Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Agamemnon

Agamemnon

Agamemnon war nach der griechischen Mythologie König von Mykene. Er war der Sohn des Atreus und der Aerope. Nachdem er den ersten Mann von Klytaimnestra getötet hatte, nahm er diese zur Frau. Mit ihr war er Vater der Chrysothemis, der Elektra, der Iphigenie und des Orestes. Als Oberbefehlshaber der Griechen führte er die griechischen Fürsten gegen Troja. Der Anlass des Trojanischen Krieges war, dass die Frau seines Bruders Menelaos, die schöne Helena, von Paris nach Troja entführt worden war. Da Agamemnon in Aulis eine der Göttin Artemis heilige Hirschkuh erlegt hatte, schickte diese seiner Flotte Gegenwinde. Um die Winde zu besänftigen, opferte er auf Anraten des Sehers Kalchas seine Tochter Iphigenie der Göttin. Agamemnon, den die Ilias als arrogant und häufig egoistisch zeigt, führte die Achaier mit Stärke, aber auch rücksichtslos und eigennützig. Wie Achilles nahm er keine Rücksicht, und ihm fehlte der Weitblick. Durch seinen taktlosen Raub der Kriegstrophäe des Achilles, der Jungfrau Briseis, stürzte er die Achaier in eine Krise, da sich Achilles gekränkt vom Krieg zurückzog. Nach zehnjähriger Belagerung fiel Troja, und Agamemnon kehrte mit der trojanischen Prinzessin Kassandra nach Mykene zurück. Dort wird er von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem Geliebten Aigisthos im Bad erschlagen als Strafe dafür, dass Agamemnon seine Tochter opferte. Wegen dieser Tat ermordete Agamemnons Sohn Orestes seine Mutter. 1876 entdeckte Heinrich Schliemann bei Ausgrabungen in Mykene eine goldene Maske, die Agamemnon gehört haben soll. Nach heutigen Erkenntnissen stammt die Goldmaske des Agamemnon allerdings aus einer früheren Ära.

Siehe auch:


- Tantaliden Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur ja:アガメムノン ko:아가멤논

Mykene

Mykene (Mykenae, Mykenä; neugriechisch Μυκήνες Mykines) war in vorklassischer Zeit eine der bedeutendsten Städte Griechenlands. Die Stadt lag in der Ebene von Argos, am Landweg zwischen südlichem Peloponnes und dem Isthmus, der Landenge (siehe: Isthmos von Korinth), die die griech. Halbinsel mit Athen und dem Norden Griechenlands verbindet. 1999 wurde Mykene mit Tiryns ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Geschichte

UNESCO-Weltkulturerbe Einer griechischen Sage zufolge gründete Perseus die Stadt Mykene. Auf einer Reise erfrischte sich der durstige und müde Held mit Wasser, welches sich im Hut eines Pilzes gesammelt hatte. An diesem Ort gründete er die Stadt, die den Namen des griechischen Wortes für Pilz in sich trägt. Die späte minoische Periode Kretas fällt in den gleichen Zeitraum mit dem Aufstieg der ersten großen Zivilisation der Bronzezeit des griechischen Festlandes, der Mykenischen (1600-1050 v. Chr.), die ihren Höhepunkt zwischen 1400 und 1200 v. Chr. erreichte. Mykener gilt auch als Bezeichnung der bei Homer Achaier genannten griechischen Oberschicht von Indogermanen, die sich auf dem Festland Griechenlands niedergelassen hatten und viele minoische Kulturanteile vermutlich aus Kreta und der Ägäis mitbrachten. Sie trafen auf dem griechischen Festland eine vorindogermanische sogenannte mediterrane Bevölkerung vor, aber möglicherweise auch bereits indogermanische Stämme (Thraker?), die früher eingewandert waren (Helladische Kultur). Diese wurden unterworfen und assimiliert. Möglicherweise im Gegensatz zur minoischen Kultur, in der der Frieden unter einer zentralen Autorität bewahrt wurde, ist die mykenische Zivilisation von unabhängigen Städten wie z.B. Korinth, Pylos, Tiryns, das böotische Theben oder Mykene charakterisiert. Die Städte wurden von Königen beherrscht, die Paläste innerhalb massiver Mauern auf leicht zu verteidigenden Berggipfeln bewohnten (Burgen, Palastwirtschaft). Die eindruckvollsten Zeugnisse der Mykener sind prachtvolle, von Heinrich Schliemann gefundene Gold-Schmuckteile und Ornamente (darunter die so genannte Goldmaske des Agamemnon), die sich heute überwiegend im Nationalen Archäologischen Museum in Athen befinden und die typisch für die Spätbronzezeitliche Kulte sind. Aber auch das berühmte Löwentor von Mykene, das deutliche parallelen zu Denkmälern der Hethiter hat. Die Mykener schrieben in der Schrift Linear B, deren Sprache als eine frühe Form des Griechischen entziffert worden ist. Sie ist verwandt mit der kretisch-minoischen Schrift Linear A. Der Götterkult der Mykener ist später fester Bestandteil der klassisch-griechischen Mythologie geworden. Als Gründer von Mykene gilt den Griechen des Altertums Perseus. Die frühesten Siedlungsspuren stammen bereits aus dem Neolithikum. Seine größte Blüte hatte Mykene im 14. und 13. Jh. v. Chr. Die Stadt blieb bis ins 5. Jh. kontinuierlich besiedelt. 468 v. Chr. wurde Mykene durch Argos erobert und seine Bewohner verschleppt. Danach wurde es nur noch kurzzeitig neu besiedelt. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Mykene endgültig verlassen. In Homers Epos Ilias wird Mykene als Hauptstadt des Königs Agamemnon, des Heerführers der Griechen, erwähnt. Andere sahen aber Theben als den Hauptort der mykenischen Griechen (Achäer) an. Einflüsse der mykenischen Zivilisation finden sich auf Kreta, dessen Zerstörung der minoischen Paläste um 1450 v. Chr. aufgrund mykenischer Eroberungen erklärt wurde. Jedoch könnte der Übergang von der minoischen zur mykenisch-griechischen Phase auf Kreta auch die Folge von Naturkatastrophen und eines friedlichen Kulturwechsels sein. Mykenische Einflüsse, vor allem Keramik, finden sich auch in Troja, wo die Handelsstraßen zum Schwarzen Meer kontrolliert wurden, in Ägypten, Mesopotamien und Italien. Um 1200 wurden die bisher bekannten mykenischen Zentren des griechischen Festlandes zerstört. Während man früher als Ursache ein gewaltsames Vordringen der Dorer und anderer nordwestgriechischer Stämme (Dorische Wanderung) annahm, werden heute multikausale Zusammenhänge verantwortlich gemacht: Ausfall von Handelspartnern im Osten, dadurch bedingt Wirtschaftskrisen, Kriege der mykenischen Zentren untereinander, Naturkatastrophen (ein Erdbeben in der Argolis ist für diese Zeit nachgewiesen), Aufstände etc. Zwar brach das mykenische Palastsystem zusammen, aber noch 150-200 Jahre lebte die mykenische Kultur weiter (Periode SH IIIC) und hatte ab der zweiten Hälfte des 12. Jh. wieder einen Aufschwung, wie u.a. neuere Ausgrabungen in Tiryns bestätigen.

Sehenswürdigkeiten

Tiryns Erhalten sind heute u.a. die Ruinen der mykenischen Oberstadt. Erwähnenswert sind die Reste der zyklopischen Ringmauer und das Löwentor. Es wurde benannt nach den zwei Löwen die auf einem Relief über dem Toreingang dargestellt sind und bildete den Hauptzugang zur Burg. Vermutlich wurde es um 1250 v. Chr. gebaut. Ein weiteres Tor befand sich im Norden. Die Mauer weist drei Bauphasen auf: die erste datiert ca. 1350 v. Chr. Mitte des 13. Jh. wurden die Verteidigungsanlagen nach Süden und Westen verstärkt. Um 1200 v. Chr. erfolgte eine nochmalige Verstärkung mit Einbeziehung von Zisternen und Vorratsräumen. Vom mykenischen Palast auf dem höchsten Punkt der Oberstadt sind leider nur spärliche Reste vorhanden, da Teile des Palastes in späterer Zeit intensiv überbaut wurden. Der Thronraum war ein großes Gebäude in Megaron-Form. Zum Palast führte eine steile Rampe empor, die größtenteils erhalten ist und wegen der Steigung (ca. 20%) nur von Menschen begangen werden konnte. Von großer Bedeutung sind zwei große Grabzirkel (A und B). Beide waren durch Stelen gekennzeichnet. In den Grabzirkeln fanden sich jeweils eine ganze Reihe von Schachtgräbern, mit sehr reichen Grabbeigaben, wie Terrakotten, Tongefäßen, goldenen Masken, Schmuck aus Goldblech usw. In fünf Schachtgräbern waren 17 Gebeine (überwiegend von Männern) zu finden. Grabzirkel A wurde später in die Burgmauer mit einbezogen. Er wurde bereits durch Schliemann entdeckt. Grabzirkel B ist erst Anfang der 50er Jahre ausgegraben worden. In ihm fanden sich z. T. noch ältere Gräber, als in Grabzirkel A. Sie stammen aus dem späten 17. oder frühen 16. Jh. v.Chr. und stehen somit ganz am Anfang der Mykenischen Periode. Die frühesten Gräber des Grabrunds A datieren ungefähr in die Mitte des 16. Jh. v. Chr. Weitherhin wurden bisher 9 Kuppelgebäude von bienenkorbähnlicher Form entdeckt, die als Grabkammer dienten (Kuppelgräber). Sie werden bis heute in der Forschung als "Schatzhäuser" bezeichnet und willkürlich nach mythologischen Figuren, die nach Homer u.a. in Mykene geherrscht haben sollen, genannt (z.B. "Schatzhaus des Atreus", "Schatzhaus der Klytaimnestra"). Sie besaßen einen überwölbten engen Zugang (Dromos). Überreste Mykenes waren schon seit der wissenschaftlichen Expedition der Franzosen (1822) genauer bekannt. Doch haben erst die seit Schliemann durchgeführten Ausgrabungen genauere Kenntnisse über die alte Königsburg und die zu ihr gehörenden Bauanlagen (Gräber etc.) ermöglicht. Heutzutage weiß man, dass vor allem auch die Minoische Kultur sehr starken Einfluss auf die mykenischen Griechen hatte. Aber auch Einflüsse aus Ägypten sind fassbar, vor allem in der Jenseitsvorstellung, womit z. B. die reichen Grabbeigaben erklärt werden. Bei einer Bestattung konnte eine versuchte Mumifizierung nachgewiesen werden. Mykene besaß eine ausgedehnte Unterstadt, die bisher aber nur wenig erforscht ist.

Ausgrabungen

Als einer der ersten grub der Engländer Lord Elgin 1802 in Mykene aus. 1868 besuchte der deutsche Archäologe und Troja-Entdecker Heinrich Schliemann die Stätte, begann jedoch erst 1876 mit Ausgrabungen. 1884 und 1885 leitete Schliemann mit Wilhelm Dörpfeld eine erneute Ausgrabung.

Mythische Mykenische Könige


- Perseus
- Atreus, Atride
- Agamemnon
- Aigisthos, Usurpator

Siehe auch

Mykenische Kultur, Mykenische Zeit, Portal:Mythologie

Literatur


- Schliemann: Mykenä (Leipzig 1878)
- Furtwängler und Löschke: Mykenische Thongefäße (Berlin 1879)
- Steffen: Karten von Mykenä (Berlin 1884)
- F. Matz, Kreta, Mykene und Troja (1956)
- G. E. Mylonas, Mykene. Ein Führer zu seinen Ruinen und seiner Geschichte (1981) Kategorie:Ort in Griechenland Kategorie:Griechische Geschichte (Antike) Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Weltkulturerbe Kategorie:Historische Stadt ja:ミケーネ

Atreus

Atreus ("Furchtlos") ist in der griechischen Mythologie ein König von Mykene, der Sohn des Pelops und der Hippodameia, der Enkel des Tantalos und der Vater von Agamemnon und Menelaos, zweier griechischer Helden vor Troja. Bekannt wurde Atreus als Angehöriger jenes Geschlechts, das durch seine Schandtaten den Fluch der Götter herabbeschwor. Diese hatten mit den Verbrechen des Tantalos begonnen und in direkter Linie ihre Fortsetzung gefunden: Pelops hatte Myrtilos, einen Sohn des Hermes getötet und letzterer hatte geschworen, diesen Verrat an Pelops Nachkommen - den Pelopiden - zu rächen. Pelops hatte mit der Nymphe Astyoche einen Sohn, Chrysippos, der sehr schön war. Da Hippodameia - nach der für diese Erzählung bedeutenderen Version - fürchtete, Pelops könnte ihm zum Nachfolger seines Reiches bestimmen, wurde er nun von ihr oder ihren Söhnen Atreus und Thyestes ermordet. Atreus floh nun nach Mykene und wurde von seinem Neffen Eurystheus, der dort König war und mit den Herakleiden stritt, für die Zeit seines Feldzuges gegen diese als Interimsherrscher bestimmt. Als Eurystheus im Kampf fiel, wurde Atreus zum rechtmäßigen König gewählt. Andere behaupten, dass noch König Sthenelos - der König von Mykene und Vater des Eurystheus - sowohl Atreus wie auch Thyestes in der Nähe, nämlich in Midea, wohnen hieß. Erst ein Orakel riet dann, einen Pelopiden zum neuen König zu wählen, als Sthenelos wie auch Eurystheus schon gestorben waren. Orakel Atreus hatte aber geschworen, sein bestes Lamm der Artemis zu opfern. Als er seine Herde suchte, fand er ein goldenes Lamm, das er seiner Frau Aërope gab, um es vor der Göttin zu verstecken. Sie gab es ihrem Liebhaber Thyestes, ebenfalls ein Bruder des Atreus, der diesen dann dazu überredete, dass derjenige, der das Lamm habe, auch der König sein solle. Thyestes wies nun das Lamm vor und beanspruchte den Thron für sich. Atreus erhielt den Thron zurück, nachdem er einen Rat des Götterboten Hermes befolgt hatte: Thyestes stimmte der Rückgabe des Throns zu für den Fall, dass sich die Sonne rückwärts bewege, ein Kunststück, das Zeus zustande brachte. Thyestes wurde verbannt. Als Atreus vom Ehebruch seiner Gattin erfuhr, tötete er Thyestes Söhne, kochte sie und lud Thyestes zu einem Gastmahl ein, bei dem er ihm seine eigenen Söhne zu essen gab und ihm danach deren Hände und Füße zeigte, die er beiseite gelegt hatte. Ein Orakel empfahl Thyestes, wenn er einen Sohn mit seiner eigenen Tochter, Pelopia, habe, werde dieser Atreus töten. Der Sohn war Aigisthos. Als er geboren wurde, wurde er von seiner Mutter aus Scham über den Inzest weggegeben. Ein Schafhirte fand das Kind und gab ihn Atreus, der ihn wie einen eigenen Sohn aufzog. Als Aigisthos erwachsen wurde, offenbarte Thyestes Aigisthos, dass er sowohl sein Vater als auch sein Onkel sei, woraufhin Aigisthos Atreus tötete. Nach einigen Quellen war Atreus der Vater von Plisthenes, nach anderen sein Bruder.

Quellen


- Apollodor
- Epitome II, 10-16
- Euripides
- Elektra

siehe auch


- Tantaliden
- Portal:Mythologie Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

Aerope

Aërope - "die mit dem nebelweißen Gesicht" - ist in der griechischen Mythologe die Tochter des Königs von Kreta, Katreus; die Schwester von Klymene, Apemosyne und Althaimenes; die Gattin von König Atreus von Mykene; die Geliebte von dessen Bruder Thyestes; die Mutter von Pleisthenes oder Agamemnon, Menelaos und Anaxibia. Da ihrem Vater geweissagt worden war, dass er durch die Hand eines seiner Kinder sterben würde, verbannte er sie und ihre Schwester Klymene von Kreta; stieß sie ins Meer; oder verkaufte sie in die Sklaverei, so dass sie schließlich von Atreus, dem Sohn des Pelops gekauft wurde. Atreus hatte einst gelobt, das schönste Lamm seiner Herde der Göttin Artemis zu opfern. Nun lag auf ihm als einem Nachkommen des Pelops, einem Pelopiden, der Fluch des Myrtilos, einem Sohn des Götterboten Hermes. Entschlossen, seinen Sohn zu rächen, brachte er ein gehörntes, goldenes Lamm in die Herde des Atreus, wohl wissend, dass dieser der Versuchung nicht widerstehen könne - und so brachte Atreus wohl das Fleisch des Opfertieres der Göttin dar, behielt aber dessen Fell für sich. Aërope sollte es verwahren, gab es jedoch ihrem Geliebten Thyestes; oder dieser erklärte sich bereit, ihr Gliebter zu werden, wenn sie ihm dieses "Goldene Vlies" aushändige. Nach dem Tod Eurystheus sollte nämlich ein neuer König in Mykene gewählt werden und ein Orakel hatte den Mykenen geraten, einen der Pelopiden zu wählen. Atreus beanspruchte den Thron als der Erstgeborene und der Besitzer des Vlieses - und darauf hatte Thyestes gewartet. Er verleitete Atreus zu der öffentlichen Aussage, der Besitzer des Vlieses solle König werden - und konnte dieses jetzt selbst vorweisen. Atreus erhielt jedoch den Thron zurück, nachdem ihn Zeus dem Thyestes vorzog. Er schickte den Götterboten Hermes zu Atreus und hieß ihn Thyestes fragen, ob er ihm den Thron überlasse, falls sich die Sonne rückwärts bewege. Nichts Böses ahnend stimmte Thyestes zu - worauf Zeus die Gestirne am Himmel dazu brachte, auf ihrem schon eingeschlagenen Weg umzukehren. Atreus erhielt den Thron zurück und verbannte seinen Bruder, sann jedoch weiter auf Rache. Als Atreus von Aëropes Ehebruch mit Thyestes erfuhr, tötete er dessen Söhne, kochte sie und lud Thyestes zu einem Gastmahl ein, bei dem er ihm deren Fleisch zu essen gab und ihm danach Hände und Füße zeigte, die er beiseite gelegt hatte - woraufhin Thyestes einen weiteren unauslöschbaren Fluch auf das Geschlecht des Atreus und so auch der Aërope legte.

Literatur


- Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen - Die Heroen-Geschichten, München (dtv) 1992 ISBN 3-423-30031-0
- Michael Grant und John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten, München (dtv) 1980 ISBN 3-423-32508-9
- Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2003 ISBN 3-499-55404-6 Siehe auch: Tantalos, Portal:Mythologie Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

Chrysothemis

Chrysothemis ist eine Tochter des Agamemnon und der Klytaimestra. Sie ist die Schwester von Elektra, Iphigeneia und Orestes. Kategorie: Griechische Mythologie

Iphigenie

Iphigeneía (auch Iphigenia oder Iphianassa) ist in der griechischen Mythologie die älteste Tochter von Agamemnon (dem König von Mykene auf der Peloponnes) und Klytaimnestra und die Schwester von Orestes, Elektra und Chrysothemis. Chrysothemis Artemis bestrafte Agamemnon, nachdem er einen heiligen Hirsch in einem heiligen Hain getötet und sich gerühmt hatte, er sei – verglichen mit der Göttin – der bessere Jäger: Sie verhinderte zu Beginn des Trojanischen Krieges die Weiterfahrt der Griechenflotte unter Agamemnons Kommando nach Troja, indem sie bei Aulis eine Windstille bewirkte. Der Seher Kalchas weissagte, dass Agamemnon seine Tochter Iphigenie der Göttin zur Sühne opfern müsse, um seine Fahrt fortsetzen zu können. Kalchas Einer Version dieser Geschichte folgend tat Agamemnon, wie geheißen, nach einer anderen wurde statt dessen eine Hirschkuh geopfert und Iphigenie von Artemis nach Tauris (auf der Krim) entrückt (vergl. Abraham), um ihr dort als Priesterin im Artemistempel zu dienen. Bei Euripides tritt Iphigenie in der Geschichte ihres Bruders Orestes auf. Um der Verfolgung durch die Erinnyen wegen der Ermordung seiner Mutter Klytaimnestra und ihres Liebhabers Aigisthos zu entkommen (also nach dem Ende des Trojanischen Krieges), wurde ihm von Apollon aufgetragen, nach Tauris zu fahren, um die hölzerne Statue der Artemis zu holen, die dort vom Himmel gefallen sei, und sie nach Athen zu bringen. Mit seinem Freund Pylades, dem Sohn des Strophius, reist Orestes nach Tauris, wo die Einheimischen sie gefangen nehmen, um sie – wie alle Fremden – der Artemis zu opfern. Die Artemis-Priesterin, deren Aufgabe es ist, das Opfer zu vollziehen, ist aber seine Schwester Iphigenie, die Orestes nicht erkennt. Sie bietet ihm an, ihn freizulassen, falls er einen Brief von ihr nach Griechenland bringe. Orestes lehnt ab, er will in Tauris bleiben und sich töten lassen, schlägt aber gleichzeitig vor, Pylades den Botengang zu übertragen. Nach einem Streit zwischen Orestes und Pylades stimmt dieser dem Vorschlag endlich zu. Der Brief enthüllt dann die Verwandtschaft zwischen Orestes und Iphigenie, zu Dritt fliehen sie aus Tauris unter Mitnahme des Artemis-Bildes. Nach seiner Rückkehr nach Griechenland, nimmt Orestes Mykene in Besitz, das Königreich seines Vaters Agamemnon, dem er noch Argos und Laconia hinzufügt. Iphigenie, die erst spät in der griechischen Mythologie erwähnt wird (erst nachdem die Geschichten von Agamemnon und Klytemnästra aufgezeichnet worden waren), wurde so sehr mit Artemis gleichgesetzt, dass einige Interpreten glauben, sie sei ursprünglich eine rivalisierende Jagdgöttin gewesen, deren Kult später mit dem der Artemis zusammengefasst wurde. Hesiod berichtet, aus ihr sei die Göttin Hekate geworden. Iphigenie war und ist - wie viele der Tantaliden - ein beliebtes Motiv in der Dichtkunst. Eine wichtige Version ist die Bearbeitung des Tantalidenmythos von Euripides um 480 - 406 v. Chr. Eine der bekanntesten neuzeitlichen Verarbeitungen ist Goethes Schauspiel "Iphigenie auf Tauris" (vgl. auch Gerhart Hauptmanns "Iphigenie in Aulis").

Siehe auch

Tantaliden

Weblinks


- [http://www.gutenberg.net/etext/2054 - Etext von Goethes] Iphigenie auf Tauris Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

Orestes

Orestes (griechisch Ορέστης) ist ein griechischer Name und bedeutet wörtlich "Der Auf einem Berg steht" oder auch "Bergbewohner". In der griechischen Mythologie war Orestes der Sohn des Agamemnon und der Klytaimnestra. Um die Ermordung des Vaters durch Klytaimnestra zu rächen, tötet er seine Mutter im Auftrag Apollons. Die alten Rachegöttinnen, die Erinyen, schlagen ihn zur Strafe mit Wahnsinn und treiben ihn durch die Lande, bis seine Tat auf dem Athener Areopag verhandelt wird. Im Prozess plädiert die Göttin der Stadt, Athene, zu seinen Gunsten. Ihre Stimme gibt den Ausschlag - Orestes kommt frei. Er wird König in seiner Vaterstadt Mykene, die unter seiner Herrschaft glückliche Jahre erlebt. Erst in hohem Alter (mit neunzig Jahren) stirbt Orestes in Arkadien durch den Biss einer Schlange. In einer anderen Version wird Orestes von Apollon geraten, in Athen das Bild der Pallas Athene als Schutzflehender zu umfassen. Dort wird er dann vom Areopag freigesprochen. Orestes soll in Delphi Neoptolemos erschlagen haben und später Hermione, die Tochter von Helena und Menelaos, geheiratet haben. Aischylos hat den Orestes-Stoff in seiner Orestie behandelt, der einzigen tragischen Trilogie des perikleischen Zeitalters, die uns vollständig erhalten ist. Auch Euripides stellte Orestes in den Mittelpunkt einer seiner Tragödien. Cicero zitiert ein Stück von Marcus Pacuvius über Orestes als Beispiel für Freundschaft in seinem Werk [http://www.thelatinlibrary.com/cicero/amic.shtml#24 Laelius über die Freundschaft (24.)]). Eine moderne Bearbeitung des Mythos findet sich in Jean-Paul Sartres Les Mouches (zu deutsch Die Fliegen), welche von der britischen Independent-Band Cranes unter dem Titel La tragédie d'Oreste et Électre als experimentelles Konzeptalbum umgesetzt wurde. Georg Friedrich Händel griff in seiner Pasticcio-Oper Oreste ebenfalls auf die Orestes-Sage zurück. Siehe auch: Tantaliden und Iphigenie

Orestes im Weströmischen Reich

Orestes (
- ? / † 476 - ermordet) war ein weströmischer Patrizier und Heerführer, dem es nicht gelang, den Ansturm der germanischen Feinde Westroms zu stoppen. Im Jahr 475 setzte er seinen Sohn Romulus Augustulus als letzten Kaiser Westroms ein.

Weblinks

Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Gestorben 476

Troja

]] Troja, auch Troia (griechisch: Τροίη / Troíē; türkisch Truva) ist eine historische Stadt des Altertums in der Landschaft Troas im Nordwesten der Türkei am Hellespont.

Forschungsgeschichte

An der Meerenge der Dardanellen gelegen, kontrollierte die bronzezeitliche Stadt den Zugang zum Schwarzen Meer. Die Schiffe konnten damals noch nicht gegen den Wind kreuzen, also warteten sie im Hafen der Festung auf günstige Winde. Ihr Wegezoll brachte der Stadt Reichtum. Es ist nicht erwiesen, gilt aber als wahrscheinlich, dass das bei Homer auch Ilion oder Ilios genannte Troia mit der hier beschriebenen Stadt identisch ist.

Die ersten Troia-Forscher und Schliemann

1820 verfasste der schottische Zeitungsverleger und Amateurgeologe Charles Maclaren einen Essay über Troia, den er 1824 zu einer voluminösen Dissertation erweiterte, in der er den Hügel Hisarlık als Troia lokalisierte. Ein Teil dieses Hügels war damals im Besitz der englischen Großgrundbesitzer- und Diplomatenfamilie Calvert. Als Maclaren 1863 eine noch fundiertere Beschreibung der Ebene von Troia publizierte, versuchte der jüngste Sohn der Familie, Frank Calvert, den restlichen Hügel zu erwerben. Dieses Vorhaben misslang, doch dafür machte er selbst kleinere Probegrabungen von 1863-65. Diese beeindruckten ihn so sehr, dass auch er von der Existenz Troias an dieser Stelle überzeugt war. Seine Bitte an das British Museum zwecks baldiger Erforschung wurde abschlägig beschieden. British Museum] Am 9. August 1868 kam der deutsche Großkaufmann und Hobby-Archäologe Heinrich Schliemann in die Ebene der Troas. Auch er war hier auf der Suche nach dem sagenhaften Troia und vermutete es zuerst unter dem Hügel Balli Dağ aufgrund einer These von Jean Baptiste LeChevalier (1791). Schliemann und seine fünf Arbeiter wurden nicht fündig, er wollte abreisen, verpasste sein Schiff und traf dabei zufällig auf Frank Calvert, in dessen Haus er übernachtete. Calvert konnte nun Schliemann mit seiner Überzeugung begeistern, dass sich unter dem Hügel von Hisarlık die Ruinen des homerischen Troias verbergen müssen. Entgegen der Selbstdarstellung in seiner Biographie verdankte also Schliemann die Kenntnis des Ortes nicht seiner Lektüre von Georg Ludwig Jerrers Weltgeschichte für Kinder im Alter von acht Jahren sowie seiner genialen Intuition, sondern nur dem Konsul Calvert entsprechend den Recherchen von Zangger (1994, 83ff.). Schliemanns spektakulärster Fund war nun der sog. Schatz des Priamos (Schliemanns eigene Bezeichnung). Er begründete in mehrfacher Hinsicht Neues: Schliemanns Ruhm als Wissenschaftler, die Begeisterung des wilhelminischen Kaiserhauses für Troia und für die Archäologie im Allgemeinen, die nun im öffentlichen Ansehen von einer Disziplin für Amateure und Reisende zu einer ernsthaften Wissenschaftsdisziplin befördert wurde. Der Goldschatz wurde lange Zeit im Antikenmuseum in Berlin aufbewahrt und nach dem Zweiten Weltkrieg als Beutekunst in die UdSSR gebracht. Allerdings ergaben sich bereits zu Schliemanns Lebzeiten erste Hinweise darauf, dass der Schatz mehr als 1.000 Jahre älter war als von Schliemann angenommen.

Dörpfeld und Blegen

Wie weitere Ausgrabungen ergaben, war Troja von der Frühen Bronzezeit (ca. 3000 v. Chr.) bis in die Spätantike besiedelt. Mit dem Christentum ließ die Bedeutung der Stadt, in der die troianischen Sagenhelden verehrt worden waren, dann deutlich nach. Bis heute wurden mehr als 10 Siedlungsschichten entdeckt (Troia I - Troia X). Dabei gehören - vereinfacht ausgedrückt - Troia I und II der frühen, Troia III-V der mittleren, Troia VI-VIIa der späten Bronzezeit und Troia VIIb1 - b3 der frühen Eisenzeit an. Troia VIII und IX datieren in die Zeit vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis in die römische Zeit, Troia X, ein byzantinischer Bischofssitz, reicht bis ins Mittelalter. Unlängst sind Spuren noch früherer Besiedlung gefunden worden, die bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Ob auch der trojanische Krieg einen historischen Kern hat, ist weiterhin höchst umstritten. Die Lage der Stadt Troia wird in der Dichtung Ilias von Homer klar beschrieben: es werden die Dardanellen (im Werk: Hellespont) genannt, der höchste Berg ist der Kazdagi (Ida Berg), es werden zudem 2 Flüsse beschrieben namens Skamander (heute Karamanderes) welcher dem Ida Berg entspringt und Simois welche sich bei Troia vereinen und in den Hellespont fließen. Es wird auch von den Inseln Tenedos (Bozcaada) und Imroz (Gökceada) berichtet. Die heute archäologisch erschlossenen Flächen umfassen nur die Festung von Troia, mit Sicherheit befand sich ein großer Teil der Stadt außerhalb der befestigten Anlagen. Eisenzeit Schliemann hielt das imposante frühbronzezeitliche Troia II für das homerische. Er glaubte damals irrtümlich, dass es zeitgleich mit Mykene und Tiryns war. Dörpfeld hielt die 6. Siedlungsschicht (Troia VI) für das Homerische Troia. Schicht VIh ist um 1300 v. Chr. aber wahrscheinlich durch ein starkes Erdbeben zerstört worden. Daher hielt Carl Blegen die darauf folgende Schicht, Troia VIIa für das homerische Troia. Diese These fand und findet den meisten Zuspruch. Nach neueren Keramikuntersuchungen wird das wahrscheinlich gewaltsame Ende von Troia VIIa auf ca. 1200 v. Chr. datiert. Das passt gut zu den meisten Datierungen des Trojanischen Krieges durch antike Autoren. Als "Kandidat" für das Ilion Homers kommt aber auch noch Troia VIIb1 in Betracht. Neben Festhalten der Traditionen von Troia VI und VIIa treten hier neue Elemente zu Tage, z.B. sog. Handmade Ware (grobe, einfach verzierte graue handgemachte Keramik), die auf teilweise geänderte Bevölkerung schließen lassen. Das passt besser zu den Angaben Homers. Auch die machtpolitischen Verhältnisse in Kleinasien, wie sie Homer schildert, passen gut in diese Zeit. Die mykenische Kultur hat im 12. und 11. Jh. weiterbestanden. Auch Handel und Seefahrt wurden weiterbetrieben. Ein Krieg von Griechen gegen Troia im 12. Jh. wäre also denkbar. Dagegen hätte ein Zug gegen Troia im 14. oder 13. Jh. unweigerlich die Hethiter auf den Plan gerufen und sicherlich einen Niederschlag in den hethitischen Schriftquellen gefunden.

Hethiter-These von Latacz

Dennoch bleibt in diesem Punkt vieles ungeklärt. Die äußerst komplizierte Frage, inwieweit Homer tatsächlich als Quelle für die späte Bronzezeit dienen kann, und ob es überhaupt einen troianischen Krieg gegeben hat, kann hier nicht angemessen behandelt werden. Die Thesen des Altphilologen Joachim Latacz stützen sich auf neue Grabungsergebnisse und werden in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Troja war vielleicht mit einer in hethitischen Quellen genannten Stadt Wilusa (= (W)Ilios) identisch, aber archäologische Beweise für die Authentizität der von Homer geschilderten Ereignisse fehlen. Ein 1995 entdecktes Bronzesiegel mit luwischen Inschriften belegt die Nähe Troias zum hethitisch-luwischen Kulturkreis. Andererseits ist die Belegbasis eines einzigen Siegels zu gering für weitreichende Schlussfolgerungen. Es blieb bislang der einzige derartige Fund, der zudem noch der Schicht VII b (= 12. Jh. v. Chr.) zugeordnet wurde. Innerhalb der Klassischen Philologie ist Latacz bislang der Einzige, der die Historizität der homerischen Epen und zugleich die Verbindung mit dem Korfmannschen Troia in Erwägung zieht. Weder in der hethitischen noch in der griechisch-römischen schriftlichen Überlieferung finden sich eindeutige Belege für die Identität Hisarlıks mit dem homerischen Troia, dasselbe gilt für die Verbindung mit Wilusa (auch das sprachwissenschaftliche Argument Wilusa = Ilion ist nicht allgemein anerkannt). Image:Trojan horse Çanakkale.jpg|Trojanisches Pferd, Requisite des Films Troja, Çanakkale, Turkei Image:Çanakkale trojan horse.jpg|Trojanisches Pferd, Çanakkale, Turkei Bild:Trojanisches_Pferd.jpg|Trojanisches Pferd, Nachbau bei der Troja-Ausstellung im Mai 2001 in Stuttgart

Korfmann und die Entdeckung der Unterstadt 1994

Bis vor kurzem beschränkten sich die Ausgrabungen auf die Burg (Akropolis) von Troia Oberstadt. Der Münchner Archäologe und Geophysiker Helmut Becker entdeckte durch geomagnetische Messungen eine ausgedehnte Unterstadt unterhalb der Akropolis. Seither wird bei den aktuellen Grabungen von Manfred Korfmanns Team (jetzt: Dr. Peter Jablonka) auch verstärkt die Unterstadt erforscht. Die reale Ausdehnung Troias rückte dadurch in das Zentrum der laufenden Diskussion. Korfmanns Thesen über die Bedeutung Troias stießen in der Forschung auf zunehmenden Widerstand und führten ab 2001 zu einer breiten, oftmals ins Persönliche gehenden Diskussion innerhalb der deutschen Altertumswissenschaften. Im Kern kreist dieser "neue Streit um Troia" um die tatsächliche Größe und Bedeutung des bronzezeitlichen Troia. Während Korfmann in Troia ein überregionales Handelszentrum sah, beschränken es einige Archäologen und Althistoriker auf eine nur mittelmäßig bedeutende Siedlung. Der Protagonist dieser Gruppe ist Korfmanns damaliger Tübinger Kollege Frank Kolb, der selbst über jahrelange Grabungserfahrung in der Türkei verfügt. Der Hauptvorwurf an Korfmann und seinen akademischen Mitstreitern besteht in einer Vernachlässigung der wissenschaftlichen Sorgfalt und Vorsicht im Namen möglichst spektakulärer, öffentlichkeitswirksamer Ergebnisse. Seit dem Beginn des Troia-Streites musste Korfmann zahlreiche der seine Theorie stützenden Grabungsinterpretationen zurückziehen und kam den Argumenten der Gegenseite ein Stück weit entgegen. An der Gesamtinterpretation der Grabungen hält das Team um Korfmann und seinen designierten Nachfolger Jablonka allerdings fest. Eine eindeutige Entscheidung konnte die Auseinandersetzung nicht erbringen. Im Laufe des "neuen Kampfes um Troia" wurde schließlich auf beiden Seiten nicht mit persönlicher Kritik und unsachlichen Bemerkungen gespart, was der fachlichen Auseinandersetzung und ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit eher geschadet haben dürfte. Die Korfmann-Position prägt heute das Troia-Bild der interessierten Öffentlichkeit. Der öffentliche Streit hat sich bereits seit Sommer 2004 etwas beruhigt, nachdem die Debatte mehr und mehr auf persönlicher Ebene ausgetragen wurde. Nach dem Tod Manfred Korfmanns im August 2005 steht die Troia-Kampagne nun vor einer ungewissen Zukunft. Es ist zu erwarten, dass das Tübinger Team sich um eine längerfristige Fortsetzung der Forschungen bemühen wird. Das negative Beispiel des Tübinger Symposiums könnte schließlich doch noch zu einer Versachlichung der Forschungsdiskussion führen.

Troia = Atlantis?

Manfred Korfmann Der Geoarchäologe Eberhard Zangger entwickelte daneben in seinem 1992 erschienenen Buch „Atlantis. Eine Legende wird entziffert“ die Hypothese, das sagenhafte Atlantis, das in der Beschreibung des Philosophen Platon archäologisch nachweisbare Merkmale des historischen Troja aufweise, sei das durch die Griechen vernichtete Troja gewesen. Anhand geoarchäologischer Befunde versucht er am Beispiel Mykenes zu zeigen, dass der in der Ilias und der Odyssee überlieferte trojanische Krieg und die bei Platon beschriebenen Naturkatastrophen den Untergang des heroischen Zeitalters um 1200 vor Christus eingeleitet haben könnten. Allerdings ruhen Zanggers Thesen nur auf ausgesprochen unsicheren Fundamenten, und seine Argumentation verlässt sich an entscheidenden Punkten letztlich zu sehr auf Spekulationen. So kann eine Identität von Troja und Atlantis archäologisch weder widerlegt noch bewiesen werden. Dieser Ungewißheit sollte ein Projekt zur geoarchäologischen Erkundung der Ebene von Troas mit hubschraubergestützten geomagnetischen Messungen von Zangger in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) abhelfen. Das Projekt wurde den türkischen Behörden schon 1998 vorgelegt [http://www.bgr.de/b314/htm/troja.htm]. Nur eine Woche nach Bekanntmachung dieses ambitionierten Vorhabens durch den Spiegel (29.12.1998) [http://web.archive.org/web/20030815234713/http://www.sarifil.com/manisa/basin/der_01.htm] empörte sich eine Mitstreiterin Korfmanns im Schwäbischen Tagblatt (9.1.1999) über diese "Anmaßung" und bezweifelte, dass es Zangger gelingen werde, eine amtliche Erlaubnis zu erhalten [http://web.archive.org/web/20020927191424/http://asweb.artsci.uc.edu/classics/troy/deu/presse5.html]. Gegner von Zanggers Idee einer Identität von Troja und Atlantis insistieren auf dem zentralen Problem aller Atlantisspekulation: die Existenz einer Stadt, eines Landes "Atlantis" ist nur durch eine einzige Quelle belegt. Platon beschreibt Atlantis in den Dialogen "Kritias", "Timaios" und vermutlich auch in seinem Spätwerk "Nomoi" (Die Gesetze) als einen Staat von utopischem Charakter. Die Nennung des Namens "Atlantis" sei kein Widerspruch zur Annahme, dass Atlantis nur ein utopisches Konstrukt Platons sei. Skeptiker der Atlantis-Theorien plädieren daher, den Ort radikal außerhalb der "Säulen des Herakles" (Gibraltar) zu lokalisieren, d.h. außerhalb der diesseitigen Welt. Unterstützung erhalten sie dabei von Aristoteles, der ebenfalls Atlantis als utopisches Konstrukt Platons interpretiert. Die Suche nach Atlantis könne daher nicht realer sein als Sokrates' "Wolkenkuckucksheim".

Literatur


- Latacz, Joachim (2005): Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels. München: Koehler & Amelang. 384 S., 30 s/w. Abb., 2 farb. Karten ISBN 3-7338-0332-9
- Homer (2004): Ilias. Ditzingen: Reclam. ISBN 3-15-018299-9
- Brandau, Birgit; Schickert, Hartmut; Jablonka, Peter (2004): Troia. Wie es wirklich aussah. München: Piper. 176 S., 113 farb. Abb. ISBN 3-492-04610-X
- Ulf, Christoph (2003): Der neue Streit um Troia. Eine Bilanz. München: Beck. 318 S., 17 Abb., 8 Karten ISBN 3-406-50998-3
- Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg (2001): Troia. Traum und Wirklichkeit. Stuttgart: Theiss, 496 Seiten, 500 meist farb. Abb. ISBN 3-8062-1543-X
- Hertel, Dieter (2001): Troia. Archäologie, Geschichte, Mythos. München: Beck. 128 S., 4 Karten, 16 Abb. ISBN 3-406-44766-X
- Korfmann, Manfred und Mannsperger, Dietrich (1998): Troia. Ein historischer Überblick und Rundgang. Stuttgart: Theiss, 80 S., 100 meist farb. Abb. ISBN 3-8062-1369-0
- Brandau, Birgit (1997): Troia. Eine Stadt und ihr Mythos. Bergisch Gladbach: Lübbe ISBN 3-404-64165-5
- Zangger, Eberhard (1994): Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise. München: Knaur, 352 S., Ill., Karten
- LeChevalier, Jean Baptiste (1800): Reise nach Troas oder Gemählde der Ebene von Troja in ihrem gegenwärtigen Zustande. [Voyage de la Troade, 1791]. Bearb. von Carl Gotthold Lenz. Altenburg und Erfurt: Rinck und Schnuphase. 271 S., Ill.

Literatur um Troja im weiteren Sinne


- Christa Wolf: Kassandra
- Marion Zimmer Bradley: Die Feuer von Troja
- Euripides: Die Troerinnen
- Jean Giraudoux: La guerre de Troie n'aura pas lieu
- Gisbert Haefs: Troja
- Sarah B. Franklin: Eine Tochter Trojas
- Leif Allendorf: Sieger

Siehe auch


- Trojanischer Krieg
- Trojanisches Pferd
- Trojaner
- Troja (Film)
- Troja (Fluss)

Weblinks


- [http://www.uni-tuebingen.de/troia/deu/ Projekt Troia] - website des Tübinger Grabungsteams, bis 2004 unter Leitung von Prof. Korfmann
- [http://www.troia.de/ www.troia.de] - prämierte website der Troia-Ausstellung von 2001/2002
- [http://www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php?id=231 Unesco-Weltkulturerbe], SWR, »Schätze der Welt« mit Real-Video (15 Min.)
- [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/siteindex?lookup=Troy&word=troja Antiken-Portal "Perseus"] über Troia (engl.)
- [http://earthobservatory.nasa.gov/Newsroom/NewImages/images.php3?img_id=4032 Satellitenbild] von der NASA Artikel
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/28/0,1872,2006396,00.html „Ist Troja gleich Atlantis? Viele Parallelen erkennbar“], ZDF, 28. September 2003
- [http://web.archive.org/web/20041015192407/http://www.cityinfonetz.de/tagblatt/archiv/2002/das.magazin/07/artikel1.html Troia-Portal] des Schwäbischen Tagblatt, 15. Februar 2002; Dokumentation des Streitgesprächs zwischen Kolb und Korfmann in Tübingen
- [http://web.archive.org/web/20040624222214/http://www.cityinfonetz.de/tagblatt/archiv/2002/02/18/text4.phtml Interview mit Zangger] anlässlich der Tübinger Troia-Konferenz, Schwäbisches Tagblatt, 18. Februar 2002
- [http://www.nationalgeographic.de/php/magazin/topstories/1999/12/topstory2.htm „Das Drama von Troja“], National Geographic, Nr. 12, 1999 (mit Videos über die Anlage)
- [http://www.ancient-cultures.com/troja.php „Troja - Mykener gegen Hethiter?“] auf ancient-cultures.com (dt.) Aufsätze
- [http://projectsx.dartmouth.edu/history/bronze_age/lessons/les/27.html Skript über "Troy VII" und die "Historizität" des Trojanischen Krieges], Dartmouth College, March 18, 2000 (engl.) Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Türkei Kategorie:Weltkulturerbe Kategorie:Archäologische Grabung Kategorie:Historische Stadt ja:イリオス ko:트로이아

Menelaos

Menelaos ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie, Bruder des Agamemnon, Ehemann der Helena. Als Helena von Paris entführt wurde, zog er mit seinem Bruder und einem Heer gegen Troja, um Helena aus den Händen Paris' zu befreien. Dies war der mythische Auslöser für den Trojanischen Krieg. Jedoch anders als im Film von Wolfgang Petersen, wo er von Hector getötet wird, kehrte Menelaos nach Sparta zurück und regierte dort gemeinsam mit Helena noch für lange Zeit.

Siehe auch


- Tantaliden Kategorie:Griechische Mythologie ko:메넬라오스

Helena (Mythologie)

Helena wurde bereits in vorgriechischer Zeit als örtliche Vegetationsgöttin in Sparta verehrt. Sparta In der griechischen Mythologie war sie die aus einem Ei geborene Tochter des Zeus und der Leda. Leda wurde von Zeus in Gestalt eines Schwanes verführt, wodurch sie die Mutter von Helena und der Dioskuren Kastor und Polydeukes wurde. Klytaimnestra galt als die Tochter der Leda und des Tyndareos, sie war eine Halbschwester der Helena. Anderen Überlieferungen zufolge wurden Helena und die Dioskuren, aus einem oder zwei Eier geboren, oder Leda pflegte das Ei der Nemesis und des Zeus, aus dem Helena entstand, die Leda wie ihr eigenes Kind aufzog. Helena galt als die schönste Frau ihrer Zeit. Ihre Schönheit soll so groß gewesen sein, dass jeder Mann der sie sah, Helena besitzen wollte. Sie wurde schon als Zwölfjährige von Theseus und Peirithoos nach Aphidnai in Attika entführt und von den Dioskuren, ihren Brüdern, befreit. (Dies auch eine mythische Erklärung, warum Athen sich später nicht am Krieg gegen Troja (s.u.) beteiligt hat.) Um sie warben, als sie mannbar wurde, sehr viele Griechenfürsten. Ihr irdischer Vater befürchtete bei Bevorzugung eines Freiers die Feindschaft aller abgewiesenen, und er ließ daher alle Bewerber um Helena schwören, dass sie die Wahl Helenas anerkennen und gegen jedermann verteidigen würden. (Dies eine typische Rechtfertigungssage für das Bündnis fast aller Griechenkönige gegen Troja.) Helena wählte den Prinzen von Mykene, Menelaos, dem sie später ihre Tochter Hermione gebar. Im Streit der drei Göttinnen um den Apfel der Eris wurde sie von Aphrodite dem trojanischen Prinzen Paris versprochen und ließ sich von ihm, mit eigenem Einverständnis, nach Troja entführen. Nach einer Version der Sage kam sie niemals in Troja an, da sie bei einer langen und umwegigen Rückfahrt in Ägypten zurückgeblieben sei - in Troja sei nach Willen der Götter nur ein Helena gleichendes "Phantom" gekommen. Der Hauptversion des Sage nach folgte sie aber dem Paris nach Troja und löste damit den Trojanischen Krieg der Griechen gegen Troja aus, als sich der entehrte Menelaos an alle abgewiesenen Freier um Hilfe wandte. Nach dem Fall des Paris ehelichte sie noch dessen Bruder Deiphobos und wurde nach der Niederlage Trojas von Menelaos trotz allem wieder akzeptiert. Beide kehrten heil nach Sparta zurück und herrschten noch lange dort - anders als die meisten anderen Griechenfürsten, die fast alle nach dem Fall Trojas umkamen. Die Helenagestalt erscheint bereits im ältesten abendländischen (griechischen) Epos des Homer, der Ilias, und erfuhr ein langes literarisches Nachleben (z. B. in Goethes Faust II und Jacques Offenbachs Operette Die schöne Helena u.v.a.m.) Ihr Name erscheint in wohl allen europäischen Sprachen als weiblicher Vorname. Siehe ferner: Tantaliden. Kategorie:Antike (Krieg) Kategorie:Griechische Mythologie ja:ヘレネ ko:헬레나 (신화)

Aulis

Aulis ist eine antike Hafenstadt in Böotien in Mittelgriechenland, die etwa zwanzig Kilometer östlich von Theben, dem heutigen Thiva (Θήβα), liegt. In der Antike war Aulis ein bekannter Kultort der Artemis, ein Tempel für diesen Kult wurde vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 400 n. Chr. genutzt. Seine Ruinen sind neben denen einer Festung aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. die bedeutendsten Bauwerksreste in Aulis. Der Sage nach trafen sich hier die griechische Flotte mit ihren Verbündeten, um gemeinsam gegen Troja zu ziehen. Da Agamemnon der Atride seine Jagdkunst mit der der Jagdgöttin Artemis verglich und diese erzürnt war, konnte die Flotte mangels Wind nicht auslaufen. Deshalb opferte Agamemnon in Aulis nach einigen Versionen der Sage seine älteste Tochter Iphigenie. Erwähnt wird Aulis außer in den Sagen der alten Griechen im Besonderen in der Tragödie "Iphigenie in Aulis" von Euripides, die von Friedrich Schiller übersetzt wurde. Dieses Werk nahm u.a. Johann Wolfgang von Goethe als Grundlage für seine Iphigenie auf Tauris. Siehe auch: Portal:Mythologie Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Ort in Griechenland Kategorie:Historische Stadt

Artemis (Mythologie)

Artemis (Aρτεμις) war in der griechischen Mythologie (ihr Ursprung liegt weit vor der griechischen Kultur) eine der zwölf großen olympischen Gottheiten, die Göttin der Jagd, des Wachstums und der Geburt und gleichzeitig die Beschützerin der Schwachen und Kinder. Sie ist die Tochter der Leto und des Zeus und die Zwillingsschwester von Apollon, bei dessen Geburt sie Leto geholfen haben soll.

Zuschreibungen

Sie war eine Mondgöttin bei den Amazonen, weshalb ihr Beiname auch "Cynthia" (gr. der Mond) ist. Die Römer setzen sie mit Diana gleich. Artemis ist ein jungfräuliche Göttin, eine Göttin der Fülle und der Fruchtbarkeit und eine Göttin von Tod und Verwandlung. Das klassische Bild der Artemis ist das einer jungfräulichen Jägerin, die allein oder von Jungfrauen oder Hunden begleitet, durch die Wälder streift. Dieses Bild scheint auf den zweiten Blick vereinfachend naiv, enthält aber auf den dritten Blick alle ihre wesentlichen Aspekte und ist darum von einer großen poetischen Tiefe und Wahrhaftigkeit. Der Bereich des Waldes ist der der ungezähmten Natur, der Wildheit (auf dem ganzen Peleponnes wurden ihr zur Ehre orgiastische Tänze beider Geschlechter veranstaltet) und Artemis wurde nie gezähmt. Artemis wurde von den Mythologen nie verheiratet, war keinem Manne untertan (wie die kuhäugige Hera), sondern frei, kinderlos und mehr dem eigenen Geschlecht zugeneigt. Deshalb galt sie als Jungfrau, die sie begleitenden Jungfrauen sind historisch belegt als die 9jährigen "Bärinnen", die ihr in Brauron bei Athen dienten, bis sie das Brautalter erreichten. Die Jägerin jagt überwiegend bei Nacht. Der silberne Bogen, der ihre Waffe ist, ist die Sichel des Mondes. Der Wald ist dunkel, die Nacht des gerade zunehmenden Mondes ist es auch. Ihre Waffe ist tödlich für Menschen und Tiere. Ihre Begleiter sind die Hunde. Hunde sind traditionelle Wächter des Tores zur Unterwelt und hier erkennen wir Artemis als Unterweltsgöttin. Artemis trägt auch den Beinamen Hekate.Ihre Pfeile treffen immer. Ihre Statue in Ephesus stellt sie über und über bedeckt mit Brüsten dar, was sie als Ernährerin aller Lebewesen verkörpert. BrüstenNach anderer Deutung handelt es sich um Stierhoden, die für Fruchtbarkeit stehen. Sie schützt die schwangeren Frauen und Kinder beiderlei Geschlechts. Ihr Name in Sparta lautete "Artamis", was soviel bedeutet wie "Schlächterin". Auf Tauris opferten die Frauen unter der Hohepriesterin Iphigenie alle Männer, die sich an die Küste verirrten. In Hierapolis wurden Männer durch Hängen am Artemis-Tempel geopfert. In Attika besänftigte man Artemis durch symbolische Enthauptungen (bei denen der Hals eines Mannes mit dem Opferschwert geritzt wurde, bis Blut floss). Der zerstörerische Aspekt der Artemis wurde vor allem bei abnehmendem Mond geehrt. Artemis war eine wilde, unzähmbare Göttin, die Leben nicht nur gibt, sondern auch nimmt. Im Neuen Testament wird der Tempel der Artemis in Ephesus erwähnt,eines der sieben Weltwunder. Die dort ansässige Devotionalienindustrie befürchtete, durch das Christentum Nachteile zu erleiden. (Apostelgeschichte 19,23-41). Bemerkenswert ist, dass in Ephesus Kyrill von Alexandria, aus dem Land der in ganz Europa populären Göttin Isis, auf dem Konzil von Ephesos die Verehrung von Maria als Gottesgebärerin durchsetzte, was der Beginn des christlichen Marienkultes war.

Erzählungen

Artemis und Kallisto

Es wird erzählt, die jungfräuliche Artemis habe auch von ihren Begleiterinnen Keuschheit verlangt. Als ihre Lieblingsgefährtin Kallisto - kalliste (die Schönste), ein Name, den ursprünglich Artemis selbst innegehabt haben dürfte - von Zeus beschlafen worden war und den Arkas geboren hatte, wurde sie von Artemis in eine Bärin verwandelt und weggejagt, weil sie keine Jungfrau mehr war. Andere Geschichten sehen in der eifersüchtigen Hera die Übeltäterin, die alles so einrichten konnte, dass Artemis die Kallisto irrtümlich verjagte. Zeus versetzte Kallisto dann als Ursa Major in den Himmel. Artemis ist die Große Bärin am Himmelszelt (Ursa Major ist weiblich), die Geschichte von der Nymphe Kallisto, die von Zeus geschwängert und deshalb von Artemis in eine Bärin verwandelt und gejagt, von Zeus aber gerettet wurde, eine spätere Erfindung. Die Geschichte handelt in Wirklichkeit von Artemis selbst, die sich mit Zeus in Bärengestalt vereinigt haben soll. Aus der Verbindung sollen ein oder zwei Söhne entsprungen sein: Arkas, der Stammvater der Arkadier, und Pan. Artemis in ihrer Gestalt als Bärin weist auf ihr sehr hohes Alter. Der Bär oder die Bärin gehört zu den ältesten und mächtigsten Begleitern des Menschen. Der Bärenkult lässt sich bis zu den steinzeitlichen Jäger- und Sammlerkulturen zurückverfolgen. Die keltische Artio und König Artus tragen gleichfalls den Bären im Namen.Artus] Artus

Artemis und Aktaion

Die bekannteste Erzählung über ein Zusammentreffen mit einem Mann ist die über Aktaion, den Sohn des weisen Kentauren Chiron, der den Apollonsohn Asklepios die Heilkunst lehrte. Aktaion soll Artemis nackt im Bade gesehen haben, die ihn in einen Hirsch verwandelt habe. So sei er von seinen eigenen Hunden zerrissen worden. Richtig wird sein, daß Aktaion ein Heiliger König war, der mit Artemis in ihrer Hirschgestalt Hochzeit hielt und am Ende seiner Zeit sterben mußte. Die Geschichte könnte auch so gedeutet werden, daß er, indem er die Göttin in ihrer Schönheit erkannte, seine menschliche Natur verlassen habe, um mit ihr eins zu werden und so vom Jäger zum Gejagten geworden sei. Ich denke es liegt zwischen beiden Deutungen kein großer Unterschied. In der Realität wurde diese Jagd von Artemis-Priesterinnen nachgespielt, die mit Hundekopf-Masken bedeckt waren und einen als Hirsch verkleideten Mann jagten.

Artemis und Orion

Als Mondgöttin und leidenschaftliche Jägerin - deshalb wird sie auch mit Pfeil und Bogen dargestellt - lenkte sie den Mond über den Himmel, ging aber bei Neumond immer zur Jagd. Als sie sich mit Orion, dem prächtigen und wilden Jäger, befreundete, soll sie ihre Pflichten als Mondgöttin vernachlässigt haben, um sich mit ihm in der Dunkelheit zu treffen. Apollon erzürnte sich darüber und forderte Artemis zum Wettkampf heraus: Es gelinge ihr sicher nicht, einen dunklen Punkt weit draußen im Meer mit ihrem Pfeil zu treffen. Artemis schaffte dies sehr wohl - und bemerkte zu spät, dass sie damit dem Kopf des dort schwimmenden Orions, durchbohrt hatte. Deshalb erhob sie ihn als Sternbild in den Himmel (dessen Schulterstern Beteigeuze hell leuchtet, dessen Kopfstern aber nur schwer sichtbar ist). Eine andere Erzählung berichtet allerdings davon, dass Orion versucht habe, die jungfräuliche Artemis zu vergewaltigen, wonach sie ihn getötet habe. Wieder eine andere Geschichte sieht Orion als den Jäger, der alle wilden Tiere des Erdkreises töten wollte. Die Erde oder Artemis selbst brachte daraufhin einen Skorpion hervor, gegen den Orion nichts ausrichten konnte und der ihn schließlich tötete, wonach beide als Sternbild in den Himmel versetzt wurden.

Die Tötung der Niobiden

Um Artemis ranken sich viele grausame und weniger grausame Legenden, wie zum Beispiel die Tötung der Niobiden, der Kinder der Niobe. Die Königin Niobe hatte 14 Kinder, 7 Jungen und 7 Mädchen - die Niobiden und versuchte das Volk zu überreden, der Göttin Leto keine Opfer mehr zu bringen, schließlich habe sie nur 2 Kinder, Artemis und Apollon, und sie immerhin 14! Dieses erzürnte die Göttin und auch ihre Kinder, so dass Artemis und Apollon auszogen, um die Niobiden mit Pfeil und Bogen zu erlegen. Apollon tötete die 7 Jungen, Artemis die Mädchen (ein Motiv zahlreicher antiker Plastiken). Anschließend verwandelten sie die Mutter Niobe in einen Felsen, der ständig Tränen vergießen sollte.

Literatur


- Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen - Die Götter- und Menschheitsgeschichten; München (dtv) 1998 (ISBN 3-423-30030-2)
- Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen - Die Heroen-Geschichten; München (dtv) 1992 (ISBN 3-423-30031-0)
- Michael Grant und John Hazel, Lexikon der antiken Mythen und Gestalten, München (dtv) 1980 (ISBN 3-423-32508-9)
- Walter F. Otto, Die Götter Griechenlands, Frankfurt am Main (Vittorio Klostermann) 2002 (ISBN 3-465-03173-3)
- Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2003 (ISBN 3-499-55404-6)
- Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Der Glaube der Hellenen , 2 Bde. ( 2 1959, Nachdr. 1984);

Weblinks


- [http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/artemis.htm sungaya.de] Siehe auch: Potnia theron, Portal:Mythologie, Skorpion (Sternbild)
Kategorie:Griechische Gottheit ja:アルテミス ko:아르테미스

Kalchas

Kalchas (lat. Calchas) war ein griechischer Seher aus der Zeit des Trojanischen Krieges. Seine Aussagen betrafen die Dauer des Trojanischen Kriegs, die Notwendigkeit der Anwesenheit von Achilles und des Bogens des Philoktet zur Eroberung Trojas, den Grund für den Zorn der Artemis in Aulis auf Agamemnon, die Opferung Iphigenies, das Unrecht, das an Chryseis verübt wurde, als Grund für Apolls Zorn und der Pest im griechischen Heer und den Bau eines hölzeren Pferdes zur Überlistung der Trojaner (siehe Trojanisches Pferd). Als er im Seherwettstreit von Mopsos besiegt wurde, starb er aus Scham über die Niederlage. Siehe auch: Portal:Mythologie Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

Achaier

Die Achaier oder Achäer waren ein indogermanischer vor- bzw. frühgriechischer Volksstamm. Ursprünglich lebten sie in Thessalien. Durch die Dorische Wanderung wurden sie in die nach ihnen benannte Landschaft Achaia im Nordwesten der Peloponnes verdrängt. In Homers Epen steht die Bezeichnung neben Danaer für Griechen insgesamt. Viel diskutiert ist die Frage, ob mit den in hetitischen Schriftquellen des öfteren erwähnten Ahhijawa um "Achäer" gehandelt haben könnte. Derzeit geht die Mehrzahl der Forscher davon aus. Demnach wäre der Begriff Achäer nicht auf Griechen einer bestimmten Region bezogen, sondern - wie bei Homer - ehemals ein Sammelbegriff für die Griechen der mykenischen Zeit gewesen. Auch die z.Z. des Merenptah und Ramses III. erwähnten und zu den sog. "Seevölkern" gerechneten "Aqwaiwascha" werden von einem Teil der Forschung mit Ahhijawa und Achäern gleichgesetzt. Die Achaier waren auch namensgebend für den Achaiischen Bund, einem gegen Makedoniens Expansion ausgerichteten Städtebund (280 - 146 v. Chr.). Der Achaiische Bund beherrschte zeitweilig fast die ganze Peleponnes, bis er schließlich um 146 v. Chr. vom Römischen Reich erobert wurde. Siehe auch: Portal:Antike, Portal:Geschichte Liste achäischer Stadtgründungen Kategorie:Griechische Geschichte (Antike)

Achilles

)]] Achilleus (dt. Achill, lateinisch Achilles) ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Peleus (daher der Pelide) und der Meeresgöttin Thetis (siehe Stammbaum der griechischen Götter). Als Sohn eines menschlichen Vaters und einer göttlichen Mutter war er sterblich. Thetis versuchte aber, ihn zumindest unverwundbar zu machen, und tauchte den Säugling in die Styx. Die Stelle an der Ferse, an der sie ihn mit der Hand hielt, blieb jedoch vom Wasser des Flusses unbenetzt und die einzige verwundbare Stelle des Achilleus: die Achillesferse. Als die Achaier ihren Kriegszug gegen Troja vorbereiteten, versuchte seine Mutter, Achilleus zu verstecken, da dieser nach einer Weissagung entweder vor Troja fallen oder ein langes, aber ruhmloses Leben führen werde. Sie verbarg ihn, als Mädchen verkleidet, bei den Töchtern des Lykomedes auf Skyros, wo er dessen Tochter Deidameia heiratete. Mit dieser zeugte er den Neoptolemos(Pyrrhos). Odysseus aber spürte ihn auf und enttarnte ihn: In der Halle des Königs ließ er Schmuck, schöne Kleider und Waffen auslegen. Als nun die "Mädchen", unter ihnen auch der verkleidete Achilleus, die Halle betraten, griff Achilleus als einziger nach den Waffen. Homer kennt diese Episode nicht: In der Ilias wird erzählt, dass Achilleus von Nestor und Odysseus angeworben wurde. Zum Erzieher Achilleus' wurde Phoinix bestellt. Achilleus wurde der stärkste und wildeste der Kämpfer im Trojanischen Krieg. Homer nennt ihn meist den Schnellfüßigen. Dort war er der Anführer der Myrmidonen. Vor Troja vollbrachte Achilleus zahlreiche Heldentaten, zog sich aber nach einem Streit um die schöne Sklavin Briseis [sprich: Brise|is] vom Kampf zurück - dies ist der "Zorn des Achilles", der die Stoffe der "Ilias" thematisch bündelt. Er griff erst wieder ein, um seinen Freund Patroklos zu rächen; dabei tötete er dessen Besieger Hektor, den stärksten Helden der Trojaner, schändete im Grimm noch den Toten und wurde erst durch einen Besuch von dessen Vater Priamos zum Mitleid bewogen und gab den Leichnam zurück. Als die Amazonen auf der Seite Trojas in den Krieg eingriffen, tötete Achilleus deren Königin Penthesileia und verliebte sich dabei in die Sterbende. Als dann die Äthiopier den Trojanern zu Hilfe kamen, tötete er auch deren König Memnon. In den bekanntesten Versionen von Achilleus' Tod wurde er indirekt vom Gott Apollon getötet, der den Pfeil des Paris auf die verwundbare Achillesferse gelenkt hatte. Achilleus' Jugend, seine Unverwundbarkeit, die Begegnung mit Penthesileia und der Bericht über seinen Tod sind nicht Bestandteil der Epen Homers. Die Geschichte seines Todes wird zum Beispiel in Heinrich von Kleists Drama Penthesilea genau umgekehrt dargestellt: Achill stirbt aufgrund eines Irrtums in einer Falle Penthesileas, welche den Verlust nicht überwinden kann und deshalb kurz nach seinem Tod selbst verstirbt. Kleists Drama handelt aber von einer fiktiven Geschichte, welche in der griechischen Mythologie so nicht beschrieben wird. In Homers Ilias, die vor dem Tod des Achilleus und dem Fall Trojas endet, wird ihm vom sterbenden Hektor der Tod durch Apollon und Paris prophezeit. In der Odyssee begegnet Odysseus seinem ehemaligen Kampfgefährten bei einem Besuch der Unterwelt und hört von ihm den - für die frühe Antike bezeichnenden - Ausspruch, er, Achilleus, wäre lieber Knecht auf der Erde als der Fürst der Schatten im Hades. In der Dichtung taucht Achilleus in der Literatur vieler Völker auf, bis ins 21. Jahrhundert hinein. Einzelmerkmale der Sagen um ihn gehören zum Grundbestand epischer Dichtung und finden sich, ohne daß ein direkter Zusammenhang besteht, vergleichbar auch in anderen Literaturen, so z.B. im mittelhochdeutschen Nibelungenlied, dessen Held Siegfried ebenfalls bis auf eine Stelle unverwundbar ist. Auch wird sein Name als männlicher Vorname vielfach vergeben; siehe auch: den Heiligen Achilleus sowie zum römischen Usurpator Achilleus: Lucius Domitius Domitianus. Achilleus taucht auch in dem Paradoxon von Achilles und der Schildkröte des Zenon von Elea auf. Siehe auch: Schlangeninsel

Weblinks

Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur ja:アキレウス ko:아킬레우스

Belagerung

Die Belagerung ist eine militärische Taktik, die angewendet wird, um befestigte Orte zu erobern oder zumindest als Gefährdung für die eigene Truppe zu neutralisieren. Hierbei wird der zu erobernde oder neutralisierende Ort von eigenen Truppen umschlossen, so dass möglichst jeder Verkehr zwischen dem Inneren und dem Äußeren des Belagerungsrings unterbunden wird. Insbesondere soll der Nachschub an Soldaten, Waffen und Nahrung unterbunden werden.

Allgemein

Ziel der Belagerung ist es, die Befestigungsanlagen mithilfe von Belagerungsgerät so weit zu schwächen, dass ein Sturmangriff erfolgversprechend wird, oder die Belagerten durch Aushungern zur Aufgabe zu zwingen. Von der Belagerung ist der "Handstreich" zu unterscheiden. Diese Taktik nutzt das Überraschungsmoment zum Sturm einer Festung aus und ist eigentlich nur nach einer relativ friedlichen Ruhe erfolgreich. Der Handstreich erfolgt seitens des Angreifers mit einem kleinen Truppenkontingent, das sich schlagartig einer Festung bemächtigen und den Gegner überrumpeln soll.
Diese Taktik gilt als außerordentlich riskant, und es gibt in der Geschichte genügend Beispiele, bei denen ein geplanter Handstreich als Fehlschlag endete. In diesem Sinne ist der deutsche Überfall auf den Festungsring Lüttich zu Beginn des ersten Weltkrieges zu bewerten, während im Zweiten Weltkrieg der ebenfalls als Handstreich ausgeführte Angriff auf Fort Eben-Emael sehr erfolgreich war. Verlässt ein Teil der Belagerten die Festung, um die Belagerer anzugreifen, nennt man das einen Ausfall. Kommen den Belagerten befreundete Truppen von außen zu Hilfe, spricht man von einem Entsatzheer.

Belagerungstechnik der Frühgeschichte und Antike

Städte werden schon seit frühester geschichtlich bekannter Zeit mit Mauern umgeben, um möglichen Feinden die Eroberung zu erschweren. Dagegen bildet sich ebenso früh eine Technik der Belagerung aus. Die einfachste Form der Belagerung besteht darin, den Feind einfach einzuschließen und abzuwarten, bis ihm die Nahrung ausgeht. Die Länge einer Belagerung führt aber bei den belagernden Truppen häufig zu Seuchen wegen der mangelnden Hygiene in den Lagern. Erste Belagerungsgeräte waren die Sturmleiter, mit deren Hilfe Mauern überwindbar werden, und der Rammbock zum Einrammen der Tore oder Mauern. Dieser bestand zunächst nur aus einem an einer Seite verstärkten Baumstamm, mit dem die Belagerer auf ein Tor der belagerten Stadt zurannten. Später kamen mechanische Geschütze hinzu, Katapulte und Schleudern verschiedener Art, mit denen die Mauern oder sogar das Innere beschossen werden konnten. Die Sturmleiter wurde zum Belagerungsturm erweitert, der Rammbock zur Schildkröte, die durch ein Gerüst aus Holz und Fellen geschützt wurde und über Räder verfügte. Griechen und Römer setzten auch Rampen und Gegenbefestigungen ein, um geographisch geschützte Stellungen zu stürmen (z.B. das auf einer Insel gelegene Tyros und den Hügel von Massada). Eine ganz spezielle Form der Belagerungstechnik war die so genannte Menschenpyramide. Hierfür war überhaupt kein Belagerungsgerät notwendig, vielmehr bildete eine Gruppe entschlossener Angreifer selbst die Belagerungsmaschine. Das Ziel war, einen oder einige wenige Angreifer auf die Höhe der Festungswälle zu bringen. Dazu bildeten die Angreifergruppe eine Art Räuberleiter, in dem sie sich pyramidenförmig an der gegnerischen Mauer aufstellte. Diese Pyramide konnte allerdings nur in den Bereichen aufgestellt werden, in denen die Geschütze der Verteidiger nicht wirken konnten - dem so genannte Toten Winkel. Das Verfahren war nur bei relativ niedrigen Mauerhöhen erfolgreich und erhielt erst wieder eine Bedeutung, als die Festungsmauern immer niedriger ausgeführt wurden, um der Bedrohung durch die neuzeitliche Artillerie begegnen zu können.

Belagerung von frühneuzeitlichen Festungen

Mit der Erfindung des Spreng- und Schießpulvers und von Kanonen (siehe auch Steinbüchse) ergaben sich zum Teil neue Möglichkeiten für beide Seiten. Der Angriff auf eine mit massiven Winkelbasteien versehene Festung war stets eine riskante Angelegenheit, so dass auf Seiten der Angreifer oftmals ein so genanntes Sturmgeld ausgelobt wurde. Um eine Bresche in die Festungsmauern zu schlagen, hoben die Belagerer Gräben aus, in der Regel parallel zu einer der vorderen Seiten einer Bastion. Danach wurden in diesem Graben Geschütze postiert, die sofort ein Deckungsfeuer eröffneten. Nun wurde ein Annäherungsgraben in Richtung der Bastion angelegt, und nach einigen Metern wiederum ein Parallelgraben in dem die Kanonen Schutz fanden. Die Belagerer mussten beim Ausheben von Annäherungsgräben damit rechnen, das die Verteidiger der Festung einen Ausfall unternehmen, um die Arbeit der Sappeure zu unterbrechen. Deshalb legten sie oftmals in regelmäßigen Abständen zwischen den Gräben Festungen im Kleinstformat an, in denen man Truppen zur schnellen Abwehr eines Ausfalls stationierte. Bei vielen frühneuzeitlichen Belagerungen entstanden komplexe Grabensysteme mit zahlreichen Befestigungsanlagen. Hatten sich die Belagerer mit Hilfe von Annäherungsgräben nahe genug an eine Bastion herangearbeitet, konnten die Kanonen so viel Feuerkraft entfalten, um eine Bresche in die Bastion zu schießen. Doch die Verteidiger bildeten in solch einem Fall meist eine dichte Schützenlinie hinter der Bresche, und sie hielten Körbe mit Schutt, Erde und Holz bereit, um eine Bresche provisorisch schließen zu können. Zudem konnten Angreifer beim Sturm auf eine Bresche von angrenzenden Bastionen unter Beschuss genommen werden, insbesondere aus zurückgezogenen Flanken. Wenn sich das Schlagen einer Bresche anbahnte, legten die Verteidiger der Festung oftmals eine Retirata hinter der betreffenden Mauerstelle an, wenn eine derartige zweite Front nicht bereits von Anfang an in der Festung vorhanden war. Auch die alte Taktik des Unterminierens kam bei Belagerungen zum Einsatz. Dabei legten die Belagerer vom Gegner möglichst unbemerkt einen Stollen an, der bis unter die Befestigung gegraben wurde. Anfangs wurde das Fundament so lange unterhöhlt bis das Bauwerk unter eigenem Gewicht einstürzte, jedoch war das für die Belagerer selbst sehr gefährlich, weil der Zeitpunkt des Einsturzes ungewiss war. Man ging dazu über die Mauern mit Holzpfeilern abzustützen. Als der freigelegte Abschnitt ausreichend schien, brachte man zusätzlich brennbares Material das in Brand gesetzt wurde und die Pfeiler zerstörte, wodurch die Mauern zum Einsturz gebracht wurden. Bei frühneuzeitlichen Belagerungen bevorzugte man die Verwendung von Schießpulverladungen, wodurch der Begriff "Mine" von einem Stollen auf eine ausgelegte Sprengladung überging. Bestand bei den Belagerten der Verdacht, dass eine Unterminierung im Gang ist, wurden Horchposten eingerichtet die in Feuerpausen auf grabungstypische Geräusche achteten. Andere Mittel waren aufgestellte leere Fässer, auf deren Oberseite etwas Wasser eingefüllt wurde oder erbsenbestreute Trommeln, um die von den Erdarbeiten ausgehenden Erschütterungen festzustellen und zu lokalisieren. War ein Gang lokalisiert gruben die Verteidiger ihrerseits Stollen, um das Vorhaben des Gegners durch eine eigene Sprengladung zu vereiteln. Bereits im späten 16. Jahrhundert wurde es üblich, das die Belagerer ihrerseits einen Ring aus Befestigungsanlagen um die belagerte Stadt oder Festung anlegten. Somit sicherten sich die Belagerer vor dem etwaigen Angriff eines Entsatzheeres, schnitten die belagerte Festung komplett von der Außenwelt ab und schützten sich vor möglichen Ausfallangriffen der Verteidiger. Ein derartiger Befestigungsring bestand aus unzähligen Gräben und Werken, die teilweise so nahe wie möglich an die belagerte Festung getrieben wurden. Ein besonders komplexer Ring aus Feldbefestigungen wurde zum Beispiel bei der Belagerung der niederländischen Stadt 's Hertogenbosch im Jahre 1629 angelegt.

Moderner Grabenkrieg

In gewisser Weise ist der Grabenkrieg des Ersten Weltkrieges eine Erweiterung der Belagerung auf die gesamte Front. Mit weitreichender Artillerie und Flugzeugen wurde es fast unmöglich, Städte gegen eine Belagerung zu schützen. Dennoch kam es im Zweiten Weltkrieg mit der Belagerung von Leningrad zumindest zu einer langwierigen Belagerung einer Stadt. Auch die Eroberung der Festung Brest gestaltete sich äußerst schwierig. Die letzte Belagerung im klassischen Sinne war der Kampf um die französische Festung Dien Bien Phu in Vietnam im Jahre 1954. In neuerer Zeit wurde von der Belagerung von Sarajewo im Bosnienkrieg gesprochen.

Siehe auch


- Liste von Belagerungen
- Kreative Art Belagerer zu demotivieren (Horaffensage) Kategorie:Kriegs- und Gefechtsführung ja:攻城戦 ko:공성전

Kassandra (Mythologie)

Kassandra (griechisch Κασσάνδρα) ist in der griechischen Mythologie die Tochter des trojanischen Königs Priamos und der Hekabe, damit Schwester von Hektor und Paris. Sie wurde in ihrer Jugendzeit von ihrer Tante, der Anführerin der Amazonen, ausgebildet. Der Gott Apollon verliebte sich in sie, und auf dass sie ihn erhöre, gab er ihr die Gabe der Vorhersehung. Kassandra verschmähte ihn jedoch, worauf er ihr die Gabe zwar nicht wieder nehmen konnte, sie aber verfluchte, dass sie stets richtig vorhersehen werde, aber nur Böses, und dass nie jemand ihren Vorhersagen Glauben schenken werde. So warnte Kassandra gegen Ende des Trojanischen Krieges (wie auch der Priester Laokoon) die Trojaner zwar vor dem Trojanischen Pferd und der Hinterlist der Griechen, doch keiner glaubte ihr, und so wurde Troja zerstört. Nach der Eroberung Trojas wurde sie von Ajax dem Lokrer im Tempel der Athene vergewaltigt. Agamemnon beanspruchte sie als Sklavin und nahm sie mit nach Mykene. Agamemnon wurde von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem Geliebten Aigisthos im Bad erdolcht. Kassandra, die auf Grund ihrer seherischen Gabe um dies Schicksal wußte, wurde unmittelbar darauf niedergemacht, während sie einsam durch den Palast irrte. Heute noch nennt man jemanden eine "Kassandra", der zutreffend aber vergebens vor einer drohenden Gefahr warnt (auch spöttisch, wenn man nicht an seine Voraussagen glaubt). Solche Warnungen heißen "Kassandrarufe". __NOTOC__

Literatur

Als einziges antikes Werk stellte die Dichtung Alexandra aus der Zeit um 283 v. Chr. die Figur der Kassandra in den Mittelpunkt. Warum der Dramatiker und Vorsokratiker Lykophron aus Chalkis in seinem bekanntesten literarischen Werk den Namen Alexandra wählte, ist nicht bekannt. Auch Marion Zimmer Bradley stellt in ihrem Buch Die Feuer von Troja Kassandra in den Mittelpunkt und erzählt die Geschichte des Untergangs aus der Sicht der Priesterin Kassandra, die gleichzeitig Priams Tochter, Priesterin Apollos und Priesterin der Großen Mutter war.

Siehe auch


- Trojanischer Krieg, Tantaliden, Kassandra (Christa Wolf)

Literatur


- Die schönsten Sagen des klassischen Altertums; Gustav Schwab; verschiedene Verlage.

weblink


- http://www.griechische-antike.de/mythologie-trojanischer-krieg.php
- http://gutenberg.spiegel.de/schiller/gedichte/kassandr.htm Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur ja:カッサンドラ

Klytaimnestra

Klytaimnestra ist in der griechischen Mythologie die Tochter des Spartanerkönigs Tyndareos und die Gemahlin Agamemnons. Klytaimnestra hasst ihren Mann, da dieser bereit ist, ihre gemeinsame Tochter Iphigenie zu opfern, um günstigen Wind für den Kriegszug nach Troja zu bekommen. Sie plant langfristig an der entsprechenden Rache und ermordet gemeinsam mit ihrem Liebhaber Aigisthos ihren Mann und dessen trojanische Geisel Kassandra, nachdem Agamemnon vom trojanischen Krieg zurückgekehrt ist. Orest, der Bruder Iphigenies und Sohn von Agamemnon und Klytaimnestra, kann den Mord an seinem Vater nicht ungerächt lassen und ermordet seine Mutter. Von diesem Moment an verfolgen ihn die Rachegöttinen (Erinyen oder Moiren). Siehe auch: Tantaliden, Elektra Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

Aigisthos

Aigisthos ("Kraft der Ziege") ist in der griechischen Mythologie der Sohn von Thyestes und seiner Tochter Pelopia. Thyestes war nach eigener Ansicht durch seinen Bruder Atreus mit unfairen Mitteln des Throns von Mykene beraubt worden. Darüber hinaus hatte Thyestes ein Verhältnis mit Atreus’ Ehefrau Aerope. Als Rache tötete Atreus Thysestes Söhne und servierte sie ihm ohne dessen Wissen als Mahlzeit. Nachdem er seine Söhne gegessen hatte, fragte Thyestes ein Orakel, wie er nun Rache nehmen könne. Die Auskunft war, er solle mit seiner eigenen Tochter, Pelopia, einen Sohn zeugen, dieser würde Atreus töten. Als Aigisthos geboren wurde, war Pelopia beschämt über den inzestuösen Akt. Sie gab ihren Sohn weg, er wurde bei Schafhirten aufgezogen und von einer Ziege gesäugt. Atreus, der um die Herkunft des Jungen nicht wusste, nahm Aigisthos bei sich auf und zog ihn wie einen eigenen Sohn groß. Als Aigisthos erwachsen wurde, offenbarte Thyestes ihm die wahren Eltern, woraufhin Aigisthos Atreus tötete und selbst den Thron in Besitz nahm. Aigisthos und Thyestes regierten nun Mykene gemeinsam, verjagten Atreus’ Söhne Agamemnon und Menelaos nach Sparta, wo König Tyndareos ihnen seine Töchter Klytaimnestra und Helena zu Frauen gab. Als Tyndareos starb, übergab er Menelaos den Thron von Sparta, welcher seinerseits Agamemnon half, Aigisthos und Thyestes zu überwinden. Als Agamemnon Mykene verließ, um in den Trojanischen Krieg zu ziehen, verführte Aigisthos seine Frau Klytaimnestra und brachte eine Verschwörung zustande, ihren Gatten bei seiner Rückkehr zu ermorden. Der Plan gelang, Agamenmon und seine neue Geliebte Kassandra wurden getötet. Acht Jahre später kehrten Agamemnons Sohn Orestes und seinen Tochter Elektra nach Mykene zurück, und töteten ihre Mutter Klytaimnestra und Aigisthos. Homer, Od. iii. 263, iv. 517; Hyginus, Fab. 87. Viel später, als Orestes Iphigenie auf der Krim besuchte, übernahm Aigisthos Sohn Alete Mykene, wurde aber von Orestes bei seiner Rückkehr getötet. Aigisthos gilt den griechischen Tragödiendichtern und auch Seneca als Inbegriff des grausamen, aber feigen Verführers. Siehe auch: Tantaliden Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

1876

Ereignisse


- 1. Januar: Die Mark wird als Einheitswährung in allen deutschen Bundesstaaten eingeführt
- 7. März: Alexander Graham Bell erhält ein US-Patent auf die Erfindung des Telefons
- Bulgarischer Aprilaufstand 1876
- 25. Juni: Schlacht am Little Bighorn River (Montana): Das siebte US-amerikanische Kavallerieregiment unter George A. Custer wurde von Indianern der Sioux und Cheyenne unter ihren Führern Sitting Bull und Crazy Horse vernichtend geschlagen

Religion


- Gründung der unitarischen Religionsgemeinschaft Freier Protestanten in Rheinhessen

Kultur


- 16. Januar: Uraufführung der romantischen Oper Die Hochländer von Franz von Holstein in Mannheim
- 13. Februar: Uraufführung der Oper Angelo von César Cui in Moskau
- 16. August: Im Bayreuther Festspielhaus Uraufführung der Oper „Siegfried“ von Richard Wagner
- 24. Oktober: Uraufführung der komischen Oper Der Seekadett von Richard Genée am Theater an der Wien in Wien
- 6. Dezember: Uraufführung der Oper Wakula der Schmied (zweite Fassung als „Die Pantöffelchen“, Orig.: Tscherewitschki Wakula) von Pjotr Iljitsch Tschaikowski an der Hofoper in Sankt Petersburg

Geboren


- 3. Januar: Wilhelm Pieck, deutscher Kommunist, Politiker und Präsident der DDR († 1960)
- 5. Januar: Konrad Adenauer, deutscher Politiker und Bundeskanzler († 1967)
- 9. Januar: Hans Bethge, deutscher Dichter
- 9. Januar: Robert Michels, deutscher Soziologe († 1936)
- 10. Januar: Thomas Alva Edison jr., US-amerikanischer Erfinder († 1935)
- 12. Januar: Ermanno Wolf-Ferrari, deutsch-italienischer Komponist († 1948)
- 12. Januar: Jack London, US-amerikanischer Schriftsteller († 1916)
- 14. Januar: Gustav Schröer, deutscher Journalist und Schriftsteller († 1949)
- 20. Januar: Josef Hofmann, österreichischer Pianist († 1957)
- 23. Januar: Otto Diels, deutscher Chemiker († 1954)
- 23. Januar: Rupert Mayer, Jesuitenpater († 1945)
- 25. Januar: Herbert Eulenberg, deutscher Dichter und Schriftsteller († 1949)
- 29. Januar: Ludolf Nielsen, dänischer Komponist († 1939)
- 1. Februar: Prosper L'Orange, deutscher Ingenieur und Erfinder († 1905)
- 2. Februar: Martin Knopf, deutscher Komponist
- 6. Februar: Eugène-Henri Gravelotte, französischer Fechter († 1939)
- 6. Februar: Wilhelm Schmidtbonn, deutscher Schriftsteller († 1952)
- 8. Februar: Paula Modersohn-Becker, Malerin (Expressionismus) († 1907)
- 16. Februar: Mack Swain, US-amerikanischer Schauspieler († 1935)
- 17. Februar: Hans Bernoulli, Schweizer Architekt und Professor († 1959)
- 22. Februar: Ita Wegman, Ärztin, Mitbegründerin der anthroposophischen Medizin († 1943)
- 28. Februar: John Alden Carpenter, US-amerikanischer Komponist († 1951)
- 1. März: Arthur Ruppin, Zionist und Wegbereiter zur Gründung der Stadt Tel Aviv († 1943)
- 1. März: Henri de Baillet-Latour, 3. Präsident des IOC († 1942)
- 2. März: Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli, Papst von 1939 bis 1958 († 1958)
- 2. März: Pius XII., Papst († 1958)
- 4. März: Jakob Buchli, Schweizer Konstrukteur im Bereich des Lokomotivbaus († 1945)
- 8. März: Franco Alfano, italienischer Komponist († 1954)
- 11. März: Carl Ruggles, US-amerikanischer Komponist († 1971)
- 21. März: Ludwig Finckh, deutscher Schriftsteller und Lyriker († 1964)
- 21. März: Walter Tewksbury, US-amerikanischer Leichtathlet, Olympiasieger († 1968)
- 26. März: Wilhelm zu Wied, Prinz von Albanien († 1945)
- 29. März: Friedrich Adolph Traun, Student aus Dresden († 1908)
- 31. März: Otto Nußbaumer, österreichischer Physiker und Rundfunkpionier († 1930)
- 3. April: Tomáš Baťa, tschechischer Unternehmer, Begründer des Bata-Konzerns († 1932)
- 7. April: Heinrich Tessenow, deutscher Architekt, Professor († 1950)
- 10. April: Jean-Marie Musy, Schweizer Politiker († 1952)
- 11. April: Iwane Dschawachischwili, Gründer der Universität Tiflis († 1940)
- 12. April: Carl Heinrich Becker, deutscher Politiker, preußischer Kultusminister († 1933)
- 22. April: Robert Bárány, ungarischer Mediziner, Neurochemiker und Nobelpreisträger († 1936)
- 23. April: Arthur Moeller van den Bruck, deutscher Kulturhistoriker und Schriftsteller († 1925)
- 24. April: