Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Amazone

Amazone

Amazonen im engeren Sinne ist der Name, den die Griechen einem in den Mythen matriarchalisch organisierten, angeblich in Anatolien und am Ostufer des Schwarzen Meeres lebenden Volk gaben. Später wurde dieser Name auch für ein Frauenvolk in Nordafrika verwendet. Nordafrika In der westlichen Moderne, vor allem in der Popkultur, wird der Begriff „Amazonen“ auch für andere vermeintlich matriarchalisch strukturierte Völker benutzt.

Herkunft des Namens

Zuweilen wurde die griechische Bezeichnung "Amazone" oft auf a-mazos (brustlos) zurückgeführt. Denn die Amazonen sollen ihren kleinen Töchtern - laut einigen späteren Quellen - die rechte Brust ausgebrannt haben, damit diese später den Bogen ungehindert abschießen können. Wahrscheinlicher ist, dass die Amazonen über der rechten Brust ein Lederdreieck trugen, welches die Brust flach drückte. Damit konnte die Sehne des Bogens ungehindert gespannt werden. Dies erweckte den Eindruck einer "Einbrüstigen". Allerdings wurden Amazonen in den griechischen Darstellungen gewöhnlich mit zwei Brüsten wiedergegeben. Die Herleitung von a-mazos wird in der Forschung daher mittlerweile überwiegend abgelehnt und ist nicht die einzige vorgeschlagene mögliche Deutung des Namens. So wird der Name zum Beispiel auch von "a-mazas" (brotlos) hergeleitet. Es ist überliefert, dass der Verzehr von Brot bei den kaukasischen Amazonen als verweichlicht galt. Deshalb bekamen nur ihre männlichen Sklaven Brot, während die kämpferischen Frauen eiweiß- und vitaminreiche Kost wie Fisch, Früchte und Fleisch bevorzugten. Ebenfalls denkbar wäre eine Herleitung von zone = Gürtel. Amazone könnte demnach etwa wohlgegürtet bedeuten und auf die Tracht der Amazonen anspielen. Dies schafft Assoziationen zu Herakles´ Abenteuer bei den Amazonen, dessen Aufgabe es war, sich den Gürtel der Hippolyte anzueignen (s.u.) Eine andere nachvollziehbare Deutung ist diese: Im altpersischen Sanskrit gibt es eine Bezeichnung "uma soona", die in etwa die Bedeutung "Kinder der Uma" hat, wobei "Uma" der Name einer Mond(?)-Göttin ist. Auf einigen griechischen Vasen tragen die Amazonen mondförmige Schilde, und auch die Griechen ordneten ihnen Artemis, die Göttin der Jagd und des Mondes zu. Lautmalerisch könnten sie den ihnen unverständlichen Volksnamen in das Wort "amazon" verwandelt haben.

Amazonen in der griechischen Mythologie und in sonstigen griechischen Quellen

Artemis Der Sagendichter Homer nennt die Amazonen in der im 8. Jh. v. Chr. verfassten Ilias an zwei Stellen: #Im Zusammenhang mit dem Bellerophontes-Mythos (Ilias VI,186), bei dem der griechische Held Bellerophontes bei seinem Aufenthalt in Lykien u.a. gegen Amazonen kämpfte. #Priamos hat in seiner Jugend auf Seiten der Phryger gekämpft, als diese von Amazonen attackiert wurden (Ilias III, 184ff.). Eine Sage, die diesen Kampf schildert, ist nicht erhalten. Homer setzte sie jedoch beim Leser als bekannt voraus. Wie auch die Mythen um die Amazonen selber. Man kann demnach annehmen, dass Amazonensagen schon vor Homer existiert haben. In etwas späteren Quellen erfahren wir, dass die Amazonen ihre Hauptstadt Themiskaia am Thermodon-Fluss im Pontos-Gebiet (Nordost-Kleinasien) gehabt haben sollen. Archäologische Untersuchungen - wobei anzumerken ist, dass diese Region ärchäologisch noch schlecht erforscht ist - konnten diese mythologische Darstellung allerdings bislang nicht bestätigen. Auch die Darstellung deutlich späterer antiker Quellen, wonach Kappadokien, Samothrake und Lesbos von "Amazonenstämmen besetzt gehalten" wurde, entspricht nicht den philologischen und archäologischen Fakten. Zwar wurde - der Sage nach - auf der Insel Lesbos die unter Griechen übliche männliche Homosexualität von einer weiblichen Homosexualität nachgeahmt (daher der Begriff "lesbisch"), dennoch handelte es sich hier um mythische griechische Stämme und nicht um die aus der Sagenwelt stammenden Amazonenstämme. In der an die Werke Homers anschließende Aithiopis wird folgende berichtet: Während des trojanischen Kriegs, als die Amazonen schon nicht mehr so mächtig waren, sollen sie unter ihrer Königin Penthesilea den Trojanern zu Hilfe gekommen sein und die Griechen in arge Bedrängnis gebracht haben. Mit herben Anstrengungen und durch das Eingreifen Achills siegten die Griechen. Penthesilea fiel im Kampf gegen Achilles. In der Sage von den Argonauten, die uns leider nur in der späten Version des 3. Jh. v. Chr. erhalten ist, heißt es, dass die Argonauten - eine Gruppe von 50 bedeutenden griechischen Heroen - auf dem Weg nach Kolchis nicht wagten, an bestimmten Abschnitten der kleinasiatischen Schwarzmeerküste an Land zu gehen, weil dort Amazonen lebten. Herodot schrieb im 5. Jahrhundert v. Chr. die zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer ansässigen Sauromaten (sie sind zu den Sarmaten zu rechnen) wären aus einer Vermischung von Skythen und Amazonen entstanden. Vor einigen Jahren ist in diesem Gebiet (bei Pokrovka) tatsächlich ein Gräberfeld aus dem 6.-4. Jh. v. Chr. entdeckt worden (siehe a.a.O. und Weblinks). Die ausführlich von Herodot geschilderte schöne Geschichte von der Verbindung von Amazonen und Skythen im Bereich der Krim und deren Auswanderung in das spätere Gebiet der Sauromaten enthält jedoch einen Anachronismus: Die Skythen - so Herodot an andere Stelle selbst - sind erst im späten 8. Jh v. Chr. ins Schwarzmeergebiet vorgedrungen - einer Zeit, in der Amazonen in Nordanatolien nicht mehr anzutreffen waren. Eventuell läßt Herodot die Amazonen einfließen, weil dies beim Leser die - aus griechischer Sicht höchst ungewöhnliche - vollkommen gleichberechtigte Stellung der Frau bei den Sauromaten verständlicher macht. An anderer Stelle hebt Herodot die aus seiner Sicht ungewöhnlichen Bräuche der Lykier, die in Südwest-Kleinasien lebten, hervor (Herodot I,173): Sie sollen sich noch zu seiner Zeit nach ihren Müttern benannt haben. Außerdem richtete sich der Status eines Kindes nach dem Status der Mutter. War sie aus dem Bürgerstand, bekamen automatisch auch ihre Kinder Bürgerrechte, selbst wenn der Vater ein Sklave war. War ihre Mutter hingegen unfrei, so bekamen auch die Kinder keine Bürgerrechte, selbst wenn der Vater ein noch so angesehener Bürger war. Dies deutet auf eine ehemals sehr hohe Stellung der Frau in dem Teil Lykiens, den Herodot bereist hat. Die mütterrechtlichen juristischen Regelungen mögen Herodot auf die Idee gebracht haben, es handele sich hierbei um Nachfahren des Sagenvolkes der Amazonen. Geschichtswissenschaftlich betrachtet haben diese ungewöhnlichen Regelungen jedoch weltlichere Gründe. Theseus, der sagenhafte König von Athen soll eine Amazonenkönigin entführt, sie mit nach Athen genommen und zu seiner Frau gemacht haben: Antiope, die Schwester von Hippolyte. Aus Rachelust drangen die Amazonen in Griechenland ein, plünderten einige Städte an der Küste und belagerten Athen. Bei den Kämpfen wurde Antiope getötet. Diese Sage hat mit Sicherheit kaum Wahrheitsgehalt. Eine Belagerung Athens durch kleinasiatische Stämme ist nicht nachgewiesen und extrem unwahrscheinlich. Doch lässt eine solche Sage Athens in hellerem Licht erstrahlen: es klingt gut, wenn man darauf verweisen kann, in grauer Vorzeit der Belagerung durch ein Volk standzuhalten, vor dem selbst die schimmerndsten Heroen großen Respekt hatten. Eine weitere Sage berichtet, dass die Amazonenkönigin Hippolyte von Herakles erschlagen wurde, der ins Amazonenland aufbrach, um den Gürtel der Königin zu erlangen. Obwohl beide Seiten keine kriegerischen Absichten hatten kam es durch ein Missverständnis zum Kampf in dessen Verlauf Herakles die Königin und einige weitere Amazoninnen tötete. Voller Ehrfurcht vor diesem starken Helden händigten die überlebenden Amazonen Herakles den Gürtel daraufhin aus. Ferner gibt es eine Reihe von Gründungslegenden, in denen Amazonen eine Rolle spielen: so gründeten sie unter anderen die Städte Kyme, Myrne und Paphos. Auch das Artemision von Ephesos soll ursprünglich von Amazonen mitgegründet worden sein. Es war in der Antike üblich, sich Völker und Gruppen aus der Sagenwelt als Ahnherren zu wählen. Dies hatte den Vorteil, dass man sich auf eine ältere Vergangenheit berufen konnte, als es der Wirklichkeit entsprach, ohne mit einem tatsächlich historischen Volk in Konflikt darüber zu geraten. Die griechischen Mythen erwähnen auch verschiedene Inseln, auf denen zeitweise Frauen ohne Männer gelebt haben sollen. Die Frauen dort hatten nur zu bestimmten Zeiten mit den Männern benachbarter Siedlungen Kontakt, um von ihnen geschwängert zu werden. Diese Frauengemeinschaften werden aber nicht konsequent als "Amazonen" bezeichnet. Zum Beispiel die Inseln Tamnos, Lemnos und Lesbos (s.o.) sollen zeitweise solche "Fraueninseln" gewesen sein. Die Frauen von Tamnos sollen demnach ihrer Göttin in einem rituellen Menschenopfer alle Männer, die an ihren Küsten landeten, geopfert haben. Über jene von Lemnos wurde gesagt, sie hätten sich gegen ihre Männer erhoben und alle gleichzeitig ermordet.

Amazonen in der römischen Mythologie

Diodorus Siculus erwähnt Amazonen in Nordwest-Afrika, die lange vor den kleinasiatischen Amazonen gelebt und ganz Nordafrika unterworfen haben sollen. In ihrem Zusammenhang spricht man auch von „libyschen Amazonen“, die bereits von Herodot erwähnt wurden. In einem späteren Abschnitt seines Werks, widerspricht sich jedoch Diodor, denn dort fließen asiatische und libysche Amazonen, die er vorher strikt trennt, ineinander über. Von Kleinasien aus sollen die Amazonen demzufolge einige Inseln der Ägäis angegriffen und später Athen belagert haben. Sueton, ein römischer Historiker aus dem 1. Jahrhundert schrieb, dass die Amazonen „einst einen großen Teil Kleinasiens beherrschten“ (er meinte wohl die Skythen). Noch im 5. Jahrhundert wurde das Schwarze Meer auch „Amazonenmeer“ genannt.

Sonstige Hinweise auf Amazonen

In zwei demotischen Papyri aus Ägypten sind Unternehmungen des Pharaos Petubastis (ca. 818-793 v. Chr.) geschildert, bei denen er u.a. mit Amazonen unter einer Königin Sarpot kämpft. Später führen Ägypter und Amazonen gemeinsam Krieg gegen das Land Hintu. Die Geschichten sind lange nach Petubastis entstanden und können demnach nicht als „außergriechischer“ Hinweis für eine reale Existenz der Amazonen der griechischen Mythologie angesehen werden. Eventuell wurden die Erzählungen nämlich von griechischen oder orientalischen Mythen beeinflusst. Um einen realen Kern in den Amazonenmythen ausmachen zu können bräuchte man zeitgenössische Quellen (selbst für den Sagendichter Homer lebten sie in "grauer Vorzeit"). Es gibt sehr viele hethitische Texte aus den Archiven von Hattuscha und Ugarit, die ins 15. - 13. Jh. v. Chr. datieren - die Zeit, in der die meisten griechischen Sagen spielen dürften. Es konnten jedoch keinerlei Hinweise auf das Sagenvolk der Amazonen gefunden werden. Es wird in hethitischen Quellen allerdings nur selten Nordost-Anatolien erwähnt, und wir wissen nicht einmal sicher, welches Volk dort in der späten Bronzezeit gelebt hat. Außerdem erfahren wir sehr wenig über Gesellschaftsstrukturen, Sitten etc. der hethitischen Nachbarn. Auch assyrischen Quellen konnte kein Hinweis auf irgendwelche Amazonen entnommen werden.

Hypothesen zum realen Kern der mythischen Amazonen

W. Leonhards Gleichsetzung mit den Hethitern

W. Leonhard hat 1912 eine Gleichsetzung der Amazonen mit den Hethitern postuliert. Eine solche Identifikation würde zwar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Hethiter waren ein mächtiges reales Volk, das griechische Quellen jedoch mit keiner Silbe erwähnen, die Amazonen dagegen ein archäologisch nicht fassbares Volk, das eine große Rolle in griechischem Schrifttum und Kunst spielt. Zudem waren Frauen bei den Hethitern den Männern de jure gleich gestellt, was bei indogermanischen Völkern ungewöhnlich war. Gegen diese Theorie sprechen jedoch schon die Tatsachen, dass 1. das Kerngebiet der Hethiter Zentralanatolien und nicht das Pontos-Gebiet war und 2. hethitische Frauen nicht mit in den Krieg zogen. Die Theorie Leonhards ist daher abgelehnt worden und wird nicht mehr vertreten.

Die Forschungen von Jeannine Davis-Kimball

Es wird für möglich gehalten, dass die realen Vorbilder für die Amazonen bei den Griechen Stämme der Skythen oder Sarmaten waren. Vor einiger Zeit fanden der russische Archäologe Leonid Jablonskij und seine amerikanische Kollegin Jeannine Davis-Kimball in Südrussland und der Ukraine zahlreiche Gräber (Kurgane) skytischer oder sarmatischer Frauen gefunden, die mit Waffen und Rüstungen begraben wurden. Ein wichtiger Fundort ist eine Nekropole bei Pokrovka. Zwischen ca. 600 v.Chr. und 300 v.Chr. wurden hier den weiblichen Gräbern sogar mehr Waffenbeigaben als den männlichen beigefügt. Im letzten Drittel der Belegungsphase wurde die Nekropole von Samarten benutzt. Einige Waffen weisen Gebrauchsspuren auf, sind also sehr wahrscheinlich auch benutzt worden. In weiteren Gräbern wurden 2500 Jahre alte Frauenskelette, die anatomisch auffällig waren, entdeckt. Zum einen waren ihre Oberschenkelknochen gebogen und ihre Steißbeine gestaucht. Sie waren also viel geritten. Zum anderen wurden als Grabbeigaben unter anderem auch Waffen gefunden. Andere anatomische Auffälligkeiten, wie etwa durch Hiebe und Stiche in einem Kampf verursachte Verwundungen, wiesen die Skelette nicht auf. Es mag sich also um rein rituell-symbolische Grabbeigaben handeln. Es wurde jedoch auch ein weiteres "Amazonengrab" entdeckt, das nicht nur Schmuckstücke wie Dutzende von Goldperlen, Goldbroschen und einen Ohrring, sondern auch mehr als 110 Pfeilspitzen enthielt. Die große Anzahl der Pfeilspitzen lässt die Forscher vermuten, dass es sich bei der Toten um eine berittene Kriegerin handelte. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich - zumindest was die Nekropole bei Pokrovka angeht - um Gräber der von Herodot (s.o.) genannten Sauromaten handelt. Dass diese Stämme der Samarten und Skythen mit den mythischen Amazonen identisch sind oder auch nur die Amazonenerzählungen und -darstellungen stärker beeinflusst haben, wie Frau Davis-Kimball meint, ist jedoch äußerst zweifelhaft. Ebenfalls ihre - mittlerweile auch im Deutschen Fernsehen verbreitete - ethnologischen und genetischen Untersuchungen, die darin gipfeln, dass sich Spuren der "Amazonen" bis in die Mongolei nachweisen lassen, wo Davis-Kimball ein kleines Mädchen getroffen hat, das genetisch Nachfahrin dieses Volks ist. Wenn sich Spuren skythischer, sarmatischer oder sonstiger Stämme, bei denen Frauen hochgestellt waren, bis heute verfolgen lassen, hat das kaum etwas mit den Amazonen zu tun. Denn das Bindeglied zwischen diesen Völkern und den Amazonen der Griechischen Sagen fehlt. Davis-Kimballs Argument, auf griechischer Vasenmalerei begegneten Amazonen als Motiv ab dem 6. Jh. v. Chr. - als die Griechen von diesen Völkern angeblich erfuhren - in stark zunnehmendem Maße, ist schwach: Erst im Laufe des 5. Jh. hört Herodot von den Sauromaten. Zudem ist es in der griechischen Kunst üblich, alte oder mythische Völker so darzustellen, wie zeitgenössische Völker aus ungefähr der selben Gegend bekleidet und bewaffnet waren. Dass daher Amazonen ähnlich den Skythen (oder auch Parthern) dargestellte werden, ist als normal anzusehen. Davis-Kimballs Forschungen belegen daher lediglich, dass es zwischen dem 6. und 3. Jh. v. Chr. in den genannten Gebieten Südrusslands, der Ukraine und Kasachstans Völker gab, bei denen Frauen offenbar eine gesellschaftlich hohe Stellung hatten und mit Waffen kämpften. Eine Verbindung zu den viel früher lebenden - falls real - Amazonen der griechischen Mythologie lässt sich jedoch nicht nachweisen.

Erinnerungen an matriarchale Völker in Kleinasien

Einige Forscher gehen davon aus, dass die Amazonensagen auf Erinnerungen fußen, die frühe Ereignisse widerspiegeln, bei denen Griechen im kleinasiatischen Raum auf matriarchal regierte Völker getroffen und in Kämpfe verwickelt worden sind. Später seien diese Erinnerungen immer mehr ausgeschmückt worden. Diese Hypothese geht von einem (kleinen) realen Kern der Amazonensagen aus, sagt jedoch nicht, wann und wo und bei welcher Gelegenheit Griechen auf solche Völker getroffen sind. Die Kontakte mit diesen matriarchal regierten Völkern müssen aber vor der Mitte des 8. Jh. gewesen sein, denn Homer sind Erzählungen über Amazonen schon bekannt (s. o.). Zudem haben Griechen im Zuge der Kolonisation der Kleinasiatischen Schwarzmeerküste (spätestens ab dem 3. Viertel des 7. Jh. v. Chr., vorher schon präkolonialer Handel) solche Völker oder deren Spuren dort nicht mehr angetroffen. Folglich müssen von dieser These angenommene Kontakte vor Mitte des 8. Jh. stattgefunden haben und matriarchal regierte Völker Mitte des 7. Jh. nicht mehr existiert haben.

„Amazonen“-Völker in der nordischen Welt

Auch die Walküren, die Botinnen Wotans aus Walhalla in der nordischen Sagenwelt, werden von Feministinnen als Amazonen betrachtet. Allerdings handelte es sich bei den Walküren ursprünglich um Totengeister, die erst in spätgermanischen Mythen vermenschlicht wurden. Unter den Wikingern gab es insofern "Amazonen", als es weibliche Kampfgefährtinnen der Wikinger gab, die auch das Schwert ergriffen. Die norwegische Flotte, die im 10. Jahrhundert in Irland einfiel und Ulster niederbrannte, wurde von einer Kriegerin angeleitet, die „die rote Frau“ genannt wurde. Es handelte sich bei dieser Frau um die Tochter eines bedeutenden Wikingers, die auf einem Rachefeldzug Stammeskrieger auf die irische Insel führte. Im keltischen Irland selbst war es bis ins 7. Jahrhundert nicht verboten, wenn Frauen ihre Männer als Kampfgefährtinnen unterstützten, dann wurde den Frauen von der christlichen Kirche das Tragen von Waffen verboten. In den Ländern um das Schwarze Meer herum trugen einzelne Frauen bis ins 18. Jahrhundert hinein Männerkleider, ritten rittlings und kämpften an der Seite der Männer. Ihr taktischer Wert war aufgrund ihrer geringeren Körperkraft allerdings gering, und ihre Verwendung war dem der jugendlichen Verbände gleichgestellt.

„Amazonen“-Völker in anderen Regionen der Welt

Auch auf anderen Kontinenten gab es "Amazonenvölker". So zeigte sich zum Beispiel Christoph Kolumbus beeindruckt von den Arawak-Frauen auf Santa Cruz, die in der Armee mitkämpften. Der Fluss Amazonas wurde nach den Amazonen benannt, weil die Spanier glaubten in das sagenumwobene Land des griechischen Mythos gelangt zu sein. Echte "Amazonen" fanden sie allerdings nicht. Sie wurden zwar von Francisco de Orellana in der Gonzalo-Pizarro's-Expedition beschrieben, doch die Existenz wird angezweifelt. Wie schon bei den Griechen ist es schwierig, Geschichte und Legenden auseinander zu halten.

Weblinks


- Zu den Sauromaten: [http://www.csen.org/WomenWarriors/Statuses_Women_Warriors.html The Center for the Study of the Eurasian Nomads (CSEN)]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,2133081,00.html ZDF: Das Amazonenrätsel]
- [http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/23/0,4070,2174263-0,00.html ZDF-Video: Neu entdecktes Amazonengrab in der südrussischen Steppe]
- [http://www.atlantia.de/mythen/mythen/atlantioi_hesperiden.htm Die Amazonen ein atlantisches Volk? - Artikel über einen Bezug zu Atlantis]
- [http://www.gilians.de/amazonen/]

Literatur


- Jeannine Davis-Kimball: Warrior Women: An Archaeologist's Search for History's Hidden Heroines, New York 2002. ISBN 0-446-52546-4
- Gabriele Frohnhaus, Barbara Grotkamp-Schepers, Renate Philipp (Hg.): Schwert in Frauenhand - Weibliche Bewaffnung, Essen 1998. ISBN 3-88474-693-6
- Gerhard Pöllauer: Die verlorene Geschichte der Amazonen, Klagenfurt 2002. ISBN 3-902096-88-8

Andere Wortbedeutung

#Alltagssprachlich ist eine Amazone im übertragenen Sinn eine selbständige und streitbare junge Frau. #Beim Reiten werden weibliche Reiter oft als Amazonen bezeichnet. #Im rheinischen Karneval gibt es den Typus der Amazone sowie ganze Amazonencorps - entweder als Abteilungen von Karnevalsgesellschaften oder als selbstständige Zusammenschlüsse närrischer junger Frauen. Sie treten sowohl im Straßen- als auch im Saalkarneval auf, meist in schmucken Uniformen mit militärischen Anklägen. Von den ebenfalls im rheinischen Karneval verbreiteten Möhnen unterscheiden sie sich durch das tendenziell niedrigere Alter ihrer Mitglieder, durch ihre Kleidung und dadurch, dass sie meist tänzerisch aktiv sind. #Amazonen ist auch die deutsche Kurzbezeichnung für die Papageiengattung Amazonenpapageien (Amazona), der Europäer erstmals am Amazonas begegnet sind. #Amazone ist auch der Name einer Märchenschach-Figur. #Ein Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen. Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur

Matriarchat

Das Matriarchat (von lat. mater - Mutter und griech. arché = Beginn/Ursprung; auch Herrschaft) ist eine gynozentrische Gesellschaftsstruktur, in der - je nach der verwendeten Definition - Frauen die Macht innehaben (solche Gesellschaften gibt es nicht, siehe Frauenherrschaft), oder die frauenzentriert ist, was heißt, dass sich die Gesellschaftsordnung um die Frauen herum organisiert. Außer dem Begriff Matriarchat sind für die Zweiten folgende Begriffe gebräuchlich: mutterrechtlich oder gynaikokratisch (Johann Jakob Bachofen), matrizentrisch, matristisch (Reich, Maturana), matrifokal oder gylanisch (Riane Eisler), Frauenherrschaft. Die verwandtschaftsethnologischen Begriffe matrilinear und matrifokal beschreiben vor allem die Abstammungs- und Wohnsitzregeln. Begrifflich wird oft nicht unterschieden zwischen der zentralen Stellung von Müttern und der zentralen Stellung von Frauen. Für Vertreter der Frauenbewegung, insbesondere des differentialistischen Zweiges, bedeutet das Matriarchat im besonderen eine Zeit der Ur- und Frühgeschichte, in der die Frauen kulturschöpferisch und prägend gewesen sind, aber nicht geherrscht haben. Es herrscht heute bei Historikern wie bei Feministinnen Einigkeit darüber, dass es Gesellschaften mit Frauenherrschaft nicht gegeben hat (siehe dort). Viele Grundlagen der Matriarchatsforschung kommen aus den Bürgerbewegungen des 19. Jahrhunderts. Bei einigen Matriarchats-Theorien werden theoretische (gelegentlich sogar fantastische) Elemente mit historischen Fakten verbunden. Der Begriff Matriarchat wird oft wertend verwendet und besitzt daher auch politische Spannkraft.

Merkmale eines Matriarchats

Zu der Frage, was ein Matriarchat definiert, gibt es unterschiedliche Positionen und Ansatzpunkte. Heide Göttner-Abendroth hat folgende Kriterien definiert: #Soziale Merkmale: Die Sippen sind matrilinear strukturiert (Abstammung von der Mutterlinie) und werden durch Matrilokalität zusammengehalten (Wohnsitz bei der Mutterlinie). Ein Matri-Clan lebt im großen Clanhaus zusammen. Biologische Vaterschaft ist neben der sozialen Vaterschaft zweitrangig. #Politische Merkmale: Das politische System basiert auf Konsensdemokratie auf verschiedenen Ebenen (Sippenhaus, Dorf, Regional). Delegierte agieren als Kommunikationsträger zwischen den verschiedenen Ebenen. Es handelt sich um so genannte segmentäre Gesellschaften, die sich durch das Fehlen einer Zentralinstanz auszeichnen (regulierte Anarchie). #Ökonomische Merkmale: Es handelt sich meistens um Garten- oder Ackerbaugesellschaften. Es wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Land und Haus sind im Besitz der Sippe und kein Privateigentum. Die Frauen haben die Kontrolle über die wesentlichen Lebensgüter. Das Ideal ist Verteilung und Ausgleich und nicht Akkumulation. Dieser Ausgleich wird durch gemeinschaftliche Feste erreicht. Es handelt sich um so genannte Ausgleichsgesellschaften. #Weltanschauliche Merkmale: Der Glaube, in der eigenen Sippe wiedergeboren zu werden, und der Ahnenkult bilden die Basis der religiösen Vorstellungen. Die Welt gilt als heilig. Die Erde als die Große Mutter garantiert die Wiedergeburt und Ernährung allen Lebens. Sie ist die eine Urgöttin, die andere Urgöttin ist die kosmische Göttin als Schöpferin des Universums. Es handelt sich um sakrale Gesellschaften. Damit hat Göttner-Abendroth einen sehr umfassenden Kriterienkatalog erstellt. Kein Konsens herrscht in der Frage, ob es bei strenger Anwendung aller Kriterien derzeit Matriarchate gibt (bei Konversionen zu Islam oder Christentum, Aufgeben der Clanhäuser und somit Abkehr von der Matrilokalität, Abkehr von Subsistenzwirtschaft etc.). Weniger Zweifel dürfte es hingegen bei selektiver Anwendung einzelner Kriterien geben.

Matrilinearität und Herrschaft

Das Verwandtschaftssystem sagt noch nichts über die politische Machtverteilung einer Kultur aus. So hat eine matrilineare Verwandtschaftsorganisation nicht automatisch die Konsequenz, dass Frauen die poltitische Macht innehaben. Es ist eine Gemeinsamkeit aller von der Matriarchatsforschung als Matriarchate definierten Gesellschaften, dass repräsentative Aufgaben außerhalb der Sippe von den Männern wahrgenommen werden, was bei Ethnologen immer wieder zum Fehlschluß führte, Männer hätten die politische Macht inne und bei der betreffenden Gesellschaft könne es sich deshalb nicht um ein Matriarchat handeln. Zur Begriffsverwirrung Matriarchat/Frauenherrschaft, siehe Frauenherrschaft. Wenn weiblichen Häuptlingen oder Clan-Vorständen jeweils männliche gegenüberstehen, ergibt sich daraus ein allgemeines Prinzip der Ämterdoppelung. In matriarchalen Gesellschaften ist es üblich, die Verantwortung für Ämter auf zwei Personen zu verteilen, die nicht selten genau denselben Aufgabenbereich zu betreuen haben. Wie Henry Lewis Morgan für die Irokesen feststellt, resultiert daraus ein Zwang zu Absprachen und zu einem regelmäßigen Wechsel der Führungsrolle. Das Prinzip der Ämterteilung entspricht der Übereinkunft auf allen gesellschaftlichen Ebenen, wo sich jeweils reziproke Hälften gegenüberstehen. Das kann innerhalb eines Clans oder einem Gefüge aus mehreren Clans sein, die sich untereinander als Geschwister verstehen. Solche dualen Institutionalisierungen sind eine Verwirklichungsform des Prinzips der Gegenseitigkeit, das auch anderen Institutionen zugrunde liegt (vgl. hierzu Lévi-Strauss' elementare Strukturen der Verwandtschaft). Entgegen den Vermutungen sind matrilineare Gesellschaften nicht "friedlicher" als patrilineare. Einige Matrigesellschaften zeichnen sich sogar durch eine ausgeprägte Kriegsmentalität aus. Die Nayar in Südindien waren eine Kriegerkaste, Irokesen und Huronen bildeten Kriegsbünde, die Bororo waren im zentralbrasilianischen Hochland gefürchtet, die Siraya und andere Ureinwohner von Taiwan waren Kopfjäger und die Munduruku bedrängten große Teile des Amazonasgebietes.

Matriarchale Völker

Die Ethnologie kennt auch heute noch auf allen Kontinenten (außer in Europa) Ethnien mit matrilinearen Abstammungsregeln (von denen manche zusätzlich die Matrilokalität praktzieren): die Khasi und die Nayar in Indien, die Irokesen in den USA, die Tuareg in Nordafrika etc. Aufgrund von kolonialer Vereinnahmung, Missionierung oder wegen Interaktionsprozessen mit angrenzenden Nationen weisen diese allerdings nur noch selten alle Züge ihrer ursprünglichen Kultur auf. Die Minangkabau auf Sumatra werden als das größte bekannte matrilineare Volk bezeichnet, und sie haben bis heute das Adat, ihr ungeschriebenes Gesetz, bewahrt. Insgesamt über drei Millionen Menschen leben noch nach diesem tradierten Regeln. In Handel, Verwaltung, Wirtschaft, Politik, Kultur sind sie sehr aktiv und gelten in Indonesien als ein Volk von hoher Bildung, Kultur, Weltoffenheit und großer Wirtschaftskraft. Die Minangkabau hatten ursprünglich matrilokale Wohnsitzregeln, heute sind jedoch Kernfamilien eine gängige Lebensform. Durch die amerikanische Anthropologin Peggy Reeves Sanday sind die Strukturen der Minangkabau hervorragend dokumentiert, weil die Forscherin jahrelang unter ihnen lebte. Die Minangkabau sind Moslems, was im ersten Moment überraschend wirkt. Die starke Stellung des Bruders der Mutter, die typisch ist für matrilineare Gesellschaften, ermöglicht die Kompatibilität mit einer doch eher patriarchalischen Religion. Die Goajiro-Arawak sind mit 60.000 Menschen eine zahlenmäßig recht große Ethnie in Kolumbien und in Venezuela. Die Goajiro sind matrilinear und bilden etwa 30 große Clans, je mit einem Tier als Erkennungszeichen und mit eigenem Territorium. Jeder Clan wird von der ältesten Frau zusammengehalten. Ihr ältester Bruder ist der Vertreter des Clans nach außen und genießt große Autorität. Aus diesen männlichen Sippenvertretern wird der Dorfhäuptling gewählt, und die Wahl fällt immer auf den Wohlhabendsten. Die wirtschaftliche Basis jeder Sippe ist das Vieh, es ist Gemeinschaftsbesitz. Die junge Frau geht bei der Heirat ins Haus des Gatten, für sie erhält ihr eigener Clan Vieh als Hochzeitsgabe.

Forschungsgeschichte

Lewis Henry Morgan war der einflussreichste amerikanische Ethnologe des 19. Jahrhunderts. Er stellt in seinem Werk "Ancient Sociology" (Die Urgesellschaft, 1891, ISBN 3-930596-01-6) ein evolutionistisches Schema der menschlichen Familienentwicklung am Beispiel der Irokesen-Liga in Nordamerika auf. Seine Bemerkungen zur weiblichen Rolle sind relativ spärlich und neutral, weil es gar nicht Morgans Absicht war, eine matriarchale Gesellschaft ethnologisch zu erforschen, obwohl er es faktisch tut. Er ist damit eines der vielen Beispiele für Forscher nach ihm, die sich mit matriarchaler Thematik beschäftigen, jedoch andere Begrifflichkeiten benutzen. Der Rechtshistoriker Johann Jakob Bachofen verfasste 1861 sein Werk "Das Mutterrecht", für das er hauptsächlich antike Quellen auswertete. Er gebrauchte das Wort Gynaikokrateisthai (Frauenherrschaft), das in der Antike Verbreitung fand. Bachofens Ansatz war evolutionistisch, er nahm folgende kulturelle Reihenfolge an: am Anfang steht die promiskuitäre Stufe, dann folgt die mutterrechtliche Stufe, welche zuletzt abgelöst wird von der vaterrechtlichen Stufe. Die Harvard-Professorin Marija Gimbutas präsentierte 1956 im Rahmen ihrer Ausgrabungen in Anatolien ihre "Kurgan-Hypothese". Sie entdeckte, dass vor der Kurganisierung Europas, die Menschen in unbefestigten Dörfern und Städten friedlich zusammenlebten, und dass Frauen eine wichtige Rolle einnahmen. Mit ihrer interdisziplinären Vorgehensweise stellte sie das herrschende Modell der Archäologie, das rein-wirtschaftlich materiell ausgerichtet ist, grundsätzlich in Frage. Ihr Verdienst ist es, dass durch ihren Forschungsansatz das Aufeinanderprallen der indogermanischen Eroberer mit den lokalen Stämmen erst verstanden werden konnte. Obwohl Gimbutas die alteuropäischen Kulturen nicht als matriarchal bezeichnete, sind ihre Forschungen für die Matriarchatsforschung wichtig. Wurde das Thema Matriarchat seit seiner Erforschung wenig in den wissenschaftlichen Institutionen beachtet, so erfährt es seit Ende der 90er Jahre mehr Popularität, besonders im deutschsprachigen Raum. Siehe auch: Beispiele für matriarchale Völker

Grundsätzliche Kritik

Grundsätzlich gehen Historiker heute davon aus, dass Gesellschaften mit Frauenherrschaft meist nur als eine temporäre historische Ausnahmeerscheinungen (siehe Amazonenvölker) existiert haben, nicht jedoch als stabile, dauerhafte Gesellschaftsform. Da es sich dabei nicht um die hier besprochenen matriarchalen Gesellschaften handelt, siehe weiteres unter Frauenherrschaft.

Literatur

Wissenschaft
- Johann Jakob Bachofen: Das Mutterrecht. Suhrkamp, 9.Aufl. 1997 ISBN 3518277359 (Erstauflage 1861)
- Kurt Derungs u.a.: Matriarchate als herrschaftsfreie Gesellschaften. Edition Amalia, 1997 ISBN 3905581019
- Heide Göttner-Abendroth: Das Matriarchat, Bd.2/1, Stammesgesellschaften in Ostasien, Indonesien, Ozeanien. Stgt. 1999 ISBN 3170149954
- Heide Göttner-Abendroth: Das Matriarchat, Bd.2/2, Stammesgesellschaften in Amerika, Indien, Afrika. Stgt. 2001 ISBN 317010568X
- Röder, Brigitte; Hummel, Juliane & Kunz, Brigitta: Göttinnendämmerung. Das Matriarchat aus archäologischer Sicht Königsförde: Königsfurt 2001
- Beate Wagner-Hasel: Matriarchatstheorien der Altertumswissenschaft. Darmstadt Wiss. Buchgesellschaft 1992
- Barbara G. Walker: Das geheime Wissen der Frauen, Deutscher Taschenbuchverlag Frankfurt am Main, 1993 ISBN 3-86150-006-X
- Claude Lévi-Strauss: Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt, 1993 Belletristik
- Barbara G. Walker: Amazone. Ffm. 1996 ISBN 3596125669
- Dirk Gerhardt: Habiru, BOD 2005 ISBN 3833428597
- Mary Mackey: Im Jahr der Pferde, Goldmann 2000 ISBN 3442415594

Filme


- Uschi Madeisky, Klaus Werner: Wo dem Gatten nur die Nacht gehört - Besuchsehe bei den Jaintia in Indien. Colorama, Deutschland 1999 (Video)
- Uschi Madeisky: Die Töchter der sieben Hütten. Ein Matriarchat in Indien. Colorama, Deutschland 1997 (Video)

Siehe auch


- Patriarchat (Soziologie), Patrilinearität
- Liste matriarchaler Völker
- Matriarchatsforschung

Weblinks


- [http://www.hagia.de/ Internationale Akademie HAGIA für Matriarchatsforschung]
- [http://elaine.ihs.ac.at/~isa/diplom/diplom.html Diplomarbeit über matrilineare Gesellschaften]
- [http://Matriarchat.net www.Matriarchat.Net] mit eigenem Wiki
- [http://directory.google.com/Top/World/Deutsch/Gesellschaft/Politik/Matriarchat/?il=1 Matriarchat-Verzeichnis im odp]
- [http://www.kurskontakte.de/article/category/cat_415022b1b987c.html Textsammlung der Zeitschrift "KursKontakte"] Kategorie:Staatsform Kategorie:Matriarchatsforschung Kategorie:Soziale Rolle Kategorie:Gesellschaftsmodell

Schwarzes Meer

Das Schwarze Meer, das bis 2.244 m tief und etwa 424.000 km² groß ist, ist ein Nebenmeer des östlichen Europäischen Mittelmeeres zwischen Europa und Asien.

Geographie

Das Schwarze Meer liegt auf der der südlichen Innereurasischen Grenze zwischen Kleinasien und Südosteuropa/Osteuropa und grenzt an folgende Staaten: Türkei, Bulgarien, Rumänien, die Ukraine, Russland und Georgien.

Namensdeutung/-gebung

Die moderne Namensgebung rührt aus dem Türkischen her: auf türkisch heißt das Schwarze Meer 'Kara Deniz' (= schwarzes Meer), während das Mittelmeer 'Ak Deniz' (= weißes Meer) heißt. Die Farben 'schwarz' und 'weiß' bezeichnen in der alten türkischen Tradition Himmelrichtungen; ursprünglich Westen und Osten. Vielleicht unter dem Einfluß des Arabischen – das es wiederum vom Persischen übernommen haben könnte – nahmen diese Farben die Bedeutung 'nördlich' beziehungsweise 'südlich' an, so dass die Namen 'Kara Deniz' und 'Ak Deniz' einfach 'Nordsee' und 'Südsee' - bezüglich der Türkei - bedeuten. Der Name 'Schwarzes Meer' hat sich im Laufe des 17. bis 18. Jahrhunderts über die französische Übersetzung (Mer Noire) in Europa verbreitet und durchgesetzt. Die alte griechische Bezeichnung war Pontos Euxeinos (gastfreundliches Meer); dies war eine unheilabwehrende oder euphemistische Umformung von älterem Pontos Axeinos (unfreundlichem Meer). Wegen der Stürme kam es den Griechen als besonders gastunfreundlich vor. In Wirklichkeit stammt das griechische axeinos mutmaßlich aus dem Iranischen
- axšaina- "schwarz". Dieser Name ist erst in einem mittelpersischen Text (9. Jh. n.Chr.) in der Form Xašēn belegt, aber er muss schon vor dem 7. Jahrhundert v. Chr. geläufig gewesen sein, als die Griechen das Schwarze Meer kolonisierten. Auch die Bezeichnung des Roten Meeres, Erythrē Thalassa, gehört diesem System an und bedeutet 'südliches Meer'. Bei Herodot bezeichnet das Wort das südliche Meer, d.h. den Indischen Ozean einschließlich des Persischen Golfs und des Roten Meeres.

Entstehung

Roten Meeres Das schwarze Meer bildete sich als ein Relikt der Parathetys, aus der auch das Kaspische Meer und der Aralsee hervorgingen. Durch hohe Frischwassereinträge durch die großen Flusssysteme (Donau, Djnest) etablierte sich ein stabiles limnisches System. Vermutlich kam es infolge einer globalen Transgression vor ca. 9000 Jahren zu einem Zustrom von hoch salinarem Wasser durch den Bosporus in das Schwarze Meer. Spekulation bleibt bislang, ob dieser Einbruch katastrophal stattfand und mit der biblischen Sintflut in Verbindung gebracht werden kann. Archäologische Funde deuten auf ein schnelles Verlassen von Siedlungen hin, aus dem damals dicht besiedelten Gebiet. Der Bosporus stellt seitdem die einzige Verbindung zum Mittelmeer dar, hat eine Breite von 0,76 – 3,6 km und ist an seiner flachsten Stelle lediglich 32-34 m tief.

Salinität

Es hat in der oberen Wasserschicht einen (relativ niedrigen) Salzgehalt von etwa 17 Promille. In den tieferen Schichten des Meeres, unter etwa 150 Metern, ist der Salzgehalt wesentlich höher. Der salinare Zufluss aus dem Mittelmeer (38-39 ‰) beträgt etwa 300 km³/Jahr und der Oberflächenabfluss von weniger salinarem Wasser aus dem Schwarzen Meer etwa 600 km³/Jahr (Oguz et al., 2000; Ozsoy und Unluata, 1997).

Größte Tiefe

Die tiefste Stelle hat 2.244 Meter, im zentralen Becken beträgt sie etwa 1.830 Meter.

Gewässer

Promille

Benachbarte Meere und Seen


- Atlantischer Ozean-Europäisches Mittelmeer
- Asowsches Meer
- Marmarameer Der größte benachbarte See ist das Kaspische Meer (größter See der Erde).

Wasserstraßen & Flüsse

Über den Bosporus besteht vom Schwarzen Meer eine Verbindung zum Mittelmeer, über die Straße von Kertsch zum Asowschen Meer. Der Bosporus stellt seit etwa 9000 Jahren die einzige Verbindung zum Mittelmeer dar, hat eine Breite von 0,76 bis 3,6 km und ist an seiner flachsten Stelle lediglich 32 bis 34 m tief. Über Wasserstraßen besteht ferner Anschluss über den Don zur Wolga, zum Kaspischen Meer, zur Ostsee und zum Weißen Meer, sowie über die Donau und den Main-Donau-Kanal zur Nordsee. In das Schwarze Meer münden unter anderen diese Flüsse:
- Coruh
- Dnjepr
- Dnjestr
- Don
- Donau
- Enguri / (Inguri)
- Kamchiya
- Kizilirmak
- Rioni
- Sakarya
- Südlicher Bug
- Ropotamo

Inselwelt

Im Schwarzen Meer mit seinen niedrigen und versumpften Gestaden im Norden liegen folgende Inseln, Halbinseln und Eilande: Die Krim-Halbinsel, die das Schwarze vom Asowschen Meer abtrennt, und die Taman-Halbinsel, die auf der östlichen Seite der Straße von Kertsch liegt und durch die Mündungen des Kuban gebildet wurde/wird.
- Alibej
- Dolgij
- Dscharilgatsch
- Krim
- Sagany
- Sasyk (Kunduk)
- Schlangeninsel (in der Nähe des Donaudeltas)
- Smeinji (Zmeinyj)
- Taman-Halbinsel
- Tendrovskaja kosa

Wirtschaftraum Schwarzes Meer

Die sechs Anrainerstaaten (siehe obig unter "Geographie") des Schwarzen Meeres haben sich 1992 mit fünf weiteren Staaten zu einer Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation zusammengeschlossen. Sie soll die wirtschaftliche Entwicklung der Region fördern.

Meeresschutz

Für die Befischung des Schwarzen Meeres wurde 1998 das ACCOBAMS ("Agreement on the Conservation of Cetaceans of the Black Sea, Mediterranean Sea and Contiguous Atlantik Area") unterzeichnet. Es regelt den Schutz der Delphine und Wale (Cetacea). Besonders bedroht sind hier die Großen Tümmler.

Städte

Wichtigste Hafenstädte


- Batumi
- Burgas
- Cherson
- Constanţa
- Istanbul
- Kertsch
- Mangalia
- Mykolajiw
- Noworossijsk
- Odessa
- Poti
- Samsun (grösster Hafen des Schwarzen Meeres)
- Sewastopol
- Sochumi
- Sotschi
- Warna
- Trabzon
- Zonguldak

Bekannte Bade- und Kurorte


- Sotschi
- Jalta
- Eforie Nord
- Eforie Sud
- Jupiter
- Mamaia
- Mangalia
- Neptun
- Olimp
- Saturn
- Şile Türkei
- Venus
- Varna Bulgarien
- Albena Bulgarien
- Nessebar Bulgarien
- Goldstrand Bulgarien

Siehe auch


- Chalyber
- Portal:Südosteuropa Kategorie:Meer Kategorie:Geographie (Türkei) Kategorie:Geographie (Bulgarien) Kategorie:Geographie (Rumänien) Kategorie:Geographie (Ukraine) ja:黒海 ko:흑해 th:ทะเลดำ

Nordafrika

Als Nordafrika bezeichnet man das Gebiet des afrikanischen Kontinents Afrika, das nördlich der Wüste Sahara liegt. Es umfasst die Maghrebstaaten und Ägypten und manchen Definitionen zufolge auch den Sudan. Die Sprache ist arabisch und die Bevölkerungsmehrheit hellhäutig. Kontakte zwischen Nord- und Schwarzafrika beschränkten sich, auf Grund der Schwierigkeiten, die Wüste zu durchqueren, fast ausschließlich auf den Handel entlang der Ost- und Westküste des Kontinents und das Befahren des Nils. Dies blieb bis nach der arabischen Expansion und der Ausbreitung des Islam der Fall. Obwohl die nordafrikanische Kultur wie auch seine Einwohner sowohl afrikanische als auch mittelöstliche Wurzeln hat, sind die meisten Nordafrikaner entweder arabisch oder berberisch sprechende Moslems (und nur im Falle der Kopten, Christen). Manche nordafrikanische Länder, vor allem Ägypten und Libyen, werden politisch oft zum Nahen Ostens gezählt, wegen der intensiven Kontakte mit diesem. Zudem gehört die Sinai-Halbinsel (Teil Ägyptens) zu Asien und ist unumstrittener Teil des Nahen Ostens. Sinai-Halbinsel

Staaten Nordafrikas


- Ägypten (Hauptstadt Kairo)
- Algerien (Hauptstadt Algier)
- Libyen (Hauptstadt Tripolis)
- Marokko (Hauptstadt Rabat)
- Sudan (Hauptstadt Khartum)
- Tunesien (Hauptstadt Tunis)
- Demokratisch-arabische Republik Sahara (DARS) (ehem. Westsahara) (Hauptstadt El Aaiun, unter marokkanischer Verwaltung) Manchmal werden Äthiopien, Eritrea und Mauretanien ebenfalls als Teil dieser Region angesehen. Gewöhnlich sind aber Eritrea und Äthiopien ostafrikanische und Mauretanien ein westafrikanischer Staat.

Geschichte

Vorgeschichte

Epipaläolitische Fundstellen sind in Nordafrika selten, viele wurden vermutlich durch den steigenden Meeresspiegel vernichtet. In der Höhle von Haua Fteah (Libyen, Kyrenaika) fanden sich die Reste von wilden Schafen, Auerochsen und Gazellen. Schafknochen stammen auch aus der Höhle von Hagfet ed-Dabba. Aus Fundorten im Maghreb stammen Mahlsteine und Klingen mit Sichelglanz. Aus der Zeit des klimatischen Optimums im frühen Holozän stammen mesolithische Fundstellen mit Knochenharpunen, Mikrolithen und Mahlsteinen. Fische, Muscheln und Schnecken, Krokodile, Süßwasserschildkröten und Flusspferde wurden zur Ernährung genutzt, Knochen von Antilopen und Wildrindern zeigen, dass man auch in der Savanne jagte. In der Sahara wurden wilde Gräser wie Hirse gesammelt, in Nordafrika auch Früchte und Wurzelknollen. Keramik tritt hier sehr früh auf und ist nicht an eine voll-neolithische Wirtschaftsweise gebunden. Fundstellen im östlichen Hoggar in Libyen belegen die Jagd vor allem auf Wildschafe. Ab dem 7. Jahrtausend sind Strukturen wie Pferche und Windschirme belegt, zum Beispiel aus der Höhle von Uan Afuda. Hier fand sich auch mit Wellenlinien verzierte Keramik. Schafkoprolithen mit zerquetschen Samen belegen eine absichtliche Fütterung und daher wohl auch Stallhaltung morphologisch wilder Schafe. Auch wilde Hirse (Panicum und Setaria) wurde nachgewiesen. Aus dem 5. Jahrtausend sind eindeutige Belege domestizierter Rinder bekannt (Ti-n-Torha, Uan Muhuggiag, Aures, Amekni und Meniet in Algerien, Adrar Bous und Arlit im Niger), daneben wurde auch noch gejagt und Gräser und Wurzelknollen gesammelt. Auch Felsbilder stellen solche domestizierten Tiere dar. Sie stammen vor allem aus dem mittleren Holozän, als die Viehzucht immer bedeutender wurde. Felsbilder in der Sahara zeigen teilweise Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Ob es sich dabei um die "Urbevölkerung" der Sahara handelt, ist unklar. J. D. Clark (1962, 1964) brachte den Anfang des Ackerbaus in Nordafrika mit einer Einwanderung relativ weniger Menschen aus dem Vorderen Orient über das dem Niltal ca. 4000 v. Chr. in Verbindung. Die Ausbreitung ins Sahel, ausgelöst durch zunehmende Austrocknung, setzt er um 2000 v. Chr. an. Aus Marokko sind Funde der neolithischen Cardial-Kultur bekannt, die auch an den Küsten Italiens, Frankreichs und Spaniens gefunden wurde. Intensiver Ackerbau ist erst seit dem ersten Jahrtausend bekannt, als in den Oasen des südwestlichen Libyens eine dichtere Besiedlung nachzuweisen ist, und Ackerbau mit unterirdischen Bewässerungskanälen (foggara) betrieben wurde. Dies ist vermutlich mit den Garamanten zu verbinden, die aus den Werken des griechischen Schriftstellers Herodot bekannt sind.

Historische Überlieferungen

Die uns geläufige Geschichte Nordafrikas fängt sicherlich mit der Geschichte des Alten Ägyptens an, ist verbunden mit der Geschichte Karthagos und setzt sich fort mit den Eroberungen durch das Römische Reich. Anschließend ließe sich noch etwas über die Wandalen und einige andere Völker berichten, die im Zuge der Völkerwanderung über die Straße von Gibraltar bis nach Nordafrika vorgedrungen und auch hier geblieben waren.

Mittelalter

Nach 632, dem Tod Mohammeds, geriet Nordafrika sehr schnell unter islamischen Einfluss.

Neuzeit

In der frühen Neuzeit kam der Großteil des Gebietes, mit Ausnahme von Marokko und dem Innern der Sahara unter die lockere Kontrolle des Osmanischen Reichs. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es von Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien besetzt.

Klimaentwicklung

Das Pleniglazial um 18.000 BP war in Nordafrika durch extrem trockene Bedingungen gekennzeichnet. Man geht davon aus, dass die mittlere Temperatur bis zu 9° niedriger war als heute. Die Sahara erstreckte sich 500 km weiter südlich als heute. Das Innere der Wüste wurde unbewohnbar, und die dort ansässigen Jäger und Sammler zogen in feuchtere Gegenden, wie dem Niltal. Am Übergang zum Holozän wanderte der Monsun-Gürtel rasch nach Norden. Dadurch wurde das Klima in Nordafrika plötzlich deutlich feuchter, und zwar feuchter als heute. Schätzungen liegen zwischen 5 und 15x feuchter als heute. Die Seespiegel waren deutlich höher als im Moment. Im mittleren Holozän wurde das Klima zunehmend trockener, obwohl es auch einige feuchtere Klimaperioden gab.

Siehe auch:


- Afrika, Maghreb, Capsien

Quellen


- Graeme Barker, Transitions to farming and pastoralism in North Africa. In: Peter Bellwood/Colin Renfrew, Examining the farming/language dispersal hypothesis (Cambridge 2002) 151-160.
- J. D. Clark, The spread of food production in Sub-Saharan Africa. Journal of African History 3, 1962, 211-228.
- S. di Lernia/G. Manzi (Hrsg.), Before food production in North Africa (Forlí 1998).

Literatur

S. Faath (Hrsg.): Demokratie und Menschenrechte in Nordafrika. Hamburg (1992) Kategorie:Nordafrika ja:北アフリカ ko:북아프리카

Artemis

Artemis ist #die griechische Göttin der Jagd, siehe Artemis (Mythologie) #der Name eines europäischen-japanischen Kommunikationssatelliten, siehe Artemis (Raumfahrt) #die Bezeichnung des Asteroiden Nummer 105, Artemis (Asteroid) #der Vorname der Hauptfigur einer Romanserie von Eoin Colfer, siehe Artemis Fowl #ein Plattenlabel, siehe Artemis (Label) #der Vocalcoach von Popstars, siehe Artemis Gounaki siehe auch: das Streichquartett Artemis-Quartett.

Homer

Homer ist
- ein Dichter der griechischen Antike, siehe Homer (Dichter)
- ein englischer Vorname, bekannt geworden durch die mehrfach ausgezeichnete Zeichentrick-Serie Die Simpsons.
- im Baseball eine weitere Bezeichnung für einen Home Run die Bezeichnung mehrerer Orte in den USA:
- Homer (Alaska)
- Homer (Georgia)
- Homer (Louisiana)
- Homer (Michigan)
- Homer (Nebraska)
- Homer (New York) siehe auch
- Homer City (Pennsylvania)

Bellerophontes

Bellerophontes ist ein Held in der griechischen Mythologie. Die Sage von Bellerophon wird bereits von Homer in der Ilias ausführlich geschildert (Ilias VI, 155 ff.). Bellerophon stammte aus Ephyra, dem späteren Korinth und war Sohn des Glaukos, Enkel des Sisyphos und Urenkel des Aiolos. Die Frau des Proitos, König von Tiryns, begehrte Bellerophon. Da dieser sich nicht mit ihr einließ, verleumdete sie Bellerophon bei ihrem Gatten, er habe sie verführen wollen. Darauf schickte Proitos den nichts ahnenden Bellerophontes nach Lykien, wo der Schwiegervater des Proitos, Iobates, König war. Einen Brief, dessen Inhalt Bellerophon nicht kannte, gab Proitos ihm mit. In diesem stand, dass Bellerophon sterben müsse. Iobates nahm Bellerophontes freundlich auf. Nachdem er aber den Brief seines Schwiegersohns gelesen hatte, stellte er Bellerophontes schwierigste Aufgaben, in der Hoffnung, dass dieser dabei umkomme. Zunächst befahl er Bellerophontes die Chimaira zu töten, ein Fabelwesen, das vorne einem Löwen, hinten einer Schlange und in der Mitte einer Ziege glich und Feuer spie. Bellerophon spürte sie auf und tötete die Chimaira - späteren Autoren zufolge mit Hilfe des geflügelten Pferdes Pegasus. Als nächstes musste Bellerophontes gegen das Nachbarvolk der Solymer zu Felde ziehen. Bellerophontes besiegte sie ebenso wie danach die Amazonen. Auf dem Rückweg vom Kampf, gegen die Amazonen, entging er einem Hinterhalt, den ihm die besten Männer Lykiens auf Befehl des lykischen Herrschers gelegt hatten. Nachdem all diese Versuche, Bellerophon umkommen zu lassen, fehlgeschlagen waren, glaubte Iobates, Bellerophon sei ein Liebling der Götter, trachtete ihm nicht mehr nach dem Leben, gab ihm seine Tochter zur Frau und schenkte ihm die Hälfte seines Königreichs. Ein Enkel des Bellerophon, Glaukos, führte die Lykier im trojanischen Krieg, welche auf Seiten der Trojaner kämpften. Soweit die Sage, wie Homer sie erzählt. Späteren Autoren zufolge floh Bellerophon nach Tiryns, weil er in seiner Heimat versehentlich seinen Bruder getötet hatte. Von König Proitos wurde er entsühnt. Später kam es zu der Verleumdung durch die Königin. Nach seinen bestandenen Kämpfen und der Heirat der lykischen Königstochter soll Bellerophon später übermütig geworden und mit Pegasos versucht haben zum Olymp zu fliegen. Die Götter ließen ihn zur Erde stürzen, wonach Bellerophon für den Rest seines Lebens gelähmt oder erblindet war und einsam umherirrte. Der Bellerophontes-Mythos, insbesondere der Kampf gegen die Chimaira war ein beliebtes Thema in der griechischen Kunst.

Literatur


- Marie Luise Kaschnitz, Griechische Mythen; München (dtv) 1975 (ISBN 3-423-12780-5) Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Literarische Figur ja:ベレロポン

Phryger

Phryger ist die griechische Bezeichnung eines indoeuropäischen Volkes, das spätestens im 8. Jahrhundert v. Chr. in Anatolien ein großes Reich errichtet hatte. Seine Hauptstadt war Gordion am Sangarios (dem heutigen Sakaria), etwa 80 km westlich vom heutigen Ankara.

Ursprung der Phryger

Homer (8. Jh. v. Chr.), erwähnt in der Ilias an verschiedenen Stellen Phryger als Verbündete der Trojaner. Sie lebten ihmzufolge zur Zeit des Trojanischen Kriegs in der Troas, sowie jenseits der Dardanellen in Thrakien. An einer Stelle heißt es, dass in Priamos' Jugend Phryger ihr Lager am Sangarios aufgeschlagen hatten. Nicht nur wegen Homer, sondern auch wegen ihrer Bestattungsweise in Tumuli wurde als Urheimat der Phryger Thrakien angenommen. Bis vor wenigen Jahrzehnten fehlten jedoch Hinterlassenschaften der Phryger aus der Zeit vor 750 v. Chr. völlig. Daher lag die Frühgeschichte dieses Volks im Dunkeln. Mittlerweile zeichnet sich ein klareres Bild ab: so ist Gordion bereits im 12. Jh. v. Chr. - nur kurz nach der Aufgabe der Stadt durch hethitische Bevölkerung - von Neuankömmlingen besiedelt worden. Die Keramik der neuen Bewohner weist teilweise starke Ähnlichkeiten zur ungefähr gleichzeitigen sog. Handmade Knobbed Ware aus Troja Schicht VIIb1 (12. Jh. v. Chr.) auf. Ein anderer in Gordion aus jener Zeit anzutreffender Keramik-Typus gilt als Vorläufer der sog. phrygischen "polierten Ware" des 8. Jh. v. Chr.. Ähnliche Befunde scheinen sich mittlerweile auch für andere Ort Zentralanatoliens (z. B. Hattuscha, Kemal Kalehüyük), in denen aktuell Grabungen stattfinden, zu ergeben. Damit ist aufgrund der Keramikfunde nunmehr belegt, dass sich im 12. Jh. v. Chr. Menschen in Zentral-Anatolien (vor allem auch in Gordion) niederließen, die zuvor in bzw. in der Nähe von Troja lebten. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte entwickelte sich daraus - wohl auch durch Vermischung mit anaotlischen Elementen - das, was wir als Phrygische Kultur bezeichnen, deren Träger spätestens im 8. Jh. ein Grossreich beherrschten. Die Neuankömmlige errichteten Grubenbauten sowie Gebäude in Fachwerkbauweise. Letztere ist für die Architektur Gordions in späterer Zeit geradezu charakteristisch. Eingetiefte Bauten und vergesellschaftete grobe Keramik lassen sich schwer zuordnen. Möglicherweise stehen sie in alt-anatolischer Tradition. Da in Gordion offenbar verschiedene Elemente zu Beginn der Eisenzeit siedelten, sind die historischen fassbaren Phryger und deren Kultur wahrscheinlich aus einer Verschmelzung verschiedener Bevölkerungsgruppen hervorgegangen. In Zusammenhang mit der Vor-bzw. Frühgeschichte der Phryger sind noch die "Muschki" zu erwähnen, die in den Annalen Tiglatpilesar I genannt werden. Im ersten Jahr seiner Herrschaft (ca. 1117 v. Chr.) hat dieser gegen Muschki am Euphrat gekämpft. Ob hier - wie in knapp vier Jahrhunderte späteren Quellen (s. u.) - die Muschki mit den Phrygern gleichgesetzt werden können, ist strittig. Täte man dies, hätten sich die ("Proto"-)Phryger im 12. Jh. v. Chr. bis nach Ostanatolien ausgebreitet.

Phrygisches Großreich

Nach Ausweis griechischer und assyrischer Quellen muss das Phrygerreich in der 2. Hälfte des 8. Jh. von großer Bedeutung gewesen sein. Legendär sind mehrere Könige mit den Namen Gordios und Midas in griechischen Schriften. Der historische Midas von Phrygien ist aus griechischen Quellen gut bekannt. Er hat eine griechische Frau geheiratet und in Delphi einen kostbaren Thron gespendet. In assyrischen Annalen begegnet erstmals 738 v. Chr. ein gewisser "Mita von Muschki". Eine Gleichsetzung mit Midas von Phrygien ist - im Gegensatz zu den Muschki zur Zeit Tiglatpilesars I. (s. o.) - allgemein akzeptiert. In den Annalen Sargons (ca. 722-05) begegnet Mita an verschiedenen Stellen. Zwar wird er letztlich tributpflichtig, doch bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Phrygerreich sowohl geographisch (Ostanatolien) in den Blickpunkt der Assyrer gerät, als auch, dass Mita als bedeutender Herrscher und Taktierer gilt. Man kann daher mit Fug und Recht von einem Phrygischen Großreich sprechen. Gegen Ende des 8. Jh. fielen die Kimmerier aus dem nordöstlichen Schwarzmeergebiet über den Kaukasus in Kleinasien ein. Zunächst bedrängten sie das Reich von Urartu. Dann wandten sie sich gen Westen und griffen das Phrygerreich an. 696 oder 675/4 - neuerdings wird in der Forschung wieder das letztere Datum favorisiert - fiel Gordion. Midas starb dabei den Freitod - der Überlieferung nach durch Trinken von Stierblut. Das Ende des Phrygischen Großreichs war besiegelt.

Zeit nach 675 v. Chr.

Nach der Eroberung Gordions existierten sehr wahrscheinlich phrygische Fürstentümer. Indizien dafür sind zahlreiche Phrygische Monumente, Felsenreliefs und Heiligtümer aus dem 7./6. Jh. v. Chr. Beeindruckende Zeugnisse finden sich u. a. in Midasstadt, in der westanatolischen Hochenbene. Auch die phrygische Kunst lebt ohne erkennbaren Bruch weiter. Über die damaligen machtpolitischen Verhältnisse in Kleinasien sind wir ausgesprochen schlecht informiert. Die Kimmerier waren zwar bis Ende des 7. Jh. in Kleinasien, haben aber vermutlich keinen zusammenhängenden Staat gebildet. Ab der 2. Hälfte des 7. Jh. begann das Reich der Lyder zu expandieren. Ob die phrygischen Staaten dabei unter lydische Vorherrschaft kamen oder zumindest teilweise autonom blieben, ist nicht klar. 585 v. Chr. fiel das ganze Gebiet östlich des Halys an die Meder und 546 v. Chr. wurde ganz Phrygien durch die Perser erobert.

Phrygische Kultur (in Bearbeitung)

Die teils mehrstöckigen Gebäude des 8./7. Jh. v. Chr. in der Oberstadt von Gordion waren zumeist in Megaron-Form gebaut. Charkteristisch ist eine Pfostenbauweise der Gebäude sowie der Stadtmauer, die als phrygische Fachwerkbauweise bezeichnet wird. Auffallend sind ferner die für Anatolien sonst unüblichen Schrägdächer. In der Gegend um Gordion sind Reste von Grabtumuli gefunden worden, die teils sehr reich ausgestattet waren. Der bedeutendste Tumulus gilt als "Midas-Grab". In ihm wurden sterbliche Reste eines 60-70 jährigen Mannes gefunden. Es könnte sich tatsächlich um das Grab des bekanntesten Phrygers handeln. Viele Metallgegenstände, oft kostbar gearbeitet, zeugen einerseits vom Reichtunm der Phryger, andererseits vom regen Handel mit den Metallzentren, vor allem über Urartu. In der Kunst entsteht aus Vermengung von urartäischen, iranischen und hethitischen Einflüssen ein eigener phrygischer Stil. Imposant sind eine Reihe reich verzierter Felsendenkmäler. Die bemalte Keramik zeigt deutlich griechische Einflüsse. Neben geometrischen Verzierungen waren Tiermotive sehr beliebt. Die Phryger verwendeten in Inschriften das Alphabet, das sie sehr wahrscheinlich von den Griechen übernommen hatten. In der Religion nahm Kybele eine herausragende Stellung ein, die auch viel später als Magna Mater im römischen Reich verehrt wurde.

Literatur


- Ekrem Akurgal: Phrygische Kunst.
- Dietrich Berndt:Midasstadt in Phrygien., 2002. ISBN: 3805328559
- E.L. Kohler: The Lesser Phrygian Tumuli I: The Inhumations. 1995.
- Rodney S. Young: Gordion. 1969.
- Rodney S. Young: Three Great Early Tumuli. 1981.
- Fast jährlich gibt es Kurzberichte über die laufenden Ausgrabungen in Gordion im American Journal of Archeology (AJA).

Siehe auch


- Phrygien
- Phrygische Sprache
- Phrygische Mütze
- Phrygischer Helm
- Phrygische Arbeit Kategorie:Phrygien

Kleinasien

Kleinasien (Asia Minor) oder Anatolien (türkisch Anadolu vom griechischen Anatole (ανατολη) für Aufgang, Osten) ist jener Teil der Türkei, der zu Vorderasien gehört. Häufig wird auch Zypern zu Kleinasien gerechnet.

Geografie

Zypern

Fläche und Abgrenzung

Kleinasiens Fläche beträgt 757.000 km² und macht 96 Prozent des türkischen Staatsgebietes aus, aber nur etwa 3% von ganz Asien. Es wird im Süden begrenzt vom Mittelmeer (türk. Akdeniz, siehe auch Rhodos und Zypern). Im Norden wird es vom Schwarzen Meer begrenzt, im Westen von der Ägäis (griechische Inseln), im Nordwesten von Bosporus, Marmarameer und Dardanellen. Die östliche Grenze von Kleinasien ist nicht genau definiert, der Einfachheit halber wird sie meist mit der östlichen Landesgrenze der Türkei gleichgesetzt.

Bevölkerung und Religion

Die Bevölkerung hat sich seit 1930 (12 Millionen) auf derzeit 55-58 Millionen (ohne europäische Türkei) vergrößert, was einer Verdoppelung alle 30 Jahre entspricht. Sie besteht heute aus Türken, Kurden und Angehörige andere türkischer Stämme. Daneben existieren noch andere Minderheiten wie die Zaza, Araber, Armenier, Assyrer, Bulgaren, Georgier, Griechen (die bis zum „Bevölkerungstausch“ 1922/23 über 10 Prozent ausmachten) und Tscherkessen. Hinsichtlich der Religion dominiert der Islam (98%, davon 70-80% Sunniten und über 20-30% Aleviten). Die Christen machen 0,2% aus, zählten aber um 1910 noch etwa 20% (vornehmlich Griechen im Westen und Norden Pontos-Griechen). Von anderen kleinen Religionsgemeinschaften (genaue Zahlen werden nicht erhoben) sind etwa 20.000 Juden zu erwähnen.

Zwei Hauptstädte und zwei Meerengen

Als Grenze zwischen Europa und Asien gilt seit der Antike der Bosporus. Das an ihm liegende Istanbul hat sich seit 1970 von 2 auf etwa 10 Millionen Einwohner vergrößert. Es war bis 1453 byzantinische, dann osmanische und bis 1923 türkische Hauptstadt. 1923 wurde die Hauptstadt in das viel kleinere, aber für Kleinasien zentrale Ankara verlegt. Die „Stadt am Bosporus“ hat wegen der interkontinentalen Meeresenge einen europäischen Stadtteil (früher Konstantinopel bzw. Stambul) und einen Stadtteil in Kleinasien (Üsküdar). Sie werden durch dichten Schiffsverkehr und zwei Brücken miteinander verbunden. Die zweite Meeresenge zu Kleinasien sind die Dardanellen (antiker Hellespont) zwischen der europäischen Halbinsel Gallipoli (türk. Gelibolu) und der Region von Troja und Çanakkale. Geologisch gesehen gehören aber Asien und Europa zusammen - als zusammenhängender Großkontinent Eurasien.

Geschichte

Frühgeschichte und antike Provinzen

Der Name „Kleinasien“ leitet sich historisch von der römischen Provinz Asia ab, die aber nur den westlichsten Teil der heutigen Türkei bildete. Um 2000 v. Chr. bestand in Anatolien das Fürstentum der Hatti (auch Protohethiter). Es wurde von Indoeuropäern abgelöst, deren Migration einige Völker vom Kaukasus hierher brachte: Die Völker der Pala ließen sich im Norden (speziell in Paphlagonien) nieder, die Nesi und Luwier in Mittel- und Südanatolien. Nach ersten Fürstentümern gründeten sie ab 1660 v. Chr. das Grosskönigreich der Hethiter (1460 - 1190 v. Chr.). Diese Föderation war neben Ägypten die zweite Supermacht der damaligen Zeit. Im 9. Jahrhundert v. Chr. etabliert sich das Reich Urartu im späteren Armenistan am ostanatolischen Euphrat. König Sa(r)dur I. (um 830) errichtet die Hauptstadt Tuschpa am Van-See. Hochwertige Bewässerung und Zucht, Metalle und eigene Hieroglyphen wurden entwickelt. Um 620 v. Chr. wird das Reich von den Skythen erobert und vernichtet. Nach 700 v. Chr. begannen griechische Ionier und Dorer entlang der Ägäisküste Kolonien zu gründen. In den Jahrhunderten danach wurden u.a. folgende Landschaften unterschieden:
- Vom Nordwesten nach Süden Hellespont (Dardanellen), Mysien, Lydien, Karien und Lykien,
- an der Südküste Pamphylien, Pisidien und Kilikien,
- im Norden Bithynien, Pontus, Paphlagonien und Armenien
- und im Landesinneren Galatien (bzw. Phrygien) und Kappadokien. 546 v. Chr. eroberte Persiens Großkönig Kyros II. Lydien und danach die griechischen Städte an der Küste und Lykien. Um 500 v. Chr. wurde Südanatolien dem Perserreich angegliedert. Alexander d. Gr. setzt mit seinem Heer 334 v. Chr. über das Marmarameer und schlägt die Perser. Fast ganz Anatolien wird dem Makedonischen Weltreich einverleibt. Nach Alexanders Tod teilen die Diadochen das Reich, Kleinasien geht an Seleukos I..
Sein Konkurrent Philetairos spaltet 282 v. Chr. davon das Reich von Pergamon ab, bis es 133 v. Chr. an Rom vererbt (!) wird. Um 275 siedeln sich Kelten aus Thrakien nach Plünderungen in Zentralanatolien an und gründen das Reich Galatien.

Römerreich, Christentum und Byzanz

Ab 60 v. Chr. kamen die Küstenregionen durch Pompeius zum römischen Reich. Ein starker Gegner war König Mithridates VI. Eupator von Pontus (121-63 v.Chr.). Später wurde auch das Landesinnere annektiert und um das Jahr 65 die Provinzen neu gegliedert (Pontus im Norden, Cilicia (Kilikien) im Süden und Syria im Osten). Die Könige von Galatien, Kappadokien, und Paphlagonien behielten als Vasallen Roms und als "Puffer" gegen Nachbarvölker ihren Thron. Mit der „Pax Romana“ des Augustus begann um die Zeitenwende eine Blütezeit bis zum 2. Jahrhundert n.Chr. (Kaiser Trajan und Hadrian). Um das Jahr 50 begann das Christentum Fuß zu fassen zuerst in Perge, später bis zur Hauptstadt Efesos und bis Griechenland - siehe z.B. die Paulusbriefe an verschiedene Gemeinden. Auch einige Bischofssitze entstanden - u.a. in Myra, in dem um 350 der heilige Nikolaus wirkte - und auch die ersten Konzile fanden in Kleinasien statt. 324 wurde Konstantinopel zur Residenz des oströmischen Reiches. Nach dem Untergang Westroms (476 blieb Kleinasien für 700 bis 1100 Jahre unter byzantinischer Herrschaft und wirkte in die weitere Umgebung (z.B. bis nach Russland) hinein.

Seldschuken, Mongolen und Osmanen

Im 11. Jahrhundert drangen aus dem Osten die turkmenischen Seldschuken vor und wurden von Arabien unterstützt. Nach dem Sieg bei Malazgirt (1071) fiel der Großteil Anatoliens an sie. Das Zentrum ihres Reiches war Ikonion (die heutige Großstadt Konya), 200 km südlich von Ankara (Ankyra, ab 1023 Angora).
Im 12. Jahrhundert konnte Byzanz einige Gebiete wieder zurückgewinnen. Das oströmische Reich endete erst 1453 mit dem Fall von Konstantinopel an die Osmanen. Mit den Mongolen Mitte des 13. Jahrhundert zerfiel das Seldschukenreich in viele Turkfürstentümer. Eine ihrer Dynastien, nach ihrem Führer Osman I. (1281-1326) die Osmanen benannt, unterjochte die umliegenden Gebiete und eroberte 1326 auch den byzantinischen Norden bei Bursa. Im Osmanischen Reich verloren alle o.a. antiken Provinzen endgültig ihre Autonomie und meist auch ihren Namen.

Erster Weltkrieg und „Bevölkerungstausch“

Vor und nach dem 1. Weltkrieg zerfiel das Osmanenreich, das im 16. Jahrhundert bis Bosnien und Ungarn expandiert war. Sein kleinasiatischer Teil wurde unter Atatürk im Krieg gegen die Griechen vereint, die nach 1918 von Smyrna (Izmir) aus Richtung Ankara vorgedrungen waren. Diese Kämpfe endeten erst 1922 mit der Vertreibung einiger Millionen Menschen und dem „Bevölkerungsaustausch“ 1923 (Vertrag von Lausanne). Heute gliedert sich die Türkei in 81 Provinzen, davon 77 in Kleinasien und 4 im europäischen Teil westlich Istanbuls. Siehe auch: Türkischer Befreiungskrieg

Siehe auch


- Ostanatolien
- Chalyber, Rumelien
- assyrische Keilschrift, Thales von Milet, Hellenismus
- Hochgebirge, Großer Mäander, Erdbeben, Plattentektonik Kategorie:Region Kategorie:Geographie (Türkei) ! Kategorie:Halbinsel ja:アナトリア半島 ko:소아시아 simple:Asia Minor th:อนาโตเลีย

Kappadokien

Kappadokien, türkisch Kapadokya, griechisch Καππαδοκία, ist eine Landschaft in Zentralanatolien in der Türkei. Die Hauptstadt ist Kayseri, das frühere Caesarea in Kappadokien. Einer der bekanntesten Orte ist Göreme mit seinen aus dem weichen Tuff herausgehauenen Höhlenkirchen.

Geschichte

Kappadokien galt in der Antike als eine wilde Gegend mit wilden Bewohnern. (Wenn eine Schlange einen Kappadokier biss, starb die Schlange, wurde erzählt.) Die frühesten Spuren von Siedlern stammen aus dem Jahr 6500 vor Christus. Die indogermanischen Hethiter machten sich den fruchtbaren Boden bereits 1600 Jahre vor Christus zu Nutze und bauten Getreide an. Später kamen die Phryger und Lyder, dann die Perser, die Griechen und auch die Römer. Die Isaurier fielen im 5. Jahrhundert nach Christus in Kappadokien ein, die Hunnen im 6. Jahrhundert. Das byzantinische Heer wurde von Sassaniden und Persern im 11. Jahrhundert besiegt. Es folgten die Seldschuken, die Turkmenen und schließlich die Osmanen.

Name

Der Name "Kappadokien" soll aus dem Altpersischen als "Katpatuka" kommen und "Land der schönen Pferde" bedeuten.

Religion

Im frühen Christentum war Caesarea, heute Kayseri, ein wichtiger Bischofssitz. In der Kirchengeschichte sind die drei kappadokischen Väter bekannt, die aus dieser Gegend stammten und überwiegend dort lebten. Kappadokien war eines der wichtigsten frühchristlichen Zentren. Bis zum Jahre 1071 war es unter byzantinischer Herrschaft. Mehr als 3000 Kirchen, die dort bis heute entdeckt wurden, zeugen von der christlichen Vergangenheit, die bis in den Anfängen des 20. Jahrhunderts reichte. Die letzten griechisch-orthodoxen Christen verließen die Region im Rahmen des großen Bevölkerungsaustausches zwischen der Türkei und Griechenland im Zeitraum 1922 bis 1924. Kappadokien lag an der berühmten Seidenstraße. Die dort lebenden Menschen wurden oft von vielen unterschiedlichen Aggressoren überfallen. Deshalb haben die Bewohner das weiche Tuffgestein ausgehöhlt, um sich darin zu verstecken. Es entstanden ganze unterirdische Städte, die heute noch zu sehen sind. Wegen dieser Kulturgeschichte und den atemberaubenden Landschaftsformationen wurde die Region 1985 von der UNESCO als Weltkulturerbe unter Schutz gestellt.

Geologie

Die Gegend besteht aus Tuff, welcher wegen der geringen Niederschlagsmengen und dem Wind nur langsam verwittert. Härteres Gestein bleibt stehen, so dass die so genannten Feenkamine entstehen. Bild:Göreme_Felsenwohnungen.jpg|Felsenwohnungen bei Göreme Bild:Göreme_Love_Valley.jpg|"Love Valley" bei Göreme Image:Kappadokien001-01.jpg|Kappadokien in der Nähe von Göreme Image:Kappadokien003-01.jpg|Kappadokien in der Nähe von Göreme Image:Kappadokien002-01.jpg|Kappadokien in der Nähe von Göreme

Literatur


- Asutay-Fleissig, Neslihan: Templonanlagen in den Höhlenkirchen Kappadokiens (Frankfurt am Main u.a. 1996). ISBN 3-631-49656-7
- Bixio, Roberto (Hrsg.): Cappadocia - le città sotterranee (Rom 2002). ISBN 88-240-3523-X
- Emge, Andus: Wohnen in den Höhlen von Göreme. Traditionelle Bauweise und Symbolik in Zentralanatolien (Berlin, 1990) ISBN 3-496-00487-8
- Hild, Friedrich ; Restle, Marcell: Kappadokien (Kappadokia, Charsianon, Sebasteia und Lykandos), Österreichische Akademie der Wissenschaften : Philosophisch-historische Klasse. Denkschriften 149, Tabula Imperii Byzantini 2 (Wien 1981). ISBN 3-7001-0401-4
- Jolivet-Lévy, Catherine: Les églises byzantines de Cappadoce. Le programme iconographique de l'abside et de ses abords (Paris 1991). ISBN 2-222-04451-0
- Dies.: La Cappadoce : mémoire de Byzance (Paris 1997). - ISBN 2-84272-021-0, ISBN 2-271-05500-8
- Dies.: La Cappadoce médiévale, Les formes de la nuit 14 (St.-Léger-Vauban 2001). ISBN 2-7369-0276-9
- Dies.: Etudes cappadociennes (London 2002)
- Dies. (Text); Ertuğ, Ahmet (Panoramen): Panoramic landscapes of Cappadocia (Istanbul 2002)
- LeGuen-Pollet, Brigitte (Hrsg.): La Cappadoce méridionale jusqu'à la fin de l'époque romaine, Ètat des recherches; actes du colloque d'Istanbul (Institut Français d'Etudes Anatoliennes), 13 - 14 avril 1987 (Paris 1991). ISBN 2-86538-225-7
- Rodley, Lyn: Cave monasteries of Byzantine Cappadocia (Cambridge 1985). ISBN 0-521-26798-6
- Süß, Jürgen; Emge, Andus u.a.: [http://www.mediacultura.de/ Kappadokien - Land der Höhlenkirchen und Vulkane], CD-ROM (Brühl 2004)
- Thierry, Nicole: Haut moyen-âge en Cappadoce. Les églises de la région de Çavusin, Bibliothèque archéologique et historique 102, 2 Bde. (Paris 1983, 1994)
- Dies.: La Cappadoce de l'antiquité au Moyen Age, Bibliothèque de l'antiquité tardive 4 (Turnhout 2002). ISBN 2-503-50947-9
- Dies. (Hrsg.): Mystérieuse Cappadoce, Les dossiers d'archéologie 283 (Dijon 2003)
- Wiemer-Enis, Hanna: Die Wandmalerei einer kappadokischen Höhlenkirche: Die neue Tokali in Göreme (Frankfurt am Main u.a. 1993). ISBN 3-631-46260-3
- Dies.: Spätbyzantinische Wandmalerei in den Höhlenkirchen Kappadokiens in der Türkei (Petersberg 2000). ISBN 3-932526-70-8

Weblinks


- http://www.fairychimney.com/deutsch/cappadocia/geology.htm Cappadocia Academy - Kappadokien Regional- und Reiseinfos
- http://www.katpatuka.org Informative Kappadokien Website von Roman Neumüller
- http://www.goereme.net/walkingmap.htm Kappadokien Wanderkarte
- http://www.platformc.org 'platform_c' Netzwerk von Künstlern, Architekten und Anthropologen für Kappadokien
- http://www.kappadokes.com/english/home_en.htm Seiten der Geschichte der Griechen aus Kappadokien (englisch) Kategorie:Geographie (Türkei) Kategorie:Türkei Kategorie:Weltkulturerbe Kategorie:Kappadokien ja:カッパドキア ko:카파도키아

Lesbos

Lesbos (griechisch Λέσβος, in neugriechischer Aussprache: Lesvos) ist eine griechische Insel in der Ägäis nahe der Türkei, die Einwohner heißen Lesvonier (statt Lesbier) oder Lesvioten. Wobei sich die meisten nach der Hauptstadt der Insel bezeichnen, also als Mytilinios, um etwaige Vergleiche zu vermeiden. Wichtige Städte sind Mytilene (Hauptstadt), Kalloni, Methymna, Plomari, Agiassos und Petra. Die Insel ist seit der Bronzezeit besiedelt. Erstmalig wurde sie in Aufzeichnungen der Hethiter als Lazpa erwähnt. In der griechischen Mythologie hieß auch der Inselpatron „Lesbos“, der Sohn des Lapithes, der Methymna heiratete. Das Wort lesbisch wird vom Namen der Insel abgeleitet. Dieses entstammt den Gedichten der Sappho von Lesbos, in denen die Liebe zwischen Frauen besungen wurde. Wegen dieser Anspielung ist Lesbos heute häufig touristisches Ziel von Lesben. Dies sehen die lesvonischen Behörden mit großer Skepsis und verweigerten früher Passagierschiffen teilweise die Einreise. In der heutigen Zeit liegt das Herzstück der Lesbenbewegung in der im Westen gelegenen Stadt Eressos, zugleich auch Geburtsort von Sappho.

Municipalitëten

Gemeinden


- Siehe auch: Gemeinden von Präfektur Lesbos Kategorie:Insel (Griechenland) ja:レスボス島 ko:레스보스

Penthesilea

Penthesilea, auch Penthesileia, die Tochter des Ares und der Otrere, ist eine Gestalt aus dem Sagenkreis des Trojanischen Krieges, die schöne Königin der Amazonen. Nach dem Tod Hektors kommt sie den schwer bedrängten Trojanern mit ihren Kämpferinnen zu Hilfe, wird aber von Achilleus erschlagen. Als dieser der sterbenden Penthesilea den Helm abnimmt, verliebt er sich in sie und bedauert seine Tat. Einige Gefährten verspotten ihn deswegen. Achilleus erschlägt daraufhin einen von ihnen. In verschiedenen Versionen der Geschichte wird Penthesilea an die Trojaner zur Bestattung übergeben, in einen Fluss geworfen oder von den Trojanern geborgen. Der Stoff diente Heinrich von Kleist als Vorlage für sein gleichnamiges Drama Penthesilea, in dem allerdings Achilles von Penthesilea erschlagen wird. Als diese erkennt, dass sie und ihre Hundemeute das Objekt ihrer Begierde zerfleischt haben, stirbt sie durch „ein vernichtendes Gefühl“ selbst. Penthesilea ist außerdem
- der Name eines Asteroiden, siehe Penthesilea (Asteroid), sowie
- der Notname für einen Maler.

Siehe auch


- Portal:Mythologie

Weblinks


- http://www.stanford.edu/~plomio/penthesilea.html Kategorie:Griechische Mythologie

Argonauten

Der Argonaut (griechisch Αργοναύτης = "Einer, der auf der Argo über See fährt" - das von dem sagenumwobenen Helden Argos gebaute Schiff mit Namen Argo übers Meer navigiert. In der Ein- oder Mehrzahl war oder ist 'Argonaut' Bezeichnung für:
- Das Papierboot (Argonata): ein zu den Kopffüßern oder Cephalopoda gehörendes Weichtier (Mollusken) mit acht Tentakeln, Meeresbewohner;
- beliebtes Motiv in der minoischen Kunst im Meeresstil; siehe Papiernautilus (auch Papierboot)
- die Helden der Argonautensage; in der griechischen Mythologie, die unter Iasons Führung auf der Fahrt der "Argo" durchs Schwarze Meer nach Kolchis segelten, um dort das von einem Drachen bewachte Goldene Vlies zu holen -
- Die Argonauten (Zeitschrift) hg. Ernst Blass 1914-1921
- Die Argonauten (Grillparzer), Drama
- USS Argonaut US-U-Boot im zweiten Weltkrieg. Ursprünglich als Minenleger konzipiert, später Truppentransporter für Kommando-Unternehmen. Länge 116 m, Verdrängung (getaucht) 4080 Tonnen, 4 Torpedorohre, 2 Kanonen 152 mm. Versenkt von japanischen Zerstörern am 10. Januar 1943 bei Papua-Neuguinea mit 105 Mann. Siehe :en:USS Argonaut (SS-166)

Buchtitel


- Die Argonautengeschichten, Bret Harte

Weblinks



Kolchis

In der Antike war Kolchis (griechisch Κολχίς, georgisch კოლხეთი, Kolcheti) eine Landschaft zwischen Kaukasus und der Ostküste des Schwarzen Meeres. Kolchis war die sagenhafte Heimat der Medea und das Ziel der Argonauten. Die Argonautensage berichtet, dass in Kolchis auf dem kirkäischen Feld die verstorbenen Männer in Stierfelle genäht und in Weiden aufgehängt wurden. Die Frauen bestatteten die Kolcher hingegen in der Erde. Das Kolchis der Mythologie soll auch einen weltbekannten Garten mit Heil- und Giftpflanzen gehabt haben. Auch Aietes, der König von Kolchis, soll ein wichtiger Magier und Giftkundiger gewesen sein. Aietes war der Vater der Medea. In der Frühantike (7. - 6. Jahrhundert v.Chr.) war Kolchis ein historisch nachweisbarer Sklavenhalterstaat am schwarzen Meer. Das Land Kolchis bestand in der Spätantike aus ethnisch verwandten Völkern wie Lazen, Megrelen und Abchasen. Zu dieser Zeit umfasste das Land ein Gebiet des heutigen West-Georgien und der Nordost-Türkei. Der Nachfolgestaat von Kolchis war das Königreich Lazika. Dort kam es im Laufe des 6. Jahrhunderts immer wieder zu Kämpfen zwischen dem Oströmischen Reich und den Sassaniden. Heute gehört diese Region größtenteils zu Georgien. Siehe auch: Aia Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:Geographie (Georgien)Kategorie:Historisches Territorium Kategorie:Historische Landschaft

5. Jahrhundert v. Chr.


Zu diesem Jahrhundert v. Chr. existieren auch Wikipedia-Artikel zu den Jahrzehnten:
---- Das 5. Jahrhundert v. Chr. begann am 1. Januar 500 v. Chr. und endete am 31. Dezember 401 v. Chr..

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen


- Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. - König Alexander I. von Makedonien wird Olympionike bei den Olympischen Spielen.
- 500 v. Chr. - Tarent war eine Monarchie
- 497 v. Chr. - Einsetzung der Saturnalien
- 497 v. Chr. - Sieg der Römer über die Latiner in der Schlacht am See Regillus.
- 494 v. Chr. - In Rom wird das Amt des Volkstribuns eingeführt.
- 494 v. Chr. - Zerstörung Milets durch die Perser
- 493 v. Chr. - Bündnisvertrag zwischen Latinern und Römern.
- 490 v. Chr. - Schlacht bei Marathon: Niederlage Persiens gegen die Griechen
- 483 v. Chr. - Beginn der buddhistischen Zeitrechnung
- 482 v. Chr. - Themistokles betreibt in Athen ein Flottenbauprogramm und den Ausbau eines Krieghafens im Piräus
- 480 v. Chr.
  - Frühjahr: Perserkönig Xerxes I. zieht mit einem Heer von über 100.000 Mann nach Griechenland
  - 11. August: Erste Schlacht bei den Thermopylen, gleichzeitig Seeschlacht von Kap Artemision . Spartanerkönig Leonidas fällt samt seiner 300 Mann starken Leibgarde und ca. 1.000 Thespiern bei der Sicherung des Thermopylenpasses, um den Rückzug des griechischen Bündnisheeres und die Loslösung der griechischen Flotte vom Feind zu sichern
  - danach Plünderung Athens durch die Perser, Zerstörung der Akropolis
  - September: Seeschlacht von Salamis. Der Athener Themistokles lockt die Persische Flotte in einen Hinterhalt im Sund der Insel Salamis. Die griechische Flotte ist mit ihren Ruderschiffen der weit größeren Flotte der Perser, die auf engem Raum nur schwerfällig operieren kann, überlegen
- 479 v. Chr.
  - 27. August - An oder um diesen Tag finden mit der Schlacht von Platää und der annähernd gleichzeitigen Seeschlacht von Mykale die Perserkriege ein Ende. Die Perser werden von den verbündeten griechischen Kleinstaaten geschlagen.
  - Bau der Stadtmauer von Athen gegen den Einspruch der Spartaner
- 477 v. Chr.
  - Die Römer unterliegen im Krieg gegen die Veji
  - Der Stadtstaat Athen gründet den Delisch-Attischen Seeb