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Anarchistischer KommunismusDer anarchistische Kommunismus (auch Anarchokommunismus, häufig auch als libertärer Kommunismus bezeichnet) geht zurück auf den russischen Anarchisten Pjotr Kropotkin. Dieser formulierte die These, dass Anarchismus und Kommunismus (Bedürfnisprinzip) nur zusammen funktionieren könnten, da sie einander gegenseitig bedingten. Es handelt sich dabei um eine anarchistische Verwendung des Begriffs Kommunismus. Kropotkin und andere kommunistische Anarchisten kritisierten bereits während der russischen Revolution den von Lenin propagierten und auf Marx fußenden Kommunismus (Staatssozialismus) als totalitär und elitär.
Anarchokommunistische Vorstellungen sind konzeptionell mit Ideen der anarchosyndikalistischen Bewegung verwandt, die in Deutschland im Verlauf und Gefolge der Novemberrevolution eine gewisse Anhängerschaft fand und heute noch größtenteils in der FAU und international in der Internationale ArbeiterInnen-Assoziation organisiert ist. Sie stellte das Konzept einer Arbeiterselbstverwaltung in den Betrieben gegen das Konzept einer revolutionären Kaderpartei oder parlamentarischen "Vertretung" der Arbeiterinteressen, um so neuen Herrschaftsformen zu widerstehen. Damit grenzte sie sich sowohl gegen den bürgerlichen Reformismus etwa in der Weimarer Republik als auch gegen jeden Marxismus und dessen als autoritär verstandenen Staatssozialismus ab. In Deutschland vertrat Erich Mühsam ähnliche Gedanken.
Die Anhänger des anarchistischen Kommunismus, sehen die Anarchie als Herrschaftsfreiheit und interpretieren ihren Begriff des Kommunismus als eine bloße, freiwillige Form des gütergemeinschaftlichen Wirtschaftens, die nichts mit anderen Intensionen zu tun hat. Ihr anarchistischer Begriff des Kommunismus steht im Gegensatz zum allgemein gebrauchten Begriff des Kommunismus, der häufig mit dem marxistischen Staatssozialismus und der nur daraus entstehenden klassenlosen Gesellschaft gleichgesetzt wird.
Bereits zu Beginn der Arbeiterbewegung standen sich Anarchisten und Marxisten, im Gefolge des Konflikts zwischen Michail Alexandrowitsch Bakunin und Karl Marx, ideologisch gegenüber. Während die Marxisten die Diktatur des Proletariats anstrebten, in der irgendwann die Organisation des Staates überflüssig sei und absterbe, wollten dem entgegengesetzt die anarchistischen Gruppen den Staat generell abschaffen; deshalb lehnten sie jede Parteiorganisation ab. Auch die im Marxismus vorhergesagte Zukunftsgesellschaft nach dem Absterben des Staates beschreibt also eine ganz andere Situation und geistige Position als eine Gesellschaft des Anarchismus nach Abschaffung des Staates. Beide Ideologien stehen im Widerspruch zueinander.
Der anarchistische Kommunismus propagiert eine egalitäre und selbstverwaltete Gesellschaftsordnung ohne hierarchische Strukturen und Gesetze, in der die freie Entfaltung des Einzelnen sowohl zu finden sein soll wie die gemeinsame freie Entfaltung Aller und in der eine gerechte Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums bestehe.
Übrig geblieben von diesen Ideen ist gegenwärtig fast nur noch ein stark verkürztes Vokabular und die Symbolik. So tragen beispielsweise einige Gruppen der Autonomen, die oft als Schwarzer Block bei Demonstrationen mit anarchokommunistischen Parolen auftreten, auch die schwarzrote, diagonal geteilte Flagge.
Weblinks
- http://deu.anarchopedia.org/ABC_des_Anarchismus (Alexander Berkman)
- [http://www.landshut.org/bnla01/members/Flexhead/Svaveldioxid/Ankom.html www.landshut.org/] Weitere Informationen
- [http://www.anarchismus.at/txt4/muehsam16.htm www.anarchismus.at/] Erich Mühsam - Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus? (1932)
Kategorie:Anarchismus
Kategorie:Kommunismus
Kategorie:Politischer Begriff
Kategorie:Staatsphilosophie
LibertarismusDer Libertarismus (auch Libertarianismus) ist eine aus dem klassischen Liberalismus hervorgegangene und mit dem Anarchismus verwandte Theorie, welche die Freiheit des Individuums über alle anderen Werte stellt und für eine Gesellschaft eintritt, die weitestgehend oder ganz auf staatliche Institutionen und Eingriffe verzichtet. Seine Anhänger bezeichnen sich selbst als Libertäre (seltener Libertarier), das dazugehörige Adjektiv lautet libertär.
Da Libertäre die sozialen und die Eigentumsrechte des Individuums unterschiedlich bewerten, zerfällt ihre Denkrichtung in eine sozialistische bzw. anarchistische und eine kapitalistische. Beide Richtungen beanspruchen den Begriff libertär für sich.
Der sozialistische Libertarismus
Der sozialistische und links-anarchistisch geprägte Libertarismus ist eine politische Theorie und Bewegung, die sich gegen jede Form der Herrschaft von Menschen über Menschen stellt und Hierarchien radikal ablehnt. Gängige Bezeichnungen dafür sind auch „libertärer Sozialismus“, „sozialistischer Anarchismus“, „anarchistischer/libertärer Kommunismus“ (z.B. bei Alexander Berkman oder Peter Kropotkin) oder auch einfach Anarchismus (siehe dort). Der Anarchosyndikalismus stellt wohl die größte revolutionäre Bewegung libertärer Sozialisten dar.
Libertäre Sozialisten streben die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und die Abschaffung des Staates an. In Europa wird der Begriff „sozialistischer Libertarismus“ meist von Anarchisten zur Selbstbezeichnung benutzt, da der Begriff „Anarchist“ seit Ende des 19. Jahrhundert negativ besetzt ist.
In den USA gilt etwa Henry David Thoreau als Vordenker eines Libertarismus, der dem sozialen Aspekt näher stand. Insofern berufen sich gerade auch Sozialisten, Anarchisten und Anhänger der US-Bürgerrechtsbewegung auf Thoreau als nordamerikanischen Vordenker ihrer Ideen und Ideale.
Der kapitalistische Libertarismus
Unter kapitalistischem Libertarismus (der sich selbst ebenfalls auf Thoreau beruft) versteht man zum einen eine aus den USA stammende Bewegung, die u.a. Grundsätze wie „Steuern sind Diebstahl“ vertritt, und zum anderen eine ideologische Denkweise, die unter anderem von einigen Schriftstellern, Wirtschaftswissenschaftlern und Philosophen vertreten wird. In den USA ist das Wort „Libertarianism“ in den 1930er Jahren in Abgrenzung zum New Deal des Präsidenten Roosevelt entstanden, welcher während der Wirtschaftskrise zahlreiche sozialstaatliche Maßnahmen einführte.
Als Wurzeln des Libertarismus sind zu nennen:
- Der klassische Liberalismus amerikanischer Prägung, der ökonomisch durch eine weitgehende Laissez-faire-Haltung und politisch durch eine ausgeprägte Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen und Interventionen geprägt ist.
- In der Wirtschaftstheorie die Österreichische Schule, vertreten vor allem durch Ludwig von Mises. Dessen Schüler Murray Rothbard gilt als einer der bedeutendsten Libertären und trug den Spitznamen „Mr. Libertarian“.
- Der sogenannte Objektivismus Ayn Rands und die Schriften von dessen Gründerin.
Insbesondere letzterer ist aber innerhalb der libertären Bewegung sehr umstritten.
Der kapitalistische Libertarismus betont die individuellen Freiheitsrechte und will staatliches Handeln auf ein absolutes Minimum beschränkt sehen. Häufig wird postuliert, dass jeder Mensch nur sich selbst gehört und nicht der Gemeinschaft (Selbsteigentum). Einige Vertreter dieser Richtung, die Anarcho-Kapitalisten (auch Free-Market-Anarchisten oder Anarcholiberale) lehnen den Staat insgesamt als nicht legitime (weil unfreiwillige) Zwangsorganisation ab. Kapitalistische Libertäre legen das Selbstbestimmungsrecht des Individuums so aus, dass es völlig frei in seinem Handeln und im Gebrauch seines Privateigentums sein sollte, solange niemand anderes Rechte verletzt werden. Insofern stimmen sie mit dem klassischen Liberalismus überein. Erhebliche Unterschiede bestehen aber in den Ansichten darüber, wie dem Recht in Konfliktfällen Geltung verschafft werden soll (Minarchismus vs. Anarchismus). Kapitalistische Libertäre erkennen keine positiv definierten Rechte wie etwa das Recht auf Nahrung, Obdach oder Gesundheitsfürsorge an, sondern nur negativ definierte Freiheiten an, wie die Freiheit, nicht angegriffen, missbraucht, beraubt oder zensiert zu werden. Nach ihrer Theorie ergibt sich daraus eine klare Eigentumsordnung (siehe Naturrecht). Nur den Rechten, die sich aus dieser Eigentumsordnung ergeben, gestehen sie juristische Schutzwürdigkeit zu. Soziales Handeln und Solidarität entstehen nicht mit juristischem Druck, sondern durch ethische Erwägungen. Kapitalistische Libertäre halten staatlich erzeugte soziale Maßnahmen für kontraproduktiv und daher letztlich für unsozial.
In den Vereinigten Staaten sind einige Befürworter des kapitalistischen Libertarismus durchaus einflussreich und sogar politisch aktiv. Sie sehen sich selbst jenseits eines politischen „Rechts-Links“-Schemas und sind unter anderem in der Libertarian Party vertreten, der drittstärksten Partei nach den Demokraten und Republikanern. Allerdings gibt es Libertäre auch in den großen Parteien, vor allem bei den Republikanern.
In Deutschland spielte der Libertarismus bisher noch keine nennenswerte politische Rolle. Deutsche Libertäre wie z.B. der Verleger André F. Lichtschlag und seine Zeitschrift „eigentümlich frei“ versuchen neben der Vermittlung der Ideen diverser Autoren aus Europa und Amerika auch die Philosophie Max Stirners in den Libertarismus einzubinden.
Eigentum
Eigentumsnormen gewinnen erst dann einen praktischen Bezug, wenn sie nicht nur von einem „Eigentümer“ von der Welt eingefordert werden, sondern auch Dritte diese Normen als solche verstehen. Insofern ist Eigentum in einer freien Gesellschaft, wie Libertäre sie für sich anstreben, nur das Ergebnis freiwilliger Interaktion und keine politische Doktrin. Ein Beispiel: Für eine freie Gesellschaft wäre es undenkbar, dass einzelne Staaten (bzw. juristische Personen) die ganze Antarktis unter sich aufteilen, obwohl sie dort nicht mehr besitzen als ein paar Mess-Stationen (wie das heute der Fall ist). Eine solche Eigentumsnorm wäre zwar für ein paar Pioniere methodisch, würde aber von Personen, die die Antarktis friedlich besiedeln möchten, nicht verstanden werden. Libertäre haben daher oft ein kritisches Verhältnis zu konstituierten Rechten und denken in dieser Beziehung wie Max Stirner.
Kritisch eingewendet wird hier oft, dass Eigentum in einer Massengesellschaft eben nur durch einen Rechtsstaat als Gewaltmonopolist garantiert werden könne. Der Eigentumsbegriff (sofern er Gerechtigkeit in dem Sinne einschließt, dass sich der Eigentümer sein Eigentum in irgendeiner Weise „verdient“ oder „erarbeitet“ haben soll) setzt in dieser Sichtweise das Vorhandensein eines Staates notwendigerweise voraus, um in einer Massengesellschaft überhaupt sinnvoll zu sein. Minarchisten würden dieser Position zustimmen, während Anarcho-Kapitalisten darauf verweisen, dass im Verhältnis der Staaten zueinander eine ebensolche Situation besteht, dass es keinen obersten Gewaltmonopolisten gibt und friedliches Zusammenleben inklusive Eigentumsschutz offensichtlich möglich ist.
Kritik
Kritiker befürchten, dass in einer anfangs libertären oder anarchistischen Gesellschaft einzelne Personen oder Gruppen einen einmal gewonnenen kleinen Machtvorsprung gegenüber anderen benutzen würden, um sich immer weitere Macht anzueignen, woraus sich letztlich wieder eine staatlich organisierte Gesellschaft entwickeln würde.
Die uneingeschränkte Freiheit des Wirtschaftens, z.B. die Privatisierung öffentlicher Aufgaben, würde die Alleinherrschaft der Reichen und letztlich das Faustrecht zur Folge haben. Eine Abschaffung oder Marginalisierung des Staates würde dazu führen, dass staatliche Funktionen und Hoheitsrechte von privaten Personen, undurchsichtigen Institutionen oder Firmen übenommen würden, wo sie nicht mehr demokratisch kontrolliert werden könnten, sondern nur deren Eigennutz dienten.
Obwohl eine (sehr geringe) Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario sicherlich besteht, endeten geschichtlich libertäre Gesellschaften immer erst dann, als Invasoren Legitimität beanspruchten. Privatwirtschaftliche Kartelle und Monopole können aufgrund der Gesetze des Marktes keine dauerhafte Machtstellung ohne Zustimmung ihrer Kunden halten.
Kapitalistische Libertäre bestehen auf dem Vorrang der Rechte des Individuums vor den Ansprüchen einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft. Aus diesem Grund lehnen sie unbeschränkte Massendemokratie als Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit ab. Stattdessen bevorzugen sie freiwillige Kooperation zu beiderseitigem Vorteil, unveräußerliche Menschenwürde, aus dem Naturrecht abgeleitete Menschenrechte oder Nachhaltigkeit als ökonomische Vernunft.
Manche Kritiker erblicken in der Ablehnung der Massendemokratie eine Nähe des kapitalistischen Libertarismus zu rechtsextremem Gedankengut, auch wenn sein individualistischer Ausgangspunkt in deutlichem Gegensatz zu den kollektivistischen Elementen und der Staatsfixierung des typischen Rechtsextremismus steht.
Techno- oder Cyberlibertarismus
Ganz aus dem politischen Schema fallen Techno-Libertarians wie Perry Barlow heraus, der seine Vorstellungen über den Cyberspace in US-libertäre Ideologie kleidete. Besonders im Bereich der Internet-Politik haben sein Techno- oder Internet-Libertarismus und die Vorstellung einer Electronic Frontier (dt. "Elektonische Grenze") während der Boomphase des Internets in den 1990er Jahren starken Einfluss ausgeübt, der aber in der augenblicklichen Konsolidierungsphase merklich schwindet (siehe auch: Technoliberalismus).
Nebenströmungen und Individualisten
Neben den bereits vorgestellten „großen“ Linien brachte der Libertarianismus auch einzelne Denker hervor, die ihre eigenen Richtungen entwickelten.
Ein Beispiel dafür ist der Psychologe und Autor Robert Anton Wilson, der sich zwar selbst öfters als „Libertarier“ bezeichnet, jedoch keine Gelegenheit auslässt, mit Witz und Scharfsinn die Absurditäten aller großen Richtungen des US-amerikanischen Libertarismus schonungslos aufzudecken. Von ihm stammen z.B. Sätze wie „Die Ansichten der Rechten über die Regierung und die der Linken über das big business sind beide richtig“. So treffsicher seine Analysen auch sind, lässt er leider sehr oft eigene klare Positionen vermissen.
Literatur
Zum sozialistischen Anarchismus
- Autorenkollektiv: Was ist eigentlich Anarchie, ISBN 387956700X
- Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie, ISBN 3879562334
- Alexander Berkman: ABC des Anarchismus
- April Carter: Die politische Theorie des Anarchismus
- Hans Diefenbacher: Anarchismus, ISBN 3896780131
- Paul Eltzbacher: Der Anarchismus. Eine ideengeschichtliche Darstellung seiner klassischen Strömungen, [http://www.libertadverlag.de/libertad_501.htm Lieferbar]
- Graswurzelrevolution (Hg.) Gewaltfreier Anarchismus; Herausforderungen und Perspektiven zur Jahrhundertwende; Verlag Graswurzelrevolution 1999
- Monika Grosche: Anarchismus und Revolution, Sydnikat A, 2004
- Peter Kropotkin: Die Eroberung des Brotes, ISBN 3922209084
- Lou Marin ; Ursprung der Revolte ; Albert Camus und der Anarchismus; Verlag Graswurzelrevolution 1998
- Jürgen Mümken ; Freiheit, Individualität und Subjektivität. Staat und Subjekt in der Postmoderne aus anarchistischer Perspektive; Verlag Edition AV, 2003 [www.graswurzel.net/282/post.shtml]
- Max Nettlau: Geschichte der Anarchie; Bibliothek Thélème, ISBN 3930819007
- Pierre-Joseph Proudhon: System der ökonomischen Widersprüche oder Philosophie des ElendsISBN 3879562814
- R. Rasch / H.J. Degen ; Die richtige Idee für eine falsche Welt? ; Oppo Verlag 2002
- Joachim Willems: Religiöser Gehalt des Anarchismus und anarchistischer Gehalt der Religion? Die jüdisch-christlich-atheistische Mystik Gustav Landauers zwischen Meister Eckhart und Martin Buber. Albeck bei Ulm 2001.
- Justus F. Wittkopp: Unter der schwarzen Fahne, ISBN 3879562172
Zum kapitalistischen Libertarismus
- Murray N. Rothbard: Eine neue Freiheit - Das libertäre Manifest, 1999, ISBN 3933631084
- Murray N. Rothbard: Die Ethik der Freiheit, 2000, ISBN 3896650866
- John Hospers: Libertarianism - A Political Philosophy for Tomorrow. Los Angeles 1971
- David Gordon: "Libertarianism", in David Miller, Janet Coleman, William Connolly und Alan Ryan (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Political Thought. Oxford 1987, S. 289-291
- Norman P. Barry: On Classical Liberalism and Libertarianism. London / Hampshire 1989
- Gissurarson, Hannes H.: "Libertarianism", in William Outhwaite und Tom Bottomore (Hrsg.): The Blackwell Dictionary of Twentieth-Century Social Thought. Oxford / Cambridge, MA 1994, S. 338-339
- André F. Lichtschlag: Libertarianism - eine (anti-)politische Bewegung in den USA und ihre Bedeutung für Deutschland, Grevenbroich 2000
- Stefan Blankertz: Das libertäre Manifest - Über den Widerspruch zwischen Staat und Wohlstand, Grevenbroich 2001
- David D. Friedman: Das Räderwerk der Freiheit - Für einen radikalen Kapitalismus, Norderstedt 2003 ISBN 3833005297
Weblinks
Zum sozialistischen Libertarismus
- [http://www.graswurzel.net/ Graswurzelrevolution, Monatszeitschrift]
- http://www.libertaere.de/
- [http://www.infoshop.org/faq/secFcon.html Anarcho-Kapitalismus aus anarchistischer Sicht (engl.)]
- [http://www.fau.org Freie ArbeiterInnen Union Deutschlands]
Zum kapitalistischen Libertarismus
- http://www.freiheitsfabrik.de
- http://de.liberty.li
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4221/1.html Hintergrund-Special bei Telepolis zum Thema]
- [http://www.eifrei.de Libertäre in Deutschland - eigentümlich frei]
- [http://www.lsr-projekt.de/msakap.html Die Anarcho-Kapitalisten und Max Stirner] Stirner kein Vordenker des Libertarismus
- [http://www.libertaere-fdp.de/ Libertäre in der FDP - die Libertäre Plattform innerhalb der FDP]
- [http://www.libertaere-liste.de/index.htm Libertäre in Deutschland - Libertäre Liste Bonn]
- [http://www.libertaria.de/index.htm Libertäre in Deutschland - Libertaria]
- [http://www.libraltar.de/index.htm Umfangreiche internationale Linksammlung zum Libertarismus]
- [http://www.unternehmerische-freiheit.de Institut für Unternehmerische Freiheit]
- [http://www.lp.org Website der Libertarian Party in den USA (engl.)]
- [http://www.techcentralstation.com/072004C.html "The Trouble with Libertarianism" by Edward Feser (engl.)]
- [http://www.humonde.de/artikel/10040 „Nomokratie Demokratie Bürokratie KLEPTOKRATIE“] - Ein Artikel über den Beggriff Kleptokrtie aus „libertärer“ Sicht
Kritik
- [http://world.std.com/~mhuben/faq.html A Non-Libertarian FAQ (engl.)]
: - [http://www.daviddfriedman.com/Libertarian/response_to_huben.html Response to A Non-Libertarian FAQ (engl.)]
:: - [http://world.std.com/~mhuben/andreas.html Rebuttal to the Response of D. Friedman (engl.)]
::: - [http://www.daviddfriedman.com/Libertarian/rerebutal_re_huben.htm Re-response to that Rebuttal above (engl.)]
Kategorie:Politischer Begriff
Kategorie:Staatsphilosophie
Kategorie:Liberalismus
Kategorie:Anarchismus
ja:リバタリアニズム
simple:Libertarianism
Anarchismus
Der Anarchismus ist eine Weltanschauung, die annimmt, dass die Herrschaft von Menschen über Menschen (Chefs, Führer, Autoritäten, staatliche Herrschaft, jede Form von Hierarchie) nicht gerechtfertigt, unnötig, repressiv und gewaltsam ist, eine Unterdrückung darstellt, und somit aufgehoben werden muss. Im Mittelpunkt stehen Freiheit, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und Selbstverwaltung der Individuen, die Ausübung von Zwang wird zurückgewiesen.
Der Begriff der Anarchie (griechisch αναρχία - Führerlosigkeit) bezeichnet die Idee einer herrschaftsfreien und gewaltlosen Gesellschaft, in der Menschen ohne politischen Zwang (Macht) und Herrschaft gleichberechtigt und ohne Standesunterschiede miteinander leben und sich so frei entfalten können. Ein Mensch, der nach diesen Idealen lebt oder einer, der eine herrschaftsfreie Gesellschaft anstrebt, wird als Anarchist bezeichnet.
Die daraus resultierenden politischen Denkansätze, die die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Staates und des staatlichen Gewaltmonopols bestreiten, bezeichnet man als Anarchistische Theorien.
Bisweilen wird das Adjektiv libertär synonym für "anarchistisch" verwendet. Diese Terminologie ist jedoch unpräzise.
Definitionsgeschichte
Ursprünglich bedeutet 'anarchia' einfach die Negation von militärischer Ordnung durch Führertum. Homer und Herodot (490 bis etwa 420/425 v. u. Z.) verwendeten den Begriff zur Beschreibung eines Zustandes "ohne Anführer" oder "ohne Heerführer", und Euripides (480 bis 407 v. u. Z.) bezeichnet mit 'anarchia' "führerlose Seeleute".
Aristoteles (384 bis 322 v. u. Z.) definierte die Anarchie als einen "Zustand der Sklaven ohne Herren". Die Bedeutung von "politischer Herrschaftslosigkeit" erlangte der Anarchiebegriff offensichtlich erstmals bei Xenophon (um 580 bis 480 v. u. Z.), für den die anarchia das Jahr war, in dem es keinen archon (Herrscher) gab.
Bei den Stoikern, Hedonisten und Kynikern finden sich Ideen, die ein 'herrschaftsfreies Gemeinwesen' befürworten, auch wenn sie selber noch nicht von Anarchie reden. Besonders radikal wurden diese libertären Anschauungen von Zenon von Kition (336 bis 364 v. u. Z.), dem Begründer der Stoischen Schule, vertreten. Gegenüber den autoritären theokratischen Ideen Platons nahm Zenon vom Individuum ausgehend eine – aus heutiger Sicht – durchaus als libertär zu verstehende Gegenposition ein. Auch Aristippos (um 435 bis 366 v. u. Z.), der Sokrates-Schüler und Begründer des Hedonismus, scheint ein herrschaftsfreies Gemeinwesen befürwortet zu haben. Er dachte dabei, wohl ebenso wie Zenon, eher an eine "Anarchie" der Weisen.
1796 bezeichnete der Kulturphilosoph und Schriftsteller der Romantik, Friedrich von Schlegel (1772 bis 1829), in seinem "Versuch über den Republikanismus" die Anarchie als "absolute Freiheit", d. h. als ein im Gegensatz zur Despotie verstandenes Ideal, das "durch Annäherung erreicht werden kann".
Drei Jahre zuvor hatte Johann Gottlieb Fichte (1762 bis 1814) in seinem "Beitrag zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution", ohne den Ausdruck Anarchie explizit zu gebrauchen, die libertäre These vertreten, dass der Staat die Aufgabe habe, sich selbst überflüssig zu machen, und ausdrücklich betont, dass die Menschheit sich diesem Ziel der Staatenlosigkeit immer mehr nähert.
1808 charakterisiert Johann Wolfgang von Goethe die Anarchie als notwendiges Ferment des kulturellen und wissenschaftlichen Fortschritts:
"Ob wir gleich, was Wissenschaft und Kunst betrifft, in der seltsamen Anarchie leben, die uns von jedem erwünschten Zweck immer mehr zu entfernen scheint, so ist es doch eben diese Anarchie, die uns nach und nach aus der Weite ins Enge, aus der Zerstreuung zur Vereinigung treiben muß."
Und 1821 dichtet er in den "Zahmen Xenien": "Warum mir aber in neuester Welt / Anarchie gar so gut gefällt ? – / Ein jeder lebt nach seinem Sinn, / Das ist nun also auch mein Gewinn. / Ich lass einem jeden sein Bestreben, / Um auch nach meinem Sinne zu leben."
Ludwig Börne (1786 bis 1837), neben Heinrich Heine einer der geistigen Gründerväter der literarischen Erneuerungsbewegung des "Jungen Deutschland", war vermutlich der erste, der sich in Deutschland auch in einem politischen Sinn offen für die Anarchie aussprach. In seiner Kritik eines 1825 in Paris veröffentlichten Buches, den "nouvelles lettres provinciales", befürwortet er sie folgendermaßen:
:"Nicht darauf kommt es an, daß die Macht in dieser oder jener Hand sich befinde: die Macht selbst muß vermindert werden, in welcher Hand sie sich auch befinde. Aber noch kein Herrscher hat die Macht, die er besaß, und wenn er sie auch noch so edel gebrauchte, freiwillig schwächen lassen. Die Herrschaft kann nur beschränkt werden, wenn sie herrenlos – Freiheit geht nur aus Anarchie hervor. Von dieser Notwendigkeit der Revolution dürfen wir das Gesicht nicht abwenden, weil sie so traurig ist. Wir müssen als Männer der Gefahr fest ins Auge blicken und dürfen nicht zittern vor dem Messer des Wundarztes. Freiheit geht nur aus Anarchie hervor – das ist unsere Meinung, so haben wir die Lehren der Geschichte verstanden."
Liberale Vorstellungen lassen sich auch bei Wilhelm von Humboldt (1767 bis 1835) finden, wie zum Beispiel in seiner Schrift "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen", welches er nach eigenem Zeugnis mit der Intention verfasste, "der Sucht zu regieren entgegenzuarbeiten".
In der Schrift "Die Philosophie der Tat", die 1843 als Artikelserie in der von Georg Herwegh herausgegebenen Zeitschrift Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz erschien, definierte Moses Hess (1812 bis 1875) Atheismus und Kommunismus als analoge Erscheinungsformen der Anarchie:
:"Die Anarchie, auf welche sich die beiden Erscheinungsformen, Atheismus und Kommunismus zurückführen lassen, die Negation aller Herrschaft, im geistigen wie im sozialen Leben, erscheint zunächst als schlechthinige Vernichtung aller Bestimmung, mithin aller Wirklichkeit. Aber es ist in der Tat nur das äußerliche Bestimmtwerden, die Herrschaft des einen über den anderen, was die Anarchie aufhebt. Die Selbstbestimmung wird hier so wenig negiert, daß vielmehr deren Negation (die durch 'das Bestimmtwerden von außen' gesetzt (wird)) wieder aufgehoben wird. Die durch den Geist geschaffene Anarchie ist nur eine Negation der Beschränktheit, nicht der Freiheit. Nicht Schranken, welche der Geist sich selbst setzt, bilden den Inhalt seiner freien Tätigkeit – also dieses Sichsetzen, Sichbestimmen oder Sichbeschränken ist es nicht, was vom freien Geist negiert werden kann, sondern das Beschränktwerden von außen."
Unüberhörbar ist auch das individualanarchistische Credo in den von Moses Hess zu dieser Zeit veröffentlichten Schriften. Noch vor Max Stirner propagierte er die Autonomie des Individuums:
:"Der Wert der Anarchie besteht darin, daß das Individuum wieder auf sich selbst angewiesen wird, von sich ausgehen muß ... Wenn ich an eine Macht außer oder über meinem Ich glaube, so bin ich von Außen beschränkt ... Ebenso kann ich im sozialen Leben mich selber bestimmen, in dieser oder jener bestimmten Weise tätig sein, ohne eine äußere Schranke meiner Tätigkeit anzuerkennen – ohne einem Anderen das Recht einzuräumen, mich zu beschränken."
Umgangssprachlich und von seinen politischen Gegnern wird der Begriff Anarchie jedoch oft mit Unordnung, Zerstörung und Chaos gleichgesetzt. Als politisch diffamierendes Schlagwort gegen andere ist der vom Begriff Anarchie abgeleitete Ausdruck Anarchist erst seit der französischen Revolution bekannt. Allem Anschein nach war es der Girondist Jacques Pierre Brissot, der den Begriff 'Anarchist' in einer Wahlrede vom 23. Mai 1793 als erster zur Diskreditierung des politischen Gegners benutzte.
In den 1970er Jahren wurden die deutsche Rote Armee Fraktion (RAF) und andere als terroristisch geltende Gruppierungen wegen ihrer extremen Militanz, mit der sie bis zur tödlichen Konsequenz für andere und sich selbst gegen Symbolfiguren der herrschenden Staatsgewalt aus Politik, Wirtschaft und Justiz vorging, fälschlich als anarchistisch bezeichnet und angesehen; dabei waren sie nachweislich revolutionär-sozialistisch und nicht anarchistisch ausgerichtet. Vor allem die Berichterstattung über die RAF in den meisten öffentlichen Medien führte zu einer "negativen Besetzung" der Begriffe Anarchie und Anarchismus in der Bundesrepublik Deutschland.
Anarchie als Ideal
Eine Denkrichtung sieht die Anarchie lediglich als eine Idealvorstellung, der man sich nur annähern kann. Aus der Betrachtung, dass Anarchie das Ideal sein würde, wäre ein aufkommender Staat nichts anderes als eine kriminelle Organisation, die anarchistische Menschen unterjocht und deren Eigentum entwendet. Insofern unterscheidet sich ein Staat nicht von einer Mafia oder anderen Kriminellen, welche es auch in einer Anarchie geben würde. Der Unterschied ist nur, was man dabei unter einem "Staat" versteht. Die übliche Vorstellung von Staat ist, dass es sich um eine legitime Einrichtung handle. Dies ist aber aus der Sicht von Anarchisten eben nicht der Fall. Die historische Definition von Franz Oppenheimer in "Der Staat" ist dazu: "die Organisation legitimierter Plünderei". Wenn man also einen Staat gedanklich gar nicht anerkennt - und das tun Anarchisten ja auch nicht, dann lebten wir bereits in "Anarchie" - nur, dass sich diese Vorstellung wiederum aus der reinen Definition von Herrschaftlosigkeit verbieten würde.
Anarchie als Lebenshaltung
Zunächst war die anarchistische Idee ein Gedankenmodell für das gesellschaftliche Leben ohne politische Ausrichtung. Aufgrund der - seit Jahrtausenden in vielen Kulturen bestehenden - auf Autorität beruhenden Organisation des Zusammenlebens war jedoch ein revolutionäres, politisches Element im Anarchismus schon immer latent vertreten. Der Anarchismus ist dennoch eher als philosophische denn als politische Strömung zu sehen, und viele Anarchisten lehnen auch heute noch eine Beteiligung am politischen System oder anderen konkreten Aktionen kategorisch ab. Sie sind der Meinung, der Zustand der Herrschaftslosigkeit könne den Menschen nicht aufgezwungen werden, da dies ein klassisches Paradoxon sei. Vielmehr müsse sich die Gesellschaft von innen heraus einem Zustand der Anarchie immer weiter nähern. Das ist auch der Grund, warum Anarchisten im Laufe der Geschichte immer wieder an Revolutionen beteiligt waren: sie wollten die Gesellschaft verbessern, um so ihrem Ziel näher zu kommen. Es war jedoch nicht ihre Absicht, den Zustand der Anarchie zu erzwingen. Praktisch war der bewaffnete revolutionäre Kampf oftmals Mittel der Selbsterhaltung.
Siehe auch: Anarchopazifismus
Aktionsformen
Der Anarchismus hat stets versucht direkt politisch zu handeln. Aus diesem Ansatz leiten sich verschiedene Aktionsformen ab, wie z.B. der in der Regel gewaltlose, auch von bürgerlichen Protestbewegungen angewandte zivile Ungehorsam oder die auch militante Aktionen beinhaltende Direkte Aktion.
Historische Richtungen des 20. Jahrhunderts
Im zwanzigsten Jahrhundert bildeten sich aber auch politische Strömungen heraus, deren Selbstverständnis es ist, Anarchisten zu sein, obwohl man sie mit dem klassischen Anarchismus nur noch schwer in Verbindung bringen kann.
Hier gibt es nun im Wesentlichen zwei Richtungen:
Der so genannte Anarchokapitalismus spricht sich bewusst gegen den Staat aus, da die Teilnahme am Staat erzwungen ist. Der "Links"-Anarchismus hatte dagegen nicht nur den Zwang des Staates im Auge, sondern auch strukturelle Ziele, die für sich genommen gegebenenfalls auch herrschaftliche Instrumente verlangten, um sie überhaupt durchsetzen zu können.
Der "linke", kommunistische Anarchismus strebt dagegen eine Gesellschaft an, dessen politische Entscheidungen von der Basis ausgehen. Dazu wird Selbstorganisation von den Vertretern dieses Anarchismus als Mittel angesehen.
Das Leben solle auf kleinstmöglicher politischer Ebene geregelt werden.
Als wichtigste politische Einheit gelten demnach Stadtteilorganisationen, in denen lokale Angelegenheiten gemeinsam zu entscheiden sind. Demnach solle der Mensch die ihn betreffenden Entscheidungen selbst gemeinsam mit anderen fällen dürfen, weshalb sich diese Anarchisten auch immer gegen den Staat wenden, da er gewaltgesetzt ist und in der bürgerlichen Demokratie die Politik immer nur von einer kleinen Machtgruppe (Politiker/Konzern/Parteien), d. h. oligarchisch entschieden werde.
Zu einer gerechten Gesellschaft gehöre eine gerechte Wirtschaft, weshalb Anarchisten autoritäre Wirtschaftsordnungen, wie die von einigen Marxisten gefordert, ablehnen, und eine selbstorganisierte Wirtschaft anstreben.
Wenn jedoch ein selbstorganisierter reicher Bereich des Gemeinwesens mit einem selbstorganisierten armen Bereich die Lasten angemessen zu teilen nicht bereit ist, ist dies nach linkem Verständnis aber erst recht ungerecht. Dies ist das Problem, wenn Teile des gesellschaftlichen Besitzes einer Minderheit gehören.
Richtungen
Grundformen
- Mutualismus – soziale Symbiose in einem herrschaftsfreien System (siehe auch: Proudhon und Proudhonismus)
- Kollektivistischer Anarchismus – begründet von Michail Bakunin, demzufolge die revolutionäre Arbeiterklasse den entscheidenden Faktor als Triebkraft für die anarchistische Revolution ausmacht.
- Anarchokommunismus, ursprünglich eigentlich die Theorie des Anarchistischen Kommunismus - begründet von Kropotkin
- Individualistischer Anarchismus - in wesentlichen Teilen im Widerspruch zu den vorgenannten (Diskussion Individualismus/„Egoismus“ versus Kollektivismus/„Altruismus“) – Das Individuum und seine Interessen als einzig ausschlaggebender Faktor der Gesellschaft. vor allem: Benjamin Tucker. Individualistische Anarchisten sehen sich häufig in der Tradition Max Stirners.
Anarchistische Richtungen mit Grundlagen im 19. Jahrhundert (einschließlich der Mischformen)
- Anarchistischer Föderalismus - begründet von Pierre Joseph Proudhon, baut er auf die Vernetzung kommunaler Strukturen
- Anarchosyndikalismus – Gewerkschaften als Basis (vgl. unter anderem auch Confederación Nacional del Trabajo (CNT), die mit fast 2 Millionen Mitgliedern bislang größte anarchosyndkalistische Gewerkschaft im Spanien der 1930er Jahre)
- Primitivismus - Rückkehr zu überwundenen Formen des Wirtschaftens (vorindustriell)
- Anarchopazifismus - Gewaltfreie Umsetzung
Andere, neuere oder in der Definition teilweise umstrittene Formen des Anarchismus
- Libertarismus - Freiheit des Individuums steht im Vordergrund (Mischform zwischen individualistischem Anarchismus und kapitalistischem Liberalismus)
- Anarchokapitalismus - Kapitalistisch orientierter Anarchismus - Eigentum als zentrale Idee, der Staat wird abgelehnt.
- Anarchafeminismus - Angesichts einer Vorherrschaft der Männer, die zu bekämpfen sei, wird der Anarchismus als Möglichkeit der Emanzipation gesehen
- Postanarchismus
- Situationismus - die französische Variante von 1968 (Studentenbewegung, Mai-Unruhen), Forderungen u.a. Abschaffung der Ware, der Arbeit, der Hierarchien, Aufhebung der Trennung zwischen Kunst und Leben
- Pogo-Anarchismus, siehe APPD (Dieser ist meistens nicht ernsthaft gemeint)
Geschichte
16. Jahrhundert
Zu den Vorläufern des Anarchismus wird
Étienne de La Boétie gezählt, der im Alter von 18 Jahren das grundlegende Werk "Von der freiwilligen Knechtschaft" schrieb. La Boétie nahm damit ein Thema vorweg, das im 20. Jahrhundert Antonio Gramsci und
Wilhelm Reich wieder aufgriffen. Die Diktaturen stützen sich keineswegs nur auf Repression, häufig können sie sich der Zustimmung der Massen ziemlich sicher sein. Warum?
18. Jahrhundert
Bereits 1793 formuliert William Godwin in seinem Werk Enquiry concerning political justice, dass jedwede obrigkeitliche Gewalt als ein Eingriff in die private Urteilskraft anzusehen ist.
Seine Ideen wurden jedoch lange Zeit nicht aufgenommen. Erst Pierre Joseph Proudhon stellt die wesentlichen Elemente des Anarchismus in seinem Werk Qu'est-ce que la propriété? ou recherches sur le principe du droit et du gouvernement (1840) (Was ist Eigentum? oder Forschungsarbeiten zum Grundsatz des Rechts und der Regierung) zusammen und formuliert: "Eigentum ist Diebstahl."
19. Jahrhundert
Terrorismus - Die "Schwarze Internationale"
Später, im 19. Jahrhundert, waren es Revolutionäre wie Michail Bakunin, die eine Notwendigkeit von politisch motivierter Gewalt zur Verteidigung der Arbeiterklasse gegen Unterdrückung durch die herrschende Klasse darlegten.
Klasse
Bakunin war schon während der Märzrevolution von 1848/1849 auch an führender Stelle bei regionalen Aufständen beteiligt, beispielsweise im Mai 1849 im Königreich Sachsen am Dresdner Maiaufstand, der die Anerkennung der vom König und weiteren führenden Fürsten des Deutschen Bundes abgelehnten Paulskirchenverfassung und die Durchsetzung einer demokratischen Republik in Sachsen (vgl. Reichsverfassungskampagne) zum Ziel hatte, aber von sächsischem und preußischen Militär niedergeschlagen wurde.
Einige der frühen Anarchisten unterstützten politische Gewalt durch Bombenattentate oder die Ermordung von Staatsoberhäuptern wie Zar Alexander II. von Russland (1881).
Diese Aktionen, von Peter Kropotkin anlässlich eines internationalen revolutionären Kongresses 1881 in London als Propaganda der Tat bezeichnet, wurden aber von anderen als kontraproduktiv oder ineffektiv angesehen.
Schon einige Jahre zuvor hatten symbolträchtige Anschläge auf Kaiser Wilhelm I. und die Könige von Spanien und Italien stattgefunden. Am 24. Juni 1894 aber tötete der junge italienische Einwanderer Sante Jeronimo Caserio, der dem anarchistischen Umfeld zuzurechnen war, den französischen Präsidenten Sadi Carnot. Dies war der Höhepunkt einer ganzen Serie von anarchistisch motivierten terroristischen Anschlägen in Frankreich. Weiterhin zu erwähnen ist der Anarchist Leon Czolgosz, der am 6.September 1901 in Buffalo (New York) auf den Präsidenten William McKinley schoss. McKinley starb acht Tage später.
Die Attentate führten dazu, dass die gesamte internationale Gemeinschaft sich bedroht fühlte. Es war nicht allein Frankreich von solchen Attentaten betroffen. Die 1890er-Jahre wurden als ein "Jahrzehnt der Bomben" bezeichnet. Anschläge mit Dynamit - einer ganz neuen Erfindung - in rascher Folge richteten sich gegen Monarchen, Präsidenten und Minister. Andere trafen offizielle Gebäude.
Die Häufung der mehr oder weniger zeitgleichen Attentate in verschiedenen Ländern erweckte den Eindruck, es gebe eine Art "Schwarze Internationale" und führte zu einer Zusammenarbeit der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Anarchismus. Das Konzept der Schwarzen Internationale wurde zu einem Kampfbegriff und führte aufgrund der terroristischen Anschläge von Anarchisten zu einer Reduktion des Anarchismus auf Terroranschläge.
Anarchistischer Kommunismus
Terror
Peter Kropotkin entwickelte in seinem Buch Gegenseitige Hilfe (1897) einen anarchistischen Kommunismus, dessen wissenschaftlicher Aspekt auf der Evolutionstheorie basiert, sich jedoch gerade gegen Sozialdarwinismus ausspricht. Die Zusammenarbeit verschiedener Individuen ist ein sehr starker Faktor gegenüber dem Konkurrenzkampf. Zusammenschlüsse von Individuen gibt es auf verschiedensten Entwicklungsstufen des Lebens.
20. Jahrhundert
Im frühen 20. Jahrhundert wurden in Europa die Anarchisten-Gruppen in Russland auch von den Kommunisten (vgl. auch Kommunistische Partei) verdrängt bzw. gewaltsam niedergeschlagen (Säuberungsaktionen gegen Anarchisten gegen Ende der russischen Revolution - Niederschlagung des anarchistischen Arbeiter- und Soldatenaufstandes in Kronstad. Schon in den 1870er Jahren hatte der Konflikt um die revolutionäre Führungsrolle einer Partei zwischen Karl Marx und Michail Bakunin bis 1876 zur Auflösung der Ersten Internationale (genauer der Internationalen Arbeiterassoziation, IAA) geführt.
Arbeiterbewegung
Anarchisten spielten in vielen Arbeiterbewegungen, Aufständen und Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts eine Rolle. Dazu gehören etwa die Mexikanische Revolution von 1910 bis 1919 mit der Bauernarmee unter Führung von Emiliano Zapata, die Oktoberrevolution 1917 in Russland und die nach ihrem führenden Partisanen Nestor Machno benannte Bewegung der Machnowzi (Machnotschina = Machnobewegung) zwischen 1917 und 1921 in der Ukraine; auch in der kurzlebigen Münchner Räterepublik von 1919 waren zeitweise Anarchisten wie Gustav Landauer und der Dichter Erich Mühsam an der Räteregierung beteiligt; ebenso im Spanischen Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Gruppen der Republikaner und der faschistischen Bewegung unter General Franco zwischen 1936 und 1939. In diesem Bürgerkrieg kontrollierten Anarchistengruppen, insbesondere die große und einflussreiche anarchosyndikalistische Gewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo CNT mit ihrem militanten Arm, der anarchistischen Federación Anarquista Ibérica (FAI) große Teile des östlichen Spaniens.
Auch heute noch ist die 1922 gegründete anarchosyndikalistische Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA) in vielen Ländern Amerikas und Europas in Arbeitskämpfen aktiv.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich hauptsächlich in den USA die neue politische Theorie des rechts-Libertarismus. Diese Ideologie ist gegen den stetig wachsenden Einfluss des Staates auf die Wirtschaft, und ist dem klassischem Liberalismus des 18. und frühen 19. Jahrhundert näher als den bisherigen linken anarchistischen Traditionen. Dieser Libertarismus wird aber von den meisten Anarchisten anderer Richtungen als reinste Form des Kapitalismus abgelehnt.
Studentenbewegung
Mit der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre stieg das öffentliche Interesse am Anarchismus. Innerhalb der Studentenbewegung gab es eine anarchistische Strömung. Auch im SDS, der sich zum Sammelbecken der gesamten Bewegung entwickelte, waren Anarchisten vertreten. Teilweise kam es zu gemeinsamen Protestaktionen auch mit Personen, die sich nicht dem Anarchismus zuordneten. In Großbritannien entstand Ende der 1970er Jahre der Punk als eine anarchistisch geprägte Subkultur. Vor allem die Band Crass sind hier als engagierte Anarchisten und Pazifisten zu nennen. Des Weiteren hatte der Anarchismus für die Neue soziale Bewegungen (NSB) eine theoretische und praktische Bedeutung. Innerhalb der Autonomen als linksradikalem Flügel der NSB gab und gibt es eine große libertäre Strömung. Ende der 1990er Jahre nehmen Anarchisten eine postmoderne und poststrukturalistische Theorie auf. Dieser theoretische Ansatz wird unter dem Begriff Postanarchismus zusammengefasst.
Anarchismus heute
Anarchistische Gruppen existieren weiterhin weltweit. In den anglo-amerikanischen Ländern hat der Anarchismus in den letzten Jahren durch den dort auch anarchistisch geprägten Protest gegen die Globalisierung (EZLN) bei einigen Bevölkerungsschichten wieder ein wenig Ansehen erlangt.
In Deutschland existieren weiterhin klassische Anarchisten, einige Bedeutung haben die anarchosyndikalistische FAU/IAA und die anarcho-pazifistische Graswurzelrevolution. Autonome, Punks und Hardcoreler gelten als zumindest stark vom Anarchismus beeinflusst.
Andererseits sind auch Bewegungen wie die Freie Software-Szene nicht hierarchisch, sondern netzwerkartig strukturiert, und stellen so für manche Betrachter eine Form verwirklichter Anarchie dar.
In der Philosophie der Postmoderne werden nicht-hierarchische Formierungen von Gesellschaft, wie sie etwa Gilles Deleuze als Rhizom beschrieb, gegenüber dem alten Baum-Modell häufig favorisiert.
Symbole
Allgemein
Entsprechend der Definition des Anarchismus als "herrschaftsfrei" wird von vielen Anarchisten grundsätzlich die Berechtigung von Symbolen, Flaggen oder auch Hymnen (z.B. von Nationalstaaten u.a.) kritisiert und der "Respekt" in Form von Achtungserweisen vor ihnen verweigert. Aus diesem Grund wird von manchen auch eine entsprechende Symbolik, die stellvertretend für den Anarchismus oder eine Teilbewegung des Anarchismus stehen soll, abgelehnt.
Trotz der Kritik an Symbolen aus den eigenen Reihen wurden schon immer auch von Anarchisten und anarchistischen Gruppen Symbole verwendet. Peter Kropotkin, der Begründer der Theorie des Kommunistischen Anarchismus im 19. Jahrhundert, propagierte die rote Flagge als gemeinsames Symbol mit dem Sozialismus und Kommunismus. Darüber hinaus entwickelten sich im 19. und 20. Jahrhundert weitere eigene Symbole. Die bekanntesten sind heute das eingekreiste A, sowie eine einfache schwarze Flagge.
Das Schwarz zeigt kein Herrschafts-Symbol an, und wird somit als Negation der Herrschaft angesehen.
Die anarchosyndikalistische Bewegung verwendet oft die Farben schwarz und rot zusammen, in der Fahne diagonal schwarz-rot bzw. rot-schwarz in zwei gleich große entsprechend gefärbte Dreiecke geteilt. Diese Symbolik taucht auch in einem ähnlich gestalteten rot-schwarzen fünfzackigen Stern auf.
Anarcho-Zeichen
Das Anarcho-Zeichen, ein "A" in einem Kreis, ist wohl das bekannteste Anarchismus-Symbol. Laut Peter Marshall (Demanding the Impossible S. 558) bezeichnet das eingekreiste "A" Pierre Joseph Proudhons Maxime "Anarchie ist Ordnung."
Der Ursprung des eingekreisten "A"s ist aber immer noch unklar. Die erste öffentliche Verwendung dieses Symbols von Anarchisten geht wahrscheinlich auf den Spanischen Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 zurück. Oftmals wird seine Verwendung in der Gegenwart - seit etwa Anfang der 1980er Jahre -, vorrangig mit der Punk-Bewegung in Verbindung gebracht.
NRK
Selten wird auch die Buchstabenkombination NRK als lautmalerische Abkürzung für "Anarchy" verwendet: Werden die drei Buchstaben englisch und schnell ausgesprochen, ergibt sich das englische Wort für Anarchie - Anarchy.
Mischformen
- Anarchosyndikalismus: schwarz-rote Fahne - Anarchie und Syndikalismus
- Öko-Anarchismus: grün-schwarze Fahne
- Anarchokapitalismus: gelb-schwarze Fahne
- Anarchafeminismus: lila-schwarze Fahne - Anarchie und Feminismus
Kritik am Anarchismus
Da der Anarchismus keine Staatsform darstellt, er im Gegenteil staatliche Herrschaft ablehnt, fällt der Entwurf und die Umsetzung von Gegenmodellen zu gängigen Staatsstrukturen schwer. Die meisten Gegenmodelle abseits des Anarchismus hinterfragen kaum oder gar nicht den Staat als solches und können daher viel mehr auf einem bestehenden Verständnis aufbauen. Aufgrund der Kritik staatlicher (Herrschafts-)Strukturen an sich kann es auch kein Beispiel eines "anarchistischen Staates" geben.
Für viele Kritiker des Anarchismus stellt sich die Frage, wie Gewaltenteilung, die Gewährleistung der Menschenrechte und der Justiz, der Infrastruktur zur Versorgung der Menschen, der Bildung und anderem im Anarchismus realisiert werden sollten, zumal dann, wenn die Umsetzung des Anarchismus sich auf größere Gesellschaften auswirken soll.
Dennoch gab es historisch mehrere Versuche, anarchistische Strukturen, zumindest in Ansätzen, auch in größeren Gesellschaften umzusetzen, beispielsweise bei der Pariser Kommune 1871, in der Ukraine zwischen 1917 und 1922 durch die Machnotschina, zeitweilig in der Münchner Räterepublik 1919 oder während des Spanischen Bürgerkriegs zwischen 1936 und 1939 in Katalonien und dessen Hauptstadt Barcelona durch die CNT. Alle diese Umsetzungsversuche anarchistischer Gesellschaftsorganisation scheiterten in der Regel nicht aus sich selbst heraus, aber teilweise doch relativ schnell durch gewaltsame Niederschlagung von außen. Relativ lange konnten sich das anarchistische Modell der Machnotschina unter den Bedingungen des Russischen Bürgerkriegs sowie der Anarchosyndikalismus in Katalonien unter den Bedingungen des Spanischen Bürgerkriegs halten. Kritiker betrachten diese längerfristigeren Ausnahmen als Nischenmodelle, da die Gegner des Anarchismus zunächst vorrangig andere Feinde hatten, gegen die auch Anarchisten zeitweilig Verbündete waren. In Russland waren diese Feinde die konterrevolutionären "Weißen Armeen", in Spanien waren dies die faschistischen Truppen Francisco Francos.
Auch wird den Anarchisten vorgeworfen, dass in den genannten Beispielen die selektive Konzentrierung der "Macht" in bevorzugten, wenn auch bis dahin eher machtlosen Gruppen (Arbeiterräte, Soldatenräte, Gewerkschaften, Partisanenbewegungen) wiederum eine Herstellung einseitiger Herrschaftsstrukturen unter Ausschluss weiterer Bevölkerungsschichten darstellte. Weiterhin wird in diesem Sinne behauptet, dass es noch nie, weder aktuell noch historisch eine Gesellschaft ohne Herrschaftsstrukturen gab bzw. gibt.
Grundsätzlich unterscheiden sich aber anarchistische Vorstellungen von beispielsweise marxistischen Vorstellungen auch dadurch, dass sie niemanden ausschliessen wollen (wie bei der Diktatur des Proletariats) und jegliche Machtkonzentration einzelner Gruppen ablehnen (anarchistisches Rätemodell). Räte sollten in allen Bevölkerungsschichten entstehen. Historisch allerdings wandten sie sich gegen diejenigen, die real (nach Ansicht der Anarchisten illegitim) konzentrierte Macht innehatten, und sich durch Anarchisten daher bedroht sahen.
Obgleich Ideen des Anarchismus Impulse für das Herausbilden von Demokratien und Formen des Arbeitskampfes gegeben haben, besitzt der Anarchismus in der Gegenwart kaum Unterstützung in der Mehrheit der Bevölkerung. Zudem wird er oftmals fälschlich (siehe: Anarchie) mit einem Zustand des "Chaos" assoziiert. Vorgeworfen wird dem Anarchismus auch ein Teil seiner Geschichte, bei dem viele gewaltsame Anschläge verübt wurden.
Heutzutage stehen auch den Anarchisten nahestehende Gruppierungen wie die sogenannten Autonomen seitens der Gesellschaft in der Kritik wegen ihres teilweise gegnerischen Verhältnisses zum bürgerlichen Recht und dem Gewaltmonopol des Staates.
Diskussionen um den Anarchismus drehen sich auch häufig um die Frage, ob es eine Natur-gegebene (früher Gott-gegebene) Ordnung der Gesellschaft im Sinne einer Hierarchie gibt, die bereits im Wesen des Menschen angelegt sei. Dieser Konflikt spiegelt sich auch in der Wissenschaft, die sich darüber nicht einig ist (vgl. auch Biologismus), aber darauf verweist, dass die Mehrzahl der bisherigen Gesellschaftsmodelle hierarchisch aufgebaut waren.
Bedeutende Anarchistinnen und Anarchisten
- Günther Anders, D
- Alexander Berkman
- Michail Bakunin, Ru
- Jörg Bergstedt
- Hakim Bey
- Janet Biehl
- Étienne de la Boétie
- Murray Bookchin
- Fritz Brupbacher, CH
- Noam Chomsky, USA
- H.J. Degen
- Buenaventura Durruti, Sp
- Francisco Ferrer, Sp
- Charles Fourier
- David D. Friedman
- Ernst Friedrich
- Emma Goldman
- William Godwin
- Otto Gross
- Daniel Guerin
- James Guillaume, CH
- Max Hoelz, D
- Kurt Hafner
- Wolfgang Haug
- Moses Heß, D
- Ulrich Klan
- Karl Koch, D
- Peter Kropotkin, Ru
- Gustav Landauer, D
- Luigi Lucheni
- Nestor Machno UA
- John Henry Mackay
- Errico Malatesta
- Dora Marsden
- Todd May
- Louise Michel
- Johann Most
- Erich Mühsam, D
- Dieter Nelles
- Max Nettlau
- Abel Paz
- Pierre Joseph Proudhon, F
- Salvador Puig Antich
- Pierre Ramus, A
- Ravachol, (eigentl. Francois Claudius Koeningstein)
- Rio Reiser, D
- Fermin Rocker
- Rudolf Rocker
- Murray Rothbard
- Bertrand Russell
- Sacco und Vanzetti, (Nicola Sacco, Bartolomeo Vanzetti), IT
- Abad de Santillán
- Augustin Souchy
- Max Stirner, D
- Clara Thalmann, CH
- Paul Thalmann, CH
- Henry David Thoreau, USA
- B. Traven
- Benjamin Tucker
- Raoul Vaneigem
- Simone Weil, F
- Clara Wichmann
- Milly Witkopf-Rocker
- John Zerzan ( - 1943), USA
- Howard Zinn
Literatur
Einführungen
- Autorenkollektiv: Was ist eigentlich Anarchie, ISBN 387956700X
- Jan Cattepoel: Der Anarchismus. Gestalten, Geschichte, Probleme, 3. überarbeitete Aufl., München: Beck, 1979
- Hans Jürgen Degen (Hg.): Tu was Du willst. Anarchismus - Grundlagentexte zur Theorie und Praxis, 272 S., Berlin: Verlag Schwarzer Nachtschatten, 1987 ISBN 3-89041-005-7 (Sehr nützliche Sammlung von Texten anarchistischer Klassiker)
- Nicolas Walter: Betrifft: Anarchismus. Leitfaden in die Herrschaftslosigkeit, Berlin: Libertad Verlag, 1984 ISBN 3-922226-03-5. (Mit einer umfassenden Bibliographie anarchistischer Literatur)
- Erwin Oberländer (Hg. und Einleitung): Der Anarchismus, Band 4 (der 6 bändigen Reihe) 'Dokumente der Weltrevolution' (Hg. Frits Kool), Olten und Freiburg i. Br.: Walter Verlag, 1972 (Textantholgie)
- Achim v. Borries, Ingeborg Brandies: Anarchismus. Theorie, Kritik, Utopie, Frankfurt a. M.: Melzer Verlag, 1970 (Textsammlung)
- Horst Stowasser: FREIHEIT PUR. Die Idee der Anarchie, Geschichte und Zukunft. (3 Teile: Die Idee/Die Vergangenheit/Die Zukunft; mit sehr umfangreichen bibliographischen Angaben nach jedem der 41.Kapitel! 400 Seiten.), Frankfurt a. M.: Eichborn Verlag, 1995 ISBN 3-8218-0448-3
- Horst Stowasser: Leben ohne Chef und Staat. Träume und Wirklichkeit der Anarchisten, Berlin: Karin Kramer Verlag, 2003 ISBN 3-87956-120-6 (Aufgeteilt in 8. Kapiteln unterteilt in: 'Story/Geschichte/Moral' mit vielen Fotos aus der bewegten Geschichte des Anarchismus)
- Rolf Cantzen: Weniger Staat - Mehr Gesellschaft. Freiheit-Ökologie-Anarchismus. Grafenau: Trotzdem Verlag, 1995 ISBN 3-922209-81-5 (Eine kritische Aneignung des Anarchismus)
- Alexander Berkman: A,B,C des Anarchismus (Original von 1929) Grafenau: Trotzdem Verlag, 1997 ISBN 3-931786-00-5
- George Woodcock: Anarchism
Klassiker
- Michael Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie, ISBN 3879562334
- Alexander Berkman: ABC des Anarchismus, ISBN 3882200855
- Peter Kropotkin: Die Eroberung des Brotes, ISBN 3922209084
- Peter Kropotkin: Der Anarchismus. Ursprung, Ideal und Philosophie, Grafenau (jetzt Frankfurt a. M.): Trotzdem Verlag, 1994 ISBN 3-922209-42-4
- Gustav Landauer: "Aufruf zum Sozialismus" (1911) Oppo Verlag, Berlin 1998 ISBN 3.926880-11-2
- Erich Mühsam: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat (Was ist kommunistischer Anarchismus?) (1932). Vorwort Hansjörg Viesel (mit 7 Fotos) Berlin: Karin Kramer Verlag, 2005 ISBN 3-87956-276-8
- Max Nettlau: Geschichte der Anarchie; Bibliothek Thélème, ISBN 3930819007
- Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, ISBN 3150030579
- Pierre-Joseph Proudhon: System der ökonomischen Widersprüche oder Philosophie des Elends, ISBN 3879562814
Moderne Ansätze
- Murray Bookchin: Die Neugestaltung der Gesellschaft, Grafenau: Trotzdem Verlag, 1992 ISBN 3-922209-35-1
- Ralf Burnicki: Anarchie als Direktdemokratie. - Selbstverwaltung, Antistaatlichkeit. Eine Einführung in den Gegenstand der Anarchie, Moers: Syndikat A, Medienvertrieb, 1998 ISBN 3-00-002097-7
- Michael Wilk: Macht, Herrschaft, Emanzipation. Aspekte anarchistischer Staatskritik, Grafenau: Trotzdem Verlag, 1999 ISBN 3-931786-16-1
- Wolfgang Haug/Michael Wilk: Der Malstrom. Aspekte anarchistischer Staatskritik, Grafenau: Trotzdem Verlag, 1995 ISBN 3-922209-82-3
- Hans Jürgen Degen (Hg.): Anarchismus heute. Positionen, Bösdorf 1991 ISBN 3-89041-006-5.
- Markus Henning, Rolf Raasch: Neoanarchismus in Deutschland. Entstehung, Verlauf, Konfliktlinien, Berlin: Oppo Verlag, 2005 ISBN 3-926880-13-9
- Ralf Burnicki: Anarchismus und Konsens, Verlag Edition AV, 2002
- Rolf Cantzen: Weniger Staat mehr Gesellschaft
- Bernd Drücke: Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland, Ulm: Verlag Klemm & Oelschläger, 1998 ISBN 3-932577-05-1
- Bernd Drücke, Luz Kerkeling, Martin Baxmeyer (Hg.): Abel Paz und die Spanische Revolution. Interviews und Vorträge, Frankfurt/M.: Verlag Edition AV, 2004 ISBN 3-936049-33-5
- Graswurzelrevolution (Hg.): Gewaltfreier Anarchismus. Herausforderungen und Perspektiven zur Jahrhundertwende, Verlag Graswurzelrevolution, 1999
- Silke Lohschelder: Anarchafeminismus. Auf den Spuren einer Utopie, Unrast Verlag, 2000
- Horst Stowasser: Leben ohne Chef und Staat ISBN 3-87956-120-6
Sonstiges
- Junge Linke: [http://www.junge-linke.de/kritik_der_linken/kritik_am_anarchismus.html Kritik am Anarchismus]
- Claudio Pozzoli (Hg.)::'Arbeiterbewegung. Theorie und Geschichte' Jahrbuch 1. Fischer TB Verlag, Frankfurt 1973. (darin eine ausführliche 'Bibliographie zum Anarchismus' von H.M.Bock Seite 294-334).
- Hans Manfred Bock: "Geschichte des 'linken Radikalismus' in Deutschland. Ein Versuch". (darin eine Bibliographie des linken Radikalismus (u.Anarchismus) seit 1966. Seite 354 ff.)Frankfurt 1976.
- Petra Weber: "Sozialismus als Kulturbewegung. Frühsozialistische Arbeiterbewegung und das Entstehen zweier feindlicher Brüder Marxismus und Anarchismus" Droste Verlag, Düsseldorf 1989.
- Tobi Blubb: [http://www.panokratie.de/ Panokratie]
- April Carter: Die politische Theorie des Anarchismus
- Hans Diefenbacher: Anarchismus, ISBN 3896780131
- Paul Eltzbacher: Der Anarchismus. Eine ideengeschichtliche Darstellung seiner klassischen Strömungen, [http://www.libertadverlag.de/libertad_501.htm Lieferbar]
- Monika Grosche: Anarchismus und Revolution, Sydnikat A, 2004
- Hans-Hermann Hoppe: Demokratie. Der Gott, der keiner ist, ISBN 3933497868
- Jens Kastner: Politik und Postmoderne, Unrast-Verlag, 2000
- Lou Marin; Ursprung der Revolte. Albert Camus und der Anarchismus, Verlag Graswurzelrevolution 1998
- Jürgen Mümken: Freiheit, Individualität und Subjektivität. Staat und Subjekt in der Postmoderne aus anarchistischer Perspektive; Verlag Edition AV, 2003 [www.graswurzel.net/282/post.shtml]
- Jürgen Mümken: Anarchosyndikalismus an der Fulda. Die Geschichte der FAUD in Kassel und im Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus, Verlag Edition AV, 2004
- Bernd-Udo Rinas: (Art)gerecht ist nur die Freiheit, Focus-Verlag 2000
- R. Rasch / H.J. Degen; Die Richtige Idee für eine falsche Welt ?; Oppo Verlag 2002
- Joachim Willems: Religiöser Gehalt des Anarchismus und anarchistischer Gehalt der Religion? Die jüdisch-christlich-atheistische Mystik Gustav Landauers zwischen Meister Eckhart und Martin Buber. Albeck bei Ulm 2001.
Organisationen
- FAU/IAA
- LÖPA Berlin
- Internationale der Anarchistischen Föderationen (IFA)
- Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA)
Zeitungen
- Direkte Aktion
- Graswurzelrevolution
- [http://schwarzerfaden.de/ Schwarzer Faden]
- [http://www.projektwerkstatt.de/hefte/index.html Fragend Voran ...]
Weblinks
- Was ist eigentlich Anarchismus? Einführung in die Grundgedanken des Anarchismus. (von Adi Rasworschegg. Wien, 1994; als kostenlose Broschüre). Hier Online:. http://www.anarchismus.at/txt2/anarchie2.htm
- [http://deu.anarchopedia.org/ deu.anarchopedia.org - deutschsprachiges Wiki zum Thema Anarchismus]
- [http://www.free.de/dada/index.htm Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus Berlin / Köln]
- [http://www.projektwerkstatt.de/herrschaft/ Eingangsseite] zu Anarchismus und Herrschaftskritik
- [http://www.sutters-welt.de/ Textsammlung - Mit weit über 150 Texten und Büchern]
- [http://www.anarchismus.net/FAQ/faq.html www.anarchismus.net/ - FAQ-Seite zum Anarchismus]
- [http://www.infoshop.org/ Infoshop.org - "one of the oldest and most respected political websites"]
- [http://www.anarchismus.at/ www.anarchismus.at]
- [http://www.gmu.edu/departments/economics/bcaplan/anarfaq.htm Prof. Bryan Caplan - "Anarchist Theory FAQ..."] (englisch)
- [http://anarchosyndikalismus.org/ anarchosyndikalismus.org]
- [http://www.postanarchismus.net/ postanarchismus.net informiert mit zum Thema Postanarchismus]
- [http://www.anarchismus.de/ anarchismus.de - Beiträge zu libertären und anarchistische Informationen]
- [http://www.infoshop.org/faq/index.html An Anarchist FAQ] (englisch)
- [http://de.indymedia.org/2004/11/99047.shtml Erklärung anarchistischer Symbolik]
- [http://www.infoshop.org/faq/append2.html Erklärung anarchistischer Symbolik] (englisch)
- [http://www.junge-linke.de/kritik_der_linken/kritik_am_anarchismus.html Kritik der Jungen Linken am Anarchismus]
- [http://www.eigenreich.de.vu/ Eigenreich] Diskussion zum Thema Individualanarchismus
- [http://www.mises.org/journals/jls/3_2/3_2_3.pdf Alfred G. Cuzan:Do we ever really get out of anarchy?]
- [http://home.arcor.de/danneskjoeld/F/E/T/OhneStaat.html "Warum es besser ist ohne Staat zu sein"] Drei wichtige Positionen
!
Kategorie:Politischer Begriff
Kategorie:Gesellschaftskritik
Kategorie:Staatsphilosophie
ja:アナキズム
ko:아나키즘
simple:Anarchism
th:ลัทธิอนาธิปไตย
zh-min-nan:Hui-thóng-tī-chú-gī
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin
Fürst Pjotr Alexejewitsch Kropotkin (russisch Пётр Алексеевич Кропоткин, wiss. Transliteration Pёtr Alekseevič Kropotkin) ( - 9. Dezember 1842 in Moskau; † 8. Februar 1921 in Dmitrow) war ein russischer Anarchist, Geograph und Schriftsteller.
Aufgrund seiner Abkunft aus dem russischen Hochadel und da er einer der prominentesten Anarchisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts war, war er bei denen, die ihn kannten, als der anarchistische Fürst bekannt.
Er hinterließ viele Schriften, darunter die revolutionäre Schrift Die Eroberung des Brotes und sein wissenschaftliches Werk Gegenseitige Hilfe in der Tier und Pflanzenwelt. Als gelernter Naturwissenschaftler versuchte Kropotkin eine systematische und wissenschaftlichen Kriterien standhaltende Theorie des Anarchismus zu entwerfen. Er gilt dabei
auch als einer der Mitbegründer des Anarchistischen Kommunismus. Er kämpfte für eine anarchistisch-kollektivistische Gesellschaft, die frei wäre von einer potenziell diktatorischen Regierung.
Biographie
Pjotr Kropotkin wurde als Sohn von Prinz Alexei Petrowitsch Kropotkin in Moskau geboren. Er war somit einer der Nachkommen der berühmten Rjurikiden.
Seine Mutter, Tochter eines Generals in der russischen Armee, hatte für ihre Zeit ebenso bemerkenswert liberale Ansichten wie ein ausgesprochenes Interesse an Literatur. Sie starb jedoch an Tuberkulose, als Kropotkin gerade 4 Jahre alt war, und seine Kindheit war im weiteren geprägt durch den autoritären Vater und die Stiefmutter, die ihren Stiefkindern keine Gefühle entgegenbringen kostnnte. Liebe bekamen Pjotr und sein ein Jahr älterer Bruder Sascha (Alexander) nur von den Leibeigenen der Kropotkins.
1857 im Alter von fünfzehn Jahren trat Pjotr Kropotkin in die St. Petersburger Kadettenschule ein. Die Schule galt als Ausbildungsort, an dem der russische Hochadel seine Kinder auf zukünftige Karrieren in Militär und Verwaltung vorbereitete. Im Jahre 1862 beendete Kropotkin als einer der ersten seines Jahrgangs die Ausbildung.
Bis zum Verlassen der Schule 1862 folgte Kropotkin größtenteils seinen eigenen Interessen.
Er beschäftigte sich intensiv mit den französischen Enzyklopädisten und französischer Geschichte, insbesondere mit der französischen Revolution.
Die liberalen und republikanischen Tendenzen, die in jener Zeit in der russischen Oberschicht aufkamen, entgingen ihm ebensowenig. Auch vertiefte sich sein Interesse am Leben der russischen Landbewohner in dieser Zeit.
Nach seinem Eintritt in die russische Armee ließ sich Kropotkin, ungewöhnlich für seine gesellschaftliche Klasse, in ein sibirisches Kosakenregiment in der neu eroberten Amur-Region versetzen. Im Dienst unter dem liberalen General B.K. Kugel hatte Kropotkin
die Möglichkeit sich mit weiterer sozialistischer Literatur auseinander zu setzen. B.K. Kugel verfügte über die komplette Sammlung der Werke A.I. Herzen.
Außerdem nutzte Kropotkin die dort ziemlich ereignislose Zeit, um ausgedehnte geographische Forschungen anzustellen, die seinen Ruf als Naturwissenschaftler begründeten.
Auch durch die gescheiterten Versuche, wirkliche Veränderungen der sibirischen Verwaltung durchzusetzen, kam Kropotkin zu der Überzeugung, dass wirkliche politische Veränderung innerhalb des oder durch den Staatsapparat nicht möglich wäre.
1867 kehrte Kropotkin nach St. Petersburg zurück.
Er schrieb sich an der Universität St. Petersburg ein. Gleichzeitig wurde er Sekretär der Sektion für physikalische Geographie in der Russischen Geographischen Gesellschaft. In den darauf folgenden Jahren publizierte er wichtige Arbeiten über das Amur-Gebiet und über Gletscher-Ablagerungen in Finnland und Schweden. Als ihm jedoch die Russische Geographische Gesellschaft den Posten ihres Sekretär anbot, war in Kropotkin schon die Überzeugung gereift, dass es eher seine Pflicht wäre sein Wissen einzusetzen um dem leidenden Volk zu helfen. Er schloß sich lieber revolutionären Kreisen an.
1872 reiste Kropotkin in die Schweiz und wurde Mitglied der libertären Juraföderation in Neuchâtel.
Dort nahm er endgültig seine anarchistischen Überzeugungen an und nach seiner Rückkehr nach Russland betätigte er sich intensiv an anarchistischer und nihilistischer Propaganda.
1874 wurde er verhaftet, konnte aber zwei Jahre später aus der Pjotr und Paul Festung in St. Petersburg fliehen. Nach unruhigen Zeiten zwischen London, Paris und der Schweiz wählte er 1878 seinen Wohnsitz in der Schweiz, wo er die Zeitung La Révolté der Jura-Föderation betreute und eigene Schriften veröffentlichte.
In den folgenden Jahren wurde er auf russischen Druck aus der Schweiz ausgewiesen und in Frankreich zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Öffentlicher Druck erreichte seine Freilassung und ermöglichte es Kropotkin sich in London niederzulassen.
Dort veröffentliche er 1902 sein Buch Gegenseitige Hilfe, das eine Gegenthese zum Sozialdarwinismus seiner Zeit aufstellte. Anhand zahlreicher Beispiele aus Natur und Geschichte versuchte er nachzuweisen, dass die erfolgsreichste Strategie in der Evolution auf gegenseitiger Hilfe und Unterstützung und eben nicht auf dem Überleben des Stärksten beruhte. Sein Fazit im Buch lautete: In der Betätigung gegenseitiger Hilfe, die wir bis an die ersten Anfänge der Entwicklung verfolgen können, finden wir also den positiven und unzweifelhaften Ursprung unserer Moralvorstellungen; und wir können behaupten, dass in dem ethischen Fortschritt des Menschen der gegenseitige Beistand - nicht gegenseitiger Kampf - den Hauptanteil gehabt hat. In seiner umfassenden Betätigung - auch in unserer Zeit - erblicken wir die beste Bürgschaft für eine noch stolzere Entwicklung des Menschengeschlechts.
1917 kehrte Kropotkin nach der Februarrevolution nach Russland zurück.
Die Bolschewisten versuchten nach ihrem Machtantritt, den Einfluss des Freiheitsdenkers zu reduzieren; aufgrund seiner Popularität in der Arbeiterbewegung konnte er jedoch ein relativ freies Leben führen. Seine von mehreren zehntausend Menschen besuchte Beerdigung 1921 war die letzte Massenveranstaltung oppositioneller Kräfte in der Sowjetunion bis 1990. Viele Teilnehmer wurden extra für dieses Ereignis vorübergehend aus der Haft entlassen.
Kropotkin wurde für sein weites Wissen und die Güte seines Charakters von Freund und Feind gelobt.
Er galt als Autorität über russische Naturkunde und hat viele Beiträge (darunter den über Anarchismus) für die Encyclopedia Britannica verfasst.
Trotz seines stetigen Wirkens musste er aber auch ansehen, wie die Idee einer anarchistischen Revolution in seiner Zeit immer mehr an Bedeutung verlor.
Siehe auch: Utopischer Sozialismus
Werke
- Gegenseitige Hilfe (Mutual Aid: A Factor of Evolution.). 1902, ISBN 3-922209-32-7
- Die Eroberung des Brotes (La conquête du pain). 1892, ISBN 3-922209-08-4
- Die französische Revolution. Trotzdem Verlag, Grafenau 1999, ISBN 3-931786-13-7
- Memoiren eines Revolutionärs. Bd. I. Unrast Verlag, ISBN 3-89771-901-0
- Memoiren eines Revolutionärs. Bd. II. Unrast Verlag, ISBN 3-89771-902-9
Literatur
- Nicht Narren, nicht Heilige. Erinnerungen russischer Volkstümler; Leipzig; Goes, Gudrun (Hrsg.); Verlag Philipp Reclam jun. 1984
Weblinks
-
- Kropotkins Artikel über "Anarchismus" aus der Encyclopædia Britannica, 1910 (auf englisch): bei [http://www.blackcrayon.com/page.jsp/library/britt1910.html Blackcrayon.Com] und bei [http://dwardmac.pitzer.edu/Anarchist_Archives/kropotkin/britanniaanarchy.html Pitzer.Edu]
- Umfangreiche Seite über Kropotkin: [http://www.kropotkin.de www.kropotkin.de]
- Kropotkins Biographie in russischer Sprache: [http://www.hrono.ru/biograf/kropotkin.html]
Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch
Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch
Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch
Kropotkin, Pjotr Alejejewitsch
Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch
Kropotkin, Pjotr Alexejewitsch
ja:ピョートル・クロポトキン
Russische Revolution
Unter Oktoberrevolution versteht man die Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki im Jahre 1917 gegen die aus der Februarrevolution hervorgegangene Übergangsregierung der sozialdemokratischen Menschewiki unter Kerenski. Die Machtübernahme bildete den Ausgangspunkt auf dem Weg Russlands zum Versuch einen sozialistischen Staat (RSFSR/Sowjetunion) aufzubauen. Die Oktoberrevolution war keine klassische Revolution im eigentlichen Sinn, da sie nicht direkt vom Volk ausging, weshalb man eher von einer politischen Revolution spricht.
Ursachen
Die Februarrevolution von 1917 hatte in Russland zwar die Zarenherrschaft beendet, aber keine Lösung der wichtigsten sozialen und politischen Probleme des Landes gebracht. Die wichtigste Frage war dabei die Kriegsfrage. Russland war seit 1914 kriegsführende Partei im Ersten Weltkrieg. Die Anforderungen dieses „modernen“ Krieges, der vom Industriezeitalter geprägt war, überstiegen die Kräfte des weitgehend von der Agrarwirtschaft geprägten Landes bei weitem und führten zu einer Zuspitzung der ohnehin gravierenden sozialen Probleme in Russland.
Nach der Februarrevolution herrschte in Russland ein Nebeneinander von Parlament (Duma) mit seiner Provisorischen Regierung unter Kerenskij und den Arbeiter- und Soldatenräten (den Sowjets) mit ihren Exekutivkomitees. Über die endgültige Verfassung sollte eine verfassungsgebende Versammlung entscheiden, die (zunächst) am 25. November gewählt werden sollte. Die Provisorische Regierung unter Kerenskij konnte sich nicht dazu durchringen, in Friedensverhandlungen mit dem Deutschen Reich und den übrigen Mittelmächten zu treten.
Die Deutsche Heeresleitung sah dagegen in Lenin, der sich im Exil in der Schweiz aufhielt, das ideale Werkzeug, die innenpolitische Lage in Russland auf eine Weise zu destabilisieren, die den Deutschen einen Siegfrieden im Osten einbringen konnte. Darum erlaubte sie Lenin Anfang April die Durchreise durch Deutschland in einem plombierten Eisenbahnwaggon.
Am 17. April veröffentlichte Lenin seine Aprilthesen, in denen er seine Ansichten zur weiteren Entwicklung der Revolution darlegte.
Verlauf
Zusammenfassung
In der Führung der Partei der Bolschewiki war umstritten, ob sie sich an den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung beteiligen oder statt dessen auf einen gewaltsamen Aufstand setzen sollte. Nach hitzigen Debatten setzten sich schließlich Lenin und Trotzki durch. Lenin, der am 10. Oktober heimlich nach Petrograd zurückgekehrt war, versammelte 12 der 21 Mitglieder des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei um sich.
Nach zehnstündiger Diskussion wurde mit 10 gegen 2 Stimmen für die gewaltsame Machtübernahme zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgestimmt. Am 16. Oktober stellte Trotzki eine militärische Organisation auf, welche die militärische Machtergreifung übernehmen sollte - das militärrevolutionäre Komitee von Petrograd (MRKP). Die Truppen beschränkten sich auf wenige tausend Soldaten der Petrograder Garnison, der Kronstädter Marine, der dem MRKP beigetretenen Roten Garden sowie wenige Hundertschaften aus den Arbeiterkomitees stammender militanter Bolschewiki.
In der Nacht zum 25. Oktober begann schließlich der Aufstand in Petrograd mit dem berühmten Schuss des Panzerkreuzers Aurora auf den Winterpalast. Aufständische Truppen besetzten strategisch wichtige Stellen in der Stadt sowie den Winterpalast, den Sitz des Zaren, der immer noch in seinem Palast lebte. In der Nacht zum 26. Oktober kapitulierte die Regierung Kerenskij und wurde durch ein kommunistisches Gewaltregime unter Lenin ersetzt.
Am 26. Oktober tagte in Petersburg auch der „II. Allrussische Sowjetkongress“. Die Bolschewiki besaßen in diesem zentralen Arbeiter- und Soldatenrat zunächst keine Mehrheit. Aus Protest gegen den gewaltsamen Putsch der Bolschewiki verließen jedoch viele Abgeordnete, darunter die Menschewiki, den Sitzungssaal und überließen den Bolschewiki das Feld.
Der Machtzuwachs der Bolschewiki
Die politische Unentschlossenheit der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre (August/September 1917) führte zu einer Polarisierung in den Arbeiter- und Soldatenräten. Es kam erneut zu einem Linksrutsch in Teilen der Bevölkerung. Die Bolschewiki beherrschte nun die wichtigsten Sowjets in Petrograd (Sankt Petersburg) und Moskau. Darüberhinaus bewaffneten sich die Parteianhänger der Bolschewiki. Als Vorwand galt der Schutz des Staates. Die Politikverdrossenheit des Volkes stärkte diejenigen Kräfte, die unter dem Berufsrevolutionär Vladimir Illjitsch Lenin zielstrebig an die Macht drängten. Leo Trotzki wurde Vorsitzender des Petrograder Sowjets und Organisator der Machtübernahme. Im Oktober kehrte Lenin aus seinem finnischen Versteck nach Russland zurück. Er drängte die Partei zur alleinigen totalen Regierungsmacht, da er die Zeit für günstig hielt, die schwache Position der Regierung auszunutzen.
Die Sozialistische Revolution
Am 22. Oktober 1917 übernahm das „Militärrevolutionäre Komitee“ des Petrograder Sowjets unter Führung Trotzkis die Befehlsgewalt über die Garnison der Hauptstadt. In der Nacht vom 25. Oktober 1917 nahmen Truppenteile strategische Punkte der Stadt ein. Es kam zur Erstürmung des Winterpalastes, der als Regierungssitz gedient hatte. Alle Regierungsmitglieder, außer Ministerpräsident Kerenskij, wurden verhaftet. Die Machtübernahme der Bolschewiki erfolgte derart reibungslos und unauffällig, dass viele Bürger über die Geschehnisse erst durch die Zeitung erfuhren.
Der 2. Allrussische Sowjetkongress wurde eingerufen, die Mehrheit hatten die Bolschewiki und linke Sozialrevolutionäre inne. Dieser Kongress bestätigte am 25. Oktober 1917 offiziell die Machtübernahme. Die Menschewiki und rechte Sozialrevolutionäre, die den bolschewistischen Staatsstreich nicht anerkannten, verließen den Kongress oder nahmen nicht daran teil.
Der Rat der Volkskommissare
Die neue Regierung nannte sich Rat der Volkskommissare. Lenin übernahm den Vorsitz. Die Regierung bestand nur aus Bolschewiki. Trotzki wurde Chef des Ressorts für Verteidigung. Tschitscherin für Außenpolitik. Stalin war zuständig für die Nationalitätenfrage. Die Machtübername gestaltete sich relativ einfach, die Erhaltung der Macht hingegen als ungleich schwerer, da die bolschewistische Machtübernahme nicht zu der erhofften Weltrevolution führte. Am 26. Oktober 1917 wurde das Dekret über den Frieden erlassen. Sofortige Verhandlungen über einen gerechten Frieden wurden von Russland angeboten. Die europäischen Regierungen lehnten das Friedensangebot jedoch ab. Der Krieg setzte sich fort. Der neue nun „revolutionäre“ Krieg war geprägt durch die mangelnde Kampfbereitschaft russischer Soldaten. Lenin war fest entschlossen, Teile des Landes den Deutschen zu opfern um eine militärische Atempause herbeizuführen.
Der Frieden von Brest-Litowsk
Russland akzeptierte den Diktatfrieden von Brest-Litowsk, dessen Auswirkungen den Verlust der Ukraine, des Baltikums, Finnlands und Georgiens bedeutete, sowie hohe Reparationszahlungen beinhaltete. Damit wurde der Hauptpunkt der Aprilthesen erfüllt, nämlich Beendigung des Krieges.
Die Lenkung des Staates hingegen wurde der Partei der Bolschewiki übertragen und nicht wie angekündigt den Räten. Die Räteidee sah eine sozialistische Politik unter der Führung von Räten ohne die Festlegung auf eine bestimmte Parteilinie vor. Die Partei hielt jedoch an einer rigorosen Durchsetzung ihres Machtmonopols fest.
Die Wahlen zur Konstituante (Verfassungsgebende Versammlung)
Am 11. November 1917 fanden die Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung (Konstituante) statt. Die Bolschewiki trugen eine schwere Niederlage davon, sie erhielten nur 25 % der Stimmen.
Lenin beschloss, dass es ein Missverhältnis zwischen dem Wahlresultat und dem inzwischen fortgeschrittenen Volkswillen gäbe. Er löste die Konstituante am 5. Januar 1918 kurzer Hand durch Waffengewalt auf. Der Aufstand der Massen blieb jedoch aus. Grund hierfür sind erste positive Reformmaßnahmen der Partei und Kampfmaßnahmen gegen die politische Opposition.
Die Umsturzdekrete
Ziel dieser Dekrete war primär eine Verbesserung der misslichen Lage des Staates sowie die Sicherung der Macht der Partei:
Dekret über Grund und Boden (26. Oktober 1917):
Der private Grundbesitz ging in die Verwaltung von Dorfagrarkomitees und Kreisbauernsowjets über; jeder Landbewohner hatte das Recht auf einen Anteil am Boden;
Entstehung kleiner Privatwirtschaften; Befriedigung des Landhungers der Bauern
Dekret über Arbeiterkontrolle (14. November 1917):
keine sofortige Verstaatlichung der Industriebetriebe, sondern Kontrolle der Unternehmen durch die Arbeiter. Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Arbeitern funktionierte jedoch nicht; Folge: Verstaatlichung der Industrie, Prozess war bereits Mitte 1918 abgeschlossen.
Die Tscheka
Am 7. Dezember 1917 wurde die „Außerordentliche Kommission für den Kampf gegen die Kontarrevolutionäre und Sabotage“ (Abkürzung: Tscheka) gegründet, die in den folgenden zwei bis drei Jahren etwa 6.000 - 7.000 vermutete Feinde der Revolution tötete. Ihr Ziel war die Ausschaltung der politischen Opposition durch Gewalt. Durch die Tscheka erlangte die Partei auch auf dem Lande das Machtmonopol, obwohl sie dort selbst nach der Oktoberrevolution nur schwach vertreten war. Trotzki schuf die „Rote Armee“ als Schutz gegen äußere Feinde. Das Selbstverständnis der Partei war die Vorstellung, dass die Sowjetmacht eine Vorreiterrolle in der Welt einnimmt und sich politische und gesellschaftliche Strukturen international am Beispiel Russland orientieren.
Folgen
Die Oktoberrevolution sicherte den Bolschewiki um Lenin und Trotzki zunächst nur die Macht in Petersburg und bildet deshalb nur einen Schritt auf dem langen Weg der Kommunisten zur Herrschaft in ganz Russland. Immerhin war der wichtigste Gegner, die Regierung Kerenski, gestürzt.
Was nun folgte, waren lange und grausame Jahre des Bürgerkrieges und des Kriegskommunismus. Der Bürgerkrieg wurde durch den Aufstand von Teilen der russischen, (zaristischen - „tschechische Kompagnie“) Armee ausgelöst, dem sich so gut wie die gesamte westliche Welt anschloss mit regulären und freiwilligen Truppen, so daß sich von Anbeginn eine notwendige Militärmacht herausbildete und vielleicht auch (neben d. marxschen „Diktatur des Proletariats“) die Entmachtung der Räte mit begünstigte.
Die sozialen Probleme des Landes wurden in dieser Zeit, bedingt durch die internationale Isolierung und den Bürgerkrieg gegen die „Weißen“ nur unzureichend gelöst. Allerdings erfüllte sich sehr schnell eine der Hauptforderungen der Revolutionäre, es gelang dem neuen Regime unter dem Volkskommissar für äußere Angelegenheiten Trotzki, Frieden mit Deutschland zu schließen. Während der Zeit des Bürgerkrieges führte die neue Regierung jedoch auch Kriege gegen Polen, Finnland und Lettland.
Durch den „Kriegskommunismus“ wurde auch die Macht der Sowjets, Räte oft geschmälert und einige „Führungspersönlichleiten“ sicherten sich Privilegien. Was an einem Punkt sich zu dem Aufstand der Kronstädter Matrosen (die „Elite-Truppe“ der Revolution u. d. Bürgerkrieges) zuspitzte, welche wieder die früheren Rätebeschlüße etablieren wollten, und ihre Führung aus Kronstadt verjagten. Doch durch die übermächtige „rote Armee“ wurde dieser Versuch, die Werte der Revolution zu retten, niedergeschlagen und es etablierte sich die Machstruktur eines Kriegskommunismus.
Siehe auch
- Revolutionsexport
Literatur
- In der bibliographischen Datenbank [http://www.ib.hu-berlin.de/~pbruhn/russgus.htm RussGUS] werden zu den Themen Oktoberrevolution und Bürgerkrieg mehr als 1000 Publikationen nachgewiesen (Suchen unter Formularsuche / Sachnotationen: 12.3.4.2 - )
- Karl Held, Das Lebenswerk des Michail Gorbatschow - Die Zerstörung der Sowjetunion (Von der Oktoberrevolution zur Perestroika), München 1992, ISBN 3929211009
- John Reed, Ten days that shook the World, USA 1919; dt. Zehn Tage, die die Welt erschütterten, Berlin 1957
- Maurice Brinton: Die Bolschewiki und die Arbeiterkontrolle. Der Staat und die Konterrevolution. Verlag Association, Hamburg 1976. ISBN 3-88032-045-4
- Alexander Berkman: Der bolschewistische Mythos. Tagebuch aus der russischen Revolution. Edition AV, Frankfurt 2004. ISBN 3-936049-31-9
- Rudolf Naef: "Russische Revolution und Bolschewismus 1917/18 in anarchistischer Sicht". Verlag Edition AV, Lich/Hessen 2005. ISBN 3-936049-54-8.
- Manfred Hildermeier, Russische Revolution. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-15352-2
- George Orwell: Farm der Tiere: Ein Märchen. Diogenes Verlag, Januar 2002, ISBN 3257201184 behandelt als Fabel die Oktoberrevolution und die weitere Geschichte Russlands bis in den Zweiten Weltkrieg hinein
Kategorie:Revolution
Kategorie:Russische Revolution 1917
Kategorie:Sowjetische Geschichte
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Karl Marx
Karl Heinrich Marx ( - 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war Philosoph, politischer Journalist und Kritiker der bürgerlichen Ökonomie.
Ökonomie
Überblick
Ökonomie
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Marx gilt als bedeutendster Vordenker der frühen Arbeiterbewegung zusammen mit Friedrich Engels, der wichtige Anregungen zur Kritik der politischen Ökonomie gab und nach Marx' Tod dessen letzte Arbeiten veröffentlichte. In seinem Hauptwerk Das Kapital, einer empirisch mathematischen Wirtschaftstheorie, analysiert Marx die allgemeinen Grundgesetze der modernen kapitalistischen Produktionsweise, der Warenzirkulation und der Geldzirkulation. In seiner Analyse zeigt er weiter die grundlegenden Abhängigkeiten und Machtverhältnisse der Gesellschaftsmitglieder in einer kapitalistischen Gesellschaft auf. Das Kapital kann von zwei Standpunkten aus betrachtet werden. Erstens, vom Standpunkt des Kapitaleigners, der die dargestellten Gesetzmäßigkeiten und Verhältnisse zum Aufbau und zur Verbesserung seiner Wirtschaft und Produktion nutzt. Zweitens, vom Standpunkt des Angestellten, der damit die Verhältnisse versteht und sich gegen eine Unterdrückung wehren kann. Beide Standpunkte sind in ihren Grundlagen hier erstmals dargestellt und heute noch aktuell. Unsere heutige kapitalistische Gesellschaft fußt auf den in diesem Werk dargestellten Grundlagen.
Mit dem Kapital wurde Marx zum historischen Begründer des Wissenschaftlichen Sozialismus, eine (von Engels in Absetzung zu sozialistischen Weltverbesserungs-Utopien gewählte) Bezeichnung, die weitgehend synonym mit Kommunismus und auch Marxismus wurde.
Eine seiner zentralen Thesen in Bezug auf den Kapitalismus war, dass die Interessen von Kapitalisten und Lohnarbeitern in unvereinbarem Gegensatz stehen und der Kapitalismus sich nur entwickelt und floriert, indem er "... zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter" (Das Kapital Bd. I, S. 530).
Diese Inhalte werden aber von späteren marxistischen Strömungen durchaus gegensätzlich interpretiert: Das reicht von der demokratisch-sozialreformerischen Politik der Sozialdemokratie über libertäre Konzepte bis zu denen des "Realen Sozialismus" der ehemaligen Sowjetunion oder der Volksrepublik China uwm. (vergleiche auch Artikel Kommunistische Partei).
Zu Marx´ bekanntesten Werken neben dem Kapital zählt das zusammen mit Friedrich Engels verfaßte Kommunistische Manifest, publiziert im europäischen Revolutionsjahr 1848. Heute ist auch die Schrift "Die Deutsche Ideologie" beider Autoren von Bedeutung, darin auch die kurzen elf Thesen über Feuerbach; vor allem für die gemeinsame Verständigung der Autoren geschrieben, wurde das Werk erst 1932 veröffentlicht.
Ein weiteres wichtiges Werk von Marx ist die Kritik des Gothaer Programms (vgl. Gothaer Programm) der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) von 1875, der Vorgängerpartei der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, in dem er in Auseinandersetzung mit dem Programm der sich damals auf ihn berufenden Arbeiterpartei wichtige Aspekte der politischen Organisation des Proletariats postuliert. In seiner Kritik wendet er sich gegen die kompromisslerische Anpassung der Partei an den eher reformorientierten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), mit dem sich die Vorgängerpartei, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) zur SAP fusioniert hatte.
Leben
Jugend und politische Anfänge (1818-1841)
fusion
fusion (Geburtshaus)]]
Karl Marx wurde 1818 als drittes Kind des Advokatanwaltes (Hirschel) Heinrich Marx ( - 1777; † 1838) und Henrietta Marx ( - 1788; † 1863; geborene Presborck) in Trier geboren.
Heinrich Marx stammte aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie (ursprünglich Marx Levi). 1824 konvertierte sein Vater zum Protestantismus, da er als Jude unter der preußischen Obrigkeit sein - unter napoleonischer Regierung angetretenes - Amt als Justizrat nicht hätte weiterführen dürfen. Gleichzeitig wurde auch Karl konvertiert.
Von 1830 bis 1835 besuchte Karl Marx das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier, wo er mit 17 Jahren als Jahrgangsbester das Abitur ablegte. 1836 verlobte er sich in Trier mit seiner späteren Ehefrau Jenny von Westphalen. 1835 ging er zum Jurastudium nach Bonn (wo er der „Landsmannschaft der Treveraner“ (Trierer) beitrat); ein Jahr später nach Berlin, wo das Jura-Studium in den Hintergrund trat gegenüber Philosophie und Geschichte. Hier stieß Marx zum Kreis der Jung- oder Linkshegelianer.
Hegel starb 1831 und er hatte Zeit seines Lebens einen starken Einfluss auf die Universitäten und auf das intellektuelle Leben in Deutschland. Das Hegelianische Establishment (auch bekannt als Alt- oder Rechtshegelianer) meinte, dass die preußische Gesellschaft die Serie der dialektischen Entwicklungen beendet hatte: eine effiziente Bürokratie, gute Universitäten, Industrialisierung und ein hoher Beschäftigungsgrad. Die Linkshegelianer, zu denen Marx gehörte, erwarteten weitere dialektische Änderungen, eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie Armut, staatlicher Zensur und der Diskriminierung der Menschen, die sich nicht zum lutherischen Glauben bekannten, zu befassen hatte.
1841 promovierte Marx per Post an der Universität Jena mit einer Arbeit zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie. Auf eine Professur rechnend zog Marx hierauf nach Bonn; doch verwehrte die Politik der preußischen Regierung ihm - wie Ludwig Feuerbach, Bruno Bauer u.a. - die akademische Laufbahn, denn Marx galt als ein führender Kopf der oppositionellen Linkshegelianer.
Um diese Zeit gründeten liberale Bürger in Köln die „ Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe“ als gemeinsames Organ der verschiedenen oppositionellen Strömungen von monarchistischen Liberalen bis zu radikalen Demokraten; Marx wurde ein Hauptmitarbeiter des Blattes, das am 1. Januar 1842 erstmals erschien. Im Oktober 1842 üb | | |