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Altenburger Prinzenraub
Der Altenburger Prinzenraub war ein Ereignis des Sächsischen Bruderkrieges im 15. Jahrhundert.
Die Differenzen zwischen Kunz von Kaufungen und dem sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen (1428-1464) gehen zurück auf den "Sächsischen Bruderkrieg" 1446-1449. Von Kaufungen beteiligte sich, angeblich auf Bitten Friedrichs, auf der kursächsischen Seite an dem Krieg, wurde allerdings bald gefangen genommen und musste ein Lösegeld von 4000 Gulden für seine Freilassung zahlen. Nach dem Ende des Krieges (wahrscheinlich 1451-52) forderte er vom Kurfürsten eine Entschädigung für das Lösegeld und für Zerstörungen an seinen Gütern in Thüringen. Der Kurfürst wies die Forderungen jedoch mit dem Argument zurück, dass Kauffungen als freier Ritter auf eigenes Risiko in den Krieg eingetreten sei. Nach jahrelanger Debatte wurde 1455 schließlich die Überprüfung durch ein Schiedsgericht beschlossen.
Angesichts des zu erwartenden Urteils reifte bei Kunz von Kaufungen jedoch der Plan, sein vermeintliches Recht auf eigene Faust durchzusetzen. Zusammen mit den Rittern Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfeld, die ebenfalls eine Rechnung mit Kursachsen offen hatten, und einem Trupp aus 30 Reitern marschierte er in der Nacht zum 8. Juli 1455 auf das Altenburger Schloss und entführte die beiden Söhne Friedrichs, die Prinzen Ernst und Albrecht. Dabei kam ihm seine Ortskenntnis als ehemaliger Kommandant des Schlosses zugute, sowie die Umstände, dass der Kurfürst auf Reisen und der übrige Hofstaat auf einer Hochzeitsfeier war. Am Tag zuvor hatten Kaufungen, Mosen und Schönfeld Fehdebriefe (formale Kriegserklärungen) an den Kurfürsten abgeschickt. Bei der Vorbereitung seines Planes half ihm ein Küchenjunge im Schloss Altenburg.
Nach vollbrachter Tat trennten sich die Entführer. Mosen und Schönfeld zogen mit dem Prinzen Ernst nach Franken, während Kaufungen versuchte, mit Albrecht seine Güter in Böhmen zu erreichen. Von dort aus wollten sie getrennte Lösegeldforderungen stellen. Noch am selben Tage gelang es Albrecht jedoch zu entkommen und Hilfe zu holen. Die herbeigerufenen Männer (nach verschiedenen Quellen: Dorfbewohner, Köhler, Mönche) stellten und überwältigten Kunz von Kaufungen und seine Reiter in der Nähe der Ortschaft Grünhain.
Mosen und Schönfeld nahmen Verhandlungen auf und erreichten Straffreiheit und freien Abzug im Austausch gegen den anderen Prinzen.
Kunz von Kaufungen jedoch wurde in Freiberg vor dem Gericht der Berggeschworenen wegen Landfriedensbruch angeklagt. In der Verhandlung berief er sich auf seine gerechtfertigte Forderung und auf den Fehdebrief, der nach damaligem Recht den Landfrieden außer Kraft setzte. Jedoch ging dieser Fehdebrief (angeblich) ebenso wie die Fehdebriefe von Mosen und Schönfeld erst am Tag nach der Entführung auf Schloss Altenburg ein.
Bereits am 13. Juli 1455, also nur 5 Tage nach der Tat, wurde Kaufungen für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Am folgenden Tage wurde er auf dem Freiberger Obermarkt, ebenso wie einige seiner Helfer, enthauptet. Die Stelle, an die der enthauptete Kopf gerollt sein soll, ist heute noch mit einem blauen Pflasterstein gekennzeichnet. Die Augen des steinernen Kopfes am Rathauserker (siehe Foto) sind auf diese Stelle gerichtet.
Theateraufführung
Seit dem 500. Jahrestag im Jahre 1955 wurde der Prinzenraub mehrfach von Laiendarstellern am Originalschauplatz im Altenburger Schlosshof dargestellt. Im Sommer 2005 übernahmen erstmals professionelle Schauspieler des Theaters Altenburg-Gera zusammen mit über 170 Laien-Darstellern diese Aufgabe. Die Premiere fand am 8. Juli 2005, dem 550. Jahrestag des Ereignisses, statt. Jährlich sollen nun Festivals dieses historische Ereignis würdigen, zumindest bis zur 555-Jahr-Feier.
Literatur
- Regina Röhner: Der sächsische Prinzenraub, ISBN 3-928678-11-6
- Hans Schache: Kunz von Kauffungen, ISBN 3-910166-12-1
Weblinks
- [http://www.prinzenraub.de www.prinzenraub.de]
- [http://www.stadt-hartenstein.de/menu.php?/histor_prirb.php Stadt Hartenstein], der Prinzenraub und die Prinzenhöhle
- [http://www.zwickau.city-map.de/city/db/121103050100.html Burg Stein] in Hartenstein als Ort, mittelalterliche Geschichte selbst zu erfahren
Kategorie:Deutsche Geschichte (Heiliges Römisches Reich)
Kategorie:Thüringer Geschichte
Kategorie:Sächsische Geschichte
Kategorie:1455
Kategorie:Ereignis
15. Jahrhundert
Das 15. Jahrhundert begann am 1. Januar 1401 und endete am 31. Dezember 1500.
Es ist die Endphase des Spätmittelalters, die Epoche des Humanismus, der Beginn der Renaissance und der Übergang zur Neuzeit.
Ereignisse und Entwicklungen
- In der Zeit von 1403 bis 1516 erobern die Schweizer Eidgenossen das Tessin.
- Das Abendländische Schisma endet 1417.
- Jeanne d'Arc führt die französischen Truppen 1429 zu einem Sieg gegen die Engländer im Hundertjährigen Krieg.
- Konstantinopel fällt 1453 an das Osmanische Reich.
- Die Hussitenkriege finden 1419 bis 1436 in Mitteleuropa statt.
- Niccolo Machiavelli schreibt Il Principe.
- 1474-1477 finden die Burgunderkriege statt, die mit dem Untergang des Hauses Burgund enden.
- Nach fast 800-jähriger muslimischer Herrschaft fällt am 2. Januar 1492 Granada, die letzte Hochburg des einst großen maurischen Reiches auf spanischem Boden (Abschluss der Reconquista). Muslime und Juden werden vertrieben.
- Christoph Kolumbus erreicht am 12. Oktober 1492 die zu den Bahamas gehörende Insel Guanahani und entdeckt damit Amerika.
- 1493-1519: Maximilian I. (HRR) regiert. Sein Beiname "Der letzte Ritter" symbolisiert den Untergang des Rittertums.
- Die Zulus besiedeln Teile des heutigen Südafrika.
- Die Spanische Inquisition wird gegründet.
- Vasco da Gama erreicht 1498 Indien.
- Niedergang des Khmer-Reiches von Angkor, 1431 Eroberung durch das Thai-Königreich Ayutthaya
- älteste Volksschauspiel Deutschlands: Drachenstich
Persönlichkeiten
- Filippo Brunelleschi erfindet die Zentralperspektive
- Leonardo da Vinci, Erfinder und Maler
- Martin Luther 1483-1546, Reformator
- Albrecht Dürer 1471-1528, deutscher Maler und Graphiker.
Erfindungen und Entdeckungen
- Johannes Gutenberg erfindet 1440 den Satz mit beweglichen Lettern, revolutioniert die Druckkunst und bricht das Informationsmonopol der Kirche.
01-15
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ko:15세기
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th:คริสต์ศตวรรษที่ 15
Kunz von Kaufungen
Ritter Kunz (Konrad) von Kaufungen ( - um 1410 auf Schloss Kaufungen, heute Teil der Stadt Limbach-Oberfrohna, † 14. Juli 1455 in Freiberg) ging in die sächsische Geschichte als Initiator des Altenburger Prinzenraubes ein. Teilweise wird er auch Junker Kunz von Kaufungen genannt.
In den frühen Morgenstunden des 8. Juli 1455 entführten die Ritter Kunz von Kaufungen, Wilhelm von Schönfeld und Wilhelm von Mosen die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albrecht aus dem Altenburger Schloss. Die Absicht der Entführer, mit den beiden Prinzen nach Böhmen bzw. Franken zu gelangen und von dort ein Lösegeld auszuhandeln, scheiterte jedoch schon am ersten Tag. Während einer Rast konnte Albrecht entkommen und Hilfe herbeiholen. Kaufungen wurde überwältigt, Mosen und Schönfeld gaben daraufhin auf. Kaufungen wurde eine Woche später in Freiberg enthauptet. Die Stelle, an die der abgeschlagene Kopf gerollt sein soll, ist heute noch mit einem blauen Pflasterstein gekennzeichnet. Die Augen des steinernen Kopfes am Rathauserker (siehe Foto) sind auf diese Stelle gerichtet.
Literatur
- Hans Schache: Kunz von Kaufungen, ISBN: 3-910166-12-1
Weblinks
- [http://www.prinzenraub.de/ Schlossmuseum Altenburg: Altenburger Prinzenraub]
- [http://www.mdr.de/geschichte/filme/mut-und-verzweiflung/2208887.html MDR-Serie Geschichte Mitteldeutschlands]
Kategorie:Ritter
Kategorie:Deutscher
Kategorie:Mann
Kategorie:Geboren unbekannt
Kategorie:Gestorben 1455
Kategorie:Freiberg
Friedrich II. (Sachsen)Friedrich II. der Sanftmütige, Kurfürst von Sachsen, ( - 22. August 1412 in Leipzig; † 7. September 1464 in Leipzig) übernahm gemeinsam mit seinen Brüdern Wilhelm III. dem Tapferen, Heinrich und Sigismund die Regierung. 1433 schlossen die Wettiner endlich Frieden mit den Hussiten.
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Die Zusammenkunft der Stände 1438 gilt als der erste Landtag Sachsens. Sie erhielten das Recht, sich bei Neuerungen im Steuerwesen auch ohne Einberufung durch den Herrscher zusammenzufinden. Ab 1466 mußten sie auch bei Entscheidungen über Krieg und Frieden gehört werden.
Mit dem Tod Friedrichs des Friedfertigen 1440 kam Thüringen wieder zum Kurfürstentum. Nachdem Heinrich und Sigismund als Mitregenten ausgeschieden waren, teilten Friedrich und Wilhelm den Besitz auf. In der Altenburger Teilung 1445 erhielt Wilhelm III. den thüringischen und fränkischen Teil, Friedrich den Ostteil des Kurfürstentums. Die Bergwerke blieben gemeinsamer Besitz. Streitigkeiten über die Verteilung führten jedoch 1446 zum Sächsischen Bruderkrieg, der erst am 27. Januar 1451 mit dem Frieden von Naumburg ein Ende fand. Im Vertrag von Eger 1459, legten Kurfürst Friedrich und Herzog Wilhelm von Sachsen und der König von Böhmen Georg von Podiebrad die Grenze zwischen Böhmen und Sachsen auf der Höhe des Erzgebirges und der Mitte der Elbe fest, die noch heute größtenteils gültig ist. Sie gehört somit zu den ältesten noch bestehenden Grenzen Europas.
Nach dem Tod Friedrichs II. 1464 übernahmen seine beiden Söhne, Ernst und Albrecht, zunächst gemeinsam die Regierung. Nachdem 1482 Herzog Wilhelm III. starb, fiel Thüringen an das Kurfürstentum Sachsen zurück.
Weblinks
- [http://www.die-sachsen-kommen.de/wetthtm/wettin.htm Die Wettiner]
Kategorie:Kurfürst (Sachsen)
Kategorie:Wettiner
Kategorie:Mann
Kategorie:Geboren 1412
Kategorie:Gestorben 1464
1464
Politik und Weltgeschehen
- Baubeginn des Holstentores in Lübeck von Ratsbaumeister Hinrich Helmsted. Das Holstentor wurde um 1478 fertiggestellt
- Aufstand gegen die Herrschaft König Christians in Schweden
- Die Universität von Bourges wird gegründet
- 23. April: Johanna von Frankreich, Herzogin von Orleans und Königin von Frankreich († 1505)
- 19. November: Go-Kashiwabara, 104. Kaiser von Japan († 1526)
- 16. Juni: Rogier van der Weyden, belgischer Maler ( - 1399)
- 1. August: Cosimo de Medici, Begründer der Dynastie der Medici ( - 1389)
- 11. August: Nikolaus von Kues, Kirchenmann, Kardinal und Universalgelehrter ( - 1404)
- 15. August: Pius II., Papst ( - 1405)
- 7. September: Friedrich II., Kurfürst von Sachsen ( - 1412)
ko:1464년
1446
Politik und Weltgeschehen
- 9. Oktober: Hangeul, koreanische Schrift wird veröffentlicht
- Albrecht VI. wird Herzog von Österreich
- Entdeckung des Flusses Gambia durch die Portugiesen
- 12. Juni: Friedensschluss zwischen Österreich und der Schweizer Eidgenossenschaft
- Erste urkundliche Erwähnung von Altenriet
- Siegmund wird Regent von Tirol und Vorderösterreich
- Alexander Agricola, Komponist, Sänger und Instrumentalist († 1506)
- 15. April: Filippo Brunelleschi, italienischer Baumeister ( - 1377)
ko:1446년
1449
Politik und Weltgeschehen
- Papst Felix V. tritt im Alter von 66 Jahren zurück. Nikolaus V. wird vom Konzil in Lausanne anerkannt. Das Konzil löst sich auf und markiert das Ende der Konzilperiode
- 1. Januar: Lorenzo de Medici, in Villa Carregi, Florenz, italienischer Politiker und Stadtherr von Florenz († 1492)
- 19. Februar: Eleonore von Aragonien, Prinzessin von Aragonien und Königin von Portugal ( - 1402)
- 20. Mai, Peter von Portugal, Prinz von Portugal und erster Herzog von Coimbra, regierte Portugal als Prinzregent ( - 1392)
- 27. Oktober: Ulugh Beg, Timuriden-Fürst in Samarkand, bekannt als Astronom und als Märtyrer der Wissenschaft ( - 1393)
ko:1449년
Ritter
Ritter (lat. eques, franz. chevalier, ital. cavaliere span. caballero)
war die Bezeichnung für die wehrhaften, adeligen Gefolgsleute des Königs und des Hochadels. Jeder Adlige, der "Kriegsdienst" leistete, konnte diesen Titel erwerben, sofern seine wirtschaftlichen Verhältnisse dies zuließen. In einem feierlichen Akt, ursprünglich der Schwertleite, später dem Ritterschlag, wurde man vom Herrscher zum Ritter erhoben, vorausgesetzt man brachte die dafür notwendigen sittlichen und militärischen Qualitäten mit. Seit dem 13. Jahrhundert bilden Ritter einen erblichen Stand. Militärisch gesehen handelte es sich eigentlich um Kavallerie, woher auch die Bezeichnung (Ritter = ursprünglich Reiter) herzuleiten ist. In vielen Situationen sahen sich die Ritter allerdings gezwungen, abzusitzen.
Definition und Abgrenzung
Kavallerie
Kavallerie
Allerdings waren wohl die meisten Adeligen des Mittelalters keine "richtigen Ritter".
Aus finanziellen und familiären Gründen zogen es viele vor, Zeit ihres Lebens Edelknechte (Armige), also ritterbürtige und waffentragende Krieger zu bleiben. Besonders bei Turnieren wurde streng zwischen Rittern und Edelknechten unterschieden. So durften Ritter beispielsweise mit drei Pferden auf dem Turnierplatz erscheinen, Knechten wurden nur zwei zugestanden. Vor großen Schlachten versuchten viele Feudalherren die Kampfmoral Ihrer Truppen zu stärken, in dem man diese Edelknechte in großer Anzahl in den Ritterstand aufnahm. So soll der polnische König unmittelbar vor dem Treffen bei Grunwald/Tannenberg die Ritterwürde an tausend seiner "Szlachtschitzen" verliehen haben. Diese "Promotionen" kamen natürlich auch nach der Schlacht vor. Gelegentlich wurden sogar tapfere nichtadelige Kriegsknechte zu Rittern geschlagen oder mit dem Schwert umgürtet. Diese Standeserhöhungen waren aber meist nur symbolischer Natur, vergleichbar mit heutigen Ordensverleihungen. Den so ausgezeichneten Knechten fehlten meist die nötigen finanziellen Mittel, um die Ritterwürde dauerhaft anzunehmen. Einige besonders tapfere Kämpfer wurden sogar mehrere Male zum Ritter gemacht, blieben aber weiterhin Edelknechte. Manchmal wurde die Ritterwürde allerdings auch gegen die Zahlung einer nicht unerheblichen Summe erkauft. So ließ sich etwa ein französischer Feldherr des Hundertjährigen Krieges zum Ritter des Deutschen Ordens schlagen.
Die Ritterwürde war also auch bei Hochadeligen keinesfalls selbstverständlich.
Wie zahlreiche Urkunden belegen, gab es besonders im späteren Mittelalter weitaus mehr "Edelknechte" als "Ritter". Dies betraf natürlich vor allem die Angehörigen der kleineren Dienstadelsgeschlechter, die oft bereits die Ausrichtung der "Promotionsfeier" nach der Schwertleite oder dem Ritterschlag in arge finanzielle Nöte brachte. Insbesondere der Unterhalt der als Standard vorgesehen drei Ritterpferde und der entsprechenden Anzahl von Knechten überstieg die Finanzkraft der meisten Kleinadeligen.
Wohlhabende, aber bequeme oder geizige Edelknechte wurden teilweise sogar durch Verordnungen zum Erwerb der Ritterwürde gezwungen. Man beachte hier auch das englische "Knight", das nichts anderes als "Knecht" bedeutet. Die Ritterwürde scheint im späteren Mittelalter immer entbehrlicher geworden zu sein.
Nicht jeder gepanzerte Reiter des Mittelalters war also ein "Ritter" des "engeren" Wortsinnes.
Allerdings wurden die Begriffe Ritter und Edelknecht bereits im Mittelalter nicht einheitlich verwendet. Manchmal werden ritterliche Dienstmannen oder Knappen als Edelknechte bezeichnet, gelegentlich sogar bäuerliche Kriegsknechte als Ritter. Manche Forscher zweifeln deshalb sogar die Existenz eines einheitlichen "Ritterstandes" an. Der Begriff "Ritter" begegnet uns zuerst in Schriftquellen des 12. Jahrhunderts. Ursprünglich umfaßt er alle berittenen Krieger, vom nichtadeligen Kriegsknecht bis zum Hochadel. Später wandelte er sich in eine Standesbezeichnung, dem "Ritter" klassischer Definition. Dieser "Ritterstand" scheint aber niemals so abgeschlossen gewesen zu sein, wie meist angenommen wird. Tüchtigen oder gerissenen Nichtadeligen gelang immer wieder der Aufstieg in diese Gesellschaftsschicht, deren "ritterliche" Ideale rasch einem gesunden Pragmatismus weichen mußten.
Viele unserer Vorstellungen über Ritter und das Rittertum gehen auf spätere Idealisierungen und Pauschalierungen zurück. Die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den verschiedenen Teilen Europas unterschieden sich deutlich. So waren etwa "englische" und "skandinavische" "Ritter" für die Rückständigkeit ihrer Ausrüstung berüchtigt; diese Länder waren einfach zu weit von den großen Zentren der Waffenproduktion in Oberitalien und Deutschland entfernt. Viele große Feudalherren bedienten sich lieber der "preiswerteren" Edel- und Kriegsknechte, als eine mächtige und wohlhabende Ritterschaft um sich zu dulden.
Die Entwicklung des Rittertums
Bereits die Bezeichnung "Ritter", abgeleitet von germ. ridare (= reiten), bzw. ital. cavaliere, franz. chevalier hergeleitet von spätlateinisch caballum (= Pferd) hergeleitet), weist auf den Ursprung des Rittertums hin: die in der Spätantike entstandene Panzerreiterei. Die Ursprünge des Rittertums liegen im heutigen Frankreich, das "fränkische (französische)" Rittertum wurde über das niederländisch-lothringische Sprachgebiet nach Osten vermittelt, "Ritter" ist folgerichtig ein Lehnwort aus dem Niederländischen (Ridder). Von Deutschland breitete sich die Ritterkultur bis weit nach Osteuropa aus, besonders Böhmen entwickelte eine späte, aber um so eindrucksvollere Ausprägung.
Der Aufgang des Mittelalters: Frankenreich
Im Frankenreich der Merowinger und Karolinger wurde der Panzerreiter mehr und mehr zum Träger der Stoßkraft in den kriegerischen Aufgeboten, obgleich Fußvolk und leichte Reiterei weiterhin die Masse der Militärmacht stellten.
Der erhebliche materielle Aufwand, den der einzelne Freie für den Kriegsdienst zu leisten hatte, führte bereits in karolingischer Zeit dazu, daß nur solche Freien, die mehr als 9 Hofstellen besaßen, voll "wehrpflichtig" waren; ärmere mussten (nach einem detaillierten Schlüssel) zu mehreren gemeinsam nur einem von ihnen den Kriegsdienst finanzieren und ihn entsenden. Zur Finanzierung gehörten nicht nur Ausrüstung und Bewaffnung, auch für den Lebensunterhalt während des Feldzuges mußte der "Wehrpflichtige" selber sorgen.
Noch höher war naturgemäß der Aufwand für den Panzerreiter - ein schweres und besonders ausgebildetes Kriegspferd (der dextrier) und ein teurer Panzer wurden benötigt, vielfach auch noch Knechte als Begleitpersonal. Entsprechend kamen als Panzerreiter nur Reiche - entweder aus eigenem Besitz (Allod) und/oder aus königlichen Lehen - in Betracht.
Durch diese Aufgabenteilung entstand eine "Kriegerkaste" - das germanische Volksheer der Völkerwanderungszeit blieb nur mehr in Resten erhalten und der mittelalterliche Adel bildete sich heraus.
Hoch-Mittelalter: Reich
Böhmen
Im Reich nördlich der Alpen entwickelte sich das Rittertum aus zwei gesellschaftlichen Gruppen - dem niederen Adel (in Fortsetzung der Tendenzen des Frankenreiches) und den Ministerialen. Außerhalb des Reiches stammten die Ritter jedoch fast ausschließlich aus dem niederen Adel. Die Integration des "ministerialen" Dienstadels war in Westeuropa wesentlich früher beendet als hierzulande, in Frankreich dürfte dies bereits im 11. Jahrhundert geschehen sein.
Ministerialen waren ursprünglich Unfreie, die im Hofdienst der Bischöfe in herausgehobenen Positionen eingesetzt waren; dazu gehörte nicht nur der Dienst unmittelbar bei Hofe, sondern auch die Verwaltung abgelegener Besitzungen. Eine solche Verwaltung schloss meist den bewaffneten Schutz solcher Besitzungen gegen Übergriffe anderer "Großer" ein. Sie mußten damit diesen ebenbürtig bewaffnet und ausgerüstet - also Panzerreiter - sein. Zu Ende des 10. Jahrhunderts stellten die Bischöfe mit ihren Panzerreitern die Masse des Reichsaufgebotes.
Ministerialen erstritten sich auch im Laufe der Zeit zunehmend eigene Rechte - beispielsweise die Erblichkeit des ihnen zu ihrem Unterhalt verliehenen Lehens. Die salischen und besonders die staufischen Herrscher bauten sich nach dem Vorbild der Bischöfe eigene Ministerialitäten auf; ihnen folgten andere "Große" wie Herzöge, Landgrafen usw.
Der Aufstieg der Ministerialität wurde sicher auch durch den gewaltigen Blutzoll - den der alte Adel durch die Kreuzzüge erlitt - beschleunigt. Zahlreiche Dienstmannengeschlechter werden im 11. bis 13. Jahrhundert erstmals urkundlich fassbar. Viele dieser "Neuadeligen" schlossen sich allerdings auch den Kreuzfahrern an, besonders die nachgeborenen Söhne kleiner Ritter und Knechte. Neben religiösen Beweggründen scheinen hier vor allem materielle Gesichtspunkte und Abenteurertum eine Rolle gespielt zu haben; man hatte in der Heimat wenig zu verlieren. Im Zuge der Kreuzzüge entstanden auch die bekannten Ritterorden (Templer, Johanniter, Malteser, Deutscher Orden), die aber keineswegs nur Adeligen offenstanden. Neben dem "weltlichen" entwickelte sich nun auch ein (in der Theorie) "geistliches" Rittertum, die Kirche hatte den "heiligen Krieg" gegen die Ungläubigen ja gutgeheissen. Durch die Begegnung mit dem Fremdartigen kam es jedoch auch zu bemerkenswerten Zeugnissen früher Verständigung und Achtung, man denke nur an die "ritterliche Erscheinung" des als Schwarzafrikaner dargestellten heiligen Mauritius im Magdeburger Dom. Wahrscheinlich haben wir hier sogar eines der wenigen wirklich lebensnahen Porträts eines hochmittelalterlichen Ritters vor uns: Es gibt Vermutungen, dass es sich bei dem Dargestellten um den farbigen Leibwächter Kaiser Friedrichs II. handelt, der diesen bei dessen Reise durch Deutschland begleitete. Über einem Kettenhemd, dessen ungewöhnliche vertikale "Bänderung" schon zu einigen Spekulationen Anlass gab, trägt der Heilige einen Plattenrock, bei dem die Panzerplatten rückseitig auf ein Trägergewand aufgenietet sind.
Wiewohl Ministerialen rechtlich eigentlich unfrei waren, konnten sie jedoch besonders unter den Staufern höchste politische Ämter einnehmen. Zunehmend verwischte sich in der Realität der Unterschied zwischen den "Rittern" von Adel und denen aus der Ministerialität, zumal sie, wie auch der übrige Adel, die gemeinsamen Ideale des Rittertums verfolgten. Auch die reichen Patriziergeschlechter der Städte übernahmen bald zahlreiche Elemente der ritterlichen Kultur, die wohlhabenden Kaufleute umgürteten sich mit dem Schwertgurt (dem eigentlichen Symbol der Ritterwürde), anstatt die Waffe am Sattel zu befestigen. In der Folge kam es bis in die Neuzeit zu zahlreichen Verbindungen zwischen dem Schwert- und dem Geldadel. In Italien war der städtische Adel gar der eigentliche Träger der Ritterkultur. Die reichen Geschlechter bauten sich eigene Gefolgschaften auf und bekriegten sich untereinander oft mit äußerster Brutalität. Dies betraf nicht nur die Familien verschiedener Stadtrepubliken, oft tobten heftige Bürgerkriege in den mittelalterlichen italienischen Städten. Die Geschlechtertürme von Städten wie etwa San Gimignano zeugen noch heute von diesen chaotischen Verhältnissen. Es wurden riesige Mengen an Waffen und Rüstungen benötigt, die norditalienischen Waffenproduzenten waren bald neben den süddeutschen Werkstätten führend in Europa.
Die Ausrüstung und Bewaffnung eines "Ritters" war sehr kostspielig; der Krieger mußte natürlich über eine entsprechende wirtschaftliche Absicherung verfügen. Die Zahl der Edlen und Reichen war begrenzt, sie allein konnten die wachsende Zahl der benötigten Krieger nicht mehr bereitstellen. Also versah man seine "Ministerialen" oder "Dienstleute" mit einem Lehen, also einem zur Nutzung überlassenen Besitztum, das den Lebensunterhalt und die "Rüstung" des Belehnten sicherstellen sollte. Das Lehen war ursprünglich an den jeweiligen Dienstmann gebunden, wurde aber im Zuge der "Standeswerdung" des Rittertums erblich und konnte nur noch bei groben Mißverhalten entzogen werden. Beim Aussterben einer belehnten Familie fiel das Lehen in der Regel an den Lehensherren zurück, der es meist neu vergab.
Ritter und Edelknecht bildeten den Unterbau der feudalen Hierarchie, die man mit einer Pyramide vergleichen kann. Die Spitze bildeten Könige und Kaiser, dann kamen die Fürsten, Herzöge und Grafen, der Sockel waren unsere Ritter, (Edel-)Knechte und Knappen. Jeder war in beiden Richtungen vom anderen abhängig, man verstand sich als kulturelle und politische Elite.
Das mittelalterliche Ritterwesen war eine Art vorweggenommene Europäische Union, das Rittertum ist ein gesamteuropäisches Phänomen, wenn auch mit unterschiedlichen regionalen Ausprägungen. Auf der einen Seite bekriegte man sich bis auf das Blut, auf der anderen waren die großen Adelshäuser Europas meist durch zahllose Eheverbindungen eng miteinander verwandt. Der Hochadel mußte immer auf der Hut sein, dass seine Vasallen nicht zu mächtig wurden und ihm womöglich die Herrschaft streitig machen konnten. Der berühmte Wahlspruch Enguerrands von Coucy mag dies verdeutlichen: "Ich bin kein König, kein Prinz, kein Herzog, bin nicht einmal Graf: Ich bin der Herr von Coucy". Am Ende war dieses Mißtrauen einer der wesentlichen Gründe für den Untergang des Rittertums.
Bewaffnung und Ausrüstung des Ritters im Hochmittelalter
Zu seinem Schutz trug der hochmittelalterliche Ritter Kettenhemd, Helm und Schild, als Waffen Lanze, Schwert und Dolch.
Ursprünglich trug man einen Schuppenpanzer, der vermutlich erst im 12. Jahrhundert vom Kettenhemd (Ringelpanzer) abgelöst wurde. Unter einem Kettenhemd wurde ein wattiertes Hemd, der sogenannte Gambeson, getragen. Dieser diente hauptsächlich dazu, die Wirkung eines Schlages oder Stoßes, der die Panzerung nicht durchdrang, auf eine größere Fläche des Körpers zu verteilen, um damit die Gefahr von Knochenbrüchen zu vermindern. Möglicherweise wurde der Gambeson teilweise durch einen Unterpanzer aus dickem, gehärteten Leder ersetzt. Über dem Panzerhemd wurden zum Schutz vor Sonneneinstrahlung und zur Identifikation des Trägers ein Waffenrock oder Wappenrock in den Wappenfarben seines Trägers und ein weiter Umhang getragen. Ergänzt wurde das Ganze durch eine Panzerkapuze mit weit ausladendem Kragen, die später auch am Helm befestigt sein konnte, sowie durch Panzerhandschuhe und „Strümpfe“, alles nach der gleichen Methode hergestellt wie das jeweils verwendete Panzerhemd. Ab dem späten 13. Jahrhundert kamen Zusatzpanzerungen in Form von vorgehängten Metallplatten als Brustpanzer auf sowie andere, aus massivem Eisen bestehende Schutzteile. Man wollte besseren Schutz gegen den verbesserten Lanzenangriff und gegen die Armbrust. So entstand im 14. Jahrhundert allmählich die Plattenrüstung.
Der Helm war halbkugelförmig bis spitz-oval, aus massivem Eisen und innen ausgepolstert, und hatte fast immer einen zusätzlichen Schutz für die Nase. Zu Ende des 12. Jahrhunderts tritt erstmals der Topfhelm auf, der das Gesicht zwar besser schützt, aber das Gesichtsfeld wesentlich einschränkt. Im 13. Jahrhundert setzt er sich schließlich durch, und im 14. Jahrhundert wurden besonders hohe Topfhelme über einer leichten Beckenhaube mit daran befestigter Kettenhaube getragen. Helmformen des 15. Jahrhunderts waren die Hundsgugel, mit ihrem namengebenden schnauzenförmigen Visier, der Schaller als der' Helm des Spätmittelalters und andere. Weit verbreitet waren auch die Beckenhaube und der Eisenhut, als die preiswertesten und praktischsten Helmformen, doch wurden diese v.a. vom „gemeinen Fußvolk“ getragen. Der Topfhelm blieb allerdings bis in die Neuzeit das Urbild des ritterlichen Helmes, besonders in der Heraldik. In der frühen Neuzeit trugen die letzten Ritter weiterentwickelte Formen des Armets, welcher bereits Mitte des 15. Jahrhunderts, also zeitlich zwischen Hundsgugel und Schaller, verwendet wurde.
Der Schild hatte zunächst die längliche Mandelform (Normannenschild) und später die "klassische" Form des Wappenschildes (Dreiecksschild), bei der die verlängerte untere Spitze dem Schutz der Beine diente. Er war aus Holz gefertigt, meistens mit Leder, oder Pergament bezogen, und hatte eine Randverstärkung z.B. aus Rohhaut. Seltener waren Randverstärkungen aus Metall. Teilweise zeigten die Schilde aber auch eiserne Verstärkungen auf der Vorderseite oder trugen in ihrer frühen Form einen Schildbuckel aus Metall. Gehalten wurde er mit einer Schlaufe am Unterarm und einem Griff für die linke Hand, zusätzlich war er mit einem Gurt - der sogen. Schildfessel - um den Nacken gegen Verlust gesichert. Beim Reiterangriff erleichterte die Schildfessel aber auch das Führen des Schildes, wobei die Linke Hand den Griff loslassen und die Zügel festhalten konnte. Der Schild konnte nur durch Druck des Unterarms dirigiert werden. Mit dem Aufkommen der Plattenpanzer wurden die Schilde immer kleiner, bis sie im Spätmittelalter ganz entbehrlich wurden. Der Ganzkörperharnisch bot nun genügend Schutz.
Die Lanze ist die Primärwaffe des Ritters beim Reiterangriff. Sie wurde zunächst "über dem Kopf geschwungen" bzw. zum Stoß geführt; ab dem 12. Jahrhundert wurden die Lanzen länger, und es wurde üblich, sie unter die Achsel zu klemmen (eingelegte Lanze). Eine wesentliche Rolle spielte hierbei der Steigbügel. Wenn man im Sattel aufstand, konnte die eingelegte Lanze maximale Kraft erzeugen, da sie die Energie direkt vom Schlachtroß bezog. Damit wurden sie auch mehr oder weniger zu „Einwegwaffen“, die nach dem ersten Zusammenprall zu unhandlich oder auch zerbrochen waren und dann weggeworfen wurden. Die Lanze war die klassische Angriffswaffe des Ritters. Um die Wucht zu vergrößern, wurden die Lanzen immer länger und dicker und sie erhielten außerdem einen Handschutz. So war gegen Ende des 14. Jahrhunderts ein etwa 5m langes Monstrum entstanden, welches am Griff dünner sein mußte, um diesen überhaupt umfassen zu können - viel zu schwer für einen einzelnen Mann, um damit richtig treffen zu können. Deshalb mußte am Brustpanzer ein spezieller Rüsthaken befestigt werden, in den die Lanze eingelegt wurde, was das Ganze wieder etwas erleichterte. Doch in Kombination mit der bereits ziemlich schwer gewordenen Rüstung waren die Ansprüche an Mensch, Pferd und Gelände so sehr gestiegen, daß immer mehr Ritter absitzen und als eine ArtPikenier (mit Ritterlanze und in voller Rüstung!) in der Defensive kämpfen mußten. Diese Kampfweise hatten die Engländer im 100jährigen Krieg bereits erfolgreich vorgemacht.
Das Schwert, die Sekundärwaffe des Ritters, war die Hauptwaffe im Nahkampf nach dem ersten Zusammenprall; es wurde im Früh- und Hochmittelalter hauptsächlich als Hiebwaffe verwendet und einhändig geführt. Erst im Spätmittelalter wurden sogen. Anderthalbhänder - also Schwerter, die meist mit beiden Händen geführt wurden, verbreitet. Das hing sicherlich mit den immer stärkeren Rüstungen zusammen. Der klassische Anderthalbhänder kann sowohl als mächtige Hiebwaffe (mehr Kraft durch das Führen mit beiden Händen), als auch als Stoßwaffe (der Ort - also die Spitze - läuft hierbei sehr spitz zu) genutzt werden und damit für Stiche in die wenig geschützen Gelenkbereiche der Rüstung eingesetzt werden. Getragen wurde es auf der linken Seite in einer Scheide, die am Gürtel befestigt war und in aller Regel aus Holz gefertigt, mit Fell ausgekleidet und mit Leder bezogen war. Eine deutsche Besonderheit waren die eisernen Ketten, mit denen manche unserer hochmittelalterlichen Ritter ihre Schwerter an den Brustplatten der Harnische befestigten. Ab dem 13. Jahrhundert trug man angeblich häufig ein zweites, besonders schweres Schwert, welches für den Kampf zu Fuß (z.B. bei einer Belagerung) bestimmt war und am Sattel befestigt wurde (Sattelbaumschwert). Es konnte durch seinen verlängerten Griff auch mit 2 Händen geführt werden. Die historische Belegbarkeit solcher Schwerter ist aber zumindest anzuzweifeln.
Der Dolch (oder ein Kurzschwert) war eine Reservewaffe für den Fall, daß das Schwert verlorenging oder zerbrach.
Daneben gab es noch eine Vielzahl anderer Waffen, die von Rittern geführt werden konnten; dazu zählten vor Allem die Streitaxt und der Streitkolben. Besonders Letzterer war für seine Effektivität gegenüber Plattenrüstungen gefürchtet.
In der Regel zog der Ritter mit einem Gefolge in den Krieg. Dieses bestand anfangs zumeist aus einem Knappen sowie einigen Knechten. Später mussten sie oft noch weitere Kämpfer zu Pferd oder auch zu Fuß mitbringen. Ritter und Gefolge zusammen wurden als Gleve oder Glefe bezeichnet – eigentlich ein anderes Wort für Lanze, außerdem wurde so eine Waffe für Fußsoldaten genannt, siehe Glefe.
Die Bewaffnung und Ausrüstung der hoch- und spätmittelalterlichen Ritter und Edelknechte kann anhand tausender erhaltener Epitaphien und Grabmäler nahezu lückenlos dokumentiert werden. Leider wurden diese für Historiker und Kostümkundler so ungeheuer wichtigen Denkmäler bis heute nur gelegentlich regional inventarisiert. In manchen Kirchen treten uns ganze Heerscharen Gewappneter in Lebensgröße entgegen. Gelegentlich sind sogar originale Ausrüstungsteile in das Bildnis integriert (Sporen, u.a.). Während diese Grabmäler auf dem Kontinent meist voll- oder halbplastisch ausgearbeitet sind, kann man in England oft wunderschöne gravierte Messingplatten in den Gotteshäusern studieren. Das Abreiben dieser Tafeln mit Wachsstiften auf Papier ist in England ein Volkssport (Brassrubbing).
Originale Ausrüstungsteile aus dem Hochmittelalter haben sich natürlich wesentlich seltener erhalten als spät- und nachmittelalterliche. Hochmittelalterliche Helme, Harnischteile, Kettenhemden und Schilde sind als unbezahlbare Museumsstücke im Antiquitätenhandel extrem rar, meist werden nur schlecht erhaltene Boden- und Flussfunde angeboten. Von den „erhaltenen“ Exemplaren dürften zudem einige im 19. Jhdt oder später gefälscht oder überarbeitet worden sein. Schwerter sind in größeren Stückzahlen überliefert, allerdings ist auch hier in den letzten beiden Jahrhunderten einiges – oft in hervorragender handwerklicher Qualität – hinzugekommen.
Die Kampfkunst der Ritter
Wie alle elitären Kampftruppen, wurden auch die adeligen Ritter seit ihrer Kindheit systematisch ausgebildet. Die meisten Kampfsysteme entstanden in Deutschland,Italien und Spanien, gleichzeitig der Staaten, wo die europäische Metallschmiedekunst ihre Blüte erlebte. Die Kampfkunst bestand aus acht Teilen, die in diversen Schulen teils in der Reihe, teils parallel unterrichtet wurden.
- Das Ringen (abrazare)
Diese Disziplin wurde seit frühester Kindheit gelehrt und praktiziert. Es handelte sich überwiegend um Greif-, Wurf-, Halte- und Hebeltechniken, die am Ehesten mit dem japanischen Yoroi Kumiuti verglichen werden können. Schläge und Tritte dagegen, wurden aufgrund ihrer Effektlosigkeit gegenüber Panzerung, kaum praktiziert. Gleichzeitig wurde durch das Training die gesamte körperliche Fitness verbessert, man achtete besonders auf die Stärke und die Schnelligkeit der Techniken. Man kann heute davon ausgehen, dass ausgebildete Knappen Meister im Brechen von Armen und Beinen waren.
- Der Dolch (liberi daga)
Auf den Umgang mit dem Dolch(Kurzschwert) wurde oft mehr Wert gelegt, als auf das Schwert. Schließlich hatte ein Ritter auch in Friedenszeiten immer einen Dolch dabei und er musste stets in der Lage sein, sich damit verteidigen zu können. Hier übertrafen die Europäer wohl alle anderen Nationen der Welt, allein im Lehrbuch "Flos Duellatorum" (1409/1410) sind mehr als 80 verschiedene Techniken zur Bekämpfung von geharnischten und bloßen Gegnern ausführlich beschrieben. Auf dem Schlachtfeld war der Dolch unersätzlich, vor allem wenn die Hauptwaffe verloren- oder kaputtging, was nicht selten geschah.
- Das Schwert (spada longa)
Wie erwähnt war das Langschwert die Hauptwaffe des Ritters. Gelehrt wurden vor allem Hieb-, Stich-, Parier- und Griffstoßtechniken, ebenso die Schwachstellen einer Ketten- bzw. Plattenrüstung. Optional wurde das Fechten mit dem Bidenhänder beigebracht, was aufgrund besonderer körperlicher Voraussetzungen erst später in die Mode kam.
- Kampf in der Rüstung
Hier wurde die Schnelligkeit und Geschicklichkeit gewertet, trotz eines Zusatzgewichts von bis zu 20 kg und mehr, gewöhnlich kämpfen zu können. Der Knappe lernte das Absorbieren von Hieben, das Ausweichen im schwerer Panzerung sowie das Ringen mit Zusatzgewicht.
- Der Lanzenkampf
Das Führen der gewichtigen Reiterlanze, teilweise bis zu 5 m lang, erforderte besondere Kraft und Geschicklichkeit. In diesem Bereich wurde die Genauigkeit eingeübt, ein kleines Ziel beim Reiten sicher treffen zu können. Da die Lanze zunehmend die Stoßkraft der Reiterei bildete, wurde diese Disziplin streng praktiziert.
- Schwere Waffen
Darunter versteht man Äxte, Kriegshammer, Morgensterne, Spieße, Dreschflegel, Knüppel und andere Waffen. Da sie im Kampf schwersten Schaden verursachten, waren sie im Kampf überaus beliebt und wurden separat unterrichtet.
- Bogenschießen
Diese Disziplin konnte bereits in der Kindheit gelehrt werden und war auf dem Schlachtfeld überlebenswichtig.
- Das Reiten
Der berittene Krieger beherrschte eine Anzahl von Steigbügeltechniken, das Lenken des Schlachtrosses und die Beweglichkeit im Sattel.
Spätmittelalter
Rüstung]
Es war nicht, wie oft fälschlich angenommen wird, die Erfindung des Schießpulvers, die das Ende der militärischen Bedeutung der Panzerreiter eingeläutet hat, sondern die Etablierung gut organisierter Fußtruppen. Die Schlacht von Kortrijk/Courtrai 1302 stellt einen diesbezüglichen Wendepunkt dar: Flandrische Fußsoldaten haben das siegessichere französische Ritterheer vernichtet und ihnen die goldenen Sporen geraubt, weshalb die Auseinandersetzung auch als Schlacht der goldenen Sporen bezeichnet wird. Bei diesem Waffengang haben allerdings noch Landschaft und Witterung die Fußkrieger begünstigt. 1386 bei Sempach jedoch besiegten Schweizer Bauern die abgesessene österreichische Ritterelite - nach mehreren Anläufen - im Frontalangriff von einem Hügel herunter. Die Eidgenossen mit ihren Spießen und Hellebarden sollten in weiterer Folge zu den erbittertsten Gegnern der Ritter werden. Im Kampf gegen Ritter zu Pferde auf freiem Feld waren sie noch unterlegen- das sollte sich ändern, als sie die Piken verlängerten ("Schweizer Langspieß") und die Taktik perfektionierten. Bei Grandson, Murten und Nancy 1476/77 zertrümmerten sie mit Burgund jene Macht, die als Inbegriff des Rittertums galt. Damit war der Kampf um die Vorherrschaft auf dem Schlachtfeld zugunsten der "modernen Infanterie" entschieden. (siehe: Pikeniere)
Als das Schießpulver voll zur Geltung gekommen war, hatten die Panzerreiter ihre ehemals überragende Bedeutung bereits weitgehend eingebüßt. Der Niedergang des Rittertums war jedoch in erster Linie eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung.
Die schwere Reiterei paßte sich den im 14. Jahrhundert aufkommenden Feuerwaffen durch noch immer massivere Rüstungen an, mit denen sie auch ihre Schlachtrösser schützte. Als bezahlte Söldner (Lanzierer) kam den schweren Reitern noch im 16. Jahrhundert eine wichtige taktische Aufgabe zu. Sie hätten wahrscheinlich noch länger weitergekämpft, wenn genügend geeignete Pferde vorhanden gewesen wären. Doch während die Größe der Heere immer weiter stieg, schrumpfte aufgrund der ritterlichen Geldmisere und wegen des Verschleißes durch Kriege die Anzahl der speziell gezüchteten Streitrösser -der in Wahrheit wohl wichtigste Grund für die weitgehende militärische Bedeutungslosigkeit der schweren Lanzenreiter im weiteren Verlauf der Neuzeit.
Die aufwendigen und starren Körperpanzerungen der späten Ritterzeit erschwerten das Ab- und vor allem das Wiederaufsitzen, der Ritter kämpfte nun wesentlich seltener zu Fuß als in früheren Zeiten. Ein auf Maß gearbeiteter Harnisch guter Qualität ermöglicht zwar eine überraschende Beweglichkeit, viele Kämpfer trugen jedoch Kompositharnische, also zusammengestellte Panzerungen verschiedenster Qualität und Herkunft. Diese Rüstungen waren oft von den Vorfahren ererbt, saßen also natürlich nicht optimal. Die besonders schweren Modelle sind meist reine Repräsentations- oder Turnierharnische. Die Kavallerie der frühen Neuzeit begnügte sich aus diesen praktischen Erwägungen mit dem Halbharnisch, der später auf das Anlegen eines Kürass reduziert wurde.
Der eigene Einsatz von Fern- oder gar Feuerwaffen ließ sich mit der Ritterehre nicht vereinbaren, so ließen sich etwa große französische Ritteraufgebote von englischen Langbogenschützen während des "Hundertjährigen Krieges" regelrecht abschlachten- v.a. auch deshalb, weil sie ihre Attacken meist ungeordnet und unzusammenhängend ausführten.
Kultur und Alltag
Die ritterliche Kultur übte schon früh eine große Faszination aus. Fürsten, Könige und Kaiser ließen sich auf ihren Siegeln als Ritter darstellen und traten bei Turnieren auf den Plan.
Da die Körperpanzerungen die Anonymisierung des Kriegers mit sich brachten - man Freund und Feind aber unterscheiden mußte - begann man damit, Erkennungszeichen auf den Schilden und Waffenröcken anzubringen. Aus diesen, ursprünglich einfachen Symbolen entwickelte sich die mittelalterliche Heraldik. In der polnischen Heraldik hat sich noch viel von der einfachen Symbolik dieser frühen Wappenbilder erhalten. Fahrende Sänger zogen im hohen Mittelalter von Hof zu Hof und besangen die Heldentaten der ritterlichen Helden. (Nibelungenlied, Rolandslied). Später entwickelte sich das Phänomen des Minnedienstes, also der selbstlosen Hingabe an eine unerreichbare "Hohe Frau" ("Frouwe"), der man ohne Hoffnung auf eine irdische Belohnung diente. Zur Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse bediente man sich hingegen der "Maget" ("Wip"), auf die unsere Ritter natürlich eine große Anziehungskraft ausübten. Der zahlreichen unehelichen Kinder, die aus diesen Verhältnissen entsprossen, scheint man sich keineswegs geschämt zu haben.
Wohlhabende Ritter ermöglichten ihren illegitimen Söhnen oft sogar den Erwerb der Ritterwürde. Die "Bastarde" durften sogar das Wappen des Vaters verwenden, mußten diesem aber den Bastardstreifen hinzufügen, der schräg über das Schild gelegt wurde. Dieser Streifen findet sich noch heute im Wappen einiger Adelsfamilien. Bezeichnenderweise führten einige der tapfersten und berühmtesten Ritter Europas dieses keineswegs diskriminierende Symbol im Schilde, einige sind sogar die Stammväter heute noch blühender Hochadelsfamilien. Der einflußreichste dieser "Bastarde" war wohl der Begründer der heutigen englischen Nation, der berühmte Wilhelm I. der Herzog der Normandie (Wilhelm der Eroberer). Wilhelms Mutter war die schöne Arlette, Tochter eines Gerbers. An der Seite der Jungfrau von Orleans kämpfte Dunois, der "Bastard von Frankreich", ein unehelicher Sohn des französischen Königs.
Der Alltag eines Dienstmannes oder eines der "Herren" der unzähligen kleinen Burgen im deutschen Sprachraum dürfte eher eintönig verlaufen sein. Die meisten Ritter und Edelknechte waren eigentlich nichts anderes als größere Bauern, denen der Pflug genauso vertraut war wie das Schwert. Neben der Feldarbeit war die Jagd die Hauptbeschäftigung dieser Kleinadeligen, die stets auf der Hut vor wilden Tieren und menschlichen Feinden sein mußten. Auf den kleinen Burgen herrschten - aus heutiger Sicht - unzumutbare Lebensverhältnisse. Mensch und Tier mußten sich den begrenzten Raum teilen, die hygienischen Verhältnisse waren gewöhnungsbedürftig, die Kindersterblichkeit war hoch. Viele Burgen entwickelten sich zu Ganerbenburgen mit zahlreichen Bewohnern, Konflikte konnten hier natürlich nicht ausbleiben. Viele der ehemals "edelfreien", also altadeligen Familien mußten ihren Besitz an mächtigere Feudalherren übertragen, von denen sie diesen als Lehen zurückerhielten. Dies geschah nicht immer nur unter Zwang, die "Dienstmannschaft" konnte sehr lukrativ sein, viele Dienstleute erreichten hohe Stellungen am Hofe ihres Herren. Jener mußte sich natürlich im Gegenzug am Ausbau und der Sicherung der Burg des Dienstmannes beteiligen.
Im Kriegsfall konnte bereits eine eher harmlose Verletzung den Tod oder die dauernde Invalidität zur Folge haben. Die Ausrüstung der mittelalterlichen Krieger entsprach selten dem neuesten Stand der Waffentechnik, man trug oft Rüstungsteile aus verschiedenen Jahrhunderten in buntem Durcheinander. Fehlende Teile der eigenen Ausrüstung ergänzte man natürlich gerne auf dem Schlachtfeld.
Im Zweikampf versuchte man den Gegner möglichst nicht zu töten, zumindest wenn jener ein wohlhabender Adeliger war. Das Fordern von Lösegeld war eine beliebte Methode, die eigenen Finanzen aufzubessern. Die Gefangenen wurden aber selten in das Burgverlies geworfen, meist speiste der Häftling mit am Tisch des Siegers, er mußte nur bei seiner Ritterehre schwören, nicht zu fliehen.
Untergang der Ritterschaft
Der Niedergang der Ritterschaft steht im Zusammenhang mit der Verdrängung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft, was auf militärische Verpflichtungen bezogen die Ablösung von feudalen Bindungen durch finanzielle Bindungen zur Folge hatte. Die Fürsten und Könige des Spätmittelalters wollten sich aus der Abhängigkeit von ihren Untervasallen lösen, weshalb sie verstärkt auf Söldnerheere setzten. Dadurch verloren die Ritter stark an Bedeutung, da sie zuvor die wichtigste Stütze der feudalen Heeresaufgebote gebildet hatten.
Die allmähliche Auflösung der Ritterschaft stärkte die Macht der Könige und Kaiser und schwächte mehr und mehr die Ritter und deren Zusammenhalt. Man kann durchaus davon sprechen, daß viele Ritter eine Daseinskrise erlebten. Die Ritterschaft verarmte. Um sich selbst noch Bedeutung zu verschaffen und noch eine Überlebensgrundlage zu erhalten, gingen nicht wenige Ritter zum Raubrittertum über, in dessen Zuge sie andere Adlige und benachbarte Ritter ausraubten und bekämpften. Das Chaos und die innenpolitische Unsicherheit, das die Raubritter damit verbreiteten, besiegelten endgültig den Untergang des Rittertums. Die Truppen des Landesherrn hoben nun ohne Gnade ein Raubritternest nach dem anderen aus. Viele Ritter paßten sich den veränderten Gegebenheiten an und traten als hochbezahlte Söldner in eine Lanzierer- oder Kürassier-Einheit ein.
Als letzte "richtige Ritterschlacht" gilt die Schlacht bei Mühldorf/Ampfing im Jahre 1322.
Die Reichsritterschaft verlor mit dem Ende des "Heiligen Römischen Reiches" zwischen 1803 und 1806 ihre Herrschaftsrechte und Privilegien. Vergleiche Reichsdeputationshauptschluss
In Österreich und in Süddeutschland wurde der Titel eines "Ritters" noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert bis 1918 bei Nobilitierungen neu vergeben. Es bestanden Verdienstorden, deren Träger um die Nobilitierung ansuchen konnten (meist waren die Angehörigen der dritten Klasse berechtigt, um die Erhebung in den Ritterstand anzusuchen). Vergl. zum Beispiel Orden der Eisernen Krone.
In Großbritannien werden auch heute noch Personen zur Würdigung ihrer Verdienste zum Ritter (englisch: knight) geschlagen. Sie dürfen dann den Titel Sir (bei Frauen: Dame) tragen. Dieser Titel ist nicht vererbbar.
Nachklang und "Wiedergeburt"
In den letzten Jahren ist es im Zuge des allgemeinen "Mittelalterbooms" zu einer "Renaissance des Rittertums" gekommen. In den Sommermonaten kann man überall "Ritterturniere" und "Mittelaltermärkte" besuchen. Das Bild, das hierbei vom Mittelalter vermittelt wird, hat natürlich mit der geschichtlichen Realität weniger zu tun, aber es vermittelt zumindest ein romatisches Gefühl. Man kann sogar in Kaltenberg französische Stuntmänner in Plastikrüstungen und schwarzlackierten Footballpanzerungen bewundern.
Seriöses "Reenactment" wird heutzutage von mehreren engagierten Gruppen und Einzelpersonen betrieben, dies allerdings auf hohem Niveau. Dieses seriöse Reenactment leistet einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Verständnis des gesellschaftlichen Phänomens "Rittertum". Die Lebensverhältnisse der damaligen Menschen unterscheiden sich so grundlegend von den unsrigen, das eine Beurteilung durch reine "Schreibtischtäter" der Wahrheit nicht gerecht werden kann.
Leider haben die meisten Historiker und Forscher niemals im Harnisch oder dem Kettenhemd auf einem Pferd gesessen oder versucht, die Schwertschläge eines Gegners mit einem "authentischen" Nachbau eines Ritterschwertes zu parieren. Geschichte lässt sich leider nicht nur aus Urkunden und Schriftquellen rekonstruieren, diese spiegeln die harte Realität längst vergangener Zeiten nur sehr unvollkommen wieder.
Aber auch die "aktive" Beschäftigung mit der Vergangenheit kann immer nur Annäherung an die historische Wahrheit sein, niemals exaktes Nacherleben einer längst vergangenen Epoche.
Doch weckt dies das gesellschaftliche Interesse an eine interessante Zeit.
Der "Ritter" und seine Ideale wird immer neu belebt, wie sogar große Kinofilme aufzeigen!
Siehe auch
- Samurai
- Wappen
Literatur
- Rainer Atzbach: Ritter. Die militia christiana als Lebensform im Mittelalter. In: Ritter, Burgen und Dörfer. Mittelalterliches Leben in Stadt und Land. Ausstellungskatalog, hrsg. vom Gebietsausschuß Fränkische Schweiz, Tüchersfeld 1997 ISBN 3-9803276-6-3; S. 48-51
- Werner Hechberger: Adel, Ministerialität und Rittertum im Mittelalter. (Enzyklopädie deutscher Geschichte; Band 72). Oldenbourg, München 2004 ISBN 3-486-55083-7 (aktueller und umfassender Überblick des derzeitigen Forschungsstandes zum Thema und über 400 Verweise auf weiterführende Literatur)
- Andrea Hopkins: Knights. London, 1990, 192 S.- zahlr. Ill. ISBN 0-89660-013-0
- Hans-Jürgen Kotzur (Hrsg.): Die Kreuzzüge (Ausstellungskat.). Mainz, 2004, 560 S. - zahlr. Ill. ISBN 3-8053-3240-8
- Alexander von Reitzenstein: Rittertum und Ritterschaft. München, 1972, 144 S. - Ill.
- Andreas Schlunk, Robert Giersch: Die Ritter. Geschichte - Kultur - Alltagsleben. Theiss, Stuttgart 2003 ISBN 3-8062-1791-2
- Heinz Meyer: Geschichte der Reiterkrieger. Stuttgart, 1982, 255 S. - Ill. ISBN 3-17-007347-8
- Werner Meyer: Deutsche Ritter, Deutsche Burgen. München, 1990 (Neudruck). 255 S. - zahlr. Ill. ISBN 3-572-07715-X
In den verschiedenen militärhistorischen Reihen des englischen Herausgebers Osprey (Men-at-arms, Elite, Warrior) sind zahlreiche Titel zur Bewaffnung und Ausrüstung mittelalterlicher Krieger erschienen. In der Serie Campaign finden sich detaillierte Beschreibungen mittelalterlicher Schlachten. Jedes Heft enthält einige, künstlerisch teilweise beachtliche Farbtafeln. (www.ospreypublishing.com)
Weblinks
- [http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kultur/museen/speyer/ritter.htm Ausstellung "Die Ritter", Historisches Museum der Pfalz Speyer] - Ausstellungsbesprechung für die VL Museen von [http://www.vl-museen.de/aus-rez/atzbach03-2.html Rainer Atzbach]
- [http://www.tempus-vivit.de/ Tempus vivit!] - Veranstaltungshinweise, Informationen, Diskussionen über historische Veranstaltungen
- [http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte/maike/mittelalter.html Alltagsgeschichte des Mittelalters]
- [http://www.zum-kleeblatt.de/ Wappenrolle]
Kategorie:Adelstitel
Kategorie:Mittelalter
ja:騎士
Kursachsen an die Kurfürsten, die Rudolf II von Sachsen in Vertretung seines Vaters Rudolf I. von Sachsen entgegennimmt.]]
Das Kurfürstentum Sachsen war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches.
Geschichte
Das Kernterritorium des Kurfürstentums Sachsen lag an der mittleren Elbe um die Stadt Wittenberg. Hier hatten die Askanier 1180 umfangreichen Besitz erworben, aus dem das Herzogtum Sachsen-Wittenberg hervorgegangen ist. In der Goldenen Bulle erhielten die Askanier als Herzöge von Sachsen-Wittenberg von Kaiser Karl IV. dauerhaft die Kurwürde zugesprochen. Mit dieser Kurwürde war das symbolische Erzamt des Erzmarschalls des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation verbunden.
Nach dem Aussterben der Askanier übernahm 1423 der Markgraf Friedrich IV. von Meißen aus dem Hause Wettin deren Besitzungen und wurde damit am 1. August 1425 als Kurfürst von Sachsen in Budapest durch Kaiser Sigismund belehnt. Damit dehnte sich der Begriff Sachsen auf die bereits durch die Wettiner erlangten Gebiete von Meißen, der Lausitz und Thüringen aus.
1439 erwarb Friedrich der Streitbare die Burggrafschaft Meißen und sein Sohn Friedrich der Sanftmütige erhielt 1440 durch einen wettinischen Heimfall Thüringen. Der durch die Altenburger Teilung hervorgerufene sächsische Bruderkrieg, teilte vorübergehend den Wettinischen Machtbereich. Durch die Altenburger Teilung und den Halleschen Machtspruch wiederum in einen östlichen und westlichen Teil. Der östliche Teil blieb weiterhin Kurfürstentum und wurde 1466 um den Kern des Vogtlandes die Herrschaft Plauen ausgeweitet. Der westliche Teil fiel nach dem Tode Herzog Wilhelm III. von Sachsen 1482 wieder zurück an das Kurfürstentum unter Kurfürst Ernst.
Am 26. August 1485 vereinbarten die Wettiner Kurfürst Ernst von Sachsen und Herzog Albrecht von Sachsen in Leipzig die Teilung ihres Besitzes, die am 11. November vollzogen wurde. Im Ernestinischen Kurfürstentum stiftete Friedrich der Weise die Universität Wittenberg, von der die kirchenpolitische Reformation ausging. Durch die Folge des Schmalkaldischen Krieges gelangte die Albertinische Linie in den Besitz des Kurfürstentums.
Die ernestinische Linie behielt nur die Ämter Weimar, Jena, Saalfeld, Weida, Gotha, Eisenach und Coburg und 1554 kamen noch die Ämter Sachsenburg, Altenburg, Herbsleben und Eisenberg hinzu. Das ernestinische Herzogtum teilte sich in der Folge von Erbteilungen wiederum in verschiedene sächsische Linien.
Durch den Anschluss an den Rheinbund 1806, erreichte Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen mit Hilfe Napoleons die Standeserhebung zum König, wodurch das bisherige Kurfürstentum in ein Königreich umgewandelt wurde.
Verwaltung (im Aufbau)
Im 14. Jahrhundert konnten durch den zunehmenden Bargeldbedarf der Kurfürsten, die Stände im Kurfürstentum durch den Erwerb von Rechten (Stadtrecht, Marktrecht, Gerichtsbarkeit etc.) ihre Position weiter ausbauen. So kam es 1438 auf dem Landtag in Leipzig zum förmlichen Zusammenschluss der Landstände zu einer Körperschaft, in der die Prälaten, Grafen, Ritter und Vertreter der Städte aller den Wettiner unterstehenden Länder das Recht erlangten, sich zu gemeinsamer Beratung zusammenzufinden. Damit wurde die monarchische Gewalt der Kurfürsten durch ein kollektives Mitspracherecht der Stände eingeschränkt, womit sich Kursachsen in zeitlicher Hinsicht mit an die Spitze der Geschichte deutscher Ständevertretungen stellte. In der noch einheitlichen Zentralverwaltung kündigte sich mit 15. Jahrhundert die spätere fachliche Arbeitsteilung an, indem der Kanzler vom bloßen Kanzleileiter zum Träger politischer Verantwortung aufstieg und sich dabei besonderst der Rechtspflege widmete.
Die Landesverwaltung des Kurfürstentums Sachsen wurde von Friedrich des Weisen durch den Erlass der kurfürstliche Hofratsordnung von 1499 geregelt. Die unterste Stufe der Verwaltungsorgane im Kurfürstentum waren die Ämter. Die Ämter bestanden seit dem Mittelalter. Es waren kleinere Bezirke, die auch Vogteien oder Pflegen genannt wurden. Neben den Ämtern gab es geistlichen Besitz und die Gebiete ritterlicher Grundherren. Mitten zwischen diese hinein waren die Ämter der Kurfürsten wie Inseln eingestreut.
Um die Einkünfte zu sichern und straffer zu organisieren, wurden ab 1506 allmählich Amtserbbücher für die einzelnen Ämter angelegt. In ihnen wurden alle landesherrlichen Besitzungen, Rechte und Einkünfte aufgeschrieben und verschafften dem Kurfürsten und deren Räten einen Überblick über die Ämter. Geleitet wurde das Amt ursprünglich von einem dem Ritterstand angehörigen Vogt (Vocatus). Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bürgerte sich der Titel Amtmann (auch Hauptmann) ein. Neben dem Amtmann findet sich seit dem 15. Jahrhundert im einzelnen Amt noch der Schösser, der für die Wirtschafts- und Finanzverwaltung zuständig war. Nötigenfalls vertrat er den Amtmann, ja mitunter war er der Leiter eines Amtes.
Die Vogtei hatte er auf dem Wege einer „freien, reinen Bestallung” erhalten. Eine Amtsentsetzung war jederzeit möglich gewesen. Schon seit dem 14. Jahrhundert war die Übertragung immer häufiger aus finanziellen Gründen erfolgt. Und zwar konnte ein Amt entweder als Pfand für eine größere Geldsumme oder zur Tilgung einer älteren Schuldforderung vergeben werden. Auf diesem Wege kamen schließlich auch Bürgerliche in die Verwaltung eines Amtes. Die Dauer der Vergabe wurde häufig bei der Verpfändung festgesetzt. Bei besonderen Verdiensten konnte ein Amt auch als Eigentum übertragen werden.
Mit den Amtleuten an der Spitze waren die Ämter die ausführenden Organe des Kurfürsten in Sachsen. Sie handelten im Auftrag und an Stelle des Landesherrn. Die Amtleute waren für ihren jeweiligen Bereich Verwaltungs-, Finanz- und Gerichtsbeamte, hatten militärische Funktionen und die Polizeigewalt. Den Amtleuten unterstanden die einzelnen Behörden des Amtes, in den Städten die Bürgermeister, die mitunter den Titel eines Richters trugen, auf den Dörfern die Schulzen. Diese wurden vom Amtmann ernannt bzw. bestätigt und hatten ihrerseits für ihren Bereich die ihnen zukommenden Verwaltungs-, Gerichts- und Polizeiaufgaben wahrzunehmen. Wo Ritter als Grundherren die volle, d. h. auch die hohe Gerichtsbarkeit erworben hatten, traten sie bei ihren Hintersassen an die Stelle des Amtmanns. Ihre Untertanen waren auch dessen finanzieller Zuständigkeit und militärischer Macht entzogen. Und hier vermittelte nicht mehr der Amtmann zwischen dem Grundherrn und der landesherrlichen Zentralbehörde, sondern die Edelleute standen in unmittelbarer Verbindung mit ihr. Man bezeichnete sie als Schriftsassen. Sie erhielten nämlich nötige schriftliche Mitteilungen unmittelbar von der kurfürstlichen Kanzlei. Diejenigen, die die volle Gerichtsbarkeit nicht erlangt hatten, die also im Verwaltungsbereich des Amtmanns verblieben, waren die Amtssassen. Der Schriftverkehr mit ihnen ging von der Zentrale über die Ämter. Schriftsassen konnten nicht nur Adlige, sondern auch Städte sein. Mitunter leisteten Amtleute zugleich bestimmte Dienste etwa als kurfürstliche Räte oder als Gesandte. Dadurch bestand eine enge Verbindung von Zentralverwaltung und Ämterverwaltung, oft nicht nur hinsichtlich der Person, sondern auch der Besoldung.
Um die Lokalbeamten zu überwachen, wurden regelmäßig in bestimmten Zeitabständen schriftliche Rechnungslegungen verlangt. Dafür waren Rechnungskommissionen ernannt, die Rechnung „abzuhören” hatten. Mitglieder der Kontrollkommissionen waren in der Hauptsache die obersten Hofbeamten und landesherrliche Räte. Sie waren somit unmittelbare Vorgesetzte der Amtleute, die auch verpflichtet waren, ihnen alle Mängel und Gebrechen in ihren Amtsbezirken anzuzeigen. Und die Räte hatten dort, wo es bei Differenzen zwischen Untertanen und Ämtern um Herrschaftsrechte wie Gerichtshoheit oder Jagdherrlichkeit ging, die Interessen des Kurfürsten zu vertreten und dessen Rechte zu wahren. Wenn nötig hatten sie den Amtleuten in solchen Streitfällen mit ihrem Rat zur Seite zu stehen.
Weil die Kontrolle des Landes durch die Visitationen der Kontrollkommissionen des gesamten ernestischen Kurfürstentums zu umfangreich wurde, entschloss man sich 1527 das Land in vier Kreise zu teilen. Dabei entstanden der Kurkreis, der meißnerische Kreis, der thüringische Kreis und der fränkische Kreis. Wobei man den meißnerischen Kreis in einen oberen und unteren unterschied sowie den thüringischen Kreis im Bereich der Saale und in den übrig geblieben aufteilte. Nach der Schlacht bei Mühlberg des einst ernestischen Kurfürstentums Sachsen, wurde im Naumburger Vertrag eine Neuaufteilung Sachsens beschlossen. Dabei fand eine Neuaufteilung des gesamten Kurfürstentums in sieben Kreise statt. Weitere folgende Erbteilungen änderten in der Folge die geographische Zuordnung der Ämter und fielen durch fehlende Nachkommenschaft wieder an Kursachsen zurück. Auch neu erworbene Besitzungen wie beispielsweise das Erzstift Magdeburg 1635, erweiterten die vorhandenen Verwaltungsstrukturen.
Verwaltungsgliederung
1635
- Kurkreis
- Amt Annaburg
- Amt Belzig
- Amt Bitterfeld
- Amt Gräfenhainichen
- Amt Pretzsch
- Amt Seyda
- Amt Schweinitz
- Amt Wittenberg
- Amt Schlieben
- Amt Liebenwerda
- Erzgebirgischer Kreis
- Amt Freiberg
- Amt Grünhain
- Amt Schwarzenberg
- Leipziger Kreis
- Amt Düben
- Amt Leipzig
- Meißnische Kreis
- Amt Torgau
- Amt Dresden
- Thüringischer Kreis
- Amt Langensalza
- Amt Sangerhausen
- Vogtländischer Kreis
- Amt Plauen
- Neustädter Kreis
- Amt Arnshaugk.
sämtliche sächsischen Kurfürsten
- 1356 Rudolf I. von Sachsen
- 1356-1370 Rudolf II. von Sachsen
- 1370-1388 Wenzel I. von Sachsen
- 1388-1419 Rudolf III. von Sachsen
- 1419-1423 Albrecht III. von Sachsen der Arme
- 1423-1428 Friedrich I. von Sachsen der Streitbare ( - 1370, † 1428)
- 1428-1464 Friedrich II. von Sachsen der Sanftmütige ( - 1412, † 1464)
- 1464-1486 Ernst von Sachsen ( - 1441, † 1486)
- 1486-1525 Friedrich III. von Sachsen der Weise ( - 1463, † 1525)
- 1525-1532 Johann von Sachsen der Beständige († 1532)
- 1532-1547 Johann Friedrich von Sachsender Großmütige († 1554)
- 1547-1553 Moritz von Sachsen ( - 1521, † 1553),
- 1553-1586 August ( - 1526, † 1586)
- 1586-1591 Christian I. ( - 1560, † 1591)
- 1591-1611 Christian II. ( - 1583, † 1611)
- 1611-1656 Johann Georg I. ( - 1585, † 1656)
- 1656-1680 Johann Georg II. ( - 1613, † 1680)
- 1680-1691 Johann Georg III. ( - 1647, † 1691)
- 1691-1694 Johann Georg IV. ( - 1668, † 1694)
- 1694-1733 Friedrich August I. der Starke ( - 1670, † 1733)
- 1733-1763 Friedrich August II. ( - 1696, † 1763)
- 1763Friedrich Christian ( - 1722, † 1763)
- 1763-1806 Friedrich August III. der Gerechte ( - 1750, † 1827)
siehe auch: Liste der sächsischen Herrscher
siehe auch: Geschichte Sachsens, Liste der sächsischen Herrscher
Sachsen, Kurfürstentum
Kategorie:Sächsische Geschichte
Schloss Altenburg
Das Schloss zu Altenburg ist ein ehemaliges Residenzschloss der Wettiner. Es befindet sich im Zentrum von Altenburg. Einst als Burg gebaut diente es im 12. Jahrhundert dem Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) als Kaiserpfalz. Während der Jahrhunderte wurde die Burg immer wieder umgebaut, bis es schließlich im 18. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut wurde und somit seine heutige Form bekam.
Geschichte
Die Burg entstand auf einem Porphyrfelsen, damals noch außerhalb der Stadtgrenzen. Vorher befand sich auf dem Platz eine ehemalige slawische Wallanlage. Unter Friedrich Barbarossa stieg die Anlage zur Kaiserpfalz auf.
Im Jahr 1307 übernahmen dann die Wettiner die Herrschaft in Altenburg.
Aufsehen erregte 1455 die Entführung der Prinzen Ernst und Albrecht durch den Ritter Kunz von Kaufungen.
Im 17. Jahrhundert wird Altenburg zum Residenzsitz der Herzöge von Sachsen-Altenburg.
Ein Jahrhundert darauf wurde die Burg zum Schloss ausgebaut. Seit 1920 ist das Schloss im Besitz der Stadt.
Bauwerke
Schlosskirche
Die spätgotische Schlosskirche wurde 1404-1414 von den neuen wettinischen Herren gebaut. Die Inneneinbauten wurden im Laufe der Zeit aber immer wieder verändert. Auf der 1739 erbauten Orgel von Heinrich Gottfried Trost spielten unter andern Johann Sebastian Bach und Johann Ludwig Krebs.
Hausmannsturm
Der Hausmannsturm, im 12. Jahrhundert gebaut, ist einer von zwei erhaltenen Türmen, der ursprünglich 7 Türme. Er ist mit 32 m das höchste Bauwerk der Schlossanlage. Im inneren gibt es keine Etage nur einen stufenlosen Wendelgang der zum Turmzimmer führt. Dies erleichterte den auf und ab Transport von Kanonen.
Flasche
Die Flasche ist ein Bergfried im romanischen Baustil, er wurde im Jahr 1000 gebaut.
Torhaus
In der Zeit der Renaissance gebaut, bildete es bis 1640 den einzigen Zugang zur Burg.
Schloss und Spielkartenmuseum
Die erste öffentliche Ausstellung war bereits 1919, gezeigt wurde die ehemaligen herzoglichen Rüst- und Antiquitätenkammer. 4 Jahre Später kam dann noch das Spielkartenmuseum dazu. Die Sammlung bestand aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Spielkarten aus aller Welt. 1946 wurde dann so gut wie alles aus dem Schloss nach Russland abtransportiert. Viele Sachen sind bis heute spurlos verschwunden. Mit der Zeit füllte sich der Bestand im Museum wieder. So das sich heute im Museum wieder eine große Anzahl von Spielkarten aus verschiedenen Jahrhunderten befindet. Des Weiteren befinden sich in den Dauerausstellungen eine Porzellansammlung von B.A. von Lindenau, Kunsthandwerk und Mobiliar des 17./18. Jahrhunderts, sakrale Plastik, eine militärhistorische Sammlung, eine Uhrensammlung und bäuerliches Kulturgut. Zudem kommen auch immer wieder verschiedene Sonderausstellungen.
Siehe auch
Altenburger Prinzenraub
Weblinks
[http://www.stadt-altenburg.de/site/museen.htm Schloss & Spielkartenmuseum]
Altenburg
Kategorie:Museum in Thüringen
Ernst von Sachsen]
Kurfürst Ernst von Sachsen ( - 25. März 1441 in Meißen; † 26. August 1486 bei Colditz) war Kurfürst von Sachsen, Herzog zu Sachsen, Landgraf in Thüringen und Markgraf zu Meißen.
Leben
Ernst war ein Sohn von Kurfürst Friedrich II. und Margaretha von Österreich und ist Stammvater der ernestinischen Linie des Hauses Wettin.
1455 wurde er zusammen mit seinem Bruder Albrecht durch Kunz von Kaufungen im so genannten "Altenburger Prinzenraub" aus Altenburg entführt. 1461 heiratete er Prinzessin Elisabeth von Bayern. Von 1467 an war er bis zu seinem Tode 1486 Kurfürst von Sachsen, die Kurländer regierte er allein, die meißener und thüringer Lande 21 Jahre gemeinsam mit seinem Bruder Albrecht.
Während seiner Amtszeit vergrößerten sich die wettinischen Lande beträchtlich, schließlich kam es durch den Anfall Thüringens zur Leipziger Teilung, welcher das Schicksal Sachsens nachhaltig beeinflussen sollte. Auch Städte wie Dresden oder Meißen blühten unter seiner Herrschaft auf.
Durch einen unglücklichen Sturz von seinem Pferd starb Ernst am 26. August 1486 in der Nähe von Colditz.
Er hinterließ 4 Söhne, unter ihnen Friedrich der Weise und Johann der Beständige sowie 2 Töchter.
Weblinks
- http://people.freenet.de/g.leu/ernst.htm
Kategorie:Mann
Kategorie:Herzog (Sachsen)
Kategorie:Geboren 1441
Kategorie:Gestorben 1486
FehdebriefFehdebrief ist eine Urkunde, worin die Fehde angekündigt wird.
Fehdebrief auch Absagebrief, ist ein Schreiben, worin man jemand den Frieden auf- und die Fehde ankündigte. Solche Fehdebriefe waren meist ganz kurz.
Fehdebriefe (formale Kriegserklärungen), Ankündigung einer Fehde musste drei Tage vor dem Beginn durch einen Absage- oder Fehdebrief rechtsmäßig angekündigt werden.
Damit die Fehde nicht zum Mord und damit straffähig wurde, hatten die Betroffenen folgende Regeln zu beachten:
1. Die Fehde, egal ob unter Rittern oder zwischen Rittern und Städten, musste durch einen förmlichen Fehdebrief angesagt werden.
2. Die Tötung Unschuldiger war verboten.
3. Das Niederbrennen von Häusern und das Verwüsten von Land waren jedoch erlaubt.
4. Während der Fehde musste der Frieden in der Kirche, im Hause, beim Gang zur Kirche, bei der Rückkehr von der Kirche, beim Gang zum Gerichtstermin und bei der Rückkehr vom Gerichtstermin beachtet werden.
Beispiele
- So sagte die Stadt Soest um 1444 dem Kölner Erzbischof den Krieg an mit dem berühmten, kurzen Fehdebrief:
"Wisset, hochgeborener Fürst, dass wir, Bürgermeister, Rat, Gilden, Ämter, Bruderschaften und die ganze Gemeinde der Stadt Soest Euer Feind geworden sind und Euch und den Euern vermittelst dieses Briefes aufsagen, weil wir den hochgeborenen Junker Johann, den ältesten Sohn von Kleve und von der Mark, lieber haben als Euch und die Euren ..."
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Siehe auch: Fehde, Fehdehandschuh, Gottesfrieden, Krieg, Landfrieden, Urfehde
Kategorie:Rechtsgeschichte
Kategorie:Mittelalter
Böhmen
Böhmen (lateinisch Bohemia, tschechisch Čechy) ist eine historische Region in Mitteleuropa. Sie umfasst die westlichen zwei Drittel Tschechiens. Dazu gehören heute die tschechische Hauptstadt Prag (Praha), die sie umgebende Mittelböhmische Region (Středočeský kraj) und die um diese Region im Uhrzeigersinn liegenden Regionen Liberecký kraj, Královéhradecký kraj, Pardubický kraj, die Westhälfte des Kraj Vysočina, die Südböhmischen Region (Jihočeský kraj), die Region Pilsen (Plzeňský kraj), der Karlovarský kraj, und der Ústecký kraj. Im historischen Zusammenhang wird die Bezeichnung Böhmen oft auch für die Gesamtheit der Länder der Böhmischen Krone verwendet.
Böhmens Fläche beträgt etwa 52.060 km². Es grenzt im Nordosten an Polen, im Osten an die historische Region Mähren, im Süden an Österreich, im Südwesten und Westen an Bayern und im Nordwesten an Sachsen.
Sachsenzum König. Die Kurfürsten, durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, sind, von links nach rechts, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen.]]
Böhmen, dessen Namen sich von dem keltischen Stamm der Boier ableitet (Boiohaemum = Heim der Boier, spätlat.: Bohemia), ist ein Landschaftskessel, begrenzt, bis auf kleine Ausnahmen, durch die Wasserscheiden der Zuflussgebiete der Moldau (Vltava) und der Elbe (Labe) (bis zur Grenze mit Deutschland). In letztere mündet auch die Eger (Ohře), deren Quellgebiet in Franken liegt (im Fichtelgebirge). Am Rand wird das Land von Mittelgebirgen begrenzt, im Nordwesten von dem Erzgebirge, im Nordosten von dem Riesengebirge und dem Adlergebirge und im Südwesten vom Böhmerwald. Die Grenze zu Mähren im Osten bildet der Höhenzug der Vysočina (Böhmisch-Mährische Höhe). Die Kämme der beiden letztgenannten gehören zu der Mitteleuropäischen Hauptwasserscheide.
Berühmt sind beispielsweise die Böhmische Küche, das böhmische Bier und die böhmische Blasmusik. Typisch für die böhmische Küche sind Mehlspeisen, Knödel, fettes Fleisch, wenig Salat und Gemüse, dafür süße Nachspeisen. Die kulturellen Traditionen Böhmens sind eng mit denen in Bayern und Österreich verwandt - die Wiener Küche etwa ist ohne böhmische Einflüsse undenkbar.
Landschaft
Die heutigen Grenzen Böhmens sind weit über 1000 Jahre alt, nur das Egerland kam erst im späten Mittelalter dazu. Böhmen wird von drei Seiten durch bergige Landschaften umfasst, ohne jedoch ein eigentliches Kesselland zu bilden. Es schließt sich durch das Fichtelgebirge an die mitteldeutschen Terrassenlandschaften an und ist ebenso wie diese vertikal ausgerichtet. Böhmen hängt mit Mähren so eng zusammen, dass man in dem Raum zwischen Eger, Elbe und Donau einerseits und March und Raab andererseits ein gemeinsamen böhmisch-mährisches Terrassenland verfolgen kann.
Die Einzugsgebiete der Donau und der Oder betragen nur 6,4% des Landesgebietes (3.184 km²), während die Elbe mit 48.772 km² den Hauptanteil bringt. Neben der Elbe selbst sind dies die Moldau, die bei Mělník mündet.
Das Terrassenland Böhmens wird durch die Elbe und die Eger, die Sasau und Beraun und durch die tiefe Meridianfurche der Moldau gegliedert. Die kleinen, rings umschlossenen Tiefebenen sind folgende:
- Teplitz-Komotauer Becken im Norden
- Laun-Saazer Ebene (an der Eger)
- Theresienstädter Ebene
- Melniker Ebene
(Osten)
Nimburger Ebene
- Pardubitzer Ebene
- Budweis-Wittingauer Tiefplatte
Hier erheben sich auch zahlreiche Berge:
- Engelhäuser Berg (713 m)
- Burberg (591 m)
- Georgenberg (455 m)
- Tockberg (853 m)
- Trschemschinberg (822 m)
- Kubany (1.358 m)
Die natürliche Grenze Böhmens nach Westen bildet der Böhmerwald, der durch das Plateau von Waldsassen mit dem Fichtelgebirge in Verbindung steht.
Bild:EGER1.jpg|der Marktplatz von Cheb/Eger - Westböhmen
Bild:THERES4.jpg|Die "Lange Strasse" in Terezín/Theresienstadt
Bild:DECIN.jpg|Blick von der Schäferwand (Pastýřská stěna) über Děčín - Nordböhmen
Bild:KAMENIC.jpg|im Tal der Kamenice - Ortsausgang Jetřichovice - Nordböhmen
Geschichte
Siehe Hauptartikel: Geschichte Böhmens
Geschichte Böhmens]
Verwaltungsgliederungen in Böhmen
Alte böhmische Kreise
Der deutsche Kaiser Karl IV., zugleich König von Böhmen, begann in der Mitte des 14. Jahrhunderts, sein Königreich in große Verwaltungseinheiten einzuteilen. Eine solche Verwaltungseinheit hieß in den Urkunden auf deutsch Kreis, auf tschechisch kraj und auf lateinisch circulus). Es gab allein im Landesteil Böhmen je nach Zeitperiode 7 bis 16 Kreise. (Mähren und Österreichisch-Schlesien hatten zusammen etwa (2 bis 6)+2 Kreise.)
[Achtung: Der preußischen Verwaltungstradition folgend ist der deutsche Begriff für einen heutigen tschechischen kraj meistens Bezirk oder Region!]
Die Zahl (7 bis 16) der alten böhmischen Kreise, und somit auch deren Größe, änderte sich mehrmals. Diese Kreiseinteilung galt zwar bis 1862, spielte aber schon kurz nach der Revolution von 1848 praktisch keine Rolle mehr für die Verwaltung. (Siehe auch Weblinks.)
Politische Bezirke und Gerichtsbezirke
Ab 1850 wurden in allen Gebieten der Monarchie außer Ungarn die alten großen Kreise durch politische Bezirke (der Exekutive) ersetzt, von denen jeder aus einem oder mehreren Gerichtsbezirken (der Judikative) bestand. In den österreichischen Bundesländern besteht diese Einteilung bis heute. Normalerweise war ein politischer Bezirk (tschechisch: politický okres) kleiner als ein ehemaliger alter Kreis, und ein Gerichtsbezirk (tschechisch: soudní okres) ist kleiner als ein Politischer Bezirk. Es gab allein im Landesteil Böhmen etwa 104 politische Bezirke und darin etwa 229 Gerichtsbezirke. (Mähren und Österreichisch-Schlesien hatten zusammen 32+9 politische Bezirke.)
[Achtung: Der preußischen Verwaltungstradition folgend ist der deutsche Begriff für einen tschechischen okres meistens Kreis!]
Diese Bezirkeinteilung galt für Böhmen (abgesehen von kleineren Änderungen) bis 1938, also auch noch nach dem Ende des Staates Böhmen, in der (Ersten) Tschechoslowakischen Republik (1918 bis 1938). (Siehe auch Weblinks.)
Stadt- und Landkreise neben Politischen Bezirken und Gerichtsbezirken
Aufgrund des Münchner Abkommens vom 29. September 1938 wurde der vorwiegend deutschsprachige Teil Böhmens als Reichsgau Sudetenland dem Deutschen Reich zugeschlagen und (wie in Deutschland) in Stadt- und Landkreise eingeteilt; übergeordnet waren Regierungsbezirke. Der restliche Teil Böhmens (im neu geschaffenen Protektorat Böhmen und Mähren) blieb weiterhin in Politische Bezirke und Gerichtsbezirke eingeteilt, wobei allerdings je über einer Gruppe von Politischen Bezirken noch ein Oberlandratsbezirk eingeführt wurde.
Im gesamten Reichsgau Sudetenland gab es 5 Stadtkreise und 52 Landkreise. (Im gesamten Protektorat Böhmen und Mähren gab es 67+30 politische Bezirke.)
Diese Verwaltungsgliederung galt bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1945).
(Siehe auch Weblinks.)
Böhmische Kultur
Böhmen war stets eine europäische Region, in der religiöse und ethnische Gegensätze aufeinander trafen. Dies erzeugte Konflikte, aber auch reiche Wechselwirkungen, in denen die Teilkulturen einander befruchtet haben. Die böhmische Kultur ist in ihrer Vielfalt geprägt vom Zusammenwirken und Aufeinanderprallen von deutschen, tschechischen und jüdischen Einflüssen.
So war beispielsweise Prag unter den Luxemburgern maßgeblich an der Ausprägung der internationalen Kunst der Parlerzeit beteiligt. Schriftsteller wie Adalbert Stifter, Franz Kafka, Franz Werfel, Friedrich Torberg, Jaroslav Hašek und Karel Čapek oder Komponisten wie Antonín Dvořák, Leoš Janáček und Bedřich Smetana schöpfen in ihren Werken aus diesem Reichtum. Das deutschsprachige Prager Tagblatt galt als eine der besten Zeitungen seiner Zeit.
Der Einfluss der böhmischen Kultur insbesondere auf Österreich beschränkte sich nicht nur auf Kunst und Literatur. Auch im Alltagsleben bereicherten böhmische Schöpfungen die österreichische Kultur, etwa in der Küche (Powideltascherln), die bis heute von der Reichhaltigkeit böhmischer Kochkunst zehrt. Auch die sehr seltene Pferderasse der goldenen Kinsky-Pferde, die 1838 in Chlumec von Oktavian Graf Kinsky aus der Adelsfamilie Kinsky begründet wurde, haben in Böhmen ihren Ursprung.
Literatur
Geschichte
- Bosl, K. (Hg.): Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder | | |