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Altphilologie

Altphilologie

Die Klassische Philologie ist die Philologie, die sich mit den (als klassisch betrachteten) Sprachen Lateinisch und Altgriechisch sowie den literarischen Zeugnissen der griechischen und römischen Antike beschäftigt. Sie kann unterteilt werden in
- Gräzistik (Griechische Philologie)
- Latinistik (Lateinische Philologie) Sie ist auch ein Teilgebiet der Klassischen Altertumswissenschaft. Der abgedeckte Bereich umfasst dabei den Zeitraum vom Beginn der griechischen Literatur (Homer, Hesiod) im 8. Jahrhundert v. Chr. bis zum weitgehenden Erlöschen der spätantiken Literatur um das Jahr 600 n. Chr. Nicht zur Klassischen Philologie zählt man die Beschäftigung mit griechischen oder lateinischen Überreste-Texten, also reinen Gebrauchstexten nichtliterarischer Provenienz, die man in Papyri, Inschriften oder als Münzlegenden findet. Für diese Schriftdokumente gibt es die Wissenschaften Papyrologie, Numismatik und Epigraphik, die wiederum als Hilfswissenschaften der Alten Geschichte zugeordnet werden. Weitere verwandte Disziplinen sind die Alte Geschichte, die Mittellateinische Philologie und die Byzantinistik. Die alte Bezeichnung "Klassische Philologie" findet sich mittlerweile vielfach ersetzt durch die Bezeichnung "Altphilologie". Auch der größte deutsche Verband organisierter "klassischer" Philologen heißt "Deutscher Altphilologen-Verband" (DAV). An den Universitäten ist die Bezeichnung Klassische Philologie als traditioneller Sammelbegriff für die Fächer Lateinische Philologie und Griechische Philologie üblich, es gibt jedoch keinen eigentlichen Studiengang "Klassische Philologie"; man kann sich für eines der beiden Fächer oder auch für beide einschreiben. Berufsfelder für Klassische Philologen sind vornehmlich der Schuldienst (Lehrer für Latein oder Griechisch) und der Hochschuldienst. In begrenztem Umfang gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten im Verlagswesen oder Archivwesen. Insbesondere wegen der hohen Zahl der Pensionierungen von Lateinlehrern in den letzten Jahren sowie der erhöhten Nachfrage der Schüler nach Lateinunterricht hat Latein nach wie vor eine vergleichsweise hohe Zahl an Studierenden, da sich für die nächsten 5-10 Jahre noch recht gute Einstellungsperspektiven für angehende Lateinlehrer zu bieten scheinen. Wegen des starken Rückgangs des Griechischunterrichtes in den Schulen finden sich andererseits nur noch wenige Studenten, die Griechisch studieren.

Literatur


- Gerhard Jäger: Einführung in die Klassische Philologie 3., überarb. Aufl. Beck, München 1990. ISBN 3-406-34264-7
- Peter Krafft: Orientierung klassische Philologie. Was sie kann, was sie will. Rowohlt-Taschenbuch-Verl., Reinbek bei Hamburg 2001.(Rowohlts Enzyklopädie, 55616) ISBN 3-499-55616-2
- Rudolf Pfeiffer: Geschichte der klassischen Philologie. (Bd. 1) Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus. 2., durchges. Aufl. Beck, München 1978. ISBN 3-406-03751-8
(Bd. 2) Die klassische Philologie von Petrarca bis Mommsen. Beck, München 1982. ISBN 3-406-08411-7
- Jörg Rüpke: Wozu Altertumswissenschaften? In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
- Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Geschichte der Philologie. 1921; Neudr. Teubner, Stuttgart [u.a.] 1998. ISBN 3-519-07253-X siehe auch: Portal:Antike, Liste der klassischen Philologen, :Kategorie:Philologe

Weblinks


- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlkpdt.html Virtual Library - Deutsche Datenquellen: Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein, Byzantinistik] Kategorie:Kulturwissenschaft Kategorie:Philologie Kategorie:Altphilologie Kategorie:Editionsphilologie

Philologie

Philologie (griech. philologia, Liebe zum Wort) ist die zusammenfassende Bezeichnung für die Sprach- und Literaturwissenschaft einer Sprache oder eines Sprachzweiges. Gelegentlich bezeichnet der Begriff Philologie auch nur die Sprachwissenschaft oder die wissenschaftliche Beschäftigung mit einem großen Autor und seinem Werk. Ursprüngliche Aufgabe der Philologie war die Textkritik, also die Herstellung eines möglichst authentischen Textes, der aus verschiedenen voneinander abweichenden Handschriften erschlossen werden kann. Die Editionsphilologie ist jedoch nur ein Teilbereich der Philologie und deckt sich nicht mit ihr. Als älteste Philologie ist die Klassische Philologie zu betrachten. Diese nennt sich klassisch, da sie sich mit dem, als klassisch betrachteten, griechischen und römischen Altertum befasst und sich aus ihr die meisten anderen Philologien entwickelten. Diese so genannten Neuphilologien, zu denen die Anglistik, Germanistik und die Romanistik gehören, entwickelten sich vor allem während der Aufklärung und der Romantik und bildeten zugleich die Grundlage zur Herausbildung weiterer Ableger, zum Beispiel die Niederlandistik, Rumänistik und Lusitanistik. Die Tendenz der Aufspaltung einer größeren Philologie in viele Teilphilologien bezeichnet man auch als Orchideisierung. Im Rahmen der Orientalischen Philologie entstanden zahlreiche kleine Philologien, die heute an verschiedenen Hochschulstandorten als Orchideenfächer fortexistieren und in ihrem Bestand gefährdet sind.

Übersicht der einzelnen Fachgebiete

# Altphilologien #
- Alttestamentliche Philologie #
- Byzantinistik #
- Gräzistik #
- Hebraistik #
- Klassische Philologie #
- Latinistik #
- Mittellateinische Philologie # Moderne Philologien – Europa #
- Anglistik (einschließlich Amerikanistik) #
- Baltistik #
- Finno-Ugristik (vor allem Hungarologie und Fennistik) #
- Germanistik (einschließlich Niederlandistik) #
- Keltologie #
- Neogräzistik #
- Romanistik (u. a. Hispanistik, Lusitanistik) #
- Slawistik (u. a. Russistik, Polonistik, Serbokroatistik) #
- Skandinavistik # Orientalische Philologie, Asienwissenschaften und Afrikawissenschaften #
- Afrikanistik #
- Ägyptologie #
- Altorientalische Philologie (u. a. Assyrologie, Elamistik) #
- Arabistik #
- Dravidistik (insbes. Tamilistik) #
- Indologie #
- Iranistik #
- Japanologie #
- Judaistik #
- Koreanistik #
- Mongolistik #
- Sinologie #
- Südostasienwissenschaften (u. a. Vietnamistik) #
- Tibetologie #
- Turkologie # Philologien für Amerika und Australien/Ozeanien #
- Altamerikanistik # Übergreifende Philologien #
- Indogermanistik #
- Vergleichende Sprachwissenschaft

Siehe auch


- Sprachwissenschaft
- Literaturwissenschaft

Weblinks


- [http://www.fu-berlin.de/phin/ PhiN. Philologie im Netz] (Zeitschrift der FU Berlin)
- [http://www.zeit.de/2005/09/ST-Philologie Dieter Borchmeyer, Vom Nutzen der Philologie - Zwei Liebeserklärungen an eine bemitleidenswerte Wissenschaft] ("Die Zeit", Nr. 9/2005)
- [http://computerphilologie.uni-muenchen.de/ Forum Computerphilologie] (Uni München) ! Kategorie:Sprachwissenschaft Kategorie:Literaturwissenschaft ja:文献学 ko:고전문헌학

Gräzistik

Gräzistik oder Altgriechische Philologie ist die Wissenschaft von der Sprache und Literatur des Altgriechischen. Gräzistik kann an vielen deutschen Universitäten studiert werden (Abschlüsse: Magister, Staatsexamen, Bachelor/Master) und bildet zusammen mit der Latinistik die sogenannte Klassische Philologie. Ziel des Studiums der Gräzistik ist bis heute die möglichst exakte Beherrschung der altgriechischen Sprache, zumindest in deren schriftlicher Form. Dies wird durch Übersetzungen der griechischen Texte ins Deutsche, aber auch durch Übersetzung deutscher Texte ins Griechische geübt. Da die Gräzistik sich ebenso wie die Latinistik mit Sprache und Literatur beschäftigt (die Trennung zwischen Sprach und Literaturwissenschaft ist in den klassischen Philologien weit weniger scharf als in den Neuphilologien) kommt zur Beherrschung der Sprache eine umfassende Kenntnis der griechischen Literatur. Auch für die Studenten der Latinistik sind Grundkenntnisse der Gräzistik von Bedeutung, aus diesem Grund muß bis heute jeder Latein-Student auch ein Graecum besitzen.

Die Gräzistik als Literaturwissenschaft

Die Gräzistik behandelt alle Autoren von Beginn der griechischen Schriftlichkeit (Homer oder Hesiod) bis zur Byzantinistik, wobei das Ende der griechischen und der Beginn der byzantinischen Literatur fließend ineinander übergehen bzw. nicht klar definiert werden kann. Teilweise gibt es extra Lehrstühle für Byzantinistik (z.B. FU Berlin), teilweise werden Lehrveranstaltungen zur Byzantinistik innerhalb der Gräzistik angeboten (z.B. FSU Jena). Schwerpunkte innerhalb der Gräzistik bildet das Studium der sogenannten klassischen Autoren, das sind für
- Epos: Homer, Hesiod
- Philosophie: Platon, Aristoteles
- Geschichtsschreibung: Herodot, Thukydides, Xenophon
- Drama: Aischylos, Sophokles, Euripides, Aristophanes, Menander
- Lyrik: Sappho, Pindar Dazu kommen die hellenistischen Autoren sowie das Neue Testament, dass in der griechischen Gemeinsprache Koiné geschrieben ist (wobei das NT eher in den Theologischen Studiengängen behandelt wird als in der Gräzistik).

Stellung des Faches

Die Gräzistik ist in Deutschland (in geringerem Umfang auch in der Schweiz und Österreich) Teil des Fächerkanons an deutschen Universitäten. Da die griechische Sprache zusammen mit der lateinischen immer an Gymnasien unterrichtet wurde, hat die Gräzistik auch immer an den Universitäten ihrer Beitrag zur deutschen Lehrerausbildung geleistet. Da heutzutage nur noch sehr wenige Schüler Griechisch an den Schulen lernen, sind die Studentenzahlen der Gräzistik auch eher gering. Teilweise wird die Gräzistik als Orchideenfach bezeichnet, da man außerhalb des Lehrberufs auch keine besonders guten Chancen auf Arbeit in der freien Wirtschaft hat. Andererseits zeichnet sich der Stellenwert der Gräzistik aber weiterhin dadurch aus, dass die griechischen Texte das Fundament der modernen europäischen Gesellschaft bilden, dass die griechischen Texte den Beginn der europäischen Schriftlichkeit setzen.

Nachbar- und Spezialdisziplinen

Zur Ausbildung in Literatur und Sprache sollen Kenntnisse in den Nachbar und Spezialdisziplinen gelehrt werden. Wichtig sind vor allem Kenntnisse in griechischer Geschichte, griechischer Kultur und griechischer Philosophie, ohne deren Kenntnis ein Verständnis vieler griechischer Texte nicht möglich ist. Gerade für Lehramtsstudenten ist die umfassende Kenntnis auch dieser Bereiche von Bedeutung, da auch deren Vermittlung innerhalb des Griechischunterrichts in den Schulen Teil des Lehrplans ist. Bei den Spezialdisziplinen sind vor allem die Epigraphik, die Papyrologie und die Textkritik zu nennen. Gerade durch die Anwendung der Papyrologie konnten viele neue Texte gewonnen werden (siehe: Oxyrhynchus).

Geschichte des Fachs

Griechische Philologie ist bereits in der Antike betrieben worden, zur Zeit des Hellenismus haben sich griechische Philologen sehr genau mit den vorhandenen Homer-Texten befasst, die zu dieser Zeit wohl schon sehr unterschiedlich waren. Mit dem Aufstieg des römischen Imperiums kam die griechische Sprache auch nach Rom, jeder gehobene römische Bürger konnte Griechisch ebenso wie Latein sprechen (ungefähr ab 150 v. Chr). Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige Römer ihre Werke in griechischer Sprache verfassten (so z.B. Kaiser Marc Aurel). Mit dem Beginn der Spätantike (ca. 4. Jh. nach Chr.) nahmen die Griechischkenntnisse im Westen dann ab, was auch zu einem Niedergang der griechischen Philologie in Westeuropa führte. Bewahrt worden ist die Gräzistik zu dieser Zeit hauptsächlich durch byzantinistische Gelehrte, auch in Arabien hat man sich mit griechischer Literatur, häuptsächlich Aristoteles, beschäftigt. Mit Renaissance und Humanismus kehrte das Griechische nach Westeuropa zurück und überholte das Lateinische sogar in seiner Bedeutung. Im 18. Jahrhundert beschäftigten sich wichtige Persönlichkeiten wie Winckelmann, Nietzsche und Goethe mit dem Griechischen, Johann Heinrich Voß legte seine berühmte Übersetzung der homerischen Epen vor. Im 19. Jahrhundert war der Höhepunkt der Gräzistik in Deutschland erreicht, als bedeutendster Philologie dieser Zeit gilt Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff. Im 20. Jahrhundert nahm die Bedeutung der griechischen Philologie dann mehr ab (parallel zur Abnahme der Bedeutung des Griechischen an den deutschen Gymnasien), trotzdem haben sowohl in West als auch in Ostdeutschland immer bedeutende Gräzisten gewirkt (z.B. Bruno Snell, Friedrich Zucker). Heute kann man an den meisten Universitäten Griechisch studieren, an denen auch Latein studiert werden kann, da die beiden Fächer zusammengehören und auch häufiger von Studenten zusammen studiert werden. siehe auch: Liste der klassischen Philologen

Literatur


- Heinz-Günther Nesselrath (Hrsg.): Einleitung in die griechische Philologie. Teubner, Stuttgart [u.a.] 1997. ISBN 3-519-07435-4
- Peter Riemer, Michael Weißenberger, Bernhard Zimmermann: Einführung in das Studium der Gräzistik. Beck, München 2000. ISBN 3-406-46629-X

Siehe auch


- Griechische Sprache
- Griechische Literatur
- Griechisch (Unterrichtsfach)
- Klassische Philologie
- Latinistik
- Sprachwissenschaft
- Philologie

Weblinks


- [http://www.altphilologenverband.de/] (Deutscher Altphilologenverband)
- [http://www.archaeologie.uni-freiburg.de/mommsen/] (Mommsen Gesellschaft)
- [http://81.169.169.236/kompass/xml/index_stud.htm] (Hochschulkompass - Mit Suchmaske zum Suchen der Gräzistik an deutschen Universitäten) Kategorie:Kulturwissenschaft Kategorie:Altphilologie

Klassische Altertumswissenschaft

Klassische Altertumswissenschaft ist ein Teilgebiet der Altertumswissenschaft, das sich dem Studium des griechisch-römischen Altertums bis etwa 600 n. Chr. widmet. Die Klassische Altertumswissenschaft umfasst ihrerseits folgende Spezialdisziplinen:
- Klassische Philologie
- Alte Geschichte
- Klassische Archäologie
- Papyrologie
- Epigraphik
- Numismatik
- Antike Rechtsgeschichte Kategorie:Wissenschaft Kategorie:Geisteswissenschaft ja:古典

Homer

Homer ist
- ein Dichter der griechischen Antike, siehe Homer (Dichter)
- ein englischer Vorname, bekannt geworden durch die mehrfach ausgezeichnete Zeichentrick-Serie Die Simpsons.
- im Baseball eine weitere Bezeichnung für einen Home Run die Bezeichnung mehrerer Orte in den USA:
- Homer (Alaska)
- Homer (Georgia)
- Homer (Louisiana)
- Homer (Michigan)
- Homer (Nebraska)
- Homer (New York) siehe auch
- Homer City (Pennsylvania)

Spätantike

, Türkei, (Baubeginn 325, Neubau unter Justinian I.). Die Minarette wurden erst nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 hinzugefügt]] Spätantike ist eine moderne Bezeichnung für die Epoche der Mittelmeerwelt im Übergang von der Antike zum Mittelalter; der Begriff selbst wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom österreichischen Kunsthistoriker Alois Riegl geschaffen. Auch wenn die zeitliche Abgrenzung der Spätantike in der Forschung umstritten ist, gilt als Beginn dieser Übergangsepoche meist der Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian 284 n. Chr. Das Ende ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Als grober Rahmen kann gelten: Im Westen des römischen Reiches dauert die Spätantike mindestens bis zur Ablösung des letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahre 476, eher aber bis zum Einfall der Langobarden in Italien (568). Im Osten reicht die Epoche bis etwa zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565 n. Chr. bzw. bis zur arabischen Expansion (ab 632). Die Spätantike bildet einen relativ eigenständigen Zeitraum des Altertums, der zwar nicht mehr der klassischen Antike angehört, aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie früher von einem Niedergang, sollte für die Jahre von ca. 300 bis 600 eher von einer Transformation des antiken Erbes gesprochen werden. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums und damit verbunden der langsame Niedergang heidnischer Traditionen dar. Auch in der Kunst und der Literatur entsteht durch die Ablösung klassisch römischer durch christlich geprägte Formen und Themen ein eigener, charakteristischer Stil. Die Spätantike steht außerdem unter den Zeichen der Reformierung von Heer und Verwaltung durch Diokletian und Konstantin den Großen, der Zementierung der sakralen Stellung des Kaisers, der Völkerwanderung und in deren Folge schließlich der Transformation des westlichen Teils des römischen Reiches in jene germanisch-romanische Welt, die das westliche Mittelalter prägen sollte.

Zeitliche Abgrenzung

Allgemeines

Die zeitliche Abgrenzung der Spätantike ist – wie Epocheneinschnitte allgemein – Gegenstand der geschichtswissenschaftlichen Diskussion und bis zu einem gewissen Grad willkürlich gesetzt. Die Jahrhunderte zwischen Diokletian und Mohammed stellen eine Übergangsepoche dar, bei der es schwerfällt, eindeutige Schnitte zu setzen. Nicht alle Forschungsrichtungen gewichten die verschiedenen politik-, kunst-, kultur- und religionshistorischen Faktoren des allmählichen Wandels gleich. Zudem gibt es erhebliche regionale Unterschiede, im östlichen Mittelmeerraum hielten sich antike Strukturen fraglos länger als etwa am Rhein oder in Britannien. Für den Beginn wird meist das Jahr 284 n. Chr. (Herrschaftsantritt Diokletians) angegeben, aber auch die Zeit Konstantins mit ihrer religiösen Neuorientierung kann als entscheidender Einschnitt gelten. Hingegen ist das Ende der Spätantike weitgehend offen, da je nach Lehrmeinung und Forschungsinteresse verschiedene Ansätze möglich sind.

Die Frage nach dem „Ende der Antike“

Früher wurde für das Ende der Spätantike oft ein Einschnitt mit dem Ende des römischen Reiches im Westen 476 n. Chr. gesetzt (so vor allem die ältere Lehrmeinung, beispielsweise Otto Seeck, anders dagegen bereits Ernst Kornemann und auch Adolf Lippold). Diese Vorstellung lässt sich in den Quellen, etwa bei Marcellinus Comes, aber erst gut 40 Jahre später fassen. Es erscheint heute als mehr als fraglich, ob die damaligen Menschen dieses Jahr ebenfalls als Zäsur begriffen haben: Es gab zwar in Ravenna keinen Kaiser mehr, aber dies bedeutete nur, dass die Herrschaftsrechte im Westen nun auf den oströmischen Kaiser übergingen - und noch Justinian I. hat diese Ansprüche dann auch tatsächlich verwirklichen wollen. In der neueren Forschung wird dem Jahr 476 daher nicht mehr so viel Gewicht beigemessen wie früher. 476 Sehr vereinzelt wird heute schon die Reichsteilung nach dem Tod des römischen Kaisers Theodosius I. im Jahre 395, meist aber erst das Ende der Regierung Justinians I. im Jahre 565 als entscheidende Zäsur gewählt. Justinian stand noch klar in der Tradition der antiken römischen Kaiser, was unter anderem in seiner universalen Herrschaftsauffassung deutlich wird; er betrieb gar eine Politik, die auf die Wiederherstellung des Reiches in seinen alten Grenzen abzielte (Restauratio imperii), was in Teilen sogar kurzfristig gelang. Der letzte große Zug der spätantiken Völkerwanderung, der Einfall der Langobarden in Italien, erfolgte 568, nur drei Jahre nach Justinians Tod, so dass die 560er Jahre für den ganzen Mittelmeerraum einen deutlichen Einschnitt markieren. Damit ergeben sich als die derzeit gängigste Begrenzung der Epoche also die Jahre 284 bis 565. Nicht wenige Historiker setzen das Ende der Epoche aber deutlich später an, und zwar mit dem Einbruch der Araber in den Mittelmeerraum (siehe auch so genannte Pirenne-These). Dass die Kontakte zwischen Ostrom und dem Westen noch zu Beginn des siebenten Jahrhunderts recht eng waren, wird heute nicht mehr bestritten. Das letzte antike Monument auf dem Forum Romanum ist die Säule des oströmischen Kaisers Phokas (602-610). Unabhängig davon, dass Pirennes Annahme, erst islamische Seeräuber hätten die antike "Einheit der Mittelmeerwelt" zerstört, heute als widerlegt gilt, stellt die arabische Expansion zumindest für das Oströmische Reich einen massiven Einschnitt dar, da das Imperium nun im wesentlichen auf Kleinasien und den Balkan beschränkt war und sich unter dem äußeren Druck auch im Innern vieler antiker Traditionen entledigte. Erst unter Kaiser Herakleios (610-641) endete damit die spätrömische Phase des Oströmischen Reiches, dessen Reste sich dann in das mittelalterliche Byzanz verwandelten. Insgesamt herrscht im anglo-amerikanischen Raum die Tendenz vor, das Ende der Antike frühestens mit dem Ende der Herrschaft Justinians anzusetzen, so etwa Averil Cameron und John B. Bury (etwas eigenwillig Arnold Hugh Martin Jones 602 mit dem Tod des Kaisers Maurikios). Der letzte Band der neuen "Cambridge Ancient History" behandelt die Jahre 425 bis 600. Und auch im deutschsprachigen Raum ist man allgemein davon abgerückt, weiter am künstlichen Epochenjahr 476 festzuhalten (siehe etwa Alexander Demandt, Heinz Bellen, Jochen Martin oder Hartwin Brandt), und bevorzugt nun zumeist 565. Doch eine Ausweitung der Epoche bis 632 erscheint sinnvoll und setzt sich zunehmend durch, da zumindest für Ostrom erst der Einfall der Araber (siehe dazu Islamische Expansion) den entscheidenden Einschnitt markierte. Die arabischen Truppen eroberten dabei nicht nur den römischen Orient, sondern vernichteten auch das Neupersische Reich der Sassaniden, das die gesamte Spätantike hindurch als zweite Großmacht neben Rom ein bedeutender Machtfaktor gewesen war und von manchen Althistorikern (so etwa Josef Wiesehöfer, Erich Kettenhofen, Zeev Rubin oder Michael Whitby) in die Erforschung der Epoche miteinbezogen wird. Auch im Westen muss man die Zeit Theoderichs des Großen wohl eher zur Antike als zum Mittelalter zählen, sodass es fast unmöglich ist, ein exaktes Datum festzulegen. Bis zum Langobardeneinfall lässt sich antike Kultur in Italien nachweisen; der weströmische Senat verschwindet erst gegen Ende des sechsten Jahrhunderts aus den Quellen. In ähnlicher Weise knüpften auch die frühen Merowinger an das antike Erbe an; bereits Chlodwig legte Wert auf römische Ehrentitel. Man muss so von einer Übergangsphase sprechen, die je nach Region unterschiedlich lange andauerte, wenn man auch leicht der Versuchung erliegen kann, das Mittelalter sehr spät anzusetzen - in Gallien waren der Übergang der Franken zum Christentum unter Chlodwig und seinen Nachfolgern, in Italien der Einfall der Langobarden insgesamt betrachtet die Anfänge des Mittelalters in diesen Regionen. Das Problem lässt sich auch umkehren: So greifen auch viele Mediävisten, die sich mit dem Frühmittelalter beschäftigen (etwa Friedrich Prinz, Hans-Werner Goetz, Patrick Geary, Herwig Wolfram und andere) rückwärts auf die Spätantike zurück, um die Veränderungen im frühen Mittelalter zu erklären. Die Problematik liegt letztlich darin begründet, dass die Spätantike eine Epoche des Um- und Aufbruchs war, wobei einerseits noch eine Kontinuität zur Antike gegeben war, und andererseits sich bereits die Welt des Mittelalters abzeichnete, die mit der Spätantike vor allem eines verband: die Verklammerung der Gesellschaft durch die christliche Kirche. Kulturell kann als wichtiger Unterschied zur späteren Zeit der in der Spätantike noch vorhandene Zugriff auf die klassischen Traditionen gelten. Noch im sechsten Jahrhundert blühte die spätantike, an klassischen Vorbildern orientierte Literatur (Boëthius, Cassiodor, Corippus, Prokopios von Caesarea, Agathias). Die mittelalterliche Welt mit ihrer weitaus geringeren Arbeitsteilung verfügte dann nicht mehr über die Kapazität, die klassische Bildung völlig zu bewahren - der größte Teil der antiken Literatur ging im Westen nach etwa 600 verloren.

Die Existenz von Byzanz in einer „intakten Spätantike“

Das oströmische bzw. byzantinische Reich existierte in einer relativ intakten 'Spätantike' bis zum Fall Konstantinopels 1453, da es im Osten zu keinem derart radikalen Bruch der antiken Tradition gekommen war wie im Westen. Die Byzantinistik bezeichnet daher etwa den gleichen Zeitraum, der auf dem Boden des weströmischen Reichs als Spätantike gilt, in Ostrom auch als "frühbyzantinisch". Für den Osten des Imperiums sind beide Begriffe mithin praktisch gleichbedeutend. Allerdings sind auch in Ostrom die Unterschiede zwischen den Zuständen im vierten bis sechsten Jahrhundert und der folgenden mittel- und spätbyzantinischen Zeit erheblich. Im Ostreich ist dabei neben der arabischen Expansion auch die endgültige Verdrängung der lateinischen Amtssprache durch das Griechische unter Kaiser Herakleios als signifikanter Einschnitt zu betrachten. Herakleios Die Angriffe der Araber führten in Ostrom zudem zum Untergang der spätantiken senatorialen Aristokratie und zu einem erheblichen Rückgang an antiker Bildung; überdies brachte der weitgehende militärische und ökonomische Zusammenbruch des Reiches nach 636 auch das endgültige Ende der klassischen Städte (Poleis), die seit der Archaik den Mittelmeerraum geprägt hatten, mit sich. Die Entwicklung der byzantinischen Themenordnung schließlich bedeutete auch im administrativen Bereich einen deutlichen Bruch mit der spätantiken Tradition.

Quellensituation und Forschungsstand

Quellen

Die Quellenlage für die Spätantike ist wohl die beste des gesamten Altertums, vor allem aufgrund der recht reichhaltigen „monumentalen“ Quellen. Allerdings verfügen wir über keine durchgehende Historiografie; vor allem für das 5. Jahrhundert lassen uns die Quellen recht oft im Stich. Im Folgenden werden nur einige bekanntere Beispiele genannt; relativ detailliert geht A.H.M. Jones auf die Quellen ein, ansonsten sei auf die entsprechenden Quellenverzeichnisse der in der Bibliographie aufgeführten Werke hingewiesen. Die wichtigste lateinische erzählende Quelle ist Ammianus Marcellinus (4. Jahrhundert), und auch die griechischen Werke des Prokopios von Caesarea (6. Jahrhundert) sind eine hervorragende Quelle für die ausgehende Antike. Dem folgen mit weitem Abstand der sehr subjektiv berichtende Heide Zosimos und mehrere Kirchengeschichten (wie die des Eusebius, des Evagrius Scholasticus, des Theodoret, des Socrates Scholasticus, des Sozomenos und anderer) sowie die Werke des Ambrosius und des Augustinus. Hinzu kommen unter anderem Jordanes, Agathias, Menander Protektor, Theophylakt Simokattes, Gregor von Tours und die Werke und Fragmente anderer Historiker, unter denen Priscus der wichtigste ist; daneben sind auch die (wenigen) Fragmente aus den Werken des Eunapios von Sardes und des Olympiodoros von Theben zu beachten. In der Spätantike entstanden auch mehrere Chroniken, die zum Teil wichtige Informationen liefern (beispielsweise Marcellinus Comes, Johannes Malalas). Des Weiteren sind Reden wie die des Libanios, des Synesios von Kyrene, des Quintus Aurelius Symmachus und des Themistios sowie eine Fülle von Urkunden (der beste Bestand aus der Antike) von Bedeutung. Für die ausgehende Spätantike in Gallien sind die Briefe und Lobreden des Sidonius Apollinaris eine wichtige Quelle. Die Notitia dignitatum (eine Art Staatshandbuch) bietet zahlreiche Informationen über die spätantike (zivile wie militärische) Administration. Dazu kommen das berühmte Corpus iuris civilis (der Name ist allerdings nicht zeitgenössisch) aus dem sechsten Jahrhundert, Inschriften (die allerdings längst nicht mehr so zahlreich sind wie in der hohen Kaiserzeit), Münzfunde und Papyri, wie auch die Befunde der Archäologie.

Forschungsstand

Als problematisch galt die Erforschung der Spätantike lange, wie bereits angesprochen, schon aufgrund der relativ fließenden Grenze zum Mittelalter hin. In der älteren Forschung wurde die Auffassung vertreten, dass die Spätantike ein Zeitalter des moralischen und kulturellen Verfalls gewesen sei (Dekadenztheorie nach Edward Gibbon: Decline and Fall of the Roman Empire; auch Voltaire: Essai sur les moeurs et l'esprit des nations; Assoziation von spät mit Dahinwelken, Verfall). Diese Lehrmeinung war auch noch im 19. Jahrhundert vorherrschend, und noch Otto Seeck vertrat diesen Standpunkt in seinem berühmten Hauptwerk Geschichte des Untergangs der antiken Welt. Diese negative Bewertung der Spätantike ist jedoch nach allgemeiner Ansicht inzwischen obsolet geworden und wird in neueren Darstellungen nicht mehr angeführt; sie ist in populären Darstellungen und im Film aber immer noch verbreitet. Die Studien von John B. Bury (siehe unter anderem sein Standardwerk History of the Later Roman Empire, 2 Bde., 1923) und anderen sorgten vielmehr für eine Neubewertung dieser Epoche, die nun nicht mehr als reine Verfallszeit begriffen wurde. Inwieweit der spätantike Staat ein "Zwangsstaat" gewesen ist, bleibt zwar weiter umstritten, auch wenn die "harte" Meinung der älteren Forschung so nicht mehr akzeptiert werden kann. In neuerer Zeit hat etwa Peter Robert Lamont Brown in seinen Arbeiten auf die Metamorphose der antiken Welt in dieser Zeit aufmerksam gemacht, wobei er sich vor allem den kulturellen und religiösen Veränderungen widmete; bald folgten diesem Ansatz auch Averil Cameron und andere. Insgesamt hat das Interesse der althistorischen Forschung an der Spätantike in den letzten Jahren stark zugenommen; vor allem im angelsächsischen Raum sind dabei viele früher selbstverständliche Annahmen und Urteile in Frage gestellt worden: Das Bild der Epoche, das sich noch immer in den meisten Schulbüchern findet, hat nur noch wenig mit dem gemein, was derzeit an den Hochschulen vertreten wird. Allerdings darf über die berechtigte Betonung von Kontinuitäten nicht vergessen werden, dass die Völkerwanderungszeit in vielerlei Hinsicht auch mit Gewalt, Zerstörung und ökonomischem Niedergang verbunden war; dies betonten jüngst erst Bryan Ward-Perkins und Peter J. Heather in ihren neuesten Darstellungen, welche sich teils wie ein Gegenentwurf zu den „Reformern“ um Peter Brown lesen. Beide - Ward-Perkins und Heather - räumen aber ein, dass die Antike im römischen Osten, der erst nach 600 einen ökonomischen Verfall erlebte, deutlich länger gedauert habe als im Westen, wo es im fünften Jahrhundert zu einem "Ende der Zivilisation" (Ward-Perkins) gekommen sei. Die Forschungsliteratur hat dabei einen kaum noch zu bewältigenden Umfang erreicht, aber in vielen Punkten konnte bislang dennoch keine Einigkeit erzielt werden. Zu den besonders heftig diskutierten Fragen zählt unter anderem die nach den Prozessen, die im Westen zum Erlöschen des Kaisertums führten; und auch die Pirenne-These findet inzwischen wieder Anhänger - allerdings mit neuen Argumenten. Viele der alten Erklärungen sind inzwischen unhaltbar geworden, doch ist es oft noch nicht gelungen, sie durch überzeugende Alternativen zu ersetzen: Je näher man sich mit der Spätantike befasst, desto offensichtlicher wird die Unmöglichkeit von einfachen Antworten und allgemeingültigen Aussagen.

Geschichtlicher Grundriss

Diokletian - Stabilisierung und Reform

Pirenne-These Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Diokletian trat das Römische Reich in seine Spätphase ein. Die vorangegangene Krisenzeit der Soldatenkaiser (235-284/5; siehe auch Reichskrise des 3. Jahrhunderts) hatte das Reich destabilisiert. Von außen sah sich das Imperium mit der ständigen Bedrohung durch das Sassanidenreich, dem großen Gegner des Römischen Reiches im Osten, und die Germanen an Rhein und Donau konfrontiert. Im Inneren war es teilweise zu einer Handlungsunfähigkeit der Verwaltung gekommen sowie zur zeitweiligen Loslösung von Teilgebieten des Imperiums (siehe Gallisches Sonderreich und Palmyra), allerdings war es den Kaisern seit Aurelian langsam gelungen, der Krise Herr zu werden. Diokletian bemühte sich nun, den römischen Staat weiter zu stabilisieren und zu reformieren. Dabei griff er zahlreiche Ansätze auf, die bereits von seinen Vorgängern als Antwort auf die Krise entwickelt worden waren, und bemühte sich um eine Systematisierung. So kam es zu einer grundlegenden Reform der Verwaltung, wie etwa zu einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung, was sich auch in einem restriktiveren Steuersystem bemerkbar machte. Der zivile Sektor wurde nun grundsätzlich vom militärischen getrennt; an diesem Prinzip wurde dann bis zum Ende der Epoche festgehalten. Auch wurde das Reich in Diözesen eingeteilt, um so eine bessere Verwaltung zu garantieren. Um dem Staat stetig fließende Steuereinnahmen zu sichern, wurde das Capitatio-Iugatio-System (im wesentlichen handelt es sich um eine Kombination von Kopf- und Grundsteuer, die regelmäßig geschätzt wurde) geschaffen, das die Berechnung der Abgaben erleichterte, und gleichzeitig eine Währungsreform in Angriff genommen, der jedoch wohl kein durchschlagender Erfolg beschieden war. Zentrales Element der Heeresreform war die Aufteilung in ein Feldheer (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei), sodass Durchbrüche an der Grenze leichter mit dem Bewegungsheer abgefangen werden konnten. Diese Reformen sollten sich insgesamt bewähren und dem Chaos, das teils noch in der Zeit der Soldatenkaiser geherrscht hatte, ein Ende bereiten, sowie die Grenzverteidigung an Rhein und Donau stärken. Im Osten behauptete sich Rom nun auch gegen die Sassaniden, die 297/298 von Diokletians Caesar Galerius geschlagen wurden. Weniger Erfolg hatte Diokletian allerdings mit dem von ihm erdachten Regierungssystem der Tetrarchie (Viererherrschaft), welches je zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Juniorkaiser (Caesares) vorsah und zudem religiös durch die künstliche "Adoption" der Götter zementiert wurde. So nahm etwa Diokletian, der auch in diesem System weiterhin die bestimmende Figur war, den Beinamen Iovius an (etwa = Schützling und Abkömmling des Gottes Jupiter). Vermutlich war diese enge Bindung der Kaiser an die traditionellen Kulte ein Grund für die Durchführung der letzten großen Christenverfolgung, die in den letzten Regierungsjahren Diokletians begann. Das System der Tetrarchie konnte sich gegen die dynastische Idee letztlich nicht durchsetzen, wie es die Ereignisse in den Jahren nach Diokletians freiwilligen Rücktritt 305 zeigen sollten.

Konstantin der Große und der Durchbruch des Christentums

305 Konstantin der Große, der Sohn des Tetrarchen Constantius Chlorus, setzte sich in dem Machtkampf durch, der kurz nach dem Rücktritt Diokletians 305 entbrannt war. 306 war er nach dem Tod seines Vaters von dessen Soldaten in York zum Kaiser ausgerufen worden, wurde von den anderen Tetrarchen aber nicht akzeptiert. Zuerst bekämpfte Konstantin Maxentius, den Sohn des Tetrarchen Maximian, der sich ebenfalls gegen die diokletianische Ordnung gestellt hatte. Im Zusammenhang des Machtkampfes zwischen Konstantin und Maxentius kam es 312 zur Schlacht bei der Milvischen Brücke und zur rätselhaften "Bekehrung" Konstantins zum Christentum, da ihm angeblich vor der Schlacht das Zeichen des Kreuzes erschienen war, und er anschließend im Zeichen des Kreuzes auch den Sieg errang. Damit hatte Konstantin den Westen des Imperiums für sich gewonnen. Nach 324 war Konstantin Alleinherrscher des Reiches, nachdem er auch seinen letzten Konkurrenten Licinius, mit dem er sich 313 noch verständigt hatte, im Osten ausgeschaltet hatte. Konstantin baute anschließend die Reformen des Diokletian weiter aus, so in der Verwaltung (Schaffung neuer Hofämter, Umwandlung des Praefectus praetorio in den höchsten Zivilbeamten, Einführung zusätzlicher Steuern) und im Militär (Schaffung des Amtes des Magister militum). Unter seiner Herrschaft erfolgte auch der weitreichendste Schritt eines römischen Kaisers seit der Begründung des Prinzipats durch Augustus: die Förderung des nur Jahre zuvor noch verfolgten Christentums als eine staatlich anerkannte und privilegierte Religion, auch wenn Konstantins eigenes Verhältnis zum Christentum, welches keineswegs zur Staatsreligion erhoben wurde, weiterhin in der Forschung umstritten ist. Am ehesten kann man ihn wohl als "Anhänger des Christengottes" bezeichnen, ohne dass dies etwas über seine Beziehung zu den anderen Kulten aussagen muss; zumal Heiden weiterhin ihre Kulte ausüben durften, und ebenso Zugang zu hohen Staatsämtern hatten, wobei die Christen jedoch ebenfalls favorisiert wurden. Konstantin ließ seine Söhne im christlichen Glauben erziehen, machte der Kirche reiche Geschenke und stärkte die Macht der Bischöfe. Ein weiteres wichtiges Ereignis in seiner Regierungszeit war die Errichtung einer neuen Hauptstadt: Konstantinopel, die "Stadt des Konstantin", das Neue Rom. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt des Reiches nach Osten, in die ökonomisch stärkere Hälfte des Imperiums. Kurz vor dem Beginn eines geplanten Feldzugs gegen den Sassanidenkönig Schapur II. verstarb Konstantin in der Nähe von Nikomedia, nachdem er sich, wie zur damaligen Zeit keineswegs unüblich, erst kurz vor seinem Tod hatte taufen lassen.

Das Ende der konstantinischen Dynastie

Nikomedia Nach dem Tod Konstantins 337 entbrannte ein blutiger Machtkampf, der die konstantinische Dynastie dezimierte. Konstantins Sohn Constantius II. setzte sich schließlich 351 als Alleinherrscher durch, nachdem er den Usurpator Magnentius geschlagen hatte (Magnentius hatte 350 den Bruder des Constantius, Konstans, ermordet; der dritte überlebende Sohn Konstantins des Großen, Konstantin II., war bereits 340 im Kampf gegen Konstans gefallen). Constantius II. förderte den Arianismus und war bei der Stabilisierung der Grenzen recht erfolgreich. Für die Zeit ab 353 bis 378 steht uns das letzte große in Latein abgefasste Geschichtswerk der Antike zur Verfügung, die Kaisergeschichte des römischen Offiziers Ammianus Marcellinus, wenn sein Werk auch nicht völlig frei ist von Parteinahme, vor allem für den Vetter des Constantius, Julian. Dieser war auch bei dem von ihm geführten gallischen Heer sehr beliebt, sodass es bald zu Spannungen zwischen ihm und dem Kaiser kam. Julian, der die Rheingrenze wenigstens vorläufig wieder gesichert hatte, wurde von den Truppen in Paris zum Kaiser ausgerufen und nur der bald darauf folgende Tod des Constantius bewahrte das Reich vor einem neuen Bürgerkrieg. Den neuen Kaiser, der hochgebildet und auch literarisch aktiv war, kennt die Nachwelt unter dem Namen Julian Apostata ("Julian der Abtrünnige"), da er kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahre 361 eine Renaissance des Heidentums einleitete. Diese hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg, zumal Julians Versuch, aus den vielen Kulten eine vereinheitlichte heidnische Staatskirche zu schaffen, um so das Christentum zurückdrängen zu können, misslang. Nach dem Tod Kaiser Julians auf einem Feldzug gegen die Sassaniden im Jahr 363, welcher gleichzeitig eine der größten Militäroperationen der Spätantike darstellte, blieb das Christentum die beherrschende Religion. Alle nachfolgenden Kaiser waren Christen, wie bereits der Julian nachfolgende und nur kurze Zeit regierende Jovian, der mit den Persern nach dem missglückten Feldzug Julians Frieden schließen musste, wobei die unter Galerius eroberten Gebiete um Nisibis wieder an die Sassaniden fielen. Der Osten wurde nun immer stärker christianisiert, aber auch der Westen, vor Konstantin weitgehend heidnisch, öffnete sich mehr und mehr dem Christentum, auch wenn es in der Folgezeit zu einer ganzen Reihe von schweren innerkirchlichen Krisen kam (Donatisten, Arianer, später im Osten die Monophysiten). Allerdings hielt sich das Heidentum noch lange Zeit, vor allem im Westen, und zwar besonders bei der Landbevölkerung (daher der Ausdruck paganus = Landbewohner), sowie in Teilen der Senatsaristokratie und in verschiedenen philosophischen Kreisen. Außenpolitisch kam das Reich nicht mehr zur Ruhe. Am Rhein und entlang der Donau wurde es von Germanen und später von den Hunnen bedrängt, während im Osten die Gefahr durch die Sassaniden weiter bestand.

Von Valentinian I. bis zum Tod Theodosius' des Großen - Völkerwanderung und die Behauptung des Imperium Romanum

Sassaniden Das Reich wurde seit Kaiser Valentinian I., der Jovian 364 nachfolgte, wieder von je zwei Kaisern regiert, da man sich ansonsten nicht in der Lage sah, der äußeren Bedrohung Herr werden zu können. Valentinian setzte seinen Bruder Valens im Osten ein und widmete sich selbst intensiv der Grenzverteidigung. Es gelang ihm denn auch, die Rheingrenze nachhaltig zu stabilisieren. Währenddessen ereigneten sich im Osten umwälzende Veränderungen. In den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung in Europa ein. Die vor den Hunnen über die Donau geflüchteten Goten, die zunächst vom Imperium aufgenommen wurden, dann aber aufgrund unzureichender Versorgung revoltierten, fügten dem Ostkaiser Valens 378 in der Schlacht von Adrianopel eine vernichtende Niederlage zu, in der auch Valens fiel. Gratian, der älteste Sohn Valentinians I. und seit 375 Kaiser im Westen, setzte daher 379 den aus Hispanien stammenden Theodosius als Kaiser im Ostteil des Imperiums ein. Theodosius übernahm denn die schwierige Aufgabe, den Osten des Reiches wenigstens vorläufig wieder zu stabilisieren. 382 schloss er einen Vertrag mit den Goten, wonach sie im Reich bleiben konnten und als Soldaten (Foederati) dienen sollten, aber autonom blieben. Dieser Gotenvertrag ebnete den Weg für die Reichsbildungen der Germanen innerhalb des Imperiums, stabilisierte aber vorläufig die Lage, da Theodosius nun wieder über ausreichend Truppen verfügen konnte. 387 folgte ein Vertrag mit Persien in Bezug auf den alten Zankapfel Armenien, welches seit Jahrhunderten zwischen den beiden Großmächten umstritten war: Rom erhielt etwa ein Fünftel, Persien den Rest des Landes (das so genannte Persarmenien). Mit dieser Lösung waren beide Seiten offensichtlich zufrieden, denn abgesehen von zwei kurzen Konflikten herrschte bis 502 Frieden zwischen Römern und Sassaniden - die Ruhe an der Euphratfront sollte dann ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die östliche Reichshälfte das fünfte Jahrhundert überstehen konnte. Darüber hinaus betrieb Theodosius eine antiheidnische Kirchenpolitik, für die ihm von den Christen später der Beiname der Große gegeben wurde. Sassaniden Im Westen hatten sich währenddessen die Ereignisse überschlagen: Gratian, der einige erfolgreiche Feldzüge (wie gegen die Alamannen) geführt hatte, wurde 383 infolge eines Soldatenaufstandes in Britannien, der sich rasch auf das Festland ausgebreitet hatten, in Lyon ermordet. Theodosius hatte sich mit dem Usurpator Magnus Maximus zunächst noch einigen können, ihn schließlich 388 aber besiegt und hingerichtet. Daraufhin übergab er dem 17jährigen Valentinian II., dem jüngeren Bruder Gratians, die Herrschaft im Westen. Der faktischen Macht des Heermeisters des Westens, des Franken Arbogast, hatte der junge Kaiser aber nichts entgegenzusetzen. Er fand schon 392 ein gewaltsames Ende durch Mord oder Selbstmord. Anschließend ließ Arbogast den heidnisch gesinnten Rhetor Eugenius zum Kaiser erheben und betrieb mit ihm eine ausgeprägte Restauration der heidnischen Tradition. Diese Situation konnte Theodosius nicht akzeptieren, so dass er wieder nach Westen marschierte, wo er das Heer des Eugenius 394 in der Schlacht am Frigidus vernichtend schlagen konnte. Eugenius wurde hingerichtet, woraufhin Arbogast sich das Leben nahm. Das Heidentum, welches Theodosius bereits 380/81 in mehreren Gesetzen empfindlich beeinträchtigt und durch weitergehende Gesetz in Jahren 391 und 392 verboten hatte, erhielt damit den endgültigen politischen Todesstoß - auch wenn es faktisch noch mindestens 200 Jahre lang eine beachtliche (allerdings abnehmende) Zahl von Heiden im Reich geben sollte. Theodosius einte das Reich noch einmal für eine kurze Zeit, bevor es nach seinem Tod unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) 395 zur endgültigen Reichsteilung kam. Die Zeitgenossen nahmen diese Teilung, die nur "zufällig" die letzte in einer ganzen Reihe war, allerdings nicht als besondere Zäsur wahr. Und tatsächlich wurde die prinzipielle Reichseinheit auch weiterhin betont - so galten die Gesetze der Kaiser jeweils im ganzen Reich, und der Westkonsul wurde ebenso in Ostrom anerkannt wie umgekehrt der östliche im Westreich (dies sollte sich übrigens bis zum Erlöschen des Konsulats unter Justinian nicht ändern). Dennoch kam es seit 395 faktisch zu einer immer rascheren Auseinanderentwicklung der beiden Hälften, wobei der Westen offenbar bereits um 400 ökonomisch schlechter dastand als der Osten.

Von der Reichsteilung 395 bis zur Eroberung Roms 410

395 Im Osten begann eine Periode relativen Friedens, der nur von gelegentlichen Kämpfen an der Donaufront (Hunnen und Germanen) sowie 420-422 und 441 durch zwei kurze Kriege gegen die Sassaniden gestört wurde. Erst in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts musste sich auch das Ostreich wieder verstärkt der Verteidigung seiner Grenzen zuwenden. Der Osten war wirtschaftlich weiterhin der stärkere Reichsteil und konnte noch immer große Summen Geldes mobilisieren; zudem gelang es der oströmischen Diplomatie offenbar, mehrere Angriffswellen nach Westen "umzuleiten". Vor allem konnte der Einfluss der Heermeister, die oft barbarischer Abstammung waren, teils eingedämmt und schließlich zurückgedrängt werden. Arcadius und sein Sohn Theodosius II. waren zwar keine fähigen Herrscher, doch funktionierte die Verwaltung des Reiches weiterhin relativ reibungslos, auch wenn es zu Beginn der Regierungszeit des Arcadius zu einem Konflikt mit dem Westreich um den Besitz des Illyricum gekommen war. Der erste Kaiser im Westen, Honorius, hatte eine Zeitlang, vom mächtigen Heermeister Stilicho gedrängt, vielleicht sogar erwogen, gegen das Ostreich militärisch vorzugehen, was aber unterblieben war, zumal die Reichsgrenze am Rhein zum Jahreswechsel 406/407 endgültig kollabierte, und sich eine wahre Flut von Germanen (so etwa Vandalen und Sueben, später auch Burgunden) und Alanen über das Westreich ergoss. 408 wurde auch Stilicho mit dem Wissen seines Schwiegersohnes Honorius umgebracht. Es zeigte sich wieder einmal, dass die Kaiser allzu mächtigen Militärs misstrauten - und dies nicht immer zu Unrecht. Der Westen kam nicht mehr zur Ruhe. Von Germanen und Hunnen bedroht, zudem immer der Gefahr eines Putsches durch einen Heermeister ausgesetzt und teils von unfähigen Kindkaisern regiert, verlor das Weströmische Reich nach und nach seine wichtigsten Provinzen an die Germanen. Britannien ging zu Beginn des 5. Jahrhunderts verloren, während sich die weströmische Armee, die immer mehr durch die Aufnahme von Germanen barbarisiert worden war, nach dem Tod des Aetius um die Mitte des 5. Jahrhunderts de facto selbst auflöste. Im Westen formierten sich ab der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts auf dem Boden des Imperium Romanum germanische Reiche (Vandalen, Westgoten, Franken, Angelsachsen, Ostgoten u.a.), und 410 wurde gar Rom, zwar längst nicht mehr Hauptstadt des Westreiches, aber immer noch ein Prestigeobjekt, von den Westgoten unter Alarich geplündert. Dieser war schon zuvor im Ostreich aktiv gewesen, teils als Verbündeter des Stilicho und Westroms, teils auf eigene Faust, und wollte nun im Westreich für sein Volk neues Siedlungsland erkämpfen. Der Fall Roms war ein Fanal - für die Heiden war dies ein untrügliches Zeichen der Götter, die das Reich für die Abkehr vom alten Glauben bestrafen wollten. Augustinus von Hippo schrieb daraufhin sein großes Werk De Civitate Dei (Über den Gottesstaat), als direkte Antwort auf diese Unterstellung.

Stabilisierung im Osten und der Zusammenbruch des Westens

Die militärische Katastrophe war für den Westen mit dem Zusammenbruch der Rheingrenze 406 vollkommen, auch wenn die germanischen Heere in der Regel einer entschlossen geführten römischen Armee weiterhin nicht widerstehen konnten. Die wichtigsten Provinzen des Reiches gingen den weströmischen Kaisern (die seit Honorius in Ravenna residierten) verloren, indem die germanischen Foederaten angesichts der Schwäche der römischen Zentralregierung langsam eine faktische Unabhängigkeit von Ravenna erlangten. Die Westgoten wurden 418 in Aquitanien angesiedelt, wo sie dann bald nach 460 das formale Abhängigkeitsverhältnis zum Kaiser lösten und einen Staat im Staate errichteten, was jedoch weitgehend im Einvernehmen mit der einheimischen Aristokratie geschah - die Germanen traten schrittweise an die Stelle der römischen Zentralgewalt, ohne dass dies zunächst spürbare Folgen für die Bevölkerung der Gebiete gehabt zu haben scheint. Die exakten Modalitäten der Ansiedlung (erhielten sie Land oder einen Anteil an den Steuereinnahmen) werden noch in der Forschung diskutiert. Es existierte seit etwa 455 aber ohnehin kein schlagkräftiges römisches Heer im Westen mehr. Die Westgoten nahmen in den folgenden Jahrzehnten mit den Sueben Hispanien in Besitz, während sich die Franken in der Belgica, im Norden Galliens einrichteten. Gallien Die Vandalen setzten 429 von Spanien nach Africa über, eroberten 439 Karthago und entrissen so die reichste Provinz des Westreiches dem Zugriff des weströmischen Kaisers, der danach effektiv nur noch über Italien und Teile Südgalliens herrschte. Die Gefahr der Hunnen unter Attila konnte jedoch durch den römischen Heermeister Aëtius, der seit den 30er Jahren der mächtigste Mann des Westreiches war, 451 abgewendet werden. Aëtius hatte dabei aber bezeichnenderweise auch auf germanische Foederati zurückgreifen müssen - die weströmische Armee war bereits im Verschwinden begriffen und löste sich nach seinem Tod faktisch auf: 454 ließ Kaiser Valentinian III., der letzte Kaiser des Westens aus der theodosianischen Dynastie, den General aus Furcht vor dessen Einfluss umbringen - was der Kaiser bald darauf mit seinem Leben bezahlen musste: Er wurde 455 von früheren Gefolgsleuten des Heermeisters ermordet. Die nachfolgenden Kaiser im Westen waren zumeist unfähig (wenngleich Majorian oder Anthemius durchaus bemüht waren), zumal nach dem Ende des Aetius bis 472 der Magister militum Ricimer de facto alleine die Reichsgeschäfte im Westen führte. Ricimer konnte durchaus einige kleinere Erfolge im Abwehrkampf Westroms verbuchen, dennoch wurde Rom 455 von den Vandalen geplündert. Eine gemeinsame Operation des West- und des Ostreiches gegen die Vandalen scheiterte dann 468, was zur Anerkennung des Vandalenreiches durch Ostrom führte. Mit der Absetzung von Romulus Augustulus 476 durch Odoaker erlosch das weströmische Kaisertum (letzter legitimer Kaiser war allerdings Julius Nepos, der 480 in Dalmatien verstarb), welches jedoch bereits seit der Reichsteilung, spätestens aber nach dem Zusammenbruch der Rheingrenze, wohl kaum noch lebensfähig gewesen ist. Die Könige der germanischen Foederatenreiche sahen nun den Oströmischen Kaiser als ihren nominellen Oberherren an. Denn der Osten des Imperiums erwehrte sich weitaus erfolgreicher der äußeren Bedrohung. Kaiser Markian, der 450 die Nachfolge von Theodosius II. angetreten hatte, verweigerte gar den Hunnen den Tribut und schaffte es, dass sie ihre Angriffe gegen das Westreich richteten - nicht zuletzt wohl deshalb, weil Attila wusste, dass die oströmischen Balkanprovinzen bereits verwüstet und ausgeblutet waren. Die übrigen Provinzen des Ostens befanden sich aber nicht in Reichweite von Hunnen oder Germanen, da die starke Festung Konstantinopel den Hellespont kontrollierte, und ein Übersetzen von Europa nach Asien verhinderte. An der römischen Ostgrenze konnte mit den Sassaniden, die selbst von hunnischen Völkern bedroht wurden, bis 502 Frieden gehalten werden, was eine große Entlastung darstellte, da die Regierung in Konstantinopel daher ungestört auf die Einkünfte der reichen Orientprovinzen zurückgreifen konnte. Das daher ökonomisch leistungsfähigere und dichter bevölkerte Oströmische Reich konnte sich im Gegensatz zum weströmischen Reich behaupten; offenbar gelang es dem Staat hier bereits früh, weitaus besser auf seine Ressourcen zurückzugreifen: Im fünften Jahrhundert betrugen die östlichen Staatseinnahmen ein Vielfaches der westlichen. Kaiser Leo I. schaltete zudem mit Hilfe des späteren Kaisers Zenon den gotischen Heermeister Aspar aus; viele germanische Soldaten in römischen Diensten wurden in der Folge erschlagen, und die Kaiser griffen bei der Rekrutierung fortan wieder weitaus stärker auf Reichsangehörige zurück - auch wenn diese meist aus jenen Gebieten stammten, die am wenigsten romanisiert waren. Zenon konnte dann nicht zuletzt mit Hilfe eines dieser halbbarbarischen Völker, der Isaurier, zu denen er selbst gehörte, die militärische Lage des Oströmischen Reiches weiter verbessern, und damit den Grundstein für die Vormachtstellung legen, die die Kaiser des folgenden Jahrhunderts im Mittelmeerraum einnehmen sollten. Zenon schloss 488 einen Vertrag mit dem Ostgotenkönig Theoderich und schickte ihn im Jahre 489 nach Italien, wobei die Hintergründe umstritten sind. Der Kaiser profitierte jedenfalls insofern, als er eine potentielle Gefahr umleitete, während sich für Theoderich die Möglichkeit auf neues und reiches Siedlungsland anbot. Theoderich, den man später aufgrund seiner Leistungen „den Großen“ nannte, gelang es bald, das gesamte Land unter seine Kontrolle zu bringen. 493 ermordete er Odoaker und regierte formal als Statthalter des Kaisers in Italien, wobei er jedoch eine sehr eigenständige Politik betrieb. Im Ostgotenkönigreich hielt man an der römischer Verwaltungspraxis fest, während das Land kulturell eine späte Blütezeit erlebte (siehe auch Boëthius).

Das sechste Jahrhundert: Oströmische Hegemonie

Im Osten dauerte die Antike bis ins siebte Jahrhundert, und der Einfluss des noch immer römisch-antik geprägten Reiches auf die Geschicke im Westen war im ganzen sechsten Jahrhundert erheblich. Kaiser Anastasios I. befreite den oströmischen Staat kurz vor 500 vom Einfluss der Isaurier und hinterließ aufgrund einer klugen Wirtschaftspolitik seinen Nachfolgern den gewaltigsten Staatsschatz in der römischen Geschichte. Allerdings hatte er sich auch mit Usurpationsversuchen auseinanderzusetzen, und seine Religionspolitik betonte die Unterschiede zur päpstlichen Position. Doch sein Nachfolger Justin I. beendete 519 das Akakianische Schisma, das die Kirchen von Konstantinopel und Rom etwa 30 Jahre lang getrennt hatte; er verschärfte durch diese Wiederannäherung an den Westen aber den Konflikt mit den Monophysiten. Monophysiten Kaiser Justinian I., eine der großen Herrschergestalten der Spätantike, konnte dann seit 534 eine offenbar großangelegte Restaurationspolitik betreiben, wobei diesem Versuch der Wiederherstellung des Imperiums ein zwar nur beschränkter, aber dennoch zunächst erstaunlicher Erfolg beschieden war: Mit Nordafrika, Italien und Südspanien wurden die Kerngebiete des Reiches wieder der römischen Herrschaft unterworfen, allerdings gingen wichtige Teile Italiens, welches erst nach harten Kämpfen erobert worden war, bald nach Justinians Tod wieder an die Langobarden verloren. Zudem wurde das Reich seit 541 von einer verheerenden Pest heimgesucht, was offenbar zu einer demografischen und - daraus folgend - ökonomischen wie militärischen Krise führte; im Osten musste sich Justinian zudem gegen die Perser zur Wehr setzen, deren König Chosrau I. sich zum großen Gegenspieler Justinians entwickelte. Dennoch erlebte die spätantike Kultur unter Justinian einen letzten Höhepunkt; die auf seinen Befehl hin vorgenommene Kodifikation des römischen Rechts erwies sich als dauerhafte Errungenschaft, und der kaiserliche Machtanspruch wurde auch von den meisten verbliebenen Germanenreichen (mit der Ausnahme des Frankenkönigs Theudebert I.) akzeptiert. Als Justinian 565 nach langer Herrschaft starb, war Ostrom ungeachtet aller Krisensymptome die Vormacht der Mittelmeerwelt. Im Oströmischen Reich bestand das Imperium Romanum staatsrechtlich fort - ebenso lebte dort die Zivilisation der Antike weiter, wobei das kulturelle Leben im Osten in den nachfolgenden Jahrhunderten einen Wandel erfuhr, und das Reich schon recht bald nach Justinian, der als letzter Kaiser Latein zur Muttersprache hatte, eigene Wege ging. Eine Reihe innerer Reformen ließen das Reich langsam seinen spätrömischen Charakter verlieren; hinzu kam der stetig zunehmende äußere Druck. Zwischen 540 und 630 befand sich Ostrom die meiste Zeit in einem immer verbissener geführten Krieg mit den Sassaniden, der nur von zwei kurzen Friedensperioden (562 bis 572 und 591 bis 602) unterbrochen wurde; und unter Kaiser Maurikios gingen die Balkanprovinzen trotz energischer Gegenwehr weitgehend an die Slawen verloren. Der letzte Kaiser, der noch aktiv und wirksam in die Geschicke des Westens eingreifen konnte, war der (vielleicht zu Unrecht) übel beleumundete Phokas. In den ersten Jahren des 7. Jahrhunderts eroberten die Sassaniden dann bis zum Jahr 619 zeitweilig Ägypten, Syrien und Kleinasien, und nur unter größten Anstrengungen gelang schließlich unter Herakleios eine erfolgreiche Gegenwehr: Herakleios trat 622 zur Gegenoffensive an und konnte die Perser, die noch 626 vergeblich Konstantinopel belagert hatten, Ende 627 entscheidend schlagen, woraufhin Großkönig Chosrau II. entthront und ermordet wurde. Die Sassaniden traten die eroberten Gebiete wieder an Ostrom ab, während Persien im Chaos versank. Das militärisch und ökonomisch entkräftete Oströmische Reich konnte den Arabern dann wenig entgegensetzen; die Oströmer unterlagen 636 in der Schlacht am Jarmuk und verloren in den folgenden Jahren wiederum ihre Ost- und Südprovinzen - diesmal aber endgültig. Zuletzt fiel im Jahr 698 auch das oströmische Karthago. Die Reste des jetzt gänzlich gräzisierten Reiches befanden sich in den folgenden Jahrzehnten in einem verzweifelten Abwehrkampf, so dass die Kaiser den Westen weitgehend sich selbst überlassen mussten. Die kurzzeitige Verlegung der kaiserlichen Residenz nach Italien unter Konstans II. blieb Episode. Als sich die Lage im späten achten Jahrhundert wieder stabilisiert hatte, war aus dem spätantiken Ostrom endgültig das mittelalterliche, griechische Byzanz geworden, welches sich noch Jahrhunderte behaupten sollte. Die Perser hingegen wurden 636 und 642 von den Arabern vernichtend geschlagen; der letzte Großkönig Yazdegerd III. wurde 651 ermordet, womit das Sassanidenreich aufhörte zu bestehen.

Von der antiken Welt ins Mittelalter

Im Verlauf des sechsten Jahrhunderts kam es im Westen zu einer langsamen Transformation hin zu einer germanisch-romanischen Welt: In Britannien ging die römische Kultur allerdings wohl schon bald nach der Eroberung durch die Angeln, Sachsen und Jüten, die ursprünglich nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen (um 407) von der römischen Bevölkerung als Föderaten ins Land gerufen worden waren, unter, auch wenn in Wales noch im 6. Jahrhundert lateinische Inschriften gesetzt wurden. Das Tolosanische Reich der Westgoten, welches sich im 6. Jahrhundert auf ganz Hispanien ausbreitete, ist hingegen in vielerlei Hinsicht ein Beispiel für die Symbiose von spätrömischer Gesellschaft und germanischer Herrschaft. Es wurde indes im frühen 8. Jahrhundert von den nach Norden drängenden Muslimen überrannt und ausgelöscht. Das von Geiserich in Nordafrika begründete Reich der Vandalen erlebte im 5. Jahrhundert eine Blüte, geriet dann aber unter immer stärkeren Druck durch maurische Stämme und fiel 533 dem Angriff einer oströmischen Armee zum Opfer. In Italien hatte der Ostgote Theoderich der Große sein Reich weiterhin nach römischen Muster führen lassen, doch verschwand das Ostgotenreich um die Mitte des 6. Jahrhunderts durch die von Justinian I. eingeleitete Restauratio imperii. Als die Langobarden dann

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Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Den Königen Theudebert II. und Theuderich II. von Austrasien bzw. Burgund gelingt bei Dormelles ein Sieg gegen den neustrischen Franken-König Chlothar II., der daraufhin Gebietsabtretungen zustimmen muss.
- um 600 - Die fränkische Regentin Brunichild lässt den Patricius Argyla ermorden.
- um 600 - Ende der peruanischen Nazca-Kultur. Im bolivianischen Tiwanaku (Tihuanaco) entsteht eine neue Hochkultur.
- um 600 - Höhepunkt der mexikanischen Kultur von Teotihuacán.
- um 600 - Niedergang der Hopewell-Kultur in Nordamerika.
- um 600 - Schad Tutuk Khan begründet im Umfeld des Reiches der Göktürken im heutigen Kasachstan das Kimekenreich, das sich bald von den Türken löst. Es grenzt an die Reiche der Türgesch und der Tschigil.
- um 600 - Die Weltbevölkerung beträgt ca. 200 Mio.
- um 600 - Die Pocken erreichen erstmals Europa.

Wissenschaft und Technik


- Der spätere Papst Sabinianus führt das kirchliche Glockengeläut zum Anzeigen der Zeitstunden ein.
- um 600 - In Mitteleuropa geht der Gebrauch der Runenschrift, die vor allem im 6. Jh. verbreitet war, zurück. Ähnliches gilt für die irische Ogam-Schrift.
- um 600 - In Korea ist die Verwendung des Schöpfsiebs zur Papierherstellung bezeugt.
- um 600 - im Kaiserreich China werden Schiffe mit 5 Decks gebaut.
- um 600 - Der Streichbrettpflug wird erstmals in Osteuropa eingesetzt.
- nach 600 - Erster Einsatz von Windmühlen in Persien.

Religion


- um 600 - Papst Gregor I. erklärt, Ziel der Kirche solle die Bekehrung, nicht die Verfolgung der Juden sein.
- um 600 - Infolge der Ausbreitung der Slawen wird das Kärntner christliche Wallfahrtszentrum Hemmaberg aufgegeben.
- um 600 - Ursicinus, Begleiter des Columban von Luxeuil, missioniert im Schweizer Jura.
- um 600 - Mission des Himerius in der Zentralschweiz.
- um 600 - Gründung des irischen Klosters Kilbeggan.
- um 600 - Aufkommen chinesisch beeinflusster Buddha-Statuen in Japan.
- um 600 - Einführung des Buddhismus im heutigen Indonesien.

Geboren


- um 600 - Martin I., Papst († 655)
- um 600 - Remaclus, Klostergründer von Stablo und Malmedy († 673 oder 679)
- um 600 - Kunibert, Bischof von Köln († um 663)
- um 600 - Derwan, erster bekannter Fürst der Sorben († nach 632)

Gestorben


- 13. März - Leander von Sevilla, Bischof, maßgeblich beteiligt an der Konverson der Westgoten vom Arianismus zum Katholizismus (
- um 540)
- Evagrius Scholastikos, griechischer Kirchenhistoriker (
- um 535) ko:600년

Numismatik

Die Numismatik (von lateinisch numisma Münze bzw. griechisch nomisma), auch Münzkunde genannt, ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geld und seiner Geschichte. Oft wird auch das Sammeln von Münzen als Hobby Numismatik genannt. Hobby

Gegenstand

Wichtigstes Objekt der Numismatik ist die Münze. Aber auch andere Geldformen wie Papiergeld, vormünzliche Zahlungsmittel und münzverwandte Objekte wie Medaillen, Jetons oder religiöse Medaillen werden von der Numismatik untersucht. Bei Epochen, in denen wenige schriftliche Quellen existieren, haben Münzen einen hohen Wert als Quellen zur Chronologie sowie zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Dies gilt besonders für das griechische und römische Altertum und für Gebiete ausserhalb der antiken Mittelmeerkulturen (z.B. die Reiche der Parther und Skythen), aber auch für das Früh- und Hochmittelalter. Für diese Perioden sind vor allem Münzfunde, d.h. Münzen, die bei Ausgrabungen zusammen mit anderen Objekten gefunden werden oder als Schatzfunde zufällig entdeckt werden, nicht nur wichtige Datierungshilfen für die zeitliche Einordnung archäologischer Befunde, sondern eine erstrangige historische Quelle. Hier hat sich eine eigentliche Fundmünzennumismatik herausgebildet, die heute den dynamischsten und methodisch innovativsten Teil des Fachs bildet, denn bis heute vermehrt sich das Quellenmaterial der Münzfunde ständig. Seit dem Mittelalter, d.h. mit der zunehmenden Dichte an schriftlichen Quellen, ist die Numismatik besonders verzahnt mit der Geldgeschichte, für die es sowohl historische als auch volkswirtschaftliche Erscheinungsformen gibt. Einen gewissen Endpunkt für die Numismatik setzt die neueste Zeit mit der stark zurückgehenden Bedeutung des Münzgeldes. Einerseits eine hochspezialisierte historische und archäologische Teildisziplin, hat die Numismatik andererseits zahlreiche Verbindungen zu Nachbarfächern wie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, der Kunstgeschichte oder der Namenkunde.

Methoden

Die Methoden der Numismatik im engeren Sinn sind vorwiegend an das Objekt, die Münze, gebunden; andere methodische Ansätze gehen von geldgeschichtlichen Fragestellungen aus. Münzen sind gleichförmige Massenprodukte, die in grosser Zahl überliefert sind. Darin ähneln sie etwa der archäologischen Fundgruppe der Keramik. Dennoch ist jede Münze, bedingt durch die Produktionsweise, ein Individuum mit speziellen Merkmalen (Prägefehler, Materialfehler und Unregelmässigkeiten), die für eine Auswertung verwendet werden können. Die wichtigste numismatische Methode, die der Rekonstruktion der ursprünglichen Abfolge der Münzprägung dient, ist die Stempelanalyse. Sie basiert auf der Beobachtung, dass jede (zweiseitige) Münze aus einem Vorder- und einem Rückseitenstempel hergestellt ist. Die beiden Stempel, bei der Hammerprägung als Ober- und Unterstempel verwendet, nutzen sich ungleichmässig ab. Der Oberstempel muss meist früher ersetzt werden als der Unterstempel. Das führt zu unterschiedlichen sog. «Stempelkombinationen»; die verschiedenen Kombinationen bilden aneinandergereiht die Stempelkette und diese wiederum entspricht der Reihenfolge bei der Produktion der einzelnen Münzen. Die Stempelanalyse wurde im 19. Jahrhundert erstmals verwendet und von Friedrich Imhoof-Blumer in die griechische Numismatik eingeführt. Daneben sind Typologie und Stilanalyse wichtige Methoden, um Chronologie und Zusammengehörigkeit von Münztypen zu erschliessen. Die Grenzen all dieser Methoden liegen in der Tatsache, dass nur eine verschwindend geringe Zahl der ursprünglich geprägten Münzen überhaupt überliefert sind; Schätzungen aufgrund von Münzfunden lassen vermuten, dass wir heute nur mehr etwa 1 Promille der ursprünglich gesprägten Münzen zur Verfügung haben. Eine wichtige Rolle spielen heute auch naturwissenschaftliche Untersuchungen wie Metallanalysen, die Aufschlüsse zur Herkunft des Münzmetalls geben, aber auch zu Fragen der Münzpolitik (Veränderungen des Feingehalts im Rahmen von Abwertungen z.B.) Auskunft geben können. Die Fundmünzennumismatik beschäftigt sich weniger mit der einzelnen Münze als vielmehr mit Münzgruppen in Form der verschiedenen Kategorien von Münzfunden. Sie untersucht die Verteilung und geographische Verbreitung von Münztypen im Hinblick auf Fragen des Geldumlaufs und der Wirtschafts-, Verkehrs- und Handelsgeschichte (Wirtschaftsräume, Niederschlag von Handels- und Verkehrswegen etc.).

Forschung und Lehre

Die Numismatik ist eine typische Museumswissenschaft (nach Bernd Kluge), weil sinnvolle Arbeit meist nur nahe am Quellenmaterial, den Münzen, möglich ist. Die grossen öffentlichen Münzsammlungen waren daher stets auch die Zentren der Forschung und sind bis heute Initiatoren der grossen Katalog- und Überblickswerke. Zu den weltweit bedeutendsten Münzsammlungen gehören, neben London, Paris und New York, auch das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin (Preussischer Kulturbesitz) und das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums in Wien. In der Schweiz gibt es keine vergleichbar grosse Sammlung, dafür eine grosse Dichte von mittleren und kleineren Münzkabinetten. Die Numismatik wird aber nicht nur an den Museen intensiv betrieben. Daneben liefern immer auch gelehrte Sammler, die oft zu den besten Kennern ihrer jeweiligen Spezialgebiete gehören, wichtige Beiträge zur Forschung, meist in Form von Detailstudien oder Münzkatalogen. Im traditionellen Fächerkanon der universitären Bildung wird die Numismatik als Teil der Historischen Hilfswissenschaften angesehen und entsprechend an den Universitäten im Rahmen der Geschichte und der klassischen Altertumswissenschaften betrieben. Die Numismatik ist dort bis heute eher randständig geblieben; im deutschsprachigen Raum gibt es für Numismatik nur einen einzigen Lehrstuhl (in Wien); an der Johann-Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt a.M. gehört die Numismatik zum Lehrstuhl für Geschichte und Kultur der Römischen Provinzen und Hilfswissenschaften der Altertumskunde. Nur an diesen beiden Orten ist es heute möglich, Numismatik als Fach zu studieren. An verschiedenen Universitäten, in Deutschland etwa in Berlin, Dresden, Marburg, München und Tübingen, gibt es jedoch regelmässige Lehrangebote und z.B. in München auch die Möglichkeit einen numistmatischen Schwerpunkt im Magisterabschluss oder der Promotion zu legen. In Köln kann Numismatik der Antike im Rahmen eines Magisterstudienganges als Nebenfach belegt werden. Für die Schweiz wären hier die Universitäten Basel und Zürich, in Österreich die Universität Salzburg zu nennen.

Geschichte

Anfänge

Wenn man den Beschreibungen des römischen Geschichtsschreibers Sueton (70-140 n.Chr.) glauben darf, war Kaiser Augustus einer der ersten, die bereits vor mehr als 2000 Jahren «alte königliche und ausländische Münzen» sammelte. Es gibt auch Hinweise auf andere Sammlungen und Sammler in römischer Zeit; anders als bei Kunstwerken stand aber beim Münzsammeln der ästhetische Genuss wohl noch nicht im Vordergrund. Die ersten Versuche, sich wissenschaftlich mit Münzen zu beschäftigen, datieren zurück in das 14. und 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit kennt man etwa den Dichter Petrarca und den Bischof Stefan Mathias von Neidenburg, von denen jeder eine umfangreiche Sammlung historischer Münzen oder, wie es damals hieß, «Münzen aller Länder» besaß. In Deutschland gehörten die aufstrebenden Landesfürsten zu den ersten bedeutenden Münzsammlern. So gehen grosse Münzkabinette wie die Staatliche Münzsammlung in München, das Münzkabinett der Kunstsammlungen in Dresden, das Münzkabinett des Württembergischen Landesmuseums und das Berliner Münzkabinett in ihrem Kern auf solche Fürstensammlungen zurück. In Österreich war eine Münzsammlung schon im 16. Jahrhundert Teil der Kunstkammer der Habsburger-Kaiser; besonders Rudolf II. erwarb eine grosse Zahl von Münzen. In der Schweiz stehen die Bürgerbibliotheken des 16. Jahrhunderts am Beginn der späteren Münzkabinette. Nur in Basel sind diese Anfänge mit einer bestimmten Person, dem Humanisten und Sammler Basilius Amerbach, verknüpft.

Siehe auch


- Numismatiker

Literatur

Das Verzeichnis gibt eine Auswahl wichtiger (meist neuerer) und weiterführender Literatur.

Bibliografien


- Johann Christoph Hirsch: Bibliotheca Numismatica exhibens Catalogum Auctorum qui de re monetaria et numis tam antiquis quam recentioribus scipsere, collecta et indice rerum instructa. Nürnberg: 1760.
- J. G. Lipsius: Bibliotheca numaria sive Catalogus auctorum. Leipzig: 1801
- J. Leitzmann: Verzeichniss sämtlicher in dem Zeitraume 1800 bis 1866 erschienenen Schriften über Münzkunde Weissensee: G.F. Grossmann'schen Buchhandlung, 2. Aufl. 1867
- Philip Grierson: Bibliographie numismatique, Bruxelles: CEN, 2. Aufl. 1979 (Cercle d'études numismaties, travaux 9).
- Elvira E. Clain-Stefanelli: Numismatic Bibliography, München: Battenberg, 1984. ISBN 3870459387 numismatische Bibliographie

Einführungen / Übersichtswerke

Antike
- Christopher Howgego: Geld in der Antiken Welt: Was Münzen über Geschichte verraten, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2000 (engl. Originalausgabe Ancient History from Coins, London: Routledge, 1995).
- Robert Göbl: Antike Numismatik, 2 Bde., München: Battenberg, 1978. ISBN 3870451440
- Maria-R. Alföldi:Antike Numismatik, 2 Bde., Mainz: Philipp von Zabern (Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd. 2/3), 1978; Bd. 2: 2. verbesserte Aufl. 1982. ISBN 3805302304 und ISBN 3805303351
- Hélène Nicolet-Pierre: Numismatique grecque, Paris: Arman Colin, 2002. ISBN 220021781
- Andrew Burnett, Coinage in the Roman World, London: Seaby, 1987. ISBN 0900652853 Mittelalter / Neuzeit
- Arnold Luschin von Ebengreuth: Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit, Berlin/München: Oldenburg, 2. Aufl. 1926; Nachdruck 1973 und 1976. ISBN 3-48647224-0
- Hans Gebhardt: Numismatik und Geldgeschichte, Heidelberg: Carl Winter, 1949
- Philip Grierson, Münzen des Mittelalters, Fribourg: Office du livre, 1976.
- Peter Spufford:Money and its Use in medieval Europe, Cambridge etc.: Cambridge University Press, 1988. ISBN 0521303842
- Michael North, Das Geld und seine Geschichte: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München: C.H. Beck, 1994. ISBN 3406380727
- Bernd Sprenger: Das Geld der Deutschen: Geldgeschichte Deutschlands, Paderborn: Schöningh, 3. aktual. und erw. Auflage 2002. ISBN 3506786237

Lexika


- Friedrich v. Schrötter (Hrsg.): Wörterbuch der Münzkunde, Berlin: de Gruyter, 2. unveränd. Auflage 1970 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930).
- Michael North (Hrsg.): Von Aktie bis Zoll: Ein historisches Lexikon des Geldes, München: C.H. Beck, 1995. ISBN 3406385443
- Michel Amandry (Hrsg.): Dictionnaire de numismatique, Paris: Larousse, 2001. ISBN 2035050766

Weblinks


- [http://www.amnumsoc.org/numlit Numismatic Literature - Online-Bibliographie]
- [http://www.univie.ac.at/Numismatik/ Institut für Numismatik und Geldgeschichte an der Universität Wien]
- [http://www.reppa.de/lex.asp Großes Online-Münzlexikon] (für erste Informationen zu Münznamen)
- [http://www.numispedia.de/Hauptseite NUMISPEDIA] (Online-Münzlexikon zum mitarbeiten) Kategorie:Historische Hilfswissenschaften

Alte Geschichte

Die Alte Geschichte war und ist bis heute im Fächerkanon der an Universität gelehrten Geschichtswissenschaft derjenige Teil, der zeitlich anschließend an die Vor- und Frühgeschichte (letzterer geht sie zuweilen aber auch voraus) die Zeit des klassischen Altertums (Antike) behandelt. Wissenschaftler, die sich mit Alter Geschichte befassen, werden Althistoriker genannt. Das Fach kann an den meisten deutschen Universitäten von Kiel bis Konstanz studiert werden. Die Alte Geschiche beginnt mit den frühesten (schriftlichen) Zeugnissen historischer Zeit, also mit den Keilschriften der Sumerer und der kretischen Linearschrift A (ca. 1900- 1450 v. CHr.), deren Sprache bisher unbekannt ist, im engeren Sinne mit der mykenischen Kultur (um 1600-1000 v.Chr.; verwendet die in griechisch geschriebene Linearschrift B) bzw. der Übernahme des Alphabets durch die Griechen (vermutlich im Laufe des 9. Jh. v. Chr.). Sie endet mit dem Übergang der Spätantike ins Mittelalter, der verschieden datiert wird. Meist datiert man das Ende der Antike auf das Jahr 476 (Absetzung des letzten weströmischen Kaisers durch Odoaker), den Tod Kaiser Justinians (565) oder den Beginn der islamischen Expansion (632). Die weitaus meisten Althistoriker forschen heute über die Zeit zwischen 800 v. und 600 n. Chr., jedoch befassen sich mittlerweile auch immer mehr Althistoriker mit den Jahrhunderten vor 800 v. Chr. (Griechische Dark Ages und kretisch-mykenische Zeit) In geographischer Hinsicht gehören zum "Kerngebiet" der Alten Geschichte alle Regionen, die Teil des Römischen Reichs zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan waren. Die Alte Geschichte ist damit im wesentlichen Geschichte Griechenlands und Römische Geschichte und beschäftigt sich auch mit den Kontakten der Griechen und Römer zu ihren Nachbarvölkern (Karthager, Perser etc.). Dabei ist die Eingrenzung des Faches weniger inhaltlich als vor allem durch Konvention und Herkommen begründet. Vereinfacht kann man sagen, dass die Alte Geschichte alle Gebiete und Zeitabschnitte umfasst, die zur griechischen oder römischen Kultur gehörten bzw. in denen diese eindeutige Spuren hinterlassen hat. Im 19. Jahrhundert, das als das historisierende Jahrhundert schlechthin angesehen werden kann, nahmen die Geschichtswissenschaft (vor allem in Deutschland) und die Archäologie einen gewaltigen Aufschwung. Eine ganze Reihe hoch angesehener Geschichtswissenschaftler (Lepsius, Niebuhr, Curtius, Mommsen u.a.) dehnten ihre Forschungen auf immer weitere Regionen und Forschungsgebiete aus. Damit standen sie in der Tradition der frühneuzeitlichen Universalgeschichte. Das führte dazu, dass die Alte Geschichte sich mehr und mehr auch mit Regionen befasste, die bisher außerhalb seiner Reichweite gelegen hatten. Die Geschichte des alten Ägyptens, Mesopotamiens, Irans und Anatoliens wurden teilweise in das Fach einbezogen, so dass am Ende des 19. Jahrhunderts die Alte Geschichte für manche Gelehrte neben der Geschichte des griechisch-römischen Altertums auch die Geschichte des Alten Orients umfasste. Die umfassende Beherrschung des gewaltigen Gebiets der Geschichte der Alten Welt (also Europas, Nordafrikas sowie des Vorderen und Mittleren Orients) samt den dazu erforderlichen Hilfswissenschaften, namentlich den diversen antiken Sprachen und Schriften (Sumerisch, Akkadisch, Babylonisch, Persisch, Koptisch, Aramäisch, Griechisch, Lateinisch, diverser anatolischer Sprachen; Keilschriften, Hieroglyphen, Minoische, Phönizische und Griechische Schrift, Linear B usw.) überstieg aber denn doch die Möglichkeiten eines einzelnen Wissenschaftlers. Im 19. Jahrhundert gab es zwar einzelne Gelehrte, die die Fülle des Fachs in seiner Gesamtheit noch überblickten und auch wenigstens in Grundzügen und ansatzweise die erforderlichen Kenntnisse in den Einzeldiszipinen hatten. Da die wichtigsten altorientalischen Sprachen um 1800 noch nicht entziffert waren, konnte man der damals erhobenen Forderung, die schriftlichen Zeugnisse in den Mittelpunkt zu stellen, hier noch nicht nachkommen - und als Hieroglyphen und Keilschrift dann entschlüsselt worden waren, hatte sich bereits eine zunehmende Beschränkung der Alten Geschichte auf Griechen und Römer ergeben. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Dies mag man durchaus auch bedauern, da Orientalistik, Assyriologie oder Iranistik heute viel eher archäologisch und philologisch ausgerichtet sind, nicht aber primär historisch. Das Fach Alte Geschichte konzentriert sich mehr und mehr ausschießlich auf die Griechische und Römische Geschichte und bildet zusammen mit der Klassischen Philologie und Klassischen Archäologie das übergreifende Sachgebiet Klassische Altertumswissenschaft. Damit kehrt es zu seinen Ursprüngen zurück, die am Ende des 18. Jahrhunderts zu suchen sind. Ausgehend von der französischen Querelle des Anciens et des Modernes (Streit der Anhänger der Alten und der Anhänger der Moderne) hatte sich das Fach Alte Geschichte auf einem Gebiet etabliert, das die Anhänger des aufgeklärten Zeitalters der Moderne (daher das heutige Schlagwort Postmoderne) bei aller Begeisterung für die aufstrebende Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie ihrer Zeit den Bewundern der Alten (d.h. der alten Griechen und Römer) mehr oder weniger widerstrebend überlassen hatten. Auf dem Gebiet der schönen Künste und Wissenschaften wurde der beispielgebende und Maßstäbe setzende Charakter des Klassischen Altertums weiterhin anerkannt. Ein Hauptzug und wesentlicher Inhalt der Deutschen Klassik bestand gerade darin, durch Erforschung und wissende Aneignung des Klassischen Altertums - in Deutschland vornehmlich des griechischen - die eigene Kultur überhaupt erst auf das ihr erreichbare Niveau zu heben. So schrieb Wilhelm von Humboldt (1807): Wir haben in den Griechen eine Nation vor uns, unter deren glücklichen Händen alles, was, unserem innigsten Gefühl nach, das höchste und reichste Menschendasein bewahrt, schon zu letzter Vollendung gereift war ... Ihre Kenntnis ist nicht bloß angenehm, nützlich und notwendig, nur in ihr finden wir das Ideal dessen, was wir selbst sein und hervorbringen möchten; wenn jeder andere Teil der Geschichte uns mit menschlicher Klugheit und menschlicher Erfahrung bereichert, so schöpfen wir aus der Betrachtung der Griechen etwas mehr als Irdisches, ja beinahe Göttliches. Getragen von solcher Begeisterung und versorgt mit wissenschaftlichem Nachwuchs, der bereits auf den Gymnasien Humboldt'scher Prägung mit weitgehenden Kenntnissen der griechischen und lateinischen Sprache ausgerüstet worden war, erlebte die Klassische Altertumswissenschaft und mit ihr die Alte Geschichte in Deutschland im 19. Jahrhundert ihre höchste Blüte. Namen wie Barthold Georg Niebuhr, Johann Gustav Droysen, Leopold von Ranke, Ernst Curtius, Eduard Meyer, Karl Julius Beloch, Robert von Pöhlmann, Theodor Mommsen, Jacob Burckhardt, Hans Delbrück und Michael Rostovtzeff stehen noch heute für Geschichtswissenschaft und Geschichtsschreibung auf höchstem Niveau. Aber auch die zeitgenössische Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Alten Geschichte fördert immer wieder - nicht nur in Deutschland - bemerkenswerte Ergebnisse zu Tage. Zu erwähnen sind beispielsweise die aktuelle Troja-Forschung, deren Ergebnisse allerdings stark umstritten sind, neue Ansätze zum Verständnis der athenischen Demokratie (Christian Meier, Paul Veyne) oder (im Anschluss an Rostovtzeff) neue Erkenntnisse über das Funktionieren der griechischen Wirtschaft (Pierre Vidal-Naquet)..

Literatur


- Bahn, Paul G.: Wege in die Antike. Kleine Einführung in die Archäologie und die Altertumswissenschaft. Stuttgart 1999.
- Bengtson, Hermann: Einführung in die alte Geschichte. München 1979.
- Clauss, Manfred: Einführung in die Alte Geschichte. München 1993.
- Corvisier, Jean-Nicolas: Sources et méthodes en histoire ancienne. Paris 1997.
- Finley, Moses: Quellen und Modelle in der Alten Geschichte. Frankfurt am Main 1987. (Eng.: Ancient history : evidence and models, 1985)
- Günther, Rosmarie: Einführung in das Studium der Alten Geschichte. Paderborn u.a. ²2004.
- Morley, Neville: Theories, models and concepts in ancient history. London 2004.
- Morley, Neville: Writing ancient history. Ithaka 1999.
- Rüpke, Jörg: Wozu Altertumswissenschaften? In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
- Nippel, Wilfried: Über das Studium der Alten Geschichte. München: dtv 1993.
- Schuller, Wolfgang: Einführung in die Geschichte des Altertums. Stuttgart 1994.
- Wirbelauer, Eckhard (Hrsg.): Antike. München 2004. (OGL 1)

Links


- [http://www.dainst.org/static/dai_de_althistinstit.html Liste der althistorischen Institute in Deutschland]
- [http://www.uni-kiel.de/klassalt/lehre/materialien/boerm/2005ss_ps/AlteGeschichte.pdf Materialien zur Alten Geschichte] Kategorie:Zeitalter

Byzantinistik

Die Byzantinistik ist ein interdisziplinärer Wissenschaftszweig, der sich mit Geschichte, Kultur, Religion, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik des Byzantinischen Reichs beschäftigt. Als Begründer der Byzantinistik gilt der deutsche Philologe Hieronymus Wolf, ein Humanist der Renaissancezeit, der rund 100 Jahre nach der endgültigen Eroberung von Byzanz durch die Osmanen damit begann, Schriften byzantinischer Philosophen zu sammeln, zu übersetzen und zu veröffentlichen. Der erste Neogräzist und Sprachwissenschaftler, der auch als Byzantinist anzusehen ist, war Karl Krumbacher.

Die Wissenschaft und ihre Disziplinen

Definition: Byzantinistik (Byzantinologie) ist diejenige Wissenschaft, die sich mit der Geschichte und Kultur von Byzanz beschäftigt (Byzanz ↔ Byzantinisches Reich, griechisches Mittelalter; Byzanz = Konstantinopel [als Hauptstadt des Byzantinischen Reiches]). Dabei stehen der Einheitlichkeit des Untersuchungsobjekts "Byzanz" vielfältige Betrachtungsweisen (= Einzeldisziplinen, Spezialfächer) gegenüber. - "Byzantinische" Forschungen gab es dabei schon im hochmittelalterlichen byzantinischen Reich; im späten Mittelalter war das Interesse an Byzanz durch den italienischen Humanismus gegeben (originale griechische Quellen) und verbreitete sich - besonders im 17.Jahrhundert - über ganz Europa und Rußland. Das endende 19. und 20.Jahrhundert brachte dann die Formierung der Byzantinistik als eigenständige Wissenschaft. Byzanz: Griechisch-hellenistische Kultur, römische Staatstradition und christlicher Glaube bei einer relativen Einheitlichkeit von Sprache und Kultur machen Byzanz im Mittelalter aus. Als Ausgangspunkt byzantinischer Geschichte gilt dabei die Regierungszeit Konstantins des Großen (306-337)und die Gründung Konstantinopels (330). Mit der Teilung des römischen Reiches in ein West- und ein Ostreich (395) beginnt die oströmische Zeit von Byzanz. Kaiser Justinian I. (527-565) eroberte Italien, Afrika und Südspanien zurück, doch blieb nach dem Eindringen des Islam (634/98) ein durch die Themenverfassung reorganisiertes Byzanz nur noch auf die griechisch sprechenden Gebiete Griechenland, Kleinasien und Süditalien beschränkt. Die mittelbyzantinische Zeit war auch die Epoche des Ikonoklasmus (717-843) und die Zeit der Entstehung des westlichen Kaisertums (800). Unter der Makedonischen Dynastie (10./11.Jahrhundert) gewann Byzanz wieder an Macht gegen Islam und Bulgaren, doch bedeutete der Tod Kaiser Basileios II. (976-1025) einen Wendepunkt,