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Althing
Das Althing (isländisch Alþingi) fand von 930 bis 1262 in Þingvellir in Island statt. Das Althing war eine Versammlung aller freien und volljährigen Männer. Die Teilnahme war verpflichtend; eine Ausnahme war nur für allein wirtschaftende Bauern, Alte und Kranke möglich. Allerdings konnte man sich auf dem Thing vertreten lassen, und anscheinend ist dies auch häufiger genutzt worden. Um überhaupt rechtsfähig zu sein, musste der isländische Bauer über ein bestimmtes Mindestvermögen verfügen. Die wichtigste und ursprünglichste Aufgabe der Versammlungen war wohl die öffentliche Behandlung von Rechtsstreitigkeiten, die Urteilsfindung und die Verkündigung des Urteils, nicht aber dessen Exekution.
Thing ist in allen skandinavischen Sprachen das Wort für "Versammlung", "Zusammenkunft" und auch "Gericht", auf der rechtliche und administrative Angelegenheiten verhandelt werden.
Das Althing fand jeweils an zwei Wochen um die Sommersonnenwende statt.
Die Þingvellir liegen nur 52 km nordöstlich von Reykjavik, das im Jahre 930 nur aus einem Bauernhof bestand, in der Nähe des größten Binnensees des Landes, des Þingvallavatn.
Þingvallavatn
Der Thingplatz am Fuße der Spalte Almannagjá ist von gewaltigen Lavaflächen umgeben, die nur mit niedrigem Gehölz und Blumen bedeckt sind. Nördlich des Sees liegt der 1060 m hohe Schildvulkan Skjaldbreiður, der vor 8000 Jahren die Lavamengen verströmte.
Nach dem Íslendigabók, einer Quelle über die Landnahme- und die Sagazeit, wurde Grímur Geitskór von den ersten Siedlern beauftragt, einen Platz für die Volksversammlung ausfindig zu machen. Er entschied sich nach langer Suche für die Ebene nordwestlich des Þingvallavatn. Als Gründe für seine Wahl werden immer wieder angegeben, dass der Platz von allen Siedlungen des Südwestens gleich gut erreichbar war, dass es genügend Weideland für die Pferde und einen Fluss, die Öxará, gab. Dieser wurde später umgeleitet und versorgte die Anwesenden während der Versammlung mit Frischwasser. Weiterhin bot er die Möglichkeit Forellen zu fangen.
Angeblich gehörte die Gegend einem Bauern von Bláskógar, der aber des Mordes angeklagt und in die Verbannung geschickt wurde, worauf sein gesamtes Land der Allgemeinheit zufiel.
Ein weiterer wichtiger Grund war und ist die hervorragende Akustik des Ortes. Im Zentrum lag der Gesetz-Felsen (Lögberg), auf dem der Gesetzessprecher (lögsögumaður) seinen Platz einnahm. Seine Aufgabe bestand darin, jedes Jahr gegenüber der gesetzgebenden Versammlung (Lögretta) mündlich die Gesetze zu rezitieren. Vom Gesetzesberg aus konnte man auch das normal gesprochene Wort weithin hören.
Man muss sich das Althing vermutlich auch als eine Art Volksfest und Familientreffen vorstellen, zu dem die Sippen nicht per Zufall die jungen heiratsfähigen Leute mitnahmen. Die Zelte und Buden standen auch in der Schlucht Almannagjá. Ein Standplatz ist noch genauer bekannt und gekennzeichnet.
Siehe auch: Godentum, Løgting, Thing
Weblinks
- http://www.althingi.is/
Kategorie:IslandKategorie:Isländische Geschichte
ja:アルシング
930
Politik und Weltgeschehen
- König Hugo I. von Italien und Nieder-Burgund überläßt seinem Bruder Lambert die Markgrafschaft Tuscien.
- König Alfons IV. von Leon dankt ab und geht in ein Kloster. - Auf ihn folgt sein Bruder Ramiro II.
- König Æthelstan von Wessex festigt sein Reich durch eine Hof- und Kanzleiverwaltung. Die Shires werden auf Northumbria ausgedehnt.
- In Island leben über 20.000 Menschen, überwiegend politische Flüchtlinge. Es sind freie Bauern, die sich mit dem Althing eine Art von Parlament schaffen.
- Liudolf von Sachsen, Sohn des Erbprinzen Otto.
- 23. Oktober - Daigo, 60. Kaiser von Japan ( - 885)
ko:930년
1262
Politik und Weltgeschehen
- Gründung von Chiang Rai als Hauptstadt des neuen Königreichs Lan Na im heutigen Thailand.
- 28. Mai - Philipp III., späterer König von Frankreich, heiratet Isabella von Aragon
- Burghaun und Hoisbüttel und Filisur (als 'villa Fallisour') werden erstmals urkundlich erwähnt.
- Ottone Visconti wird Erzbischof von Mailand
- 2. Juli - Arthur II. (Bretagne), Herzog der Bretagne († 27. August 1312)
- Mathilde von Boulogne, französische Adlige und Gräfin der Boulogne ( - 1202)
ko:1262년
Island
Die Republik Island (mhd. Is – Eis; isl. Lýðveldið Ísland) ist mit einer Fläche von etwa 103.000 km² nach dem Vereinigten Königreich der zweitgrößte Inselstaat Europas und die größte Vulkaninsel der Welt. Sie liegt im Nordatlantik, knapp südlich des nördlichen Polarkreises.
Geographie
Hauptartikel: Geographie Islands
Island war in der Eiszeit komplett vergletschert. Noch heute bedecken zahlreiche Gletscher ca. 8 % der Landesoberfläche. Der größte Gletscher Islands und Europas ist der Vatnajökull. Seine Eiskappe ist bis zu 900 m dick. Die Landschaft ist gekennzeichnet durch den Vulkanismus, der aufgrund der Überlagerung des Mittelatlantischen Rückens und des Island-Plumes besonders produktiv ist, aber auch durch den Wasserreichtum, die zahlreichen Wasserfälle Islands, darunter der wasserreichste Europas (Dettifoss), Flüsse und Seen. Das Isländische Hochland im Zentrum der Insel bildet eine Art Wüste und ist unbewohnt. Die Küstenlinie erweist sich im Bereich der Fjorde als stark zerfurcht. Auf 40 km² befinden sich im Schnitt zwei bis vier Häuser.
Siehe auch: Vulkane Islands.
Siehe auch: Inseln Islands.
Fauna
Inseln Islands
Säugetiere
Im Westen der Insel gibt es noch aus Norwegen importierte, aber wild lebenden Rentieren. Auch der Polarfuchs ist in Island ansässig. Der aus Pelztierfarmen entwichene Mink besitzt auf Island keine natürlichen Feinde und stellt daher eine Gefahr für die Vogelwelt dar.
An den Küsten, insbesondere im Norden der Insel kann man Seehunde beobachten.
Eine besonderes Nutztier ist das Islandpferd. Es beherrscht als einzige Pferderasse die vierte Gangart Tölt, eine schnelle, trittsichere und bequem zu sitzende Gangart, und teilweise Rennpass. Islandpferde dürfen ausgeführt, aber nicht wieder eingeführt werden. Man will dadurch Krankheiten vermeiden und die Reinheit der Rasse gewährleisten.
Island war auch schon immer ein Land der Schafzüchter. Schafe genießen wie auch die Pferde viel Freiheit und können einen weiten Radius zum Weiden nutzen. Erst im Herbst werden sie in einer Art Round-up (Réttir) wieder eingefangen. Die Schafshaltung ist quotiert, um Überproduktion zu verhindern.
Vögel
Island ist berühmt für seine artenreiche Vogelwelt, insbesondere die zahlreiche Vogelfelsen sind ein Magnet für Vogelbeobachter aus aller Welt. Unter den Vögeln verdient der Papageitaucher besondere Erwähnung, der als inoffizielles Wappentier der Insel gilt.
An den Vogelfelsen sind u.a. Trottellummen, Dickschnabellummen, Eissturmvogel, Gryllteisten und auch der Basstölpel anzutreffen.
Im Landesinneren trifft man auf den Goldregenpfeifer, das Odinshühnchen, das Thorshühnchen und auch der Sterntaucher ist an Gletscherseen zu beobachten. Auf den Sandern kann man häufig Skuas und Küstenseeschwalben beobachten, vor deren Angriffen man sich in Acht nehmen muß.
Der Myvatn ist eine beleibter Platz für Enten z.B. Moorente und Spatelente.
Flora
Spatelente
Auch die Flora Islands ist interessant und weist einige endemische Arten auf. Besonders häufig trifft man unterschiedliche, in verschiedenen Farben wachsende Flechten und Moose an.
Die Pflanzen sind dem rauen Klima angepasst. Allerdings wurden die im Juni violett in großer Menge blühenden Lupinen erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt. Sie dienen der Stickstoffanreicherung und dem Kampf gegen die Erosion. Außerdem wurden Dünengräser gesät,
um der Winderosion zu begegnen.
Auffallend für den Mitteleuropäer ist der Mangel an Wäldern. Zur Zeit der Landnahme war dies anders. Vor allem traf man ausgedehnte Birkenwälder an, wie Forschungen erwiesen haben. Aber über die Jahrhunderte wurde viel Holz für den Hausbau, Schiffsbau und zur Feuerung benutzt. Nur spärliche Reste der niedrigwachsenden Birkenwälder überlebten. Bauholz wurde aus Norwegen eingeführt. Heute bemüht sich das Land um Wiederaufforstung. Vor allem im Norden und Osten, aber auch z. B. am Skorradalsvatn hat man hierbei schon Erfolge erzielt. Der größte zusammenhängende Wald aus alter Zeit steht am Lagarfljót in Ostisland (ebenfalls hauptsächlich Birkenwald).
Besonders gut lassen sich die genannten Pflanzen- und (teilweise auch) Tierarten in den vier Nationalparks Islands beobachten.
Städte
Hauptartikel: Städte in Island
Rund 93 % der isländischen Bevölkerung leben in Städten. Die meisten Menschen leben in Reykjavík und Umgebung, derzeit etwa 185.000 von insgesamt ca. 293.000 Einwohnern des Landes (Stand 2004). Ein großes Problem stellt nach wie vor die Landflucht dar.
Größte Kommunen (Stand: 5. Dezember 2004)
- Reykjavík - 113.730
- Kópavogur - 25.784 (in der Agglomeration Reykjavík)
- Hafnarfjörður - 21.942 (in der Agglomeration Reykjavík)
- Akureyri - 16.450
- Reykjanesbær - 10.954
- Garðabær - 9.036 (in der Agglomeration Reykjavík)
- Mosfellsbær - 6.782 (in der Agglomeration Reykjavík)
- Árborg - 6.522
- Akranes - 5.655
- Seltjarnarnes - 4.547 (in der Agglomeration Reykjavík)
- Vestmannaeyjar - 4.227
- Ísafjarðarbær - 4.131
Bevölkerung
Im Gegensatz zu vielen anderen westlichen Staaten hat sich die Bevölkerungszahl auf Island in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht. Unterstützt wird dieser Trend auch durch einen Anstieg des Ausländeranteils, der sich von durchschnittlich ca. 1,5 % in den Jahren 1950-1990 auf 3,5 % im Jahr 2003 erhöhte. Unter den Ausländern haben Polen (18,2 %) den größten Anteil, gefolgt von Dänen (8,6 %), Philippinern (6,0 %) und Deutschen (5,4 %).
Nach offiziellen Berechnungen des statistischen Landesamtes wird die Bevölkerungszahl Islands in den nächsten Jahren kontinuierlich weiter ansteigen. Im Jahr 2008 wird die 300.000-Marke überschritten, für das Jahr 2045 werden über 350.000 Einwohner erwartet.
Religion
Die evangelisch-lutherische Isländische Staatskirche wird vom Staat unterstützt und geschützt (Art. 62 der Verfassung). Etwa 93% der Einwohner gehören der Staatskirche an, der Rest sind hauptsächlich Katholiken, jedoch gibt es auch Juden, Muslime und Zeugen Jehovas. In Island gibt es seit 1972 auch eine anerkannte Asatrugemeinde.
Sprache
Die isländische Sprache ist Amtssprache in Island. Sie hat sich aus dem Altnordischen entwickelt und viele historische Eigenschaften bewahrt. Der isländische Sprachpurismus sorgt dafür, dass Fremdwörter durch isländische Wortschöpfungen ersetzt werden.
Geschichte
Fremdwörter
Fremdwörter
Fremdwörter
Hauptartikel: Geschichte Islands
Um das Jahr 870 entdeckten Wikinger Island. Der Entdecker Floki Vilgeröarson fuhr aus, um Gardarsholm (Island) zu finden. Dazu bediente er sich eines ausgefallenen Navigationsinstruments, nämlich dreier Raben. Der Bericht darüber befindet sich im Landnámabók.
Den schriftlichen Quellen nach wurde Island im späten 9. und frühen 10. Jahrhundert durch Wikinger aus Norwegen und anderen skandinavischen Ländern sowie durch keltische Siedler bevölkert. Die neuere Forschung geht aber von einer früheren Besiedlung über Schottland und Irland aus, die mit den Einwanderern aus Norwegen verschmolzen ist, soweit sie nicht vertrieben wurde. Während in Zentraleuropa die Königtümer um die Kaiserwürde wetteiferten, steht am Anfang der isländischen Geschichte die einzigartige Entwicklung eines oligarchischen Gesellschaftssystems. Das Althing als Versammlung gleichgestellter Goden ist damit zusammen mit dem färöischen Løgting eines der ersten parlamentarischen Systeme in Europa überhaupt (nach der Demokratie im Griechenland des Altertums). Die sowohl gesetzgebende als auch rechtssprechende Versammlung trat alljährlich in der Almannagjá in Þingvellir zusammen.
Nach häufiger Darstellung entdeckte Erik der Rote 982 n. Chr. von Island aus Grönland. In Wirklichkeit war der erste Seefahrer, der nach Ostgrönland segelte Gunnbjörn Úlfsson, kurz danach Snæbjörn Galti, der dort sein Winterquartier aufschlug. Erik der Rote umrundete aber die Südspitze und kam an die Westküste.
Das Godentum, welches sich im Anschluss an die Landnahme durch 400 norwegische Häuptlingsfamilien entwickelt hatte, überdauerte fast 300 Jahre, ehe es mit der Unterwerfung unter die Norweger im Jahre 1262 endete. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten in diesem Zusammenhang war der zuletzt in Reykholt/Borgarfjörður beheimatete Snorri Sturluson.
Im Jahre 1000 landete der Isländer Leifur Eiríksson in Amerika, entdeckt hatte es vorher Bjarni Herjólfsson, der sich verirrt hatte, die amerikanische Küste sah, aber nicht landete, sondern umkehrte und nach Grönland fuhr. Im selben Jahr beschlossen die Isländer durch das Althing in Þingvellir die Annahme des Christentums. 1262 kam Island unter norwegische Herrschaft. 1380 entstand die Kalmarer Union und Island wurde mit Norwegen unter dänischer Krone regiert.
Im Jahre 1552 wurde der isländischen Bevölkerung auf Befehl des dänischen Königtums die Reformation aufgezwungen. Auch heute noch sind die meisten Isländer evangelisch. Handelsmonopole, erst durch die Norweger, später durch die Dänen, blockierten über lange Zeit die Entwicklung Islands. Der Frieden von Kiel 1814 besiegelte noch einmal die dänische Oberhoheit, während das alte Mutterland Norwegen zwar an Schweden fiel, sich aber auf den Weg in die Unabhängigkeit machen konnte. Mit einer Rückbesinnung auf die alten Traditionen, dem Wiederaufleben des Althings und dem Durchbrechen der Handelsbeschränkungen beging Island 1874 mit einer Verfassung und der Finanzautonomie, die Tausendjahrfeier der Landnahme, 1904 gewährte Dänemark den Isländern ihre Autonomie (home rule).
1911 wurde die isländische Universität gegründet. 1915 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt, 1917 kam es zur ersten isländischen Regierungsbildung.
1940 besetzten britische Truppen Island, um einer möglichen Invasion durch Nazideutschland zu begegnen, 1941 wurden sie von us-amerikanischen Truppen verstärkt und größtenteils ersetzt. In den Wirren des 2. Weltkrieges wurde am 17. Juni 1944 die demokratische Republik Island ausgerufen, die seither erfolgreich für ihre Unabhängigkeit und ihr wirtschaftliches Überleben einsteht. Seit 1946 ist Island Mitglied der Vereinten Nationen und war 1949 ein Gründungsmitglied der NATO.
Seit 1994 ist Island Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). 2001 trat Island dem Schengener Abkommen bei. Die Bevölkerung spricht sich einheimischen Umfragen zufolge mehrheitlich für einen Beitritt zur Europäischen Union aus. Die Regierung verfolgt zur Zeit allerdings keine in diese Richtung gehende Politik.
Politik
Island ist seit dem 17. Juni 1944 eine unabhängige parlamentarisch-demokratische Republik. Staatsoberhaupt ist Präsident Ólafur Ragnar Grímsson, der das Amt von Vigdis Finnbogadóttir 1996 übernahm. Grímsson ist der fünfte Präsident der Republik.
Der Präsident wird in allgemeiner, direkter und geheimer Wahl auf vier Jahre gewählt. Er ernennt und entläßt Regierungsmitglieder und hohe Beamte und vertritt Island völkerrechtlich. Daneben hat das Staatsoberhaupt ein beschränktes Vetorecht. Gesetze können zwar ohne seine Zustimmung in Kraft treten, sie müssen dann allerdings einem Plebiszit unterworfen werden. Die Legislative wird vom Althing, dem isländischen Parlament vertreten. Das Parlament besteht aus 63 Abgeordneten, von denen 54 durch Verhältniswahl für 4 Jahre einen Sitz bekommen, die restlichen 9 Sitze werden nach Stimmenanteil bei den Wahlen vergeben. Die Judikative wird vom Obersten Gerichtshof vertreten, dieser besteht aus einem obersten Richter und 7 weiteren, vom Präsidenten ernannten, Richtern.
Politisch ist Island in 8 Regionen unterteilt, welche wiederum aus insgesamt 166 Gemeinden und 31 Städten bestehen.
Bei den letzten Parlamentswahlen im Mai 2003 ergab sich folgende Stimmenverteilung: Unabhängigkeitspartei 33,7% - Sozialdemokraten 31,0% - Fortschrittspartei 17,7% - Grüne 8,8% - Liberale 7,4%, Andere Parteien 1,4%.
Militär
Island besitzt kein eigenes Militär; den Küstenschutz übernimmt die ca. 120 Mann starke Küstenwache, die ihren Stützpunkt in Reykjavík hat. Diese ist mit 3 Patrouillenbooten ausgerüstet.
Die USA haben im Rahmen der NATO (Kommando: ISCOMICE) ca. 1.650 Soldaten der US Navy (960), der US Air Force (600) und des US Marine Corps (80), die sogenannte Icelandic Defense Force (IDF) in Keflavík stationiert. Zusätzlich haben die Niederlande noch 16 Mann im Auftrag der NATO in Island stationiert.
Verwaltungsgliederung
Keflavík
Die 8 Regionen werden in 23 sýslur (Syssel, etwa Landkreise) und 20 kreisfreie Gemeinden (8 kaupstaðir, 7 bæir, 1 borg und 4 weitere) gegliedert.
Auf der untersten Verwaltungsebene gibt es 101 Sveitarfélög (Gemeinden), einschließlich der 8 kaupstaðir (Stand 2004). Diese Zahl hat in den letzten Jahren durch Gemeindezusammenlegungen (u.a. wegen Landflucht) kontinuierlich abgenommen und wird sich in absehbarer Zeit auf ca. 89 reduzieren.
Siehe dazu Verwaltungsgliederung Islands.
Infrastruktur
Die „Ringstraße Nr. 1“ ist Islands längste Straße und führt meist entlang der Küste. Sie ist derzeit 1.336 km lang und in den letzten Jahren durch den Ausbau um fast 100 km kürzer geworden. Sie konnte erst 1974 fertig gestellt werden, nachdem die letzten Brücken im Gebiet von Skaftafell gebaut wurden. Heute ist sie in großen Strecken asphaltiert, vor einigen Jahren war das nur in der Nähe von Reykjavík der Fall. Die Ringstraße Hringvegur heißt je nach Landesteil Suðurlandsvegur, Vesturlandsvegur, Norðurlandsvegur und Austurlandsvegur gemäß dem Brauch, dass alle Straßen im Land Namen haben und eigentlich nicht mit der Straßennummer bezeichnet werden.
Der größte internationale Flughafen, der Flughafen Leifur Eriksson, liegt bei Keflavík, etwa 60 km südwestlich von Reykjavík. Außerdem gibt es einen Ausweichflughafen in Egilsstaðir im Osten Islands.
Wirtschaft
Egilsstaðir gebaut. (Aug. 2004)]]
2004
Island war bis in das 20. Jahrhundert ein landwirtschaftlich geprägtes Land. Bei einer Volkszählung im Jahr 1703 waren 69 % der Bevölkerung ausschließlich in der Landwirtschaft tätig, 30 % betrieben neben der Landwirtschaft noch Fischerei. Zu dieser Zeit waren also rund 99 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte dann der Übergang zur Hochseefischerei. Die Landbevölkerung fand hier neue Arbeitsplätze und so waren 1901 nur noch die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Der Trend hat bis heute angehalten; zurzeit arbeiten nur noch etwa 4 % der isländischen Bevölkerung in der Landwirtschaft.
Island ist deutlich vom Fischfang abhängig. Der Tourismus bildet den zweitgrößten Wirtschaftszweig; insbesondere der Sommertourismus spielt eine große Rolle: Beliebt sind die Natur, die Gletscher, der Reittourismus und viele andere Aktivitäten. 10 % der Isländer sind Fischer und mehr als die Hälfte führen Dienstleistungen aus. Exportiert werden Fisch und Maschinen. Die Landwirtschaft besteht hauptsächlich aus der Haltung von Schafen, Islandpferden und Rindern.
Die Währung: Isländische Kronen, 100 ISK = 1,27 € (Stand: Juni 2005). In Island herrscht ein hoher Lebensstandard: Das Einkommen pro Kopf liegt an der Weltspitze und die Lebenserwartung ebenfalls. Dies gilt allerdings aufgrund der hohen Steuern auch für die Ausgaben.
Über 80 % der Stromerzeugung in Island wird durch Wasserkraft erbracht sowie knapp 20 % durch Geothermie.
Derzeit ist Island auf dem Weg in eine Wasserstoffwirtschaft. Dies ist vor allem durch die heißen Quellen (siehe Geographie Islands) möglich, welche zur Stromerzeugung nutzbar gemacht werden. Mit dieser umweltfreundlichen Energiequelle lässt sich Wasserstoff relativ kostengünstig als Energieträger herstellen, der dann wieder in Haushalten, Pkw, Bussen etc. zu Strom und Wärme (meist in Brennstoffzellen) umgesetzt werden kann. Diese Entwicklung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen und soll bis 2030 annähernd umgesetzt sein. Die Ankündigung der Wasserstoffwirtschaft hat Island sehr viel internationale Aufmerksamkeit beschert, wobei jedoch die Unterstützung der eigenen Bevölkerung und Politik sehr dürftig ist. So steht auch der weitere Verlauf dieses Projektes zur Zeit in Frage.
Kultur
Kunst und Literatur
Brennstoffzelle
Der kulturelle Bereich erweist sich als wesentlich von der isländischen Literatur geprägt. Die isländische Literatur des Mittelalters legte im 12. Jahrhundert und 13. Jahrhundert mit den Sagas, wie etwa der Edda des Snorri Sturluson, einen Grundstein für die Entwicklung der nordeuropäischen und nicht zuletzt auch der deutschen Literatur. Im 13. und 14. Jahrhundert nahm sie Anregungen und Stoffe aus vielen (west-)europäischen Literaturen auf (Ritter-Sagas). Die ab dem 9. Jahrhundert entstandene Skaldendichtung kann als die früheste europäische Kunstlyrik gelten.
Aber auch die moderne isländische Literatur findet seit langem auch außerhalb Islands viele Anhänger, und dies bezieht sich nicht nur auf den Nobelpreisträger Halldór Laxness. Beispielsweise erreichten die Krimis des Schriftstellers Arnaldur Indriðason in den letzten Jahren Bestsellerauflagen in deutscher Übersetzung.
Andererseits haben sich auch die isländische Malerei und Bildhauerei sowie die isländische Musik zahlreiche Anerkennung erwerben können, so etwa der Bildhauer Ásmundur Sveinsson oder der Maler Ásgrímur Jónsson. Die wohl bekannteste aus Island stammende Musikerin ist Björk.
Außerdem befindet sich der isländische Film auf dem Vormarsch. Der Filmemacher Friðrik Þór Friðriksson wurde im Jahr 1992 mit seinem Film Börn Náttúrunnar (dt. Kinder der Natur) für den Oscar nominiert. Auch der Film Nói Albínói von Dagur Kári machte auf dem Festival von Rotterdam 2003 Furore.
Museen und Sehenswürdigkeiten
Das Nationalmuseum in Reykjavík sowie zahlreiche kleinere Museen in der Hauptstadt Reykjavík und zahlreichen Kleinstädten erinnern an die isländische Vergangenheit. Insbesondere die Freilichtmuseen erinnern an das mühevolle Leben vergangener Jahrhunderte.
Þingvellir als traditioneller Versammlungsort des Althing wurde 1928 zum Nationalpark und 2004 zum Weltkulturerbe erklärt.
Sitten und Gebräuche
Das isländische Alphabet hat 32 Buchstaben (siehe Isländische Sprache), vom A über Á und so weiter bis hin zum Æ und schließlich zum Ö. Anders als im Deutschen wird z.B. das Ö als selbstständiger Buchstabe behandelt und nicht als Oe umschrieben und einsortiert. In genau dieser Reihenfolge sind die Wörter im Lexikon und auch die Namen im isländischen Telefonbuch sortiert. Die Einträge sind nach Vornamen sortiert; Familiennamen sind selten. Stattdessen tragen die Isländer den Vatersnamen (seltener Mutternamen) mit der Endung "Tochter" -dóttir bzw. "Sohn" -son (prominentes Beispiel: Björk Guðmundsdóttir = Björk, Guðmundurs Tochter) und behalten diesen daher bei der Eheschließung bei. In den Familien werden die Vornamen oft weitergegeben. Um Verwechslungen zu vermeiden, erhalten die Kinder oft mehrere Namen. Wenn man sich vorstellt mit "Ich heiße ...", kommt häufig die Gegenfrage "Wessen Sohn/Tochter?". Damit wird auch nach der Familie gefragt. Viele Isländer können ihren Stammbaum bis zur Zeit der Landnahme zurückverfolgen.
Eine Besonderheit ist der Feiertag Sumardagurinn fyrsti, der erste Sommertag. Er fällt auf den ersten Donnerstag nach dem 18. April. Es ist der erste Tag des ersten Sommermonats Harpa nach der alten isländischen Monatseinteilung. Lange bevor Weihnachtsgeschenke üblich wurden, gab es an diesem Tag Geschenke für die Kinder. Die alten isländischen Monatsnamen werden auch heute noch gepflegt. Früher wurden nur die Jahreszeiten Winter und Sommer unterschieden. So wird auch heute das Alter von Pferden in Wintern und nicht in Jahren angegeben.
Auch in Island gibt es Weihnachtsmänner, genauer gleich 13 Jólasveinar, wörtlich Weihnachtsgesellen. Ursprünglich bringen sie keine Geschenke, sondern stehlen hier und dort etwas Essbares und ärgern die Menschen jeder auf seine Weise über die Weihnachtszeit.
Ein ungewöhnlicher Adventsbrauch ist der Verzehr von Gammelrochen am Tag vor Weihnachten.
Im Þorri, dem vierten Wintermonat, findet das Fest Þorrablót statt. Ursprünglich ein Opferfest, hat es heute Ähnlichkeit mit unserem Karneval. Zum Essen gibt es dann althergebrachte Gerichte wie sauer eingelegte Hammelhoden und schwarzgesengte Schafsköpfe Svíð.
Ein anderer Feiertag ist der Angestelltenfeiertag Verslunarmannahelgi am 1. Montag im August. Viele Isländer nutzen dieses verlängerte Wochenende für Ausflüge in die Natur und ausgelassene Feiern.
Wie auch in anderen skandinavischen Staaten gibt es alkoholische Getränke nur in staatlichen Monopolläden. Davon sind auch Touristen mit ihren Spirituskochern betroffen. Das Bierbrauen ist in Island erst seit Ende der 1980er Jahre wieder erlaubt.
Der traditionelle Nationalsport Islands ist Glíma, eine Art Ringen. Dabei dürfen sich die Kämpfer nur an ihren Gürteln packen und müssen versuchen ihren Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der Meisterschaftsgürtel Grettisbeltið hat seinen Namen von dem Sagahelden Grettir dem Starken. Glíma hat jedoch in letzter Zeit an Popularität verloren. Boxen ist in Island verboten.
Berühmt ist auch die isländische Badekultur. Allein in der Hauptstadt gibt es sieben Freiluft-Thermalbäder, auch auf dem Lande finden sich zahlreiche Thermal-Freibäder, wo man ganzjährig in warmen bis heißen Becken dem oft rauhen Klima trotzt. Schon im Babyalter werden die Säuglinge mit dem nassen Element vertraut gemacht. Viele Isländer sehen in ihrer Badekultur den Hauptgrund für ihre hohe Lebenserwartung.
Berühmte Isländer
Thermalbäder
- Ingólfur Arnarson (gilt als Entdecker Islands, etwa 9. Jh. n. Chr.)
- Erik der Rote (Wikinger, - ca. 950 , † 1003)
- Snorri Sturluson (Dichter, Schriftsteller, Historiker, Politiker, - 1179; † 1241)
- Hallgrímur Pétursson (Schriftsteller, Pfarrer, - 1614, † 1674)
- Jónas Hallgrímsson (Poet, - 1807, † 1845)
- Jón Sveinsson (Schriftsteller, - 1857, † 1944)
- Jóhannes Sveinsson Kjarval (Maler, - 1885, † 1972)
- Þórbergur Þórðarson (Schriftsteller, - 1888, † 1974)
- Gunnar Gunnarsson (Schriftsteller, - 1889, † 1975)
- Ásmundur Sveinsson (Bildhauer, - 1893, † 1982)
- Jón Leifs (Komponist, - 1899, † 1968)
- Kristmann Guðmundsson (Schriftsteller, - 1901, † 1983)
- Halldór Laxness (Schriftsteller, Nobelpreisträger, - 1902, † 1998)
- Þór Vilhjálmsson (Schriftsteller, - 1925)
- Herbert H. Ágústsson (Komponist, - 1926)
- Vigdís Finnbogadóttir (Staatspräsidentin, - 1930)
- Guðbergur Bergsson (Schriftsteller, - 1932)
- Álfrún Gunnlaugsdóttir (Schriftstellerin, - 1938)
- Ólafur Ragnar Grímsson (Staatspräsident, - 1943)
- Halldór Ásgrímsson (Ministerpräsident, - 1947)
- Davíð Oddsson (Politiker, Schriftsteller, - 1948)
- Kristín Marja Baldursdóttir (Schriftstellerin, - 1949)
- Steinunn Sigurðardóttir (Schriftstellerin, - 1950)
- Friðrik Þór Friðriksson (Filmregisseur, - 1954)
- Einar Már Guðmundsson (Schriftsteller, - 1954)
- Ásgeir Sigurvinsson (Fußballer, - 1955)
- Arnaldur Indriðason (Schriftsteller, - 1961)
- Ólafur Jóhann Ólafsson (Schriftsteller, - 1962)
- Jón Kalman Stefánsson (Schriftsteller, - 1963)
- Björk (Musikerin, - 1965)
- Eyjólfur Sverrisson (Fußballer, - 1968)
- Páll Óskar (Sänger, - 1970)
- Emiliana Torrini (Musikerin, - 1977)
- Mezzoforte (Musikband, gegründet 1979)
- Sigur Rós (Musikband, gegründet 1994)
- Falkenbach (Musikband)
Weblinks
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=65 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- http://www.eldey.de/ Länderportal für Island
- http://www.iceland.org/
- http://www.simaskra.is/ Elektronisches Telefonbuch der Republik Island
- http://www.islenska.de/ Magazin für isländische Sprache, Literatur und Kultur
- http://www.islandpraktikum.de/ Infos zum Arbeiten und Praktikas in Island
- http://www.iceland-forum.com/ Island-Forum
- http://www.island-info.de/ Kompakte Informationen in Worten und Bildern
- http://www.islandreise.info/ Deutschsprachiges Island-Portal
- http://gis.bofh.is/ornefnaskra/ Islandkarte mit Suchmaschine
- http://hraun.vedur.is/ Erdbeben und Vulkanausbrüche auf Island
- http://www.iceland.de/ Landeskundliche Informationen und Reiseinformationen
- http://www.riding.is/ Hestasport Island im Sattel
- http://www.geysir.com/ Island-Portal
- http://www.iceland.de/index.php?id=148 Eckdaten isländischer Geschichte
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D3358.html Artikel Island] im Historischen Lexikon der Schweiz
Institutionen
- http://www.botschaft-island.de/ Botschaft der Republik Island
- http://www.iceland.is/ Isländisches Außenministerium
- http://www.icetourist.de/ Isländisches Fremdenverkehrsamt
Bilder
- http://www.islandsmyndir.is/ Bilder-Galerie
- http://www.iceland.de/pressearchiv/index.php Bildarchiv Island
- [http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/274 Island-Bilder in der fotocommunity]
- http://www.DerMario.de/island/ Bilder aus Island
- http://www.MaxWeise.de/Island/ Bilder aus Island
- http://www.dtig.org/private/ao/default.htm private Bilder einer Islandreise
Flora und Fauna
- [http://www.hi.is/~yannk/photos04_3.html Vögel Islands 1]
- [http://www.iceland.de/index.php?id=158 Vögel Islands 2]
- [http://www.iceland.de/index.php?id=161 Wale Islands]
- [http://www.iceland.de/index.php?id=159 Blütenpflanzen auf Island]
Kategorie:Staat
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Kategorie:Insel (Arktis)
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Reykjavik
Reykjavík ist die Hauptstadt Islands und die am nördlichsten gelegene Großstadt Westeuropas (Breitengrad 64° 08' N, nicht weit vom Nördlichen Polarkreis, der bei 66° 33' N liegt).
Einleitung
Die isländische Bezeichnung "Rauchbucht" (isländ. "Reykjavík") rührt vermutlich von den Dämpfen der heißen Quellen in der Umgebung her und wird einem Missverständnis des ersten Siedlers Ingólfur Arnarson zugeschrieben.
Reykjavík ist mit 113.730 Einwohnern die größte Stadt Islands, hier leben ca. 40 % der Gesamtbevölkerung Islands. Die Stadt liegt am Atlantik, genauer gesagt an der Faxaflói-Bucht unterhalb des ca. 900 m hohen Vulkans Esja.
Hier befinden sich die meisten Fakultäten der Universität des Landes und verschiedene andere Hochschulen, Theater, Museen und Kultureinrichtungen sowie ein Hochseehafen.
Mitten in der Stadt liegt ein kleiner See, der Tjörnin.
Geografie
Reykjavík liegt im Südwesten der Insel auf der Halbinsel Reykjanes. Die Zone der plattentektonischen Verschiebung, die Island von Südwesten nach Nordosten quert, führt auch über diese Halbinsel. Daher gibt es häufiger Erdbeben, die allerdings meist glimpflich verlaufen.
Geschichte
Erste Ansiedlung (ab 870)
Erdbeben
Dem Landnámabók nach wurde Reykjavík von Ingólfur Arnarson, einem der ersten Siedler Islands, gegründet. Wie bei den Wikingern üblich hatte er sich da niedergelassen, wo die ins Meer geworfenen Stützen seines Hochsitzes angeschwemmt worden waren. Archäologische Ausgrabungen haben inzwischen bewiesen, dass sich im 9. Jahrhundert (erste Spuren verweisen auf das Jahr 870) Wikinger aus Norwegen und keltische Immigranten in dieser Gegend ansiedelten.
Bis ins 18. Jahrhundert bestand der Ort nur aus einigen Höfen und war von geringer Bedeutung.
18. Jahrhundert
Der heute als "Vater der Stadt" geltende Skúli Magnússon, der ab 1749 als Landvogt mit Sitz Bessastaðir wirkte, zeichnet für den Aufschwung des Ortes verantwortlich. Er sorgte für die Ansiedlung erster Industriebetriebe (hauptsächlich Wollverarbeitung), sehr zum Verdruss der dänischen Monopolisten. Lockerungen der restriktiven Handels- und Industriepolitik der Dänen gab es erst nach der Laki-Katastrophe von 1783. Es siedelten sich zunächst vor allem fischverarbeitende Betriebe und Werften an.
1786 wurde dem inzwischen ca. 200 Einwohner zählenden Ort das Stadtrecht verliehen. Aus der Bezeichnung Kaupstaður geht hervor, dass das Schwergewicht auf dem Handel lag. Folgerichtig war die Stadt einer der sechs Orte, die nach der teilweisen Aufhebung des dänischen Handelsmonopols im selben Jahr besondere Handelsrechte erhielten.
Die zunehmende Bedeutung der Stadt geht allerdings auch aus anderen Fakten hervor: Ende des 18. Jahrhunderts wurden der Bischofssitz und die bedeutende Lateinschule von Skálholt nach Reykjavík verlegt.
19. Jahrhundert
Reisende Isländer brachten in der ersten Hälfte des Jahrhunderts die in Festlandseuropa zu dieser Zeit sehr verbreiteten Ideen zur nationalen Identität und Unabhängigkeit mit nach Island, die dort schnell Fuß fassten. Reykjavík wurde zum intellektuellen Zentrum des Landes und so verband sich der Aufstieg Islands als unabhängige Nation mit dem Aufstieg der Stadt. 1845 übersiedelte das Parlament, der Alþingi nach Reykjavík. Allerdings hatte es zu der Zeit noch keinerlei wirkliche politische Macht, sondern nur beratende Funktion gegenüber dem dänischen Thron. Trotzdem galt von nun an Reykjavík als Hauptstadt des Landes. Erst 1874 erhielt der Alþingi begrenzte legislative Rechte. Das Land hatte nun zwar eine eigene Verfassung, war aber nach wie vor von Dänemark abhängig.
20. Jahrhundert und Gegenwart
DänemarkSchritt für Schritt konnte sich Island bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts als eigenständige Nation etablieren: Im Jahre 1904 wurde ein Großteil der Exekutive unter einem Minister für Island nach Reykjavík transferiert. Ab dem 1. Dezember 1918 wurde Island zum Königreich Island erklärt, das aber immer noch der dänischen Krone unterstand. Reykjavík galt nun offiziell als Hauptstadt des Landes. Auch die Einwohnerzahl hatte inzwischen entsprechend zugenommen (vgl.: Demographische Entwicklung).
In den 1920er und 1930er Jahren prosperierte die Stadt zunächst aufgrund der profitablen Produktion von Stockfisch und des Fischexports allgemein. Später litt allerdings auch sie unter der wirtschaftlichen Depression (vgl. z.B. Halldór Laxness' Romane). Der Aufschwung kam mit dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung zunächst durch die Engländer, dann durch die Amerikaner (vgl. etwa die Romane von Einar Kárason).
Die Amerikaner halfen, den großen Zivilflughafen in Keflavík zu bauen und erhielten im Gegenzug das Recht, in der Nähe dauerhaft ihre Truppen zu stationieren. Außerdem schufen sie viele Arbeitsplätze. Dies löste die bis heute anhaltende Landflucht und einen massiven Zuzug in die Hauptstadtregion aus.
Im Jahre 1944 wurde am 17. Juni in Þingvellir die Republik Island ausgerufen. Reykjavík wurde die Hauptstadt des unabhängigen Landes. Der Sitz des isländischen Premierministers befindet sich hier, der des Präsidenten, der ähnlich wie in Deutschland repräsentative Funktion hat, in Bessastaðir in der Reykjavíker Vorortgemeinde Álftanes. Dieses Amt wurde von 1980 bis 1996 zum ersten Mal von einer Frau ausgeübt, Vigdís Finnbogadóttir.
Ab den 50er Jahren kann man geradezu von einem Boom in der Hauptstadt sprechen. Die Lebensbedingungen verbesserten sich rasant. Der Zuzug hielt unvermindert an, während sich immer mehr Industrien in Reykjavík niederließen und andererseits auf dem Lande aufgrund verbesserter Agrartechnologie der Bedarf an Arbeitskräften sank.
Reykjavík wurde auch immer mehr in der Welt bekannt, nachdem im Jahre 1972 dort die Schachweltmeisterschaft zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski entschieden worden war. Ebenso nahm sein Gewicht in der Weltpolitik zu, als sich z.B. 1986 Ronald Reagan und Michail Gorbatschow zu einem Gipfeltreffen dort einfanden.
Außerdem spielt seit den 1990er Jahren Reykjavík auf dem Technologiesektor eine bedeutende Rolle, da es gelang, rechtzeitig und massiv in den High-Tech-Sektor einzusteigen.
Heutzutage kann man Reykjavík immer noch als eine aufstrebende und auch im künstlerischen Bereich weiterhin aufblühende Stadt bezeichnen. Dies zeigt sich einerseits am weiterhin anhaltenden Bauboom, der zahlreiche interessante, wenn auch nicht immer ästhetisch befriedigende Gebäude hervorbringt und die Stadtsilhouette ständig verändert. Andererseits aber auch an der sehr lebendigen Kunst- und Musikszene. Haben sich zu Beginn und in der Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem Schriftsteller und bildende Künstler wie z.B. Einar Jónsson oder Ásmundur Sveinsson international einen Namen gemacht, so sind es heutzutage mehr die Popmusiker Björk oder die Mitglieder der Band Sigur Rós, die allgemeinen Bekanntheitsgrad erlangten.
Demografische Entwicklung
An den Zahlen lässt sich das rasche Anwachsen der Bevölkerung deutlich ablesen.
Politik
Reykjavík ist Sitz des isländischen Staatspräsidenten, des Parlamentes (Alþingshusið) und der Regierung. Hier haben auch die Botschaften ihren Sitz.
Sehenswürdigkeiten
Als größte Sehenswürdigkeit der Stadt darf vermutlich ihre landschaftliche Lage gelten.
Museen in Reykjavík
Die Stadt hat aber auch etliche gute Museen vorzuweisen.
Das Nationalmuseum (Þjóðminjasafn)
Es existiert seit 1863, seit 1955 im jetzigen Gebäude. Gezeigt werden wertvolle Kunstwerke und Sammelobjekte der isländischen Kultur wie Schmuck, Waffen, Kirchenkunst und Alltagsgegenstände. Besonders hervorzuheben sind eine Bronzestatuette des Gottes Þór, ein silberner Thorshammer (Þórshamar) sowie die reich mit Schnitzereien verzierte Kirchentür aus ValÞófsstaður.
Das Museum wurde am 1. September 2004 neu eröffnet, nachdem es lange Zeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. In interessanten Kapiteln und unter Verwendung neuester Computertechnik wird die Geschichte Islands dargestellt.
Die Nationalgalerie (Listasafn)
Die Architektur des am Tjörnin gelegenen Gebäudes verdient eigene Erwähnung. Der ältere Teil wurde 1916/17 als Eishaus erbaut, um dort Fisch zu konservieren. Der moderne Neubau wurde 1980-88 erstellt.
Die Galerie zeigt in einem halbjährlichem Turnus Ausschnitte aus ihrer ca. 5000 Kunstwerke umfassenden Sammlung mit dem Schwerpunkt auf isländischen Künstlern (z.B. zahlreiche Werke der herausragenden Maler Ásgrímur Jónsson und Jóhannes Sveinsson Kjarval). Außerdem gibt es häufig thematisch orientierte Wechselausstellungen.
Kjarvalsstaðir
Das Museum in der Flókagata widmet sich hauptsächlich, wie der Name sagt, dem Werk des Malers Jóhannes Sveinsson Kjarval (1885 - 1972). Allerdings finden in Nebenräumen auch wechselnde Ausstellungen etwa moderner Installationskünstler statt.
Ásmundarsafn
Das Museum im Laugardalur befasst sich hauptsächlich mit dem Werk des Bildhauers Ásmundur Sveinsson (1893-1982). Sowohl die lichtdurchfluteten Räume mit den klaren Linien als auch die oft abstrakten Skulpturen des Bildhauers überzeugen mit Detailtreue und herber Schönheit. Vor dem Haus befindet sich ein Skulpturengarten.
Einar-Jónsson-Museum
Direkt vor der Hallgrimskirkja liegt das Museum des isländischen Bildhauers Einar Jónsson. Das Gebäude erinnert stark an die 30er Jahre. Dem Museum ist ebenfalls ein Skulpturengarten angeschlossen, in dem sich die mystisch angehauchten Figuren hinter Blumen und Sträuchern verbergen.
Handschriftensammlung Árni-Magnússon
Der Gelehrte Árni-Magnússon (vgl. auch den Roman Islandglocke von Halldór Laxness) hatte im 17. Jahrhundert Tausende von alten Urkunden, mittelalterlichen Manuskripten und anderen historischen Texten gesammelt und nach Dänemark gebracht. Nach jahrelangem Streit gaben die Dänen diese Zeugnisse altisländischer Kultur 1971 zurück. Sie sind in dieser Sammlung aufbewahrt und einige von ihnen werden in einem kleinen Ausstellungsraum der Öffentlichkeit präsentiert. Zu den Kostbarkeiten der Sammlung gehören das Flateyjarbók (vgl. Breiðafjörður) und der Codex Regius.
Das Freilichtmuseum Árbæjarsafn
Im Stadtteil Árbær, etwas außerhalb des Zentrums, befindet sich das große Freilichtmuseum. In diesem sind ca. 30 Bürgerhäuser und Torfhütten aus dem 19. Jahrhundert mitsamt passender Innenausstattung zu besichtigen. Die Museumswärter tragen passenderweise die Tracht der damaligen Zeit. Manchmal kann man auch Handwerkern bei der Arbeit zusehen.
Weitere Museen etc.
- Ásgrímur Jónsson-Museum (Gemäldesammlung)
- Sigurjón Ólafsson Museum (moderne Skulpturen)
- Medizinmuseum Nesstofa
- The Living Art Museum
- Naturgeschichtliches Museum
- Fotografie-Museum
- moderner Skulpturengarten am Strand des Vororts Reykjavík-Víkur
Kuriositäten
Eine "Dokumentation" des Senders arte am 07.08.2005 löste eine Diskussion um das sogenannte HumaniTV aus.
In dem Kurzfilm "CitizenCam" von Jérôme Scemla wird ein System von Videokameras in Reykjavík vorgestellt auf welches die Einwohner der Stadt per Fernsehen Zugriff haben. Im Film erfolgte eine kurze Vorstellung von Pro und Kontra einer Überwachung.
Bei diesem Kurzfilm handelt es sich, trotz seiner Kennzeichnung als Dokumentation, um eine Fiktion.
Interessante Bauwerke
Domkirche und Universität
Tracht
Eines der ältesten Gebäude in der Stadt ist der Dom (isländ. "Dómkirkjan"). Er befindet sich in der Nähe des Hotel Borg im Stadtzentrum.
Die Kirche wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut anlässlich der Verlegung des Bischofssitzes von Skálholt nach Reykjavík. Bei ihrer Einweihung 1796 passten noch alle Einwohner der Stadt in die eigentlich eher kleine Kirche. Nach dem Umbau von 1847, der der Kirche ihr heutiges Aussehen gab, installierte man darin u.a. ein Taufbecken des dänischen Bildhauers Albert Thorvaldsen.
Sehenswert ist außerdem noch das Universitätsgebäude der Háskóli Íslands.
Link: [http://www.hi.is/ Die Universität zu Reykjavík, Homepage engl.]
Die Hallgrímskirkja
Albert Thorvaldsen
Neben diesen älteren Gebäuden in Reykjavík finden sich auch zahlreiche interessante Gebäude der moderneren Architektur. Auffallend sind hier vor allem die modernen Kirchengebäude der Stadt. Die Hallgrímskirkja ist dabei zugleich eins der höchsten Gebäude des Landes. Von ihrer Stellung auf einem Hügel überragt sie die Innenstadt.
Die Hallgrímskirkja mit ihrem auffallenden Turm kann also getrost als Wahrzeichen der Stadt betrachtet werden. Auf den 73 m hohen Turm führt ein Lift und neben dem Öskjuhlíð bietet sich von hier aus die beste Aussicht über die Stadt und oft bis hin zum Snæfellsjökull. Sie wurde nach dem Dichter Hallgrímur Pétursson benannt. Entworfen wurde das Gebäude von dem isländischen Architekten Guðjón Samúelsson, der sich auch für den Bau der Kathedrale von Akureyri verantwortlich zeichnet. Es dauerte über 40 Jahre (ab 1943), bis die Kirche 1986 eingeweiht wurde.
Auffallend ist die Ähnlichkeit zu Basaltsäulen, die von der Grundgestaltung der Kirchenfassade in den grauen Betonstiften umgesetzt werden. Das sehr helle Innere der Kirche weist reichlich gotische Stilelemente auf. Durch die Kirchenfenster aus durchsichtigem Glas hinter dem Hauptaltar kann man ungewöhnlicherweise Himmel und Wolken sehen.
Links: [http://www.iceland.de/index.php?id=81 Die Hallgrímskirche in Reykjavík]
Perlan
Hauptaltar
Ein besonders auffallendes Gebäude ist Perlan im Stadtteil Öskjuhlið. Unter einer Glaskuppel auf den riesigen Heißwasserspeichern der Stadt befinden sich ein kleines Sagamuseum, ein Restaurant und Geschäfte. Die Tanks versorgen zum einem die Stadt mit Warmwasser, zum anderen ersetzen sie in weiten Teilen der Stadt den Winterdienst, da von hier aus die Straßen und Gehwege beheizt werden. Das Gebäude ist auch ein sehr guter Aussichtpunkt auf Reykjavík und Umgebung.
Links: [http://www.iceland.de/index.php?id=82 Das Heizungssystem von Reykjavík]
Wirtschaft und Verkehr
Hauptaltar
In Reykjavík befinden sich v.a. Dienstleistungsunternehmen, Fischerei- und High Tech-Industrie, u.a. gentechnische und biotechnische Labors.
Die Stadt verfügt inzwischen über einige moderne bis zu sechsspurige Stadtautobahnen. Die Ringstraße Nr.1 führt durch die Außenbezirke der Stadt hindurch. Sie erstreckt sich nach Osten weiter über die Hellisheiði Richtung Selfoss und nach Nordwesten Richtung Akranes und Borgarnes, wobei sie das Reykjavík überragende Bergmassiv der Esja umrundet. Derzeit wird die Staatsstraße zum internationalen Flughafen in Keflavík vierspurig ausgebaut.
Außerdem hat Reykjavík ein ausgesprochen effizientes öffentliches Verkehrssystem aufzuweisen: Busse mit 5 dezentralen Busbahnhöfen und einem zentralen Busbahnhof, dem BSÍ, sowie einen Inlandsflughafen in der Nähe des Tjörnin. In der Diskussion ist die Verwendung der - in Island viel billigeren - Energiequelle Strom für den öffentlichen Nahverkehr. Vom Einsatz von Straßenbahnen ist man wegen der Erdbebengefahr abgekommen und wird sich vermutlich letztendlich für ein Bussystem mit elektrischen Oberleitungen entscheiden. Inzwischen wird auch Wasserstoff als Antriebsquelle für Busse ausgetestet.
Bilder
Bild:Reykjavik6.jpg|Reykjavík, Ansicht der Stadt vom Ökjuhlið
Bild:Alþingshusið_Reykjavik.jpg|Alþingshusið in Reykjavík
Bild:Universität_Reykjavik.jpg|Universität zu Reykjavík
Image:Perlan.jpeg|Perlan
Image:HallgrimskirkjaProfile.jpg|Hallgrímskirkja
Bild:Reykjavik Hil.jpg|Hallgrímskirkja, Ansicht von Perlan
Bild:Dom_Reykjavik.jpg|Dom zu Reykjavík
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter
- Hannes Finsen, (13. Mai 1828 - † 18. November 1892 in Ribe/Dänemark) Jurist und hoher Beamter im Dienste Dänemarks, u.a. Gouverneur auf den Färöern
Siehe auch
- Liste der Städte in Island
- Liste der Bischöfe von Reykjavik
Weblinks
- [http://www.tourist.reykjavik.is/ Offizielle Homepage der Stadt Reykjavík (englisch)]
- [http://www.skandinavien.de/Laender_Regionen/Island/I-Reykjavik.htm allgemeine Informationen]
- [http://www.iceland.de/index.php?id=79 Die isländische Hauptstadt Reykjavík]
- [http://www.islandsmyndir.is/html_skjol/sudvesturland/reykjavik/forsida_reykjavik.htm Reykjavík Galerie]
Kategorie:Ort in Island
Kategorie:Hauptstadt in Europa
ja:レイキャヴィーク
ko:레이캬비크
simple:Reykjavík
Bauernhof
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Unter einem Bauernhof versteht man einen landwirtschaftlichen Betrieb oder auch die Gesamtheit der baulichen Anlagen dieses Betriebes. Hauptgebäude ist das Bauernhaus.
Ein großer Bauernhof mit entsprechendem Gut ist der Gutshof.
Bauernhäuser sind ein Kompromiss aus verschiedensten Anforderungen an ein Gebäude. Neben einem großen Wohnraum, der oft für zwei Generationen reichen muss, wird das Haus als Stall, Lager oder als Unterstand für landwirtschaftliche Geräte genutzt. Besonders extreme und sowie spezielle Anforderungen hat der sogenannte Bergbauernhof zu erfüllen.
Es kann sich um einen Haupt-, Neben- oder Zuerwerbsbetrieb handeln. Der Landwirt hat häufig keine festen Angestellten, sondern bewirtschaftet den Betrieb alleine oder gemeinsam mit seiner Familie.
Im englischen Sprachraum werden landwirtschaftliche Betriebe Farm oder Ranch (nur Tierhaltung) genannt. Diese Bezeichnung Ranch wird in Europa oft für Betriebe, die Pferde halten, übernommen.
Die Verlegung von Höfen wird als Abbau bezeichnet.
Hofformen
Die Klassifikation von Höfen nach ihrem Grundriss unterscheidet den Eindachhof auch Einhof, den Zweiseithof oder Hakenhof, den Dreiseithof und den Vierseithof. Der Eindachhof besteht aus einem Gebäude mit durchlaufender Firstlinie. Der Zweiseithof besteht aus zwei rechtwinklig oder gegenüberliegend angeordneten Gebäuden. Entsprechend definiert sind Dreiseithof und Vierseithof.
Eine norddeutsche Besonderheit ist der Gulfhof, der sich aus quaderförmigen Einheiten zusammensetzt.
Weblinks
- [http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.h/h728865.htm www.aeiou.at] Hofformen in Österreich
- [http://www.landratsamt-doebeln.de/broschueren/baufibel/rot/eindachhof.html www.landratsamt-doebeln.de] Beschreibung der Hofformen
Kategorie:Landwirtschaftliches Gebäude
simple:Farm
AkustikDie Akustik (griech.: akuein ακουειν = hören) ist die Lehre vom Schall und seinen Wirkungen. Sie ist ein Teilbereich der Physik und beschäftigt sich mit der Erzeugung, der Ausbreitung, der Reflexion und der Absorption von Schallwellen. Schallwellen sind mechanische Schwingungen in einem Medium, im Regelfall in Luft. Da die Akustik auf der Ausbreitung von Wellen und Schwingungen im Raum beschreibt, kann sie auch als Teilgebiet der Mechanik gesehen werden. Das Spezialgebiet der Hydroakustik befasst sich mit der Akustik in flüssigen Medien.
Arbeitsgebiete der Akustik
Innerhalb der Akustik werden eine Vielzahl unterschiedliche Arbeitsgebiete behandelt:
- Die Technische Akustik behandelt Geräusche von Maschinen und Anlagen.
- In der Bau- und Raumakustik werden die Fragestellungen der Schallübertragung in Gebäuden und der Beschallung von Zuhörerräumen behandelt.
- In der Fahrzeugakustik werden alle Fragestellungen zum Thema Innen- und Außengeräusch von Fahrzeugen behandelt.
- Die Hörakustik untersucht alle Aspekte der akustischen Wahrnehmung.
- Die Elektroakustik beschäftigt sich mit der Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Schall.
- Die Lärmforschung beschäftigt sich mit allen Aspekten der Lärmerzeugung, -minderung und -wahrnehmung.
- Die Psychoakustik behandelt Themen zur subjektiven Beurteilung von Schall und zur Objektivierung der subjektiven Wahrnehmung, in der Musikwissenschaft auch mit Hilfe der Musikpsychologie.
- Die Musikalische Akustik befasst sich mit der Erzeugung und Wahrnehmung von Musik.
- In der Physikalischen Akustik werden die physikalischen Grundlagen der Akustik behandelt.
- Die Sprachakustik beschäftigt sich mit der Sprachverarbeitung und -kommunikation.
Methoden der Schallerzeugung
Zur Schallerzeugung werden Lautsprecher, messtechnische Schallerzeuger wie z.B. Referenzschallquellen und verschiedene Klangerzeugungsinstrumente wie Musikinstrumente verwendet.
Methoden der Schallaufzeichnung und -messung
Zur Schallaufzeichnung und -messung werden Mikrofone und Kunstköpfe verwendet. Kunstkopfaufnahmen reproduzieren hierbei, wenn sie über Kopfhörer wieder abgespielt werden, sehr gut den Geräuschcharakter des aufgezeichneten Schalles und werden daher häufig für die binaurale Beurteilung verschiedener Schallereignisse herangezogen.
Laborräume
- Ein Reflexionsarmer Raum, manchmal physikalisch unrichtig auch "schalltoter" Raum genannt, besitzt Absorptionsmaterial an Decke und Wänden, so dass nur minimale Reflexionen auftreten und Bedingungen wie in einem Direktfeld D (Freifeld oder freiem Schallfeld) herrschen, der Schalldruck also mit 1/r nach dem Abstandsgesetz von einer Punktschallquelle abnimmt. Solche Räume eignen sich für Sprachaufzeichnungen und für die Lokalisation von Schallquellen. Wird auf einer gedachten Hüllfläche um die Schallquelle die senkrecht durch diese Fläche tretende Schallintensität gemessen, so kann die Schallleistung der Quelle bestimmt werden.
- Ein Hallraum dagegen wird so konstruiert, dass an jedem beliebigen Punkt im Schallfeld Reflexionen gleicher Größe aus allen Richtungen zusammentreffen. In einem idealen Hallraum herrscht daher mit Ausnahme des Bereiches direkt um die Schallquelle (s. Hallradius) an jedem Ort derselbe Schalldruck. Ein solches Schallfeld wird Diffusfeld oder Raumfeld genannt. Da die Schallstrahlen aus allen Richtungen gleichzeitig einfallen, ist in einem Hallraum keine Schallintensität vorhanden. Um Resonanzen in Hallraum zu vermeiden wird er im Allgemeinen ohne parallel zueinander stehende Wände und Decken gebaut. Über Nachhallzeit-Messungen oder durch Referenzschallquellen kann der Raum kalibriert werden. Hierbei wird die Differenz zwischen dem an einem beliebigen Ort im Raum, weit genug außerhalb des Hallradius gemessenen Schalldruckpegel und dem Schallleistungspegel einer Schallquelle bestimmt. Diese Differenz ist frequenzabhängig und bleibt unverändert, solange sich der Aufbau des Raumes und der Absorptionsgrad der Wände nicht ändern. In einem Hallraum kann daher die Schallleistung einer Quelle theoretisch mit einer einzigen Schalldruckmessung bestimmt werden. Dies ist z.B. für Fragestellungen im Bereich des Schallschutzes sehr nützlich.
- Ein Freifeldraum ist die spezielle Ausführung eines reflexionsarmen Raumes. Hier ist jedoch zusätzlich auch der Boden mit absorbierendem Material bedeckt. Da der Boden durch diese Maßnahme nicht mehr begehbar ist, wird meist ein schalldurchlässiges Gitter darüber angeordnet, welches den Zugang zum Messobjekt ermöglicht. Derartige Räume werden in der akustischen Messtechnik eingesetzt, um gezielte Schallquellenanalysen - auch unter dem Messobjekt - durchführen zu können.
Akustische Analysemethoden
Da akustische Zeitsignale als Diagramme häufig wenig aussagefähig sind, werden zur Analyse meist Methoden der modernen Signalanalyse eingesetzt. Dabei sind vor allem die Frequenzanalyse durch FFT (Schnelle Fouriertransformation) und die Oktav- und Terzbandanalyse zu nennen. Außerdem kann durch geeignete Software oder Signalprozessoren die Impulshaltigkeit von akustischen Signalen erfasst werden. Eine wichtige Rolle spielen auch die Frequenzbewertungen, von denen wohl die A-Bewertung am bekanntesten ist. Dies ist eine Frequenzbewertungskurve, mit der die unbewertet ermittelten Schalldruckpegel bewertet werden und aus der sich der A-bewertete Pegel in dB(A) ergibt. Hiermit wird versucht, die unterschiedliche Empfindlichkeit des menschlichen Ohres bei verschiedenen Frequenzen zu berücksichtigen. Daher werden die meisten Grenzwerte für Schalldruckpegel in der Lärmbeurteilung als A-bewertete Pegel festgelegt.
Die meisten höheren Tiere sind zur akustischen Wahrnehmung befähigt, besitzen also einen Hörsinn. Schall ist einer der wichtigsten Kommunikationskanäle, da er praktisch unmittelbare Fernwirkung besitzt. Mit Lautäußerungen ist den Tieren ein Mittel zur Reviermarkierung, zur Partner- oder Rudelsuche, zum Auffinden von Beute und zur Mitteilung von Stimmungen, Warnsignalen, etc. gegeben. Selbst wenn Schall keine Rolle bei der Kommunikation innerhalb der Art spielt, Lautorgane also nicht oder nur rudimentär ausgebildet sind, spielt die akustische Orientierung, z.B. beim Aufspüren von Beutetieren, häufig eine elementare Rolle bei den Sinneswahrnehmungen.
Das akustische Empfangsorgan des Menschen ist das Ohr, auch für die Richtungslokalisation. Im Innenohr werden Schallinformation in Nervenimpulse umgewandelt. Für die Anregung Trommelfelle ist allein der Schallwechseldruck ausschlaggebend. Der menschliche Hörbereich liegt zwischen der Hörschwelle und der Schmerzschwelle.
Reine Sinusschwingungen werden als Ton empfunden, Sinusschwingungen mit Oberschwingungen als Klang. Nicht zweckgebundene werden als Geräusch bezeichnet. Schallsignale mit zeitlich zufälliger Amplitude werden als Rauschen bezeichnet.
Bei der Erzeugung von Lauten unterscheidet man im Allgemeinen zwischen stimmhaften und stimmlosen Phonemen. Bei den stimmhaften Phonemen, die als Vokale bezeichnet werden, werden beim Kehlkopf durch Vibration der Stimmbänder die "Roh"klänge erzeugt, die dann im Rachen- und Nasenraum durch verschiedene willkürlich beeinflussbare oder unveränderliche individualspezifische Resonanzräume moduliert werden. Bei stimmlosen Phonemen, den Konsonanten, ruhen die Stimmbänder, wobei der Laut durch Modulation des Luftstromes zustande kommt. Beim Flüstern werden selbst die Vokale nur durch Modulation des Spektrums des Rauschens eines hervorgepressten Luftstromes gebildet, wobei die Stimmbänder ruhen.
Zitate
Literatur
- Breuer, Hans: dtv-Atlas Physik, Band 1. Mechanik, Akustik, Thermodynamik, Optik. München: dtv-Verlag, 1996, ISBN: 342303226X
- Kuttruff, Heinrich: Akustik. Stuttgart: Hirzel, 2004, ISBN: 3777612448
- Müller, Gerhard; Möser, Michael: Taschenbuch der Technischen Akustik. Berlin: Springer, 3., erw. u. überarb. Aufl. 2003, ISBN: 3540412425
- Veit, Ivar: Technische Akustik. Würzburg: Vogel-Verlag, 2005, ISBN: 3834330132
Weblinks
- [http://www.dega-akustik.de Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA)]
- [http://kunstbank.waidhofen.at/mitglied/junker/publikationen/skripten/raumakustik.htm Einführung in die Raumakustik und Beschallungstechnik]
- [http://www.mdw.ac.at/I101/iea/tm/scripts/jecklin/special/ttsmusikakustik.pdf Musikalische Akustik]
Kategorie:Akustik
Kategorie:Ohr
ja:音響学
ko:음향학
Løgting
Das Løgting (dänischer Name: Lagting) ist das Parlament der Färöer.
Es zählt zu den ältesten Parlamenten der Welt. Mit einer Unterbrechung von 1816 bis 1852 existiert es seit circa 900, ist also etwa 1100 Jahre alt. Bis etwa 1400 hieß es Althing. Das gleichnamige Parlamentsgebäude ist ein 1856 gebautes Holzhaus und befindet sich nördlich des ursprünglichen Sitzes, der Halbinsel Tinganes, mitten im Zentrum von Tórshavn. Neben diesem zentralen Thing gab es bis 1892 auch lokale Things, das sogenannte Várting in jedem Bezirk (Sýsla).
Das Løgting wählt kraft des Gesetzes über die innere Selbstverwaltung vom 31. März 1948 die Autonomieregierung der Färöer. Es wird alle vier Jahre neu gewählt. Wahlrecht genießen alle Bürgerinnen und Bürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Seit der Änderung des färöischen Wahlgesetzes 1978 hat das Løgting 27 direkt gewählte Abgeordnete, und es gibt fünf zusätzliche Sitze (Überhangsmandate) – insgesamt sind es derzeit 32 Parlamentarier.
Überhangsmandat
Am 4. Februar 2004 wählte das Løgting den langjährigen sozialdemokratischen Parteivorsitzenden, Abgeordneten und Minister Jóannes Eidesgaard zum Løgmaður (Ministerpräsidenten).
Wortherkunft
Der Wortebestandteil løg stammt von altnordisch lóg (heutige färöische Schreibweise) und bedeutet Regel, Gesetz. Es ist verwandt mit dem englischen Wort law und stammt von lateinisch lex ab. Im Deutschen ist davon in diesem Sinne Legislative abgeleitet.
Der Bestandteil ting stammt vom altnordischen Þing ab, und bedeutet Versammlung, Rat, Plenum, aber auch Gericht.
Løgting heißt wörtlich also: gesetzgebende Versammlung.
Auf seiner Homepage [http://www.logting.fo] bezeichnet sich das Løgting als Løgtingið (sprich: ['löktingi]). -ið ist der typisch skandinavische, angehängte bestimmte Artikel neutrum. Løgtingið heißt also das Løgting.
Vergleiche: Der Bundestag in Deutschland, Folketinget in Dänemark, oder auch Lagtinget in der dänischen Schreibweise des färöischen Løgtings.
Geschichte
Wikingerzeit
Die erste schriftliche Erwähnung des Løgtings findet sich in der Färingersaga, die um 1200 in Island niedergeschrieben wurde (vorher mündlich überliefert). Historiker schätzen, dass es schon kurz nach der nordischen Besiedlung der Färöer im 9. Jahrhundert gegründet wurde, spätestens um 900. Ursprünglich hatte das Løgting den historischen Charakter eines Althings (nicht zu verwechseln mit dem heutigen isländischen Althing, das ebenso ein modernes Parlament im Sinne einer frei gewählten Vertretungskörperschaft ist), war also Plenum aller Großbauern. Historisch belegt ist, dass das färöische Þing ab dem Jahr 999 das Christentum annahm, nachdem sich der in Norwegen getaufte Häuptling Sigmundur Brestisson gegen den anfänglichen Widerstand durchsetzen konnte. Seitdem gelten die Färöer als christianisiert.
Es hatte seit Anfang an seinen Sitz auf der nach ihm benannten Halbinsel Tinganes im heutigen Tórshavn. Heute sitzt dort nur noch die Landesregierung, während das Løging etwas weiter in die neue Stadtmitte gerückt ist. Durch die zentral gelegene Thingstätte konnte sich Tórshavn trotz seines relativ ungünstigen Naturhafens zur Handels- und Hauptstadt entwickeln.
Faktisch handelte es sich bei den Färöern bis zur endgültigen Besitznahme durch die norwegische Krone um eine Republik von Siedlern, die sich in ihrem Thing eine demokratische Selbstverwaltung gab.
Vorsitzender des Althings war der Løgsøgumaður. Er hatte selber kein Stimmrecht, und seine Aufgabe war es, die beschlossenen Gesetze zu verkünden. Dies ist wortwörtlich zu verstehen, denn es wird davon ausgegangen, dass sie damals nicht schriftlich fixiert wurden. Der Logsøgumaður war also eine Art „wandelndes Gedächtnis“ des Things, der sich alle Beschlüsse merken und diese bei Bedarf vortragen musste. Aus dieser Stellung ging in der Folge der Løgmaður hervor.
Siehe auch: Wikingerzeit auf den Färöern
Norwegische Herrschaft
1035 wurden die Färöer zwar formal ein Teil von Norwegen, aber die Historiker glauben, dass sich die älteren Regeln des Løgting erhalten konnten, weil die Kommunikation mit der Regierung in Trondheim zu der Zeit nur sehr dürftig war. Wahrscheinlich waren diese Regeln dem Gulating-Gesetz in Norwegen nachempfunden.
1274 wurde vom norwegischen König Magnus Lógbøtari (Magnus der Gesetzesreformer) das Landslóg (Landesgesetz) eingeführt, das aus dem historischen Althing das heutige Løgting formte. Allerdings änderte sich der Name erst um 1400. Während das Thing zuvor eine Versammlung der freien Männer („die besten Männer der Färöer“) war, wurde es nun zu einer Vertretungskörperschaft umgeformt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt wird angenommen, dass die Beschlüsse des Løgtings schriftlich fixiert wurden.
Ab 1280 galten die Färöer dann endgültig als norwegischer Reichsteil. Das Althing galt zu diesem Zeitpunkt nicht länger mehr als gesetzgebende Versammlung, und der Løgmaður war letztlich ein Repräsentant des Königs. In der Realität waren die Färöer aber weiterhin relativ autonom.
Am 24. Juni 1298 schließlich, erhielten die Färöer mit dem Schafsbrief (Seyðabrævið) ihr „Grundgesetz“. (siehe dort)
Schon im Gulating-Gesetz befand sich ein Abschnitt namens Tingfararbólkurin (Geschäftsordnung des Things), wo festgeschrieben wurde, dass die Zahl der Løgrættumenn (Abgeordnete, aber auch Strafverfolger) 36 beträgt und dass der Løgmaður ("Gesetzesmann", Chef des Things) das Gremium leitet. Jeweils sechs Løgrættumenn vertraten einen der 6 Syssel (sýslur).
Der Løgmaður wurde vom Løgting gewählt und zusätzlich vom norwegischen König ernannt, der sich seinerseitz durch einen Gouverneur, den Fúti (Landvoigt), im Løgting vertreten ließ. Der Fúti hatte auch die Kompetenz eines Staatsanwaltes, war aber in erster Linie dafür verantwortlich, die Staatseinnahmen der Krone sicher zu stellen. Daneben hatte das Løgting einen Sekretär als Vorsitzenden, den Sorínskrivari.
Das Løgting war gleichzeitig oberster Gerichtshof der Färöer. Urteile des Várting konnten hier in Revision gehen. Gemäß dem Landslóg sollten die Løgrættumenn schwören, dass sie in allen Verfahren nach ihrem eigenen Gewissen, den Gesetzen und Gott verantwortlich handeln mögen. Oft waren nur 12 der 36 Løgrættumenn anwesend, und in geringeren Sachen genügten auch 6, um beschlussfähig zu sein.
Schon die Färingersaga berichtet von Todesurteilen, die vom färöischen Ting gefällt wurden. Verurteilte Männer wurden entweder gehängt oder geköpft, während Frauen oft ertränkt wurden. 1706 wurde das letzte Todesurteil auf den Färöern vollstreckt. Die gewöhnlichsten Strafen, die verhängt wurden, waren aber Geldstrafen, die als Tributzahlung an den König geleistet wurden.
1380 kam Norwegen mit Dänemark mit Dänemark in Personalunion (siehe: Kalmarer Union bzw. Dänemark-Norwegen), die Färöer wurden aber weiterhin formal als Teil des norwegischen Reichsteils angesehen. Hauptstadt des Großreichs war allerdings Kopenhagen.
1557 bekam das Løgting das erste Mal ein festes Haus auf Tinganes. Später wurde dann ein weiteres Tinghaus gebaut, das bis 1816 benutzt wurde. 1569 wurde von der dänisch-norwegischen Krone offiziell anerkannt, dass das Løgiting die legitime Vertretung des färöischen Volkes ist.
Die Einführung des Absolutismus in Dänemark und Norwegen durch Frederik III. 1661 war der zweite große Bruch in der Geschichte des Løgtings nach der Gesetzesreform von 1274. Hatte das Løgting bis dahin noch halbwegs gesetzgebende Funktionen, so ging nun die gesamte Macht an den König über.
1688 wurde von König Christian V. das Norska lóg, das norwegische Gesetz, eingeführt. Das bedeutete für das Løgting eine Vergrößerung auf 48 Sitze, aber auch das Verbot der Wiederwahl, also eine Amtszeitbegrenzung der Parlamentarier auf eine Wahlperiode, die zudem auf ein Jahr begrenzt wurde. Die 48 Sitze entsprachen 8 Løgrættumenn pro Syssel. Historiker meinen, dass es dadurch immer inkompetenter wurde und an Einfluss gegenüber den königlichen Beamten verlor, während diese (der Fúti als Vertreter des Königs und der Sorínskrivari als Thing-Vorsitzender) an Macht gewannen.
Bereits 1655 vermachte König Christian V. die Färöer Christopher von Gabel als Lehen, bis sie 1709 wieder unter die direkte Herrschaft der Krone gelangten. Die sogenannte Gabelzeit gilt als dunkelste Periode der färöischen Geschichte. Von 1720 bis 1776 wurden die Färöer als Teil der norwegischen Kolonie Island administriert, danach wieder von Seeland. Seitdem besteht das Amt des Amtmaður (Amtmann) (bis 1948).
Dänische Herrschaft
Nach dem Frieden von Kiel vom 24. Januar 1814 und der Auflösung der Personalunion zwischen Dänemark und Norwegen, kam Grönland, Island und die Färöer zu Dänemark. In der Folge wurden 1816 das Løgting und der Løgmaður ersatzlos abgeschafft. Der Sorínskrivari blieb aber erhalten und wurde alleinige gesetzliche Autorität. Die Färöer waren fortan ein eigenes dänisches Amt (Verwaltungsbezirk), gehörten also nicht mehr zum dänischen Bezirk Seeland. Der Amtmaður entschied alleine, welche dänischen Gesetze auf die Färöer angewendet wurden.
Infolge der Märzrevolution 1848 in Dänemark wurde 1849 die erste dänische Verfassung verabschiedet und das Folketing als Parlament in der nunmehr konstitutionellen Monarchie gebildet. Seitdem sind dort auch immer zwei Abgeordnete der Färöer vertreten.
Nach wiederholten Bitten des färöischen Volkes, wurde das Løgting per Gesetz vom 26. März 1852 wieder eingeführt. Es hatte aber nur noch beratende Funktion für die dänische Regierung und 18 Mitglieder. Der Amtmaður und der Próstur (der Propst, die damals höchste kirchliche Autorität der Färöer, siehe färöische Volkskirche) saßen auch im Løgting, wobei der Amtmaður gleichzeitig der Parlamentspräsident war. Von 1866 bis 1878 saß der bekannte färöische Linguist und Propst V. U. Hammershaimb in der geschichtsreichen Versammlung.
1906 wurde die Zahl der Sitze auf 22 erhöht. Erst mit dem dänischen Lagting-Gesetz vom 11. April 1923 kam es zu einer wesentlichen Änderung: Es gab 20 Parlamentssitze und bis zu 10 beigeordnete Sitze, der Próstur verlor seinen Sitz und der Amtmaður wurde von nun an vom Løgting gewählt.
Britische Besetzung
Siehe Hauptartikel: Färöer im Zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg wurden Dänemark und Norwegen von Deutschland besetzt (siehe: Operation Weserübung). Um den Deutschen zuvor zu kommen, besetzte Großbritannien drei Tage später, am 12. April 1940 die Färöer. So von der dänischen Regierung abgeschnitten, entwickelten die Färinger konkrete Forderungen nach der Unabhängigkeit ihrer Inseln von Dänemark, oder zumindest nach mehr Rechten innerhalb des Königreichs. In dieser Frage ist das färöische Volk bis heute gespalten. Das färöische Parteienspektrum erstreckt sich daher nicht nur von links nach rechts, sondern quer dazu von pro bis contra Souveränität.
Die Briten wurden von den Färingern keineswegs als unwillkommene Eindringlinge und „neue Herren“ empfunden. Im Gegenteil: Sie bewahrten nicht nur das Løgting, sie weiteten seine Selbstverwaltung noch aus. Am 16. September 1945 endet die Besetzung.
Innere Selbstverwaltung
Nach Verhandlungen des Løgtings mit der dänischen Regierung kam es am 14. September 1946 zu einer Volksabstimmung, wo sich eine knappe Mehrheit (48,7 % zu 47 %) der Färinger für die volle Unabhängigkeit aussprach. Am 18. September wurde die Unabhängigkeit der Färöer erklärt, aber schon am 20. September von Dänemark wieder annulliert. Es gab einen Streit über die Frage, ob dieses Votum einen meinungsbildenden oder einen konstitutiven Charakter hatte. Nach den Løgtingwahlen vom November 1946 führten die Verhandlungen zum Autonomiegesetz vom 31. März 1948.
Die Position des Løgtings wurde damit nachhaltig aufgewertet. Im Rahmen der Autonomie hat es seitdem weit mehr als nur beratende Funktion, nämlich (erstmals wieder seit 1274) gesetzgebende Macht in all den Bereichen, die es vom dänischen Folketing übernommen hat, wo die Färöer bereits seit 1849 mit jeweils 2 Abgeordneten vertreten sind.
Zuständigkeitsbereich
Im Zuständigkeitsbereich des Løgtings wird zwischen dem A-Sektor und dem B-Sektor unterschieden. Grundsätzlich nicht zuständig ist das Løgting für die Landesverteidigung, Justiz und Außenpolitik. Dies ist Angelegenheit des Königreichs Dänemark. 2005 wurde allerdings mit dem Vertrag von Fámjin ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, dass die diesbezüglichen Kompetenzen des Løgtings entscheidend erweiterte.
Zu den originären Aufgaben des Løgting gehört insbesondere die Wirtschaftspolitik der Färöer, was von entscheidender Bedeutung ist, denn die Färöer sind nicht Mitglied der EU. Hier stimmen sich die Färöer bei ihren Verhandlungen mit der EU stets mit der dänischen Regierung ab. Die weiteren politischen Zuständigkeitsbereiche sind: Inneres, Finanzen, Soziales, Familie, Gesundheit, Umwelt, Verkehr, Kultur, Bildung und Forschung.
Zum A-Sektor gehören alle Bereiche, die vom Løgting übernommen werden können, wenn entweder das Løgting oder das Folketing es so beschließen.
In den B-Sektor fallen alle Bereiche, die nur vom Løgting behandelt werden können, wenn sowohl die färöische als auch die dänische Regierung dem zustimmen.
Ausschüsse
Das Løgting hat mehrere Ausschüsse mit folgenden Tätigkeitsbereichen:
- Finanzen
- Außenpolitik
- Färöische Landesregierung
- Industrie
- Wohlfahrt
- Kommunalpolitik
- Kultur
- Justiz
- Nordischer Rat (die beiden vom Løgting dorthin Delegierten)
- Nordatlantikrat
- Schatzmeisterei des Løgting
- Gefangenenbetreuung
Obwohl also Dänemark für Außenpolitik und Justiz zuständig ist, hat das Løgting dafür eigene Beratungsgremien.
Autonomieregierung
Das Løgting wählt die Landesregierung der Färöer. Sie wird unter Berücksichtigung des Parteienproporzes gebildet.
Sowohl der Ministerpräsident der Färöer als auch die anderen Minister haben einen Sitz im Løgting, aber nur dann Stimmrecht, wenn sie vom Volk dort hinein gewählt wurden. Alle beschlossenen Gesetze des Løgting müssen vom Premierminister ratifiziert werden.
Dänische Institutionen
Dänemark wird auf den Färöern seit der Abschaffung des Amtmaður 1948 durch die Reichsombudsschaft auf den Färöern vertreten. Der Ombudsmann bzw. die Ombudsfrau nimmt an den Sitzungen des Løgtings teil und darf in der Fragestunde Anfragen stellen, hat aber kein Stimmrecht.
Løgtingsfraktionen
Folgende färöische Parteien sind im Løgting vertreten (in alphabetischer Reihenfolge, Sitzverteilung seit 20. Januar 2004):
- Fólkaflokkurin (FF), Volkspartei - 7 Sitze
- Javnaðarflokkurin (JF), Sozialdemokratische Partei - 7 Sitze
- Miðflokkurin (MF), Zentrumspartei - 2 Sitze
- Sambandsflokkurin (SF), Zusammengehörigkeitspartei - 7 Sitze
- Sjálvstýrisflokkurin (SSF), Selbstverwaltungspartei - 1 Sitz
- Tjóðveldisflokkurin (TF), Republikanische Partei - 8 Sitze
Anmerkung:
- Addiert ergeben die genannten Sitze die eingangs erwähnten 27 + 5 = 32 Sitze.
Wahlergebnisse seit 1906
Løgtingswahlen werden in der Regel alle vier Jahre abgehalten. Die Parteien haben feste Buchstaben als Kürzel. In dieser Reihenfolge tauchen sie auch auf den Wahlzetteln auf. Gelistet wird der Zeitraum seit 1906, als die ersten beiden politischen Parteien gegründet wurden, und somit die Nationalbewegung in ihr politisches Stadium trat.
Auffallend ist die relative Stabilität der Wahlergebnisse seit 1954, wo vier Parteien jeweils um die 20 % schwanken. Das entspricht einer Ausgewogenheit im färöischen Koordinatensystem, wo nicht nur zwischen links und rechts, sondern auch in der Frage zur Unabhängigkeit unterschieden wird. Das ergibt vier verschiedene Tendenzen, und sie alle sind ungefähr gleich stark, was entsprechende Kompromisse bei Koalitionsbildungen zur Folge hat.
1Aus einer Verordnung von 2003: ([http://www.logir.fo/foldb/kunfo/2003/0000128.htm Kunngerð nr. 128 frá 19.12.2003]).
Jährliche Parlamentseröffnung
1906 wurde eingeholt und das Merkið gehisst.]]
Seit Alters her wird das Løgting am färöischen Nationalfeiertag, der Ólavsøka am 29. Juli offiziell eröffnet. Hierzu versammeln sich die Parlamentarier, Minister, Geistlichen und Beamten vor dem Parlamentsgebäude und ziehen in einer feierlichen Prozession von der Niels Finsens gøta zur Tórshavner Domkirche. Nach dem Gottesdienst kehrt die Prozession zum Løgting zurück, wo der Løgmaður das Parlament mit einer Rede zur Lage der Nation eröffnet.
Neben dem Volksfestcharakter ist dieser Tag also auch ein Staatsakt. Das steinige Ufer der Regierungshalbinsel Tinganes ist an diesem Tage eintrittspflichtig, denn dort befindet sich die beste natürliche Tribüne, um den - für die Färinger sehr bedeutenden – nationalen Ruderwettkämpfen beizuwohnen.
Früher war die Sitzung zur Ólavsøka die einzige des Jahres und dauerte acht Tage jeweils von sechs Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags. Jeden Tag gab es einen Kirchgang. Bis ins 17. Jahrhundert hinein waren alle sieben Pfarrer der Färöer zu jedem dieser Gottesdienste anwesend, als man erkannte, dass das zu aufwändig ist, und sich auf einen Gottesdienst zur Ólavsøka beschränkte.
Literatur
- Uffe Østergaard: The Construction of a Faroese Identity: Nordic, Norwegian, Danish – or Faroese?, Vortrag auf der Sektion „Siedler-Identitäten. Landnahme, Kolonisation und die Probleme der Identität von Siedlern in Altertum, Mittelalter und Neuzeit”, 39. Deutscher Historikertag in Hannover, September 1992. (inklusive ausführlicher Bibliographie im Anhang)
- Christian Gebel: Die Färöer - Geschichte und Sprachgeschichte, Schriftenreihe des Deutsch-Färöischen Freundeskreises, Heft 1, Düsseldorf 1988
- Løgtingið 150. Hátíðarrit. 150 ár liðin, síðani Løgtingið varð endurstovnað. Tórshavn: Løgtingið, 2002. ISBN 99918-966-3-5 (3 Bände, auf Färöisch)
- Hátíðarrit 1. Ritgerð: Hans Andrias Sølvará: ISBN 99918-966-4-3 ([http://www.logting.fo/Ymiskt/Løgtingssøgan%201.pdf PDF, 18 MB])
- Hátíðarrit 2. Sergreinar og ævisøgur: ISBN 99918-966-5-1 ([http://www.logting.fo/Ymiskt/Løgtingssøgan%202.pdf PDF, 36 MB])
- Hátíðarrit 3. Val og valtøl, leitorð og yvirlit: ISBN 99918-966-6-x
Weblinks
- [http://www.logting.fo Logting.fo - Homepage] (nur auf färöisch)
- [http://www.logir.fo/system/foframe.htm Lógasavn - Offizielle färöische Gesetzesbibliothek] (färöisch und zum Teil dänisch)
- [http://www.stamps.fo/default.asp?catalog%5Fname=Frim%E6rker&category%5Fname=Historie&product%5Fid=417 Text zur Briefmarkenausgabe von 2002: Das färöische Løgting - ein Parlament mit historischen Wurzeln]
Logting
Logting
Logting
Logting
Logting
Thing.]]
Als Ding (auch, historisierend: Thing, germanisch, altnordisch und neuisländisch: Þing, interskandinavisch: Ting) wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht bezeichnet. Die deutsche Bedeutung von Ding (und englisch: thing) als Sache leitet sich von der dort behandelten Rechtssache ab (vgl. auch | | |