:: wikimiki.org ::
| Anachronismus |
AnachronismusDie Wörter Anachronismus und anachronistisch gehen auf griechische Wurzeln zurück und heißen wörtlich übersetzt "gegen die Zeit". Damit sind Dinge oder Begriffe gemeint, die fälschlicherweise einer Epoche zugehörig dargestellt werden, in der sie nicht mehr oder noch nicht existieren oder ihre Existenzberechtigung verloren haben. Verwendet werden diese Begriffe auch im Sinne von "nicht mehr zeitgemäß".
In der Computerwelt kann "Anachronismus" auch bei Videostreams (DVB) auftreten. Das bedeutet, wenn Teile des MPEG Stroms zu spät eintreffen um noch rechtzeitig dekodiert zu werden.
Beispiele
- Die Diskussion, ob Nikolaus Kopernikus deutscher oder polnischer Nationalität gewesen sei, ist insofern anachronistisch, als es zu Lebzeiten Kopernikus' das Konzept der Nation noch nicht gab. Hier gelten nur (biologische) Abstammung und Sprache und nicht Nationalität i.S. einer Staatsangehörigkeit. Selbiges gilt übrigens auch für Papst Hadrian VI., ob er nun Deutscher oder Holländer war.
- Bis ca. Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts war es Stand der Technik, Computer mit Lochkarten zu "füttern". Heute wäre das anachronistisch und Lochkarten werden allenfalls als Lesezeichen verwendet.
- Eine Fundgrube von Anachronismen sind die Asterix-Comics. So ist z.B. das erst ab 70 n. Chr. erbaute Kolosseum Schauplatz mehrerer Episoden, obwohl die Comics im Jahre 50 vor Christus spielen.
- Ein typischer Anachronismus ist z.B. auch die in der christlichen Kunst beliebte Darstellung der Anna Selbdritt, bei der neben der Mutter Anna auch Maria als Mädchen und das Jesuskind zu sehen sind.
- Es gibt Gruppen, die rollenspielerisch den Anachronismus pflegen, indem sie "Berufe", Sozialstrukturen, Kleidung und Waffen vergangener (und teilweise: fiktiver) Zeiten wiederbeleben wollen; so etwa die Society for Creative Anachronism.
- Auch ist der Graf Dracula ein Anachronismus! (siehe Liedtext "Die Ärzte": "Der Graf")
Siehe auch
Kategorie:Zeitbegriff
EpocheDer Begriff Epoche (v. griech.: epoch, epoché = Haltepunkt) wird in verschiedenem Zusammenhang verwendet:
#Eine Epoche ist ein längerer Zeitraum, der sich durch eine oder mehrere grundlegende Gemeinsamkeiten auszeichnet. Dies kann z.B. sein:
# - gemeinsame Stilelemente in Baukunst, Innenarchitektur und bildender Kunst - siehe Stilepoche
# - gemeinsame Stilelemente in der Musik - siehe Epochen der Musik
# - ein historischer Zeitabschnitt
# - ein literarischer Zeitabschnitt mit besonderen religiösen, intellektuellen und stilistischen Merkmalen
# - ein historischer bzw. technischer Zeitabschnitt in der Geschichte der Eisenbahn - siehe Epoche (Modelleisenbahn)
#In der Chronologie und Zeitrechnungen ist die Epoche der Ausgangspunkt einer Jahreszählung; in unserer Zeitrechnung z.B. das Jahr 1 n. Chr., im islamischen Kalender das Jahr 622 n. Chr.
#In der Astronomie ist Epoche jener mittlere Zeitpunkt, auf den veränderliche Größen reduziert, d.h. vereinheitlicht werden. Die aktuelle Epoche ist die Standard-Epoche 2000.0. Siehe Epoche (Astronomie).
#In der Geologie ist Epoche eine Unterteilung der Erdzeitalter des jüngsten Äons der Erdgeschichte. Siehe Geologische Zeitskala.
#In der Philosophie der antiken Skepsis wird mit Epoché eine Enthaltung im Urteil bezeichnet, die sich aus der Einsicht in die Ungewissheit allen Wissens herleitet. In der Moderne gewinnt der Begriff bei Edmund Husserl Bedeutung. Als Methode kennzeichnet "Epoché" bei Husserl die phänomenologische Reduktion, durch die der äußeren Welt die Geltung entzogen wird.
#In der Pädagogik von Rudolf Steiner wird mit Epoche eine besondere Unterrichtsform bezeichnet, der Epochenunterricht.
#In der Informatik bezeichnet es auch einen Taskzyklus in Multitasking-Betriebssystemen. Daneben steht es kurz für die Unix-Epoche, der „Sekunde Null“ der Echtzeituhren von Unix-Systemen.
#Als epochales Ereignis wird ein Ereignis bezeichnet, das in seiner Bedeutung oder aufgrund seiner Seltenheit herausragend ist und damit einen längeren Zeitraum charakterisiert - siehe auch Zeitenwende.
#Die Zeitschrift Epoche (Zeitschrift)
NationDer Begriff Nation (über franz. nation aus lat. natio "Geburt; Herkunft; Volk(sstamm)") bezeichnet eine größere Gruppierung von Personen, die sich aus ihren Traditionen, Sitten und Gebräuchen konstituiert. Sie ist eine vorgestellte Gemeinschaft (vgl. Benedict Anderson), die auf primordialen Bindungen (vgl. Clifford Geertz, Edward Shils) beruht und nur dadurch existiert, dass sich ihre Mitglieder zu ihr bekennen (vgl. Ernest Renan)....( Staatsvolk)...
Allgemeines
Im 18. Jahrhundert, in Folge der Französischen Revolution entstanden und durch zunehmende Mobilität begünstigt, entfaltete die Idee der Nation eine hohe Dynamik, die anfangs gegen Feudalismus und Autokratie (Frankreich, Deutschland), gegen wirtschaftlich und politisch einengende Kleinstaaterei (Deutschland), oder aber gegen imperiale Herrschaft (Russland, Donaumonarchie) gerichtet war. Die Vorstellung vom ethnisch homogenen Nationalstaat gipfelte im 20. Jahrhundert in verschiedenen ethnischen Säuberungen.
Ebenen des Begriffs "Nation"
1. Nation wird als ethnische Homogenität (als "Volk"), aber auch als Stamm (Stammesvolk, früher Völkerstamm) verstanden (vgl. dazu Tribalismus, Reservation).
: Diese Definition der Nation geht von der gemeinsamen Abstammung der Angehörigen der Nation und einer daraus resultierenden Kultur- und Spracheinheit aus. Lange Zeit war diese Auffassung vorherrschend, besonders im Mittel- und Osteuropa des 19. und 20. Jahrhunderts, wo sie zur massenwirksamen Ideologie ausgebaut wurde. Heute wird dieses Konzept vielfach angegriffen und kritisiert, dazu unten mehr.
2. Nation ist Homogenität der Sprache und Tradition (Kulturnation)
: Nation ist dann die durch die Geschichte bewahrte Einheit in Sprache, Kultur und Traditionen (zahlreiche Überlappungen mit dem in der Romantik geprägten "Volks"-Begriff). Sie lässt sich nicht durch territoriale Grenzen definieren. Dies gilt für die Kulturnation Deutschland, ebenso für andere überstaatliche nationale Gemeinschaften.
Noch im 21. Jahrhundert bilden beispielsweise die türkischen Völker eine Kulturnation. Noch heute empfinden sie sich als Staats- und Kulturnation im eurasischen Raum, da sie auf die Staaten Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisien und in weiteren Turkrepubliken verteilt leben (dort sind sie „Staatsnation“) und nie das Zusammengehörigkeitsgefühl verloren haben (in diesem Sinne eben „Kulturnation“).
Gegenwärtig ist z.B. ein gewisses Streben nach einer Nation z.B. unter den Kurden beobachtbar. Der Gedanke einer kurdischen Nation wurde erstmals im Vertrag von Sèvres 1919 berücksichtigt, der jedoch mangels Ratifizierung durch die Türkei nicht in Kraft getreten ist. Der Prozess wird von heftigen Auseinandersetzungen von innen und außen begleitet. Dieses Streben nach einer Nation gilt aber auch für andre Völker, z. B. die Iren in Nordirland, die sich von den Briten trennen und sich wieder mit der Republik Irland zu einer Nation zusammen schließen möchten. Dies wird aber vornehmlich von den protestantischen Menschen in Nordirland, eingewanderte Briten, verhindert.
3. Nation ist ein politischer Zusammenschluss als Staat (Staatsnation)
: Nation ist dann die politisch souverän organisierte und geordnete Staatsnation. Territorialer Zusammenhang kann, muss aber nicht sein. Ethnische, religiöse und sprachliche Gegebenheiten sind nachrangig. Ein Musterbeispiel ist die Schweiz. Fehlen territoriale, ethnische oder kulturelle Klammern, sind solcherlei Nationen leicht Angriffen von innen und außen ausgesetzt und können häufig nur durch totalitäre, autokratische oder absolutistisch-bürokratische Regierungsformen existieren. Beispiele in der Geschichte: Jugoslawien, Sowjetunion, verschiedene postkoloniale Nationen in Afrika und Asien.
4. Nation als religiöser Zusammenschluss (Religionsstaat, Staatsreligion)
: Eine in der Geschichte häufiges konstituierendes Element von Nation war und ist bis heute in einigen feudalen Ländern die Staatsreligion. Gab es in der Geschichte viele Nationen, die sich über die Religion definierten (das Spanien der Reconquista, das Frankreich Ludwigs XIV., das England Heinrichs VIII.), so waren in den Staaten des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation nach dem Westfälischen Frieden 1648 regelmäßig die Religion des Fürsten ausschlaggebend (cuius regio eius religio - lateinisch für Wes das Land, des die Konfession). Dass die Bevölkerung einen Glaubenswechsel nicht mitmachen brauchte, gab es allerdings auch (in Preußen war der König kalvinistisch, die Bevölkerung jedoch lutherisch, und in Sachsen der Kurfürst katholisch, die Bevölkerung lutherisch). Beispiele für Religionsstaaten: Israel als jüdischer Staat, der Iran des Ayatollah Chomeini, Afghanistan der Taliban, Saudi Arabien der wahabitischen Saudi-Familie. Eine bedeutende Rolle spielt die Religion im Gegensatz zwischen Kroatien und Serbien (katholisch | christlich-orthodox).
Ideengeschichte
Begründungen von Nation
Die Vorstellungen von Nation beruhen unter anderem auf zwei sehr unterschiedlichen Begründungen der Nation, die bis heute einen großen Einfluss haben:
# Die essentialistische Definition, die Johann Gottlieb Fichte zugeschrieben wird, nach der Nation überzeitlich existent sei und lediglich noch der Artikulation bedürfe. Fichte sieht demnach die Nation als eine von Gott geschaffene, in alle Ewigkeit und unabhängig von der Geschichte bestehende ontologische Einheit. - Die essentialistische Definition der Nation war eine der Grundlagen für den deutschen Nationalismus. An essentialistische Vorstellungen von Volk und Nation knüpft auch Carl Schmitt an, was bis heute vor allem für die Repräsentationslehre von Bedeutung ist und durch den solche Vorstellungen in der deutschen Staatsrechtslehre wirksam sind.
# Die jakobinische Vorstellung von Nation, die in der Nation eine Einheit sieht, die politisch gebildet werden muss. Siehe die klassische Definition einer Staatsnation von Ernest Renan.
Die Nation als "vorgestellte Gemeinschaft"
Nach Benedict Anderson
Seit den 1980er Jahren wird in der Soziologie die Nation verstärkt als Kunst und Funktionsbegriff analysiert. Wesentlich dazu beigetragen hat Benedict Anderson, der den Begriff als vorgestellte politische Gemeinschaft analysierte.
Für die Erschaffung, Festigung oder Verteidigung einer Nation bedarf es einer ideologischen Basis, dem Nationalismus, der von entsprechenden Bewegungen getragen wird. Diese Bewegungen können ökonomische, ideologische, sprachliche, kulturelle u.a. Gemeinsamkeiten haben. Dabei wird die Nation als soziale Organisationsform verstanden, die geschichtlich sehr jung ist. Die Nationalenmythen, die zur Nationenbildung (Nation-Building - s. Karl W. Deutsch) bemüht werden, beziehen sich aus der Vergangenheit und beanspruchen Zeitlosigkeit, werden jedoch je nach Bedarf umgedeutet und neue erfunden. Erzeugt werden dazu kollektive Bilder. "Schließlich wird die Nation als Gemeinschaft vorgestellt, weil sie, unabhängig von realer Ungleichheit und Ausbeutung, als 'kameradschaftlicher' Verbund von gleichen verstanden wird." (Benedict Anderson) Aus diesem Grund bezeichnet Anderson Nationen als „vorgestellte politische Gemeinschaften“. Nation vereinnahme (homogenisiere) Menschen, die nicht ausschließlich über unmittelbare soziale, wirtschaftliche oder familiäre Beziehungen verbunden sind. In der Tat sind alle Gemeinschaften, die größer sind als die dörflichen mit ihren Face-to-face-Kontakten, vorgestellte Gemeinschaften. Gemeinschaften sollten nicht durch ihre Authentizität voneinander unterschieden werden, sondern durch die Art und Weise, in der sie vorgestellt werden.
Für besonders konstituierend für die Nation hält Anderson die Sprache: Die weitaus wichtigste Eigenschaft der Sprache ist (...) ihre Fähigkeit, vorgestellte Gemeinschaften hervorzubringen, indem sie besondere Solidaritäten herstellt und wirksam werden läßt.
Terminologisch mit dem gleichen Problem befasst, hat bereits Ferdinand Tönnies geurteilt, dass eine Nation (anders als z.B. eine Polis) nie zur Hauptsache eine "Gemeinschaft", sondern stets überwiegend eine "Gesellschaft" sei (vgl. dazu "Gemeinschaft und Gesellschaft").
Semantisches Netz (Schlag- und Stichwörter)
- Nation-Building, Vielvölkerstaat, Nationalismus, Uniliteralität, Multiliteralität, Nationalgefühl, Nationalbewusstsein, Willensnation, Sozialismus in einem Land, Nationale Symbole, Nationalepos, Nationaldichter, Nationalhymne
- Volk (Nation), Volk, Liste von Völkern, Volksstamm, Multikultur, Tribalismus, Horde, lingua franca
- Staat, Stadtstaat, Bürgerschaft, Dynastie, Reich, Pax Romana, Staatsrecht, Völkerrecht, Krieg, Dreißigjähriger Krieg,
- Staatengemeinschaft, Föderation, Konföderation, Bundesstaat. Staatenbund, Internationalität, Supranationalität, UNO, Internationale, Minderheiten, Reservation.
- Politische Wissenschaft, Soziologie, Ethnologie, Volkskunde
Literatur
Klassiker
- Johann Gottlieb Fichte (1808), Reden an die deutsche Nation, in: Philosophische Bibliothek, Bd. 204, 5. Aufl., Hamburg: Meiner, 1978
- Friedrich Meinecke (1907), Weltbürgertum und Nationalstaat. Studien zur Genesis des deutschen Nationalstaates, München: Oldenbourg, 1907 (2. Aufl. 1911)
- Ernest Renan (1882), [http://www.dir-info.de/dokumente/def_nation_renan.shtml Qu´est-ce qu´une nation?], Rede vor der Sorbonne, Paris, 1882, dt. Was ist eine Nation
- Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen, Berlin: Duncker & Humblodt, 1932, Neuausgabe 1963
neue Literatur
- Benedict Anderson: Imagined Communities: Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, 1983, ISBN 0-86091329-5 (dt. zuerst u.d.T. Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, Frankfurt am Main: Campus 1988) ISBN 3-593-33926-9
- Etienne Balibar: Die Nation-Form: Geschichte und Ideologie, in: ders./Immanuel Wallerstein: Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten, Hamburg, Berlin: Argument, 1990, ISBN 3-88619-386-1
- Karl W. Deutsch, Nationenbildung, Nationalstaat, Integration, Düsseldorf 1972
- Ernest Gellner: Nations and Nationalism, Oxford 1983, (dt. zuerst u.d.T. Nationalismus und Moderne, Berlin: Rotbuch 1991), ISBN 3-88022-358-0
- Eric Hobsbawm; Nationen und Nationalismus, Mythos und Realität seit 1780, Frankfurt/New York: Campus 1990, ISBN 3-59337498-6
- Otto Dann; Nation und Nationalismus in Deutschland 1770-1990, München 1993, ISBN 3-40-634086-5
- Roger Griffin: Völkischer Nationalismus als Wegbereiter und Fortsetzer des Faschismus: Ein angelsächsischer Blick auf ein nicht nur deutsches Phänomen. In: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie. Münster, 2005. ISBN 3-89771-737-9
Weblinks
- at.indymedia.org: [http://at.indymedia.org/newswire/display/51160/index.php Nation: eine gesellschaftliche Konstruktion]
- Ernest Renans Rede vor der Sorbonne [http://www.dir-info.de/dokumente/def_nation_renan.shtml Was ist eine Nation] (1882).
Andere Wortbedeutung
Nation bezeichnet auch einen Zusammenschluss von Studenten an mittelalterlichen Universitäten nach Herkunftsregionen (nationes). Siehe: Universität
Die Nation war eine antifaschistische Zeitung.
!
Kategorie:Politischer Begriff
ja:国民
simple:Nation
zh-cn:民族
Papst
Papst (v. griech.: pappas, Vater; v. lat.: papa, Papa, Vater) ist der religiöse Titel für das Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche (auch: Heiliger Vater oder Santo Padre).
Römisch-Katholischen Kirche
Unter der Bezeichnung Heiliger Stuhl agiert der Papst sowohl allein, als auch zusammen mit der Kurie international als nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt und vertritt zugleich den Vatikanstaat (als staatliches Völkerrechtssubjekt), dessen Staatsoberhaupt er ist.
Der aktuelle Papst ist Benedikt XVI., der am 19. April 2005 in dieses Amt gewählt wurde.
Seit 1871 residiert der Papst im Apostolischen Palast neben dem Petersdom. Kathedralkirche des Papstes ist die Lateranbasilika. Der Papst-Thron wird auch Kathedra Petri genannt.
Geschichte
Kathedra Petri)]] Der Papst ist nach katholischer Auffassung und der einiger anderer christlicher Kirchen Nachfolger des Apostels Petrus, der von diesen Kirchen als erster Bischof von Rom angesehen wird und vermutlich um das Jahr 67 in Rom den Märtyrertod erlitten hat. Einige Kritiker und einige Historiker bezweifeln jedoch, dass er je dort war.
Begründet wird dieser Anspruch mit einer Stelle aus dem Matthäus-Evangelium der Bibel (Kapitel 16, Vers 18-19), die wie folgt lautet (Einheitsübersetzung):
Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und dir will ich geben die Schlüssel über das Himmelreich. Was du auf Erden bindest, soll im Himmel gebunden sein. Und was du auf Erden lösest, soll im Himmel gelöst sein.
Umstritten ist, ob der 1. Clemensbrief aus dem Jahre 98 bereits eine Vorrangstellung der Gemeinde von Rom dokumentiert oder als brüderliche Ermahnung unter Gleichberechtigten anzusehen ist. In diesem Brief an die Gemeinde von Korinth fordert der damalige Bischof von Rom, Clemens, von den Korinthern die Rücknahme von abgesetzten Presbytern. Er nimmt Bezug auf das Martyrium der Apostel Petrus und Paulus in Rom.
In der römisch-katholischen Kirche stammt die erste bekannte Verbindung des Titels "Papst" mit dem Bischof von Rom aus der Zeit des Marcellinus (†304), der in der Grabinschrift des Diakons Severus so bezeichnet wird. Bischof Siricius von Rom (385–399) bezeichnet sich als Erster amtlich als papa, als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom wird der Begriff von Gregor I. (590-604) gesetzlich festgeschrieben.
Vorher (ab dem 3. Jahrhundert) war es eine Ehrbezeichnung für Bischöfe, Patriarchen und Äbte vor allem im Orient – da die koptische Kirche bereits seit dem Konzil von Chalcedon 451 (vor Gregor) nicht mehr zur gleichen Kirche wie die lateinische gehört, führt ihr Oberhaupt ebenfalls den Titel Papst.
Seit Leo I. (Bischof von Rom 440 bis 461) führt der römische Papst die Bezeichnung „Pontifex Maximus“, den bis zu Kaiser Gratian der römische Kaiser als oberster römischer Priester trug (mögliche Etymologien unter anderem: Oberster Brückenbauer oder Pfadbahner).
Im Mittelalter ergab sich des Öfteren die Situation, dass es mehrere Päpste gleichzeitig gab, da zu Lebzeiten eines bereits kanonisch gewählten Papstes ein Gegenpapst eingesetzt wurde. Dazu kam es, weil sich zum Beispiel das Kardinalskollegium spaltete, der Kaiser oder römische aristokratische Familien in die Papstwahl eingriffen. Solche Eingriffe sind inzwischen unter Androhung der Exkommunikation verboten. Außerdem kam es im 14. Jahrhundert zur Verlegung der Residenz nach Avignon und zum großen Schisma (siehe Avignonesisches Papsttum und Abendländisches Schisma).
Im 15. Jahrhundert gewann der Konziliarismus an Auftrieb, der aber bald zurückgedrängt wurde.
Titel
Die Titel des Papstes lauten:
- Bischof von Rom
- Stellvertreter Jesu Christi auf Erden (Vicarius Christi)
- Nachfolger des Apostelfürsten (gemeint ist Petrus; beide Titel haben kirchenrechtlich keine Konsequenzen und spiegeln nur religiöse Aspekte wider)
- Oberster Priester der Weltkirche (Ehrentitel, der seine Stellung in der Liturgie regelt, gerade wenn Patriarchen konzelebrieren.)
- Oberster Brückenbauer (Pontifex maximus) (Geht zurück auf den Titel Pontifex Maximus im römischen Reich)
- Patriarch des Abendlandes
- Primas von Italien (ein Ehrenvorrecht, Primatentitel sind in der Rechtstellung aufgehoben)
- Metropolit und Erzbischof der Kirchenprovinz Rom (wie alle Erzbischöfe übt er eine Art Supervision über die Bischöfe der umliegenden Diözesen aus)
- Souverän des Staates der Vatikanstadt (der weltliche Titel des Papstes)
- Diener der Diener Gottes (ein Titel, den sich Papst Gregor der Große gegeben hat. Lateinisch: servus servorum dei)
Insignien
Vatikanstadt nicht mehr getragen]]
Die päpstlichen Insignien bestehen aus
- dem Papstthron
- der Papstkrone (Tiara). Papst Paul VI. war bislang der letzte Papst, der mit der Tiara gekrönt wurde. 1964 legte er die Tiara ab. Seine Nachfolger verzichteten fortan auf eine Krönungszerememonie, führten die Tiara aber weiterhin in ihrem persönlichen Wappen. Papst Benedikt XVI. ersetzte die Tiara in seinem persönlichen Wappen durch eine einfache Bischofsmitra mit drei goldenen, in der Mitte verbundenen Ringen.
- dem päpstlichen Hirtenstab (Ferula)
- dem Fischerring (anulus piscatoris)
- dem Pallium
- sowie einigen liturgischen Gewändern
Kleidung
Reisebekleidung und Alltagskleidung: Jeder Papst trägt sein eigenes Wappen auf den Gürtel gestickt. Der sog. Mantello ist ein roter Mantel für kaltes Wetter. Wie jeder Bischof trägt auch der Papst ein Pileolus. Im Laufe der Zeit hat sich die Bekleidung des Papstes zum Teil grundlegend verändert.
Bis auf die Papstkrone sind die päpstlichen Insignien spezielle Varianten der bischöflichen Insignien.
Kirchenrecht
Wahl
Zum Papst kann nach dem Kirchenrecht jeder getaufte männliche Katholik gewählt werden; es gibt keine näheren Bestimmungen außer der, daß er unverheiratet sein muss. Allerdings war der letzte nicht als Kardinal gewählte Papst Urban VI. im 14. Jahrhundert (1378). Der Papst wird im Konklave, einer Versammlung aller Kardinäle, die zum Zeitpunkt des Todes des Vorgängers jünger als 80 Jahre sind, auf Lebenszeit gewählt. Das Konklave wird jeweils in der Sixtinischen Kapelle (la cappella sistina) abgehalten. 1996 wurde mit der Konstitution Universi Dominici Gregis die früher geforderte Zweidrittelmehrheit plus eine Stimme ab dem 33. erfolglosen Wahlgang durch eine absolute Mehrheit ersetzt. Ist der Gewählte kein Bischof, oder ist er gar nur Laie, wird er noch im Konklave zum Bischof von Rom geweiht, so dass er dann Papst werden kann.
Nach (römisch-katholischem) kirchlichem Recht ist der Papst, wie alle Bischöfe, immer ein Mann. Ob es die in verschiedenen Überlieferungen erwähnte Päpstin Johanna tatsächlich gegeben hat, ist historisch nicht gesichert.
siehe auch: Sedisvakanz, Konklave
Namensgebung
Nach der erfolgten Wahl wird der neue Papst gefragt, welchen Namen er annimmt. Die Namenswahl unterliegt der freien Entscheidung des Papstes. Aus der Wahl des Namens versuchen Beobachter politische Ziele des neuen Papstes abzuleiten, indem die charakteristischen Eigenschaften von vorherigen Päpsten sowie Heiligen dieses Namens untersucht werden. So war der Name Pius vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts der mit Abstand am häufigsten gewählte Name. Seit dem Tod von Pius XII. (1958) wurde er jedoch nicht mehr gewählt, da diesem Papst oft Untätigkeit gegenüber dem Holocaust vorgeworfen wird. Zudem verkörperten viele Päpste dieses Namens die besonders konservativen Kräfte der Kirche, wie Pius IX. mit dem Syllabus Errorum und Pius X. mit dem Antimodernisteneid. Ein Papst, der sich heute Pius nennen würde, gälte daher von Anfang an als sehr konservativ. (Lucian Pulvermacher, das Oberhaupt der ultrakonservativen True Catholic Church, hat sich den Namen Pius XIII. gegeben.)
Päpste können Namen annehmen, die die latinisierte Form ihres bürgerlichen Namens darstellen (Hadrian VI. = Adrian Florisz, Marcellus II. = Marcello Cervini), was jedoch seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr vorgekommen ist. Viele Päpste nehmen die Namen bedeutender Vorgänger an (Leo, Gregor) oder auch jene von Heiligen (z. B. Paul VI. nach dem Apostel Paulus). Andere gehen nach der Bedeutung der Namen (Pius = fromm; Innozenz = unschuldig). Einige Päpste wählen ihren Namen aus persönlichen Gründen (Johannes XXIII. zu Ehren seines Vaters).
Ursprünglich behielten die Päpste nach der Wahl ihren bürgerlichen Vornamen. Der erste Papst, der seinen Namen änderte, war Johannes II. im Jahr 533. Er hieß eigentlich Mercurius und wollte als Papst nicht den Namen eines heidnischen Gottes tragen. Jedoch blieb die Annahme eines neuen Namens bis zum Ende des 1. Jahrtausends eine Ausnahme.
Der erste Papstname, der wiederholt verwendet wurde, war Sixtus (257). Seitdem werden die Namen, die mehrfach vergeben werden, wie Herrschernamen mit römischen Ziffern versehen. Die Päpste der Antike und des Frühmittelalters trugen jedoch häufig Namen, die kein zweites Mal in Gebrauch kamen. Einige der antiken Namen (Clemens, Pius) wurden ab dem Hochmittelalter und damit dem Aufkommen der Namenswahl wieder aufgegriffen.
Johannes Paul I. wählte in Erinnerung an seine beiden Vorgänger den ersten Doppelnamen der Papstgeschichte. Zugleich ist dies der erste neue Papstname seit Lando (913-914). Nachdem er nach 33 Tagen im Amt starb, wählte sein Nachfolger Karol Wojtyła ebenfalls diesen Papstnamen und wurde Johannes Paul II. genannt. Der Name des derzeitigen Papstes Benedikt XVI. nimmt Bezug auf Benedikt XV. (1914-1922), der vergeblich versuchte, den Ersten Weltkrieg zu verhindern bzw. zu beenden, sowie auf den Mönchsvater und Patron Europas, Benedikt von Nursia.
Rücktritte
Päpste werden grundsätzlich auf Lebenszeit gewählt, das Kirchenrecht sieht aber auch ausdrücklich die Möglichkeit eines Rücktritts vor:
:Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird. (Can. 332 — § 2. CIC)
Es gibt mehrere Beispiele von Rücktritten in der Geschichte der römischen Päpste: Der bekannteste dürfte der Rücktritt Coelestins V. im Jahr 1294 sein. Papst Gregor XII. wurde im Zuge des Konzils von Konstanz zum Rücktritt gezwungen. Benedikt IX. war ganze drei Mal Papst, trat dreimal zurück (1044, 1045, 1048) zu Gunsten seiner Verwandten. Die fromme Legende, es wäre bis jetzt nur ein Papst zurückgetreten (Coelestin V.), ist historisch nicht haltbar und widerlegt. Der am 2. April 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. lehnte noch in seinen letzten Lebenswochen einen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen ab.
Er begründete dies damit, dass er „sein Kreuz tragen“ und Christus im Leiden nachfolgen wolle. Auch Jesus sei nicht vom Kreuze gestiegen. Insbesondere in westlichen Gesellschaften wurde er dafür kritisiert; einige nehmen an, dies sei auf eine Tabuisierung des öffentlichen Leidens und Sterbens in westlichen Gesellschaften zurückzuführen.
Stellung und Kritik
Der universale Primatsanspruch des Bischofs von Rom entwickelte sich im Lauf des ersten Jahrtausends und gipfelte im Dictatus Papae von 1075. Der Papst gilt in der römisch-katholischen Kirche als oberster Herr der Gesamtkirche und Stellvertreter Christi auf Erden – ein Anspruch, der, abgesehen von den Unierten Kirchen, von allen übrigen Kirchen nicht anerkannt wird.
Das erste Vatikanische Konzil (1869 – 1870) erhob die Glaubensüberzeugung, der Papst sei, wenn er ex cathedra spricht, in Glaubensfragen unfehlbar, zum Dogma. Auch dieser Anspruch wird von den übrigen Kirchen abgelehnt; als Folge entstand zudem die Alt-Katholische Kirche. Ausdrücklich angewendet wurde das Unfehlbarkeitsdogma seit 1870 ein einziges Mal, 1950 bei der Formulierung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Enzykliken und Lehrschreiben des Papstes sind für die römisch-katholische Kirche zwar bindend, aber nicht ohne weiteres als unfehlbare Lehrentscheidungen anzusehen. Die theologische Diskussion hierüber ist nicht abgeschlossen.
In der Alten Kirche gab es fünf maßgebliche Patriarchen (in der Reihenfolge des durch ökumenische Konzile definierten Ehrenvortritts):
# den Bischof von Rom
# den Bischof von Konstantinopel (seit Chalcedon im gleichen Rang wie Rom, aber im Vortritt nach Rom, da Rom älter ist)
# den Bischof von Alexandria
# den Bischof von Antiochia
# den Bischof von Jerusalem
Damals schon galt unter einigen Christen der römische Bischofssitz als „primus inter pares“, da Rom die Hauptstadt des Römischen Reiches war und die Kirche von Rom insbesondere durch die Gräber der „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus als verehrungswürdig angesehen wurde. Der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea († 339) notiert das Martyrium von Petrus und Paulus in Rom, als sei es eine in der ganzen Kirche bekannte Tatsache. Irenäus von Lyon († um 202) gibt die römische Ortstradition wieder, wonach das römische Bischofsamt sich in direkter Nachfolge vom Apostel Petrus herleite, der der erste Vorsteher (episkopos) der römischen Christengemeinde gewesen sei. Aber auch das Patriarchat von Antiochia beruft sich darauf, dass Petrus (bevor er nach Rom gegangen sei) dort der erste Bischof war (seit dem Jahr 38). Ebenso führen sich die übrigen Patriarchate (und einige weitere östliche Bischofssitze) auf einen Apostel zurück. Ob Petrus überhaupt jemals in Rom gewesen ist, ist unter Historikern umstritten.
Die römische Petrustradition ist historisch nicht ausgeschlossen, war aber in den ersten Jahrhunderten kein wichtiges Thema. Für die Anwendung von Matthäus 16,18 auf die Bischöfe von Rom als Petrusnachfolger findet sich das früheste schriftliche Zeugnis bei Papst Damasus I. im 4. Jahrhundert. Dort wird auch die römische Kirche erstmals exklusiv als "sedes apostolica" (apostolischer Stuhl) bezeichnet - eine Sonderstellung, die von den übrigen Patriarchaten nicht anerkannt wird. Durch die Teilung des Römischen Reiches wurden aber die monarchischen Tendenzen des einzigen westlichen (lateinischen) Patriarchensitzes weiter begünstigt.
Scharfe Kritiker sehen im Papsttum die Fortsetzung des Machtanspruchs des alten Roms. Die Konstantinische Wende rief einen völlig anderen Menschenschlag als den bisherigen an die Spitze der noch jungen Kirche. Während in den ersten Jahrhunderten Christen noch grausam verfolgt wurden und zum Christsein außerordentlich viel Mut gehörte, war nun das Christentum Teil der kaiserlichen Machtpolitik geworden und bot begehrenswerte (weil gut bezahlte und einflussreiche) Ämter. Die römische Kirche hatte im Westen die traditionelle Vorherrschaft Roms übernommen. Versuche, sie auf die übrigen Patriarchate auszudehnen, scheiterten jedoch. In der Folge setzte sich das Papsttum in Westeuropa mehr und mehr auch als weltlicher Herrscher durch.
Eine Stellvertreterschaft Gottes, die aus der Bibel nicht stichhaltig abzuleiten sei, habe ihr Vorbild dagegen im römischen Kaisertum. So war der Papst im Hochmittelalter in geistlichen und weltlichen Fragen Gebieter über Könige und Völker, was sich jedoch ab dem 14. Jahrhundert immer weniger durchsetzen ließ. Auch auf religiösem Gebiet kam es im Spätmittelalter zu einer immer stärkeren Diversifikation, wobei die Kirche allerdings hart gegen Andersdenkende in ihrem Machtbereich vorging.
Literatur
- Ludwig Ring-Eifel: Weltmacht Vatikan. Päpste machen Politik., Pattloch Verlag München 2004, ISBN 3629016790
- Horst Fuhrmann: Die Päpste, Beck, 2004, ISBN 3406510973
- Horst Herrmann: Die Heiligen Väter. Aufbau-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3746681103
- Georg Schwaiger: Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert. Von Leo XIII. zu Johannes Paul II.,C.H. Beck Verlag 1999, ISBN 3406448925
- Georg Denzler: Das Papsttum, C.H. Beck Verlag 1997, ISBN 3406418651
- Ludwig Freiherr von Pastor: Die Geschichte der Päpste, Freiburg im Breisgau 1928, 15 Bde.
Weblinks
- [http://www.katholisch.de/9000.htm Katholische Kirche im Internet: Der Papst]
- [http://www.ikvu.de/papst/ IKvu-SPECIAL: Papstamt und Petrusdienst]
- [http://www.requiem-projekt.de Datenbank zu den Grabmälern und Karrieren der Päpste in Renaissance und Barock]
- [http://dmoz.org/World/Deutsch/Gesellschaft/Religion_und_Spiritualit%c3%a4t/Christentum/Glaubensrichtungen/Katholische/Personen/P%c3%a4pste/ Open Directory Project: Päpste]
- [http://papst.jesus.ch/ Papst Special auf jesus.ch]
- [http://www.theologie-systematisch.de/ekklesiologie/12staende.htm Aktuelle Literatur zum Papstamt]
- [http://www.vaticanhistory.de/vh/html/body_deutsche_papste.html "Die acht deutschen Päpste"]
- [http://stephanscom.at/papst/benediktxvi/0/articles/2005/04/21/a8246/ Artikel über die deutschen Päpste]
Siehe auch
- Liste der Päpste
- Papstbesuche in Deutschland
- Papstaudienz
- Liste der historischen Gegenpäpste
- Konzil
- Sedisvakanz
- Konklave (d.h. Papstwahl)
- Primat
- Religiöse Titel
- Päpstin Johanna
- Pornokratie (Mätressenherrschaft)
Kategorie:Christentum
-
Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher
Kategorie:Römisch-Katholische Kirche
Kategorie:Kirchenwesen
Kategorie:Herrschertitel
Kategorie:Kirchliches Amt
als:Papst
ja:ローマ教皇
ko:교황
ms:Paus (Katholik)
nb:Pave
simple:Pope
th:พระสันตะปาปา
Deutscher
Der Begriff Deutsche(r) wird sowohl in ethnischer als auch in staatsbürgerlicher Bedeutung verwendet:
- Im Sinne einer Ethnizität bezeichnet das Wort "Deutsche(r)" eine Person deutscher Herkunft bzw. deutscher Abstammung, unabhängig von der Staatsbürgerschaft. Im eigentlichen ursprünglichen Sinne die Menschen des staatsübergreifenden deutschsprachigen Kulturraums (deutsche Kulturnation = Sprachgemeinschaft plus kulturgeographische Kontinuität) in Mitteleuropa . Es handelt sich beim Wort Deutscher um die Substantivierung des Adjektivs deutsch. Daraus resultieren die Unterschiede, die sich zu der Bezeichnung anderer Nationalitäten ergeben (Beispiel: ein Deutscher, aber der Deutsche und die Deutsche. Dagegen ein Schwede, der Schwede, die Schwedin).
- Im staatsbürgerlichen Sinn ist ein(e) Deutsche(r) eine Person mit der Staatsangehörigkeit eines deutschen Staates. Diese Staatsangehörigkeit wird vom jeweiligen Staat nach seinen dafür geltenden Gesetzen verliehen. Heute bezeichnet sich (per Gesetz) ausschließlich die Bundesrepublik Deutschland als deutscher Staat und ihre Staatsbürger als Deutsche (,da in diesem Staat fast ausschließlich deutsch gesprochen wird und der darum Deutschland heißt); vor historischem Hintergrund gibt es aber zum gleichen Zeitpunkt eine Vielzahl an „deutschen“ Staaten, z.B. die Republik Österreich, das Fürstentum Liechtenstein, das Großherzogtum Luxemburg und der deutsche Teil der Schweiz; sogar die Niederlande mit der zum Niederdeutschen gehörenden niederländischen Sprache (nederduitse taal) ist ein (nieder-)deutscher Staat. Diese Staaten haben den Begriff Deutscher in ihren Gesetzen nicht definiert, sondern lediglich ihre Staatsangehörigkeiten. In den vergangenen Jahrhunderten gab es im deutschen Sprachraum außerdem die Staaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, des Deutschen Bundes, Deutsches Reich oder z.B. die Königreiche Preußen und Sachsen, das Erzherzogtum Österreich, das Fürstbistum Basel, oder die BRD und die Deutsche Demokratische Republik). Seine deutschsprachigen Bewohner bezeichneten sich überstaatlich als Deutsche.
Die Gründe für die wechselvollen Bezeichnungen als deutsche Staaten liegt sicherlich darin begründet, dass jeder Staat ein Kunstgebilde ist, die sich aber darin unterscheiden können, inwieweit sie der Kultur, der seine Bewohner entstammen angepaßt sind. Um viele Staaten ist es in dieser Hinsicht nicht gut bestellt, denn kaum ein deutscher bzw. europäischer Staat wurde für seine Bewohner maßgeschneidert, sondern kam durch historische Zufälle wie Kriegsausgänge und Fürstenhochzeiten zustande. So wurden immer wieder unnatürliche Grenzen durch zusammenhängende Kulturgebiete gezogen.
Deutscher im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 116), also Bundesdeutscher ist, vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die (bundes-)deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des
Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat. Frühere Staatsangehörige des deutschen Reiches, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist und ihre Abkömmlinge werden auf Antrag in die BRD eingebürgert. Diese Personen gelten als nicht ausgebürgert, sofern sie nach dem 8. Mai 1945 ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland oder in der DDR genommen haben und nicht einen entgegengesetzten Willen zum Ausdruck gebracht haben.
[http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/gg/art_116.html]
----
Siehe auch: Deutsche, Bekannte Deutsche
!
Holländer - Bewohner der Niederlande (Holland).
- Die Käsesorte Gouda wird auch als Holländer bezeichnet.
- Autoähnliches Kinderfahrzeug, welches mit den Händen angetrieben und mit den Füßen gelenkt wird, siehe Kinder-Draisine.
- "Der fliegende Holländer" ist eine Romantische Oper von Richard Wagner
- Eine Rohrverbindung aus Muffe und Überwurfmutter.
- Maschine zur Papierherstellung
LochkarteEine Lochkarte ist im heutigen Sinne ein mechanisches Speichermedium für Daten.
Ursprung
Speichermedium
Lochkarten und lochkartenähnliche Systeme werden ab etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts im Bereich der Automatisierung und der Datenverarbeitung verwendet. Sie wurden meist eingesetzt um wiederkehrende Abläufe rationell zu wiederholen. Es wurden unter anderem lochkartengesteuerte Webstühle gebaut, wobei die ersten Lochkarten hier hölzerne Plättchen waren. Drehorgeln werden oftmals noch heute mit Lochkartenähnlichen Speichermedien (sogenannte Faltkartonnoten oder Lochbandrollen) gesteuert, aber auch andere automatische und teilautomatische Musikinstrumente bedienen sich dieses Verfahrens. Charles Babbage sah für seine Analytical Engine eine Lochkartensteuerung vor. Frühe Datenverarbeitungs- und -registrieranlagen sind ohne Lochkarten nicht zu denken.
Die Ursprünge der Lochkarte gehen auf die Funktionsweise von Spieldosen und anderen Automaten zurück, in denen eine sich drehende Walze oder Scheibe mit darauf angebrachten Stiften oder Löchern die automatisierte Wiedergabe von Musikstücken und die Steuerung mechanischer Abläufe ermöglichte.
Das Grundprinzip der Datenspeicherung einer Lochkarte ist, dass die für eine spezielle Funktion eines Automaten relevanten Daten in geeigneter Form codiert werden. Beispielsweise werden in ein aus dünnem Karton bestehenden Speichermedium Löcher gestanzt, deren Position vom jeweiligen Code vorgegeben wird. Um die Funktion dann zu einem beliebigen Zeitpunkt auszuführen, werden die Löcher des Speichermediums durch eine Leseeinheit abgelesen und durch eine geeignete Vorrichtung passend decodiert, so dass sie der Funktion zugeordnet werden können. Die Abtastung der Steuerbefehle kann auf mechanischem, pneumatischem, opto-elektrischem oder auch elektromechanischem Wege geschehen.
Mechanische und auch elektromechanische Speichersysteme, die Daten durch Löcher in einem externen Medium aus Papier, Karton oder ähnlichem speichern, boten vor der Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung im Gegensatz zu Systemen wie etwa der Stiftwalze, die wirtschaftlichste Möglichkeit, codierte Daten schnell zu vervielfältigen und mit einfachen Mitteln einen neuen Code zu schreiben.
Bis in die 1990er Jahre gab es sogenannte Randlochkarten, die manuell bearbeitet wurden.
Verschiedene Suchkriterien (zum Beispiel im Bibliothekswesen) wurden mit Löchern oder Schlitzen an allen 4 Rändern der Karte codiert. Man konnte mit einer langen Nadel in die Position eines Suchkriteriums stechen und die ausgewählten Karten aus dem Stapel herausziehen.
Hollerith-Lochkarte
Das später im Computerbereich weit verbreitete Lochkartenformat geht auf die US-amerikanische Volkszählung 1890 zurück, zu der Herman Hollerith ein auf Lochkarten basierendes Verfahren einschließlich der zugehörigen Stanz- und Auswertemaschinen (Hollerithmaschine) entwickelte. Die Lochkarte wurde nach ihrer Massenpremiere, der Volkszählung, vor allem in mechanischen und elektromechanischen Rechen- und Sortiermaschinen eingesetzt. Es dauerte allerdings bis 1928 bevor die Lochkarte ihr endgültiges, standardisiertes Format bekam. Nach ihrem Erfinder war für diese Art Lochkarten auch die Bezeichnung Hollerithkarte üblich.
1928
Eine Hollerith-Lochkarte ist ein rechteckiges, etwa 18,7 cm × 8,3 cm großes Stück 0,17 mm dünner Karton in das in vorgegebene Positionen spaltenweise Löcher gestanzt werden um eine Folge von Zeichen (heute würde man sagen: eine Zeile Text) zu codieren.
Als im 20. Jahrhundert Computer entwickelt wurden, boten sich die schon etablierten Lochkarten als Medium zur Programmeingabe und Datenspeicherung an. Bereits Konrad Zuses erster Rechner, die Z1, wurde mit Hilfe von Code, der in einen Lochstreifen bestehend aus einem 35-mm-Film gestanzt wurde, gesteuert. Später wurden für Computer jedoch fast ausschließlich Lochkarten nach Hollerith verwendet.
Das ursprüngliche Code-Format für Hollerith-Lochkarten sah nur 240 Positionen für Löcher vor, es wurde jedoch bald auf 45 Spalten mit je 12 Positionen erweitert. Dies entsprach 45 Zeichen zu je 12 bit (später wurde eine 6-bit Codierung erfunden die es erlaubte 90 Zeichen zu speichern). IBM ließ sich 1928 ein 80-Spalten-Format mit rechteckigen Löchern patentieren, das die weiteste Verbreitung fand und auch noch heute bei Großrechneranlagen von IBM zu finden ist. In die Lochkarte können in 80 Spalten und in 12 Zeilen Löcher gestanzt werden. Ursprünglich konnte nur ein Loch pro Spalte für Ziffern benutzt werden. Später kam eine zweite Lochung für Großbuchstaben und eine dritte Lochung für Sonderzeichen hinzu. Mit Verwendung des EBCDIC-Codes seit 1964 wurden bis zu 6-fach Lochungen zugelassen. Dabei entsprach eine Karte einer Zeile Text und eine Spalte eine Karte einer Zeichenposition der Zeile. Eine Lochkarte hatte somit ein Fassungsvermögen von etwa 80 Byte. (Eine heute übliche 80 GB Festplatte kann somit den Inhalt einer Milliarde Lochkarten speichern. Das würde einem Lochkartenstapel von 170 km Höhe entsprechen.)
Die feste Ausrichtung an den Spalten der Lochkarten hatte Auswirkung auf die Syntax mancher Programmiersprachen. Bei alten Fortran-Varianten waren die ersten acht Spalten für ein numerisches Label vorgesehen. Bei zügiger Durchsicht der Lochkarten konnte sehr einfach erkannt werden, wenn ein Label oder der Quellcode falsch positioniert waren. Die Spalten 73 bis 80 waren bei Fortran für Kommentare reserviert. Hier lochte man oft eine fortlaufende Nummer, damit man einen heruntergefallenen Lochkartenstapel leichter sortieren konnte. Die Programmiersprache COBOL basiert mit ihrer Sprachsyntax ebenfalls auf der Lochkarte. Auch die Datenkarten hatten normalerweise ein festes Format, wobei ein Datensatz einer Karte entsprach und dort die Eingabedaten wie beispielsweise Betrag, Kundennummer und Datum festen Bereichen der Spalten zugeordnet waren.
Zahlreiche Verbesserungen der Lochkartensysteme gehen auf Gustav Tauschek (1899-1945) zurück.
Arbeitsweise
Um Lochkarten zu beschreiben bzw. zu stanzen, gab es Lochkartenstanzer. Diese Geräte hatten eine Schreibmaschinentastatur, eine Zuführvorrichtung für die Lochkarten und eine Programmkarte. Auf dem Lochkartenstanzer wurden die Daten in die Lochkarte gelocht und zur Kontrolle auf einer zweiten Maschine, dem Kartenprüfer nochmals eingegeben. Wenn die Lochungen übereinstimmten, wurde die Karte als geprüft gekennzeichnet. Zur Vereinfachung und Beschleunigung der Arbeit diente die Programmkarte. Dort konnten z. B. auf der Karte Felder als numerisch oder alpha-numerisch definiert werden. Zu diesen Feldern konnte direkt gesprungen werden. Auch gab es eine Kopiertaste, mit der die gerade gestanzte Karte bis zu einer gewünschten Spalte kopiert werden konnte. Diese Funktion wurde später von Betriebssystemen mit Terminalgesteuerter Eingabe übernommen um eine editierte Zeile auf einem Fernschreiber oder später auch Monitor neu auszugeben. Die zuletzt eingegebene Zeile kann noch heute z. B. bei der Windows Eingabeaufforderung zeichenweise durch die Cursor-rechts-Taste kopiert werden.
Lochkartenstanzer konnten zur Datenausgabe von Programmen wie Drucker angesteuert werden. Neuere Geräte druckten zusätzlich zum gestanzten Code den Inhalt als Klartext mit auf die Karten, erfahrene Programmierer konnten die Lochkarten auch ohne weitere Hilfsmittel, einfach nur durch Betrachtung der Lochpositionen, lesen.
Klartext
Eingelesen wurden die Lochkarten durch optische oder mechanische Lesegeräte. Der Lochkartenstapel wurde in ein Lesefach eingelegt und mit einem Gewicht beschwert. Auf Knopfdruck wurde das Gerät angeschaltet. Durch ein Gebläse wurde der Stapel aufgelockert und eine Karte nach der anderen wurde eingelesen. Der Lesevorgang selbst erfolgte entweder durch mechanisches Abtasten mit Stiften oder durch Lichtschranken mit Fotozellen.
Die damaligen Programme waren nicht interaktiv; ein Programm wurde gestartet, las Eingabedaten, verarbeitete sie und gab bestimmte Ergebnisdaten wieder aus. Diese Arbeitsweise bedingte drei Sätze von Lochkarten: Einen Satz für die Eingabedaten, einen Satz für das Verarbeitungsprogramm, und einen Satz Ausgabedaten, die vom Programm durch die Verarbeitung der Eingabedaten erzeugt und durch Stanzgeräte ausgegeben wurden. Das Stanzen von Lochkarten als Ergebnisdaten stellte die Ausnahme dar. Meist reichte eine Druckausgabe der Ergebnisse, und mit Einführung von Magnetplattenspeichern, die um 1980 in der Großrechnerwelt etwa die Größe von Waschmaschinen hatten, konnten Zwischenergebnisse auch gespeichert werden. Es war auch möglich, die mit Einführung der ersten Zeilenterminals ebenfalls eingeführten Zeileneditoren mit Lochkarten zu bedienen und somit gespeicherte Programme zu ändern; eine Kunst, die vor allem Studenten in den hoffnungslos überlaufenen Datenstationen der Hochschulen beherrschten. Die englische Bezeichnung für einen Kartenstapel ist Batch und der ganze Prozess der Verarbeitung sowie auch der Programmstapel war ein Job. Daraus wurden die Begriffe Batchjob, Batchdatei und auch die Dateiendung bat für eine DOS-Stapelverarbeitungsdatei.
Spätere Geschichte
Die Einführung von Magnetbändern als schnellen und transportablen Massenspeichern verdrängte, beginnend Mitte der 1960er Jahre, langsam die Lochkarte als Speichermedium für Computer. Eine in den späten 1960er Jahren von IBM vorgestellte kleinere Karte höherer Kapazität konnte sich nicht mehr durchsetzen.
Lochkartensysteme fanden wegen ihrer Robustheit aber auch andere Anwendungsbereiche, so zum Beispiel für Schlüsselkarten und Ausweiskarten. Teilweise wurden die Lochkarten dabei in transparenten oder durchscheinenden Kunststoff eingeschweißt. Mittlerweile sind auch diese Lochkarten wieder weitgehend durch Chipkarten und ähnliche Systeme ersetzt worden.
Lochkarten im Hollerith-Format gibt es heute noch bei einigen mechanischen Stempeluhren. Sie finden auch noch in US-amerikanischen Wahlautomaten Verwendung, deren Zuverlässigkeit jedoch bei der Wahl von George W. Bush zum Präsidenten der USA stark in die Kritik geraten ist. In der Computertechnik sind reale Lochkarten heutzutage nicht mehr von Bedeutung. Jedoch werden noch immer häufig Umfragedaten in Dateien gespeichert, deren Format an Lochkarten angeleht ist -- auch im 21. Jahrhundert gibt es also noch "Spalten" und "Karten", wenn auch nur virtuell (siehe: Liste der Begriffe und Methoden der Marktforschung, Quantum).
Eine historische Randbemerkung: Die von Hollerith gegründete Firma Tabulating Machine Company wurde später in IBM umbenannt. (Deren Chef auf einem Meeting, auf dem man sich über die Größe der Lochkarte nicht einigen konnte, schließlich eine 10-Dollar-Note auf den Tisch knallte, sagte: „so wird sie“, und den Raum verließ.)
Siehe auch: Lochstreifen
Weblinks
- [http://www.dfki.de/~winter/papers/hollerith-ibm/ Historischer Abriss, Referattext auf www.dfki.de]
Kategorie:Speichermedium
ja:パンチカード
Asterix
Asterix ist der Held einer gleichnamigen französischen Serie von Comicbüchern und Filmen der Autoren René Goscinny und Albert Uderzo. Der Name Asterix leitet sich vom griechischen Wort für Sternchen (αστερίσκος) her, siehe auch Asterisk.
Inhalt
Asterisk
Asterix und sein Freund Obelix leben in einem kleinen Dorf im Nordwesten Galliens. Es ist der einzige Teil des Landes, der nicht bis zum Jahre 50 v. Chr. von Gaius Julius Caesar erobert wurde. Die Einwohner des Dorfes haben aufgrund eines Zaubertrankes, der vom Druiden Miraculix gebraut wird, übermenschliche Kräfte. Asterix zeichnet sich durch besondere Pfiffigkeit aus. Obelix ist von Beruf Hinkelsteinhersteller und -lieferant und hat enorme Kraft. Er ist als Kind in einen Kessel mit Zaubertrank gefallen, dessen Wirkung seither anhält. Auf vielen Abenteuern werden sie von Obelix' kleinem Hund Idefix begleitet. Viele Bücher der Asterix-Reihe drehen sich um Versuche der römischen Armee, den Druiden am Brauen des Zaubertranks zu hindern oder den Zaubertrank für eigene Zwecke zu nutzen. Natürlich scheitern diese Versuche regelmäßig an Witz und Stärke von Asterix und Obelix.
In vielen Büchern geht es auch um Reisen von Asterix und Obelix in alle Teile der antiken Welt (und darüber hinaus). Dabei werden spezifische Eigenarten der Völker aus französischer Sicht - und damit zugleich die in dieser Sicht enthaltenen Klischees -parodiert. So werden die Briten bei der Rasenpflege einzelner Halme dargestellt, die pünktlich um 5 Uhr ihre Tasse heißes Wasser mit Milch (Teeblätter werden erst durch Asterix als Kulturbringer eingeführt) trinken. Die Goten (sinnbildlich für Deutschland) erscheinen mit Pickelhaube à la Otto von Bismarck, die Normannen als furchtlose Krieger, die Calvados aus Schädeln trinken. Asterix und Obelix müssten eigentlich auch als Entdecker Amerikas gelten, da sie bereits 1.050 Jahre vor Leif Eriksson dort waren und wieder heil zurückkehrten (Band 22: Die große Überfahrt).
Gleichwohl stellen die Asterix-Bücher die Welt zur Zeit des Imperium Romanum mit für dieses Genre erstaunlicher Genauigkeit dar, die aber immer wieder humorvoll durch Anachronismen gebrochen wird. Goscinny erweist sich hierbei als exzellenter Kenner der Antike, ausgestattet mit einem äußerst subtilen Humor. Aber auch seine Erfahrungen mit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg prägen die Grundidee der Asterixgeschichten: Das unbeugsame Dorf symbolisiert die Resistance, das Römische Reich steht für die deutschen Eindringlinge. Nach Goscinnys Tod im Jahr 1977 führte der Zeichner Uderzo die Comicreihe alleine fort. Für viele Asterixkenner ist diese Zäsur deutlich erkennbar.
Die Bücher wurden in rund 80 Sprachen übersetzt, darunter auch Latein, Griechisch, Esperanto und Plattdeutsch, hinzu kommen zahlreiche Dialekte, insbesondere in Deutschland. Für die hochdeutsche Übersetzung der Bände war bis Band 29 Gudrun Penndorf verantwortlich, danach Adolf Kabatek und Michael F. Walz. In allen Sprachen wurde auf eine qualitativ hochwertige Übersetzung geachtet. So wurden die unzähligen Wortspiele und subtilen Andeutungen an zeitgeschichtliche Ereignisse nicht einfach aus dem Französischen übersetzt, sondern es wurden in der Zielsprache Neue gebildet, die in dieser Sprache und kulturellem Umfeld Sinn ergeben. Obwohl der Plot immer derselbe ist, lässt die Lektüre der Geschichten in verschiedenen Sprachversionen immer wieder Neues entdecken. Allerdings erfährt auch die deutsche Übersetzung in den jüngsten Bänden, speziell in Band 31 ("Asterix und Latraviata"), mittlerweile scharfe Kritik aufgrund zu plakativer Anlehnungen an das Tagesgeschehen in Deutschland.
Regelmäßig werden in den Texten auch lateinische Sprichwörter und Zitate verwendet (z. B. alea iacta est), neu geprägt wurde delirant isti Romani: „Die spinnen, die Römer“. In der italienischen Ausgabe bot sich hierfür ein geniales Wortspiel an: "Sono Pazzi Questi Romani", kurz SPQR. Die lateinischen und französischen Fassungen werden auch gerne im Fremdsprachenunterricht eingesetzt.
SPQR
Typisch für die Asterix-Comics sind sprechende Namen für viele Nebencharaktere, die von Sprache zu Sprache wechseln, z. B.
- Methusalix (de) = Agecanonix (fr) = Geriatrix (en) = Arthritix (us-en) = Matusalemmix (it)
- Majestix (de) = Abraracourcix (fr) = Vitalstatistix (en) = Macroeconomix (us-en) = Abraracourcix (it)
- Idefix (de) = Idéfix (fr) = Dogmatix (en) = Dogmatix (us-en) = Idefix (it)
- Miraculix (de) = Panoramix (fr) = Getafix (en) = Magigimmix (us-en) = Panoramix (it)
- Troubadix (de) = Assurancetourix (fr) = Cacofonix (en) = Malacoustix (us-en) = Assurancetourix (it)
- Verleihnix (de) = Ordralfabétix (fr) = Unhygienix (en) = Epidemix (us-en) = Ordinalfabetix (it)
- Gutemine (de) = Bonemine (fr) = Impedimenta (en) = Belladona (us-en) = Beniamina (it)
Eine deutsche Übersetzung, die sich sehr stark vom Original entfernte, erschien zuerst im Kauka-Verlag. Asterix und Obelix wurden zu den Germanen Siggi und Babarras.
Figuren
Siehe Figuren aus Asterix
Bände
Kurze Inhaltseinführungen
- Asterix der Gallier: Die Römer wollen hinter das Geheimnis der Unbesiegbarkeit der Gallier kommen und entführen darum Miraculix. Doch dieser führt die Römer mit Hilfe von Asterix an der Nase herum. Dieser Band ist eine kompromisslose Einführung in die grundlegenden Handlungs-Pfeiler der Comicreihe, die nur im Detail Stringenz zu weiterentwickelten Alben vermissen lässt.
- Die goldene Sichel: Asterix und Obelix machen sich auf nach Lutetia, um dort eine goldene Sichel zu erwerben. Doch dieses Vorhaben stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Dies ist das erste Abenteuer, das die beiden Gallier in andere Ortschaften führt. Hier werden die Eigenarten von Lutetia, das als antikes Paris dargestellt wird, parodiert.
- Asterix und die Goten: Erneut wird Miraculix zwecks Preisgabe des Zaubertrankrezeptes entführt, doch diesmal von den Goten und von diesen nach Germanien gebracht. Asterix und Obelix nehmen die Verfolgung auf. Die Goten stehen in diesem Band für Deutsche und werden als invasionsfreudig, militaristisch und barbarisch dargestellt.
- Asterix als Gladiator: Troubadix der Barde des Dorfes soll Cäsar zu Ehren den Löwen in Rom vorgeworfen werden. Um ihn zu befreien, lassen sich Asterix und Obelix zu Gladiatoren "ausbilden". Dieser Band behandelt die Freude der Römer an grausamen Zirkusspielen.
- Tour de France: Als Beweis dafür, dass sich das gallische Dorf nicht isolieren lässt, machen Asterix und Obelix eine Tour durch Gallien, wobei sie entsprechende Souvenirs der Ortschaften als Beweis ihrer Etappenziele sammeln. Doch die Römer haben etwas dagegen. Diese Geschichte nimmt das Radrennen Tour de France humoristisch und mit Resistance-naher Darlegung vorweg. Hier begegnet man zum ersten Mal Idefix, dem Hund von Obelix. Er verfolgt die Beiden ab Lutetia, wird jedoch erst bei ihrer Ankunft im Dorf von Obelix bemerkt.
- Asterix und Kleopatra: Um Cäsar zu beweisen, dass das ägyptische Volk immer noch zu großen Taten fähig ist, veranlasst Kleopatra einen Tempelbau binnen drei Monaten. Numerobis, der leidlich fähige Architekt, braucht darum die Hilfe von Miraculix und seines berühmten Zaubertranks. Doch die Pläne wollen nicht nur von den Römern durchkreuzt werden... Hier werden wichtige historische Persönlichkeiten aufgegriffen und der Konflikt zwischen Rom und Ägypten zur Zeit Cäsars stark verharmlosend angedeutet.
- Der Kampf der Häuptlinge: Majestix wird von einem anderen gallischen Häuptling, der mit den Römern verbündet ist, zu einem Zweikampf um die Herrschaft des Dorfes herausgefordert. Unglücklicherweise ist Miraculix just außer Stande, den rettenden Zaubertrank zu brauen. Dieser Band verarbeitet die Erfahrungen der französischen Nation mit Kollaborateuren während der Nazi-Besatzung.
- Asterix bei den Briten: Cäsar hat fast ganz Britannien besetzt. Nur noch ein kleines Dorf leistet Widerstand. Damit dies so bleibt, holt man sich die Hilfe von Asterix, Obelix und dem Zaubertrank. Dieser Band ist eine Parodie auf die Lebensgewohnheiten des englischen Volkes.
- Asterix und die Normannen: Das furchtlose Nordvolk möchte endlich erfahren, was Angst ist. Zu dumm, dass die fast ebenso furchtlosen Gallier kaum geeignete Studienobjekte sind. Doch zum Glück ist gerade Grautvornix zu Besuch, der eigenen Aussagen nach größte Angsthase aller Zeiten. Asterix muss den jungen Lutetier befreien und nebenbei die Normannen vertreiben. Diese Geschichte greift die legendäre Furchtlosigkeit der Nordvölker/Wikinger auf, die aus dem Glauben erwuchs, dass nur im Kampf Gefallene Zugang nach Walhalla erlangen.
- Asterix als Legionär: Asterix und Obelix müssen nach Afrika, um Tragicomix, den Verlobten von Falbala, zu befreien, der wegen des Konfliktes mit Scipio africanus zwangsrekrutiert wurde. Hierzu melden sie sich in der Fremdenlegion und lassen sich zu Legionären "ausbilden". Keine Frage, dass die Römer mit diesen Mustersoldaten ihre liebe Not haben. Hier wird einerseits die in Frankreich übliche Fremdenlegion parodiert als auch implizit multinationale Vereinigungen.
- Asterix und der Arvernerschild: Asterix und Obelix sind im Avernerland und wollen den Römern in die Suppe spucken, indem sie den vermissten Schild des Vercingetorix finden. Dieser Band ist quasi als Versuch anzusehen, den gekränkten französischen Nationalstolz ein Stück weit zu kitten.
- Asterix bei den Olympischen Spielen: Das gallische Dorf will an den Olympischen Spielen in Griechenland teilnehmen. Mit Hilfe des Trankes weiß man sich natürlich erfolgreich. Doch diesmal sind die Gallier zu schnell siegesgewiss... Neben sportiven Großereignissen wird schon das Doping humoristisch aufgegriffen.
- Asterix und der Kupferkessel: Asterix wird aus dem Dorf verbannt, da ihm ein Kessel mit Sesterzen geraubt wurde, der ihm von einem benachbarten Häuptling zwecks "Steuerhinterziehung" anvertraut wurde. Er darf erst zurückkehren, wenn er den Kessel wieder irgendwie mit Sesterzen gefüllt hat. Diese Geschichte ist wie eine typische Theaterdramaturgie aufgebaut.
- Asterix in Spanien: Asterix und Obelix begleiten den kleinen Pepe, den Sohn des Häuptlings eines unbeugsamen Dorfes in Spanien, zurück in seine Heimat, nachdem er zuvor als Geisel entführt worden war. Doch mit den Launen des Kleinen haben sie mehr zu kämpfen als mit den Römern. Erneut ein Band, der vor allem die Kultur einer anderen Nation klischeehaft parodiert.
- Streit um Asterix: Um das gallische Dorf zu schwächen, sät ein römischer Stratege Missgunst, Misstrauen und Neid im Dorf. Erstmals eine Geschichte, die in die psychologische Kriegsführung der Römer zwecks Niederringung des Dorfes einführt.
- Asterix bei den Schweizern: Um einen vergifteten Quästor zu heilen, reisen Asterix und Obelix nach Helvetien, um ein Edelweiß zu finden, das Miraculix für das Antidot braucht. Dieses Album ist wie viele der Reisegeschichten gefüllt mit anachronistischen Anspielungen auf andere Völker (hier die Schweizer). Aber auch die römische Orgien- und Habsucht wird dargestellt.
- Die Trabantenstadt: Der Bau einer römischen Stadt rund um das gallische Dorf soll nach und nach die Identität des Dorfes schwächen. Diese Geschichte ist als Zivilisationskritik zu verstehen.
- Die Lorbeeren des Cäsar: Eine absurde Wette zwischen Majestix und seinem Schwager führt Asterix und Obelix nach Rom, wo sie Cäsars Original-Lorbeerkranz ergattern sollen. Hierzu werden die beiden u.a. Sklaven. Hier findet sich in einem Band eine Parodie auf das antike Rom (Sklavensystem, Gerichtsrhetorik, etc.)
- Der Seher: Mit Hilfe eines betrügerischen Sehers soll der Zusammenhalt der (arg abergläubigen) Dorfgemeinschaft geschwächt werden. Dieses Abenteuer behandelt den archaischen Aberglauben.
- Asterix auf Korsika: Asterix und Obelix begleiten einen entführten Korsen zurück auf seine Inselheimat. Diese Geschichte ist von der französischen Sicht auf ihre etwas widerspenstige Provinz Korsika geprägt.
- Das Geschenk Cäsars: Das Dorf bekommt neue gallische Mitbewohner, die über Umwege an eine Besitzermächtigung von Cäsar selbst gekommen sind. Doch man versteht sich nicht allzu prächtig. Einerseits wird das Entlohnungsystem nach der Legionsdienstzeit aufgegriffen, andererseits erlebt man auch die (harmlose) Fremdenfeindlichkeit des Dorfes.
- Die große Überfahrt: Miraculix hat keinen frischen Fisch mehr für seinen Zaubertrank, darum schickt er Asterix und Obelix zu einer Fischertour. Doch diese erweist sich nicht als ganz so einfach.
- Obelix GmbH & Co.KG: Um die gallischen Dorfbewohner in Dekadenz und Habsucht zu treiben, fördert Rom den Hinkelsteinmarkt. Doch die Gesetze des Marktes sind tückisch... Dieser Band ist eine kompromisslose Parodie auf Marktwirtschaftsgesetze, Marketingstrategien und Konsumverhalten.
- Asterix bei den Belgiern: Dieses Abenteuer führt Majestix, Asterix und Obelix zu den Belgiern, die von Cäsar als die mutigsten Gallier bezeichnet wurden. Diese Herabsetzung kann der Chef des gallischen Dorfes ohne Namen natürlich nicht auf sich sitzen lassen, weshalb er die Belgier zu einem Wettstreit herausfordert.
- Der große Graben: Asterix, Miraculix und Obelix werden von einem heillos zerstrittenen anderen gallischen Dorf zu Hilfe gerufen. Dieser Band vermengt Aspekte von Romeo und Julia sowie der deutschen Teilung.
- Die Odyssee: Miraculix braucht dringend Steinöl, um seinen Zaubertrank brauen zu können. Asterix und Obelix reisen deshalb nach Vorderasien, doch ein römischer Spion hat Wind von den Problemen der Gallier bekommen. Hier finden sich mehrere Anspielungen auf vorderasiatische Staaten sowie eine James-Bond-Parodie.
- Der Sohn des Asterix: Eines Tages findet Asterix ein ausgesetztes Baby vor seinem Haus. Auch einige der Römer sind nicht ganz uninteressiert an dem nicht ganz einfachen Kind.
- Asterix im Morgenland: Asterix und Obelix und vor allem Troubadix zur Hilfe gerufen. Es gilt im fernen Indien durch Troubadix' Sangeskünste die Schleusen des Himmels zu öffnen.
- Asterix und Maestria: In diesem Abenteuer bekommt es Asterix mit der geballten Frauenpower zu tun - ob nun in den eigenen oder in den römischen Reihen... Diese Geschichte verarbeitet die zwischengeschlechtlichen Probleme, die durch eine Gleichberechtigung in radikale Emanzipation entstehen können.
- Obelix auf Kreuzfahrt: Obelix gerät in arge Nöte, als er es endlich gewagt hat, einen ganzen Kessel Zaubertrank zu leeren. Neben einer Spartakus-Karikatur präsentiert dieser Band eine Variante des Atlantis-Mythos.
- Asterix und Latraviata: Eine Schauspielerin - Latraviata - soll als Falbala verkleidet aus dem gallischen Dorf ein wertvolles Schwert und einen Helm zurückholen. Dieses Schwert und den Helm hat Asterix zum Geburtstag bekommen. Bei der Feier sind auch die Mütter von Asterix und Obelix anwesend, welche die beiden Junggesellen endlich unter die Haube bringen wollen. Neben einem Gastauftritt des Pompejus dient dieser Band dazu, das Interesse der Fans an Falbala zu bedienen.
- Gallien in Gefahr: Zwei konkurrierende außerirdische Völker landen in Gallien und wollen an das Geheimnis des Zaubertranks kommen, der von ihnen als letale Waffe bezeichnet wird. Die Römer sind froh, mit dem Zauber nichts zu tun zu haben und die Gallier überzeugen die Außerirdischen, dass diese mit dem Zaubertrank nichts anfangen können. Der Band ist eine Allegorie auf spezielle Comic-Bereiche (die Hauptfiguren der Außerirdischen heißen Tadsylwine und Nagma, das sind Anagramme zu Walt Disney und Manga). Arnold Schwarzenegger hat einen Gastauftritt als eine Mischung aus Superman und dem Terminator.
Weitere Infos
- Alle Bände sind von Albert Uderzo gezeichnet. Bei den Bänden 1-24 stammt der Text von René Goscinny, ab Band 25 sind die Geschichten vom Zeichner Uderzo selber geschrieben. Band 32 enthält eine Sammlung von Kurzgeschichten, die teilweise noch von René Goscinny geschrieben wurden. Er erschien ursprünglich ohne Nummer, wurde jedoch nachträglich in die offizielle Nummerierung integriert.
- Die Bände 2 bis 7 sind in Deutschland u. a. wegen des großen Erfolges des Zeichentrickfilms "Asterix und Kleopatra" in einer anderen Reihenfolge erschienen. Beim Lesen empfiehlt es sich aber, die französische Originalreihenfolge einzuhalten, da sonst einige Chronologiefehler entstehen (z. B. die Treffen mit den Piraten und das Auftauchen von Idefix).
- Am 14. Oktober 2005 ist der derzeit letzte Asterix-Band mit dem Titel "Gallien in Gefahr" erschienen.
Kurzgeschichten
Im Laufe der Jahre entstanden neben den Alben auch diverse Kurzgeschichten. Die meisten davon wurden 2003 in dem Album "Asterix plaudert aus der Schule" nachgedruckt:
- 1963: Obelisc'h (5 Seiten) Uderzo und Goscinny treffen auf einen Nachfahren von Obelix
- 1966: Der gallische Frühling (2 Seiten)
- 1966: Gallischer Schulanfang (2 Seiten)
- 1967: Neujahr unterm Mistelzweig (2 Seiten)
- 1968: Das Maskottchen (8 Seiten, später neugezeichnet auf 4 Seiten)
- 1969: Verbesserungsvorschläge (3 Seiten) Es wird gezeigt wie Asterix als Underground-Comic oder im Hippie-Stil aussehen würde
- 1971: Mini, Midi, Maxi (2 Seiten)
- 1973: Latinomanie (1 Seite)
- 1977: Im Jahre 50 v. Chr (3,5 Seiten)
- 1986: Olympiade in Lutetia (4 Seiten)
- 1994: 35 Jahre vor Julius Cäsar (4 Seiten) Hier wird die Geburt von Asterix und Oberlix erzählt.
- 2003: Kokolorix - der gallische Hahn (5 Seiten)
Folgende Asterix-Kurzgeschichten erschienen in diesem Sonderband nicht:
- 1977: Asterix und die Bayern (1,5 Seiten) Entstand für die Zeitschrift Stern, Ausgabe 2/77. Nachgedruckt im achten Band der Gesamtausgabe.
- 1977: 12 Prüfungen für Asterix (27 Seiten) Comic-Fassung des Films "Asterix erobert Rom". Von Uderzo nicht mehr für weitere Nachdrucke freigegeben. Die einzige deutsche Veröffentlichung erschien in der Zeitschrift Comixene, Ausgabe 24-29.
- 1985: Die Antiquitätenhändler (4 Seiten) Die Geschichte wurde von Uderzo nicht mehr für weitere Nachdrucke freigegeben. Die einzige deutsche Veröffentlichung erschien in dem Sonderband "Gallische Geschichten".
- 1989: Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumpst ist (Album mit 36 Seiten) Eine im Kinderbuch-Stil erzählte Geschichte aus der Kindheit von Obelix und der Dorfbevölkerung
Außerdem gibt es noch folgende Comics, die als Vorankündigungen zur Erstveröffentlichung in Pilote erschienen
- 1964: Pressekonferenz/Ankündigung für Kampf der Häuptlinge (1 Seite) Erschien u.a. in "Asterix plaudert aus der Schule"
- 1965: Ankündigung für Asterix bei den Briten (1 Seite) Veröffentlicht in der Gesamtausgabe
- 1967: Ankündigung für Asterix und der Arvernerschild (1 Seite) Veröffentlicht in der Gesamtausgabe
- 1970: Ankündigung für Asterix bei den Schweizern (1 Seite) Veröffentlicht in der Gesamtausgabe, dem Sachbuch "Uderzo - Der weite Weg zu Asterix" und Sonderband "Asterix Was für ein Fest"
Plagiate
Ferner existiert eine kleine Anzahl an Raubdrucken aus der Protestbewegung der 1980er Jahre. In diesen illegal gehandelten Heften wurden Bilder aus verschiedenen Originalausgaben zusammenmontiert und mit einem neuen Text versehen. So will beispielsweise in Asterix und das Atomkraftwerk Julius Cäsar einen Brutus Rapidus an Stelle des gallischen Dorfs bauen. Gegen diese Plagiate ging Uderzo, vertreten durch Günter Freiherr von Gravenreuth, gerichtlich vor und ließ Abmahnungen über einen Streitwert von 50.000 DM an Händler verschicken.
Vor der Bundestagswahl 2005 kursierte im Internet die 44-seitige PDF-Datei Asterix und der Kampf ums Kanzleramt die ebenfalls mit (nunmehr computergestützter) Bildmontage und geänderten Texten arbeitet. Mit Majestix als Schrödix (Gerhard Schröder), Maestria als Angela Merktnix (Angela Merkel), Greulix (aus Der große Graben) als Guidefix (Guido Westerwelle), Miraculix als Münteferix (Franz Müntefering), Stellartoix (aus Asterix bei den Belgiern) als Läuftfortwienix (Oskar Lafontaine) und dem ebenfalls in Der großen Graben vorkommenden Grobianix als Bavarix (Edmund Stoiber) persifliert die Geschichte wichtige Akteure des Wahlkampfes und entwirft eine recht groteske Geschichte mit zahlreichen Anspielungen auf die zu der Zeit aktuelle Bundes- und Weltpolitik. In Nebenrollen: Julius Caesar als amerikanischer Präsident Dabbeljus (George W. Bush), der heruntergekommene Legionär Keinentschlus aus Das Geschenk Cäsars als rechter Nationalix sowie die Gurus Schandadh und Daisayah aus Asterix im Morgenland als islamistische Terroristen.
Filmographie
Zeichentrickfilme
- 1967: Asterix der Gallier
- 1968: Asterix und Kleopatra
- 1975: Asterix erobert Rom
- 1985: Sieg über Cäsar
- 1986: Asterix bei den Briten
- 1989: Asterix – Operation Hinkelstein
- 1994: Asterix in Amerika
- 2006: Asterix und die Normannen
Realfilme
- 1999: Asterix und Obelix gegen Cäsar mit Christian Clavier, Gérard Depardieu, Roberto Benigni, Laetitia Casta u. a.
- 2002: Asterix und Obelix: Mission Kleopatra mit Christian Clavier, Gérard Depardieu, Monica Bellucci u. a.
- 2006: Asterix bei den Olympischen Spielen
Asterix bei den Olympischen Spielen
Parc Astérix
Im französischen Plailly bei Paris wurde 1989 ein Freizeitpark mit dem Thema und den Figuren aus den Asterix-Comics eröffnet. Der Park besitzt in der französischen Bevölkerung eine große Popularität.
Zu den Attraktionen des Parks gehören neben Achterbahnen auch ein Gallierdorf, einige Attraktionen mit Bezug auf die Welt von Asterix sowie die Figuren der Comics.
Juristisches
Asterix und Obelix sind eingetragene Marken des Verlags Les Éditions Albert René (Paris), der die Rechte zumeist erfolgreich durchzusetzen versucht. So wurde beispielsweise der Inhaber des Markennamens "MobiliX" (für "Mobiles Unix") wegen angeblicher Verwechslungsgefahr mit "Obelix" verklagt. Nachdem der Verlag beim Oberlandesgericht München diesen Rechtsstreit gewann, legte der Markeninhaber Beschwerde beim Bundesgerichtshof gegen die Nichtzulassung der Revision ein. Eine ähnliche Klage gegen den Handynamen "Mobilix" von Orange A/S hingegen scheiterte vor dem europäischem Gerichtshof.
Mitte der 1980er Jahre verfolgte Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth Asterix-Plagiate, in denen unlizenziert Zeichnungen aus Asterix-Bänden mit neuen Texten in den Sprechblasen versehen wurden, um damit z.B. auf satirische Weise gegen Kernkraft ("Asterix und das Atomkraftwerk"), gegen die Nachrüstung ("Asterix in Bombenstimmung") oder gegen die Startbahn West ("Asterix im Hüttendorf") zu protestieren. So wurden Tauschanzeigen von Comicsammlern durchsucht und Anfragen nach diesen Comics an alternative Buchhandlungen angeschrieben. Anbieter dieser Hefte erhielten Abmahnungen. Auch stellte Gravenreuth im Namen seines Mandanten gegen den Veranstalter des Kölner Comic-Tauschtag Strafantrag, weil ein Teilnehmer dieser Veranstaltung entsprechende Hefte anbot. Außerdem sorgte Gravenreuth dafür, dass diese Hefte seit 1985 im Comic-Preiskatalog nicht mehr mit Sammlerwert aufgeführt werden.
Im Jahr 2005 wurde mit Asterix und der Kampf ums Kanzleramt ein weiteres dieser politisierenden Plagiate verbreitet. Diesmal als PDF-Dokument zum Download über das Internet oder zur Verteilung per e-Mail.
Siehe auch
- Karnutenwald
Literatur
- Klaus Schmeh, Der Kultfaktor – Vom Marketing zum Mythos: 42 Erfolgsstorys von Rolex bis Jägermeister, Redline Wirtschaft, Frankfurt 2004 (enthält ein ausführliches Kapitel über Asterix und den dazu gehörenden Kult)
- André Stoll Asterix - Das Trivialepos Frankreichs , dumont kunst-taschenbücher, Köln 1974 (leider nur noch antiquarisch, hervorragende Analyse aller Sprach- und Bildsymbole der ersten Bände)
Weblinks
- http://www.asterix.de deutschsprachige Asterix-Seite der Egmont Ehapa Verlag GmbH
- http://www.asterix-obelix.nl/manylanguages/ – Asterix in verschiedenen Sprachen (englisch)
- http://www.comedix.de/ – Asterix Archiv mit Lexikon
- http://www.asterix-fan.de Asterix-Seite mit zahlreichen Informationen
- http://tuxmobil.de/mobilix_asterix.html – Markenstreit Asterix versus Mobilix
-
Kategorie:Comicserie
Kategorie:Comicfigur
Kategorie:Zeichentrickfilm
Kategorie:Filmreihe
Comicright
Der (oder das) Comic ist der gängige Begriff für die Sequenzielle Kunst. Sie stellt sequenziell angeordnete Folgen von Bildern dar, anhand derer ein Vorgang beschrieben oder eine Geschichte erzählt wird (siehe auch Bildergeschichte oder Zeichentrickfilm). In der Regel (aber nicht zwingend) sind die Bilder gezeichnet und werden mit erzählendem Text und/oder wörtlicher Rede kombiniert (siehe dazu auch Storyboard beim Spielfilm).
In der Comic-Kunst überschneiden sich Literatur und Bildende Kunst. Sie stellt deshalb eine eigenständige Kunstform dar. Der Begriff "Comic" (ursprünglich Comics ) leitet sich vom englischen Begriff comic strip (komischer Streifen) ab. Da Comics aber nicht zwangsläufig komisch sein müssen, gibt es den neutraleren Begriff "sequenzielle Kunst". Der französische Literaturwissenschaftler Francis Lacassin ordnete 1971 den Comic als die Neunte Kunst in den Kanon der bildenden Künste ein. Im Französischen wird meist der Begriff "Bande dessinée" (gezeichneter Streifen) oder dessen Abkürzung "BD" verwendet. In den USA existiert auch die Bezeichnung Graphic Novel (grafischer Roman/grafische Novelle) für vorwiegend literarisch ausgerichtete Comics in Abgrenzung zum Mainstream-Comic.
Definition
Nach Scott McCloud sind Comics »zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen« (Comics richtig lesen. Carlsen, 1994). Er nimmt damit Will Eisners Definition auf, der Comics als sequential art (Sequentielle Kunst) bezeichnet (Mit Bildern erzählen - Comics und sequentielle Kunst. Comic Press Verlag: Wimmelbach, 1994.). Diese Definition hat den Vorteil, dass sie unabhängig von Inhalt, Umsetzung und Medium ist. Allerdings muss nach ihr ein Comic mindestens aus zwei Bildern bestehen. Illustrationen, Karikaturen oder Cartoons, die nur aus einem Bild bestehen, wären demnach keine Comics.
Ein weiteres Problem birgt sich im Zeichenbegriff: Je nach verwendetem Zeichenbegriff können nach dieser Definition beliebige Zeichenabfolgen als Comic betrachtet werden. Vermutlich dachte McCloud zusätzlich noch an symbolische und indexikalische Zeichen, vergass dabei aber, dass nach seiner obigen Definition auch ein Text ein Comic sein würde: Die Bezeichnung 'andere' birgt also durchaus noch Explikationspotential!
Falls in einem Comic Text enthalten ist, so steht dieser entweder über/unter den Bildern oder mittels Sprechblasen in den Bildern. Zusätzlich werden oft auch Geräusche lautmalerisch in die Bilder integriert (z.B. Schepper!!; Fachbegriff: Onomatopoetika).
Comics erscheinen entweder als Comicstrip, Comicheft oder Comicbuch.
Verwandtschaft zum Film
Beim Lesen von Comics entsteht ein so genanntes "Kopfkino". Der Leser fügt die einzelnen Panels in seiner Fantasie wie zu einem Film zusammen. Im Unterschied zur reinen Textliteratur ist das Kopfkino beim Comic-Lesen in der Regel stärker visuell ausgeprägt.
Damit das Kopfkino-Erlebnis möglichst gut gelingt, erfordert die Comic-Erstellung neben texter- und zeichnerischen auch Fähigkeiten, die sich stark mit den Anforderungen der Filmkunst überlappen. Zum Beispiel werden typische dramaturgische Techniken angewendet, wie man sie aus dem Film kennt. Die einzelnen Panels zeigen Einstellungsgrößen wie Totale oder Halbnahe. Fast alle Techniken der Filmkunst haben ihr Pendant im Comic. Dem so genannten Establishing Shot entspricht zum Beispiel in vielen Comics ein "Eröffnungs-Panel", das die Szenerie zeigt.
Die enge Verwandtschaft zeigt sich auch in der Erstellung von Storyboards während der Produktionsphase eines Films, die den Verlauf des Films und insbesondere die Kameraeinstellung in einem Comic skizzieren und dem Regisseur und Kameramann als Anregung oder Vorlage dienen. Umgekehrt wird das "Drehbuch" für ein Comic "Skript" genannt (da ein Comic ja schließlich nicht "gedreht" wird). Der Autor des Comics schreibt die geplante Geschichte als solches Skript, das dem Zeichner anschließend als Grundlage für seinen Teil der Arbeit dient.
Formen des Comics
Comicstrip
Skript
Der Strip (englisch: Streifen) umfasst als Begriff sowohl die daily strips (Tagesstrips) wie die Sunday pages (Sonntagsstrips).
Ursprünglich wurden die Strips nur in den amerikanischen Sonntagszeitungen gedruckt, wo sie zunächst eine ganze Seite füllten. Als erster Comicstrip gilt The Yellow Kid von Richard Felton Outcault, der 1893 startete.
Nachdem aufgrund der wirtschaftlichen Notwendigkeiten bei dem Druck der Sonntag-Strips die optischen Voraussetzungen der einzelnen Bilder immer starrer wurden, brach erst Bill Watterson in Calvin & Hobbes die formale Struktur des Sonntags-Strips wieder auf und setzte damit die Einsicht durch, dass das Schema auch bei anderen Strips den Notwendigkeiten der einzelnen Geschichte anzupassen ist.
1903 erschien der erste werktägliche daily strip auf den Sportseiten der Chicago American, ab 1912 wurde zum ersten Mal eine regelmäßige Serie abgedruckt. Der Tagesstrip, der von Anfang an nur auf schwarz-weiß beschränkt war, sollte auch von seinem Platz her sparsam sein. Da er nur eine Leiste umfassen sollte, wurde die Länge auf drei oder vier Bilder beschränkt. Häufig werden bestimmte Motive variiert und ihnen dadurch neue Perspektiven abgewonnen. Nur in absoluten Ausnahmefällen ergeben sich längerfristige Veränderungen, meist handelt es sich um die Einführung neuer Nebenfiguren. Erscheinen die Geschichten täglich, werden sie häufig eingesetzt, um im Laufe einer Woche eine Art Handlungsbogen zu bestimmen, der in der nächsten Woche von einem neuen abgelöst wird.
Deshalb setzte sich vermehrt die Praxis durch, dass die sunday pages unabhängig von dem Handlungsbogen funktionieren mussten, da es zum einen einen Leserstamm ausschließlich für die Sonntagszeitungen gab, der die vorhergehenden Geschichten nicht kannte und außerdem die Sonntags-Strips zum Teil separat vertrieben wurden.
Auch in Deutschland bringen es viele Autoren von Comics in Zeitschriften und Magazinen zu Buchsammlungen.
Für Beispiele vergleiche: :Kategorie:Comicstrip
Heft/Album/Magazin/Buch/Piccolo
:Kategorie:Comicstrip
Bis Mitte der 1930er-Jahre erschienen sämtliche Comics als Comicstrip, erst danach etablierte sich der Vertrieb von Comics in den USA das erste Mal in Heftform. Dies geschah zunächst als Werbegeschenk von Firmen für ihre Kunden, dann im regulären Handel. Diese wurden aufgrund des Formates Comic Books genannt und stellen bis heute die gängige Vertriebsmethode dar. Ihren Siegeszug traten sie dank der Figur The Shadow an.
In Europa setzten sich neben den Comic-Heften im Micky-Maus-Stil, das verschiedene Geschichten von Personen aus dem Walt-Disney-Universum präsentierte, auch das Magazin und das Album durch. Das Magazin vereint verschiedene Beiträge unterschiedlicher Autoren und Zeichner, die es häufiger als Fortsetzungen übernimmt. Zu unterscheiden sind hierbei etwa das an Jugendliche gerichtete Yps, in dem importierte Reihen wie Lucky Luke und Asterix und Obelix neben deutschen Beiträgen zu finden sind und deren Aufmachung Heft-Charakter besitzt, von den an Erwachsene gerichteten Sammlungen wie Schwermetall oder U-Comix, deren Einband etwa aus Pappe bestand und deren Format dem DIN-A4 ähnelt.
In den 1950er und 1960er Jahren waren die Piccolo-Hefte sehr erfolgreich. Hauptsächlich der Lehning-Verlag brachte die kleinen querformatigen Heftchen, die seinerzeit gerade mal 20 Pfg. kosteten, an den jugendlichen Leser. Titel wie Akim und Fulgor, der Weltraumfahrer (beide vom Zeichner Augusto Pedrazza), Sigurd, Falk, Nick und Tibor (Zeichner: Hansrudi Wäscher), aber auch Tarzan waren die absoluten Renner unter dem Schultisch.
Das Album fasst im DIN-A4-Format jeweils eine Geschichte einer Comic-Reihe zusammen, also z. B. Tim und Struppi oder Prinz Eisenherz. Bestand es in Deutschland zunächst aus einem Softcover, setzte sich zuletzt auch hier das bereits in Frankreich gängige Hardcover durch.
Mittlerweile existieren kaum noch erfolgreiche Magazine und Hefte in Deutschland. Viele Comics erscheinen deshalb sofort in Buchformat.
Aspekte des Comics
Formale Aspekte
Früher unterlagen Comics strikten Regelungen bezüglich Struktur und Umfang. Sie wurden in Zeitungen verbreitet und erhielten von diesen Vorgaben bezüglich der Größe, der Anzahl der Bilder und auch der Dauer. Bis heute hat sich erhalten, dass der Comic Strip eine feststehende Länge besitzt, die über eine Längsseite gehen sollte. Deshalb umfasst er zwischen drei und fünf Bildern, die in der Regel mit einer Pointe enden. Daneben besaß der Sonntags-Strip ebenfalls eine genaue Angabe des ihm zur Verfügung stehenden Platzes, häufig auch eine einheitliche Festlegung, was die Anordnung und jeweilige Größe der Panels anging. Diese Grenzen wurden in letzter Zeit wieder aufgegeben, sodass die Zeichner innerhalb der Größe des Strips ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Auch hier musste am Ende der Seite die Geschichte ein Ende finden.
Eine weitere Begrenzung betraf die Anzahl der Seiten in Comic-Heften. Diese umfassten ursprünglich aus produktionstechnischen Gründen 48 Seiten, da auf einem Blatt vier Seiten gedruckt wurden. Tim und Struppi etwa erschien zunächst in Fortsetzungen und erreichte einen Gesamtumfang von über 100 Seiten. Für den Vertrieb in Heftform musste Hergé seine Geschichten auf die Standardgröße von 62 Seiten reduzieren. Erst Hugo Pratt produzierte in den 70ern seine Geschichten um Corto Maltese in jedem Band in dem Umfang, den er benötigte. Dieser Trend setzte sich endgültig mit dem Aufstieg der Graphic Novel durch, als der Comic dem Roman formal gleichgestellt wurde, weil ihm derselbe künstlerische Anspruch und damit eine ihm eigene Individualität zugebilligt wurde. Dieser Trend hat sich durchgesetzt, Comics werden mittlerweile auch in Buchform mit mehreren hundert Seiten, so beispielsweise bei der Komplettausgabe von From Hell, herausgegeben.
Inhaltliche Aspekte
Comics sind an kein Genre gebunden, obgleich bestimmte Genres innerhalb des Comic weit verbreitet sind. Früher wurden Comics lediglich als Instrument der seichten Unterhaltung verstanden. Hierfür spielen auch die restriktiven formalen Beschränkungen eine Rolle. Einem Comic Strip mit vier oder fünf Bildern wurde keine künstlerische Bedeutung zuerkannt. Hinzu kommt die vermeintliche Beschränkung auf einen meist oberflächlichen Scherz. Deshalb wurden Comics häufig als reine Humor-Geschichten verstanden, auch wenn der Humor der Peanuts für Kinder oft zu melancholich und tiefsinnig war.
Die Sonntags-Strips hingegen öffneten sich Abenteuern (Tarzan), Krimis (Dick Tracy) und Science Fiction (Flash Gordon).
Daneben scheint die Wahrnehmung der Comics sich lange Zeit auf Genres wie den Superhelden-Comic oder die Darstellung von Menschen anhand von Tieren (Donald Duck, Micky Maus) beschränkt zu haben.
Mit dem Auftreten von Künstlern wie Moebius wurden auch die Grenzen des Sonntags-Strips endgültig überwunden. In Anlehnung an den von den Regisseuren der Nouvelle Vague geprägten Begriff des Autorenfilms entstand damals auch der Begriff des Autorencomic, der im Gegensatz zu den arbeitsteilig entstehenden konventionellen Mainstreamcomics nicht als Auftragsarbeit, sondern als Ausdruck einer persönlichen künstlerischen und literarischen Handschrift, die sich kontinuierlich durch das gesamte Werk eines Autors zieht, entsteht. In den 1960er Jahren wurde der Comic mit Zeichnern wie Robert Crumb zum Ausdruck der Gegenkultur in den USA. Dennoch blieb lange umstritten, inwieweit der Comic für ernste Themen geeignet sei - bis Art Spiegelman sich in dem 1992 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Maus – Die Geschichte eines Überlebenden an die Darstellung der Shoah wagte. Historische Themen wie der Erste Weltkrieg und die Pariser Kommune stehen im Mittelpunkt des Werkes von Jacques Tardi, Marjane Satrapi thematisiert in Persepolis ihre Kindheit im Iran während der islamischen Revolution.
Zielgruppe
Iran]]
Eines der größten Missverständnisse bezüglich des Comics ist das Klischee, er werde für kindliche und jugendliche Männer gemacht. Dieses resultiert schon aus der Frühzeit der | | |