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Amoklauf Von Erfurt

Amoklauf von Erfurt

Der Amoklauf von Erfurt ereignete sich am Vormittag des 26. April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Dabei erschoss der 19-jährige Robert Steinhäuser gezielt 13 Lehrer und einen herbeigeeilten Polizisten, zwei Schüler wurden tödlich verwundet, als er eine Tür durchschoss. Anschließend tötete er sich selbst.

Die Tat

Die Tat fand am Tag der schriftlichen Abiturprüfungen statt. Steinhäuser begann den Amoklauf etwa um 10:50 Uhr, suchte die Schule gezielt nach Lehrern ab und erschoss dabei 13 von ihnen. Schüler und Lehrer schlossen sich in Klassenräumen und der Aula ein. Durch eine geschlossene Tür erschoss Steinhäuser zwei Schüler. Um 11:05 Uhr alarmierte der Hausmeister die Polizei, die um 11:12 Uhr an der Schule eintraf. Dabei wurde aus dem Fenster der Polizist Andreas Gorski erschossen. Etwa um 11:15 Uhr traf Steinhäuser auf den Lehrer Rainer Heise. Nach Heises Schilderung habe er sich Steinhäuser mit den Worten "Drück ab! Wenn du mich jetzt erschießt, dann guck mir in die Augen!" in den Weg gestellt. Steinhäuser habe daraufhin geantwortet: "Für heute reicht's, Herr Heise!" Daraufhin schloss ihn der Lehrer im Zeichensaal der Schule ein, wo sich Steinhäuser wenig später selbst tötete. Diese Darstellung Heises wurde in den Medien immer wieder angezweifelt. Er wurde teils aufs schärfste kritisiert und angefeindet. Ihm wurde Selbstdarstellung auf Kosten der Todesopfer vorgeworfen. Heise wurde mehrfach ausgezeichnet, ihm wurde sogar das Bundesverdienstkreuz angeboten.

Robert Steinhäuser

Robert Steinhäuser (
- 22. Januar 1983 in Erfurt) wurde im Oktober 2001 von der Schuldirektorin ohne den juristisch notwendigen Schulkonferenz-Beschluss von der Schule verwiesen. Einige Medien behaupten, dass Steinhäuser häufig fehlte und Atteste fälschte. Nach dem Verweis verbrachte er wochenlang seine Vormittage in einem Café, um sein Umfeld im Glauben zu lassen, er ginge noch zur Schule. Die Tat verübte er mit einer Selbstladepistole GLOCK 17L. Ferner führte er eine Vorderschaftrepetierflinte (eine sogenannte Pumpgun) vom Typ Mossberg 590 Mariner mit, die er aber nicht benutzte. Beide Waffen hatte er als Sportschütze beim Erfurter Polizeisportverein mit einer Waffenbesitzkarte von den Vor-Besitzern legal erworben. Die Flinte hätte er aufgrund seines Sports eigentlich nicht erwerben dürfen, da sie nur von Jägern legal erworben werden kann. Die lokale Behörde, die von den Vorbesitzern der beiden Waffen ordnungsgemäß informiert worden war, leitete aber keine Überprüfung und keinen Einzug der Waffen ein, wofür sie selbst kritisiert wurde.

Gedenkfeier

Behörde Am 3. Mai 2002 fand eine Gedenkfeier für die Opfer des Massakers auf dem Domplatz im Zentrum Erfurts statt. Darin betonte der damalige Bundespräsident Johannes Rau, dass er auch Robert Steinhäusers selbst gedenke; was ein Mensch auch immer getan habe, er bleibe ein Mensch. Die Angehörigen Steinhäusers wohnten der Gedenkfeier vom Fenster eines nahestehenden Gebäudes aus bei. Nach der Tat keimten immer wieder Gerüchte, dass es neben Steinhäuser noch einen weiteren Täter gegeben habe. Erst der offizielle Bericht der so genannten Gasser-Kommission (nach dem Thüringer Justizminister Karl Heinz Gasser), der am 21. April 2004 erschien, schloss einen Mittäter (nicht jedoch einen Mitwisser) aus. Am 5. Juli 2005 wurde jedoch ein 36-jähriger Trittbrettfahrer, der sich in einem Brief und einer E-Mail selbst der Mitwisserschaft bezichtigt hat, zu einer Geldstrafe wegen Vortäuschung einer Straftat verurteilt.

Öffentliche Diskussion

Der Amoklauf führte zu heftigen öffentlichen Diskussionen zum Thema Jugend und Gewalt, besonders in Bezug auf sogenannte "Ego-Shooter"-Computerspiele (Gewalt in Computerspielen). Nach einigen Berichten in den Medien hatte Steinhäuser angeblich einen Großteil seiner Freizeit mit derartigen Spielen und gewaltverherrlichenden Filmen verbracht. Die Diskussionen beschleunigten die Arbeit an dem neuen Jugendschutzgesetz, welches wenige Wochen später verabschiedet wurde, und trugen dazu bei, dass es verschärfte Regelungen für diese Bereiche enthält. Ebenso geriet das Thüringer Schulgesetz ins Kreuzfeuer der Kritik. Da Steinhäuser bereits volljährig war, hatte man seine Eltern nicht über seinen Schulverweis informiert. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt, im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern, an Gymnasien keine Prüfungen oder automatische Zuerkennung der Mittleren Reife nach der 10. Klasse. Schüler, die das Abitur nicht bestanden, hatten also keinen Schulabschluss und daher kaum eine berufliche Perspektive. Als späte Reaktion auf den Amoklauf konnten Schüler der Gymnasien im Jahr 2003 auf eigenen Wunsch am Ende der Klasse 10 an einer Prüfung teilnehmen. Seit 2004 ist diese Prüfung (Besondere Leistungsfeststellung) für alle Thüringer Gymnasiasten Pflicht. Die Thüringer Landesregierung sprach der Schuldirektorin bereits kurz nach der Tat eine "Missbilligung" aus und bestätigte diese Missbilligung im Mai 2004 nach der Vorlage des Kommissionberichts. Der von ihr ausgesprochene Schulverweis sei zwar pädagogisch vertretbar, sie habe jedoch ihre rechtlichen Befugnisse überschritten; ihre Äußerungen Steinhäuser gegenüber seien "unangemessen" gewesen. Juristische Konsequenzen für die Schulleiterin gab es nicht. Neben dem Jugendschutzgesetz wurde auch das Waffengesetz verschärft. Obwohl bereits vor dem Amoklauf umfassende Einschränkungen beschlossen wurden, wurden anläßlich der Ereignisse weitere hinzugefügt. Das Mindestalter zum Erwerb einer Waffe wurde auf 21 Jahre angehoben und Vorderschaftrepetierflinten mit Pistolengriff wurden verboten. Auch die Landespolizeigesetze und die Ausbildung wurden in den meisten Bundesländern reformiert. Während früher die Streifenpolizei zwingend auf ein mobiles Einsatzkommando warten musste, erhalten die Polizisten in Nordrhein-Westfalen heute die notwendige Ausbildung und Befugnisse, um selbst frühzeitig eingreifen und mit Geiselnehmern verhandeln zu können. Eine Kritik der öffentlichen Diskussion findet sich in dem Buch z.B. Erfurt - Was das bürgerliche Bildungs- und Einbildungswesen so alles anrichtet. Der Autor [http://www.fhuisken.de Freerk Huisken] "analysiert exemplarisch den Erfurter Amoklauf als ein - aus dem Ruder gelaufenes - Produkt schulischer Selektions- und Lernerfolge" (Buchrückseite). Stark umstritten ist das Buch Für heute reicht's von Ines Geipel. Darin werden der Polizei erhebliche Fehler während des Einsatzes im Gutenberg-Gymnasium vorgeworfen. Die Initiative Schrei nach Veränderung, die aus Eltern und ehemaligen Schülern des Gutenberg-Gymnasiums besteht, kündigte im April 2004 an, eine eigene Schule nach ihren Idealen gründen zu wollen.

Literatur


- Freerk Huisken: Z.B. Erfurt. VSA, 2002. 120 Seiten, ISBN 3-87975-878-6
- Ines Geipel: Für heute reicht's. Rowohlt, Berlin, 2004, ISBN 3-87134-479-6
- Archiv der Jugendkulturen (Hrsg.): Der Amoklauf von Erfurt. Tilsner, 2003, ISBN 3-93606-864-X
- Jens Becker: Kurzschluß - Der Amoklauf von Erfurt und die Zeit danach. Schwartzkopff Buchwerke, 2005, ISBN 3937738304
- Christof Beyer: Der Erfurter Amoklauf in der Presse - Unerklärlichkeit und die Macht der Erklärung: Eine Diskursanalyse anhand zweier ausgewählter Beispiele. Dr. Kovac, 2004, ISBN 3-8300-1588-7

Weblinks


- http://www.schrei-nach-veraenderung.de/
- [http://www.wsws.org/de/2002/apr2002/erfu-a29.shtml Massaker an Schule in Erfurt - Jugendlicher Amokläufer tötet 17 Menschen]
- [http://www.wsws.org/de/2002/jun2002/erfu-j04.shtml Der Amoklauf von Erfurt und die Situation an den deutschen Schulen]
- [http://www.swr.de/das-erste/doku/20040421index.html Fernsehdokumentation]
- [http://www.gegenstandpunkt.com/gs/02/2/erfurt.htm Analyse und Kritik der öffentlichen Diskussion] Kategorie:Erfurt Kategorie:Schulmassaker Amoklauf von Erfurt

2002

Ereignisse

Jahreswidmungen


- 2002 ist „Jahr des Kulturerbes“ (UNESCO)
- 2002 ist „Internationales Jahr des Ökotourismus“ (UNO)
- 2002 ist „Internationales Jahr der Berge“ (UNO)
- Der Orangefuchsige Rauhkopf (Cortinarius orellanus) ist Pilz des Jahres (Deutsche Gesellschaft für Mykologie)
- Der Haussperling (Passer domesticus) ist Vogel des Jahres (NABU/Deutschland)
- Der Wacholder (Juniperus communis) ist Baum des Jahres (Kuratoriums Baum des Jahres/Deutschland)
- Die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis) ist Orchidee des Jahres (Arbeitskreis Heimische Orchideen/Deutschland)
- Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist Tier des Jahres (Schutzgemeinschaft Deutsches Wild)
- Die Aster (Aster) ist Staude des Jahres (Bund deutscher Staudengärtner)

Politik

Januar


- 1. Januar: Kaspar Villiger wird Bundespräsident der Schweiz
- 1. Januar: Afghanistan. Hamid Karzai übernimmt die Übergangsregierung
- 1. Januar: Deutscher Botschafter in Kabul, Afghanistan, akkreditiert
- 1. Januar: Abkommen über Zollerleichterungen im Textilbereich zwischen Pakistan und der EU
- 1. Januar: Die EU hebt die Visapflicht für Rumänien auf
- 1. Januar: Inkrafttreten des bilateralen Abkommens zwischen der EU und der Schweiz
- 2. Januar: Levy Mwanawasa wird Staatspräsident von Sambia
- 2. Januar: Argentinien. Eduardo Duhalde wird neuer Staatspräsident
- 11. Januar: Argentinien beendete die Konvertibilität seiner Währung gegenüber dem US-Dollar
- 12. Januar: Pakistan. In einer Grundsatzrede verurteilt Präsident Pervez Musharraf Terror und Intoleranz

Februar


- 10. Februar: Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Staatsbesuch in Mexiko
- 11. Februar: Parlamentswahlen in Liechtenstein
- 13. Februar: Deutschland übernimmt führende Rolle beim Aufbau der Polizei in Afghanistan
- 14. Februar: Bundeskanzler Gerhard Schröder besuchte Argentinien
- 14. Februar: Bahrain wird Königreich. Erster König ist Scheich Hamad ibn Isa al-Khalifa
- 22. Februar: Angola. Tod von UNITA-Führer Jonas Savimbi
- 24. Februar: Laos. Parlamentswahlen

März


- 1. März: Neues Kindschaftsrecht in Kenia
- 3. März: Volksabstimmung in der Schweiz über Zugehörigkeit zu den Vereinten Nationen
- 10. März: Parlamentswahlen in Kolumbien
- 15. März: Erneute Waffenstillstandsverhandlungen in Angola
- 17. März: Parlamentswahlen in Portugal
- 19. März: Bundespräsident Johannes Rau besucht Rumänien
- 19. März: Der italienische Regierungsberater Marco Biagi wird in Bologna von einer Splittergruppe der Roten Brigaden ermordet
- 21. März: In Liaoyang in Nordchina protestieren Tausende von entlassenen Arbeitern und fordern die Freilassung eines inhaftierten Arbeiterführers
- 21. März: Eine Autobombe in der Nähe der USA-Botschaft in Lima tötet neun Menschen und verletzt mindestens 25 weitere. Der Anschlag erfolgt wenige Tage vor dem Eintreffen des US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush
- 22. März: Bei der Bundesratsabstimmung über das Zuwanderungsgesetz kam es im Bundesrat zum Eklat, als das Bundesland Brandenburg uneinheitlich abstimmte und der Bundesratspräsident dieses Votum dann als Ja Stimme wertete.
Mit seiner Entscheidung vom 18. Dezember 2002 hob das Bundesverfassungsgericht diese Entscheidung auf
- 25. März: Abdullah Tarmugi wird Parlamentspräsident in Singapur

April


- 4. April: Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommen zwischen der militärischen UNITA und Regierungsstreitkräften in Angola
- 6. April: Dr. José Manuel Durão Barroso wird Ministerpräsident in Portugal
- 8. April: Der Staatspräsident der Volksrepublik China, Jiang Zemin, stattet Deutschland einen Staatsbesuch ab
- 11. April: Tunesien. Anschlag auf die Synagoge „Al Ghriba“ auf Djerba
- 12. April: Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Oman
- 14. April: Das Investitionsförderungs- und -schutzabkommen zwischen Deutschland und Kambodscha tritt in Kraft
- 14. April: Komoren. Präsidentschaftswahlen
- 20. April: Parlamentswahlen auf Niue
- 22. April: Algerien. Assoziierungsabkommen mit der EU
- 30. April: Algerien und Deutschland treffen Rahmenabkommen zur technischen Zusammenarbeit
- 30. April: Parlamentswahlen in Albanien. Präsident wurde Servet Pellumbi

Mai


- 1. Mai: Das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Jordanien tritt in Kraft
- 2. Mai: Bahamas. Perry Christie wird Premierminister
- 2. Mai: Young Vivian wird Premierminister von Niue
- 5. Mai: Frankreich. Jacques Chirac wird als Staatspräsident wiedergewählt
- 6. Mai: Frankreich. Staatspräsident Jacques Chirac ernennt Jean-Pierre Raffarin zum Ministerpräsidenten
- 6. Mai: Marc Ravalomanana wird Staatspräsident in Madagaskar
- 6. Mai: Niederlande. Ermordung des Politikers Pim Fortuyn
- 8. Mai: Dr. Abel Pacheco de la Espriella wird Staatspräsident in Costa Rica
- 12. Mai: Amadou Toumani Touré wird Staatspräsident von Mali
- 14. Mai: Dr. Ahmad Tejan Kabbah wird als Staatspräsident in Sierra Leone in seinem Amt bestätigt
- 14. Mai: Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Sierra Leone
- 16. Mai: Dominikanische Republik. Parlamentswahlen
- 20. Mai: Timor-Leste wird unabhängig
- 21. Mai: Der zweite Rundbrief der ISO erscheint
- 22. Mai: Das Unterhaus in Nepal wird aufgelöst
- 24. Mai: Vertrag zur Reduzierung strategischer Offensivwaffen wird von Russland und den USA unterzeichnet
- 25. Mai: Lesotho. Parlamentswahlen
- 29. Mai: Bundespräsident Dr. Johannes Rau besucht Slowenien
- 30. Mai: Parlamentswahlen in Algerien

Juni


- 13. Juni: Die USA treten einseitig vom ABM-Vertrag zurück
- 13. Juni: Erste Ratsversammlung aller afghanischen Stammesführer in Kabul, Afghanistan
- 14. Juni: Regierungsabkommen über filmwirtschaftliche Beziehungen zwischen Luxemburg und Deutschland
- 17. Juni: Das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und dem Libanon wird unterzeichnet
- 24. Juni: Albanien. Das Parlament wählt den ehemaligen Verteidigungsminister Dr. Alfred Moisiu zum Präsidenten
- 24. Juni: Neuer Investitionsförderungs und -schutzvertrag zwischen Deutschland und Thailand
- 30. Juni: Parlamentswahlen in Kamerun
- 30. Juni: Das „Obere Mittelrheintal“ zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz wird von der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“ erklärt

Juli


- 5. Juli: Angola ratifiziert das Ottawa-Abkommen über die Ächtung von Anti-Personen-Minen
- 7. Juli: Algerien lässt 101 marokkanischen Kriegsgefangene nach über 20 Jahren Gefangenschaft frei
- 16. Juli: Die republikanische Untergrundorganisation Nordirlands IRA, entschuldigt sich erstmals für die zivilen Opfer der eigenen Terroraktionen
- 22. Juli: Das Kulturabkommen zwischen Deutschland und Kirgisistan tritt in Kraft
- 23. Juli: Taiwan bricht die diplomatischen Beziehungen zu Nauru ab
- 25. Juli: Avul Pakir Jainulabdeen Abdul Kalam wird Staatspräsident in Indien
- 27. Juli: Fatos Nano wird Regierungschef in Albanien
- 30. Juli: Demokratische Republik Kongo. Unterzeichnung des Friedensabkommens in Pretoria, Südafrika mit Ruanda
- 30. Juli: 5. Besuch von Papst Johannes Paul II. in Mexiko

August


- 1. August: Erbach (Donau) erhält das Stadtrecht
- 3. August: Bolivien. Sánchez de Lozada wurde zum Präsidenten gewählt
- 7. August: Álvaro Uribe Vélez wird Staatspräsident in Kolumbien
- 15. August: Michael Somare wird Regierungschef in Papua-Neuguinea
- 22. August: Einweihung der Polizeiakademie in Kabul, Afghanistan durch Präsident Hamid Karsai und Innenminister Taj Mohammad Wardak
- 23. August: Angola. Übereinkommen zwischen Regierung und UNITA, das Lusaka-Protokoll innerhalb von 45 Tagen umzusetzen
- 23. August: Der erste deutsche Botschafter in Timor-Leste ist Dr. Fulda
- 24. August: Regierungsneubildung in Kamerun

September


- 5. September: Eröffnung der deutsch-rumänischen Handelskammer in Bukarest, Rumänien
- 6. September: Prof. Iajuddin Ahmed wird Präsident von Bangladesch
- 10. September: Schweiz wird Mitglied bei den Vereinten Nationen
- 12. September: UNO, Der US-Präsident George W. Bush erklärt vor der UNO, dass die USA gegebenenfalls auch im Alleingang militärisch gegen den Irak vorgehen werden
- 15. September: Parlamentswahlen in Mazedonien
- 15. September: Regierungsumbildung in Mazedonien
- 16. September: Ibrahim Boubacar Keita wird Ministerpräsident von Mali
- 19. September: Erneuter Putschversuch in Côte d'Ivoire
- 20. September: Lettland. 67 % der Wahlberechtigten sprechen sich für einen Beitritt zur EU aus
- 22. September: Bundestagswahl 2002. SPD und Grüne können ihre Regierungsmehrheit knapp behaupten, SPD = 251 Mandate, CDU/CSU = 248, Grüne = 55, FDP = 48. Die PDS scheitert an der 5%-Klausel, kann aber in Berlin zwei Direktmandate erringen
- 24. September: In Bahrain wird ein Gesetz zur Gründung von freien Gewerkschaften erlassen
- 27. September: Parlamentswahlen in Marokko
- 27. September: Entlassung der Regierung durch den Staatspräsidenten in São Tomé und Príncipe

Oktober


- 4. Oktober: Maria das Neves Ceita a Baista de Sousa wird Staatsoberhaupt in São Tomé und Príncipe
- 5. Oktober: Parlamentswahlen in Lettland
- 5. Oktober: Ruanda. Alle militärischen Truppen aus dem Kongo sind zurück
- 6. Oktober: Niederlande. Tod von Prinz Claus von Amsberg, Prinz der Niederlande
- 8. Oktober: Senatswahlen in Kasachstan
- 8. Oktober: Der Außenminister von Israel besucht Mauretanien
- 10. Oktober: Kommunalwahlen in Algerien, aus denen die FLN erneut siegreich hervorging
- 10. Oktober: Parlamentswahlen in Pakistan
- 11. Oktober: Lokendra Bahadur Chand wird neuer Premierminister in Nepal
- 16. Oktober: Eröffnung der „Bibliotheca Alexandrina“ in Kairo, Ägypten
- 21. Oktober: König Abdullah II. von Jordanien auf Staatsbesuch in Deutschland
- 21. Oktober: In Mexiko beginnt des Asia-Pacific Economic Cooperation-Gipfels APEC
- 24. Oktober: Bahrain. Erster Wahlgang für Parlamentswahlen seit fast 30 Jahren. 2. Gang: 31. Oktober

November


- 1. November: Branco Crvenkovski wird Ministerpräsident in Mazedonien
- 1. November: (bis 15. November. Volkszählung in Mazedonien
- 7. November: Idrissa Seck wird Premierminister von Senegal
- 11. November: Bundespräsident Johannes Rau zum Staatsbesuch in Spanien
- 12. November: Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und Brandenburg
- 15. November: Ruanda. Kabinettsumbildung
- 17. November: Kommunalwahlen in Peru
- 18. November: Chile unterzeichnet das Assoziationsabkommen mit der EU in Brüssel
- 20. November: Angola. Offizieller Abschluss der Umsetzung des Lusaka-Protokolls
- 21. November: Estland wird zu Beitrittsverhandlungen in die NATO eingeladen
- 21. November: Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und Bremen
- 21. November: Mir Zafarullah Khan Jamali wird Regierungschef in Pakistan
- 21. November: Wiktor Janukowytsch wird Ministerpräsident in der Ukraine
- 24. November: Nationalratswahlen in Österreich
- 27. November: Dänemark. Anders Fogh Rasmussen wird Ministerpräsident
- 29. November: Bundespräsident Johannes Rau besuchte Budapest, Ungarn

Dezember


- 12. Dezember: Beschluss des Europarats in Kopenhagen über die Mitgliedschaft Estlands in der EU zum 1. Mai 2004
- 13. Dezember: Der EU-Gipfel in Kopenhagen beschließt die Aufnahme von zehn neuen Mitgliedern am 1. Mai 2004 („Osterweiterung“)
- 15. Dezember: Äquatorialguinea Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo wurde für weitere sieben Jahre in seinem Amt bestätigt
- 15. Dezember: Parlamentswahlen in Madagaskar
- 19. Dezember: Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Mazedonien
- 21. Dezember: Absturz eines Bundeswehrhubschraubers
- 22. Dezember: Dr. Janez Drnovšek wird Staatspräsident in Slowenien
- 30. Dezember: Mwai Kibaki wird Staatspräsident in Kenia
- 30. Dezember: Verfassungsänderung in Togo

Katastrophen


- 28. Januar: Nähe Tulcan, Kolumbien. Eine Boeing 727 Militärmaschine stürzte etwa 30 km vor ihrem Bestimmungsort ins Gebirge. Alle 92 Menschen an Bord starben
- 3. Februar: Ein Erdbeben der Stärke 6,5 im Westen der Türkei. 44 Tote
- 19. Februar: La Paz, Bolivien. Schwere Überschwemmung, ca. 60 Tote
- 3. März: Ein Erdbeben der Stärke 7,4 in der Region Hindukusch, Afghanistan. 166 Tote
- 5. März: Ein Erdbeben der Stärke 7,5 auf Mindanao, Philippinen. 15 Tote
- 25. März: Erdbeben der Stärke 6,1 in der Region Hindukusch, Afghanistan, ca. 1.000 Tote
- 11. April: Caracas, Venezuela. Putsch gegen die Chavez-Regierung nach einer Massendemonstration in den Straßen der Hauptstadt, ca. 15 Tote, Übergangsregierung
- 12. April: Ein Erdbeben der Stärke 5,9 in der Region Hindukusch, Afghanistan. 50 Tote
- 13. April: Caracas, Venezuela. Nach weiteren Massendemonstrationen Rückkehr Hugo R. Chavez an die Macht
- 15. April: Busan, Südkorea. Eine Boeing 767 der Air China, aus Peking kommend, stürzte beim letzten Landeanflugversuch in ein Waldgebiet. 128 Menschen starben, 39 konnten gerettet werden
- 4. Mai: Kano, Nigeria. Eine Verkehrsmaschine stürzte Augenblicke nach dem Start in bewohntes Gebiet. 74 der 76 sich an Bord befindlichen Personen starben
- 7. Mai: Tunis, Tunesien. Eine Boeing 737 der Egypt Air, auf dem planmäßigen Flug von Kairo nach Tunis, prallte etwa 6 km vor dem Flughafen gegen einen Berg. 15 Menschen starben, mehr als 30 wurden gerettet
- 7. Mai: Dalian, Liaoning, Volksrepublik China. Eine MD-82 der China Northern Airlines stürzte kurz vor der Küste ins Meer. Alle 112 Menschen an Bord starben
- 4. Juni: Die Zeyzoun-Talsperre in Syrien bricht. Durch die Flutwelle gibt es bis zu 100 Todesopfer
- 22. Juni: Ein Erdbeben der Stärke 6,5 im Iran. 261 Tote
- 1. Juli: Ein russisches Passagierflugzeug vom Typ Tupolew Tu-154 und eine Frachtmaschine der DHL vom Typ Boeing 757 stießen in 11.000 m Höhe über dem Bodensee bei Überlingen zusammen und stürzten ab. Es gab 71 Tote. Als Ursache wurde ein Fehler der zuständigen schweizerischen Luftüberwachung Skyguide angegeben. Es war das schwerste Flugzeugunglück über Deutschland in neuerer Zeit
- 4. Juli: Bangui, Zentralafrikanische Republik. Eine Boeing 707 der New Gomair, kombiniert als Fracht- und Passagierflugzeug unterwegs, auf dem Weg nach Brazzaville, Kongo. Bereits kurz nach dem Start berichtete der Pilot von technischen Schwierigkeiten. 4 km vor Erreichen der Rollbahn stürzte die Maschine ab. 23 der 25 Menschen an Bord starben
- August: Jahrhundertflut an der Elbe und einigen ihrer Nebenflüsse, sowie Nieder- und Oberösterreich, in der Obersteiermark und in Wien, sowie in Tschechien durch die Donau und ihre Zuflüsse
- 29. August: Ayan, Russland. Eine Antonow-28 der Wostok Aviakompania, aus Chabarowsk kommend, stürzte beim Landeanflug ab. Alle 16 Menschen an Bord starben
- 30. August: Rio Branco, Brasilien. Eine Verkehrmaschine stürzte etwa 1,5 km vor dem Erreichen der Landebahn wegen schlechter Wetterbedingungen ab. 23 Menschen starben, 8 konnten gerettet werden
- 26. September: Untergang der senegalesischen Fähre Joola, der einzigen Fähre zwischen Casamance und Dakar dabei über 1800 Todesopfer
- 23. Oktober: Moskau, Russland. Geiselnahme durch tschetschenische Terroristen während einer Aufführung des Musicals „Nord-Ost“ im Dubrowka-Theater. Etwa 120 der ca. 800 Geiseln sterben bei der Befreiung durch russische Sicherheitskräfte
- 31. Oktober: Ein Erdbeben der Stärke 5,9 im Süden Italiens. 29 Tote
- 6. November: Niederanven, Luxemburg. Eine Fokker 50 der Luxair, auf dem planmäßigen Flug von Berlin, Deutschland, nach Luxemburg, stürzte etwa 5 km vor Erreichen des Ziels ab. 20 der 22 Menschen an Bord starben. Nur der Pilot und ein Passagier überlebten
- 11. November: Manila, Philippinen. Eine Fokker F-27 stürzte kurz nach dem Start in die Manila Bay und sank etwa 20 Meter tief. 19 Menschen starben, 15 konnten gerettet werden
- 23. Dezember: Isfahan, Iran. Eine neue ukrainische Antonow An-140 der Aeromist Khakiv stürzte während des Landeanflugs bei schlechtem Wetter und dichtem Nebel ab. Alle 46 Menschen an Bord starben

Kultur


- September: die Pinakothek der Moderne wird eingeweiht
- Günter Grass: Im Krebsgang
- Martin Walser: Tod eines Kritikers
- Die belgische Stadt Brügge und die spanische Stadt Salamanca sind gemeinsam europäische Kulturhauptstadt
- 15.Mai bis 20.Oktober Schweizerische Landesausstellung Expo.02

Wirtschaft


- 1. Januar: Der Euro wird in 12 Staaten der Europäischen Union als gemeinsame Währung eingeführt. Das Euro-Bargeld ist seitdem gesetzliches Zahlungsmittel
- 20. September: Der Dax (Deutscher Aktienindex) sinkt erstmals seit 1996 wieder unter 3000 Punkte

Sport

Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden siehe unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 5. Januar: Luan Krasniqi wird Schwergewichts-Europameister im Boxen, er besiegt René Monse nach Punkten
- 8. bis 24. Februar: XIX. Olympischen Winterspiele in Salt Lake City, USA
- 8. Februar: Vitali Klitschko gewinnt seinen Boxkampf gegen Vaughn Bean in der Volkswagen-Halle, Braunschweig, Deutschland, durch technischen KO
- 16. März: Wladimir Klitschko gewinnt seinen Boxkampf gegen Francois Botha in der Hanns-Martin Schleyer Halle in Stuttgart, Deutschland, durch technischen KO
- 31. Mai bis 30. Juni: Fußball-WM in Japan und Südkorea; Brasilien gewinnt das Endspiel gegen Underdog Deutschland mit 2:0 Toren und wird zum fünften Mal Weltmeister. Ein Großteil der Favoriten wie Frankreich und Italien kamen nicht über die Vorrunde hinaus
- Juli: Tour de France-Sieger: Lance Armstrong
- 23. November: Vitali Klitschko gewinnt seinen Boxkampf gegen Larry Donald in der Westfalenhalle, Dortmund, Deutschland, durch technischen KO
- 7. Dezember: Wladimir Klitschko gewinnt seinen Boxkampf gegen Jameel McCline in Mandalay Bay, Las Vegas, Nevada, USA, durch technischen KO
- 12. Dezember: Mit Oak Hill gegen St.Vincent-St.Mary (siehe LeBron James) wird erstmals ein Highschool-Basketball-Spiel live im US-Fernsehen übertragen
- 22. Dezember: Zu Sportler des Jahres in Deutschland wurden gewählt: Franziska van Almsick, Sven Hannawald, Deutsche Fußball-Nationalmannschaft

Sonstiges


- 23. Februar: Bei einer Polizeiaktion kann die Himmelsscheibe von Nebra sichergestellt werden
- 26. April: Der 19-jährige ehemalige Schüler Robert Steinhäuser tötet während eines zehnminütigen Amoklaufs am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen und anschließend sich selbst (siehe Amoklauf von Erfurt)
- 4. Mai: Start des Forschungssatelliten Aqua der US-amerikanischen NASA zur Erforschung der Rolle des Wassers im komplexen Ökosystem unserer Erde
- 12. Mai: Eine der letzten russischen Buran-Raumfähren wird auf dem Raumbahnhof in Baikonur zerstört, als die Decke des aufgegebenen Hangars einbricht
- 5. Juni: Osttimor wird Mitglied in der UNESCO
- 10. Juni: Ringförmige Sonnenfinsternis im Nordpazifik
- 18. Juni: Am dritten „Sozialen Tag“ von Schüler Helfen Leben tauschen 210.000 Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen Ihre Schulbank gegen einen bezahlten Job: und spenden über 3,8 Millionen Euro für mildtätige Zwecke
- 19. Juni: Steve Fossett startet zu seiner erfolgreichen Weltumrundung mit einem Ballon
- 3. Juli: Steve Fossett gelingt in dreizehneinhalb Tagen die erste erfolgreiche Weltumrundung mit einem Ballon
- 1. Oktober Wiedereintritt der Vereinigten Staaten von Amerika in die UNESCO
- 12. Oktober: Bali. Bei Sprengstoffattentaten auf zwei Diskotheken in Kuta werden 202 Menschen, vor allem australische Touristen, getötet
- 4. Dezember: Totale Sonnenfinsternis im südlichen Afrika und in Australien

Geboren


- 13. Mai: Elisabeth Maria Angela Tatjana, Tochter von Prinzessin Tatjana von Liechtenstein und Philipp von Lattorf
- 24. Februar: Arietta, Tochter von Prinzessin Alexia von Griechenland und Carlos Morales
- 30. April: Miguel Urdangarín Borbón, Sohn von Infantin Cristina von Spanien und Iñaki Urdangarín
- 22. Juli: Felix Henrik Valdemar Christian Prinz von Dänemark, Sohn von Prinz Joachim von Dänemark und Alexandra Manley
- 12. August: Prinz Achileas-Andreas, Sohn von Kronprinz Pavlos von Griechenland, und Kronprinzessin Marie-Chantal von Griechenland

Gestorben

Dies ist eine Liste der bedeutendsten Persönlichkeiten, die 2002 verstorben sind. Für eine ausführlichere Liste siehe Nekrolog 2002.
- 1. Januar: Paul Hubschmid, Schweizer Film- und Theaterschauspieler
- 8. Januar: Alexander Michailowitsch Prochorow, russischer Physiker
- 12. Januar: Cyrus Vance, US-amerikanischer Politiker
- 17. Januar: Camilo José Cela, spanischer Schriftsteller
- 21. Januar: Peggy Lee, US-amerikanische Jazzsängerin
- 23. Januar: Pierre Bourdieu, französischer Soziologe
- 24. Januar: Franz Innerhofer, österreichischer Schriftsteller
- 27. Januar: Franz Meyers, deutscher Politiker
- 27. Januar: Alain Vanzo, französischer Opernsänger (
- 1928)
- 28. Januar: Astrid Lindgren, schwedische Kinderbuchautorin (
- 1907)
- 30. Januar: Inge Morath, US-amerikanische Fotografin
- 1. Februar: Hildegard Knef, deutsche Schauspielerin (
- 1925)
- 6. Februar: Max Ferdinand Perutz, britischer Chemiker
- 8. Februar: Elisabeth Mann Borgese, deutsche Meeresbiologin und Tochter von Thomas Mann
- 8. Februar: Joachim Hoffmann, deutscher Historiker (
- 1930)
- 9. Februar: Prinzessin Margaret, Schwester von Queen Elisabeth II. (
- 1930)
- 14. Februar: Abdul Rahman, afghanischer Politiker
- 14. Februar: Günter Wand, deutscher Dirigent
- 17. Februar: Heinz Kaminski, deutscher Chemie-Ingenieur und Weltraumforscher
- 22. Februar: Barbara Valentin, deutsche Schauspielerin (
- 1940)
- 22. Februar: Jonas Savimbi, angolanischer Politiker und Rebellenführer (
- 1966)
- 22. Februar: Chuck Jones, US-amerikanischer Comiczeichner und Filmregisseur
- 24. Februar: Eva Hoffmann-Aleith, deutsche Pastorin und Schriftstellerin (
- 1910)
- 24. Februar: Leo Ornstein, russischer Pianist und Komponist (
- 1895)
- 27. Februar: Oskar Sala, deutscher Komponist und Physiker (
- 1910)
- 28. Februar: Helmut Zacharias, deutscher Violinist (
- 1920)
- 4. März: Margarete Neumann, deutsche Schriftstellerin (
- 1917)
- 11. März: James Tobin, US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler (
- 1918)
- 11. März: Marion Gräfin Dönhoff, deutsche Journalistin und Publizistin (
- 1909)
- 13. März: Hans-Georg Gadamer, deutscher Philosoph (
- 1900)
- 13. März: Christian Graf von Krockow, deutscher Politikwissenschaftler (
- 1927)
- 18. März: Maud Farris-Luse, älteste Frau der Welt, Alter: 115 Jahren und 56 Tagen (
- 1887)
- 18. März: Gösta Winbergh, Sänger (
- 1943)
- 19. März: Marco Biagi, italienischer Politiker, Wissenschaftler und Publizist (
- 1951)
- 19. März: Mirza Tahir Ahmad, islamischer Anführer (
- 1928)
- 24. März: César Milstein, britischer Molekularbiologe und Nobelpreisträger (
- 1927)
- 27. März: Billy Wilder, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent (
- 1906)
- 27. März: Matthias Beltz, deutscher Kabarettist (
- 1945)
- 30. März: Elizabeth Bowes-Lyon, Mutter von Queen Elisabeth II. (
- 1900)
- 1. April: Heinrich Popitz, deutscher Soziologe (
- 1925)
- 3. April: Heinz Drache, deutscher Schauspieler
- 3. April: Frank Tovey, britischer Musiker
- 6. April: Martin Sperr, deutscher Schriftsteller und Schauspieler
- 8. April: Josef Svoboda, Bühnenarchitekt und Mitgründer der Prager Laterna Magika
- 10. April: Manfred Köhnlechner, deutscher Heilpraktiker
- 13. April: Ivan Desny
- 16. April: Herbert

Gutenberg-Gymnasium (Erfurt)

Der Amoklauf von Erfurt ereignete sich am Vormittag des 26. April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Dabei erschoss der 19-jährige Robert Steinhäuser gezielt 13 Lehrer und einen herbeigeeilten Polizisten, zwei Schüler wurden tödlich verwundet, als er eine Tür durchschoss. Anschließend tötete er sich selbst.

Die Tat

Die Tat fand am Tag der schriftlichen Abiturprüfungen statt. Steinhäuser begann den Amoklauf etwa um 10:50 Uhr, suchte die Schule gezielt nach Lehrern ab und erschoss dabei 13 von ihnen. Schüler und Lehrer schlossen sich in Klassenräumen und der Aula ein. Durch eine geschlossene Tür erschoss Steinhäuser zwei Schüler. Um 11:05 Uhr alarmierte der Hausmeister die Polizei, die um 11:12 Uhr an der Schule eintraf. Dabei wurde aus dem Fenster der Polizist Andreas Gorski erschossen. Etwa um 11:15 Uhr traf Steinhäuser auf den Lehrer Rainer Heise. Nach Heises Schilderung habe er sich Steinhäuser mit den Worten "Drück ab! Wenn du mich jetzt erschießt, dann guck mir in die Augen!" in den Weg gestellt. Steinhäuser habe daraufhin geantwortet: "Für heute reicht's, Herr Heise!" Daraufhin schloss ihn der Lehrer im Zeichensaal der Schule ein, wo sich Steinhäuser wenig später selbst tötete. Diese Darstellung Heises wurde in den Medien immer wieder angezweifelt. Er wurde teils aufs schärfste kritisiert und angefeindet. Ihm wurde Selbstdarstellung auf Kosten der Todesopfer vorgeworfen. Heise wurde mehrfach ausgezeichnet, ihm wurde sogar das Bundesverdienstkreuz angeboten.

Robert Steinhäuser

Robert Steinhäuser (
- 22. Januar 1983 in Erfurt) wurde im Oktober 2001 von der Schuldirektorin ohne den juristisch notwendigen Schulkonferenz-Beschluss von der Schule verwiesen. Einige Medien behaupten, dass Steinhäuser häufig fehlte und Atteste fälschte. Nach dem Verweis verbrachte er wochenlang seine Vormittage in einem Café, um sein Umfeld im Glauben zu lassen, er ginge noch zur Schule. Die Tat verübte er mit einer Selbstladepistole GLOCK 17L. Ferner führte er eine Vorderschaftrepetierflinte (eine sogenannte Pumpgun) vom Typ Mossberg 590 Mariner mit, die er aber nicht benutzte. Beide Waffen hatte er als Sportschütze beim Erfurter Polizeisportverein mit einer Waffenbesitzkarte von den Vor-Besitzern legal erworben. Die Flinte hätte er aufgrund seines Sports eigentlich nicht erwerben dürfen, da sie nur von Jägern legal erworben werden kann. Die lokale Behörde, die von den Vorbesitzern der beiden Waffen ordnungsgemäß informiert worden war, leitete aber keine Überprüfung und keinen Einzug der Waffen ein, wofür sie selbst kritisiert wurde.

Gedenkfeier

Behörde Am 3. Mai 2002 fand eine Gedenkfeier für die Opfer des Massakers auf dem Domplatz im Zentrum Erfurts statt. Darin betonte der damalige Bundespräsident Johannes Rau, dass er auch Robert Steinhäusers selbst gedenke; was ein Mensch auch immer getan habe, er bleibe ein Mensch. Die Angehörigen Steinhäusers wohnten der Gedenkfeier vom Fenster eines nahestehenden Gebäudes aus bei. Nach der Tat keimten immer wieder Gerüchte, dass es neben Steinhäuser noch einen weiteren Täter gegeben habe. Erst der offizielle Bericht der so genannten Gasser-Kommission (nach dem Thüringer Justizminister Karl Heinz Gasser), der am 21. April 2004 erschien, schloss einen Mittäter (nicht jedoch einen Mitwisser) aus. Am 5. Juli 2005 wurde jedoch ein 36-jähriger Trittbrettfahrer, der sich in einem Brief und einer E-Mail selbst der Mitwisserschaft bezichtigt hat, zu einer Geldstrafe wegen Vortäuschung einer Straftat verurteilt.

Öffentliche Diskussion

Der Amoklauf führte zu heftigen öffentlichen Diskussionen zum Thema Jugend und Gewalt, besonders in Bezug auf sogenannte "Ego-Shooter"-Computerspiele (Gewalt in Computerspielen). Nach einigen Berichten in den Medien hatte Steinhäuser angeblich einen Großteil seiner Freizeit mit derartigen Spielen und gewaltverherrlichenden Filmen verbracht. Die Diskussionen beschleunigten die Arbeit an dem neuen Jugendschutzgesetz, welches wenige Wochen später verabschiedet wurde, und trugen dazu bei, dass es verschärfte Regelungen für diese Bereiche enthält. Ebenso geriet das Thüringer Schulgesetz ins Kreuzfeuer der Kritik. Da Steinhäuser bereits volljährig war, hatte man seine Eltern nicht über seinen Schulverweis informiert. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt, im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern, an Gymnasien keine Prüfungen oder automatische Zuerkennung der Mittleren Reife nach der 10. Klasse. Schüler, die das Abitur nicht bestanden, hatten also keinen Schulabschluss und daher kaum eine berufliche Perspektive. Als späte Reaktion auf den Amoklauf konnten Schüler der Gymnasien im Jahr 2003 auf eigenen Wunsch am Ende der Klasse 10 an einer Prüfung teilnehmen. Seit 2004 ist diese Prüfung (Besondere Leistungsfeststellung) für alle Thüringer Gymnasiasten Pflicht. Die Thüringer Landesregierung sprach der Schuldirektorin bereits kurz nach der Tat eine "Missbilligung" aus und bestätigte diese Missbilligung im Mai 2004 nach der Vorlage des Kommissionberichts. Der von ihr ausgesprochene Schulverweis sei zwar pädagogisch vertretbar, sie habe jedoch ihre rechtlichen Befugnisse überschritten; ihre Äußerungen Steinhäuser gegenüber seien "unangemessen" gewesen. Juristische Konsequenzen für die Schulleiterin gab es nicht. Neben dem Jugendschutzgesetz wurde auch das Waffengesetz verschärft. Obwohl bereits vor dem Amoklauf umfassende Einschränkungen beschlossen wurden, wurden anläßlich der Ereignisse weitere hinzugefügt. Das Mindestalter zum Erwerb einer Waffe wurde auf 21 Jahre angehoben und Vorderschaftrepetierflinten mit Pistolengriff wurden verboten. Auch die Landespolizeigesetze und die Ausbildung wurden in den meisten Bundesländern reformiert. Während früher die Streifenpolizei zwingend auf ein mobiles Einsatzkommando warten musste, erhalten die Polizisten in Nordrhein-Westfalen heute die notwendige Ausbildung und Befugnisse, um selbst frühzeitig eingreifen und mit Geiselnehmern verhandeln zu können. Eine Kritik der öffentlichen Diskussion findet sich in dem Buch z.B. Erfurt - Was das bürgerliche Bildungs- und Einbildungswesen so alles anrichtet. Der Autor [http://www.fhuisken.de Freerk Huisken] "analysiert exemplarisch den Erfurter Amoklauf als ein - aus dem Ruder gelaufenes - Produkt schulischer Selektions- und Lernerfolge" (Buchrückseite). Stark umstritten ist das Buch Für heute reicht's von Ines Geipel. Darin werden der Polizei erhebliche Fehler während des Einsatzes im Gutenberg-Gymnasium vorgeworfen. Die Initiative Schrei nach Veränderung, die aus Eltern und ehemaligen Schülern des Gutenberg-Gymnasiums besteht, kündigte im April 2004 an, eine eigene Schule nach ihren Idealen gründen zu wollen.

Literatur


- Freerk Huisken: Z.B. Erfurt. VSA, 2002. 120 Seiten, ISBN 3-87975-878-6
- Ines Geipel: Für heute reicht's. Rowohlt, Berlin, 2004, ISBN 3-87134-479-6
- Archiv der Jugendkulturen (Hrsg.): Der Amoklauf von Erfurt. Tilsner, 2003, ISBN 3-93606-864-X
- Jens Becker: Kurzschluß - Der Amoklauf von Erfurt und die Zeit danach. Schwartzkopff Buchwerke, 2005, ISBN 3937738304
- Christof Beyer: Der Erfurter Amoklauf in der Presse - Unerklärlichkeit und die Macht der Erklärung: Eine Diskursanalyse anhand zweier ausgewählter Beispiele. Dr. Kovac, 2004, ISBN 3-8300-1588-7

Weblinks


- http://www.schrei-nach-veraenderung.de/
- [http://www.wsws.org/de/2002/apr2002/erfu-a29.shtml Massaker an Schule in Erfurt - Jugendlicher Amokläufer tötet 17 Menschen]
- [http://www.wsws.org/de/2002/jun2002/erfu-j04.shtml Der Amoklauf von Erfurt und die Situation an den deutschen Schulen]
- [http://www.swr.de/das-erste/doku/20040421index.html Fernsehdokumentation]
- [http://www.gegenstandpunkt.com/gs/02/2/erfurt.htm Analyse und Kritik der öffentlichen Diskussion] Kategorie:Erfurt Kategorie:Schulmassaker Amoklauf von Erfurt

Erfurt

Erfurt ist die Landeshauptstadt und größte Stadt des Freistaates Thüringen, eines der sechzehn Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland. Die Universitätsstadt ist eines der drei Oberzentren des Landes, katholischer Bischofssitz, Sitz des Bundesarbeitsgerichts und hat den Status einer Kreisfreien Stadt. Die nächsten größeren Städte sind Leipzig, 105 km Luftlinie nordöstlich, Kassel, 115 km westlich, Hannover, 180 km nordwestlich und Frankfurt am Main, 190 km südwestlich. Die Einwohnerzahl der Stadt Erfurt überschritt etwa 1906 die Grenze von 100 000, wodurch sie zur Großstadt wurde.

Geografie

Erfurt liegt nur 45,5 km südöstlich des geografischen Mittelpunkts von Deutschland, womit es seit der Wiedervereinigung von BRD und DDR (3. Oktober 1990) die zentralste Großstadt des Staats ist. Erfurt liegt im Süden des Thüringer Beckens, in einem weiten Becken des Flusses Gera, einem Nebenfluss der Unstrut. Im Süden wird das Stadtgebiet von bewaldeten Höhen (dem Steiger) umgrenzt. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt von Nord nach Süd 21 km und von Ost nach West 22,4 km.

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Erfurt. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt:
- im Landkreis Weimarer Land: Niederzimmern, Utzberg und Mönchenholzhausen (alle Verwaltungsgemeinschaft Grammetal) sowie Klettbach (Verwaltungsgemeinschaft Kranichfeld)
- im Ilm-Kreis: Kirchheim (Thüringen) und Rockhausen (beide Verwaltungsgemeinschaft Riechheimer Berg) sowie Ichtershausen
- im Landkreis Gotha: Ingersleben und Gamstädt (beide Verwaltungsgemeinschaft Nesse-Apfelstädt-Gemeinden) sowie Nottleben und Zimmernsupra (Verwaltungsgemeinschaft Nesseaue)
- im Landkreis Sömmerda: Witterda (erfüllende Gemeinde ist Elxleben), Elxleben, Walschleben (Verwaltungsgemeinschaft Gera-Aue), Riethnordhausen (Verwaltungsgemeinschaft Straußfurt) sowie Nöda, Alperstedt, Großrudestedt, Udestedt, Kleinmölsen und Großmölsen (alle Verwaltungsgemeinschaft Gramme-Aue)

Stadtgliederung

Verwaltungsgemeinschaft Gramme-Aue Das Stadtgebiet Erfurts gliedert sich in 53 Stadtteile. Hiervon bilden 36 zugleich eine Ortschaft im Sinne des § 45 der Thüringer Kommunalordnung. Die Ortschaften wurden durch die Hauptsatzung der Stadt Erfurt eingerichtet. Dabei handelt es sich meist um räumlich getrennte Dörfer, die ehemals selbständige Gemeinden waren. Für 33 Ortschaften gibt es jeweils einen vom Volk anlässlich einer Bürgerversammlung gewählten Ortschaftsrat, der je nach Einwohnerzahl der Ortschaft zwischen 4 und 10 Mitglieder hat. Drei Ortschaften bilden mit benachbarten Ortschaften einen gemeinsamen Ortschaftsrat. Vorsitzender dieses Gremiums ist der ebenfalls vom Volk gewählte Ortsbürgermeister. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.
- Liste aller Erfurter Stadtteile beziehungsweise Ortschaften

Geschichte

Altertum und Mittelalter

Erfurt ist eine alte germanische und slawische Siedlung. Spuren erster Besiedlung finden sich bereits aus vorgeschichtlicher Zeit. Im frühen 9. Jahrhundert wurde Erfurt ein bedeutender Handels- und Umschlagplatz zwischen fränkischen und slawischen Waren. Erste urkundliche Erwähnung im Jahr 742, durch Missionserzbischof Bonifatius aus Mainz mit der Bitte an Papst Zacharias um Bestätigung von „Erphesfurt“. Dadurch wurde der Bischofssitz gegründet. Das Bistum wurde 755 mit dem von Mainz vereinigt, danach traten die Erzbischöfe von Mainz als Herren in Erfurt auf. 805 erhob Karl der Große Erfurt zum Stapelplatz für die Slawen. Anschließend wurde eine erste, der Hl. Maria geweihte Kirche errichtet. Erfurt war unter den Karolingern und Ottonen eine Königspfalz. Im 13. Jahrhundert entstand ein fast selbständiger Rat, der die früheren mainzischen Beamten fast ganz aus der Verwaltung verdrängte. Seitdem erlebte die Stadt einen großen Aufschwung und wurde bald der Mittelpunkt des Handels von ganz Thüringen. 1392 eröffnete die dritte Universität auf deutschem Boden in Erfurt ihre Pforten. Universität Einer der bekanntesten Absolventen der Universität Erfurt war Martin Luther, der hier von 1501 bis 1505 studierte und seinen Magister der philosophischen Fakultät erhielt. Ebenfalls in der Umgebung Erfurts kam ihm die stürmische Erleuchtung. In der Nähe von Stotternheim (10 km von Erfurt entfernt) wurde Luther 1505 bei einem schweren Unwetter beinahe vom Blitz getroffen und legte sein sogenanntes „Stotternheimer Gelübde“ („Heilige Anna, ich will Mönch werden“) ab. Sein Leben widmete er fortan der Kirche und trat dem Augustinerorden als Mönch bei. Bis 1511 lebte und predigte Luther in Erfurt. In den Reformationskriegen litt die Universität sehr. Zahlreiche Auseinandersetzungen gab es mit den sächsischen Landesherren, die mehrmals erfolglos die Stadt belagerten. Doch wurden immer die Straßen durch die Sachsen gesperrt, so dass der Handel abgeschnitten war. Deshalb musste Erfurt 1483 einen Schutzvertrag abschließen und jährlich 1.500 Gulden bezahlen. 1509 und 1510 erhob sich das Volk gegen die Verschwendungssucht des Rates. Im Mittelalter war Erfurt eine bedeutende Handelsstadt. Ein wesentlicher Quell des Wohlstandes war der Handel mit Färberwaid. Mit dem Aufkommen effizienterer Farbstoffe nahm die Bedeutung der Stadt ab.

Neuzeit

1664 erfolgte die Eroberung Erfurts durch französische und Reichsexekutionstruppen des Mainzer Kurfürsten und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn und damit Beginn der kurmainzischen Herrschaft. Sachsen verzichtete auf seine Schutzherrschaft. Erfurt wurde nun zusammen mit Eichsfeld von einem Mainzer Statthalter regiert. 1802 kamen Stadt- und Landgebiet Erfurt gemäß dem preußisch-französischen Vertrag als Entschädigung zum Königreich Preußen, wurde jedoch 1806 durch die Truppen Napoleons besetzt. Dieser erklärte 1807 Erfurt mit Blankenhain zu einer kaiserlichen Domäne. 1808 empfing Napoléon Zar Alexander I. und die Fürsten des Rheinbundes zum Erfurter Fürstenkongress (auch Erfurter Kongress). 1814 endete nach erfolgreicher Belagerung durch preußische, österreichische und russische Truppen die französische Besetzung und 1815 wurde Erfurt aufgrund des Wiener Kongresses wieder dem Königreich Preußen zugesprochen, welches den größten Teil des Erfurter Landgebietes und das Blankenhainer Gebiet an Sachsen-Weimar-Eisenach abtrat. 1816 wurde die Universität Erfurt geschlossen. Im gleichen Jahr wurde Erfurt Stadtkreis (kreisfreie Stadt) und Sitz der preußischen Bezirksregierung (Regierungsbezirk Erfurt), welche dem Oberpräsidenten der preußischen Provinz Sachsen in Magdeburg unterstand. Der Stadtkreis Erfurt wurde jedoch bereits 1818 wieder mit dem Landkreis Erfurt verbunden. Am 1. Januar 1872 schied die Stadt erneut aus dem Landkreis Erfurt aus und wurde kreisfrei. Die Festung wurde 1873 aufgehoben und abgerissen. Mit der Ansiedlung wichtiger Maschinenbaubetriebe wurde Erfurt im ausgehenden 19. Jahrhundert ein bedeutender Industriestandort. Im Oktober 1891 fand in Erfurt der Erfurter Parteitag der deutschen Sozialdemokraten, die sich seit 1890 „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ SPD nannten statt. 1894 wurde eine thüringische Gewerbeausstellung abgehalten. 1906 wurde Erfurt mit 100 000 Einwohnern Großstadt. Als 1920 das Land Thüringen mit der Landeshauptstadt Weimar gebildet wurde, wurden die preußischen Gebiete Thüringens einschließlich Erfurt nicht miteinbezogen. Am 13. April 1945 besetzten Einheiten der 3. US-Armee unter Befehl des Generals George S. Patton die Stadt und damit erfolgte zum 1. Juli die Einstellung der Tätigkeit der preußischen Bezirksregierung. Die Stadt wurde dem Land Thüringen zugeordnet. Am 3. Juli übernahmen schließlich Einheiten der sowjetischen Armee aufgrund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und den Beschlüssen der Konferenz von Jalta die Stadt. Erfurt wurde Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone und am 7. Juli Landeshauptstadt. 1932 wurde der Landkreis Erfurt dem benachbarten Landkreis Weißensee eingegliedert, doch entstand 1952 erneut ein Landkreis Erfurt. Gleichzeitig wurde Erfurt, nach Auflösung des Landes Thüringen, Sitz des neu gebildeten Bezirks Erfurt. Bei der Kreisreform 1994 wurde der Landkreis Erfurt aufgelöst und sein Gebiet in die neuen Landkreise Weimarer Land, Gotha, Ilm-Kreis (Arnstadt) und Sömmerda eingegliedert. Erfurt selbst blieb seit 1872 stets eine kreisfreie Stadt. 1970 kam Bundeskanzler Willy Brandt nach Erfurt und traf den stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph und zeigte sich am Fenster des Hotels „Erfurter Hof“, das gegenüber dem Bahnhof liegt. Die Menge begrüßte ihn mit "Willy, Willy" Rufen. 1991 wurde Erfurt Landeshauptstadt des Freistaats Thüringen und im Jahr 1994 erfolgte die Neugründung der Erfurter Universität; ebenfalls in diesem Jahr wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen, das seit 1973 bestand, zum Bistum Erfurt erhoben. Am 26. April 2002 hat der Name Erfurts durch den Amoklauf von Erfurt am Gutenberg-Gymnasium tragische Berühmtheit erlangt.

Eingemeindungen

Folgende Gemeinden und Gemarkungen wurden nach Erfurt eingemeindet:
- 1. April 1911: Ilversgehofen
- 1937: Teile von Marbach
- 1. April 1938: Hochheim und Melchendorf sowie Teile von Salomonsborn und Bindersleben
- 1. Januar 1950: Bischleben, Dittelstedt und Rhoda
- 1. Juli 1950: Bindersleben, Gispersleben-Viti, Gispersleben-Kiliani, Marbach, Möbisburg und Schmira
- 1. April 1994: Alach, Ermstedt und Frienstedt
- 1. Juli 1994: Büßleben, Egstedt, Hochstedt, Kerspleben, Kühnhausen, Linderbach-Azmannsdorf, Mittelhausen, Molsdorf, Niedernissa, Schwerborn, Stotternheim, Tiefthal, Töttleben, Vieselbach, Waltersleben und Windischholzhausen.
- Oktober 1994: Töttelstädt siehe auch den Unterpunkt Einwohnerentwicklung

Religionen

Im Jahre 742 gründete Bonifatius das Bistum Erfurt, das jedoch kurz darauf dem Bistum Mainz eingegliedert wurde. Somit gehörte die Bevölkerung der Stadt Erfurt über viele Jahrhunderte zum Bistum Mainz. Im 14. Jahrhundert hatte die Stadt über 20 Pfarreien sowie 3 Kollegiatstifter und über 10 Klöster. Später besaß Erfurt 80 Kirchen und 36 Klöster. Viele davon sind heute noch gut erhalten. Anfang des 16. Jahrhundert war Martin Luther Student an der Universität Erfurt. Die Stadt wandte sich später mehrheitlich der Reformation zu. Daher gab es innerhalb der Stadt starke Spannungen zwischen den Konfessionen. 1530 konnte im so genannten Hammelburger Vertrag die Gleichberechtigung der Konfessionen erreicht werden. Danach behielten die Protestanten acht Kirchen. Sie wurden von einem Senior geleitet. 1563 wurde ein Evangelisches Ministerium eingerichtet, dem als oberste Kirchenbehörde die Verwaltung der Protestanten oblag. Im 16. Jahrhundert setzte die Gegenreformation ein, infolge dessen die Stadt wieder mehrheitlich katholisch wurde. Nach dem Übergang der Stadt Erfurt an Preußen wurden in der Folgezeit auch die kirchlichen Strukturen neu geordnet. Ab 1821 gehörten die Pfarrgemeinden der Stadt zum Bistum Paderborn. Nach dem Preußischen Konkordat von 1929 erfolgte eine Neuordnung der Gebiete der katholischen Bistümer. Die Gemeinden in Erfurt kamen zum Bistum Fulda. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es für den Bischof immer schwerer, seine Amtsgeschäfte im Ostteil seines Bistums wahrzunehmen. Ebenso erging es dem Bischof von Würzburg, dem die südlichen Pfarrgemeinden Thüringens zugeordnet waren. 1946 wurde daher in Erfurt für die östlichen Gebiete der Bistümer Fulda und Würzburg ein Generalvikar eingesetzt, der 1953 zum Weihbischof und 1967 zum Bischöflichen Kommissar ernannt wurde. Durch die Neuordnung der katholischen Kirche in der DDR wurden die Gebiete ausgegliedert und per Dekret des Heiligen Stuhls am 20. Juli 1973 dem Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zugeordnet und damit formell von ihren bisherigen Bistümern abgetrennt. Leiter dieses Bischöflichen Amtes wurde ein Apostolischer Administrator, der Titularbischof war. Am 14. Juni 1994 wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zum Bistum erhoben und der Kirchenprovinz Paderborn zugeordnet. Die Rechtswirksamkeit erfolgte zum 7. Juli 1994. Die Pfarrgemeinde in Erfurt gehört somit heute zum Dekanat Erfurt innerhalb des Bistums Erfurt. Die wenigen Protestanten, die nach der Gegenreformation noch in Erfurt waren, wurden nach dem Übergang an Preußen Glieder der mit der Bildung der Provinz Sachsen errichteten Provinzialkirche Sachsen. 1817 wurden in ganz Preußen lutherische und reformierte Gemeinden zu einer einheitlichen Landeskirche (Unierte Kirche) vereinigt. Danach gehörten alle Kirchengemeinden Erfurts zur Evangelischen Kirche in Preußen, beziehungsweise dessen Provinzialkirche Sachsen, deren Oberhaupt der jeweilige König von Preußen als summus episcopus war. Nach Wegfall des Landesherrlichen Kirchenregiments 1918 war die Provinzialkirche Sachsens Gründungsmitglied der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union und 1947 wurde sie eine selbständige Landeskirche (Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen) mit einem Bischof an der Spitze. Die protestantischen Kirchengemeinden Erfurts gehören - sofern es sich nicht um Freikirchen handelt - zum Kirchenkreis Erfurt innerhalb der Propstei Erfurt-Nordhausen, deren Sitz sich in Erfurt befindet. Neben den beiden großen Kirchen gibt es auch noch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter eine Freie evangelische Gemeinde, eine Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten (Adventisten), eine Missionsgemeinde und das Christus-Zentrum. Ferner sind die Neuapostolische Kirche, die Christengemeinschaft, die Zeugen Jehovas sowie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Erfurt vertreten. Erfurt ist darüber hinaus auch der Sitz der jüdischen Gemeinde von Thüringen, die ca. 650 Mitglieder zählt. Von diesen leben 350 in Erfurt selbst. In der Stadt findet sich die einzige in der DDR gebaute Synagoge.

Politik

Die Verwaltung der Stadt Erfurt oblag zunächst in den Händen eines vom König eingesetzten Vogts und des Bistums Mainz. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich aus einem Ausschuss der Rat der Stadt, der 1212 erstmals genannt wird. Mitglieder des Rats waren die Ratsherren und eine unterschiedliche Anzahl von Ratsmeistern. Bis 1800 gab es mehrere Änderungen beim Rat und dem Oberhaupt der Stadt. Nach dem Übergang an Preußen wurde ab 1822 die preußische Städteordnung eingeführt. Danach stand an der Spitze der Stadt meist ein Oberbürgermeister. Daneben gab es auch weiterhin einen Rat. Während der Zeit des Dritten Reiches wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg bildete die sowjetische Besatzungszone den „Rat der Stadt“ beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung, die ebenfalls vom Volk gewählt wurde. 1952 wurde das Stadtgebiet aufgrund eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung in die Stadtbezirke Mitte, Süd, Ost und West (ab 1957 Mitte, Nord und Süd) eingeteilt. Diese Einteilung blieb bis 1990 bestehen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewählt. Vorsitzender dieses Gremiums war zunächst ein Präsident des Rates beziehungsweise „Ratspräsident“. Dieses Amt hatte zunächst Karl-Heinz Kindervater (CDU) inne. Der Rat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird der Oberbürgermeister direkt vom Volk gewählt. Er ist heute auch Vorsitzender des Stadtrates. Die Oberbürgermeister seit 1817:
- 1817 - 1833: Dr. Wilhelm August Türk
- 1833 - 1850: Karl Friedrich Wagner
- 1850 - 1851: Dr. Hermann Mallinckrodt, amtierender Oberbürgermeister
- 1851 - 1871: Freiherr Carl von Oldershausen
- 1871 - 1889: Richard Breslau
- 1890 - 1895: Gustav Schneider
- 1895 - 1919: Dr. Hermann Schmidt
- 1919 - 1933: Dr. Bruno Mann
- 1933 - 1934: Theodor Pichier (NSDAP)
- 1935 - 1936: Dr. Max Zeitler (NSDAP)
- 1936 - 1945: Walter Siegfried Kießling (NSDAP)
- 1945 (15. April - 7. Juli): Otto Gerber (parteilos), kommissarischer Oberbürgermeister
- 1945 - 1946: Hermann Jahn (KPD)
- 1946 - 1961: Georg Boock (SED)
- 1961 - 1969: Rudolf-Dietrich Nottrodt (SED)
- 1969 - 1982: Heinz Scheinpflug (SED)
- 1982 - 1989: Rosemarie Seibert (SED)
- 1989 - 1990: Siegfried Hirschfeld (SED)
- 1990 - heute: Manfred Otto Ruge (CDU) Dem Erfurter Stadtrat gehören seit der Kommunalwahl 2004 neben dem Oberbürgermeister noch 50 Mitglieder an, und zwar:
- 20 Stadträte der CDU
- 17 Stadträte der PDS
- 8 Stadträte der SPD
- 5 Stadträte der Grünen

Wappen

Das Wappen der Stadt Erfurt zeigt ein silbernes, sechsspeichiges Rad, wobei zwei Speichen senkrecht stehen, vor rotem Grund. Auf dem ältesten Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert war der Patron von Mainz, der hl. Martin abgebildet. Das sechsspeichige Rad erscheint etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts an im Siegel. Auf Münzen, Denksteinen, in Druckwerken usw. ist das Rad als Stadtwappen um 1285 erstmals zu finden. Dieses Wappen ist dem des Erzbistums Mainz entlehnt, zu dem die