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Anarchosyndikalismus

Anarchosyndikalismus

Der Begriff Anarchosyndikalismus bezeichnet die gewerkschaftliche Organisierung basierend auf den anarchistischen Prinzipien von Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Solidarität. Ideengeschichtlich stellt der Anarchosyndikalismus somit eine Verbindung von Anarchismus und revolutionärem Syndikalismus dar. Sein Hauptziel ist die revolutionäre Überwindung des Staates und der kapitalistischen Gesellschaft durch die sofortige und stufenlose Übernahme der Produktionsmittel durch die Gewerkschaften. Durch diesen Akt soll die klassen- und staatenlose Kollektivordnung entstehen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, ist der Anarchosyndikalismus bestrebt die Arbeiterklasse in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen zu organisieren und so eine wirksame Gegenmacht zu Staat und Kapital zu bilden. Der Begriff Arbeiterklasse umfasst dabei nicht nur lohnabhängig Beschäftigte (Arbeiter und Angestellte), sondern auch andere gesellschaftliche Gruppen wie z.B. Arbeitslose, Hausfrauen oder Schüler, also Gruppen die direkt oder indirekt am gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozess beteiligt sind. Hauptaktionsfelder des Anarchosyndikalismus sind der Klassenkampf im Betrieb mit den Mitteln der direkten Aktion (Streiks, Boykotts, Besetzungen, Sabotage), die Agitation auf der Straße und die revolutionäre Kulturarbeit, z.B. über Volksbildungskampagnen oder Jugendarbeit. Der Anarchosyndikalismus ist dabei stets bemüht die Lebensbedingungen der Menschen konkret zu verbessern: Er fordert zwar mehr Lohn, kürzere Arbeitszeit, Gleichberechtigung und ein würdevolles Leben für alle Menschen, aber sein endgültiges Ziel bleibt die soziale Revolution.

Soziale Revolution

Agitation Im Prozess der sozialen Revolution soll das kapitalistische System überwunden und der freiheitliche Sozialismus aufgebaut werden. Hierzu sollen die Produktionsmittel von den Produzenten kollektiviert und die Güterproduktion nach dem gesellschaftlichen Bedarf selbstorganisiert werden; dies kann z.B. über den Weg einer vorstandslosen Genossenschaft angegangen werden, analog den in Argentinien anläßlich der 2001 eskalierten Wirtschaftskrise erfolgreich etablierten Ansätzen. Ziel ist letztlich eine freiheitliche Gesellschaft, in der die materiellen Bedürfnisse eines Jeden gedeckt werden können. Erfolgreich angewandt werden konnte dieses Konzept in Katalonien während des Spanischen Bürgerkrieges. In der kurzen Zeitspanne von 1936-37 wurde fast die gesamte katalanische Agrarproduktion, die Schwerindustrie, das öffentliche Verkehrssystem und weite Teile des Dienstleistungssektors von den Arbeitenden selbstverwaltet. In einigen Wirtschaftszweigen wie der Schwerindustrie oder der Agrarproduktion konnten dabei zum Teil starke Produktionssteigerungen erzielt werden, was unter anderem zur Folge hatte, dass erstmals in der Geschichte Kataloniens die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln sichergestellt werden konnte. Diese selbstverwaltete Wirtschaft wurde allerdings nach kurzer Zeit zunächst von den stalintreuen Anhängern der PCE und später unter der Regierung Franco restlos zerschlagen.

Geschichte des Anarchosyndikalismus

Der Anarchosyndikalismus war beginnend mit den 80er-Jahren des 19. Jahrhundert bis zum Ende der 1930er Jahre eine äußerst einflussreiche und mitgliederstarke Bewegung. So vereinte die Anfang der 1920er Jahre gegründete anarchosyndikalistische Gewerkschaftsinternationale IAA auf Anhieb ca. 14 Mio. Menschen. Die stärkste anarchosyndikalistische Organisation jener Tage war die spanische CNT, die Ende der 30er-Jahre etwa 2 Mio. Mitglieder unter sich vereinte, bevor es dem spanischen Faschismus gelang sie zu zerschlagen und in den Untergrund zu zwingen. Auch in Deutschland spielte der Anarchosyndikalismus während der heftigen Streiks und Kämpfe in den Nachwirrungen der Novemberrevolution für kurze Zeit vor allem im Ruhrgebiet eine wichtige Rolle. Die anarchosyndikalistische FAUD vereinte in den Jahren 1920 bis 1923 etwa 150.000 bis 200.000 Menschen in ihren Reihen, verlor danach allerdings rapide an Mitgliedern und wurde während des Dritten Reichs fast vollständig zerschlagen. Ein ähnliches Schicksal blühte nach dem Zweiten Weltkrieg fast allen anarchosyndikalistischen Organisationen, viele wurden zerschlagen und fast alle verloren ihre Massenbasis. Einzig die schwedische SAC konnte ihre intakte Organisationsstruktur bewahren, musste dafür allerdings viele ihrer Prinzipien aufgeben. Zweiten Weltkrieg Trotz seines Niedergangs gab es nach dem 2. Weltkrieg einige Versuche den Anarchosyndikalismus wiederzubeleben. So konnte die spanische CNT nach dem Ende der Regierung Francos den Untergrund verlassen und sich formell neugründen. In Frankreich gründete sich die CNT-F, die seit dem Generalstreik Mitte der 90er massiven Zulauf an Mitgliedern verzeichnen kann. In Deutschland gründete sich Mitte der 70er die FAU eine anarchosyndikalistische Gewerkschaftsinitiative, die an die Tradition der FAUD anschließen will. Auch sie wächst nach eigenen Angaben seit Mitte der 90er kontinuierlich. Dem Anarchosyndikalismus nahe stehen die IWW und die internationale Strömung des Rätekommunismus. Oftmals arbeiten Vertreter dieser Strömungen auch in den selben Organisationen zusammen.

Weblinks


- [http://www.anarchosyndikalismus.org] Anarchosyndikalistische Initiative in Deutschland
- [http://www.fau.org http://www.fau.org] Anarchosyndikalistische Gewerkschaftsinitiative in Deutschland
- [http://www.anarchismus.at/anarchosyndikalismus.htm] Textarchiv zum Anarchosyndikalismus historische und aktuelle Texte.
- [http://www.anarchosyndicalism.net http://www.anarchosyndicalism.org] Umfangreiches englischsprachiges Text- und Bilderarchiv.
- [http://www.anarchismus.at/galerien/spanien1.html http://www.anarchismus.at/] Kommentierte Bildersammlung zur sozialen Revolution in Spanien während des Bürgerkrieges. Kategorie:Arbeiterbewegung Kategorie:Anarchismus Kategorie:Kollektivismus Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Sozialismus ja:アナルコサンディカリスム zh-min-nan:Hui-thóng-tī kang-thoân-chú-gī

Selbstbestimmung

Selbstbestimmung (f; Adjektiv: selbstbestimmt) bedeutet soviel wie Autonomie, umfasst Selbstverantwortung und Selbststeuerung. Sie ist das Gegenteil von Fremdbestimmung. Selbstbestimmung ist ein zentraler Grundsatz der Menschenrechte: Menschen sollen ihre eigene Ideen und Wünsche frei verwirklichen können, ohne von außen unterdrückt oder bedrängt zu werden. Selbstbestimmtes Handeln, Lernen und Leben können als Kennzeichen eines vom freien Willen gelenkten, selbständigen, verantwortungsbewußten Erwachsenen gelten. Die Selbstbestimmung des Individuums ist daher keinesfalls mit Willkür und Selbstgerechtigkeit zu verwechseln. In den Menschenrechten ist deshalb festgelegt, dass die Freiheit des Einzelnen da enden muss, wo die Freiheit der Anderen beginnt. Dies stellt eine wichtige Einschränkung und unerlässliche Grenze der Selbstbestimmung dar, die leicht übersehen werden kann. Entscheidend geprägt wurde der Begriff der Selbstbestimmung durch die Idee des US-Präsidenten Woodrow Wilson über das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Falsch verstanden, kann diese Idee dazu missbraucht werden, ethnische, nationale oder religiöse Konflikte zu schüren, indem das jeweils eigene "Selbstbestimmungsrecht" höher gewichtet wird als dasjenige der jeweils Anderen. Richtig verstanden, ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker fundamentale Basis internationaler Verständigung und globaler Beziehungen und die Selbstbestimmung des Einzelnen ist unverzichtbares Grundprinzip jeder Demokratie. Die Selbstbestimmungrechte von Menschen mit geistigen Behinderungen zählen zu den Paradigmen der Behindertenhilfe.

Anmerkung

Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Gentechnik ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts - zusätzlich zu den bisherigen Diskussionen in der Philosophie - die Determinismus-Debatte wieder aufgekommen, inwieweit der Mensch überhaupt Herr über seine Entscheidungen ist: Haben wir einen freien Willen oder ist er letztendlich durch Veranlagung und Umwelteinflüsse doch vorherbestimmt?

Literatur


- Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit Geistiger Behinderung e.V. (Hrsg.): Selbstbestimmung: Kongressbeiträge. 2. Aufl. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 1997
- Ulrich Hähner et al. (Hrsg.): Vom Betreuer zum Begleiter. Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung. 4. unveränderte Auflage. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2003
- Ulrich Niehoff: Grundbegriffe selbstbestimmten Lebens. In: Hähner, Ulrich et al. (Hrsg.): Vom Betreuer zum Begleiter. Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung. 4. unveränderte Auflage. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2003, 53-64
- Gusti Steiner: Wie alles anfing – Konsequenzen politischer Behindertenselbsthilfe. In: INFORUM, 20 Jahre Assistenz – Behinderte auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung. Publikation über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Persönlichen Assistenz. Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen ForseA e.V., Berlin Dezember 2001, 14-33 McManama, Brigitte: "Was willst Du, was ich Dir tun soll?-Selbstbestimmung von geistig behinderten Menschen,die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben" in: "Behindertenpädagogik, Heft 3, 4-2003 oder unter www.mcmanama.de McManama, Brigitte: "Brigitte zieht um - und alle reden mit" - eine kritische Betrachtung zu selbstbestimmtem Leben von Menschen mit geistigen Behinderungen. in: www.mcmanama.de

Siehe auch


- Freier Wille
- Emanzipation
- Partizipation
- Unabhängigkeit (Politik)
- Separatismus
- Selbstbestimmungsrecht
- Selbstbestimmungsrecht der Völker
- Staatsrecht
- Selbstverwirklichung
- Informationelle Selbstbestimmung
- Sexuelle Selbstbestimmung
- selbstbestimmtes Lernen Kategorie:Rechtsphilosophie Kategorie:Menschenrechte

Solidarität

Begriff und Definitionen

Übersicht

Der Begriff Solidarität wird in vielfältiger, gelegentlich als inflationär kritisierter Weise verwendet.
- Er bezeichnet unter anderem eines der Grundprinzipien des menschlichen Zusammenlebens: das Zusammengehörigkeitsgefühl von Individuen und Gruppen (im weiteren Sinne auch von Staaten in Bündnissen), das sich in gegenseitiger Unterstützung und Hilfe äußert.
- In der Arbeiterbewegung wurde "Solidarität" als Tugend der Arbeiterklasse (s. a. Brüderlichkeit) hervor gehoben. (Sie hat hier eine ähnliche Bedeutung wie das Wort "Kameradschaft" beim Militär und anderswo.) Gelegentlich wird unterschieden zwischen
- Solidarität der Gesinnung (Einheitsbewusstsein)
- Solidarität des Handelns (gegenseitige Hilfsbereitschaft) und
- Interessen-Solidarität (die durch Interessengleichheit in einer bestimmten Situation wirksam ist und nach dem Erreichen des gemeinsamen Zieles endet). Die politische Soziologie unterscheidet noch zwischen
- mechanischer Solidarität, die auf vorgegebenen gemeinsamen Merkmalen einer Gruppe beruht (z.B. Wir Arbeiter, Wir Frauen, Wir Deutschen) und
- organischer Solidarität, deren Basis das Angewiesensein aufeinander (z.B. Spezialisten in arbeitsteiligen Gesellschaften) ist. Beide gehen auf Durkheim zurück.
- Eng verbunden mit der Arbeiterbewegung ist die Forderung der internationalen Solidarität. Sie zeigte sich im 19. Jahrhundert vor allem in der Unterstützung des polnischen Freiheitskampfes durch die Internationale Arbeiterassoziation. Auf den Kongressen der Zweiten Internationale wurde die Frage erörtert, ob die Arbeiterschaft durch einen Generalstreik in verschiedenen Ländern den sich abzeichnenden Ersten Weltkrieg verhindern könne. Effektiver waren internationale Solidaritätsaktionen für die Sowjetunion: 1920 verhinderte die englische Arbeiterbewegung durch die Androhung des Generalstreiks die Intervention Englands in den polnisch-russischen Krieg. Der Kampf gegen den Faschismus wurde durch die Spaltung der Arbeiterbewegung in eine sozialistische und eine kommunistische Internationale erschwert. Heute werden die Fragen der internationalen Solidarität unter den Bedingungen und Auswirkungen der Globalisierung diskutiert.

Definition nach Alfred Vierkandt

Der Soziologe Alfred Vierkandt (1969) definierte Solidarität folgendermaßen: "Solidarität ist die Gesinnung einer Gemeinschaft mit starker innerer Verbundenheit". "Solidarität ist das Zusammengehörigkeitsgefühl, das praktisch werden kann und soll." Solidarität impliziert ein Prinzip der Mitmenschlichkeit; Solidarität konstituiert sich aus freien Stücken (Karl Otto Hondrich, Claudia Koch-Arzberger, Solidarität in der modernen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1994).

Historische Aspekte

Römisches Recht

Im Römischen Recht bedeutete Solidarität eine besondere Form der Haftung: In einer Gemeinschaft, meist einer Familie, muss jedes Mitglied für die Gesamtheit der bestehenden Schulden aufkommen, so wie umgekehrt die Gemeinschaft für die Schulden jedes einzelnen haftet: "Einer für alle und alle für einen". Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der strenge Schuldbegriff auf nichtrechtliche Bedeutungen erweitert.

Institutionalisierung des Solidaritätsprinzips

Europa des 19. Jh.: Gewerkschaftsbewegung als Beispiel

Im Europa des 19. Jahrhunderts hat sich im Zusammenhang mit der Industrialisierung eine Institutionalisierung des Solidaritätsprinzips entwickelt: Die gegenseitige Absicherung innerhalb der Arbeiterschaft gegen für sie als existentiell bedrohlich wahrgenommene Entwicklungen der kapitalistischen Industrialisierung wurde zur Grundlage und zum Kampfbegriff der Arbeiterbewegung. Arbeiter schlossen sich in solidarischen Vereinigungen (beispielsweise in Gewerkschaften) zusammen und kämpften gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen, Verkürzung der Arbeitszeit und höhere Löhne.

20. Jahrhundert: sozialistische und sozialdemokratische Parteien

Im 20. Jahrhundert wurde Solidarität zu einem der zentralen Begriffe in sozialistischen/sozialdemokratischen Parteien. Im Laufe eines Streiks, der von der gesamten polnischen Bevoelkerung getragen und von ihr als antikommunistische Bewegung verstanden wurde, schlossen sich 1980 die polnischen Arbeiter der Schiffswerft in Gdańsk (Danzig) zu der Gewerkschaft "Solidarność" (Solidarität) zusammen. Auch wenn die "Solidarność" gegen Ende des 20. Jahrhunderts an politischem Einfluss verloren hat, steht der Begriff "Solidarność" in den ehemals kommunistischen Ländern Mittel- und Osteuropas im 21. Jahrhundert für den Beginn des Endes der kommunistischen Zwangsherrschaft.

Solidaritätsprinzip und Versicherungen: Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit

Das institutionalisierte Solidaritätsprinzip kommt auch in bestimmten rechtlichen Formen der Versicherung zum Ausdruck, und zwar in den vier klassischen Risikobereichen von Arbeit: Krankheit, Unfall, Alters-Vorsorge und Arbeitslosigkeit (vgl. die juristische Gesellschaftsform des "Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit" (VVaG). Jedes Mitglied dieser Gemeinschaft bezahlt Beiträge in die gemeinsame, von einer Versicherungsgesellschaft verwaltete Kasse. Daraus werden denen, die einen Schaden erleiden, finanzielle Mittel zur Deckung zur Verfügung gestellt. Auch eine private Pensionsvorsorge, mit der jeder Einzelne sein eigenes Risiko mit Hilfe einer privatrechtlich verbundenen Solidargemeinschaft abzusichern versucht, gehört dazu. Das Risiko, dass eine Pensionskasse bankrott geht, kann mit umsichtiger, vorsichtiger und diversifizierender Anlagestrategie vermindert werden. Bei der Arbeitslosenversicherung sichert sich eine Risikogemeinschaft gegen durch Arbeitslosigkeit bedingte Einkommenseinbußen ab.

Wertewandel zum "homo oeconomicus": Eigenverantwortung statt Solidarität

In den Mainstream-Medien hat der Gebrauch des Wortes abgenommen, stattdessen wird zunehmend von Eigenverantwortung und entsprechenden Konzeptionen und Menschenbildern gesprochen. Dies spiegelt auch einen Wertewandel wider (Homo oeconomicus).

Solidarität und Freiwilligkeit

Kritiker der Verwendung des Solidaritätsbegriffs im staatlichen Kontext weisen darauf hin, dass verpflichtete bzw. erzwungene Solidarität (z.B. gesetzliches Versicherungssystem) nicht möglich sei, da der Begriff Freiwilligkeit impliziere.

Literatur


- Karl Otto Hondrich, Claudia Koch-Arzberger, Solidarität in der modernen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1994
- Reinhart Kössler, Henning Melber: Globale Solidarität. Eine Streitschrift, Brandes & Apsel Verlag Frankfurt am Main, ISBN 3-86099-765-3
- Horst-Eberhard Richter: Lernziel Solidarität, Rowohlt Tb 1979
- Erwin Carigiet: Gesellschaftliche Solidarität. Prinzipien, Perspektiven und Weiterentwicklung der sozialen Sicherheit, Helbing und Lichtenhahn, Basel/Genf/München 2001 ISBN 3-7190-1934-9
- Ulrich Wickert, Das Buch der Tugenden, ISBN 3455110452, S. 435 ff. (Solidarität, Brüderlichkeit und Güte)

Siehe auch


- die polnische Gewerkschaft Solidarität (auf polnisch: Solidarność)
- RKB Solidarität, ein deutscher Arbeiter-Radsportverband
- Soziale Gerechtigkeit

Weblinks


- [http://www.gmh.dgb.de/main/jahresin/1996/Leseproben/leseprobe_11-12-96_von-Alemann.html Ulrich von Alemann: Solidarier aller Parteien - verschont uns! Eine Polemik.] Kategorie:Wertvorstellung Kategorie:Christliche Soziallehre Kategorie:Politisches Schlagwort Kategorie:Tugend

Syndikalismus

Syndikalismus ist eine Form des Gewerkschafts-Sozialismus, die von dem französischen Anarchist Pierre Joseph Proudhon begründet wurde. Der Syndikalismus propagiert die gewaltsame Aneignung von Produktionsmitteln durch die Gewerkschaften, die dann auch an Stelle des Parlaments die Regierung bilden. Dabei bilden Streik und Sabotage die Mittel des Syndikalisten; parlamentarische Anstrengungen werden abgelehnt. Der Syndikalismus war in Europa, besonders in Frankreich, Anfang des 20. Jahrhunderts in Gewerkschaftskreisen verbreitet, wurde jedoch später dem Kommunismus einverleibt und zudem vom Faschismus bekämpft. Nach 1939 war der Syndikalismus praktisch verschwunden. Nachtrag: Dem Syndikalismus der 1910er/ 1920er Jahre liegt die Vorstellung zu Grunde (s. Sorel), dass die Bourgeoisie mit dem Proletariat durch Gewerkschaftsverträge, Tarifverhandlungen etc zunehmend verbunden ist. Daher ist das revolutionäre Potential, das durch die Differenz der Klassen entsteht, gemindert, da es eben zu einer Beinah- Verbrüderung der antagonistischen Klassen kommt. Die Syndikalisten meinen, dass nur eine unabhängige Gewerkschaft durch einen Generalstreik das Vertrauen der Bourgeoisie in das Proletariat erschüttern und somit die revolutionäre Situation künstlich herbeiführen könne. Dies bildet die Basis für die Übernahme der Produktionsmittel durch die Arbeiterzusammenschlüsse (Syndikate). (s. Georg Fülberth, Kleine Geschichte des Kapitalismus, Köln 2005, S. 190 ff., über die Organisation von Arbeit u. Kapital) Es existiert daneben noch eine Mischform zwischen Anarchismus und Syndikalismus: der Anarchosyndikalismus, wie er heute von der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation vertreten wird. Kategorie:Arbeiterbewegung

WEBLINKS


- [http://www.syndikalismus.de.vu Infoportal und Diskussionsforum]
- [http://www.syndikalismus.tk Anarchosyndikalismus]

Staat

Max Weber definiert in seiner Herrschaftssoziologie Staat als einen solchen politischen Anstaltsbetrieb, dessen Verwaltungsstab erfolgreich das Monopol legitimen physischen Zwanges (also das Gewaltmonopol) für die Durchführung der Ordnungen in Anspruch nimmt (Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, [http://www.textlog.de/7321.html Kap. 1, § 17]). In der Ökonomie wird der Staat oftmals als Summe aller Zwangsverbände betrachtet. Zur Unterscheidung oder Kongruenz von Staat und Gesellschaft siehe Staat und Gesellschaft.

Völkerrecht

Ein Staat (aus lat. status Zustand, Verfassung) ist ein ein Gebilde, das laut der Konvention von Montevideo folgende Eigenschaften aufweist:
- eine mehr oder weniger stabile Kernbevölkerung (Staatsvolk);
- einen klar abgegrenzten oder definierten Landbesitz (Staatsgebiet, Territorium);
- eine Regierung, die eine Staatsgewalt ausüben kann;
- die Fähigkeit, mit anderen Staaten in politischen Kontakt zu treten, d. h., ein Völkerrechtssubjekt zu sein. Die klassische Staatsrechtslehre nennt nur die ersten drei Merkmale (Drei-Elemente-Lehre Jellineks). In diesem Sinne sind die Glieder eines Bundesstaates, wie die deutschen Länder auch "Staaten" (übrigens auch beschränkt Völkerrechtssubjekte, da sie auf Grund ihrer "Kulturhoheit" z. B. mit dem Heiligen Stuhl unabhängig von der Bundesrepublik Deutschland Konkordate abschließen können). Der klassische Ausnahmefall eines Staates ohne Staatsgebiet ist - seit der Annexion Maltas durch Napoleon I. - der "Souveräne Malteserorden". Die Souveränität ist kein definierendes Merkmal des Staates. Staaten können rechtlich auch dann fortbestehen, wenn sie unter Besatzung stehen (okkupiert sind); oder (in der älteren Staatsrechtslehre), wenn sie nur "souverän" sind (z. B. Samos im Osmanischen Reich). Jedoch muss faktisch eine Teilsouveränität gegeben sein. Wie denn überhaupt das Völkerrecht mangels einer Welt-Legislative von Entscheidungen von Fall zu Fall abhängt (case law) und mithin ein sehr nachgiebiges Recht ist, wenn Völkerrechtssubjekte "Fakten setzen".

Völkerrechtliche Anerkennung

Ein Staat bedarf zu seiner Gründung keiner juristischen Legitimation (er wird 'ausgerufen', vgl. den Rütli-Schwur bei der Begründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Mittelalter - die neuzeitliche Schweizerische Konföderation besteht aber durchaus aus einzelnen Staaten, den Kantonen). International hat es sich eingebürgert, einen Staat anzuerkennen, sobald mehrere andere Staaten seine Existenz anerkannt haben. Einige Gebiete wie Taiwan oder Nordzypern auf Zypern, die zwar die Merkmale eines Staates aufweisen, wurden dennoch, meist aus politischen Gründen, nicht allgemein anerkannt; diese werden als Stabilisierte De-Facto-Regime bezeichnet. Die Konvention von Montevideo regt häufig zu Diskussionen an, ob es möglich ist, durch Kauf einer staatenlosen Insel oder Bohrinsel quasi eine Mikronation zu gründen. Die Anerkennung durch andere Staaten ist das Hauptproblem solcher Vorhaben.

Anzahl

Insgesamt gibt es 192 vollständig anerkannte souveräne Staaten. Darunter fallen die 191 Mitglieder der UNO sowie die Vatikanstadt. Weitere Staaten sind nur von einer Minderheit der weltweiten Staaten anerkannt, dies sind u. a. Taiwan, Westsahara (DARS), die Cookinseln und Niue.

Literatur


- Michail Bakunin, Gott und der Staat, Berlin: Karin Kramer 1995
- Karl Held (Hrsg.): [http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/staat/staat_i.htm Der bürgerliche Staat]. Die Staatsableitung. München, 1999. 138 Seiten ISBN 3-929211-03-3
- Stefan Breuer: Der Staat. Entstehung, Typen und Organisationsstadien, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998.
- Heide Gerstenberger, Die subjektlose Gewalt. Theorie der Entstehung buergerlicher Staatsgewalt, Münster: Westfälisches Dampfboot 2005
- Wolfgang Reinhard, Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, Sonderausgabe, München: C.H. Beck 2002
- Franz Oppenheimer:
[http://www.opp.uni-wuppertal.de/oppenheimer/st/staat0.htm Der Staat], 3. überarbeitete Auflage von 1929
- OVG Münster, Urteil vom 14.02.1989, Az. 18 A 858/87, in: NVwZ 1989, S. 790.

Siehe auch


- Staatstheorie
- Liste unabhängiger Staaten
- Liste der Staatsformen souveräner Staaten
- Staatliche Souveränität
- Territoriale Integrität Kategorie:Politische Geographie ! ja:国家 simple:State


Arbeiterklasse

Die Arbeiterklasse ist ein Begriff des Marxismus, der dort häufig synonym mit Proletariat verwendet wird. Einige Marxisten, wie der US-Marxist Hal Draper, fassen den Begriff jedoch weiter. Draper benutzt eine Abbildung, die hier nachempfunden wurde. Das Quadrat soll die Bevölkerung darstellen, wobei die blauen Kreise in der Mitte die „Arbeiterklasse“ oder, wie Draper auch sagt, die „arbeitenden Klassen“ symbolisieren sollen, während die rotbraunen Ränder die Bourgeoisie symbolisieren. Nach Hal Draper bildet das industrielle Proletariat (dunkelblauer Kernkreis) den Kern der Arbeiterklasse, danach kommt das nicht-industrielle Proletariat, also die Lohnarbeiter im Bereich der Dienstleistungen und der Landwirtschaft (mittelblaue Zone). Lohnarbeiter, die nicht zum Proletariat gehören, sind durch die hellblaue Zone symbolisiert. Damit meint Draper Lohnarbeiter in den Bereichen, wo kein Mehrwert geschaffen wird, etwa im staatlichen Bereich. Schließlich zählt Draper auch noch Arbeiter zur Arbeiterklasse, die nicht Lohnarbeiter sind. Dies wären z. B. mithelfende Familienangehörige in der Landwirtschaft, kleine selbständige Handwerker und Bauern und ähnliches (das traditionelle Kleinbürgertum). In der Abbildung soll dies der weiße Bereich innerhalb des dunkelblauen Kreises, der die Arbeiterklasse insgesamt umfasst, dargestellt werden. Die rotbraunen Ränder in der Abbildung sollen die Klein-, Mittel- und Großbourgeoisie symbolisieren. Der weiße Bereich zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie stellt den „Rest“, die Mittelklassen, dar. ="Arbeitnehmer"= Bourgeoisie Die heutige Bedeutung der Arbeiterklasse ist umstritten. Nimmt man die in der amtlichen Statistik als "Arbeitnehmer" bezeichneten Personen als Vertreter der Arbeiterklasse, dann ist mengenmäßig allerdings kein Schwinden der Arbeiterklasse zu beobachten. In der Abbildung ist der Anteil der Arbeitnehmer an den Erwerbstätigen insgesamt dargestellt. Die Erwerbstätigen sind die "Arbeitnehmer" und die "Selbstständigen und die mithelfenden Familienangehörigen" (letzteres sind also nicht nur "Kapitalisten").

Bibliographie


- Jürgen Bergmann, Wirtschaftskrise und Revolution: Handwerker und Arbeiter 1848/49, Stuttgart, 1986
- Hal Draper: Karl Marx’s Theory of Revolution. Volume II: The Politics of Social Classes. Monthly Review Press 1979. ISBN 0-85345-439-6
- Chris Harman: Workers of the World – Die Arbeiterklasse im 21. Jahrhundert. Übersetzung aus dem Englischen von Thomas Walter. Edition aurora, Frankfurt am Main. ISBN 3-934536-08-5
- Edward Palmer Thompson, Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1987

Weblinks

[http://www.marxists.de/workmvmt/arbklasse/wandel.htm Die Arbeiterklasse: Ende oder Wandel?] Kategorie:Marxismus

Kapital

Kapital ist ein Begriff, der in den Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie, aber auch in der Umgangssprache unterschiedlich verwendet wird.

Kapital in der Volkswirtschaftslehre

In der Volkswirtschaftslehre ist "Kapital" einer der drei Produktionsfaktoren, neben "Arbeit" und "Boden". Man unterscheidet folgende "Kapitale" einer Volkswirtschaft:
- Realkapital (Kapitalstock)
- Humankapital
- Natürliche Ressourcen
- Technologisches Wissen Kapital ist ein Besitzverhältnis. Es besitzt - wie andere Wirtschaftsgüter - die Eigenschaft der Knappheit. Aus der Eigenschaft der Knappheit entsteht der Kapitalzins. Der Kapitalzins ist die Nutzungsgebühr des Kapitals. Die Knappheit des Kapitals kann natürlichen Ursprungs sein oder künstlich erzeugt worden sein. Das Kapital wird nur gegen eine Nutzungsgebühr, den Kapitalzins weitergegeben. Der Nicht-Kapitalbesitzer muss Arbeit gegen den Kapitalzins tauschen. Ist dieses Tauschverhältnis gestört, entstehen Wirtschaftskrisen. Der Kapitalbesitzer kann die Nutzung seines Kapitals auch verweigern. Er kann eine zu hohe Nutzungsgebühr verlangen oder die Nutzung völlig verweigern. Da Kapital betriebswirtschaftlich (siehe unten ) Vermögen ist, kann es am Markt auf der Angebotsseite in wenigen Händen oder in einer einzigen Hand konzentriert sein ("Kapitalkonzentration"), tritt dann also als Oligopol oder sogar Monopol auf. Diese günstige Position kann als ein zusätzliches "Kapital" aufgefasst werden.

Kapital in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR)

In der VGR wird in der Regel vom Vermögen, weniger von Kapital gesprochen (z. B. Reinvermögen, Anlagevermögen, aber auch Kapitalstock, Brutto- und Nettogeldvermögen). Sucht man gesamtwirtschaftliche Daten über "Kapital", muss man also in der VGR nach Daten über "Vermögen" suchen.

Kapital im Marxismus

Bei Marx ist Kapital ein Betrag von Geld G, der investiert wird, um mehr Geld G’ zurückzubekommen. Die Kapitalformel nach Marx ist:
G - W - W' - G'
Geld G wird in Waren W investiert, denen in einem Produktionsprozess Wert zugesetzt wird, so dass diese Waren mit mehr Wert W’ gegen mehr Geld G’ verkauft werden können. Für den Profit p gilt: p = G' - G und für die Profitrate p' gilt:
p' =
In der Kapitalismusanalyse von Karl Marx wird Kapital auch als "geronnene Arbeit" bezeichnet, wenn man darauf abhebt, dass Kapital der Wert der Produktionsmittel wie Gebäude, Maschinen, Materialien usw. ist. Der Wert dieser Produktionsmittel bestimmt sich wie der Wert aller Waren gemäß der Arbeitswertlehre nach der zu ihrer Herstellung notwendigen Arbeitszeit. Insofern kann man von "geronnener", "toter" usw. Arbeit sprechen, die in diesen Produktionsmitteln drin steckt. "Lohnarbeit schafft Kapital, d.h. es schafft Eigentum, welches die Lohnarbeit ausbeutet und nur unter dieser Bedingung vermehren kann, dass es neue Lohnarbeit erzeugt, um sie von neuem auszubeuten".Marx' Hauptwerk Das Kapital ist wohl das berühmteste zur politischen Ökonomie. Kapital ist ein gemeinschaftliches Produkt und wird privat angeeignet im Kapitalismus. Die Lohnarbeit ist die Grundlage von Kapital. Die Lohnarbeit schafft Mehrwert, dieser teilt sich auf in individuelle Konsumtionsfonds der Kapitalisten und in einen sog. Akkumulationsfonds. Kapital ist also beides: "Ein Teil des Mehrwerts wird vom Kapitalisten als Revenue verzehrt, ein anderer Teil als Kapital angewandt oder akkumuliert." (Kapital Bd. I 7. Absch. Akkumulationsprozeß des Kapital) Obwohl das Kapital von den Menschen gemacht ist, das Produkt menschlicher Arbeit ist, scheint es doch gegenüber den Menschen eigene Kräfte zu haben, ähnlich wie ein Fetisch gegenüber den Menschen, die an ihn glauben, besondere Kräfte aufweist. Marx spricht deshalb vom Kapitalfetisch neben dem Geld- und Warenfetisch. Im einzelnen unterscheidet Marx noch
- konstantes Kapital von variablem Kapital und
- fixes Kapital von zirkulierendem Kapital sowie verschiedene Zusammensetzungen des Kapitals:
- technische Zusammensetzung des Kapitals.
- Wertzusammensetzung des Kapitals
  - Von letzterer ist die organische Zusammensetzung des Kapitals, von Marx in Das Kapital auch kurzweg nur Zusmmensetzung des Kapitals genannt, ein besonderer Fall. Eine weitere Unterscheidung verschiedener Arten von Kapital:
- Industriekapital (Profit des Industriekapitals)
- Handelskapital (Profit des Handelskapitals)
- Geldkapital, zinstragendes Kapital (Zinsen als Teil des Mehrwerts) Wichtige Tendenzen des Kapitals sind bei Marx die
- Zentralisation sowie die
- Konzentration

Kapital in der Betriebswirtschaftslehre

Im engeren betriebswirtschaftlichen Sinne ist "Kapital" eine werthaltige Sache, die zur Vergrößerung ihres eigenen Wertes eingesetzt wird (Geld kauft Arbeit und Produktionsmittel, um das Produkt mit Gewinn zu verkaufen; oder es wird als Kredit vergeben um ein ebensolches Geschäft in Gang zu setzen). In der Bilanz wird es dem entsprechend auf der Haben-Seite verbucht. Kapital kann man demnach unterteilen in:
- Geldkapital (Bargeld oder Buchgeld)
- Sachkapital auch Güter genannt (beispielsweise Maschinen, Äpfel, Telefone)
- Anrecht auf Kapital (beispielsweise Forderungen, Schuldtitel, Kredite, Aktien, Derivate) Humankapital nimmt eine Sonderstellung ein. Aus wirtschaftlicher Sicht ist Humankapital:
- theoretisch nichtvermehrbares Sachkapital (denn die Vermehrung von Menschen gehorcht kaum wirtschaftlichen Bedürfnissen)
- praktisch vermehrbares Sachkapital (Die Anzahl der Menschen ist derzeit viel größer als der wirtschaftliche Bedarf danach. Der Wert des Humankapitals wird oft erst durch Bildung erzeugt und ist demnach mit der Stärke der Bildung vermehrbar.) Sozialkapital stellt in neueren wirtschaftstheoretischen Betrachtungen eine Weiterentwicklung des Humankapitalkonzepts dar, da es die informellen und institutionalisierten Beziehungen zwischen den Akteuren als Träger von Kapital betrachtet. Vom Kapital zu unterscheiden ist das Grundeigentum, also die Verfügung über Grund und Boden sowie dort abbaubare Rohstoffe: Hier vergrößert sich kein Wert, sondern der Bedarf nach Geschäfts-/ Fabrikstandorten, Ackerland, Wohnraum, Bergbau, usw. wird ausgenutzt um einen Zins für die Benutzung zu erheben. Der Fakt, dass man einiges Kapital unter Anrecht auf Kapital klassifizieren kann, ist sehr gefährlich. Ist nämlich Kapital = Anrecht auf Kapital, dann kann dieses wiederum Anrecht auf Anrecht auf Kapital und das wiederum Anrecht auf Anrecht auf Anrecht auf Kapital usw. sein, so dass diese "Anrechtskette" in sich selbst enden kann. In diesem Fall ist der Wert dieses Kapitals aber nicht länger von äußeren Faktoren abhängig, sondern nur noch vom Gutdünken der bewertenden Marktteilnehmer. Ein weiterer Kapitalbegriff im engeren ökonomischen Sinne ist der buchhalterische Kapitalbegriff, der die besondere rechnerische Erfassung des Kapitals erfasst. Die statische Bilanzauffassung interpretiert die Bilanz als eine Kapitalbilanz. Die Passivseite zeigt das Eigen- und Fremdkapital (Mittelherkunft), während die Aktivseite die Vermögensteile, in denen das Kapital angelegt ist und die die Deckung für das Kapital darstellen, aufzeigt (Mittelverwendung).

Kapitalbegriff in der Soziologie

In der mehrdimensionalen Kultursoziologie von Pierre Bourdieu greifen diese Zuschreibungen im ökonomischen Sinne nur unzureichend. Denn hier ist Kapital eine Ressource von objektiven und subjektiven Strukturen und gleichzeitig ein grundlegendes Ordnungsprinzip der sozialen Welt sowie in diesem Rahmen ein Mittel zur Charakterisierung individueller Macht. In der wissenschaftlichen Literatur wird der Begriff auch als Metapher für soziale Macht von Gruppen bzw. Personen gebraucht. Die Aufteilung der Gesellschaft in Klassen wird entlang der Verfügung über verschiedene Kapitalsorten definiert. Bourdieu unterscheidet: ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital und symbolisches Kapital. Symbolisches Kapital ist am ehesten mit dem früher immanenten Begriff Prestige zu vergleichen. Verkürzt handelt es sich hier um die Widerspiegelung aller anderen Kapitalformen in einem distinktiven Lebensstil. Das symbolische Kapital erhält seinen Wert durch die Anerkennung des Kapitals (seiner verschiedenen Formen) im sozialen Feld. Kulturelles und soziales Kapital können durch Aufwendung von ökonomischen Kapital erworben werden, womit dem ökonomischen Kapital eine primäre Funktion zugewiesen wird. Aber je nach der Positionierung einer Person beziehungsweise Klasse im spezifischen sozialen Feld beziehungsweise sozialen Raum ist auch die Bedeutung der jeweiligen Kapitalform verschieden. Beispielsweise nimmt im universitären Feld das kulturelle Kapital einen zentralen Stellenwert ein.

Weitere Wortbedeutungen

Die Vorstellung von "Kapital" ist alt und stammt aus der Entstehung der Viehzucht in der Neusteinzeit (im Neolithikum). Das Wort selbst ist lateinischen Ursprungs (caput für "Kopf"), so heute noch: Diese Schafsherde hat rund hundert Köpfe. Im übrigen wird "Kapital" (als Eigenschaftswort "kapital") umgangssprachlich oft als Metapher benutzt, so etwa - In der Jägersprache hat ein kapitaler Hirsch ein mächtiges Geweih. - Das war ein kapitaler Fehler. - Ihr Kapital ist ihre Unverdrossenheit - Mit der Globalisierung geht den Unternehmen ihr bestes Kapital verloren: die Loyalität ihrer Manager und Belegschaften.

Siehe auch


- Karl Marx, Das Kapital, Kapitalismus
- Naturkapital, Finanzkapital
- Sozialkapital, Soziales Kapital
- Lokalkapital
- Kapitalkontroverse
- Pierre Bourdieu
- Humankapital

Literatur


- Heinz-J. Bontrup: Arbeit, Kapital und Staat. - Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft. PapyRossa-Verlag Köln. Dritte Auflage 2005. ISBN 3-89438-326-7
- Heinz-J. Bontrup: Volkswirtschaftslehre. Grundlagen der Mikro- und Makroökonomie, Oldenbourg Verlag. Zweite Auflage, München, Wien 2004. ISBN 3-486-57576-7
- Heinz-J. Bontrup: Lohn und Gewinn. Oldenbourg Verlag. München, Wien 2000. ISBN 3-486-25164-3 Kategorie:Wirtschaft Kategorie:Soziologie Kategorie:Marxismus ja:資本

Boykott

Ein Boykott ist die organisierte Verweigerung, von einer geächteten Person, Institution oder Nation etwas zu kaufen, zu importieren oder ein anderes Geschäft zu tätigen. Insofern ist ein Boykott eine ökonomische Waffe. Das Wort Boykott (boykottieren) geht auf Kapitän Charles Cunningham Boycott zurück, einen skrupellosen englischen Grundstücksmakler in Irland, der einem durch die irische Landliga 1880 organisierten Boykott unterlag.

Geschichte

Historische Boykottaktionen in chronologischer Folge:
- Im deutschen Mittelalter die sogenannte "Verhansung", d. h. der Ausschluss einer Stadt aus der Hanse, was für die jeweilige verhanste Stadt den sicheren wirtschaftlichen Niedergang bedeutete;
- während der amerikanischen Revolution der US-amerikanische Boykott britischer Waren;
- der indische Boykott britischer Waren organisiert von Gandhi;
- der deutsche Boykott jüdischer Geschäfte während der Zeit des Nationalsozialismus;
- Die während der US-Bürgerrechtsbewegung durch Afro-Amerikaner durchgeführten Bus-Boykotte;
- der arabische Boykott Israels und von Unternehmen, die mit Israel handeln.
- der weltweit unternommene Versuch, den Ölkonzern Shell wegen seiner Absicht, die Ölbohrinsel Brent Spar zu versenken, zu boykottieren.

Ziele

Ein Boykott kann folgende Ziele verfolgen:
- den Gegner bloßstellen
- den Gegner ökonomisch bestrafen
- Veränderungen oder Reformen erzielen

Boykottformen

Verbraucherboykott

Verbraucherboykotts sind auf eine langfristige Änderung der Kaufgewohnheiten ausgerichtet. Eine Form des Verbraucherboykotts ist der Ersatz durch ein gleichwertiges Produkt (z.B. Mecca Cola).

Wahlboykott

Wenn eine Wahl oder eine politische Veranstaltung boykottiert wird, z.B. die Verweigerung einer Gruppe bei der Teilnahme an einer Wahl, ist der Boykott eine Form informeller Missbilligung einer Wahl.

Auswirkungen längerfristiger Boykotts

Ein Boykott ist eigentlich eine einmalige Angelegenheit, die einem besonderen einzelnen Unrecht entgegentreten soll. Einige Boykottmaßnahmen sind jedoch auf eine langfristige Änderung von Kaufgewohnheiten oder politischen Verhältnissen ausgerichtet. Wenn die Boykottmaßnahme auf einen längeren Zeitabschnitt ausgedehnt wird oder als Teil eines umfassenden Programms eingesetzt wird, um Veränderungen oder Reformen von Gesetzen oder Regierungen zu erzielen, ist ein Boykott ein Teil von gerechterem Handel oder ein bewusst entschiedener Verzicht, womit bestimmte ökonomische oder politische Bezeichnungen bevorzugt werden sollen. Die meisten heutigen organisierten Verbraucherboykotts sind auf eine langfristige Änderung der ausgerichtet und werden so Teil eines größeren politischen Programms. Dieses erfordert längere strukturelle Eingriffe, z.B. die Reform der Märkte oder die Verpflichtung der Regierungen zu gerechterem Handel, woraus sich z.B. der lang anhaltende Boykott südafrikanischer Unternehmen aus Protest gegen die Apartheid ergab. Diese Aktionen weiten die Bedeutung des 'Boykott'begriffs aus.

Kritik

Boykottaktionen werden für ihre Destruktivität und ihre oft emotionale Radikalität kritisiert. Auch wird vielen Boykotteuren Unwissenheit und Trittbrettfahrertum hinsichtlich latent vorhandener Feindseligkeiten unterstellt. Während der angespannten Phase vor dem Irak-Krieg wurden z. B. in Europa Ideen populär, die den Boykott amerikanischer Großmarken wie McDonald's oder Coca-Cola anklangen. Hierbei wurde übersehen, dass ungefähr 80% der deutschen McDonald's-Fillialen sich in konzernfremden Händen befinden, und dass der Konzern weder am Krieg beteiligt war noch von ihm profitierte. Andere gingen noch weiter und forderten den Boykott alles US-Amerikanischen, wobei hier der Vorwurf des latenten Antiamerikanismus laut wurde. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist ein solcher Boykott fraglich, da in der heutigen globalisierten Welt für einen solch konsequenten Boykott sehr mündig sein und das große Geflecht aus Konzern- und Gewinnbeteiligungen u.ä. Geschäftspraxen überblicken können muss, was praktisch nicht möglich ist. Kategorie:Wettbewerb Kategorie:Politischer Widerstand ja:ボイコット

Agitation

# Die politische Agitation (lat. agere „tun, handeln“) ist eine besondere Form der politischen Werbung. Der Begriff wird in der Umgangssprache abwertend benutzt. Die Reden der Agitatoren werden (ebenfalls abwertend) auch Agitationsgeblubber genannt. # In der leninistischen Parteipolitik war und ist der Begriff "Agitation" positiv behaftet. Lenin selbst definierte Agitation als "den Appell an die Massen zu bestimmten konkreten Aktionen, die Förderung der unmittelbaren revolutionären Einmischung des Proletariats in das öffentliche Leben." [http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1902/wastun/kap3b.htm]. Er grenzte ihn von - der ebenfalls positiv bewerteten - Propaganda ab. Siehe auch: Agitprop # Hingegen ist die medizinische Agitation eine krankhafte Unruhe, bei der es zu heftigen und hastigen Bewegungen des Patienten kommt, die oftmals keinen Sinn zu haben scheinen. Eine Agitation tritt vor allem bei Psychosen oder im Delirium auf. Sie ist jedoch nicht mit gewöhnlicher Nervosität zu verwechseln. Vgl. auch Werbung, Agitprop. Kategorie:Propaganda

Kapitalismus

Kategorie:Wikipedia:Neutralität Als Kapitalismus wird eine Wirtschaftsordnung verstanden, die sich durch Privateigentum an Produktionsmitteln sowie Produktion für den Markt auszeichnet. Der Begriff wurde im deutschsprachigen Raum von Werner Sombart in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt. Als kapitalistisch wird weiterhin eine Gesellschaft bezeichnet, wenn die durch den Markt geregelte Arbeitsteilung dominierendes und strukturierendes Prinzip dieser Gesellschaft ist. Produktionsweisen, die auf Sklaverei, bäuerlicher Subsistenzwirtschaft oder feudalen Arbeitsverpflichtungen gegründet sind, werden daher nicht als kapitalistisch bezeichnet. Der Kapitalismus begann mit dem Fernhandel im ausgehenden Mittelalter und löste in Europa den Feudalismus und die bürgerlich-handwerkliche Stadtwirtschaft ab. Zur Entfaltung kam der Kapitalismus mit der Industrialisierung.

Wortherkunft

Ethymologisch kommt das Wort ursprünglich von lat. capitalis (Haupt-), was wiederum von caput (Kopf) kommt. Einer Deutung zufolge bemaß sich ursprünglich das „Kapital“ nach der Größe der Viehherden, also nach der Anzahl der Köpfe in einer Rinderherde usw. Im Lateinischen machte aber caput, capitalis ebenfalls schon einen Bedeutungswandel durch, der im deutschen durch „Haupt-“ nachvollzogen wird. „Summa capitalis“ war die Hauptsumme in Wirtschaftsrechnungen, woraus dann „Kapital“ entstanden sein soll. In Europa erschienen die Wörter „capitaliste“ und „capitalisme“ erstmalig im 18. Jahrhundert in Frankreich. Im Deutschen wurde das Wort „Kapitalismus“ nicht, wie viele glauben, von Marx oder Engels eingeführt, sondern es tauchte erst 1902 in Werner Sombarts „Der moderne Kapitalismus“ auf und dann 1904 in Max Webers Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus.

Nähere wirtschaftswissenschaftliche Bestimmung

Der Kapitalist bekommt durch die Rendite seines Eigenkapitals das Risiko, das er mit dem Einsatz seines Kapitals auf sich genommen hat, sowie den vorläufigen Verzicht auf das investierte Kapital abgegolten (Opportunitätskosten, vgl. auch Unternehmerlohn) – in durchaus unterschiedlicher Höhe (diese hängt sowohl von seiner Verhandlungsgeschick als auch von der nicht beeinflussbaren generellen Preisentwicklung auf dem Arbeitsmarkt und Absatzmarkt ab). Er strebt also nach Maximierung seiner Eigenkapitalrendite. Eigenkapitalrendite Wo der nach dem Modell des "homo oeconomicus" handelnde Kapitalist nicht eine Rendite größer der Liquiditätsprämie für sein Geld zu erzielen glaubt, wird er dieses Geld nicht investieren (da es dann günstiger ist, dies Geld zu horten, also zu behalten und stets verfügbar zu haben). Vor diesem Hintergrund ist auch der Spruch „Das Kapital ist wie ein scheues Reh.“ zu verstehen, es kommt maßgeblich auf die erwartete Rendite an. Der Kapitalist wird desto waghalsiger, je höher ihm die erwartbare Eigenkapitalrendite erscheint. Der Kapitalist wird außerdem sein Kapital dort anzulegen streben, wo er die höchste Rendite (Profitrate) zu erwarten hat. Dabei spielen auch politische Rahmenbedingungen eine Rolle, was der einst auf den damals noch hessischen Politiker Joschka Fischer gemünzte Spruch "Wo in Turnschuhen regiert wird, kriegt das Kapital Beine" auf den Punkt bringt. Tritt der Kapitalist seine Funktionen an ein angestelltes Management ab, so dringt ein hochspekulatives Element in die kapitalistische Wirtschaft ein, weil hier relativ straflos Wagnisse eingegangen werden können.

Kapitalismus und Marktwirtschaft

Kapitalismus ist als Schlüsselbegriff des Marxismus heutzutage längst kein neutraler Begriff mehr, der daher in den Wirtschaftswissenschaften eher gemieden und durch den nicht völlig deckungsgleichen und weitläufiger zu verstehenden Begriff der Marktwirtschaft ersetzt wird. Diese Generalisierung ist aber nur als Abgrenzung von der Planwirtschaft (Zentralverwaltungswirtschaft) sinnvoll und verständlich. Ansonsten kann durchaus zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus unterschieden werden – Märkte gab es bereits vor der Erfindung des Münzgeldes.

Wesentliche Elemente

Privateigentum und dezentrale Entscheidung

Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln (Kapital) werden die Entscheidungsbefugnisse der Politik weitgehend entzogen und in Märkten dezentralisiert, da jeder Eigentümer (Kapitalist) rechtlich (nicht unbedingt tatsächlich) über seine eigene Planung verfügt. Die privaten Produktionsmittel werden heute nur noch in seltenen Fällen direkt vom Eigentümer, sondern mehrheitlich von einer Personen- oder Kapitalgesellschaft verwaltet. Deren Geschäftsführer (Manager) entscheidet im Auftrag der übrigen Eigentümer, was nach der Prinzipal-Agent-Theorie zu Konflikten führen kann. Diese Interessenkonflikte zwischen Eigentümer und Manager sollen durch klare rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen (Corporate Governance) begrenzt werden.

Koordination durch den Markt

Die Planung des Einzelnen wird durch den Marktmechanismus koordiniert. Der Markt ist definiert als der (ggf. virtuelle) Ort, an dem Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Dabei bewirkt der Austausch von Angebot und Nachfrage idealtypisch eine Koordination über den Preis, die Menge und die Art der Güter

Aspekte kapitalistischer Ökonomien

Privatwirtschaft

Im Kapitalismus werden viele Dienstleistungen als wirtschaftliche Güter auf Märkten angeboten. Öffentliche bzw. staatliche Dienstleistungen (sogenannte Daseinsvorsorge) als auch private unentgeltliche Leistungen unterliegen dem Druck, ebenfalls in auf Märkten gehandelte wirtschaftliche Güter umgewandelt zu werden (Kommodifizierung). Beispiele sind soziale Dienstleistungen, Kultur- und Bildungsangebote. Befürworter des Kapitalismus argumentieren, dass nur in dieser Wirtschaftsform ein selbstbestimmtes Leben möglich ist, da nur im Kapitalismus alle Wirtschaftsbeziehungen auf Freiwilligkeit, und nicht auf staatlichem Zwang basieren. Dieses Argument wird vor allem von Anhängern des Liberalismus vertreten. Kritiker wenden ein, dass rein altruistische Verhaltensweisen nach Marktgesetzen unrentabel seien, am Markt tendenziell nicht bestehen könnten, und so zugunsten von Gewinnmaximierungs-Strategien verdrängt würden, ebenso wie menschliche Tätigkeiten, die keine am Markt nachgefragten und handelbaren Waren oder Dienstleistungen darstellen: Die dafür verwendete Zeit bringt keinen (finanziellen) Gewinn, während die Lebenshaltungskosten weiterhin gedeckt sein müssen. Es bestehe eine starke Tendenz zur Rationalisierung aller Lebensbereiche, die durchwegs im Hinblick auf Nutzen und Rentabilität organisiert würden. Jedermann solle das eigene Leben auf diese Weise nach den Anforderungen des Marktes gestalten, „sich gut verkaufen“. Einzelschicksale gerieten dabei oftmals in den Hintergrund. Kritiker des Kapitalismus fordern deshalb, dass die Wirtschaft für den Menschen dasein müsse, nicht umgekehrt.

Wirtschaftswachstum

Durch die kapitalistische Wirtschaftsform ist in der Vergangenheit enormes Wirtschaftswachstum generiert worden. Allerdings ist der Kapitalismus einem Wechsel von Konjunkturen und Krisen unterworfen, und in einzelnen Epochen, Regionen und/oder Wirtschaftsbereichen kam bzw. kommt es zum Rückgang der Wirtschaft. Besonders ausgeprägt war der deflationäre Zusammenbruch vieler Volkswirtschaften im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Während manche Kritiker des Kapitalismus behaupten, dass nur die Intervention von Seiten des Staates es ermögliche, einen Kollaps der kapitalistischen Ökonomien anzuhalten, sind andere der Meinung, dass die Krisen durch staatliche Interventionen (Fiskalpolitik, Geldpolitik, Währungspolitik) überhaupt erst ausgelöst oder verstärkt werden. Die tendenzielle Kontinuität des Wachstums der kapitalistischen Marktwirtschaft kann als etablierte Mehrheitsmeinung der Volkswirtschaftslehre und z.T. der öffentlichen Meinung der 'Ersten Welt' angesehen werden. Die dem entgegen stehende Revolutionslehre von Karl Marx wird von dieser Mehrheitsmeinung als widerlegt betrachtet. Abweichend wird von einer Minderheit eingewandt, dass der Kapitalismus das Wirtschaftswachstum drosseln oder gar umkehren könne. Dies knüpft sich an die unternehmerische Kapitalkonzentration, als deren Folgen u. a. abgeleitet werden: (1) Hohe Preise und beschränkte Marktversorgung, sinkende Investitionen in Research and Development, Patentstillegungen (G. von Eynern, Monopol, Wb. d. Soz. 1969:720), (2) Anstieg innerorganisatorischer Machtkämpfe auf Kosten der Marktorientierung und -versorgung (vgl. R. Michels’ “Ehernes Gesetz der Oligarchie”), (3) außerökonomische Machtpolitik der Managements mit darauf antwortenden politischen Eingriffen (s. V. O. Key, Politics, Parties and Pressure Groups, 1950).

Stabilität

Die Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler hält den Kapitalismus für ein stabiles System, das nur durch temporäre Wirtschaftskrisen beeinträchtigt werde. Allerdings wird ihm auch von verschiedenen Kritikern der Untergang prophezeit oder prognostiziert: Marxistische Kritiker gehen davon aus, er werde durch Mehrwertanhäufung und daraus resultierende Monopolbildung unerträglich und durch Revolution beendet (vgl. das Kommunistische Manifest von 1848). Auch manche nichtmarxistische Volkswirte und Soziologen gehen davon aus, dass er untergehen werde oder könne, zum Beispiel Joseph Schumpeter.

Technischer Fortschritt

Hauptartikel dazu: Technischer Fortschritt Durch die Konkurrenz der Unternehmen gibt es für die marktorientierten Produzenten den permanenten Zwang, ihre Produkte zu verbessern bzw. neue Produkte zu entwickeln, sowie Verfahren zu optimieren. Dies führt zu Investitionen in Forschung und Entwicklung (R&D, „research and development“) und in deren Folge zu immer neuen Techniken, sofern diese Absatz versprechen. Nutzen und Gefahren vieler neuer Techiken werden allerdings sehr kontrovers diskutiert, siehe zum Beispiel Kernkraft, Transrapid oder Gentechnologie. Auch sind die Folgen der allgemeinen Automatisierung und Kybernetisierung ökonomisch nicht abschätzbar. Kritiker dieser Entwicklung (Club of Rome) argumentieren, dass Wachstum (selbst ein Wachstum, das von Demokratien gelenkt werden würde) von einer bestimmten Grenze an prinzipiell der menschlichen Gesellschaft Schaden bringe, etwa wenn eine Wirtschaftsbasis (d. h. die Güterproduktion) ihrerseits die Umwelt nachhaltig zerstöre.

Wohlstand

Der Kapitalismus hat in den sogenannten Industrienationen breiten Bevölkerungsschichten Wohlstand gebracht. Kritiker bemängeln jedoch die ungleiche Verteilung des Wohlstands. Durch Ausgleichsmechanismen, wie sie die Soziale Marktwirtschaft vorsieht, kann die Verteilung reguliert werden (vgl. Ordoliberalismus). Eine ungleiche Verteilung wird jedoch nicht generell als negativ angesehen, da Kapital, das sich in einigen Händen sammele, wieder investiert werden könne, und da sie vor allem einen Zwang in Richtung auf Leistung bedeute – im Gegensatz zu vielen vorkapitalistischen Gesellschaften, wo Reichtum zu Leistungsreduzierung verlockt habe, oder wo Vorstellungen eines „angemessenen Gewinns“ (wie im in Zünften organisierten Handwerk) den technischen Fortschritt bremste. Kritiker meinen ferner, marktbeherrschende Oligopolisten und Monopolisten tendierten zur Risikovermeidung bei Luxusgütern zu überhöhten Preisen, bei Basisgütern zur Unterversorgung des Marktes (so z. B. in der Pharmaindustrie). Die Nachfrageseite, die der Verbraucher, versuche dann, durch Vermeidung von Solidaritätsabgaben (Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, „Bremsen“ und Sabotage) die für sie negativen Folgen dieser Entwicklung abzumildern.

Netzwerkstruktur

In kapitalistischen Ökonomien können Unternehmen und Personen freie Vereinbarungen miteinander treffen (Prinzip der Vertragsfreiheit). Die Ökonomie reagiert auf Veränderungen in der Technik, auf Entdeckungen und auf andere neue Situationen mit Hilfe der Firmen und ihres Managements (ihrer Akteure), die ihre Arrangements untereinander wieder neu bewerten. Demgemäß scheinen sich die Kontrollmechanismen der Ökonomie und die sie betreffenden Informationsflüsse immer wieder zu verändern. Analysen der Netzwerke und Arrangements im Kapitalismus haben einen Grad von Ähnlichkeit zu anderen Netzwerken, wie etwa zum Telefonsystem oder Internet gezeigt.

Beschäftigung

In einer kapitalistischen Gesellschaft erhalten viele Individuen die finanziellen Mittel für ihren Lebensunterhalt durch entlohnte Arbeit an einem Arbeitsplatz. Viele andere (Familienangehörige) werden indirekt über diese Erwerbsarbeit mitfinanziert. Dies kann sich umkehren, sobald menschliche Arbeitskraft zunehmend maschinisiert wird. In den Krisen der kapitalistischen Gesellschaften kommt es häufig vor, dass Menschen keinen Arbeitsplatz finden, also niemanden, der ihr Angebot von Arbeitskraft „kauft“, etwa weil in ihrem Umfeld kein Bedarf vorhanden ist, oder weil sie nicht gewillt sind, ihre Arbeitskraft für den von den Unternehmen gebotenen Preis (das Entgelt) anzubieten. In kapitalistischen Volkswirtschaften werden bestimmte Arbeiten, die keiner besonderen Qualifikation bedürfen, oft zu Niedriglöhnen angeboten, die als zu gering angesehen werden, um den Lebensunterhalt des Werktätigen decken zu können. Als Ausweg werden daher oft staatlich garantierte Mindestlöhne angesehen. Allerdings werden durch sie ebenso wie durch staatliche Ersatzleistungen wie Arbeitslosengeld finanzielle Anreize zum Annehmen einer schlecht bezahlten Arbeit verringert. Auch Steuerumverteilung (von 'oben' nach 'unten') kann diese Anreize schmälern. All diese Mittel widerstreben zwar der theoretischen Nullarbeitslosigkeit, werden aber oft als mehr oder weniger gerecht oder fair empfunden. Staatliche Eingriffe sind aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit und der inneren Sicherheit sogar notwendig. Sie geben eine zusätzliche Sicherheit und fangen kranke, alte und schwache Gesellschaftsmitglieder auf, auch wenn auf diese Weise eine systembedingte gewisse Arbeitslosigkeit toleriert wird.

Planung

Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln (Kapital) werden die Entscheidungsbefugnisse dezentralisiert. Jeder Eigentümer (Kapitalist) verfügt über seine eigene Planung. Diese wird durch den Marktmechanismus koordiniert. Kritiker bemängeln unbekannte und ungeprüfte Planung im gesellschaftlichen Maßstab: Obwohl es innerhalb der Unternehmen und auch anderen Organisationen einen großen Aufwand an Planung gibt, gebe es – infolge der durch Unwissen und Eigennutz begrenzten Horizonte der Planer – keine generelle wirtschaftsweite Richtung, keine zuverlässigen wirtschaftlichen Vorhersagen, oder ein Wissen, wie sich eine Firma kurzfristig in den nächsten Jahren orientieren soll. Während heute beinahe jede Transaktion von den Akteuren geplant und bestätigt werden muss, die daran teilnehmen, erscheinen viele gesellschaftliche Phänomene, die sich von Geschehnissen eines Marktes ableiten lassen und die selten geplant, vorhergesehen oder von jemanden autorisiert wurden. Hier sucht die Volkswirtschaftslehre, Antworten zu geben.

Die Frage nach dem Zusammenhang mit Demokratie und Frieden

Von Befürwortern des Kapitalismus wird die These vertreten, kapitalistische Gesellschaften tendierten langfristig zu Rechtsstaat und Demokratie, und sie verweisen dabei auf die demokratischen Entwicklungen in Europa, Amerika und Teilen von Asien. Eine weitere These ist, dass Demokratien untereinander signifikant weniger Kriege führen als gegen Nichtdemokratien und als diese untereinander. Daraus wird insgesamt gefolgert, dass der Kapitalismus dem Frieden diene. Kritiker betonen, dass der Kapitalismus die unabhängige Rechtsprechung gefährde (sie korrumpiere). Etliche verweisen auf die Vielzahl kapitalistischer Diktaturen, wie sie vor allem in den weniger entwickelten Staaten Asiens und Afrikas zu finden sind, sowie die ihrer Ansicht nach große Zahl der durch demokratische Staaten geführten Kriege. Insbesondere eine fortschreitende und globale Monopolisierung des Kapitals führe zu einer Erhöhung der Kriegsgefahr.

Theoretiker

Adam Smith

Ein bedeutender Theoretiker des Kapitalismus ist der schottische Nationalökonom und Moralphilosoph Adam Smith mit seinem Hauptwerk „Der Wohlstand der Nationen“ (1776). Er begründet den Eigennutz als einen wichtigen Motor für Wohlstand und gerechte Verteilung und meint, dass die Selbstregulation des Marktes durch Gleichgewichtspreise mehr Vertrauen verdient (die „Unsichtbare Hand“). In seinem Werk „Theorie der ethischen Gefühle“ schreibt er: „Trotz der natürlichen Selbstsucht und Raubgier der Reichen und obwohl sie nur ihre eigene Bequemlichkeit im Auge haben, obwohl der einzige Zweck, welchen sie durch die Arbeit all der Tausende, die sie beschäftigen, erreichen wollen, die Befriedigung ihrer eitlen und unersättlichen Begierden ist, trotzdem teilen sie doch mit den Armen den Ertrag aller Verbesserungen, die sie in der Landwirtschaft einführen. Von einer unsichtbaren Hand werden sie dahin geführt, beinahe die gleiche Verteilung der zum Leben notwendigen Güter zu verwirklichen, die zustande gekommen wäre, wenn die Erde zu gleichen Teilen unter alle ihre Bewohner verteilt worden wäre, und so fördern sie, ohne es zu beabsichtigen, ja ohne es zu wissen, das Interesse der Gesellschaft und gewähren die Mittel zur Vermehrung der Gattung. Als die Vorsehung die Erde unter eine geringe Zahl von Herren und Besitzern, verteilte, da hat sie diejenigen, die sie scheinbar bei ihrer Teilung übergangen hat, doch nicht vergessen und nicht ganz verlassen.

Karl Marx und Friedrich Engels

Gleichgewichtspreis Der Begriff der „kapitalistischen Produktionsweise“ wurde maßgeblich von Karl Marx und Friedrich Engels geprägt (als Begriff benutzten sie “Kapitalismus” nicht). Jede Ware habe einen Doppelcharakter, sie sei sowohl Tausch- als auch Gebrauchswert (siehe auch Warenfetischismus). Die Vermehrung des Kapitals erfolge über die Ausbeutung fremder Arbeitskraft als Lohnarbeit, indem die Ware Arbeitskraft zwar einerseits grundsätzlich zu ihrem Wert bezahlt wird, dieser Wert liegt jedoch andererseits systematisch unter dem insgesamt neu geschaffenen Wert, da die Arbeiter nicht den Wert der Produktion erhalten, sondern lediglich soviel, wie sie brauchen, um sich als Arbeiter zu erhalten. Dies ist der Wert der Arbeitskraft, welche die Arbeiter an die Kapitalisten verkaufen. Die Differenz zwischen Neuwert (Wertschöpfung) und Wert der Arbeitskraft ist der Mehrwert – der erzielbare Mehrwert werde aber gleichzeitig im Verhältnis zum eingesetzten Kapital (Profitrate) „tendenziell“ immer weniger (vgl. Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate). Marx meinte, angesichts dessen, wie die kapitalistische Dynamik von ihrem eigenen inneren Antagonismus voran getrieben werde, sei die letzte Grenze des Kapitalismus, der kapitalistischen, sich selbst vorantreibenden Produktivität, das Kapital selbst, das heißt, der irre Tanz ihrer bedingungslosen Produktivitätsspirale sei letztlich nichts als eine verzweifelte Flucht nach vorn, um dem ihr selbst inhärenten und sie schwächenden „Widerspruch“ zu entkommen. Dies sei unausweichlich die Stunde der kommunistischen Revolution durch das Proletariat.

Max Weber

Der Soziologe Max Weber stellte in seinem Buch Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus die These auf, dass der Kapitalismus in Europa aus religiösen Gründen entstanden sei und eine -im geistigen Sinne- Weiterentwicklung der Reformationsbewegung darstelle (vgl. das „protestantische Arbeitsethos“ und die protestantische Ethik allgemein). Da dies für Japan nicht haltbar war, untersuchte Weber die (funktional entsprechende) Rolle der Samurai.

Joseph Schumpeter

Der Volkswirt Joseph Schumpeter urteilte, die „Maschine Kapitalismus“ funktioniere nicht schlecht. Ihr Antrieb sei das freie Unternehmertum; gerade der Erfolg, der sich auch in Monopolen zeige, bringe es jedoch mit sich, dass der Kapitalismus seine eigene soziale Struktur zerstört, die ihn schützt und stützt, immer wieder zerstört und neu errichtet.
Er sah ihn zunächst als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Jedoch produziere er zunehmend einen Wasserkopf bürokratischer Strukturen und eine „Krise des Steuerstaats“ (indem er den Staat zu schwächen unternehme), der dessen Ende bedeuten könne, wie auch das der Demokratie. Von Schumpeter stammt auch die Idee der Kreislauf-Marktwirtschaft.

Zitate


- „Ich sehe in naher Zukunft eine Krise heraufziehen. In Friedenszeiten schlägt die Geldmacht Beute aus der Nation, und in Zeiten der Feindseligkeiten konspiriert sie gegen sie. Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Autokratie, selbstsüchtiger als eine Bürokratie. Sie verleumdet all jene als Volksfeinde, die ihre Methode in Frage stellen und Licht auf ihre Verbrechen werfen. Eine Zeit der Korruption an höchsten Stellen wird folgen, und die Geldmacht des Landes wird danach streben, ihre Herrschaft zu verlängern, bis der Reichtum in den Händen von wenigen angehäuft und die Republik vernichtet ist.“ Abraham Lincoln, US-Präsident, 21. November 1864
- „Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleiche Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends.“ – Sir Winston Churchill (1874–1965), britischer Journalist und später Premierminister

Siehe auch


- Das Kapital, Monopolkapitalismus, Kulturkapitalismus, Kapitalismuskritik, Organisierter Kapitalismus, Spätkapitalismus
- Kommunismus, Liberalismus, Manchesterkapitalismus, Neoliberalismus, Regulationstheorie, Globalisierung, Freiwirtschaft
- Geld, Kapital, Wert, Entfremdung

Literatur


- Milton Friedman: Kapitalismus und Freiheit ISBN 3821839600
- Georg Fülberth:Kleine Geschichte des Kapitalismus, Köln 2005, ISBN 3894383151
- Friedrich Hayek: Die Verfassung der Freiheit ISBN 3161458443
- Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung, theorie.org, 2004, [http://www23.brinkster.com/buttelflink/paul/K.htm].
- Michael Heinrich: Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, Münster: Dampfboot, 2001, Verlagsinfo: [http://www.dampfboot-verlag.de/buecher/454–5.html].
- Christoph Keese: Rettet den Kapitalismus, Hoffmann und Campe 2004 ISBN 3455094236 2004 ISBN 3-258-06683-3
- Jürgen Kromphardt: Konzeptionen und Analysen des Kapitalismus ISBN 3825210170
- Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft, ISBN 3548363083, online: [http://www.sozialistische-klassiker.org/Kurz/Kurz01.pdf].
- Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politische Ökonomie, Berlin: Dietz, 1962, online: [http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_000.htm].
- Robert W. McChesney/Ellen Meiksins Wood/ John Bellamy Foster: Capitalism and the Information Age. The Political Economy of the Global Communication Revolution, New York: „Monthly Review Press“, 1998, ISBN 0-85345-988-6.
- Thomas K. McCraw (Hg.): Creating Modern Capitalism. How Entrepreneurs, Companies, and Countries Triumphed in Three Industrial Revolutions, Cambridge, MA und London: Harvard University Press, 3. Aufl., 2000, ISBN 0-674-17556-5.
- Johan Norberg: Das Kapitalistische Manifest ISBN 3821839945
- Ayn Rand: Capitalism: The Unknown Ideal, ISBN 0451147952
- Erwin K. Scheuch/Ute Scheuch: Manager im Größenwahn, ISBN 3-499-61481-2
- Ulrich van Suntum: Die unsichtbare Hand ISBN 3540410031
- Shiro Takebayashi, Die Entstehung der Kapitalismustheorie in der Gründungsphase der deutschen Soziologie. Von der historischen Nationalökonomie zur historischen Soziologie Werner Sombarts und Max Webers. Berlin: Duncker & Humblot 2003
- Lester C. Thurow: Die Zukunft des Kapitalismus ISBN 3896232096
- Roland Wirth: [http://www.inwo.de/modules.php?op=modload&name=PostKart&file=index&req=itemview&IID=40| Marktwirtschaft ohne Kapitalismus], [http://www.haupt.ch Haupt-Verlag] Bern
- Daniel Yergin, Joseph Stanislaw: Staat oder Markt ISBN 354870056X
- (Siehe auch:)Der Spiegel (Spiegel-Serie über Kapitalismus, 10-teilig ab Nr.17/25. April 2005)

Weblinks


- Einführung in den Kapitalismus: http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/k_n/kapitali.htm.
- Einführung in den Frühkapitalismus: http://www.sociologicus.de/lexikon/lex_soz/f_j/fruehkap.htm
- Plädoyer für den Kapitalismus: http://www.liberalismus.at/Texte/kapitalismus.php
- Zeit-Artikel von Heiner Geißler: http://www.zeit.de/2004/47/Ohnmacht_2fArbeiter
- Zeit-Reihe „
Die Zukunft des Kapitalismus“ – Fegefeuer des Marktes: http://www.zeit.de/2005/30/Kapitalismusserie
- [http://www.gegeninformation.de/9227.html Versuch einer komprimierten Kritik am Kapitalismus]
- [http://www.sysserv24.de/landtax.htm Praktische Analyse des jetzigen Systems] !Kapitalismus Kategorie:Volkswirtschaftslehre Kategorie:Soziologie Kategorie:Marxismus ja:資本主義 th:ทุนนิยม


Produktionsmittel

Produktionsmittel sind Arbeitsmittel, die zur Herstellung bzw. Fertigung bestimmter Erzeugnisse erforderlich sind, stofflich nicht in die jeweiligen Endprodukte eingehen und in entsprechenden Produktionsprozessen wiederkehrend verwendet bzw. eingesetzt werden. Zu den Produktionsmitteln gehören z. B. Gebäude, Verkehrs- und Nutzflächen, technische Anlagen, Maschinen, Geräte, Werkzeuge und die damit verbundenen produktionstechnischen Verfahren. In die Produktionsmittel ist mit Bezug auf die Produktionsprozesse, für die sie vorgesehen sind, schon vorab Arbeit eingeflossen, die zur späteren Anwendung in angereicherter vergegenständlichter Form angespart wurde. Im Gegensatz zur "lebendigen Arbeit" stellt die in den Produktionsmitteln "vergegenständlichte Arbeit" ein Arbeits-Potenzial dar, das der Mensch mittels "lebendiger Arbeit" mehr oder weniger zweckmäßig nutzt und damit aktiviert. Im Sozialismus wird die Notwendigkeit des privaten Eigentums an Produktionsmitteln bestritten und kritisiert, da es zu Ausbeutung führe.

Begriffsdefinitionen aus "Das Kapital" von Karl Marx

(Abweichend vom Originaltext sind die betreffenden Begriffe hier hervorgehoben.)
- "Alle Dinge, welche die Arbeit nur von ihrem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Erdganzen loslöst, sind von Natur vorgefundne Arbeitsgegenstände. So der Fisch..." MEW 23, S. 193 (Kapital Band I)
- "Das Arbeitsmittel ist ein Ding oder ein Komplex von Dingen, die der Arbeiter zwischen sich und den Arbeitsgegenstand schiebt und die ihm als Leiter seiner Tätigkeit auf diesen Gegenstand dienen." MEW 23, S. 194 (Kapital Band I)
- "Betrachtet man den ganzen Prozeß vom Standpunkt seines Resultats, des Produkts, so erscheinen beide, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, als Produktionsmittel und die Arbeit selbst als produktive Arbeit." MEW 23, S. 196 (Kapital Band I) Kategorie:Volkswirtschaftslehre Kategorie:Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Produktionstechnik Kategorie:Produktionswirtschaft Kategorie:Arbeit Kategorie:Marxismus

Selbstorganisation

Als Selbstorganisation wird hauptsächlich in der Systemtheorie eine Form der Systementwicklung bezeichnet, bei der die formgebenden gestaltenden und beschränkenden Einflüsse von den Elementen des sich organisierenden Systems selbst ausgehen. Weniger abstrakt gilt im politischen Gebrauch des Begriffes die Gestaltung des Lebens an sich nach nicht festen, von anderen bestimmten Regeln und ähnelt daher dem Autonomiebegriff.

Eigenschaften

Selbstorganisierte Systeme haben i. d. R. vier Eigenschaften: # Komplexität: Nichtlinear, der Gödelsche Satz, der besagt das ein System von einfachen Elementen nicht die Summe seiner Einzelteile ist, das System folgt keinem Algorithmus. Aufgrund dieser Nichtlinearität bildet sich ein kollektives Verhalten, wenn ihre Teile durch wechselseitige, sich permanent ändernde Beziehungen miteinander vernetzt sind also einen Verbund / System bilden und durch Energiezufuhr der Entropie (Informationstheorie) entgegenwirken also Ordnung halten. Die Teile selbst können sich ebenfalls jederzeit verändern. Das sich Selbstorganisierende System kann nur in Wahrscheinlichkeiten den Zuständen Erfasst werden. # Selbstreferenz: Selbstorganisierende Systeme sind selbstreferentiell und weisen eine operationale Geschlossenheit auf. Das heißt „jedes Verhalten des Systems wirkt auf sich selbst zurück und wird zum Ausgangspunkt für weiteres Verhalten“. Operational geschlossene Systeme handeln nicht aufgrund externer Umwelteinflüsse, sondern eigenständig und eigenverantwortlich aus sich selbst heraus. Selbstreferenz stellt aber keinen Widerspruch gegenüber der Offenheit von Systemen dar. # Redundanz: In selbstorganisierenden Systemen erfolgt keine Trennung zwischen organisierenden, gestaltenden oder lenkenden Teilen. Alle Teile des Systems stellen potentielle Gestalter dar. Eine Hierarchie entfällt dadurch. # Autonomie: Selbstorganisierende Systeme sind autonom, wenn die Beziehungen und Interaktionen, die das System als Einheit definieren, nur durch das System selbst bestimmt werden. Autonomie bezieht sich nur auf bestimmte Kriterien, da eine materielle und energetische Austauschbeziehung mit der Umwelt weiterhin besteht.

Geschichte

Der Begriff der Selbstorganisation wurde in den 50er Jahren von W. A. Clark und B. G. Farley geprägt: : "Sie erkannten, daß sich Operatoren, die in einer geschlossenen Beziehung stehen, irgendwie stabilisieren und beobachteten – noch ohne eine Theorie der rekursiven Funktionen oder des Eigenwertes zu kennen – das Phänomen, daß bestimme geschlossene Systeme nach einer gewissen Zeit stabile Formen des Verhaltens entwickeln" (Heinz von Foerster und Bernhard Pörksen: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners, 1998, S. 92). In sozialen Systemen lässt sich beobachten, wie Ordnung – unabhängig von den Handlungen eines Organisators – aus dem System selbst heraus entsteht. Diese Erscheinung wird als Selbstorganisation bezeichnet. Die Selbstorganisation ist ein nicht nur in der Systemtheorie populärer Begriff. Ihm kommt sowohl in sozialen als auch in natürlichen, physikalischen, biologischen, chemischen oder ökonomischen Systemen Bedeutung zu. Auch geht das Konzept der Rätedemokratie und ihren sozio-politischen Ansätzen davon aus, daß die zur Selbstorganisation erforderlichen Handlungsspielräume gegen bestehende Formen der Fremdbestimmung erkämpft werden müssen. Diesem Ansatz zufolge können die Menschen nur dann ihr Leben selbst in die Hand nehmen, wenn sie auch die Produktionsmittel kontrollieren und nicht hierarchischen Organisationen unterworfen sind. Die Vor- oder Urgeschichte der Selbstorganisation umfasst den Zeitraum vom griechisch-römischen Altertum bis etwa zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Schon im alten Griechenland spekulierten Philosophen über Chaos und Turbulenz als Ursache von Ordnung. In den Naturwissenschaften des achtzehnten, neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts dominierten mechanistische Denkweisen, die sich unter anderem auch in Darwins Evolutionstheorie widerspiegelt. Die eigentliche Entstehungsgeschichte der Selbstorganisation beginnt jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der relativ späte Zeitpunkt hat mehrere Ursachen, zunächst verhinderte das vorherrschende mechanistische Paradigma den notwendigen Umdenk-Prozess, weiters wurden mit Selbstorganisation in Verbindung stehende Phänomene ignoriert. Gegenwärtig kann noch nicht von einer Theorie selbstorganisierender, sozialer Systeme, oder von empirisch getesteten Hypothesen gesprochen werden. Der universellen Anwendbarkeit verdankt der Begriff der Selbstorganisatoin seine breite Resonanz.

Selbstorganisation in der Systemtheorie

Selbstorganisation ist das spontane Auftreten neuer, stabiler, effizienter Strukturen und Verhaltensweisen (Musterbildung) in offenen Systemen die sich fern vom thermodynamischen Gleichgewicht befinden. Dem System muss dabei Energie zugeführt werden. Es verändert seine grundlegende Struktur als Funktion seiner Erfahrung und seiner Umwelt. Die interagierenden Teilnehmer (Systemkomponenten, Agenten) handeln nach einfachen Regeln und erschaffen dabei aus Chaos Ordnung, ohne eine Vision von der gesamten Entwicklung haben zu müssen. Ein einfacher Fall von (physikalischer) Selbstorganisation ist z. B. das Auftreten von Konvektionszellen beim Erhitzen von Flüssigkeiten (Bénard-Experiment). Das Konzept der Selbstorganisation findet man in verschiedenen Wissenschaftsbereichen wie z. B. Chemie (Gerichtete Faltung und Assoziation von Proteinen, Helix-Bildung der DNA, ...), Biologie, Soziologie usw.

Kriterien

Um von Selbstorganisation sprechen zu können, müssen folgende (nicht voneinander unabhängige) Kriterien erfüllt sein: # Die Evolution eines Systems in eine räumlich/zeitlich organisierte Struktur ohne äußeres Zutun # Die autonome Bewegung in immer kleinere Regionen des Phasenraumes (sogenannte Attraktoren) # Die Entwicklung von Korrelationen oder raumzeitlichen Mustern zwischen vorher unabhängigen Variablen, deren Entwicklung nur unter dem Einfluss lokaler Regeln steht

Siehe auch


- Komplexitätstheorie
- Chaostheorie und Systemtheorie
- dissipative Struktur
- Ilya Prigogine
- Synergetik und Kybernetik
- Gestalttheorie
- Genetischer Algorithmus
- Conways Spiel des Lebens
- Do it yourself
- Selbstorganisierendes Netzwerk, Rhizom
- Autopoiesis
- Humberto Maturana
- Stuart Kauffman
- Morphisches Feld
- Emergenz

Selbstorganisation in der Betriebswirtschaftslehre

Bedeutung

Die in selbstorganisierenden Systemen herrschende Ordnung kann nicht einfach als Resultat eines gestaltenden Teils verstanden werden. Sie entsteht vielmehr ganzheitlich, das heißt weder ausschließlich als Ergebnis individueller Eigenschaften, noch durch Tätigkeiten einzelner Personen, sondern durch die Interaktionen aller Systemteile. Ordnung bedeutet Gesetzmäßigkeit, die uns erlaubt, Fehlendes zu erkennen, oder zu erahnen und zu ergänzen, Fehlerhaftes zu definieren usw. Ordnung erlaubt somit Menschen, Sinn zu finden, gewährleistet Sicherheit und erlaubt die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten einzuordnen. Selbstorganisation erzeugt eine gewachsene, keine geplante oder bewusst gestaltete Ordnung. Sie ergibt sich zwar infolge menschlichen Verhaltens, jedoch ohne besondere organisatorische Gestaltungsabsicht. Friedrich A. von Hayek bezeichnet eine gewachsene Ordnung auch als spontane Ordnung. Spontane Ordnung wird als informales Phänomen angesehen und galt eher als Störquelle, da sie von der formalen Organisation, die von der Unternehmensführung vorgegeben wird, abweichen und eine Eigendynamik entwickeln kann. Einer Umorientierung zur Folge wird die „Grundvorstellung über Organisation“ nicht durch die vom Management geplanten Unternehmensstrukturen bestimmt, sondern von denjenigen Strukturen, welche sich in Abhängigkeit vom Verhalten vieler Mitarbeiter permanent bilden und verändern. Ein wichtiges Merkmal der Selbstorganisation ist ihr prozessualer Charakter. Im Vordergrund stehen Prozesse, nicht Strukturen. Ordnung befindet sich in permanenter Entwicklung, Strukturen sind dagegen nur Momentaufnahmen. Selbstorganisation bewirkt durch „interaktive Selbststrukturierung ausgelöste organisatorische langfristige Veränderung“. Selbstorganisatorische Systeme bilden ein „geschlossenes Ganzes“. Die Beteiligten lenken ihre Blicke grundsätzlich ins Innere des Systems. Selbstorganisation entspringt keinen individuellen oder sonstigen Zwängen, sondern stellt „generell eine Eigenschaft von Systemen“ dar. Nach E. Göbel kann zwischen autonomer und autogener Selbstorganisation unterschieden werden.
- Autonome Selbstorganisation liegt dann vor, wenn Ordnung in Unternehmen selbstbestimmt entsteht. Ordnung wird dabei als Ergebnis absichtlicher und geplanter Gestaltungshandlungen betrachtet. Voraussetzung ist, dass die Mitglieder oder Gruppen genügend Handlungsspielraum erhalten, um selbst an der sie betreffender Ordnung mitwirken zu können.
- Autogene Selbstorganisation bedeutet, dass Ordnung aufgrund der Eigendynamik komplexer dynamischer Systeme von selbst entsteht. Der autogenen Selbstorganisation liegt demnach kein bewusster Gestaltungsakt zugrunde.

Vor- und Nachteile im Unternehmen

Positive Effekte der Selbstorganisation


- Motivation Eine verstärkte Selbstorganisation wirkt sich positiv auf die Motivation aus, da dabei den eigenen Interessen mehr Bedeutung zukommt. Die Arbeit selbst wird bedeutungsvoller und sinnvoller erlebt, weil die Aufgaben ganzheitlicher und abwechselungsreicher sind und die Potentiale der Mitarbeiter besser entfaltet werden.
- Flexibilität Die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Bedingungen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Eine Erweiterung des Selbstbestimmungspotentials kann die Erkenntnis von Anpassungsbedarf verbessern, da die Mitarbeiter mehr Übersicht haben und den Bezug zur Umwelt stärker aufrechterhalten.
- Lenkbarkeit Je komplexer ein Unternehmen ist, desto mehr wünscht sich der Manager, dass die Mitarbeiter, die kooperieren sollen, von ihren Fähigkeiten gebrauch machen, und sich nach bestem Wissen und Gewissen selbst lenken und organisieren.
- Zeitaufwand und Kosten Das Motto „Zeit ist Geld“ kommt der Selbstorganisation zu Gute, weil eine schnellere und reibungslosere und daher kostengünstigere Anpassung an veränderte Umstände möglich ist.

Negative Effekte der Selbstorganisation


- Überforderung Es ist durchaus vorstellbar, dass Mitarbeiter mit starker Freizeitorientierung lieber ein vorgeschriebenes Pensum erledigen, um sich so wenig wie möglich mit dem „notwendigen Übel“ Arbeit auseinandersetzen zu müssen. Vor allem kann aber die ungewohnte Freiheit zu Beginn Angst und Überforderungsgefühle auslösen.
- Konflikte Das Konfliktpotential ist grundsätzlich höher, wenn Verteilungs- und Kompetenzregelungen fehlen und selbst ausgehandelt werden müssen.
- Hohe Anforderung an die Führung Durch die Selbstorganisation kann es zu einer Abänderung der offiziellen Regeln und autogen entstehenden Regeln kommen, die die Unsicherheit über die tatsächliche geltende Ordnung erhöhen, dies führt zu einem Dilemma der Führungskräfte.
- Zeitaufwand und Kosten Häufige Strukturänderungen, welche auch noch konfliktgeladen sind, erfordern Zeit. Daher kann die Lösungs- und Entscheidungsfindung in selbstorganisierten Systemen länger dauern als bei klaren Vorgaben von Oben.

Weitere Anwendungen

Anwendung findet die Selbstorganisation z.B. in Entbürokratisierungsprozessen, Abbau von Hierarchien, Entwicklung innovativer Strukturen, Gruppenentwicklung und Gruppenarbeit, Schaffung von humanen und effizienzfördernden Arbeitsbedingungen usw. Fremdorganisation ist das Gegenteil zu Selbstorganisation. Dabei haben die Beteiligten in den jeweiligen Systemen keine Möglichkeit sich oder ihre Handlungsprozesse selber zu gestalten. Es wird nach strengen, unflexiblen und unveränderbaren organisatorischen Regeln verfahren. Beispiele und Vertreter; Der Bürokratieansatz von Max Weber, Das Scientific Management von Frederick Winslow Taylor.

Selbstorganisation im Unterricht

Im Zuge der Schülerorientierung wurden seit den 1970er Jahren Unterrichtskonzepte entwickelt, die Selbstorganisation in der Lernergruppe fördern. Hier ist das Konzept kooperatives Lernen zu nennen sowie die Methode Lernen durch Lehren (LdL), in der die Klasse als "neuronales Netz" behandelt wird. Dabei sollen - in Analogie zu neuronalen Ensembles - durch intensive und langfristige Interaktionen zwischen den Lernern stabile Verbindungen entstehen. Auf diese Weise werden Inhalte innerhalb der Gruppe - als Zellensemble - erlernt. Ferner sollen diese "neuronalen Netze" kollektiv Wissen konstruieren. In der LdL-Methode wird an die Struktur des Gehirns angeknüpft, das selbstorganisatorische Merkmale enthält. Besonders vielversprechend im Sinne einer kollektiven Konstruktion von Wissen sind Internetenzyklopädien, wie die Wikipedia, die - metaphorisch ausgedrückt - gerade dabei sind, sich zum Gehirn zu konstituieren.

Literatur


- Per Bak, How Nature Works: The Science of Self-Organized Criticality, Copernicus Books, 1996, ISBN 0387947914, ISBN 038798738X.
- Elisabeth Göbel: Theorie und Gestaltung der Se