Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Anarchismus

Anarchismus

Der Anarchismus ist eine Weltanschauung, die annimmt, dass die Herrschaft von Menschen über Menschen (Chefs, Führer, Autoritäten, staatliche Herrschaft, jede Form von Hierarchie) nicht gerechtfertigt, unnötig, repressiv und gewaltsam ist, eine Unterdrückung darstellt, und somit aufgehoben werden muss. Im Mittelpunkt stehen Freiheit, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und Selbstverwaltung der Individuen, die Ausübung von Zwang wird zurückgewiesen. Der Begriff der Anarchie (griechisch αναρχία - Führerlosigkeit) bezeichnet die Idee einer herrschaftsfreien und gewaltlosen Gesellschaft, in der Menschen ohne politischen Zwang (Macht) und Herrschaft gleichberechtigt und ohne Standesunterschiede miteinander leben und sich so frei entfalten können. Ein Mensch, der nach diesen Idealen lebt oder einer, der eine herrschaftsfreie Gesellschaft anstrebt, wird als Anarchist bezeichnet. Die daraus resultierenden politischen Denkansätze, die die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Staates und des staatlichen Gewaltmonopols bestreiten, bezeichnet man als Anarchistische Theorien. Bisweilen wird das Adjektiv libertär synonym für "anarchistisch" verwendet. Diese Terminologie ist jedoch unpräzise.

Definitionsgeschichte

Ursprünglich bedeutet 'anarchia' einfach die Negation von militärischer Ordnung durch Führertum. Homer und Herodot (490 bis etwa 420/425 v. u. Z.) verwendeten den Begriff zur Beschreibung eines Zustandes "ohne Anführer" oder "ohne Heerführer", und Euripides (480 bis 407 v. u. Z.) bezeichnet mit 'anarchia' "führerlose Seeleute". Aristoteles (384 bis 322 v. u. Z.) definierte die Anarchie als einen "Zustand der Sklaven ohne Herren". Die Bedeutung von "politischer Herrschaftslosigkeit" erlangte der Anarchiebegriff offensichtlich erstmals bei Xenophon (um 580 bis 480 v. u. Z.), für den die anarchia das Jahr war, in dem es keinen archon (Herrscher) gab. Bei den Stoikern, Hedonisten und Kynikern finden sich Ideen, die ein 'herrschaftsfreies Gemeinwesen' befürworten, auch wenn sie selber noch nicht von Anarchie reden. Besonders radikal wurden diese libertären Anschauungen von Zenon von Kition (336 bis 364 v. u. Z.), dem Begründer der Stoischen Schule, vertreten. Gegenüber den autoritären theokratischen Ideen Platons nahm Zenon vom Individuum ausgehend eine – aus heutiger Sicht – durchaus als libertär zu verstehende Gegenposition ein. Auch Aristippos (um 435 bis 366 v. u. Z.), der Sokrates-Schüler und Begründer des Hedonismus, scheint ein herrschaftsfreies Gemeinwesen befürwortet zu haben. Er dachte dabei, wohl ebenso wie Zenon, eher an eine "Anarchie" der Weisen. 1796 bezeichnete der Kulturphilosoph und Schriftsteller der Romantik, Friedrich von Schlegel (1772 bis 1829), in seinem "Versuch über den Republikanismus" die Anarchie als "absolute Freiheit", d. h. als ein im Gegensatz zur Despotie verstandenes Ideal, das "durch Annäherung erreicht werden kann". Drei Jahre zuvor hatte Johann Gottlieb Fichte (1762 bis 1814) in seinem "Beitrag zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution", ohne den Ausdruck Anarchie explizit zu gebrauchen, die libertäre These vertreten, dass der Staat die Aufgabe habe, sich selbst überflüssig zu machen, und ausdrücklich betont, dass die Menschheit sich diesem Ziel der Staatenlosigkeit immer mehr nähert. 1808 charakterisiert Johann Wolfgang von Goethe die Anarchie als notwendiges Ferment des kulturellen und wissenschaftlichen Fortschritts: "Ob wir gleich, was Wissenschaft und Kunst betrifft, in der seltsamen Anarchie leben, die uns von jedem erwünschten Zweck immer mehr zu entfernen scheint, so ist es doch eben diese Anarchie, die uns nach und nach aus der Weite ins Enge, aus der Zerstreuung zur Vereinigung treiben muß." Und 1821 dichtet er in den "Zahmen Xenien": "Warum mir aber in neuester Welt / Anarchie gar so gut gefällt ? – / Ein jeder lebt nach seinem Sinn, / Das ist nun also auch mein Gewinn. / Ich lass einem jeden sein Bestreben, / Um auch nach meinem Sinne zu leben." Ludwig Börne (1786 bis 1837), neben Heinrich Heine einer der geistigen Gründerväter der literarischen Erneuerungsbewegung des "Jungen Deutschland", war vermutlich der erste, der sich in Deutschland auch in einem politischen Sinn offen für die Anarchie aussprach. In seiner Kritik eines 1825 in Paris veröffentlichten Buches, den "nouvelles lettres provinciales", befürwortet er sie folgendermaßen: :"Nicht darauf kommt es an, daß die Macht in dieser oder jener Hand sich befinde: die Macht selbst muß vermindert werden, in welcher Hand sie sich auch befinde. Aber noch kein Herrscher hat die Macht, die er besaß, und wenn er sie auch noch so edel gebrauchte, freiwillig schwächen lassen. Die Herrschaft kann nur beschränkt werden, wenn sie herrenlos – Freiheit geht nur aus Anarchie hervor. Von dieser Notwendigkeit der Revolution dürfen wir das Gesicht nicht abwenden, weil sie so traurig ist. Wir müssen als Männer der Gefahr fest ins Auge blicken und dürfen nicht zittern vor dem Messer des Wundarztes. Freiheit geht nur aus Anarchie hervor – das ist unsere Meinung, so haben wir die Lehren der Geschichte verstanden." Liberale Vorstellungen lassen sich auch bei Wilhelm von Humboldt (1767 bis 1835) finden, wie zum Beispiel in seiner Schrift "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen", welches er nach eigenem Zeugnis mit der Intention verfasste, "der Sucht zu regieren entgegenzuarbeiten". In der Schrift "Die Philosophie der Tat", die 1843 als Artikelserie in der von Georg Herwegh herausgegebenen Zeitschrift Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz erschien, definierte Moses Hess (1812 bis 1875) Atheismus und Kommunismus als analoge Erscheinungsformen der Anarchie: :"Die Anarchie, auf welche sich die beiden Erscheinungsformen, Atheismus und Kommunismus zurückführen lassen, die Negation aller Herrschaft, im geistigen wie im sozialen Leben, erscheint zunächst als schlechthinige Vernichtung aller Bestimmung, mithin aller Wirklichkeit. Aber es ist in der Tat nur das äußerliche Bestimmtwerden, die Herrschaft des einen über den anderen, was die Anarchie aufhebt. Die Selbstbestimmung wird hier so wenig negiert, daß vielmehr deren Negation (die durch 'das Bestimmtwerden von außen' gesetzt (wird)) wieder aufgehoben wird. Die durch den Geist geschaffene Anarchie ist nur eine Negation der Beschränktheit, nicht der Freiheit. Nicht Schranken, welche der Geist sich selbst setzt, bilden den Inhalt seiner freien Tätigkeit – also dieses Sichsetzen, Sichbestimmen oder Sichbeschränken ist es nicht, was vom freien Geist negiert werden kann, sondern das Beschränktwerden von außen." Unüberhörbar ist auch das individualanarchistische Credo in den von Moses Hess zu dieser Zeit veröffentlichten Schriften. Noch vor Max Stirner propagierte er die Autonomie des Individuums: :"Der Wert der Anarchie besteht darin, daß das Individuum wieder auf sich selbst angewiesen wird, von sich ausgehen muß ... Wenn ich an eine Macht außer oder über meinem Ich glaube, so bin ich von Außen beschränkt ... Ebenso kann ich im sozialen Leben mich selber bestimmen, in dieser oder jener bestimmten Weise tätig sein, ohne eine äußere Schranke meiner Tätigkeit anzuerkennen – ohne einem Anderen das Recht einzuräumen, mich zu beschränken." Umgangssprachlich und von seinen politischen Gegnern wird der Begriff Anarchie jedoch oft mit Unordnung, Zerstörung und Chaos gleichgesetzt. Als politisch diffamierendes Schlagwort gegen andere ist der vom Begriff Anarchie abgeleitete Ausdruck Anarchist erst seit der französischen Revolution bekannt. Allem Anschein nach war es der Girondist Jacques Pierre Brissot, der den Begriff 'Anarchist' in einer Wahlrede vom 23. Mai 1793 als erster zur Diskreditierung des politischen Gegners benutzte. In den 1970er Jahren wurden die deutsche Rote Armee Fraktion (RAF) und andere als terroristisch geltende Gruppierungen wegen ihrer extremen Militanz, mit der sie bis zur tödlichen Konsequenz für andere und sich selbst gegen Symbolfiguren der herrschenden Staatsgewalt aus Politik, Wirtschaft und Justiz vorging, fälschlich als anarchistisch bezeichnet und angesehen; dabei waren sie nachweislich revolutionär-sozialistisch und nicht anarchistisch ausgerichtet. Vor allem die Berichterstattung über die RAF in den meisten öffentlichen Medien führte zu einer "negativen Besetzung" der Begriffe Anarchie und Anarchismus in der Bundesrepublik Deutschland.

Anarchie als Ideal

Eine Denkrichtung sieht die Anarchie lediglich als eine Idealvorstellung, der man sich nur annähern kann. Aus der Betrachtung, dass Anarchie das Ideal sein würde, wäre ein aufkommender Staat nichts anderes als eine kriminelle Organisation, die anarchistische Menschen unterjocht und deren Eigentum entwendet. Insofern unterscheidet sich ein Staat nicht von einer Mafia oder anderen Kriminellen, welche es auch in einer Anarchie geben würde. Der Unterschied ist nur, was man dabei unter einem "Staat" versteht. Die übliche Vorstellung von Staat ist, dass es sich um eine legitime Einrichtung handle. Dies ist aber aus der Sicht von Anarchisten eben nicht der Fall. Die historische Definition von Franz Oppenheimer in "Der Staat" ist dazu: "die Organisation legitimierter Plünderei". Wenn man also einen Staat gedanklich gar nicht anerkennt - und das tun Anarchisten ja auch nicht, dann lebten wir bereits in "Anarchie" - nur, dass sich diese Vorstellung wiederum aus der reinen Definition von Herrschaftlosigkeit verbieten würde.

Anarchie als Lebenshaltung

Zunächst war die anarchistische Idee ein Gedankenmodell für das gesellschaftliche Leben ohne politische Ausrichtung. Aufgrund der - seit Jahrtausenden in vielen Kulturen bestehenden - auf Autorität beruhenden Organisation des Zusammenlebens war jedoch ein revolutionäres, politisches Element im Anarchismus schon immer latent vertreten. Der Anarchismus ist dennoch eher als philosophische denn als politische Strömung zu sehen, und viele Anarchisten lehnen auch heute noch eine Beteiligung am politischen System oder anderen konkreten Aktionen kategorisch ab. Sie sind der Meinung, der Zustand der Herrschaftslosigkeit könne den Menschen nicht aufgezwungen werden, da dies ein klassisches Paradoxon sei. Vielmehr müsse sich die Gesellschaft von innen heraus einem Zustand der Anarchie immer weiter nähern. Das ist auch der Grund, warum Anarchisten im Laufe der Geschichte immer wieder an Revolutionen beteiligt waren: sie wollten die Gesellschaft verbessern, um so ihrem Ziel näher zu kommen. Es war jedoch nicht ihre Absicht, den Zustand der Anarchie zu erzwingen. Praktisch war der bewaffnete revolutionäre Kampf oftmals Mittel der Selbsterhaltung. Siehe auch: Anarchopazifismus

Aktionsformen

Der Anarchismus hat stets versucht direkt politisch zu handeln. Aus diesem Ansatz leiten sich verschiedene Aktionsformen ab, wie z.B. der in der Regel gewaltlose, auch von bürgerlichen Protestbewegungen angewandte zivile Ungehorsam oder die auch militante Aktionen beinhaltende Direkte Aktion.

Historische Richtungen des 20. Jahrhunderts

Im zwanzigsten Jahrhundert bildeten sich aber auch politische Strömungen heraus, deren Selbstverständnis es ist, Anarchisten zu sein, obwohl man sie mit dem klassischen Anarchismus nur noch schwer in Verbindung bringen kann. Hier gibt es nun im Wesentlichen zwei Richtungen: Der so genannte Anarchokapitalismus spricht sich bewusst gegen den Staat aus, da die Teilnahme am Staat erzwungen ist. Der "Links"-Anarchismus hatte dagegen nicht nur den Zwang des Staates im Auge, sondern auch strukturelle Ziele, die für sich genommen gegebenenfalls auch herrschaftliche Instrumente verlangten, um sie überhaupt durchsetzen zu können. Der "linke", kommunistische Anarchismus strebt dagegen eine Gesellschaft an, dessen politische Entscheidungen von der Basis ausgehen. Dazu wird Selbstorganisation von den Vertretern dieses Anarchismus als Mittel angesehen. Das Leben solle auf kleinstmöglicher politischer Ebene geregelt werden. Als wichtigste politische Einheit gelten demnach Stadtteilorganisationen, in denen lokale Angelegenheiten gemeinsam zu entscheiden sind. Demnach solle der Mensch die ihn betreffenden Entscheidungen selbst gemeinsam mit anderen fällen dürfen, weshalb sich diese Anarchisten auch immer gegen den Staat wenden, da er gewaltgesetzt ist und in der bürgerlichen Demokratie die Politik immer nur von einer kleinen Machtgruppe (Politiker/Konzern/Parteien), d. h. oligarchisch entschieden werde. Zu einer gerechten Gesellschaft gehöre eine gerechte Wirtschaft, weshalb Anarchisten autoritäre Wirtschaftsordnungen, wie die von einigen Marxisten gefordert, ablehnen, und eine selbstorganisierte Wirtschaft anstreben. Wenn jedoch ein selbstorganisierter reicher Bereich des Gemeinwesens mit einem selbstorganisierten armen Bereich die Lasten angemessen zu teilen nicht bereit ist, ist dies nach linkem Verständnis aber erst recht ungerecht. Dies ist das Problem, wenn Teile des gesellschaftlichen Besitzes einer Minderheit gehören.

Richtungen

Grundformen


- Mutualismus – soziale Symbiose in einem herrschaftsfreien System (siehe auch: Proudhon und Proudhonismus)
- Kollektivistischer Anarchismus – begründet von Michail Bakunin, demzufolge die revolutionäre Arbeiterklasse den entscheidenden Faktor als Triebkraft für die anarchistische Revolution ausmacht.
- Anarchokommunismus, ursprünglich eigentlich die Theorie des Anarchistischen Kommunismus - begründet von Kropotkin
- Individualistischer Anarchismus - in wesentlichen Teilen im Widerspruch zu den vorgenannten (Diskussion Individualismus/„Egoismus“ versus Kollektivismus/„Altruismus“) – Das Individuum und seine Interessen als einzig ausschlaggebender Faktor der Gesellschaft. vor allem: Benjamin Tucker. Individualistische Anarchisten sehen sich häufig in der Tradition Max Stirners.

Anarchistische Richtungen mit Grundlagen im 19. Jahrhundert (einschließlich der Mischformen)


- Anarchistischer Föderalismus - begründet von Pierre Joseph Proudhon, baut er auf die Vernetzung kommunaler Strukturen
- AnarchosyndikalismusGewerkschaften als Basis (vgl. unter anderem auch Confederación Nacional del Trabajo (CNT), die mit fast 2 Millionen Mitgliedern bislang größte anarchosyndkalistische Gewerkschaft im Spanien der 1930er Jahre)
- Primitivismus - Rückkehr zu überwundenen Formen des Wirtschaftens (vorindustriell)
- Anarchopazifismus - Gewaltfreie Umsetzung

Andere, neuere oder in der Definition teilweise umstrittene Formen des Anarchismus


- Libertarismus - Freiheit des Individuums steht im Vordergrund (Mischform zwischen individualistischem Anarchismus und kapitalistischem Liberalismus)
- Anarchokapitalismus - Kapitalistisch orientierter Anarchismus - Eigentum als zentrale Idee, der Staat wird abgelehnt.
- Anarchafeminismus - Angesichts einer Vorherrschaft der Männer, die zu bekämpfen sei, wird der Anarchismus als Möglichkeit der Emanzipation gesehen
- Postanarchismus
- Situationismus - die französische Variante von 1968 (Studentenbewegung, Mai-Unruhen), Forderungen u.a. Abschaffung der Ware, der Arbeit, der Hierarchien, Aufhebung der Trennung zwischen Kunst und Leben
- Pogo-Anarchismus, siehe APPD (Dieser ist meistens nicht ernsthaft gemeint)

Geschichte

16. Jahrhundert

Zu den Vorläufern des Anarchismus wird Étienne de La Boétie gezählt, der im Alter von 18 Jahren das grundlegende Werk "Von der freiwilligen Knechtschaft" schrieb. La Boétie nahm damit ein Thema vorweg, das im 20. Jahrhundert Antonio Gramsci und Wilhelm Reich wieder aufgriffen. Die Diktaturen stützen sich keineswegs nur auf Repression, häufig können sie sich der Zustimmung der Massen ziemlich sicher sein. Warum?

18. Jahrhundert

Bereits 1793 formuliert William Godwin in seinem Werk Enquiry concerning political justice, dass jedwede obrigkeitliche Gewalt als ein Eingriff in die private Urteilskraft anzusehen ist. Seine Ideen wurden jedoch lange Zeit nicht aufgenommen. Erst Pierre Joseph Proudhon stellt die wesentlichen Elemente des Anarchismus in seinem Werk Qu'est-ce que la propriété? ou recherches sur le principe du droit et du gouvernement (1840) (Was ist Eigentum? oder Forschungsarbeiten zum Grundsatz des Rechts und der Regierung) zusammen und formuliert: "Eigentum ist Diebstahl."

19. Jahrhundert

Terrorismus - Die "Schwarze Internationale"

Später, im 19. Jahrhundert, waren es Revolutionäre wie Michail Bakunin, die eine Notwendigkeit von politisch motivierter Gewalt zur Verteidigung der Arbeiterklasse gegen Unterdrückung durch die herrschende Klasse darlegten. Klasse Bakunin war schon während der Märzrevolution von 1848/1849 auch an führender Stelle bei regionalen Aufständen beteiligt, beispielsweise im Mai 1849 im Königreich Sachsen am Dresdner Maiaufstand, der die Anerkennung der vom König und weiteren führenden Fürsten des Deutschen Bundes abgelehnten Paulskirchenverfassung und die Durchsetzung einer demokratischen Republik in Sachsen (vgl. Reichsverfassungskampagne) zum Ziel hatte, aber von sächsischem und preußischen Militär niedergeschlagen wurde. Einige der frühen Anarchisten unterstützten politische Gewalt durch Bombenattentate oder die Ermordung von Staatsoberhäuptern wie Zar Alexander II. von Russland (1881). Diese Aktionen, von Peter Kropotkin anlässlich eines internationalen revolutionären Kongresses 1881 in London als Propaganda der Tat bezeichnet, wurden aber von anderen als kontraproduktiv oder ineffektiv angesehen. Schon einige Jahre zuvor hatten symbolträchtige Anschläge auf Kaiser Wilhelm I. und die Könige von Spanien und Italien stattgefunden. Am 24. Juni 1894 aber tötete der junge italienische Einwanderer Sante Jeronimo Caserio, der dem anarchistischen Umfeld zuzurechnen war, den französischen Präsidenten Sadi Carnot. Dies war der Höhepunkt einer ganzen Serie von anarchistisch motivierten terroristischen Anschlägen in Frankreich. Weiterhin zu erwähnen ist der Anarchist Leon Czolgosz, der am 6.September 1901 in Buffalo (New York) auf den Präsidenten William McKinley schoss. McKinley starb acht Tage später. Die Attentate führten dazu, dass die gesamte internationale Gemeinschaft sich bedroht fühlte. Es war nicht allein Frankreich von solchen Attentaten betroffen. Die 1890er-Jahre wurden als ein "Jahrzehnt der Bomben" bezeichnet. Anschläge mit Dynamit - einer ganz neuen Erfindung - in rascher Folge richteten sich gegen Monarchen, Präsidenten und Minister. Andere trafen offizielle Gebäude. Die Häufung der mehr oder weniger zeitgleichen Attentate in verschiedenen Ländern erweckte den Eindruck, es gebe eine Art "Schwarze Internationale" und führte zu einer Zusammenarbeit der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Anarchismus. Das Konzept der Schwarzen Internationale wurde zu einem Kampfbegriff und führte aufgrund der terroristischen Anschläge von Anarchisten zu einer Reduktion des Anarchismus auf Terroranschläge.

Anarchistischer Kommunismus

Terror Peter Kropotkin entwickelte in seinem Buch Gegenseitige Hilfe (1897) einen anarchistischen Kommunismus, dessen wissenschaftlicher Aspekt auf der Evolutionstheorie basiert, sich jedoch gerade gegen Sozialdarwinismus ausspricht. Die Zusammenarbeit verschiedener Individuen ist ein sehr starker Faktor gegenüber dem Konkurrenzkampf. Zusammenschlüsse von Individuen gibt es auf verschiedensten Entwicklungsstufen des Lebens.

20. Jahrhundert

Im frühen 20. Jahrhundert wurden in Europa die Anarchisten-Gruppen in Russland auch von den Kommunisten (vgl. auch Kommunistische Partei) verdrängt bzw. gewaltsam niedergeschlagen (Säuberungsaktionen gegen Anarchisten gegen Ende der russischen Revolution - Niederschlagung des anarchistischen Arbeiter- und Soldatenaufstandes in Kronstad. Schon in den 1870er Jahren hatte der Konflikt um die revolutionäre Führungsrolle einer Partei zwischen Karl Marx und Michail Bakunin bis 1876 zur Auflösung der Ersten Internationale (genauer der Internationalen Arbeiterassoziation, IAA) geführt.

Arbeiterbewegung

Anarchisten spielten in vielen Arbeiterbewegungen, Aufständen und Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts eine Rolle. Dazu gehören etwa die Mexikanische Revolution von 1910 bis 1919 mit der Bauernarmee unter Führung von Emiliano Zapata, die Oktoberrevolution 1917 in Russland und die nach ihrem führenden Partisanen Nestor Machno benannte Bewegung der Machnowzi (Machnotschina = Machnobewegung) zwischen 1917 und 1921 in der Ukraine; auch in der kurzlebigen Münchner Räterepublik von 1919 waren zeitweise Anarchisten wie Gustav Landauer und der Dichter Erich Mühsam an der Räteregierung beteiligt; ebenso im Spanischen Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Gruppen der Republikaner und der faschistischen Bewegung unter General Franco zwischen 1936 und 1939. In diesem Bürgerkrieg kontrollierten Anarchistengruppen, insbesondere die große und einflussreiche anarchosyndikalistische Gewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo CNT mit ihrem militanten Arm, der anarchistischen Federación Anarquista Ibérica (FAI) große Teile des östlichen Spaniens. Auch heute noch ist die 1922 gegründete anarchosyndikalistische Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA) in vielen Ländern Amerikas und Europas in Arbeitskämpfen aktiv.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich hauptsächlich in den USA die neue politische Theorie des rechts-Libertarismus. Diese Ideologie ist gegen den stetig wachsenden Einfluss des Staates auf die Wirtschaft, und ist dem klassischem Liberalismus des 18. und frühen 19. Jahrhundert näher als den bisherigen linken anarchistischen Traditionen. Dieser Libertarismus wird aber von den meisten Anarchisten anderer Richtungen als reinste Form des Kapitalismus abgelehnt.

Studentenbewegung

Mit der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre stieg das öffentliche Interesse am Anarchismus. Innerhalb der Studentenbewegung gab es eine anarchistische Strömung. Auch im SDS, der sich zum Sammelbecken der gesamten Bewegung entwickelte, waren Anarchisten vertreten. Teilweise kam es zu gemeinsamen Protestaktionen auch mit Personen, die sich nicht dem Anarchismus zuordneten. In Großbritannien entstand Ende der 1970er Jahre der Punk als eine anarchistisch geprägte Subkultur. Vor allem die Band Crass sind hier als engagierte Anarchisten und Pazifisten zu nennen. Des Weiteren hatte der Anarchismus für die Neue soziale Bewegungen (NSB) eine theoretische und praktische Bedeutung. Innerhalb der Autonomen als linksradikalem Flügel der NSB gab und gibt es eine große libertäre Strömung. Ende der 1990er Jahre nehmen Anarchisten eine postmoderne und poststrukturalistische Theorie auf. Dieser theoretische Ansatz wird unter dem Begriff Postanarchismus zusammengefasst.

Anarchismus heute

Anarchistische Gruppen existieren weiterhin weltweit. In den anglo-amerikanischen Ländern hat der Anarchismus in den letzten Jahren durch den dort auch anarchistisch geprägten Protest gegen die Globalisierung (EZLN) bei einigen Bevölkerungsschichten wieder ein wenig Ansehen erlangt. In Deutschland existieren weiterhin klassische Anarchisten, einige Bedeutung haben die anarchosyndikalistische FAU/IAA und die anarcho-pazifistische Graswurzelrevolution. Autonome, Punks und Hardcoreler gelten als zumindest stark vom Anarchismus beeinflusst. Andererseits sind auch Bewegungen wie die Freie Software-Szene nicht hierarchisch, sondern netzwerkartig strukturiert, und stellen so für manche Betrachter eine Form verwirklichter Anarchie dar. In der Philosophie der Postmoderne werden nicht-hierarchische Formierungen von Gesellschaft, wie sie etwa Gilles Deleuze als Rhizom beschrieb, gegenüber dem alten Baum-Modell häufig favorisiert.

Symbole

Allgemein

Entsprechend der Definition des Anarchismus als "herrschaftsfrei" wird von vielen Anarchisten grundsätzlich die Berechtigung von Symbolen, Flaggen oder auch Hymnen (z.B. von Nationalstaaten u.a.) kritisiert und der "Respekt" in Form von Achtungserweisen vor ihnen verweigert. Aus diesem Grund wird von manchen auch eine entsprechende Symbolik, die stellvertretend für den Anarchismus oder eine Teilbewegung des Anarchismus stehen soll, abgelehnt. Trotz der Kritik an Symbolen aus den eigenen Reihen wurden schon immer auch von Anarchisten und anarchistischen Gruppen Symbole verwendet. Peter Kropotkin, der Begründer der Theorie des Kommunistischen Anarchismus im 19. Jahrhundert, propagierte die rote Flagge als gemeinsames Symbol mit dem Sozialismus und Kommunismus. Darüber hinaus entwickelten sich im 19. und 20. Jahrhundert weitere eigene Symbole. Die bekanntesten sind heute das eingekreiste A, sowie eine einfache schwarze Flagge. Das Schwarz zeigt kein Herrschafts-Symbol an, und wird somit als Negation der Herrschaft angesehen. Die anarchosyndikalistische Bewegung verwendet oft die Farben schwarz und rot zusammen, in der Fahne diagonal schwarz-rot bzw. rot-schwarz in zwei gleich große entsprechend gefärbte Dreiecke geteilt. Diese Symbolik taucht auch in einem ähnlich gestalteten rot-schwarzen fünfzackigen Stern auf.

Anarcho-Zeichen

Das Anarcho-Zeichen, ein "A" in einem Kreis, ist wohl das bekannteste Anarchismus-Symbol. Laut Peter Marshall (Demanding the Impossible S. 558) bezeichnet das eingekreiste "A" Pierre Joseph Proudhons Maxime "Anarchie ist Ordnung." Der Ursprung des eingekreisten "A"s ist aber immer noch unklar. Die erste öffentliche Verwendung dieses Symbols von Anarchisten geht wahrscheinlich auf den Spanischen Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 zurück. Oftmals wird seine Verwendung in der Gegenwart - seit etwa Anfang der 1980er Jahre -, vorrangig mit der Punk-Bewegung in Verbindung gebracht.

NRK

Selten wird auch die Buchstabenkombination NRK als lautmalerische Abkürzung für "Anarchy" verwendet: Werden die drei Buchstaben englisch und schnell ausgesprochen, ergibt sich das englische Wort für Anarchie - Anarchy.

Mischformen


- Anarchosyndikalismus: schwarz-rote Fahne - Anarchie und Syndikalismus
- Öko-Anarchismus: grün-schwarze Fahne
- Anarchokapitalismus: gelb-schwarze Fahne
- Anarchafeminismus: lila-schwarze Fahne - Anarchie und Feminismus

Kritik am Anarchismus

Da der Anarchismus keine Staatsform darstellt, er im Gegenteil staatliche Herrschaft ablehnt, fällt der Entwurf und die Umsetzung von Gegenmodellen zu gängigen Staatsstrukturen schwer. Die meisten Gegenmodelle abseits des Anarchismus hinterfragen kaum oder gar nicht den Staat als solches und können daher viel mehr auf einem bestehenden Verständnis aufbauen. Aufgrund der Kritik staatlicher (Herrschafts-)Strukturen an sich kann es auch kein Beispiel eines "anarchistischen Staates" geben. Für viele Kritiker des Anarchismus stellt sich die Frage, wie Gewaltenteilung, die Gewährleistung der Menschenrechte und der Justiz, der Infrastruktur zur Versorgung der Menschen, der Bildung und anderem im Anarchismus realisiert werden sollten, zumal dann, wenn die Umsetzung des Anarchismus sich auf größere Gesellschaften auswirken soll. Dennoch gab es historisch mehrere Versuche, anarchistische Strukturen, zumindest in Ansätzen, auch in größeren Gesellschaften umzusetzen, beispielsweise bei der Pariser Kommune 1871, in der Ukraine zwischen 1917 und 1922 durch die Machnotschina, zeitweilig in der Münchner Räterepublik 1919 oder während des Spanischen Bürgerkriegs zwischen 1936 und 1939 in Katalonien und dessen Hauptstadt Barcelona durch die CNT. Alle diese Umsetzungsversuche anarchistischer Gesellschaftsorganisation scheiterten in der Regel nicht aus sich selbst heraus, aber teilweise doch relativ schnell durch gewaltsame Niederschlagung von außen. Relativ lange konnten sich das anarchistische Modell der Machnotschina unter den Bedingungen des Russischen Bürgerkriegs sowie der Anarchosyndikalismus in Katalonien unter den Bedingungen des Spanischen Bürgerkriegs halten. Kritiker betrachten diese längerfristigeren Ausnahmen als Nischenmodelle, da die Gegner des Anarchismus zunächst vorrangig andere Feinde hatten, gegen die auch Anarchisten zeitweilig Verbündete waren. In Russland waren diese Feinde die konterrevolutionären "Weißen Armeen", in Spanien waren dies die faschistischen Truppen Francisco Francos. Auch wird den Anarchisten vorgeworfen, dass in den genannten Beispielen die selektive Konzentrierung der "Macht" in bevorzugten, wenn auch bis dahin eher machtlosen Gruppen (Arbeiterräte, Soldatenräte, Gewerkschaften, Partisanenbewegungen) wiederum eine Herstellung einseitiger Herrschaftsstrukturen unter Ausschluss weiterer Bevölkerungsschichten darstellte. Weiterhin wird in diesem Sinne behauptet, dass es noch nie, weder aktuell noch historisch eine Gesellschaft ohne Herrschaftsstrukturen gab bzw. gibt. Grundsätzlich unterscheiden sich aber anarchistische Vorstellungen von beispielsweise marxistischen Vorstellungen auch dadurch, dass sie niemanden ausschliessen wollen (wie bei der Diktatur des Proletariats) und jegliche Machtkonzentration einzelner Gruppen ablehnen (anarchistisches Rätemodell). Räte sollten in allen Bevölkerungsschichten entstehen. Historisch allerdings wandten sie sich gegen diejenigen, die real (nach Ansicht der Anarchisten illegitim) konzentrierte Macht innehatten, und sich durch Anarchisten daher bedroht sahen. Obgleich Ideen des Anarchismus Impulse für das Herausbilden von Demokratien und Formen des Arbeitskampfes gegeben haben, besitzt der Anarchismus in der Gegenwart kaum Unterstützung in der Mehrheit der Bevölkerung. Zudem wird er oftmals fälschlich (siehe: Anarchie) mit einem Zustand des "Chaos" assoziiert. Vorgeworfen wird dem Anarchismus auch ein Teil seiner Geschichte, bei dem viele gewaltsame Anschläge verübt wurden. Heutzutage stehen auch den Anarchisten nahestehende Gruppierungen wie die sogenannten Autonomen seitens der Gesellschaft in der Kritik wegen ihres teilweise gegnerischen Verhältnisses zum bürgerlichen Recht und dem Gewaltmonopol des Staates. Diskussionen um den Anarchismus drehen sich auch häufig um die Frage, ob es eine Natur-gegebene (früher Gott-gegebene) Ordnung der Gesellschaft im Sinne einer Hierarchie gibt, die bereits im Wesen des Menschen angelegt sei. Dieser Konflikt spiegelt sich auch in der Wissenschaft, die sich darüber nicht einig ist (vgl. auch Biologismus), aber darauf verweist, dass die Mehrzahl der bisherigen Gesellschaftsmodelle hierarchisch aufgebaut waren.

Bedeutende Anarchistinnen und Anarchisten


- Günther Anders, D
- Alexander Berkman
- Michail Bakunin, Ru
- Jörg Bergstedt
- Hakim Bey
- Janet Biehl
- Étienne de la Boétie
- Murray Bookchin
- Fritz Brupbacher, CH
- Noam Chomsky, USA
- H.J. Degen
- Buenaventura Durruti, Sp
- Francisco Ferrer, Sp
- Charles Fourier
- David D. Friedman
- Ernst Friedrich
- Emma Goldman
- William Godwin
- Otto Gross
- Daniel Guerin
- James Guillaume, CH
- Max Hoelz, D
- Kurt Hafner
- Wolfgang Haug
- Moses Heß, D
- Ulrich Klan
- Karl Koch, D
- Peter Kropotkin, Ru
- Gustav Landauer, D
- Luigi Lucheni
- Nestor Machno UA
- John Henry Mackay
- Errico Malatesta
- Dora Marsden
- Todd May
- Louise Michel
- Johann Most
- Erich Mühsam, D
- Dieter Nelles
- Max Nettlau
- Abel Paz
- Pierre Joseph Proudhon, F
- Salvador Puig Antich
- Pierre Ramus, A
- Ravachol, (eigentl. Francois Claudius Koeningstein)
- Rio Reiser, D
- Fermin Rocker
- Rudolf Rocker
- Murray Rothbard
- Bertrand Russell
- Sacco und Vanzetti, (Nicola Sacco, Bartolomeo Vanzetti), IT
- Abad de Santillán
- Augustin Souchy
- Max Stirner, D
- Clara Thalmann, CH
- Paul Thalmann, CH
- Henry David Thoreau, USA
- B. Traven
- Benjamin Tucker
- Raoul Vaneigem
- Simone Weil, F
- Clara Wichmann
- Milly Witkopf-Rocker
- John Zerzan (
- 1943), USA
- Howard Zinn

Literatur

Einführungen


- Autorenkollektiv: Was ist eigentlich Anarchie, ISBN 387956700X
- Jan Cattepoel: Der Anarchismus. Gestalten, Geschichte, Probleme, 3. überarbeitete Aufl., München: Beck, 1979
- Hans Jürgen Degen (Hg.): Tu was Du willst. Anarchismus - Grundlagentexte zur Theorie und Praxis, 272 S., Berlin: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1987 ISBN 3-89041-005-7 (Sehr nützliche Sammlung von Texten anarchistischer Klassiker)
- Nicolas Walter: Betrifft: Anarchismus. Leitfaden in die Herrschaftslosigkeit, Berlin: Libertad Verlag, 1984 ISBN 3-922226-03-5. (Mit einer umfassenden Bibliographie anarchistischer Literatur)
- Erwin Oberländer (Hg. und Einleitung): Der Anarchismus, Band 4 (der 6 bändigen Reihe) 'Dokumente der Weltrevolution' (Hg. Frits Kool), Olten und Freiburg i. Br.: Walter Verlag, 1972 (Textantholgie)
- Achim v. Borries, Ingeborg Brandies: Anarchismus. Theorie, Kritik, Utopie, Frankfurt a. M.: Melzer Verlag, 1970 (Textsammlung)
- Horst Stowasser: FREIHEIT PUR. Die Idee der Anarchie, Geschichte und Zukunft. (3 Teile: Die Idee/Die Vergangenheit/Die Zukunft; mit sehr umfangreichen bibliographischen Angaben nach jedem der 41.Kapitel! 400 Seiten.), Frankfurt a. M.: Eichborn Verlag, 1995 ISBN 3-8218-0448-3
- Horst Stowasser: Leben ohne Chef und Staat. Träume und Wirklichkeit der Anarchisten, Berlin: Karin Kramer Verlag, 2003 ISBN 3-87956-120-6 (Aufgeteilt in 8. Kapiteln unterteilt in: 'Story/Geschichte/Moral' mit vielen Fotos aus der bewegten Geschichte des Anarchismus)
- Rolf Cantzen: Weniger Staat - Mehr Gesellschaft. Freiheit-Ökologie-Anarchismus. Grafenau: Trotzdem Verlag, 1995 ISBN 3-922209-81-5 (Eine kritische Aneignung des Anarchismus)
- Alexander Berkman: A,B,C des Anarchismus (Original von 1929) Grafenau: Trotzdem Verlag, 1997 ISBN 3-931786-00-5
- George Woodcock: Anarchism

Klassiker


- Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie, ISBN 3879562334
- Alexander Berkman: ABC des Anarchismus, ISBN 3882200855
- Peter Kropotkin: Die Eroberung des Brotes, ISBN 3922209084
- Peter Kropotkin: Der Anarchismus. Ursprung, Ideal und Philosophie, Grafenau (jetzt Frankfurt a. M.): Trotzdem Verlag, 1994 ISBN 3-922209-42-4
- Gustav Landauer: "Aufruf zum Sozialismus" (1911) Oppo Verlag, Berlin 1998 ISBN 3.926880-11-2
- Erich Mühsam: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat (Was ist kommunistischer Anarchismus?) (1932). Vorwort Hansjörg Viesel (mit 7 Fotos) Berlin: Karin Kramer Verlag, 2005 ISBN 3-87956-276-8
- Max Nettlau: Geschichte der Anarchie; Bibliothek Thélème, ISBN 3930819007
- Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, ISBN 3150030579
- Pierre-Joseph Proudhon: System der ökonomischen Widersprüche oder Philosophie des Elends, ISBN 3879562814

Moderne Ansätze


- Murray Bookchin: Die Neugestaltung der Gesellschaft, Grafenau: Trotzdem Verlag, 1992 ISBN 3-922209-35-1
- Ralf Burnicki: Anarchie als Direktdemokratie. - Selbstverwaltung, Antistaatlichkeit. Eine Einführung in den Gegenstand der Anarchie, Moers: Syndikat A, Medienvertrieb, 1998 ISBN 3-00-002097-7
- Michael Wilk: Macht, Herrschaft, Emanzipation. Aspekte anarchistischer Staatskritik, Grafenau: Trotzdem Verlag, 1999 ISBN 3-931786-16-1
- Wolfgang Haug/Michael Wilk: Der Malstrom. Aspekte anarchistischer Staatskritik, Grafenau: Trotzdem Verlag, 1995 ISBN 3-922209-82-3
- Hans Jürgen Degen (Hg.): Anarchismus heute. Positionen, Bösdorf 1991 ISBN 3-89041-006-5.
- Markus Henning, Rolf Raasch: Neoanarchismus in Deutschland. Entstehung, Verlauf, Konfliktlinien, Berlin: Oppo Verlag, 2005 ISBN 3-926880-13-9
- Ralf Burnicki: Anarchismus und Konsens, Verlag Edition AV, 2002
- Rolf Cantzen: Weniger Staat mehr Gesellschaft
- Bernd Drücke: Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland, Ulm: Verlag Klemm & Oelschläger, 1998 ISBN 3-932577-05-1
- Bernd Drücke, Luz Kerkeling, Martin Baxmeyer (Hg.): Abel Paz und die Spanische Revolution. Interviews und Vorträge, Frankfurt/M.: Verlag Edition AV, 2004 ISBN 3-936049-33-5
- Graswurzelrevolution (Hg.): Gewaltfreier Anarchismus. Herausforderungen und Perspektiven zur Jahrhundertwende, Verlag Graswurzelrevolution, 1999
- Silke Lohschelder: Anarchafeminismus. Auf den Spuren einer Utopie, Unrast Verlag, 2000
- Horst Stowasser: Leben ohne Chef und Staat ISBN 3-87956-120-6

Sonstiges


- Junge Linke: [http://www.junge-linke.de/kritik_der_linken/kritik_am_anarchismus.html Kritik am Anarchismus]
- Claudio Pozzoli (Hg.)::'Arbeiterbewegung. Theorie und Geschichte' Jahrbuch 1. Fischer TB Verlag, Frankfurt 1973. (darin eine ausführliche 'Bibliographie zum Anarchismus' von H.M.Bock Seite 294-334).
- Hans Manfred Bock: "Geschichte des 'linken Radikalismus' in Deutschland. Ein Versuch". (darin eine Bibliographie des linken Radikalismus (u.Anarchismus) seit 1966. Seite 354 ff.)Frankfurt 1976.
- Petra Weber: "Sozialismus als Kulturbewegung. Frühsozialistische Arbeiterbewegung und das Entstehen zweier feindlicher Brüder Marxismus und Anarchismus" Droste Verlag, Düsseldorf 1989.
- Tobi Blubb: [http://www.panokratie.de/ Panokratie]
- April Carter: Die politische Theorie des Anarchismus
- Hans Diefenbacher: Anarchismus, ISBN 3896780131
- Paul Eltzbacher: Der Anarchismus. Eine ideengeschichtliche Darstellung seiner klassischen Strömungen, [http://www.libertadverlag.de/libertad_501.htm Lieferbar]
- Monika Grosche: Anarchismus und Revolution, Sydnikat A, 2004
- Hans-Hermann Hoppe: Demokratie. Der Gott, der keiner ist, ISBN 3933497868
- Jens Kastner: Politik und Postmoderne, Unrast-Verlag, 2000
- Lou Marin; Ursprung der Revolte. Albert Camus und der Anarchismus, Verlag Graswurzelrevolution 1998
- Jürgen Mümken: Freiheit, Individualität und Subjektivität. Staat und Subjekt in der Postmoderne aus anarchistischer Perspektive; Verlag Edition AV, 2003 [www.graswurzel.net/282/post.shtml]
- Jürgen Mümken: Anarchosyndikalismus an der Fulda. Die Geschichte der FAUD in Kassel und im Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus, Verlag Edition AV, 2004
- Bernd-Udo Rinas: (Art)gerecht ist nur die Freiheit, Focus-Verlag 2000
- R. Rasch / H.J. Degen; Die Richtige Idee für eine falsche Welt ?; Oppo Verlag 2002
- Joachim Willems: Religiöser Gehalt des Anarchismus und anarchistischer Gehalt der Religion? Die jüdisch-christlich-atheistische Mystik Gustav Landauers zwischen Meister Eckhart und Martin Buber. Albeck bei Ulm 2001.

Organisationen


- FAU/IAA
- LÖPA Berlin
- Internationale der Anarchistischen Föderationen (IFA)
- Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA)

Zeitungen


- Direkte Aktion
- Graswurzelrevolution
- [http://schwarzerfaden.de/ Schwarzer Faden]
- [http://www.projektwerkstatt.de/hefte/index.html Fragend Voran ...]

Weblinks


- Was ist eigentlich Anarchismus? Einführung in die Grundgedanken des Anarchismus. (von Adi Rasworschegg. Wien, 1994; als kostenlose Broschüre). Hier Online:. http://www.anarchismus.at/txt2/anarchie2.htm
- [http://deu.anarchopedia.org/ deu.anarchopedia.org - deutschsprachiges Wiki zum Thema Anarchismus]
- [http://www.free.de/dada/index.htm Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus Berlin / Köln]
- [http://www.projektwerkstatt.de/herrschaft/ Eingangsseite] zu Anarchismus und Herrschaftskritik
- [http://www.sutters-welt.de/ Textsammlung - Mit weit über 150 Texten und Büchern]
- [http://www.anarchismus.net/FAQ/faq.html www.anarchismus.net/ - FAQ-Seite zum Anarchismus]
- [http://www.infoshop.org/ Infoshop.org - "one of the oldest and most respected political websites"]
- [http://www.anarchismus.at/ www.anarchismus.at]
- [http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/anarfaq.htm Prof. Bryan Caplan - "Anarchist Theory FAQ..."] (englisch)
- [http://anarchosyndikalismus.org/ anarchosyndikalismus.org]
- [http://www.postanarchismus.net/ postanarchismus.net informiert mit zum Thema Postanarchismus]
- [http://www.anarchismus.de/ anarchismus.de - Beiträge zu libertären und anarchistische Informationen]
- [http://www.infoshop.org/faq/index.html An Anarchist FAQ] (englisch)
- [http://de.indymedia.org/2004/11/99047.shtml Erklärung anarchistischer Symbolik]
- [http://www.infoshop.org/faq/append2.html Erklärung anarchistischer Symbolik] (englisch)
- [http://www.junge-linke.de/kritik_der_linken/kritik_am_anarchismus.html Kritik der Jungen Linken am Anarchismus]
- [http://www.eigenreich.de.vu/ Eigenreich] Diskussion zum Thema Individualanarchismus
- [http://www.mises.org/journals/jls/3_2/3_2_3.pdf Alfred G. Cuzan:Do we ever really get out of anarchy?]
- [http://home.arcor.de/danneskjoeld/F/E/T/OhneStaat.html "Warum es besser ist ohne Staat zu sein"] Drei wichtige Positionen ! Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Gesellschaftskritik Kategorie:Staatsphilosophie ja:アナキズム ko:아나키즘 simple:Anarchism th:ลัทธิอนาธิปไตย zh-min-nan:Hui-thóng-tī-chú-gī

Weltanschauung

Eine Weltanschauung ist ein umfassendes Konzept oder Bild des Universums und der Beziehung zwischen Mensch und Universum. Sie umfasst die Menge bestimmter Meinungen, als organischer Gesamtheit, über die Welt als Grund, Boden und Bühne der menschlichen Existenz, des menschlichen Handelns. Das umfasst Anschauungen über: Wissenschaft, Philosophie, Politik, Wirtschaft, Ökologie, Umwelt, Kultur, Bräuche, Religion, Ethik, Werte, Moral, Kindererziehung bis hin zur Ernährung. Das Wort findet sich zuerst in dem Buch Kritik der Urteilskraft (§ 26; 1790) von Immanuel Kant. Eine Weltanschauung gibt einen Begriff davon, wie die Welt funktioniert und strukturiert ist (was ist die Wirklichkeit), gibt eine Erklärung dafür, warum die Welt so funktioniert und strukturiert ist (warum ist die Wirklichkeit so), und eine Extrapolation dieser Funktion und Struktur in die Zukunft (wie wird sich die Welt entwickeln). Weiter beinhaltet eine Weltanschauung ethische Werte, die sich aus dieser Sicht der Wirklichkeit ableiten lassen und eine Epistemologie. Weltanschauungskritik wird von anderen Weltanschauungen geübt, wissenschaftlich erscheint sie als Ideologiekritik Weltanschauungen beinhalten die Antwort auf Fragen wie
- Was ist die Wirklichkeit?
- Was ist die Natur der Welt?
- Was ist ein Mensch? Welches Menschenbild haben wir?
- Was geschieht nach dem Tod?
- Warum ist es möglich, überhaupt etwas zu wissen?
- Woher wissen wir, was richtig, was wahr und was falsch ist?
- Was ist der Sinn der menschlichen Geschichte?
- Gibt es einen Gott?
- Hat der Mensch einen freien Willen? Irgendeine Art von Weltanschauung, die solche Fragen beantwortet, dürfte jeder Mensch haben - eine persönliche Weltanschauung kann allerdings mehr oder weniger durchdacht, logisch aufgebaut und konsequent sein. Bezieht sich der Begriff Weltanschauung auf ein bestimmtes Gebiet, z.B. Kindererziehung, so spielen vielfältige andere Überzeugungen aus anderen Bereichen ein, z.B. Ethologie, Biologie, Religion, Erziehungswissenschaften, sowie Kultur und Tradition. Eine Weltanschauung intendiert einen mehr oder weniger konsistenten (in sich stimmigen) und integralen Sinn- und Bedeutungsraum der menschlichen Existenz und schafft so den Rahmen für Bildung, Kultur und Wissen, bzw. bezüglich des Einzelnen, ein Umfeld für seine Bildungsanstrengungen, sein kulturelles Leben, seine Kulturbeflissenheit und sein Lernen. Zu allen Zeiten haben vor allem Religionen und politische Systeme Weltanschauungen vertreten und gelehrt; oft waren sie selbst sogar Weltanschauungen. Beispielsweise Judentum, Christentum, Islam, Sozialismus, Marxismus, Scientology, Humanismus, Nationalismus könnten Weltanschauungen genannt werden, sie generieren und liefern aber eindeutig unterscheidbare Weltanschauungen. Natürlich gibt es dabei aber auch Überschneidungen, so existieren z.B. christliche Sozialisten oder jüdische Humanisten. Manche Weltanschauungen sollen bestimmte Formen von Macht legitimieren bzw. delegitimieren, indem sie Herkunft und Basis der Macht erklären - beispielsweise sah der Monarchismus die Macht des Königs als von Gott verliehen an, in der Demokratie (Volksherrschaft) geht die Macht von der gesamten Bevölkerung als Souverän aus. Weltanschauungen können Diskussionen anregen oder auch zerstören beziehungsweise verhindern, z.B. wenn man sich nicht gemeinsam auf Axiome oder ethische Grundsätze einigen kann. Interkulturelle Dialoge und interreligiöse Dialoge bezeugen die Interessen der Menschen, gemeinsame Werte zu fördern und gemeinsame Probleme zu lösen, anstatt Unterschiede zu betonen. Beispiel: [http://www.jcrelations.net/ Jüdisch-Christlicher Dialog] Historisch ändern sich Weltanschauungen langsam und binden große, oft nicht hinterfragte Unterstützung (siehe: Sozialer Wandel, Fundamentalismus). Der Postmodernismus proklamierte (unter anderem) die Idee des sich stets wandelnden Weltverständnisses, sich stets wandelnder Weltanschauung. Beispiele für Weltanschauungen:
- Atheismus
- Agnostizismus
- Deismus
- Existenzialismus
- Materialismus
- Naturalismus (Brights)
- Nationalsozialismus
- New Age
- Nihilismus
- Pantheismus
- Postmodernismus
- Theismus
- Skeptizismus Interessant ist, dass das Wort Weltanschauung ins Englische entlehnt wurde, da es ein englisches Äquivalent dieses Begriffes nicht gibt. Allerdings ist world view auch eine akzeptable Übersetzung und wird auch häufiger verwendet als weltanschauung. Victor Klemperer sieht in seinem Buch LTI den Begriff Weltanschauung kritisch. Der Begriff sei in der Zeit des Nationalsozialismus' geprägt worden. Der Begriff "Weltanschauung" war jedenfalls Adolf Hitlers Umschreibung in seinem Buch "Mein Kampf" für eine, auf rassistische und sozialdarwinistische Hypothesen gestützte Werteordnung.

Naturwissenschaft

Es wird manchmal behauptet, auch die Naturwissenschaft bzw. Wissenschaft im Allgemeinen müsse als Weltanschauung betrachtet werden, weil bereits ihre Methodik von unbeweisbaren Axiomen ausgehe. Dies ist jedoch ein falscher Schluss. Eine Weltanschauung trifft Aussagen darüber, ob unbeweisbare Axiome wahr sind, wohingegen Wissenschaft von ihnen nur ausgeht, unabhängig davon, ob sie tatsächlich wahr sind oder nicht (darüber wird keine Wertung getroffen). Wenn im Zusammenhang mit Naturwissenschaft von einer Weltanschauung gesprochen wird, so ist meist der Naturalismus gemeint, der im Gegensatz zur Naturwissenschaft die Aussage macht, die Axiome der Naturwissenschaft seien tatsächlich wahr. Beiden Begriffe werden häufig von Anhängern unwissenschaftlicher Theorien sowie im Widerspruch zur Naturwissenschaft stehender Weltanschauungen gleichgesetzt. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, letztendlich stünde Naturwissenschaft mit allen Weltanschauungen auf einer Ebene, obwohl es sich nicht um vergleichbare Begriffe handelt. Möglich ist im Gegensatz dazu der Vergleich von anderen Weltanschauungen mit dem Naturalismus. Beim Versuch, neue Anhänger zu finden, wird von Vertretern dem Naturalismus widersprechender Weltanschauungen oft betont, alle Weltanschauungen seien gleichwertig. Dabei wird zwar manchmal erwähnt, dass man die Wahrheit der Axiome der Naturwissenschaft anzweifeln muss, um eine dem Naturalismus widersprechende Weltanschauung in Erwägung zu ziehen, jedoch werden äußerst selten diese Axiome konkret aufgelistet (z.B. die Widerspruchsfreiheit der Logik), und so gut wie nie wird erwähnt, warum sie äußerst plausibel sind (z.B. dass es bis heute trotz täglicher Verwendung der Logik niemandem gelungen ist, diese Widerspruchsfreiheit zu falsifizieren).

Siehe auch

Weltbild, Metaphysik, Ontologie, Ideologie

Weblinks

#[http://www.religion-online.info Info-Portal Religion] #[http://lexikon.idgr.de/a/a_d/adler-manfred/adler-manfred.php Manfred Adler Antijudaismus] #[http://www.jcrelations.net/de/?id=1955 Glaube an Gott und „Idee Mensch“ nach Auschwitz] #[http://www.judentum.net/deutschland/gruenberg.htm Antisemitismus als massenpsychologisches Phänomen] #[http://www.dittmar-online.net/religion/naturalismus.html Naturalismus versus Supernaturalismus] Kategorie:Philosophie (Sonstiges) Kategorie:Wortexport ! ja:世界観

Herrschaft

Herrschaft ist sozialwissenschaftlich nach dem deutschen Soziologen Max Weber wie folgt definiert: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden". Im Unterschied zu seiner Definition der Macht (die er als soziologisch amorph, also formlos bezeichnet) setzt Herrschaft ein bestimmtes Maß an Dauerhaftigkeit voraus; sie ist eine institutionalisierte Form von Über- und Unterordnung (Subordination), die jedoch keinerlei hierarchische Strukturen voraussetzt. Dadurch, dass Weber ein Minimum an Gehorsam voraussetzt, widerspricht seine Definition der von Karl Marx, dessen Herrschaftsbegriff auf Macht basierte. Oppenheimer meinte mit Herrschaft die Beziehung zwischen zwei rechtsungleichen sozialen Klassen; er unterscheidet zwischen Herrschaft als - er folgte darin Otto von Gierke - vertikaler Sozialbeziehung und der Genossenschaft als horizontaler Beziehung. Herrschaft (geschichtswissenschaftlich): Ausübung der Macht über Untergeordnete und Abhängige durch Machtmittel. Im klassischen Sinne ist Herrschaft nur legitim, wenn über dem Herrscher und dem Beherrschten stehende Rechte zur Machtausübung eingehalten werden. Der Ursprung der Herrschaft ist in der germanischen HausHerrschaft (Gewalt des Hausherrn über die Hausgenossen) zu suchen, aus dieser entwickelte sich die GrundHerrschaft. Der Ausübende der Herrschaft war der Adel; die Königsherrschaft, die ihre Legitimität durch symbolische Rituale (Wahlen, Salbung, Krönung) und durch Herrschaftsinsignien repräsentierte, war nur eine Sonderform der Adelsherrschaft vgl. Lehnsherrschaft. Im Zeitalter der Stände ist die Macht des Herrschers durch erzwungene Herrschaftsverträge beschränkt. In der Neuzeit setzte sich die einheitliche Staatsgewalt durch. Die neuen Herrschaftsformen unterliegen einem fortlaufenden Prozess der Neuorientierung ihrer Legitimitätsgrundlage.

Typen der legitimen Herrschaft nach Max Weber

Nach Weber kann der Gehorsam als konstitutives Element der Herrschaft rein affektuell, aber auch ideell (wertrational) oder materiell (zweckrational) begründet sein. Rein idelle oder rein materielle Motive des bzw. der Gehorchenden (z. B. des Verwaltungsstabes) begründen jedoch eine lediglich labile Herrschaft, zu der ein weiteres, sie stabilisierendes Element hinzukommt: der Legitimitätsglaube. Weber unterscheidet nun drei Idealtypen legitimer Herrschaft nach der Art ihrer Legitimation:
- rationale / legale Herrschaft, die auf dem Glauben der an die Legalität gesetzter Ordnungen (zum Beispiel Gesetze) ruht, Beispiel: Bürokratie
- traditionale Herrschaft, die auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und der Legitimität der durch sie Berufenen ruht, Beispiel: Patriarchat, Feudalismus
- charismatische Herrschaft, die auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie geschaffenen Ordnung ruht. Sie versachlicht sich stets in eine rationale oder traditionale Herrschaft, Beispiel: Prophet Der Begriff der Herrschaft wird heute in der von Weber durchgesetzten Bedeutung des legitimierten (personalen) Machtverhältnisses verstanden.

Herrschaftsformen

Herrschaft kann auch danach unterschieden werden, welche Personen oder Gruppen sie ausüben, siehe Liste der Herrschaftsformen. Dies ist abzugrenzen zu den Regierungsformen, die danach unterschieden werden, wer Träger der Staatsgewalt ist, sowie den Staatsformen im engeren Sinne, die nach der Stellung des Staatsoberhauptes unterschieden werden.

Siehe auch


- Autorität, Soziologische Staatstheorie, kulturelle Hegemonie

Quellen


- Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen, 1985. Teil 1, Kapitel 1, § 16; Kapitel 3.

Literatur


- Petra Neuenhaus: Max Weber und Michel Foucault. Über Macht und Herrschaft in der Moderne. ISBN 3890858201
- Stefan Breuer: Max Webers Herrschaftssoziologie., 1991 ISBN 3593344580
- Edith Hanke/Wolfgang J. Mommsen (Hrsg.): Max Webers Herrschaftssoziologie. Studien zu Entstehung und Wirkung., Tübingen 2001 ISBN 3161476492
- Hans Haferkamp: Soziologie der Herrschaft. Analyse von Struktur, Entwicklung und Zustand von Herrschaftszusammenhängen., Opladen 1983. ISBN 353121635X
- Walter Benjamin: Zur Kritik der Gewalt und andere Aufsätze, 1965.
- Giorgio Agamben: Homo Sacer, Torino, Giulio Einaudi, 1995 (dt.: Homo Sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt Main 2002)
- Giorgio Agamben: (Homo Sacer II) Quel che resta di Auschwitz, Torino, Bollati Boringhieri, 1998 (dt.: Was von Auschwitz bleibt. Das Archiv und der Zeuge. Frankfurt am Main 2003)

Weblinks


- Max Weber, WuG, Teil 1, Kapitel 1, § 16: Macht und Herrschaft
- [http://www.textlog.de/7323.html Max Weber, WuG, Teil 1, Kapitel 3: Die Typen der Herrschaft]

Chef

Chef (frz.) hat mehrere Bedeutungen:
- allgemein: Vorgesetzter
- kulinarisch: Koch, Köchin
- politisch: Staatschef, Parteichef, Regierungschef
- militärisch: #Kompaniechef oder Vorgesetzter in vergleichbarer Dienststellung #Chef eines Regiments (auch kurz: "Regimentschef") oder eines anderen selbständigen Truppenteils. = sog. "Inhaber" eines Truppenteiles (vergleichbar zum Beispiel dem Ehrenoberst in Großbritannien). - Unterscheide: Im Unterschied zu 1. ist der 'Chef' eben NICHT Vorgesetzter, das ist der Kommandeur. Die Bundeswehr kennt keine Chefstellung mehr. #Chef eines Stabes (zum Beispiel "Chef des Generalstabs" ) -> siehe Stabschef #Amtschef (zum Beispiel des Militärgeschichtlichen Forschungsamts oder des Marineamts)
- Synonym für 'Oberhaupt' / 'Ältester' / 'Führer' einer Familie o.ä.:
  - Chef eines Indianerstammes
  - Clanchef
  - Chef einer Adelsdynastie (zum Beispiel Georg Friedrich von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern oder Maria Emanuel Markgraf von Meißen, Chef des Hauses Sachsen) ::- Abgrenzung: Unterscheide vom 'Chef' den 'Senior' eines Adelshauses: Der Älteste heißt hier Senior. Zusätzlich gibt es noch eine esoterische Programmiersprache mit dem Namen Chef. Kategorie:Berufliche Funktion

Führer

Als Führer bezeichnet man
- allgemein eine Person, die innerhalb der Hierarchie eines bestimmten gesellschaftlichen Systems die höchste Position inne hat (auch: Anführer).
- eine Person, die über eine ausgeprägte Führungsstärke verfügt und auch in Gruppen, in denen eigentlich keine hierarchischen Strukturen bestehen, schnell von einer Mehrheit als Anführer akzeptiert wird (Führungspersönlichkeit). Solche Personen werden gelegentlich respektvoll als "geborene Führer" bezeichnet.
- eine orts- und sachkundige Person, die anderen vorübergehend auf einem ihnen meist nicht bekannten Weg vorangeht, sie also (herum)führt. Oft ist diese Art von Führung mit erklärenden Erläuterungen verbunden (beispielsweise bei einem Fremdenführer, einem Stadtführer oder einem Führer, der Gästen eine Ausstellung oder einen Betrieb zeigt). In manchen Fällen übernimmt der Führer aufgrund seiner besonderen Kenntnisse zusätzlich die Aufgabe, die von ihm geführten Personen vor Fehlern und Gefahren zu beschützen, wie etwa ein Bergführer.
- ein Nachschlagewerk, beispielsweise einen Reiseführer oder einen Opernführer.
- im militärischen und polizeilichen Bereich einen Soldaten bzw. Polizeivollzugsbeamten, der vorübergehend oder längerfristig die Befehlsgewalt über eine Entität von Soldaten oder Polizeivollzugsbeamten übertragen bekommt (z.B. Polizeiführer, Abeilungsführer, Hundertschaftsführer, Zugführer, Gruppenführer, Truppführer).
- in der Politik den Vorsitzenden der größten Oppositionspartei (Oppositionsführer). Im politischen Bereich wird außerdem von einem Stimmführer gesprochen; Dabei handelt es sich um einen Parlamentarier, der im Namen einer Gruppe von mehreren Mandatsträgern an einer Abstimmung teilnimmt (beispielsweise das Mitglied einer Landesregierung, das im Deutschen Bundesrat die gesamten Stimmen seines Landes abgibt).
- in einem Orchester oder Chor eine Person, die sich in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten oder Chorleiter innerhalb einer bestimmten Instrumenten- oder Stimmengruppe um einen möglichst gleichmäßigen, harmonischen Gruppenklang bemüht (Stimmführer oder auch Stimmenführer).

Historische Belastung des Führerbegriffs

Obwohl es in vielen unterschiedlichen Bereichen verwendet wird, ist das Wort Führer negativ belastet. Der Grund liegt in seiner Verwendung in der Zeit des Nationalsozialismus, als der Diktator Adolf Hitler als "Führer und Reichskanzler des Deutschen Reiches" oder auch einfach nur kurz als "Der Führer" oder "Unser Führer" bezeichnet wurde (siehe auch: Führererlass). Das deutsche Wort "Führer" (bzw. "Fuhrer") hat in diesem negativen Zusammenhang auch Eingang in andere Sprachen gefunden. Im Allgemeinen wird daher im deutschsprachigen Raum die Verwendung des Wortes Führer vermieden, sofern im jeweiligen Kontext die Gefahr besteht, dass ein Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus hergestellt werden könnte. Dies gilt vor allem für die Verwendung des Wortes Führer ohne weitere Attribute oder Zusätze. Aber auch in einigen zusammengesetzten Substantivkonstruktionen klingt das Wort Führer für heutige Ohren unpassend. Während beispielsweise Fremdenführer oder Oppositionsführer beim jeweiligen Adressaten in aller Regel keine Assoziationen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit wecken, wird normalerweise nicht von einem Parteiführer gesprochen. Um Missverständnisse auszuschließen, wird die Verwendung des Wortes Führer häufig vermieden, indem es durch andere Wörter ersetzt wird (beispielsweise Leiter, Chef, Manager oder das englische Führer-Äquivalent leader). Einige Kritiker erheben in diesem Zusammenhang den Vorwurf von "übertriebener Political Correctness". Weitere neuzeitliche Diktatoren, die sich im Zuge eines Personenkultes in ihrer jeweiligen Landessprache selbst als "Führer" bezeichnet haben oder noch so bezeichnet werden, waren oder sind
- Benito Mussolini als ehemaliger Diktator des damals faschistischen Italiens (Duce),
- der ehemalige spanische Diktator Francisco Franco (Caudillo, Caudillo de España, also Führer Spaniens, oder auch Caudillo de España por la gracia de Dios, also Führer Spaniens von Gottes Gnaden),
- Nicolae Ceauşescu, ehemaliger Staatspräsident Rumäniens (Conducător),
- der sozialistische Präsident Kubas, Fidel Castro (Máximo Líder, also größter Führer),
- der autoritär herrschende Staatschef Turkmenistans, Saparmyrat Nyýazow (Türkmenbaşy, also Führer aller Turkmenen),
- Kim Jong-il, der Diktator des stalinistischen Nordkorea, der sich selbst als Geliebter Führer bezeichnet. Für zeitgenössische Ohren selbstverständlich war die Bezeichnung eines Herrschers als "Führer" darüber hinaus in der Antike, im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, häufig unter Verwendung des lateinischen Wortes dux als dem jeweiligen Herrschernamen nachgestellter Ehrentitel, beispielsweise "Robert, dux Francorum", also "Robert (I.), Führer (beziehungsweise Herzog) der Franken". Außerdem wurden die Oberbefehlshaber von Armeen häufig als Heerführer bezeichnet.

Herrschaft

Herrschaft ist sozialwissenschaftlich nach dem deutschen Soziologen Max Weber wie folgt definiert: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden". Im Unterschied zu seiner Definition der Macht (die er als soziologisch amorph, also formlos bezeichnet) setzt Herrschaft ein bestimmtes Maß an Dauerhaftigkeit voraus; sie ist eine institutionalisierte Form von Über- und Unterordnung (Subordination), die jedoch keinerlei hierarchische Strukturen voraussetzt. Dadurch, dass Weber ein Minimum an Gehorsam voraussetzt, widerspricht seine Definition der von Karl Marx, dessen Herrschaftsbegriff auf Macht basierte. Oppenheimer meinte mit Herrschaft die Beziehung zwischen zwei rechtsungleichen sozialen Klassen; er unterscheidet zwischen Herrschaft als - er folgte darin Otto von Gierke - vertikaler Sozialbeziehung und der Genossenschaft als horizontaler Beziehung. Herrschaft (geschichtswissenschaftlich): Ausübung der Macht über Untergeordnete und Abhängige durch Machtmittel. Im klassischen Sinne ist Herrschaft nur legitim, wenn über dem Herrscher und dem Beherrschten stehende Rechte zur Machtausübung eingehalten werden. Der Ursprung der Herrschaft ist in der germanischen HausHerrschaft (Gewalt des Hausherrn über die Hausgenossen) zu suchen, aus dieser entwickelte sich die GrundHerrschaft. Der Ausübende der Herrschaft war der Adel; die Königsherrschaft, die ihre Legitimität durch symbolische Rituale (Wahlen, Salbung, Krönung) und durch Herrschaftsinsignien repräsentierte, war nur eine Sonderform der Adelsherrschaft vgl. Lehnsherrschaft. Im Zeitalter der Stände ist die Macht des Herrschers durch erzwungene Herrschaftsverträge beschränkt. In der Neuzeit setzte sich die einheitliche Staatsgewalt durch. Die neuen Herrschaftsformen unterliegen einem fortlaufenden Prozess der Neuorientierung ihrer Legitimitätsgrundlage.

Typen der legitimen Herrschaft nach Max Weber

Nach Weber kann der Gehorsam als konstitutives Element der Herrschaft rein affektuell, aber auch ideell (wertrational) oder materiell (zweckrational) begründet sein. Rein idelle oder rein materielle Motive des bzw. der Gehorchenden (z. B. des Verwaltungsstabes) begründen jedoch eine lediglich labile Herrschaft, zu der ein weiteres, sie stabilisierendes Element hinzukommt: der Legitimitätsglaube. Weber unterscheidet nun drei Idealtypen legitimer Herrschaft nach der Art ihrer Legitimation:
- rationale / legale Herrschaft, die auf dem Glauben der an die Legalität gesetzter Ordnungen (zum Beispiel Gesetze) ruht, Beispiel: Bürokratie
- traditionale Herrschaft, die auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und der Legitimität der durch sie Berufenen ruht, Beispiel: Patriarchat, Feudalismus
- charismatische Herrschaft, die auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie geschaffenen Ordnung ruht. Sie versachlicht sich stets in eine rationale oder traditionale Herrschaft, Beispiel: Prophet Der Begriff der Herrschaft wird heute in der von Weber durchgesetzten Bedeutung des legitimierten (personalen) Machtverhältnisses verstanden.

Herrschaftsformen

Herrschaft kann auch danach unterschieden werden, welche Personen oder Gruppen sie ausüben, siehe Liste der Herrschaftsformen. Dies ist abzugrenzen zu den Regierungsformen, die danach unterschieden werden, wer Träger der Staatsgewalt ist, sowie den Staatsformen im engeren Sinne, die nach der Stellung des Staatsoberhauptes unterschieden werden.

Siehe auch


- Autorität, Soziologische Staatstheorie, kulturelle Hegemonie

Quellen


- Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen, 1985. Teil 1, Kapitel 1, § 16; Kapitel 3.

Literatur


- Petra Neuenhaus: Max Weber und Michel Foucault. Über Macht und Herrschaft in der Moderne. ISBN 3890858201
- Stefan Breuer: Max Webers Herrschaftssoziologie., 1991 ISBN 3593344580
- Edith Hanke/Wolfgang J. Mommsen (Hrsg.): Max Webers Herrschaftssoziologie. Studien zu Entstehung und Wirkung., Tübingen 2001 ISBN 3161476492
- Hans Haferkamp: Soziologie der Herrschaft. Analyse von Struktur, Entwicklung und Zustand von Herrschaftszusammenhängen., Opladen 1983. ISBN 353121635X
- Walter Benjamin: Zur Kritik der Gewalt und andere Aufsätze, 1965.
- Giorgio Agamben: Homo Sacer, Torino, Giulio Einaudi, 1995 (dt.: Homo Sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt Main 2002)
- Giorgio Agamben: (Homo Sacer II) Quel che resta di Auschwitz, Torino, Bollati Boringhieri, 1998 (dt.: Was von Auschwitz bleibt. Das Archiv und der Zeuge. Frankfurt am Main 2003)

Weblinks


- Max Weber, WuG, Teil 1, Kapitel 1, § 16: Macht und Herrschaft
- [http://www.textlog.de/7323.html Max Weber, WuG, Teil 1, Kapitel 3: Die Typen der Herrschaft]

Repression

Der Ausdruck Repression (von lat.: reprimere v. primere drängen, drücken) bezeichnet allgemein Unterdrückung, Hemmung, Zurückdrängung. Der Begriff impliziert aber immer auch eine moralische Qualität: Repression ist ungerecht und mit Herrschaftsausübung verbunden. Eine als solche empfundene Repression ruft oft Protest hervor. In der Molekularbiologie und Genetik bedeutet die Repression eines Gens, dass dieses inaktiviert wird bzw. in einem inaktiven Zustand gehalten wird. Man sagt: Das Gen wird reprimiert.

Literatur


- AutorInnenkollektiv (Hg.) : Durch die Wüste. Ein Antirepressionshandbuch für die politische Praxis. ISBN 3-89771-404-3 (Zu Themen wie Demonstrationsrecht, Hausdurchsuchung, Terroristische Vereinigung, Lauschangriff, Computer-Sicherheit...)

siehe auch


- Repressalie kategorie:Macht

Unterdrückung

Unterdrückung ist die einer Gesellschaft oder Menschengruppe leidvoll zugefügte Erfahrung gezielter Willkür, Gewalt und des Machtmissbrauchs. Der Ausdruck Unterdrückung bezeichnet vor allem das Niederhalten einer bestimmten Gruppe durch missbräuchlichen Einsatz gesellschaftlicher Organe, ihrer Autorität oder sozialer Maßnahmen. Mehr oder weniger offiziell in einer Gesellschaft institutionalisiert, vermag dies zur "systematischen Unterdrückung" anzuwachsen. Unterdrückung entsteht durch die allgemeine, auch unbewusste, Annahme, eine bestimmte Menschengruppe sei minderwertig. Unterdrückung beschränkt sich selten allein auf regierungsamtliche Aktivitäten. Auch bestimmte Einzelpersonen können Opfer einer Unterdrückung werden, und können in solchem Fall nicht auf die Solidarität einer Gruppe bauen. In der Psychologie gelten Rassismus, Sexismus und andere Vorurteile gleichsam als Glaubenssysteme, die, wenn auch nicht notwendigerweise von sich aus unterdrückend, doch zur Unterdrückung führen können, sobald sie in die Tat umgesetzt oder gesetzlich verordnet werden. In der Soziologie gelten diese Vorurteile häufig als institutionalisierte Unterdrückungssysteme bestimmter Gesellschaften. Als Instrumente der Unterdrückung gelten Diffamierung, Perhorreszierung und Dämonisierung; wodurch häufig ein Sündenbockmechanismus geschaffen wird, der Übergriffe auf bestimmte Gruppen und Einzelpersonen rechtfertigen soll. Die Erklärung der Menschenrechte und der Begriff der Menschenrechte wurden als Kritik der Unterdrückung geschaffen, indem die Macht klar beschränkt und ein Machtmissbrauch gegen Einzelpersonen oder eine Menschengruppe verhindert würde. Eine Hierarchie der Unterdrückung ist eine Rangfolge (Hierarchie) unterschiedliche Unterdrückungsmaßnahmen nach Willkür und Grausamkeit bzw. den erlittenen negativen Erfahrungen unterdrückter Gemeinschaften. Hierarchien der Unterdrückung gelten vielen Menschenrechtsaktivisten als problematisch, obwohl bestimmte Hierarchien der Unterdrückung weithin verbreitet sind. Wird Unterdrückung systematisiert, durch Zwang, angedrohte oder ausgeübte Gewalt, seitens des Staates oder paramilitärischer nichtamtlicher Organisationen, nennt man sie politische Unterdrückung. Subtilere Formen politischer Unterdrückung (Repressalien) können schwarze Listen, sein oder ideologisch motivierte Hysterien und Verfolgungen, wie der McCarthyismus in den USA. Transnationale Unterdrückungssysteme wie Kolonialismus oder Imperialismus können Widerstandsbewegungen gegen den Unterdrückungszustand provozieren.

siehe auch


- Rassismus
- Sexismus, Heterosexismus, Homophobie
- soziale Unterdrückung, Klassenkampf, Klassismus
- politische Unterdrückung, Polizeistaat
- Totalitarismus
- Herrschaft, Hierarchie, Elite, Tyrannei, Diktatur, Unrecht
- Widerstandsbewegung,
- Religion
- Ethik
- Triple Oppression ja:弾圧 Kategorie:Macht Kategorie:Soziologie

Selbstbestimmung

Selbstbestimmung (f; Adjektiv: selbstbestimmt) bedeutet soviel wie Autonomie, umfasst Selbstverantwortung und Selbststeuerung. Sie ist das Gegenteil von Fremdbestimmung. Selbstbestimmung ist ein zentraler Grundsatz der Menschenrechte: Menschen sollen ihre eigene Ideen und Wünsche frei verwirklichen können, ohne von außen unterdrückt oder bedrängt zu werden. Selbstbestimmtes Handeln, Lernen und Leben können als Kennzeichen eines vom freien Willen gelenkten, selbständigen, verantwortungsbewußten Erwachsenen gelten. Die Selbstbestimmung des Individuums ist daher keinesfalls mit Willkür und Selbstgerechtigkeit zu verwechseln. In den Menschenrechten ist deshalb festgelegt, dass die Freiheit des Einzelnen da enden muss, wo die Freiheit der Anderen beginnt. Dies stellt eine wichtige Einschränkung und unerlässliche Grenze der Selbstbestimmung dar, die leicht übersehen werden kann. Entscheidend geprägt wurde der Begriff der Selbstbestimmung durch die Idee des US-Präsidenten Woodrow Wilson über das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Falsch verstanden, kann diese Idee dazu missbraucht werden, ethnische, nationale oder religiöse Konflikte zu schüren, indem das jeweils eigene "Selbstbestimmungsrecht" höher gewichtet wird als dasjenige der jeweils Anderen. Richtig verstanden, ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker fundamentale Basis internationaler Verständigung und globaler Beziehungen und die Selbstbestimmung des Einzelnen ist unverzichtbares Grundprinzip jeder Demokratie. Die Selbstbestimmungrechte von Menschen mit geistigen Behinderungen zählen zu den Paradigmen der Behindertenhilfe.

Anmerkung

Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Gentechnik ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts - zusätzlich zu den bisherigen Diskussionen in der Philosophie - die Determinismus-Debatte wieder aufgekommen, inwieweit der Mensch überhaupt Herr über seine Entscheidungen ist: Haben wir einen freien Willen oder ist er letztendlich durch Veranlagung und Umwelteinflüsse doch vorherbestimmt?

Literatur


- Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit Geistiger Behinderung e.V. (Hrsg.): Selbstbestimmung: Kongressbeiträge. 2. Aufl. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 1997
- Ulrich Hähner et al. (Hrsg.): Vom Betreuer zum Begleiter. Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung. 4. unveränderte Auflage. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2003
- Ulrich Niehoff: Grundbegriffe selbstbestimmten Lebens. In: Hähner, Ulrich et al. (Hrsg.): Vom Betreuer zum Begleiter. Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung. 4. unveränderte Auflage. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2003, 53-64
- Gusti Steiner: Wie alles anfing – Konsequenzen politischer Behindertenselbsthilfe. In: INFORUM, 20 Jahre Assistenz – Behinderte auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung. Publikation über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Persönlichen Assistenz. Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen ForseA e.V., Berlin Dezember 2001, 14-33 McManama, Brigitte: "Was willst Du, was ich Dir tun soll?-Selbstbestimmung von geistig behinderten Menschen,die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben" in: "Behindertenpädagogik, Heft 3, 4-2003 oder unter www.mcmanama.de McManama, Brigitte: "Brigitte zieht um - und alle reden mit" - eine kritische Betrachtung zu selbstbestimmtem Leben von Menschen mit geistigen Behinderungen. in: www.mcmanama.de

Siehe auch


- Freier Wille
- Emanzipation
- Partizipation
- Unabhängigkeit (Politik)
- Separatismus
- Selbstbestimmungsrecht
- Selbstbestimmungsrecht der Völker
- Staatsrecht
- Selbstverwirklichung
- Informationelle Selbstbestimmung
- Sexuelle Selbstbestimmung
- selbstbestimmtes Lernen Kategorie:Rechtsphilosophie Kategorie:Menschenrechte

Selbstverwaltung

Bei öffentlichen Institutionen spricht man von Selbstverwaltung, wenn eine Schule, ein Sozialwerk, eine Kommune sich unabhängig von vorgesetzten Stellen organisiert und ein hohes Maß an gleich berechtigter Mitsprache möglich ist. Ein weit gehende Selbstverwaltung genießen zum Beispiel die deutschen Hochschulen. Auch Krankenkassen, Rentenversicherungen, Berufsgenossenschaften und andere Sozialwerke werden in hohem Grade selbst verwaltet. Außerdem funktionieren die Kommunen als selbst verwaltende und selbst verwaltete Körperschaften (= Kommunale Selbstverwaltung). Bei privaten Betrieben spricht man von Selbstverwaltung, wenn sie - mit sehr flachen Hierarchien - von den Angestellten gleich berechtigt geführt werden, in der Regel als Genossenschaften (= Betriebliche Selbstverwaltung). Die marxistische Selbstverwaltung wird durch die Überführung von privaten Betrieben in "gesellschaftliches" Eigentum (= "Vergesellschaftung") erreicht. Selbst verwaltete Betriebe nach Marx (Kapital) sind Übergangsformen zu einer selbst verwalteten Wirtschaft. Die "kapitalistischen Aktienunternehmen" sind ebenso als Übergangsformen aus der "kapitalistischen Produktionsweise" in die "assoziierte" zu betrachten.

Selbstverwaltung am Beispiel von Hochschulen

Einzelne Aufgaben werden verschiedenen Gremien zugewiesen. Jede Statusgruppe (z. B. Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, sonstige Mitarbeiter, Studenten) bestimmt Wahlvertreter für die jeweiligen Gremien. In der Regel haben die Professoren die Mehrheit, aber es gibt auch Modelle mit sog. Viertelparität, in denen jede Gruppe gleich große Fraktionen entsendet. Die Gremien geben sich Satzungen, die die Regeln ihrer Arbeitsweisen bestimmen. Es werden auch Kommissionen und Arbeitsgruppen eingesetzt, um sich speziellen Fragen zu widmen. Beschlüsse werden gefasst und ein gewähltes Mitglied zur Umsetzung beauftragt.

Beispielgremien an einer Hochschule


- Kuratorium
- Hochschulrat
- Akademischer Senat (Präsidium oder Rektorat führt aus)
- Fachbereichsrat / Fakultätenrat (Dekan führt aus)
- Institutsrat
- Frauenrat

Beispielkommissionen an einer Hochschule


- Kommission für Studium und Lehre
- Kommission für Forschung und Nachwuchs
- Hauptkommission
- Prüfungshauptausschuss
- Ordnungsausschuss
- Berufungskommission Je nach Hochschule und Bundesland sind die Aufgaben unterschiedlich verteilt.

Selbstverwaltete Betriebe

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre entstanden nach dem Vorbild der Genossenschaften zahlreiche wirtschaftliche Unternehmen, die ohne hierarchische Strukturen funktionieren und von allen Mitarbeitern gleichberechtigt verwaltet werden. "Betrieb in Selbstverwaltung" wurde zu einer Art Markenzeichen für solche Unternehmen. Auch heute existieren solche Betriebe.

Selbstverwaltete Kulturzentren

Seit einigen Jahren gibt es auch selbstverwaltete Kulturzentren (insbesondere in der linken Szene). Diese lehnen eine Einflussnahme von außen durch Staat und Gesellschaft ab.

Weblinks

[http://selbstverwaltung-bundesweit.de Bundesweites Portal für selbstverwaltete Projekte] Kategorie:Akademische Bildung

Zwang

Zwang kommt von zwängen und heißt bedrängen, klemmen oder einpressen. Außerhalb der Technik ist es eine vielfältige und vieldeutige sowohl alltägliche als auch existenzielle Erfahrung. Sie kann passiv erfahren und erlebt, aber auch aktiv ausgeübt werden (von Personen, Institutionen, Umwelt und Natur). Erlebter Zwang heißt in seiner Kernbedeutung all das, wogegen man relativ zu seinen Mitteln nichts unternehmen kann. Was man, ob man will oder nicht, aushalten muß. Zwang ist in diesem Sinne der Gegensatz zur Freiheit, zur Möglichkeit der Wahl.

Unterscheidung

Aufgrund der Vielfalt der Zwänge erscheint es sinnvoll, Unterscheidungen zu treffen:
- Natürliche Zwänge: Naturgesetze als (absolute) Zwänge
  - Ökologische Zwänge
- Juristische Zwänge:
  - Unmittelbarer Zwang
  - Strafe (Haft, Gefängnis)
  - Verlust der Geschäftsfähigkeit
  - partielle Geschäftsunfähigkeit
  - Betreuung
- Soziologische (gesellschaftliche) Zwänge: Sitte, Brauch, Gewohnheiten
- Ethisch-moralische Zwänge (innere Normen, Gebote, Verbote, Gewissen)
- Zwang durch Herrschaft: Sklaverei, Tyrannei
- Pädagogische Zwänge: Erziehung als Zwang
- So genannte Sachzwänge, die aus Zielvorgaben resultieren, oft als Sachzwänge der Politik
- Biologische Zwänge (z.B. Unausweichlichkeit von Sterben und Tod)
- Psychologische Zwänge (Begrenzung durch Potential, Prägung, Sozialisation, siehe Manie)
- Psychopathologische Zwänge: Zwangsneurose, Zwanghafte Persönlichkeit, Zwangshandlungen, Zwangsgedanken, Sucht als Zwang; siehe auch Zwangsstörung
- Ökonomische Zwänge (abhängig von den Rahmenbedingungen)

"Essentielle", objektive Zwänge

Anmerkung: Absolute und objektive Zwänge gibt es nur wenige:
- Sterben und Tod (Gewissheit des Todes).
- Ausscheiden.
- Schlafen.
- Atmen.
- Autonome biologische Grundfunktionen.

relative Zwänge

Aus der Tatsache, dass Menschen die Nahrung verweigern, z.B. auch in einen Hungerstreik treten können, kann man schließen, dass die Nahrungsaufnahme kein echt absoluter und objektiver Zwang mehr ist. Essen und Trinken wird man also nur als "bedingte Zwänge" unter "Normalbedingungen" ansehen können. Hierzu gehören auch alle anderen Grundbedürfnisse: (Schutz, Bewegung, Betätigung, Leistung, Ruhe und Erholung, Erhaltung der Gesundheit und Unversehrtheit, Fortpflanzung, Sexualität, Beziehung, Partnerschaft, Kontakt, Kommunikation, Spiel, Schmuck, Sinngebung).

Folge / Auswirkung

Setzt man also bestimmte Bedürfnisse oder Wünsche als Zielvorgaben, so ergeben sich hieraus unter Umständen eine ganze Menge "Sachzwang-Folgen", etwa, wer nicht verhungern will, muss sich um Nahrung kümmern oder Menschen haben, die dies für ihn tun, wie das für alle Menschen in der Kleinkindzeit notwendig ist. Ein Kleinkind kann ohne Mutterfiguren, die für es sorgen, es betreuen und pflegen, nicht überleben. Überspitzt kann man sagen: ein Säugling und Kleinkind ist zwanghaft auf eine sorgende, betreuende und pflegende Mutterfigur (was auch ein Vater, ein Opa oder jemand zunächst Fremder sein kann) angewiesen.

Erkenntnis

Bei genauerer Betrachtung der Zwänge im Leben ergibt sich eine gewisse merkwürdige und paradoxe Einsicht: Es gibt weit mehr und weniger "Zwänge" als man gemeinhin denkt. Kategorie:Psychologie Kategorie:Pädagogik Kategorie:Gesellschaft

Anarchie

Der Begriff Anarchie leitet sich aus dem Griechischen (αναρχία "Führerlosigkeit") ab und bedeutet ursprünglich Abwesenheit von Herrschaft durch Einzelne ("Führer"). Im heutigen Gebrauch des Wortes streitet man sich in dem, wie "Führerlosigkeit" auszulegen ist. Die klassischen Anarchisten in der Tradition von Bakunin, Kropotkin und Proudhon verstehen auch institutionelle oder strukturelle Gewalt als so etwas wie Herrschaft. In der Wortbedeutung ist aber nur von Führern, also Personen die Rede. Weiter kann man sich darüber streiten, was ein Führer ist. Ist ein Stammesoberhaupt, ein Familienoberhaupt, ein Richter, ein Gelehrter usw. ein Führer? Darüber mag man geteilter Meinung sein. Eine Auslegung wäre, Anarchie mit staatenloser Gesellschaft oder dem Fehlen des staatlichen Gewaltmonopols gleichzusetzen. In diesem Sinne ist Herrschaft, wie wir sie kennen, keine zeitlose Institution. Neben und vor allem vor dem welthistorischen Beginn der Herrschaft moderner Staaten hat es logischerweise und tatsächlich Anarchie gegeben. Noch bei manchen rezenten Naturvölkern kann von Herrschaft Einzelner keine Rede sein. Die Mbuti etwa lebten ohne Macht von Führern, mithin in einer Anarchie. Die Abwesenheit von Gesetzgebern und Gesetzen kennzeichnet das Leben der Mbuti auch als 'gesetzlos'. Aber ohne Ordnung war ihr Leben deshalb mitnichten. Neben den sozusagen natürlichen Formen der Anarchie außerhalb der Zeiten und Territorien der Einzelherrschaft gibt