Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Ambrosius Aurelianus

Ambrosius Aurelianus

Den Legenden folgend, die von Gildas und in den Historia Brittonum überliefert werden, war Ambrosius Aurelianus ein Anführer der Briten, der im 5. Jahrhundert eine wichtige Schlacht gegen die Angelsachsen gewann. Ambrosius Aurelianus ist eine der wenigen Personen, die Gildas namentlich erwähnt. Nach dem zerstörerischen Sturmangriff der Sachsen sammeln sich die Überlebenden unter Führung von Ambrosius, der beschrieben wird als "ein vornehmer Mann, der vielleicht als einziger Römer den Schock dieses bemerkenswerten Sturms überlebte. Sicherlich wurden seine Eltern, die den Purpur getragen hatten, in ihm getötet. Seine Nachkommen unserer Tage sind gegenüber der Außergewöhnlichkeit ihres Großvaters viel niedriger." Gildas folgend war es Ambrosius, der die Überlebenden in einer bewaffneten Gruppe organisierte, und ihren ersten militärischen Sieg über die sächsischen Invasoren errang. Zwei Punkte in dieser kurzen Beschreibung haben Kommentare von vielen Forschern provoziert. Der erste ist, was Gildas meint mit der Aussage, Ambrosius' Eltern hätten "den Purpur getragen" ("had worn the purple")? Heißt dies, dass Ambrosius mit einem der römischen Kaiser oder einem Usurpator wie Konstantin III. († 411) verwandt war? Vielleicht wurde Gildas Aussage durch die walisische Tradition angeregt, er sei einer der Söhne des Kaisers Magnus Maximus († 388) und seiner keltischen Frau Helen. Die zweite Frage ist die Bedeutung des Wortes avita. Heißt es "Ahnen" oder meinte Gildas spezifischer "Großeltern" - was bedeuten würde, dass Ambrosius etwa eine Generation vor der Schlacht von Mons Badonicus gelebt hätte. Der Mangel an Informationen aus dieser Zeit hindert daran, eindeutige Antworten zu geben. Die Historia Brittonum bewahrt einige Schnipsel der Überlieferung zu Ambrosius. Der wichtigste darunter ist die Geschichte von Ambrosius, Vortigern und den beiden Drachen von Dinas Emrys (walisisch für "Festung des Ambrosius") in den Kapiteln 40 bis 42, eine Geschichte, die später von Geoffrey von Monmouth in seiner Historia Regum Britanniae erneut erzählt wird, wo die Person Ambrosius mit der walisischen Legende vom Zauberer Merlin verknüpft wird, der bekannt ist für Prophezeiungen über zukünftige Siege der keltischen Ureinwohner von Britannien über die Sachsen und Normannen. Aber es gibt aus kleinere Brocken in den Historia Brittonum: Im Kapitel 31 erfahren wir, dass Vortigern in Angst vor Ambrosius regierte; später, in Kapitel 66, werden verschiedene Ereignisse mit der Schlacht von Guoloph zwischen Ambrosius und Vitolinus in Verbindung gebracht; zuletzt, im Kapitel 48, wird gesagt, dass Pascent, der Sohn von Vortigern, die Herrschaft über die Königreiche Buellt und Gwrtheyrion zugesprochen wurde. Es ist nicht eindeutig, wie diese verschiedenen Teile zueinander gehören, aber es ist nicht außer acht zu lassen, dass sie alle aus der gleichen Quelle stammen. Da Ambrosius und Vortigern in den Historia Brittonum als miteinander zerstritten gezeigt werden, haben manche Historiker vermutet, dass dies einen historischen Kern über die Existenz von zwei sich gegenüberstehenden Parteien bewahrt, die eine angeführt von Ambrosius, die andere von Vortigern. Auf Basis dieser Vermutung baut J.N.L. Myres die Hypothese auf, Vortigern stehe für eine Partei von Pelagianern, während Ambrosius die katholische Seite vertrete. Spätere Historiker nehmen diese Hypothese als Faktum und bilden daraus eine Geschichte zu Ereignissen im britischen 5. Jahrhundert mit verschiedenen Graden an Detaillierung. Eine einfachere Interpretation des Konflikts zwischen diesen beiden Personen ist, dass die Historia Brittonum Traditionen bewahrt, die dem damals in Powys regierenden Haus von Vortigern und seinen Nachkommen feindlich gesinnt sind. Diese Interpretation wird unterstützt durch den negativen Charakter, den alle nacherzählten Geschichten über Vortigern in den Historia Brittonum transportieren, die bis zum Vorwurfs des Inzests reichen. Bei den Spekulationen über diesen Konflikt muss man aber auch zugestehen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die historischen Vorbilder für Ambrosius und Vortigern in ihrem wirklichen Leben niemals voneinander gehört haben. Ambrosius Aurelianus erscheint darüber hinaus in der späteren Artussage als "Ambrosius", Sohn des Hochkönigs Konstantin, Nachfolger von Vortigern, älterem Bruder und Vorgänger von Uther Pendragon und der erste Hochkönig, der Merlin als königlichen Ratgeber nutzt. Die Waliser hatten allem Anschein nach Überlieferungen von zwei verschiedenen Personen namens Ambrosius, die Geoffrey von Monmouth dann miteinander vermischt hat. S. Appelbaum hat vermutet, dass Amesbury in Wiltshire in seinem Namen Ambrosius bewahrt, so dass Amesbury das Zentrum seiner Macht im späten 5. Jahrhundert gewesen sein könnte. Namensforscher haben eine Anzahl von Toponymen in Dialekten der englischen Midlands gefunden, mit Ortsnamen, die das "ambre"-Element in sich tragen: Ombersley in Worcestershire, Ambrosden in Oxfordshire, Amberley in Herefordshire, und Amberley in Gloucestershire. Diese Forscher vermuten, dass diese Silbe das altenglische Wort für "amor" repräsentiere, den Namen eines Waldvogels. Andererseits liegt Amesbury in einer anderen Sprachregion und passt nicht so einfach in das Ortsnamenmuster der verschiedenen regionalen Midland-Dialekte. Dies macht Appelbaums Annahme jedoch wahrscheinlicher. Wenn man die Etymologie zum einen kombiniert mit Geoffrey von Monmouths Überlieferung, Ambrosius Aurelianus habe Stonehenge gebaut (das in der Gemeinde Amesbury liegt), zum anderen mit der Präsenz einer eisenzeitlichen Wallanlage in der gleichen Gemeinde, dann ist man ganz besonders versucht, die schattenhafte Figur mit dem Ort zu verknüpfen. Aurelianus, Ambrosius Aurelianus, Ambrosius

Gildas

Gildas (
- um 510 † um 570) auch Gildas der Weise war ein herausragender Vertreter des keltischen Christentums in Britannien, berühmt für seine Bildung und seinen literarischen Stil. Er war Priester und wollte das mittelalterliche Mönchsideal fördern; in mancher Hinsicht kann man ihn aber auch noch zur Spätantike zählen. Gildas wurde heiliggesprochen; sein Tag ist der 29. Januar. Der Forscher David N. Dumville vermutet in Gildas den Lehrer des Vennianus von Findbarr, der seinerseits der Lehrer des heiligen Columban von Iona war. Gildas’ erhalten gebliebenes Werk De Excidio Britonum oder Der Untergang Britanniens ist eine Predigt in drei Teilen, in der er die Taten seiner weltlichen wie geistlichen Zeitgenossen verurteilt. Der erste Teil besteht aus Gildas’ Erläuterung seiner Arbeit und einer kurzen Schilderung des römischen Britanniens von seiner Eroberung durch die Römer bis hin zu Gildas’ Zeit. Die Chronik berichtet: ::betreffend ihren Widerstand, Unterwerfung und Rebellion, über ihre zweite Unterwerfung und harte Knechtschaft; betreffend Religion und Verfolgung, die heiligen Märytrer, viele Häresien, Tyrannen, zwei plündernde Völker, betreffend die Verteidigung und eine weitere Verwüstung, eine zweite Rache und eine dritte Verwüstung, betreffend Hunger, den Brief an Agitius [der üblicherweise mit dem Patricius Aetius gleichgesetzt wird], Sieg, Verbrechen, plötzlich angekündigte Feinde, eine bemerkenswerte Plage, eine Ratsversammlung, einen Feind, wilder als der erste, die Zerrüttung der Städte, betreffend diejenigen, die überlebten, und den endgültigen Sieg unseres Landes, der unserer Zeit gewährt wurde durch den Willen Gottes. Im zweiten Teil, der mit der Feststellung beginnt, "Britannien hat Könige, doch sind sie Tyrannen, und Richter, doch sind sie pflichtvergessen", spricht Gildas über Leben und Taten von fünf zeitgenössischen Regenten: Konstantin von Dumnonia, Aurelius Caninus, Vortipor von Demetae (das jetzt Dyfed heißt), Cuneglasus von "des Bären Festung" (Din Eirth, möglicherweise Dinarth bei Llandudno), und Maglocunus oder Maelgwn. Ohne Ausnahme bezeichnet er diese Regenten als grausam und räuberisch; sie leben ein Leben in Sünde. Der Dritte Teil beginnt mit den Worten "Britannien hat Priester, aber sie sind Narren; viele Geistliche, aber sie sind schamlos; Kleriker, aber sie sind verschlagene Plünderer". Gildas fährt in seiner Jeremiade gegen die Kleriker seiner Zeit fort, erwähnt aber keine Namen, so dass kein Licht auf die Geschichte der christlichen Kirche dieser Periode fällt. Die Vision eines durch plündernde Einbrecher und die schlechte Regierung korrupter und lässlicher Beamter verwüsteten Landes wurde von den Gelehrten lange unkritisch akzeptiert. Allzugut passte diese Sicht der Dinge zu der weit verbreiteten Auffassung, eine Invasion von Barbaren hätte die römische Zivilisation zerstört. Wegerklärt wurde so auch die peinliche Frage, warum Britannien einer der wenigen Teile des Römischen Reichs war, der nicht die römische Sprache annahm. Versucht man Gildas' Schrift zu interpretieren, muss man jedoch berücksichtigen, dass es seine Absicht war, seinen Zeitgenossen nach Art eines alttestamentlichen Propheten zu predigen. Einen historischen Bericht für die Nachwelt zu verfassen, war nicht seine Absicht. Während Gildas einerseits eine der ersten Beschreibungen des Hadrianswalls gibt, lässt er andere historische Details, die nicht zu seiner Botschaft passen, aus. Dennoch bleibt sein Buch ein wichtiges Werk, nicht nur zur mittelalterlichen oder englischen Geschichte, zumal es eines der wenigen Werke aus dem Britannien des 6. Jahrhunderts ist, das überlebt hat. In De Excidio Britonum erwähnt Gildas, dass das Jahr seiner Geburt das Jahr der Schlacht von Mons Badonicus war. Die Annales Cambriae, eine Chronik, die in einem Manuskript mit den Historia Britonum gefunden wurde, geben sein Todesjahr mit 570 an. Eine Biographie von Gildas wurde von Caradoc von Llancarfan im 12. Jahrhundert geschrieben. Gildas wird weiterhin in Verbindung gebracht mit einer Lorica (Brustpanzer) genannten Hymne, einem Gebet zur Erlösung vom Bösen, das interessante Bruchstücke des Hiberno-Lateinischen enthält.

Weblinks


- [http://www.fordham.edu/halsall/basis/gildas-full.html De Excidio Britonum] ins Englische übersetzt von John Allen Giles.
- Ein weiterer E-Text von Giles Übersetzung ist unter [http://promo.net/pg/ Project Gutenberg] einzusehen. Kategorie:Mann Kategorie:Kelte Kategorie:Autor Kategorie:Mittelalter (Literatur) Kategorie:Literatur (6. Jh.) Kategorie:Literatur (Latein) Kategorie:Sachliteratur Kategorie:Geboren 510 Kategorie:Gestorben 570

Angelsachsen

Die Angelsachsen waren ein Mischvolk aus Sachsen, Angeln, Jüten, Friesen und Niederfranken, das nach dem Ende des Römischen Reiches in England entstand und zu den Vorfahren der heutigen Engländer gehört. Die Auswanderung der Sachsen und Angeln aus dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein und der Jüten aus Jütland begann im 5. Jahrhundert. Ein Teil der Sachsen blieb im Stammland und expandierte nach Süden und Südwesten (siehe Herzogtum Sachsen) und ein kleinerer Teil der Angeln wanderte in die Nordhälfte des heutigen Sachsen-Anhalt. Siedlungen mit den Endungen -leben und -legen sind anglische Gründungen. Hintergrund der Auswanderung war ein Hilfeersuchen der keltorömischen Bevölkerung nach Abzug der Römischen Legionen, um Angriffe der keltischen Pikten und Skoten abzuwehren. Die Angeln und Sachsen eroberten sodann, angeblich unter Führung der legendären Krieger Hengest und Horsa, das bisher von den Römern gehaltene Gebiet. Der Sage nach sollen Hengest und Horsa ihren Entschluss zur Invasion in Britannien auf den Feldern bei der Stadt Bünde getroffen haben. In Wahrheit stießen die Angelsachsen in kleinen Gruppen nach Britannien vor, wo die Römer zu Beginn des 5. Jahrhunderts abzogen. Einen Überblick über die Siedlungsgeschichte gab der Mönch Beda in seiner Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum, deren Aussagekraft äußerst vorsichtig betrachtet werden muß, da sie erst um das Jahr 730 n. Chr. geschrieben wurde, während die Völker, die später als Angelsachsen bezeichnet wurden, schon ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. nach England überwanderten. Nach Beda siedelten die Angeln primär nördlich der Themse in East Anglia, Middle Anglia, Mercia und an der Ostküste bis südlich von Edinburgh. Die Sachsen gründeten Essex, Wessex und Sussex im Tal der Themse und südlich bis zum Ärmelkanal. Die Jüten siedelten vornehmlich in Kent und auf der Insel Wight. Schon bald nach der Ankunft gab es Vermischungen, wie archäologische Befunde zeigten. Die Christianisierung begann um 597 mit Augustinus von Canterbury, sie war Ende des 7. Jahrhunderts - im Gegensatz zum Festland - weitgehend abgeschlossen. Die Angelsachsen bildeten mehrere Königreiche. Im 8. Jahrhundert profilierte Mercia sich als Vormacht, König Offa von Mercia gilt als erster König von England. Gegen Ende dieses Jahrhunderts nahmen die Wikingerzüge nach England zu, im Norden etablierten sich die Dänen im Danelag. Im Jahr 1066 wurde das Gebiet der Angelsachsen von den Normannen erobert. Gleichwohl hielten sich angelsächsische Kultur und Sprache noch längere Zeit, bis eine Vermischung mit der französischen Sprache der Normannen eintrat. Ein Beispiel für die Auseinandersetzung zwischen Angelsachsen und Normannen ist die Legendenfigur Robin Hood, der die Angelsachsen im Widerstand gegen die Normannenherrschaft symbolisierte. Die angelsächsische Sprache, die der altsächsischen Sprache ähnlich ist, stellt eine wesentliche Wurzel der englischen Sprache dar. Noch heute, trotz 1500 jähriger Parallelentwicklung, sind Gemeinsamkeiten zwischen der englischen Sprache und der niedersächsischen Sprache zu erkennen, die sich ebenfalls aus der altsächsischen Sprache entwickelt hat.

Verwandte Artikel


- Beowulf
- Geschichte Englands Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Englische Geschichte ja:アングロ・サクソン人

Liste der römischen Kaiser

Die Liste der römischen Kaiser bietet einen systematischen Überblick über die römische Kaiserzeit. Sie enthält alle Kaiser des Römischen Reiches von Augustus, der im 1. Jahrhundert v. Chr. den Prinzipat begründete, bis Romulus Augustulus, der als letzter Römer im Westen diesen Titel führte und 476 abgesetzt wurde. In Ostrom bestand das Kaisertum hingegen bis 1453 fort.

Frühe und hohe Kaiserzeit

Die julisch-claudische Dynastie


- Augustus (27 v. Chr.14 n. Chr.)
- Tiberius (1437)
- Caligula (3741)
- Claudius (4154)
- Nero (5468)

Das Vierkaiserjahr


- Galba (68/69)
- Otho (69)
- Vitellius (69)

Die Flavier


- Vespasian (6979)
- Titus (7981)
- Domitian (8196)

Die Adoptivkaiser


- Nerva (9698)
- Trajan (98117)
- Hadrian (117138)
- Antoninus Pius (138161)

Die antoninische Dynastie


- Lucius Verus (161169)
- Mark Aurel (161180)
  - Avidius Cassius, Gegenkaiser (175)
- Commodus (180192)

Das Fünfkaiserjahr


- Pertinax (193)
- Didius Julianus, Auktionskaiser (193)
  - Pescennius Niger, Gegenkaiser (193/194)
  - Clodius Albinus, Gegenkaiser (193197)

Die Severer


- Septimius Severus (193211)
- Geta (211)
- Caracalla (211217)
- Macrinus (217/218, kein Severer)
  - Diadumenianus, Mitkaiser (218)
- Elagabal (218222)
  - Uranius, Gegenkaiser
  - Gellius Maximus, Gegenkaiser (219)
  - Verus, Gegenkaiser (219)
  - Seleucus, Gegenkaiser (nach 221)
- Severus Alexander (222235)
  - Seius Sallustius, Gegenkaiser (um 227)
  - Taurinus, Gegenkaiser

Reichskrise des 3. Jahrhunderts

Frühe Soldatenkaiser


- Maximinus Thrax (235238)
  - Magnus, Gegenkaiser (235)
  - Quartinus, Gegenkaiser (235)
- Gordian I. und Gordian II. (238)
- Balbinus und Pupienus (238)
- Gordian III. (238244)
  - Sabinianus, Gegenkaiser (240)
- Philippus Arabs (244249)
  - Philippus Caesar, Mitkaiser (247249)
  - Pacatianus, Gegenkaiser (248)
  - Iotapianus, Gegenkaiser (248)
  - Silbannacus, Gegenkaiser
  - Sponsianus, Gegenkaiser
- Decius (249251)
  - Priscus, Gegenkaiser (249252)
  - Licinianus, Gegenkaiser (250)
  - Herennius Etruscus, Mitkaiser (251)
  - Hostilian, Mitkaiser (251)
- Trebonianus Gallus (251253)
  - Volusianus, Mitkaiser (251253)
- Aemilianus (253)
- Valerian (253260)
  - Uranius Antoninus, Gegenkaiser (253/254)
- Gallienus (253268)
  - Ingenuus, Gegenkaiser (260)
  - Regalianus, Gegenkaiser (260)
  - Ballista, Gegenkaiser (261)
  - Piso, Gegenkaiser (261)
  - Valens Thessalonicus, Gegenkaiser (261)
  - Memor, Gegenkaiser (261)
  - Macrianus Maior, Macrianus Minor, Quietus, Gegenkaiser (260/261)
  - Mussius Aemilianus, Gegenkaiser (261/262)
  - Aureolus, Gegenkaiser (268)

Kaiser des Imperium Galliarum


- Postumus (259268)
  - Laelianus, Gegenkaiser (268)
- Marius (268)
- Victorinus (268270)
  - Domitianus, Gegenkaiser (271)
- Tetricus I. (270273)
  - Tetricus II., Caesar (270273)

Späte Soldatenkaiser


- Claudius Gothicus (268270)
  - Censorinus, Gegenkaiser (269/270)
- Quintillus (270)
- Aurelian (270275)
  - Vaballathus, Gegenkaiser (270272)
  - Domitianus, Gegenkaiser (270/271)
  - Felicissimus, Gegenkaiser (271)
  - Septimius, Gegenkaiser (271)
  - Urbanus, Gegenkaiser (um 271)
  - Firmus, Gegenkaiser (273)
- Tacitus (275/276)
- Florianus (276)
- Probus (276282)
  - Saturninus, Gegenkaiser (280)
  - Proculus, Gegenkaiser (280)
  - Bonosus, Gegenkaiser (280)
  - Celsus, Gegenkaiser
  - Trebellianus, Gegenkaiser
- Carus (282/283)
- Carinus (283285)
  - Numerian, Mitkaiser (283/284)
  - Marcus Aurelius Julianus, Gegenkaiser

Spätantike

Die Tetrarchie


- Diokletian (284305)
- Maximian, Caesar (285/286), Augustus (286305)
  - Carausius († 293), Gegenkaiser im britischen Sonderreich
  - Allectus († 296), Gegenkaiser im britischen Sonderreich
- Galerius, Caesar (293305), Augustus (305311)
- Constantius I., Caesar (293305), Augustus (305/306)
  - Lucius Domitius Domitianus, Gegenkaiser (296 oder 297/298)
- Konstantin I., Caesar (305/306), Augustus (306337)
- Severus, Caesar (305/306), Augustus (306/307)
- Maximinus Daia, Caesar (305308), Augustus (308313)
- Licinius, (307324)
- Maxentius, (306312)
  - Domitius Alexander, Gegenkaiser (308/309)

Die konstantinische Dynastie


- Konstantin I. (alleine 324337)
  - Dalmatius, Mitkaiser (335337)
  - Hannibalianus, Rex Regum (335337)
- Konstantin II. (337340)
- Constans (337350)
- Constantius II. (337361)
  - Magnentius, Gegenkaiser (350353)
  - Nepotianus, Gegenkaiser (350)
  - Vetranio, Gegen-/Mitkaiser (350)
  - Constantius Gallus, Mitkaiser (353/54)
  - Silvanus, Gegenkaiser (355)
- Julian Apostata (361363) Ende der konstantinischen Dynastie
- Jovian (363364)

Die valentinianische Dynastie


- Valentinian I., Kaiser im Westen (364375)
  - Procopius, Gegenkaiser (364/365)
- Valens, Kaiser im Osten (364378)
  - Firmus, Gegenkaiser (372375)
- Gratian, Kaiser im Westen (375383)
- Valentinian II., Kaiser im Westen (375392)
  - Magnus Maximus, Gegenkaiser (383388)
  - Flavius Victor, Gegenkaiser (384388)
  - Eugenius, Gegenkaiser im Westen (392394)

Die theodosianische Dynastie


- Theodosius I. (Kaiser im Osten 379394, Alleinherrscher 394/395) Reichsteilung
- Honorius (395423)
  - Konstantin III., Gegenkaiser (407411)
  - Priscus Attalus, Gegenkaiser (409410 und 414/415)
  - Maximus, Gegenkaiser (409411 und 418421)
  - Jovinus, Gegenkaiser 411412)
  - Constantius III., Mitkaiser (421)
- Johannes (423425, im Osten nicht anerkannt)
- Valentinian III. (425455) Ende der theodosianischen Dynastie im Westen

Der Untergang des weströmischen Reiches


- Petronius Maximus (455)
- Avitus (455/456)
- Majorian (457461)
- Libius Severus (461465) Interregnum
- Anthemius (467472)
- Olybrius (472)
- Glycerius (473/474)
- Julius Nepos (474/475, in Illyrien bis 480)
- Romulus Augustus (475/476)

Die oströmischen Kaiser bis 565


- Arcadius (395408) (Sohn Theodosius I.)
- Theodosius II. (408450)
- Markian (450457) Ende der theodosianischen Dynastie im Osten, wobei Markian nur „adoptiert“ war.
- Leo I. (457474)
- Leo II. (474)
- Zeno (474491)
- Anastasios I. (491518)
- Justin I. (518527)
- Justinian I. (527565) Justinians Tod ist eines der möglichen Enddaten der Spätantike. Bezüglich der weiteren Kaiser des Ostreiches siehe Liste der byzantinischen Kaiser

Literatur


- Manfred Clauss (Hg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 1997.
- Dietmar Kienast: Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, 2. Auflage, Darmstadt 1996.
- Klaus-Jürgen Matz: Wer regierte wann? Regententabellen zur Weltgeschichte, dtv, 6. Auflage, München 2002, S. 38-41.

Weblinks


- [http://www.roman-emperors.org/ Eine von Fachleuten erstellte Online-Enzyklopädie der Römischen Kaiser (englisch)]
- [http://www.imperiumromanum.com/ Internetlexikon über das antike Rom mit relativ ausführlichen Artikeln zu den Römischen Kaisern (deutsch)]

Siehe auch


- Römische Kaiserzeit
- Portal und Themenliste Rom
- Byzantinische Kaiser
- Römisches Reich
- Kalender (Römisches Reich)
- Liste der römischen Konsuln
- Römische Kaiserportraits ! Kaiser (Rom) ja:ローマ皇帝一覧 ko:로마 황제 연대표

Konstantin III. (Rom)

Konstantin III. (eigentl. Flavius Claudius Constantinus) machte sich 407 im Westen selbst zum römischen Kaiser und blieb es bis 411, wobei seine Bedeutung in der römischen Geschichte deutlich geringer ist als in der britischen: Konstantin steht am Wendepunkt der römischen Zeit der Insel zur Unabhängigkeit und galt mittelalterlichen Autoren sogar als Großvater des legendären Königs Artus, was freilich unhistorisch ist.

Leben

Am 31. Dezember 406 überschritten mehrere germanische Stämme, darunter die Vandalen, Burgunder, Sueben sowie die iranischen Alanen, den gefrorenen Rhein bei Mainz und überrannten die römischen Abwehrstellungen - eine erfolgreiche Invasion des Römischen Reichs und ein empfindlicher Schlag für das Römische Reich; eine unmittelbare Folge war der Zusammenbruch der Rheingrenze. Zur Zeit dieser Invasion waren die römischen Provinzen in Britannien in Aufruhr, es wurde eine ganze Reihe von Kaisern ausgerufen und wieder abgesetzt, an deren Ende die Erhebung von Konstantin, einem einfachen Soldaten, Anfang 407 stand. Konstantin handelte schnell. Er überquerte den Kanal, betrat kontinentalen Boden in Bononia (Boulogne), in seinem Gefolge alle beweglichen Truppen, die in Britannien stationiert waren, sodass diese Provinzen von jeglichem militärischem Schutz entblößt waren, was auch deren plötzliches Verschwinden im frühen 5. Jahrhundert erklärt. Konstantins Generäle Justinianus und Nebiogastes, die die Vorhut befehligten, wurden vom Goten Sarus (den der Heermeister des Westens, Stilicho, mit der Niederschlagung des Aufstandes beauftragt hatte) geschlagen. Nebiogastes wurde kurz darauf außerhalb von Valence getötet wurde. Konstantin sandte neue Truppen, angeführt von Edobich und Gerontius, die Sarus zwangen, sich nach Italien zurückzuziehen, wobei er sich die Alpenüberquerung von den Bakaudiern erkaufen musste. Konstantin sicherte die Rheingrenze und bemannte die Garnisonen an den Straßen von Gallien nach Italien. Im Mai 408 wählte er Arles zu seiner Residenz, wo er Apollinaris, den Großvater von Sidonius Apollinaris, zum Präfekten machte. Im Sommer 408 wurden in Italien Truppen zum Gegenangriff gesammelt. Konstantin hingegen sorgte sich um einige Verwandte von Kaiser Honorius in Spanien, die dort eine Bastion der Familie des Kaisers Theodosius I. bildeten, aber loyal dem untauglichen Kaiser dienten. Er fürchtete, sie würden von dort aus eine zweite Front eröffnen, während Sarus und Stilicho ihn von Italien aus in die Zange nähmen, und attackierte zuerst in Spanien. Er holte seinen ältesten Sohn Konstans aus dem Kloster, erhob ihn zum Cäsar oder Mitkaiser, und sandte ihn mit Gerontius nach Spanien. Die kaiserliche Verwandtschaft wurde mühsam geschlagen, wobei zwei von ihnen, Didymus und Theodosiolus gefangen genommen wurde, während zwei anderen, Lagodius and Verianus, gelang, sicher nach Konstantinopel zu entkommen. Konstans ließ seine Frau und seinen Haushalt in der Obhut von Gerontius in Caesaraugusta (Saragossa) zurück, um zum Rapport nach Arles zurückzukehren. In der Zwischenzeit meuterte am 13. August 408 die römische Armee in Ticinum (Ticino), einen Tag später folgte die Hinrichtung des Patriziers Stilicho in Ravenna. Sarus verließ daraufhin die römische Armee, gefolgt von seinen Männern, und ließ den Kaiser Honorius mit unbedeutendem militärischem Schutz in Ravenna zurück, der sich nun dem Problem der gotischen Truppen unter Alarich gegenüber sah, die zur Zeit unkontrolliert in Etrurien umherzogen. Als nun Konstantins Abgesandte in Ravenna zur Verhandlungen eintrafen, war Honorius erpicht darauf, ihn als Mitkaiser anzuerkennen. Dieses Jahr war der Zenit von Konstantins Erfolg. Im September hatten die Germanen, die den Rhein vor knapp zwei Jahren überschritten hatten und seitdem plündernd ihren Weg durch Gallien machten, die Pyrenäen erreicht, wo sie Konstantins Stellungen durchbrachen und nach Spanien einfielen. Während Konstantin Vorbereitungen traf, seinen Sohn Konstans zurückzuschicken, um der Krise Herr zu werden, erreichte ihn die Nachricht, dass sein General Gerontius sich erhoben und einen seiner Männer zum Mitkaiser gemacht hatte. Trotz Konstantins großer Erfolge wurde die Furcht vor einem Angriff aus Spanien im folgenden Jahr Realität, als Gerontius im Verein mit germanischen Verbündeten vorrückte. Gleichzeitig überfielen sächsische Piraten Britannien, das Konstantin schutzlos sich selbst überlassen hatte. Offensichtlich aufgebracht darüber, dass Konstantin sie nicht länger verteidigen konnte, rebellierten nun die römischen Einwohner von Britannien und Aremorica und verjagten seine Vertreter. Konstantins Antwort auf diesen sich enger ziehenden Kreis von Feinden war ein letztes verzweifeltes Spiel: mit den verbliebenden Truppen marschierte er nach Italien, ermutigt durch die dringende Bitte eines Allobich, der Honorius durch einen fähigeren Regenten ersetzt haben wollte. Aber diese Invasion endete in einer Niederlage, Allobich verlor sein Leben, und Konstantin musste im späten Frühjahr 410 den Rückzug nach Gallien antreten. Seine Position wurde immer verzweifelter. Seine Truppen wurden 411 vom Rebellen Gerontius bei Vienne geschlagen, wo sein Sohn Konstans in Gefangenschaft geriet und hingerichtet wurde. Konstantins Prätorianerpräfekt Decimius Rusticus, der Apollinaris vor einigen Jahren ersetzt hatte, verließ Konstantin, und wurde im Rheinland bei der Rebellion des Jovinus ergriffen. Gerontius schloss Konstantin in Arles ein und belagerte ihn dort. Zur gleichen Zeit wurde ein neuer General für Honorius gefunden, der spätere Konstantius III., der vor Arles erschien, Gerontius in die Flucht schlug und die Belagerung von Arles und Konstantin selbst übernahm. Konstantin hielt stand in der Hoffnung auf die Rückkehr seines Generals Edobich, der in Nordgallien Truppen gegen die Franken aushob, aber bei seiner Ankunft dann durch eine simple Kriegslist geschlagen wurde. Konstantins letzte schwache Hoffnung schwand, als seine Truppen am Rhein ihn verließen, um Jovinus zu folgen, so dass er gezwungen war, aufzugeben. Trotz einer Zusage sicheren Geleits und Konstantins Übernahme geistlichen Ämter, kerkerte Konstantius den früheren Soldaten ein und ließ ihn im August oder September 411 enthaupten. Gerontius beging in Spanien Selbstmord, Jovinus' Revolte wurde von Konstantius unterdrückt, der selbst dann zum Kaiser aufstieg, aber Rom gelang es nach Konstantins Tod nie wieder, in Britannien Fuß zu fassen. Wie Prokopios später erläuterte, blieb Britannien ab dieser Zeit unter der Herrschaft von Tyrannen.

Literatur


- C. E. Stevens: Marcus, Gratian, Constantine, Athenaeum 35 (1957), S. 316-347.
- E. A. Thompson: Britain, A.D. 406-410, Britannia 8 (1977), S. 303-318.

Weblinks


- [http://www.roman-emperors.org/westemp5.htm Biografie aus dem DIR-Projekt (englisch)] Kategorie:Mann Kategorie:Gestorben 411

Magnus Maximus

Magnus Maximus (
- um 335; † 28. August 388) war von 383 bis zu seinem Tod als Usurpator Kaiser im Westen des Römischen Reichs.

Leben

Aufstieg

Geboren in Hispanien, hatte Maximus unter Flavius Theodosius gedient, dem Vater Theodosius I. Wenig wahrscheinlich ist eine verwandtschaftliche Beziehung zu Theodosius, da Maximus von niedrigerer Herkunft war. Maximus wurde von seinen Truppen im Frühjahr 383 zum Kaiser proklamiert, während er mit seiner Armee in Britannien stand. Grund war unter anderem die zunehmende Verärgerung des Militärs über den Westkaiser Gratian, der mehr und mehr alanische Truppen favorisiert hatte.

Magnus Maximus als Kaiser

alanische Maximus wandte sich zunächst nach Gallien. Gratian war ihm entgegen gezogen, doch lief dessen Armee bei Paris zu Maximus über, woraufhin Gratian nach Lyon floh, wo er am 25. August 383 erschlagen wurde. Maximus wurde daraufhin neben Gratians Halbbruder Valentinian II. vom Ostkaiser Theodosius I. als Augustus des Westens für die transalpinischen Provinzen, also Britannien, Gallien, Germanien und Spanien, anerkannt. Sein Verbündeter Gildo herrschte derweil über Africa. Maximus nahm seine Residenz in Augusta Treverorum (Trier). Er wurde ein populärer Kaiser, aber auch ein harter Verfolger jeglicher Häresie, etwa der gnostisch beeinflußten asketischen Bewegung Priscillians in Spanien und Südfrankreich. Durch die Hinrichtung Priscillians und die Verfolgung seiner Anhänger brachte er sich in Gegensatz zu Ambrosius von Mailand.

Niederlage und Tod

Im Jahr 387 zog Maximus über die Alpen auf Mailand zu, um seinen Mitkaiser Valentinian II. zu verjagen. Dieser floh zu seinem Schwager Theodosius I., der bald darauf zu einem Feldzug gegen Maximus rüstete. In zwei Schlachten (bei Siscia, heute Sisak, und Poetovio, heute Ptuj), wurde er von Theodosius geschlagen. Wenig später wurde Maximus von seinen eigenen Soldaten getötet. Sein Sohn Flavius Victor, den er 384 zum Augustus hatte erheben lassen, wurde kurze Zeit darauf in Gallien ermordet.

Magnus Maximus in walisischen Legenden

Im Mabinogion wird Magnus Maximus auf Walisisch Macsen Wledig genannt, verheiratet mit Helen oder Elen, der Tochter eines Häuptlings aus der Gegend um Segontium (Caernarvon). Obwohl die Geschichte von Macsen Wledig und Helen sicher unhistorisch ist, gibt es einige Anhaltspunkte in grundlegenden Fakten. Walisische Legenden behaupten, Magnus Maximus sei der Verantwortliche für den Rückzug der römischen Truppen aus Wales, zwanzig Jahre bevor der Rest Britanniens sich selbst überlassen wurde. Tatsache ist jedoch, dass Maximus' Gallienfeldzug dazu führte, dass die Nordgrenze des Römischen Reiches in Britannien, der Hadrianswall, dauerhaft aufgegeben werden musste.

Sekundärliteratur


- Otto Seeck: Geschichte des Untergangs der antiken Welt, Bd. 5, 1920, S. 167 ff.

Weblinks


- [http://www.roman-emperors.org/madmax.htm Fachwissenschaftliche Kurzbiographie aus dem DIR-Projekt (engl.)] Kategorie:Mann Kategorie:Kaiser (Rom) Kategorie:Geboren 335 Kategorie:Gestorben 388

Schlacht von Mons Badonicus

Die Schlacht von Mons Badonicus (Mount Badon auf Englisch und Mynydd Baddon auf Walisisch) war ein Sieg von Romano-Briten und Kelten in der Dekade vor oder nach dem Jahr 500 über die Angelsachsen, wodurch deren Invasion Britanniens ein herber Rückschlag zugefügt wurde. Obwohl es sich um das wichtigste politische und militärische Ereignis des 5. und 6. Jahrhundert in Britannien handelt, gibt es keine Sicherheit über den Zeitpunkt, den Ort oder die militärischen Führer dieser Auseinandersetzung.

Die unsicheren Details

Der Ort der Schlacht ist genauso umstritten wie der Name des Anführers der Romano-Briten. Gildas, halbwegs ein Zeitgenosse, der in seiner Schrift De Excidio Britonum (Der Ruin der Briten) festhält, dass die Schlacht in seinem Geburtsjahr stattgefunden habe, nennt weder die Namen der Befehlshaber, noch liefert er irgendeine Information, die helfen könnte, den Ort der Schlacht festzustellen. Eine Reihe von Stellen in Britannien wurden in den letzten Tausend Jahren vorgeschlagen, von der heutigen Grenze zwischen England und Schottland bis zum Südende der Insel. Der plausibelste Ort scheint Bath zu sein, die Stadt, die die Sachsen als Badon kannten. Alle Vorschläge jedoch basieren auf Vermutungen, die aus dem Mangel an Fakten herrühren. Bei jeder vorgeschlagenen Örtlichkeit müssen folgende Punkte Berücksichtigung finden: #Das Schlachtfeld liegt vermutlich an der Grenze zwischen den Territorien der britischen Einwohner und der angelsächsischen Invasoren; und #Die Annales Cambriae, die in der Harleian-Ausgabe der Historia Brittonum entdeckt wurden, bewahren unter dem Jahr 665 einen Eintrag einer 2. Schlacht am Mons Badonicus, bei der es um einen Streit zwischen zwei Königreichen des 7. Jahrhunderts geht. Dabei ist unklar, welche Königreiche gemeint sind und ob diese zweite Schlacht vielleicht in anderen Aufzeichnungen erwähnt wird. Auch die Namen der Teilnehmer (der ersten Schlacht) sind in der Diskussion. Die Historia Brittonum überliefert den Namen des romano-britischen Befehlshabers mit König Artus, während jüngere wissenschaftliche Mutmaßungen auf Ambrosius Aurelianus verweisen. Der Befehlshaber der Sachsen soll König Aelle gewesen sein. Taliesin verweist in einem Gedicht, das offensichtlich, aber nicht beweisbar aus 546 oder 547 stammt, auf die Schlacht von Badon mit Artus, Hauptspender von Festgelagen... die Schlacht, an die sich alle Männer erinnern. Im historischen Kontext bezeichnet Hauptspender von Festgelagen (chief giver of feasts) den de-facto obersten Anführer. Und schließlich: es gibt keinen klaren Beweis für das Datum der Schlacht. Gildas schreibt ad annum obsessionis Badonici montis... quique quadragesimus quartus ut novi orditur annus mense iam uno emenso qui et meae nativitatis est, was üblicherweise mit das Jahr der Schlacht am Mount Badon... die vor 44 Jahren und einem Monat stattfand, welches das Jahr meiner Geburt war übersetzt wird. Da Gildas dies wohl 547 oder kurz davor schrieb (König Maelgwn von Gwynedd lebte noch), spricht er vom Jahr 503 bzw. kurz davor. In dieser Passage befindet sich jedoch eine Mehrdeutigkeit, die Beda so interpretiert, als habe die Schlacht 44 Jahre nach der Ankunft der Angelsachsen in Britannien stattgefunden. Dann wäre mit dem Jahr 449, das Beda für die Ankunft annimmt, das Jahr 493 für die Schlacht anzusetzen. Die später entstandenen Annales Cambriae wiederum nennen das Jahr 516, das allerdings nur von wenigen Gelehrten akzeptiert wird (Daten der Annales Cambriae, die nach 525 liegen, wurden aus zeitgenössischen Tabellen für das Osterdatum ermittelt; Daten vor 525 sind wesentlich unzuverlässiger). Indirekte Unterstützung für ein Datum nahe bei 493, jedenfalls eher als 503, kommt aus den Hagiographien. Die Lebensbeschreibungen von Dewi Sant (Sankt David), Cadoc von Llancarfan und Gildas berichten, dass Gildas die Abtei Ty Gwyn 527 oder 528 besuchte, wobei David ihm vorwarf, dass er so jung für sein Amt sei. In Hagiografien, die zumeist im 11. Jahrhundert geschrieben sind, können zu Propagandazwecken Wunder erfunden, aufgebauscht oder entlehnt oder Todesdaten abgeändert worden sein, aber ihre Autoren hatten keinen Grund, rein weltliche Fakten, wie die Daten und Orte von Begegnungen, zu verzerren. Abgesehen davon, dass die Lebensgeschichten der Heiligen unabhängig voneinander aufgezeichnet wurden, jeder in der Abtei, in der der jeweilige Heilige gelebt hat – in St. David’s zu David, in Llancarfan zu Cadoc und in Rhuys zu Gildas. In Rhygyfarchs Lebensbeschreibung des David wird gesagt, dass er zehn Jahre durch Sankt Paulinus Saint Pol de Leon erzogen wurde, bevor er Abt von Ty Gwyn wurde. Davids Geburt kann kaum nach 514 gewesen sein. Rhygyfarch sagt auch, dass Gildas Davids Mutter, der heiligen Non, predigte, während sie mit ihm schwanger war. Wenn Gildas 514 alt genug zum Predigen war, wäre es unplausibel, das Jahr seiner Geburt und damit das Jahr der Schlacht auf später als 498 zu legen.

Die sicheren Wirkungen

So fraglich die Daten zu Ort, Zeitpunkt oder Teilnehmer der Schlacht sein mögen, sie hielt den Vormarsch der Angelsachsen sicher eine Reihe von Jahren auf. Während die Anglo-Saxon Chronicle (naheliegenderweise) über die Schlacht schweigt, dokumentiert sie deutlich eine Lücke von fast 70 Jahren zwischen zwei bedeutenden angelsächsischen Anführern oder Bretwaldas: Aelle von Sussex und Ceawlin von Wessex im 5. und 6. Jahrhundert. Prokopios von Caesarea berichtet, dass ihm von einem Mitglied einer diplomatischen Delegation der Franken, die in Begleitung von einer Gruppe von Angeln war, erzählt wurde, dass eine Anzahl von Briten und Angelsachsen ihre Insel wegen Überbevölkerung verlassen hätten, um sich in Nordgallien niederzulassen. Andere Berichte aus der Mitte des 6. Jahrhunderts erwähnen Gruppen von Angelsachsen, die Britannien verlassen, um diesseits des Ärmelkanals zu siedeln. Beide Informationen deuten darauf hin, dass eine negative Entwicklung bei der Ausbreitung der Angelsachsen auf der Insel eingesetzt hatte. Archäologische Beweise von den Friedhöfen der heidnischen Angelsachsen deuten an, dass eine Anzahl ihrer Siedlungen verlassen und die Grenze zwischen den Invasoren und den britischen Einwohner um das Jahr 500 herum zu Lasten der Angelsachsen verschoben wurde. Die Angelsachsen einerseits besaßen zu dieser Zeit die Grafschaften Kent, Sussex, Norfolk und Suffolk, sowie Landstriche am Humber; andererseits ist es deutlich, dass die Briten nicht nur alles westlich einer Linie von der Mündung des Wiltshire Avon bei Christchurch (Dorset) hinauf zum Trent, dann diesen Fluss entlang bis zum Humber, und schließlich den Derwent in Yorkshire entlang bis zur Nordsee kontrollierten, sondern auch eine Enklave, die bis zum Norden und Westen von London und dem Süden von Verulamium reichte (der drittgrößten Stadt der Römer in Britannien, bei St. Albans in Hertfordshire gelegen), und sich nach Westen bis an die Grenze erstreckte. Die Briten, die dieses Gebiet verteidigten, konnten ihre Truppen ungefährdet über die Watling Street zur Verstärkung ihrer Garnisonen in London oder Verulamium bringen, womit sie gleichzeitig das Gebiet der Angelsachsen teilten, eines südlich des Weald im östlichen Kent und eines rund um den Wash. Falls diese Theorie richtig ist, können wir annehmen, dass Cuthwulf, ein Verbündeter von Ceawlin von Wessex, die Briten 571 bei Bedcanford schlug und anschließend die vier Orte Limbury, Aylesbury in Buckinghamshire, Benson und Eynsham besetzte, so dass der britische Keil zwischen den Siedlungsgebieten der Angelsachsen zerbrochen war, und der Friede, der der wichtigen Schlacht am Mons Badonicus gefolgt war, damit dem Ende entgegen ging. Siehe auch: Liste von Kriegen, Liste von Schlachten Mons Badonicus Mons Badonicus Mons Badonicus Kategorie:Englische Geschichte

Vortigern

Vortigern, ein britischer Kriegsherr (Warlord) des 5. Jahrhunderts, wird im allgemeinen bezichtigt, die Angelsachsen eingeladen zu haben, als Söldner nach Britannien zu kommen. Später hätten diese Söldner dann revoltiert und ihre eigenen Königreiche gegründet. Die Details seiner überlieferten Lebensgeschichte variieren über die Jahre seit sie niedergeschrieben wurde – und ob es sich bei Vortigern um eine historische Figur handelt oder lediglich einen Versuch, zu erklären, wie es dazu kommen konnte, dass die Angelsachsen fortan die Geschichte der Insel mitbestimmten, hängt alleine davon aber, für wie glaubwürdig man die überliefernden Autoren hält: Gildas, Beda Venerabilis, die Anglo-Saxon Chronicle, die Historia Britonum, Geoffrey von Monmouth und Wace, die alle unterschiedliche Details aus dem Leben Vortigerns berichten. Der erste Schriftsteller, der die Geschichte von Vortigern erzählte, war im 6. Jahrhundert der Geschichtsschreiber Gildas. Er berichtet in Kapitel 23, wie „alle Ratsmitglieder, zusammen mit diesem stolzen Tyrannen“ den Fehler machten, „die stolzen und gottlosen Sachsen“ in Britannien anzusiedeln, um als Soldaten für die lokale römisch-britische Aristokratie zu dienen, denen die kaiserliche Regierung fehlte, um gegen die Pikten zu kämpfen. Eine kleine Gruppe kam zuerst und wurde „auf der Ostseite der Insel aufgrund einer Einladung eines Unglückskönigs“ angesiedelt. Diese kleine Gruppe lud mehr und mehr ihrer Landsleute ein, ihnen zu folgen, und die Kolonie wuchs. Am Ende beantragten die Sachsen, dass „ihre monatliche Zuteilung“ erhöht werden solle, und als dies schließlich abgelehnt wurde, brachen sie ihren Vertrag und plünderten das Land der Briten. Gildas fügt zwei kleine Details hinzu, die nahe legen, dass entweder er oder seine Quelle einen Teil der Geschichte von den Angelsachsen erhielt. Zum einen: wenn er die Größe der ersten Sachsengruppe beschreibt, stellt er fest, dass sie in drei „cyulis“ oder „keels“ kamen, „wie sie ihre Kriegsschiffe nennen“ – wohl das erste bekannte englische Wort. Zum anderen: er wiederholt, dass den Sachsen als Besucher „durch einen bestimmten Wahrsager unter ihnen prophezeit wurde, dass sie das Land besetzen sollten, zu dem sie 300 Jahre gesegelt seien, um es die Hälfte der Zeit, 150 Jahre, zu plündern und auszurauben“. Beide Details werden kaum von einer römischen oder keltischen Quelle erfunden worden sein. Moderne Forscher haben verschiedene Details von Gildas Geschichte diskutiert, und versucht, seine Sprache zu analysieren, um mehr Information zu gewinnen. Ein Punkt der Diskussion waren die Wörter, die Gildas benutzte, um die finanzielle Beihilfe der Sachsen zu beschreiben („annonas“, „epimenia“), und ob es sich um juristische Begriffe aus einem Unterstützungsvertrag handelt, eine spätrömische politische Praxis, um Alliierte aus „barbarischen“ Völkern anzusiedeln, um innerhalb der Grenzen des Reichs die Truppen mit Soldaten zur Verteidigung auszustatten. Es ist nicht bekannt, ob Privatpersonen diese Praxis übernahmen. Ein anderer Punkt der Diskussion war, wo genau in Britannien Gildas die Ostseite der Insel sieht, in Kent, East Anglia, oder an der Küste von Northumbria. Die einzige Sicherheit, die man nach dem Durcharbeiten der Sekundärliteratur erhält, dass auch die Schriftsteller in Gildas Umgebung mit den Lücken bei diesen Angaben kämpften, die sie dann mit eigenen Ermittlungsergebnissen oder schlicht mit ihrer Phantasie füllten. Der erste, der Gildas Darlegung prüfte, war Beda Venerabilis, der bei modernen Forscher hoch angesehen ist. Beda fügt einige Details hinzu, vielleicht als wichtigstes den Namen des „stolzen Tyrannen“, Vortigern (lateinisch „Uurtigernus“, altenglisch „Wyrtgern“). Beda kennt zudem das Jahr 499 - „Markian wurde zum Kaiser gemacht mit Valentinian, und der 46. (Kaiser) seit Augustus regierte das Reich sieben Jahre“ – das traditionell akzeptiert wurde, aber seit dem späten 20. Jahrhundert doch infrage gestellt wird. Beda bietet auch mehr Information über die Wilden, die Vortigern nach Britannien einlud: er gibt ihren Anführern Namen, Hengest und Horsa, und identifiziert ihre Stämme: Sachsen, Angeln und Jüten. (H.E., 1.14,15). Die Darstellung in der Anglo-Saxon Chronicle wartet mit einer großen Menge an Details auf. Die Chronik liefert Daten und Orte von vier Schlachten, die Hengest und sein Bruder Horsa gegen die Briten im Südosten schlugen, in den historischen Grafschaften Kent und Middlesex. Vortigern soll der Anführer der Briten nur in der ersten Schlacht gewesen sein, die Gegner in den drei nächsten Treffen werden abwechselnd „Briten“ und „Waliser“ genannt – was nicht unüblich für diesen Teil der Chronik ist – aber die sächsischen Invasoren tragen in jedem Aufeinandertreffen den Sieg davon. Die Historia Britonum zählt die gleichen vier Schlachten im Südosten des Landes auf, behauptet aber, das Vortigern oder sein Sohn Vortemir alle vier Schlachten gewonnen hätten. Da das Entstehungsdatum der Historia Britonum nicht eindeutig ist und auch später als das der Chronik liegen könnte, wird argumentiert, dass die Historia Britonum ihr Material aus einer Quelle nahe der Chronik geschöpft haben könne, aber legt man beide Berichte nebeneinander, dann wundert man sich über die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede, und fragt sich, ob nicht beide auf eine ältere Überlieferung zurückgehen. Die Historia Britonum liefert mehr Informationen über Vortigern als eine Auflistung der vier Schlachten, die sich aber in mehreren Punkten widersprechen. Diese Widersprüche lassen sich aber verstehen, wenn man die Teile der Historia eingruppiert, die ihren möglichen Ursprung widerspiegeln. Außer dem was von Gildas übernommen wurde, ergeben sich fünf Stränge:
- Material aus dem Leben des Sankt Germanus. Diese Auszüge beschreiben Sankt Germanus' Zusammentreffen mit einem Benlli, einem ungastlichen Gastgeber, der zu einem unziemlichen Ende kommt, während sein Knecht, der Gastfreundschaft ausübt, zum Vorfahren der Könige von Powys wird; Vortigerns Sohn von seiner eigenen Tochter, den Germanus am Ende fördert, und Vortigerns eigenes Ende durch ein vom Himmel fallendes Feuer durch Germanus’ Gebete.
- Erzählungen, die erklären, warum Vortigern den Sachsen Land in Britannien versprach – erstens Thanet im Austausch für den Dienst in der Armee, dann den Rest von Kent gegen Hengest’s Tochter, dann Essex und Sussex nach einem Bankett, bei dem die Sachsen heimtückisch alle britischen Anführer töteten, aber Vortigern verschonten, um eben dieses Lösegeld zu erhalten.
- Die Zaubererzählung von Ambrosius und den beiden Drachen, die bei Dinas Emrys (walisisch für "Festung des Ambrosius") gefunden wurden.
- Eine Anzahl von Berechnungen zum Versuch, das Jahr festzulegen, in dem Vortigern die Sachsen nach Britannien einlud (was danach um 429 gewesen sein soll); und
- Genealogisches Material über Vortigerns Ahnen, die Namen seiner drei Söhne Vortimer, Pascent und Catigern, das ihn mit Gloucester in Verbindung bringt. Die Geschichten der Historia Britonum offenbaren den Versuch eines oder mehrerer anonymer britischer Schreiber, mehr Detailreichtum unterzubringen und die Texte gleichzeitig an die Tatsachen der britischen Überlieferung anzupassen. Dies ist ein wichtiger Punkt, als dass deutlich wird, dass in dieser Zeit einer oder mehrere walisische Könige versuchten, ihre Genealogie zurück bis zu Vortigern zu verfolgen. Es war dann Geoffrey von Monmouth, der die Geschichte von Vortigern in ihre bekannteste Form brachte. Geoffrey – oder die mündliche Überlieferung, die er aufgeschrieben hat – versuchte, das widersprüchliche Material der Historia Britonum in eine stimmige Erzählung umzuformen. Zwei der neuen Elemente können aus zeitgemäßer mündlicher Überlieferung stammen: das Bankett, bei dem die Sachsen die Briten überfielen, und das im modernen Wiltshire lokalisiert wird, und die Figur des Grafen Eldol von Gloucester, der sich aus der Falle freikämpft, um Aurelius Ambrosius als Dienstmann zur Verfügung zu stehen (Geoffrey formt den Namen aus der Figur des Ambrosius Aurelianus bei Gildas). Nach Geoffrey nahm sich Wace des Materials an und fügte weiteres über Vortigern hinzu, und die Forschung konzediert ihm weitaus glaubwürdigere Aufzeichnung der mündlichen Überlieferung gemacht zu haben als Geoffrey von Monmouth. Vortigern erscheint auch in den späteren Erzählungen der Artussage, aber wenn, dann wird er üblicherweise so beschrieben wie bei Geoffrey oder Wace. ---- John Henry Ireland, ein notorischer Fälscher von Shakespeares Manuskripten, behauptete ein verlorenes Stück von ihm wiedergefunden zu haben, betitelt Vortigern und Rowena, das am 2. April 1796 am Drury Lane Theatre aufgeführt wurde. Aber schon die Uraufführung ging im Gelächter des Publikums und der Schauspieler unter... Kategorie:Britische Geschichte Kategorie:Mann Kategorie:Mittelalter (Literatur) Kategorie:Artusepik Kategorie:Historiographie

Geoffrey von Monmouth

Geoffrey von Monmouth (lat. Galfredus) (
- um 1100 in Monmouth, † ca. 1154 in Cardiff) war ein britischer Geistlicher und Gelehrter, der zu einem der ersten Historiker Britanniens wurde. Geoffrey verfasste die Historia Regum Britanniae (um 1135), die nach antikem Vorbild das Leben der britischen Könige beschreibt. Die Historia beginnt mit Brutus dem Trojaner, der als Ahnherr aller Briten festgeschrieben wird und reicht bis Cadwallon, dem König von Nordwales, der von ca. 625-634 regierte. Auch die Artussage wird hier erstmals in ihrer ausgeschmückten Form vorstellt. Es handelt sich um eine typische ethnogenetische Erzählung mit sehr vielen sagenhaften Elementen, die aber Material aus der walisischen Überlieferung aufgreift. Durch seine Historia erlangte Geoffrey die Gunst des Earl von Gloucester, der ihn um 1140 zum Erzdiakon von Llandaff und 1152 zum Bischof von Asaph ernannte. Um 1150 schrieb Geoffrey die Vita Merlini, die die Artus-Sage weiter ausschmückt.

Werke


- The History of the Kings of Britain; [ins Engl.] übers. v. Lewis Thorpe, Harmondsworth 1966

Literatur


- Geoffrey Ashe, ›A Certain Very Ancient Book‹: Traces of an Arthurian Source in Geoffrey of Monmouth’s History; in: Speculum 56 (1981), 301–323
- W.R.J. Barron und S.C. Weinberg (Hg.), Laæamon’s Brut or Hystoria Brutonum; Essex u. New York 1995
- Christopher Brooke, Geoffrey of Monmouth as a Historian; in: ders. u.a. (Hg.), Church and Government in the Middle Ages. Essays presented to C.R. Cheney on His 70th Birthday, Cambridge 1976, 77–91
- T.D. Crawford, On the Linguistic Competence of Geoffrey of Monmouth; in: Medium Ævum 51 (1982), 152–162
- Julia C. Crick, The Historia Regum Britannie of Geoffrey of Monmouth; Tl.3: A Summary Catalogue of the Manuscripts; Cambridge 1989
- dies., a.a.O., Tl.4: Dissemination and Reception in the Middle Ages; Cambridge 1991
- Michael J. Curley, Geoffrey of Monmouth; New York 1994
- Christopher Dean, Arthur of England: English Attitudes to King Arthur and the Knights of the Round Table in the Middle Ages and the Renaissance; Toronto u.a. 1987
- E.M.R. Ditmas, A Reappraisal of Geoffrey of Monmouth’s Allusions to Cornwall; in: Speculum 48 (1973), 510–524
- Edmond Faral (Hg.), La légende Arthurienne: études et documents; 3 Bde., Paris 1929
- Valerie J. Flint, The Historia Regum Britanniae of Geoffrey of Monmouth: Parody and Its Purpose. A Suggestion; in: Speculum 54 (1979), 447–468
- Maureen Fries, Boethian Themes and Tragic Structure in Geoffrey of Monmouth’s Historia Regum Britanniae; in: Mary Flowers Braswell und John Brugge, The Arthurian Tradition: Essays in Convergence, Tuscaloosa 1988, 29–42
- John Gillingham, The Context and Purposes of Geoffrey of Monmouth’s History of the Kings of Britain; in: Anglo-Norman Studies 13 (1990), 99–118
- George Gordon, The Trojans in Britain; in: W.P. Ker (Hg.), Essays and Studies by Members of The English Association, Oxford 1924
- Antonia Gransden, Historical Writing in England c. 550–c. 1307; London 1974
- Acton Griscom und R.E. Jones (Hg.), The Historia Regum Britanniae of Geoffrey of Monmouth with contributions to the study of its place in early British history; New York 1929
- ders., The Date of Composition of Geoffrey of Monmouth’s Historia: New Manuscript Evidence; in: Speculum 1 (1926); 129–156
- Victoria M. Guerin, The King’s Sin: The Origins of the David-Arthur Parallel; in: Christopher Baswell und William Sharpe (Hg.), The Passing of Arthur: New Essays in the Arthurian Tradition, New York 1988, 15–30
- J. Hammer, Geoffrey of Monmouth’s Use of the Bibie in the Historia Regum Britanniae; in: Bulletin of the John Rylands Library 30 (1946/47), 293–311
- Robert W. Hanning, The Vision of History in Early Britain: From Gildas to Geoffrey of Monmouth; New York 1966
- Francis Ingledew, The Book of Troy and the Genealogical Construction of History: The Case of Geoffrey of Monmouth’s Historia Regum Britanniae; in: Speculum 69 (1994), 665–704
- Stephen Knight, Arthurian Literature and Society; New York 1983
- Hugh A. MacDougall, Racial Myth in English History; Montreal 1982
- William Matthews, Where was Siesia-Sessoyne?; in: Speculum 49 (1974), 680–689
- James Noble, Patronage, Politics, and the Figure of Arthur in Geoffrey of Monmouth, Wace and Layamon; in: The Arthurian Yearbook (1992), 159–178
- Monika Otter, Inventiones: Fiction and Referentiality in Twelfth-Century English Historical Writing; Chapel Hill 1996
- O.J. Padel, Geoffrey of Monmouth and Cornwall; in: Cambridge Medieval Celtic Studies 8 (1984), 1–28
- John Jay Parry und Robert A. Caldwell, Geoffrey of Monmouth; in: R.S. Loomis (Hg.), Arthurian Literature in the Middle Ages: A Collaborative History, London u. Oxford 1959
- Rupert T. Pickens, Arthur’s Channel Crossing: Courtesy and the Demonic in Geoffrey of Monmouth and Wace’s Brut; in: Arthuriana 7.3 (1997), 3–19
- S. Piggott, The Sources of Geoffrey of Monmouth, Tl.1: The ›Pre-Roman‹ King-List, in: Antiquity 15 (1941), 269–286
- ders., a.a.O., Tl.2: The Stonehenge Story; Antiquity 15 (1941), 305–319
- Michael D. Reeve, The Transmission of the Historia Regum Britanniae; in: Journal of Medieval Latin 1 (1991), 73–117
- B.F. Roberts, Geoffrey of Monmouth and the Welsh Historical Tradition; in: Nottingham Medieval Studies 20 (1976), 29–40
- H.E. Salter, Geoffrey of Monmouth and Oxford; in: English Historical Review 34 (1919), 382–385
- Martin B. Shichtman und Laurie A. Finke, Profiting from the Past: History as Symbolic Capital in the Historia Regum Britanniae; in: Arthurian Literature XII (1994), 1–35
- Susan M. Shwartz, The Founding and Betrayal of Britain: An Augustinian Approach to Geoffrey of Monmouth’s Historia Regum Britanniae; in: Medievalia et Humanistica: Studies in Medieval and Renaissance Culture 10 (1981), 33–53
- J.S.P Tatlock, The Legendary History of Britain: Geoffrey of Monmouth’s Historia Regum Britanniae and Its Early Vernacular Versions; Berkeley u. Los Angeles 1950
- Richard Waswo, Our Ancestors, the Trojans. Inventing Cultural Identity in the Middle Ages; in: Exemplaria 7 (1995), 269–290
- Neil Wright, Geoffrey of Monmouth and Gildas; in: Arthurian Literature 2 (1982): 1–40

Weblinks


- Geoffrey von Monmouth Geoffrey von Monmouth Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (12. Jh.) Geoffrey von Monmouth Geoffrey von Monmouth Geoffrey von Monmouth Geoffrey von Monmouth Geoffrey von Monmouth Kategorie:Brite

Historia Regum Britanniae

Geoffrey von Monmouth schrieb seine Historia Regum Britanniae (Geschichte der Könige Britanniens) um 1136. Dabei handelt es sich um eine Chronik der Könige der Briten in einer Erzählung, die einen Zeitraum von 2000 Jahren umfasst. Sie beginnt mit Troja in Homers Ilias und reicht bis zu den Angelsachsen und deren Übernahme der Macht in Britannien im 7. Jahrhundert. Sie wurde Mitte des 13. Jh. von isländischen Gelehrten rezipiert und unter dem Titel Breta sögur übertragen. Unter den vielen Herrschern, die in der Historia erwähnt werden, sind die bekanntesten:
- Brutus von Britannien – Gründete die britische Kolonie und benannte die Insel nach sich
- König Lear – romantisiert in Shakespeares Schauspiel König Lear
- Cassivelaunus – König der Briten zur Zeit der Invasion Caesars
- Cymbeline - parodiert in Shakespeares Tragikomödie
Cymbeline
- Lucius von Britannien - erster christlicher König in Britannien
- Old King Cole – der König aus dem Kinderlied
- Konstantin der Große – erster christlicher römischer Kaiser
- Vortigern – der König aus vielen mittelalterlichen Geschichten
- Artus – der berühmteste der legendären Könige Geoffreys Geschichte ist grob und unzuverlässig, ist aber die Basis für einen großen Teil der englischen Überlieferung und Literatur. Seine Quellen sind Nennius, Gildas und die walisischen Chroniken, sowie verlorene Dokumente, auf die er sich ebenso bezieht. Die meisten Historiker sehen seine Historia Regum Britanniae als Mischung aus Dichtung und Wahrheit. Siehe auch
Breta sögur. Dort ist auch die schematische Darstellung des Geschichtsablaufs wiedergegeben. Kategorie:Mittelalter (Literatur) Kategorie:Artusepik

Normannen

Normannen sind im heutigen französischen Sprachgebrauch (normands) die Bewohner der Normandie. Tatsächlich ist die Normandie nach den „Nordmännern“ benannt, einer Gruppe von Wikingern, die, aus Skandinavien kommend, in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts kriegerisch in Nordfrankreich eindrangen und schließlich unter Herzog Rollo im Jahr 911 durch den Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte das untere Seine-Becken von Karl III. von Frankreich als Lehen empfingen. Lehen Die Normannen nahmen die französische Sprache an und entwickelten eine eigenständige kulturelle Identität, die sie sowohl von ihren skandinavischen Vorfahren als auch von ihren frankogallischen Nachbarn unterschied. Einzelne Normannengruppen dehnten mit dem beginnenden 11. Jahrhundert ihre Streifzüge bis in den Mittelmeer-Raum aus und setzten sich um Aversa und Capua fest. Schließlich gelangten sie in beinahe ganz Süditalien und Sizilien, das sie von den Sarazenen eroberten, an die Herrschaft (siehe auch: Apulien, vor allem Geschichte 1000 - 1050). Im Jahr 1066 eroberte der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer England. Das Nebeneinander von normannischem, französischsprachigem Adel und einheimischer, altenglischsprachiger Bevölkerung hat die englische Sprache bis auf den heutigen Tag entscheidend geprägt. In mittelalterlichen Chroniken werden die Bezeichnungen Normanne und Nordmanni oft als Synonyme für Wikinger oder Skandinavier verwendet.

Literatur


- Heath, Ian et al.: Wikinger und Normannen. Siegler, 2003. - ISBN 3-87748-630-4
- Rowley, Trevor: Die Normannen. Essen: Magnus, 2002. - ISBN 3-88400-017-9

Siehe auch


- Al-Madjus
- Theelacht Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Germanischer Stamm ja:ノルマン人

Pelagianismus

Pelagianismus ist der Glaube, dass die Erbsünde die menschliche Natur nicht verderben kann (die – von Gott stammend – auch göttlich sei), und dass der sterbliche Wille in der Lage ist, zwischen Gut und Böse ohne göttlichen Beistand zu unterscheiden. Somit war Adams Sünde ein schlechtes Beispiel für seine Nachkommen, aber seine Handlungen hatten nicht die Konsequenzen, die der Erbsünde zugerechnet werden. Der Pelagianismus sieht die Rolle von Jesus Christus als gutes Beispiel für die Menschen (und somit Adams schlechtem Beispiel entgegenwirkend). Daher hat die Menschheit den vollen Einfluss auf und damit auch die volle Verantwortung für ihr Seelenheil und ihre Sünden – und auf letzteres dringen Befürworter und Gegner des Pelagianismus gleichermaßen. Es ist strittig, ob der Mönch und Moralist Pelagius solch eine extreme Sicht vertreten hat. Nach anderen Quellen hat der britische Mönch († um 418) diese Lehre begründet, die dann abschließend auf dem Konzil zu Ephesus 431 von der Kirche verurteilt wurde. Der Pelagianismus wurde von Augustinus von Hippo bekämpft (Pelagianischer Streit), was zu seiner Verurteilung als Häresie auf verschiedenen lokalen Synoden, u.a. dem Konzil von Orange, und schließlich auf dem Konzil von Ephesus führte, wenngleich es nicht zu den hauptsächlichen Ergebnissen dieses Konzils gezählt wird; denn in der Ostkirche spielte der Pelagianismus nie eine wesentliche Rolle. Auch Johannes Cassianus (um 360 - 435) wurde wegen seiner Schrift De incarnatione Christi contra Nestorium von Augustinus angegriffen und des Semipelagianismus beschuldigt. Der bedeutendste theologische und philosophische Kopf der sogenannten Pelagianer war Julianus von Eclanum, der eine philosophische Position von der Freiheit des Menschen formulierte, die derjenigen seines Gegners Augustinus zumindest ebenbürtig war.

Literatur


- K. Flasch, Augustin. Einführung in sein Denken, Stuttgart 1980.
- G. Greshake, Gnade als konkrete Freiheit. Eine Untersuchung zur Gnadenlehre des Pelagius, Mainz 1972.
- M. Lamberigts, Recent Research into Pelagianism with Particular Emphasis on the Role of Julian of Aeclanum, in: Augustiniana 52 (2002), S. 175-198.
- J. Lössl, Julian von Aeclanum. Studien zu seinem Leben, seinem Werk, seiner Lehre und ihrer Überlieferung, Leiden / Boston / Köln 2001.
- A. U. Sommer, Das Ende der antiken Anthropologie als Bewährungsfall kontextualistischer Philosophiegeschichtsschreibung: Julian von Eclanum und Augustin von Hippo, in: Zeitschrift für Religion- und Geistesgeschichte, Bd. 57 (2005), Heft 1, S. 1-28.

Weblinks


- [http://www.lebensquellen.de/themen/heilslehre/pelagianismus/01ae51932f0fae323.html Pelagianischer Gnadenstreit] Kategorie:Dogmatik Kategorie:Historische christliche Bewegung ja:ペラギウス主義

Inzest

Inzest (auch Blutschande) bezeichnet den Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten. Viele Kulturen (Religionen) kennen ein Inzesttabu. Der Begriff ist abzugrenzen von der Inzucht, welches in der Tier- und Pflanzenzucht als ein gebräuchliches Verfahren zur Stabilisierung bestimmter Merkmale angewendet wird. Die früher verbreiteten Eheschließungen unter nahen Verwandten im europäischen Hochadel oder in abgelegenen, ländlichen Gegenden wird ebenfalls nicht als Inzest, sondern als soziale Inzucht bezeichnet.

Inzest als soziologisches Untersuchungsfeld

Universell abgelehnt wird heutzutage der Geschlechtsverkehr zwischen Voll-Geschwistern und Eltern und ihren Kindern. Dieser ist nach den Gesetzen aller modernen Staaten verboten. In Schweden werden Ehen zwischen Halb-Geschwistern in Ausnahmefällen toleriert. Geschlechtliche Beziehungen zwischen entfernteren Verwandten werden in verschiedenen Gesellschaftssystemen unterschiedlich bewertet: So ist eine Ehe zwischen Vetter und Kusine erster Ordnung in 31 US-Bundesstaaten und in vielen Balkan-Ländern verboten, während sie im arabisch-orientalischen Raum als bevorzugte Form der Heirat gilt. Daneben gilt auch der Geschlechtsverkehr zwischen verschwägerten Personen in manchen Gesellschaften als Inzest. Für Cousin und Cousine zweiten Grades oder noch weiter entfernte Verwandte besteht in keinem Land ein Ehehindernis. "Verwandtschaft" verbietet jedoch nicht nur Ehen, sie kann sie auch gebieten; "Inzest" als Verbrechen ist das dann nur aus dem Blickwinkel einer fremden Kultur. So ist in etlichen Stammesgesellschaften die Kreuzkusinenheirat vorgeschrieben. Es kann sogar der - dann eheliche - Geschlechtsverkehr zwischen Geschwistern vorgeschrieben sein, meist nur in hoher sozialer Position. Ein bekanntes Beispiel ist die Pharaonendynastien (geschichtlich z. B. der Ptolemäer) im antiken Ägypten (304 v. Chr. - 30 v. Chr.), die Geschwisterehen auf dem Thron vorschrieb; dies wird als Resultat der Machtzentralisierung bei matrilinearer Erbfolge von Hohepriesterinnen bei gleichzeitiger Patrilinearität einer Erbmonarchie angesehen.

Charakteristiken eines Tabus

Zu der Charakteristik eines Tabus zählt auch die aktive Ausgrenzung des Themas. Beim Inzest wird das Vorkommen des Inzests selbst ausgeblendet, d.h., tatsächlicher Geschlechtsverkehr zwischen Geschwistern oder zwischen Eltern und ihren Kindern wird nicht wahrgenommen, verleugnet oder, wenn es nicht anders geht, verharmlost. Im weiteren werden etwaige Folgen eines Inzests, nämlich die Kinder, in weiten Bevölkerungskreisen offenbar grundsätzlich als behindert angesehen, um eine geistige Abgrenzung gegenüber "normal" entstandenen Kindern zu vollziehen. Selbst in Medizinerkreisen, wo eigentlich bessere Informationen vorliegen sollten, kursieren Gerüchte über Anstalten, in denen angeblich die behinderten Kinder aus Inzestbeziehungen verwahrt würden.

Gesetzeslage heute

Inzest wird in vielen Staaten strafrechtlich verfolgt. In Deutschland und Österreich allerdings nur zwischen in gerader Linie verwandten – also Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, … und deren Kindern, Enkelkindern, Urenkelkindern … – sowie zwischen voll- und halbbürtigen Geschwistern. In Deutschland werden Abkömmlinge und Geschwister nicht bestraft, wenn sie zur Tatzeit jünger als 18 Jahre waren. In Österreich wird nicht bestraft, wer zur Tatzeit jünger als 19 Jahre war und zur Tat verführt wurde. In Deutschland ist der Tatbestand auch erfüllt, wenn das Verwandtschaftsverhältnis im Sinne des Bürgerlichen Rechts bereits erloschen ist. Im Jahr 2003 hat es insgesamt zehn Verurteilungen zu § 173 StGB auf dem Gebiet der früheren Bundesrepublik Deutschland (Westdeutschland) gegeben. Das französische Strafgesetzbuch, der Code pénal français, stellt Inzest nicht mehr unter Strafe. Verschiedene Länder folgen ihm heute, so wird Inzest heute in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Portugal, der Türkei, Japan, Argentinien, Brasilien und einigen anderen lateinamerikanischen Staaten nicht mehr bestraft. Betreffend der Eheschließung ist das kanonische Recht der Kirche strenger als das bürgerliche: Während z.B. für eine katholische Eheschließung zwischen Cousin und Cousine eine kirchliche Dispens erforderlich wäre, ist eine Ziviltrauung nur zwischen Geschwistern sowie Nachkommen und Vorfahren ausgeschlossen, in allen anderen Fällen ohne weiteres möglich.

Biologische Aspekte

Kommt es beim Inzest zur Fortpflanzung, nimmt die Variabilität der Gene bei so gezeugten Nachkommen und der Heterosis-Effekt ab, während die Homozygotie steigt. Dadurch wird das Risiko des Ausbruchs von heterozygoten Erbkrankheiten bei den Kindern erhöht, gleichzeitig werden aber positive Erbmerkmale propagiert. Meist beruht eine Erbkrankheit darauf, dass ein für den Stoffwechsel notwendiges Protein fehlt, da das entsprechende Gen "nicht richtig funktioniert", weil es (etwa durch Mutation) beschädigt ist. Es kann vorkommen, dass ein betroffenes Individuum eine Erbkrankheit nicht ausbildet, weil es von dem Gen jeweils eine "funktionierende" und eine "nicht funktionierende" Variante besitzt. (Diese Varianten bezeichnet man in der Genetik als Allele.) Wobei die "nicht funktionierende" Variante rezessiv ist, die "funktionierende" Variante hingegen dominant vererbt wurde. Dies hat zur Folge, dass die Erbkrankheit phänotypisch nicht ausgeprägt wird, also das betroffene Individuum selbst gesund ist. Sind nun zwei Eltern genetisch nah verwandt und hat ein Elternteil eine solches "nicht funktionierendes" Gen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der andere Elternteil auch ein solches nicht funktionierendes Gen besitzt. Ist dies der Fall und wird durch die beiden ein Nachkomme gezeugt, so tritt mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Fall ein, dass der Nachkomme zwei (rezessive) "nicht funktionierende Varianten" des Gens erhält. Dies führt dann zum phänotypischen Zutagetreten der Erbkrankheit bei diesem Nachkommen. Der Nachkomme ist erbkrank, da ihm zwei "rezessive Varianten des nicht funktionierenden Gens" vererbt wurden. ( Eine "dominante Variante des funktionierenden Gens" ist ja nun nicht vorhanden.) Wegen der großen Anzahl der Gene ist das Risiko für die Ausbildung erblicher Defekte dieser Art bei Nachkommen von genetisch nahe Verwandten recht hoch. So ist jedes zweite bis dritte Kind aus einer Beziehung zwischen Bruder und Schwester auffällig. Etwa jedes vierte ist geistig behindert, jedes siebte hat einen Geburtsdefekt, und jedes achte leidet unter einer bekannten rezessiven Krankheit. Nachkommen aus inzestuösen Beziehungen werden daher aus rechtlicher Sicht als Opfer der Straftat Inzest betrachtet. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit erbkranken Nachwuchses infolge Inzestes tatsächlich ist, ist in neuerer Forschung wohl strittig. In der Natur sind bisweilen Strategien zur Inzestvermeidung zu finden. Bei Pflanzen sind das etwa Blüten, die erst nur Pollen produzieren und danach zur Bestäubung geeignet sind oder umgekehrt. Bei Tieren und Menschen ist es der Geruchssinn, der genetisch nahe Verwandte in einer Weise riechen lässt, die keine sexuellen Gefühle aufkommen lassen soll und folglich Sex zwischen nahen Verwandten vermeiden hilft. Kinder, die bis zum sechsten Lebensjahr gemeinsam aufwachsen, entwickeln eine instinktive Inzesthemmung, und auch wenn sie nicht verwandt sind, werden sie im Erwachsenenalter höchstwahrscheinlich nicht miteinander sexuell aktiv. Die Ausbildung eines doppelten Chromosomensatzes, die mit der Sexualität selbst (also der Zeugung von Nachkommen durch mehr als einen Vorgänger) eng zusammenhängt, wird als Mittel der Natur gesehen, die negativen Folgen von Mutationen (erhebliche Benachteiligung des Organismus, wenn eine Gen-Kopie "nicht funktioniert") zu mindern, indem von jedem Gen mindestens eine zusätzliche Kopie in jeder Zelle vorhanden ist. Die Tierart mit der höchsten bekannten Inzestrate sind die Nacktmulle.

Literarische Verarbeitung

Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament der Bibel wird Inzest einheitlich verurteilt, wobei damit nicht nur Geschlechtsverkehr zwischen nahen Blutsverwandten, sondern auch zwischen nahen angeheirateten Verwandten gemeint ist (siehe 3. Mose 18, 6ff.). Neben den Inzesten, die in den Schöpfungsmythen vieler Völker vorkommen, kennt die Literaturgeschichte eine Vielzahl von gewöhnlich dramatischen Erzählungen, die das Thema Inzest behandeln. Eine klassische Geschichte ist die Ödipussage, in der ein ausgesetzter Sohn, ohne darum zu wissen, seine Mutter heiratet und mit ihr vier Kinder zeugt. Das Märchen Allerleirauh der Brüder Grimm handelt von einer inzestuösen Beziehung zwischen Vater und Tochter. Innerhalb der romantischen Literatur erscheint der Inzest teilweise als auslösendes Moment einer tragischen Geschichte. Etwa in E.T.A. Hoffmanns Die Elixiere des Teufels erfährt der Leser gegen Ende durch die Genealogie der Protagonisten, dass ein Fall von Inzest Auslöser war für den ausbrechenden Wahnsinn der Hauptfigur und ihres Doppelgängers, die in ihrem Wirrspiel quasi telepathisch verbunden erscheinen. Die Auslöschung der inzestuös entstandenen Familie erscheint als Ziel jener magischen bzw. wahnsinnigen Zustände. In Richard Wagners Oper Die Walküre entbrennen die Zwillinge Siegmund und Sieglinde in Liebe zu einander. In der Vereinigung der Geschwister (Zitat: "So blühe denn Wälsungenblut") wird der Held Siegfried gezeugt. Auch in Der Erwählte von Thomas Mann findet sich die Dualität von besonderer Tragik in Verbund mit einer gewissen Auserwähltheit. Hier wird der aus einer mittelalterlichen Erzählung, dem Gregorius Hartmanns von Aue entstammende Protagonist am Ende nach langen Leidens- und Bußejahren zum Papst erhoben. In Thomas Manns Novelle Wälsungenblut ist das Thema Inzest zwischen Geschwistern ebenfalls zentral, in Joseph und seine Brüder taucht es (in den Eltern des Potiphar) am Rande auf. In Ian McEwans Buch Der Zementgarten übernehmen der minderjährige Jack und seine Schwester Julie nach dem Tod beider Eltern deren Rolle, wobei es in letzter Konsequenz auch zum Inzest zwischen den beiden Geschwistern kommt. Eine moderne Version ist Max Frischs Homo faber. Eine autobiographische Aufbereitung des eigenen Missbrauchs schildert Kathryn Harrison in Ich bin die Tochter, die keiner sieht (1997, ISBN 3426269791) Auch Joanne K. Rowling greift die Thematik Inzest im 6. Buch Harry Potter und der Halbblutprinz auf. Es wird schon im 2. Buch angedeutet, dass sich die so genannten Reinblüter nur untereinander verheiraten. Im 6. Buch wir