterial

Lehmbautechniken sind seit mehr als 9000 Jahren bekannt und noch heute lebt etwa ein Drittel der Erdbevölkerung in Lehmhäusern (Minke 1994). In den meisten Gebäuden die hierzulande vor 1950 errichtet wurden findet sich Lehm zumindest in Innenwänden und teilweise in den Geschoßdecken. In den meisten Fachwerkhäusern ist Lehm in Form von Ziegeln vermauert oder als Gefach mit gehäckseltem Stroh o.a. vermischt, und dann auf ein Weidengeflecht oder Holztstaken aufgebracht. Daneben existiert auch die Stampflehm-Bauweise (eine erdfeuchte Lehmmischung wird in einer Schalung verdichtet), in der 1999 die Kapelle der Versöhnung in Berlin erbaut wurde. 1971 wurde die DIN 18951 vom Januar 1951, die bereits seit 1944 als „Lehmbauordnung“ in Kraft war, ersatzlos zurückgezogen (Minke 1994). Anfang der 80 Jahre wird Lehm als umweltfreundlicher und gesunder Baustoff langsam wiederentdeckt (Kolb 1984). Heute kann man von einer Renaissance des Lehmbaus sprechen. Oft könnte der Lehm direkt an der Baustelle aus dem Boden gewonnen werden. In den meisten Dörfern finden sich noch alte Lehmkuhlen aus denen früher der Lehm abgebaut wurde. Firmen, die auf wirtschaftliches Arbeiten angewiesen sind, greifen auf heute erhältliche Fertigprodukte zurück. Der Lehm wird hier trocken und fein gemahlen in Säcken geliefert und kann mit einem Freifallmischer wie Zement verarbeitet werden. Gegenüber Zement hat Lehm einige sehr positive Eigenschaften die ihn für ökologisches Bauen interessant machen (Lenze 2004, Minke 1994):
- Lehm ist schadstofffrei und hautfreundlich
- Zur Aufbereitung und Verarbeitung wird sehr wenig Primärenergie benötigt
- Lehm wirkt Luftfeuchte regulierend und ist diffusionsfähig
- trockener Lehm wirkt antibakteriell und abweisend gegen Schädlinge
- Lehm konserviert Holz
- Lehm ist vollständig recycelbar
- Lehm speichert Wärme
- Lehm bindet Schadstoffe So schafft Lehm ein für den Menschen angenehmes und gesundes Raumklima. Im Sommer wenn es draußen sehr heiß ist sind die Räume in einem Lehmhaus angenehm kühl. Im Winter wirkt der Lehm Luftfeuchte regulierend und schützt vor zu trockener Raumluft. Gerne wird Lehm zum Erbauen von Öfen verwendet, da Lehm wie die meisten schweren Baustoffe gute Wärmespeichereigenschaften besitzt. Da Lehm nur physikalisch (und nicht chemisch, wie andere Baustoffe) abbindet, kann er auch bei erhitzten Bauteilen eingesetzt werden. Dies ermöglicht beispielsweise Boden- und Wandheizungen mit hoher Vorlauftemperatur, bei denen die Heizrohre unter Arbeitstemperatur verputzt werden müssen. Aber auch im Tierreich bauen beispielsweise Lehmwespen ihre Nester vorwiegend mit oder im Lehm.

Siehe auch


- Lehmbau
- Lehmwespen
- Adobe
- Portal:Architektur und Bauwesen

Literatur


- Prof. Dr.-Ing. Gernot Minke: Lehmbau Handbuch., ökobuch Verlag, 1. Aufl. 1994, ISBN 3-922964-56-7
- Dipl.-Ing. Wolfgang Lenze: Fachwerkhäuser, restaurieren – sanieren - modernisieren, Frauenhofer IRB Verlag, 3. Aufl. 2004, ISBN 3-8167-6431-2
- Bernhard Kolb: Beispiele Biohaus, Blok Verlag, 2. Aufl. 1984, ISBN 3-924466-01-7

Weblinks


- [http://www.kapelle-versoehnung.de/bin/deutsch/index.php Dokumentation zum Lehmbau bei der 'Kapelle der Versöhnung']
- [http://www.lehmbau-online.de Grundlagenwissen Lehm und Mailingliste] Kategorie:Bodenkunde Kategorie:Baustoff Kategorie:Bergbau

Sand

] National Monument in Neu-Mexiko (USA) auf]] Sand ist ein natürlich vorkommendes Sediment mit einer Korngröße von 0,063 - 2 mm, das aus zerkleinertem Gestein besteht.

Geologie des Sandes

Sand kann von Wind und Wasserbewegung zu Sandstränden, Dünen u.ä. aufgehäuft werden. In diesem Fall spricht man von einem Lockersediment oder, im geologischen Sinn, von einem Lockergestein. Ist das Material über längere Zeit erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur ausgesetzt, verdichtet es sich im Laufe der Diagenese zu einem Sandstein. In der Bodenkunde ist der Sandboden die grobkörnigste der vier Hauptbodenarten. Die mineralische Zusammensetzung von Sand kann je nach Ort sehr stark variieren. Zum Beispiel besteht der feine, weiße Sand am Strand von Koralleninseln aus zermahlenen Korallenskeletten, und damit überwiegend aus Kalziumkarbonat (CaCO3). Der Großteil der Sandvorkommen besteht allerdings aus Quarz (Siliziumdioxid SiO2), denn er ist nicht nur häufig, sondern auch mit einer Härte von 7 auf der 10-stufigen Mohs'schen Härteskala besonders verwitterungsbeständig. Bekannt ist auch der grüne Sand von den Stränden Hawaiis der seine Farbe durch das vulkanogene Olivin erhält. Feinkörnig verwitterter Basalt sorgt für schwarze Strände.
Durch Wind bewegter Sand und andere feinkörnige Sedimente können nach dem Prinzip des Sandstrahlgebläses an Gesteinsformationen Korrasion (Windschliff, Winderosion) bewirken und charakteristische, mitunter bizarre Erosionsformen, beispielsweise Windkanter, herausbilden.

Einteilung nach Korngröße

Windkanter Nach der im deutschsprachigen Raum bevorzugten Einteilung nach DIN 4022 (1955) werden folgende Korngrößenbereiche unterschieden: Kornklasseneinteilung auf Grundlage des Äquivalentdurchmessers In der Praxis findet man jedoch auch geringfügig andere Klassengrenzen. Grobschluff und Sand werden der Einteilung nach von Engelhardt (1953) folgend als Psammite bezeichnet.

Sand als Lebensraum

Psammit Sandlandschaften sind nicht gleichbedeutend mit toten und kahlen Landschaften, wie z.B. die "klassische" Wüste. Sandlandschaften bieten vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Siehe dazu Sandachse Franken. Am Boden von Gewässern besiedeln Kleinstlebewesen das Sandlückensystem.

Verwendung

Weiterhin ist Sand für folgende Bereiche von wirtschaftlicher Bedeutung:
- Als Grundstoff für die Glasherstellung
- Als Fugenfüller bei Pflastersteinen und Gehwegplatten
- Als Gestaltungselement in der Landschaftsplanung, Gartenbau, Sportbereich und Kinderspielplätze (Sandkasten)
- Als Schleif-, Scheuer- und Poliermittel
- Sand ist ein wesentlicher Zuschlagsstoff bei Baustoffen wie Beton und Kalkmörtel
- Quarzreicher Sand ist ein Rohstoff für die Zementherstellung
- Siliziumreicher Sand dient als Grundstoff für die Herstellung von Halbleitern
- Da Sand ein verhältnismäßig großes Porenvolumen hat, haben unterirdische Sand- und Sandsteinvorkommen Bedeutung als Speichermedium für Trinkwasser, Erdöl und Erdgas
- In der Entwässerungstechnik ist Sand bedeutend als Filtermaterial in der Abwasserreinigung, zum Beispiel bei Retentionsbodenfiltern
- Für den Fremdenverkehr ist Sand eine besondere Attraktion, wenn es oberflächliche Sandvorkommen in Form von Sandstränden und Dünen an der Küste gibt
- Stuck ist eine sandhaltige, gut formbare Masse, die als Werkstoff für die Innen- und Fassadenverzierung von Gebäuden verwendet wird
- Quarzsand wird als Strahlmittel beim Kugelstrahlen (Sandstrahlen) verwendet. Als Ersatzmittel wird feinkörniger Korund eingesetzt, da der Silikatstaub eine Silikose (Staublunge) hervorrufen kann
- gewisse Sandarten können als Baustoff für Sandskulpturen dienen

"Sand" als Metapher

Auffällig viele Redensarten benutzen den "Sand" als Metapher:
- Jemandem Sand in die Augen streuen für "ihn verblenden"
- etwas in den Sand setzen für ein "Missgeschick"
- Sand im Getriebe für "Störung"
- Wie Sand am Meer für "sehr große Anzahl" (Keine echte Metapher, eher ein Vergleich)
- Kopf in den Sand stecken für "eine Gefahr nicht sehen wollen"

Siehe auch

Sandrose, Sandbank, Sander, Treibsand, Sandsturm, Sandburg, Sanduhr, Sandsack, Sandfang, Haftreibung, Reibungswinkel, Sandmann Kategorie:Bodenkunde Kategorie:Geologie Kategorie:Petrologie ja:砂 ko:모래

Anden

] Die Anden sind die längste Gebirgskette der Erde. Sie erstrecken sich entlang der Westküste Südamerikas von Venezuela über Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien und Chile (siehe: Andenländer). Sie bestehen aus zwei, in manchen Abschnitten auch mehreren parallel verlaufenden Hauptketten. Im mittleren Abschnitt in Peru, Bolivien, Nordchile und Nordargentinien liegen diese Ketten sehr weit auseinander und umschließen das zentrale Hochland (Altiplano), worin auch der Titicaca-See eingebettet ist. Das Zentrum des Inka-Reiches, Cuzco, befand sich nördlich von dieser Hochebene. Die Anden erstrecken sich mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 7.500 km von den Tropen (ca. 10° Nord) bis weit in die Außertropen (ca. 55° Süd). Im Süden und in Ecuador sind sie bis 200 km breit; zwischen Arica (Chile) und Santa Cruz de la Sierra (Bolivien) weisen sie dagegen eine Ost-West-Ausdehnung von über 600 km auf.

Berge

Der höchste Berg der Anden ist der 6.962 m hohe Aconcagua. Er liegt in Argentinien an der Grenze zu Chile. weitere bekannte Gipfel der Anden
- Huascarán, 6.768 m (Peru)
- Alpamayo, 5.947 m (Peru)
- Nevado Yerupajá, 6.634 m (Peru)
- Nevado Illimani, 6.483 m (Bolivien)
- Cerro Torre, 3.133 m (Argentinien)

Vulkane

Die Anden und die mittelamerikanischen Kordilleren sind als Teil des zirkumpazifischen Gebirgssystems ein Raum stärkster seismischer und vulkanischer Aktivität. Die höchsten Vulkane der Erde befinden sich hier: Der 6882 m hohe Monte Pissis (Argentinien) und der 6887 m hohe Ojos del Salado (Chile). Postvulkanische Erscheinungen, wie Solfataren, Geysire und Fumarolen sind weit verbreitet. bekannte aktive Vulkane der Anden
- Cotopaxi, 5897 m (Ecuador)
- Tungurahua, 5010 m (Ecuador)
- Pichincha, 4784 m (Ecuador) weitere Vulkane der Anden
- Llullaillaco, 6.723 m (Argentinien/Chile)
- Nevado Coropuna, 6.426 m (Peru)
- Ubinas, 6.572 m (Chile)
- Chimborazo, 6.310 m (Ecuador)
- Uturunco, 6.010 m (Bolivien)
- Licancabur, 5.921 m (Bolivien)
- Misti, 5.852 m (Peru)

Entstehung der Anden

Das Alter der Anden wird auf ca 60 Mio Jahre geschätzt.

Die Platten

Im Rahmen der Plattentektonik stellen die Anden das Standardbeispiel einer Ozean/Kontinent-Konvergenz dar. Die Nazca-Platte traf vor ca 150 Mio Jahren auf die Südamerikanische Platte. An der Subduktionslinie entstanden zwei Tiefseegräben: der Perugraben (6262 m) und der Atacamagraben (8066 m). Eine Anzahl grundlegender geodynamischer Prozesse spielen sich in der Anden-Gebirgsbildung ab: Konvergenzbewegungen bis zu 10 cm pro Jahr, vertikale Hebung bis mehr als 1 mm pro Jahr und extreme Dicke (60 – 70 km) der Kruste. Die Orogenese (Gebirgsbildung) begann im Tertiär, doch erst im Pleistozän erfolgte die Heraushebung der Anden bis hin zur Mächtigkeit eines Hochgebirges. Das Gebirge ist im Bereich des Altiplano deshalb so breit, weil mangelnde Erosion dazu geführt hat, dass sich das Anden-Orogen stabilisierte. Heute pflanzen sich Kompression und Krustenverdickung immer weiter nach Osten fort.

Rohstoffe

Die Anden beherbergen einige der ehemals weltgrößten Silberminen (Cerro de Pasco, Potosí) und die weltgrößte Kupfermine (Calama). Große Lagerstätten von Schwefel und Salpeter können in Bolivien und Nord-Chile abgebaut werden, was gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu Gebietsstreitigkeiten beider Länder führte (Salpeterkrieg). Daneben gibt es viele andere Minerale und Edelmetalle, deren Abbau besonders für die ärmeren zentralandinen Länder von großer ökonomischer Bedeutung ist.

Kultur

siehe auch: andine Musik

Lebensräume

Die Höhenstufen

andine Musik Die Meterangaben beziehen sich auf den tropischen Teil der Anden. Die niedrigste Stufe ist die Tierra Caliente (= "heißes Land"). Hier herrscht tropischer Regenwald vor. Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten ist dieser Teil der Anden nur dünn besiedelt. Typische landwirtschaftliche Produkte sind Kakao, Bananen und Zuckerrohr. Im Bereich von 1000 m bis 2000 m über dem Meeresspiegel liegt die Tierra Templada (= "gemäßigtes Land") die von tropischem Bergwald geprägt ist. Hier können Kaffee, Tabak und Mais geerntet werden. Der Hauptsiedlungsraum der Anden liegt in der Tierra Fria (= "kühles Land") auf 2000 m bis 3500 m Höhe. Neben dem Anbau von Weizen, Kartoffeln und Gerste können hier auch Rinder gehalten werden. Die natürliche Vegetationsform ist der tropische Höhen- und Nebelwald. Die Baumgrenze kennzeichnet den Übergang zur Tierra Helada (= "kaltes Land"). Dieses Gebiet wird als Weideland für Schafe und Lamas genutzt. Die Schneegrenze liegt auf ca. 5000 m und bildet den Beginn der Tierra Nevada (= "Schnee- und Eisregion")

Fauna

andine Musik In den Hochebenen der Anden sind vier kamelartige Tiere beheimatet. Seit Jahrtausenden hält die Bevölkerung Lamas und Alpakas als Haustiere, denn ihre Genügsamkeit, Ausdauer und Einsetzbarkeit in Höhen über 4000 m Höhe machten sie schon zur Zeit der Inkas zu wichtigen Nutztieren. Sie wurden aus den wilden Stammformen der Guanakos und Vicuñas gezüchtet, die ausschließlich in freier Wildbahn leben. Guanakos leben in kleinen Herden bis zu 25 Tieren. Das Vicuña ist das kleinste der Andenkamele (Schulterhöhe: 80 cm). Aufgrund seines feinen Fells wurde das Vicuña fast ausgerottet und nur strengen Schutzbestimmungen ist es zu verdanken, dass es nun wieder häufiger in den Hochanden zu sehen ist. Imposant, aber sehr selten zu sehen, ist der Andenkondor, der mit einer Spannweite von bis zu 3,20 Meter der größte Raubvogel der Welt ist. In den antiken Kulturen wurde der Kondor als heiliges Tier verehrt. Ein anderer Rekordhater ist das mehr als einen Meter lange Riesengürteltier. Damit ist es der größte Vertreter seiner Gattung. Sein Panzer aus Knochenplatten ist so hart und stabil, dass es kaum einem Raubtier gelingt, ihn zu knacken. Außerdem leben in den Anden Pudus und Bergtapire.

siehe auch


- physische Geographie Südamerikas

Weblinks


- [http://www.klett-verlag.de/klett-perthes/sixcms/klett-perthes/terra-extra/sixcms/detail.php?id=16431 Entstehung der Anden, Klett Verlag] Kategorie:Gebirge Kategorie:Südamerika Kategorie:Geographie (Argentinien) Kategorie:Geographie (Chile) Kategorie:Geographie (Bolivien) Kategorie:Geographie (Peru) Kategorie:Geographie (Ecuador) ja:アンデス山脈 ko:안데스 산맥

USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl.: United States of America, kurz: USA) sind eine Bundesrepublik in Nordamerika. Sie grenzen im Norden an Kanada und (über die 100 km breite Beringstraße mit dem Bundesstaat Alaska) an Russland, im Süden an Mexiko, im Osten an den Atlantik und im Westen an den Pazifik. Die Vereinigten Staaten entstanden 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien in Amerika und gewannen durch starke Industrialisierung und massive Immigration aus Europa im 19. Jahrhundert rasch an Einfluss. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren sie nach der Überwindung des totalitären Faschismus (im 2. Weltkrieg) und Kommunismus (im Kalten Krieg), zu der sie wesentlich beitrugen, die einzige verbliebene Supermacht. Seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts sind die USA weltweit die weltpolitisch, wissenschaftlich, wirtschaftlich, (populär)kulturell und militärisch führende Macht. In all diesen Gebieten prägen sie die Gegenwart in einem Maße wie kein anderes Land der Welt.

Geographie

Hauptartikel: Geographie der USA Das Kernland der USA besteht aus 48 Bundesstaaten und dem District of Columbia (D.C.), die innerhalb einer gemeinsamen Grenze liegen. Inklusive der beiden Bundesstaaten Alaska und Hawaii, die außerhalb dieses Kernlandes liegen, zählen die USA 50 Bundesstaaten. Das Landschaftsbild ist sehr vielfältig: es gibt Waldgebiete und Mittelgebirge an der Ostküste, Mangrovenwälder im subtropischen Florida, die Flusssysteme von Mississippi und Missouri, weite Ebenen im Zentrum des Landes, große Gebirgszüge wie die Rocky Mountains, trockene Wüsten im Südwesten, gemäßigte Regenwälder im Nordwesten und Küstengebirge an der Westküste der USA. Hinzu kommen die arktische Region der Tundra in Alaska und die tropischen Inseln von Hawaii mit dem 4.170 Meter hohen Vulkan Mauna Loa. Das Kernland der USA liegt zwischen dem 24. und 49. nördlichen Breitengrad und zwischen dem 68. und 125. westlichen Längengrad und ist in vier Zeitzonen eingeteilt. Alaska und Hawaii sowie die politisch an die USA angeschlossenen Außengebiete (beispielsweise Puerto Rico und Guam) liegen außerhalb dieser Zone. Im Norden grenzt das Kernland an Kanada, im Süden an Mexiko und an den Golf von Mexiko. Im Osten liegt der Atlantische Ozean und im Westen der Pazifische Ozean. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 2.500 km. Zwischen Atlantik und Pazifik liegen rund 4.500 km. Hawaii ist eine Inselkette im Pazifischen Ozean. Alaska liegt nordwestlich von Kanada und ist durch die Beringstraße von Russland getrennt.
- Grenze zu Kanada: 8.895 km (davon 2.477 km zwischen Alaska und Kanada)
- Grenze zu Mexiko: 3.326 km
- Küstenlinie: 19.924 km

Fläche

Die Vereinigten Staaten sind der flächenmäßig drittgrößte Staat der Erde nach Rußland und Kanada.
- Fläche der 50 Bundesstaaten (inkl. District of Columbia): 9.629.891 km²
- Landmasse: 9.158.453 km²
- Wasserfläche: 47.356 km² Siehe auch: Liste der US-amerikanischen Staaten nach Fläche sortiert

Bevölkerung

Bevölkerungsgruppen

Die USA gelten traditionell als Schmelztiegel (melting pot) der Völker. Die ersten kolonialen Einwanderer auf dem von Indianern besiedelten Kontinent waren Europäer; anfänglich vorrangig spanischer, französischer und englischer Herkunft. Ab Mitte des 18. und verstärkt zur Mitte des 19. Jahrhunderts folgten Europäer deutscher und irischer Herkunft. Später kamen Einwanderer aus anderen Regionen Europas, vor allem aus Italien, Skandinavien und Osteuropa. Die europäischstämmigen US-Amerikaner bilden heute 74 % der Bevölkerung der USA. deutscher Afro-Amerikaner, Nachfahren der afrikanischen Sklaven, stellen etwas mehr als 13 % Bevölkerungsanteil. Sie leben vor allem im Süden der USA und in den großen Industriestädten des Nordens, wie z. B. Detroit. Asiatische Einwanderer, z. B. aus China, Japan, Korea, Indien und den Philippinen bilden noch eine relativ kleine Gruppe (ca. 4 %). Die Einwanderungspolitik war Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber Asiaten besonders restriktiv. Heute zeigen sich weiterhin sozialstrukturell große Unterschiede zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung: Schwarze haben im Durchschnitt ein geringeres Einkommen, eine kürzere Lebenserwartung, eine schlechtere Ausbildung und eine höhere Kriminalitätsrate. Die Ursachen dafür und mögliche Wege der Problembehebung sind innerhalb der USA heftig umstritten. Nicht nur in den Südstaaten sind Wohngegenden und nicht-öffentliche Einrichtungen - wie die sozial wichtigen Kirchen oder private Organisationen - oft faktisch noch nach Rassen getrennt, wenn auch die formale Trennung inzwischen ungesetzlich und verpönt ist. Vielfach liegt dies ebenfalls an den ökonomischen Unterschieden. Vor allem im Südwesten der USA und in Florida gibt es einen hohen Bevölkerungsanteil lateinamerikanischer (hispanischer) Herkunft. Sie werden in den Statistiken separat geführt, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Ihr Anteil wuchs in den letzten Jahrzehnten stetig (bis 2004 auf knapp 13 %), da viele Lateinamerikaner vor der wirtschaftlichen Not ihrer Heimatländer in den Norden fliehen. Sie leben oft als illegale Einwanderer und halten stark an ihrer Kultur und Sprache fest. Die Indianer ("Native Americans") (siehe auch Indianer Nordamerikas) bilden heute eine kleine, jedoch langsam wieder wachsende Minderheit; nur in Alaska erreichen sie eine zweistellige Prozentzahl der Bevölkerung. Ebenfalls relativ viele Indianer leben in South Dakota und Oklahoma.

Sprachen

Die am meisten gesprochene Sprache in den USA ist historisch bedingt amerikanisches Englisch. Daneben werden aber auch noch vereinzelt die vielen Sprachen der amerikanischen Ureinwohner und zunehmend die Sprachen anderer immigrierter Ethnien gesprochen, insbesondere Spanisch, aber auch Koreanisch, Chinesisch und Vietnamesisch. Französisch, Polnisch und Deutsch, die aufgrund früherer Migrationswellen in bestimmten Regionen einst eine wichtige Rolle spielten, werden heute fast nur noch als Fremdsprache gesprochen. Die USA als Ganzes haben keine Amtssprache, jedoch werden alle amtlichen Schriftstücke auf Englisch verfasst. In einigen Bundesstaaten ist Englisch Amtssprache, einzelne Staaten und Territorien definieren sich jedoch als zwei- oder dreisprachig. Siehe auch:

- Gesellschaft der USA
- Deutsche Sprache in den USA
- Deutsche in den USA
- Das amerikanische Spanisch der USA
- Französisch in Louisiana
- Französisch in Neuengland
- Liste US-amerikanischer Persönlichkeiten

Religion

Im Jahr 2004 bezeichneten sich 54 % der Bevölkerung als protestantisch, 25 % als römisch-katholisch, 10 % gaben keine religiöse Überzeugung an (aber nur 0,3 bis 0,5 % waren explizit Atheisten oder Agnostiker), 3 % waren Mitglied einer orthodoxen Kirche, 2 % waren Mormonen, 2 bis 3 % Juden und weniger als 2 % moslemisch. Kleinere Gruppen, je 0,3 bis 0,5 %, bezeichneten sich als Buddhist, Hindu oder hingen dem Unitarismus an. Die größte einzelne Konfession war die Römisch-Katholische Kirche, gefolgt von der Southern Baptist Convention, der United Methodist Church und den Mormonen. Die Zahl der praktizierenden Christen ist im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern sehr hoch. Allerdings hat auch hier der Bevölkerungsanteil, der sich zum Christentum bekennt in den Jahren von 1990 (86,2 %) bis 2004 (81 %) abgenommen

Geschichte

Hauptartikel Geschichte der USA Das Gebiet der heutigen USA wurde vor Jahrtausenden durch die Vorgänger der späteren Indianerstämme besiedelt. Die schriftliche Geschichtsschreibung beginnt jedoch erst mit der Ankunft der europäischen Siedler im 16. Jahrhundert. Die erste europäische Siedlung auf dem heutigen US-Gebiet war von den Spaniern in St. Augustine, Florida, im Jahr 1565. Die politische Geschichte der USA geht jedoch aus den 13 britischen Kolonien hervor, deren Besiedlung mit der Gründung von Jamestown, Virginia im Jahr 1609 anfing. Der Ankunft der Mayflower in Plymouth Colony (später mit Massachusetts Bay Colony zu Massachusetts zusammengefügt) 1620 ist ebenfalls für viele US-Amerikaner ein wichtiges symbolisches Datum. Schwedische Kolonien an der Delaware-Bucht und niederländische Siedlungen um New York (damals Nieuw Amsterdam) waren nicht von Dauer bzw. wurden von den englischen Siedlern assimiliert. Französische Siedlungen entlang der Mississippi- und St.-Lorenz-Flüsse fielen 1763 an Großbritannien oder (westlich des Mississippi) an Spanien, das auch eigene Kolonien im Südwesten und in Florida hatte. Die spanischen Gebiete nahmen an der Revolution, die durch die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 ausgelöst wurde, nicht teil. Nach dem Unabhängigkeitskrieg, der im Vertrag von Paris 1783 endete, wurden die USA durch Großbritannien als eigenständiger Staat anerkannt. Zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges lebten etwa zwei Millionen Weiße und 500.000 versklavte Schwarze in den ursprünglichen 13 Kolonien. Jenseits der Appalachen erstreckte sich bis zum Mississippi-Fluss ein weiteres, großes Gebiet, das etwa zehn Millionen Ureinwohner („Indianer“) bewohnten. Diese Konstellation ergab zwei wichtige Themen für die kommende Entwicklung der Nation: Die weitere Landnahme Richtung Westen zu Lasten der Indianer sowie die Auseinandersetzung um die Sklaverei, die später den Kampf um die Bürgerrechte der Nachkommen der ehemaligen Sklaven bestimmte. Nördlich des Ohio-Flusses, im sogenannten Northwest Territory, aus der die späteren Bundesstaaten Ohio, Indiana, Michigan, Illinois, und Wisconsin hervorgingen, wurde die Sklaverei verboten. Ein Vermessungssystem von Quadraten ("Sections"), die eine Quadratmeile groß sind, wurde eingeführt, was noch heute für das Verkehrsnetz und die kommunalen Gemeindegrenzen dieses Gebiets prägend ist. Um die öffentlichen Schulsysteme zu finanzieren, wurde vereinbart, dass der Verkaufserlös von der 16. Section einer jeden Township (36 Sections) zugunsten der Schulen ging. Nachdem sich die 1777 verabschiedeten und 1781 ratifizierten Konföderationsartikel als zu schwach erwiesen hatten, um das Überleben des jungen Staatenbundes zu gewährleisten, wurde 1787 in Philadelphia eine Verfassung geschrieben, welche die modernste Verfassung der damaligen Zeit war, und die heute die älteste noch gültige geschriebene Staatsverfassung der Welt ist.

Indianerpolitik

Die US-Indianerpolitik wurde bis etwa 1820 von einer vorsichtigen Erweiterung der europäischen Siedlungen geprägt, die im wesentlichen die vormalige Politik der europäischen Mächte in den USA fortsetzte. Mit der Präsidentschaft Andrew Jacksons und dem Trail of Tears begann eine verstärkte Landnahme und Besiedlungspolitik, die zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Die Indianer-Kriege zogen sich mit größeren Unterbrechungen bis zum Massaker von Wounded Knee in South Dakota 1890 hin. 1900 wurden nur noch 237.000 Indianer gezählt, wobei nicht nur Krieg, sondern auch Krankheiten, gegen die sich die Ureinwohner keine Immunität entwickelt hatten, und ethnische Vermischung mit den Neuankömmlingen zu diesem Rückgang geführt haben. Bis die Ureinwohner des Kontinents volle Bürgerrechte erhielten, dauerte es bis 1924.

Sklaverei und Rassentrennung

South Dakota]] Obwohl die Einfuhr von weiteren Sklaven aus Übersee 1808 verboten wurde, hatte sich die Zahl der Sklaven bis 1860 auf etwa vier Millionen erhöht. Die Sklavenfrage entzweite zunehmend die Süd- von den Nordstaaten, da in den Nordstaaten die Industrialisierung einsetzte, dagegen die Südstaaten mit ihren riesigen Baumwollplantagen auf die Sklaverei angewiesen zu sein glaubten. Im Norden gewannen Bewegungen wie die Abolitionists, die die Abschaffung der Sklaverei forderten, starken Zulauf, stand doch diese in deutlichem Widerspruch zur Verheißung der Unabhängigkeitserklärung "all men are created equal" (alle Menschen sind gleich geschaffen). Der Krieg gegen Mexiko (1846-48) verstärkte diese Spannungen, da viele im Nordosten des Landes in diesem Krieg eine ungerechtfertigte Landnahme zugunsten der Ausbreitung der Sklavenstaaten sahen. Nachdem 1860 Abraham Lincoln für die neu gegründeten Republikaner zum Präsidenten gewählt wurde, traten elf Südstaaten aus der Union aus. Dies bedeutete den Beginn des Sezessionsskrieges (1861–1865). Die Nordstaaten gingen als Sieger daraus hervor, und die Sklaverei wurde abgeschafft. Die Schwarzen erhielten mit dem Civil Rights Act von 1866 und dem 14th Amendment von 1868 formal das volle Bürgerrecht. Nach dem Ende der militärischen Besetzung der Südstaaten durch die Nordstaaten (Reconstruction) 1876 haben erstere schnell (Jim-Crow-)Gesetze erlassen, welche die Bürgerrechte der Schwarzen wieder einschränkten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Bürgerrechtsbewegung konnten die letzten formellen Ungleichbehandlungen aufgehoben werden. Ein sehr wesentlicher Schritt dahin war die Aufhebung der Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen durch den Supreme Court 1954 (Brown v. Board of Education), das ein Urteil des gleichen Gerichts (Plessey vs. Ferguson) aus dem Jahr 1896 aufhob. Der Schulbesuch von Schwarzen in "weißen" Schulen musste teilweise mit Hilfe der Nationalgarde durchgesetzt werden; im öffentlichen Leben (insbesondere im Süden) herrschte bis in die 1960er Jahre hinein Rassentrennung. In Louisiana zum Beispiel war es nicht ungewöhnlich, dass Ku-Klux-Klan-Mitglieder ins Parlament gewählt wurden. Martin Luther King war die Galionsfigur der gewaltlosen Bürgerrechtsbewegung, und 1963 hielt er anlässlich eines Protestmarschs in Washington seine berühmte Rede „I have a Dream...“. 1968 wurde er in Memphis ermordet. Auch in den folgenden Jahrzehnten kam es gelegentlich zu Rassenunruhen. Dennoch wurde auf Ebene der Bundesgesetzgebung schon in dieser Zeit Antidiskriminierungsregelungen (Civil Rights Act, das Restaurants, Hotels und Verkehrsunternehmen die ethnische Diskriminierung verbot) erlassen, vierzig Jahre vor den analogen Regelungen in der EU. Auch das Bewusstsein für Konzepte wie "Diversity" und die gegenseitige Rücksichtnahme sind zwischenzeitlich weiterentwickelt als in Ländern, die weniger Erfahrungen mit multikulturellen Gesellschaften haben.

Industrialisierung

1890 wurde die frontier für geschlossen erklärt: die Gebiete im Osten und im Westen des Kontinents waren faktisch zusammengewachsen. Der "Wilde Westen" war somit Geschichte. Als Folge der nach dem Sezessionskrieg einsetzenden stürmischen Industrialisierung bildeten sich riesige Trusts (Kartelle), die in ihrer Machtentfaltung auch die Regierungsgewalt beeinflussten. Daher wurde 1890 der Antitrust Act verabschiedet, als dessen Folge viele Großkonzerne zerschlagen wurden. Prominentes Beispiel: Standard Oil von John D. Rockefeller. Populistische Bewegungen, die von Bauern unterstützt wurden, setzten auch eine Regulierung der Eisenbahntarife durch und forderten (erfolglos) einen Wechsel vom Goldstandard auf eine bimetallische (Gold und Silber) Währung. Ein prominenter Vertreter dieser Bewegung war der erfolglose Präsidentschaftskandidat aus Illinois, William Jennings Bryan. Zwischen 1880 und 1910 wurde die riesige Zahl von 18 Millionen Einwanderern in die USA aufgenommen, und die USA wurden zur größten Industrienation der Welt.

Börsenkrach und New Deal

Auf den New Yorker Börsenkrach im Oktober 1929 folgte die Weltwirtschaftskrise, welche die USA in die bisher größte innenpolitische Krise stürzte. 1932 waren etwa 15 Millionen US-Amerikaner arbeitslos. Präsident Franklin D. Roosevelt legte daraufhin das Sozial- und Investitionsprogramm New Deal auf, das den Social Security Act von 1935 sowie zahlreiche öffentliche Projekte wie Straßen, Brücken, Flughäfen oder zum Beispiel auch das Tennessee-Valley-Staudamm-Projekt enthielt. Dennoch dauerte es bis Ende der 1930er Jahre, bis die Krise überwunden war.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein, und im August 1945 gingen sie siegreich aus dem Krieg hervor. Der sich kurz darauf abzeichnende Kalte Krieg führte dazu, dass viele US-Amerikaner den Kommunismus als Feindbild betrachteten. Eine innenpolitische Folge des Kalten Krieges nach 1945 war die "McCarthy-Ära". Der republikanische Senator Joseph McCarthy profilierte sich im Senatsausschuss für unamerikanische Aktivitäten (HUAC) dadurch, dass er eine paranoide Hexenjagd auf angebliche Kommunisten veranstaltete, die er besonders unter Filmschaffenden, Politikern und Militärs vermutete. Die zu diesem Zweck inszenierten Anhörungen wurden auch oft im Fernsehen übertragen. Wer die Aussage verweigerte, musste mit Berufsverbot rechnen. Als McCarthy sogar den Präsidenten Eisenhower verdächtigte, wurde er 1954 vom Senat entmachtet.

Gesellschaftlicher Umbruch: 1960er und 1970er

Die 1950er und 1960er Jahre waren geprägt von ökonomischer Prosperität sowie dem Auftreten der Bürgerrechtsbewegung der Afro-Amerikaner. Im Zuge eines gesamtgesellschaftlichen Umbruchs entwickelte sich in den 1960er Jahren auch eine starke Bewegung gegen den Vietnamkrieg und um 1970 auch eine starke Frauenrechtsbewegung und eine wachsende Schwulenbewegung, die (anders als in Europa) schnell gemeinsam von und für Schwule und Lesben gekämpft wurde. Durch diese Bewegungen modernisierten sich die gesellschaftlichen Werte der Vereinigten Staaten. Der Versuch einer Verfassungsänderung, welche die Gleichheit von Mann und Frau vorschreiben sollte, scheiterte jedoch. Sodomiegesetze, die bis 1962 die Praxis der männlichen Homosexualität in jedem Bundesstaat verboten hatten, wurden teilweise zurückgenommen, aber 1987 als der Supreme Court sie bestätigte, existierten sie noch in der Mehrheit der Bundesstaaten und wurden erst mit einer gegenteiligen Gerichtsentscheidung 2003 aufgehoben. Die Watergate-Affäre um einen Einbruch in den Watergate-Gebäudekomplex der Demokratischen Partei, von dem Präsident Richard Nixon wahrscheinlich gewusst hat, und bei dem er die FBI-Ermittlungen zu behindern versuchte, entwickelte sich zum größten Skandal der US-amerikanischen Nachkriegsgeschichte. Um der drohenden Amtsenthebung zu entgehen, trat Nixon 1974 zurück. Die Ölkrise 1974, die 200-Jahresfeier der Unabhängigkeit 1976 und die iranische Geiselkrise 1979 waren prägende Ereignisse für die 1970er Jahre.

1980er

In den 1970er und 1980er Jahren war ein Konjunkturabschwung und ein Verfall der Bausubstanz infolge von Kriminalität und Verwahrlosung zu verzeichnen. Zum Teil wurde auf die Kriminalität mit drakonischen Gesetzen wie dem kalifornischen „Three strikes and you are out“ geantwortet, das für das dritte Delikt (auch bei Bagatelldelikten) 25 Jahre Haft vorsieht. Die Haltung zur der in 38 der 50 Bundesstaaten gesetzlich vorgesehenen und von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung befürworteten Todesstrafe spielt bei der Volkswahl von Politikern, Richtern, Staatsanwälten und Sheriffs eine wichtige Rolle.

Politik

Hauptartikel: Politisches System der USA Die USA haben ein präsidiales Regierungssystem mit einem Präsidenten (seit 2001 George W. Bush, 2004 wiedergewählt, Sohn von George Herbert Walker Bush, Präsident von 1989-1993) an der Spitze der Exekutive. Die Legislative ist der Kongress. Er setzt sich aus gewählten Repräsentanten aller 50 Bundesstaaten zusammen. Laut Verfassung hat der aus zwei Kammern bestehende US-Kongress die Budgethoheit sowie das Recht zur Gesetzesinitiative. Der Kongress hat unter anderem infolge des ihm zustehenden Budgetrechts wesentlichen Einfluss auf die US-amerikanische Politik. Allein dem Kongress kommt das Recht zu, Bundesgesetze zu erlassen und Kriegserklärungen auszusprechen. Verträge mit fremden Ländern werden vom Exekutiv unterzeichnet, bedürfen aber der Ratifizierung durch die obere Kammer des Kongresses, den Senat. Bei wichtigen Ernennungen (z. B. zu Kabinettsposten oder Richterämtern des Bundes, insbesonders dem Obersten Gericht) muss der Senat den Vorschlag des Präsidenten ebenfalls bestätigen. Die Mitglieder des Repräsentantenhauses werden für zwei Jahre gewählt. Jeder Repräsentant vertritt einen Wahlbezirk seines Bundesstaates. Die Anzahl der Wahlbezirke wird durch eine alle zehn Jahre durchgeführte Volkszählung festgelegt. Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Ihre Wahlen finden gestaffelt statt, das heißt alle zwei Jahre wird ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Verfassung sieht vor, dass der Vizepräsident dem Senat vorsteht. Er hat dabei kein Stimmrecht, außer bei Stimmengleichheit. Für den Fall der Abwesenheit des Vizepräsidenten benennt der Senat einen "Pro-Tempore-Vorsitzenden", einen Vorsitzenden auf Zeit. Die Mitglieder des Repräsentantenhauses wählen ihren eigenen Vorsitzenden, den "Speaker of the House". Der Sprecher (das Amt wird derzeit von Dennis Hastert bekleidet) und der Pro-Tempore-Vorsitzende (zur Zeit Senator Ted Stevens) sind Mitglieder der jeweils stärksten Partei ihrer Kammer. Bevor eine Gesetzesvorlage zum Gesetz wird, muss sie sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat durchlaufen haben. Die Vorlage wird zunächst in einer der beiden Kammern vorgestellt, von einem oder mehreren Ausschüssen geprüft, abgeändert, im Ausschuss abgelehnt oder angenommen und danach in einer der beiden Kammern diskutiert. Sobald sie in dieser Kammer angenommen ist, wird sie an die andere Kammer weitergeleitet. Erst wenn beide Kammern die gleiche Version der Gesetzesvorlage angenommen haben, wird sie dem Präsidenten zur Zustimmung vorgelegt. An der Spitze der Judikative steht als oberster Gerichtshof der Supreme Court. Die 1787 in Kraft getretene Verfassung, deren Bestimmungen einklagbar sind, hat eine große Bedeutung im politischen System der USA. Es spricht für den Erfolg und die Stabilität dieser Verfassung, dass sie bislang nur 27 Änderungen (Amendments) erfahren hat. In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet. Diese Parteien sind die Demokraten und die Republikaner. Sie stellen bereits Koalitionen von unterschiedlichen Strömungen dar. Neue politische Strömungen versuchen eher, Einfluss auf die Abgeordneten beider Großparteien zu nehmen, als selbstständige Parteien zu gründen. Ein Beispiel hierfür sind die American Civil Liberties Union (Demokraten) oder die fundamental-christliche Moral Majority (Republikaner). Kleinere Parteien wie die Grünen oder die Libertäre Partei sind unbedeutend, wenn auch bei Präsidentschaftswahlen mitunter die für den Kandidaten der Grünen abgegebenen Stimmen als – womöglich entscheidender – Nachteil für den demokratischen Kandidaten wahrgenommen werden. Einer der Hauptexponenten der Grünen Partei der USA ist Ralph Nader, der im In- und Ausland einen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Siehe auch: Gesellschaft der USA, US-Präsidentschaftswahlen 2004, Gerichtsorganisation in den USA

Innenpolitik

In den 1990er Jahren erlebten die USA unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton (19932001) einen länger anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung ("New Economy"). Die weitere Verwahrlosung der Städte wurde aufgehalten - so erwachten die New Yorker Stadtteile Bronx und Harlem zu neuem Leben. Einen wesentlichen Eingriff in die Sozialgesetzgebung gab es 1996, als der Bezug von Sozialhilfe auf zwei Jahre in Folge und insgesamt fünf Jahre verkürzt wurde. So kam es zu einem beträchtlichen Rückgang der Anzahl der Sozialhilfe-Empfänger. Wichtige innenpolitische Themen sind auch in den USA der Strukturwandel der Wirtschaft und der Umbau der Sozialsysteme insbesondere der Gesundheitsfürsorge. Zudem spielen überwiegend moralisch-ethische Fragen wie das Recht auf Abtreibung, die Berechtigung der Todesstrafe, die politische Anerkennung von Homosexualität oder die Frage welche Rolle christliche Werte im öffentlichen Leben spielen sollen, eine wichtige Rolle. Seit 1913 übernimmt das Federal Reserve System (Fed) die Aufgaben einer staatlichen Notenbank. Vorsitzender des Fed ist zur Zeit Alan Greenspan.

Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem der USA ist teilweise Weltspitze, in anderen Teilen aber in einem desolaten Zustand. Es werden jährlich etwa 1,8 Billionen US-Dollar für Gesundheit aufgewendet. Das ist im Vergleich zu Deutschland nahezu das Doppelte pro Kopf. Die Versorgungslage ist aber unzureichend: über 41 Millionen der ca. 293 Millionen US-Amerikaner sind nicht krankenversichert. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer an illegalen Einwanderern, die ebenfalls keine Krankenversicherung haben. Viele derjenigen, die versichert sind, müssen bei sämtlichen ärztlichen Leistungen zuzahlen, andere, die in einer HMO sind, müssen bürokratische Papierkriege und lange Wartezeiten bei einer Einschränkung der Arztauswahl erdulden. 1993 scheiterte Präsident Bill Clinton mit dem Versuch der Einführung einer gesetzlichen Krankenkasse.

Außenpolitik

Die Außenpolitik der USA ist von drei großen Traditionen geprägt, die wechselnd an Einfluss gewinnen: Dem Isolationismus, der Überzeugung, ein Vorreiter für Demokratie und Menschenrechte zu sein und diese auf der Welt zu verbreiten, sowie einer seit dem Zweiten Weltkrieg offenen Betonung der Rolle als Supermacht im Sinne des politischen Realismus.

Früher Isolationismus

Die frühe US-amerikanische Außenpolitik wurde von der 1823 verkündeten Monroe-Doktrin des Präsidenten James Monroe geprägt, die verkürzt auf den Nenner „Amerika den Amerikanern“ gebracht wurde. Sie postulierte, dass sich die europäischen Mächte aus dem amerikanischen Kontinent heraushalten sollten, bei gleichzeitiger Nicht-Einmischung der USA in die Angelegenheiten anderer Staaten. Ende des 19. Jahrhunderts waren die USA jedoch zur Großmacht aufgestiegen und die frontier, das heißt die Grenze zum "unzivilisierten" Westen, war 1890 für geschlossen erklärt worden.

Frühes 20. Jahrhundert

Der erste Schritt in Richtung einer imperialistischen Außenpolitik war der spanisch-amerikanische Krieg von 1898, der den USA die Philippinen, Puerto Rico, Hawaii und Kuba einbrachte. Eine offen interventionistische Politik betrieb Präsident Theodore Roosevelt (1901–1909), der das Recht der USA beanspruchte, sich in den lateinamerikanischen Staaten als „internationaler Polizist“ zu betätigen. Diese big stick policy äußerte sich zum Beispiel darin, dass die USA 1903 Panama aus Kolumbien herauslösten, um sich von dem neu gebildeten Staat die Souveränität über die Panama-Kanal-Zone abtreten zu lassen. Während der Zeit der Weltkriege betrieben die USA die längste Zeit eine isolationistische Politik und traten erst nach der Verkündung des uneingeschränkten deutschen U-Boot-Krieges (1917) in den Ersten Weltkrieg ein. Das industrielle Gewicht der USA entschied den Krieg. Präsident Woodrow Wilson (1913–1921) reiste nach Europa, um dort eine Nachkriegsordnung zu etablieren. Sein 14-Punkte-Programm sah unter anderem die Beachtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker sowie die Bildung eines Völkerbunds vor. Wilson konnte sich mit seinen Ideen bei Engländern und Franzosen aber nicht durchsetzen und der US-Senat verweigerte sogar den Beitritt zum Völkerbund.

1920 bis zur Nachkriegszeit

Während der nächsten zwei Jahrzehnte betrieben die USA wieder eine isolationistische Politik. Auch bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blieben die USA zuerst neutral, jedoch wurde die formale Neutralität von Präsident F. D. Roosevelt schon ab März 1941 unterlaufen, da im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes (lend-lease bill) England massiv mit Waffenlieferungen unterstützt wurde. Am 7. Dezember 1941 traten die USA nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor in den Krieg ein. Kurz darauf erklärte das mit Italien und Japan verbündete Hitler-Deutschland den USA den Krieg. Wie schon im Ersten Weltkrieg brachte das industrielle Potenzial der USA die Entscheidung. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 beendeten den Zweiten Weltkrieg. Bis heute heftig umstritten ist die Frage, ob die Atombomben-Abwürfe tatsächlich notwendig waren zur Erzwingung der japanischen Kapitulation. Japan hatte zu diesem Zeitpunkt den USA militärisch nichts mehr entgegenzusetzen, jedoch hätte eine US-amerikanische Invasion der japanischen Hauptinseln noch zu schweren Verlusten führen können. Die USA waren maßgeblich an der Gründung der UNO am 26. Juni 1945 in San Francisco beteiligt, die noch im Einvernehmen mit der Sowjetunion stattfand. Bald jedoch zeichnete sich eine Konfrontation mit Stalin ab, die schließlich in den Kalten Krieg mündete. Durch den Präsidenten Harry S. Truman wurde eine Politik des „roll back“, das heißt der Zurückdrängung des Kommunismus verkündet, die in der „Truman-Doktrin“ ihren Ausdruck fand. Die sagte allen Ländern zur Bewahrung ihrer Unabhängigkeit Militär- und Wirtschaftshilfe zu. Dies war eine klare Abkehr von der isolationistischen Monroe-Doktrin und fand seinen Ausdruck in der Unterstützung von Griechenland und der Türkei, sowie dem Marshall-Plan, der Westeuropa wirtschaftlich auf die Beine helfen sollte. Der Kalte Krieg erreichte einen ersten Höhepunkt mit der sowjetischen Berlin-Blockade 1948/49, auf die die USA mit der Berliner Luftbrücke antworteten. 1949 wurde die NATO als Militärbündnis zwischen den USA, Kanada und Westeuropa gegründet.

Kalter Krieg

Es kam in den folgenden Jahrzehnten zu einem atomaren Wettrüsten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt, das beiden Seiten ab den 1960er Jahren eine mehrfache „Overkill-Kapazität“ verschaffte. Gefährliche Konfrontationen des Kalten Krieges waren der Korea-Krieg (1950-53) und die Kuba-Krise (1962), bei der die Welt nur knapp einem Dritten Weltkrieg entging. Durch den Kernwaffen-Sperrvertrag (1968) und die SALT-Verhandlungen (1969) wurde versucht, die gefährliche Situation zu entschärfen. Der Vietnam-Krieg, in den die USA 1964 (Tongking-Zwischenfall) offen eingriffen, nachdem sie zuvor schon Militärberater entsandt hatten, entwickelte sich zu einem militärischen und moralischen Fiasko, und die Niederlage wurde mit dem Abzug der US-Truppen 1973 besiegelt. Der beherrschenden Maxime der US-Außenpolitik, den kommunistischen Machtbereich einzudämmen, wurde in den 1960er und 1970er Jahren oft die Glaubwürdigkeit als Verbreiter demokratischer Werte geopfert. Es wurden Militärdiktatoren und Kleptokraten wie Somoza in Nicaragua, Pinochet in Chile, Marcos auf den Philippinen oder Mobutu in Zaire unterstützt, so lange sie nur antikommunistisch waren. Nach dem Vietnam-Krieg zeigte sich eine Desorientierung und Ratlosigkeit der US-Außenpolitik, die im Schwanken zwischen einer Abkehr von Interventionismus und Demonstration militärischer Stärke (Carter-Administration) und dessen Gegenteil (nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan) ihren Ausdruck fand. Unter der Reagan-Administration (1981-89) wurde (wie vor dem Vietnam-Krieg) wenig Rücksicht darauf genommen, ob die strategischen Verbündeten die Menschenrechte respektierten. Auch stellt sich die Frage nach einem hinreichenden Verständnis fremder Kulturkreise durch die US-Außenpolitik. Deren mangelnde Voraussicht zeigte sich auch darin, dass die US-Unterstützung oft den aus heutiger Sicht falschen Leuten zugute kam: So wurde nach dem Ausbruch des ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak (1980–88) aus Angst vor den Mullahs in Teheran der irakische Diktator Saddam Hussein (hauptsächlich durch Satelliten-Aufklärung) unterstützt, was sich später als schwerer Fehler erweisen sollte. In diesen Zusammenhang gehört auch ein Vorgang, der sich zum größten Skandal der Reagan-Ära entwickelte, die Iran-Contra-Affäre: 1986 verkauften die USA nach Vermittlung durch Sicherheitsberater Robert McFarlane und Oberst Oliver North Waffen (hauptsächlich Panzerabwehrraketen) auch an den Iran. Das daraus erlöste Geld wurde zur Unterstützung der Gegner der Sandinisten in Nicaragua, der so genannten Contras verwendet. Auch die Geld- und Waffenlieferungen an die Mujaheddin in Afghanistan erwiesen sich als zweischneidig: Das Ziel, die Sowjetunion in die Knie zu zwingen, wurde zwar erreicht, aber so auch radikal-islamische Gruppen gestärkt. Unter Präsident Ronald Reagan (1981–89) strebte die ideologische Auseinandersetzung mit der Sowjetunion dem Finale zu. Reagan bezeichnete die Sowjetunion wiederholt in Anlehnung an religiöse Terminologie als „Reich des Bösen“ (evil empire), das es zu Tode zu rüsten gelte. Die Rüstungsausgaben wurden erhöht und ein so genanntes „Star-Wars-Programm“ (SDI-Projekt, Krieg der Sterne) aufgelegt. 1985 und 1986 traf er sich jedoch auch mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gorbatschow zu Abrüstungsverhandlungen unter der Bezeichnung START (Strategic Arms Reduction Talks). Letztlich war diese Politik erfolgreich, denn mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1991) war der Kalte Krieg beendet. Die USA sind seither die einzige Supermacht und nach eigener Auffassung Ordnungsmacht der Welt.

Die Außenpolitik der Regierung Clintons

Präsident Clinton zeichnete verantwortlich für die US-Außenpolitik zwischen dem Ende des Kalten Krieges und dem Regierungsantritt von George W. Bush, und zwar mit der Hilfe von Außenminister Warren Christopher (erste Amtszeit) und Madeleine Albright (zweite Amtszeit), der ersten Außenministerin in der Geschichte der USA. Beobachter haben von der Außenpolitik Clintons behauptet, er habe wohl das Ziel "die Sozialarbeit der Welt" zu übernehmen, da viele der Aktivitäten sich auf Werteänderungen in eher ärmere, strategisch nebensächlichen Ländern konzentrierten, darunter auch Somalia, Haiti, und Bosnien. Das Engagement in Somalia, unter George Bush sen. begonnen, hatte als Ziel die Entmachtung der Warlords, besonders Mohammed Aidids. Nachdem US-Fernsehsender Bilder übertrugen, die den Leichnam eines US-Soldaten zeigten, der durch die Straßen von Mogadischu geschleppt wurde, überließen die Sondereinsatztruppen das Land seinem Schicksal. Mit der Invasion Haitis 1994 wurde der demokratisch gewählte Jean-Bertrand Aristide an die Macht gebracht und der Militärdiktator Raoul Cedras abgesetzt; die weiteren Probleme des Landes, das 1915 bis 1934 unter US-Besatzung gelebt hatte und unter Cedras von einem Embargo der USA betroffen war, wurden nicht gelöst. Nachdem sich die europäischen Staaten als unfähig erwiesen hatten, nach dem Zerfall Jugoslawiens den Balkan zu befrieden, griffen US-Truppen 1995 und 1999 im Rahmen der Nato in Bosnien und Serbien ein, was den Sturz des Diktators Milosevic zur Folge hatte. Versuche, im Nahen Osten einen Frieden zwischen Israel und Palästina zu erreichen, erlitten mit dem Attentat auf Jitzhak Rabin einen großen Rückschritt und waren letztlich erfolglos. Clinton reagierte auf Provokationen des irakischen Diktators Saddam Hussein mit sporadischen Luftschlägen, sowie Vergeltungsschlägen gegen Einrichtungen im Sudan und Afghanistan nach Terroranschlägen auf die US-Botschaft in Nairobi und ein US-Kriegsschiff im Jemen, die man dem damals schon bekannten Al-Qaida-Netzwerk des Osama bin Laden zur Last legte. Diese Einzelaktionen, die zumeist im Kontext von UNO- oder NATO-Resolutionen stattfanden und bei den westeuropäischen Verbündeten zu keinen oder nur geringen diplomatischen Differenzen führten, wurden nicht vor der Öffentlichkeit als Teil eines dauernden Kriegszustands gerechtfertigt, wie es später mit George W. Bushs Krieg gegen den Terrorismus der Fall war.

Die Außenpolitik der Regierung George W. Bush und die Terroranschläge am 11. September 2001

Schon bald nach Amtsantritt von Präsident George W. Bush am 20. Januar 2001 zeigte sich dessen Neigung zum Unilateralismus, die im Misstrauen gegenüber multinationalen und multilateralen Institutionen ihren Ausdruck findet. Bush ist kritisch gegenüber der UNO eingestellt, der er die Unterstellung von US-Soldaten verweigert. Außerdem glaubt Bush, durch verbindliche Verpflichtung zur Einhaltung von multinationalen Verträgen die außenpolitische Handlungsfähigkeit der USA aufs Spiel zu setzen (Beispiel: Kyoto-Protokoll). Anklänge an diese neue republikanische Außenpolitik fanden sich schon Mitte der 1990er Jahre in Reden und Anträgen von Newt Gingrich und Jesse Helms. Weder bei "traditionelleren" Republikanern, wie Bob Dole, John McCain, oder Richard Lugar, noch bei den Demokraten fand diese Politik Zustimmung. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York sowie das Pentagon in Washington, die von radikalen Islamisten durchgeführt wurden, verkündete George W. Bush einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus, was zunächst auch in weiten Teilen der Bevölkerung Zustimmung fand. Bush erfand in Anlehnung an Ronald Reagan die Formel von einer "Achse des Bösen" (axis of evil), der er so genannte Schurkenstaaten (rogue states) zurechnet. Zu diesen zählt er den Iran, den Irak, Kuba und Nord-Korea. Im Oktober 2001 wurde durch einen Feldzug in Afghanistan das radikal-islamische Taliban-Regime verjagt, das den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, Osama bin Laden, beherbergt hatte. Ebenfalls im Namen des Krieges gegen den Terrorismus begann im März 2003 der Krieg (sog. Dritter Golfkrieg) gegen den Irak mit dem Ziel, den Diktator Saddam Hussein zu stürzen. Die USA warfen dem Irak u. a. vor, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und Kontakte zu Bin Laden zu unterhalten, wodurch der Irak eine Bedrohung für die Welt gewesen sei. Insbesondere der Krieg gegen den Irak ist völkerrechtlich umstritten, da er ohne ein explizites UNO-Mandat erfolgte und einige der Kriegsbegründungen (insbesondere der Verdacht auf den Besitz von Massenvernichtungswaffen und Kontakte zu Bin Laden) sich im Nachhinein als unzutreffend herausstellten, womit sich die Frage nach einer bewussten Täuschung der Weltöffentlichkeit durch die Bush-Administration erhebt. Dem US-amerikanischen Militär gelang es schnell, den Irak militärisch zu besiegen und das Regime Saddam Husseins zu stürzen. Dennoch konnte der Irak bislang nicht befriedet werden. Zahlreiche zum Teil von Selbstmordattentätern durchgeführte Sprengstoffanschläge forderten auf Seiten der US-Truppen inzwischen mehr Todesopfer als die eigentlichen Kampfhandlungen bis Mai 2003, was dazu führte, dass sich einige Staaten der Koalition der Willigen bereits im Frühling 2004 wieder aus dem Irak zurückzogen. Im Juni 2004 wurde die Regierungsgewalt an eine irakische Übergangsregierung übergeben. George W. Bushs Hinwendung zu einem strategischen Konzept der Präemption kann als Abkehr von der bisherigen US-amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik gewertet werden, die auf Abschreckung, Eindämmung sowie der Einwirkung der so genannten soft power (d. h. der Attraktivität ökonomischer und kultureller Einflussnahme) basiert hatte. Unter George W. Bush beträgt der Verteidigungsetat etwa 400 Milliarden US-Dollar, was bedeutet, dass das US-Militär-Budget so hoch ist wie das der in der Liste nachfolgenden neun Staaten zusammen. Der Haushaltsansatz für Entwicklungshilfe betrug im Haushaltsjahr 2003/04 fast 20 Milliarden US-Dollar, ohne die Aufbauhilfe für Irak, die wiederum ebenfalls so groß ist. Als Anteil am Bruttosozialprodukt ist diese Summe relativ gering im Vergleich zu anderen Industrienationen, als absolute Summe jedoch das größte einer Nation auf der Welt. Von den 20 Milliarden US-Dollar gehen etwa die Hälfte an Israel und Ägypten (seit den Camp-David-Verträgen 1979). Andere Schwerpunkte sind Kolumbien, Bolivien, Peru, Afghanistan, Pakistan, Indonesien, die Türkei und Jordanien, unter anderem wegen des "Kriegs gegen den Drogenanbau" und des Kriegs gegen den Terrorismus. Siehe auch: Außenpolitisches System der USA | :Kategorie:US-Außenpolitik | US-Interventionen im Ausland Literatur:
- Christian Hacke: Zur Weltmacht verdammt, die amerikanische Außenpolitik von J.F. Kennedy bis G.W. Bush, Ullstein ISBN 3-548-36722-4
- Michael R. Beschloss / Strobe Talbott:
Auf höchster Ebene, das Ende des Kalten Krieges und die Geheimdiplomatie der Supermächte 1989-91, ECON, ISBN 3-612-26166-5
- [http://usinfo.state.gov/usa/infousa/trade/files/98-916.pdf Congressional Research Service, Bericht an den Kongress zum Thema Entwicklungshilfe, 2004]

Gliederung

US-Interventionen im Ausland Im Jahr 2002 gab es laut Zensus- und Volkszählungsbüro 87.900 lokale Regierungseinheiten in den Vereinigten Staaten, einschließlich Ortschaften, Kreise, Siedlungen, Schul- und andere Bezirke. Mehr als drei Viertel der Bürger der Vereinigten Staaten leben in großen Städten oder deren Vorstädten (Liste der Städte in den USA). Liste der Städte in den USA Ein County ist eine Untereinheit der meisten Bundesstaaten. In Louisiana heißen sie "Parishes" und in Alaska gibt es sie nicht, sondern lediglich statistische Unterteilungen. In Virginia und Missouri gibt es zudem Städte, die keinem County zuzuordnen sind. Bei Großstädten (z. B. Philadelphia) kommt es vor, dass die Grenzen von Stadt und County gleich sind; die Stadt New York nimmt sogar 5 Counties ein, die jeweils ein Borough sind. Es ist nicht selten, dass Städte und sogar Dörfer eine County-Grenze überschreiten. Die Regierungsformen der Counties und auch deren Befugnisse sind von Staat zu Staat sehr unterschiedlich, manchmal sogar innerhalb eines Staates, wenn der Landtag verschiedene Formen zur Auswahl vorgegeben hat. Manche erlassen Steuern, fast alle nehmen Kredite auf und treiben Steuern ein. Sie haben Angestellte, sind sehr oft für die Beaufsichtigung von Wahlen zuständig und bauen und unterhalten Straßen und Brücken (manchmal im Auftrag des Bundes oder Landes). Sozialhilfeprogramme werden teilweise von ihnen durchgeführt, aber teilweise von den Townships, die, insbesonders im Mittleren Westen nicht deckungsgleich mit den Kommunen sind, sondern aus 36 Quadratmeilen, die in der Landesvermessung aus dem 18. Jahrhundert bestimmt worden sind, bestehen. Ein besonderer Aspekt bei manchen kleineren Städten, der selten und überwiegend in den Neuenglandstaaten vorkommt, ist das "town meeting". Einmal im Jahr – bei Bedarf auch häufiger – kommen alle registrierten Wähler einer Stadt zu einer öffentlichen Versa


Keramik

Die Bezeichnung Keramik stammt aus dem Altgriechischen. „Keramos“ war die Bezeichnung für Ton und die aus ihm durch Brennen hergestellten formbeständigen Erzeugnisse. Die Produktion von Keramik gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Ihre älteste Nutzung scheint bei semi-seßhaften Jägerkulturen im Gebiet des oberen Nil erfolgt zu sein. Ihre enorme Verbreitung verdankt sie aber ursprünglich den erweiterten Möglichkeiten zur Aufbewahrung (Vorratshaltung) von Nahrung wie sie mit dem Neolthikum erforderlich wurde. Keramik spielt eine wesentliche Rolle im Rahmen der Determination neolithischer Kulturen. Das Ausgangsmaterial Ton bot jedoch schon sehr früh auch Anreize zu künstlerischer Gestaltung. Heute ist der Begriff breiter gefasst. Keramiken sind weitgehend aus anorganischen, feinkörnigen Rohstoffen unter Wasserzugabe bei Raumtemperatur geformte und danach getrocknete Gegenstände, die in einem anschließenden Brennprozess oberhalb 900°C zu harten, dauerhafteren Gegenständen werden. Der Begriff schließt auch Werkstoffe auf der Grundlage von Metalloxiden ein. Keramik wird heute im zunehmenden Maße für hochtechnische Einsatzzwecke, z.B. bei der Sinterung, genutzt. Eine strenge Systematik der Keramik – wie beispielsweise bei Metall-Legierungen – ist kaum möglich, weil es hinsichtlich der Rohstoff-Zusammensetzung, des Brennvorgangs und des Gestaltungsprozesses fließende Übergänge gibt. Keramische Produkte werden deshalb häufig nach den jeweils im Vordergrund der Betrachtung stehenden Aspekten unterschieden:
- Beschaffenheit des Materials: Grob- und Feinkeramik
- Verwendungszweck: z. B.
  - Baukeramik
  - Sanitärkeramik
  - Tischgeschirr
  - Zierkeramik
  - technische Keramik
  - feuerfeste Keramik
- Besondere Eigenschaften: z. B.
  - Wasseraufnahmevermögen, Porosität
  - DE (Druckerweichen)
  - DFL (Druckfliesen)
  - ARF (Abriebfestigkeit)
  - KDF (Kaltdruckfestigkeit)
  - KBF (Kaltbiegefestigkeit)
  - TWB (Temperaturwechselbeständigkeit)
  - WAK (Wärmeausdehnungskoeffizient)
  - Dichte
  - Korngrößenverteilung der Rohstoffe
  - chemische Zusammensetzung
- Regionale Keramiktypen: z. B.
  - Westerwälder Keramik
  - Bunzlauer Keramik
  - ursprünglich auch Majolika und Fayence Bedeutsam ist die Unterteilung in Grob- und Feinkeramik. Zur ersteren gehört die große Gruppe der Baukeramik (z. B.: Bau- und Dachziegel, Kanalisationsrohre); die Produkte sind dickwandig, häufig inhomogen, von oft zufälliger Färbung. Feinkeramik ist dagegen feinkörnig (unter 0,05 mm), von definierter Färbung (z. B. weiß für Haushaltskeramik, Tischgeschirr und Sanitärkeramik); hierher gehören auch die künstlerischen Erzeugnisse. Feinkeramik erfordert bezüglich Aufbereitung der Rohmasse, der Formgebung und des Trocknens sowie Brennens eine erheblich größere Sorgfalt als bei Herstellung von Grobkeramik nötig ist. Die Eigenschaften keramischer Produkte werden bestimmt durch Art und Menge der in ihnen enthaltenen Kristalle und die als Bindung funktionierende Verglasungen. Keramiken sind formbeständig, geschmacks- und geruchlos.

Keramische Rohstoffe

Allgemeine Anforderungen

Die Auswahl und Mischung der Rohstoffe muss folgenden Forderungen genügen: Gute Formbarkeit der Masse, geringer Schwund beim Trocknen und Brennen, hohe Standfestigkeit beim Brennen, geringe oder keine Verfärbung des Endproduktes.

Ton

Ton ist ein wasserhaltiges Aluminiumsilikat (Al2O3.2SiO2.2H2O). Man unterscheidet zwischen Primärton und Sekundärton.

Entstehungsgeschichte

Als die Erde vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstand, war sie zunächst weitgehend glutflüssig. Allmählich bildeten sich einzelne Schichten heraus: schwere Elemente sanken zum Erdinneren ab und leichtere stiegen zur Erdoberfläche, wo sie abkühlten und erstarrten. Die geschmolzenen Elemente vereinigten sich zu einem glühenden, flüssigen Gesteinsbrei, dem so genannten Magma, welches aus der Tiefe nach oben stieg, an der Erdoberfläche abkühlte und das Erstarrungsgestein bildete. So entstand eine feste Kruste, die Erdrinde. Diese Erdrinde oder Lithosphäre reicht bis zu 1200 km in die Tiefe. Darunter befindet sich das flüssige Magma, das noch heute bei Vulkanausbrüchen an die Erdoberfläche steigt. Der Erdkörper ist von verschiedenen Schalen umgeben, von denen die Erdrinde die größte Bedeutung hat. Sie besteht aus zwei Bereichen, der äußeren Silikathülle mit einer Tiefe von 60-120 km und der darunter liegenden Eklogitschale, die bis zu einer Tiefe von 1200 km reicht.

Erstarrungsgesteine

Erstarrungsgesteine unterscheidet man nach dem Ort und der Art ihrer Erstarrung; die Gesteine sind Quarz, Glimmer und Feldspat.
- Tiefengesteine sind sehr langsam in der Tiefe erstarrt und konnten daher grobkristallines Gefüge bilden, wie zum Beispiel Granit, Gabbro.
- Ganggesteine entstanden aus aufsteigendem Magma, das die Erdoberfläche nicht erreicht hat, sondern sich in darunter liegenden Gängen ausbreitete. Es ist, je nach Lage der Gänge, unterschiedlich schnell erstarrt. Je langsamer ein Gesteinsbrei erstarrt ist, umso besser konnten sich Kristalle bilden. Bei der langsamer Abkühlung konnten die Kristalle ungestört wachsen, und es bildeten sich Lagerstätten mit wertvollen Mineralien.
- Ergußgesteine - hierbei erreichte das Magma die Erdoberfläche - kühlte schnell ab und erstarrte. Es konnten sich daher keine größeren Kristalle bilden. Ihre Grundmasse ist feinkörnig, Beispiele hierzu sind Basalt, Porphyr. Ton ist ein Verwitterungsprodukt von feldspalthältigem Urgestein wie Granit, Gneis, Quarzporphyr, das sich durch versch. mech. und chem. Einflüsse, Klimawechsel, Eisdruck, Wasser, Humussäure, Schwefel- Kohlensäure veränderte. Tonlager bilden sich im Laufe von Jahrmillionen. Tonhaltige Böden zeichnen sich dadurch aus, dass sie leicht Wasser und mineralische wie organische Nährstoffe binden können. Ton ist ein Verwitterungsprodukt feldspalthaltiger Sedimentgesteine, Tiefen- und Eruptionsgesteine wie zum Beispiel Quarz. Feinstkörnige Teilchen, Ton, mit einem Korndurchmesser von 0,002 mm, entstehen durch Erosion, d. h. durch die mechanische und organische Verwitterung, der Einwirkung von Wind, Frost, Wasser usw. verschiedener Gesteine. Starker Temperaturwechsel, Oxidationsvorgänge, Fäulnis- und Zersetzungsprozesse durch Bakterien und Spaltpilze spielen bei der Verwitterung eine große Rolle. Andere organische Substanzen, Holz und Sand sind Beimengungen und nehmen Einfluss auf das Aussehen und die Eigenschaften der Tone.

Plastische Rohstoffe

Kaolin, auch Porzellanerde genannt, ist ein Verwitterungsprodukt von Feldspat. Es besteht weitgehend aus Kaolonit, einem hydratisierten Mischkristall aus Aluminium- und Siliziumoxid, begleitet von Quarzsand, Feldspat und Glimmer. Letztere Verunreinigungen werden durch Schlämmen und Sieben entfernt, das Endprodukt muss möglichst plastisch, beim Trocknen formstabil und nach dem Brennen weiß sein. Zur Erzielung der gewünschten Eigenschaften werden Kaoline unterschiedlicher Herkunft gemischt; um ein gutes Gießverhalten zu erreichen, gibt man noch Plastifizierungsmittel, wie Wasserglas und/oder Soda zu. Tone, Lehme sind ebenfalls Verwitterungsprodukte des Feldspates und verwandter Mineralien. Die Hauptbestandteile sind Illit, Montmorillonit und Kaolonit, die Korngrößen reichen herab bis 0,002 mm. Je nach Verwendungszweck unterteilt man diese Rohstoffe ein in Steinzeugtone, Steinguttone, Töpfertone und -lehme. Mergeltone haben einen hohen Gehalt an Kalk, der stark verflüssigend wirkt. Da an solchen Scherben Blei- und Zinnglasuren sehr gut haften, werden sie häufig für Kacheln und Fliesen eingesetzt. Bentonite sind ein Verwitterungsprodukt vulkanischen Ursprungs, sie wirken bereits bei geringen Zugaben sehr stark plastifizierend, verbessern die Formbarkeit und die Standfestigkeit während des Trocknungsprozesses.

Nichtplastische Rohstoffe

Feldspate sind im Vergleich zum Kalk ebenfalls gute Flussmittel, die aber mit steigender Brenntemperatur eine höhere Verdichtung der Erzeugnisse bewirken. Der Trocknungsschwund wird zwar reduziert, der Schwund beim Brennen steigt jedoch. Quarz senkt als Magerungsmittel den Trocknungs- und Brennschwund, verschlechtert jedoch die Plastizität. Quarz wird als feinstkörniger Sand oder als gemahlenes Ganggestein eingesetzt, er muss möglichst rein sein, um unerwünschte Verfärbungen zu vermeiden. Kalk wird als geschlämmte Kreide oder als gemahlener Kalkstein eingesetzt. Als Magerungsmittel unterstützt er die Formstabilität beim Trocknen, beim Brennen wirkt er als Flussmittel. Allerdings liegen sein Sinter- und sein Schmelzpunkt nahe beieinander, bei zu hohen Brenntemperaturen besteht mithin die Gefahr von Deformationen. Schamotte, als gemahlener gebrannter Ton oder Tonschiefer, ist ein Magerungsmittel, das die Porosität erhöht und die Trocknungs- und Brennschwindung reduziert. Magnesiummineralien (Talkum, Magnesit) verleihen den Erzeugnissen eine hohe Temperaturwechselfestigkeit; sie werden bevorzugt für elektrotechnische Produkte eingesetzt.

Andere Zusatzstoffe

Organische Plastifikatoren sind z. B. Leim, Wachse, Gelatine, Dextrin, Gummiarabikum, Paraffinöl. Sie verbessern die Formbarkeit und verbrennen beim Brennprozess. Feingemahlene Ausbrennmittel wie Säge- und Korkmehl, Stärke, Kohlenstaub machen den Scherben porös und leicht und können interessante Oberflächeneffekte erzeugen; sie verbrennen ebenfalls beim Brand.

Verwitterungsarten

Man unterscheidet zwischen den folgenden Arten:
- Mechanische / Physikalische Verwitterung: Wasserdämpfe und Wasser steigen aus dem Erdinneren auf und durchbrechen die Urgesteinslager als sprudelnde Quellen. Regen, Eisdruck, Frost, Wind, Sonne zersetzen und bauen Urgestein ab.
- Chemische Verwitterung: Chemische Zersetzung des Gesteins durch Schwefel- und Kohlensäure einiger Quellwasser, durch vulkanische Gase und Humussäure der Pflanzen.
- Organische Verwitterung: Anreicherung der Erde mit Kohlenstoff und Stickstoff durch Mikroben, Bakterien, Tiere, Pflanzen. Während der Lagerzeit kann es nicht zu chemischen Umbildungen kommen. Die Tonlagerstätten werden heute maschinell, mit Bagger und Lader im Tagebau ausgebeutet. Der abgebaute Ton kann jedoch in den meisten Fällen nicht sofort verwendet werden. Er wird in Schlämmprozessen gereinigt und zu Tonmehlen oder Fertigmassen aufbereitet. Abgesehen von der Verwitterung unterscheidet man auch zwischen Primär- und Sekundärtonen.

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