Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Alpini

Alpini

Als Alpini bezeichnet man die italienischen Gebirgsjäger, die als die älteste Gebirgsjägertruppe der Welt gelten. Nicht zu verwechseln sind sie mit den "Alpenjägern", einer Freischartruppe, die während des Risorgimento 1859 unter Garibaldi kämpfte und 1861 in die italienische Linieninfanterie eingegliedert wurde.

Gründung 1872

1872 wurden zunächst 15 Alpini-Kompanien zur Verteidigung der Alpengrenze aufgestellt. 1878 bestanden bereits 10 Bataillone, ab 1882 wurden die ersten Regimenter gebildet. Im Gegensatz zur "Linieninfanterie" wurden die Alpini lokal rekrutiert, was nachhaltigen Einfluss auf ihren Korpsgeist und ihre Leistungsfähigkeit hatte. Die (traditionellen 8 bzw. 9) Alpini-Regimenter bzw. die Alpini-Bataillone sind bis heute fest mit ihren Stationierungsgebieten verwurzelt.

Erster Weltkrieg

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es 50 Bataillone, welche im Verlaufe des Krieges auf 88 erhöht wurden. Die Alpini operierten dem Gelände und den hochalpinen Schwierigkeiten entsprechend in Form kleiner Angriffstruppen. Doch obwohl sie einige siegreiche Gefechte durchführten, konnten sie keinen Durchbruch im Alpenraum erkämpfen. Berühmt ist das Alpini-Skibataillon am Adamello, doch auch bei den Isonzo- und Piaveschlachten wurden Alpini-Regimenter eingesetzt.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg schlugen sich die in Alpini-Divisionen organisierten Alpini-Regimenter im Gegensatz zu den meisten anderen italienischen Verbänden trotz der oft tragischen Umstände recht gut. Im desaströsen Feldzug gegen Griechenland zeichnete sich die Alpini-Division "Julia" (Friaul, Julische Alpen) besonders aus. Auf Wunsch Mussolinis wurde 1942 ein ganzes Alpini-Armeekorps in die russische Steppe geschickt, wo es Anfang 1943 in einer Kesselschlacht am Don von der Roten Armee von den eigenen Linien abgeschnitten wurde und bei starkem Frost zwei Wochen hinter der Front kämpfte, bis es sich, stark dezimiert, wieder deutschen Truppen anschliessen konnte.

1945-1991

In der Nachkriegszeit wurden fünf Alpini-Brigaden aufgestellt (z.T mit den alten Divisionsnamen: "Taurinense" (Turin), "Orobica" (Meran), "Tridentina" (Brixen), "Cadore" (Belluno) und "Julia" (Udine) und dem IV. (Alpini-)Korps (Bozen) unterstellt. Die Alpini-Brigade "Taurinense" stellte lange Jahre der NATO ein Bataillon für die "Allied Mobile Force - Land" (AMF-L) zur Verfügung, das häufig in Norwegen übte.

Seit 1991

Ab 1991 verloren die Alpini nach und nach einige ihrer Brigaden, zunächst die "Orobica" in Meran, dann die "Cadore" in Belluno. Alle Alpini-Regimenter haben nur noch Bataillonsstärke. Im Zug der Abschaffung der Wehrpflicht und der Verkleinerung der italienischen Streitkräfte blieben nur mehr zwei Brigaden übrig, die "Taurinense" in Turin (2., 3. und 9. Alpini-Regiment und die "Julia" in Udine (5., 7., und 8. Alpini-Regiment). In Südtirol verbleiben neben dem 5. Alpini-Regiment in Sterzing ("Julia"-Brigade) nur noch das 6. Regiment (gekaderter Ausbildungsverband, betreut die Übungsplätze im Pustertal), sowie das den Spezialkräften zugeordnete 4. Alpini-Fallschirmjägerregiment in Bozen. Ebenfalls in Bozen (Gries-Quirein) befindet sich das Gebirgstruppenkommando (Comando Truppe Alpine) mit dem für Auslandseinsätze vorgesehenen Divisionsstab "Tridentina". Neben einigen anderen Ausbildung- und Unterstützungsverbänden untersteht dem Kommando in Bozen auch das Gebirgs- und Winterkampfausbildungszentrum in Aosta. (Stand 2005)

Alpini in der Berufsarmee

Seit Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 2005 können sich Freiwillige (Mannschaften) zunächst für eine einjährige Dienstzeit verpflichten und dann ggf. um weitere vier Jahre verlängern. Die Professionalisierung der italienischen Streitkräfte brachte zunächst Probleme für die Alpini mit sich, da nicht genügend Freiwillige aus den Alpentälern zur Verfügung standen. Die Regelung, nach der Bewerber nur dann zu den Carabinieri und zu anderen Polizei- und Zivilschutzkräften zugelassen werden, wenn sie sich zuvor "freiwillig" bei der Armee verpflichten brachte Abhilfe, wie auch eine "Soldzulage" für die Gebirgstuppen. In letzter Zeit hat sich das Bild der Streitkräfte bei der italienischen Bevölkerung gewandelt und zu einer Verbesserung der Rekrutierungssituation geführt. Die italienische Armee hat derart an Anziehungskraft gewonnen, dass (wegen der hohen Bewerberzahlen für höhere Laufbahnen) die Bewerber für Mannschaftdienstgrade in letzter Zeit überwiegend Abiturzeugnisse vorlegen, mit Auswirkungen, die, auch im Vergleich zur Analphabetenarmee von vor 100 Jahren, nur als überraschend positiv bezeichnet werden können. Die in Italien traditionell angespannte Haushaltslage trübt das Bild, nicht nur für die Alpini, dann wieder etwas ein.

Weblinks


- [http://www.esercito.difesa.it/ Die Italienische Armee im Internet (it./engl.)]
- [http://berg.heim.at/almwiesen/410100/ Brennende Südfront - Die Italienischen Alpini]
- [http://www.museoguerrabianca.it/mostre/m1999de.html Alpini-Skifahrer am Adamello] Alpini-Regimenter im WK II
- [http://4allplayers-clan.heartsofiron.de/alpinikorps.php Heldenhafter Kampf des Alpinikorps und Organigramm] Kategorie:Militär (Italien)

Italien

Italien (italienisch Italia) ist ein Staat in Europa am Mittelmeer. Angrenzende Staaten sind Frankreich, Schweiz, Österreich, Slowenien, sowie die Enklaven San Marino und die Vatikanstadt (in Rom). Zu Italien gehören die Mittelmeer-Inseln Sizilien, Sardinien und Elba. Italien ist unter anderem bekannt für seine Küche, Mode- und Designerartikel, Bekleidungsindustrie, Architektur, Kunst, Musik und Touristenziele.

Geografie

Die Form des Landes erinnert an die eines Stiefels. Diese Halbinsel wird vom einem Gebirgszug, dem Appenin, in der Längsachse durchzogen. Im Norden gehört ein Teil der Alpen zu Italien. Entlang der Westküste Italiens ziehen sich von Norden in Richtung Süden u. a. die Italienische Riviera in Ligurien, die Etruskische Riviera in der Toskana sowie der Golf von Neapel in Kampanien. Die Ostküste wird von Triest im Norden bis zum Gargano im Norden Apuliens (nach anderen Darstellungen: bis zur Straße von Otranto) als die Italienische Adriaküste bezeichnet. Siehe auch Riviera. Die längsten Flüsse sind Po, Etsch, Arno und Tiber. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Lago di Bolsena und der Lago Trasimeno in Mittelitalien. Neben dem Vesuv auf dem italienischen Festland stehen auf italienischen Inseln gleich zwei weitere bekannte Vulkane: der Ätna und der Stromboli (und weitere kleinere um Sizilien herum). Neben der Hauptstadt Rom sind die bedeutendsten Städte Mailand, Neapel, Genua, Turin, Venedig, Bologna, Florenz, Bari, Catania und Palermo. Der höchster Berg Italiens ist der Mont Blanc de Courmayeur 4.748 m.

Bevölkerung

Italien hat eine Einwohnerzahl von 58.462.375 Einwohnern und rangiert in der Weltrangliste auf Platz 22, innerhalb der Europäischen Union liegt das Land auf dem 4. Rang hinter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Stadt- und Landbevölkerung

Rund 67% der Einwohner Italiens, vornehmlich im Norden, leben in Städten. Vor allem von 1950 bis 1960 herrschte eine starke Abwanderung aus den unterentwickelten Landregionen in die Städte (Landflucht). Seit den 1980er Jahren hat sich dieser Trend zu Gunsten der Vororte und Kleinstädte umgekehrt.

Größte Städte

(Einwohner 31. Dezember 2004)

- Rom - 2.553.873
- Mailand - 1.299.439
- Neapel - 995.171
- Turin - 902.255
- Palermo - 675.277
- Genua - 605.084
- Bologna - 374.425
- Florenz - 368.059
- Bari - 328.458
- Catania - 305.773
- Venedig - 271.251
- Verona - 259.068
- Messina - 247.592
- Padua - 210.821
- Triest - 207.069
- Tarent - 201.349 (Stand 2001)
- Brescia - 192.164
- Reggio di Calabria - 183.041
- Prato - 180.674
- Modena - 180.110
- Parma - 174.471
- Cagliari - 161.465

- Perugia - 157.842
- Livorno - 155.986
- Reggio nell'Emilia - 155.191
- Foggia - 154.780
- Ravenna - 146.989
- Salerno - 135.818
- Rimini - 134.700
- Ferrara - 131.907
- Sassari - 124.929
- Siracusa - 123.332
- Pescara - 122.577
- Monza - 122.263
- Bergamo - 116.510
- Vicenza - 113.483
- Latina - 111.946
- Forli - 111.495
- Trient - 110.142
- Terni - 108.999
- Giugliano in Campania - 105.951
- Novara - 102.746
- Ancona - 101.797

Lebenserwartung

Italien ist nach Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung der Welt. Sie beträgt bei Männern 78 Jahre, bei Frauen rund 83. Rund 19 % der Italiener sind älter als 65 Jahre. Die Italiener führen somit in Europa vor den Griechen und den Schweden die Liste der "langlebigsten" Bevölkerung an. Als Grund wird häufig die italienische Küche, also die mediterrane Ernährung,angeführt.

Religiöse Zugehörigkeit

Mit 83,2 % Katholiken und 16,2 % Konfessionslosen ist Italien ein katholisch geprägtes Land. Nur 0,6 % der Einwohner gehören anderen Religionen an, darunter 231.226 Zeugen Jehovas und 35.000 Juden sowie Protestanten und Muslime. Die Katholische Kirche ist traditionell sehr stark in Italien, was sich in einer hohen Zahl an Priestern (25,823) und Kardinälen (38) wiederspiegelt [http://www.nationmaster.com/red/country/it/Religion&b_cite=1].

Sprachen

Neben der Amtssprache Italienisch gibt es noch die regionalen Amtssprachen Deutsch, Französisch, Ladinisch und Slowenisch. Darüber hinaus stehen weitere Minderheitensprachen unter besonderem Schutz (durch die Verfassung und ein präzisierendes Gesetz aus dem Jahr 1999): Albanisch, Katalanisch, Griechisch, Kroatisch, Franko-Provenzalisch, Furlanisch, Okzitanisch und Sardisch. Zum Teil streben die jeweiligen Gemeinschaften einen Ausbau ihrer Sprache zur Amtssprache an.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Italiens Italien, vor allem Mittel- und Süditalien, ist schon seit der Antike ein wichtiges europäisches Kulturzentrum und war Zentrum des Römischen Reichs. Nach dem Einfall der Goten zersplitterte das Land in viele kleine Staaten und wurde so zu einem „politischen Spielball“ der umliegenden Großmächte. In der Risorgimento-Epoche, Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde Italien unter Vorherrschaft des Königreichs Piemont-Sardinien, vor allem durch die Freiwilligenverbände unter Giuseppe Garibaldi, zum Königreich Italien vereinigt. Da Italien sich zu Beginn des ersten Weltkriegs aus dem Dreibund gelöst hatte und der Entente beigetreten war, konnte das Königreich auf der Seite der Siegermächte das österreichische Südtirol annektieren. Im Oktober 1922 übernahmen Benito Mussolini und seine Fascii genannten Gefolgsleute durch den Marsch auf Rom die Macht in Italien. Schritt für Schritt wandelte Mussolini das Königreich in einen totalitären Staat um und setzte sich, ähnlich wie später Hitler, selbst als "Duce" an die Spitze von Volk und Staat. Noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges überfiel Italien Abessinien, diese völkerrechtswidrige Besetzung war Teil von Mussolinis erklärtem Ziel, das alte (antike) Römische Reich wieder aufleben zu lassen. Durch verschiedene Abkommen band sich Mussolini an das Deutsche Reich und Adolf Hitler. Schließlich trat Italien auf der Seite der Achsenmächte, nach merklichem Zögerns des Duce, in den Zweiten Weltkrieg ein. Mit dem Rückzug der italienischen Truppen vor den anrückenden Alliierten und dem Sturz der faschistischen Regierung in Rom im Herbst 1943, wechselte Italien die Fronten und erklärte nunmehr seinem vormals Verbündeten den Krieg. Der folgende Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde mit dem Widerstand der Resistenza beantwortet. Als sich die deutschen Verbände im Juni 1944 bis zur „Gotenlinie“ im Apennin zurückzogen und italienische Partisanen ihre Überfälle auf deutsche Soldaten verstärkten, kam es zu Massakern an der Zivilbevölkerung und weiteren schweren Kriegsverbrechen durch die deutschen Besatzer. Am 28. April 1945 kapitulierten die Wehrmachtsverbände in Italien vor den Westalliierten . Durch den Frontwechsel blieb Italien nach Kriegsende von größeren Gebietsabtretungen verschont. (Umland von Triest an Jugoslawien bzw. Slowenien und Kroatien, Dodekanes an Griechenland, kleinere Grenzberichtigungen zugunsten von Frankreich). Die jüngste Geschichte Italiens zeichnet sich durch häufige Regierungswechsel und hohe Inflation aus. Italien ist Gründungsmitglied der Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (Vorläufer der EU) und hat 2001 seine Währung „Lira” durch den Euro abgelöst.

Politik

Hauptartikel: Italienische Politik Italien ist seit 1946 eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, das Parlament besteht aus zwei Kammern (Abgeordnetenkammer und Senat), die alle fünf Jahre gewählt werden und absolut gleichberechtigt sind. Regierungschef ist der Ministerpräsident, seit 2001 Silvio Berlusconi. Zudem ist Italien Mitglied in mehreren überstaatlichen Organisationen. Mit dem 4. April 1949 erfolgte der Eintritt in die NATO. Seit dem 14. Dezember 1955 gehört Italien den Vereinten Nationen an. Zudem ist das Land als Gründungsmitglied der Europäischen Union am 1. Januar 1958 ein bedeutender Ansprechpartner in Europa. Siehe auch: Liste der italienischen Premierminister

Schulwesen und Bildung

Hauptartikel: Schulsystem in Italien Das Schulwesen Italiens ist - vor allem im Pflichtschulbereich - durch große Einheitlichkeit gekennzeichnet. Die wesentlichen Bestimmungen für Unterricht und Erziehung sind in Mailand nicht anders als in Palermo. Unterschiede gibt es lediglich im Bereich der beruflichen Bildung, die zum Kompetenzbereich der einzelnen Regionen gehört. Das Schulsystem gliedert sich in folgende drei Bereiche: Kindergarten (scuola dell' infanzia, 3-6), Pflichtschule (scuola elementare, 6-11; scuola media 11-14) , Oberstufe (Liceo: classico, scientifico, linguistico, artistico, economico, tecnologico, musicale, delle scienze umane; 14-19). Die früheren Fachoberschulen (istituti tecnici), die auch schon früher zur allgemeinen Hochschulreife führten, werden in Gymnasien umgewandelt. Italien hat in der Fremdsprachenausbildung in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht: Englisch wird bereits in der Grundschule unterrichtet, eine zweite lebende Fremdsprache kommt in der Sekundarstufe I dazu. Die 5-jährigen Gymnasien sehen daneben i.d.R. Lateinunterricht vor, beim altsprachlichen Liceo Classico kommt noch Griechisch dazu. Die Schulpflicht ist 2004 von 9 Jahren (6-15) auf 12 Jahre (6-18) verlängert worden. Wer bereits nach der 12. Klasse das Gymnasium ohne Abitur (Diploma di Maturitá, 13. Klasse) verlässt, erhält automatisch eine Zugangsberechtigung zu einer Art Fachhochschule. Wer mit 14 nicht auf das Gymnasium gehen will, muss eine Ausbildung an einer regionalen Berufsfachschule machen (die u.U. mit einer Staatsprüfung und dem beruflichen Abitur abgeschlossen werden kann). Nach dem ersten Ausbildungsjahr kann alternativ eine betriebliche Ausbildung durchgeführt werden. Wer vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreicht, wird von der zwölfjährigen Schul- und Ausbildungspflicht freigestellt.

Gesundheit und Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem in Italien ist wie in GB als nationaler Gesundheitsdienst stukturiert. Die Hausärzte erhalten eine Kopfpauschale für die Patienten, die in einer Liste registriert wurden. Negativ wird die lange Wartezeit auf stationäre Behandlung gesehen. Trotzdem hat die WHO in einem Ranking der Gesundheitssysteme Italien nach Frankreich auf den 2. Platz gestellt. Die statistisch etwas längere Lebenserwartung wird mit einer sog. mediterranen Kost erklärt. Diese enthält z.B. viel Fisch und Olivenöl. Leider ist auch in Italien Übergewichtigkeit auf dem Vormarsch.

Politische Gliederung

WHO Italien ist politisch in 20 Regionen (regioni) mit jeweils eigener Regierung gegliedert, die allerdings weniger Kompetenzen haben als etwa die deutschen Bundesländer oder gar die Schweizer Kantone. Diese Regionen sind in insgesamt 108 Provinzen (province) und diese in Gemeinden unterteilt. Fünf Regionen haben einen Sonderstatus (statuto speciale), das ihnen eine größere Autonomie gewährt; diese sind in der folgenden Liste mit einem Stern markiert.
- Abruzzen (Abruzzo)
- Aostatal (Valle d'Aosta)
-
- Apulien (Puglia)
- Basilikata (Basilicata)
- Emilia-Romagna
- Friaul-Julisch Venetien (Friuli-Venezia Giulia)
-
- Kalabrien (Calabria)
- Kampanien (Campania)
- Latium (Lazio)
- Ligurien (Liguria)
- Lombardei (Lombardia)
- Marken (Marche)
- Molise
- Piemont (Piemonte)
- Sardinien (Sardegna)
-
- Sizilien (Sicilia)
-
- Toskana (Toscana)
- Venetien (Veneto)
- Trentino-Südtirol (Trentino-Alto Adige)
-
- Umbrien (Umbria) Siehe: Liste der italienischen Regionen, Liste der italienischen Provinzen

Wirtschaft

Italien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Die italienische Wirtschaft ist die sechstgrößte der Welt (2003) und ist bezüglich ihres BIP mit der Frankreichs und Großbritanniens vergleichber. Italien besitzt, bis auf einige Erdgasvorkommen in der Poebene und in der Adria kaum natürliche Ressourcen wie Eisen, Kohle oder Öl. Die Stärke der italienischen Wirtschaft liegt im verarbeitenden Gewerbe, vor allen in kleinen und mittelständischen familiengeführten Unternehmen. Zu den wichtigsten Industrien zählen der Maschinenbau, Autos, Chemie, Pharmaprodukte, elektronische Produkte, Mode und Kleidung. Seit 2002 ist der Euro in Italien gesetzliches Zahlungsmittel. Dieser löste die italienische Lira ab. Italien ist mit ca. 52 Millionen Hektolitern der zweitgrößte Weinproduzent der Welt (nach Frankreich, Stand: 2000). Siehe hierzu Weinbau in Italien Zu den wichtigsten italienischen Exportgütern zählen Maschinenbauerzeugnisse, Textilien/Bekleidung, Kraftfahrzeuge und Erzeugnisse der chemischen Industrie Italien hatte bis 1990 einige Atomkraftwerke. Ausgelöst durch die Tschernobyl-Katastrophe führte Italien ab 1987 einen schrittweisen Atomausstieg durch. 1990 wurde das letzte italienische Atomkraftwerk abgeschaltet. Heute importiert Italien seinen Strom überwiegend aus Frankreich und der Schweiz.

Nord-Süd-Gefälle

Charakteristisch für Italien ist die Zweiteilung des Landes. Der stark industrialisierte Norden mit seinen großen Wirtschaftzentren und Metropolen Mailand, Turin und Genua verfügt über einen gut entwickelten Dienstleistungssektor und ist somit wirtschaftlich mit den nördlichen Nachbarländern vergleichbar. Der Süden des Landes, auch Mezzogiorno genannt, ist eine der strukturschwächsten Regionen der EU-15 und ist noch immer stark landwirtschaftlich geprägt. Die Folge daraus sind sehr hohe Arbeitslosenraten, die für die Jugend Extreme annimmt, eine erhöhte Kriminalitätsrate und nicht zuletzt das organisierte Verbrechen, das besonders in Kalabrien und auf Sizilien die Macht über viele Wirtschaftszweige ausübt.

Kultur

Italien hat in Europa schon sehr früh eine entscheidende Rolle in Kunst und Kultur gespielt. Die römische Antike war in der Zeit des Römischen Reiches Vorbild aller Bauwerke Europas. Auch im Mittelalter und in der Zeit der Renaissance war Italien das Ausgangsland der europäischen Kunst, Kultur und Forschung. Auf dem Gebiet der Malerei, Bildhauerei und Architektur brachte Italien eine Fülle bedeutender Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci, Botticelli, Raphael, Fra Angelico und Michelangelo hervor. Italien ist weltbekannt für seine Kunst und Kultur, für seine Gebäude wie das Kolosseum und der schiefe Turm von Pisa, genauso wie für sein Essen (Pizza, Pasta, etc.), Wein, Lebensart, Eleganz, Design, Film, Theater, Literatur, Poesie, Malerei, Musik (insbesondere die Oper) und allgemein gesprochen, für guten Geschmack.

Bedeutende Personen Italiens

Hauptartikel: Liste berühmter Italiener

Feiertage

Medien

Italien verfügt über ein sehr großes Netz an Massenmedien. Neben der traditionellen Zeitung und dem Fernsehen setzt sich immer stärker das Internet durch. Das Mobiltelefon hat einen sehr großen Erfolg in Italien erlebt, der immer noch anhält. Dabei haben Prepaid-Karten die Überhand, da die Tarife im Vergleich mit anderen Staaten der EU, vor allem aber mit Postpaid-Tarifen billig sind. Die Organisation Freedom House stufte die italienischen Medien 2004 von "frei" auf "teilweise frei" herab. Dies lässt sich mit dem zunehmenden und großen Einfluss Silvio Berlusconis auf das italienische Fernsehen und Teile der italienischen Presse zurückführen.

Presse

Die italienische Tagespresse hat ein Angebot aus überregionalen Zeitungen und vielen regional sehr bedeutsamen Blättern. Sie unterscheiden sich weniger in ihrem Inhalt als viel mehr in ihrer Verbreitung und Prestige. Neben den großen Tageszeitungen La Repubblica aus Rom, Il Corriere della Sera aus Mailand und La Stampa aus Turin existieren viele bedeutsame Lokalzeitungen, z. B. La Nazione aus Florenz oder Il Mattino aus Neapel. Sowohl die Zeitungen regionalen als auch überregionalen Charakters haben inhaltlich Nachrichten aus In- und Ausland, regionale und lokale Geschehnisse werden ebenfalls in den großen Tageszeitungen erwähnt. Die meisten Tageszeitungen nennen sich zwar quotidiano indipendente, also "täglich unabhängig" sind jedoch mehr oder weniger von politischen und kommerziellen Interessen beeinflusst. Die Bezeichnung stammt daher, weil sie sich von den reinen Parteizeitungen wie der kommunistischen L'Unita oder der christlich-demokratischen Il Popolo unterscheiden, welche ihre Parteizugehörigkeit nicht leugnen. Die meisten Tageszeitungen sind in einer relativ anspruchsvollen Aufmachung und Gestaltung, es wird sehr bewusst nach einem qualitativen und intellektuellen Schreibstil gestrebt. Dennoch wird im europäischen Vergleich in Italien wenig Zeitung gelesen, Italien rangiert dabei relativ weit unten. Die Bandbreite der italienischen Wochenzeitschriften ist vergleichbar mit der des deutschsprachigen Raumes. Dabei kann man auch die Unterscheidung zwischen Klatschpresse und anspruchsvollen Magazinen erkennen. Doch auch populäre Wochenzeitschriften, z. B. Oggi, Gente oder La Domenica del Corriere, bemühen sich um sehr hohe Qualität. Einige Tageszeitungen geben ebenfalls Sonntagsausgaben heraus.

Rundfunk und Fernsehen

Die drei nationalen Radioprogramme sowie die Fernsehsender RAI Uno, RAI Due sowie RAI Tre sind unter der staatlich kontrollierten Organisation RAI-TV zusammengefasst. Daneben existieren eine große Menge verschiedener Privatsender, die ihre Stationen in fast jeder größeren Stadt haben. Diese finanzieren sich durch einen sehr hohen Anteil an Werbung, das Programm besteht zu großen Teilen aus Musik und Shows. Dennoch ist die Qualität der Privatanstalten sehr differenziert. Einige wenige etablierte Sender schlossen sich zu einem großen Sendernetz zusammen, andere hingegen beschränken sich auf die Ausstrahlung von Filmen, deren Qualität teilweise fraglich ist. Insgesamt existieren in Italien rund 1.700 Fernsehanstalten, die rund 30 Millionen Zuschauer erreichen. Unbestritten ist dabei der große Einfluss des amtierenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf die Medien. Seit seiner Präsidentschaft nimmt er auch zunehmend Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien, etwa auf die Organisation RAI. Weiterhin sind drei italienweit terrestrisch empfangbare Sender im Privatbesitz Berlusconis. Unter dem Namen Mediaset sind die Privatsender Canale 5, Italia 1 und Rete 4 zusammengefasst. Berlusconi hat diese Sender in den Jahren 1980-1984 aufgekauft und sie erreichen täglich ein Millionenpublikum und strahlen populäre Sendeformate wie Reality Shows und Sportübertragungen aus. In die Kritik gerieten die Sender vor allem durch die einseitige innenpolitische Berichtserstattung während der letzten Präsidentschaftswahlen in Italien.

Sport

Die beliebteste italienische Sportart ist der Fußball (
Calcio). Der italienische Fußball verfügt über sehr bekannte Fußballvereine, die bei internationalen Turnieren viele Erfolge errangen. Diese Vereine sind Juventus Turin, Inter Mailand, AC Mailand, Lazio Rom, AS Roma, AC Parma. Vor allem in den nördlichen Landesteilen, im Aostatal, im Veltlin und in Südtirol hat der Skisport große Beliebtheit erlangt. Viele Touristen verbringen ihren Urlaub in der Nähe einer dieser italienischen Skigebiete. Zwei der heutzutage bekanntesten Skifahrer bei den Herren ist Giorgio Rocca und bei den Damen Isolde Kostner. Der im Ausland vermutlich berühmteste italienische Skifahrer ist Alberto Tomba. Italien gilt als ein Radsportland. Der Giro d'Italia gilt nach der Tour de France als zweitbedeutendstes Radrennen der Welt. Wichtige Eintagesrennen, die zu den Klassikern gerechnet werden, sind Mailand-San Remo und die Lombardei-Rundfahrt. Zu den wichtigsten Radsportlern gehören unter anderem der verstorbene Marco Pantani und Mario Cipollini bzw in der Radsportgeschichte Fausto Coppi und Gino Bartali. Daneben gehören Basketball und Volleyball in Italien zu den beliebtesten Sportarten.

Weblinks

20px Wiki-Portal Italien
- [http://www.infoitalien.de/ Seite der ENIT, des Staatlichen Italienischen Fremdenverkehrsamts]
- [http://www.italien-inseln.de/italia/index.html Italien - Inseln & Regionen]
Kategorie:Staat Kategorie:Land in der EU Kategorie:Mittelmeer als:Italien fiu-vro:Itaalia ja:イタリア ko:이탈리아 ms:Itali simple:Italy th:ประเทศอิตาลี zh-min-nan:Italia


Risorgimento

Als Risorgimento (ins Deutsche übersetzt: Wiedererstehung) wird zugleich eine Epoche als auch eine politische und soziale Bewegung zwischen 1815 und 1870 bezeichnet, die nach dem Wiener Kongress von 1814/15 in den Fürstentümern und Regionen Italiens deren Vereinigung in einem gesamtitalienischen Nationalstaat zu erreichen versuchte. Getragen wurde das Risorgimento durch Interessengruppen mit unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen, die vom Ziel einer gesamtitalienischen Monarchie bis hin zu einer demokratischen Republik reichten. Nach mehreren Erhebungen und Aufständen, die bis zu Revolutionen und Kriegen eskalierten - vor allem gegen die Vorherrschaft der spanischen Bourbonen im Süden (Königreich beider Sizilien) und gegen die der habsburgischen Österreicher im Norden Italiens, wurde die italienische Einheit in einem unabhängigen Nationalstaat Italien als Königreich schließlich nach einer wechselvollen Geschichte zunächst 1861 unter Führung Sardinien-Piemonts, letztlich von oben, durchgesetzt, und schließlich 1870, nach der Einnahme Roms bzw. des Kirchenstaats, vollendet.

Vorgeschichte seit der französischen Revolution bis zum Sturz Napoleons: Ende 18. Jahrhundert bis 1815

Schon im 18. Jahrhundert hatte es Bestrebungen zur Wiederherstellung der italienischen Einheit gegeben. Die italienischen Staaten und Fürstentümer waren schon länger ein politischer Spielball der europäischen Großmächte gewesen. Während der Jahre der französischen Revolution (1789 bis 1799) hatten sich Ende des 18. Jahrhunderts unter dem Eindruck der neu entstandenen französischen Republik italienische Jakobiner in patriotischen Gruppen zusammengefunden. In Turin, Neapel und Palermo waren diese Gruppen die ersten, die die Forderung nach einer unteilbaren italienischen Republik durch erfolglose Aufstände zwischen 1795 und 1799 umzusetzen versucht hatten. Während der Koalitionskriege der europäischen Fürstentümer gegen das revolutionäre Frankreich ab 1792/1793 brach die Staatenwelt des alten Italien zusammen. Bis 1801, nach den Siegen von Napoléon Bonaparte befand sich ganz Italien unter französischer Vorherrschaft. Nach der Ausrufung Napoleons zum Kaiser der Franzosen kam es zu fundamentalen Veränderungen in den italienischen Staaten. Zwischen 1796 und 1802 wurden verschiedene Republiken und das Königreich Etrurien gegründet. 1805 wurde unter der Dynastie Bonaparte ein Königreich Italien, 1806 ein Königreich Neapel ausgerufen. Bis 1809 wurde Restitalien durch Frankreich annektiert. Kennzeichen der napoleonischen Vorherrschaft waren eine leistungsfähige zentralistische Bürokratie, die Realisierung bürgerlicher Rechte durch den Code Napoléon, die Abschaffung der Feudalstrukturen und ein innerer Strukturwandel in den italienischen Staaten. Bei aller zunehmenden Unzufriedenheit vieler Italiener über die despotische Unterwerfung zugunsten der Interessen Frankreichs und bei aller Enttäuschung revolutionärer Hoffnungen im liberal und demokratisch gesinnten Bürgertum, entstand doch ein neues staatsbürgerliches Bewusstsein und die Idee der nationalen Einigung in einem freien Italien, das nicht mehr nur ein geographischer Begriff sein sollte, als Voraussetzung für die Entstehung des Risorgimento nach der militärischen Beendigung der napoleonischen Hegemonie in Italien.

Restauration und Widerstand: 1815 bis 1848

Nach dem Sieg der anderen europäischen Mächte, ihnen voran Russland, Preußen, Österreich und England, über Napoleon wurde beim Wiener Kongress 1814/1815 die Landkarte wieder neu aufgeteilt. In Italien sollte die vornapoleonische Ordnung ausgehend von Legitimitätsprinzip wieder hergestellt werden. Die spanischen Bourbonen erhielten die Vorherrschaft über Neapel-Sizilien, die österreichischen Habsburger die Vorherrschaft über die oberitalienischen Fürstentümer. Dazwischen existierte noch der Kirchenstaat unter dem Papst und das Königreich Sardinien unter dem Haus Savoyen. Nach dem Wiener Kongress setzte vor allem in Norditalien die vom österreichischen Staatskanzler Fürst von Metternich dominierte Restauration ein, die wichtige Reformen der Napoleonischen Ära wieder rückgängig machte. Dies führte zuerst zu Protesten vor allem des aufsteigenden gewerbe- und handeltreibenden Bürgertums, aber auch in Kreisen des aufgeklärten Adels. Ab 1820 loderte massiverer Widerstand auf. 1820/21 kam es im Königreich beider Sizilien, 1821 in Piemont und 1831 in Mittelitalien (Modena, Romagna) zu bürgerlich-liberalen Aufständen und Revolutionen, in denen die italienische Einheit, Verfassungen und Parlamente gefordert wurden. Organisiert wurden diese Aufstände, die alle von österreichischen Truppen niedergeschlagen wurden, von einem freimaurerähnlichen Geheimbund, den Carbonari (italienisch für Köhler). Der republikanisch-demokratische Revolutionär Giuseppe Mazzini gründete 1831 in seinem Marseiller Exil den Geheimbund Giovine Italia (italienisch für: Junges Italien), der dessen Zentralorgan La Giovine Italia illegal in Italien verbreitete. La Giovine Italia] In dieser Zeitung vertrat Mazzini die Forderung nach einer Einigung Italiens als demokratische Republik von unten, die durch das Volk erkämpft werden sollte, und an dessen Ende ein freies Italien in einem Europa der Völker entstehen sollte. Mazzini und seine Gruppe, der sich 1833 auch Giuseppe Garibaldi angeschlossen hatte, organisierten schließlich ab 1833 verschiedene Aufstände, zuerst in Piemont 1833/34, dann 1843 in Bologna, 1844 in Kalabrien und 1845 in Rimini. Alle diese Aufstände scheiterten. Sie beförderten jedoch unter den Verfechtern der Einheit eine relativ breite öffentliche Diskussion über die Struktur eines künftigen Italien. Dabei gab es neben der als radikal geltenden republikanischen Lösung Mazzinis und seiner Anhänger unter anderem Vorschläge wie dem des Philosophen Vincenzo Gioberti, den Papst als Oberhaupt einer konstitutionellen italienischen Staatenkonföderation zu ernennen; andere wollten die Einigung unter Führung des Königreichs Sardinien umsetzen. Papst Pius IX. begann 1846 mit einer relativ liberalen Reformpolitik in Rom. Er bildete einen Staatsrat, gründete eine Bürgerwehr, führte eine Amnestie durch und schlug eine Zollunion der italienischen Staaten vor.

Revolution von 1848/49, sardischer Krieg

Die Reformen des Papstes im Kirchenstaat brachten die anderen Fürstentümer in Zugzwang. Der liberale Druck nahm in allen italienischen Staaten zu. Dazu trug auch die Turiner liberalkonservative Zeitschrift Il Risorgimento, die der Epoche ihren Namen gab, bei. Sie trat für eine italienische Einigung unter Führung des Hauses Savoyen, das den König von Sardinien und Piemont, Karl Albert, stellte, ein, vertrat also entgegen den republikanischen Forderungen die Vorstellungen der Moderati, die ein liberales Königtum für das künftige Italien vorsahen. Mitbegründer von Il Risorgimento war Camillo Benso Graf von Cavour. Er setzte sich später als Ministerpräsident Sardinien-Piemonts von 1852 bis 1859 sowie 1860/61 an führender Stelle wesentlich für dieses Ziel ein und wurde schließlich nach der Einigung Italiens 1861 erster Ministerpräsident des Königreichs Italien. Nach den Reformen des Papstes kam es nach 1846 unter dem Druck der sich verstärkenden liberalen und demokratischen Bewegungen, die auch in anderen europäischen Staaten Europas um sich gegriffen hatten und weiter anwuchsen (siehe auch Julirevolution 1830, Februarrevolution 1848 und Märzrevolution 1848/49), zu schrittweisen Zugeständnissen einiger Fürstentümer. Neben dem Kirchenstaat erhielten auch das Königreich beider Sizilien, die Toskana und am 3. März 1848 Sardinien Verfassungen. Dabei hatte insbesondere König Karl Albert von Sardinien-Piemont nach der Februarrevolution in Frankreich und dem Beginn der Märzrevolution in vielen anderen europäischen Ländern (darunter auch im habsburgischen Kernland Österreich), die Situation der Zeit erkannt. Mit seiner Verfassung begründete er im Königreich Sardinien-Piemont eine konstitutionelle Monarchie mit für diese Zeit relativ weit gehenden politischen und sozialen Reformen. Die Verfassung Sardinien-Piemonts bildete denn auch die Grundlage für die spätere Verfassung des italienischen Königreichs ab 1861, wo sie im Prinzip bis 1946 gültig blieb. Damit prädestinierte sich Sardinien-Piemont als wesentliche politische Speerspitze der weiteren italienischen Einigungsbewegung. Im Zuge der Revolutionen von 1848/49 kam es in den italienischen Fürstentümern zu der bis dahin massivsten Welle der revolutionären Aufstände des Risorgimento. Die revolutionären Ereignisse begannen in Italien schon vor der französischen Februarrevolution mit dem sizilianischen Januaraufstand von 1848, und breiteten sich im Anschluss auf der ganzen italienischen Halbinsel aus. Ebenfalls schon im Januar 1848 kam es in Oberitalien, zuerst in Mailand, Brescia und Padua zu Aufständen gegen die österreichische Vorherrschaft. Mitte März 1848 erklärte Mailand seine Unabhängigkeit von Österreich und den Anschluss der Lombardei ans Königreich Sardinien-Piemont. Kurz darauf wurde in Venedig am 23. März 1848 unter der Führung von Daniele Manin die Republik ausgerufen. Zur Unterstützung Lombardo-Venetiens zog Sardinien unter König Karl Albert in den Krieg gegen Österreich. Karl Albert setzte sich damit an die Spitze der italienischen Einigungsbewegung. Nach anfänglichen Erfolgen unterlagen die sardinischen und revolutionären Truppen gegen die Österreicher unter Feldmarschall Johann Wenzel Radetzky am 25. Juli 1848 in der Schlacht bei Custozza. Im darauffolgenden Waffenstillstand ging die Lombardei wieder an Österreich. Nach einem Aufstand in der Toskana im Februar 1849, der zum Sturz des österreichischen Großherzogs Leopold II. führte, brach der Krieg zwischen Sardinien-Piemont und Österreich erneut aus. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit unterlag die sardinische Armee letztlich erneut gegen Österreich am 23. März 1849 in der Schlacht bei Novara. König Karl Albert trat noch am Abend des selben Tages zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II. zurück. Der schloss am 6. August 1849 in Mailand einen Friedensvertrag mit Österreich. Nach dieser Niederlage und der am 23. August 1849 erfolgenden Niederschlagung der Stadtrepublik Venedig, die sich mehr als ein Jahr gehalten hatte, war die italienische Einigungsbewegung in Norditalien vorerst zerschlagen. Auch im Süden Italiens hatte es 1848/49 republikanisch motivierte Revolutionen gegeben, beispielsweise in Neapel und in Rom. Nachdem der Papst im November 1848 vor den zunehmenden Unruhen aus Rom nach Gaeta geflohen war, rief am 9. Februar 1849 Giuseppe Mazzini die Republik im Kirchenstaat aus. Französische Truppen schlugen am 3. Juli 1849 die römische Republik von 1849 wieder nieder. Der Papst kehrte 1850 nach Rom zurück und etablierte dort wieder ein autoritäres Polizeiregime.

Neuformierung der Einigungsbewegung bis zur Ausrufung des Königreichs Italien: 1849 bis 1861

Nach der Niederwerfung der Revolutionen von 1848/49 wurde zunehmend die Hauptstadt Sardinien-Piemonts, Turin, zum Zentrum des Risorgimento. Unter dem sardinisch-piemontesischen Ministerpräsidenten Camillo Benso Graf von Cavour veränderte sich die Strategie der Erreichung einer italienischen Einigung. Camillo Benso Graf von Cavour Durch die Erfahrung der 48/49er Revolution war die Einsicht gereift, dass Italien seine Einheit nicht nur aus eigener Kraft erreichen könne, sondern dass dazu auch Bündnisse mit anderen Staaten notwendig seien. So wurde die internationale Lage mit Hilfe diplomatischer Kanäle genutzt, um den italienischen Nationalstaat - nun stärker unter konservativem Vorzeichen - durchzusetzen. Durch das Scheitern der Revolution war die demokratische Bewegung, bis dahin lange Zeit prägende Kraft des Risorgimento, nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa entscheidend geschwächt worden. Im Geheimvertrag von Plombières 1858 sicherte sich Cavour die Hilfe Frankreichs unter dem seit dem Krimkrieg (1853 bis 1856) nach Prestige strebenden Kaiser Napoleon III. zu. Durch das Näherrücken Russlands und Frankreichs nach dem Frieden von Paris 1856 war Österreich in der Folge des Krimkrieges politisch und diplomatisch geschwächt worden. Napoleon III., der hinter einer Einigung Italiens stand, um seine eigene Machtstellung in Europa zu stärken, sagte Sardinien-Piemont zu, es bei einem Krieg gegen Österreich zur Eroberung Lombardo-Venetiens zu unterstützen. Dafür sollte Sardinien-Piemont Nizza und Savoyen an Frankreich abtreten. Im Mai 1859 kam es zum Krieg Frankreichs und Sardinien-Piemonts gegen Österreich. Durch geschickte taktische Winkelzüge, indem Cavour Truppen zusammenzog und in der Lombardei um Freiwillige warb, wurde Österreich zum Einmarsch in Sardinien-Piemont provoziert, und stand damit als kriegsauslösende Macht schuldig da. Nach knapp 2-monatigem Kriegsverlauf wurden die österreichischen Truppen bei der Schlacht von Solferino entscheidend geschlagen. Allerdings zog sich Napoleon III. nach dem Sieg gegen Österreich auf Druck der anderen Großmächte, die kein Interesse an einer italienischen Einigung hatten, durch den geheimen Waffenstillstand mit Österreich vom 11. Juli 1859 in Villafranca, aus dem Krieg zurück. So erhielt Sardinien-Piemont nach dem Frieden von Zürich am 10. November 1859 nur die Lombardei, während Venetien noch in habsburgischer Hand verblieb. Die Pläne der Großmächte, eine Vereinigung ganz Italiens zu verhindern, gingen jedoch nicht auf. Noch während des Krieges hatten in den Herzogtümern Parma und Modena sowie im Großherzogtum Toskana Aufständische die habsburgischen Landesherren gestürzt und auch die päpstlichen Legaten aus der Romagna, die zum Kirchenstaat gehörte, vertrieben. Im März 1860, nachdem Sardinien-Piemont Nizza und Savoyen an Frankreich abgetreten hatte, kam es, von Napoleon III. gebilligt, in den noch österreichischen Gebieten Oberitaliens zu Volksabstimmungen, in denen sich die Bevölkerungen mit überwältigender Mehrheit für den Anschluss ans Königreich Sardinien-Piemont aussprachen. Die Preisgabe Nizzas und Savoyens brachte allerdings den populären Freiheitskämpfer und Nationalhelden Giuseppe Garibaldi, der, im Grunde Republikaner, bisher aus Vernunftgründen im Interesse der italienischen Einigung die Politik Cavours mitgetragen hatte, nun endgültig gegen Cavour und seine liberalkonservative pragmatische Linie auf. Giuseppe Garibaldi Garibaldi seinerseits landete am 11. Mai 1860 - zunächst noch mit Unterstützung Cavours - mit einer 1067 Mann starken Truppe aus Freiwilligen auf Sizilien, wo er sich selbst zum Diktator ernannte. Mit der als Zug der Tausend ("Mille") bezeichneten Freischar eroberte er die süditalienische Insel und befreite im Anschluss daran, ab dem 20. August 1860 den Rest des Königreichs beider Sizilien von der Herrschaft der spanischen Bourbonen. Am 7. September 1860, nachdem der letzte Bourbonenkönig Franz II. geflohen war, nahm Garibaldi mit seinen Truppen die Hauptstadt Neapel ein. Der Erfolg Garibaldis gefährdete die Führungsrolle Sardinien-Piemonts bei der Einigung Italiens. Graf Cavour vereinbarte mit Napoleon III. dessen Billigung der Eroberung der zum Kirchenstaat gehörenden Marken und Umbriens, um Garibaldi zuvorzukommen. Im September 1860 rückten piemontesische Truppen in den Provinzen des Kirchenstaats ein. Bei Castelfidardo in Ancona unterlag die päpstliche Armee. Nach dem Sieg der Piemonteser, bei dem der unter französischen Schutz stehende restliche Kirchenstaat mit Rom unangetastet blieb, stießen die Truppen weiter nach Süden vor. Garibaldi wurde bis November 1860 von den Truppen Sardinien-Piemonts, die unter dem Befehl von König Viktor Emanuel II. selbst standen, besiegt. Garibaldi trat von seinem Machtanspruch zurück, nachdem sich die Bevölkerung beider Sizilien wie schon diejenige Norditaliens im März desselben Jahres, bei einem Plebiszit am 21. Oktober 1860 mit überwältigender Mehrheit für den Anschluss ans Königreich Sardinien-Piemont ausgesprochen hatte. Am 17. März 1861 wurde schließlich in Turin das neue Königreich Italien unter König Viktor Emanuel II. ausgerufen. Camillo Benso Graf von Cavour wurde erster Ministerpräsident Italiens, als der er bis zu seinem Tod am 6. Juni 1861 im Amt blieb. Vorläufiger Regierungssitz wurde die bisherige sardinisch-piemontesische Hauptstadt Turin. 1864 wechselte dieser Status nach Florenz, der Hauptstadt der Toskana. Das neue Italien wurde letztlich von oben durchgesetzt, auch wenn die vorhergehenden Revolutionen vom Volk getragen worden waren. Die Hoffnungen der Republikaner auf eine verfassunggebende Nationalversammlung erfüllten sich nicht. Schrittweise wurde die sardinisch-piemontesische Verfassung von 1848 auf Italien übertragen, mit der eine konstitutionelle Monarchie festgelegt wurde. Die politische Repräsentation war wegen eines hohen Zensuswahlrechts mit nur 1,9% wahlberechtigter Bevölkerung auf eine kleine konservativ-liberale Oberschicht beschränkt. Das Wahlrecht wurde später zwar ausgeweitet, blieb aber dennoch nur einer Minderheit vorbehalten. Die fortschrittlichen liberalen Parlamentarier Marco Minghetti und Luigi Carlo Farini scheiterten mit ihrem Plan, autonome Regionen zur Basis des neuen Italien zu machen. Unter dem Nachfolger Cavours, Ministerpräsident Bettino Ricasali, erhielt Italien eine zentralistische Verwaltung und wurde ähnlich wie Frankreich in Provinzen gegliedert. Die europäischen Großmächte Frankreich, Preußen und Großbritannien erkannten den neuen Staat Italien an. Protest gegen die diplomatische Anerkennung kam von Österreich und dem Kirchenstaat, die zurecht weitere Ansprüche Italiens auf ihre Hoheitsgebiete bzw. Teile davon befürchteten. Vorerst noch nicht zu Italien gehörten Venetien im Nordosten, das weiterhin unter der habsburgischen Herrschaft Österreichs stand, sowie der Restkirchenstaat mit Rom, in dem französische Schutztruppen stationiert waren.

Vollendung des Risorgimento und der Einheit Italiens bis 1870

Zur weiteren Schwächung Österreichs mit dem Ziel, auch Venetien an Italien anzuschließen, schloss Italien unter dem Eindruck der Zuspitzung des preussisch-österreichischen Konflikts am 8. April 1866 ein Bündnis mit Preußen. Wenige Tage nach Beginn des Deutschen Krieges zwischen Preußen und Österreich am 14. Juni 1866, erklärte auch Italien Österreich den Krieg. Obwohl Österreich in den entscheidenden Schlachten des Krieges in Italien (Schlacht bei Custoza am 24. Juni 1866, Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866) siegreich hervorging, verlor Österreich den Krieg gegen Preußen in der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866. Diese Niederlage hatte zur Folge, dass Venetien einen Tag später an Frankreich abgetreten wurde, worauf italienische Truppen kampflos in Venetien einmarschieren konnten. Im Wiener Frieden zwischen Italien und Österreich vom 3. Oktober 1866 wurde Venetien als italienischer Besitz bestätigt. Dennoch blieben auch nach 1866 noch einige Gebiete, die weiterhin von Italien beansprucht wurden, in österreichischer Hand: Die Terre irredente (= „unerlöste“ Gebiete), die erst nach dem 1. Weltkrieg an Italien fielen. Auch der Kirchenstaat unter dem Pontifikat von Papst Pius IX. blieb weiterhin ein Konfliktherd. Schon seit den 1830er Jahren wurde im Rahmen des Risorgimento die Forderung nach der weltlichen Herrschaft über Rom vertreten. Rom wurde von den italienischen Nationalisten als die natürliche Hauptstadt Italiens angesehen. Im Oktober 1867 versuchte Garibaldi, der nach seiner Gefangenschaft wieder auf die aktive politisch-kämpferische „Bühne“ zurück kehrte, mit einigen Freischaren, Rom einzunehmen. Seine Einheiten wurden jedoch am 3. November 1867 von französischen und päpstlichen Truppen besiegt. Der Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Preußen am 19. Juli 1870 kam Italien in der Frage des Kirchenstaates gelegen. Als Frankreich in Folge des Krieges seine Schutztruppen aus Rom abzog, eroberten italienische Truppen ab 11. September 1870 den Kirchenstaat, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Am 20. September 1870 wurde Rom eingenommen. Eine Volksabstimmung ergab eine breite Zustimmung für die Vereinigung des Kirchenstaats mit Italien. Die Vereinigung wurde am 6. Oktober 1870 durch königliches Dekret proklamiert. Damit war die Einigung Italiens und mit ihr das Ziel des Risorgimento vollendet. 1871 wurde die italienische Hauptstadt von Florenz nach Rom verlegt. Auch die meisten ausländischen Staaten verlegten ihre Gesandtschaften nach Rom, womit sie stillschweigend das Ende der weltlichen Herrschaft des Papsttums anerkannten.

Weitere Entwicklung: Folgen des Risorgimento, Kirchenkonflikt, Nord-Süd-Konflikt

Der Papst hatte seinen Sitz weiterhin im Vatikan. In den sogenannten Garantiegesetzen vom Mai 1871 wurde seine Stellung in der italienischen Hauptstadt geregelt. Demnach verblieb der Vatikan, das Lateran und die päpstliche Sommerresidenz in Castel Gandolfo unter der Hoheit des Papstes, der in diesen Bereichen bis in die Gegenwart als staatlicher Souverän gilt. Pius IX. und seine unmittelbaren Nachfolger Leo XIII. und Pius X. erkannten das neue Italien jedoch nicht an, und lehnten jede offizielle diplomatische Zusammenarbeit mit den neuen Machthabern ab. Pius IX. betrachtete sich selbst als „Gefangener im Vatikan“. Die Urheber und Teilnehmer an der Einnahme des Kirchenstaates belegte er mit dem Bann. Seine Forderung nach Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papsttums blieb jedoch erfolglos - trotz der weiterhin bestehenden, seit der Verkündung der päpstlichen „Unfehlbarkeit“ nach dem ersten vatikanischen Konzil am 18. Juli 1870, sogar verstärkten kirchlichen Vormachtstellung mit weltweitem auch politischem Einfluss. Dennoch blieb der Streit um den Status der katholischen Kirche auch nach der Vollendung der italienischen Einheit ein noch lange schwelender Konflikt im neuen Italien. Breite katholische Schichten blieben durch die Einnahme Roms entfremdet. Die meisten der noch zu Österreich-Ungarn gehörenden italienisch-sprachigen Gebiete Norditaliens (das Trentino, Dalmatien und Istrien), die so genannten terre irredente (italienisch für unerlöste Gebiete), fielen erst nach der Niederlage Österreichs im 1. Weltkrieg an Italien, ebenso Südtirol. Im sozialen und wirtschaftlichen Bereich dauert der Konflikt zwischen dem reicheren industrialisierten Norden Italiens und dem landwirtschaftlich geprägten armen Süden des Landes (Mezzogiorno) bis in die Gegenwart an. Nach der Ausrufung des Königreichs Italien 1861 wurde die Hoffnung der süditalienischen Kleinbauern und Landarbeiter auf eine Umverteilung des Großgrundbesitzes enttäuscht. Durch indirekte Steuern wurde ihre Armut noch verstärkt. Der nach der Staatsgründung eingeführte Freihandel bewirkte einen Konkurrenzdruck, dem der Süden nicht stand halten konnte, und der die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region nachträglich behinderte. Die zunehmende Verarmung Süditaliens bewirkte eine lange andauernde Abwanderung großer Bevölkerungsteile in den Norden Italiens oder eine verstärkte wirtschaftlich begründete Emigration vor allem nach Amerika. Der Süden Italiens blieb in Folge der sozialen Not lange Zeit ein schwelender Unruheherd mit einem ausgeprägten Banditenwesen, das von den inzwischen entmachteten Bourbonen unterstützt wurde, und das auch nach der Staatsgründung Italiens große Teile der italienischen Armee innenpolitisch band. Später entwickelten sich aus den Banditenbanden verschiedene auch große kriminelle patriarchalische Organisationen heraus, die heute zusammengefasst unter dem Namen Mafia bekannt sind. Die verschiedenen oft gegeneinander konkurrierenden Mafia-Organisationen brachten es teilweise bis zu politischem Einfluss, sowohl in Italien als auch international.

Siehe auch


- Geschichte Italiens
- Koalitionskriege
- Lajos Kossuth
- Ludwik Mieroslawski

Weblinks


- [http://www.risorgimento.historicum.net/einfuehrung.html ausführliche Einführung in die Geschichte des Risorgimento und weiterführende Links zu Literatur u.a.] Kategorie:Italienische Geschichte Kategorie:Revolution Kategorie:19. Jahrhundert ja:リソルジメント

Linieninfanterie

Der Begriff Linieninfanterie entstand im 18. Jahrhundert, wandelte im 19. Jahrhundert seine Bedeutung und verlor sie im 1. Weltkrieg. Zunächst grenzte er die breite Masse der Fußtruppen des stehenden Heeres von der Gardeinfanterie einerseits und den irregulären leichten Infanterieverbänden andererseits ab. Als die Leichte Infanterie zu einem Teil der Linientruppen wurde und Landwehren, Nationalgarden u. ä. Bestandteil der Kriegsführung wurden, diente der Begriff auch zur Abgrenzung gegenüber diesen. Mit dem Ende der Monarchien in Russland, Deutschland, Österreich und Frankreich verschwanden auch deren kaiserliche Garden und ihre Infanterie. Die völlige Mobilisierung im Ersten Weltkrieg hob die Trennung zwischen den alten Linientruppen und ihren Territorialverbänden weitgehend auf. Heute spricht man allgemein vom Feldheer und dem Territorialheer, benutzt aber für die Infanterie des Feldheeres nicht mehr den Begriff Linieninfanterie. Siehe auch: Linientaktik; Linienregiment Kategorie:Allgemeine Truppenkunde

Kompanie

Die Bezeichnung Kompanie leitet sich aus dem mittellateinischen compagn(i)a ab (vergleiche Kompagnon) und hat zwei Bedeutungen:
- als Handelsgesellschaft (seit dem 14. Jahrhundert), siehe Kompanie (Unternehmen)
- als militärische Einheit (seit etwa 1600), siehe Kompanie (Militär) Ferner verwenden auch Schützengesellschaften und andere diesen Ausdruck. Darüber hinaus ist Kompanie
- ein Musical von Stephen Sondheim.
- ein Buch von Samuel Beckett.
- ein indischer Film (2002) von Ram Gopal Varma mit Ajay Devgan und Vivek Oberoi
- ein Buch von Max Barry (2005)
- ein Club aus Weinheim HMC Metal Kompanie Bergstraße (2004)

Bataillon

Das Bataillon (bestehend aus 300 bis 1.200 Soldaten) ist der kleinste taktische Verband im Militär. In ihm sind mehrere Kompanien (bei der Artillerie und Heeresflugabwehrtruppe: Batterien) einer Truppengattung, aber zum Teil unterschiedlicher, sich ergänzender Ausrüstung zu einer organisch zusammengesetzten Truppe vereinigt. Es wird im Normalfall von einem Oberstleutnant kommandiert. Das taktische Zeichen des NATO-Codes sind zwei senkrechte Striche. Die übergeordnete Einheit eines Bataillons ist heute die Brigade oder das Regiment, die untergeordnete Einheit die Kompanie oder Batterie. Das Wort "Bataillon" kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie "Schlachthaufen". Als solcher war es ursprünglich aus den Einheiten mehrerer Regimenter (Schützen- und Pikenierregimenter) zusammengesetzt. Im 15. und 16. Jahrhundert war das Bataillon jeder selbständige Schlachthaufen der Infanterie, der in verschiedener Stärke in der Form eines Vierecks auftrat und daher in Deutschland auch Gevierthaufe oder Gewalthaufe genannt wurde. Im 17. Jahrhundert übertrug man den Namen Bataillon auf eine Abteilung der Infanterie von bestimmter Stärke. Kategorie:Militärischer Verband Kategorie:Allgemeine Truppenkunde ja:大隊

Regiment

Der Begriff Regiment bezeichnet eigentlich Herrschaft, Regierung. Heutzutage ist normalerweise eine mittelgroße militärische Formation gemeint. Ein Regiment besteht aus zwei bis vier Bataillonen oder aus mehreren Kompanien, die in der Regel zur selben Waffengattung gehören. Kommandeur ist meist ein Oberst. Das taktische Zeichen auf der NATO-Signatur sind drei senkrechte Striche. Bis 1945 war das Regiment der wichtigste mittlere Truppenverband des deutschen Heeres. In der Bundeswehr hatte das Regiment zunächst nur mehr administrative Aufgaben, die Bataillone wurden taktisch unabhängig von einander eingesetzt und letztlich grundsätzlich direkt den Brigaden unterstellt. Regimenter existieren aber weiterhin in der Logistiktruppe, wo ihnen direkt zehn und mehr Kompanien unterstellt sind. Die Schweizer Armee schaffte mit der Reform Armee XXI per Beginn 2004 die Stufe Regiment ab. Neu sind die Bataillone wie bei der Bundeswehr direkt den Brigaden unterstellt. Die übergeordnete Einheit eines Regiments ist die Division, die untergeordnete Einheit das Bataillon oder die Kompanie. In vielen Armeen, in denen die Regimenter eigentlich abgeschafft sind, existieren sie dennoch weiter, um im Frieden Batallione gleicher Gattung die ansonsten gemischten Brigaden unterstellt sind zusammenzufassen. Dies betrifft im besonderes die Britische Armee und die US Armee. In der Britischen Armee haben Adlige dann oft den Posten des Regimentcheffes inne, der aber ein rein repräsentativer ist. Auch haben die Regimenter der Britischen Armee eher die Aufgabe der Traditionspflege. Die Regimenter der US Armee stellen demgegenüber eher eine alternative, gattungsreine Organsition der Batallione dar, die aber hierarsch nicht unbedingt anderen Divisionen unterstehen. Disziplinarisch unstehen die Batallione auch hier direkt den den Brigaden.

Historie

Mit dem Niedergang der klassischen Feudalheere und der zunehmenden Kommerzialisierung der Kriegsführung entwickelte sich zum Ende des 16. Jahrhunderts das Regiment als ein neuer Verbandstyp. Ihre Chefs waren Kriegsunternehmer, die im Auftrag der kriegführenden Fürsten auf eigene Rechnung Söldner warben, bewaffneten, ausrüsteten und bezahlten, um sie unter ihrem Kommando dann dem Auftraggeber gegen Geld zur Verfügnung zu stellen. Der Regimentschef stellte in der Regel auch die Versorgung seines Regiments auf eigene Rechnung sicher, der Preis für Verpflegung und die (ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts übliche) Uniformierung wurde dann den Soldaten vom Sold abgezogen. Durch Großeinkauf oder eigene Herstellung dieser Güter konnte der Regimentschef erhebliche Preisvorteile erreichen und somit beträchtliche Gewinne erzielen. Prototyp eines solchen Unternehmers war Wallenstein, der böhmische Feldherr und kaiserliche Generalissimus im Dreissigjährigen Krieg, der für den Kaiser sogar ein Heer von 20.000 Mann nach diesem Muster organisierte. Mit dem Übergang zu den stehenden Heeren verfestigte sich diese Regimentswirtschaft, auch wenn der Regimentschef nunmehr primär ein Offizier seines Fürsten war. Auf Kompaniebene wirtschafteten die Hauptleute als Subunternehmer des Regimentschefs, den man bezeichnenderweise auch Regimentsinhaber nannte. Stieg ein Oberst in den Generalsrang auf, so behielt er in der Regel die Inhaberschaft seines Regiments, da die daraus erzielten Einkünfte nicht selten den Generalssold überstiegen. Das Regiment wurde dann von einem Oberstleutnant kommandiert. Die Inhaberstellen wurden zunehmend auch zivilen Angehörigen der Fürstenhäuser oder ausländischen Monarchen ehrenhalber übertragen, manchmal waren mit dieser Stellung als Ehrenoberst auch die Einkünfte aus dem Regiment verbunden. Früher waren Regimenter eine selbständige, aus Bataillonen (Fußtruppen), Eskadrons (Kavallerie) bzw. Batterien (Artillerie) bestehende Truppenabteilung. Die Infanterieregimenter hatten meist 3 Bataillone, die Kavallerieregimenter 4 bis 6 (im 18. und 19. Jahrhundert bis zu 10) Eskadrons, die Fuß- und Festungsartillerieregimenter 2 Bataillone, die Feldartillerieregimenter 2 bis 4 Abteilungen zu je 2 bis 4 Batterien. Kategorie:Militärischer Verband Kategorie:Allgemeine Truppenkunde ja:連隊

Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war ein Krieg, der von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Ostasien geführt wurde und über 9 Millionen Menschenleben forderte.

Überblick

Er wurde zunächst zwischen den Mittelmächten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn auf der einen Seite und den Entente-Mächten Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen. Wider Willen kam Belgien als Opfer hinzu, in das die Deutschen ungeachtet der belgischen Neutralität aufgrund des Schlieffenplans einmarschierten. Im Verlauf des Krieges wurden die Mittelmächte durch das Osmanische Reich und Bulgarien verstärkt, während auf alliierter Seite die Staaten Japan, Italien, Portugal, Rumänien und die USA in den Krieg eintraten. Im Ersten Weltkrieg entluden sich die machtpolitischen Gegensätze der europäischen Großmächte, die zu einer enormen Aufrüstung geführt hatten. Zum Ende des Krieges befanden sich 25 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand. Aufgrund der Verwerfungen, die der Erste Weltkrieg weltweit auslöste, und der Folgen, die noch heute spürbar sind, gilt er bei vielen Historikern als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts Der Krieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Am 30. Juli befahl Russland die Generalmobilmachung zur Unterstützung Serbiens. Daraufhin erklärte das Deutsche Reich als Bündnispartner Österreich-Ungarns Russland am 1. August den Krieg. Am Abend des selben Tages überschritten russische Kavallerie-Abteilungen die ostpreußische Grenze. Vorausgegangen war ein Attentat in Sarajewo am 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau ermordet worden waren und hinter dem die Mitglieder der verschworenen serbischen GeheimlogeSchwarze Hand“ vermutet wurden. In einem Ultimatum vom 23. Juli 1914 verlangte die österreichisch-ungarische Regierung in Wien Genugtuung von der serbischen Regierung in dem sie u.a. forderte, eine gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten und von der k. u. k. Regierung delegierte Organe an den bezüglichen Erhebungen teilnehmen zu lassen. Die serbische Regierung lehnte dies als Beeinträchtigung ihrer Souveränität ab, akzeptierte aber die übrigen harten Forderungen in dem Ultimatum. Durch die darauf folgende Kriegserklärung wurde eine Reihe von Bündnissen aktiviert, die sehr rasch zum Weltkrieg führten. Manche Nachbetrachter sehen die Kriegsbegeisterung, die anfangs in vielen Ländern vorherrschte, letztlich als Resultat der im Europa des frühen 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Ansicht, der Krieg könne die aufkeimenden nationalen und sozialen Konflikte sowie die gegensätzlichen Machtinteressen der verschiedenen Herrscherhäuser und ihrer Reiche lösen. Der Verlauf des Ersten Weltkriegs dokumentiert zudem die Unfähigkeit der europäischen Führungsschichten, militärische Neuerungen und soziale Spannungen entsprechend zu erkennen oder zu akzeptieren (vergleiche auch Kriegsschulddebatte). Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, der mit einem massiven Materialeinsatz (Panzer, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) geführt wurde. Die Fronten bewegten sich dennoch kaum, zum Teil, weil der modern anmutenden Technik die alten Militärstrategien gegenüber standen. Im endlosen Stellungskrieg rieben sich die Truppen gegenseitig auf. Insbesondere auf den Schlachtfeldern vor Verdun und in Flandern fielen auf beiden Seiten Hunderttausende von Soldaten, ohne dass sich etwas an der militärischen Lage änderte. Auch deswegen stellt sich der Erste Weltkrieg als ein Krieg dar, der an Grauen alles bis dahin Bekannte übertraf. Der Krieg in den Deutschen Kolonien Deutschland besaß als der Erste Weltkieg ausbrach auch Kolonien und sogenanten Pachtbesitz. Kiautschou: Die Stadt im Norden Chinas war Deutscher Pachtbesitz. Die Japaner forderten im August des Jahres 1914 unter Kriegsandrohung die Auslieferung der Stadt. Deutschland beachtete diese Forderung nicht deshalb griffen die Japaner mit ungeheurer Überlegenheit an (63000 Japaner gegen 4000 Deutsche)an. November 1914 überliesen die Deutschen , nachdem sie alle Munition verschossen hatten , den Japanern die Stadt.

Politische Ausgangssituation

Siehe auch: Zeitalter des Imperialismus

Mittel- und Osteuropa

An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gab es in Mittel- und Osteuropa wesentlich weniger Staaten als heute. Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland teilten sich das Gebiet im Wesentlichen untereinander auf. Im Südosten Europas lag das ebenfalls Großmachtspolitik treibende Osmanische Reich. Kleinere Staaten gab es nur auf dem Balkan, der in den Jahrzehnten zuvor wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der dortigen Völker und dem Aneinandergrenzen der expansiven europäischen Mächte und des osmanischen Reiches in dieser Region ein ständiger Unruheherd gewesen war. Im Deutschen Reich, Russland und Österreich-Ungarn, die sämtlich monarchisch regiert wurden und nur mehr oder weniger machtlose Parlamente hatten, gab es zahlreiche ethnische Minderheiten, die zumeist nach nationaler Unabhängigkeit strebten. Im 19. Jahrhundert waren unter anderem in Ungarn und Polen entsprechende nationalistische Aufstände unterdrückt worden. Besonders im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn brodelte es erheblich zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Zudem stand das österreichisch-ungarische Kaiserreich im krassen Gegensatz zum russischen Zarenreich, das sich als Sprecher der „slawischen Völker unter Wiener Herrschaft“ sah und als Schutzmacht des (unabhängigen) Königreichs Serbien auftrat. Das Verhältnis Österreich-Ungarns zu beiden Staaten war erst wenige Jahre zuvor, 1908, im Zuge der Bosnischen Annexionskrise erheblichen Belastungen ausgesetzt gewesen, die bereits damals leicht in einen Krieg hätten münden können. Ideologisch wurde dieser Nationalismus mit einem Panslawismus begründet. Aber auch die deutschen Bevölkerungsgruppen im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn versuchten, sich gegen die anderen national gesinnten Bevölkerungsteile zu behaupten und sich gegenseitig in Stellung zu bringen.

Westeuropa

Die westeuropäischen Staaten, aber auch (in geringerem Ausmaß) das Deutsche Reich, hatten weite Teile der Welt unter sich in Kolonien aufgeteilt (siehe Kolonialismus). Großbritannien, das über besonders viele Kolonien in Afrika und Asien verfügte, war die führende Seemacht, die sich seit Beginn des Jahrhunderts durch das reichsdeutsche Flottenbauprogramm herausgefordert fühlte. Letzteres führte aus Sicht einiger Historiker zum Anwachsen der Spannungen im letzten Vorkriegsjahrzehnt.

Blockstrukturen

In Europa hatten sich zwei Blöcke herausgebildet. Auf der einen Seite die Mittelmächte: Deutsches Reich und Österreich-Ungarn (verbündet mit Italien, das sich aber zunächst aus dem Krieg heraushalten wollte, und dem Osmanischen Reich). Auf der anderen Seite stand der russisch-französische Zweibund, der durch jeweilige Ententen mit Großbritannien zur Triple-Entente verbunden war. Alle drei Staaten waren in Konflikt mit dem Deutschen Reich geraten: In Frankreich verspürten die französischen Nationalisten noch immer Rachegelüste wegen ihrer Niederlage von 1870/1871 im Deutsch-Französischen Krieg. Großbritannien, das sich als Weltmacht sah, fühlte sich herausgefordert unter anderem wegen der deutschen Flottenbaupolitik beziehungsweise der so genannten „Kanonenbootpolitik“ vor Marokko. Die Beziehungen des russischen Zarenreiches zum Deutschen Reich hatten sich seit langer Zeit verschlechtert. Dies war insbesondere seit dem Berliner Kongress von 1878 der Fall, nachdem der deutsche Kaiser verstärkt auf ein Bündnis mit Österreich-Ungarn gesetzt hatte. Der 1887 zwischen dem Deutschen Reich und Russland abgeschlossene Rückversicherungsvertrag wurde 1890 vom neuen Deutschen Kaiser Wilhelm II. nicht erneuert.

Militärische Ausgangslage

Die Entente war bei Beginn des Kriegs in einer besseren Ausgangslage als die verbündeten Mittelmächte. Sie verfügte über mehr Soldaten (auch aus ihren Kolonien), größere Rohstoffreserven und hatte größere Reserven an Kriegsmaterial. Auch an Waffentypen, insbesondere schwerer Artillerie, mangelte es den westlichen Alliierten nicht. Aufgrund von mangelnder Organisation konnte die Entente ihre personelle und materielle Überlegenheit zu Beginn des Kriegs jedoch nicht entfalten. Dagegen waren die verbündeten Mittelmächte, insbesondere das Deutsche Reich, wesentlich besser auf einen eventuellen Krieg vorbereitet. Ihre Armeen waren besser organisiert und Bewaffnung und Kampfmoral waren teilweise besser und ausgeprägter als bei der Entente. Die für den Transport der Truppen und den Nachschub erforderliche Logistik war vorhanden und wurde zudem durch ein gut funktionierendes Eisenbahnnetz unterstützt. Dennoch war keiner der Blöcke auf einen langen Krieg eingestellt, beispielsweise war Winterbekleidung für die Soldaten nicht vorgesehen. Die Führungen gingen davon aus, einen kurzen Krieg zu führen und diesen noch 1914 erfolgreich beenden zu können

Kriegsziele

Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn nahm für sich in Anspruch, um seine Interessen auf dem Balkan und um seine Existenz schlechthin zu kämpfen, die es an den Flanken insbesondere durch Russland bedroht sah. Durch den Krieg traten Differenzen zwischen den österreichisch-ungarischen Volksgruppen zeitweilig in den Hintergrund. Österreich-Ungarn strebte nicht nur die Eingliederung Serbiens, sondern auch Montenegros und Rumäniens oder Polens an. Entgegen den nationalistischen Tendenzen der damaligen Zeit hielt Österreich-Ungarn an der universalen Idee vom Kaisertum und somit am Vielvölkerstaat fest. In den ersten Kriegswochen, vor den schweren Niederlagen in Galizien und Serbien, begünstigt durch die Spionagetätigkeit Oberst Redls für Russland, erlaubten sich die österreichischen Staatsmänner in ihren Vorstellungen genaue territoriale Ziele. Einige Wochen später verdrängte jedoch das Überlebensmotiv geplante Erwerbungen. Wie bei keiner anderen Großmacht standen bei der Monarchie auch „negative“ Kriegsziele im Vordergrund: die Behauptung des Trentino, des Küstenlandes mit Triest und Dalmatien sowie der albanischen Küste gegen Italien, die Abwehr der rumänischen Ansprüche auf Siebenbürgen und die Bukowina, die Zurückweisung der großserbischen und südslawischen Bestrebungen in Bosnien-Herzegowina, Dalmatien, Kroatien und Slawonien, die Verteidigung gegen die panslawistischen Pläne Russlands in Galizien und Böhmen und nicht zuletzt der Widerstand gegen die deutschen Hegemonialbestrebungen. Auch die herrschenden Kreise der Monarchie wollten erobern und mussten nicht von äußeren Kräften zur Eroberung animiert werden. Aber die Hauptbestrebungen der österreichisch-ungarischen Monarchie bildeten die Aufrechterhaltung ihres Bestandes, das heißt ihre „Integrität“. Dass die Wahrung dieser „Integrität“ auch Expansionsbestrebungen deckte, zeigen viele Denkschriften. Die Monarchie tendierte unbestreitbar unter dem Einfluss äußerer Einwirkungen und innerer Bestrebungen immer mehr in Richtung dieser weit gefassten Interpretation der Integrität. Insgesamt lässt sich sagen: das offizielle Kriegsziel Österreich-Ungarns war die Erhaltung der Integrität der Monarchie. Inoffiziell versuchte die Monarchie allerdings ihre Stellung als Großmacht durch Einflussnahme beziehungsweise Annexion in Serbien, Montenegro, Albanien, Rumänien, Polen und der Ukraine zu stärken. Dennoch war in der Praxis, durch das prekäre Gleichgewicht des Habsburgerreiches, der Erwerb slawischer oder rumänischer Gebiete nicht oder nur in beschränktem Umfange möglich, ohne die Vorrangstellung der Deutschen und Ungarn im Staatsverband zu schwächen. Zu Beginn des Krieges versuchte man durch weit reichende Kriegsziele alle externen Bedrohungen für die Monarchie zu beseitigen und ihren Großmachtstatus für alle Zeiten zu sichern. Die komplexe innere Struktur der Monarchie machte es aber schwer alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Dadurch waren die imperialistischen Bestrebungen der Habsburgermonarchie mit besonderen Problemen belastet und trugen darum auch Züge, die typisch für diesen Interessenkonflikt waren. In Österreich-Ungarn bedingte die Erörterung der Kriegsziele und deren territorialer Aspekt, mehr als in jedem anderen Staat, auch die Frage nach den sich daraus notwendigerweise ergebenden inneren, verfassungs- und nationalitätenrechtlichen Folgen. Die österreichischen Staatsmänner waren sich zwar bewusst, dass die Gewinne von zweifelhaften militärischen Erfolgen abhingen, was sie allerdings nicht daran hinderte, bei der Aufstellung der Kriegsziele auch ihr Wunschdenken in die Pläne einzubauen. Auf den Sitzungen des gemeinsamen Ministerrates wurde zwar immer wieder betont, dass die Kriegsziele vom Verlauf der militärischen Operationen abhingen, dennoch ließen sich die Teilnehmer immer wieder verleiten, den Ereignissen vorzugreifen.

Deutsches Reich

Im Deutschen Reich überwog bei Ausbruch des Krieges noch der allgemeine Konsens über den Verteidigungscharakter des Krieges. Kurz darauf schossen, ausgelöst durch die raschen Erfolge der Armee im Westfeldzug, Annexionsprojekte, zum Teil fantastischer Natur, aus dem Boden. Dabei trat das vorwiegend kommerziell bestimmte Vorkriegsziel, die überseeische, koloniale und vorderasiatische Expansion des Deutschen Reiches (deutscher Imperialismus) hinter die Konzentration auf die Machterweiterung in Europa zurück, um das durch die europäische Mittellage bedrohte Deutsche Reich zu entlasten. Durch Annexionen in Ost und West von mehr oder minder extremer Größenordnung wollte man die gefährdete Hegemonialstellung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Festland für alle Zukunft sichern, um dann von dieser Basis aus den Kampf um einen Anteil an der Welt mit größerer Aussicht als bisher führen zu können. Dieser jähe Umschlag von der Idee des Verteidigungskrieges zu der des Eroberungskrieges, der sich in weiten Kreisen des Bürgertums und der Intelligenz vollzog, der Siegestaumel, verbunden mit vielen ins Absurde und Brutale gesteigerten Machtträumen warf ein bezeichnendes Licht auf die von preußisch-militaristischen Traditionen geprägte deutsche Öffentlichkeit. Kanzler Bethmann Hollweg hatte am 9. September 1914 in seinem „Septemberprogramm“ die Kriegsziele festgelegt. Deutschland wollte seine seit der Reichseinigung stark gewachsene Machtstellung sichern und seine Ansprüche auf eine Weltpolitik geltend machen. Kriegsziele waren im Einzelnen: # Militärisch-politische und wirtschaftliche Kontrolle Belgiens durch Annexion von Lüttich-Antwerpen, der flandrischen Küste und des Erzbeckens von Briey. # Eine wirtschaftliche Einheit Mitteleuropas unter Einschluss von Pufferstaaten (beispielsweise Polen) und wirtschaftspolitische Einflusssphären (zum Beispiel Rumänien) # Vergrößerung des Kolonialbesitzes # Beseitigung der englischen Vorherrschaft durch Aufstände von Marokko bis Indien. # Sonderfrieden mit Russland. Das Septemberprogramm des Kanzlers spiegelte in Anknüpfung an Überlegungen der Industrie und Bankenwelt der Vorkriegsjahre die Ideen der führenden Kreise Deutschlands in Politik, Wirtschaft und Militär wider. Namentlich die Industrie erhoffte sich von friedensvertraglichen Regelungen weitgehende Wettbewerbsprivilegien durch Eingriffe in die Autonomie der betroffenen Länder. Das Programm ist das Ergebnis der Zusammenfassung vieler Programme und Konzepte über das zukünftige Europa. Bethmann Hollweg war der Rezipient unzähliger Kriegszielprogramme vieler Interessensgruppen, der sie auf praktikable Form in politisch erreichbare Ziele reduzierte. Die Kriegszielmehrheit im Reichstag erstreckte sich von den konservativen über liberale Parteien bis ins sozialdemokratische Lager hinein. Ab 1915 sind allerdings wachsende Gegensätze in dieser Frage festzustellen. Nachdem in der Euphorie der ersten Kriegswochen viele, meist fantastische Kriegsziele aufgestellt worden waren, verbot Bethmann Hollweg Ende 1914 aus Rücksicht auf das Ausland und die deutsche Arbeiterschaft die öffentliche Kriegszieldebatte. Diese Beschränkung wirkte allerdings nur in sehr geringem Maße und wurde auf Betreiben der 3. Obersten Heeresleitung (OHL), auch wegen der psychologischen Mobilisierung der kriegsmüden Bevölkerung aufgehoben. Die OHL erblickte in der Freigabe der Kriegszieldiskussion ein entscheidendes Mittel zur Totalisierung des Krieges und als Mittel zur ideologischen Kriegsführung. Das Herzstück der deutschen Kriegszielpolitik im Westen war stets Belgien. Seit dem Septemberprogramm rückte keiner der politisch Verantwortlichen von der Forderung nach Beherrschung Belgiens als Vasallenstaat neben möglichst großen direkten Annexionen ab. Zweites zentrales Kriegsziel war die mehr oder weniger direkte Beherrschung Polens neben der Annexion eines unterschiedlich breiten Grenzstreifens. Im Rahmen der „Randstaatenpolitik“ Deutschlands – der „Zurückdrängung Russlands“ und der Schaffung einer Zone von „Pufferstaaten“, von Finnland bis zur Ukraine – lag der Schwerpunkt deutschen Expansionsstrebens im Osten vor allem im Baltikum. Der „Abgliederungskonzeption“ hing eine Mehrheit der führenden Schichten Deutschlands an, von ganz rechts bis ins antizaristische linke Lager. Gebietserweiterungen in Kurland und Litauen wurden von Vertretern aller weltanschaulichen Richtungen in fast allen Fällen verlangt. Einerseits, weil sie dem Reich direkt benachbart waren, andererseits, weil sie nichtrussische Bevölkerung, sogar teilweise eine kleine deutsche Minderheit, die Baltendeutschen, besaßen. Vorgesehen war, ähnlich wie im polnischen Grenzstreifen, durch Ansiedlung von Russlanddeutschen auf russischen Krondomänen, Kirchen- und Großgrundbesitz, neben den Besitzungen der baltendeutschen Aristokratie, die Verdrängung der Letten im eigenen Lande. Als Motivation der Besiedlungsaktion brach hier mit voller Schärfe die völkische Komponente der deutschen Kriegszielpolitik durch. Das deutsche Kriegsziel „Mittelafrika“ war eines der am hartnäckigsten verfolgten deutschen Kriegsziele. Ein Vorschlag des Staatssekretärs des Reichskolonialamtes Solf der im August und September 1914 ein konkretes Mittelafrikaprojekt entwarf, war die „Verteilung der afrikanischen Kolonien Frankreichs, Belgiens und Portugals“, das Bethmann Hollweg schließlich in sein Septemberprogramm einschloss.
- siehe auch Hauptartikel: Mittelafrika Trotz der Flut annexionistischer Agitation, die im Sommer 1915 ihrem Höhepunkt zustrebte, ließen die Eroberungswünsche unter der Einwirkung der Kriegsnöte in breiten Bevölkerungskreisen verhältnismäßig schnell nach. Auf die Eroberungswünsche während der Kriegspsychose des Jahres 1914/15 folgte im Frühjahr die Ernüchterung eines Großteils der Bevölkerung. Die annexionistische Propaganda erfasste nicht wie im 2. Weltkrieg alle Bevölkerungskreise, sondern hauptsächlich industrielle und intellektuelle Schichten. In der zweiten Hälfte des Krieges erlangte die sozialdemokratische Parole eines „Friedens ohne Annexionen“ große Popularität, vor allem unter den Soldaten, und deren Unmut richtete sich gegen die Alldeutschen als Kriegshetzer und Kriegsverlängerer. Der Friede von Brest-Litowsk mit dem bolschewistischen Russland stellte die erste Verwirklichung deutscher Kriegsziele dar. Er war keineswegs ein Verständigungsfriede, wie in der Friedensresolution verkündet, sondern ein harter Gewaltfriede, durch militärischen Vormarsch erzwungen. Im Kernpunkt der Vereinbarungen stand die Abtretung von Polen, Litauen und Kurland, die „Unabhängigkeit“ der Ukraine sowie die Besetzung von Livland und Estland durch deutsche „Polizeitruppen“, obwohl diese Länder formal bei Russland verblieben. Weiter musste Russland seine Truppen aus Finnland und den, an die Türkei grenzenden, Bezirken Erdehan, Kars und Batum abziehen. Russland verlor dadurch 26% seines Territoriums, 27% des anbaufähigen Landes, 26% des Eisenbahnnetzes, 33% der Textilindustrie, 73% der Eisenindustrie und 75% der Kohlenbergwerke. Einen Höhepunkt der deutschen Kriegszielpläne, mit ausgedehnten Annexionsgebieten und Einflusssphären im Osten und Südosten, bildete das Jahr 1918, zwischen dem Frieden mit Sowjetrussland und der Niederlage der Mittelmächte. Vor allem Ludendorff, oft gegen den Widerstand, aber doch auch mit Duldung der Reichsleitung, hat vor und nach den Zusatzverträgen zum Brest-Litowsker Frieden vom Sommer 1918 Livland, Estland, die Krim, das Gebiet der Kuban- und Donkosaken als Brücke zum Kaukasus und das Kaukasusgebiet selbst; darüber hinaus das Gebiet der