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Amerika (Kontinent)
Der amerikanische Kontinent erstreckt sich in seiner Nord-Südachse vom 83. Breitengrad Nord (Kap Columbia) bis zum 56. Breitengrad Süd (Kap Hoorn). Dies entspricht ca. 15.000 Kilometer Nord-Süd Ausdehnung. Der östlichste Punkt liegt in Brasilien auf dem 35. Längengrad West und der westlichste in Nordamerika auf dem 172. Längengrad Ost auf Attu, einer Aleuteninsel. Mit einer Landfläche von etwa 42 Millionen Quadratkilometern ist er nach Asien der zweitgrößte Kontinent der Welt.
Klassischerweise teilt man den amerikanischen Kontinent in Nord-, Mittel- und Südamerika auf. Dies ist auch in plattentektonischer Hinsicht sinnvoll, da Nordamerika größtenteils auf der nordamerikanischen Platte, Südamerika größtenteils auf der südamerikanischen Platte und Mittelamerika auf der Karibischen Platte ruhen. Durch die politische Grenzziehung, die sich bekanntlich nicht an der Plattentektonik orientiert, gibt es jedoch Abweichungen dieser Zuordnung.
Der Name Amerika ist vom Namen des Italieners Amerigo Vespucci (1454-1512) abgeleitet, der klargestellt hat, dass der im Zuge der mit Christoph Kolumbus einsetzenden transatlantischen Fahrten wiederentdeckte Erdteil nicht Indien oder Asien ist. Der Freiburger Kartograph Martin Waldseemüller trug den neuentdeckten Kontinent 1507 auf einer Weltkarte als "America" ein. Die Bezeichnung "Indianer" für die Ureinwohner Amerikas geht auf die Annahme zurück, es handele sich bei Amerika um Indien.
Alternative Bezeichnungen des Doppelkontinentes Amerika sind Westliche Hemisphäre, Neue Welt, Westfeste (veraltet), vierter Kontinent (veraltet).
Nordamerika
Zu Nordamerika gehören Grönland, Kanada, die USA, Mexiko und mehrere Inselstaaten.
Besonders erwähnenswert ist, dass ein Teil Nordamerikas auf der Pazifischen Platte liegt. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um die Halbinsel Niederkalifornien in Mexiko sowie den Küstenstreifen Kaliforniens von San Diego bis nördlich von San Francisco. Der Bruch zwischen der pazifischen und der nordamerikanischen Platte wird San Andreas-Graben genannt. Beide Platten driften beständig nach Norden, die pazifische Platte jedoch mit einer höheren Geschwindigkeit. Dadurch gleiten beide Platten aneinander vorbei. Da dies nicht reibungslos passiert, sondern sich beide Platten an verschiedenen Stellen verhaken, kommt es sehr häufig zu Erdbeben in diesem Gebiet.
Im westlichen Teil befinden sich die Rocky Mountains, die westlichen Kordilleren und die Sierra Madre Occidental, die hauptsächlich durch den Druck der pazifischen Platte auf die nordamerikanische Platte vor ca. 80 Millionen Jahren entstanden sind. Im Norden ist Grönland mit seinem Inlandpackeis und weiter südlich zwischen Kanada und den USA die großen Seen erwähnenswert, die Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit sind. Hier befindet sich der nach dem Kaspischen Meer zweitgrößte See der Welt, der Lake Superior mit einer Fläche von etwa 82.000 Quadratkilometern. Auf der östlichen Seite finden sich die Appalachen, die mit einem Alter von ca. 400 Millionen Jahren zu den ältesten Gebirgen der Welt gehören. Zwischen den Appalachen und den Rocky Mountains finden sich die Great Plains, eine zentrale Tiefebene, durch die der Missouri und der Mississippi fließen. Das Mississippital wird auch Tornado Alley genannt, da hier sehr häufig Tornados entstehen.
Mittelamerika
Portal: Mittelamerika
In Mittelamerika gibt es sehr viele tätige Vulkane an der Pazifikküste. Der Lago de Nicaragua hat mehrere hundert Inseln, davon sind einige auch tätige Vulkane. Entstanden ist dieser See durch vulkanische Abtrennung vom Pazifik, wodurch sich hier einzigartige Süßwasservarianten von Haien und Schwertfischen gebildet haben.
In Mittelamerika liegt der Panamakanal, der den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean verbindet.
Südamerika
Portal: Südamerika
Mehr als die Hälfte Südamerikas ist tropisches Gebiet. Im westlichen Bereich dominieren die Anden, das größte Gebirge Amerikas, das Landschaftsbild. Der höchste Berg von Amerika ist der nordöstlich von Santiago de Chile liegende, vergletscherte Aconcagua mit 6.962,97 Metern Höhe. Die Anden entstanden durch die Subduktion der so genannten Nazca-Platte unter die südamerikanische Platte. Als tektonisch aktives Gebiet finden sich entlang der westlichen Küste viele Vulkane, die weiter im Süden zu einer Feuerland genannten Vulkan- und Geysirtundra hin ausläuft.
Zwischen Anden und Pazifik liegt im heutigen Nordchile die extrem aride Atacama-Wüste.
Im Nordosten findet sich das Bergland von Guayana und südlich davon das Amazonas-Becken mit dem Amazonas, seinen unzähligen Zuflüssen, fruchtbaren Überschwemmungsgebieten und Urwäldern. Der Amazonas befördert 1/5 des ins Meer fließenden Süßwassers. Das Becken wird im Süden begrenzt vom stark verwitterten Brasilianischen Bergland.
Siehe auch
- Geschichte Amerikas
- Entdeckung Amerikas 1492
- Entdeckung Amerikas
- Amerikanologie
- Martin Waldseemüller
Weblinks
Kategorie:Kontinent
ja:アメリカ州
ko:아메리카
simple:The Americas
th:ทวีปอเมริกา
zh-min-nan:Bí-chiu
BreitengradDie geografische Breite φ (englisch latitude, auch deutsch abgekürzt mit Lat., lat. oder LAT) ist die im Winkelmaß angegebene nördliche oder südliche Entfernung eines Ortes (Punktes) der Erdoberfläche vom Äquator. Die Breite kann Werte von 0° (am Äquator) bis 90° (am Pol) annehmen. Nord und Süd sind dabei als Vorzeichen anzusehen.
Beispiele
Koordinaten von München: ca. 48° 9' Nord (geografische Breite), 11° 35' Ost (geografische Länge)
San Francisco: ca. 37 Grad Nord, 122 Grad West
Orte mit derselben Breite liegen auf einem Breitenkreis, auch Breitenparallel oder Parallelkreis genannt.
Zur Identifikation eines Punktes, zur Bestimmung seiner geografischen Lage, wird zusätzlich zur Breite die Angabe seiner Länge benötigt.
Unterteilung
Die geografische Breite wird in Bogengrad, -minuten und -sekunden angegeben, wobei eine Minute 60 Sekunden und ein Grad 60 Minuten entsprechen (wie in der Zeitangabe). Bei Dezimalgrad/-minuten/-sekunden kommt das Dezimalsystem zur Anwendung.
Es gibt verschiedene Methoden der Darstellung, z. B.:
# Grad, Dezimalminuten: 66° 43,2'.
# Dezimalgrad: 66,72°
# Grad, Minuten, Sekunden: 66° 43' 12"
# Grad, Minuten, Dezimalsekunden: 66° 43' 12,96"
Nur die erste Form ist in der Flugnavigation und seit Langem auch in der Nautik gebräuchlich.
Der Abstand einer Bogenminute beträgt am Äquator und auf einem Meridian eine Seemeile bzw. 1852 Meter, während der Abstand (einer Bogenminute) auf einem Breitenkreis (nördlich oder südlich des Äquators) kleiner ist.
Bei der Angabe von Ortskoordinaten ist die Breite stets zuerst anzugeben, dann erst die Länge: „B vor L, wie im Alphabet“. Ihren Grund hat diese Konvention in der Geschichte: die Breite konnte bereits Jahrhunderte vor der Länge ziemlich exakt bestimmt werden.
Ermittlung der Breite
Die Breite lässt sich sehr einfach aus dem Sonnenhöchststand bestimmen (Mittagsbreite), oder aus der Höhe kulminierender Sterne.
Auf der Nordhalbkugel der Erde gibt die Höhe des relativ hellen Polarsterns über dem Horizont ziemlich genau den Breitengrad an: Am Äquator erscheint der Polarstern am Horizont, am Nordpol steht er nahezu senkrecht am Himmel. Der Fehler, der aus dem ca. zwei-Grad-Abstand des Polarsterns vom Pol entsteht, beträgt wegen der Erddrehung zweimal täglich 0°, zweimal 2° und kann mit einfachsten Mitteln verringert werden.
Bereits die Seefahrer des 15. Jahrhunderts verstanden die Breite zur Navigation zu nutzen. Wer hingegen auf umständliche astronomische Messungen zur Bestimmung der Länge verzichten will oder (auf See) muss, braucht eine genaue Uhrzeit.
geodätische, ellipsoidische, astronomische, geozentrische Breite
Wird als Erdmodell ein Rotationsellipsoid verwendet, so enspricht die ellipsoidische Breite dem Winkel zwischen der Äquatorebene und der Ellipsoidnormalen. Diese Breite wird auch geodätische Breite genannt.
Mit astronomischer Breite bezeichnen Geodäten den Winkel zwischen der tatsächlichen Lotrichtung und der Äquatorebene.
Lotrichtung und Ellipsoidnormale verlaufen in der Regel nicht durch den Erdmittelpunkt.
Die Richtung zum Erdmittelpunkt wird durch die Geozentrische Breite ausgedrückt.
Siehe auch
Navigation, Konfluenzpunkt
Weblinks
- http://www.explorermagazin.de/gps/gpsbas1.jpg
Kategorie:Geodäsie
Kategorie:Nautik
ja:緯度
Kap ColumbiaDas Kap Columbia (englisch: Cape Columbia) ist der nördlichste Punkt des amerikanischen Kontinents. Es liegt auf der Ellesmere-Insel im Kanadisch-Arktischen Archipel auf etwa 800 km vom Nordpol entfernt.
Erstmals erreicht wurde das Kap vom britischen Forscher George Nares bei einer Expedition 1875-76.
Columbia
Kategorie:Geographie (Kanada)
Kap Hoorn Kap Hoorn (span. Cabo de Hornos), auf 55° 59' südliche Breite und 67° 16' westliche Länge, wird allgemein als der südlichste Punkt Südamerikas angesehen. Es trennt den atlantischen vom pazifischen Ozean.
Das Kap wurde erstmals von einer Expedition der niederländischen Seefahrer Willem Cornelisz Schouten und Jakob Le Maire am 29. Januar 1616 umrundet. Sie hatten eine neue Passage zum Pazifik gesucht, da holländische Schiffe die Magellanstraße nur benutzen durften, wenn sie der Niederländischen Ostindien-Kompanie gehörten (Schoutens und Le Maires Schiffe gehörten der konkurrierenden Niederländischen Australischen Kompanie). Das Kap wurde nach Schoutens Geburtsort, der im holländischen Teil Flanderns gelegenen Stadt Hoorn benannt.
Hoorn
Hoorn
Kap Hoorn liegt auf der zu Chile gehörenden Felseninsel Isla Hornos im Feuerlandarchipel, ist also nicht der südlichste Punkt des amerikanischen Festlands. Dies ist die Halbinsel Brunswick, etwa 260 km nördlicher. Die südlichsten Inseln sind die etwa 100 km weiter südwestlich gelegenen, ebenfalls zu Chile gehörigen Diego-Ramirez-Inseln.
Bis zur Fertigstellung des Panamakanals im Jahr 1914 war für Handelssegler die Umschiffung des berüchtigten Kaps die einzige Möglichkeit, vom Atlantik in den Pazifik zu gelangen – die Magellanstraße kam wegen der schwierigen Wetter- und Strömungsverhältnisse nur für die Dampfschifffahrt in Frage.
Die Umrundung des Kaps gehörte zu den meistgefürchteten Schifffahrtsrouten. Insbesondere die Passage in westlicher Richtung war wegen der ständigen Weststürme äußerst gefährlich und schwierig. Man verglich ab der Zeit des Goldrauschs die Zeiten, die ein Schiff brauchte, um vom 50. südlichen Breitengrad um das Kap herum wieder auf 50° S zu gelangen: Der amerikanische Windjammer Edward Sewall musste dafür im Frühjahr 1914 67 Tage und mehr als 5.000 Seemeilen kreuzen! William Bligh, Kommandant der Bounty, entschloss sich am 22. April 1788 nach mehr als vierwöchigem Kampf um das Kap, lieber umzukehren und Tahiti über das Kap der Guten Hoffnung anzusteuern.
Schätzungen zufolge wurde die See vor dem Kap Hoorn mehr als 800 Schiffen und mehr als 10.000 Menschen zum Grab. Kapitäne, die das Kap Hoorn auf einem Frachtensegler bezwungen hatten, wurden ehrfürchtig als "Kaphoorniers" (engl. Capehorner, frz. Caphorniers) oder „Albatrosse“ bezeichnet. Eine Vereinigung der Caphorniers wurde 1936 in St. Malo gegründet. Die Deutsche Sektion wurde 2004 mangels Nachwuchs aufgelöst.
In Jahre 1945 wurden Kap Hoorn und die umliegenden Inseln zum Nationalpark erklärt.
Weblinks
- [http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/2005/lemaire/ Vollständig digitalisierte Reisebeschreibung Jacob Le Maires von 1621 mit Originalkarten und Abbildungen]
- [http://southseas.nla.gov.au/journals/maps/fuego.html Schnell öffnende Karte, indigene Bevölkerung des Gebietes (National Library of Australia)]
- [http://www.nmm.ac.uk/collections/collectionsDetail.cfm?ID=STK244:2/2%20(3) Seekarte nach Vermessungsarbeiten durch HMS Beagle, 1830-1834; National Maritime Museum, Greenwich] Feuerland, Staten Island, Kap Hoorn und Diego Ramirez; links oben Halbinsel Brunswick. Die auschnittweise bis 1:1 zoombare Karte lädt leider sehr langsam.
- [http://www.acomputer.net/caphorniers/ Internationale Bruderschaft der Caphorniers, St. Malo (französisch und englisch)]
Hoorn
Kategorie:Geographie (Chile)
ja:ホーン岬
Kilometer
Das Meter (v. griech.: μέτρον/métron = Maß, -messer) – auch der Meter, in der Schweiz und Österreich immer der Meter – ist die SI-Basiseinheit der Länge. Das Einheitenzeichen des Meters lautet m und das Formelzeichen der Länge l.
Aktuelle Definition
Das Meter ist definiert als die Strecke, die das Licht im Vakuum in einer Zeit von 1/299.792.458 Sekunde zurücklegt. Zur Umstellung von der Länge eines standardisierten Messstabes auf die zeitbasierte kam es, weil die Messung von Zeiten zwischenzeitlich wesentlich genauer erfolgt, als die Messung von Längen.
Alte Definitionen
Der Definition des Meters gingen einige Vorschläge voraus, eine universelle Längeneinheit zu definieren, die nicht – wie damals üblich – von den Abmessungen der Gliedmaßen des jeweiligen Herrschers abgeleitet war. So schlug der Abt Jean Picard zum Beispiel 1668 vor, als Längeneinheit die Länge eines Pendels zu verwenden, das eine halbe Periodendauer von einer Sekunde hatte (Sekundenpendel). Ein solches Pendel hat die Länge von 0,994 m und käme damit der heutigen Definition eines Meters ziemlich nahe. Der Begriff Meter für diese Längeneinheit wurde allerdings zum ersten Mal von Tito Livio Burattini im Jahr 1675 verwendet. Er bezeichnete die Länge des Sekundenpendels als Metro Cattolico (katholischer Meter).
1675
Im Jahr 1793 wurde der Meter dann als der 40-millionste Teil der Länge des Erdmeridians, auf dem Paris liegt, also auf den zehnmillionsten Teil der Entfernung vom Pol zum Äquator, festgelegt. Im Jahr 1795 wurde ein Prototyp dieses Meters in Messing, im Jahr 1799 schließlich als Urmeter in Platin gegossen. Zur Bestimmung der Länge des Urmeters dienten die Ergebnisse der von Jean-Baptiste Joseph Delambre und Pierre Méchain zwischen 1792 und 1799 vorgenommenen Vermessung des Meridianbogens zwischen Dünkirchen und Barcelona. Genauere Vermessungen der Erde kamen später allerdings zu dem Ergebnis, dass das Urmeter ein wenig zu kurz geraten war.
1889 wurde vom zwischenzeitlich gegründeten BIPM ein neuer Standard eingeführt. Dazu wurde der internationale Meterprototyp angefertigt, ein Stab mit kreuzförmigem Querschnitt aus einer Platin-Iridium-Legierung im Verhältnis 90:10 und ein Meter wurde festgelegt als der Abstand der Mittelstriche zweier Strichgruppen bei einer Temperatur von 0 °C. Damit richtete sich das Meter nicht mehr nach der Vermessung der Erde. Kopien dieses Meterprototyps wurden an die Eichinstitute in vielen Ländern vergeben.
Von 1960 bis 1983 war das Meter das 1.650.763,73-fache der Wellenlänge der sich im Vakuum ausbreitenden Strahlung, die von Atomen des Nuklids Krypton-86 beim Übergang vom Zustand 5d5 zum Zustand 2p10 ausgesandt wird.
Seit 1983 wird das Meter als die Strecke definiert, die das Licht im Vakuum in einer Zeit von 1/299.792.458 Sekunde zurücklegt. Der Grund für diese Neudefinition ist, dass mittlerweile die Zeit (mit Atomuhren) viel genauer messbar ist als Strecken. Dies hat auch zur Folge, dass die Lichtgeschwindigkeit nun nicht mehr gemessen werden kann, sondern als Konstante festgelegt ist mit 299.792.458 m/s.
Abgeleitete Maßeinheiten
Im folgenden werden einige Beispiele für verschiedene Längen beschrieben. Zu den Vorsilben siehe auch die Liste der Vorsilben für Maßeinheiten.
Bekannte
Kilometer
Ein Kilometer, abgekürzt km, entspricht 1.000 Metern: 1 km = 103 m.
Zentimeter
Ein Zentimeter (veraltet auch Centimeter), abgekürzt cm, entspricht dem Hundertstel eines Meters: 1 cm = 10-2 m oder 0,01 m.
Der Zentimeter ist die cgs-Einheit der Länge. Siehe auch: inch
Millimeter
Ein Millimeter, abgekürzt mm, entspricht dem Tausendstel eines Meters: 1 mm = 10-3 m oder 0,001 m.
Mikrometer
Ein Mikrometer (veraltet auch Mikron nach seiner alten Bezeichnung, oder My nach dem griechischen Buchstaben µ), abgekürzt µm, entspricht dem Millionstel eines Meters: 1 µm = 10-6 m = 0,000 001 m. Oder 1 µm = 10-3 mm, also ein eintausendstel Millimeter.
My bezeichnet darüber hinaus im umgangssprachlichen Gebrauch oft kleinste Längen, die gerade noch erkennbar sind, obwohl ein Mikrometer eigentlich nicht mit freiem Auge wahrgenommen werden kann.
Die Messschraube, ein Längenmessgerät, wird wegen ihrer Genauigkeit oft Mikrometerschraube oder kurz Mikrometer genannt.
Nanometer
Ein Nanometer, abgekürzt nm, entspricht dem Milliardstel eines Meters: 1 nm = 10-9 m. Oder 1 nm = 10-6 mm, also ein millionstel Millimeter.
Ein Nanometer entspricht in einen Stück Metall ungefähr einer Strecke von vier benachbarten Atomen. Die kleinsten mit einem Lichtmikroskop erkennbaren Strukturen sind etwa 500 nm groß. Zur Untersuchung von Strukturen unterhalb von 500 nm verwendet man Rasterelektronenmikroskope, Rastertunnelmikroskope oder Rasterkraftmikroskope.
siehe auch: Nanotechnologie
Pikometer
Ein Pikometer (veraltet auch Picometer), abgekürzt pm, entspricht dem Billionstel eines Meters: 1 pm = 10-12 m.
Der Pikometer ist geeignet für Messungen innerhalb der Atomhüllen. Ein Atom hat einen Durchmesser zwischen 50 und 600 pm. Der Durchmesser eines Atomkerns liegt um 0,01 pm. 100 pm = 1 Ångström.
Femtometer
Ångström
Ein Femtometer (Einheitenzeichen: fm), ist das Billiardstel eines Meter:und ein Billionstel von einen Millimeter 1 fm = 10-15 m.
Der Femtometer wurde früher in der Atom- und Kernphysik auch als Fermi bezeichnet; seine Verwendung führt zu übersichtlichen Zahlenwerten bei der Angabe von Atomkern-Durchmessern. Denn der Durchmesser eines Atomkerns beträgt etwa 10 fm. Protonen und Neutronen haben einen Durchmesser von etwa 1,6 fm . Die kleinsten Atomradien messen 51000 fm = 51 pm.
Weniger bekannte
- Ein Megameter, abgekürzt Mm, entspricht 1.000 Kilometern = 106 m.
- Ein Myriameter entspricht 10.000 m = 10 km = 104 m. Der Gebrauch der Vorsilbe myria ist jedoch seit 1960 nicht mehr zulässig.
- Ein Hektometer abgekürzt hm, entspricht 100 m = 102 m.
- Ein Dekameter abgekürzt dam, entspricht 10 m = 101 m.
- Ein Dezimeter, abgekürzt dm, entspricht dem Zehntel eines Meters: 1 dm = 10-1 m.
- Ein Attometer, abgekürzt am, entspricht dem Trillionstel eines Meters: 1 am = 10-18 m.
- Ein Zeptometer, abgekürzt zm, entspricht dem Trilliardstel eines Meters: 1 zm = 10-21 m.
- Ein Yoktometer, abgekürzt ym, entspricht dem Quadrillionstel eines Meters: 1 ym = 10-24 m.
Siehe auch
- SI-Einheiten
- -metrie
- -meter
- Metrik
- Meterstab
- Maßeinheiten
- Längenmaß
Weblinks
- [http://www.ptb.de/de/wegweiser/einheiten/_index.html Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt PTB als "Hüterin der Einheiten"]
Kategorie:SI-Einheit
ja:メートル
ko:미터
ms:Meter
simple:Metre
th:เมตร
LängengradDie Geografische Länge, λ, international mit long. (longitude = engl., frz. etc. „Länge“) abgekürzt, beschreibt eine der beiden Koordinaten eines Ortes auf der Erdoberfläche, und zwar seine Position östlich oder westlich einer definierten (künstlich festgelegten) Nord-Süd-Linie, des Nullmeridians. Sie wurde früher als Längengrad bezeichnet.
Für die Begriffsbildung wird die Gestalt der Erde zu einer Kugel vereinfacht. Die geografische Länge ist ein Winkel, der ausgehend vom Nullmeridian (0°) bis 180° in östlicher und 180° in westlicher Richtung gemessen wird. Der Scheitel dieses Winkels ist der Mittelpunkt der gedachten Erdkugel, die Schenkel gehen vom Mittelpunkt aus durch den Nullmeridian bzw. den Meridian, auf dem der Ort liegt, dessen geografische Länge angegeben werden soll.
Beispiele
- Koordinaten von München: ca. 48° 9' Nord (Breitengrad), 11° 35' Ost (Längengrad)
- San Francisco: ca. 37° Nord, 122° West
Orte mit derselben Länge liegen auf einem Meridian. Ein Meridian verläuft von Pol zu Pol und ist die Hälfte eines Längenkreises. Auf der Erdkugel ist ein Längenkreis (bestehend aus zwei einander gegenüberliegeneden Meridianen) ein Großkreis.
Zur Bestimmung eines Punktes auf der Erdoberfläche - zur Angabe seiner geografischen Lage - wird zusätzlich die Angabe seiner geografischen Breite (früher: seines „Breitengrades“) als zweite Koordinate benötigt.
Orts- und Zeitfestlegung
Nullmeridian
Da es für die Meridiane (oder Längenkreise) keine natürliche Nullmarke gibt, wie der Äquator sie für die Breitenmessung darstellt, muss ein Nullmeridian definiert werden. Erst 1884 wurde dafür weltweit einheitlich derjenige Meridian festgelegt, auf dem sich die Mittelachse eines bestimmten Teleskops des Observatorium von Greenwich (London) befindet (siehe Historisches).
Die geografische Länge wird als Winkelabstand in Grad, (Bogen-) Minuten und Sekunden vom Nullmeridian nach Ost (E) oder West (W) angegeben.
:Anmerkung: Die Abkürzung E für Ost wird beispielsweise von der für Nautik und Flugnavigation maßgeblichen DIN-Norm empfohlen, um Fehler durch Verwechslung von O mit 0 von vornherein auszuschließen.
Der größte mögliche Zahlenwert ist also 180 Grad, wobei 180°E = 180°W. Annähernd entlang dieses Längengrades, allerdings mit erheblichen Abweichungen, verläuft im Pazifik die von den betroffenen Ländern festgelegte Datumsgrenze.
Schreibweisen der Zahlenwerte
Der Abstand zwischen zwei Längenkreisen ist am Äquator am größten. Dort entspricht ein Grad Abweichung einer Entfernung von ca. 111 km (40000 km/360 entspricht ca. 60 Seemeilen). An den Polen hingegen fallen alle Längengrade in einem Punkt zusammen.
Die Beschränkung der Längenangabe auf ganzzahlig viele Grad wäre also für Positionsangaben fast überall (ausgenommen in unmittelbarer Polnähe) zu ungenau (eben deshalb ist ja der Begriff Längengrad veraltet). Genauere Angaben der geografischen Länge können folgendermaßen gestaltet werden:
- in der Winkeleinheit Grad in Dezimalschreibweise (z. B. 66,34°)
- in Minuten und Sekunden (im gleichen Beispiel 66° 20' 24"). 66° 20' 24" ist eine Kurzschreibweise für folgende Summe dreier Winkel 66° + 20' + 24". Diese Pluszeichen werden weggelassen. Die Summanden werden dabei so gewählt, dass die Zahlenwerte vor Minute und Sekunde kleiner als 60 sind.- Eine Sekunde geografischer Länge entspricht am Äquator einer Strecke von rund 31 Metern, in Mitteleuropa (auf 50° N geografischer Breite) etwa 20 Metern.
- In der Nautik wird bei der Angabe geografischer Koordinaten heutzutage die Winkeleinheit Sekunde vermieden, so dass aus obigem Beispiel wird: 66° 20' 24" = 66° 20,4'. Noch genauere Positionsangaben, wie sie z. B. in der Satellitennavigation erzielt werden, schlagen sich in weiteren Nachkommastellen nieder.
- Wegen der Erdrotation, 360° in 24 Stunden, kann die geografische Länge auch als Zeit ausgedrückt werden. Der Ortsstundenwinkel wird in der Astronavigation genutzt.
Zeit
Aufgrund der Erdrotation ist die Ortszeit auf verschiedenen Längengraden unterschiedlich. Der Zeitunterschied zum Nullmeridian beträgt eine Stunde pro 15° Längenunterschied. Daraus ergeben sich Zeitzonen.
Historisches
Der griechische Astronom und Mathematiker Hipparchos (ca. 190–120 v. Chr.) teilte die Erde in ost-westlicher Richtung erstmals in 360 Grad.
Das Bezugssystem der Längengrade war lange Zeit uneinheitlich. Je nach Nation bezogen sich Koordinatennetze auf Nullmeridiane in London, Paris, St.Petersburg, Ferro (Hierro, auf den Kanaren, 17° 40'W). Erst auf der Internationalen Meridiankonferenz, Washington 1884, wurde Greenwich bei London weltweit festgelegt, unter anderem, weil britische Seekarten bereits längst weltweit genutzt wurden.
Längenproblem
Während die geografische Breite durch Messung von Vertikalwinkeln der Sonne oder des Polarsterns relativ einfach bestimmbar ist, gestaltete sich die Bestimmung der aktuellen geografischen Länge mit ähnlicher Genauigkeit über lange Zeit extrem schwierig. Das für die Seenavigation bedeutsame Längenproblem wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts gelöst, dazu sind wegen der Wetterunabhängigkeit auch auf See sehr genau gehende Uhren notwendig, auch ohne Strom.
Literatur
- Dava Sobel: Längengrad. Taschenbuch ISBN 3-442-72318-3 (Illustrierte Ausgabe ISBN 3827003644)
siehe auch
- Geographische Breite
- Geographische Koordinaten
Weblinks
- [http://www.arte-tv.com/de/wissen-entdeckung/abenteuer__arte/Diese_20Woche/Mission_20X/Entscheidung_20L_C3_A4ngengrad/737562.html Sender arte, Mission X - Entscheidung Längengrad]
- [http://www.ucolick.org/~sla/leapsecs/scans-meridian.html Konferenz-Protokoll von Washington 1884]
- [http://www.fallingrain.com/world/ Geographische Koordinaten für Orte auf der ganzen Welt]
Kategorie:Geodäsie
ja:経度
OstOst ist die Bezeichnung für
- eine Himmelsrichtung, siehe Osten
- den Ostwind, siehe Windrichtung
- in der Schreibweise O.S.T. die Abkürzung für Original Soundtrack, siehe Filmmusik
AttuAttu ist die westlichste Insel der Aleuten (Beringmeer).
Sie befindet sich auf und hat eine Fläche von ca. 896 km².
Am 11. Mai 1943 griffen Truppen der USA bei einem Versuch japanische Soldaten von der Insel zu vertreiben Attu an. Der japanische Befehlshaber der Insel Oberst Yamasaki wurde getötet.
Kategorie:Insel (USA)
ja:アッツ島
Quadratkilometer
Quadratmeter ist eine SI-Einheit der Fläche. Sie dient zur Messung von Flächen. Ein Quadratmeter ist ein Flächenmaß und entspricht der Fläche eines Quadrats von 1 Meter Breite mal 1 Meter Länge.
Das Einheitenzeichen für Quadratmeter ist m2. Die oft verwendeten Abkürzungen „qm“ oder „m^2“ sind entsprechend dem SI-Einheitensystem nicht zulässig. Diese Bezeichnung stammt aus der Frühzeit der Schreibmaschine bzw. des Computers, als die hochgestelle '2' noch nicht darstellbar war.
Umgangssprachlich wird der Quadratmeter auch „Meter im Quadrat“ oder „Geviertmeter“ (veraltet) genannt.
Beispiel:
Ein Garten, der 30 m lang und 10 m breit ist, hat eine Fläche von .
Umrechnungen
- 1 m2 = 1.000.000 mm2 (Quadratmillimeter)
- 1 m2 = 10.000 cm2 (Quadratzentimeter)
- 1 m2 = 100 dm2 (Quadratdezimeter)
- 10-28 m2 = 1 b (Barn (in der Kern- und Atomphysik))
- 100 m2 = 1 a (Ar)
- 10.000 m2 = 1 ha (Hektar)
- 1.000.000 m2 = 1 km2 (Quadratkilometer)
Barn, Ar und Hektar sind zugelassene gesetzliche Einheiten im Messwesen mit beschränktem Anwendungsbereich. Das Barn darf nur in Kern- und Atomphysik, Ar und Hektar dürfen nur bei der Angabe der Fläche von Grund- und Flurstücken benutzt werden.
Häufige Abwandlungen der Einheit Quadratmeter
Indem man zwischen Quadrat- und -meter ein entsprechendes SI-Präfix setzt, kann man auch dezimale Vielfache und Teile des Quadratmeter bilden. Der Vorsatz wird dabei gemäß dem internationalen Einheitensystem (SI) direkt vor den Namen oder das Einheitenzeichen der Basiseinheit gesetzt. Quadriert wird folglich die dadurch entstandene Einheit (z. B. Kilometer km); es gibt keinen Milliquadratmeter.
Quadratmillimeter
Ein Quadratmillimeter entspricht der Fläche eines Quadrates von 1 Millimeter mal 1 Millimeter, also 10-6 m²
Das Einheitenzeichen für Quadratmillimeter ist mm2.
Quadratzentimeter
Ein Quadratzentimeter entspricht der Fläche eines Quadrates von 1 Zentimeter mal 1 Zentimeter, also 10−4 m².
Das Einheitenzeichen für Quadratzentimeter ist cm2.
Quadratdezimeter
Ein Quadratdezimeter entspricht der Fläche eines Quadrats von 1 Dezimeter mal 1 Dezimeter.
Das Einheitenzeichen für Quadratdezimeter ist dm2. Umgerechnet entspricht 1 dm2 der Fläche von 0,01 m2 bzw. 100 cm2 bzw. 10.000 mm2.
Quadratkilometer
Ein Quadratkilometer entspricht der Fläche eines Quadrats mit einer Kantenlänge von einem Kilometer.
Das Einheitenzeichen für Quadratkilometer ist km2. Die immer noch oft verwendete Abkürzung qkm entspricht nicht dem Internationalen Einheitensystem, den in Normen festgelegten Empfehlungen des DIN und den deutschen Rechtsvorschriften über gesetzliche Einheiten im Messwesen.
Weblinks
- [http://www.ptb.de/de/wegweiser/einheiten/ Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Hüterin der Einheiten]
- http://physics.nist.gov/cuu/Units/index.html (englisch)
Kategorie:SI-Einheit
ja:平方メートル
ko:제곱미터
zh-min-nan:Pêng-hong-kong-chhioh
Asien
Asien ist der zentrale-südliche und östliche Teil Eurasiens.
Begriff
Das Wort Asien (Asia) stammt aus dem Assyrischen und bedeutet Sonnenaufgang. Es entspricht also dem lateinischen Wort Orient oder dem deutschen Morgenland. Der vor dem Zweiten Weltkrieg gebräuchliche Begriff Fernost wird heute selten verwendet, da er eine eurozentristische Weltsicht widerspiegelt.
Das chinesische Zeichen 亞 (Kurzzeichen 亚, Pinyin yà) ist eine klangliche Adaption und bedeutet ursprünglich das Zweite, subordiniert.
Innereurasische Grenze
Aus historischen Gründen werden Europa und Asien in Europa (teilweise nicht jedoch in Asien!) als verschiedene Kontinente betrachtet. Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, der Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden u.a. die Grenze von Europa und Asien (siehe Eurasien).
Lage und Küstengliederung
Eurasien
Asien liegt mit seiner kontinentalen Landmasse bis auf die Tschuktschen-Halbinsel in Ostsibirien ganz in der östlichen Hemisphäre, nördlich des Äquators. Nur die südöstlichsten Inseln (Teile Indonesiens) befinden sich auf der Südhalbkugel der Erde.
Der nördlichste Punkt der Landmasse ist das Kap Tscheljuskin auf der Taimyr-Halbinsel (Sibirien) 77° 40' n. Br., der südlichste Punkt der Landmasse ist die Spitze der Malaiischen Halbinsel (Kap Buru) 1° 16' n. Br. Westlichster Punkt ist das Kap Baba in Kleinasien 26° 4' westl. L., der östlichste Punkt ist auf Kap Deschnjow (an der Nordostspitze von Sibirien) 169° 44' westl. L.
Die Küstenlänge Asiens beträgt etwa 82.300 km, davon entfallen auf den Arktischen Ozean 15.900 km, auf den Pazifischen Ozean 27.300 km, auf den Indischen Ozean 33.600 km und auf das Mittelmeer einschließlich Schwarzes Meer 5.500 km.
Die Küsten verlaufen im Norden, Osten und Süden. Im Westen bildet das Mittelmeer nur teilweise die Landbegrenzung. Mit Afrika verbindet sich Asien nördlich des Roten Meeres über die Halbinsel Sinai (Landenge von Sues, 145 km breit) und mit Europa bildet die Strecke zwischen dem Karischen Golf und dem Kaspischen Meer eine 2.700 km lange Grenze.
Ganz im Osten bildet die Beringstraße mit einer Breite von etwas mehr als 80 km eine Grenze zu Amerika. Im Südosten bildet die Inselwelt des Indonesischen Archipels eine Verbindung zu Australien.
Der riesigen Landmasse sind zahlreiche größere Halbinseln vorgelagert. Im Westen Kleinasien (Anatolien) (früher wurde auch die Insel Zypern hinzugerechnet), im Süden die Arabische Halbinsel zwischen dem Roten Meer und dem Persischen Golf, Indien zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Bengalen (mit der vorgelagerten Insel Sri Lanka) und im Südosten Hinterindien zwischen dem Golf von Bengalen und dem Chinesischen Meer. An der Ostküste Asiens zeigen sich mehrere südwärts gerichtete Halbinseln mit vorgelagerten Inselreihen. Dies sind Korea und Kamtschatka mit den Kurilen, Sachalin und den Inseln Japans: Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū. Im Norden ist die sibirischen Küste mehr durch die Mündungen mächtiger Ströme geprägt.
Einwohner und Größe
Asien ist mit etwas mehr als 44 Mio. km² der flächenmäßig größte Erdteil, der von mehr als der Hälfte der Erdbevölkerung (etwa 3,5 Milliarden Menschen) bewohnt wird. In der [http://www.datenbank-asien.de Datenbank Asien] sind Informationen zu vielen Ländern Asiens zu finden.
Geschichte
Asien ist die Wiege zahlreicher Kulturen, beispielsweise in China, in Indien sowie Babylonien und Assyrien in Vorderasien. Alle großen Weltreligionen (auch das Christentum, das Judentum und der Islam) sind in Asien entstanden.
Asien und Europa verbindet eine Lange Tradition an Kriegen (beispielsweise Alexander der Große, die Perserkriege, die Kreuzzüge, die Einfälle der Hunnen und der Türken) und an Entdeckungsreisen (beispielsweise Sven Hedin).
Asien ist seit jeher von Großreichen geprägt und nicht so zersplittert wie Europa. Die chinesische Kultur hat in der Welt, vor allem jedoch in Ostasien, ihre Spuren hinterlassen (Papier, Buchdruck, Kompass, Seide, Porzellan uvm.). Aus Indien hat sich der Buddhismus verbreitet. Nordasien (insbesondere Sibirien) blieb lange Zeit nahezu unbesiedelt, erst als sich das Russische Reich weiter ausdehnte, wurden dort größere Städte gegründet. Zentralasien war traditionell die Heimat von Steppenvölkern (Reitervölker), (beispielsweise den Mongolen), die in früheren Zeiten eine Bedrohung für Europa darstellten. Der Nahe Osten ist seit dem 7. Jahrhundert vom Islam geprägt und hat einen stark prägenden Einfluss auf Nordafrika gehabt.
Politische Einteilung nach Regionen
Nordafrika
- Afghanistan
- Kasachstan
- Kirgisistan
- Mongolei
- Tadschikistan
- Turkmenistan
- Usbekistan
siehe auch: Turkstaaten
- Russland (Sibirien)
- Volksrepublik China
- Hongkong (Sonderverwaltungszone)
- Macao (Sonderverwaltungszone)
- Japan
- Korea
- Nordkorea
- Südkorea
- Taiwan (Republik China)
- Brunei
- Indonesien
- Kambodscha
- Laos
- Malaysia
- Myanmar (früher Burma)
- Philippinen
- Singapur
- Thailand (früher Siam)
- Timor-Leste
- Vietnam
:Siehe auch: Tigerstaaten
- Bangladesch
- Bhutan
- Indien
- Malediven
- Nepal
- Pakistan
- Sri Lanka (früher Ceylon)
- Armenien
- Aserbaidschan
- Bahrain
- Georgien
- Irak
- Iran
- Israel
- Jemen
- Jordanien
- Katar
- Kuwait
- Libanon
- Oman
- Palästinensische Autonomiegebiete
- Saudi-Arabien
- Syrien
- Türkei
- Vereinigte Arabische Emirate
- Zypern
Regionale Organisationen
- ASEAN
- ASEM
- ADB - Asia Development Bank
- AHRC - [http://www.ahrchk.net Asiatische Menschenrechtskommission]
Siehe auch
- Portal Asien
- Kleinasien
- Naher Osten
- Liste asiatischer TV-Programme in Europa
Weblinks
- [http://www.inasien.de Magazin „in Asien!“]
- [http://www.Kultur-in-Asien.de Kultur in Asien: Kunst, Religion, Kult, Feste, Kalender, Architektur, Geschichte (von Dr. Bernhard Peter)] (ein breit angelegtes Informationsforum über verschiedene asiatische Länder, das Essays, Photogalerien und Reiseberichte vereint)
- [http://www.zmag.org/asiawatch/asiawatch.cfm ZNet's Resource on Asia (engl.)]
- [http://www.weltkarten-landkarten.de/landkarten/asien/d_default.asp Umfangreiche Landkartensammlung von Asien]
- [http://www.askasia.org/ a resource of the Asia Society (engl.)]
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Kategorie:Kontinent
ja:アジア
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Amerigo Vespucci
Amérigo Vespucci ( - 9. März 1451 in Florenz/Italien, † 22. Februar 1512 in Sevilla/Spanien), drittes Kind einer angesehenen florentinischen Familie, war ein Kaufmann, Navigator und Seefahrer. Während seiner Fahrten erforschte er weite Teile der Ostküste von Südamerika.
Die Florentiner Kirche Ognissanti (Allerheiligenkirche, Borgognissanti 42) war die Hauskirche der Vespucci. In ihr ist ein Gemälde von
Ghirlandaio aus dem Jahr 1473, eine Schutzmantelmadonna. Unter der rechten Hand der Madonna ist ein Bildnis von Amérigo Vespucci.
Schutzmantelmadonna
Amérigo Vespucci stand in den Diensten der mächtigen Bankiersfamilie Medici, die ihn zunächst als Schiffsausrüster nach Spanien entsandte. Die Reiseberichte von Christoph Kolumbus veranlassten ihn, sich 1499 einer aus zwei Schiffen bestehenden Expedition nach Südamerika anzuschließen.
Während seiner Reisen erforschte er einen erheblichen Teil der Ostküste Südamerikas. Er kam als Erster auf die Idee, dass das Land, das Christoph Kolumbus entdeckt und als Indien angesehen hatte, ein eigener Kontinent sei. Hierüber berichtete er auch in - nicht unumstrittenen - Briefen an Lorenzo di Medici.
Vespuccis Rolle wurde vielfach diskutiert, vor allem wegen zweier Briefe, deren Authentizität in Zweifel gezogen wurde: Mundus Novus (Neue Welt), Erstdruck 1504 und Quattuor Americi Vespucci Navigationes (Lettera) (Vier Seefahrten des Amerigo Vespucci), Erstdruck 1507.
Es war die Veröffentlichung und weite Verbreitung dieser Briefe Vespuccis, die den deutschen Kartografen Martin Waldseemüller dazu brachte, auf seiner Weltkarte von 1507 den neuen Kontinent America zu nennen. Waldseemüller leitete den Namen von der latinisierten Namensfassung Americus Vespucius ab und nahm – wie für Kontinente üblich – die weibliche Form.
Nach den beiden Briefen unternahm Vespucci vier Reisen nach Amerika, von denen drei auch durch andere Quellen belegt sind.
Nach ihm wurde auch das jetzt noch in Betrieb befindliche Segelschulschiff der Italienischen Marine (Heimathafen Livorno) benannt.
Der Historiker Urs Bitterli vermutet in seinem Werk Die Entdeckung Amerikas, dass
lediglich zwei Reisen des Amérigo Vespuccis tatsächlich stattgefunden haben.
Literatur
- Urs Bitterli: Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt, Beck, München, 1999, ISBN 3-406-42122-9
- Rudolf Eger: Amerigo Vespucci. Das Abenteuer eines Entdeckers, Melchert, Hamburg, 1986, ISBN 3-87152-207-4
- Luigi Ugolini: Er gab Amerika den Namen. Leben und Zeit des Amerigo Vespucci, Styria, Graz, 1974, ISBN 3-222-10691-6
- Stefan Zweig: Amerigo - Die Geschichte eines historischen Irrtums, Fischer, Frankfurt/M, 2000, ISBN 3-596-29241-7
Weblinks
- [http://gallica.bnf.fr/scripts/ConsultationTout.exe?O=n054428 Mundus Novus (Faksimile)]
- [http://muweb.millersville.edu/~columbus/papers/canaday.html The Life of Amerigo Vespucci]
-
Vespucci, Amerigo
Vespucci, Amerigo
Vespucci, Amerigo
Vespucci, Amerigo
Vespucci, Amerigo
Vespucci, Amerigo
ja:アメリゴ・ヴェスプッチ
1512
Politik und Weltgeschehen
- Beginn des fünften Laterankonzils (bis 1517)
- Selim I., genannt Yavuz „der Gestrenge“, setzt seinen Vater als Sultan des Osmanischen Reichs ab und übernimmt die Herrschaft
- 15. Januar: Robert IV. von der Mark, Herzog von Bouillon, Herr von Sedan
- 17. Januar: Sibylle von Jülich-Kleve-Berg, Älteste Tochter von Herzog Johann III. († 1554)
- 31. Januar: Heinrich I., genannt „der Kardinalkönig“, König von Portugal, der letzte König aus dem Hause Avis. († 1580)
- 5. März: Gerhard Mercator, Kartograf († 1594)
- 10. April: Jakob V., König von Schottland († 1542)
- Martin Cromer, polnischer Geschichtsschreiber, Theologe und Bischof († 1589)
- 22. Februar: Amerigo Vespucci, Namensgeber Amerikas ( - 1454)
- 29. März: Lukas Watzenrode, Fürstbischof des Ermlandes ( - 1447)
ko:1512년
Indien
Indien (hindi भारत, Bhārat; englisch India) ist ein Staat in Südasien, der den größten Teil des indischen Subkontinents umfasst. Im Norden bildet der Himalaya die natürliche Nordgrenze Indiens, im Süden umschließt der Indische Ozean das Staatsgebiet. Indien grenzt an Pakistan, China, Nepal, Bhutan, Myanmar und Bangladesch.
Seine Bezeichnung hat Indien von dem in Tibet entspringenden Strom Indus, dessen Name sich von dem Sanskrit-Wort Sindhu mit der Bedeutung Fluss herleitet. In Urdu heißt das Land Hind, in Hindi Bharat; diese Bezeichnung wurde zum amtlichen Namen der Republik Indien. Als Hindustan, „Land der Hindus“, bezeichneten die muslimischen Eroberer den Nordteil Indiens.
Geographie
Hauptartikel: Geographie Indiens
Indien, mit einer Fläche von 3.287.590 km² der siebtgrößte Staat der Erde, erstreckt sich vom 68. bis zum 97. östlichen Längengrad über rund 3200 Kilometer. Von West nach Ost, zwischen dem 8. bis zum 37. Grad nördlicher Breite, beträgt die Ausdehnung rund 2800 Kilometer. Indien grenzt an sechs Staaten: Pakistan, China (Tibet), Nepal, Bhutan, Myanmar und Bangladesch. Da der nördliche Teil des umstrittenen Kaschmirs seit 1949 unter pakistanischer Kontrolle steht, hat Indien keine gemeinsame Grenze mit Afghanistan mehr.
Die natürliche Grenze im Norden und Nordosten bildet der Himalaya, das höchste Gebirge der Welt. Südlich davon schließen sich die breiten, fruchtbaren Stromebenen der Flüsse Indus, Ganges und Brahmaputra an. Den Nordosten Indiens, einschließlich der Brahmaputra-Ebene, verbindet nur ein schmaler Korridor zwischen Bangladesch und Nepal bzw. Bhutan mit dem Rest des Landes.
Im Westen geht das Stromland des Ganges in die Wüste Thar über, die im Osten und Süden vom Aravalligebirge begrenzt wird. Südlich davon liegen die Sümpfe des Rann von Kutch sowie die Halbinsel Kathiawar.
Kathiawar
Das Hochland von Dekkan nimmt den größten Teil der keilförmig in den Indischen Ozean vorragenden indischen Halbinsel ein. Die Vindhya- und Satpura-Berge schirmen den Dekkan von der Gangesebene im Norden ab. Im Westen wird er von den bis zu 2700 Meter hohen Westghats, im Osten von den flacheren Ostghats begrenzt. Beide Gebirgszüge treffen im Süden, wo die Halbinsel spitz zum Kap Komorin zuläuft, zusammen. Die Westghats fallen steil zur Konkan- und Malabarküste entlang des Arabischen Meeres ab. Die Ostghats gehen in die breiteren östlichen Küstenebenen am Golf von Bengalen über.
Zu Indien gehören außerdem drei dem Indischen Subkontinent vorgelagerte Inselgruppen. Rund 300 Kilometer westlich der Malabarküste liegen die Korallenatolle der Lakkadiven. Südöstlich der Halbinsel, zwischen 1000 und 1600 Kilometer vom indischen Festland entfernt, erstrecken sich die Inseln der Andamanen und Nikobaren.
Der höchste Punkt Indiens ist der Berg Kanchenjunga mit 8.598 Metern Höhe, der sich im äußersten Westen Sikkims in unmittelbarer Grenznähe zu Nepal erhebt. Der höchste vollständig auf indischem Gebiet liegende Berg ist die Nanda Devi mit 7.822 Metern. Der tiefste Punkt ist die zwei Meter unter dem Meeresspiegel gelegene Kuttanad-Senke an der Malabarküste.
Flüsse
Kuttanad
Alle größeren Flüsse Indiens entspringen in einer der drei Hauptwasserscheiden des Subkontinents: im Himalaya, in den zentralindischen Vindhya- und Satpura-Bergen oder in den Westghats.
Indiens längster und zweifellos wichtigster Fluss ist der Ganges, der im Himalaya entspringt. Seine längsten Nebenflüsse sind die Yamuna und der Gumti; der Chambal ist ein Zufluss der Yamuna. Der Brahmaputra, der das Land im Nordosten durchfließt, vereinigt sich mit dem Ganges und bildet vor der Mündung in den Golf von Bengalen ein gewaltiges Delta, an dem Indien jedoch nur im Westen Anteil hat. Der Großteil des Gangesdeltas liegt auf dem Territorium des Nachbarstaates Bangladesch. Fast ein Drittel der Fläche Indiens gehört zum Einzugsgebiet von Ganges und Brahmaputra.
Im äußersten Norden durchquert der Indus in Südost-Nordwest-Richtung den Bundesstaat Jammu und Kashmir.
Das Hochland von Dekkan wird von mehreren großen Flüssen entwässert. Die Narmada und der Tapti münden ins Arabische Meer, während Godavari, Krishna, Mahanadi und Kaveri zum Golf von Bengalen fließen.
Geologie
Indien gehörte bis gegen Ende des Jura zum Südkontinent Gondwana. Erst in der Kreidezeit riss es von der Antarktis ab und driftete in erdgeschichtlich extrem kurzen 50 Millionen Jahren quer durch den gesamten Tethys-Ozean gegen Eurasien, wo sein Aufprall gegen Ende der Kreidezeit den Himalaya schuf und Tibet anhob.
Tibet
Klima
Mit Ausnahme der Bergregionen ist Indiens Klima vornehmlich tropisch, wobei Nord- und Zentralindien kontinentaler geprägt sind als der maritime Süden. So treten im Norden im Jahresverlauf teils erhebliche Temperaturschwankungen auf. Während in den nördlichen Tiefebenen im Dezember und Januar Temperaturen von nur 10 bis 15 Grad Celsius vorherrschen, sind in der heißesten Zeit zwischen April und Juni 40 bis über 50 Grad Celsius keine Seltenheit. Im Süden ist es dagegen ganzjährig heiß.
Die Niederschlagsverhältnisse werden im ganzen Land maßgeblich vom Monsun beeinflusst. Der Südwest- oder Sommermonsun setzt in den meisten Landesteilen im Juni ein und bringt je nach Region bis September oder Oktober ergiebige Niederschläge. Auf Grund der sehr unterschiedlichen Topographie ist die Niederschlagsverteilung allerdings höchst ungleichmäßig. Die stärksten Regengüsse gehen an der Westküste, in den Westghats, an den Hängen des Himalayas und in Nordostindien nieder. Am trockensten ist es dagegen in der Thar. Die aus Zentralasien kommenden Nordost- oder Wintermonsunwinde zwischen Oktober und Juni bringen kaum Feuchtigkeit, daher entfallen in den meisten Gegenden 80 bis über 90 Prozent der jährlichen Gesamtniederschlagsmenge auf die Sommermonate. Lediglich der Südosten erhält auch während des Nordostmonsuns Regen, da die Luftströmungen über dem Golf von Bengalen Feuchtigkeit aufnehmen.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Indiens
Die Industal-Zivilisation (größtenteils im heutigen Pakistan gelegen) war eine der frühen Hochkulturen der Welt, mit einer eigenen Schrift, der bisher nicht entzifferten Indus-Schrift. Um etwa 2500 v.Chr. existierten dort geplante Städte wie Harappa, mit einer Kanalisation, Seehäfen und Bädern, während angenommen wird, dass in Südindien noch weniger entwickelte Verhältnisse herrschten. Weiter östlich machen sich andere archäologische Komplexe bemerkbar wie die sogenannte Copper Hoard Culture. Ab 1700 v.Chr. setzte aus bislang unbekannten Gründen der Zerfall der Indus-Kultur ein.
Eine für die weitere Entwicklung Indiens sehr wichtige Periode, war die vedische Zeit (1500 v.Chr. - 500 v.Chr.), in der die Grundlagen der heutigen Kultur geschaffen wurden. Über die politische Entwicklung ist weitaus weniger bekannt, als über die religiöse und philosophische Entwicklung. Gegen Ende der vedischen Zeit wurden die Upanishaden geschaffen, die in vielerlei Hinsicht die Basis der in Indien entstandenen Religionen Hinduismus, Buddhismus und Jainismus bilden. In diese Zeit fällt die Urbanisierung in der Gangesebene und das Heraufkommen von Königreichen wie Magadha. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entfaltete sich der Buddhismus, der während rund 500 Jahren neben dem Hinduismus die maßgebliche Geistesströmung Indiens darstellte.
Arabische Eroberungszüge im 8. Jh. und zentralasiatische Invasionen ab dem 12. Jahrhundert führten zu einer Dominanz muslimischer Staaten im Norden, sowie zur Islamisierung von Teilen der dortigen Bevölkerung. Das Delhi-Sultanat und die Mogul-Dynastie gehörten zu den wichtigsten Herrscherhäusern dieser Zeit. Hinduistische Königstümer gab es nur noch in Südindien (z.B. Vijayanagar).
Ab 1505 begannen europäische Mächte kleinere Küstenkolonien zu erobern (vgl. Portugiesisch-Indien). Von 1756 an unterwarf die britische East India Company von ihren Hafenstützpunkten Kalkutta, Madras und Bombay aus weite Teile Indiens. Mitte des 19. Jahrhundert erlangte sie die vollständige politische Kontrolle über alle indischen Territorien (von einigen kleineren portugiesischen und französischen Gebieten abgesehen). Loyale Fürsten behielten Staaten mit begrenzter Souveränität wie Hyderabad, Bhopal, Mysore, Kashmir. 1857 erhoben sich Teile der Bevölkerung Nordindiens gegen die Herrschaft der East India Company. Nach der Niederwerfung des Aufstandes wurde Indien der direkten Kontrolle durch Großbritannien unterstellt.
1884 wurde in Bombay die Kongresspartei (Indian National Congress) gegründet. Sie forderte zunächst politische Mitsprache. Ihre Mitglieder waren vorwiegend Hindus und Parsen. Die muslimische Oberschicht blieb auf Abstand. Ihr Wortführer Sayyid Ahmad Khan befürchtete, dass sie durch Einführung des Mehrheitsprinzips aus der Verwaltung gedrängt würden. Als Interessenvertretung der Muslime wurde 1906 die Muslim League gegründet.
Im Ersten Weltkrieg verhielt sich die große Mehrheit der Bevölkerung loyal. Aus Verärgerung darüber, dass die Briten an der Aufteilung des Osmanischen Reiches beteiligt waren, schlossen sich nun auch viele Muslime der Unabhängigkeitsbewegung an. Der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte 1947 zur Unabhängigkeit.
Gleichzeitig verfügte die Kolonialmacht die Teilung der fast den gesamten indischen Subkontinent umfassenden Kolonie Britisch-Indien in zwei Staaten, die säkulare Indische Union sowie die kleinere Islamische Republik Pakistan. Die Briten erfüllten damit Forderungen der Muslim League nach einem eigenen Nationalstaat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.
Die Teilung führte zu der größten Vertreibungs- und Fluchtbewegung der Geschichte. Ungefähr 10 Millionen Hindus und Sikhs wurden aus Pakistan vertrieben, etwa 7 Millionen Muslime aus Indien. 750.000 bis eine Million Menschen kamen ums Leben. Die Vertreibung nahezu aller Hindus und Sikhs aus dem Gebiet des damaligen West- und Ostpakistan (heute Pakistan und Bangladesch) und der Vertreibung der Muslime aus Indien gilt als Beispiel für eine sog. ethnische Säuberung ohne unmittelbare Verursachung durch einen Krieg.
Der Maharaja von Kashmir, selbst Hindu bei überwiegend moslemischer Bevölkerung, verzögerte seine Entscheidung und verursachte damit eine Krise, die zur de-facto-Teilung der Region Kashmir führte. Seitdem herrscht in der Grenzregion beider Länder der Kaschmirkonflikt.
Nach zwei vorangegangenen Kriegen führte die indische Unterstützung einer Unabhängigkeitsbewegung im damaligen Ost-Pakistan zu einem dritten Krieg 1971 mit folgender Teilung Pakistans und Gründung des neuen, ebenfalls islamisch geprägten Staates Bangladesch.
Heute sind die fundamentalen Probleme Indiens einerseits der fortdauernde Streit mit Pakistan um die Region Kashmir, andererseits die starke Überbevölkerung, die zunehmende Umweltverschmutzung, die ausgedehnte Armut, sowie ethnische und religiöse Konflikte zwischen Hindus und Moslems.
Bevölkerung
Demographie
Moslems
Moslems
Indien ist in puncto Einwohnerzahl nach der Volksrepublik China und vor den USA der zweitgrößte Staat der Erde.
Am 11. Mai 2000 überschritt Indiens Bevölkerungszahl offiziell die Milliardengrenze. Während es von 1920 - damals hatte Indien 250 Millionen Einwohner - 47 Jahre bis zu einer Verdoppelung der Bevölkerung gedauert hat, waren es von 1967 bis 2000 nur noch 33 Jahre. Das Wachstum der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten nur wenig abgeschwächt und liegt im Moment bei 1,5 Prozent pro Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt für Männer 63,57 Jahre (1971 waren es nur 44 Jahre) und für Frauen 65,16 Jahre (1971 waren es nur 46 Jahre). In Deutschland sind es zum Vergleich bei Männern 75 Jahre und bei Frauen 81 Jahre. Indien ist damit eines der wenigen Länder der Erde, wo die Lebenserwartung bei Männern und Frauen fast identisch ist.
Die Bevölkerungsdichte beträgt 329 Einwohner pro km² (Deutschland 231 pro km²). Das Bevölkerungswachstum erklärt sich jedoch nicht aus einer gestiegenen Geburtenrate, sondern aus der in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Lebensdauer, d.h. Reduktion der Sterberate. Dies ist unter anderem auf eine Verbesserung der Gesundheitsfürsorge zurückzuführen. In der Sterberate hatte Indien bereits 1991 mit Deutschland gleichgezogen (10 pro Tausend), für 2005 wird sie auf 8.28 geschätzt. Die Geburtenrate blieb allerdings hoch (sie betrug 1991 30 pro Tausend) und sinkt nur allmählich (für 2005 wird sie auf 22,32 pro Tausend geschätzt). Die Fertilitätsrate (Anzahl der Kinder pro Frau) ging von 5,2 (1971) auf 3,6 (1991) zurück, für 2005 wird sie auf 2,78 geschätzt.
Indien gehört zu den Ländern, wo es deutlich mehr Männer gibt: auf 1000 Männer kommen 933 Frauen. Der durchschnittliche Inder ist 26 Jahre alt (Median-Wert).
Mit einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 15 Millionen Menschen hat Indien im Moment den größten absoluten Zuwachs aller Staaten der Erde. Der relative Zuwachs liegt jedoch mit 1,4 % nur wenig über dem Weltdurchschnitt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird Indien in den nächsten Jahrzehnten sein Bevölkerungswachstum kaum abschwächen und die VR China bis zum Jahre 2045 als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst haben.
Nachfolgend sind Einwohnerzahlen Indiens zwischen 1700 und 2050 aufgeführt. Die Zahlen für 2025 und 2050 sind eine Prognose.
Die Zahlenangaben bis 1875 sind nach dem Gebietsstand von Britisch-Indien, also einschließlich Bangladesch, Myanmar und Pakistan berechnet, die Angaben ab 1900 nach dem heutigen Gebietsstand der Republik Indien. Quelle: [http://www.library.uu.nl/wesp/populstat/Asia/indiac.htm]
Sprachen und Schriften
In Indien werden insgesamt 415 Sprachen und Idiome gesprochen. Neben den beiden überregionalen Amtssprachen Hindi und Englisch sind die folgenden 21 Sprachen als Nationalsprachen anerkannt: Asamiya, Bengali, Bodo, Dogri, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Maithili (seit 2003), Malayalam, Marathi, Meitei, Nepali, Oriya, Punjabi, Santali, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu und Urdu. Englisch ist Verwaltungs-, Unterrichts- und Wirtschaftssprache.
Neben Hindustani (im Norden Indiens weit verbreitet und der Vorgänger von Hindi und Urdu) sind auch noch die Sprachen Rajasthani und Mizo erwähnenswert. Bihari ist z.B. der Oberbegriff für die Dialekte in Bihar, wozu auch Maithili, Bhojpuri und Magahi gehören.
In letzter Zeit gab es Versuche, den Gebrauch des Sanskrit, welches ebenfalls eine Amtssprache ist, wiederzubeleben.
Das Central Board of Secondary Education (CBSE) hat in den Schulen, die es reguliert, Sanskrit zur dritten der unterrichteten Sprachen gemacht.
In diesen Schulen ist der Sanskritunterricht für die fünften bis achten Schulklassen obligatorisch.
Sanskrit
Von den 23 Verfassungssprachen gehören sechzehn der indoarischen, vier der dravidischen (Telugu, Tamil, Kannada und Malayalam), eine der austroasiatischen (Santali) und eine der tibetobirmanisch bzw. sinotibetischen Sprachfamilie (Meitei) an.
Erschwerend wirkt sich der Umstand aus, dass die meisten der Sprachen unterschiedliche Schriftsysteme aufweisen. Während für Hindi, Marathi, Nepali, Konkani und Sanskrit eine gemeinsame Schrift verwendet wird (Devanagari), werden Telugu, Tamil, Kannada, Malayalam, Gujarati, Oriya, Punjabi durch eine jeweils eigene Schrift charakterisiert. Für Bengali, Asamiya und Meitei (Manipuri) wird eine weitere Schrift (Bengalische Schrift) verwendet. Urdu wird in arabischer Schrift geschrieben, Kashmiri und Sindhi werden in arabischer Schrift oder auch in Devanagari geschrieben.
Jedes der von verschiedenen Sprachen verwendeten Schriftsysteme beinhaltet ergänzende, sprachlich bedingte Sonderzeichen. Indien mit seinen 23 Sprachen ist daher das Land mit den meisten Amtssprachen weltweit.
Über die Beibehaltung des Status des Englischen als Amtssprache wird alle 15 Jahre neu entschieden. Englisch gilt weiterhin als Prestige-Sprache und wird nur von einer privilegierten Minorität der Bevölkerung fließend gesprochen. Wenn sich Menschen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften begegnen, sprechen sie – im Norden – entweder Hindi oder Englisch miteinander, im Süden eine der drawidischen Sprachen oder Englisch.
Siehe auch: Indische Schriften und Indische Sprachen
Religionen
Indische Sprachen]
In Indien entstanden vier der großen Religionen: Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus. Der Islam kam infolge von Eroberungen, das Christentum durch frühe Missionierung im ersten Jahrhundert und dann durch den Kolonialismus, der Parsismus aufgrund von Einwanderungen ins Land. Indien bietet also eine außerordentlich reichhaltige Religionslandschaft. Obwohl der Buddhismus über Jahrhunderte die bevorzugte Religion war, starb der Hinduismus nie aus und konnte seine Stellung als dominierende Religion langfristig behaupten.
Die Religionen verteilen sich wie folgt: 80,5 % Hindus, 13,4 % Moslems, 2,3 % Christen, 1,9 % Sikhs, 0,8 % Buddhisten, 0,4 % Jainas und 0,6 % andere: (z.B. Adivasi, Baha'i, Parsen) (Quelle: Census of India 2001)
Die Adivasi (Ureinwohner) widersetzten sich oft den Missionsversuchen der großen Religionen und behielten teilweise ihre eigene Religion. Die indigenen Völker Indiens haben einiges mit dem Hinduismus gemeinsam, so u.a. der Glaube an die Reinkarnation, eine äußere Vielfalt von Göttern und eine Art von Kastenwesen. Nicht selten werden lokale Gottheiten oder Stammesgottheiten einfach in das hinduistische Panthenon integriert - eine Herangehensweise, die historisch zur Ausbreitung des Hinduismus beigetragen hat. Besonders heute besteht eine starke Tendenz der "Hinduisierung", gesellschaftliche Sitten der Hindus und deren Formen der Religionsausübung werden übernommen.
Der Buddhismus ist heute vor allem als „Neobuddhismus“ bei dem unberührbaren Kasten populär, die auf diese Art und Weise versuchen, den Diskriminierungen des Kastensystems zu entkommen. Ins Leben gerufen wurde diese Bewegung durch den Rechtsanwalt Bhimrao Ramji Ambedkar (1891 - 1956), der selbst einer unberührbaren Kaste angehörte. Hinzu kommen die traditionell buddhistischen Gegenden wie Ladakh.
Die Parsen, die heute hauptsächlich in Mumbai leben, bilden eine kleine, überwiegend wohlhabende und einflussreiche Gemeinschaft (ca. 70.000 Menschen). Nicht zuletzt auch durch ihr ausgeprägtes soziales Engagement spielen sie trotz geringer Bevölkerungsanzahl in der indischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. In Europa sind sie durch ihre Bestattungsgepflogenheiten, bekannt, die „Türme des Schweigens“. Auch die Jainas sind oft wohlhabend, da sie aufgrund ihres Glaubens, der das Töten von Lebewesen verbietet, überwiegend Kaufleute und Händler sind. Parsen und Jainas gehören meist der Mittel- und Oberschicht an.
Weniger gut gestellt sind häufig Muslime in Indien. Nur ein geringer Teil gehört der Mittelschicht an, ein großer Prozentsatz ist im unteren Drittel der Gesellschaft zu finden. In Politik und Staatsdienst sind sie unterrepräsentiert. Anders die Sikhs, die hauptsächlich in Nordwesten Indien (Punjab) beheimatet sind und zum Beispiel oft sowohl im militärischen als auch politischen Bereich erfolgreich sind. Der Premierminister Manmohan Singh ist ein Sikh.
Bei den Christen in Indien handelt es sich zum einen um Familien, die bereits vor einigen hundert Jahren unter den Portugiesen konvertiert waren (z.B. in Goa) oder auch um unberührbare Kasten und Adivasis, die der Ungerechtigkeit des Kastensystems entkommen möchten.
53 n.Ch. soll ein Apostel von Jesus, Thomas, nach Indien gekommen sein und dort entlang der südwestlichen Malabarküste mehrere christliche Gemeinden gegründet haben. Diese sogenannten "Thomas Christen" sind noch heute etwa im Bundesstaat Kerala zu finden und machen einen erheblichen Prozentsatz der dortigen Bevölkerung aus. Die indische christliche Kirche ist somit älter als die europäische.
Siehe auch: Hinduismus, Jainismus, Sikhismus
Politik
Politisches System
Indien ist eine parlamentarische Demokratie und damit die größte Demokratie der Erde. Das indische Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Unterhaus (Lok Sabha) und dem Oberhaus (Rajya Sabha). In Indien gilt das Mehrheitswahlrecht. Die Parteienlandschaft des Landes ist äußerst vielfältig (vgl. Liste politischer Parteien in Indien). Viele Parteien sind zwar auf bestimmte Bundesländer beschränkt, dennoch ergibt sich immer wieder die Notwendigkeit Koalitionen zu bilden. Die „National Democratic Alliance“ (NDA) war eine Koalition, die zu Beginn ihrer Regierungszeit 1998 aus 13 Parteien bestand (unter Führung der BJP).
Der Präsident wird (ähnlich wie in Deutschland) von einem Gremium der Abgordneten des Bundes und der Länder gewählt. Die eigentliche Macht hat jedoch der Premierminister inne, der das Recht hat das Parlament aufzulösen und die Minister bestimmt, die der Präsident dann ernennt. Die Verfassung sieht vor, dass Bundesländer unter president´s rule gestellt werden können, wenn das Land als „unregierbar“ gilt. Dies war schon des öfteren in Bihar der Fall. Den politischen Konventionen zufolge erteilt der Premierminister dem Präsidenten einen entsprechenden „Rat“, der in der Regel befolgt wird. Nach den Unruhen in Ayodhya ließ Premierminister P. V. Narasimha Rao 1993 alle vier BJP-Landesregierungen ihres Amtes entheben und die Länder unter president´s rule stellen.
Innenpolitik
Während des Unabhängigkeitskampfes bildete sich der Nationalkongress, der die Kolonialherrschaft der Engländer beenden sollte. Nach der Unabhängigkeit 1947 wurde die Kongresspartei (Symbol: Handfläche) stärkste Partei und bildete mit Jawaharlal Nehru die erste Regierung. Bis Mitte der 1990er Jahre dominierte die Kongresspartei meist unter Führung der Nehru-Gandhi-Familie, mit nur zwei kurzen Unterbrechungen, die Politik des Landes.
Erst im Zusammenhang mit der geplanten „Wieder“-Errichtung des Ram Janmabhumi-Tempels anstelle der Babri-Moschee gelang es der (Bharatiya Janata Party BJP (Indische Volkspartei, Symbol: Lotusblüte) mit nationalistischen Parolen Unterstützung auf breiter Ebene zu finden. Dies gipfelte in dem Marsch auf Ayodhya und dem Abriss der Moschee, der im ganzen Land zu Ausschreitungen und Übergriffen (vor allem gegen Muslime) mit vielen Toten führte. Die polarisierende und pro-hinduistisch ausgerichtete Politik der BJP steht ganz im Zeichen der hindunationalistischen Hindutva-Bewegung, die - auch unter Beteiligung von paramilitärischen Gruppen, wie dem Nationalen Freiwilligencorps (Rashtriya Swayamsevak Sangh, kurz RSS) - die Hinduisierung Indiens und in ihren extremen Auswüchsen die Vertreibung der muslimischen und christlichen Bevölkerung zum Ziel hat. Von 1998 bis 2004 stellte die BJP die Regierung unter dem als eher gemäßigt geltenden Atal Bihari Vajpayee als Premierminister.
Nach einem Anschlag auf einen Zug mit Pilgern im Jahre 2002 begannen Massaker in Gujarat, die von der dort regierenden BJP nur halbherzig bekämpft wurden. Diese Unruhen haben dann doch wohl viele moderate Hindus zu einem gewissen Umdenken gebracht, zumal die von der Indischen Volkspartei hochgehaltene Vision eines Shining India ("Strahlendes Indien") weite Teile der Bevölkerung, die nicht vom Boom der letzten Jahre profitierten, ob der hochgesteckten Ziele eher skeptisch werden ließ.
Bei der Parlamentswahl 2004 erzielte die oppositionelle Kongresspartei unter Sonia Gandhi einen unerwarteten Sieg. Überraschend für ihre Parteienkoalition lehnte sie es ab, den Posten des Premierministers zu übernehmen, Manmohan Singh wurde am 22. Mai 2004 als Premierminister vereidigt.
Außenpolitik
Die außenpolitische Ziele Indiens werden durch das Bemühen, einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erlangen, charakterisiert. Hierbei misst sich Indien mit China als Vergleichsmaßstab und strebt eine Statusaufwertung an. Indien beansprucht aufgrund von Größe und zivilisatorischer Bedeutung den selben Rang wie China, das jedoch anerkannte Atommacht mit ständigem Sitz im UN-Sicherheitsrat ist.
Die Nukleartests im Mai 1998 wurden zwar immer mit dem Verweis auf die chinesische Bedrohung gerechtfertigt (Angriff Chinas von 1962), in erster Linie aber verfolgte Indien mit den Tests eine internationale Statusaufwertung, welche auch die Gleichrangigkeit mit China untermauern sollten.
Indien führte bereits zwei Atomtests durch, den ersten 1974 unter Indira Gandhi, den zweiten 1998 unter Atal Bihari Vajpayee. Zwei Wochen nach dem letzten Versuch reagierte Pakistan mit eigenen Atomtests. Sowohl Indien, als auch Pakistan haben den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben. Einen letzten Höhepunkt der „Eiszeit“ zwischen Indien und Pakistan bildeten die Gefechte in Kargil 1999. Derzeit gibt es wieder aktive diplomatische Bemühungen zwischen Indien und Pakistan, wie der Besuch des indischen Außenministers in Pakistan dokumentiert.
Vier Jahrzehnte lang war die indische Außenpolitik durch das Engagement in der Bewegung der blockfreien Staaten und das „besondere Freundschaftsverhältnis“ mit der Sowjetunion geprägt. Dies wurde insbesondere durch Jawaharlal Nehru begründet. Das Ende des Kalten Krieges brachte für Indien eine Neuorientierung mit sich. Die historisch eher schwierigen Beziehungen zu den USA verbesserten sich seit dem Besuch Bill Clintons in Indien im März 2000. Die USA bemühten sich nun stärker um Indien als strategischen Partner. Hinsichtlich des Kaschmirkonflikts stützten die USA nun stärker die Haltung Indiens. Nach dem 11. September 2001 stellte sich Indien ohne Einschränkung auf die Seite der USA.
Soziale Probleme
Kaschmirkonflikt
Laut Angaben der Weltbank haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung. Über ein Viertel der Bevölkerung ist zu arm, um sich eine adäquate Ernährung zu leisten. Unzureichende Beratung in Fragen der reproduktiven Gesundheit hat zur Folge, dass die Zahl der HIV-Infizierten rapide steigt (derzeit 3,73 Fälle pro 1000 Einwohner). Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten bis 2010 allein in Indien über zehn Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit leiden.
Ein seit der Gründung Indiens schwelendes Problem ist der Hindu-Moslem-Konflikt. Bereits bei der Teilung Indiens 1947 und beim Bangladesch-Krieg 1971 kam es zu massiven Ausschreitungen. Religiöse Unruhen brechen in Indien in gewissen Zeitabständen immer wieder aus. Die letzten Unruhen fanden 2002 in Gujarat statt, als 59 Hindu-Aktivisten (kar sevaks) in einem Zug verbrannt wurden. Infolge der eskalierenden Gewalt kamen ca. 2000 Menschen um, hauptsächlich Moslems.
Auch bei anderen Religionen traten Konflikte auf. Bei den Anti-Sikh-Krawallen im Jahre 1984 - ausgelöst durch die Ermordung Indira Gandhis durch ihre eigenen Sikh-Leibwächter - wurden mehr als 3000 Sikhs getötet. Die politische Situation in Kashmir kostete seit 1989 aufgrund der Aktivitäten von Terroristen über 29.000 Zivilpersonen das Leben.
Ungefähr 16,2 Prozent der indischen Bevölkerung werden zu den sogenannten Unberührbaren (scheduled castes) gerechnet, 8,2 Prozent zählen zur indischen Stammesbevölkerung (scheduled tribes). Die indische Verfassung sieht eine Förderung der unberührbaren Kasten in Form von Quoten vor.
Über diese "positive Diskriminierung" werden in Universitäten und berufsbildenden Institutionen bis zu 50% der Plätze für die "scheduled castes" (Angehörige der unteren Kasten) reserviert.
Verwaltungsgliederung
Indien ist ein Mitglied im Commonwealth of Nations und ist in 28 Bundesstaaten (states) und sieben Unionsterritorien (union territories, einschließlich des Territoriums der Hauptstadt) gegliedert, die sich in insgesamt 593 Bezirke (districts) unterteilen.
Vor der Unabhängigkeit umfasste Indien sowohl selbständige Fürstentümer unter britischer Aufsicht als auch britische Provinzen, die von britischen Kolonialverwaltern regiert wurden. Nach der Unabhängigkeit wurden die ehemaligen Fürstentümer von einem ernannten Gouverneur, die ehemaligen Provinzen jedoch von einem gewählten Parlament und einem gewählten Gouverneur regiert. Im Jahre 1956 beseitigte der States Reorganization Act die Unterschiede zwischen ehemaligen Provinzen und Fürstentümern und schuf einheitliche Bundesstaaten mit einer gewählten Regionalregierung. Bei der Neuordnung der Bundesstaaten wurde die jeweilige Muttersprache der Bewohner als Grundlage der Grenzziehung verwendet. Am 1. Mai 1960 wurde der bisherige Staat Bombay in die neuen ethnischen Staaten Gujarat und Maharashtra aufgeteilt. 2000 entstanden drei neue Bundesstaaten: Jharkhand aus den südlichen Teilen von Bihar, Chhattisgarh aus den östlichen Teilen von Madhya Pradesh, and Uttaranchal aus dem nordwestlichen Teil von Uttar Pradesh.
Siehe auch Hauptartikel
- Indische Staaten (Basisdaten) (alle Staaten und Territorien mit Fläche, Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte)
- Indische Staaten (mehrsprachig) (alle Staaten und Territorien mit Bezeichnung deutsch, englisch, Hindi und in der regionalen Sprache)
Bundesstaaten
Indische Staaten (mehrsprachig)
# Andhra Pradesh
# Arunachal Pradesh
# Assam
# Bihar
# Chhattisgarh
# Goa
# Gujarat
# Haryana
# Himachal Pradesh
# Jammu und Kashmir
# Jharkhand
# Karnataka
# Kerala
# Madhya Pradesh
# Maharashtra
# Manipur
# Meghalaya
# Mizoram
# Nagaland (Naga Pradesh)
# Orissa
# Punjab
# Rajasthan
# Sikkim
# Tamil Nadu
# Tripura
# Uttaranchal
# Uttar Pradesh
# Westbengalen (West Bengal)
Unionsterritorien
- Andamanen und Nikobaren - A
- Chandigarh - B
- Dadra und Nagar Haveli - C
- Daman und Diu - D
- Delhi - G
- Lakkadiven (Lakshadweep) - E
- Pondicherry - F
Pondicherry]
Städte
Hauptstadt Indiens ist Neu-Delhi in unmittelbarer Nähe zu Delhi, das mit rund 11 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes darstellt. Delhi ist kultureller Mittelpunkt der hindisprachigen Gemeinschaft des Nordens. Indiens größte Stadt und wirtschaftliches Zentrum ist jedoch Mumbai (früher Bombay). Die Metropole an der Westküste zählt fast 17 Millionen Einwohner. An dritter Stelle folgt Bangalore. In der 5-Millionen-Stadt im südlichen Dekkan-Hochland sind zahlreiche Hochtechnologiefirmen angesiedelt, was ihr den Beinamen „Silicon Valley Indiens“ eingebracht hat. Kolkata (Kalkutta), die wichtigste Metropole des Ostens, liegt mit 4,6 Millionen Menschen an vierter Stelle. Es gilt als intellektuelles Zentrum. Chennai (ehemals Madras), die mit 4,3 Millionen Einwohnern fünftgrößte Stadt Indiens, ist als kultureller Mittelpunkt Südindiens und insbesondere der Tamilen bekannt.
Siehe auch: Liste der Städte in Indien
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft Indiens
Wirtschaft Indiens
Indien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Seither erlebt das Land ein großes Wachstum und profitiert besonders von der Globalisierung. Es zählt jedoch weiterhin zu den Entwicklungsländern.
Die indische Wirtschaft umfasst sowohl traditionell bäuerliche Betriebe, moderne Agrarbetriebe, Handwerksbetriebe und moderne Industrie, als auch eine breite Palette von Dienstleistungsunternehmen. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Sie profitieren nur selten direkt vom Hightechboom in den Metropolen. Somit herrscht ein großes Einkommensgefälle zwischen bäuerlicher Landbevölkerung und hochqualifizierten, städtischen Fachkräften.
Die größten Wachstumssektoren sind die durch Outsourcing, insbesondere amerikanischer Unternehmen, prosperierenden Bereiche Hard- und Softwareherstellung, Call-Center, das Verlags- und das Gesundheitswesen (Zahnbehandlung, plastische Chirurgie etc).
Nach Schätzungen sind mehr als 200 000 Dienstleistungsjobs aus aller Welt schon nach Indien verlagert: demnach werden die Aufträge bis 2010 einen Umfang von 1,1 Milliarden Dollar haben.
Indiens internationale Zahlungsfähigkeit blieb | | |