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Alzheimersche KrankheitDie Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer) ist eine fortschreitende Demenz-Erkrankung (von lat. demens, "verwirrt") des Gehirns, die vorwiegend im Alter auftritt und mit einer Abnahme der Gehirn- und Gedächtnisleistung einhergeht. Die Krankheit beginnt mit scheinbar zufälliger Vergesslichkeit und endet im Verlust des Verstandes. Vor dem 65. Lebensjahr spricht man von präseniler Demenz (PDAT), nach dem 65. Lebensjahr von seniler Demenz vom Alzheimer Typ (SDAT).
Anfang des 20. Jahrhunderts (nämlich 1906) wurde sie durch den Arzt Alois Alzheimer an der Patientin Auguste D. erstmals als Erkrankung physiologischen Ursprungs, nicht psychologischen, diagnostiziert. Unabhängig wurde die Krankheit etwa zur gleichen Zeit von Oskar Fischer, der an der psychiatrischen Klinik in Prag tätig war, beschrieben. Die Benennung nach Alois Alzheimer erfolgte durch Emil Kraepelin in seinem Lehrbuch der Psychiatrie 1911.
Es kommt zur Degeneration von bestimmten Neuronen und dadurch zu Störungen der normalen zerebralen Funktionen, was bei Patienten zu Störungen bei Sprache, des Denkvermögens und des Gedächtnisses führt. Die Hirnmasse nimmt im Verlauf der Krankheit ab, man spricht von einer Hirnatrophie. Als Auslöser des Zellverlustes werden zur Zeit vor allem intrazelluläre Ablagerungen eines Fragments des Proteins APP diskutiert. Des weiteren werden wichtige Neurotransmitter, unter anderem Acetylcholin, nicht mehr in ausreichenden Mengen produziert, was zu einer allgemeinen Leistungsschwächung des Gehirns führt.
Symptome
Erste Symptome sind Erinnerungslücken, Desorientierung und Antriebslosigkeit. In späteren Stadien der Krankheit verstärken sich die Symptome, so dass der Patient immer orientierungsloser wird. Im Endstadium erkennt der Erkrankte nahe Verwandte nicht mehr und es kommt zum Kontrollverlust und schweren Koordinationsstörungen.
Diagnose
Mit speziellen Tests auf die Gedächtnisleistung kann festgestellt werden, ob ein Patient an Alzheimer erkrankt ist. Um andere Krankheiten auszuschließen sind zusätzliche Untersuchungen wie die Computertomographie oder Magnetresonanztomographie nötig. Hierbei können manchmal aber nicht immer bestimmte für die Alzheimer-Krankheit typische Befunde erhoben werden. Mit einer Positronen-Emissionstomografie kann man mit Fluor-18-markierten Zuckermolekülen eventuell eine Aktivitätsminderung im Glucoseumsatz des Gehirns nachweisen. Im Pariental- und Frontallappenbereich finden sich hier signifikante Unterschiede zu vergleichbaren Normalpopulationen. Die Diagnose Alzheimer-Erkrankung ergibt sich aus dem typischen psychopathogischem Befund, dem Verlauf der Krankheit, dem Ausschluss anderer Krankheiten und eventuell typischen Befunden in den bildgebenden Verfahren. Es ist also eine Ausschlussdiagnose.
Eine definitive Diagnose der Alzheimer-Erkrankung ist aber genau genommen erst nach dem Tod des Patienten mittels einer feingeweblichen Untersuchung des Gehirns durch einen Neuropathologen möglich.
Häufigkeit
Da der Anteil der Älteren in der Bevölkerung der westlichen Industrienationen immer mehr zunimmt, steigt auch die Häufigkeit der Personen mit Alzheimer. Man schätzt, dass bei den 65-jährigen etwa 2% betroffen sind. Bei den 70-jährigen sind es bereits 3%, bei den 75-jährigen 6% und bei den 85-jährigen zeigen etwa 25% Symptome der Krankheit. Bei den über 85-jährigen nimmt der Anteil der Betroffenen wieder ab, da die zuvor Erkrankten dieses Lebensalter selten erreichen.
Therapie
Zurzeit therapiert man die Alzheimer-Demenz vor allem mit Acetylcholinesterase-Hemmern (Cholinesterase-Hemmer), die den Abbau von Acetylcholin vermindern. Dadurch wird der Acetylcholinspiegel im synaptischen Spalt erhöht und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt. Weiterhin werden andere Symptome die im Verlauf der Krankheit auftreten können, wie Unruhe, depressive Verstimmung oder Erregung und Aggressivität mit Hilfe von bestimmten Psychopharmaka behandelt. Eine Heilung ist bisher nicht möglich.
Einige Studien deuten darauf hin, dass bei älteren Menschen das Risiko an Alzheimer zu erkranken durch eine langjährige Einnahme von Statinen ("Cholesterinsenker") vermindert werden kann (Neuroepidemiology 2004; 23:94-8; Neuron 2004; 41:7-10; Arch Neurol 2000; 57:1439-1443; Lancet 2000; 356:1627-1631; Arch Neurol 2002; 59:223-227; J Gerontol Biol Sci Med Sci 2002;57:M414-M418; and J Am Geriatr Soc 2002;50:1852-1856). Einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf durch die Einnahme von Statinen konnte dagegen bisher nicht gezeigt werden.
Seit einem Jahr läuft an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes (Direktor: Prof. Dr. Peter Falkai) in Homburg die Kupfer-Studie, bei der die Wirksamkeit eines Kupfersalzes in der Behandlung von Frühstadien der Alzheimer-Demenz untersucht wird.
Ausgangspunkt der Studie waren ermutigende tierexperimentelle Ergebnisse aus dem von Prof. Dr. Bayer geleiteten Neurobiologischen Labor, die international große Beachtung fanden. Durch die Zufuhr eines Kupfersalzes konnte die Bildung der krankmachenden Alzheimer-Plaques bei den Versuchstieren reduziert werden.
Eine auf diesen Ergebnissen aufbauende erste Klinische Studie am Menschen wurde daraufhin von Priv. Doz. Dr. Frank-Gerald Pajonk, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, konzipiert.
Molekularbiologie und Genetik
Als Ablagerungen im Gehirn eines Alzheimer-Patienten zeigen sich so genannte senile Plaques und fibrilläre Ablagerungen. Die Proteinablagerungen der senilen Plaques bestehen im wesentlichen aus Amyloid-Peptid. Die intrazellulär gelegenen Alzheimerfibrillen bestehen aus dem so genannten Tau-Protein. Das Tau-Protein aggregiert zu Fibrillen wenn es stärker als normal phosphoryliert ist, d. h. mit Phosphorsäureresten besetzt ist. Man spricht von Hyperphosphorylierung. Es ist ungeklärt, ob diese Tau-Phosphorylierung sekundärer Natur oder krankheitsauslösend ist.
Das Amyloid-Peptid, auch als Abeta oder Aβ bezeichnet, entsteht aus einem Vorläuferprotein, dem Amyloid-Precursor-Protein (APP), ein Protein das in die Zellmembran inseriert ist. Der größte Anteil dieses Proteins ragt aus der Zelle heraus (befindet sich extrazellulär, s. Extrazelluläre Matrix), während sich nur ein kleiner Anteil innerhalb der Zelle befindet (intrazellulär). Es handelt sich um ein Typ I-Transmembranprotein, d.h. sein Amino-Terminus befindet sich auf der Zellaußenseite, während sein Carboxyl-Terminus innerhalb der Zelle zu finden ist.
Carboxyl-Terminus APP wird von proteinspaltenden Enzymen (Protease) sogenannten Sekretasen gespalten, wodurch es zur Freisetzung des Aβ-Peptids aus dem Vorläufer-Protein kommen kann. Grundsätzlich gibt es zwei Wege, wie APP gespalten werden kann.
# Der nicht-amyloidogene Weg: APP wird durch die α-Sekretase geschnitten. Dieser Schnitt findet innerhalb des Teils von APP statt, der Aβ beinhaltet. Dadurch wird die Bildung von Aβ verhindert. Es kommt zur Freisetzung eines großen extrazellulären Anteils, dessen Funktion nicht endgültig geklärt ist.
# Der amyloidogene Weg: APP wird zuerst von der β-Sekretase geschnitten und nachfolgend von der γ-Sekretase. Dieser Schnitt, der innerhalb der Transmembrandomäne erfolgt, führt zur Freisetzung von Aβ.
Beide Vorgänge finden parallel in Nervenzellen statt, wobei der nicht-amyloidogene Weg überwiegt. Die durch β- und γ-Sekretase gebildeten Aβ-Peptide variieren in ihrer Länge. Der Haupttyp Aβ-40 ist 40, während ein kleiner Anteil, Aβ-42, 42 Aminosäuren lang ist. Aβ-40 drosselt auch die Cholesterinproduktion im Körper und Aβ-42 fördert den Abbau des in Nervenzellen vorkommenden Sphingomyelins, welches im Gegensatz zu Cholesterin die Gamma-Sekretase hemmt, und außerdem eine starke Tendenz besitzt, Aggregate zu bilden, die abschließend in den Plaques zu finden sind.
Nach Erkenntnissen der Molekularbiologen um Tobias Hartmann von der Universität Heidelberg regulieren die beiden Aβ-Eiweiße demnach den Fettstoffwechsel und die beiden Regelkreise sind normalerweise für sich im Gleichgewicht. Ist jedoch zuviel Cholesterin im Körper vorhanden, so wird anschließend auch zuviel von den Aβ-Peptiden gebildet.
Kandidaten für die α-Sekretase ist die Protease Adam 10 und für die β-Sekretase BACE1 und BACE2. Die γ-Sekretase besteht aus einem hochmolekularen Komplex aus den Proteinen Presenilin 1 und 2, PEN-2, APH-1 und Nicastrin, wobei nicht geklärt ist ob nicht noch weitere Proteine daran beteiligt sind.
Es gibt eine genetische Komponente in der Verursachung der Alzheimer-Krankheit. Etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen zeigen eine familiäre Häufung (FAD, familiar alzheimer disease), die auf Mutationen des Presenilin 1-Gens auf Chromosom 14, des Presenilin 2-Gens auf Chromosom 1 oder Mutation des APP-Gens auf Chromosom 21 zurückzuführen sind.
Zusätzlich konnte eine Verbindung zwischen der Alzheimerischen Erkrankung und dem ε4-Allel von ApoE, einem am Cholesterin-Transport beteiligten Protein, hergestellt werden.
Das Down-Syndrom mit seiner dreifachen Anlage von Erbmaterial des Chromosoms 21 (auf dem sich das APP-Gen befindet) erhöht ebenfalls das Risiko an der Alzheimer-Krankheit zu erkranken, wobei der Nachweis bei Menschen mit dieser Genommutation durch eine meist vorliegende kognitive Beeinträchtigung erschwert wird. Der Hauptrisikofaktor bleibt das Alter.
Neue Entwicklungen
US-Forscher haben in Tierversuchen erreicht, die frühen Hirnläsionen der Alzheimerschen Krankheit zurückzudrängen und den Krankheitsverlauf zu stoppen. Ihr Bericht wurde in der angesehenen Fachzeitschrift Neuron (43/2004, S. 321-332) im August 2004 veröffentlicht.
Bei Mäusen sei eine Art Alzheimer-Impfung bereits gelungen, berichtete der Münchner Psychiatrie-Professor Hans-Jürgen Möller im November 2004 gegenüber dpa. Dafür werde die körpereigene Abwehr stimuliert, so dass sie die speziellen Eiweißfragmente "auffrisst", die sonst Ablagerungen im Gehirn bilden und so die Demenz auslösen.
Zugleich arbeiten klinische Forscher an neuen Medikamenten, die die Entstehung der Bruchstücke von vornherein verhindern sollen. "Diese Arzneien könnten in fünf bis zehn Jahren auf dem Markt sein", erläuterte der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Durch die Aufdeckung der biologischen Regelkreise von Aβ-40 und Aβ-42 durch das Team um Tobias Hartmann von der Universität Heidelberg eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Alzheimer-Therapie. Gesucht wird nunmehr eine Substanz, die einerseits in der Lage ist, die Menge an Aβ-40 zu steigern, um damit den Cholesterinspiegel zu senken, und andererseits zugleich die Menge an Aβ-42 zu senken, damit es nicht zum Krankheitsausbruch kommt. Als weitere Möglichkeit der Alzheimer-Verhütung erscheint eine generelle Cholesterinsenkung und die neue rationale Begründung für den Zusammenhang zwischen Cholesterin und Alzheimer verstärkt den Ansatz bereits laufender Versuche mit Cholesterinsenkern (Statine).
Eine neuere amerikanische Studie ergab, dass Personen, die zwischen ihrem 20. und 50. Lebensjahr eine geistig wenig anspruchsvolle Tätigkeit ausgeübt haben, häufiger an Alzheimer erkranken. Mögliche Erklärungen könnten sein:
# Geistig anspruchsvolle Tätigkeit verzögert das Leiden oder schützt vor der Krankheit, zum Beispiel weil die Schwelle, an der Alzheimer beginnt lästig zu werden, hinaufgesetzt wird (dies ist der anerkannte Stand der Wissenschaft) [http://news.bbc.co.uk/1/hi/health/3548682.stm BBC News August 2004]; oder
# Die Alzheimer-Krankheit bricht schon in der Jugend aus und verhindert die Aufnahme einer geistig anspruchsvollen Tätigkeit. Die derzeit bekannten Alzheimer-Symptome werden aber erst im Alter erkennbar. Eine ältere Studie [http://www.neurology.org/cgi/content/abstract/59/6/887?maxtoshow=&HITS=10&hits=10&RESULTFORMAT=1&andorexacttitle=and&andorexacttitleabs=and&fulltext=work+alzheimer&andorexactfulltext=and&searchid=1106920889442_1975&stored_search=&FIRSTINDEX=0&sortspec=relevance&journalcode=neurology Neurology 2002;59:887-893] bejaht die zweite Möglichkeit durchaus, weil niedriges Einkommen in den späteren Lebensjahren einen Zusammenhang hat mit Demenzerkrankungen, aber niedriges Einkommen in den mittleren Lebensjahren nicht. Dies würde bedeuten, dass die Krankheit sich schon während des Berufslebens äußert (vgl. Abschnitt "Häufigkeit" oben).
Filme
- 2001 verfilmte der englische Theater-Regisseur Richard Eyre das Leben der an Alzheimer erkrankten Schriftstellerin Iris Murdoch. Das Drama Iris zeigt in drastischen, jedoch authentisch wirkenden Bildern den physischen und psychischen Verfall einer Demenz-Patientin.
- Das Drama Der Schrecken des Vergessens (Originaltitel: Forget Me Never), USA/Kanada 1999, handelt von der Anwältin Diana McGowin (Mia Farrow), die sich plötzlich keine Termine und Namen mehr merken kann. Der Film stammt vom Regisseur Robert Allan Ackerman. Jack, der Mann von Diana McGowin, wird von Martin Sheen gespielt.
Literatur
- Anne Eckert: Alois Alzheimer und die Alzheimer Krankheit. In: Pharmazie in unserer Zeit 31(4), S. 356 - 360 (2002),
- Jochen Gust: Atlas der Demenz. Demenzerkrankungen von Aachen bis Zwickau. BoD Norderstedt, ISBN 3833425334
- Konrad und Ulrike Mauer: Alzheimer. Das Leben eines Arztes und die Karriere einer Krankheit. Piper Verlag, München, ISBN 3492232205
- Martin Suter: Small World. Diogenes Verlag, Zürich 1997, ISBN 3257230885. Roman, der den Verlauf einer Erkrankung dokumentiert
Weblinks
- [http://www.hirnforschung.de/Alzheimer.php4 Alzheimer-Newsletter] von hirnforschung.de
- [http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html Patientenleitlinie Demenz] des medizinischen Wissensnetzwerks evidence.de der Universität Witten/Herdecke
- [http://www.altern-in-wuerde.de "Initiative Altern in Würde" ausführliche Informaionen zu Alzheimer/Demenz für Patienten und Angehörige]vom Deutschen Grünen Kreuz e.V.
- Zusammenstellung von neuen Erkenntnissen und Theorien:[http://www.iak-neuro.uni-mainz.de/index.html Neuroscience IAK-Neurobiologie aktuelle Forschung]
- [http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/neu/alzheimer.shtml Morbus Alzheimer - Patienteninfo von NetDoktor.at]
- [http://www.gedaechtnisonline.de/ GedächtnisOnline] - Die Website bietet nicht nur viele Informationen über das Gedächtnis, sondern auch einen kostenlosen GedächtnisCheck, mit dessen Hilfe verschiedene Seiten des Gedächtnisses überprüft und mit den Leistungen einer Vergleichsgruppe verglichen werden (Uni Duisburg-Essen)
- [http://www.alzheimerforum.de/index.html Umfangreiche Informations- und Kommunikationsplattform für Angehörige sowie Professionelle]
- [http://www.myblog.de/alzheimer/ Weblog Alzheimer aus der Angehörigenperspektive mit vielen praktischen Tipps]
- [http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=203978 Aktuelle Studien: Gewöhnliche Schmerzmittel bauen Alzheimerbeläge ab]
- [http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=238885 Forscher finden Hinweise auf Chlamydien bei Alzheimer-Patienten]
- [http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=241587 Alzheimer-Diagnose mit Antikörpern]
- [http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=238928 Riechtest könnte bei Früherkennung von Alzheimer helfen]
- [http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=17131 www.aerzteblatt.de: Antikörper beseitigt Alzheimer-Plaques im Tiermodell]
- [http://www.f-r.de/ressorts/wissenschaft/?cnt=576482 FR: Hoffnung auf Impfung und neue Mittel gegen Alzheimer]
- [http://www.alzforum.org/home.asp Alzheimer Research Forum, englisch]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/248278.html www.wissenschaft.de: Visuelles Gedächtnis funktioniert (bei Alzheimer) deutlich schlechter als normalerweise]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/248973.html www.wissenschaft.de: Raucher-Ausrede widerlegt - Nikotin verhindert Alzheimer nicht, sondern fördert vielmehr die Bildung schädlicher Proteinknäuel]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/256248.html Studie zeigt: Erhöhter Insulinspiegel könnte Alzheimer fördern]
- [http://www.altenarbeit.de www.altenarbeit.de: regelmäßig neue Artikel zum Thema Alzheimer und Demenz]
- [http://www.bio.com/newsfeatures/newsfeatures_research.jhtml?cid=12400038 www.bio.com: Discovery Could Lead To New Types Of Alzheimer's Drugs (engl.)]
- http://www.kompetenznetz-demenzen.de Vom BMBF geförderter bundesweiter Forschungsverbund. Informationen für Betroffene und Fachleute.
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/258680.html www.wissenschaft.de: Alzheimer ins Auge geschaut] - Amyloid-Beta-Moleküle lagern sich in der Augenlinse ab und können mit einem neuen Verfahren sichtbar gemacht werden
Kategorie:Krankheit
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Demenz
Als Demenz wird ein chronisch fortschreitender Hirnabbau mit Verlust früherer Denkfähigkeiten bezeichnet, der mit Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und anderer Funktionen des Gehirns einher geht, die so schwer sind, dass sie die Alltagsbewältigung deutlich beeinträchtigen. Es kommt zu einem Verlust erworbener intellektueller Fähigkeiten, vor allem des Gedächtnisses und zu Persönlichkeitsveränderungen als Folge einer hirnorganischen Erkrankung. Demenz ist in höherem Alter die häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit. Die häufigsten Formen sind mit 55-75% die Demenz vom Alzheimer-Typ und die vaskuläre Demenz .
Der Begriff Demenz leitet sich aus dem lat. dementia ab, einer Substantivierung des Adjektivs demens "von Sinnen" (aus lateinisch Vorsilbe de weniger und mens Verstand, Geist)
Symptome der Demenz
Es kommt zu einer Abnahme der Gedächtnisleistung. Insbesondere ist das Lernen neuer Informationen beeinträchtigt. Die Erinnerung an lange zurückliegende Ereignisse kann erhalten bleiben. Das Urteilsvermögen und das Denkvermögen lassen nach, mathematische Fähigkeiten verschlechtern sich. Die Kontrolle über Emotionen und Sozialverhalten sowie der Antrieb verschlechtern sich. Die Wahrnehmung und Orientierung sind gestört. Dazu können Störungen der Sprache und des Erkennens von Objekten kommen. Die Patienten haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, Gegenstände zu benennen, mit Küchengeräten oder Werkzeugen umzugehen. Sie scheinen oft ratlos zu sein. Vertraute Personen werden nicht erkannt. Der Schlaf-Wach-Rhythmus kann ebenfalls gestört sein. Nachts sind die Patienten wach und unruhig, sie wandern ziellos umher.
Viele Patienten werden im Verlauf der Erkrankung urin- und stuhlinkontinent. Sie verlernen Fähigkeiten wie Essen oder Laufen und sind im Endstadium der Erkrankung pflegebedürftig.
Bei der vaskulären Demenz steht fast immer ein Parkinsonismus (Rigor und Akinese überwiegen) an erster Stelle der Symptome.
Mögliche Ursachen der Demenz
- primär degenerative kortikale Erkrankungen
- Bsp. senile und präsenile Demenz vom Alzheimer-Typ, Morbus Pick
- Störungen der Hirndurchblutung
- Bsp. zerebrovaskuläre Erkrankungenen, vaskuläre Demenz
- Systematrophien
- Bsp. Morbus Parkinson, Chorea Huntington
- nach Hirnverletzungen (Traumen)
- Bsp. Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutung
- Infektionen
- Bsp. HIV-Enzephalopathie/Enzephalitis. bei AIDS-Erkrankung und Syphilis (Neurolues), progressive Paralyse (Multiple Sklerose), Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
- Intoxikationen
- Bsp. Alkohol (=Korsakow-Demenz), Medikamente, CO, Schwermetalle, organische Lösungsmittel
- Störungen der Liquorzirkulation
- Bsp. Normaldruckhydrozephalus (NPH)
- intrakraniale Neoplasmen
- Bsp. Hirntumoren, Schädelbasistumoren
- extrazererbrale Tumoren
- Bsp. karzinomatöse Meningitis, paraneoplastisches Syndrom
- Vitaminmangelzustände
- Bsp. Vitamin-B12-Mangel, Nikotinsäuremangel, Folsäuremangel, Vitamin-B1-Mangel
- metabolische/endokrinologische Enzephalopathien
- Bsp. Eiweißmangel, Hypoglykämie, Leberinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Hyperlipidämie, Morbus Addison, Schilddrüsenerkrankungen, Hypo- und Hyperparathyreodis
- subkortikale Dystrophie
- Bsp. Dystrophie Scheitelberger, progressive supranukleäre Blicklähmung
Formen von Demenz
Nach den führenden Symptomen können drei Subtypen voneinander abgegrenzt werden. Nach heutiger Vorstellung kann jedoch beim Vorliegen eines dieser Subtypen nicht auf die Lokalisation des ursächlichen Krankheitsprozesses im Gehirn geschlossen werden, wie die Terminologie fälschlicherweise vermuten lässt.
Bei der Kortikalen Demenz stehen Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens, der Sprache und der Ausführung von komplexen Bewegungen und Handlungen im Vordergrund. Die Persönlichkeit weist nur geringe Veränderungen auf.
Im Gegensatz dazu ist bei der Frontalen Demenz die Persönlichkeit, das Sozialverhalten und das planende, organisierende Denken bei vergleichsweise gut erhaltenem Gedächtnis und Orientierungsfähigkeit pathologisch verändert.
Bei der Subkortikalen Demenz steht die Verlangsamung des psychischen Tempos im Vordergrund.
Eine weitere Unterscheidung kann zwischen primären Demenzen und sekundären Demenzen getroffen werden. Im Gegensatz zu den sekundären Demenzen liegt bei der primären Demenz die Ursache der Erkrankung im Gehirn. Zu ihnen zählen die Alzheimer-Demenz (AD) und die vaskuläre Demenz (VD). Die potenziell behebbaren, sekundären Demenzen sind Folge-Demenzen anderer Erkrankungen oder externer Einflüsse auf das Gehirn. Dazu zählen Depression, Medikamente (anticholinergisch wirkende Neuroleptika und Antidepressiva, Benzodiazepine), Stoffwechselstörungen (u.a. Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12- und Folsäure-Mangel, Leberschädigung), Normaldruckhydrocephalus, Hirntumoren, subdurales Hämatom, Alkohol, Infektionen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) und Schlafapnoe-Syndrom.
Einteilung der Demenzen nach ICD 10
- F00 Demenz bei Alzheimer-Krankheit
- F00.0 Demenz bei Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn (<65 Jahre)
- F00.1 Demenz bei Alzheimer-Krankheit mit spätem Beginn (>64 Jahre)
- F00.2 Demenz bei Alzheimer-Krankheit atypische oder gemischte Form
- F01 Vaskuläre Demenz (VD)
- F01.0 vaskuläre Demenz mit akutem Beginn
- F01.1 Multi-Infarkt-Demenz (MID)
- F01.2 Subkortikale Demenz
- F01.3 gemischte (kortikale und subkortikale) vaskuläre Demenz
- F01.8 sonstige vaskuläre Demenzen
- F01.9 nicht näher bezeichnete vaskuläre Demenzen
- F02 Demenz bei anderorts klassifizierten Erkrankungen
- F02.0 Demenz bei Pick-Erkrankung
- F02.1 Demenz bei Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
- F02.2 Demenz bei Huntington'scher Erkrankung
- F02.3 Demenz bei Parkinson
- F02.4 Demenz bei HIV-Erkrankung
- F02.8 Demenz bei anderorts klassifizierten Krankheitsbildern
- F10.73 Alkoholbedingte Demenz
- F13.73 Sedativa und Hypnotika bedingte Demenz
Alzheimersche Krankheit
Die Alzheimersche Krankheit ist nur eine von verschiedenen Formen der Demenz. Es lässt sich eine vor dem fünfundsechzigsten Lebensjahr beginnende Frühform von einer nach dem fünfundsechzigsten Lebensjahr beginnenden Form unterscheiden.
Die Alzheimer-Demenz entsteht durch allmählichen Untergang von Nervenzellen und Schaltstellen des Gehirns. Über einen Zeitraum von Jahren kommt es dabei zu einem Hirnmassenschwund (Atrophie). Die Alzheimer-Demenz beginnt allmählich und verläuft schleichend, aber stetig fortschreitend. In den frühen Phasen der Erkrankung ist haupsächlich das Gedächtnis und die Werkzeugfunktionen (Bsp. abstraktens Denken, Orientierung, Lesen, Schreiben, Rechnen) betroffen. Persönlichkeitsveränderungen kommen im Gegensatz zur Pick-Krankheit oft erst im späteren Verlauf hinzu.
Für weiterführende Informationen siehe Alzheimersche Krankheit.
Vaskuläre Demenz
Die vaskuläre Demenz ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Sie entsteht durch Demyelinisierung des Marklagers und kleine Hirninfarkte (Schlaganfälle). Größere Untersuchungen haben gezeigt, dass der demenzielle Prozess bei Mikroangiopathie eher mit alzheimerartigen, neuropathologischen Veränderungen in der Hirnrinde korreliert. Vielleicht ist die vaskuläre Demenz keine eigenständige Form von Demenz, sondern eher Ausdruck eines Zusammentreffens von zwei häufigen Gehirnkrankheiten, der Alzheimer-Krankheit und der zerebralen Mikroangiopathie.
Sie beginnt meist plötzlich, verschlechtert sich schrittweise, Schlaganfälle mit vorübergehenden oder bleibenden körperlichen Symptomen wie Sehstörungen oder Lähmungen sind nicht immer zu finden.
Die häufigste Form ist die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE) oder Binswanger-Krankheit (typisch infolge von arterieller Hypertonie)
Die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz sind die weitaus häufigsten Formen, seltenere Ursachen werden hier nicht behandelt.
Häufigkeit
Nach der Berliner Altersstudie (1996) ist Demenz nach Depressionen die zweithäufigste psychische Erkrankung im Alter. Nach Bickel (2000) steigt die Zahl der dementen Personen nach Altersgrupen aufgeschlüsselt folgendermaßen an:
65- bis 69-Jährige 1,2%
70- bis 74-Jährige 2,8%
75- bis 79-Jährige 6,0%
80- bis 84-Jährige 13,3%
85- bis 89-Jährige 23,9%
über 90-Jährige 34,6%
In der Bundesrepublik leiden etwa eine Million Menschen an Demenz, etwa 20.000 an präseniler Demenz bei Alzheimer mit frühem Beginn F00.0 (zwischen 40 und 64). Etwa zwei Drittel erkranken an Alzheimer mit spätem Beginn F00.1, 15 bis 20 % an vaskulärer Demenz und 10 bis 20 % an Mischformen: Frauen überwiegen bei Alzheimer, Männer bei vaskulärer Demenz. Die Alzheimer-Dauer beträgt bei 65- bis 80-Jährigen fünf bis sieben Jahre, bei über 80-Jährigen drei bis vier Jahre; Patienten mit vaskulärer Demenz haben eine kürzere Überlebenszeit oder Lebenserwartung. (Quelle: Erich Grond "Pflege Demenzkranker" ISBN 3-87706-892-8)
Übergewichtige werden nach einer US-amerikanischen Studie häufiger dement. Die Forscher am National Institute of Health untersuchten in einer Langzeitstudie 10.000 Übergewichtige. Die Personen hatte alle einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30. Der Vergleich mit einer Kontrollgruppe von Menschen mit BMI zwischen 20 und 25 ergab, dass das Risiko für Übergewichtige, an Demenz zu erkranken, 70 bis 200 Prozent höher sei.
Demenzkranke in absoluten Zahlen
Demenzkranke in absoluten Zahlen, nach Bundesländern geschlüsselt:
- Baden-Württemberg (2002): Landkreise: 97.478, kreisfreie Städte: 27.861;
- Bayern (2002): Landkreise: 99.561 kreisfreie Städte: 46.159;
- Berlin (2002): 38.546;
- Brandenburg (2003): Landkreise: 23.114 kreisfreie Städte: 4.240;
- Bremen (2003): 9.541;
- Hamburg 2003: 22.625;
- Hessen (2003): Landkreise: 56.075 kreisfreie Städte: 18.155;
- Mecklenburg-Vorpommern (2003): Landkreise: 11.922 kreisfreie Städte: 5.557;
- Niedersachsen (2003): Landkreise: 109.325, kreisfreie Städte: 13.981;
- Nordrhein-Westfalen (2002): Landkreise: 119.758 kreisfr. Städte: 95.594;
- Rheinland-Pfalz (2002): Landkreise: 37.978, kreisfreie Städte: 13.391;
- Saarland (2003): Landkreise: 13.657 kreisfreie Städte: 3.550;
- Sachsen (2004): Landkreise: 34.958 kreisfreie Städte: 18.479;
- Sachsen-Anhalt (2002): Landkreise: 24.618 kreisfreie Städte: 6.792;
- Schleswig-Holstein (2003): Landkreise: 27.545, kreisfreie Städte: 8.759;
- Thüringen (2003): Landkreise: 21.247 kreisfreie Städte: 6.662;
(Quelle: Atlas der Demenz; ISBN 3833425334)
Testdiagnostik der Demenz
Tests für Demenzpatienten (z.B. Alzheimersche Krankheit) sollen helfen, die Schwere und den Verlauf der Erkrankung zu diagnostizieren. Tests zu diesem Zwecke sind u. a.:
- Bayer Activities of Daily Living-International Scale
- Brief Cognitive Rating Scale
- Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung
- Mini-Mental-Status-Test
- Syndrom-Kurz-Test
- Zahlen-Verbindungs-Test
- Uhrentest
Verlauf der Demenz
Die Alzheimer-Demenz schreitet stetig fort und führt unbehandelt innerhalb von sechs bis fünfzehn Jahren nach den ersten Symptomen zum Tod.
Die vaskuläre Demenz verläuft nicht einheitlich. Sie kann auch jahrelang stillstehen. Rückbildungen gibt es jedoch nicht. Da sie eine Erkrankung des höheren Alters ist, ist sie meist selbst nicht lebensbegrenzend.
Behandlungsmöglichkeiten
:Medikamentöse Behandlung bei der Alzheimer-Demenz
:Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. In frühen Stadien der Erkrankung können so genannte Nootropika eingesetzt werden. Diese sollen die Symptome bessern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. In den letzten Jahren sind neue Präparate auf den Markt gekommen, deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien belegt werden konnte, die jedoch auch nur eine relativ kurze Stagnation des Krankheitsverlaufs bewirken. Diese Mittel werden als Cholinesterasehemmstoffe bezeichnet. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Alzheimerschen Erkrankung und dem damit einhergehenden Marktpotenzial wird von der Pharmaindustrie intensiv an der Entwicklung besserer Medikamente gearbeitet.
:Medikamentöse Behandlung bei der vaskulären Demenz
:Hier steht die Behandlung der internistischen und neurologischen Begleiterkrankungen im Vordergrund. Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Gefäßverkalkungen und Durchblutungsstörungen können mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden.
:Medikamentöse Behandlung bei beiden Formen der Demenz
:Unruhezustände, Schlafstörungen und Verwirrtheitszustände mit Aggressivität werden in der Regel mit Psychopharmaka, vor allem beruhigenden Neuroleptika, behandelt. Depressive Zustände entsprechend mit Antidepressiva.
:Nichtmedikamentöse Behandlung
:Die Behandlung und Versorgung muss zwischen Betroffenen, Angehörigen und Arzt abgestimmt sein. Ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgungseinrichtungen müssen miteinbezogen werden. Psychotherapie, Milieutherapie und Angehörigenberatung sind die wesentlichen Elemente der nichtmedikamentösen Therapie.
:Als kognitives Training oder kognitive Aktivierung wird ein Training bezeichnet, in dem durch Gedächtnisübungen, Sprachspiele und andere Übungen versucht wird, den Zustand der Erkrankten zu verbessern. Es hat sich gezeigt, dass dieses Training zumindest die Lebenszufriedenheit und das Selbstwertgefühl verbessert. Der Aufbau befriedigender und als angenehm empfundener Fähigkeiten und Tätigkeiten ist Prinzip der Verhaltenstherapie bei Demenzen.
:Milieutherapie versucht, den Lebensraum der Erkrankten möglichst optimal zu gestalten. Beispielsweise sollte die Wohnung übersichtlich und gut beleuchtet sein, Hinweisschilder an den Türen können die Orientierung erleichtern usw.
:Validation ist im eigentlichen Sinne keine Behandlungsmethode, sondern eine Methode, mit dementen Menschen so umzugehen, dass eine weitgehend stressfreie Atmosphäre zwischen alten Menschen und deren Betreuern besteht.
Hilfe für Angehörige
Die Angehörigen sind selbst in erheblichem Ausmaß durch die Erkrankung ihrer Lebenspartner oder Eltern belastet. Sie brauchen Beratung und Informationen, aber auch tatkräftige Entlastung. Die Kranken müssen in fortgeschrittenen Stadien ständig beaufsichtigt werden. Zu den problematischen Verhaltensweisen kommt die zunehmend notwendige körperliche Pflegebedürftigkeit. Zu neunzig Prozent werden Demenzkranke von Angehörigen gepflegt, zu achtzig Prozent von Frauen.
Alzheimer-Gesellschaften und Angehörigeninitiativen gibt es inzwischen im gesamten Bundesgebiet. Hier gibt es Informationen für Betroffene und Angehörige. Weitere Informationen bei der [http://www.deutsche-alzheimer.de Deutschen Alzheimer Gesellschaft].
siehe auch: Diskussion dieser Seite (Urheberrechte), Gerontopsychiatrische Fachkraft, Familienhelferin für Altersverwirrte(Abkürzung: FFA)
Historisches
Der Demenzbegreiff wurde im 18. Jahrhundert in der Juristen- und Umgangssprache für jede Form geistiger Störungen verwendet. Ende des 18. Jahrhunderts bekam der Begriff unter Ärzten die Bedeutung eines Nachlassens der intellektuellen Kräfte und der Unfähigkeit zu logischem Denken. Lange Zeit wurden in der deutschsprachigen Psychatrie nur das Endstadium des intellektuellen Abbaus als Demenz bezeichnet. 1916 beschrieb Eugen Bleuler das unspezifische hirnorganische Psychosyndrom mit den Merkmalen kognitive Störung, emotionale Veränderung und Persönlichkeitswandel als psychopathologische Folge chronischer Gehirnerkrankungen. Sein Sohn Manfred Bleuler grenzte 1951 davon das hirnlokale Psychosyndrom ab und wies auf seine Ähnlichkeit mit den endokrin verursachten psychischen Störungen hin. Im zuge der Entwicklung moderner Klassifikationssysteme wie ICD-10 und DSM-IV hat sich die Definition des Demezsyndroms deutlich erweitert. Dieser Begriff beschreibt heute nicht mehr nur die schweren Fälle kognitiver Störungen, sondern jetzt ein erworbenes komplexes Störungsmuster höherer psychischer Funktionen. Die Störungen können sowohl reversibel als auch irreversibel sein, müssen aber das Gedächtnis betreffen und dürfen nicht mit einer Bewusstseinsstörung einhergehen. Ausserdem muss die Bewältigung des Alltags beeinträchtigt sein.
Volkswirtschaftliche Auswirkungen
Im vierte Altenbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2004 wurden die Behandlungs- und Pflegekosten für Demenzkranke auf 26 Milliarden Euro geschätzt. Ein großer Anteil hiervon, nämlich 30% für Pflege, wurde aber bisher nicht ausgabenwirksam, da er durch Angehörige der Patienten erbracht wurde. Im Jahr 2010 werden voraussichtlich 20% aller Bundesbürger über 65 Jahre alt sein und so die Kosten bei gleichen Bedingungen auf 36,3 Milliarden ansteigen. Aufgrund der sich verändernden Familienstrukturen (Singelhaushalte, Kleinfamilien) wird aber der Anteil der Pflegekosten zusätzlich ansteigen.
Literatur
- Erich Grond: Pflege Demenzkranker, ISBN 3877068928
- Atlas der Demenz, ISBN 3833425334
Weblinks
- http://kompetenznetz-demenzen.de Vom BMBF geförderter bundesweiter Forschungsverbund, Informationen für Betroffene und Fachleute
- [http://www.kda.de Kuratorium Deutsche Altershilfe] Informationen, Fachliteratur und Broschüren zum Thema Demenz
- [http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html Patientenleitlinie Demenz] des medizinischen Wissensnetzwerks evidence.de der Universität Witten/Herdecke
- [http://www.altern-in-wuerde.de "Initiative Altern in Würde" vom Deutschen Grünen Kreuz e. V. ]
- [http://www.gedaechtnisonline.de/ GedächtnisOnline] – Die Website bietet nicht nur vielen Informationen über das Gedächtnis, sondern auch einen kostenlosen Gedächtnis-Check, mit dessen Hilfe verschiedene Seiten des Gedächtnisse überprüft und mit den Leistungen einer Vergleichsgruppe verglichen werden (Uni Duisburg-Essen)
- [http://www.deutsche-alzheimer.de Deutsche Alzheimer Gesellschaft]
- [http://www.alois.de ALOIS: Alzheimer Online Informations System]
- [http://www.psychiatriegespraech.de/sb/demenz/demenz_ueberblick.htm Einführung und Überblick zur Demenz] – Informationen zu Diagnostik, Differentialdiagnostik, Therapiemöglichkeiten und Verlauf demenzieller Prozesse
- [http://www.alzheimerforum.de Forum der Alzheimer-Angehörigen-Initiative]
- [http://www.medinfo.de/index.asp?r=1408&thema=Demenz Medinfo zum Thema Demenz]
- [http://www.alzheimer-forum.ch/forum/forums.html Schweizer Alzheimer Forum: Information und Diskussionsportal]
- http://www.altenarbeit.de
Demenz
Kategorie:Krankheit
Kategorie:Psychische Störung
ja:痴呆
ms:Penyakit Dementia
VerstandDer Verstand ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu verstehen. Über dem Verstand wird die Vernunft angesiedelt. Der Begriff ist das Substantiv zu „verstehen“ von althochdeutsch „firstȃn“, im Sinne von „dicht davorstehen“, um zu erkennen und zu begreifen.
Verschiedene Begriffsklärungen
Umfassend ist die geradezu klassische Definition von Rudolf Eisler, der in seinem Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2. Auflage 1904) schrieb:
:„Verstand (logos, epistêmê, intellectus, intelligentia, ratio, entendement, understanding) ist im weitern Sinn die Denkkraft, die Intelligenz gegenüber der Sinnlichkeit, im engeren, gegenüber der Vernunft (s. d.), die Einheit, Fähigkeit des geistigen Erfassens, des (richtigen) Begreifens (Abstrahierens) und Urteilens, kurz des beziehend-vergleichenden, analysierenden Denkens, sowie des »Verstehens«, d.h. des Wissens um die Bedeutung der Worte und Begriffe. »Gesunder Verstand« (»bon sens«) ist die natürliche (schon ohne besondere Ausbildung wirksame) Auffassungs- und Beurteilungskraft, das normale, aber unmethodische, daher auch leicht fehlgehende Denken.“
Nach Immanuel Kant bezieht sich Verstand auf das Erkenntnisvermögen. Er formuliert das so:
:„Der Verstand ist das Vermögen der Einheit der Erscheinungen vermittelst der Regeln.“ Und anderer Stelle: Der Verstand begrenzt die Sinnlichkeit, ohne darum sein eigenes Feld zu erweitern.
Für Arthur Schopenhauer beschränkt sich der Verstand auf das Erkennen von Ursache und Wirkung:
:„Das subjektive Korrelat der Materie oder der Kausalität, denn beide sind eines, ist der Verstand, und er ist nichts außerdem. Kausalität erkennen ist seine einzige Funktion, seine alleinige Kraft.“
Klassisch geworden, wenngleich keine Begriffsbestimmung, ist auch der erste Satz in der Abhandlung über die Methode, richtig zu denken und Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen von René Descartes:
:„Der gesunde Verstand ist das, was in der Welt am besten verteilt ist; denn jedermann meint damit so gut versehen zu sein, dass selbst Personen, die in allen anderen Dingen schwer zu befriedigen sind, doch an Verstand nicht mehr, als sie haben, sich zu wünschen pflegen.“
Weblinks
Literatur
- René Descartes, Abhandlung über die Methode, richtig zu denken und Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen
- John Locke, Ein Versuch über den menschlichen Verstand
- David Hume, Untersuchung in Betreff des menschlichen Verstandes
- George Berkeley, Abhandlungen über die Principien der menschlichen Erkenntnis
- Gottfried Wilhelm Leibniz, Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand
- Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes
- Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung
Kategorie:Erkenntnistheorie
Kategorie: Psychologie
1906
- 1. Januar: Die Arbeit von Kindern unter 10 Jahren wird im Deutschen Reich in Familienbetrieben erlaubt
- 1. Januar: Ludwig Forrer wird neuer Bundespräsident in der Schweiz
- 1. Januar: Helmuth Johannes Ludwig von Moltke wird als Nachfolger von Alfred Graf von Schlieffen der Chef des Generalstabs der Armee
- 1. Januar: Bayern und Württemberg feiern beide das 100jährige Bestehen als Königreich
- 2. Januar: das bulgarische Parlament genehmigt die Zollunion mit dem Königreich Serbien
- 16. Januar: Beginn der Algeciras-Konferenz
- 17. Januar: Armand Fallières wird neuer französischer Staatspräsident
- 10. Februar: Die britische HMS Dreadnought, das grösste Panzerschiff der Welt, läuft in Portsmouth vom Stapel
- 10. März: Das Grubenunglück von Courrières fordert 1099 Menschenleben
- 21. März: Zar Nikolaus II. schränkt durch Erlasse die Rechte der geplanten Duma drastisch ein
- 7. April: Mit Verabschiedung der Algeciras-Akte gelingt den Großmächten auf der Algeciras-Konferenz die Beilegung der Ersten Marokkokrise
- 27. April: China und Großbritannien schließen einen Vertrag über Tibet
- 10. Mai: Eröffnung der ersten russischen Duma in Sankt Petersburg
- 15. Mai: Der Oberste Gerichtshof der USA ordnet die Auflösung der Standard Oil Company von John D. Rockefeller wegen Verstoßes gegen den Sherman Anti Trust Act an
- 12. Juni: Haakon VII. wird nach der Trennung der Personalunion mit Schweden zum ersten König des selbstständigen Königreichs Norwegen gekrönt
- 14. Juni: Stapellauf der SMS Gneisenau in Bremen
- 14. Juni: Pogrom gegen Juden in Bialystok
- 3. Juli: Im finnischen Landtag werden radikale Änderungen vorgenommen: Der mittelalterliche Vierständesenat wird abgeschafft, an seine Stelle tritt der Einkammerlandtag, der nach dem Proporzwahlrecht bestellt wird. Frauen erhalten das Wahlrecht und dürfen nun auch in Ämter gewählt werden
- 11. Juli: Der Kassationsgerichtshof hebt die ursprüngliche Verurteilung von Alfred Dreyfus auf, der rehabilitiert wird
- 22. Juli: Zar Nikolaus II. löst die erste Duma bereits wieder auf; eine neue wurd für März 1907 einberufen
- 12. August: Ein Attentat auf den russischen Innenminister Pjotr Arkadjewitsch Stolypin fordert 27 Tote, er selbst überlebt
- 14. September: Infolge eines regierungsfeindlichen Aufstandes auf Kuba wird die Insel von US-amerikanischen Marineinfanteristen besetzt und fortan direkt von den USA aus verwaltet
- 3. Oktober: Auf der Internationalen Funkkonferenz in Berlin wird das SOS an Stelle des bisherigen CQD zum internationalen Notrufsignal erklärt
- 16. Oktober: Wilhelm Voigt besetzt das Rathaus von Köpenick
- 27. Oktober: Maximilian Harden löst mit einem Zeitungsartikel, in dem er andeutungsweise mehrere Personen im Umfeld des Kaisers der Homosexualität bezichtigt, die Eulenburg-Affäre aus
Katastrophen
- 31. Januar: Ein Erdbeben der Stärke 8,8 in Kolumbien und Ecuador, etwa 1.000 Tote
- 10. März: Grubenunglück im nord-französischen Courrières mit 1.100 Todesopfern
- 16. März: Ein Erdbeben der Stärke 7,1 in Kagi, Taiwan, etwa 1.300 Tote
- 18. April: Erdbeben in San Francisco, Kalifornien, USA, über 3.000 Tote, mehrere Hunderttausend Obdachlose
- 4. August: Der Dampfer „Sirio“ versinkt vor Kap Palos, über 200 Tote
- 17. August: Ein Erdbeben der Stärke 8,2 erschüttert Valparaíso, Chile, ca. 20.000 Tote
- 15. September: Ein Erdbeben in Nord-Sizilien verwüstet mehrere Ortschaften
- 18. September: Ein Taifun fordert in Hongkong rund 10.000 Todesopfer
Wissenschaft und Technik
- 19. Mai: Einweihung des Simplon-Eisenbahntunnels (20 km)
- 19. August: Einweihung der Großfunkstelle in Nauen
- 12. September: Der Start der Maschine des Dänen Jacob Ellehammer gilt als erster erfolgreicher europäischer Motorflug
- 17. Oktober: Arthur Korn gelingt die telegrafische Übermittlung eines Bildes über 1800 km
- 12. November: Alberto Santos-Dumont, Der erste selbstangetriebene Motorflug ohne Katapultsystem und ohne Gegenwind der Welt
- 13. November: Grundsteinlegung zum Deutschen Museum in München
- 14. Dezember: Indienststellung des ersten U-Boots der deutschen Kriegsmarine
- 24. Dezember: Erste Radio-Übertragung durch den Kanadier Reginald Fessenden
- Marcello Pirani gibt die Konstruktion seines Manometers an
- Theodore Lyman findet die nach ihm benannte Serie im Spektrum von Wasserstoff
- Albert Einstein veröffentlicht seine Theorie der spezifischen Wärme (in: Annalen der Physik 22 (1906), 180–190, 800)
Kultur
- 24. Januar: Uraufführung der Oper Francesca da Rimini von Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow im Bolschoi-Theater in Moskau
- 24. Februar: Uraufführung der Oper L'Ancêtre (Der Ahne) von Camille Saint-Saëns in Monte Carlo
- 10. März: Uraufführung der Oper Don Procopio von Georges Bizet in Monte Carlo
- 31. Oktober: Uraufführung der Oper Ariane von Jules Massenet an der Grand Opéra Paris
- 8. Dezember: Uraufführung der Oper Moloch von Max von Schillings an der Hofoper in Dresden
- 30. Dezember: Uraufführung des melodramatischen Krippenspiels Bübchens Weihnachtstraum von Engelbert Humperdinck im Zirkus Busch in Berlin
- (Tag unbekannt): Der deutsche Komponist Hermann Ludwig Blankenburg gewinnt mit dem Marsch Abschied der Gladiatoren den Kompositionswettbewerb des Musikverlages Boosey & Hawkes
Sport
Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden siehe unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 22. April: Beginn der „Zwischenolympiade“ in Athen
- 30. April: SC Preußen Münster, Sportclub, wird gegründet
- 26. Juni: Erstes Grand-Prix-Rennen in Le Mans; der Sieger erreicht 101 km/h
- 1. Januar: Emanuel Larisch, deutscher Politiker und NS-Widerstandskämpfer († 1944)
- 2. Januar: Cemal Tarik Sedde, türkisch-deutscher Dichter und NS-Widerstandskämpfer († 1935)
- 6. Januar: Eberhard Wolfgang Möller, deutscher Schriftsteller und HJ-Gebietsführer († 1972)
- 6. Januar: G. Ledyard Stebbins, US-amerikanischer Biologe († 2000)
- 9. Januar: Karl Bruckner, österreichischer Schriftsteller († 1982)
- 10. Januar: Edmund Collein, deutscher Architekt († 1992)
- 11. Januar: Albert Hofmann, Chemiker und Entdecker von LSD
- 12. Januar: Emmanuel Lévinas, französischer Philosoph († 1995)
- 15. Januar: Aristoteles Onassis, griechischeFritz Schilgenr Reeder († 1975)
- 17. Januar: Guillermo Stábile, argentinischer Fußballspieler († 1966)
- 22. Januar: Robert Howard, US-amerikanischer Fantasy-Schriftsteller († 1936)
- 27. Januar: Radamés Gnattali, brasilianischer Musiker und Komponist († 1988)
- 29. Januar: Heinrich Bredt, deutscher Arzt († 1989)
- 30. Januar: Carl Merz, österreichischer Kabarettist und Schriftsteller († 1979)
- 31. Januar: Roosevelt Sykes, US-amerikanischer Blues-Musiker († 1983)
- 1. Februar: Edwin Rausch, deutscher Psychologe († 1994)
- 2. Februar: Felix Lützkendorf, hat die deutsche Filmgeschichte der 50er und 60er Jahre mitgeprägt († 1990)
- 4. Februar: Clyde Tombaugh, US-amerikanischer Astronom († 1997)
- 4. Februar: Dietrich Bonhoeffer, deutscher evangelisch-lutherischer Theologe († 1945)
- 5. Februar: John Carradine, US-amerikanischer Schauspieler († 1988)
- 5. Februar: Sara Alexandrowna Lewina, russische Komponistin († 1976)
- 5. Februar: Sara Lewina, russische Komponistin († 1976)
- 7. Februar: Henry Pu Yi, letzter Kaiser von China († 1967)
- 7. Februar: Oleg Antonow, sowjetischer Flugzeug-Konstrukteur († 1984)
- 8. Februar: Richard Hofmann, deutscher Fußballspieler († 1983)
- 9. Februar: André Kostolany, US-amerikanischer Finanzexperte, Journalist und Schriftsteller († 1999)
- 11. Februar: Yves Baudrier, französischer Komponist († 1988)
- 12. Februar: Lon Chaney jun., US-amerikanischer Film- und Fernsehschauspieler († 1973)
- 12. Februar: Sabahattin Ali, türkischer Schriftsteller und Lehrer († 1948)
- 16. Februar: Vera Menchik, Schachspielerin († 1944)
- 18. Februar: Alec Issigonis, Automobilkonstrukteur († 1988)
- 18. Februar: Hans Asperger, österreichischer Kinderarzt († 1980)
- 22. Februar: Egano Righi-Lambertini, Kardinal der römisch-katholischen Kirche († 2000)
- 23. Februar: Eduard Schick, Bischof von Fulda († 2000)
- 25. Februar: Boris Papandopulo, kroatischer Komponist und Dirigent († 1991)
- 26. Februar: Egidio Vagnozzi, Kardinal der römisch-katholischen Kirche († 1980)
- 27. Februar: Emil Bahr, Kraftsportler, 'Stärkster Mann der Welt' († 1977)
- 28. Februar: Chester Carlson, Physiker und Patentanwalt († 1968)
- 3. März: Barney Bigard, US-amerikanischer Jazz-Klarinettist († 1980)
- 6. März: Lou Costello, US-amerikanischer Schauspieler, Produzent und Comedian († 1959)
- 6. März: Lucy Hillebrand, deutsche Architektin († 1997)
- 11. März: Beppo Brem, deutscher Schauspieler († 1990)
- 11. März: Ferid Alnar, türkischer Komponist († 1978)
- 11. März: Zino Davidoff, ukrainisch-schweizerischer Unternehmer († 1994)
- 13. März: Bum Krüger, deutscher Schauspieler († 1971)
- 14. März: Ulvi Cemal Erkin, türkischer Komponist († 1972)
- 18. März: Denyse Orval, schweizerische Mezzosopranistin († 1985)
- 18. März: Karl Sesta, österreichischer Fußballspieler († 1974)
- 19. März: Adolf Eichmann, SS-Obersturmbannführer († 1962)
- 19. März: Alexander S. Jakowlew, sowjetischer Flugzeugkonstrukteur († 1989)
- 23. März: Lea Grundig, deutsche Malerin und Grafikerin. († 1977)
- 26. März: Herbert Günther, deutscher Schriftsteller und Dichter († 1978)
- 27. März: Cecil Purdy, australischer Schachspieler († 1979)
- 28. März: Boleslaw Barlog, deutscher Theaterregisseur († 1999)
- 31. März: Shinichiro Tomonaga, japanischer Physiker († 1979)
- 1. April: Alexander Jakowlew, sowjetischer Flugzeugkonstrukteur († 1989)
- 9. April: Antal Doráti, ungarisch-amerikanischer Dirigent († 1988)
- 13. April: Samuel Beckett, irischer Schriftsteller († 1989)
- 18. April: Rudolf Vogel, deutscher Politiker († 1991)
- 19. April: Alois Brems, Katholischer Bischof von Eichstätt († 1987)
- 22. April: Anna Maria Bieganowski, deutsche Politikerin († 1986)
- 26. April: Renate Müller, deutsche Schauspielerin († 1937)
- 28. April: Kurt Gödel, österreichischer Mathematiker und Logiker († 1978)
- 28. April: Paul Sacher, schweizerischer Dirigent und Mäzen († 1999)
- 28. April: Richard Rado, deutscher Mathematiker († 1989)
- 2. Mai: Hans-Günther Sohl, deutscher Industriemanager († 1989)
- 2. Mai: Philippe Halsman, Fotograf und berühmt für seine Portraits († 1979)
- 2. Mai: Wolfgang Abendroth, deutscher Politologe († 1985)
- 3. Mai: Mary Astor, US-amerikanische Schauspielerin († 1987)
- 5. Mai: Waldemar Bloch, österreichischer Komponist, Pianist und Musikpädagoge († 1984)
- 6. Mai: André Weil, französischer Mathematiker († 1998)
- 8. Mai: Adolf Mauk, deutscher Politiker und MdB († 1983)
- 8. Mai: Roberto Rosselini, italienischer Filmregisseur († 1977)
- 17. Mai: Zinka Milanov, war kroatische Opernsängerin (Sopran) († 1989)
- 19. Mai: Gerd Bucerius, deutscher Verleger und Politiker († 1995)
- 20. Mai: Ellen Auerbach, deutsch-amerikanische Fotokünstlerin († 2004)
- 20. Mai: Giuseppe Siri, italienischer Kardinal († 1989)
- 27. Mai: Wilhelm Gefeller, deutscher Gewerkschafter († 1983)
- 28. Mai: Wolf Albach-Retty, österreichischer Schauspieler († 1967)
- 29. Mai: Paul Almásy, französischer Reportage-Fotograf († 2003)
- 29. Mai: Terence Hanbury White, englischer Schriftsteller († 1964)
- 30. Mai: Rudolf Hasse, deutscher Rennfahrer († 1942)
- 2. Juni: Carlo Scarpa, Italienischer Architekt († 1978)
- 3. Juni: Josephine Baker, US-amerikanische Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin († 1975)
- 6. Juni: Hans Sachse, deutscher Arzt und Goethe-Forscher († 1985)
- 6. Juni: Max August Zorn, US-amerikanischer Professor der Mathematik († 1993)
- 7. Juni: Fritz Eschmann, deutscher Bundestagsabgeordneter († 1997)
- 10. Juni: Arseni Grigorjewitsch Golowko, sowjetischer Admiral († 1962)
- 15. Juni: Léon Degrelle, belgischer Faschist († 1994)
- 17. Juni: Oswald Baer, österreichischer Maler der Neuen Sachlichkeit († 1941)
- 18. Juni: Anton Stankowski, deutscher Grafiker, Fotograf und Maler († 1998)
- 19. Juni: Ernst Boris Chain, britischer Biochemiker († 1979)
- 19. Juni: Joachim Schöne, deutscher Politiker († 1967)
- 21. Juni: Bruno Pittermann, österreichischer Politiker und Vorsitzender der SPÖ († 1983)
- 22. Juni: Anne Morrow Lindbergh, Ehefrau, Co-Pilotin und Navigatorin von Charles A Lindbergh († 2001)
- 22. Juni: Billy Wilder, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent († 2002)
- 23. Juni: Josef Spies, deutscher Politiker († 1985)
- 23. Juni: Rolf Singer, Mykologe († 1994)
- 23. Juni: Wolfgang Koeppen, deutscher Schriftsteller († 1996)
- 23. Juni: Liselotte Herrmann, deutsche Widerstandskämpferin († 1938)
- 24. Juni: Hans Jaray, Kammerschauspieler, Regisseur und Autor († 1990)
- 24. Juni: Pierre Fournier, französischer Cellist († 1986)
- 25. Juni: Heinrich Heesch, deutscher Mathematiker († 1995)
- 26. Juni: Stefan Andres, deutscher Schriftsteller († 1970)
- 27. Juni: Vernon Phillips Watkins, walisischer Lyriker († 1967)
- 28. Juni: Maria Goeppert-Mayer, deutsch-US-amerikanische Physikerin († 1972)
- 2. Juli: Hans Bethe, US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger († 2005)
- 2. Juli: Heinrich Otto Seetzen, Mitglied der NSDAP und der SS († 1945)
- 2. Juli: Jan Petersen, deutscher Schriftsteller († 1969)
- 3. Juli: Hilde Körber, deutsche Schauspielerin († 1969)
- 4. Juli: Wilhelm Prinz von Preußen, ältester Sohn des preußischen und deutschen Kronprinzen († 1940)
- 5. Juli: René König, deutscher Soziologe († 1992)
- 7. Juli: Anton Karas, österreichischer Komponist und Zitherspieler († 1985)
- 7. Juli: William Feller, Mathematiker († 1970)
- 11. Juli: Herbert Wehner, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion († 1990)
- 19. Juli: Fritz Corterier, deutscher Politiker und MdR († 1991)
- 23. Juli: Vladimir Prelog, Chemiker († 1998)
- 23. Juli: Walter Blume, deutscher Jurist und SS-Standartenführer
- 23. Juli: Wolfgang Gentner, deutscher Physiker († 1980)
- 24. Juli: Gianfranco Comotti, italienischer Rennfahrer († 1963)
- 4. August: René Mazaud, französischer Rennfahrer († 1946)
- 5. August: Joan Hickson, britische Schauspielerin († 1998)
- 5. August: John Huston, US-amerikanischer Filmregisseur († 1987)
- 5. August: Wassily Leontief, russisch-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger († 1999)
- 7. August: Gerhard Frommel, deutscher Komponist und Musikpädagoge († 1984)
- 7. August: Nelson Goodman, US-amerikanischer Philosoph († 1998)
- 8. August: Eberhard Brünen, deutscher Politiker († 1980)
- 10. August: Wilhelm Kempf, katholischerGeistlicher und Bischof von Limburg († 1982)
- 13. August: Hans Schaefer, deutscher Mediziner und Mitbegründer der Max-Planck-Gesellschaft († 2000)
- 14. August: Bruno Six, deutscher Politiker († 1984)
- 14. August: Dino Staffa, Kardinal der römisch-katholischen Kirche († 1977)
- 14. August: Horst P. Horst, US-amerikanischer Fotograf († 1999)
- 16. August: Franz Josef II. (Liechtenstein), Sohn von Prinz Alois von und zu Liechtenstein († 1989)
- 17. August: Eduard Strauch, Verbrecher und Massenmörder († 1955)
- 17. August: Marcello Caetano, portugiesischer Diktator († 1980)
- 25. August: Eugen Gerstenmaier, evangelischer Theologe, Widerstandskämpfer und Politiker († 1986)
- 26. August: Oswald Kaduk, SS-Unterscharführer Rapportführer in Auschwitz, Massenmörder († 1997)
- 27. August: Ed Gein, Serienmörder († 1984)
- 27. August: Giorgos Theotokas, griechischer Komponist, Sänger und Politiker († 1960)
- 29. August: Ingo Braecklein, Bischof der Evangelischen Landeskirche von Thüringen († 2001)
- 30. August: Hedwig Pistorius, österreichische Schauspielerin († 2004)
- 31. August: Raymond Sommer, französischer Rennfahrer († 1950)
- 1. September: Joaquin Balaguer, Staatschef und Schriftsteller der Dominikanischen Republik († 2002)
- 4. September: Alexander Moyzes, slowakischer Komponist († 1984)
- 4. September: Max Delbrück, deutscher Genetiker und Biophysiker († 1981)
- 4. September: Wayne D. Overholser, US-amerikanischer Westernautor († 1996)
- 6. September: Luis Federico Leloir, argentinischer Chemiker und Nobelpreisträger († 1987)
- 6. September: Max Müller, deutscher Philosoph († 1994)
- 8. September: Fritz Schilgen, deutscher Leichtathlet († 2005)
- 11. September: Gustav Seitz, deutscher Bildhauer und Zeichner († 1969)
- 12. September: Gerhard Winkler, deutscher Komponist von Unterhaltungsmusik († 1977)
- 15. September: Jacques Becker, französischer Filmregisseur († 1960)
- 19. September: Carla Hansen, dänische Schriftstellerin († 2001)
- 22. September: Gustav Schäfer, deutscher Ruderer und Olympiasieger († 1991)
- 25. September: Dmitri Schostakowitsch, sowjetischer Komponist († 1975)
- 25. September: José Figueres Ferrer, Politiker und Staatspräsident von Costa Rica († 1990)
- 30. September: Michael Innes, schottischer Krimi-Schriftsteller († 1994)
- 4. Oktober: Eugen Schuhmacher, deutscher Zoologe und Tierfilmpionier († 1973)
- 6. Oktober: Janet Gaynor, US-amerikanische Schauspielerin († 1984)
- 6. Oktober: Waldemar von Knoeringen, deutscher Politiker († 1971)
- 9. Oktober: Janis Ivanovs, lettischer Komponist († 1983)
- 9. Oktober: Oswald Malura, deutscher Maler († 2003)
- 9. Oktober: Saiyid Qutb, bedeutender Theoretiker der ägyptischen Muslimbruderschaft († 1966)
- 9. Oktober: Wolfgang Staudte, deutscher Filmregisseur († 1984)
- 10. Oktober: Anderl Heckmair, deutscher Alpinist und Bergführer († 2005)
- 10. Oktober: Klaus Mehnert, deutscher Wissenschaftler und Schriftsteller († 1984)
- 12. Oktober: Piero Taruffi, italienischer Formel 1-Rennfahrer († 1988)
- 13. Oktober: Karl Holzamer, deutscher Philosoph, Pädagoge und ehemaliger Intendant des ZDF
- 14. Oktober: Hannah Arendt, Politologin und Philosophin († 1975)
- 14. Oktober: Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, deutscher Politiker und Journalist († 1984)
- 17. Oktober: Hans Haas, österreichischer Gewichtheber und Olympiasieger († 1973)
- 18. Oktober: Hermann Danz, KPD-Politiker und NS-Widerstandskämpfer († 1945)
- 22. Oktober: Fritz Cremer, deutscher Bildhauer, Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR († 1993)
- 22. Oktober: Kees van Baaren, niederländischer Komponist und Lehrer († 1970)
- 23. Oktober: Gertrude Ederle, erste Frau, die den Ärmelkanal durchschwamm († 2003)
- 29. Oktober: Franziska Bilek, deutsche Zeichnerin und Karikaturistin († 1991)
- 30. Oktober: Giuseppe Farina, der erste Formel 1-Weltmeister († 1966)
- 31. Oktober: Emil Bettgenhäuser, deutscher Politiker und MdR († 1982)
- 31. Oktober: Lilo Linke, deutsche Schriftstellerin und Reporterin († 1963)
- 2. November: Luchino Visconti, italienischer Schriftsteller, Theater- und Filmregisseur († 1976)
- 3. November: Alma Rosé, österreichische Violinistin († 1944)
- 4. November: Siegfried Borris, deutscher Komponist, Musikwissenschaftler und Musikpädagoge († 1987)
- 4. November: Arnold Cooke, englischer Komponist († 2005)
- 4. November: Jean Filliozat, französischer Mediziner († 1982)
- 4. November: Bernhard Günther, deutscher Politiker († 1981)
- 13. November: Willibald Kress, deutscher Fußballspieler († 1989)
- 16. November: Henri Charrière, französischer Schriftsteller († 1973)
- 18. November: Guido Wieland, österreichischer (Kammer)schauspieler, Regisseur und Operettenbuffo († 1993)
- 18. November: Klaus Mann, deutscher Schriftsteller († 1949)
- 21. November: Alfred Nau, deutscher Politiker († 1983)
- 23. November: Oscar Heiler, schwäbischer Schauspieler und Komiker († 1995)
- 23. November: Kurt Neuwald, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Westfalen-Lippe († 2001)
- 23. November: Sait Faik Abasiyanik, türkischer Schriftsteller († 1954)
- 24. November: Conrad Hansen, deutscher Pianist († 2002)
- 26. November: Heinz Frommhold, deutscher Politiker († 1979)
- 5. Dezember: Otto Preminger, US-amerikanischer Regisseur und Filmproduzent († 1986)
- 7. Dezember: Elisabeth Höngen, deutsche Sängerin (Mezzosopran) († 1997)
- 7. Dezember: Erika Fuchs, Übersetzerin († 2005)
- 9. Dezember: Grace Hopper, US-amerikanische Computerwissenschaftlerin († 1992)
- 12. Dezember: Liselott Baumgarten, deutsche Schauspielerin († 1981)
- 12. Dezember: Pamela Wedekind, deutsche Schauspielerin und Chansonsängerin († 1986)
- 13. Dezember: Josef Maria Reuss, Weihbischof in Mainz und Titularbischof von Sinope († 1985)
- 19. Dezember: Leonid Iljitsch Breschnew, Parteichef der KPdSU der Sowjetunion († 1982)
- 20. Dezember: Léopold Sédar Senghor, afrikanischer Dichter und Politiker († 2001)
- 21. Dezember: Georg Knepler, österreichischer Musikwissenschaftler († 2003)
- 23. Dezember: Ross Lee Finney, US-amerikanischer Komponist († 1997)
- 24. Dezember: Franz Waxman, deutscher Filmkomponist, Dirigent und Arrangeur († 1967)
- 24. Dezember: Joseph Höffner, Erzbischof des Erzbistums Köln und Kardinal († 1987)
- 24. Dezember: Paul Bromme, deutscher Politiker († 1975)
- 25. Dezember: Ernst Ruska, deutscher Elektrotechniker und Erfinder des Elektronenmikroskops († 1988)
- 27. Dezember: Andreas Feininger, US-amerikanischer Fotograf († 1999)
- 27. Dezember: Erwin Geschonneck, Schauspieler der DDR
- 30. Dezember: Carol Reed, britischer Filmregisseur († 1976)
- November: Faisal ibn Abd al-Aziz, saudi-arabischer König († 1975)
- 19. Januar: Bartolomé Mitre, Staatsmann, militärischer Führer und Historiker ( - 1821)
- 29. Januar: Christian IX. (Dänemark), König von Dänemark ( - 1818)
- 25. Februar: Anton Stepanowitsch Arenski, russischer Komponist ( - 1861)
- 27. Februar: Samuel Pierpont Langley, Astrophysiker und Flugpionier ( - 1834)
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Prag
Prag (tschechisch: Praha) ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik und der Mittelböhmischen Region (Středočeský kraj). Gleichzeitig ist Prag (Hlavní město Praha) selbstständige Verwaltungseinheit (Hlavní město Praha).
Geographie
Mittelböhmischen Region
Ein Großteil der Stadt liegt in einem weiten Tal der Moldau. Der Rest verteilt sich auf neun das Tal umgebende Hügel: Letná, Vítkov, Opyš, Vìtrov, Skalka, Emauzy, Vyšehrad, Karlov und den höchsten von ihnen Petřín. Der Prager Abschnitt der Moldau ist 30 km lang mit einer durchschnittlichen Tiefe von 2,75 m ; die größte Tiefe beträgt 10,5 m. Sie macht in der Stadt eine große Schleife und umströmt neun Inseln. Die Moldau nimmt am linken Ufer fünf und am rechten Ufer vier Bäche auf.
Bevölkerung
In der Hauptstadt Prag wohnen 1.170.571 Menschen, das sind weit über ein Zehntel der Gesamtbevölkerung des Landes. Die Mehrheit verteilt sich allerdings auf die zahlreichen Außenbezirke und auf die Neubaugebiete an den Stadträndern. Die historische Innenstadt hat lediglich etwa 40.000 Einwohner.
In Prag gibt es etwa 20.000 Arbeitslose, das entspricht 3,4% der Prager Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote ist seit Jahren fast unverändert.
Stadtteile
Als eine der ältesten, größten und schönsten Städte in Mitteleuropa, die von den Zerstörungen im Zweiten Weltkriege weitgehend verschont geblieben ist, ist sie heute ein touristisches Ziel allerersten Ranges.
Die Baustile in Prag sind sehr vielfältig. Man findet romanische, gotische, Renaissance-, barocke, Rokoko-, klassizistische, Empire-, Jugendstil- und kubistische Gebäude, Kirchen, Türme oder andere Bauwerke und Artefakte.
Der Kaufmann Ibrahim ibn Jaqub bezeichnete Prag als "die Stadt gebaut aus Stein und Kalk" oder "Steinernes Prag". Weitere Bezeichnungen für Prag waren Praga tocius Bohemiae domina (Prag, die Dame von ganz Böhmen) und Praga mater urbium (Prag, die Mutter aller Städte). Im Mittelalter wurde Prag als Praga caput regni (Prag, das Haupt des Königreichs) bezeichnet. Von Karl IV. wurde Prag auch die "Goldene Stadt" genannt. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde sie auch die "Stadt der hundert Türme" genannt.
Innenstadt
Am bekanntesten sind sicher die Prager Burg mit dem Veitsdom, die Karlsbrücke und der Altstädter Ring mit Teynkirche, Ungelt, Rathaus und astronomischer Uhr (Orloj). Aber auch die zweite mittelalterliche Burg, der Vyšehrad mit der St. Peter-und-Pauls-Kirche, lohnt einen Besuch. Die Prager Altstadt wird besonders durch ihre alten Häuser, die oft bis in die Romanik und Gotik zurückreichen, ihre zahlreichen Kirchen und romantischen Gassen geprägt. Auf der Kleinseite und in der Hradschin-Stadt dominieren dagegen prächtige Palais aus der Renaissance und dem Barock, darunter auch das Palais Lobkowicz mit der deutschen Botschaft, die 1989 als Zufluchtsort von Flüchtlingen aus der DDR gesamtdeutsche Geschichte schrieb. Unweit der beiden Stadtteile liegt das Kloster Strahov.
Wären dagegen in der Neustadt nicht das Neustädter Rathaus am Karlsplatz und viele Kirchen und Klöster aus der Gotik und dem Barock erhalten, würde man kaum vermuten, dass auch sie bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet wurde. Dies gilt besonders für den belebtesten Platz in Prag, den Wenzelsplatz, der als von mondänen Einkaufspassagen gesäumter Boulevard kaum noch an seinen mittelalterlichen Ursprung erinnert. Nur die Kirche St. Maria Schnee gibt noch ein Zeugnis seiner großen Bedeutung schon in früherer Zeit. Berühmt ist Prag ebenso für seine zahlreichen Jugendstilbauten. In Prag konnte sich der Kubismus auch in der Architektur entfalten.
Auch die moderne Architektur ist mit einigen exzeptionellen Bauten wie Frank Gehrys "Ginger and Fred" oder dem Fernsehturm vertreten. Ein weiterer bemerkenswerter Aussichts- und Sendeturm ist der dem Eiffelturm nachempfundene Petřínská rozhledna. Der 60 m hohe Turm wurde 1891 errichtet. Die Stadt Prag wird besonders geprägt durch die Moldau, die von 13 großen Brücken aus verschiedenen Zeiten überspannt wird.
Außenbezirke
Auch außerhalb der Innenstadt gibt es zahlreiche weitere Touristisch besuchte Orte wie den durch die gleichnamige Schlacht 1620 berühmt gewordenen Weißen Berg (Bílá Hora) mit dem Renaissance-Jagdschloß Schloss Stern, das unweit gelegene Benediktinerkloster Břevnov, das barocke Schloss Troja mit seinen wunderschönen Deckengemälden und den Prager Zoo im selben Stadtteil sowie viele andere mehr.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Prags
Geschichte Prags
Die Besiedlung des Gebietes reicht bis ins Paläolithikum zurück. Das Prager Becken gehörte während der gesamten Ur- und Frühgeschichte zu den am dichtesten und nahezu durchgängig besiedelten Landschaften Böhmens. Erste slawische Gruppen stießen etwa ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in das Gebiet vor. Im 9. Jahrhundert wurde die Prager Burg mit dem unterhalb im Bereich der heutigen Kleinseite liegenden Suburbium und im 10. Jahrhundert eine zweite Burg auf dem Vyšehrad als Sitz der Přemysliden angelegt. Im Schutz der beiden Burgen entwickelten sich auf beiden Seiten der Moldau Ansiedlungen deutscher und jüdischer Kaufleute und einheimischer Handwerker. Um 1230/34 ließ König Wenzel I. die größte dieser Siedlungen an der Moldaubiegung befestigen und erteilte ihr das Stadtrecht. Prag wurde damit zur königlichen Residenzstadt der böhmischen Herrscher. Sein Sohn Přemysl Ottokar II. vertrieb die auf dem anderen Moldauufer unterhalb der Burg ansässige tschechische Bevölkerung und gründete 1257 die erste Prager Neustadt, die heutige Kleinseite (Malá Strana). Als dritte Prager Stadt wurde vor 1320 von den Burggrafen die abhängige Hradschin-Stadt (auch Burgstadt, Hradčany) unmittelbar westlich der Burg angelegt.
Unter Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel IV. erblühte die Stadt als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wirtschaftlich, kulturell, politisch und auf vielen weiteren Gebieten. Hier wurde 1348 die Karls-Universität als erste Universität in Mitteleuropa gegründet. Durch den Bau der Prager Neustadt im selben Jahr wurde die Agglomeration mit weit über 40.000 Einwohnern viertgrößte Stadt nördlich der Alpen und hinsichtlich ihrer Fläche drittgrößte Stadt in Europa. Bald darauf wurde sie jedoch durch die Hussitenkriege schwer erschüttert und teilweise zerstört.
Ende des 16. Jahrhunderts machte Kaiser Rudolf II. Prag wieder zur Residenzstadt. Von dieser Zeit zeugen prachtvolle barocke Palais und Kirchen. Durch den zweiten Prager Fenstersturz wurde dann der Dreißigjährige Krieg ausgelöst und auch der Siebenjährige Krieg hinterließ Spuren.
Um 1900 glich das nach außen weltoffene Prag, Sitz der ersten im deutschen Reich gegründeten Universität, einem Treibhaus für Künstler und nachwachsende Literaten. Allein drei Dichterkreise wetteiferten miteinander: Den engeren Prager Kreis bildeten Max Brod und seine Freunde Franz Kafka, Felix Weltsch und Otto Baum. Der | | |