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Altsteinzeit
Die Altsteinzeit, das Paläolithikum ist die älteste und längste Periode der Vorgeschichte. Sie entspricht dem Zeitraum, der im allgemeinen Sprachgebrauch mit Stein-Zeit assoziiert wird, in dem die Vor-Menschen und frühen Menschen als Jäger und Sammler lebten, Metalle noch nicht in Gebrauch waren und Werkzeuge aus Steinen, Holz und (in den späten Phasen) Knochen von Beutetieren hergestellt wurden.
Die Altsteinzeit beginnt mit den ersten intentionell hergestellten Steinwerkzeugen des Homo habilis und Homo ergaster vor über 2,4 Millionen Jahren. Sie endet etwa 8.000 v.Chr. mit dem Ende der letzten Eiszeit; im Anschluss geht man in der Levante ("Fruchtbarer Halbmond") zum Anbau von Kulturpflanzen und Tierhaltung über, die dort den Übergang in die Jungsteinzeit markieren, in Europa folgt diese Entwicklung wesentlich später, so dass hier auf die Altsteinzeit zunächst die Mittelsteinzeit (Mesolithikum) folgt.
Unterteilung
Die Altsteinzeit wird gewöhnlich in drei Perioden unterteilt, das Altpaläolithikum, das Mittelpaläolithikum und das Jungpaläolithikum. Innerhalb dieser Perioden unterscheidet man weiterhin bestimmte archäologische Kulturen, die primär durch die für die jeweiligen Zeitstufen charakteristischen Werkzeuge abgegrenzt werden und gleichzeitig kulturelle Entwicklungsstufen der Menschheit darstellen. Diese Kulturen sind in geowissenschaftlicher Tradition meist nach den ersten Fundorten des jeweiligen Zeitabschnitts benannt, z. B. Oldowan (s. u.). Die chronologische Ordnung und Abfolge der im folgenden dargestellten Abfolge dieser Kulturen lässt sich nicht
weltweit übertragen. Sie trifft aber auf Mitteleuropa zu, wo die längste Forschungstradition herrscht:
- Altpaläolithikum oder Early Stone Age
- Oldowan, charakterisiert durch Gerölle mit Schneide, ab ca. 2,5 Millionen Jahren
- Acheuléen, charakterisiert durch feiner gearbeitete Faustkeile, zunächst in Afrika, vor ca. 1,5 Mio Jahren, ab etwa 1 Million Jahre auch in Europa. Mit der Herstellung der ersten Steingeräte werden meist frühe Menschenformen wie Homo ergaster, Homo erectus und Homo heidelbergensis in Verbindung gebracht. Aus dieser Zeit stammen die ältestpopofick und soen erhaltenen Holzwaffen (Wurfspeere und Wurfhölzer), z. B. Schöningen.
- Mittelpaläolithikum oder Middle Stone Age Zeit des Neandertalers. Levalloistechnik.
- Moustérien, ca. 200.000 v. Chr. bis 40.000 v. Chr., das durch sehr fein gearbeitete Werkstücke in zahlreichen, auf die Funktion hin gestalteten Formen charakterisiert ist. Typisch sind fein ausgebildete Faustkeile. Um 40.000 erste Funde des anatomisch modernen Menschen Homo sapiens sapiens neben dem Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis).
- Micoquien, ca. 130.000 v. Chr. bis 70.000 v. Chr., Technik mit asymmetrischen Faustkeilen
- Jungpaläolithikum (Europa), mit Klingenindustrien:
- Aurignacien bis ca. 28.000 v. Chr.
- Châtelperronien bis ca. 34.000 v. Chr. (regional eingeschränkt, Frankreich und Nordspanien)
- Gravettien von ca. 28.000 v. Chr. bis ca. 21.000 v.Chr. Erstes Auftreten von Venus-Figuren, u.a. Venus von Willendorf.
- Solutréen von ca. 22.000 v. Chr. bis ca. 18.000 v. Chr.
- Magdalénien von ca. 18.000 v. Chr. bis ca. 12.000 v. Chr. Erste Höhlenmalereien; jungpaläolithische Kleinkunst; Knochenpfeife in Gudenushöhle.
Siehe auch: Portal:Vor- und Frühgeschichte - Urgeschichte - Mensch - Löwenmensch - Venus von Willendorf
Weblinks
- [http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/lexikon/altsteinzeit.htm Überblick über die Altsteinzeit (Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach)]
- [http://www.kulturverein-nittendorf.de/altsteinzeit/altsteinzeit.htm Altsteinzeit in Nittendorf]
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Steinzeit
ko:구석기 시대
VorgeschichteDie Vorgeschichte oder Urgeschichte bezeichnet die Menschheitsgeschichte vom Auftreten der ersten Steinwerkzeuge vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis zu den ersten Schriftzeugnissen, die den Beginn der Frühgeschichte markieren. Dementsprechend unterschiedlich datiert das Ende der Vorgeschichte in den Regionen der Welt. Wo schriftliche Aufzeichnungen fehlen, tragen archäologische und naturwissenschaftliche Methoden, z.B. die Paläoanthropologie oder die Geowissenschaften, beispielsweise mit dem Bodenradar zur Kenntnis dieser Zeitabschnitte bei.
Den Zeitraum vom Beginn der Menschheit bis zur Einführung der Metallurgie, (in Mitteleuropa vor etwa 4.000 Jahren), wird als Steinzeit bezeichnet. In Mitteleuropa werden zuerst Kupfer, dann Bronze und schließlich Eisen verarbeitet. In anderen Regionen fehlen Kupfer- und/ oder Bronzezeit.
Zeitliche Einordnung und Untergliederung der Menschheitsgeschichte
Die Steinzeit ist in Abschnitte gegliedert. Generell wird zwischen Altpaläolithikum, Mittelpaläolithikum, Jungpaläolithikum, Mesolithikum und Neolithikum unterschieden, wobei die einzelnen Abschnitte weltweit unterschiedlich benannt, definiert und datiert sind. Die klassische Unterscheidung war das Zeitalter des "geschlagenen Steins" und das des "geschliffenen Steins". Letzeres ist ein Kennzeichen des Neolithikums (=Jungsteinzeit), das in Mitteleuropa etwa um 5500 v. Chr. begann. Merkmale der Jungsteinzeit sind die Domestizierung von Tieren und Pflanzen, Sesshaftigkeit sowie Herstellung und Gebrauch von Keramik. In den meisten anderen Regionen der Welt handelt es sich allerdings eher um einen Prozeß, der sich teilweise über Tausende von Jahren erstreckt. Fest steht, dass die "nahrungsproduzierende" Wirtschaftsweise große sozio-ökonomische Veränderungen mit sich brachte.
Einen ähnlichen Einschnitt in der Menschheitsgeschichte ist die Entdeckung der Metallurgie (Kupferzeit,Chalkolithikum, Bronzezeit, Eisenzeit) und schließlich die Entwicklung der Hoch- Sumer und Schriftkulturen, z. B. in Europa Kreta Frühgeschichte.
Die Tabelle zeigt die archäologische Einteilung, wie sie für Mitteleuropa üblich ist. Die ältesten Funde stammen jedoch aus Afrika, denn dort stand die Wiege der Menschheit. Die ältesten, sicher datierten Funde in Europa sind nicht älter als 700.000 Jahre.
Erdgeschichtlich fällt die Altsteinzeit etwa mit dem Pleistozän, die folgenden Epochen mit dem Holozän zusammen.
Kritik am Dreiperiodensystem
Die Unterteilung der Geschichte in Steinzeit, Bronzezeit, und Eisenzeit, das Dreiperiodensystem, ist heute ein in den Grundzügen nach wie vor gültiges Konzept, wird aber inzwischen kritisch betrachtet. Die Unterteilung gilt als zu grob und unspezifisch, denn gerade am Übergang von der Stein- zur Metallverwendung sind die Übergänge fließend, und die unterschiedenen Zeiträume sind alles andere als verhältnismäßig oder wohlproportioniert. So fehlt regional das in Europa existierende aber kurze Mesolithikum. In manchen Regionen ist die Kupferzeit bereits zum Ende des Neolithikums belegt.
Weitere Kritiker sind die Kreationisten, die nicht nur diese Unterteilung, sondern die Zeitberechnungen, besonders die Existenz und Datierung der Altsteinzeit, überhaupt in Frage stellen.
Ur- oder Vorgeschichte
Der kulturelle Hintergrund der Menschwerdung ist der eigentliche Gegenstand der Vor- oder Urgeschichte. Diese läuft in zwei miteinander verschränkten Ebenen ab: Einer kulturellen und einer biologisch-evolutionären. Zu verschiedenen kulturellen Epochen sind oben bereits für die einzelnen Unterabschnitte ins Detail gehenden Artikel angeführt. Dennoch soll hier ein zusammenhängender erster Überblick insbesondere über die kulturelle Evolution des Menschen gegeben werden. Die biologische Evolution wird im Artikel Hominisation behandelt, auf einzelne Menschenarten wird hier daher nur stark vereinfachend eingegangen.
Paläolithikum
Homo habilis und Geröllgeräteindustrie
Die Menschheitsgeschichte beginnt im Tschad vor ca. 6 Millionen Jahre mit der Entwicklung des aufrechten Ganges durch die Australopithecinen. Für die Ursachen gibt es viele Theorien. Einige vermuten eine Anpassung an Steppenregionen, die vorher bewaldet waren. Der aufrechte Gang hätte nicht nur eine bessere Sicht ermöglicht, sondern den zusätzlichen Effekt, dass nun die Hände zunehmend für andere Dinge als die Fortbewegung frei wurden:
Die ersten Angehörigen der Gattung Homo (Hominiden) lebten vor ca. 2,6-2 Millionen Jahren. Meist werden Herstellung und Gebrauch von Werkzeugen dem Homo habilis zugesprochen. Es gibt aber Hinweise, dass möglichweise schon Australopithecinen (Hominoiden, "Menschenartige") Geräte benutzt haben.
Diese ersten Steingeräte waren Geröllgeräte, denen mit einem anderen Stein eine scharfe Kante beigebracht wurden. Experimente zeigten, dass damit sogar Langknochen zertrümmert werden können, sodass man an das nahrhafte Knochenmark gelangen konnte. Die Steinbearbeitungstechniken werden im Laufe der Zeit weiterentwickelt und in der Herstellung immer komplizierter und vielfältiger.
Homo erectus und Faustkeilindustrie
Gegen Ende der Zeit, also ca. 1 Million Jahre vor heute, traten zwei wesentliche Neuerungen auf: Die Menschen lernten, das Feuer zu nutzen, und begannen vermutlich mit der aktiven Jagd auf Tiere, nachdem sie sich vorher primär von Pflanzen und Aas genährt haben dürften. Auch wurde der Homo habilis nun endgültig von einer anderen Art, dem Homo erectus abgelöst, der sich vor ca. 1,5 Millionen Jahren zu entwickeln begonnen hatte ("Olduvai-Hominid 9", ca. 1,2 - 1,5 Mio Jahre). Diese Art war so erfolgreich, dass sie sich massiv ausbreiten konnte: Über ganz Afrika, Kleinasien, Süd- und Mitteleuropa (nah verwandte Art Homo heidelbergensis, 600.000 vor heute; Homo erectus bilzingslebensis vor 400.000 Jahren), und über Indien bis ins heutige China und nach Südostasien ("Java-Mensch" Pithecanthropos bereits vor ca. 1,6 Mio Jahren), wobei die Ausbreitungsrichtung nach Norden offenbar von gesteigerten kulturellen Fähigkeiten abhing, die den klimatisch schwierigeren Bedingungen contra bieten konnten.
Homo erectus verbesserte zunächst die Steingeräte: Zunehmend wurden nun auch die kleineren Abschläge von den Kernsteinen verwendet, an den Kanten retuschiert (nachbearbeitet) und damit für andere Aufgaben nutzbar. Einen regelrechten Technologiesprung gab es vor ca. 1.5 Mio Jahren: Nun wurden auch die Kernsteine weitaus feinfühliger bearbeitet, und vor allem an zwei Seiten so behauen, dass sie eine Spitze ausbilden: Die Faustkeile blieben neben den bearbeiteten Abschlägen wichtigstes Werkzeug des Altpaläolithikums bis etwa 130.000 vor heute.
Neben der bereits erwähnten Feuernutzung war die Jagd auf Tiere eine wichtige Entwicklung, um das reduzierte pflanzliche Nahrungsangebot außerhalb Ostafrikas auszugleichen. Systematische Jagd auf Groß- und Kleinwild entwickelte sich ab ca. 1 Mio Jahre vor unserer Zeit, als "Abfallprodukte" der Nahrungsbeschaffung erhielt der Mensch nun auch weitere Rohmaterialien: Felle, die vor Kälte schützten, Knochen, die als Werkzeuge Verwendung fanden. Werkzeuge aus Holz und anderem vergänglichen organischen Material sind für diese zweite Hälfte des Altpaläolithikums zu erwarten, naturgemäß archäologisch aber kaum nachweisbar: Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa zwei hölzerne Speere mit einem Alter von 370.000 Jahren aus Schöningen.
Neandertaler und Abschlaggeräte
In Europa entwickelte sich aus dem Homo erectus (möglicherweise aus oder parallel zum Homo heidelbergensis) vor etwa 300.000 Jahren der Neandertaler, eine auf die spezifischen Umweltbedingen der letzten Eiszeit hervorragend angepasste Menschenart.
Die Neandertaler stellen sich heute (entgegen früherer Annahmen) als kulturell entwickelt dar: Bei ihnen sind in Mitteleuropa zum ersten Mal kultische Praktiken nachweisbar, so sind z.B. Bestattungen mit Grabbeigaben belegt, was zeigt das der Neandertaler sprachfähig war. In der Gudenushöhle (Niederösterreich) wurde sogar eine Knochenpfeife gefunden. Die Neandertaler entwickelten eine Technik der Steinbearbeitung, bei der nicht mehr (nur) die Kerne der Steine das Werkzeug ergaben, sondern bei der die vom Stein abgehauenen Abschläge selbst Werkzeug Klingen) waren bzw. weiterbearbeitet wurden.
Homo sapiens
Neben (oder aus) dem Homo erectus entwickelte sich eine neue Menschenform, der Homo sapiens. Nicht abschließend geklärt ist, wie weit er sich unabhängig von lokal vorhandenen Menschentypen entwickelte; man tendiert jedoch zunehmend dazu, ihn als eine Art zu begreifen, die, vor 150 - 200.000 Jahren in Afrika entstand, sich (nach Homo erectus) von dort über die Welt ausbreitete. Der Homo sapiens verfeinert zunächst weiter die Methoden der Steinbearbeitung; teilweise ähneln sie denen der Neandertaler. Ob deren Verschwinden auf Konflikte mit dem anatomisch modernen Menschen zurückzuführen ist, bleibt umstritten; in Europa könnten sich die 2 Arten vor 30.000-40.000 Jahren begegnet sein, was einige Prozente "neandertalisches" Erbgut erklären würde.
Bemerkenswert sind die ersten Zeugnisse abstrakten (symbolischen) Denkens, die sich am prägnantesten in der Höhlenmalereien ausdrückt, deren älteste auf etwa 35.000 Jahre datieren. Als künstlerische Erzeugnisse (s.auch Kunst) gelten jedoch schon mit Gravuren verzierte Knochenobjekte aus Südafrika (Blombos-Höhle), deren älteste auf etwa 77.000 Jahre datieren. Auch sie stammen vom anatomisch modernen Menschen (= H.s.s.). Die Erzeunisse der Kunst sind Belege einer Religion, die als wesentliche Voraussetzung die Sprachfähigkeit hat.
Mesolithikum und Neolithikum
Die Grundlagen unserer heutigen Zivilisation entstanden vor allem nach dem Ende der letzten Eiszeit. Die Klimagürtel der Erde verschoben sich nach Norden; in Mitteleuropa setzte die Bewaldung (Waldzone) ein. Nach einer Übergangsphase nacheiszeitlicher Jäger und Sammler (Mesolithikum, in Mitteleuropa etwa 8.000 und 5.500 Jahren vor Chr.), setzen Neuerungen ein, die tiefgreifende sozio-ökonomische Veränderungen mit sich brachten.
Entscheidendes Merkmal der "Neolithischen Revolution" ist die Veränderung der Wirtschaftsweise. Nach Mitteleuropa gelangt die Domestikation von Tieren und Pflanzen vor mehr als 7000 Jahren. Die Mensch sind sesshaft und benutzen Keramik. Auch in der Steintechnologie gibt es Neuerungen; man entdeckt den Schliff von Stein.
Siehe auch
Mensch - Gattung Homo - Hominidae - Löwenmensch, Dreiperiodensystem - Prähistorische Körbe
Literatur
- Martin Kuckenberg: Vom Steinzeitlager zur Keltenstadt - Siedlungen der Vorgeschichte in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1446-8
- Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit. C. Bertelsmann, München 1991
- Dr. Thomas Priebe, der Untergang oder warum Atlantis in den Fluten versank > die Theorie schneller Bewegungen des tektonischen Plattensystems, über Manna-Verlag Dresden 2005 vgl. >
- Dr. Thomas Priebe, die Urgeschichte oder warum Moses Geschichten keine Fiktion sind > neue Aspekte zur Zivilisationsentwicklung, über Manna-Verlag Dresden 2005
Weblinks
- [http://www.pa-linz.ac.at/institut/gspb/Urgeschichte.PDF Aigner: Prähistorie - Ur- und Frühgeschichte (PDF)]
- [http://www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/Hoehlen.htm Die frühesten Funde menschlicher Kunst stammen aus der Altsteinzeit, v. A. Höhlenmalereien]
- [http://www.loewenmensch.de/ Löwenmensch - Eines der ältesten bisher gefundenen Kunstwerke]
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Altsteinzeit.htm Zur Altsteinzeit im Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach]
- [http://www.kulturendersteinzeit.de.vu Kulturen der Steinzeit]
Kategorie:Archäologie
Kategorie:Zeitalter
Levante
Als Levante (ital. für "(Sonnen-)Aufgang", auch "Morgenland") bezeichnet man im weiteren Sinne die Länder des östlichen Mittelmeeres, eigentlich alle Länder, die östlich von Italien liegen, besonders das Küstengebiet von Kleinasien, Libanon, Syrien und Ägypten. Im engeren Sinn bezieht sich der Begriff Levante auf die Küste und das Hinterland, das grob einen Großteil der heutigen Staaten Syrien, Jordanien, Libanon und Israel umfasst.
Aus europäischer Sicht erhielt die Levante durch die intensiven Handelsbeziehungen mit den italienischen Stadtstaaten eine besondere Bedeutung, die vor dem Hintergrund der Kreuzzüge zustande kamen. Die Levante war ein wichtiger Umschlagplatz für Orientwaren, die über den Indischen Ozean und die asiatischen Karawanenwege herangeschafft wurden und die man gegen europäische Erzeugnisse wie zum Beispiel Tuche eintauschte. Der Levantehandel trug erheblich zum Reichtum von Städten wie Genua und Venedig bei, wurde aber durch das Vordringen des Osmanischen Reiches schwer gestört, da die Osmanen in der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Handelssperre verhängten. Durch die Erschließung neuer Seewege im 15. und 16. Jahrhundert nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Levante stark ab.
”Levantinische Geschäfte” ist für Mitteleuropäer die etwas abwertende Bezeichnung für ”Handschlag-Geschäfte” (auch ”Feilschen”) mit Basar- bzw. Straßen-Händlern.
siehe auch
- Levantiner
Kategorie:Orient
ja:レバント
Jungsteinzeit
Die Jungsteinzeit oder das Neolithikum (vom griech. νεο „neu, jung“ und λιθος „Stein“) ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte. Ihr Beginn wird heute allgemein mit dem Übergang einiger Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten oder Ackerbauern festgesetzt, ihr Ende mit der lokalen Verwendung von Kupfer oder Zinnbronze durch die neolithischen Kulturen. Voraus ging die Mittelsteinzeit bzw. Altsteinzeit, es folgt die Bronzezeit.
Die Umstellung der Nahrungsbeschaffung vom Sammeln, Jagen und Fischen auf Viehhaltung und Pflanzenanbau markiert einen der fundamentalen Umbrüche in der Geschichte der Menschheit; ein Prozess, der von manchen Forschern „Neolithische Revolution“ genannt wird. Durch die Produktion von Nahrung schuf der Mensch die Voraussetzung für ein stetiges Bevölkerungswachstum. Statt umherzuziehen, schlossen sich die Menschen zu Dorfgemeinschaften zusammen. Statt kurzlebiger Behausungen konnte dazu übergegangen werden, solide Bauwerke aus Stein bis hin zu Monumentalbauten wie dem Tempel auf dem Göbekli Tepe zu errichten. Letztenendes ermöglichte der Ackerbau Anfänge einer arbeitsteiligen Gesellschaft, in der Spezialisten in der Lage waren, u. a. die Metallurgie zu entwickeln.
Definition
Der britische Anthropologe Sir John Lubbock definierte 1865 den Übergang in die Jungsteinzeit mit dem Auftreten von geschliffenen Steinartefakten (Axt, Beil). Später wurde das Auftreten von Keramik benannt. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts erkannte man aber regional auch das keramiklose Neolithikum. Heutzutage wird der Beginn der Jungsteinzeit, Vere Gordon Childe folgend, mit dem Beginn von Viehhaltung und Ackerbau gleichgesetzt (dem Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise), auch wenn die Domestikationen nicht gleichzeitig erfolgten.
Wandel der Wirtschaftsweise
Vor der eigentlichen Revolution, dem Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise, war eine Reihe von Entwicklungen nötig, die als proto-neolithisch bezeichnet werden. So entstanden einige dauerhafte Siedlungen bereits vor Entwicklung der Landwirtschaft, etwa in Palästina und Japan. Die unmittelbare Umgebung dieser Siedlungen bot den Bewohnern aber zeitweise nur ungenügende Ressourcen (ob nun Fisch, Fleisch oder Pflanzen). Der Kultivierung und dem gezielten Anbau von Getreide ging eine jahrtausendelange Nutzung entsprechender Wildvorkommen voraus; in der Levante ist diese bis 21.000 v. Chr. nachweisbar. Ebenso ging der Züchtung von Nutztieren das Halten von deren wilden Vorfahren voraus; in der Levante die Herdenhaltung von Gazellen, später (nach deren Verschwinden) von Wildziegen und -schafen.
Entstehung der Landwirtschaft
Der Übergang zu einer bäuerlichen Lebensweise, also Wandlung vom Jagen und Sammeln wilder Tiere und Pflanzen hin zur Kultivierung dafür geeigneter Arten, vollzog sich in der Menschheitsgeschichte an mindestens drei, wahrscheinlich aber sogar fünf oder mehr Orten unabhängig voneinander.
- definitiv (und am frühesten): im Nahen Osten, in Südchina und in Mittelamerika
- wahrscheinlich: in Südamerika und in Westafrika
- möglicherweise: in Äthiopien, im Osten der heutigen USA und auf Neuguinea
Die Entstehung der Landwirtschaft fällt für die drei erstgenannten Gebiete in den gleichen Zeitraum, etwa 8000 bis 11000 v. Chr., was nicht zufällig mit dem Ende der letzten Eiszeit (Übergang Pleistozän/Holozän, etwa 11000 bis 8300 v. Chr.) übereinstimmt. Während der Eiszeit war das Klima für eine Jahrhunderte in Anspruch nehmende Entwicklung von Landwirtschaft zu großen Schwankungen unterworfen. Erst vor 11000 Jahren stabilisierte sich in dem Areal des Wildgetreides das Klima so weit, dass der Anbau in Flusstälern möglich wurde.
Dennoch war die Entstehung der Landwirtschaft zumindest in der Levante weniger eine „freiwillige“ Entwicklung als vielmehr eine aus der Veränderung der Umwelt resultierende Notwendigkeit zum Überleben. Die Großtierfauna (insbesondere die Gazelle) hatte diese Region schon sehr früh verlassen, weshalb in der Region zwischen Euphrat und Mittelmeer vermehrt wildes Getreide auf Reibsteinen (Handmühlen) verarbeitet wurde. Die bislang ältesten Spuren von möglicherweise domestiziertem Getreide (in diesem Fall Roggen) fand man in Abu Hureira am syrischen Euphrat; sie werden auf ein Alter von 13.000 Jahren geschätzt. In dieser Zeit, dem jüngeren Dryas-Stadial, ließ eine langanhaltende Dürre einen Großteil der wilden Getreidearten verschwinden, weshalb die Menschen gezielt die dürreresistentesten züchteten.
In den trockeneren Gebieten südlich davon (Judäa, Sinai) ging man nach dem Verschwinden der Gazellen dazu über, Wildziegen und -Schafe in Herden zu halten. Die Domestikation dieser Tiere lässt sich in Beidha bereits 11.000 v. Chr. ableiten und ab 8300 v. Chr. belegen, da zu diesem Zeitpunkt Caproviden und Boviden nach Zypern gelangten. Sie muss aber weitaus früher erfolgt sein. Anfangs wurden Schafe und Ziegen ausschließlich als Fleisch- und Felllieferanten gehalten; erst um 3500 v. Chr. lässt sich die Nutzung von Sekundärprodukten, in erster Linie Milch und Wolle archäologisch belegen. Genetisch (Untersuchung Peltonen) weist der Beginn des Abbaus der Laktoseintoleranz, die bei allen Menschen zunächst bei 100 % lag, auf einen viel früheren Genuss von Tiermilch. Der Einsatz von Rindern als Zugtier vor dem Pflug ermöglichte den Übergang vom jungsteinzeitlichen Hackbau zu einer höheren Ackerbaukultur. Siehe dazu auch Geschichte des Transportwesens im Altertum.
In China, im Seengebiet am Mittellauf des Jangtse, wurde in etwa zur gleichen Zeit wie in der Levante dazu übergegangen, den ursprünglich ausschließlich gesammelten wilden Reis nach und nach zu kultivieren. Weiter flussabwärts des Jangtse wird in einem Gebiet mit damals feuchtwarmem subtropischem Klima von der chinesischen Forschung das Zentrum der Nassreis-Kultivierung gesehen. Im deutlich kühleren und trockeneren Norden Chinas, nördlich und südlich des Huáng Hé, wurde einige Jahrtausende später (wahrscheinlich zwischen 5500 und 5300 v. Chr.) erstmals Hirse, vermutlich Kolbenhirse domestiziert.
Zur Fleischgewinnung wurden in China Schweine, Hunde und Bankivahühner domestiziert. Wo der Wasserbüffel ursprünglich domestiziert wurde ist unklar. Vermutlich fand dies aber ebenfalls in Süd-China um 4000 v. Chr. statt. Ebenso wie der Auerochse im Nahen Osten sollte er besonders als Zugtier von Bedeutung sein.
4000 v. Chr.
Der Beginn der Landwirtschaft in Mittelamerika hatte (anders als in der Levante und in China) praktische Gründe. So züchteten die Bewohner des Oaxacatals im Süden Mexikos bereits um 8000 v. Chr. Gartenkürbisse, um darin Wasser von den Flussläufen zu ihren bewohnten Höhlen in den Bergen zu transportieren. Ihre Nahrung dagegen beschafften sie sich weiterhin als Jäger und Sammler. Erst um 5100 v. Chr. begann im nahegelegenen Grijalvadelta die Kultivierung einer als Nahrungsmittel bestimmten Nutzpflanze: die Teosinte, die wilde Form des Mais. Knapp tausend Jahre später, 4200 v. Chr., wurde die kultivierte Teosinte auch im Oaxacatal angebaut. Im Laufe der Zeit kamen Paprika, Sonnenblumen und Gartenbohnen zu den Anbaupflanzen hinzu.
Da es in der amerikanische Fauna an entsprechenden Wildtieren fehlte, die eine biologische Disposition zur Domestikation hatten, wurden außer dem Lama, dem Hund und dem Truthahn keinerlei Tiere als Fleischlieferanten oder Arbeitstiere domestiziert.
Verbreitung der Landwirtschaft
Abgesehen von den wenigen Gebieten, die ebenfalls als deren Geburtsstätten in Frage kommen, wurde die Landwirtschaft nirgend sonst auf der Welt eigenständig entwickelt, sondern aus einer der Ursprungsregionen übernommen. In erster Linie liegt das am Fehlen geeigneter wilder Pflanzen- und Tierarten in den anderen Regionen. So kamen die Wildformen von heute weltweit verbreiteten Nutzpflanzen wie Weizen und Gerste ursprünglich nur in Anatolien und Syrien vor, weshalb sie nur dort domestiziert und erst anschließend verbreitet wurden.
Die Ackerbauern der Levante hatten sich um 8000 v. Chr. etwa im Gebiet des südlichen Anatoliens (inklusive Zyperns) bis zur persischen Golfküste ausgebreitet. Es begann eine konzentrische Expansion der Landwirtschaft, und zwar in erster Linie durch eine Migration der Bauern mit den von ihnen domestizierten Pflanzen und Tieren aus der Levante sowie dem Wissen um deren Pflege, Aufzucht und Vermehrung im Gepäck. So bewiesen Vergleiche der mitochondrialen DNA, dass die ersten indischen Bauern näher mit den Bauern der Levante verwandt waren als mit den Jägern und Sammlern in ihrer Nachbarschaft. Ähnliches gilt für Europa, welches die Ackerbauern vor etwa 9.000 Jahren über die noch existierende Landbrücke am Bosporus kultivierten. Von Südosteuropa verbreiteten sie sich zunächst entlang der Mittelmeerküste sowie entlang der großen Flussläufe nach Ost- und Mitteleuropa. In Ägypten ergänzten dagegen die örtlichen Jäger und Sammler ihren Speiseplan mit importierten Kulturpflanzen aus der Levante. Über den Nil flussaufwärts erreichten die gleichen Pflanzen das Hochland von Äthiopien.
Ebenso könnten die domestizierten Pflanzen und Tiere aus dem Nahen Osten die Initialzündung für die Landwirtschaft im tropischen Westafrika gegeben haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass in dieser Region etwa um 5000 v. Chr. eigenständig Sorghum, Perlhirse und Afrikanischer Reis sowie Perlhühner kultiviert wurden. Nichtsdestotrotz scheint eine Verbindung zwischen dieser und den anderen Ackerbau-Regionen in Eurasien bestanden zu haben, da bspw. Sorghum schon ab etwa 2000 v. Chr. auch in Indien angebaut wurde. Umgekehrt fanden Rinder und Ziegen den Weg nach Westafrika, von wo aus sie schließlich durch die Wanderung der Bantu ab 3000 v. Chr. den Weg ins südliche Afrika fanden.
In Äthiopien wurden nach (möglicherweise sogar vor) dem Eintreffen der vorderasiatischen Kulturpflanzen Teff und Kaffee domestiziert. Auf Zypern machte man Katzen und in Sumer und Ägypten Esel zu Haustieren und fügte die Erdmandel und die Maulbeerfeige zu den Anbaupflanzen hinzu. Die Bewohner des Industals domestizierten Sesam, die Osteuropäer dagegen Hafer und die Westeuropäer Mohn. Auf der arabischen Halbinsel wurde das Dromedar und in der heutigen Ukraine oder in Kasachstan das Pferd domestiziert.
Mit der um ebenfalls 3000 v. Chr. einsetzenden austronesischen Expansion verbreitete sich die Landwirtschaft mit den in Südchina kultivieren Pflanzen in Südostasien und dem Pazifischen Raum. Da ein weiteres Domestikationszentrum zwischen Indien und Südchina von der Forschung als unwahrscheinlich erachtet wird, ist China demnach auch Ursprungsort des indischen Reis. In Neuguinea dagegen waren unter Umständen bereits vor dem Eintreffen der südchinesischen Kulturpflanzen die einheimischen Jäger und Sammler dazu übergegangen, Bananen und Zuckerrohr zu nutzen. Von Nordchina aus, wo Reis ab 3000 v. Chr. angebaut wurde, verbreitete sich die Landwirtschaft binnen tausend Jahren nach Korea und schließlich sehr spät nach Japan.
Der mesoamerikanische Ackerbau breitete sich nordwärts aus, wo er jedoch in den Wüstengebieten des heutigen Texas ein Hindernis fand. Womöglich fand die Domestizierung von Sonnenblumen, Gänsefuß, Maygrass und Erdbirne im Osten der heutigen USA daher unbeeinflusst statt. Der Kürbis, so bewiesen Gentests, wurde in insgesamt sechs verschiedenen Regionen domestiziert. Ebenso wurden zahlreiche andere Pflanzenarten mehrfach in unterschiedlichen Regionen kultiviert. In den peruanischen Anden und dem angrenzenden Amazonas-Tiefland wurden daher vermutlich eigenständig Maniok und Kartoffeln domestiziert und erst später durch Mais ergänzt.
Ebenso wie in Mittelamerika mangelte es in Südamerika an geeigneten großen Säugetieren zur Domestikation. Einzig das Lama wurde für den Lastentransport genutzt. Zur Fleischversorgung diente Charque, getrocknetes, in Streifen geschnittenes Lamafleisch und es wurden Meerschweinchen gehalten.
In einigen Regionen der Erde hielt die Landwirtschaft – und damit die Jungsteinzeit – nie (d. h. mindestens bis zur europäischen Kolonialzeit) Einzug. Zum einen sind dies Wüsten- und Polar-Regionen, die sich grundsätzlich nicht zur landwirtschaftlichen Nutzung eignen. Zum anderen sind es Regionen, die erstens keine zur Domestikation geeigneten Arten in ihrer Flora und Fauna boten sowie zweitens durch Wüsten oder ähnliche unwegsame Gebiete von den Entwicklungszentren der Landwirtschaft getrennt waren und daher nicht in Besitz geeigneter kultivierter Pflanzen und Tiere kamen (wie Australien). Heute sind nur noch wenige Naturvölker auf einer Entwicklungsstufe vor der Jungsteinzeit.
Archäologische Kulturen
Innerhalb der Jungsteinzeit lassen sich (deutlicher als in der Altsteinzeit) „typische“ Kulturen erkennen, die jeweils nach mehrhundertjähriger Dauer abgelöst wurden, bzw. in eine neue Phase eintraten. Die archäologischen Funde und Fundsituationen weisen innerhalb von zeitlich und regional bestimmbaren Regionen Ähnlichkeiten auf und deuten die Grenzen der einheitlichen Kulturräume an.
Mitteleuropa
Die früheste gut erforschte neolithische Kultur Mitteleuropas ist die bandkeramische Kultur (vor 7.500 Jahren. Am Ende verbreitet von Moldawien bis in das Pariser Becken, im Norden bis zum Nordrand der Mittelgebirge). Parallel zu dieser vorwiegend die Löss-Landschaften besetzenden Kultur dürften sich in Enklaven, besonders aber an der Peripherie mesolithische Jäger- und Sammler gehalten haben. Die Bandkeramik wurde im Gebiet des heutigen Deutschland im westlichen Verbreitungsgebiet von der Rössener Kultur abgelöst, im Osten von der Stichbandkeramik, der Oberlauterbacher Gruppe und der Münchshöfener Kultur.
Weitere: La-Hoguette-Gruppe Trichterbecherkultur Michelsberger Kultur
Danubischer Raum, Südosteuropa
Im mittleren Donauraum setzte das Neolithikum mit dem Starcevo-Körös-Cris Komplex ein, in Griechenland mit der Sesklo-Kultur. Das Mittelneolithikum prägten auch die Alföld-Linearkeramik bzw. die Bükk-Kultur in Nordungarn und der Slowakei. Das Endneolithikum war in Serbien und im Banat durch die Vinča-Kultur, in Ungarn durch die Theiß-Kultur (Tisza-Kultur) bestimmt. Am Übergang zum Mittelneolithikum bricht auf dem Balkan und im danubischen Raum die Kontinuität der Tell-Siedlungen ab.
China
- Cishan-Peiligang-Kultur
- Hemudu-Kultur
Mittelamerika
- Olmeken
- Zapotec
Südamerika
- Valdivia-Kultur
- Aspero-Kultur
- Chinchoros-Kultur
- Chorrera-Kultur
- El Paraiso-Kultur
Varia
Der einzige bekannte Mensch aus der Endphase der Jungsteinzeit ist der Ötzi, der vor über 5.000 Jahren lebte. Seine Leiche blieb als gefriergetrocknete Mumie erhalten. Er hatte typische Gerätschaften der Jungsteinzeit wie Pfeil und Bogen bei sich und trug bereits ein Kupferbeil.
Wichtige archäologische Stätten der Mittel- und Endphase der Jungsteinzeit (vor 6.500 bis 4.800 Jahren) und Nachfolger der Tempel auf dem Göbekli Tepe (Türkei) vor 11.000 Jahren sind die Megalithanlagen und Menhire in Carnac (Frankreich), in Skara Brae (Schottland), sowie Maltas Tempel und Newgrange und Knowth in Irland.
Technologie und Entwicklung
Die meisten Werkzeuge aus Holz, Tierknochen oder Feuerstein waren denen aus der Alt- und Mittelsteinzeit sehr ähnlich. Neu waren Beile und Äxte, die durch Sägen und Schleifen geschärft und zur Schäftung durchbohrt wurden. Ebenfalls neu war das Auftreten gebrannter Tongefäße. In den meisten Regionen traten diese meist zur Bevorratung gebrauchten Gefäße mit oder unmittelbar nach dem Entwicklung des Ackerbaus auf, in Japan dagegen aber schon weit vorher.
Feuerstein
Mit der beginnenden Sesshaftigkeit entwickelte sich auch der Hausbau weiter. Im Gebiet der Alpen baute man Hütten auf meterhohen Stützen („Pfahlbauten“) an den Ufergebieten der Seen; eine Bauweise, die den periodischen Überflutungen der Seeufer angepasst war. Um die Dörfer baute man riesengroße Zäune (Palisaden)zum Schutz vor Wölfen oder anderen Feinden.Auch im Seengebiet des Jangtse und am Jangtse-Delta wurde auf diese Weise gebaut.
In Çatal Hüyük wurden meist rechteckige Häuser, aus Lehmziegeln und einem Holzgerippe, gebaut. Für eine sesshafte Kultur war Grundbesitz und dessen Verteidigung von großer Bedeutung; Oasenstädte wie Jericho wurden von meterhohen Mauern umgeben.
Die Entwicklung der Landwirtschaft und die daraus resultierende bessere Versorgungslage führte zu einem Anstieg der Bevölkerungszahl. Gleichzeitig spezialisierten sich Teile der Gruppe auf bestimmte Tätigkeiten. Es bildete sich eine geistige und politische Führungsschicht (Priester, Stammesoberhäupter, Fürsten).
Metalle
Während der Jungsteinzeit wurde auch die Metallbearbeitung entwickelt. Sie beschränkte sich aber auf gediegene (elementar vorkommende) Metalle wie Gold, Silber und Kupfer. Die ältesten Kupferfunde stammen aus Anatolien und dem Iran und sind über 9.000 Jahre alt. Aufgrund der Metallverarbeitung wird der letzte Abschnitt der Jungsteinzeit regional begrenzt als Kupfersteinzeit bezeichnet.
Religion und Kunst
Kupfersteinzeit
Durch die Entwicklung von Pflanzenbau und Tierzucht kam der Idee der Fruchtbarkeit in der Vorstellung des Menschen eine größere Bedeutung zu. Analog zum Vorgang Säen–Reifen–Ernten wurde die Abfolge Geburt–Leben–Tod in die Glaubenswelt übernommen. Die Bedeutung der Frau als „Lebensspenderin“ stieg, ebenso die Rolle weiblicher Fruchtbarkeitsgottheiten in der Religion. Das Matriarchat wurde vorherrschende Gesellschaftsordnung. Erst mit der Entstehung erster staatlich organisierter Gesellschaften (den ersten Stadtstaaten in Mesopotamien) wird es vom Patriarchat abgelöst, eine Entwicklung, die bspw. im Etana-Mythos ihre religiös-mythische Begründung erhält.
Wie noch heute in einigen Naturreligionen wurden heilige Kräfte in der umgebenden Tier- und Pflanzenwelt vermutet. Menschen-, tier- oder mischgestaltige Fabelwesen wurden Objekt der Verehrung, ebenso die Sonne als höchstes Wesen oder Lichtgottheit. In Ägypten entstand die Idee der Sonnenbarke. Die Tradition (aus der Mittelsteinzeit) der Wandmalerei in Höhlen wurde in einigen Regionen fortgesetzt (Skandinavien, Ostspanien), während im Nahen Osten nun die Wände von Kultgebäuden verziert wurden.
Die Beisetzungen der Toten erfolgte in der Regel außerhalb der Siedlungen in Flachgräbern. In Mitteleuropa wurden bedeutende Herrscher in Hügel- oder Großsteingräbern (Megalithgräbern) beerdigt, ebenso scheint ein Toten- und Ahnenkult betrieben worden zu sein. In Ägypten begann im 4. Jahrtausend v. Chr. die Tradition unterirdischer Grabanlagen, die im Alten Reich mit den monumentalen Pyramidenbauten ihren Höhepunkt fand.
Die vielfältige und abwechslungsreiche Formung und Ornamentierung von Töpferware (Keramik) lässt Archäologen einzelne Gefäße (und damit Fundplätze) einer bestimmten Kulturgruppe zuordnen. Die Art und Weise der Keramikbearbeitung wird nun auch maßgebend für die Namensgebung (durch Archäologen) für die einzelnen Kulturen (bspw. Bandkeramiker) und löst damit die Steinwerkzeuge in dieser Hinsicht ab.
Literatur
Bücher
- John Lubbock: Die vorgeschichtliche Zeit erläutert durch die Überreste des Alterthums und die Sitten und Gebräuche der jetzigen Wilden, Costenoble, Jena 1874.
- Vere Gordon Childe: Der Mensch schafft sich selbst, Verlag der Kunst, Dresden 1959.
- Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften, Fischer TB, Frankfurt/Main 1998. ISBN 3-596-14967-3
- Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum, Bertelsmann, München 1991. ISBN 3-570-02669-8
- J. Müller: Die Impresso-Kultur und die Neolithisierung des Adriaraumes, Spiess Wissenschaftsverlag, Berlin 1994.
- Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (in: Beitraege zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, Bd. 36), Beier und Beran, Langenweissbach 2003. ISBN 3-930036-70-3
- Jeanette Werning: Früheste Scherben, frühester Reis, früheste Hirse. Zur Neolithisierung in China, in: Jörg Eckert (Hg.): Archäologische Perspektiven. Analysen und Interpretationen im Wandel, Leidorf, Rahden/Westfalen 2003, S. 103–129. ISBN 3-89646-400-0
- Daniel Zohary und Maria Hopf: Domestication of plants in the old world. The origin and spread of cultivated plants in West Asia, Europe and the Nile Valley, Oxford University Press, Oxford 32000. ISBN 0-19-850357-1
Artikel in Fachzeitschriften
- Bruce F. Benz: Archaeological evidence of teosinte domestication from Guilá Naquitz, Oaxaca, in: PNAS 98 (Februar 2001), S. 2104–2106. [http://www.pnas.org/cgi/content/abstract/98/4/2104 online]
- Daniel G. Bradley: Genetic evidence for Near-Eastern origins of European cattle, in: Nature 410 (April 2001), S. 1088–1091.
- Lounès Chikhi: Y genetic data support the Neolithic demic diffusion model, in: PNAS 99 (August 2002), S. 11008-11013. [http://www.pnas.org/cgi/content/full/99/17/11008 online]
- Richard Cordaux: Genetic Evidence for the Demic Diffusion of Agriculture to India, in: Science 304 (Mai 2004) S. 1125.
- Gordon Hillmann: New evidence of Lateglacial cereal cultivation at Abu Hureyra on the Euphrates, in: The Holocene 11/4 (Juli 2001), S. 383–393.
- Simcha Lev-Yadun: The Cradle of Agriculture, in: Science 288 (Juni 2000), S. 1602–1603
- Dani Nadel: Processing of wild cereal grains in the Upper Palaeolithic revealed by starch grain analysis, in: Nature 430 (August 2004), S. 670–673.
- Katharina Neumann: New Guinea. A Cradle of Agriculture, in: Science 301 (Juli 2003), S. 180–181.
- Dolores R. Piperno: Phylogenetic relationships among domesticated and wild species of Cucurbita (Cucurbitaceae) inferred from a mitochondrial gene, in: PNAS 99 (Januar 2002), S. 535–540. [http://www.pnas.org/cgi/content/full/99/1/535 online]
- Kevin O. Pope: Origin and Environmental Setting of Ancient Agriculture in the Lowlands of Mesoamerica, in: Science 292 (Mai 2001), S. 1370–1373.
- Bruce D. Smith: The Initial Domestication of Cucurbita pepo in the Americas 10,000 Years Ago, in: Science 276 (Mai 1997), S. 932–934.
- Melinda A. Zeder und Brian Hesse: The Initial Domestication of Goats (Capra hircus) in the Zagros Mountains 10,000 Years Ago, in: Science 287 (März 2000), S. 2254–2257.
Weblinks
- [http://www.kulturendersteinzeit.de.vu/ Kulturen der Steinzeit]
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Neolithikum.htm Zur Jungsteinzeit in Oberfranken (Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach)]
- [http://www.rserv.de/ Bilder von Großsteingräbern und Menhiren in Deutschland]
Siehe auch
- Portal:Vor- und Frühgeschichte – Neolithische Revolution, Baalberger Kultur, Stonehenge, Woodhenge, Silbury Hill
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Steinzeit
ko:신석기 시대
Mittelsteinzeit
Die Mittelsteinzeit, das Mesolithikum, ist die Zeit der nacheiszeitlichen Jäger und Sammler. Sie ist zur Altsteinzeit weniger durch ihre archäologischen Zeugnisse als vielmehr geochronologisch abgegrenzt und besitzt daher eher den Charakter einer unscharf definierten Übergangsphase.
Speziell in Europa jedoch kann sie als eigenständige Entwicklungsperiode gesehen werden, während der Begriff in anderen Weltteilen nicht angemessen scheint. Das Mesolithikum reicht im weitesten Sinne vom Ende der Altsteinzeit bis zum Auftreten des Ackerbaus, der den Beginn der Jungsteinzeit markiert. Das Ende der Mittelsteinzeit liegt daher im Vorderen Orient (hier ist der Begriff weniger gebräuchlich - siehe Epipaläolithikum) sehr viel früher als in Mitteleuropa oder in Skandinavien.
Somit begann die Mittelsteinzeit in Mitteleuropa nach dem Ende der Eiszeit (jüngeres Dryas-Stadial) etwa um 10.000 v. Chr. und endete ca. 6.000 v. Chr. im südlichen bzw. 4.500 v. Chr. im nördlichen Mitteleuropa. Die interne Chronologie des Mesolithikums beruht vor allem auf den wechselnden Häufigkeiten dieser Geräteinsätze. Allerdings gibt es bislang noch keine allgemein gültige Chronologie, sondern nur regionale Entwicklungen, die anhand von Stratigraphien bei Grabungen entwickelt wurden. Grundsätzlich wird das Mesolithikum in eine frühe, mittlere und späte Phase unterteilt.
Das Mesolithikum war vom Zurückweichen des Eises der letzten Eiszeit in Nordeuropa und der damit verbundenen schnellen Erwärmung des Klimas während des Präboreal geprägt. In den Gebieten, die vorher von eiszeitlichen Tundren bestimmt waren, entwickelten sich erst lichte, dann aber immer dichtere Wälder. Auf dem borealen Kiefern-Birkenmischwald folgte mit der allmählichen Einwanderung wärmeliebender Arten Haselvegetation und schließlich der atlantische Eichenmischwald. Die Besiedlungsgrenze verschob sich nach Norden.
Kennzeichnend für diese Epoche sind winzige Waffenprojektile aus Feuerstein und anderen Rohmaterialien, die so genannten Mikrolithen. Man unterscheidet Mikrolithen aus speziellen, sehr kleinen Klingen (Mikroklingen) und geometrische Mikrolithen, die durch das gezielte Zerbrechen und anschließende Retuschieren größerer Klingen hergestellt wurden. In Nordeuropa wurden geschäftete Beile, so genannte Kern- und Scheibenbeile, zur Holzbearbeitung verwendet.
Nachdem bereits in der jüngeren Altsteinzeit (Mähren) die ersten länger dauernden Siedlungsplätze entstanden, nahm die Sesshaftigkeit in der Mittelsteinzeit vermutlich weiter zu. Der verminderte Schweifradius lässt sich unter anderem an der Zusammensetzung des Feuersteinrohmaterials belegen. Die Menschengruppen der Mittelsteinzeit nutzten mehrere Siedlungsplätze saisonal, aber über mehrere Jahre hinweg. Ursache war insbesondere die bessere Verfügbarkeit von Sammelgut (Obst etc.), verbesserte Techniken zum Kleintierfang und die Entwicklung der Fischerei.
Siehe auch
Portal:Vor- und Frühgeschichte - Steinzeit
Weblinks
- [http://www.museum-werdringen.de/mittelsteinzeit.php Mesolithikum in Westfalen]
- [http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/lexikon/mesolithikum.htm Zur Mittleren Steinzeit im Landschaftsmuseum Obermain Kulmbach]
Kategorie:Zeitalter
Altpaläolithikum
Das Altpaläolithikum oder ältere Altsteinzeit steht am Anfang der menschlichen Kultur. Kennzeichen ist das erste Auftreten von Steinwerkzeugen. Dies begann in Afrika mit der Oldowan-Kultur vor etwa 2.500.000 Jahren und in Europa mit dem Acheuléen vor etwa 1.500.000 Jahren. In Afrika war es die Zeit des homo habilis in Europa dann die des homo erectus und des Neandertalers.
Siehe auch
Portal:Vor- und Frühgeschichte
Weblink
- http://www.uni-leipzig.de/~ufg/altpal.htm
Kategorie:Steinzeit
Mittelpaläolithikum
Das Mittelpaläolithikum ist der mittlere Abschnitt des Paläolithikums (Altsteinzeit), der vor ca. 200.000 Jahren beginnt und etwa vor 40.000 Jahren endet. In der Regel wird dieses Zeitalter mit den Neandertalern assoziiert, obwohl im Nahen Osten eindeutig frühe anatomisch moderne Menschen (archaischer Homo Sapiens) bereits um 90.000 vor heute vorkommen, die ebenfalls Träger des Mittelpaläolithikums sind.
Das europäische Mittelpaläolithikum wird auch als Moustérien bezeichnet, nach der französischen Fundstelle Le Moustier. Technologisch ist dieser Zeitabschnitt durch die häufig mit der Levalloistechnik hergestellten Abschläge und durch das häufige Vorkommen von Schabern charakterisiert.
Klimatisch liegt das Mittelpaläolithikum im späten Abschnitt der Riß- oder Saale-Eiszeit, dem Eem-Interglazial und den unteren Abschnitten der Würm- oder Weichsel-Eiszeit.
In den späten Abschnitten entwickeln sich in Europa bereits Übergangsindustrien, die schon Kennzeichen des folgenden Jungpaläolithikums tragen.
Siehe auch: Portal:Vor- und Frühgeschichte - Aurignacien, Châtelperronien, Levalloistechnik, Micoquien
Kategorie:Zeitalter
Jungpaläolithikum
Das Jungpaläolithikum bezeichnet den jüngeren Abschnitt der Altsteinzeit, dessen Beginn üblicherweise um 40.000 vor heute angesetzt wird und mit dem Ende der Eiszeit um 10.000 endet. Technologisch ist es durch das Auftreten von Knochen-, Geweih- und Elfenbeinspitzen, Klingen, Sticheln, Schmuck sowie Wand- und Kleinkunst charakterisiert.
Als frühes Jungpaläolithikum werden das Châtelperronien oder andere Übergangsindustrien sowie das Aurignacien bezeichnet, das mittlere Jungpaläolithikum wird durch das nur in Süd- und Westeuropa auftretende Solutréen und das Gravettien bestimmt. Das späte Jungpaläolithikum ist durch das Magdalénien charakterisiert. An dieses schließt das Spätpaläolithikum mit verschiedenen lokalen Industrien an.
Klimatisch ist die Zeit durch die Würm-Eiszeit (Würm III und IV) geprägt, deren Kältemaximum um 20.000 vor heute liegt. Abgesehen von kürzeren Phasen einer Zwischeneiszeit mit gemäßigtem feuchten Klima herrschte kaltes und trockenes Klima vor.
Siehe auch: Portal:Vor- und Frühgeschichte - Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, Ur- und Frühgeschichte zwischen Alpen und Maingebiet
Kategorie:ZeitalterKategorie:Archäologie
Altpaläolithikum
Das Altpaläolithikum oder ältere Altsteinzeit steht am Anfang der menschlichen Kultur. Kennzeichen ist das erste Auftreten von Steinwerkzeugen. Dies begann in Afrika mit der Oldowan-Kultur vor etwa 2.500.000 Jahren und in Europa mit dem Acheuléen vor etwa 1.500.000 Jahren. In Afrika war es die Zeit des homo habilis in Europa dann die des homo erectus und des Neandertalers.
Siehe auch
Portal:Vor- und Frühgeschichte
Weblink
- http://www.uni-leipzig.de/~ufg/altpal.htm
Kategorie:Steinzeit
AcheuléenDas Acheuléen ist eine Kulturstufe des Paläolithikum, der Altsteinzeit, benannt 1872 von Gabriel de Mortillet nach der Fundstätte der Faustkeile nahe Saint Acheul, einem Vorort von Amiens (Frankreich).
Das Acheuléen begann in der zweiten Eiszeit und setzte sich bis in die dritte Eiszeit fort. Es handelte sich um eine Kultur der Jäger und Sammler, für die sich Spuren vor allem im damals eisfreien West-, Süd- und Mitteleuropa sowie im Nahen Osten und Nordafrika finden. Kennzeichen sind unter anderem perfekt gearbeitete Faustkeile, die für viele verschiedene Tätigkeiten eingesetzt werden konnten.
Weblinks
- [http://www.willighp.de/evo/werkzeuge/acheuleen-print.htm Die Werkzeuge der Hominiden]
Kategorie:Archäologische Kultur
Kategorie:Steinzeit
Homo ergasterHomo ergaster ist eine Art der Gattung Homo (Menschen) oder ein irrtümlich zur eigenen Art gemachter Teil von Homo erectus.
Der Speziesname ergaster kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Handwerker".
Homo ergaster lebte vor ca. 1,8 bis 1,4 Millionen Jahren. Fossilienfunde gibt es insbesondere aus Ostafrika, einzelne Funde auch aus Südafrika, Äthiopien und Georgien.
Als Vorfahr von Homo ergaster werden Homo habilis und Homo rudolfensis angesehen. Von manchen Anthropologen werden die Homo ergaster-Fossilien auch zu Homo erectus gestellt - und die Existenz von Homo ergaster wird in neueren Studien überhaupt zurückgewiesen und ein "einfaches" Homo-erectus-Konzept vorgeschlagen (Quelle: [http://science.orf.at/science/news/47966 science.orf.at]). Diesem ähnelt Homo ergaster im gesamten Habitus sehr, allerdings ist der Körperbau etwas zierlicher.
Besonders bemerkenswert ist der so genannte Nariokotome Boy, von dem Kimeu zunächst den Schädel, Alan Walker und Richard Leakey in den folgenden Grabungskampagnen den größten Teil des restlichen Skeletts fanden. Das Gehirnvolumen von Homo ergaster ist größer als das von Homo habilis und lag zwischen 750 und 900 cm3.
Für Homo ergaster ist Werkzeuggebrauch und Werkzeugherstellung nachgewiesen. Kulturell gehört er der Altsteinzeit an und zwar zunächst der Stufe des Oldowan. So finden sich aus der georgischen Fundstätte Dmanisi zahlreiche unterschiedliche Steinwerkzeuge, die bereits bohrerartige Spitzen und Schneiden aufweisen, aber noch nicht die typische Zweischneiden-Technik des Acheuléen zeigen.
Siehe auch
- Anthropologie
- Mensch
- Evolutionstheorie
Weblinks
- [http://www.dmanisi.org.ge/paleoanthropology.htm Georgische H. ergaster-Funde]
- [http://www.willighp.de/evo/funde/her_knm-wt15000.php "Turkana Boy"]
Kategorie:Primaten
ja:ホモ・エルガステル
Homo heidelbergensisDer Homo heidelbergensis ist eine Spezies der Gattung Homo (Menschen), die besonders im pleistozänen Europa vorkam. Er lebte vor etwa 600.000 bis 100.000 Jahren. Früher wurde er manchmal auch als archaischer Homo Sapiens bezeichnet, eine Bezeichnung, die alle Menschenformen umfasste, die morphologisch nicht mehr zu Homo erectus zu rechnen sind.
Typusexemplar für den Homo heidelbergensis ist der Unterkiefer von Mauer bei Heidelberg. Er wurde 1907 in einer Sandgrube gefunden und 1908 von Otto Schoetensack beschrieben. Von einigen Anthropologen werden die Fossilien von Homo heidelbergensis als späte Homo erectus klassifiziert.
Merkmale des Homo heidelbergensis in Abgrenzung vom früheren Homo erectus und Homo ergaster sind:
- vergrößertes Gehirnvolumen von rund 1200 cm3
- steilere Stirn
- schlankerer Körperbau
- größte Gehirnbreite im Bereich der Schläfen statt an der Basis
- teilweise kleinere Überaugenwülste
- weniger vorspringender Kiefer, jedoch robuster als bei Homo sapiens
- kleinere Zähne
- Körpergröße bis ca. 1,70 m (Männer) bzw. 1,60 (Frauen)
Homo heidelbergensis ist eine primär europäische und afrikanische Spezies. Fundstellen sind neben Mauer in Deutschland
- Bodo d'Ar in Äthiopien, 0,6 Mio. Jahre
- die Höhle von Arago bei Tautavel in Frankreich (Pyrenäen), 0,3 Mio. Jahre
- Petralona in Griechenland, 0,2 Mio. Jahre
- Broken Hill, heute Kabwe, in Sambia, 0,3 Mio. Jahre (Homo rhodesiensis)
- Boxgrove in England, 0,5 Mio. Jahre
Viele Anthropologen rechnen auch die etwa 0,8 Millionen Jahre alten Fossilien von Homo antecessor zu Homo heidelbergensis. Als Nachfahre von Homo heidelbergensis wird in Europa Homo neanderthalensis angesehen.
Homo heidelbergensis ernährte sich vermutlich hauptsächlich von der Jagd. Er war in der Lage, Großwild zu erlegen, beispielsweise Pferde (Schöningen) und Nashörner (Boxgrove). Er benutzte sorgfältig angefertigte, bis 2,50 m lange Wurfspeere sowie Feuersteinwerkzeug. Schneidemarken auf Knochen zeigen, dass er Fleisch von den Knochen abschabte. Knochen wurden auch als Werkzeuge für die Herstellung von Steinwerkzeugen benutzt. Wegen seiner entwickelten kulturellen Fähigkeiten vermuten bisweilen einzelne Forscher beim Homo Heidelbergensis schon Ansätze einer einfachen Sprache. Kulturell wird Homo heidelbergensis der altsteinzeitlichen Periode des Acheuléen zugeordnet.
Literatur
- Bärbel Auffermann, Jörg Orschiedt: Die Neandertaler - Eine Spurensuche, Stuttgart 2002. 112 S. ISBN 3-8062-1514-6
- A. Sauer: Erläuterungen zur Geol. Karte 1 : 25 000 Baden-Württ. Blatt 6618 Heidelberg-Süd (früher Blatt Neckargemünd) 110 S., Stuttgart 1985
- O. Schoetensack: Der Unterkiefer des Homo heidelbergensis aus den Sanden von Mauer bei Heidelberg. Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1908 [http://www-gdz.sub.uni-goettingen.de/cgi-bin/digbib.cgi?PPN361493010 (digitalisiert online)]
- H. Weinert: Dem Unterkiefer von Mauer zur 30-jährigen Wiederkehr seiner Entdeckung. Z. f. Morphol. u. Anthropol. Bd.XXXVII, Heft 1, S.102-113, 1937
- E. Probst: Deutschland in der Urzeit. München 1986
- E. Probst: Deutschland in der Steinzeit. München 1991
Weblinks
- http://www.homoheidelbergensis.de/ einschließlich Erstbeschreibung
- http://www.erbedermenschheit.de/ Holzspeere
- http://www.modernhumanorigins.com/heidelbergensis.html (engl.)
- http://www.ucl.ac.uk/boxgrove/man/homo.htm (engl.)
- http://themenpark-umwelt.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/7639/?path=7160;10561;
Kategorie:Primaten
ja:ホモ・ハイデルベルゲンシス
LevalloistechnikDie Levalloistechnik bezeichnet die typische Steinbearbeitungstechnologie des Mittelpaläolithikums (mittlere Altsteinzeit). Benannt wurde sie nach einem Fundort in einem Vorort von Paris.
Gekennzeichnet ist diese Technologie durch eine aufwändige Präparation des Kernsteins, bevor ein Abschlag durch einen einzelnen gezielten Schlag gewonnen werden kann. Die so erzielten Abschläge sind häufig sehr groß und dünn.
Verbreitet ist diese Technik im Moustérien und Châtelperronien.
Weblinks
[http://www.hf.uio.no/iakk/roger/lithic/LEV/Lev.html Demonstration der Levalloistechnik (englisch)]
Kategorie:Steinzeit
MoustérienMoustérien, nach der französischen Fundstelle Le Moustier, bezeichnet einen Teil des europäischen Mittelpaläolithikum. Es beginnt ca. vor 120.000 Jahren - im Übergang aus dem Mittel-Acheuléen und Spät-Acheuléen (250.000 bis 180.000 und 180.000 bis 120.000 Jahren)- und dauert bis etwa vor 40.000 Jahren. Vgl. das Auftauchen des homo sapiens diluvialis, den Träger der jungpaläolithischen Klingenkultur, schließlich, definiert, des Cro-Magnon-Menschens. In der Regel wird dieses Zeitalter mit den Neandertalern assoziiert, obwohl im Nahen Osten eindeutig frühe anatomisch moderne Menschen (archaischer Homo Sapiens) bereits um 90.000 vor heute vorkommen, die ebenfalls Träger des Moustérien sind. Technologisch ist dieser Zeitabschnitt durch die häufig mit der Levalloistechnik hergestellten Abschläge und durch das häufige Vorkommen von Schabern charakterisiert.
Klimatisch liegt das Mittelpaläolithikum im späten Abschnitt der Riß- oder Saale-Eiszeit, dem Eem-Interglazial und den unteren Abschnitten der Würm- oder Weichsel-Eiszeit.
In den späten Abschnitten entwickeln sich in Europa bereits Übergangsindustrien, die schon Kennzeichen des folgenden Jungpaläolithikums tragen.
Siehe auch: Aurignacien, Châtelperronien, Levalloistechnik, Micoquien
Kategorie:Anthropologie
Kategorie:Steinzeit
Homo sapiens sapiens
Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). Früher wurden Mensch (Hominidae) und Menschenaffen (Pongidae) insbesondere aufgrund der besonderen geistigen Entwicklung des Menschen als zwei getrennte Familien betrachtet, jüngere Untersuchungen sehen zwischen beiden Gruppen ein engeres Verwandtschaftsverhältnis und stellen sie daher in eine gemeinsame Familie. Der moderne Mensch ist die einzige bis heute überlebende Art der Gattung Homo.
Manchmal wird für den modernen Menschen auch die wissenschaftliche Bezeichnung Homo sapiens sapiens gebraucht, die zum Ausdruck bringen soll, dass der Neanderthaler (dann Homo sapiens neanderthalensis) zur selben Art gehörte wie der moderne Mensch. Diese Ansicht gilt heute aber als sehr zweifelhaft, weswegen die moderne Bezeichnung schlicht Homo sapiens ist. Sie leitet sich aus dem Lateinischen von homo:„Mensch“ und sapiens:„weise“ ab.
Die einzigartige Stellung des Menschen im Tierreich
Wie manche andere Tiere, weist der Mensch einige hoch spezialisierte Merkmale auf. In vermutlich zwei Eigenschaften, sicher aber hinsichtlich eines Kriteriums unterscheidet er sich deutlich von den heute bekannten übrigen Tierarten:
Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass beim Menschen die biologische zu Gunsten einer "kulturellen" Evolution in den Hintergrund getreten ist. Aufgrund seiner intellektuellen oder auch kulturellen "Fähigkeiten" ist er in der Lage, sich veränderten Umweltbedingungen sehr viel besser und schneller anzupassen als jedes andere Tier. Die Evolution hat sich beim Menschen auf die Verbesserung seiner Kulturfähigkeiten (Schrift, gedankliche Konstrukte wie Mathematik, Religion oder Recht, Ausdruck von Gefühlen und Gedanken durch Kunst) ausgeweitet; diese Kulturtechniken durchlaufen nunmehr selbst einen Evolutionsprozess. Andere Tierarten dagegen durchlaufen nach heutigem Wissen mitsamt ihrer Kultur die Evolution.
Kunst]]
In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass andere Tiere nicht im selben Maße wie der Mensch die Fähigkeit besitzen, ihre im Phänotyp entwickelten Fähigkeiten, ihr erlerntes Wissen, auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen. Der Mensch besitzt ein historisches Bewusstsein: Er steht nicht in der Notwendigkeit, Informationen entweder durch die genetische Vererbung zu erhalten oder Erfahrungen genauso wie seine Vorgänger immer aufs Neue selbst machen zu müssen, sondern er kann auf Handlungen und Informationen zurückgreifen, die viele Generationen vor ihm geschaffen haben (wobei es aber auch bei zahlreichen sonstigen Tierarten zur Traditionsbildung kommt, beispielsweise bei Menschenaffen). Der Mensch ist vermutlich viel stärker als jedes andere Tier in der Lage, in seinem zeitlichen Bewusstsein Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft in kausale Zusammenhänge zu bringen. Somit kann er seine Handlungen vergleichen, um "viele Ecken herum" planen (Kreativität) und somit teilweise eine Zukunft entwerfen, die er durch seine absichtlichen Handlungen schaffen sollte. Der Mensch ist in der Lage, die Lebensbedingungen seiner Art durch Arbeit bewusst zu gestalten, solange er sich seine Arbeit aussuchen kann und ihn keine sonstigen Hindernisse daran hindern.
Zum zweiten sind sich menschliche Individuen – vermutlich als einzige Lebewesen auf der Erde – sich selbst und ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst. Durch das absehbare Sterben ergibt sich nur für den Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Leben nach dem Tod. Diese Fragen sind in der Philosophie und der Religion zentralständige Themen.
Nicht allein typisch für den Menschen, jedoch bei ihm besonders stark ausgeprägt, ist seine Eigenschaft, sich hochorganisiert in größeren Gruppen zusammenzuschließen, was man in einer sehr abgeschwächteren Form auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel Wölfen oder Affen beobachten kann. Dies wird begünstigt durch die im Vergleich zu anderen Tieren komplexe Sprache des Menschen, die eine fortschreitende Arbeitsteilung ermöglicht. Auf der anderen Seite steht zu vermuten, dass die Entwicklung der Zivilisation auch die Entwicklung der Sprache in enger Wechselwirkung förderte und beides letztlich zu den hoch entwickelten Kulturen führte, die die Menschheit heute besitzt.
Entwicklung
Mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum heutigen Jetzt-Menschen beschäftigt sich die Paläanthropologie, deren wichtigste Datenquellen die Archäologie liefert. Noch immer sind die Vorgänge der Menschwerdung aus affenartigen Vorfahren, vermutlich im Osten Afrikas, nicht endgültig aufgeklärt. Der gegenwärtige Stand der Erkenntnisse wird im Artikel Hominisation aufgezeigt.
Neben der biologischen Entwicklung ist für den Menschen jedoch auch seine kulturelle Entwicklung maßgeblich, welche auf die Entwicklung der Sprache zurückzuführen ist, mit der es dem Menschen erst möglich wurde Ideen auszutauschen. Der kulturelle Entwicklungsstand des Menschen war zunächst über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Mit der Entstehung des modernen Menschen und seiner nachfolgenden Auswanderung aus Afrika beschleunigte sich jedoch die kulturelle Innovation, bis seit Ende der letzten Eiszeit mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht der Mensch erstmals großräumig gestaltend in seine Umgebung eingriff. Seit dieser Zeit besitzt der Mensch eine über weitaus mehr als ein paar Generationen zurückreichende Geschichte, auf deren Grundlage die Individuen agieren müssen.
Typische Merkmale des modernen Menschen im Vergleich:
- Das Gehirnvolumen von Homo sapiens ist etwas kleiner als das des Neandertalers.
- Die Stirn ist am steilsten von allen Hominiden ausgeprägt
- Ober- und Unterkiefer sind leicht reduziert
Als Vorfahren des Homo sapiens kommen insbesondere die afrikanischen Populationen von Homo ergaster und Homo erectus in Frage. Die Zuordnung der Fossilfunde zu einzelnen Arten ist allerdings umstritten.
Der wissenschaftliche Begriff Homo sapiens wird nicht selten in leicht humoristischer Anspielung als Vorlage für die Kreation neuer Begriffe benutzt, die Eigenschaften des Homo sapiens darstellen, beispielsweise
- Homo oeconomicus
- Homo reziprocans
- Homo faber (Roman von Max Frisch)
- Homo ludens
- Homo sociologicus
- Homo ötzi
Die Entwicklung des Menschen muss auch deutlich im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Planeten, der Erde, gesehen werden. So zwangen die vielen Eiszeiten den Menschen, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Der Mensch war also in der Lage, sich immer wieder anzupassen und er kam und kommt mit den verschiedensten Lebensbedingungen zurecht. Im Gegensatz dazu sind die meisten Tiere auf einen Lebensraum beschränkt.
Verbreitung des modernen Menschen über den Globus
Alle heute lebenden Menschen sind sehr nahe miteinander verwandt, wie molekularbiologische Untersuchungen an der ribosomalen RNA und mitochondrialen DNA gezeigt haben. Die größten Unterschiede finden sich innerhalb der afrikanischen Populationen. Die Populationen außerhalb Afrikas sind – mit Ausnahme einiger später aus Afrika ausgewanderter Gruppen – genetisch sehr uniform. Moderne Funde unterstützen die „Out of Africa“-These, also die Ausbreitung des modernen Menschen vom afrikanischen Kontinent aus.
Fossilien, die dem biologisch modernen Menschen zugerechnet werden, gibt es seit etwa 160.000 Jahren, verstärkt seit ca. 100.000 Jahren. Lange Zeit lebte die Art in Afrika zeitparallel zum primär europäischen Neandertaler, der besonders an das Leben im eiszeitlichen Klima angepasst war. Im Nahen Osten, später auch in Europa, kamen beide gleichzeitig gemeinsam vor. Es ist unklar, ob sich beide Arten vermischt haben, die Mehrzahl der Fossilien weist deutlich erkennbare morphologische Unterschiede auf. Molekulargenetische DNA-Analysen sprechen gegen eine Vermischung beider Arten.
Die Menschheit kann auf genetischer Basis in zahlreiche Gruppen unterteilt werden. Diese konnten entstehen, da es früher aufgrund von geographischen Distanzen und kultureller Differenzen keinen kontinuierlichen Genfluss aller Populationen gab.
So können die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den menschlichen Populationen relativ genau ermittelt werden. Das Genographic Project untersucht mit Hilfe moderner Methoden, wie sich die Menschheit als sie von Afrika den Rest der Welt besiedelte in immer mehr Gruppen aufspaltete. Dabei kann jeder an dem Projekt teilnehmen, indem er seine DNA Probe untersuchen lässt. Auf diese Weise kann man herausfinden, woher die eigenen Vorfahren stammen.
Zuerst teilten sich die Menschen vor etwa 65.000 Jahren in die folgenden drei heute noch lebenden Gruppen auf:
#Nicht-Afrikaner
#Afrikaner außer San
#San und Khoi Khoi
Die beiden Gruppen der Afrikaner blieben auf ihrem Heimatkontinent während die Nichtafrikaner nach Asien auswanderten. Die San und Khoi Khoi leben heute im südlichen Afrika, sie unterscheiden sich von allen anderen Afrikanern genetisch und durch ihre Sprache (Klicklaute).
Auch die Nichtafrikaner teilten sich nicht lange nach ihrer Auswanderung vor etwa 55.000 Jahren wieder in eine nördliche und eine südliche Gruppe auf.
Die südliche Gruppe spaltete sich wenige Jahrtausende später weiter in Australier (heutige Aborigines, Tasmanier und Papuas), Negritos (heute Andamaner, Aeta, Semang, Senoi) und Südasiaten (heute: Südchinesen, Thai, Khmer, Indonesier, Philipinos, Polynesier und andere Bewohner Ozeaniens) auf.
Die nördliche Gruppe teilte sich vor etwa 45.000 Jahren in "Weiße" (dunkelhäutige Inder, südwestasiatische Völker, Araber, Nordafrikaner, hellhäutige Menschen europäischer Abstammung) und Nordasiaten (heute: Mongolen, Tibetaner, Sibirische Bevölkerung, Nordchinesen, Japaner, Ainu, Koreaner, Inuit) auf. Von den Nordasiaten trennten sich zwischen 30.000 und 14.000 Jahren dann die Indianer (Nord- und Südamerika) ab.
In prähistorischen Zeiten haben sich die unterschiedlichen Populationen der Menschheit an den regionalen Grenzen ihres Verbreitungsgebietes immer wieder vermischt, wobei dieser Effekt lange Zeit nur gering war.
Heute ist der Mensch mit über 6 Milliarden Individuen bis auf einige Wüsten- und Bergregionen, einige Inseln und die Antarktis auf dem ganzen Globus anzutreffen. Durch die zunehmende Mobilität vermischen sich die unterschiedlichen genetischen Gruppen immer mehr, nachdem sie früher durch geographische Distanz oder kulturelle Unterschiede genetisch voneinander getrennt blieben. So bilden sich immer mehr neue Ethnien (z.B. Farbige in den USA). Andere Gruppen wie z.B. die San und Khoi Khoi sind dagegen dabei ganz zu verschwinden, da ihre Kultur immer mehr zerstört wird und sie in Städte wandern und sich dort vermischen.
Biologie
Anatomie
Der menschliche Körper ist ein kompliziertes Gebilde, das zu 60 bis 70% aus Wasser, etwa 20% Proteinen, 15% Fetten und 5% Mineralen und anorganischen Stoffen besteht. Ein erwachsener Mensch hat eine typische Körpergröße zwischen 150 cm und 200 cm. Die Anatomie des Körpers ist im Artikel Anatomie des Menschen detailliert beschrieben: Wie bei anderen Wirbeltieren auch, lässt sich der Körper strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane. Doch greift die Reduktion auf eine rein funktionale Betrachtung des Körpers zu kurz, der Körper des Menschen stellt als Grundbedingung für die Existenz des Menschen einen unabdingbaren Rahmen für seinen Geist und sein Erleben der Welt dar.
Genetische Verwandtschaft
Das menschliche Genom enthält sowohl kodierende als auch nicht-kodierende DNA-Sequenzen, die denjenigen anderer Lebewesen erkennbar homolog sind und mit DNA-Sequenzen sehr nahe verwandter Arten wie der anderer Menschenaffen sogar völlig übereinstimmen. Anhand quantitativer Messungen der Ähnlichkeit dieser Basenpaarketten kann man umgekehrt auf die Verwandtschaftsverhältnisse zurückschließen. Dies bestätigt Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans in dieser Reihenfolge als nächste menschliche Verwandte.
Soziologie
Die Soziologie beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit dem Menschen, obwohl es in den 1920er Jahren Versuche gab, eine "Tiersoziologie", sogar eine "Pflanzensoziologie" zu etablieren.
Warum das biologisch erschlossene Tier "Mensch" besondere Eigenarten hat, untersuchen beziehungsweise beantworten i. w. S. die Anthropologie, sodann die Soziobiologie und die Biosoziologie. Daher nimmt dann die Soziologie ihre Axiome, wenn nicht Soziologen selber soweit ausgreifen.
Der Versuch, schon einmal eine Soziologie für extraterrestrischer Lebewesen mit menschenähnlicher geistiger Entwicklung zu entwerfen, wie beispielsweise die 'Exosoziologie', sind so lange rein spekulativ, bis sie empirisch geprüft werden können.
Recht
Rechtlich gesehen ist der Mensch zumeist eine ("natürliche") Person, deren Status je nach Staat unterschiedlich festgelegt ist, jedenfalls ist er rechtsfähig. Im "Bürgerlichen Gesetzbuch" der Bundesrepublik Deutschland heißt es dementsprechend in § 1: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung seiner Geburt. Es gibt Gesellschaften, in denen das nicht jeder Mensch ist: In Stammesgesellschaften beispielsweise kann ein Neugeborenes bis zur Anerkennung durch den Vater ohne Rechtsfähigkeit sein; in Staaten mit Sklaverei gelten Sklaven zuweilen als "Sachen" u. a.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen soll in jedem Staat einen Grundstatus vorgeben. Gemäß diesem Menschenbild besitzt jeder einzelne Mensch von Geburt an eine besondere, unantastbare und unveräußerliche Würde. Aus diesem Grund hat jeder Einzelne bestimmte Rechte, zum Beispiel das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit, auf Religionsfreiheit und auf Meinungsfreiheit sowie auf einen angemessenen Arbeitslohn. Dieses Ideal ist aber nicht überall verwirklicht, denn in vielen Staaten werden Leute ohne Gerichtsverfahren eingesperrt, Gefangene gefoltert, Frauen und Kinder unterdrückt und Menschen leben in Armut. Ferner wird das Grundrecht auf Leben, obgleich mit dem Begriff der Würde eng verknüpft, in keinem Land als unantastbar angesehen, da eine solche Unantastbarkeit mit jeglicher Bewaffnung (Armee, Polizei usw.) im Widerspruch stünde.
Manche Kulturkreise und Religionen kennen keine allgemein gültigen Menschenrechte. Insbesondere der Islam, die indische und die chinesische Kultur machen einen Unterschied zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" oder zwischen den Rechten des Mannes und denen der Frau.
Religion
Der Mensch handelt selbst sowohl als glaubendes, betendes, Riten ausübendes Subjekt, als auch als Objekt religiöser Riten und Anbetungen. Nicht in allen Religionen gilt er als direkte Schöpfung eines oder mehrerer Götter.
Religionen und religiöse Motive haben nahezu die gesamte bekannte Geschichte des Menschen begleitet, zuerst als Verehrung von Naturkräften, dann als Anbetung mehrerer Götter und schließlich als Monotheismus. Dies führte zu der philosophischen Frage, in wieweit die Religion zu den spezifischen Merkmalen des Menschen gehöre.
Das Christentum, das Judentum und der Islam betrachten die Entwicklung des Menschen, wie auch die gesamte Schöpfung als Werk Gottes. Für die großen christlichen Religionsgemeinschaften bestehen dabei keine Widersprüche zwischen dem wissenschaftlich Bewiesenem und dem christlichen Glauben, weil nach ihrer Auffassung Theologie und Wissenschaft unterschiedliche Fragestellungen behandeln.
Aus Sicht christlicher Kreationisten, die vor allem in den USA ein umfangreiches Unterstützerfeld haben, wird die Vorstellung, der Mensch habe sich über Jahrmillionen aus tierischen Vorfahren entwickelt, in wörtlicher Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte entschieden abgelehnt.
Verwandte Themen
- Anatomie des Menschen
- Anthropologie
- Menschheitsgeschichte
- Hominisation
- Humanismus
- Körpergröße
- Daten des menschlichen Körpers
- Kreativität
- Menschenbild
- Menschenrechte
- Philosophische Anthropologie
- Psychologie
- Schwanzmensch
- Soziologie
- Weltbevölkerung
Literatur
- Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002),
- Walfried Linden, Alfred Fleissner: Geist, Seele und Gehirn. Entwurf eines gemeinsamen Menschenbildes von Neurobiologen und Geisteswissenschaftlern, LIT-Verlag Münster 2004, ISBN 3825879739
Weblinks
- [http://www-users.med.cornell.edu/%7Espon/picu/calc/bsacalc.htm Body Surface Area Calculator] - Tool zur Berechnung der Körperoberfläche eines Menschen (engl.)
- [http://www.med-rz.uni-sb.de/med_fak/anatomie/bock/3dstart.htm 3D Anatomie]
- [http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/~stueber/darwin/werke05/index.html Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen] (in der ersten deutschen Übersetzung (1875) des englischen Originaltextes)
- [http://www.tgs-chemie.de/evolution_des_menschen.htm Vergleich von Menschenaffen und Menschen]
- [http://clv.dyndns.info/pdf/255649.pdf Faszination Mensch - Buch im PDF-Format] (stark religiös motiviert)
Kategorie:Primaten
Kategorie:Anthropologie
Kategorie:Menschenrechte
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Homo sapiens neanderthalensis
Der Neandert(h)aler (Homo neanderthalensis) gehört zur Gattung Homo und wurde nach dem Neandertal bei Mettmann (zwischen Düsseldorf und Wuppertal) benannt, wo Steinbrucharbeiter den Schädel dieses Urmenschen Mitte August 1856 entdeckt und an Johann Carl Fuhlrott zur näheren Untersuchung weitergegeben hatten. Der Neandertaler lebte im Mittelpaläolithikum in der Zeit von ca. 130.000 v. Chr. bis ca. 30.000 v. Chr. Der Erstfund wird heute auf ein Alter von 42.000 Jahren datiert.
Der Name Neandertaler geht auf die Bezeichnung des irischen Wissenschaftlers William King zurück, der den namengebenden Fund aus dem Neandertal bei Düsseldorf als Homo neanderthalensis benannte. Neben der verbreiteteren wissenschaftlichen Bezeichnung Homo neanderthalensis ist auch der Name Homo sapiens neanderthalensis noch gebräuchlich, der eine engere Verwandtschaft mit dem anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens beziehungsweise Homo sapiens sapiens) zum Ausdruck bringen soll. Je nach gewähltem Namen werden die beiden Formen als eigenständige Arten oder lediglich als Unterarten angesehen.
Auftreten, Zeitraum und Aussterben
Die ältesten Funde von Neandertalern stammen aus Kroatien und Italien, sie sind etwa 130.000 bzw. 120.000 Jahre alt.
Homo neanderthalensis stammt aller Wahrscheinlichkeit vom Homo heidelbergensis ab. Hierfür spricht auch, dass nach DNA-Analysen an dem Typus-Exemplar die letzten gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens vor etwa 600.000 Jahren lebten. Untersuchungen an einem anderen Exemplar aus dem Kaukasus (Georgien) sprechen für eine Auftrennung vor ca. 250.000 Jahren. Die Analysen zeigten eine sehr hohe genetische Übereinstimmung zwischen den untersuchten Exemplaren. Die Fossilfunde konzentrieren sich auf Europa und angrenzende Gebiete Asiens (Israel, Türkei, Irak) und Afrikas (Marokko). Dennoch wird der Neandertaler als typisch europäische Art angesehen, die besonders an das Leben in den Kaltzeiten der Würm-Eiszeit angepasst war.
Noch vor dem Kältemaximum der letzten Eiszeit drang der moderne Mensch aus Afrika über den Nahen Osten nach Norden vor und löste in der Folgezeit den Neandertaler ab.
Wie diese Ablösungsprozesse vonstatten gingen, ist bis heute nicht geklärt.
Viele Wissenschaftler vertreten heute die Theorie, dass der Neandertaler keineswegs deshalb ausgestorben ist, weil er primitiver als der moderne Mensch war. In Punkto Intelligenz konnte er wahrscheinlich mit dem modernen Homo sapiens sapiens mithalten. In Punkto Körperkraft war er ihm sogar überlegen. Ein durchschnittlicher Neandertaler-Mann hatte etwa die Kraft eines heutigen Gewichthebers (bei einer Körpergröße von ca. 1,60m - max. 1,70m). Belege für die größere Körperkraft der Neandertaler findet man in einem stärkeren Knochenbau und davon ausgehend in größeren Ansatzstellen der Muskeln, was auf stärkere Muskeln schließen lässt.
Der Grund für sein Aussterben könnte vielmehr die Anpassung des Neandertalers an ein sesshaftes Leben im Wald gewesen sein, während der Homo sapiens sapiens ein Nomade war, der eher an offene Landschaften angepasst war. Während der Neandertaler, dessen Nahrung zu 80 % aus Fleisch bestand, seine Beutetiere in einem festen Territorium jagte, folgte der Homo sapiens sapiens den Beutetieren auf ihrer Wanderschaft. Körperlich besaß der moderne Mensch mehr Ausdauer und Geschick als der Neandertaler und benötigte aufgrund seiner geringeren Muskulatur weniger Nahrung und weniger Fleisch. Der Neandertaler dagegen war sehr muskulös, dadurch aber etwas behäbiger und besaß weniger Kondition. Als das Klima Europas während einer sehr strengen Eiszeit vor 35.000 Jahren dramatisch abgekühlt war, der Wald der offenen Tundra gewichen war und viele Tiere im Winter nur noch in Südeuropa existierten, sind wahrscheinlich viele Neandertaler erfroren oder verhungert, während Homo sapiens sapiens besser in der Lage war, seinen Beutetieren auf ihren alljährlichen Wanderungen zu folgen. Der leichtere Körperbau - so diese Theorie - des modernen Menschen sicherte diesem sein Überleben, während der Neandertaler ausstarb.
Denkbar und plausibel ist auch die Überlegung, dass eingeschleppte Krankheitskeime eine Rolle gespielt haben könnten, wie es auch z. B. nach der Entdeckung und Besiedelung Amerikas bei den Ureinwohnern der Fall war.
Andererseits legt die abwechselnde Nutzung der gleichen Siedlungsstätten im südöstlichen Mittelmeerraum (Israel) über einen Zeitraum von ca. 60.000 Jahren durch den Homo sapiens sapiens und den Homo sapiens neanderthalensis eher andere Ursachen nahe.
Entscheidend könnte gewesen sein, dass der moderne Mensch länger lebte und mehr Kinder hatte. Statistische Bevölkerungsmodelle zeigen, dass schon Unterschiede von wenigen Prozent ausreichen, um in wenigen tausend Jahren eine Menschengruppe völlig in einer anderen aufgehen zu lassen bzw. zum Aussterben der weniger begünstigten Gruppen führen.
Eine weitere, weniger verbreitete Theorie geht davon aus, dass sich die beiden Unterarten im Laufe der Zeit, während der sie nebeneinander existierten, durchmischt (gekreuzt) haben. Dies würde bedeuten, dass der Neandertaler gar nicht ausgestorben ist, sondern absorbiert wurde. Aufgrund von Vergleichen der mitochondrialen DNS des Neandertalers mit jener von Homo sapiens konnte eine Studie (s. Weblinks) keine Hinweise auf eine Vermischung entdecken. Mit diesem Ergebnis ist die Durchmischungshypothese unter sehr starken Druck geraten.
Bekannt ist nur, dass der moderne Mensch den Großteil der Kultur und Technik der Neandertaler übernommen hat und auf dieser Basis eine eigene aufbaute.
Die letzten Neandertaler lebten vor ca. 27.000 Jahren im Gebiet des heutigen Spanien.
Anatomie
Unser Wissen um die Neandertaler-Anatomie stammt ausschließlich von Knochenfunden, d.h. alle über das Skelett hinaus gehende Aussagen sind Rekonstruktionen bzw. Interpretationen, die aus den Kenntnissen um den Zusammenhang vom Knochenbau heutiger Lebewesen und ihren Weichteilen abgeleitet sind. Die Regelhaftigkeit dieser Zusammenhänge ermöglicht es uns zudem, Rückschlüsse auf die Umwelt und die Lebensweise des Neandertalers zu ziehen, denn der Aufbau eines Lebewesens steht in direkter Beziehung zu beidem.
Die typischen europäischen - so genannten klassischen - Neandertaler-Skelette zeichnen sich durch hohe Robustheit aus, d.h. die Gelenke und Knochenquerschnitte sind im Verhältnis zur Knochenlänge breiter als beim modernen Menschen und die Muskelansätze am Knochen sind stärker ausgeprägt. Weiterhin lassen die Knochenfunde auf Körperhöhen von ca. 1,60 bis 1,70 m schließen; die Männer brachten etwa 70, die Frauen 55 kg auf die Waage. So lässt sich eine gedrungene, sehr muskulöse Konstitution als Anpassung an die eiszeitlichen Bedingungen in Europas rekonstruieren. Die gleichzeitigen Funde aus wärmeren Gegenden (z.B. dem Nahen Osten) weisen auf schlankere Individuen hin, ihre Züge waren weniger stark "neandertalerartig" ausgeprägt.
Die deutlichsten Unterschiede zum modernen Menschen lassen sich am Schädel feststellen.
Schädel
Die Schädelform ist lang und wirkt vor allem durch die dominanten Kiefer und die Überaugenwülste archaischer als die des Jetztmenschen. Die größte Schädelbreite liegt auf Höhe der unteren Schädelbasis (beim modernen Menschen: über den Ohren). Dadurch und durch den verhältnismäßig niedrigen, breiten Hirnschädel erscheint der Umriss in der Ansicht von hinten als halbkreisförmig (beim modernen Menschen: abgerundet trapezförmig). Am Gesichtsschädel fällt außerdem die hervortretende Nasen- und Gebisspartie ins Auge. Eine Crista sagittalis, d.h. ein Scheitelkamm, der bei früheren Menschenformen und den Menschenaffen zu beobachten ist, kommt nicht mehr vor.
Die Stirn ist flach und fliehend. Die Region über den Augen zeigt noch einen deutlichen Torus supraorbitalis. Diese Knochenverdickung wird als stabilisierende Anpassung gedeutet, denn der Schädel war - durch den kräftigen Kauapparat - starken statischen Belastungen ausgesetzt. Das Merkmal tritt bereits bei den frühen Vertretern der Hominiden auf und ist heute noch bei den Menschenaffen zu beobachten.
Die Nasenöffnung in Neandertalerschädeln ist breit und hoch, die Nasenwurzel sehr kräftig und breit, dadurch wirkt der Augenabstand vergrößert. Der Nasenboden mündet, im Gegensatz zum modernen Menschen in Europa, abgerundet in die Gesichtsebene. Alle diese Merkmale deuten auf eine große, fleischige Nase hin und lassen sich als Anpassung an die eiszeitliche Kälte erklären, denn eine große, lange Nase wärmt die Atemluft vor, bevor diese die Lungen erreicht und unterstützt dadurch die Aufrechterhaltung der Körper-Kerntemperatur. Die Riechschleimhaut war weiter vorne angeordnet als beim Jetzt-Menschen. Die hierdurch verbesserte Geruchsaufnahme könnte ein Vorteil bei der Nahrungssuche insbesondere bei der Jagd auf Tiere gewesen sein.
Das Gebiss ist wesentlich kräftiger als das des modernen Menschen. Bedingt durch die verhältnismäßig hohen und langen Kiefer wirken Neandertalerschädel prognath, d.h. die untere Gesichtshälfte springt hervor. Die Unterkieferäste sind breiter, der Winkel zwischen Unterkieferästen und -körper steiler. Als gutes Unterscheidungsmerkmal zum modernen Menschen kann das fliehende Kinn gelten.
Die Anzahl und Form der Zähne sowie die Kronenformen stimmen mit den unsrigen überein, jedoch sind die Schneidezähne vergrößert und die hinteren Backenzähne durch das Merkmal der Taurodontie gekennzeichnet, d.h. die Wurzeln trennen sich erst kurz vor den Spitzen in Äste auf. Weiterhin ist die sogenannte "Neandertaler-Lücke" typisch, die regelmäßig zwischen dem letzten Molaren und dem Unterkieferast auftritt.
Eine Hypothese geht davon aus, dass die Form des Schädels durch die starke Beanspruchung der Schneidezähne zu Stande kam. Sie wurden nämlich - bewiesenermaßen - nicht nur zur Nahrungsaufnahme, sondern auch als eine Art Werkzeug, gleich einer "dritten Hand", benutzt. Die so genannte "Teeth - as - tool"-Hypothese von Smith besagt, dass die Zähne als Schraubstock und Zange eingesetzt wurden.
Am Hinterhaupt fällt in der Profilansicht die hintere Partie auf, die, hervorgerufen durch eine markante Eindellung, einem Haarknoten ähnelt. Dieses Merkmal kommt auch noch - allerdings seltener - in Populationen des modernen Menschen vor und ist evtl. durch die längliche Schädelform bedingt.
Auch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr des Neandertalers zeigt Unterschiede zum modernen Menschen: Der hintere Bogengang des Labyrinthorgans liegt beim Neandertaler tiefer als beim Homo sapiens.
Hirnkapazität. Im Durchschnitt besaßen Neandertaler einen größeren Hirnschädel als der Jetzt-Mensch. Das Gehirnvolumen des Neandertalers betrug etwa 1300 – 1700 cm³, das des heutigen Menschen etwa 1200 – 1400 cm³. Aussagekräftig ist jedoch immer nur die Relation des Hirnvolumens zur Körpermasse eines Menschen. Die Größe des Neandertalergehirns könnte Ausdruck einer gesteigerten stoffwechselbedingten Eff | | |