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Afroamerikaner

Afroamerikaner

Als Afroamerikaner werden Amerikaner (insbes. US-Amerikaner) schwarzafrikanischer Herkunft bezeichnet. Auch wenn sich im Verlauf der Jahrhunderte Vermischungen ergeben haben, ist die Mehrheit unter ihnen jedoch nach wie vor weitaus überwiegend afrikanischer Herkunft. Zu Zeiten von Sklaverei und Segregation galten alle Menschen mit 'einem Tropfen schwarzen Blutes' als schwarz. (damals noch als Negro oder Colored bezeichnet, wobei mit Colored ursprünglich allerdings nur Mischlinge gemeint waren und der Begriff dann 'beschönigend' ausgeweitet wurde). In den letzten Jahren wurden die rassistischen Grundlagen der sogenannten 'One-Drop-Rule' jedoch zunehmend hinterfragt und von multiracialen Bewegungen blossgestellt. Auch die Bezeichnung Afro-American wurde inzwischen wieder ersetzt. African-American ist der momentan üblichste Terminus. Dieses Konzept geht von der Zugehörigkeit zu einer afrikanischen Diaspora aus. Die Bezeichnung African-American wird daher von schwarzen US-Amerikanern abgelehnt, die sich keiner Diaspora zugehörig fühlen und sich lediglich als schwarz bezeichnen. In der US-amerikanischen gesellschaftspolitischen Diskussion wird die Bezeichnung in ähnlichem Kontext wie black gebraucht. Der Begriff Negro ist heute im angelsächsischen Kulturkreis eine rassistische Zuschreibung.

Abgrenzung

Die Nachfahren ehemaliger Sklaven aus Lateinamerika und der Karibik, obwohl ebenfalls schwarzafrikanischer Herkunft, werden dagegen oft als Lateinamerikaner eingeordnet. Auch ist nicht allgemein anerkannt ab wie vielen Vorfahren Menschen als "europäisch" / "weiß", "farbig" oder "afroamerikanisch" / "schwarz" angesehen werden. Gruppen von Nachfahren entflohener schwarzafrikanischer Sklaven, die ebenfalls oft nicht als afroamerikanisch gelten, sind
- die Garifuna in Mittelamerika, die durch Vermischung mit Kariben entstanden sind
- die Maroons der Karibik und Surinames / Guyanas, die in abgelegenen Gebieten eigenständige afrikanische Gemeinschaften aufgebaut haben
- die Schwarzen Seminolen (black seminole) in Florida und Oklahoma, die den spanischen Kolonialherren entwichen sind und sich als eigenständige Gruppe dem Indianer-Volk der Seminolen anschlossen.

Geschichte der Afroamerikaner

Hauptartikel: Geschichte der Afroamerikaner Seit 1619 wurden Afrikaner verkauft und per Schiff in den amerikanischen Süden gebracht. 1807 wurde der Import von Sklaven formal verboten, aber das Verbot wurde kaum beachtet. 1860 lebten in den USA 3,5 Millionen versklavte Afroamerikaner in den südlichen Bundesstaaten und 500.000 freie Afroamerikaner im ganzen Land. Die Sklaverei war sehr umstritten. Das Anwachsen des Abolitionismus kulminierte in der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten der USA und war einer der Gründe für die Sezession der Konföderierten Staaten von Amerika, die den amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) auslöste. Die Emancipation Proclamation von 1862 erklärt alle Sklaven in der Konföderation für frei; sie enthielt Ausnahmen für alle Sklaven in den Territorien, die sich nicht losgesagt hatten. Auf diese weise wurde kein Sklave unmittelbar befreit, da das US-Recht über die konförderierten Staaten zu diesem Zeitpunkt faktisch keine Wirkung hatte. Das Thirteenth Amendment to the United States Constitution (1865) befreite alle Sklaven, auch die in den Staaten, die sich nicht abgespalten hatten. Wahrend der Reconstruction erhielten Afroamerikaner im Süden das Recht zu wählen und öffentliche Ämter inne zu haben, sowie eine Reihe anderer Rechte, die ihnen vorher verweigert worden waren. Nach dem Ende der Reconstruction 1877 entzogen die weißen Landbesitzer den Schwarzen mit einem Vielzahl von Maßnahmen wieder das Wahlrecht, worin sie auch durch Entscheidungen des obersten gerichtshofes unterstützt wurden. Sie errichteten ein System der Segregation der Rassen und terrorisierten die Schwarzen mit Gewalt einschließlich Lynchjustiz. Den schwarzen Landarbeitern und Pächtern ging es kaum besser als vor dem Bürgerkrieg. Die verzweifelte Lage der Afroamerikaner im Süden löste die Great Migration, die große Wanderungsbewegung im frühen 20. Jahrhundert aus. Sie führte zusammen mit dem Anwachsen der intellektuellen und kulturellen Elite im Norden zu einer Erstarken des Kampfes gegen die Gewalt und die Diskriminierung gegen Afroamerikaner. Eine der wichtigsten der neu enstehenden Gruppen war die National Association for the Advancement of Colored People. Sie führte einen langen juristischen Kampf, um die Segregation zu beenden, der in der Entscheidung des obersten Gerichtshofs Brown v. Board of Education (1954) kulminierte. Danach war die Rassentrennung in Schulen verfassungswidrig. Der Fall Brown v. Board of Education war ein Meilenstein in der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung. Sie war Teil einer langfristigen Strategie um die Jim Crow - Segregation im öffentlichen Erziehungswesen, in Hotels, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Arbeitswelt und beim Wohnungsbau zu beenden und Afroamerikanern die Möglichkeit, das in der Verfassung garantierte Wahlrecht auch tatsächlich ausüben zu können, zu sichern. Die Bewegung erreichte in den 1960ern unter Führern wie Dr. Martin Luther King, Jr., Whitney Young, und Roy Wilkins, Sr ihren Höhepunkt. Zur gleichen Zeit sprach sich der Sprecher der Nation of Islam Malcolm X und später Stokely Carmichael von der Black Panther Party für black power aus. Die Ideen des schwarzen Nationalismus und des Panafrikanismus fanden breite Unterstützung unter einem Teil der Afroamerikaner. Die Bürgerrechtsbewegung führt zu einem Anwachsen der schwarzen Mittelschicht während sich die Lebensbedingungnen der armen Mehrheit spätestens seit Ende der 70er Jahre rasch wieder verschlechterten. Afroamerikaner stellten einen überproportional hohen Anteil an der rasch wachsenden Zahl der Gefangenen in den Gefängnissen und war besonders stark von dem Rückgang der Realeinkommen in den unteren Einkommensschichten betroffen.

Verteilung der afroamerikanische Bevölkerung nach einer Erfassung der United States Census Bureau im Jahre 2000

Entwicklung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA

Bekannte Afroamerikaner

Abolitionisten


- Frederick Douglass - ein ehemaliger Sklave, kraftvollster US-amerikanischer Anti-Sklaverei-Sprecher
- Harriet Tubman - half 350 Sklaven aus dem Süden zu entkommen; wurde als "Schaffnerin" der "Underground Railroad" bekannt

Bildende Künstler


- Bill Traylor, naiver Maler und Zeichner
- Jean Michel Basquiat, Graffiti-Künstler

Bürgerrechtsaktivisten


- Angela Davis, Soziologin
- W.E.B. Du Bois Soziologe, Historiker, Schriftsteller
- Ralph Bunche, Diplomat, Friedensnobelpreis 1950
- Martin Luther King, Pastor
- Malcolm X
- Thurgood Marshall, Jurist
- Rosa Parks
- A. Philip Randolph, Gewerkschafter

Feministinnen


- bell hooks
- Michel Wallace

Filmregisseure


- Spike Lee
- Oscar Micheaux
- Mario van Peebles

Musiker


- Marian Anderson, Opernsängerin
- Louis Armstrong, Trompeter und Sänger
- Harry Belafonte, Sänger
- Ray Charles, Sänger
- John Coltrane
- Miles Davis
- Duke Ellington
- Ella Fitzgerald, Sängerin
- Aretha Franklin, Soulsängerin
- Dizzy Gillespie, Trompeter
- Billie Holiday, Sängerin
- Michael Jackson, Sänger
- Thelonius Monk
- Jessye Norman, Opernsängerin
- Charlie Parker
- Max Roach, Schlagzeuger
- Bessie Smith, Sängerin
- Archie Shepp
- Sarah Vaughan, Jazzsängerin
- Cecil Taylor, Free Jazz Pianist

Politiker


- David Dinkins, erster schwarzer Bürgermeister von New York City
- Colin Powell, General und Außenminister
- Condoleezza Rice, Präsidentenberaterin und Außenministerin

Schauspieler


- Hattie McDaniel
- Sidney Poitier
- Paul Robeson
- Will Smith
- Denzel Washington
- Halle Berry

Schriftsteller


- Maya Angelou
- James Baldwin
- Amiri Baraka
- Gwendolyn Brooks
- Charles Chesnutt
- Paul Laurence Dunbar
- Ralph Ellison
- Langston Hughes
- Audre Lorde
- Toni Morrison
- Ishmael Reed
- Alice Walker
- August Wilson
- Harriet E. Wilson
- Richard Wright

Sportler


- Muhammed Ali, Boxer
- Arthur Ashe, Tennisspieler
- Joe Louis, Boxer
- Michael Jordan, Basketballspieler
- Jesse Owens, Leichtathlet, Olympiasieger 1936
- Mike Tyson, Boxer
- Tiger Woods, Golfspieler

Unternehmer


- John H. Johnson - Verleger
- Oprah Winfrey - Talkshow-Moderatorin

Sonstige


- Marcus Garvey, Begründer der sogenannten "back-to-Africa"-Bewegung
- Booker T. Washington

Literatur

John Hope Franklin, Alfred A. Moss, Jr. , Von der Sklaverei zur Freiheit. Die Geschichte der Schwarzen in den USA, Propyläen Taschenbuch, Berlin, 1999

Siehe auch


- Afroamerikanische Literatur
- Afrodeutsche
- Afrokanadier
- Afrokolumbianer
- Afro-Lateinamerikaner
- Afrika und die deutsche Sprache
- Herbert Aptheker
- Blues
- Bürgerrechtsbewegung
- Deutschamerikaner
- Buffalo Soldier
- Roots (Roman)
- Funk
- Garifuna
- Harlem Renaissance
- Jazz
- Gerda Lerner
- Maroons
- Ragtime
- Rap
- Schwarze Seminolen
- Soul
- Zambo

Weblinks


- [http://www.webcom.com/~intvoice/ The interracial Voice]
- [http://www.multiracial.com/ The Multiracial Activist]
- [http://search.eb.com/blackhistory/ The Encyclopædia Britannica Guide To Black History] Kategorie: Ethnische Gruppe der USA ja:アフリカン・アメリカン

Schwarzafrikanisch

Als Schwarzafrikaner oder Schwarzafrikanerin werden dunkelhäutige Menschen aus Afrika, südlich der Sahara, bezeichnet. Da sich der Begriff explizit auf die dunkle Hautfarbe bezieht, wird er teilweise als rassistisch angesehen. Sie bilden rund 95% der Bevölkerung des schwarzen Kontinents Afrika.

Begriffsgeschichte

Der Begriff „Schwarzafrikaner“ entstand zu Beginn der Kolonialzeit in Europa. Hellhäutige Menschen in Süd- und Zentral-Afrika gelten nicht als „Schwarzafrikaner“, ebenso wie die Bewohner von Nord- und Westafrika, Araber, Berber sowie Tuareg, die gemeinhin nicht mit diesem Begriff versehen werden. Zu den Implikationen des Wortes „Schwarzafrika“ bzw. „Schwarzafrikaner“ schreibt Frantz Fanon: „Man teilt Afrika in einen weißen und einen schwarzen Teil. Die Ersatzbezeichnungen: Afrika südlich der Sahara, können diesen latenten Rassismus nicht verschleiern.“ Mit dieser dem eurozentristischen Weltbild entspringenden Vorstellung, wird laut Fanon vermittelt, das „Weiße Afrika“ habe die Tradition einer „tausendjährigen Kultur“, sei quasi mediterran und würde Europa fortsetzen. Dem „weißen Afrika“, das an der abendländischen Kultur teilhabe, stellt man ein „schwarzes Afrika“ gegenüber, das als „träge, brutale, unzivilisierte – eine wilde Gegend“ (Fanon) dargestellt wird.

Verwendung

Der Begriff „Schwarzafrikaner“ bzw. „Schwarzafrikanerin“ wird heute im deutschsprachigen Raum fast ausschliesslich von Medien sowie von Politikerinnen und Politikern verwendet um dunkelhäutige Menschen oft in einem stigmatisierenden Zusammenhang von Drogenkriminalität und Asylmissbrauch gebraucht und wird von der Schwarzengemeinschaft in Europa kategorisch abgelehnt. Alternativ hierzu wurden lange Zeit Herkunftsbetonende Wörter wie Afroamerikaner oder Afrodeutsche welche in erster Linie als Selbstbezeichnungen bzw. wenn es um das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten in der sozialen oder ökonomischen Situation geht, wie sie z.B. durch Diskriminierung entstehen, eingesetzt. Wie bei allen diskriminierenden Bezeichnungen lässt sich auch hier eine Euphemismus-Tretmühle beobachten, denn Menschen nach ihrer Herkunft oder Hautfarbe zu bezeichnen ist in der Regel nicht angemessen, da diese nichts über den Menschen aussagen. Aktuelle Begriffe um Menschen dunkler Hautfarbe zu bezeichenen ist der Begriff Schwarze (Grossschreibung), welches dem Sachverhalt einer bis heute sozial ungleichen, rassistisch geteilten Gesellschaft in Weiss und Schwarz als politischen Begriff gerecht wird, und Menschen von Afrikanischem Erbe welches als Selbstbezeichung von Schwarzen Menschen unabhängig ihrer geographischen Herkunft im Sinne des gemeinsamen kulturellen Erbes gewählt wird. Siehe auch Afrikanische Diaspora

Siehe auch


- Rassismus ohne Rassen

Literatur


- F. Böckelmann: Die Gelben, die Schwarzen und die Weißen, Frankfurt am Main: Eichborn, 1999
- Marimba Ani: Yurugu - An African-Centered Critique of European Cultural Thought and Behavior, Trenton, N.J., USA: Africa World Press, 1994, ISBN 086543249X
- Frantz Fanon: Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt am Main, 1966/1981
- Erwin Ebermann: Afrikaner in Wien - zwischen Mystifizierung und Verteufelung., 2002. Münster: LIT Verlag. ISBN 3825857123

Weblinks


- http://www.uni-oldenburg.de/zfg/eff/
- http://www.afrika-wien.at
- http://www.afrikanet.info Umfassendes Internetportal über die Austrian Black Community - ABC
- http://www.sankofa.ch Kategorie:Afrika Kategorie:Rassismus

Segregation

Segregation bezeichnet den Vorgang der Entmischung von unterschiedlichen Elementen in einem Beobachtungsgebiet. Läßt sich die Tendenz zu einer Polarisierung und räumlichen Aufteilung der Elemente gemäß bestimmter Eigenschaften beobachten, so spricht man von Segregation. Das Beobachtungsgebiet ist entlang bestimmter Merkmale segregiert, wenn eine bestimmte Gruppe oder ein spezifisches Element in Teilen des Beobachtungsgebietes konzentriert auftritt, in anderen dagegen unterrepräsentiert ist. Der Begriff wird sowohl in der Werkstoffkunde als auch in der Soziologie, sowie bei Waldmessmodellen angewendet.

Die Stadt - ein Standardfall der Segregation

Häufiges Beispiel bzw. Beobachtungsfeld in soziologischen, geografischen oder wirtschaftlichen Untersuchungen sind Segregationsprozesse innerhalb der Städte. Hier treten diese Prozesse deutlich zutage, da in der Stadt bezüglich bestimmter Merkmale (z.B. Einkommen, Ethnizität, Religion) sehr unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenleben. Auffällig ist nun, dass sich der städtische Raum entlang dieser Merkmale segregiert. Die Erscheinung der Segregation in den Städten ist bereits sehr früh zu beobachten. Bereits in den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten Europas (vergleiche Stadtentwicklung) gab es die räumlichen Trennung beispielsweise der Kaufleute und der Handwerker in jeweils eigenen Teilen der Stadt. Neben dieser Segregation entlang des Merkmals Beruf findet sich auch eine Segregation nach ethnischen und religiösen Merkmalen, so beim jüdischen Ghetto oder den noch kleinteiliger nach Religions- und Volksgruppenzugehörigkeit getrennten Vierteln der klassischen orientalischen Stadt. Zur muslimischen Segregation siehe Al-wala' wa-l-bara' Auch heute beobachten Soziologen und Stadtplaner weiterhin Segregationseffekte. In Nordamerikanischen Städten ist dies augenscheinlich in den Vierteln, die nahezu ausschließlich von einer bestimmten Einwanderergruppe bewohnt werden (China Town, Greek Town, der Stadtteil Harlem in New York). Aber auch in europäischen Städten finden sich mitunter einzelne Stadtteile mit hohen Anteilen eingewanderter (ehemaliger) Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum oder auch mit hochqualifizierten ausländischen Fachkräften (z.B. Japaner in Düsseldorf und Frankfurt/Main). Verstärkt ist auch eine Segregation bezüglich Bildungs- und Einkommensniveau zu beobachten. Das Ausmaß der Segregation dient somit als ein Indiz für eine Polarisierung der Gesellschaft und kann bei zu deutlicher Trennung der einzelnen Merkmalsgruppen die Gefahr der Herausbildung von konfliktreichen Teilgesellschaften anzeigen.

Untersuchungsmethodik

Frankfurt/Main Eigenschaftsträger können Bevölkerungsgruppen, Wohngebäude, Handelseinrichtungen, Einrichtungen der sozialen Infrastruktur und ähnliches sein. Residentielle Segregation bezeichnet die Segregation verschiedener Bevölkerungsgruppen nach ihrem Wohnort. In der Regel wird Segregation von Teilmengen einer Bevölkerungen nach folgenden Statusmerkmalen unterschieden:
- Segregation nach dem demographischen Status
- Segregation nach dem sozialen Status und/oder
- Segregation nach ethnisch/religiöser Zugehörigkeit der jeweiligen Bevölkerungsgruppe. Die Ausprägung der Segregation ist stark von den gewählten Teileinheiten des Untersuchungsraumes und den Merkmalen abhängig. Drei Konzepte für die Messung von Segregation lassen sich unterscheiden: # Gleichheitsmaße wie Segregations-, Dissimilaritätsindex und Gini-Koeffizient, die auf der Lorenz-Kurve beruhen, # Maße des Ausgesetztseins (Interaktion/Isolation zwischen Gruppen) und # Ballungsmaße (Clustering).

Messung der Ungleichverteilung

Bei der Beschreibung der Segregation verschiedener Bevölkerungsgruppen wird zugleich eine Zuweisung des Grades der Ungleichverteilung vorgenommen, d.h. eine Gruppe, die sich stark von anderen unterscheidet, wird auch einem besonders scharf abgegrenzten Raum zugeordnet. Zur Darstellung räumlicher Ungleichheit gibt es verschiedene Maßzahlen. Verbreitet sind der Dissimilaritäts- und der Segregationsindex. Ersterer dient dem Vergleich der Verteilung von zwei Bevölkerungsgruppen, während der Segregationsindex die Verteilung einer Bevölkerungsgruppe im Bezug auf die Gesamtbevölkerung misst. Beide Indikatoren können Werte zwischen 0 (Gleichverteilung) und 100 (maximale Segregation) annehmen. Für die Berechnung des Dissimilaritätsindex der Bevölkerungsgruppen A und B wird für jede Raumeinheit die Differenz zwischen dem Anteil der Gruppe A an der Gesamtheit von A und dem Anteil von B an der Gesamtheit von B gebildet. Die Beträge dieser Differenzen ergeben über alle Raumeinheiten aufsummiert und dann halbiert den Dissimilaritätsindex (ID) zwischen A und B. :ID = \frac\times \sum_^N \left|a_i - b_i\right| Analog erfolgt die Berechnung des Segregationsindex (IS) über die Summe der Anteilsdifferenzen zwischen der Gruppe A in der iten Raumeinheit und der Gesamtbevölkerung G abzüglich der betrachteten Gruppe A. :IS = \frac\times \sum_^N \left|a_i - g_i\right| mit g_i = (Gesamtbevölkerung - Anteil der betrachteten Gruppe in Region i ) Beide Indikatorwerte lassen sich als der Prozentwert an den betrachteten Gruppen interpretieren, der jeweils umziehen müsste, um eine Gleichverteilung zu erzielen.

Anwendungen

Die räumliche Verteilung der nach den einzelnen Statusmerkmalen segregierten Bevölkerungsgruppen überlagern sich. Untersuchungen von Murdie (1969) zeigten, dass sich in den Mustern der Segregation nach den drei Statusmerkmalen Grundtypen städtischer Strukturen erkennen lassen, die den unterschiedlichen Konzepten der Stadtstrukturmodelle der Chicagoer Schule entsprechen. # Die Segregation nach dem Sozialstatus zeigt eine sektorale Struktur. # Die Segregation nach dem Familienstatus zeigt eine ringförmige Struktur. # Die ethnische Segregation weist eine mehrkernige Struktur auf. Diese sozialräumlichen Grunddimensionen wurden für verschiedene Großstädte untersucht und die Aussagen Murdies bestätigt. Angesichts der Tatsache, dass mit starker räumlicher Ungleichverteilung einzelner Gruppen häufig erhöhte Kriminalitätsraten und beschleunigter Stadtverfall (durch Desinvestition) einher gehen und mitunter das gesamtstädtische Image leidet, werden verschiedene Desegregationsstrategien entwickelt. Allerdings ist vor dem 'ökologischen Fehlschluss' zu warnen: für höhere Kriminalitätsraten in einem Gebiet muss keineswegs die Segregation verantwortlich (slo der Kontext), sondern es kann schlicht die Addition von kriminellen Taten von Menschen sein, die überall auffällig würden, d.h. die Verringerung der Segregation würde die Kriminalitätsrate nicht senken. Am stärksten segregiert sind immer die Reichsten und die Ärmsten in einer Stadt - die einen freiwillig, die anderen erzwungenermaßen. Und zu den Ärmsten gehören oft auch die Zuwanderer, deren räumliche Segregation besonders oft kritisiert wird, ohne dass zugleich gesagt würde, wie sie verringert werden könnte. Vereinfacht ausgedrückt, sollen hierbei stärkere soziale Kontrolle und eine ausgeprägtere Gebietsbindung einer vorhandenen Bewohnerstruktur dafür sorgen, dass die negativen Auswirkungen durch Entmischung begrenzt bleiben. Als Maßnahmen sind neben allgemeinen Wohnumfeldverbesserungen, eine die Belange des Wohnungsmieters schützende Gesetzgebung (Verhinderung oder Begrenzung von Gentrifizierung), Mietsubventionen (z.B. Wohngeld), Öffnungsklauseln im Sozialwohnungsbestand, verstärkte schulische Integration von fremdsprachlichen Minoritäten und verschiedene Antidiskriminierungsinitiativen verbunden. Neben dem Vorhandensein der erforderlichen Finanzmittel ist es für den Erfolg derartiger Strategien jedoch unerlässlich, dass ein komplementärer gesamtgesellschaftlicher Konsens zum Umgang mit Minderheiten vorhanden ist.

Literatur


- Braun, G. und Müller, H.(1980): Analyse innerstädtischer Wanderungen - Theorien und Methoden der Sozial- und Faktorökologie.
- Thieme, G. (1993): Segregation, in: Börsch, D. (Hrsg.) Handbuch des Geographieunterrichts, Band II: Bevölkerung und Raum, S. 167-171, Köln.
- Friedrichs, J. (1977): Stadtanalyse, Hamburg.
- Friedrichs, J. (1995): Stadtsoziologie, Opladen.
- Harrison, J. und Weinberg, D.H.(1992): Racial and Ethnic Residential Segregation. [http://www.census.gov/hhes/www/housing/resseg/pdf/front_toc.pdf]
- Harth, A., Scheller, G. und Tessin, W.(Hrsg, 2000.): Stadt und soziale Ungleichheit. Opladen. (Aufsätze von Friedrichs, Dangschat, Häußermann & Siebel)
- Lichtenberger, E. (1986): Stadtgeographie, Stuttgart Für die Literaturliste wäre als verständliche und umfassende Einführung zum Thema Segregation zu empfehlen: Hartmut Häußermann/Walter Siebel, Stadtsoziologie. Eine Einführung. Campus-Verlag, Frankfurt/M., 2004.

Weblinks

http://www.uni-mannheim.de/mateo/verlag/diss/ott/ottinter.htm#Modell Kategorie:Soziologie

Lateinamerika

Der Begriff Lateinamerika, auch Iberoamerika, bezeichnet die amerikanischen Länder südlich der USA und umfasst den Bereich von Südamerika, Mittelamerika, Mexiko, und der Karibik. Die Völker dieser Region, in denen die englische Sprache vorherrscht (z.B. Jamaika, Belize, Guyana) werden häufig aus dieser Zuordnung ausgeschlossen. Normalerweise bezieht sie sich nur auf die Länder, in denen das Spanische und Portugiesische (Sprachen, die mit dem Lateinischen verwandt sind) vorherrschen. Im Gegensatz dazu spricht man von Nordamerika auch von Angloamerika.

Etymologie

Lateinamerika erstreckt sich vom Rio Grande del Norte bis zum Kap Hoorn. Im Westen begrenzt der Pazifik, im Osten der Atlantik den Erdteil. Dieser umfasst Mexiko, Mittel- und Südamerika und wurde vornehmlich von romanischen Völkern geprägt. Buchstäblich betrachtet könnte man eigentlich erwarten, dass der Begriff Kulturen und Regionen in Amerika bezeichnet, die in Bezug zu romanischen Sprachen stehen, da diese ihrerseits vom Latein abstammen. Aber französisch sprechende Bereiche Amerikas, wie Québec und Akadien in Kanada, sowie Haiti, gelten gerade nicht als Teil von Lateinamerika. Gleichwohl wurde die Bezeichnung "Lateinamerika" zuerst während der französischen Besetzung von Mexiko (1862-1867) vorgeschlagen, als Napoleon III. Erzherzog Maximilians Interessen unterstützte, Kaiser von Mexiko zu werden. Die Franzosen hofften, dass ein umfassender Begriff vom "lateinischen" Amerika ihre Absichten unterstützen werde. Die Mexikaner vertrieben schließlich wohl die Franzosen, aber die Ironie der Geschichte wollte es, dass sie die "Latein"-bezeichnung als Spur hinterließen. Die Alternativbezeichnung Iberoamerika wird zuweilen gebraucht, um die Beziehungen der Völker zu ihren auf der iberischen Halbinsel gelegenen früheren Kolonialmächten Spanien und Portugal auszudrücken.

Lateinamerikanische Länder

Mittelamerika


- Costa Rica
- El Salvador
- Guatemala
- Honduras
- Mexiko (geographisch oft auch zu Nordamerika gerechnet)
- Nicaragua
- Panama

Karibik


- Dominikanische Republik
- Kuba
- Puerto Rico

Südamerika


- Argentinien
- Bolivien
- Brasilien
- Chile
- Ecuador
- Kolumbien
- Paraguay
- Peru
- Uruguay
- Venezuela Spanien und Portugal werden auch die Mutterländer Lateinamerikas genannt.

Religion

Der größte Teil der Bevölkerung Lateinamerikas ist Römisch-katholischen Glaubens, jedoch gibt es auch Protestanten, in Kuba existieren auch Santería und Macumba. Die Religion spielt sehr oft eine große Rolle für die Menschen.

Literatur


- Winter, J.; Scharmanski, A.: Sind die Andenstaaten unregierbar? Ursachen der politischen Krise in Bolivien, Ecuador und Peru, in: Zeitschrift Entwicklungspolitik 14/2005, Frankfurt/M., S. 30-34
- H. Miller Bailey; A.P. Nasatir: Lateinamerika. Von Iberischen Kolonialreichen zu autonomen Republiken, Zürich, 1969
- Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Lateinamerika I. Geschichte - Wirtschaft - Gesellschaft, Reihe: Informationen zur zur politischen Bildung, Heft 226 und 244 ([http://www.bpb.de/publikationen/02087139891746602090001778419203,0,0,Lateinamerika_I.html online])
- CeLA-Arbeitshefte des Centro Latinoamericano (CeLA) der Universität Münster ([http://www.uni-muenster.de/CeLA/publik/Ah/Arbhefte.htm online, PDF])

Siehe auch


- Portal: Südamerika
- Portal: Mittelamerika
- Dokumentationszentrum_Menschenrechte_in_Lateinamerika
- Barriadas

Weblinks


- [http://www.lateinamerikanachrichten.de/ Lateinamerika Nachrichten - Die Monatszeitschrift zu Lateinamerika]
- [http://www.lateinamerika-links.de/ Lateinamerika-Links.de - Links zu Lateinamerika, Spanien und Portugal]
- [http://www.drittewelt.de/lateinamerika.shtml Lateinamerika Medienportal]
- [http://www.npla.de/poonal/archiv.html Poonal - Nachrichtenarchiv]
- [http://www.ila-web.de/ ila - Informationsstelle Lateinamerika]
- [http://www.matices.de/ matices - Zeitschrift zu Lateinamerika, Spanien und Portugal]
- [http://www.alolatino.de/ alolatino.de - el portal latino :: Portal zu Lateinamerika, Spanien]
- [http://www.fdcl-berlin.de/ FDCL - Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika]
- [http://www.cibera.de/ cibera - Virtuelle Fachbibliothek Ibero-Amerika / Spanien / Portugal]
- [http://www.uni-muenster.de/CeLA/index1.htm Centro Latinoamericano (CeLA) der Uni Münster] Kategorie:Lateinamerika Kategorie:Südamerika Kategorie:Mittelamerika ja:ラテンアメリカ ko:라틴아메리카 simple:Latin America th:ละตินอเมริกา zh-min-nan:Latin Bí-chiu

Kariben

Kariben ist die Bezeichnung für mehrere indigene Völker Süd- und Mittelamerikas. Zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert wanderten Kariben in die von den Spaniern nach ihnen benannte Karibik ein und bedrängten auf den Antillen-Inseln die schon früher eingewanderten Taino. Entgegen der Berichte damaliger europäischer Seefahrer waren sie auch zu Christoph Kolumbus' Zeiten keine Kannibalen. Der Name Kariben bezieht sich im engeren Sinn auf ein Volk, das auch heute noch an der Südküste der Karibik, in Venezuela, Guyana, Suriname und Nordbrasilien lebt. Die Eigenbezeichnung ist Kalihna bzw. Galibi. Ihre Sprache gehört der nach ihnen benannten, im nördlichen Südamerika weiter verbreiteten Karaibischen Sprachfamilie an. Die Bezeichnung Kariben wird aber auch für das Volk verwendet, das die Spanier auf den ersten Entdeckungsreisen auf den Kleinen Antillen angetroffen hatten, die Insel-Kariben. Diese sprachen eine gänzlich andere Sprache, die so wie die Sprache der Taino zur Arawak-Sprachfamilie gehört. Sie waren das Ergebnis einer Vermischung von Arawaks und von Kariben (Kalihna/Galibi), die vom Festland auf die Inseln vorgedrungen waren. Von den Insel-Kariben leben heute nur noch etwa 3.500 auf der Karibikinsel Dominica, wo 1903 von den Briten ein Reservat eingerichtet wurde. Ihre Sprache ist ca. um 1920 verschwunden. Aus einer Vermischung von Insel-Kariben und Afrikanern sind auch die Garifuna, die Schwarzen Kariben, entstanden.

Siehe auch


- Garifuna
- Indigene Völker Mittelamerikas und der Karibik
- Karibische Sprachen

Weblinks


- [http://beste-texte.com/searchdetails.php?conid=1369 Bericht von Andreas Ultzheimer über Taïno, 16. Jhd.] Kategorie:Mittelamerikanische Ethnie Kategorie:Geschichte der Bahamas

Maroons

Die Maroons (englisch, Ausgesetzte; spanische Bezeichnung: Cimarrón) sind Nachfahren geflohener schwarzafrikanischer Sklaven in Westindien und Guyana.

Maroons auf Jamaika


- Anfang des 18. Jahrhunderts - Vereinigung verschiedener Maroon-Gruppen und Verhandlung mit den Briten
- 1739 - Friedensvertrag: Freiheit der Maroons gegen Auslieferung entlaufener Sklaven
- 1760 - Aufstand der Coromantee
- 1795 - ein weiterer Aufstand Heute existieren noch etwa 7.000 Maroons in Jamaika

Maroons in Kolumbien

Im Dorf Palenque de San Basilio bei Cartagena leben noch heute Maroons mit einer bantu-spanischen Kreolsprache, dem Palenquero.

Maroons in Brasilien


- Palmares

Bosnegers in Suriname

Die geflohenen Sklaven Surinames leben, anders als auf Jamaika, Seite an Seite mit den indigenen Einwohnern des Landes. Sie bilden im Landesinneren verschiedene Gemeinschaften und sind stammesmäßig organisiert. Die größten Gruppen sind die Ndyuka (auch: Aukaan) und die Saramakaan (auch: Saamaka). Eine bekannte Aukaan ist die Soziologin und Dichterin Louise Wondel.

Siehe auch


- Garifuna
- Schwarze Seminolen
- Afro-Lateinamerikaner
- Zambo
- Afrokolumbianer
- Quilombos Kategorie:Karibik

Suriname

Die Republik Suriname (niederländisch Republiek Suriname; Sranan Tongo Sranan; englisch Surinam; liegt in Südamerika am Atlantischen Ozean bei 4° 00' Nord und 56° 00' West. Sie grenzt im Osten an Französisch-Guyana, im Süden an Brasilien und im Westen an Guyana. Das Land verdankt seinen Namen wahrscheinlich dem Stamm der Surinen, der durch die Arawaks aus diesem Gebiet vertrieben wurde. Nationalfeiertag ist der 25. November. Seit dem 25. November 1975 ist Suriname unabhängig von den Niederlanden; seitdem sind viele Surinamer in die Niederlande ausgewandert.

Geographie

25. November Suriname ist mit einer Fläche von 163.820 km² das kleinste unabhängige Land Südamerikas, höchste Erhebung ist der Julianatop im Wilhelminagebirge mit 1.280 Metern (nach anderen Angaben 1.230 m). Das Land kann in zwei Zonen eingeteilt werden, den kultivierten Norden des Landes (ca. 20 % der Landesfläche) und den größtenteils aus Savannen und Regenwald bestehenden Süden. Der künstlich zur Stromerzeugung aufgestaute Blommesteinsee liegt im Nordosten von Suriname und ist mit maximal 1.560 km² Fläche dessen größter Stausee. Das Klima ist tropisch. Regenzeit ist zweimal im Jahr: von Anfang Dezember bis Anfang Februar die so genannte Kleine Regenzeit und von Ende April bis Mitte August die Große Regenzeit. Dazwischen liegen von Anfang Februar bis Ende April die Kleine Trockenzeit und von Mitte August bis Anfang Dezember die Große Trockenzeit. Die Niederschlagsmenge steigt von der Küste (ca. 1.500 mm) ins Landesinnere (bis fast 3.000 mm im Südosten) an. Die Jahreszeiten folgen der Bewegung der innertropischen Konvergenzzone (ITC), wobei die Grenzen zwischen den Jahreszeiten vor allem im Küstenbereich nicht scharf zu trennen sind durch den Einfluss des Atlantischen Ozeans und der dazugehörigen Seewindzirkulation.

Bevölkerung

Die Republik Suriname ist ethnisch sehr heterogen, was sich auch in Religionszugehörigkeit und den unterschiedlichen Muttersprachen zeigt. Die größte Gruppe der Bevölkerung sind mit 27,4 % (135.117 Personen) indischer Herkunft - die sog. Hindustanen -, 17,7 % (87.202 Personen) bezeichnen sich als Kreolen (ehemalige schwarzafrikanische Sklaven, die nie flüchteten und sich teilweise mit anderen Bevölkerungsteilen vermischten), 14,7 % (72.553 Personen) rechnen sich zur Gruppe der schwarzafrikanischen Maroons (in den Busch geflohene ehemalige Sklaven), 14,6 % (71.879 Personen) sind Malaien aus Java, 12,5 % (61.524 Personen) zählen sich zur gemischten Gruppe (Stand: Oktober 2004). Daneben gibt es noch kleinere Minderheiten von Chinesen, christlichen Arabern (Syrer, Libanesen), Europäern und indigenen Völkern. Etwa 40,7 % (200.744 Personen) sind Christen (25,2 % Protestanten; hiervon ist mit rund 50.000 Mitgliedern die Evangelische Broedergemeente in Suriname, EBGS die größte evangelische Kirche; 22,8 % Katholiken), 19,9 % (98.240 Personen) der Bevölkerung sind Hindus, 13,5 % (66.307 Personen) Muslime (Stand: Oktober 2004), 0,07 % Juden und 5 % traditionelle Religionen. Die Amtssprache ist Niederländisch und wird vornehmlich im Unterricht und der Staatsverwaltung gesprochen. Neben dem Niederländischen sind vor allem die Kreolsprache Sranan-Tongo (ehemals abwertend Taki-Taki genannt), die von fast der gesamten Bevölkerung als Erst- oder Zweitsprache gesprochen wird, die Muttersprachen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen sowie Englisch weit verbreitet. Sranan-Tongo, oder kurz "Sranan", war ursprünglich die Sprache der so genannten Kreolen, verbreitet sich aber immer mehr und ist heute, noch vor dem Niederländischen, die Lingua franca. Weitere Umgangssprachen sind ein dem Hindi ähnlicher Ausgleichsdialekt, das so genannte Sarnami Hindi, Javanisch, die Kreolsprachen Saramaccaans und Aukaans, diverse indigene Sprachen, südliche Dialekte des Chinesischen, syrisch-arabischer Dialekt sowie Portugiesisch (Juden). Dazu kommt in den letzten Jahren Brasilianisch durch die zahlreich meist illegal eingewanderten brasilianischen Goldsucher. Mittlerweile weitgehend außer Gebrauch ist die Pidginsprache Ndyuka-Trio Pidgin (nicht zu verwechseln mit Ndyuka, das eine Form des Aukaans ist und oft synonym dazu gebraucht wird).

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Suriname wurde ca. 3000 v. Chr. erstmals von Indianern besiedelt. Die größten Stämme waren Arawaken und Kariben; die Arawaken waren die ersten, die im Gebiet Surinams siedelten, später wurden sie von Kariben unterworfen. Sowohl Arawaken als auch Kariben siedelten an der Küste und in der Savanne; kleinere Indianerstämme, wie die Akurio, Trió, Wayarekule, Warrau und Wayana, lebten in den Regenwäldern. Als erster Europäer entdeckte Christoph Columbus 1498 die Küste, 1499 erforschte eine Expedition unter dem Kommando von Amerigo Vespucci und Alonso de Ojeda die Küste genauer. Vicente Yáñez Pinzón erforschte 1500 das Landesinnere. Eine erste dauerhafte europäische Siedlung wurde 1651 von Engländern im Auftrag von Francis Willoughby eingerichtet. 1667 nahmen die Niederlande die Kolonie ein. Durch den im selben Jahr geschlossenen Frieden von Breda fiel das Gebiet, von da an Niederländisch-Guyana genannt, an die Niederlande, die im Austausch Neu-Amsterdam (heute New York City) an England abtraten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts blühte die Landwirtschaft in Niederländisch-Guyana, mit Hilfe von afrikanischen Sklaven wurden Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle und Kakao angebaut. Während die Niederlande an Frankreich angeschlossen waren, besetzten die Briten 1799–1802 und 1804–1815 Niederländisch-Guyana. Das heutige Gebiet Surinames wurde nach der Niederlage Napoleons zurückgegeben, das heutige Guyana blieb im Besitz Großbritanniens. Am 1. Juli 1863 wurde die Sklaverei abgeschafft, allerdings mussten die ehemaligen Sklaven noch für zehn Jahre (Periode der sog. Staatstoezicht) als bezahlte Arbeiter auf den Plantagen arbeiten. Mit Abschaffung der Sklaverei wurde den Eigentümern vom Niederländischen Staat eine Entschädigung (staat van tegemoetkoming) von 300 Gulden pro Sklave für den “Verlust” gezahlt. Insgesamt kamen am 1. Juli 1863 ca. 35.000 Sklaven frei. Außerdem mussten von der Administration erstmals Nachnamen an die Sklavenhaushalte vergeben werden. Bei der Vielzahl der Namen kam es hierbei zu den skurrilsten Wortschöpfungen. Um den entstehenden Mangel an Arbeitskräften auszugleichen, wurden Kontraktarbeiter aus Indien, dem Kaiserreich China und Indonesien nach Suriname gebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Bedeutung der Plantagen-Wirtschaft zurückzugehen, und viele der Plantagenarbeiter zogen in die Städte. Die amerikanische Alcoa (Aluminum Company of America) sicherte sich die Rechte am Großteil der Bauxitvorkommen, und auch andere Ressourcen wie Gold und Gummi gewannen an Bedeutung. 1954 erhielt Suriname den Status eines gleichberechtigten und sich selbst verwaltenden Teils der Niederlande. 1973 begann die örtliche Verwaltung mit der Regierung der Niederlande Verhandlungen über die Unabhängigkeit, und am 25. November 1975 wurde Suriname unabhängig. Nach einer Phase der politischen Instabilität übernahmen am 25. Februar 1980 sechzehn junge Soldaten die Regierung. Dieser Putsch wurde von einem Großteil der Bevölkerung begrüßt, da sie sich einen Rückgang der Korruption und eine Steigerung des Lebensstandards davon versprach. Auch die niederländische Regierung akzeptierte anfangs die neuen Machthaber; das änderte sich allerdings, als die Armee am 8. Dezember 1982 fünfzehn Oppositionspolitiker hinrichten ließ. Die Zeit zwischen 1986-1992 war geprägt durch einen Guerillakrieg im Dschungel, bei dem die Stadt Albina fast vollständig zerstört wurde. Die offiziellen Regierungstruppen wurden von Desi Bouterse geführt und die Opposition durch seinen ehemaligen Leibwächter Ronnie Brunswijk. Die Gruppe um Brunswijk wurde auch als "Jungle Commando" bekannt. Der Krieg wurde teilweise mit äußerster Grausamkeit geführt. Am 29. November 1986 griff eine militärische Einheit das Dorf Moiwana an, brannte das Haus von Ronnie Brunswijk nieder und tötete mindestens 35 Personen, die meisten davon Frauen und Kinder. Unter internationalem Druck - unter anderem durch die sinkende finanzielle Unterstützung der Niederlande - wurde 1987 die demokratische Ordnung mit Hilfe der sog. Alten Parteien (aus der Zeit vor 1980) wiederhergestellt. Heute kämpft Suriname vor allen Dingen gegen die Emigration der Bevölkerung und die Staatsverschuldung. 40 % der Bevölkerung arbeiten im öffentlichen Sektor.

Administrative Gliederung

Suriname ist in 10 Distrikte unterteilt. Die Distrikthauptstädte sind in Klammern angefügt (Bevölkerungszahlen von der Volkszählung 2004).
- Brokopondo, 13.299 Einwohner (Brokopondo)
- Commewijne, 24.657 Einwohner (Nieuw Amsterdam)
- Coronie, 2.809 Einwohner (Totness)
- Marowijne, 16.641 Einwohner (Albina)
- Nickerie, 36.611 Einwohner (Nieuw Nickerie)
- Para, 18.958 Einwohner (Onverwacht)
- Saramacca, 16.135 Einwohner (Groningen)
- Sipaliwini, 28.202 Einwohner (direkt verwaltet von Paramaribo)
- Wanica, 86.072 Einwohner (Lelydorp)
- Paramaribo, 243.640 Einwohner (Hauptstadtdistrikt)

Infrastruktur


- Luftfahrt: In Suriname gibt es eine staatliche Luftfahrtgesellschaft, die Surinaamse Luchtvaart Maatschapij (SLM) und zwei Flughäfen: :1. der Johan Adolf Pengel International Airport (beim Dorf Zanderij). Der Flughafen verfügt über eine 3,5 km lange Landebahn. Per Jahr werden ca. 100.000 Passagiere abgefertigt und :2. der kleine Flughafen Zorg en Hoop in Paramaribo. Von hier aus werden die unwegsamen Dörfer im Buschland - vor allem in der Trockenzeit, wenn die Flüsse nicht befahrbar sind - und die legalen und illegalen Goldfelder versorgt. Außerdem nutzt das Militär den Flugplatz.
- Eisenbahn: Suriname besitzt keine funktionierende Eisenbahnverbindung mehr.
- Straßennetz: Das Straßennetz von Paramaribo ist überwiegend asphaltiert. Gleiches gilt für die ca. 380 km lange Ost-West-Verbindung zwischen den Grenzorten Albina und Nieuw Nickerie, nach Süden zum ca. 50 km von Paramaribo entfernt liegenden Flughafen (Zanderij), nach Paranam (Aluminiumschmelzerei) und die Hauptstraßen der größeren Ortschaften (siehe administrative Gliederung). Die restlichen Wegeverbindungen sind Sandpisten. In Suriname herrscht Linksverkehr.
- Wasserverkehr: In Suriname gibt es ca. 1.200 km befahrbare Wasserwege. Es ist der wichtigste Transportweg in die Dörfer im Buschland. Über die Grenzflüsse Marowijne von Albina nach Französisch-Guyana und dem Corantijn von Nieuw Nickerie nach Guyana gibt es Fährverbindungen. :Häfen: Paramaribo, Paranam (Umschlagplatz für Bauxit), Moengo, dem ehemaligen Bauxitort in Marowijne, Wageningen (agrarische Produkte, Reis und Bananen) und Nieuw Nickerie im Distrikt Nickerie. :Die erste und einzige Brücke in der Hauptstadt Paramaribo über den Suriname wurde erst im Jahre 2000 gebaut.

Wirtschaft

Zur Zeit der Kolonialisierung war Suriname die wohl profitabelste Plantagenkolonie der Niederlande, vor allen Dingen Zucker wurde exportiert. Von den früher betriebenen Zuckermühlen (Zuckerrohr-Plantagen) war Marienburg bei Paramaribo die letzte. Hiervon sind nur noch Ruinen vorhanden. Heute ist Suriname neben Jamaika der Hauptlieferant von Bauxit für den Weltmarkt. Der Abbau wird von der Firma Suralco (Suriname Aluminium Cooperation), einer Tochter der Alcoa und von BHP Billiton betrieben. Im Dezember 1980 wurde die Staatliche Surinamische Ölgesellschaft (Surinaamse Staatsolie Maatschappij) gegründet. In Kooperation mit Gulf Oil begann im Februar 1982 die Ölförderung auf der Plantage Catharina Sophia im Tabaredjogebiet. Bis Ende 2004 wurden ungefähr 55 Millionen Barrel Rohöl gefördert. Seit 1992 verfügt Staatsolie auch über eine Erdölraffinerie. Um die vor der Surinamischen Küste vermuteten Ölvorkommen zu erschließen und zu fördern wurde 2004 u.a. mit der Repsol YPF Investitions- und Beteiligungsverträge geschlossen. Die Einnahmen für den Staat aus dem Öl sind inzwischen (2005) höher als die aus den Bauxitvorkommen. Neben Bauxit und Mineralöl werden noch Gold, Holz, Reis, Bananen und Fisch exportiert. Seit 1995 ist Suriname Mitglied der Caricom.

Sport

Das Surinaams Olympisch Comité wurde 1959 ins Internationale Olympische Komitee aufgenommen.

Olympia-Medaillengewinner


- Anthony Nesty - Schwimmen (1-0-1)
- :Seoul 1988: Gold, 100 m Schmetterling, Männer
- :Barcelona 1992: Bronze, 100 m Schmetterling, Männer

Literatur


- Eveline Bakker u. a.: Geschiedenis van Suriname, Zutphen 1993, Walburg Pers, ISBN 9060118375
- C. F. A. Bruijning, J. Voorhoeve (red.): Encyclopedie van Suriname, Amsterdam u. Brussel 1977, B. V. Uitgeversmaatschappij Argus Elsevier, ISBN 9010018423
- Hans Buddingh': Geschiedenis van Suriname, Utrecht 2000 (3. Auflage), Het Spectrum, ISBN 9027467625
- Edward M. Dew: The difficult flowering of Suriname: Ethnicity and politics in a plural society. Vaco Uitgeversmaatschappij; [2. ed.] 1996, ISBN 9991400524
- Hein Eersel: Taal en mensen in de Surinaamse samenleving. Verzamelde artikelen over taal, geschiedenis en identiteit 1985–2001. Paramaribo 2002, Stichting Wetenschappelijke Informatie, ISBN 9991462023
- Rudolf van Lier: Samenleving in een grensgebied. Een sociaal-historische studie van Suriname. Deventer 1971 (2. Auflage), Van Loghum Slaterus, ISBN 9060011546 [die ursprüngliche Ausgabe erschien bereits 1949 in ’s-Gravenhage bei Martinus Nijhoff]
- Michel Szulc-Krzyzanowski (photography), Michiel van Kempen (text), Deep rooted words; ten storytellers and writers from Surinam (South America). English translation by Sam Garrett. Amsterdam 1992, Voetnoot, ISBN 9071877124.
- Michiel van Kempen: Een geschiedenis van de Surinaamse literatuur. Breda 2003, De Geus, (2 Bdn.), ISBN 9044502778

Weitere Themen


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Guyana

Guyana ist ein Staat in Südamerika und ist Mitglied des Commonwealth und der CARICOM. Er grenzt an Brasilien, Venezuela und Suriname sowie an den Atlantik.

Geografie

Atlantik Guyana liegt zwischen 2° und 8° nördlicher Breite und zwischen 57° und 61° westlicher Länge. Der tiefste Punkt befindet sich an der Atlantik-Küste, höchster Punkt ist der Berg Roraima mit 2.835 m. An der Grenze zu Venezuela und Brasilien erhebt sich das Guayana-Gebirge, nach dem der Staat benannt wurde. Der Hauptfluss ist der Essequibo, der im Süden des Landes entspringt und im Norden in den Atlantik mündet. Der Nationalpark Potaro besticht durch seine Wasserfälle, u. a. die 225 m hohen Kaieteurfälle. Die Bevölkerung konzentriert sich an der karibischen Küste; große Teile des Binnenlandes sind sehr dünn besiedelter Regenwald.

Städte

Die beiden größten Städte in Guyana waren bei der letzten Volkszählung am 15. September 2002 die Hauptstadt Georgetown mit einer Einwohnerzahl von 34.179 und Linden mit einer Bevölkerung von 29.572. Während sich die Einwohnerzahl von Georgetown seit der Volkszählung 1970 von 63.184 bis 2002 fast halbiert hat, stieg sie in Linden von 23.956 um 5.616 Einwohner. Die Agglomeration Georgetown hatte bei der Volkszählung 1991 noch 151.679 Einwohner, im Jahre 2002 waren es nur noch 137.330. Damit konzentrieren sich rund 20 Prozent der Menschen des Landes in der Hauptstadtregion. Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Georgetown 32.563 Einwohner, Linden 29.521 Einwohner, New Amsterdam 17.526 Einwohner und Corriverton 13.079 Einwohner.
- Siehe auch: Liste der Städte in Guyana

Bevölkerung

Mit 52 % bilden die Inder die Mehrheit der Bevölkerung. Schwarze sind mit schätzungsweise 30 % und Mischlinge mit 12 % vertreten. Die restlichen Völker (Afghanen, Chinesen, Europäer, Indianer) bilden nur eine Minderheit. Auch wenn die absolute Mehrheit die Inder beanspruchen, ist das Christentum die mehrheitliche Volksreligion (ca. 20% Katholiken, 16% Anglikaner, 18% andere Protestanten). Der Hinduismus mit 34 % und der Islam mit 9 % sind dennoch weit verbreitet. Umgangssprachen ist vor allem ein teilweise kreolisiertes Englisch, daneben Hindi und andere neuindische Sprachen sowie Indianersprachen. Die Besiedlung beschränkt sich weitgehend auf den Küstenraum. Im Hochland sind einzelne Indianerstämme angesiedelt.

Geschichte

Im 17. Jahrhundert wurden mehrere britische und niederländische Niederlassungen gegründet. Erst 1831 wurde das Land als Britisch-Guayana zur Kronkolonie, nachdem sich die Niederlande und Großbritannien mehrfach Machtwechsel geliefert hatten. Eine vom 6. bis 31. März 1960 dauernde Konferenz über die Verfassung der britischen Kolonie endete mit der Gewährung erweiterter Selbstverwaltung. Doch konnten sich die Vertreter Britisch-Guayanas nicht mit ihrem Wunsch durchsetzen, sofort in die Unabhängigkeit entlassen zu werden. Sie wurde damals für 1963 in Aussicht gestellt. Guyana erreichte die Unabhängigkeit von Großbritannien schließlich am 26. Mai 1966 und wurde am 23. Februar 1970 zur Republik. Die Entwicklung Guyanas wurde durch den Gegensatz zwischen zwei kommunistischen Parteien, die die Rassenfrage immer wieder auf die Tagesordnung brachten, stark behindert. 1989 startete die Regierung Guyanas ein Wirtschaftsprogramm, welches eine drastische Wende weg von staatlich kontrollierter Planwirtschaft, hin zu einer freien Marktwirtschaft mit offenen Märkten, bewirkte. Guyana gehört seit 1998 der Organisation der Islamischen Konferenz an. Mit Suriname bestehen seit langem Territorialstreitigkeiten, welche am 3. Juni 2000 eskalierten, als surinamische Marinestreitkräfte eine Ölplattform stürmten und die kanadischen Angestellten vertrieben. Beide Staaten mobilisierten ihre Streitkräfte, der Konflikt wurde durch bilaterale Gespräche in Georgetown (Trinidad), entschärft.

Politik

Der Staatspräsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt. Er ist der oberste Inhaber der Exekutive. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung. Das Rechtswesen orientiert sich am britischen Vorbild. Siehe auch:
- Liste der Präsidenten von Guyana
- Liste der Generalgouverneure von Guyana
- Liste der Premierminister von Guyana

Verwaltungsgliederung

Guyana gliedert sich in zehn Regionen. Diese sind (in Klammern die Hauptstadt): Barima-Waini (Mabaruma), Cuyuni-Mazaruni (Bartica), Demerara-Mahaica (Paradise), East Berbice-Corentyne (New Amsterdam), Essequibo Islands-West Demerara (Vreed-en-Hoop), Mahaica-Berbice (Fort Wellington), Pomeroon-Supenaam (Anna Regina), Potaro-Siparuni (Mahdia), Upper Demerara-Berbice (Linden) und Upper Takutu-Upper Essequibo (Lethem).

Währung

Der Guyana-Dollar wird nach ISO 4217 mit GYD abgekürzt. Der Guyana-Dollar ist außerhalb des Landes nicht verwertbar und unterliegt einer relativ starken Inflation. Der kleinste Geldschein hat einen Nennwert von 20 GYD, der größte einen von 1.000 GYD. Der 5.000 GYD Schein wurde wegen Sicherheitsbedenken nicht gedruckt. Im Oktober 2004 erhielt man für einen EUR umgerechnet 230,00 GYD. Kreditkarten werden nur von größeren Geschäften und Banken akzeptiert und dem Konto in US-Dollar belastet.

Kultur

Der Großteil der Guyaner stammt ursprünglich aus Indien, daher ist die Kultur Guyanas heute vor allem vom Hinduismus und anderen indischen Traditionen geprägt.
- Nationalfeiertag: 23. Februar, Tag der Republik

Weblinks


- [http://www.burks.de/guyana.html Linksammlung zu Guyana] Siehe auch: Portal:Südamerika
Kategorie:Südamerika Kategorie:Staat ! ja:ガイアナ ko:가이아나 ms:Guyana simple:Guyana th:ประเทศกายอานา zh-min-nan:Guyana

Schwarze Seminolen

Die Mitglieder der 2 Stämme der Schwarzen Seminolen (Black Seminole, Freedmen Tribes, Seminole Maroons) sind Nachfahren schwarzafrikanischer Sklaven, die den europäischen Siedlern entlaufen waren oder von Seminolen erworben wurden. Im Laufe der Zeit entwickelten sich eigenständige Siedlungen, die ähnlich einer Vasallen-Beziehung unter dem Schutz der Seminolen standen. Heute leben sie als eigenständige Gruppe in der Nation der Seminolen. Sie leben heute über Oklahoma, Texas, die Bahamas und Mexiko (bei Coahuila) verstreut. Sprachen sind überwiegend Englisch und Spanisch, aber auch Afro-Seminole Creole (Creole) und Creek. Im Zuge der zwei Seminolen-Kriege (1817 bis 1818 und 1835 bis 1842) flohen einige auf die Bahamas, andere wurden in das Indianer-Territorium, das heutige Oklahoma, deportiert. In Mexiko bezeichnen sie sich als Indios Mascogos, in Texas als Seminolen und in Oklahoma als Freedmen (engl. für Befreite Männer/Menschen), um sich von den Afroamerikanern abzugrenzen. Bekannt wurden auch die Seminole Negro Indian Scouts.

Siehe auch:


- Afroamerikaner
- Afro-Lateinamerikaner
- Maroons
- Mestize
- Mulatte
- Afrokolumbianer
- Garifuna
- Zambo Kategorie:Amerikanische Geschichte Kategorie:Ethnie

Externe Links


- [http://www.johnhorse.com Rebellion: John Horse and the Black Seminoles, First Black Rebels to Beat American Slavery], die mit den Seminole - Indianern in Florida verbundenen Maroons setzten einen Sklavenaufstand ins Werk, der der größte in der us-amerikanischen Geschichte gewesen sein könnte.

Oklahoma

Oklahoma ist ein US-Bundesstaat im zentralen Süden der USA, nördlich von Texas. Das Wort Oklahoma stammt aus der Choctaw-Sprache: "okla", der Mensch und "humma", rot und bedeutet in seiner Ursprungssprache so viel wie "Das Land des roten Mannes" Die Hauptstadt Oklahomas ist Oklahoma City. Oklahoma umfasst ein Gebiet von 181.186 km2, in dem etwa 3,35 Mio. Menschen leben.

Die Geschichte Oklahomas

Innerhalb der USA nimmt Oklahoma eine Sonderstellung ein. Das Gebiet fiel im Rahmen des Louisiana Purchase 1803 an die USA. Diese erkannten allerdings keinen Wert in diesem Gebiet und wiesen es zwischen 1817 und 1830 den Indianerstämmen der Creek, der Seminolen, der Cherokee, der Choctaw und der Chickasaw zu, die aus den östlichen Staaten vertrieben wurden. Etwa 50.000 Menschen wurden nach Oklahoma getrieben, wo sie auf bereits ansässige andere Indianerstämme trafen. Diese Umsiedlung ging als “Trail of Tears” in die Geschichte ein. 1834 wurde das Gebiet zum Indianerterritorium deklariert. Noch heute haben viele Indianerstämme ihren politischen Hauptsitz in Oklahoma. Obwohl die Regierung 1880 offiziell eine Besiedelung des Landes durch die Weißen untersagte, kam es seitens der Bevölkerung immer wieder zu Übertretungen der Grenzen. Im Jahr 1885 wurden schließlich Verhandlungen mit den Creek und den Seminolen aufgenommen, die dazu führten, dass am 22. April 1889 zwei Millionen Morgen Land für Siedler freigegeben wurden. Die Folge war der "Oklahoma Land Run", bei dem innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Siedler in das Land strömten und quasi über Nacht Oklahoma City entstand. Bereits im Vorfeld hatten viele der neuen Siedler, die sogenannten "Sooners" (engl. "soon", von "früh"), ihre Claims abgesteckt, was dem Staat den Beinamen "Sooner State" einbrachte. 1890 wurde Oklahoma als Territorium organisiert und bis 1906 kam es zu einer beständigen Ausweitung des Siedlungsgebiets, bevor Oklahoma am 16. November 1907 der Union der Vereinigten Staaten beitrat. Nach wechselnden wirtschaftlichen Wachstums- und Krisenzeiten bescherte die Entdeckung reicher Erdöl- und Erdgasfunde im Jahre 1928 dem Land Aufschwung und Wohlstand. Gleichwohl wurde Oklahoma wiederholt von Dürreperioden und Sandstürmen heimgesucht, was einen Exodus der Landbevölkerung über die legendäre Route 66 in die westlichen Bundesstaaten zur Folge hatte. Nachzulesen unter anderem auch in John Steinbecks “Früchte des Zorns”, der den Auszug aus der “Dust Bowl”, der “Staubschüssel”, literarisch verewigt hat. Liste der Gouverneure von Oklahoma

Die Geographie Oklahomas

Liste der Gouverneure von Oklahoma Oklahoma liegt weitgehend im Bereich der Inneren Ebenen. Das Zentrale Tiefland wird von den Osage Plains eingenommen, einer sanft gewellten Ebene, die nur an wenigen Stellen von Hügelland unterbrochen wird. Die Tieflandregion geht nach Osten in Hochland über. Im Nordosten handelt es sich dabei um die Ausläufer des Ozarkplateaus. In dieses Kalksteinmassiv haben Flüsse tiefe Schluchten gegraben. Südlich dieses Plateaus befinden sich die aus Sandstein aufgebauten Ouachita-Berge. Im äußersten Südosten hat der Bundesstaat Anteil an der Golfküstenebene. Nach Westen geht das Zentrale Tiefland in die Great Plains über. Der Nordosten des Bundesstaates wird vom Arkansas Valley, welches das Flusstal des Arkansas River und die umliegenden Ebenen umfasst, durchzogen. Dieses Gebiet ist sehr fruchtbar, und es ist eine der wichtigsten Agrarregionen des Staates.

Das Klima

Das Klima Oklahomas ist im Südosten subtropisch-feucht, im Westen kontinental-trocken. Große Temperaturschwankungen im Tagesverlauf sind typisch. Die Sommer sind heiß, die Winter häufig recht mild. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt zwischen 14 °C im Westen und 19 °C im Südosten. Die bisher ermittelten Extremwerte lagen bei -32 °C (1930) und 49 °C (1943). Weite Teile des Bundesstaates werden regelmäßig von Tornados heimgesucht. Besonders schwere Verwüstungen richtete eine Serie von Tornados im Mai 1999 an. Die Höchstgeschwindigkeit des heftigsten Tornados bei Oklahoma City betrug 517 Kilometer in der Stunde.

Flora und Fauna

Wälder bedecken etwa 16 Prozent der Gesamtfläche. Die vorherrschenden Baumarten sind Kiefern, Walnussbäume, Pekannussbäume, Hickorybäume, Ulmen, Eschen, Eichen, Wacholder, Amerikanischer Judasbäume und Pappeln. Rotwild, Otter, Waschbär, Nerz und Eichhörnchen sind in den Waldgebieten heimisch. Kaninchen, Ziesel, Präriehund und Kojote leben in den Graslandregionen. Die Vogelwelt ist überaus artenreich. Die häufigsten Vogelarten sind Wiesenstärling, Spottdrossel, Wanderdrossel, Blauhäher, Krähe und Sperling. In den Großen Salzebenen im Norden des Staates sind wild lebende Enten verbreitet.

Bevölkerung

Oklahoma hat eine Einwohnerzahl von etwa 3,35 Millionen; Die Bevölkerungsdichte liegt bei 17 Einwohnern pro Quadratkilometer. Der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich im östlichen Teil des Staates. Der Anteil der Weißen beträgt 82 Prozent, Schwarze stellen 7 Prozent der Gesamtbevölkerung. In Oklahoma sind indianische Volksgruppen mit etwa 250 000 Angehörigen (etwa 8 Prozent der Bevölkerung) weitaus stärker vertreten als in den meisten anderen Bundesstaaten. Die größten indianischen Gruppen sind Cherokee, Chickasaw, Choctaw, Creek und Seminolen. Außerdem leben in Oklahoma asiatische Volksgruppen (unter anderem Vietnamesen, Chinesen und Koreaner).

Wirtschaft

Oklahoma hat verschiedene wichtige Wirtschaftszweige.
- Einer der Wirtschaftszweige ist die Landwirtschaft. Sie umfasst hauptsächlich Weizenanbau vor allem im Westen, und Anbau von Mais, Hirse, Hafer, Gerste und Baumwolle im Südwesten.
- Ein weiterer Wirtschaftszweig ist der Bergbau. Gefördert werden vor allem Erdöl und Erdgas, daneben sind Gips und Iod bedeutende Rohstoffe. Außerdem werden Kohle, Granit und Kalkstein abgebaut.
- In der Viehzucht dominiert die Rinderhaltung.

Größte Städte

Liste der Städte in Oklahoma
Liste der Countys in Oklahoma Kategorie:US-Bundesstaat ja:オクラホマ州 ko:오클라호마 주 th:มลรัฐโอคลาโฮมา

Indianer Nordamerikas

Zu den Indianern Nordamerikas zählt man üblicherweise sämtliche Indianer nördlich von Mexiko. Ausgenommen sind die Ureinwohner Hawaiis, die Inuit, Unangan und Yupik in Alaska und der nordkanadischen Arktis, die sich genetisch und kulturell stark von den nordamerikanischen Indianern unterscheiden. Ebenfalls nicht zu den Indianern gezählt werden Mischvölker wie die Métis. Eine Eigenart der nordamerikanischen Indianer ist, dass sich Völker derselben Sprachgruppe weder kulturell ähnlich, noch räumlich nah sein müssen. Die nordamerikanischen Indianer-Völker unterscheiden sich kulturell erheblich. So gibt es zum einen demokratisch organisierte Stämme mit Ältestenrat, Stammesrat und Ratsfeuer wie beispielsweise die Irokesen, zum anderen monarchisch organisierte Stämme wie Wampanoag oder Powhatan. Das Oberhaupt eines Stammes wird in den verschiedenen europäischen Sprachen, die mit den Indianern in Berührung kamen, unterschiedlich tituliert: Chief (englisch), Sachem (französisch) oder Kazike (spanisch: cacique). Im Deutschen übersetzt man diese Titel als „Häuptling“.

Geschichte

Besiedlung Nordamerikas

Hauptartikel: Besiedlung Amerikas Die Erforschung der Besiedlung Nordamerikas ergibt ein recht einheitliches Bild; im Gegensatz zu Mittel- und Südamerika. Die Besiedlung erfolgte nach heutigem Wissensstand in drei, möglicherweise vier Einwanderungswellen: Die erste Welle traf um etwa 12.000–11.000 v. Chr. von Asien her über eine Landbrücke bei der Beringstraße oder in Booten entlang der Küste ein. Die ältesten allgemein anerkannten archäologischen Spuren sind die der Clovis-Kultur, die etwa das genannte Alter hat. Sie finden sich im Südwesten der USA. Mit der zweiten Welle trafen die Vorfahren der Na-Dene-Indianer ein und mit der dritten jene der Inuit. Möglicherweise wanderten die Vorfahren der Algonkin in einer separaten Welle zwischen den Clovis und den Na-Dene nach Amerika. Einige Funde wie der des Kennewick-Mannes lassen vermuten, dass möglicherweise weitere Gruppen von Europa oder Ozeanien aus den Weg nach Amerika gefunden haben. Gesichert ist, dass die Wikinger um 1000 n. Chr. in Neufundland (Kanada) eine Siedlung errichteten. Im 12. Jahrhundert dürfte der walisische Prinz Madoc mit einer Gruppe nach Nordamerika gesegelt sein und sich im Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Kentucky, Georgia und Tennessee niedergelassen haben. Möglicherweise hat diese Gruppe den Indianerstamm der Mandan gegründet. Die ersten Siedler trafen auf Großwild wie Mammute, Mastodonten, Moschusochsen, Riesenfaultiere, Elche, Karibus und Bären. Sie jagten diese Tiere mit Harpunen, Wurfspießen und Speerschleudern. Weiter sammelten sie Beeren, Nüsse und Wildreis. Entlang der Küsten fingen sie Fische. Zwischen 13.000 und 9.000 v. Chr. wich das Eis zurück und hinterließ große Seen und Flüsse, die sich zur Fischerei anboten. Vermutlich etwa um 8.000 v. Chr. starben etliche der Großwildtiere aus, ob aufgrund übermäßigen Jagens oder aufgrund der Klimaveränderung, ist nicht geklärt. Gleichzeitig ermöglichte das wärmere Klima Ackerbau, so dass in den folgenden Jahrtausenden etliche Indianervölker vom nomadischen Jäger- und Sammlertum zum sesshaften Ackerbau übergingen. Besonders im Südosten der heutigen USA entwickelten indianische Völker Hochkulturen.

Kolonialgeschichte

Nach der Reise von Christoph Kolumbus im Jahre 1492 nach Amerika wanderten immer mehr Europäer nach Amerika aus. Allein zwischen 1620 und 1770, also bis knapp vor der amerikanischen Unabhängigkeit, stieg die weiße Bevölkerung in den USA von 2.000 auf über 2,2 Millionen an. Dies führte zu Landstreitigkeiten zwischen Weißen und Indianern.

Pelzhandel

Der Pelzhandel zwischen Euro-Amerikanern und Indianern nimmt eine wichtige Rolle in der amerikanischen Kolonialgeschichte ein. Die europäischen Einwanderer hatten großen Bedarf an Pelzen für den heimischen Markt. Besonders Biberpelze waren für Kopfbedeckungen sehr begehrt. Die weißen Händler tauschten die Pelze bei den Indianern ein oder kauften sie weißen Fallenstellern ab. Oft stiessen die Fallensteller in bisher für die Einwanderer unbekanntes Gebieten vor und trugen so erheblich zur Erkundung Amerikas bei. Die Weißen waren an Handels-Koalitionen mit indianischen Stämmen nicht nur aus ökonomischen sondern auch aus politischen Gründen interessiert, brauchten sie doch diese Allianzen im Kampf um die koloniale Vormachtsstellung in Amerika. Für die Indianer brachte der Pelzhandel erhebliche Änderungen der Machtverteilung mit sich. Wer sich eine gute Position im Pelzhandel sichern, und damit europäische Güter wie zum Beispiel Feuerwaffen einhandeln konnte, war klar im Vorteil. Der Pelzhandel brach im 19. Jahrhundert zusammen. Gründe waren die Ausrottung der Pelztiere an vielen Orten Nordamerikas und die Änderung der Hutmode in Europa.

Neue Waffen

Pelzhandel Die europäischen Einwanderer brachten nach 1492 verschiedene Kulturgüter mit sich, die das Leben der Indianer nachhaltig veränderten. Die Anwendung von Metallspitzen auf Speeren und Pfeilen führte zu ersten Kräfteverschiebungen unter den indianischen Nationen. Früher hatten sie Steinspitzen aus Granit oder anderen harten Steinen gebaut. Regelrechte Völkerwanderungen wurden jedoch durch die ungleichmäßige Einführung von Feuerwaffen entlang der nordamerikanischen Ostküste und von der Hudson Bay aus ausgelöst. Stämme, die zuerst Feuerwaffen erhielten, konnten benachbarte Stämme oft völlig aus ihren angestammten Gebieten vertreiben, was zu regelrechten Domino-Effekten führte. Später berühmt gewordene Stämme wie die Lakota oder die Cheyenne waren ursprünglich sesshafte Bewohner des östlichen Waldlandes, bevor mit Feuerwaffen ausgestattete Nachbarn sie verdrängten. Solange Vorderlader verwendet wurden, hatten Feuerwaffen vor allem einen psychologischen Vorteil und eine größere Reichweite als Pfeil und Bogen, waren jedoch Pfeil und Bogen in puncto Feuergeschwindigkeit stark unterlegen. Noch 1866 erlangten größtenteils mit Pfeil und Bogen bewaffnete Lakota und Cheyenne entscheidende Siege gegen US-Truppen. Bereits im Folgejahr, als die US-Armee mit Repetiergewehren ausgestattet war, änderte sich dies schlagartig. Dem rücksichtslosen Einsatz von industriellen Tötungsmitteln gegen Männer, Frauen und Kinder wie Gebirgshaubitzen, Hotchkiss-Schnellfeuerkanonen, die 100 Schuss pro Minute abfeuerten, sowie Gatling-Kanonen, einer frühen Form des Maschinengewehrs, hatten die Indianer nichts entgegenzusetzen.

Pferde

Die frühen spanischen Einwanderer führten Pferde mit sich, die sich rasch in Nordamerika verbreiteten und von vielen Indianervölkern in ihre Kultur integriert wurden. Besonders für die nomadischen Völker der Plains wurden die Pferde zu einem zentralen Gut. Sie konnten die Travois und damit auch die Tipis der Prärieindianer erheblich vergrößern, waren mobiler und konnten sich in Gegenden ausbreiten, die früher unbewohnbar waren. So wurde ein großer Teil der Plains, das karge Grasland, erst nach Einführung des Pferdes besiedelt. Diese machten auch die vorher sehr mühsame Jagd auf die dort lebenden Bisons wesentlich einfacher. Ehemals kleine und schwache Stämme wie die Comanche, Lakota oder Cheyenne wurden zu erheblichen Machtfaktoren in den Plains.

Ausrottung durch Infektionskrankheiten

Die Indianer Amerikas wurden von den Europäern, die nach Amerika auswanderten, in oft blutigen und grausamen Auseinandersetzungen von ihrem Land verdrängt. Daneben spielten viele bisher in Amerika nicht bekannte Infektionskrankheiten eine Rolle beim Rückgang der indigenen Bevölkerung. Teils wurden sie unbewusst oder doch unbeabsichtigt aus Europa eingeschleppt. Es gehört aber zu den schrecklichsten Kapiteln der Eroberung Amerikas durch die Europäer, dass diese teilweise Infektionen auch gezielt unter der Urbevölkerung verbreiteten, um zu töten. Dabei dürfte es sich vermutlich um den ersten Einsatz von biologischen Waffen handeln.

Indianerpolitik

Die Indianerpolitik der USA und Kanadas war gezeichnet vom Wunsch der weißen Siedler nach Land und der folglichen Unterwerfung der Indianer. Im Jahre 1763, noch vor der Gründung der USA, entstand durch den Proclamation Act erstmals ein separates Indianer-Territorium, das die Indianer im Wesentlichen von den europäischen Auswanderern trennte. Das Gesetz trennte das Land entlang der Wasserscheide der Appalachen: Der westliche Teil wurde den Indianern zugeschrieben, der östliche den Weißen. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten die europäischen Einwanderer sämtliche Indianer unterworfen. Hierbei spielten verschiedene Faktoren eine Rolle und wurden unterschiedliche Mittel eingesetzt: Indianerkriege, Umsiedlung, übermäßig viele weiße Siedler, eingeschleppte Krankheiten, gebrochene Verträge und gezielte Ausrottung der Bisons als Lebensgrundlage vieler Indianer. Das Massaker von Wounded Knee im Jahre 1890 markiert den endgültigen Sieg über die Indianer; seitdem lebten sie in Reservationen und waren von den Lebensmittelrationen der Weißen abhängig. Mit dem Reservationsland blieben den Indianern diejenigen Gebiete, welche die Weißen zuletzt für sich beanspruchten, meist unwirtliche Flächen. Auch nach der Unterwerfung der Indianer versuchten die Weißen, das so genannte „Indianerproblem“ zu beseitigen, auch weil die Lebensmittelrationen Geld kosteten. Verschiedene Versuche wie der General Allotment Act, der Indian Reorganization Act und die Termination scheiterten aber nacheinander. Erst mit dem Indian Self Determination Act von 1968 erhielten die Indianer einen Teil ihrer Rechte wieder zurück. Ihr Leben ist jedoch nach wie vor geprägt von Rassendiskriminierung und Armut. Kanada verabschiedete 1867 mit dem Indian Act ein Gesetz, das die kanadischen Indianer künftig als Mündel der Regierung behandeln ließ. Als solche können sie nicht über sich selbst entscheiden, sind jedoch von jeglichen Steuern befreit. Bis in die 1970er Jahre wurden indianische Kinder - in Kanada wie in den USA - früh aus ihren Familien gerissen und in meist kirchliche Internate gesteckt. Dort durften sie nicht ihre Stammessprache sprechen und mussten das Christentum annehmen. Später kamen seelische und körperliche Misshandlungen an die Öffentlichkeit. Junge indianische Frauen wurden teilweise unter Zwang sterilisiert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelangten die Indianer zu einigen Rechten. So erhielten sie 1960 in Kanada das Wahlrecht auf Bundesebene. 1982 unterschrieb Kanada einen Verfassungsartikel, womit es die traditionellen Rechte der Indianer wie auch die in staatlichen Verträgen festgelegten Rechte anerkannte. Mehrere indianische Gruppierungen errangen anschließend dank diesem Artikel vor Gericht Siege. Siehe auch: Geschichte der USA, Geschichte Kanadas

Indianischer Widerstand

1944 gründeten Indianer verschiedenster Indianervölker den National Congress of American Indians (NCAI), der als erste und einzige panindianische Widerstandsorganisation gilt. Bereits früher waren diverse andere indianische Organisationen entstanden, die allerdings nicht bei allen Stämmen Unterstützung fanden. Der NCAI wurde zum Zwecke des besseren Schutzes der indianischen Rechte gegründet. Er verstand es als seine Aufgabe, in der amerikanischen Bevölkerung Öffentlichkeitsarbeit zum besseren Verständnis der indianischen Kultur und Situation zu leisten und sich für die Bewahrung der traditionellen kulturellen Werte einzusetzen. Der NCAI setzte sich für das Ende der Termination und für das Erstarken der Stammesregierungen ein. Bereits Ende des Zweiten Weltkrieges hatte der NCAI Mitglieder aus beinahe allen Stämmen in seinen Reihen. Mit den Jahren stieg die Unzufriedenheit insbesondere unter den jüngeren Mitgliedern. Viele Indianer waren enttäuscht über das langsame Vorgehen des Kongresses. So spalteten sich 1961 der „Nationale indianische Jugendrat“ (National Indian Youth Council – NIYC), der sich für den indianischen Nationalismus stark machte, und 1968 die „Amerikanische Indianerbewegung“ (American Indian Movement – AIM) ab. Letztere in den Städten entstandene Bewegung sorgte Ende der 1960er und anfangs der 1970er Jahre mit ihren zum Teil recht militanten Aktionen für Schlagzeilen. 1969 besetzten AIM-Mitglieder zusammen mit Indianern verschiedener Stämme die verlassene vor San Francisco liegende ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz, um dort ein Zentrum für indianische Kultur sowie ein Museum einzurichten. Nach 19 Monaten brachen die Indianer ihre Besetzung ab. 1971 nahmen AIM-Mitglieder einen Teil des in den heiligen Bergen der Lakota, den Black Hills, liegenden Mount Rushmore National Memorial in Besitz, um gegen die zahlreichen gebrochenen Verträge zu protestieren. Ein Jahr später zogen sie mit Mitgliedern anderer Indianerorganisationen, wie dem NIYC, im Trail of Broken Treaties nach Washington D.C. und besetzten dort für sechs Tage das Verwaltungsgebäude des Bureau of Indian Affairs (BIA). 1973 fand die wohl bedeutendste Aktion statt: AIM-Mitglieder besetzten zusammen mit Sympathisanten die in der Pine-Ridge-Reservation (South Dakota) gelegene Ortschaft Wounded Knee. Diese war und ist für die dort lebenden Lakota von geschichtsträchtiger Bedeutung. Rund 200 bewaffnete Indianer protestierten so gegen die korrupte Stammesregierung unter Richard Wilson. Die Besetzung dauerte 70 Tage. Der NCAI seinerseits betrieb seinen friedlichen Protest durch Reden, Pamphlete, aber auch durch Unterstützung lokaler Projekte und durch das Erarbeiten von Studienprogrammen weiter. Er gewann kontinuierlich an Einfluss. Vereinte er 1970 rund 2.000 Mitglieder, so waren es 1978 bereits 3.000, die 154 Stämme vertraten. Nach der Besetzung von Wounded Knee verlagerte sich der Protest der Indigenen. Viele wendeten sich von militanten Maßnahmen ab und widmeten sich stattdessen juristischen Möglichkeiten. 1974 gründeten über 5.000 Vertreter von 98 indianischen Ethnien den „Internationalen Indianischen Vertragsrat“ (International Indian Treaty Council – IITC), die heute wohl bedeutendste Widerstandsorganisation der Indianer. Ihr Ziel ist es, die Traditionen der Indianer zu bewahren und deren Selbstbestimmungsrecht zu erlangen. Noch im selben Jahr reisten Vertreter des IITC in die Schweiz, um die Gründung einer Menschenrechtsorganisation im Gastgeberland der UNO anzuregen. So entstand die Organisation Incomindios Schweiz, die indigenen Vertretern unter anderem ermöglicht, jährlich während einer Woche in Genf an der UNO ihre Probleme zu schildern und ihre Forderungen zu stellen.

Heutige Situation

Die Indianerpolitik der USA wechselte je nach Regierung. Als Ergebnis leben die Indianer heute meist desillusioniert in Armut. Wesentlich stärker als die weißen Amerikaner leiden sie unter Alkoholismus, Herzproblemen, Diabetes und anderen physischen und psychischen Krankheiten. In den USA sind Indianer eine Randgruppe mit wenig bis keiner Anerkennung. Bei der Volkszählung 2000 gaben 2,47 Millionen Menschen an, Indianer oder Indigene Alaskas zu sein – dies sind 26 % mehr als 1990. Weitere 1,6 Millionen gaben an, teilweise indianischer Abstammung zu sein. Die US-Indianer besitzen rund 23 Millionen Hektar Land, zumeist in Reservationen. Diese Zahl ist aufgrund von Landstreitigkeiten umstritten. 85 % der Indianer leben außerhalb von Reservationen, meist in Städten. Die Stadt mit den meisten indianischen Einwohnern ist New York City, hier leben 87.000 Indianer. Gemäss der Census-Schätzung von 2003 lebt ein Drittel aller US-Indianer in den drei Bundesstaaten Kalifornien, Arizona und Oklahoma. Die bevölkerungsreichsten Stämme der USA sind (Census 2000; es sind nur Indianer gezählt, die sich ausschliesslich zu einem einzigen Stamm zugehörig erklärten): Im Jahre 2000 waren acht von zehn Amerikanern mit indianischen Vorfahren Halbblute. Etliche kleinere Stämme kämpfen um ihre Anerkennung als solche. Um als Indianer-Stamm anerkannt zu werden, müssen sie ihre indianische Herkunft über viele Generationen nachweisen. Dies ist oft schwierig bis unmöglich. Im Bundesstaat Virginia beispielsweise wurden anfangs des 20. Jahrhunderts alle Nicht-Weiße als Farbige deklariert, auch die Indianer. In South Carolina erhielten am 17. Februar 2005 die Pee Dee und die Waccamaw die staatliche Anerkennung. In den USA leben 20 % der Indianer unter der Armutsgrenze. Die US-Indianer besitzen 2,3 Prozent der Gesamtfläche der USA. Viele Indianer leben in urbanen Gebieten außerhalb der Reservationen. In Kanada werden die Indianervölker als First Nations bezeichnet. Nicht zu den First Nations zählen die Inuit, Inuvialuit und die Métis. Die First Nations machen rund 3 % der kanadischen Bevölkerung aus. Da der Anteil von Indianern, die einen Hochschulabschluss haben, wesentlich niedriger ist als bei anderen Gruppen der Bevölkerung, richteten sie im Jahre 2000 die First Nations University of Canada in Regina, Saskatchewan ein.

Das Leben in Reservationen und Reservaten

Saskatchewan Das Leben in US-Reservationen ist von Armut geprägt. Die Arbeitslosigkeit ist enorm hoch, das Gesundheitswesen schlecht und der Alkoholismus weit verbreitet. In jüngster Vergangenheit verbesserte sich die Situation in jenen Reservationen erheblich, die mit eigenen Kasinos Millionenbeträge einspielten. Andere Stämme lehnen Kasinos mit dem Argument ab, diese würden ihre Kultur zerstören. In Kanada wohnten 1996 400.000 Indianer in Reservaten. Bei ihnen lag die Arbeitslosigkeit bei 28,7 %; bei der kanadischen Gesamtbevölkerung lag sie dagegen bei 10,1 %. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag in den Reservaten um mehr als sechs Jahre niedriger als in Gesamtkanada. Ähnlich sah es bei den Tuberkuloseerkrankungen aus: In den Reservaten kamen im Jahre 2000 34 Tuberkulose-Fälle auf 100.000 Personen, in Kanada lediglich 5. Auch Selbstmorde und Krankheiten im Zusammenhang mit Alkohol- und Drogenkonsum waren häufiger.

Das Leben in urbanen Gebieten

Insbesondere durch die Terminationspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die indianische Bevölkerung in den Städten sprunghaft zu. In den zwanzig Jahren nach 1950 sollen etwa 100.000 Indianer in die Städte gezogen sein. 1970 lebten bereits 44,6 % aller registrierten Indianer in Städten, um 1990 waren es mit 54 % über die Hälfte. Die am stärksten bevorzugten Städte waren zum einen die großen wie Los Angeles mit 30.000 Indianern, San Francisco mit 20.000 und Chicago mit 8.000, zum anderen kleinere Städte in der Nähe der Reservationen wie zum Beispiel Tulsa, Oklahoma City, Phoenix, Tucson, Albuquerque, Seattle, Minneapolis und Buffalo. Die staatlich geförderte Umsiedlung in Städte hatte offiziell den Zweck, die Arbeitslosenquote in den Reservationen zu verringern. Dieses Ziel wurde nicht mal annähernd erreicht. Abgenommen hat dafür die Arbeitslosenquote der indianischen Bevölkerung in den Städten. Zwischen 1950 und 1970 sank sie von 15,1 % auf 9,4 %. Die Abnahme der Arbeitslosenquote ging einher mit einer Verbesserung der Ausbildung. Gegenüber den Reservationen lag das Lohnniveau in den Städten höher. Dieser Unterschied vergrößerte sich weiter im Laufe der Jahre. Im Jahre 1949 lag das mittlere Einkommen der Reservationsindianer bei rund 80 % desjenigen der städtischen Indianer. Zwanzig Jahre später verdienten die Reservationsindianer nur noch 57 % der in Städten lebenden. Damit lag das Einkommen der städtischen Indianer ungefähr auf dem Niveau desjenigen der schwarzen Männer. Ebenfalls niedriger als in den Reservationen ist die Sterblichkeitsrate, dies vor allem dank einer besseren gesundheitlichen Versorgung. Stärker jedoch ist der Alkoholkonsum, obwohl dieser in den Reservationen bereits ein großes Problem darstellt. Markant ist auch die geringere Kinderzahl pro Frau in den Städten. Hatte um 1980 eine Frau in den Reservationen durchschnittlich 5,3 Kinder, waren es zur selben Zeit in der Stadt nur 3,7 Kinder. Nicht alle Indianer kommen mit der weißen Welt gleich gut zurecht. Zu Beginn der Terminationspolitik kehrten rund drei Viertel aller Umsiedler in die Reservationen zurück, später nur noch etwa die Hälfte. Für eine Rückkehr sprechen vor allem persönliche und ökonomische Gründe. Obwohl städtische Indianer wohl ebenso mittellos sind, wie die in Ghettos lebenden Schwarzen, gibt es keine eigentlichen Indianerghettos. Vielmehr leben die Indianer über die ganze Stadt verteilt wie in Seattle oder sind in einem Gebiet im Herzen der Stadt angesiedelt, wie dies in Minneapolis der Fall ist. Dort ist das Indianerviertel zwar als Red Ghetto bekannt, ist allerdings nicht mit den schwarzen Ghettos vergleichbar, die meist am Stadtrand liegen. Egal wie die Verteilung der Indianer in den Städten aussieht, den allermeisten städtischen Indianern ist das Wohnen in ärmeren Stadtvierteln gemein. So leben 19 % aller städtischen Indianer in überfüllten Wohnungen, während dieser Anteil bei der gesamten US-Bevölkerung nur bei 7 % liegt. Der starke Alkoholkonsum verwickelt viele Indianer in große Probleme. Insbesondere führt er zu zahlreichen Verhaftungen wegen Delikten unter Alkoholkonsum. Tatsächlich zählen Bars in den Städten zu den beliebtesten Treffpunkten.

Traditionelle Kultur