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Amethyst
Amethyst ist eine violette Varietät des Minerals Quarz (SiO2).
Etymologie und Geschichte
Die Herkunft des Namens aus dem griechischen αμεθυστoς (amethystos) - "dem Rausche entgegenwirkend" - drückt den alten Glauben aus, dass ein Träger von Amethyst gegen die berauschende Wirkung von Wein gefeit sei. Ebenso sollte Wein aus einem Becher aus Amethyst nicht betrunken machen. Eine andere Variante der Namensgebung ist die, dass Bacchus, der Gott des Weines, eine in einen Kristall verwandelte Nymphe namens Amethyst mit Wein begoss, woraufhin dieser violett wurde.
Dem Amethyst wurde auch eine apotropäische Wirkung gegen Diebstahl nachgesagt. Dieser Umstand wird belegt durch frühgeschichtliche Grabfunde. Merowingerzeitliche Gräber mit Amethyst zeigen, wenn überhaupt, Beraubungsspuren nicht im Bereich der Niederlegung der Steine (Halskette), auch dann nicht, wenn etwa goldene Schmuckanhänger ebenfalls hier zu finden waren. Möglicherweise gab es in dieser Epoche der Frühgeschichte eine weitergehende (und heute nicht mehr rekonstruierbare) nachgesagte (Negativ-)Wirkung des Amethysts auf den Dieb.
Farbe
Die violette Farbe des Amethysts entsteht bei natürlicher Bestrahlung eisenhaltiger Quarze. Sie reicht von einem sehr hellen, leicht rosafarbenen bis zu einem sehr dunklen Violett. Durch Brennen von Amethyst (ca. 400 ° Celsius) entstehen gelbe bis goldene Färbungen ("citrinfarbener Quarz"). Bei vielen der im Edelsteinhandel irreführenderweise verkauften "Gold- oder Madeiratopase" handelt es sich in Wirklichkeit um gebrannte Amethyste.
Amethyste verlieren unter Einfluss von Sonnenlicht recht schnell ihre Farbe und sollten deshalb keiner direkten UV-Bestrahlung ausgesetzt werden. Durch Röntgenstrahlen ist die Farbe - angeblich - wieder zurückzugewinnen. Warum das so ist, ist bisher nicht eindeutig geklärt.
Vorkommen
topas
Amethyst ist ein weit verbreitetes Mineral; große und klare Exemplare, die sich zum Schneiden und zur Weiterverarbeitung als Schmucksteine eignen, sind auf vergleichsweise wenige Fundorte beschränkt. Vorkommen gibt es in Brasilien, Uruguay, Madagaskar, Russland und Sri Lanka.
Solche Kristalle findet man vor allem in Hohlräumen in hydrothermalen Adern und in vulkanischen Gesteinen. Häufig im Handel anzutreffen sind auch sogenannte Amethystdrusen, bei denen sich die Kristalle innerhalb eines Hohlraumes gebildet haben, umgeben von einer Schicht Chalcedon. Die schönsten Drusen stammen in aller Regel aus Brasilien und können mannshoch sein.
Europas größtes Amethystvorkommen befindet sich in der niederösterreichischen Stadt Maissau. Die vor ca. 150 Jahren entdeckte Fundstelle des Amethyst von Maissau liegt etwa 60 km nördlich von Wien, 1 km nach der Ortschaft Maissau an der Bundesstraße in Richtung Horn.
Das Amethystvorkommen in Maissau weist einen gesicherten Verlauf von ca. 400 m auf, davon ca. 40 m im Schaustollen aufgeschlossen zugänglich (!), zeigt eine maximale Breite von 2 m und steht nahezu senkrecht (Einfallen zwischen 80 und 90° nach SSW bzw. NNE).
Die ersten gezielten Grabungen fanden 1986 unter der Aufsicht des Krahuletz-Museums Eggenburg statt. Ab 1999 begann die systematische Freilegung des Ganges durch die Maissauer Amethyst-Gesellschaft (MAG).
Diese eindrucksvolle Offenlegung eines Amethystganges ist weltweit einzigartig. Darüber hinaus kann eine Fortsetzung des Ganges über eine Strecke von 1 km vermutet werden.
Esoterik
Der Amethyst soll - laut Esoterik - gegen Trunksucht und Süchte helfen. Zudem spricht man ihm reinigende, inspirierende und Erkenntnis bringende Eigenschaften zu. Er wird dem Sternzeichen Fisch sowie dem Planeten Neptun zugeordnet.
Weblinks
- [http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Amethyst Mineralienatlas WiKi- Amethyst]
- [http://www.gemstone.org/gem-by-gem/german/amethystD.html Artikel von www.gemstone.org]
- [http://www.maissau.at/amethystwelt/amethyst.htm Amethystseite]
- [http://www.edelsteindatenbank.de/amethyst.htm Informationen zum Amethyst]
Kategorie:Schmuckstein
Kategorie:Mineral
ja:アメジスト
Varietät (Geologie)Unter Varietät versteht man in der Mineralogie die unterschiedliche Ausbildung eines Minerals hinsichtlich Farbe, Transparenz, Tracht oder Kristallgröße. Der Gitterbau des Kristalls ist aber jeweils identisch.
Beispiele: Quarz - Bergkristall - Citrin - Amethyst
Kategorie:Mineralogie
Quarz
Quarz ist ein im trigonalen Kristallsystem kristallisierendes Silikat-Mineral mit Härte 7, sehr variabler Farbe (auch farblos) und weißer Strichfarbe. Es besteht wie das amorphe Quarzglas vollständig aus Siliziumdioxid (SiO2).
Quarz wird gelegentlich mit dem Kalzit verwechselt, kann jedoch durch seine größere Härte, die niedrigere Doppelbrechung und die Reaktion des Kalzits mit verdünnter Salzsäure leicht von diesem unterschieden werden. Quarz ist ein häufiges gesteinsbildendes Mineral und sehr erosions- und verwitterungsbeständig.
Varietäten und Modifikationen
Verschiedene Einzelminerale und Schmucksteine werden zu den Quarzen gerechnet. Sie bestehen alle aus SiO2, enthalten aber Verunreinigungen, unter anderem durch Eisen, Mangan, Titan oder Eisenhydrate, welche verschiedene Färbungen hervorrufen. Zu den Quarzen zählen unter anderem die Varietäten:
- Achat, Amethyst, Aventurin
- Bergkristall
- Chalcedon, Chrysopras, Citrin
- Eisenkiesel
- Falkenauge
- Heliotrop
- Jaspis
- Quarz-Katzenauge, Karneol (Carneol)
- Milchquarz, Moosachat, Morion
- Onyx
- Prasem
- Rauchquarz, Rosenquarz
- Saphirquarz, Sarder, Sardonyx
- Tigerauge
Die Modifikationen des Quarz haben dieselbe chemische Zusammensetzung wie Quarz, das Kristallgitter, wenn vorhanden, ist jedoch anders aufgebaut. Man unterscheidet insbesondere folgende Modifikationen:
- den wasserhaltigen, amorphen Opal
- die Hochdruckmodifikationen Coesit, Cristobalit, Stishovit und Tridymit
- den kubisch kristallisierenden Melanophlogit
Die meisten Modifikationen können selbst wieder in verwandte, aber kristallographisch verschiedene Kristallstrukturen unterteilt werden.
Quarz selbst ist nur bei niedriger Temperatur in der trigonalen α-Quarz-Phase stabil. Bei 573 Grad Celsius findet eine Phasenumwandlung in die hexagonale β-Quarz-Phase statt. Die höhere Symmetrie des β-Quarz führt unter anderem zum Verlust der piezoelektrischen Eigenschaften.
Den Übergang von der β-Quarz Phase zum α-Quarz kann man sich leicht vereinfacht durch Kippen robuster Tetraeder um die <100> Achse veranschaulichen.
Die Kipprichtung entscheidet über die Orientierung des α-Quarzes.
Diese beiden Orientierungen der α-Quarz Phase werden als Dauphiné-Zwillinge des Quarz bezeichnet.
Struktur
Der Quarz ist ein Gerüstsilikat das aus SiO4-Tetraedern besteht. Über die Sauerstoffatome in den Ecken entsteht die Atombindung, in dem sich jedes Siliziumatom vier halbe Sauerstoffatome teilt und damit den Ladungshaushalt ausgleicht.
Vorkommen
Quarz findet sich häufig in Form sechsseitiger Kristalle, die im Einzelfall mehrere Tonnen schwer werden können. Das Mineral entsteht meist in der kontinentalen Kruste und findet sich dort in Form wohlentwickelter Kristalle, als Kruste auf Oberflächen und als Auskleidung natürlicher Höhlungen, so genannter Geoden.
Als sehr häufig vorkommendes Mineral, das einen Anteil von zwölf Prozent an der Mineralzusammensetzung der Erdkruste ausmacht, tritt Quarz sowohl in magmatischen und metamorphen Gesteinen als auch in Sandstein und Kreidekalken organischen Ursprungs auf: In magmatischen Gesteinen ist Quarz typisch für Granit, Rhyolith, Pegmatit oder Hydrothermaladern. Gabbro und Pyroxenit, die aus siliziumdioxidarmen Magmen entstanden sind, enthalten dagegen nur wenig Quarz. Ein wichtiges quarzhaltiges metamorphes Gestein ist Gneis, in dem das Mineral oft reine Adern bildet.
Daneben ist Quarz auch wichtiger Bestandteil von Sedimentgesteinen:
Viele Sande, sowie allgemeiner Fluss- und Meeresablagerungen, enthalten wegen der hohen Erosionsbeständigkeit des Minerals Quarz. Aus komprimierten und zusammenzementierten Quarzkörnern entsteht der Quarzsandstein.
Bedeutung als Rohstoff
Quarz findet je nach Varietät zahlreiche verschiedene Anwendungen:
Quarzvariationen wie der Achat, der violette Amethyst, der zitronengelbe Citrin, der blutrote Jaspis oder der massive, schwarz-weiß gestreifte Opal werden wegen der großen Härte und der guten Schneid- und Polierbarkeit des Minerals in der Schmuckindustrie zu Schmucksteinen verarbeitet.
Reiner Bergkristall wird zu optischen Prismen und Linsen geschliffen; Quarz allgemein findet in der Glas- und Keramikindustrie Verwendung.
Da Quarz nur mit wenigen Chemikalien reagiert, kann er auch gut für Gefäße verwendet werden. Bei der Wirbelschichtverbrennung wird Quarzsand mit der Luft verwirbelt, um die Wärmeübertragung zu verbessern und den Verbrennungsvorgang zu optimieren. Daneben findet Quarz Anwendung in Form feuerfester Steine.
Seine hohe Festigkeit, die Pflanzenbewuchs verhindert, führt dagegen zum Einsatz des Minerals als Eisenbahnschotterkörper.
Quarz ist allerdings ungeeignet als Straßenschotter, da er zu hart ist, schlecht bindet und einen raschen Verschleiß bei den Autoreifen verursacht.
Die piezoelektrischen Eigenschaften des Quarz werden in Form von Schwingquarzen ausgenutzt, die ähnlich einem Pendel bei Anlegen einer elektrischen Spannung in einer festen Frequenz schwingen.
Der Bau sehr genau gehender Quarzuhren wurde so möglich, doch auch die Taktfrequenz von Computern und der Farbträger in so gut wie allen Farbfernsehgeräten wird durch Schwingquarze vorgegeben. Daneben ist Quarz auch geeignet für Druckmessungen und in der Hochfrequenztechnik.
Zum Einsatz kommt Quarz auch in Normmaßstäben und Normgewichten, sowie als Faden für Torsionswaagen. Quarzkristallplatten aus unverwittertem Quarz werden in der Elektroakustik verwendet.
Weitere Anwendungen findet Quarz schließlich in Quarzlampen.
Quarz und Fossilisierung
Dringt siliziumreiches Grundwasser in das Gewebe abgestorbener, holziger Pflanzen ein, so können diese durch Auskristallisierung von Quarz fossilisieren und zwar oft so, dass die ursprüngliche Zellstruktur erhalten bleibt. Paläobotaniker können daraus heute Schlüsse zum Beispiel zu den einstigen Wachstumsbedingungen der Pflanze ziehen.
Geschichte
Quarz war im Mittelalter eine Bezeichnung für das Bergwerk, sowie für alle Kristalle. Erst mit Georgius Agricola wurde der Begriff auf Bergkristalle eingeschränkt. Die Wortherkunft ist unklar. In Frage kommen altslawisch tvurdu für „hart“ und mittelhochdeutsch querch für „Zwerg“. Die Bezeichnung "Quarz" hat sich international durchgesetzt.
Siehe auch: Liste von Mineralen
Literatur
- Edition Dörfler: Mineralien Enzyklopädie, Nebel Verlag, ISBN 3-89555-076-0
- Rudolf Rykart: Quarz-Monographie, Ott-Verlag, ISBN 3-72256-204-X
Weblinks
- [http://www.mineralienatlas.de/phpwiki/index.php/Quarz Quarz im Mineralienatlas]
- http://www.mineralien-basel.ch Quarzmodellbogen
Kategorie:Schmuckstein
Kategorie:Mineral
Kategorie:Wortexport
ja:石英
ko:석영
ApotropäischApotropäisch (griech. αποτρόπαιος "abwehrend") nennt man Handlungen, im weiteren Sinn auch Objekte, die Dämonen austreiben oder Unheil abwenden sollen.
Apotropäische Handlungen basieren auf Geisterglauben, es sind Riten, die aus heidnischer Zeit in den Volksglauben übernommen und vielfach kulturell wie religiös überformt wurden. Sie werden bis in die Gegenwart durchgeführt, meist ohne das Wissen um ihre Herkunft. Die Verwendung bestimmter Dinge im Zusammenhang mit genau definierten Schutzfunktionen (zum Beispiel Haselnuss als Abwehr gegen Schlangenbiss) ergibt sich teilweise aus dem Gegenstand selbst; so ist ein Stein mit einem natürlichen Loch, der Geistern den Zutritt zum Viehstall verwehren soll, auf Grund seiner Form ein "anomales" Objekt und damit quasi magisch: dem Zauber wird ein Gegenzauber entgegengestellt.
Die Überformung erfolgt einerseits in areligiösen Handlungen wie dem Tragen von Amuletten, Tätowierungen und bestimmten Kleidungsstücken (vor allem Kopfbedeckungen, zum Beispiel Baschlik und Tschador), andererseits in christlicher Deutung. Hierzu zählt neben dem christlichen Taufritual und anderen liturgischen Verwendungen von Weihwasser wie auch von Weihrauch die Praxis des mittelalterlichen Kirchenbaus, das Westwerk (die dem Osten, das heißt der Sonne und dem Leben abgewandte Seite) mit Darstellungen von Teufels- und Dämonenfratzen zu zieren. Generell wurzeln viele im Mittelalter entwickelte Glaubensvorstellungen in apotropäischen Handlungen: Die Verwendung von Heiligenbildern, Ikonen und Reliquien basiert auf der magischen Wirkung, die dem Objekt zugeschrieben wird.
Eine besondere Bedeutung besitzen apotropäischen Handlungen im Zusammenhang mit dem Tod, da dies im Alltagsleben einen ungewollten Berührungspunkt mit dem Übersinnlichen schafft.
Siehe auch: Exorzismus, Totenbrauch
Kategorie:Ethnologie
Kategorie:magie
DiebstahlDiebstahl ist eine gegen fremdes Eigentum gerichtete Straftat. Welches Verhalten sich im konkreten Einzelfall als Diebstahl darstellt, bestimmt sich nach den Tatbestandsmerkmalen der jeweiligen nationalen Strafrechtsnorm, so etwa § 242 Strafgesetzbuch-Deutschland oder § 127 Strafgesetzbuch-Österreich. Krankhaften Diebstahl nennt man Kleptomanie.
Deutschland
Tatbestand
§ 242 Abs. 1 StGB definiert einen Diebstahl wie folgt:
:Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
- Der Begriff der beweglichen Sache ist dem Sachenrecht entsprechend zu verstehen und schließt von den Vermögensgütern die Immobilien und die Rechte als Objekt aus. Elektrische Energie ist keine Sache, da körperlos, weshalb Entziehung elektrischer Energie als eigener Straftatbestand geregelt wurde (§ 248c StGB). Selbiges gilt auch für Computerdaten.
- Fremd ist eine Sache, die nicht im Alleineigentum des Täters steht, nicht herrenlos ist und besitzfähig (was beispielsweise nicht auf Tiere in Freiheit oder i.d.R. Leichen zutrifft) ist.
- Wegnahme bedeutet den Bruch fremden und die Begründung neuen, regelmäßig (aber nicht notwendig) tätereigenen Gewahrsams.
- Gewahrsam ist die von einem Herrschaftswillen getragene tatsächliche Herrschaftsmacht einer Person über eine Sache, vergleichbar mit dem zivilrechtlichen Besitz. Allerdings sind im Strafrecht zivilrechtliche Fiktionen (wie beispielsweise der Erbenbesitz gem. § 857 BGB) unbeachtlich. Im Einzelnen ist maßgebend, ob die herrschenden sozialen Anschauungen trotz einer Lockerung der Herrschaft (beispielsweise bei einem auf der Straße abgestellten Kraftfahrzeug) dem Berechtigten noch Gewahrsam zusprechen (sozial-normativer Maßstab). Beim Ladendiebstahl liegt die Wegnahme nicht notwendigerweise im Verlassen des Geschäfts mit der unbezahlten Ware, sondern bereits im Verbergen in einer Tasche oder in der Kleidung. Fehlt es an fremdem Gewahrsam kommt Unterschlagung in Betracht.
- Gebrochen wird der Gewahrsam, wenn er gegen oder ohne den Willen des Inhabers aufgehoben wird.
- Diebstahl ist nur vorsätzlich begehbar.
- Zueignungsabsicht als so genannte überschießende Innentendenz – ein subjektives Merkmal des Tatbestands, dem kein objektives Merkmal entspricht – ist gegeben, wenn der Täter den wahren Berechtigten dauerhaft entsetzen und sich selbst oder einen Dritten jedenfalls vorübergehend an seine Stelle setzen will. Bloße Gebrauchsanmaßung (Wegnahme zum vorübergehenden Gebrauch mit Rückgabeabsicht) ist nicht strafbar (Ausnahme bei Kraftfahrzeugen, deren unbefugter Gebrauch durch § 248b StGB unter Strafe gestellt ist).
Abgrenzung zum Betrug
Problematisch ist die Abgrenzung des Diebstahls zum Betrug (§ 263 StGB).
Denn nach der allgemein vertretenen Exklusivitätsthese kann eine Tathandlung nur entweder ein Diebstahl oder ein Betrug sein.
Besonders die Fälle des Dreiecksbetruges bzw. des Diebstahls in mittelbarer Täterschaft sind in diesem Zusammenhang schwer abzugrenzen.
Während der Diebstahl ein Fremdschädigungsdelikt darstellt, ist ein Betrug ein Selbstschädigungsdelikt. Fallkonstellationen, in denen aber beispielsweise ein Familienangehöriger irrtümlich eine Sache des Opfers an den Täter heraus gibt sind daher nur schwer einzuordnen.
Im Wesentlichen sind in diesem Zusammenhang zwei Theorien zu nennen:
Theorie der rechtlichen Befugnis
Die Theorie der rechtlichen Befugnis stellt ein Selbstschädigungsdelikt (also einen Betrug) nur dann fest, wenn derjenige, der das Tatobjekt an den Täter heraus gibt (Irrtumsträger), rechtlich dazu befugt war über die Sache zu verfügen.
Lagertheorie
Die Lagertheorie stellt auf das Näheverhältnis zwischen Irrtumsträger und Opfer (bzw. Täter) ab.
Stand der Irrtumsträger "im Lager" des Opfers (z.B. ein Familienangehöriger) liegt ein Selbstschädigungsdelikt vor.
Stand der Irrtumsträger dagegen "im Lager" des Täters (z.B. ein Komplize) wird ein Fremdschädigungsdelikt angenommen.
Österreich
Tatbestand
Im Folgenden der Wortlaut des § 127 StGB:
:§ 127. Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen mit dem Vorsatz wegnimmt, sich oder einen Dritten durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.
Schweiz
Gesetzestext des schweizerischen Strafgesetzbuches (Art. 139 StGB):
Art. 139
Diebstahl
1. Wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft.
Da der Wortlaut des österreichischen und schweizerischen Gesetzes zum Diebstahl weitgehend mit dem des deutschen StGB übereinstimmt, gelten die zu den einzelnen Tatbestandsmerkmalen angestellten Überlegungen auch für das Strafrecht dieser drei Länder.
Zusätzlich ist Tatbestandsmerkmal, dass der Täter durch die Zueignung sich oder einen Dritten unrechtmäßig bereichern will.
Alle Tatbestandsmerkmale (vor allem: fremde bewegliche Sache; Wegnahme aus der Gewahrsame eines anderen; Zueignung; Bereicherung) müssen im Zeitpunkt der Tat vom Vorsatz des Täters umfasst sein.
Qualifizierte Tatbestände
Die qualifizierten Tatbestände sind erfüllt, wenn zu den Tatbestandsmerkmalen des Diebstahls weitere hinzukommen:
- Schwerer Diebstahl (§ 128 StGB) mit einer Strafdrohung von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren liegt vor, wenn man einen Diebstahl begeht
- während einer Feuersbrunst, einer Überschwemmung, einer allgemeinen oder doch dem Bestohlenen zugestoßenen Bedrängnis oder unter Ausnützung eines Zustands des Bestohlenen, der ihn hilflos macht;
- in einem Raum, der der Religionsausübung dient, oder an einer Sache, die dem Gottesdienst oder der Verehrung durch eine in Österreich bestehende Kirche oder Religionsgesellschaft dient;
- an einer Sache von allgemein anerkanntem wissenschaftlichem, volkskundlichem, künstlerischem oder geschichtlichem Wert, die sich in einer öffentlich zugänglichen Sammlung, an einem öffentlich zugänglichen Ort oder in einem öffentlichen Gebäude befindet;
- an einer Sache, deren Wert 2.000 Euro übersteigt. Übersteigt der Wert 40.000 Euro, erhöht sich die Strafdrohung auf ein bis zehn Jahre Freiheitsstrafe.
- Diebstahl durch Einbruch oder mit Waffen (§ 129 StGB) ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahre bedroht. Voraussetzung ist
- Einbrechen in ein Haus, ein Transportmittel oder sonstigen abgeschlossenen Raum, Einsteigen (beispielsweise in einen Lagerplatz) oder Eindringen mit einem widerrechtlich erlangten oder nachgemachten Schlüssel oder mit einem Werkzeug, das nicht zum ordnungsgemäßen Öffnen bestimmt ist;
- Aufbrechen oder Öffnen eines Behältnisses mit diesen Methoden;
- das sonstige Aufbrechen oder Öffnen einer Sperrvorrichtung mit diesen Methoden;
- das Mitführen einer Waffe oder eines anderen Mittels, um den Widerstand einer Person zu überwinden oder zu verhindern. (D.h., dass tatsächliche Gewaltanwendung nicht Voraussetzung der Strafbarkeit ist. Das bloße Wissen, dass ein anderer Beteiligter eine Waffe mit sich führt, genügt zur qualifizierten Strafbarkeit nach § 129 StGB.)
- Gewerbsmäßiger Diebstahl oder Diebstahl im Rahmen einer kriminellen Vereinigung (§ 130 StGB) ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen, die gewerbsmäßige Begehung eines schweren Diebstahls oder eines Diebstahls durch Einbruch oder mit Waffen mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren.
:Gewerbsmäßigkeit liegt vor, wenn der Täter die Tat in der Absicht begeht sich durch die wiederkehrende Begehung eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen.
- Räuberischer Diebstahl (§ 131 StGB) liegt vor, wenn ein auf frischer Tat betretener Dieb Gewalt gegen eine Person anwendet oder sie mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben bedroht, um sich oder einem Dritten die weggenommene Sache zu erhalten.
- Im Gegensatz zum Raub hat der Täter den Diebstahl nicht von vornherein mit dem Vorsatz begangen Gewalt zu üben, sondern sich dazu erst entschlossen, nachdem er ertappt wurde.
- Die Strafdrohung beträgt Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren; hatte die Tat eine Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen oder den Tod eines Menschen zur Folge, ist sie mit Freiheitsstrafe von fünf bis zu fünfzehn Jahren zu bestrafen.
Abgrenzung zu anderen Delikten
- Unterschlagung (§ 134 StGB): Das fremde Gut ist ohne Zutun des Täters in dessen Gewahrsam gekommen (beispielsweise weil er es gefunden hat, ihm irrtümlich übergeben wurde etc.), ehe es dieser sich oder einem Dritten mit Bereicherungsvorsatz zueignet.
- Veruntreuung (§ 133 StGB): Der Täter eignet sich oder einem Dritten mit Bereicherungsvorsatz ein Gut zu, das ihm anvertraut wurde.
- Dauernde Sachentziehung (§ 135 StGB): Der Täter schädigt einen anderen, indem er eine fremde bewegliche Sache auf Dauer aus dessen Gewahrsame entzieht ohne sie sich oder einem anderern zuzueignen.
- Entziehung von Energie (§ 132 StGB): Der Täter nimmt keine körperliche Sache weg, sondern entzieht mit Bereicherungsvorsatz Energie aus einer Anlage, die der Gewinnung, Umformung, Zuführung oder Speicherung von Energie dient. Die bekannteste Form ist der Elektrizitätsdiebstahl.
- Unbefugten Gebrauch von Fahrzeugen (§ 136 StGB) begeht, wer ein Fahrzeug, das zum Antrieb durch Maschinenkraft eingerichtet ist, ohne Einwilligung des Berechtigten in Betrieb nimmt.
:Der Täter will also das Fahrzeug nur benützen, nicht auf Dauer mit Bereicherungsvorsatz wegnehmen. Will er dies (beispielsweise um das gestohlene Auto zu verkaufen), liegt Diebstahl vor.
- Eingriff in fremdes Jagd- oder Fischereirecht (§ 137 StGB): Der Täter stellt unter Verletzung fremden Jagd- oder Fischereirechtes dem Wild nach, fischt, fängt oder tötet Wild oder Fische, eignet sie sich oder einem Dritten mit Bereicherungsvorsatz zu oder beschädigt oder zerstört Sachen, die dem Jagd- oder Fischereirecht eines anderen unterliegen.
:Das Wild und die Fische sind zwar herrenlos, das heißt es besteht daran kein Eigentum, doch sind nur bestimmte Personen zur Aneignung berechtigt. In diese Rechte wird durch die Tat eingegriffen.
- Entwendung (§ 141 StGB): Mit geringerer Strafe (Freiheitsstrafe bis zu einem halben Jahr oder Geldstrafe bis zu 60 Tagessätzen) ist bedroht, wenn jemand einen Diebstahl oder ein anderes dem Diebstahl ähnliches Delikt (siehe oben) aus Not, aus Unbesonnenheit oder zur Befriedigung eines Gelüsts an einer Sache von geringem Wert begeht, sofern keine qualifizierte Form des Grunddeliktes verwirklicht ist.
- Raub (§ 142 StGB) liegt vor, wenn jemand mit Bereicherungsvorsatz einem anderen eine fremde bewegliche Sache mit Gewalt oder Drohung mit einer gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben wegnimmt oder abnötigt.
- Anders als beim räuberischen Diebstahl hat der Täter von vornherein den Vorsatz, Gewalt zu üben oder damit zu drohen.
- Raub liegt auch vor, wenn dem Geschädigten die Sache nicht weggenommen wird, sondern er sie gezwungenermaßen selbst hergibt.
- Hehlerei (§ 64 StGB): Wer Diebesgut verkauft, ohne selbst in dem Fall Dieb zu sein, oder sonst zwecks Verwertung weiter verbreitet oder den Täter dabei unterstützt erbeutete Sachen zu verheimlichen oder zu verwerten, ist ein Hehler.
Synonyme und Euphemismen
Klaufen
Klaufen ist ein häufig von Jugendlichen genutzter Begriff, der sich aus "klauen" und "kaufen" zusammensetzt. Ein Geschäft zu verlassen ohne etwas gekauft zu haben, könnte das Interesse von Kassierern wecken und die Aufmerksamkeit derer auf Auffälligkeiten wie nervöses Verhalten, prall gefüllte Rücksacktaschen, herraushängende Etiketten oder ausgebeulte Taschen lenken. Um also die eigentliche reine Absicht des Diebstahls zu verschleiern werden Gegenstände von geringem Wert [meist Auslageware im Kassenbereich] gekauft. Auf diese Weise fällt der Dieb aus dem typischen Dieb-Verhaltensprofil [betreten-stehlen-verlassen] herraus.
Klaufen ist eine psychologische Strategie die ein Dieb aus 2 Gründen nutzt:
1. Um die eigene Nervosität zu senken indem er einen normalen Kunden imitiert und das an seinem Körper versteckte Diebesgut gedanklich "ausblendet".
2. Um das Bild des normalen Kunden nach außen hin entstehen zu lassen um so durch konformes Verhalten Normalität auszustrahlen.
Als Beischlafdiebstahl wird ein Diebstahl im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit Beischlaf bezeichnet.
Dieses Delikt wird hauptsächlich im Prostitutionsmilieu begangen, und zwar oft mit Tatbeteiligung Dritter.
Siehe auch:
Trickdiebstahl | Einbruchdiebstahl | FEIN-Kodierung
Weblinks
-
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/stgb/__242.html § 242 StGB]
- [http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bgb/__857.html § 857 BGB]
- [http://www.ris.bka.gv.at/bundesrecht/ Österreichische Gesetzestexte im Rechtsinformationssystem des Bundes]
- [http://www.nicht-bei-mir.de "Nicht bei mir - Initiative für aktiven Einbruchschutz" herstellerneutrale Aufklärungskampagne zum Schutz vor Einbruch, Überfall, Brand- und Gasgefahren.]
Kategorie:Straftat
simple:Theft
Frühgeschichte
Kategorie:Wikipedia:Qualitätssicherung
Die Diskussion über diesen Antrag findet auf der Qualitätssicherungsseite statt.
Hier der konkrete Grund, warum dieser Artikel auf den QS-Seiten eingetragen wurde: Der Artikel wurde wegen des Überarbeiten-Bausteins auf die QS-Seiten gestellt. Diskussionen über den Überarbeitungsstand des Artikels sollten auf der entsprechenden QS-Seite zwecks gemeinschaftlicher Überarbeitung geführt werden. Gruß -- Steffen85 00:58, 27. Nov 2005 (CET)
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Die Frühgeschichte befasst sich mit den Kulturen der Menschheit, von denen einige schriftliche Aufzeichnungen bekannt sind, über die aber dennoch ein Großteil der Erkenntnisse durch die Archäologie gewonnen wird. Die Frühgeschichte schließt sich an die Vorgeschichte an und wird von der eigentlichen historischen Geschichte abgelöst, die wesentlich durch die Auswertung schriftlicher Quellen arbeitet.
Die Definition durch die Art der Überlieferung bedingt, dass man kein Zeitintervall zur Eingrenzung der Frühgeschichte geben kann; in verschiedenen Regionen war die kulturelle Entwicklung des Menschen unterschiedlich schnell.
Des Weiteren wird die Frühgeschichte regional begrenzt. Gewöhnlich sind der Nahe Osten, der Mittlere Osten, Nordafrika und der Mittelmeerraum die unter dieser Wissenschaft behandelten Gegenden. Die entsprechenden Entwicklungen im Fernen Osten, in Nordamerika, in Afrika und in Australien werden in eigenen Disziplinen behandelt.
Für den Bereich des mittleren und nördlichen Europas behandelt die Frühgeschichte die Kulturen der Merowinger, der Franken oder der Wikinger. Ein Übergang von der Vorgeschichte zur Frühgeschichte wird hier noch diskutiert. Allgemein schließt sich an die archaischen Kulturen der Kelten oder Germanen ein römischer Okkupationshorizont an, der mit dem Zerfall des Weströmischen Reiches in der Spätantike sein Ende findet.
Gegenstand der momentanen Forschungen und Diskussionen ist die Problematik einer Kontinuität bzw. Diskontinuität im Übergangshorizont von der Spätantike zum Frühmittelalter. Die Fragestellung befasst sich intensiv mit den noch zu schließenden Lücken in der Überlieferung.
Kategorie:Ur- und Frühgeschichte
Kategorie:Zeitalter
Citrin
Citrin ist eine schwach- bis goldgelbe Varietät des Quarzes. Die Farbe, die das Mineral seinem Eisengehalt verdankt, ist auch für den Namen verantwortlich (von citrus). Natürliche Citrine sind sehr selten und meist blassgelb; im Handel werden vorwiegend hitzebehandelte Amethyste mit einem Stich ins Rötliche als Citrin verkauft.
Quarz
Weblinks
Kategorie:Schmuckstein
Kategorie:Mineral
Topas
Topas, auch Schneckenstein, Schneckentopas oder Sächsischer Diamant genannt, ist ein im orthorhombischen Kristallsystem kristallisierendes Aluminium-Silikat-Mineral der chemischen Zusammensetzung Al2SiO4(OH, F)2. Die Klammern geben an, dass Hydroxidionen OH und Fluoridionen F in beliebigem Mischungsverhältnis auftreten können, aber in ihrer Gesamtheit immer im selben Verhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals auftreten. Die Farbe von Topas ist variabel, oft aber gelbbraun, blau, violett, rot oder farblos, während die Strichfarbe weiß ist. Viele Topase werden durch Behandlung farblich verändert. Das kann durch Bestrahlung mit Gamma- oder Elektronenstrahlen (braun, grünlichbraun) oder durch Erhitzen (blau, rötlich) geschehen.
So entstehen zum Beispiel der dunkelgrüne, bräunliche oder violett schillernde Mystic-Fire-Topas oder der Indian-Summer-Topas, der rosa bis hellviolett schillert.
Topas ist trotz einer Härte von 8 leicht spaltbar, wodurch er schwierig zu bearbeiten ist. Der Bruch ist muschelig bis uneben.
Vorkommen
Topas findet sich in Form charakteristischer prismatischer, auf der Unterlage aufgewachsener Kristalle, daneben aber auch massiv oder in einer körnigen Variante. Meist tritt er zusammen mit Beryll, Turmalin und Apatit in sauren magmatischen Gesteinen wie Granit-assoziierten Pegmatiten auf, daneben kommt er auch in Gneisen und als Mineralseife zum Beispiel in Flusssedimenten vor. In Brasilien gibt es große Lagerstätten, in denen besonders große Kristalle gefunden wurden. Weitere wichtige Fundorte liegen in der Tschechoslowakei, in Sachsen, Norwegen, Schweden, Japan, Mexiko, den Vereinigten Staaten, Sri Lanka, Birma und Pakistan.
Verwendung als Rohstoff
Pakistan
Topas ist in reiner Form ein wertvoller Schmuckstein. Der größte jemals gefundene Topaskristall wog 271 Kilogramm, der schwerste geschliffene blaue Topas 4,2 Kilogramm.
Geschichte
Nach Angaben des römischen Naturforschers Plinius des Älteren stammt der Name Topas von der Insel Topazos ab, die im Roten Meer gelegen ist. Tatsächlich wurde aber dort kein Topas, sondern ein anderes Mineral, Olivin, abgebaut, das lange mit Topas verwechselt wurde.
Ebenfalls verwechselt wurde im Jahre 1740 ein anderer Topas, der so genannte Braganza-Diamant. Wie der Name bereits andeutet, nahm man zu der Zeit fälschlicherweise an, dass es sich bei ihm um einen Diamanten handelt - in diesem Glauben wurde er jedenfalls in die portugiesische Krone eingesetzt.
Sonstiges
Die Handelsnamen Goldtopas und Madeiratopas bezeichnen Citrin oder gelbgebrannten Amethyst, der Rauchtopas ist ein Rauchquarz; dies alles sind mit dem echten Topas in keiner Beziehung stehende makrokristalline Varietäten der Quarz-Gruppe.
Siehe auch: Liste von Mineralen
Weblinks
- [http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Topas Mineralienatlas Topas]
Kategorie:Schmuckstein
Kategorie:Mineral
ja:トパーズ
Brasilien
Brasilien (portugiesisch Brasil) ist der fünftgrößte Staat der Erde und der bevölkerungsreichste Südamerikas. Er nimmt über die Hälfte des Kontinents ein. Das Land grenzt (von Nordosten gegen den Uhrzeigersinn) an Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Paraguay, Argentinien, Uruguay und den südlichen Atlantik. Damit hat es mit jedem südamerikanischen Land außer Chile und Ecuador eine direkte Grenze.
Geographie
Ecuador
Brasilien ist geprägt durch die ausgedehnten Regenwälder des Amazonas-Tieflands im Norden und Hochebenen, Hügeln und Gebirge im Süden. Während die landwirtschaftliche Basis des Landes in den Savannengebieten des Mittelwestens liegt, lebt der Großteil der Bevölkerung in der Nähe der Atlantikküste, wo sich auch fast alle Großstädte befinden.
Wichtige Städte
Atlantik
Atlantik
Die größten Städte sind São Paulo mit ca. 19 Mio. Einwohnern, Rio de Janeiro mit ca. 6 Mio. Einwohnern, Salvador da Bahia mit ca. 2,7 Mio. Einwohnern, Belo Horizonte und Fortaleza mit je 2,3 Mio. Einwohnern und Brasília mit 2,2 Mio. Einwohnern. Die Einwohnerzahlen beziehen sich jeweils auf die Großräume.
São Paulo ist die größte Stadt Südamerikas und der wirtschaftliche Motor Brasiliens. Als industrielles Zentrum des Landes zieht die Stadt kontinuierlich Einwanderer an, sodaß sich die Zahl der Einwohner innerhalb von 40 Jahren verdoppelte. Die rapide Bevölkerungsentwicklung brachte ihr eine vorrangige Stellung in Bezug auf Finanzen, Kultur und Wissenschaft ein, aber auch Verkehrsprobleme, Umweltverschmutzung und Kriminalität.
Rio de Janeiro war fast 200 Jahre lang Hauptstadt Brasiliens, bis sie diesen Status 1960 an Brasília abgeben mußte. Es ist die wohl bekannteste Stadt des Landes. Bei Touristen ist sie beliebt wegen des Karnevals und der Strände, die zu den schönsten der Welt zählen. Der Tourismus hat in Rio einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, aber auch produzierende Industrie ist in der Stadt beheimatet. Abseits der Urlaubszentren hat die Stadt mit den typischen Problemen einer Großstadt zu kämpfen, vorrangig mit Kriminalität und Armut großer Bevölkerungsteile.
Die Hauptstadt Brasília wurde in den 1960er Jahren innerhalb von drei Jahren erbaut. Es handelt sich um eine klassische Planhauptstadt. Sie wurde von Lúcio Costa im Auftrag des damaligen Präsidenten Kubitschek entworfen, Oscar Niemeyer entwarf die Regierungsgebäude. Brasília sollte ursprünglich als glänzendes städtisches Vorbild dienen. Allerdings ging die Entwicklung in wichtigen Punkten nicht so voran, wie es die Pläne vorsahen, und so ist Brasília in den äußeren Bezirken mittlerweile ebenfalls von Favelas geprägt. Heute hat die Stadt knapp 200.000 Einwohner, die Metropolregion zählt etwa 2,2 Millionen Menschen.
Höchste Berge
Der höchste Gipfel Brasiliens ist der 3.014 m hohe Pico da Neblina, der 1965 zum ersten Mal bestiegen wurde. Wie auch der zweithöchste Berg, der Pico 31 de Março (2.992 m), liegt der Pico da Neblina im gleichnamigen Nationalpark nahe der Grenze zu Venezuela und Guyana. Der Pico da Bandeira (2.891 m) wurde früher für den höchsten Berg des Landes gehalten, da er nicht im lange Zeit nur wenig erforschten Regenwald, sondern im eher dicht besiedelten Südosten liegt. Er gilt durch seine Besiedlung als bestbesteigbarster Berg Brasiliens. Berühmter noch ist der Corcovado, der mit seinen 710 m einen spektakulären Blick über Rio de Janeiro bietet. Auf ihm steht die 30 m hohe Erlöser-Statue.
Gewässer
Der mit Abstand wichtigste Fluss Brasiliens ist der Amazonas, größter und längster Fluss der Erde (zwischen 6850 und 7250 km), mit seinen Nebenflüssen. Die bedeutendsten Zuflüsse sind der Río Purús, der Rio Negro und der Rio Tapajós. Der Paraná (3.998 km) ist vor allem wegen seiner eindrucksvollen Wasserfällen von Iguaçu bekannt.
Siehe auch: Liste der Flüsse in Brasilien
Liste der Flüsse in Brasilien
Die Lagoa dos Patos bei Porto Alegre ist mit über 10.000 km² die größte Lagune Brasiliens und die zweitgrößte Südamerikas. Danach kommt die weniger als halb so große Lagoa Mirim, südlich der Stadt Rio Grande.
Inseln
Die etwa 800 km von der brasilianischen Küste gelegenen Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen, die nur mit einem Leuchtturm bebaut sind, gehören genauso zu Brasilien wie die Fernando de Noronha, die nicht weit von der Felsgruppe entfernt ist. Beide genannten Inseln beziehungsweise Felsen liegen auf dem mittelatlantischen Rücken. Die größte Insel Brasiliens aber liegt im Amazonas: Marajó ist etwa 48.000 km² groß (größer als die Schweiz), da aber große Teile in der Regenzeit überschwemmt sind, ist die Insel nur an einigen Orten besiedelt. Auch die Bananalinsel gehört mit ihrer Fläche (20.000 km²) zu den größten Flussinseln der Welt. Sie liegt in einem Nationalpark im Bundesstaat Tocantins im Fluss Araguay und ist immer noch größer als bespielsweise Jamaika.
Klima
Das Klima Brasiliens, das zwischen 5° nördlicher Breite und 34° südlicher Breite liegt, ist überwiegend tropisch mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen der Temperaturen. Nur im subtropischen Süden herrscht ein gemäßigteres Klima.
Besonders im feuchten Amazonasbecken gibt es reichhaltige Niederschläge, man findet jedoch auch relativ trockene Landstriche mit teilweise lang anhaltenden Dürrezeiten, besonders im Nordosten des Landes.
Im Süden befindet sich an der Grenze zu Bolivien und Paraguay ein ausgedehntes Feuchtgebiet, das Pantanal.
Flora und Fauna
Der tropische Regenwald im Amazonasbecken ist der größte weltweit und beherrbergt etwa 90 % aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Bislang wurden mehr als 1.000 Vogel-, sogar über 3.000 Fischarten entdeckt. Größere Tiere sind der Kaiman, der Flußdelphin und der vom Aussterben bedrohte Flußmanati. Das Brasilianische Bergland im Zentrum und Süden des Landes ist mit Baumsavanne bewachsen, der Nordosten dieser Region mit Laubbäumen durchsetzte Strauchsavanne. Auch das Pantanal weist eine große Tier- und Pflanzenvielfalt auf. Die Sumpfregion im Südwesten Brasiliens steht sieben Monate im Jahr unter Wasser.
Bevölkerung
Pantanal
Demographische Struktur und Entwicklung
Die brasilianische Bevölkerung ist sehr jung. Es sind 26,6 % unter 15 Jahre alt, 67,6 % sind 15 bis 64 Jahre alt und nur 5,8 % über 65. Das mittlere Alter beträgt 27,4 Jahre, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 71,4 Jahren. (Schätzungen für 2004)
81 % der Bevölkerung leben in den Städten, die sich durch rasantes Wachstum und Wildwuchs auszeichnen; in den Außenbezirken bilden sich Favelas genannte Armensiedlungen.
Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in kaum einem Land so groß wie in Brasilien. So erhalten 10 % der Brasilianer etwa 50 % des Einkommens, die ärmsten 50 % im Land müssen mit nur 10 % des Einkommens leben. Etwa 5 Millionen Familien gelten als landlos. Bis 1998 zum Beispiel waren 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen 57 % der gesamten Agrarfläche, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der Nutzfläche teilen müssen. Den schwersten Stand haben dabei Afro-Brasilianer, bei denen Armut, Säuglingssterblichkeit und Diskriminierung wieder zunehmen. Nicht viel besser ergeht es den Indios. Ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm gilt seit 2003.
Ethnien
2003]
2003
Ursprünglich vier Bevölkerungsgruppen bilden die brasilianische Bevölkerung. Sie sind heute jedoch so umfassend vermischt, dass eine klare Zuordnung oft nicht mehr möglich ist. Diese Gruppen sind:
- die Portugiesen, die ursprünglichen Kolonialisten
- die Afrikaner, die als Sklaven nach Brasilien verschleppt wurden
- verschiedene Immigrantengruppen, hauptsächlich aus Europa, dem Nahen Osten und Asien, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Brasilien angesiedelt haben. Seit 1818 sind über 300.000 Deutsche eingewandert. Eine große japanische Bevölkerungsgruppe lebt in Brasilien, außerdem viele Polen, vorwiegend in Paraná.
- einheimische Volksgruppen der Tupi- und Guarani-Sprachfamilien (200 ethnische Gruppen mit insgesamt etwa 250.000 Mitgliedern). Etwa 10 % der Fläche Brasiliens ist für Indianer reserviert.
Verbindungen (zumeist ohne offizielle Ehe) zwischen Portugiesen und Einheimischen oder Sklaven waren nicht ungewöhnlich und so begann schon früh in der Geschichte eine Verschmelzung der Ethnien und Kulturen.
Nur noch etwa 300.000 Indianer leben heute in Brasilien. Es gibt circa 200 Volksgruppen, die verschiedene Sprachen sprechen. Schon seit der Entdeckung des Landes wurden die Ureinwohner von den Neusiedlern zurückgedrängt. Durch die Rodung des Regenwaldes wird der Lebensraum dieser Volksgruppen immer mehr verkleinert. Aber die Brandrodung des Regenwaldes zeigt sich auch für Krankheitsepidemien, Umsiedlung und das Zerstören ihrer Kultur verantwortlich. Ihre Rechte sind zwar durch Gesetze geregelt, doch viele missachten sie einfach. Zum Schutz der Volksgruppen, viele sind in den letzten 50 Jahren ausgestorben, wurde die Behörde FUNAI gegründet, die aber auch nicht allein für den Schutz sorgen kann und deshalb oft kritisiert wird.
Sprachen
In Brasilien wird vorwiegend (brasilianisches) Portugiesisch gesprochen, das für mindestens 97 % der Bevölkerung Muttersprache ist. Indianersprachen werden nur noch von etwa 0.1 % der Bevölkerung gesprochen. Etwa 1.500.000 Brasilianer sprechen Deutsch als Muttersprache, 500.000 Italienisch, 380.000 Japanisch und 37.000 Koreanisch. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Anteil derjenigen mit Deutsch oder Italienisch als Muttersprache sehr optimistisch berechnet ist, da diese Volksgruppen zu den ersten Siedlern gehörten und die Nachfahren heute fast nur noch Portugiesisch verstehen, weil während des Zweiten Weltkriegs deutsche und italienische Schulen geschlossen wurden. Brasilien ist das einzige portugiesischsprachige Land Amerikas.
Religion
Ungefähr 76 % der Bevölkerung sind römisch-katholischer Konfession. Damit ist die Landeskirche mit circa 145 Millionen Gläubigen die größte der Welt. Die übrigen Brasilianer sind größtenteils protestantischen Glaubens (starke Zunahme evangelikaler Freikirchen) oder Anhänger von Kulten, die aus afrikanischen Religionen entstanden sind (Candomblé, Umbanda und andere).
Geschichte
Unterartikel: Geschichte Brasiliens
Brasilien war schon mindestens 10.000 Jahre vor der Entdeckung durch die Europäer besiedelt. Vor allem Höhlen im Amazonas-Gebiet waren bewohnt, große Stätten wie die der Inkas oder Mayas sind aber nicht bekannt. Das Land wurde nach dem in Europa sehr beliebten Brasilholz, einem roten Edelholz, das heute nur noch höchst selten ist, benannt.
Die Kolonialzeit
Brasilholz
Brasilholz
Der Portugiese Pedro Alvares Cabral war der erste Europäer, der Brasilien am 22. April 1500 betrat. Nach französischen Angaben stieß Jean Cousin schon 1488 auf die brasilianischen Küsten. 1494 beschlossen die großen Seemächte Portugal und Spanien jedenfalls die Aufteilung Südamerikas. Auf Anliegen des damaligen Papstes Alexander XI. wurde im Vertrag von Tordesillas festgeschrieben, dass die gesamte Westküste spanische, und die Küstenabschnitte des heutigen Brasiliens portugiesische Kolonie würden. Deshalb ist Brasilien heute das einzige portugiesisch sprachige Land Südamerikas. Bis 1580 hatten die Portugiesen das ganze Land unter Kontrolle. Schon 1549 wurde das heutige Salvador da Bahia (São Salvador da Bahía de Todos os Santos) zur Hauptstadt ernannt. Schon zu der Zeit mussten Afrikaner und aus dem Landesinnern an die Küste gebrachte Indios die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen im Nordosten verrichten. Von 1637 bis 1654 stand dieses Anbaugebiet unter niederländischer Kontrolle. 1629 hatten sich die Niederländer in der Nähe des heutigen Recife niedergelassen und später unter Führung von Johann Moritz von Nassau-Siegen die Anbaugebiete, die daraufhin nochmals kurz aufblühten, erobert. In der Schlacht von Guararapes wurden die niederländischen Truppen 1654 wieder vertrieben. Reiche Barockstädte entwickelten sich im 17. Jahrhundert, als Bandeirantes-Expeditionen das Hinterland erkundeten und neben anderen Bodenschätzen auch Gold und Diamanten entdeckten. Im selben Jahrhundert bauten entflohene Sklaven sogenannte Quilombos auf, die erst 1699 alle wieder zerstört waren. 1763 wurde Rio de Janeiro zur Hauptstadt ernannt, weil sich das wirtschaftliche Zentrum des Landes auf den Süden verlagerte. 25 Jahre später führte Tiradentes einen Aufstand an, der aber scheiterte. 1792 wurde der heutige Nationalheld Brasiliens hingerichtet. Gleichzeitig begann ein Konflikt mit Spanien, weil die Bandeirantes-Expeditionen die Westgrenze Brasiliens entgegen der Vereinbarungen verschoben.
König- und Kaiserreich
Spanien
1807 brachen die französischen Truppen von Napoleon Bonaparte nach Portugal ein, woraufhin der portugiesische König João VI. von einer britischen Eskorte geschützt nach Brasilien (erst Bahia, später Rio de Janeiro) flüchtete und dort erstmals in der Geschichte Auslandshandel erlaubte. Mit der Übersiedlung des Königs und des gesamten Hofstaates bekam Brasilien den Status eines gleichberechtigten Mitglieds des Mutterlandes. 1815, auf dem Wiener Kongress wird Brasilien mit Portugal gleichgestellt. 1821 konnte João wieder nach Portugal zurückkehren. Er überließ die Herrschaft über Brasilien seinem Sohn Pedro. Pedro I. erklärte am 7. September 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal und machte sich am 22. September zum ersten brasilianischen Kaiser. 1828, nach drei Kriegsjahren gegen Argentinien, löst sich die Provinz Uruguay und erklärt ihre Unabhängigkeit. Drei Jahre später kam es zu einem Militäraufstand wegen dessen König Pedro I. abtrat und die Herrschaft auf seinen fünfjährigen Sohn Pedro II. übertrug.
Regentenzeit
Ein Zusatzpunkt der 1822 geschaffenen Verfassung ermöglicht noch am Tag der Abdankung Pedro I. einige Reformen, so wurde die Einsetzung eines einzigen Regenten beschlossen. 1835 spaltete sich erneut eine Provinz, nämlich Rio Grande, ab. Zu der Zeit gab es eine Reihe von Aufständen, die vor allem vielen Armen das Leben kostete. Rio Grande konnte nur zehn Jahre eigenständig bleiben.
Zweites Kaiserreich
Rio Grande
1840, also noch vor der Volljährigkeit, wurde Pedro II. zum Kaiser gekrönt. Ab 1865 besiegten Brasilien, Uruguay und Argentinien innerhalb von fünf Jahren Paraguay. Zu der Zeit war Kautschuk Exportartikel Nummer eins. Die Sklaverei wurde 1888 von Pedro II. offiziell abgeschafft, was zu Aufständen von Großgrundbesitzern und der Armee führte. Es ist schon seit 1853 bekannt, dass die Sklaverei geächtet wurde. Am 15. November 1889 ging der Kaiser wegen eines Militärputsches ins Pariser Exil.
Republik und die Zeit der Weltkriege
Die erste brasilianische Republik mit föderativer Verfassung (am 24. Februar wurde von Manuel Deodoro da Fonseca als Vereinigte Staaten von Brasilien (República dos Estados Unidos do Brasil) ausgerufen. Der Wohlstand war durch die große Kaffee-Nachfrage gesichert. Doch in den Jahren des ersten Weltkriegs, an dem sich Brasilien auf Seite der Alliierten gegen Deutschland beteiligte, ging die Nachfrage nach Kaffee stark zurück. In den 1920er Jahren forderten große Teile der Bevölkerung ein Ende der Oligarchie. Als dann 1930 die Kaffee-Preise nochmals einbrachen, führte Getúlio Vargas, der "Vater der Armen", einen Aufstand an und wurde so Präsident. In den ersten Monaten seiner Regierungszeit wuchs die Wirtschaft Brasiliens spürbar. 1937 wurde die Herrschaft Vargas' als "wohlwollender Diktator" festgeschrieben, 1942 erklärte er den Krieg gegen Deutschland. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Vargas von der Armee abgesetzt.
Zurück zur Demokratie
Zweiten Weltkriegs
Schon fünf Jahre später wählte ihn das Volk erneut zum Präsidenten. Weil sich die USA gegen die sozialistische Politik Brasiliens stellte und daraufhin Rechte und die Armee Vargas' Rücktritt forderten, beging er 1954 Selbstmord. Vargas' Nachfolger Juscelino Kubitschek sorgte mit Hilfe der Partido Trabalhista Brasiliero (PTB) für neue, ausländische Investoren, die die brasilianische Wirtschaft in den späten 1950er Jahren ankurbelten. 1960 wurde dann Jânio da Silva Quadros zum Präsidenten gewählt. Nach seinem Amtsantritt 1961 versuchte er die Abhängigkeit zu den USA zu lösen und den desaströsen Staatshaushalt zu sanieren. Nach nur wenigen Monaten im Amt trat er wieder zurück, sein Nachfolger wurde der bisherige Vize-Präsident João Goulart, kurz nachdem die neue Hauptstadt Brasília nach drei Jahren Bauzeit eingeweiht wurde. Auch Goulart war in der Bevölkerung nicht unumstritten, weshalb seine Befugnisse in den ersten drei Präsidentschaftswahlen nur eingeschränkt waren.
Militärdiktatur
1964 schlug ein Militärputsch unter Castelo Branco fehl, doch im Folgejahr wurde Branco doch Diktator und verbot alle Parteien. Er selbst gründete zwei neue. Mehrere weitere Militärgrößen setzte er an wichtige Stellen im Staat. In den nächsten Jahr konnte zwar ein Wirtschaftswunder beobachtet werden, linke Aktivisten wurden aber gnadenlos unterdrückt. Durch die Ölkrise in den 1970ern endete der Wirtschaftsboom, 1974 ist Brasilien gar das Land mit den meisten Auslandsschulden. 1979 werden Parteien wieder zugelassen. Ab 1985 gibt es in Brasilien wieder eine Demokratie.
1980er und 90er Jahre
1985
Der Wahlsieger Tancredo Neves verstarb 1985 noch vor seinem Amtsantritt. Im selben Jahr wurde das Wahlrecht für Analphabeten eingeführt. 1987 fand man auf Yanomami-Land im Bundesstaat Roraima Gold, was viele illegale Goldgräber hervorrief. Im Jahr 1988 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die zwar vorsah die Sozialausgaben zu erhöhen, aber keine Landreform zum Schutz der Indios enthielt. Auch 1988 wird der Gewerkschafter und Umweltschützer Chico Mendes ermordet. 1989 wurde dann ein erster Umweltschutzplan beschlossen. Die Inflation lag in diesen Jahren bei bis zu 1000 %. Am 26. April 1991 wurde Mercosur (portugiesisch Mercosul) gegründet. Dieser Gemeinsame Markt des Südens, den die Staaten Argentinien, Paraguay und Uruguay gemeinsam mit Brasilien gründeteten, ist ein Binnenmarkt mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, der die Wirtschaft der Mitgliedsländer und dadurch die Stellung Lateinamerikas in der Welt stärken soll. 1992 fand der UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro statt. Außerdem trat Präsident Fernando Collor de Mello nach Korruptionsvorwürfen von seinem Amt zurück. 1993 konnte die Bevölkerung Brasiliens in einem Referendum über die Staatsform entscheiden. Die Wahl fiel dabei eindeutig auf die Republik. 1994 wurde eine umfassende Währungsreform beschlossen. Durch die neue Währung ("Plan Real") endet die Hyperinflation vorerst. Zur weiteren Sanierung des Haushalts beschließt das Parlament zwar die Privatisierung von Staatsmonopolen, lehnt eine Verfassungsänderung allerdings ab. 1999 wird Fernando Henrique Cardoso erneut zum Präsidenten gewählt, obwohl das Land in einer wirtschaftlichen Krise steckte, auch der Real wurde wieder abgewertet.
Das neue Jahrtausend
In den nächsten beiden Jahren konnte sich die Wirtschaft wieder erholen. Seit 2003 ist Luiz Inácio Lula da Silva Präsident Brasiliens. Er hat vor allem mit Korruption zu kämpfen. 2004 führte Brasilien erstmals in seiner Geschichte UN-Friedenstruppen an, das Militär entsandte 1.470 Soldaten nach Haiti.
Siehe auch: Liste der Präsidenten Brasiliens
Politik
Liste der Präsidenten Brasiliens
Brasilien wurde 1964 bis 1985 vom Militär regiert. In dieser Zeit litten vor allem die Indios unter Menschenrechtsverletzungen, die Wirtschaft wurde nicht gut genug unterstützt und aufgebaut. Zurück blieben Schulden (zwischenzeitlich hatte Brasilien höhere Auslandsschulden als alle anderen Staaten der Welt) und Staatsbetriebe, die finanziell am Ende waren.
Die Verfassung aus dem Jahr 1988 gewährt der Bundesregierung weitgehende Befugnisse. Der Präsident wird für eine Amtsperiode von vier Jahren direkt vom Volk gewählt. Seit 1998 kann er einmal wiedergewählt werden. Er besitzt eine weit reichende exekutive Gewalt, ist Staatsoberhaupt und Regierungschef und stellt das Kabinett zusammen.
Nach einer Übergangsbestimmung wurde 1993 ein Referendum über die Staats- (Monarchie oder Republik) und Regierungsform (Präsidial- oder parlamentarisches System) abgehalten. Die Bevölkerung entschied mit jeweils großer Mehrheit (87 % bzw. 69 %) für die Republik und ein Präsidialsystem. Im vierten Versuch wurde Luiz Inácio Lula da Silva, genannt Lula, 2002 zum Präsidenten gewählt.
Politische Probleme Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch begründete Programme. Diese bilden Koalitionen, die nie lange halten, somit müssen Gesetze meist durch Absprachen verabschiedet werden. Viele kleine Parteien und Korruption (1992 wurde der damalige Präsident Fernando Collor de Mello aus diesem Grund des Amtes enthoben) führen zu einer politisch sehr unstabilen Lage und zu einer nahezu zur Untätigkeit verdammten öffentlichen Verwaltung. Auch der vor allem beim einfachen Volk beliebte Präsident Lula da Silva musste sich mit seiner Parteiführung unlängst Korruptionsvorwürfen stellen, die nicht ausgeräumt wurden.
Brasilien empfängt jährlich etwa 376 Millionen US-Dollar Entwicklungshilfe, den Großteil stellen Japan und die EU-Länder zur Verfügung.
EU
Das brasilianische Parlament, der Nationalkongress oder Congresso Nacional, besteht aus zwei Kammern:
- Der föderative Senat oder Senado Federal setzt sich aus 81 Abgeordneten zusammen, von denen jeweils drei aus jedem der Bundesstaaten entsendet werden.
:Die Senatsabgeordneten werden nach dem Mehrheitswahlrecht für Amtsperioden von acht Jahren bestimmt.
- Neben dem Senat gibt es die Abgeordnetenkammer oder Câmara dos Deputados mit 513 Sitzen, deren Mitglieder nach dem Verhältniswahlrecht für Amtsperioden von vier Jahren gewählt werden.
Nach den Wahlen von 2002 haben sechs Parteien den Einzug in die Abgeordnetenkammer geschafft, stärkste Kraft ist die Partido dos Trabalhadores mit 18 %. Im Senat sind neben vier großen Parteien ebenso eine Reihe kleiner Gruppen vertreten. Die meisten Senatsabgeordneten (jeweils 23 %) gehören der Partido do Movimento Progressista und der Partido da Frente Liberal an.
Parteien
Partido da Frente Liberal]
Im Senat sind unter anderem folgende Parteien vertreten:
- Partido do Movimento Progressista (PMDB): zentralistische Ausrichtung, Gründung: 1979
- Partido da Frente Liberal (PFL): liberale Ausrichtung, Gründung: 1984
- Partido dos Trabalhadores (PT): Arbeiterpartei, Gründung: 1980
- Partido da Social Democracia Brasilieiro (PSDB): sozialdemokratische Ausrichtung, Gründung: 1988
In der Abgeordnetenkammer sind diese sieben Parteien, neben einer Reihe kleiner Gruppen, vertreten: PT, PFL, PMDB, PSDB, Partido Progressista Brasilieiro (PPB), Partido Trabalhista Brasiliero (PTB) und Partido Liberal (PL).
Wichtige Parteien des letzten Jahrhunderts, die mittlerweile aufgöst sind:
- Partido Comunista Brasil (PCB): kommunistische Ausrichtung, Gründung: 1922, Auflösung: Ende der 1980er Jahre
- União Democrático Nacional (UDN): gemäßigt konservative Ausrichtung, Gründung: 1945, Auflösung: 1965
- Aliança Renovadora Nacional (ARENA): vom Militär kontrollierte Partei, Gründung: 1966, Auflösung: 1979
- Movimento Democrático Brasileiro (MDB): gegen die Militärregierung gerrichtet, Gründung: 1966, Auflösung: 1979
Militär
1979]
Die Armee hat in Brasilien nach über zwanzig Regierungsjahren immer noch einen hohen Stellenwert. Die Waffenindustrie ist gut entwickelt. Während der Militärdiktatur bestand ein langjähriges Kernwaffenprojekt. Mit dem Übergang in die Demokratie hat Brasilien auch das Vorhaben aufgegeben, Kernenergie für militärische Zwecke zu nutzen. Die offizielle Aufgabe des Atomwaffenprogramms erfolgt 1998 mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags. Im Jahr 2004 übernahm man zum ersten Mal in seiner Geschichte eine größere Verantwortung und Rolle im Rahmen einer UN-Friedensmission in Haiti. 1.470 Soldaten haben im Juli die Führung des Einsatzes in dem Karibikstaat übernommen. Es besteht Wehrpflicht und der Etat des Verteidigungsministeriums liegt bei über 9,5 Milliarden US-Dollar.
Bildungswesen
Die Alphabetisierungsrate des Landes liegt bei 87 %, das Schulabgangsalter bei 14 Jahren. Damit ist die Schulausbildung im Vergleich zu anderen südamerikanischen Staaten kürzer. In die Bildung fließt ein ähnlich großer Teil des Bruttosozialprodukts wie in Europa; in absoluten Zahlen ist das brasilianische Bildungsbudget etwa so groß wie das deutsche (2004). In Brasilien teilt sich das Geld jedoch auf eine mehr als doppelt so große Bevölkerung auf und es wird weniger gut eingesetzt. Die schulische Grundausbildung ist deswegen eher schlecht ist.
In 150 Universitäten werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet. Etwas mehr als die Hälfte der Hochschulen sind staatlich. Sie sind für alle Menschen mit qualifizierendem Schulabschluß nach einer Aufnahmeprüfung frei zugänglich und gebührenfrei. Die privaten Hochschulen finanzieren sich über Studiengebühren, genießen dafür aber einen sehr guten Ruf. Zweimal jährlich werden einheitliche und offizielle Aufnahmeprüfungen, sogenannte vestibulares, durchgeführt.
Außenpolitik
Brasilien ist Mitglied u.a. folgender internationaler Organisationen:
- Vereinte Nationen (seit 1945)
- Organisation Amerikanischer Staaten (port. Organização dos Estados Americanos, OEA)
- Mercosur (port. Mercosul)
- Gruppe der Zwanzig
- Gruppe der Zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer
- Bewegung der blockfreien Staaten
- Iberoamerika-Gipfel
- Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder
- Rio-Gruppe
- Südamerikanische Staatengemeinschaft (hervorgegangen aus dem Südamerika-Gipfel)
- BRIC-Staaten
Neben einer Verbesserung der Verhältnisse zu Mexiko, Konkurrent im Kampf um die Vorherrschaft in Lateinamerika, erreichte Präsident Lula in seiner Amtszeit eine gute Partnerschaft mit Venezuela. Unter anderem bot er Vermittlung im Streit mit Kolumbien an.
Innere Sicherheit
Die Kriminalitätsrate Brasiliens ist im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt relativ hoch. Die Polizei hat vor allem in den Städten mit Entführungen, Raubüberfällen und Drogendelikten zu kämpfen. Das Polizistengehalt ist niedrig, weshalb vermehrt der Vorwurf nach Erpressung und Mord aufkam, Korruption innerhalb von justiz und polizei sind üblich. Auch Gefängnisaufstände sind durch schlechte Haftbedingungen in überfüllten Haftanstalten fast an der Tagesordnung. Das Leben der Kleinbauern und Indios auf dem Land ist wegen Auftragsmorden für Großgrundbesitzer gefährlich. In den letzten Jahren wurden vermehrt auch Fußballer und ihre Familienmitglieder entführt. Berühmte Beispiele sind Robinhos Mutter Marina de Souza und und der Vater des Weltfußballers 1994 Romario. Um die Kriminalität zu verringern wurde im Januar 2004 ein Gesetz vorgeschlagen, das den privaten Waffenbesitz verbieten sollte. Dieses Gesetz ist per Volksreferendum nicht angenommen worden und wurde ausgesetzt.
Administrative Gliederung
Brasilien ist in 26 Bundesstaaten und einen Bundesdistrikt (Distrito Federal) gegliedert.
Diese sind administrativ in fünf Regionen aufgeteilt:
- Norden (Região Norte):
:Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantins
- Nordosten (Região Nordeste):
:Alagoas, Bahia, Ceará, Maranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte, Sergipe
- Mittelwesten (Região Centro-Oeste):
:Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Distrito Federal Brasília
- Südosten (Região Sudeste):
:Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo
- Süden (Região Sul):
:Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul
Die wirtschaftlich bedeutendste Region ist der Südosten mit den Ballungsräumen São Paulo und Rio de Janeiro. Allein in dieser Region leben mehr Menschen als in jedem anderen Land Südamerikas.
Bundesdistrikt
Während des brasilianischen Kaiserreichs war Rio de Janeiro Hauptstadt Brasiliens und hatte den Status Município Neutro (Neutrale Stadt), was in etwa einem Hauptstadtdistrikt gleichzusetzen ist. Mit der Schaffung des Bundesstaats und der einhergehenden Umwandlung der Provinzen in Bundesstaaten wurde 1889 aus dem Município Neutro ein Distrito Federal (Bundesdistrikt). 1960 wurde die Hauptstadt nach Brasília verlegt, ebenso der Distrito Federal. Der Sonderdistrikt um Rio de Janeiro war zeitweilig in den Bundesstaat Guanabara umgewandelt, bis Guanabara 1975 in den Bundesstaat Rio de Janeiro eingegliedert wurde.
Der Distrito Federal hat eine besondere Bedeutung. Er ist in der Verfassung festgeschrieben und ist direkt der brasilianischen Regierung unterstellt.
Infrastruktur
Verkehrsnetze
Straßenverkehr
Das Autobahnnetz Brasiliens ist mit etwa 2 Millionen km das zweitlängste der Welt, annähernd 200.000 km sind gepflastert. Der brasilianische Name für Autobahn ist Rodovia. Annahmen zu Folge nehmen jährlich mehr als 1,2 Milliarden Reisende den Weg über die Fernstraßen, nur 80 Millionen fliegen. Es herrscht Rechtsverkehr. Der Name der Autobahnen führt zurück auf den Bundesstaat, wo sie liegen, und die Richtung, in die sie verlaufen. Ein Sonderfall sind Autobahnen, die nach Brasília führen:
- Autobahnen mit den Nummern 000-099 führen nach Brasília
- Autobahnen mit den Nummern 100-199 verlaufen von Norden nach Süden
- Autobahnen mit den Nummern 200-299 verlaufen von Westen nach Osten
- Autobahnen mit den Nummern 300-399 verlaufen diagonal (von Nordwest nach Südost oder von Nordost nach Südwest)
- Autobahnen mit den Nummern 400-499 sind unwichtigere Autobahnen. Sie verbinden meist nur eine Stadt mit einer größeren Autobahnen in der Nähe.
So liegt zum Beispiel die Autobahn SP-280 im Bundesstaat São Paulo und verläuft von West nach Ost. Neben ihrem offiziellen Namen sind einige Autobahnen auch noch nach berühmten Persönlichkeiten benannt.
Schienenverkehr
Die Bahnverbindungen wurden ausgedünnt, dennoch besteht noch ein Schienennetz von fast 30.000 km Länge.
Flugverkehr
Wegen der großen Entfernungen werden innerhalb Brasiliens Flugreisen immer wichtiger. Allerdings sind die Kosten für die meisten Brasilianer zu hoch, so dass sie auch lange Reisen mit dem Bus unternehmen müssen. Es etablieren sich aber immer mehr Fluggesellschaften, die nach Vorbild europäischer Billigfluglinien erschwingliche Flüge innerhalb des Landes anbieten. Der größte Flughafen des Landes ist Guarulhos International in São Paulo mit jährlich fast 13 Millionen Passagieren.
Schiffsverkehr
Die Binnenschifffahrtswege haben insgesamt eine Länge von rund 50.000 km. Die Handels- und Frachtflotte besteht aus etwa 475 Schiffe. Die größten brasilianischen Häfen liegen in Belém, Fortaleza, Ilheus, Imbituba, Manaus, Paranagua, Porto Alegre, Recife, Rio de Janeiro, Rio Grande, Salvador, Santos und Vitória.
Telekommunikation
In Brasilien gab es 2005 39 Millionen Telefone, was einen Anstieg um 20 Millionen Anlagen im Vergleich zu 1997 bedeutet. Außerdem sind etwa 80 Millionen Mobiltelefone im Umlauf. Auch hier ist der Anstieg zu 1997 (4 Millionen Mobiltelefone) deutlich. Das Telefonsystem funktioniert gut. Es existieren drei Koaxial-Tiefsee-Kabel, national ist das Funk-Relais-System gut ausgebaut, auch das Satellitensystem funktioniert gut.
Energie
Pipelines mit reinem Erdöl haben in Brasilien eine Länge von knapp 3.000 km, Erdöl-Produkte werden in einem Pipeline-Netz mit einer Länge von knapp 5.000 km transportiert und die Erdgasleitungen haben insgesamt eine Länge von etwa 4.250 km.
Wirtschaft
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von Agrarprodukten. Dann gab es aufgrund der beginnenden Industrialisierung des Landes einen zunehmenden Mangel an Arbeitskräften, der nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 noch weiter verschärft worden war. Dies lockte eine große Zahl von Einwanderern an, die größten Gruppen unter ihnen waren neben Portugiesen und Spaniern, Deutsche, Italiener, Polen und Japaner.
Während des ersten Weltkriegs geriet das Land, weil die wichtigsten Export-Artikel (Kaffee, Zucker, etc.) von einem enormen Preisverfall betroffen waren. Hilfe kam mit Kapital und Immigranten aus Großbritannien. Mit Ausnahme des ersten Weltkriegs konnte die Wirtschaft und auch das Verkehrsnetz in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhundert stetig wachsen.
1917 kam es zu ersten großen Streikwellen in São Paulo und Rio de Janeiro, auf die die Regierung mit Unterdrückung reagierte. In den 1920er Jahren bildeten sich Arbeiterparteien und Gewerkschaften, doch dies führte nicht zu einer stärkeren Stellung im Staat, da sie keine Vertretung in oberen Schichten hatten. Auch die Leutnantbewegung Tenentismo ab 1922 konnte daran nichts ändern, da Versuche einer Revolution scheiterten.
Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung und Zuwanderung der Landbevölkerung in die Städte. Allein in Brasilia steigt sie pro Jahr um 3 %, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.
Mit großen, gut entwickelten Landwirtschafts-, Bergbau-, Produktions-, und Dienstleistungssektoren auf der einen Seite und einem großen Vorrat an Arbeitskräften auf der anderen ist die brasilianische Wirtschaft heute die kräftigste Südamerikas und gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung. Die wichtigsten Exportprodukte sind Kaffee, Kakao, tropische Früchte, Sojabohnen und Eisenerz. 40 % der brasilianischen Agrarausfuhren gehen in die EU, 17 % in die USA.
Auf den meist von „Zuckerbaronen“ beherrschten Zuckerrohrplantagen herrschen äußerst schlechte Bedingungen. Menschen arbeiten teilweise in sklavenähnlichen Verhältnissen in riesigen Monokulturen.
Monokultur
Zu den größten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die größtenteils am Rande des Existenzminimums lebt. Es gibt eine große Bewegung von Landlosen, die Movimento dos sem terra (MST), die für eine Landreform kämpfen.
Wichtige brasilianische Unternehmen sind: Petrobras (Erdöl), Companhia Vale do Rio Doce (Bergbau), Gerdau (Metallverarbeitung), AmBev (Getränke), Embraer (Flugzeugbau), Norberto Odebrecht (Baugewerbe), Sadia (Lebensmittel).
Bodenschätze
Folgende Rohstoffe werden in Brasilien abgebaut: Eisen, Mangan, Kohle, Bauxit, Nickel, Erdöl, Zinn, Silber, Diamanten, Gold, Erdgas, Uran. Täglich werden 1,5 Millionen Barrel Erdöl gefördert, Uran ist im Landesinnern vorhanden, der Bauxit-Tagebau verschmutzt die Flüsse und gefährdet so die Umwelt.
Tourismus
Tagebau
Der Tourismus ist in Brasilien noch nicht sehr bedeutend und macht nur etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts aus, der weltweite Durchschnitt liegt bei 10 %. Die jährliche Besucherzahl liegt bei etwa 4,8 Millionen. Beliebt sind vor allem die Strände und der Karneval von Rio de Janeiro, die Hauptstadt Brasília, das Amazonasbecken und die Wasserfälle von Iguaçu. Die relativ geringe Anzahl an Touristen (auf einen Besucher kommen in Brasilien 37 Einheimische, in Deutschland nur etwa 4,6) ist mit hohen Preisen für schlechteren Service als zum Beispiel in den USA begründbar. Inlandflüge sind teuer, da es im ganzen Land keine Charterflüge gibt.
Umwelt
Der tropische Regenwald im Amazonasgebiet ist der größte unberührte Wald der Welt. Doch neue Straßen, zum Beispiel die Transamazonica und die Perimetral Norte, zerstören diese Unberührtheit. Experten warnen schon jetzt, dass bis 2020 alleine wegen Straßen- und Dammprojekten nur noch 28 % des Waldgebiets unberührt seien. Teilweise entstanden die Schäden auch im Zusammenhang mit den Goldgräbern Brasiliens, den so genannten garimpeiros. Zum Auswaschen des Goldes verwendeten sie Quecksilber in verhältnismäßig hohen Mengen. Diese gelangten schließlich in die Böden bzw. das Grundwasser und führten zu einer Verseuchung des Amazonasgebietes. Durch Straßen erschlossene Gebiete des Regenwaldes werden oft abgeholzt und gerodet, um Platz für Landwirtschaft zu schaffen. Die größte Gefahr ist die profitbringende Holzgewinnung. In Brasilien gibt es rund 2.500 Unternehmen, die mit tropischem Hartholz handeln. Die meisten von ihnen sind aber ausländische Großunternehmen. Zwar ist Mahagoni mittlerweile gesetzlich geschützt, illegal geht der Handel aber weiter. Selbst Behörden schätzen, dass 80 % des gewonnenen Holzes Mahagoni ist.
Da Regenwaldboden nährstoffarm ist, ist er auf die Wiederverwertung der Mineralstoffe im Laub angewiesen. Bei solch feuchtem Klima zerstetzen Mikroorganismen das Laub in Recht kurzer Zeit. Wenn aber kein Wald und damit auch kein Laub mehr auf dem Boden liegen, trocknet er aus und es kommt zu Erosion. Sind die gerodeten Flächen nun größer, kann sich der Wald dort nicht regenerieren. Bäume binden Kohlendioxid, das den Treibhauseffekt auslöst. So sind an den Treibhausabgasausstößen des Landes Brandrodungen mit 75 % beteiligt, während die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht einmal ein Viertel ausmachen. Im Amazonasgebiet leben viele Tier- und Pflanzenarten. Der Wert ihres Genbestandes für Medizin und Landwirtschaft lag 2001 bei etwa 2 Billionen US-$. Diese Arten können ohne Regenwald nicht überleben. Aber alleine von August 2003 bis August 2004 wurden in Brasilien 26.130 km² Regenwald vernichtet. Das entspricht fast der Fläche Brandenburgs. Die Behörden zum Schutz des Regenwaldes haben unter Geld- und Personalmangel, sowie Korruption zu kämpfen. Dennoch konnte 2002 das weltweit größte Schutzgebiet eines tropischen Regenwalds im Norden Brasiliens gegründet werden.
Ein weiteres Umweltproblem ist der Bauxit-Tagebau, der die Flüsse verschmutzt und die Indios gefährdet. 2000 erlitt zum Beispiel der Fluss Iguacu eine Ölpest. Ein Jahr später sank vor der brasilianischen Küste die größte Ölplattform der Welt und bedrohte das dortige Ökosystem. In den Städten hat man mit Luftverschmutzung und Abwässer zu kämpfen.
Brasilien hat sich an diesen Umweltabkommen beteiligt: Ramsar-Konvention (1971), Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (1973), Konvention über die biologische Vielfalt (1992), Basler Konvention (1989), Rahmenübereinkommen über Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen (1992), Kyoto-Protokoll (1991).
Kultur
Medien
Im Jahre 2002 wurde die Verfassung in der Hinsicht verändert, dass die Anteile ausländischer Unternehmen an den nationalen Medien nicht größer als 30 % sein dürfen.
Printmedien
In Brasilien gibt es etwa 380 Tageszeitungen. Die bekanntesten von ihnen sind Folha de São Paulo, O Día und O Globo. Letztere gehört zur Globo-Gruppe, die die brasilianische Medienlandschaft beherrscht. Ihre jetzige Stellung wird aber von internationalen Konzernen und dem Int
Madagaskar
Die Republik Madagaskar (madagassisch Repoblikan`i Madagasikara, französisch République de Madagascar) ist nach Indonesien der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat der Welt. Die Präsidialrepublik mit Mehrparteiensystem liegt im Indischen Ozean vor der Ostküste Afrikas mit einer Küstenlänge von 4.828 km.
Geographie
Madagaskar wird auch der „achte Kontinent“ genannt. Diese Bezeichnung rührt weniger von der Größe der Insel her als von ihrer lange isolierten Entwicklung, die eine sehr eigenständige Natur entstehen ließ: Madagaskar wurde vor 150 Millionen Jahren von Afrika und vor 90 Millionen Jahren von Indien getrennt.
Durch seine lange geographische Isolation beherbergt Madagaskar eine einzigartige Fauna. Urtümliche Tiergruppen wie die Lemuren und andere Halbaffen kommen nur hier vor. Die Raubtiere sind auf Madagaskar nur durch einige Arten abweichender Schleichkatzen vertreten, die Fossa, die Fanaloka und den Falanuk. Eine weitere rein madagassische Tiergruppe sind die igelähnlichen Tenreks. Die Bernierente, die heute zu den seltensten Wasservögeln der Welt gehört, ist ein weiteres Beispiel. Dafür fehlen auf der Insel viele Arten wie zum Beispiel Affen und Giftschlangen.
Die Insel ist ursprünglich nahezu komplett bewaldet gewesen. Die küstennahen Zonen sind dabei von tropischem Tieflandregenwald bedeckt. Von den ursprünglichen Regenwäldern sind nur noch 4 % erhalten. Die größten zusammenhängenden Regenwaldflächen, die noch existieren, liegen auf der Masoala-Halbinsel.
Das zentrale Madagaskar ist eine Hochebene mit durchschnittlichen Höhen von 1.100 m. Es fällt nach Osten schroff und steil ab, während der Anstieg im Westen sanfter ausfällt. Das Plateau gipfelt im Maromokotro, dem mit 2.876 m höchstem Berg der Insel. Auf dem Plateau ist das Klima gemäßigt.
Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Antananarivo 1.391.506 Einwohner, Toamasina 206.390 Einwohner, Antsirabe 182.804 Einwohner und Fianarantsoa 167.240 Einwohner.
Siehe auch: Liste der Städte in Madagaskar
Bevölkerung
Die Madagassen bilden eine kulturell homogene Bevölkerungsgruppe, bestehend offiziell aus 18 miteinander verwandten Bevölkerungsgruppen (foko). Die kulturelle Einheit drückt sich insbesondere durch die gemeinsame Sprache (Madagassisch) aus, wobei die ethnischen Gruppen über einige Dialekte verfügen. Zudem unterscheiden sich die Sitten und Gebräuche von Ethnie zu Ethnie mal mehr, mal weniger.
Im Allgemeinen leben die Madagassen sehr traditionsbewusst, wobei ausländische kulturelle Einflüsse im Laufe der Zeit immer wieder integriert worden sind, vor allem in den Städten. Dem umfangreichen kulturellen Reichtum gegenüber steht eine weit verbreitete materielle Armut, verursacht durch jahrzehntelange aus- und inländische Ausbeutung und mehrere jährliche Naturkatastrophen (Wirbelstürme, Dürre).
Das große Bevölkerungswachstum in Verbindung mit dem traditionellen Abbrennen von Wald für landwirtschaftliche Zwecke und der Rodung für Bau, Heizmaterial und andere Zwecke bewirkt große ökologische Probleme. Die Waldfläche ist seit den 1950er-Jahren massiv geschrumpft.
- Nationalitäten
- zu rund 98% Madagassen
- etwa 100.000 Komorer
- 35.000 Franzosen
- 29.000 Inder
- 27.000 Chinesen
- Religion
- 52 % madagassischer Glauben (Monotheismus, Ahnenverehrung)
- 41 % Christentum
- 23 % römisch-katholisch
- 18 % Protestanten
- 0,1 % Zeugen Jehovas
- 7 % Islam
Geschichte
Islam
Es ist wenig bekannt über die Besiedlungsgeschichte der Insel, die vermutlich vor etwa 1.500 bis 1.200 Jahren stattgefunden hat. Die Ureinwohner Madagaskars waren nicht, wie man vermuten könnte, Afrikaner. Die ersten Siedler gehörten der malaio-polynesischen Sprachgruppe an und kamen aus Südostasien. Unklar ist, ob sie auf direktem Weg oder in mehreren Etappen ihr Ziel erreichten.
Die damalige Bevölkerung könnte in die Gruppen der Sakalava, Betsileo und Merina eingeteilt werden, die eigene Reiche bildeten.
Auch die nach und nach eingewanderten Afrikaner und Araber konnten an den südost-asiatischen Gesichtern der Bevölkerung nicht viel ändern.
Am 10. August 1500 sichtete der portugiesische Seefahrer Diogo Dias als erster Europäer Madagaskar und nannte die Insel São Lorenço. Später erscheint die Insel auch unter dem Namen Santa Apolonia auf den Karten der Portugiesen.
Das Königreich Madagaskar
Mit Beginn der Herrschaft des Andrianampoinimerina kann man von der politischen Einigung der Insel Madagaskar und damit vom Königreich Madagaskar sprechen.
1787 - 1810 ANDRIANAMPOINIMERINA: Andrianampoinimerina war zunächst bis 1794 König von Ambohimanga (Königssitz 20 km nördlich von Antananarivo). 1794 eroberte er das kleine Königreich von Antananarivo und verlegte seinen Amtssitz von Ambohimanga nach Antananarivo.
Nach und nach weitete Andrianampoinimerina seinen Einflussbereich fast auf die gesamte Insel aus. Er erließ viele Gesetze und organisierte die Verwaltung des Landes und gilt bis heute als ein bedeutender Herrscher des Landes.
1810 - 1828 RADAMA I: Radama folgte seinem Vater Andrianampoinimerina auf den Thron. Er öffnete die Insel vorsichtig gegenüber dem Ausland, wobei er vor allem Kontakte zu den Engländern suchte, die sich mit den Franzosen um die Vorherrschaft im indischen Ozean stritten. Er reorganisierte die Armee nach englischem Vorbild.
Während seiner Regierungszeit gab es erste industrielle Ansiedlungen der Engländer an der Ostküste. Englische Missionare übersetzten die Bibel in das Madagassische und führten die lateinische Schrift ein.
1828 - 1861 RANAVALONA I: Nach dem frühen Tod Radamas regierte seine Ehefrau Ranavalona das Land mit eiserner und grausamer Hand. Folterungen und Hinrichtungen war unter ihrer Regentschaft an der Tagesordnung. Sie verbannte fast alle Ausländer von der Insel (mit Ausnahme ihres französischen Beraters Jean Laborde) und reduzierte die Beziehungen zum Ausland auf ein Minimum. Die Ausübung des christlichen Glaubens wurde ebenfalls verboten.
1861 - 1863 RADAMA II: Der zweite Radama war der Sohn von Ranavalona I. Er war gemäßigt und begann während seiner kurzen Regierungszeit wieder Kontakte zum Ausland aufzunehmen. Sein liberaler Kurs gefiel jedoch nicht allen und er fiel nach nur zweijähriger Regierungszeit einem Mordanschlag zum Opfer.
1863 - 1868 RASOHERINA: Sie war die (erste) Witwe von Radama II. Rasoherina wandte sich während ihrer Regierungszeit den Engländern zu. Sie heiratete den Premierminister Rainilairivony, der als graue Eminenz im Hintergrund die eigentliche Macht ausübte und in der Folge auch von den beiden Nachfolgerinnen auf dem Königsthron geheiratet wurde.
RASOHERINA
1868 - 1883 RANAVALONA II: Sie war die zweite Witwe von Radama II. Ihre Regierungszeit war geprägt durch den Wechsel von den Naturreligionen zum Christentum. 1883 versuchten die Franzosen erneut in Madagaskar gewaltsam Fuß zu fassen. Ein zweijähriger blutiger Krieg begann.
1883 - 1896 RANAVALONA III ( - 1861 † 1917): Ranavalona III war die Nichte ihrer Vorgängerin. Sie bestieg den Thron während der französischen Invasion. Es gelang der madagassischen Armee noch einmal, die Eindringlinge zurückzuschlagen. 1896 konnten sich die Franzosen schließlich durchsetzen und errichteten ein französisches Protektorat in Madagaskar. Königin Ranavalona III. wurde von den französischen Besatzern zur Abdankung gezwungen und ins Exil nach Algerien geschickt. Sie war die letzte Merina-Königin von Madagaskar.
Auf der Kongo-Konferenz 1885 wurde Madagaskar Frankreich als Interessengebiet zugesprochen. 1896 konnte sich Frankreich gegen den Widerstand der Eingeborenen etablieren. Nach Absetzung der letzten Eingeborenen-Königin 1896 begannen die Franzosen mit der zivilisatorischen Erschliessung des bis dahin sehr rückständigen Landes.
1896 - 1960: während der Kolonialzeit herrschten die Franzosen auf der Insel Madagaskar mit brutaler Militärgewalt. Aufstände wurden durch Massenexekutionen niedergeschlagen. Alleine 1947 wurden von den französischen Besatzern 100.000 Madagassen nach einem Aufstand niedergemetzelt.
1945 wurde die Unabhängigkeitsbewegung gegründet. Nach mehreren Aufständen wurde Madagaskar 1958 Republik in der | | |