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AnekdoteDie Anekdote (von griechisch ανέκδοτον, anékdoton - nicht herausgegeben) ist eine literarische Gattung, die eine bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, meist im Leben einer Person, zur Grundlage hat.
Anekdoten bedürfen einer knappen Form mit einer Pointe, um richtig zu wirken. Sie sind damit mit der Kurzgeschichte und dem Schwank verwandt.
Manchmal (oft) sind die Urheber von Anekdoten - ähnlich wie die von Witzen - unbekannt. Zu den namhaften Vertretern der Anekdote als Kunstform gehören Johann Peter Hebel und Heinrich von Kleist.
Das Wort Anekdote bezeichnete ursprünglich ein Werk aus dem Nachlass des byzantinischen Historikers Prokopios von Caesarea (6. Jahrhundert) mit zahlreichen prägnant erzählten Klatschgeschichten, die der sonst von Lobpreisungen volle Hofberichterstatter wohl deshalb zurückhielt, weil er damit zu Lebzeiten zu sehr hätte anecken können.
Anekdoten werden oft fälschlich als Belege für statistische Zusammenhänge verwendet, etwa in der Außenseitermedizin als Belege für Wirksamkeit von Behandlungsmethoden. Da jedoch Anekdoten von ihrer Natur her handverlesene Geschichten sind, die nur weitererzählt werden, wenn sie von interessanten Sachverhalten berichten, und weil erfolgreiche Behandlungen interessanter sind als erfolglose, führt die Verwendung von Anekdoten notwenig zu einem verzerrten Bild der Realität und stellt eine wissenschaftlich unzulässige Datenselektion dar.
Weblinks
- [http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/epik/anekdote.htm Begriffserläuterung mit Literaturhinweisen]
Kategorie:Literaturgattung
Griechische Sprache
Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen.
Siehe: Griko in Italien
Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden.
Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el
bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis
1453) grc.
Geschichte
1453
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist.
Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert.
Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden.
Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt.
Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus).
Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt.
Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.
Grammatik
Altgriechisch
Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie.
Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.
Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.
Nominale Wörter
Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
- (allgemeine) Regeln:
- Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
- Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
- Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache.
Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
- echter Akkusativ (direktes Objekt)
- adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
- echter Genitiv (Bereich)
- Separativ (Herkunft)
- Dativ
- echter Dativ (indirektes Objekt)
- Soziativ (Gemeinschaft)
- Instrumental (Mittel)
- Lokativ (Ort, Zeit)
Verben
Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm.
Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.
Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen)
Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung.
Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens)
Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.
Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen
Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten).
Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.)
Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.
Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.
Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck.
Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint.
In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt.
Der Imperativ drückt einen Befehl aus.
Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt).
Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung.
Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus.
Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:
Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)
Beispiele:
Aktiv: er löst (etwas)
transitives Medium: er löst (etwas) für sich
intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen
Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural).
Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.
Neugriechisch (Dimotiki)
Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation.
Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache:
Vokale
geschlossen
halbgeschlossen
offen
Alle Vokale werden kurz ausgesprochen.
laut IPA
Konsonanten
p t k
b d g
v δ z γ
f θ s χ
m n
l
r
Siehe auch
- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen
Literatur
- Geschichte:
- Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
- Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
- Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
- Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
- Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
- Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
- Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
- Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
- Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
- Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992
Weblinks
- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Einzelsprache
als:Griechische Sprache
ja:ギリシア語
ko:그리스어
ms:Bahasa Greek
simple:Greek language
th:ภาษากรีก
Leben
Leben beginnt dann, wenn die charakteristischen Eigenschaften der Lebewesen entstehen, Leben endet dann, wenn diese Eigenschaften wieder verschwinden, also der Tod eintritt.
Philosophie
In der Philosophie ist Leben das Wesen des Organischen.
Antike Philosophie
In der Antike ist der Begriff gleichbedeutend mit der Fähigkeit, sich selbst zu bewegen. Antreibende Kraft hierfür ist die Seele.
Aristoteles unterscheidet drei verschiedene Arten von Leben, die er hierarchisch anordnet und den Lebewesen zuordnet:
- auf der untersten Stufe steht das vegetative Leben der Pflanzen,
- darauf folgt das sensitive Leben der Tiere,
- auf der obersten Stufe befindet sich das geistig-seelische Leben des Menschen.
Eine andere historische Vorstellung besagte, dass Leben sich aus Unbelebtem immer wieder neu bildet, zum Beispiel in einem Heu-Wasseraufguss. Diese Theorie wurde als Urzeugung bezeichnet.
Louis Pasteur konnte dieses experimentell widerlegen.
Westliche Philosophie der Neuzeit
In der Neuzeit entwickeln sich zwei gegensätzliche Grundauffassungen:
- Mechanismus: Leben lässt sich allein aus den Gesetzmäßigkeiten der Bewegung der Materie vollständig erklären. (siehe auch: Materialismus und Physikalismus)
- Vitalismus: Leben kommt nur den organischen Erscheinungsformen zu und unterschiedet sich qualitativ von anorganischen Erscheinungsformen: Alles Lebendige zeichnet sich durch eine zielgerichtet formende Lebenskraft (vis vitalis) aus. (siehe auch: Idealismus). Lange Zeit wurde die Auffassung in der Biologie vertreten, dass im Zellsaft, im Protoplasma, diese besondere Lebenskraft stecken würde. In Anlehnung an religiöse Vorstellungen wurde angenommen, dass es 'belebte' und 'unbelebte' Materie gebe. Diese Vorstellung spiegelt sich noch in der Wortwahl "organische Chemie" und "anorganische Chemie" wieder. Heute ist jedoch bekannt, dass jede organische Substanz aus anorganischen Bestandteilen hergestellt werden kann (erstmals: Harnstoffsynthese durch Friedrich Wöhler).
Der Organizismus kann als Synthese dieser beiden Ansätze angesehen werden:
Lebensvorgänge lassen sich zwar durch die Prinzipien der Physik und Chemie erklären. Lebewesen besitzen aber auch Eigenschaften, die unbelebte Materie nicht aufweist. Dies sind emergente Eigenschaften, die sich einerseits aus der Komplexität von Lebewesen, andererseits durch die besondere Rolle ihres genetischen Programms ergeben.
Nach Ernst Mayr ist der Begriff „Leben“ nur der zum Ding gemachte Vorgang „Leben“ und existiert nicht als selbständige Entität.
Naturwissenschaftliche Annäherung
Lebewesen
Die naturwissenschaftliche Definition von Leben ist genau genommen eine Beschreibung von charakteristischen Merkmalen, die in ihrer Gesamtheit ein Lebewesen definieren. Einige dieser Merkmale findet man auch bei technischen, physikalischen und chemischen Systemen, andere Merkmale sind nur den Lebewesen zu eigen
Die Biologie untersucht alle Erscheinungen auf allen Systemebenen der Lebewesen.
Die Biophysik untersucht bestimmte Teilaspekte auf der Grundlage physikalisch-chemischer Prozesse.
Eine ausführliche Beschreibung der chemischen Prozesse zur Entstehung von Leben findet sich im Artikel chemische Evolution.
Beginn des Lebens
Eine naturwissenschaftliche Definition für Leben im Sinne von „lebendig sein“ korrespondiert mit der naturwissenschaftlichen Definition für Lebewesen. Wird für Lebewesen das genetische Programm, seine Funktionalität und seine Entwicklung als essentiell angenommen, dann ergibt sich für den Beginn des Lebens der Zeitpunkt, zu dem Moleküle als Träger des Programms und weitere Hilfsmoleküle zur Realisierung, Vervielfältigung und Anpassung dieses Programms erstmalig zusammentreten, so dass ein System entsteht, das charakteristische Eigenschaften von Leben trägt.
Die phylogenetische Perspektive auf die Entstehung des Lebens beinhaltet die Frage, wann Leben auf der Erde entstanden ist, und auf welche Art die ersten lebenden Systeme in einer unbelebten Umwelt entstanden sind.
Die ontogenetische Perspektive auf die Entstehung des Lebens beinhaltet die Frage, wie sich Organismus entwickelt (z. B. aus einer befruchteten Eizelle). Man spricht hier auch vom "Beginn des Lebens", obwohl es sich hier um eine Kontinuität des Lebens im Laufe von Generationen handelt.
Daraus ergibt sich eine Möglichkeit zur Definition von Entstehung (und Ende) von Leben:
Leben beginnt dann, wenn die charakteristischen Eigenschaften der Lebewesen entstehen, Leben endet dann, wenn diese Eigenschaften wieder verschwinden, also der Tod eintritt.
Ob eine wasserfeste Definition von "Leben" erforderlich ist, um den Beginn des Lebens zu verstehen, ist immer noch umstritten. Fraglos ist aber, dass "Leben", und damit der Beginn des Lebens in unterschiedlichen Kontexten, unterschiedlich aufgefasst werden. Deswegen tritt an die Stelle einer allgemeingültigen Definition eine Vielfalt von Auffassungen, die unter anderem durch Weltanschauung, Ethos, Religion, Moral oder Pragmatismus beschrieben sind.
Religion
Unterschiedliche Religionen sehen im Leben eine von
unbelebter Materie zu unterscheidende Daseinsform, die nur aufgrund übernatürlicher Intervention entstanden sein kann.
Das Leben (oder zumindest das menschliche Leben) wird dann oft als
etwas besonderes (Heiliges) angesehen. Die Theorie, dass das Leben durch einen Gott erschaffen wurde, wird Kreationismus genannt. Die Anhänger dieser Theorie erheben einen wissenschaftlichen Anspruch. Sie ist in den USA wie auch in verschiedenen islamischen und jüdischen Glaubengemeinschaften stark verbreitet.
Die Naturwissenschaften hingegen versuchen, die Lebensentstehung ohne den Einfluss übernatürlicher Faktoren zu erklären und bieten dazu mehrere Theorien der präbiotischen chemischen Evolution an.
Die Vorstellung vieler Religionen vom Ewigen Leben kann aufgrund des unausweichlichen biologischen Todes nicht wissenschaftlich behandelt werden. Aus Sicht der Wissenschaft stellt sie allenfalls eine Hypothese dar, die auf der ebenfalls hypothetischen Annahme einer dem Körper innewohnenden, von ihm aber unabhängig existenzfähigen geistigen Entität (Seele, Atman etc.) beruht. Auch das gesamte Leben auf der Erde findet durch die stetig ansteigende Temperatur und Größe der Sonne nach den heutigen Modellen der Sternentwicklung sich einstellende Aufblähung in spätestens ein bis fünf Milliarden Jahren sein unausweichliches Ende.
Die Ansicht vieler Religionen, Leben oder menschliches Leben sei heilig und daher prinzipiell erhaltenswürdig, ist nicht mittels Biologie begründbar.
Denn es sind auch Lebewesen bekannt, die nur so lange überleben, bis sie sich fortgepflanzt haben.
Hier scheint die Erhaltung des genetischen Codes einer Art das Hauptziel der Fortpflanzung zu sein. Das einzelne Individuum ist ein Teil dieser Fortpflanzungsstrategie, aber es wird nach Erfüllung seiner biologischen Funktion weniger wichtig. Es altert und stirbt.
Außerirdisches Leben (Extraterrestrisches Leben)
Seit Jahrhunderten haben sich Menschen darüber Gedanken gemacht, ob es Leben auf anderen Planeten gibt und wie dieses wohl aussieht. Vorstellungen von "kleinen grünen Männchen" oder menschenfressenden Monstern von anderen Planeten bieten Stoff für viele Geschichten und Filme.
In Gesteinen vom Planeten Mars wurden Spuren gefunden, die als versteinerte Bakterien gedeutet werden können. Diese Deutung ist aber umstritten. Ein definitiver Hinweis auf extraterretrisches Lebens konnte trotz intensiver Forschung noch nicht erbracht werden. (Siehe auch UFO und Exobiologie).
Das „lebendige“ Feuer
Von je her ist Feuer auch ein Symbol für Leben. Tatsächlich besteht eine interessante Analogie zwischen Flammen und Lebewesen:
- Feuer hat eine Art "Stoffwechsel":Kohlenwasserstoff- Verbindungen werden zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert, wobei Energie in Form von Wärme entsteht.
- Es "wächst" und "pflanzt" sich fort, solange es "genährt" wird.
- Es bildet ein Fließgleichgewicht zwischen Nahrungsaufnahme und Abgabe der Endprodukte bei ständiger Erneuerung der Körpersubstanz.
- Es reagiert auf äußere Einflüsse.
Da der Buddhismus in seiner Nicht-Selbst-Lehre (an-atta) die Existenz einer Seele oder eines Atman verneint, bedient er sich bei der Erklärung der Wiedergeburt gerne des Vergleichs mit dem Feuer, das vom Verstorbenen auf den oder die (möglicherweise mehreren) Wiedergeborenen übergehe.
Künstliches Leben
Die Frage nach künstlichem Leben ist zweiteilig:
#die Herstellung eines bekannten Lebewesens im Labor, und
#die Herstellung neuer Lebensformen, auch nicht-organisch.
1. Obwohl man nicht erwartet, mehrzellige Organismen in naher Zukunft zu erzeugen, ist es schon gelungen, das Poliovirus im Labor herzustellen. Damit ist es zwar gelungen, ein biologisches System zu erzeugen. Es konnte aber dabei nicht auf die Mithilfe von Zellen verzichtet werden. Viren zeigen nicht alle Kennzeichen von Leben, sind nach verschiedenen Definitionen also keine Lebewesen.
2. Es gibt Vorstellungen, dass komplexe Computersysteme künstliche Intelligenz und künstliches Leben zeigen können (siehe KI und KL).
Simulationen von Lebensäußerungen
- John Horton Conways Spiel des Lebens ist ein Beispiel für die Simulation von Populationsentwicklung.
- Eliza von Joseph Weizenbaum simuliert einen Gesprächspartner, indem es Verhaltensweisen nachahmt, die ursprünglich von Psychotherapeuten entwickelt wurden, um ihre Patienten zu Reaktionen zu animieren.
Zitate
- „Rücken wir bis an die letzten Grenzen vor, an denen es noch Elemente mit dem Charakter der Totalität oder wenn man will, der Einheit gibt, so bleiben wir bei den Zellen stehen. ... Ich kann nicht anders sagen, als dass sie die vitalen Elemente sind, aus denen sich die Gewebe, die Organe, die Systeme, das ganze Individuum zusammensetzen“ - Rudolf Virchow
- „Leben ist, wenn eine Entität von sich eine Kopie aufgrund von Teilen herstellen kann, die alle sehr viel einfacher sind als sie selbst.“ - Carl Woese
- „Ein Netzwerk aus unteren negativen Feedbacks, die einem höheren positiven Feedback untergeordnet sind.“ - Bernard Korzeniewski (Damit ist ein System beschrieben, das keineswegs einzelne verkörperte Lebewesen als Leben kennzeichnet, sondern ganz allgemein sich so verhält, dass es seine Identität aufrechterhält oder reproduziert.)
- „Omne vivum e vivo“ („Alles Leben stammt von Leben ab“) - Louis Pasteur (Lebewesen können unter den derzeit herrschenden Bedingungen auf der Erde nicht spontan aus unbelebter Materie entstehen. Die spontane Lebensentstehung auf der Erde unter den Bedingungen der Uratmosphäre wird damit allerdings nicht ausgeschlossen.)
Siehe auch
- Naturwissenschaften: Evolution, Portal:Lebewesen, Portal:Biologie
Wir können im Leben höchstens eine große Erfahrung haben, und das Geheimnis des Lebens ist, diese Erfahrung so oft wie möglich wieder zu haben. (Oskar Wilde)
Literatur
Siehe auch: Leben/Literatur
- Erwin Schrödinger: What is Life?. Cambridge University Press. ISBN 0-521-42708-8
- Sven P. Thoms: Ursprung des Lebens. Frankfurt: Fischer, 2005.
Weblinks
- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/2geschoepflichkeit/1leben.html Literatur zum Begriff Leben aus theologischer Sicht]
- [http://www.bio.com/newsfeatures/newsfeatures_research.jhtml?cid=12400270 www.bio.com: Scientists Crack 40-Year-Old DNA Puzzle And Point To 'Hot Soup' At The Origin Of Life (engl.)]
!
ms:Benda hidup
simple:Life
zh-cn:生命
PointeEine Pointe (v. französ.: pointe Spitze, aus spätlat.: puncta Stich) ist ein geistreicher überraschender Schlusseffekt als Stilfigur in einem rhetorischen Ablauf z. B. eines Witzes.
Der komische oder geistreiche Effekt der Pointe beruht auf der plötzlichen Erkenntnis von sinnstiftenden Zusammenhängen zwischen inkongruenten (nicht zusammenpassenden) Konzepten.
Gero von Wilpert beschreibt die Pointe als eigentlichen, unerwarteten Sinn.
In der Regel ist das Auftreten der Pointe durch die rhetorische Konstruktion formell genau programmiert, mitunter vorhersehbar. So steht sie in einem Limerick immer in der letzten Zeile.
Als Pointe wird auch eine überraschende Wendung in einer dramatischen Handlung bezeichnet (zum Beispiel in einem Film).
Geschichte
Der Begriff „Pointe“ wurde Ende des 18. Jh.s aus der französischen Poetik übernommen und ersetzte Begriffsnamen wie „Spitzfindigkeit“ und „acumen“.
Beispiele (Literatur)
- Die meisten Kurzgeschichten enden mit einer Pointe.
- Anekdoten enden immer mit einer Pointe.
- Viele Epigramme werden traditionell mit einer Pointe verfasst.
- Aphorismus ist tendenziell pointiert
Siehe auch: Klimax (Höhepunkt einer Erzählung)
Literaturhinweise
- P. Wenzel: Von der Struktur des Witzes zum Witz der Struktur. Untersuchungen zur Pointierung in Witz und Kurzgeschichte, Heidelberg 1989.
- R. Müller: Theorie der Pointe, Paderborn 2003.
Kategorie:Humor
Kategorie:Rhetorischer Begriff
ja:落ち
SchwankDer Schwank ist eine volksnahe Erzählung. Meist handeln zwei Personen, die sich über zum Teil triviale, teils lustige Dinge – auch Themen, die sonst in der Erzählkunst nicht oder selten angesprochen werden, wie Sexualität, Schule oder andere Dinge – austauschen.
Als Themen dienen Situationen oder Begebenheiten aus dem Alltag, wobei sehr oft Dialoge zwischen konträren Parteien (z. B. Herr und Knecht, Betrüger und Betrogener) dargestellt werden. Eine grobe Wortwahl ist nicht selten.
Der Erzählstil ist sehr gradlinig, aus diesem Grunde ist der Schwank für die kurzweilige Unterhaltung gut geeignet.
Kategorie:Literaturgattung
Kategorie:Volkskunde
UrheberEin Urheber (Autor) ist eine Person, die ein literarisches oder künstlerisches Erzeugnis geschaffen hat und auch derjenige, von welchem ein anderer ein Recht ableitet.
Im Strafrecht wird unter dem Urheber des Verbrechens (Auctor delicti) im Gegensatz zu dem Gehilfen (Socius delicti) derjenige verstanden, in dessen Person und Handlung sich der Tatbestand des Verbrechens vollständig in objektiver wie in subjektiver Hinsicht vereinigt findet. Das deutsche Strafgesetzbuch hat diese Bezeichnung nicht beibehalten. Es bezeichnet insbesondere den so genannten intellektuellen Urheber als Anstifter.
Siehe auch
- Urheberrecht
Kategorie:Urheberrecht
Witz
Ein Witz (v. althochdt.: wizzi Wissen) ist ein kurz formulierter Sachverhalt, der in der "Pointe" die plötzliche Option eröffnet, dem angebotenen Sachverhalt nicht mehr mit dem gebotenen Ernst zu begegnen. Im Moment, in dem der Witz in Gesellschaft erzählt wird, pflegen die Zuhörer den heiklen Positionswechsel durch das Lachen zu signalisieren - in der Gruppe muss sichtbar bleiben, was letztlich ernst ist, und was nicht. Der Witz findet seine besonderen Entfaltungsformen vor allem in zwanghaft mit dem Gebot zum Ernst ausgelegten Bereichen. Siehe auch Humor.
Witz kann - die ältere Wortbedeutung - für Wissen und rasche Auffassungsgabe stehen - eine Wortbedeutung, die heute nur noch in den Ableitungen "gewitzt", "Gewitztheit" auftaucht.
Historisches
Der Witz ist eine psychische Leistung und wurde erstmals von Sigmund Freud wissenschaftlich untersucht. (Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten; Wien 1905) Freuds Ansicht nach entsteht ein Witz dadurch, dass es dem Erzähler wie dem Zuhörer möglich ist, verdrängte oder bedeckt zu haltende Vorstellungen frei aufrufen oder äußern zu können, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Durch den plötzlichen Wegfall einer beständigen psychischen Unterdrückung dieser Vorstellungen tritt Erleichterung ein. Dies deswegen, weil die Unterdrückung von aufkommenden Vorstellungen ein aktiver Prozess ist, der unbewusst Aufmerksamkeit und psychischen Aufwand erfordert. Fällt dieser Aufwand plötzlich weg, so wird das als angenehm und erheiternd empfunden.
Freud meint, dass man an den Witzen einer jeden Kultur oder Gemeinschaft erkennen kann, was dort gerade unterdrückt wird. Heute ist bekannt, dass es in vielen Teilen Afrikas bsw. viele Witze gibt, die in Zusammenhang mit verschwenderischem Umgang mit Nahrung oder Wasser stehen, weil es dort in diesem Bereich viele unterdrückte Vorstellungen und Wünsche gibt. Solche Wasser- oder Nahrungswitze wirken auf uns Europäer nicht lustig, sondern eher merkwürdig. Bei uns werden vor allem sexuelle Wünsche unterdrückt, weshalb in unserer Kultur mindestens die Hälfte aller Witze sexuellen Inhalts sind. Auch politische Witze sind nur vor dem Hintergrund einer Unterdrückung zu verstehen.
Von den nachfolgenden Psychoanaltikern haben sich nur noch sehr wenige mit dem Witz als Untersuchungsobjekt beschäftigt, weshalb die psychoanalytische Theorie in diesem Bereich zu Gunsten anderer Erklärungsansätze in den Hintergrund getreten ist. Dennoch gehört dieses Werk zu den meistgelesenen psychoanalytischen Schriften, nicht zuletzt, weil es eine große Reihe ausgezeichneter Witze enthält und ins Denken Freuds einführt.
Konstruktionsschemata des Witzes nach modernerer Vorstellung
Nach André Jolles kann man den Witz als eine einfache narrative Form verstehen. Seine reguläre Darbietung ist die kurze Erzählung, die einen offenbaren Punkt der Distanzierung vom andernfalls gebotenen Ernst birgt. Möglich sind ebensogut Bildwitze, bei denen der Betrachter den Plot selbst ergänzt und mit dem Moment garniert, das die Distanzierung vom gebotenen Ernst erlaubt. Eine groteske Verzerrung, ein offenkundig unwahrscheinliches Bildmoment kann die Distanzierung vom andernfalls gebotenen Ernst gestatten. Im mündlichen Vortrag kann das Signal zur Distanzierung allein mit einem Blick oder einer Geste zwischen dem Erzähler und den Zuhörern geschehen - die Regel ist jedoch ein Plot, bei dem der bekannte Ablauf bereits das Signal birgt, an welcher Stelle die Zuhörenden sich vom Ernst der Situation befreien können.
Witze finden ihre Sujets in allen Bereichen, die mit Geboten zu ernsthaftem Verständnis, Mitgefühl, menschlicher Wärme und Achtung ausgestattet sind: Sprachwitze erlauben es, der Bedeutungsausstattung der Sprache nicht länger ernst gegenüberzustehen, Sex-Witze erlauben es, dem mit Tabus und der Aufforderung zu Intimität und Mitgefühl belegten Bereich mit Weigerungen des eingeforderten Ernstes zu begegnen. Politische Witze erlauben es, einem politisch repressivem Regime mit einer Verweigerung des eingeforderten ernsthaften Respektes zu begegnen. Witze über Krankheit und Tod gedeihen im "schwarzen Humor" in den Feldern, die mit letzter Konsequenz Ernst einfordern.
Witze werden in der Regel nach standardisierten Konstruktionsschemata gebildet. Eine Erzählung wird etwa mit drei Steigerungen ausgestattet. Unter den Zuhörern besteht das Vorwissen, dass die letzte Steigerung die Situation so grotesk werden lässt, dass niemand die angebotene Geschichte länger ernst nehmen muss. Standard ist hier der Witz, der etwa einen Amerikaner, einen Franzosen und einen Russen vor ein ernsthaftes Problem stellt, ersterer verhält sich in der Situation bereits merkwürdig, zweiterer steigert dies, letzterer jedoch agiert ganz offenbar grotesk, womit das Signal zur Distanzierung vom situationsgebotenen Ernst gegeben ist.
Nicht minder beliebt ist die Konstruktion mit einer Frage, auf die eine unerwartete Antwort gegeben wird - der Zuhörer gibt für sich die eingeforderte Antwort, der Erzähler die Antwort, von deren Ernst sich jeder befreien kann. Die Witze mit der Eröffnung "Frage an Radio Eriwan" folgen diesem Konstruktionsschema.
Die doppelte - riskante und unriskante - Bedeutung von Worten gewinnt im Witz häufig Funktion: Weiß Ferdl betritt in den Tagen des Nationalsozialismus die Bühne mit einem Hitlerbild, sucht einen Platz, um es an die Wand zu hängen, stellt es dann auf dem Boden ab und überlegt endlich laut: "Man weiß nicht, ob man ihn aufhängen oder an die Wand stellen soll" - das ist maximal ernst formuliert im Sinne von "Hitler durch den Strang oder ein Erschießungskommando exekutieren", es erlaubt gleichzeitig die Befreiung vom Ernst der Situation - der Kabarettist kann sich darauf zurückziehen, hier dem Bild doch nur den eingeforderten Respekt erwiesen zu haben; es ist angeblich würdig, in allen Amtsstuben und Klassenzimmern zu hängen.
Die Erzählung des Witzes pflegt Gruppenkonsens einzufordern und vorauszusetzen. Es gibt Insiderwitze, über die nur lachen kann, wer den Sachverhalt, etwa ein bestimmtes Computerproblem, in seinem Ernst versteht. Heikel ist es in der Regel darum auch, als Fremder mit einer Gruppe mitzulachen, in der ein Witz erzählt wird (etwa auf einer Eisenbahnfahrt im Gruppenabteil). Das Lachen der Gruppe erstirbt meist, sobald ein Außenstehender mitlacht. Es ist erst einmal nur den Gruppenmitgliedern erlaubt, sich vom Ernst des Themas zu distanzieren. Wer nicht dazugehört, darf sich nicht unaufgefordert über etwas erheben, was der Gruppe letztlich gerade sehr ernst ist.
Sigmund Freud befasste sich mit dem Witz, in dem er eine Technik des Unbewussten zur Einsparung von Konflikten und zum Lustgewinn sah. Durch die emotionale Solidarisierung mit Gleichgesinnten wirkt der Witz nach Freud gegen Autorität, gegen Sinn - oder auch gegen Andersdenkende.
Symptomatisch ist am Ende, dass der Witz verfliegt, sobald man ihn erklärt. Im Moment der Erklärung wird der Pointe das Überraschungsmoment genommen, sie ist nicht länger Auslöser der Distanzierung vom eingeforderten Ernst. Stattdessen wird gerade geklärt, was der Ernst der Situation ist und damit wieder das Gebot zum Ernst hergestellt.
Klassifikation der Witze
Witze lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten klassifizieren. Inhalt (Subjekt) oder ihrem Aufbau, dem "Mechanismus" - also einem ihnen anhaftenden Merkmal, bzw. der Kaschierung durch Demütigung, herabsetzende Bloßstellung oder auch auch sexuelle Abartigkeiten.
Kategorien nach dem Sujet
- Politischer Witz
- Radio Eriwan
- Witze über Minderheiten und Randgruppen
- Ostfriesenwitze
- Schottenwitze
- Blondinenwitz
- Mantawitze
- Bratscherwitz
- Bauernregeln (Witz)
- Computer-Witze: Windows-Witze, Unix-Humor
- Wissenschaftlicher Witz
- Jüdischer Witz
- Häschenwitz
- sexueller Witz (Fickwitze)
- Glühbirnen-Witz
Kategorien nach dem Aufbau
- Antiwitz (Aufbau)
- Kalauer (Aufbau)
- naive Witze (Aufbau)
- Zoten (Aufbau)
- Verwechslungswitz
Redewendungen
Die Redewendung Witz an der Sache verwendet man, um auszudrücken, dass es sich bei einem bestimmten Detail eines Themenkomplexes um den Kernpunkt, den wesentlichen Teil handelt. Beispiel: Und deswegen hat er das gemacht? Ja, das war doch der Witz an der Sache.
Siehe auch
- Mutterwitz, Anglerlatein Jägerlatein, Seemannsgarn, Sponti-Spruch, Treppenwitz, Chindogu, Witzbold
- Schlagfertigkeit
- Politischer Witz
- Der tödlichste Witz der Welt
- Witzesammlung auf fun.wikicities.com
Personennamen
- Konrad Witz, Maler
Literatur
- Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten, ISBN 3-5961-0439-4
Weblinks
- [http://www.daf.uni-mainz.de/landeskunde/2000_2/Humor/woerterbuch.htm Kleines Wörterbuch der Komik]
- [http://www.ub.uni-konstanz.de/kops/volltexte/2000/490/html/ap068.html Erzählstile von mündlichen Witzen]
- [http://www.3sat.de/nano/cstuecke/20637/index.html Witzforschung als Wissenschaft]
Kategorie:Humor Kategorie:Sprache ! Kategorie:Volkskunde Kategorie:Psychoanalyse
als:Witz
Johann Peter HebelJohann Peter Hebel ( - 10. Mai 1760 in Basel; † 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Pädagoge.
Leben
Schwetzingen
Seine Kindheit verlebte Hebel während der Wintermonate in Hausen im Wiesental (Südschwarzwald), wo seine Eltern als Weber arbeiteten. Im Sommer arbeiteten die Eltern als Dienstleute in einem Basler Patrizier-Haus. Hebel besuchte ab 1766 die Volksschule in Hausen und ab 1769 die Lateinschule in Schopfheim. In den Sommermonaten war er Schüler der Gemeindeschule in Basel und ab dem Jahre 1772 des dortigen Gymnasiums am Münsterplatz.
Finanziell unterstützt von Förderern konnte H. 1774 ins Karlsruher Gymnasium illustre eintreten, das er 1778 abschloss.
Nach einem zweijährigen Theologiestudium (1778-1780) in Erlangen trat er eine Stelle als Hauslehrer und Vikar in Hertingen an und wurde 1783 zum Präzeptoratsvikar (Hilfslehrer) am Pädagogium in Lörrach ernannt. 1791 berief man ihn zum Subdiakon ans Karlsruher Gymnasium. Professor für Dogmatik wurde er im Jahre 1798 und unterrichtete bis 1814 als Gymnasiallehrer diverse Unterrichtsfächer.
Hebel blieb bis zu seinem Lebensende in Karlsruhe. 1792 wurde er zum Hofdiakon, 1798 zum a. o. Professor, 1808 zum Direktor des Gymnasiums, 1819 zum Prälaten der lutherischen Landeskirche und dadurch Mitglied der ersten Kammer des badischen Landtags ernannt.
Johann Peter Hebel starb auf einer Dienstreise am 22. September 1826 in Schwetzingen. Dort ist auch seine Grabstättte.
Zu seinen Bewunderern zählten solch berühmte Literaten wie Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi. Charakteristisch für die hohe Wertschätzung, die Hebel entgegengebracht wurde, ist ein Zitat von Hermann Hesse: "Wir lesen, glaube ich, auch heut noch in keiner Literaturgeschichte, daß Hebel der größte deutsche Erzähler war, so groß wie nur Keller und viel sicherer und in der Wirkung reiner und mächtiger als Goethe." (Brief an Reinhard Buchwald von 1912)
Ihm zu Ehren wird seit 1936 der Johann-Peter-Hebel-Preis verliehen.
Werke
Johann-Peter-Hebel-Preis
Hebels Werk besteht aus den alemannischen Gedichten, den Kalendergeschichten, sowie den Briefen an seine Freunde, die ein wichtiger Bestandteil der deutschen Briefliteratur darstellen. Weniger bekannt sind die biblischen Geschichten, die Hebel als Schulbuch für den evangelischen Religionsunterricht in Baden verfasste.
- Alemannische Gedichte. Für Freunde ländlicher Natur und Sitten. Karlsruhe 1803 anonym (zweite Auflage 1804 mit Verfasserangabe)
- Der Rheinische Hausfreund. Kalendergeschichten über mehrere Jahrgänge (1803-1811)
- Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. Cotta, Stuttgart 1811 (Zusammenstellung der Kalendergeschichten mit wenigen Auslassungen und Umstellungen)
- Biblische Geschichten. Für die Jugend bearbeitet. Cotta, Stuttgart 1824
- Briefe. Herausgeber Wilhelm Zentner, 2. Bände, Karlsruhe 1957
Gedichte
Kalendergeschichte
- Die Vergänglichkeit
- Der Mann im Mond
- Auf den Tod eines Zechers
- Das Gewitter
- Der Statthalter von Schopfheim
- Unverhofftes Wiedersehen
- Kannitverstan
- Die drei Diebe
- Wie der Zundelfrieder und sein Bruder dem Roten Dieter abermal einen Streich spielen
- Wie der Zundelfrieder eines Tages aus dem Zuchthaus entwich und glücklich über die Grenzen kam
- Der Heiner und der Brassenheimer Müller
- Der Lehrjunge
- Wie sich der Zundelfrieder hat beritten gemacht
- Der kluge Richter
- Das wohlfeile Mittagessen
- Das Mittagessen im Hof
Weblinks
-
-
- [http://www.litlinks.it/h/hebel_jp.htm Texte im Internet]
- [http://www.deheim.de/alemannisch/ Alemannische Seite mit Gedichten, Alemannisch-Lexikon und Johann Peter Hebel]
- [http://www.ghshauseniw.de/ Homepage der Grund- & Hauptschule seiner Heimatgemeinde Hausen im Wiesental]
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
Hebel, Johann Peter
als:Johann Peter Hebel
Heinrich von KleistBernd Heinrich Wilhelm von Kleist ( - 18. Oktober, nach Kleists eigenen Angaben 10. Oktober 1777 in Frankfurt (Oder); † 21. November 1811 in Berlin-Wannsee durch Suizid) war ein preußischer Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist.
Publizist
Familie
Publizist
Kleist kam aus einer alten, ursprünglich aus Pommern stammenden Adelsfamilie, die sich lange schon in mehrere Linien aufgespalten hatte. Bekannt war die Sippe der Kleists seit dem 17. Jahrhundert für ihre Militärtradition; bis heute bekleideten allein 44 von Kleists einen Generalsrang. Ein Großonkel Kleists, Ewald Christian von Kleist, war Soldat, aber auch Dichter und ein Freund Lessings. Ein weiterer entfernter Verwandter war der früh verstorbene und heute vergessene Schriftsteller Franz Alexander von Kleist (1769 - 1797).
Kleists Vater, Joachim Friedrich von Kleist, diente als Stabskapitän beim Infanterieregiment in der Garnisonsstadt Frankfurt (Oder). Aus einer ersten Ehe mit Caroline Luise geb. von Wulffen gingen die beiden (Halb-)Schwestern Kleists, Wilhelmine, genannt Minette, und Ulrike Philippine hervor, der Kleist später sehr nahe stand. Joachim Friedrich heiratete 1775 in zweiter Ehe Juliane Ulrike geb. von Pannwitz, die die Kinder Friederike, Auguste Katharina, Heinrich und schließlich noch dessen jüngere Geschwister Leopold Friedrich und Juliane, genannt Julchen, gebar.
Leben
Ausbildung und Militärzeit
Nach dem Tode seines Vaters "Bubu" von Kleist 1788 wurde er in ein Erziehungsinstitut nach Berlin geschickt. Im Juni 1792 trat der junge Kleist getreu seiner Familientradition in das Garderegiment zu Potsdam ein und nahm unter anderem am Rheinfeldzug gegen Frankreich teil. Anfang 1795 kamen Kleist Zweifel an seiner militärischen Tätigkeit. Er verblieb jedoch im Militär, und wurde 1795 zum Fähnrich und 1797 zum Leutnant befördert. Privat jedoch nahm Kleist zusammen mit seinem Freund Rühle von Lilienstern mathematische und philosophische Studien in Potsdam auf und erwarb sich den Universitätszugang.
Im März 1799 äußerte er die Absicht, den als unerträglich empfundenen Militärdienst aufzugeben und seinen Lebensplan, auch gegen den zu erwartenden Widerstand der Familie, nicht auf Reichtum, Würden, Ehren, sondern auf die Ausbildung des Geistes zu gründen und ein wissenschaftliches Studium aufzunehmen.
Studium und erste Anstellung
1799
Nach seiner erbetenen Entlassung aus dem Militär begann Kleist im April 1799 in Frankfurt an der Oder an der Viadrina Mathematik als Hauptfach und Physik, Kulturgeschichte, Latein und - zur Beruhigung seiner Verwandten - Kameralwissenschaften zu studieren.
Besonders interessierte sich Kleist für den Physikunterricht bei Professor Christian Ernst Wünsch, der ihm auch Privatunterricht in Experimentalphysik erteilte. Wie nicht wenige andere Autoren der Zeit (beispielsweise Goethe, Ludwig Achim von Arnim oder Novalis) waren für ihn die Naturwissenschaften im Sinne der Aufklärung ein objektives Mittel, sich selbst, die Gesellschaft und die Welt zu erkennen - und zu verbessern. Die hoffnungsvoll begonnene wissenschaftliche Ausbildung vermochte Kleist jedoch schon bald nicht mehr voll zu befriedigen; das Buchwissen reichte ihm nicht aus. Mit dieser Haltung fand Kleist wenig Verständnis in seiner Umwelt. 1799 lernte er die Generalstochter Wilhelmine von Zenge kennen, mit der er sich bereits Anfang 1800 verlobte.
1800 brach er nach nur drei Semestern das Studium wieder ab und begann eine Tätigkeit als Volontär im preußischen Wirtschaftsministerium in Berlin, obwohl dies seinem Verständnis eines Lebensplanes freier Geistesbildung nicht entsprach. Hintergrund der Entscheidung war seine Verlobung. Die Familie der Braut forderte, dass Kleist ein Staatsamt bekleidetet. Für das Ministerium war Kleist im Sommer 1800 in geheimer Mission - vermutlich als Wirtschaftsspion - unterwegs.
Die berufliche, soziale und individuelle Problematik (das Leben ist ein schweres Spiel... weil man beständig und immer von neuem eine Karte ziehen soll und doch nicht weiß, was Trumpf ist; – Brief an die Halbschwester Ulrike vom 5. Februar 1801) verdichtete sich vermutlich vor dem Hintergrund der Lektüre von Kants Kritik der Urteilskraft zur so genannten Kant-Krise. Kants Kritik an allzu simplistischen Vorstellungen der Aufklärung zerstörte Kleists geradlinigen, rein vernunftbasierten Lebensplan über Nacht. In einem Brief an Wilhelmine vom 22. März 1801 beschrieb Kleist es so: Wir können nicht entscheiden, ob das wir Wahrheit nennen, wahrhaftig Wahrheit ist oder ob es uns nur so scheint (...) Mein einziges, mein höchstes Ziel ist gesunken, ich habe nun keines mehr - Dieser Lebenskrise suchte Kleist durch eine Reise zu entfliehen.
Nach anderer, überzeugenderer Darstellung berief sich Kleist auf eine durch die Kantlektüre ausgelöste Krise, um einer von Zögern, Scheitern und falschen Entscheidungen geprägten Lebensphase eine philosophische Rechtfertigung zu geben. Vor allem ist aber die Rezeptionsgeschichte verantwortlich für den Mythos der Kant-Krise. Denn er nährt die Vorstellung von der Möglichkeit einer grundlegenden geistigen Wandlung des Menschen qua Beschäftigung mit Philosophie, die mit Bezug auf Kleists Kant-Krise immer wieder gern beschworen wurde und wird. Ohne die Möglichkeit einer solchen geistigen Wandlung grundsätzlich in Frage zu stellen, muss jedoch zumindest für Kleist eine entsprechende Wandlung verneint werden. Die Briefe, die er vor dem 22. März 1801 schrieb, lassen nämlich deutlich erkennen, dass ein von Kants Schriften unabhängiger Prozess der geistigen Wandlung stattgefunden hatte.
Paris und Thun (Schweiz)
Im Frühjahr 1801 reiste er zusammen mit seiner Schwester Ulrike über Dresden nach Paris.
Doch angesichts der von ihm als sittenlos empfundenen Hauptstadt schienen ihm die Werke der französischen Aufklärung (Helvétius, Voltaire, Jean-Jacques Rousseau) durch die für ihn irrationale Wirklichkeit das Gegenteil ihrer Absicht zu bewirken (Brief an Wilhelmine vom 15. August 1801). Abermals verarbeitete Kleist seine enttäuschenden Erfahrungen als Zweifel an der Eindeutigkeit der Vernunft und dem geschichtlichen Wollen. Durch Rousseau sah er sich angeregt, ein bäuerliches Leben zu führen, Ein Feld zu bebauen, einen Baum zu pflanzen, und ein Kind zu zeugen (Brief vom 10. Oktober 1801 an Wilhelmine).
Ab April 1802 wohnte er auf einer Insel in der Aare bei Thun in der Schweiz. Es kam zum Bruch mit Wilhelmine, die nicht nach seinen Vorstellungen als Bäuerin mit ihm zusammen leben wollte. Er arbeitete nun an dem bereits in Paris unter dem Titel Die Familie Ghonorez begonnenen Trauerspiel Die Familie Schroffenstein, schrieb weiter an seinem Trauerspiel Robert Guiskard Herzog der Normänner und begann mit dem Lustspiel Der zerbrochne Krug.
Im Frühjahr 1803 reiste Kleist nach Deutschland. In Dresden lernt er unter anderem Friedrich de la Motte Fouqué kennen und traf seinen Jugendfreund Ernst von Pfuel wieder. Zusammen mit von Pfuel reist Kleist abermals nach Paris. Dort verbrannte er die fertiggestellten Teile des Guiskard in tiefer Verzweiflung darüber, seine Vorstellungen nicht realisieren zu können. Der Himmel versagt mir den Ruhm, das größte der Güter der Erde! schreibt er am 26. Oktober 1803 an Ulrike. Kleist fasste den Entschluss, in der französischen Armee gegen England zu kämpfen um den Tod in der Schlacht zu sterben, wurde aber durch einen Bekannten dazu überredet, nach Potsdam zurückzukehren. Im Dezember 1803 kehrte Kleist nach Deutschland zurück und beantragte in Berlin eine Anstellung im diplomatischen Dienst.
Königsberg
Nach einer kurzen Tätigkeit im von Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein geleiteten Finanzdepartment (Mitte 1804) arbeitete er ab dem 6. Mai 1805 auf dessen Empfehlung als Diätar (Beamter im Vorbereitungsdienst ohne festes Gehalt) in Königsberg und sollte sich bei dem Staats- und Wirtschaftstheoretiker Christian Jacob Kraus in Kameralistik ausbilden lassen. In Königsberg traf er unter anderem die inzwischen mit dem Philosophieprofessor Wilhelm Traugott Koch verheiratete Wilhelmine wieder. Kleist vollendete den Zerbrochnen Krug und arbeitete an dem Lustspiel Amphitryon, dem Trauerspiel Penthesilea und an den Erzählungen Michael Kohlhaas und Das Erdbeben von Chili.
Im August 1806 teilte Kleist seinem Freund von Lilienstern seine Absicht mit, aus dem Staatsdienst zu scheiden, um sich nunmehr durch dramatische Arbeiten zu ernähren. Auf dem Wege nach Berlin wurden Kleist und seine Begleiter im Januar 1807 von den französischen Behörden als angebliche Spione verhaftet und zunächst in das Fort Joux bei Besançon und dann in das Kriegsgefangenenlager Châlons-sur-Marne transportiert. Dort schrieb er vermutlich die Novelle Die Marquise von O... und arbeitete weiter an der Penthesilea.
Dresden
Die Marquise von O...
Nach seiner Freilassung reist er über Berlin nach Dresden (ab Ende August 1807), wo er unter anderem Schillers Freund Christian Gottfried Körner, die Romantiker Ludwig Tieck, Gotthilf Heinrich von Schubert, Caspar David Friedrich und vor allem den Staats- und Geschichtsphilosophen Adam Müller und den Historiker Friedrich Christoph Dahlmann kennen lernte. Zusammen mit Müller gab Kleist ab Januar 1808 das "Journal für die Kunst" (so der Untertitel) Phöbus heraus. Das erste Heft mit dem Beitrag Fragment aus dem Trauerspiel: Penthesilea sandte er unter anderem Goethe zu, der in einem Antwortschreiben seine Verwunderung und sein Unverständnis bekundete.
Im Dezember 1808 vollendete Kleist unter dem Eindruck der spanischen Erhebung gegen Napoleon, der Besetzung Preußens und der Anfänge des österreichischen Freiheitskampfes das Drama Die Hermannsschlacht.
In der Hoffnung auf einen wachsenden anti-napoleonischen Widerstand reiste er zusammen mit Dahlmann über Aspern, wo Napoleon einige Tage zuvor besiegt wurde, am 21./22. Mai 1809 nach Prag. Hier bekamen Kleist und Dahlmann Zugang zu österreichisch-patriotischen Kreisen und planten, ein Wochenblatt mit dem Titel Germania herauszugeben. Es sollte ein Organ der "deutschen Freiheit" werden. Wegen der Kapitulation Österreichs blieb das Projekt unverwirklicht.
In dieser Zeitschrift sollten seine so genannten politische Schriften Was gilt es in diesem Kriege?, Katechismus der Deutschen abgefasst nach dem Spanischen, zum Gebrauch für Kinder und Alte, das Lehrbuch der französischen Journalistik, Satiren und die Ode Germania an ihre Kinder erscheinen.
Im November kam er wieder in Frankfurt (Oder) an, um einen Monat später wieder nach Berlin zu fahren, wo er sich mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinem Tod aufhielt.
Berlin
In Berlin schloss Kleist Bekanntschaft unter anderem mit Ludwig Achim von Arnim, Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff, Wilhelm Grimm, Karl August Varnhagen von Ense und Rahel Varnhagen. In diesem Kreise war Kleist auch Mitglied der christlich-deutschen Tischgesellschaft. Im April 1810 erschien der erste Band mit seinen Erzählungen (Michael Kohlhaas, Die Marquise von O..., Das Erdbeben in Chili) und im September das Käthchen von Heilbronn, dessen Aufführung Iffland als Direktor der Berliner Bühne ablehnte.
Nach der Einstellung des Phöbus startete Kleist ab dem 1. Oktober 1810 ein neues Zeitungsprojekt: die Berliner Abendblätter. Es war ein täglich erscheinendes Zeitungsblatt mit lokalen Nachrichten, als dessen Zweck die Unterhaltung aller Stände des Volkes und die Beförderung der Nationalsache angegeben wurde. Als Autoren schrieben hier so Prominente wie: Ernst Moritz Arndt, Ludwig Achim von Arnim, Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso, Rühle von Lilienstern, Friedrich Karl von Savigny und Friedrich August von Staegemann. Kleist selbst ließ unter anderem seine Abhandlungen Gebet des Zoroaster, Betrachtungen über den Weltlauf, Brief eines Malers an seinen Sohn, Allerneuester Erziehungsplan und vor allem Über das Marionettentheater in den Abendblättern erscheinen. Als Besonderheit und Publikumsmagnet erwies sich die Veröffentlichung von aktuellen Polizeiberichten.
Über das Marionettentheater
Im Frühjahr 1811 musste die Herausgabe der Zeitung wegen verschärfter Zensurbestimmungen eingestellt werden. Als sein Versuch scheiterte, eine Anstellung in der preußischen Verwaltung zu erlangen, und auch sein 1809 begonnenes Schauspiel Prinz von Homburg bis 1814 mit einem Aufführungsverbot durch Friedrich Wilhelm III. belegt wurde, musste Kleist innerhalb kurzer Zeit einige Erzählungen schreiben, um sich Mittel zum Lebensunterhalt zu beschaffen. Daraus entstand sein zweiter Band mit Erzählungen, der unter anderem Das Bettelweib von Locarno und Die Verlobung in St. Domingo enthält.
Nahezu ohne Mittel und innerlich so wund, daß mir, ich möchte fast sagen, wenn ich die Nase aus dem Fenster stecke, das Tageslicht wehe tut, das mir darauf schimmert (Brief an Marie von Kleist vom 10. November 1811), nahmen die Gedanken an Suizid überhand. Er suchte und fand eine Begleiterin für diesen Weg, die an Krebs erkrankte Henriette Vogel. Mit deren Einverständnis erschoss Kleist am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee bei Potsdam seine Begleiterin und sich selbst.
Das letzte Wort an Ulrike
Ich kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch, vor allen anderen, meine teuerste Ulrike, mit Dir versöhnt zu haben. Laß sie mich, die strenge Äußerung, die in dem Briefe an die Kleisten enthalten ist, laß sie mich zurücknehmen; wirklich, Du hast an mir getan, ich sage nicht, was in Kräften einer Schwester, sondern in Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten: die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war. Und nun lebe wohl; möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit dem meinigen gleich: das ist der herzlichste und innigste Wunsch, den ich für Dich aufzubringen weiß.
Dein Heinrich
Werk
Kleists ganzes Leben war erfüllt vom ruhelosen Streben nach idealem und trügerischem Glück, und dies spiegelt sich in seinem Werk wider. Geistesgeschichtlich lässt sich Heinrich von Kleist allerdings nur schwer einordnen: weder in den Kreis der romantischen Theorie noch in den klassischen Diskurs lassen sich Autor und Werk ohne weiteres eingliedern. Es sei an dieser Stelle auf Kleists kurze Schrift Über das Marionettentheater hingewiesen. Die frühe Kleist-Forschung hat diesen Text stets als mehr oder minder theoretische Abhandlung Kleists gelesen und versucht, denselben im Sinne der ästhetischen Programmatik des romantischen Diskurses zu deuten. Neuere Versuche der Interpretation - insbesondere jene, die einem dekonstruktivistischen Interesse entspringen - betonen dementgegen das subversive Potenzial des Textes, und sehen den zentralen Gehalt in der spielerisch-ironischen Demontage des zeitgenössischen ästhetisch-idealphilosophischen Diskurses.
Ebenso wie man versucht, Kleist in die Fluten der Romantik einzuordnen, wird auch eine Affinität zwischen den Dramen Kleists und der klassischen Dichtung betont. Diese Zuordnung beruht dann auf der stofflichen Wahl, denn mehrfach adaptiert Kleist antike mythologische Inhalte, was eigentlich ein Kennzeichen klassischer Ästhetik ist, und hält sich bei seiner Bearbeitung an den klassischen Dramenaufbau, wie überhaupt das Verfassen von Dramen eher einen Klassiker denn einen Romantiker kennzeichnet. Zugleich werden aber in Kleists "klassischen" Dramen die klassischen Stilprinzipien in hohem Maße verletzt, wie schon die Stoffwahl belegt: Nicht mehr das allgemein-menschliche, zivilisierende, klassisch-befriedete Element antiker Dichtung, sondern das Besondere, Extreme und Grausame rückt in den Vordergrund.
Seine erste Tragödie Die Familie Schroffenstein wurde bereits erwähnt; das Material für seine zweite, Penthesilea 1808, Königin der Amazonen, ist einer griechischen Quelle entnommen und stellt ein Bild wilder Leidenschaft dar. Erfolgreicher als diese beiden war sein romantisches Schauspiel Das Käthchen von Heilbronn, oder Die Feuerprobe 1808, ein poetisches Drama voll von mittelalterlichem Treiben und Rätseln, das seine Popularität bewahrt hat.
Im Komödienfach machte sich Kleist einen Namen mit Der zerbrochne Krug, während Amphitryon (1808), eine Adaption von Molières Komödie, die wiederum auf den Amphitruo des Plautus zurückgeht, von minderer Bedeutung ist. Von Kleists anderen Dramen ist Die Hermannschlacht (1809) eine dramatische Behandlung eines historischen Themas und ist voll von Referenzen auf die politischen Bedingungen seiner Zeit. In ihm macht er seinem Hass auf die Unterdrücker seines Landes Luft. Zusammen mit dem Drama Prinz Friedrich von Homburg (siehe auch Friedrich II. (Hessen-Homburg)), das zu seinen besten Werken zählt, wurde es erstmals 1821 von Ludwig Tieck in Kleists Hinterlassene Schriften veröffentlicht. Robert Guiskard, ein in großem Maßstab erdachtes Drama, blieb Fragment.
Kleist war auch ein Meister in der Kunst der Erzählung; Michael Kohlhaas gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Erzählungen seiner Zeit. Darin gibt der berühmte Brandenburger Pferdehändler Kohlhase aus Luthers Tagen Familie, gesellschaftliche Position und all sein sonstiges Hab und Gut auf, verletzt schließlich sogar selbst Rechtsnormen, nur um in einem relativ geringfügigen Streitfall, bei dem ihm ein klares Unrecht zugefügt worden ist, recht zu bekommen; ihm wird in der Erzählung ein ambivalentes Denkmal gesetzt.
Erwähnenswert sind weiterhin die Erzählungen Das Erdbeben von Chili, Die Marquise von O. und Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik.
Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der Zeit, hat Heinrich von Kleist keine offenkundig ästhetisch-programmatische Schrift hinterlassen. Insbesondere das 'Marionettentheater' wurde lange Zeit auf dessen theoretisch-poetologischen Gehalt hin untersucht. Doch wurde hierbei generell der fiktive Charakter des Gesprächs - es handelt sich um einen Bericht über ein Gespräch, das zum Zeitpunkt der Wiedergabe bereits einige Jahre zurückliegt - übersehen. Nur unter Vorbehalt lässt sich in dem kurzen Aufsatz die Proklamation der Wiedererlangung des paradiesischen Zustandes verkörpert sehen. Besonders Hanna Hellmann, die das 'Marionettentheater' im Jahre 1911 wiederentdeckte, deutete diesen Text im Sinne der romantischen Triade, die die dritte Stufe der menschlichen Entwicklung - d.h. die Wiedererlangung des paradiesischen Zustandes - im Bereich der Kunst verwirklicht sieht.
Kleist schrieb auch einige patriotische Gedichte, die heute so gut wie vergessen sind.
Werke
- Robert Guiskard, Herzog der Normänner (Fragment), entstanden 1802 - 1803, erschienen April/Mai 1808 in Phöbus, Uraufführung 6. April 1901 im Berliner Theater in Berlin
- Die Familie Schroffenstein, Anfang 1803 anonym erschienen, Uraufführung 9. Januar 1804 in Graz
- Der zerbrochne Krug, entstanden 1803 - 1806, Uraufführung am 2. März 1808 im Hoftheater in Weimar
- Amphitryon, erschienen 1807, Uraufführung 8. April 1899 im Neuen Theater in Berlin
- Das Erdbeben von Chili, erschienen unter dem ursprünglichen Titel Jeronimo und Josephe 1807 in Cottas Morgenblatt für gebildete Stände, Buchausgabe leicht redigiert 1810 in Erzählungen (1. Band)
- Die Marquise von O…, erschienen Februar 1808 in Phöbus, Buchausgabe in überarbeiteter Fassung 1810 in Erzählungen (1. Band)
- Die Hermannsschlacht, vollendet 1808, erschienen 1821 (Hrsg. Ludwig Tieck), Uraufführung am 18. Oktober 1860 in Breslau (Bearbeitung: Feodor Wehl)
- Penthesilea, erschienen 1808, szenische Uraufführung Mai 1876 im Königlichen Schauspielhaus in Berlin
- Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe. Ein großes historisches Ritterschauspiel, entstanden 1807 - 1808, Fragmente erschienen in Phöbus 1808, Uraufführung 17. März 1810 im Theater an der Wien in Wien, Buchausgabe in umgearbeiteter Fassung 1810
- Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik, teilweise erschienen 1808 in Phöbus, Buchausgabe 1810 in Erzählungen (1. Band)
- Katechismus der Deutschen, 1809
- Anekdoten, erschienen 1810 - 1811 in den Berliner Abendblättern
- Das Bettelweib von Locarno, erschienen 11. Oktober 1810 in den Berliner Abendblättern, Buchausgabe 1811 in Erzählungen (2. Band)
- Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Eine Legende, erschienen 15.-17. November 1810 in den Berliner Abendblättern, Buchausgabe in erweiterter Fassung 1811 in Erzählungen (2. Band)
- Über das Marionettentheater, erschienen 12.-15. Dezember 1810 in den Berliner Abendblättern
- Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden, posthum 1878 veröffentlicht
- Die Verlobung in St. Domingo, erschienen 25. März bis 5. April 1811 in Der Freimüthige, Buchausgabe in überarbeiteter Fassung 1811 in Erzählungen (2. Band)
- Der Findling, erschienen 1811 in Erzählungen (2. Band)
- Der Zweikampf, erschienen 1811 in Erzählungen (2. Band)
- Prinz Friedrich von Homburg, entstanden 1809 - 1811, Uraufführung 3. Oktober 1821 als Die Schlacht vom Fehrbellin am Burgtheater in Wien
Werkausgaben
- Heinrich von Kleists gesammelte Schriften. Hrsg. von Ludwig Tieck. 3 Bände. Reimer, Berlin 1826
- Heinrich von Kleist. Werke und Briefe. Hrsg. von Siegfried Streller. 4 Bände. Aufbau, Berlin und Weimar 1978
- Heinrich von Kleist - Sämtliche Werke und Briefe. Hrsg. von Helmut Sembdner. 9. vermehrte und revidierte Auflage. Hanser, München 1993 (Taschenbuchausgabe: dtv, München 2001 ISBN 3-423-12919-0)
- Heinrich von Kleist. Brandenburger Ausgabe (BKA). Kritische Edition sämtlicher Texte nach Wortlaut, Orthographie, Zeichensetzung aller erhaltenen Handschriften und Drucke herausgegeben von Roland Reuß und Peter Staengle. Stroemfeld, Basel und Frankfurt am Main 1988 ff. [http://www.stroemfeld.de/editionsplaene/kleist.htm Editionsplan (Weblink)]
Literatur
- Erotik und Sexualität im Werk Heinrich von Kleists. Internationales Kolloquium des Kleist-Archivs Sembdner, 22.-24. April 1999 in der Kreissparkasse Heilbronn. (= Heilbronner Kleist-Kolloquien; Band 2). Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2000 ISBN 3-931060-48-9
- Ludwig Börne: Dramaturgische Blätter: Das Käthchen von Heilbronn (1818). In: Sämtliche Schriften. Band I. Melzer, Düsseldorf 1964
- Sabine Doering: Heinrich von Kleist. (= Universal-Bibliothek. Literaturwissen für Schule und Studium; Band 15209). Reclam, Stuttgart 1996 ISBN 3-15-015209-7
- Günther Emig, Peter Staengle (Hrsg.): Amphitryon. "Das faßt kein Sterblicher." Interdisziplinäres Kolloquium zu Kleists "Lustspiel nach Molière". (= Heilbronner Kleist-Kolloquien; Band 4). Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2004 ISBN 3-931060-74-8
- Dirk Grathoff: Kleist. Geschichte, Politik, Sprache. Aufsätze zu Leben und Werk Heinrich von Kleists. (Aus der Reihe Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur). 2., verbesserte Auflage. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2000 ISBN 3-531-33247-3
- Walter Hinderer (Hrsg.): Kleists Dramen . Neue Interpretationen. Reclam, Stuttgart 1981 ISBN 3-15-010303-7
- Walter Hinderer (Hrsg.): Kleists Dramen. (= Reclams Universal-Bibliothek. Literaturstudium. Interpretationen; Band 17502). Reclam, Stuttgart 1997 ISBN 3-15-017502-X
- Rudolf Loch: Heinrich von Kleist. Leben und Werk. (= Reclams Universal-Bibliothek. Biografien; Band 709). Reclam, Leipzig 1978
- Rudolf Loch: Kleist. Eine Biographie. Wallstein, Göttingen 2003 ISBN 3-89244-433-1
- Hans Mayer: Heinrich von Kleist. Der geschichtliche Augenblick. Neske, Pfullingen 1962
- Klaus Müller-Salget: Heinrich von Kleist. (= Reclams Universal-Bibliothek; Nr. 17635). Reclam, Stuttgart 2002 ISBN 3-15-017635-2
- Walter Müller-Seidel (Hrsg.): Heinrich von Kleist. Aufsätze und Essays. (= Wege der Forschung; Band 147). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967 (4. unveränderte Auflage 1987: ISBN 3-534-03989-0)
- Walter Müller-Seidel (Hrsg.): Kleists Aktualität. Neue Aufsätze und Essays 1966 - 1978. (= Wege der Forschung; Band 586). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1981 ISBN 3-534-08384-9
- Jochen Schmidt: Heinrich von Kleist. Die Dramen und Erzählungen in ihrer Epoche. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003 ISBN 3-534-15712-5
- Helmut Sembdner (Hrsg.): Dichter über ihre Dichtungen. Heinrich von Kleist. Heimeran, München 1969
- Peter Staengle: Heinrich von Kleist. (Aus der Reihe dtv Portrait). dtv, München 1998 ISBN 3-423-31009-X
- Rolf Tiedemann: Ein Traum von Ordnung. Marginalien zur Novellistik Heinrichs von Kleist. Nachwort zu: Heinrich von Kleist: Erzählungen. Insel, Frankfurt am Main 1977 ISBN 3-458-31947-6, S. 295 ff.
Bibliographie
- Eine laufende Kleist-Bibliographie erscheint in:
- Heilbronner Kleist-Blätter (HKB). Hrsg. von Günther Emig. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 1996 ff.
- Klaus Günzel: Kleist. Ein Lebensbild in Briefen u. zeitgenöss. Berichten., Biographie, Berlin 1984, ISBN 3-476-00563-1
Kleist als literarische Figur
- Karin Reschke: Verfolgte des Glücks. Findebuch der Henriette Vogel. Rotbuch, Berlin 1982 ISBN 3-88022-266-5. (Taschenbuchausgabe: Rotbuch, Hamburg 1996 ISBN 3-88022-397-1). Darstellung des Selbstmords aus der Perspektive Henriette Vogels.
- Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends. Aufbau, Berlin und Weimar 1979 (Taschenbuchausgabe: Luchterhand Literaturverlag, Neuwied 2002 ISBN 3-630-62035-3). Im Zentrum steht ein fiktives Treffen Kleists mit Karoline von Günderode.
Weblinks
-
- [http://www.kleist.org Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn] (unter anderem Volltexte, Bibliographie, Unterrichtsmaterialien, Bilder, Service)
- [http://projekt.gutenberg.de/autoren/kleist.htm Werke im Volltext] bei Projekt Gutenberg-DE
- [http://www.kleistonline.de Kleist-Museum, Frankfurt (Oder)]
- [http://www.uni-koeln.de/kleist/index.html Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft], Stifterin des Kleist-Preises
- [http://www.textkritik.de Institut für Textkritik, Heidelberg]
- [http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_ijk/kleist.html Linksammlung der FU Berlin]
- [http://www.v-kleist.com/index.html Die Geschichte der Familie von Kleist]
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NachlassDieser Artikel beschäftigt sich mit dem Nachlass im Zusammenhang mit einem Todesfall. Für den Nachlass bei Preisen, siehe Rabatt.
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Nachlass ist die Gesamtheit des aktiven und passiven Vermögens eines Verstorbenen oder die Erbschaft desselben.
Der Begriff Nachlass wird im weiteren Sinn auch als die Gesamtheit des vom Nachlassenden überlieferten archivalischen Materials (z. B. Werke, Briefe, Lebensdokumente), die sich auf eine Person als Bestandsbildner bzw. Nachlasser beziehen und aus deren Besitz stammen, aufgefasst.
Die zentralen Datenbank Kalliope bei der Staatsbibliothek zu Berlin erfasst gesammelt Autographen und Nachlässe in deutschen Archiven, Museen und anderen Sammlungen.
Siehe auch
- Testament
- Erbschaft
Weblinks
- [http://www.kalliope-portal.de Kalliope: Nachweisdatenbank für Nachlässe und Autographen in Deutschland]
- [http://www.malvine.org/malvine/ger/index.html MALVINE: Europäische Nachweisdatenbank für Nachlässe und Autographen]
- [http://www.crxnet.com/leaf/index.html LEAF: Linking and Exploring Authority Files]
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Prokopios von CaesareaProkopios von Caesarea ( - um 500; † um 562), auch Prokop genannt, war ein spätantiker oströmischer Historiker des 6. Jahrhunderts n. Chr. und einer der bedeutendsten der gesamten Antike.
Prokopios stammte wohl aus einer privilegierten hellenisierten Familie aus Caesarea Maritima in Palästina und genoss eine rhetorische Ausbildung (vermutlich in Beirut). 527 bis 540 oder 542 war er Consiliarius und Rechtsbeistand des oströmischen Feldherren Belisar. Durch seine Hände ging damit wohl auch die gesamte Feldpost, daher war er zumindest über die militärischen Vorgänge hervorragend informiert. Allerdings zeigt sich oft auch ein gewisser Hang zu Anekdoten, und seine Angaben über fremde Völker sind von mitunter zweifelhaftem Wert.
Kriegsgeschichte
Prokop verfasste um 550 auf Griechisch eine achtbändige Kriegsgeschichte (Bella) der Kriege Kaiser Justinians I. bis ins Jahr 549 (Osten) bzw. 553 (im Westen).
Buch I und II behandeln den persischen Kriegsschauplatz (Sassaniden), Buch III und IV die Kriege in Nordafrika gegen die Vandalen, V bis VII die Kriege gegen die Ostgoten in Italien. Buch VIII entstand später als die ersten sieben Bücher und bietet eine Zusammenfassung der weiteren militärischen Auseinandersetzungen an verschiedenen Kriegsschauplätzen bis zum Jahr 553. Diese Bella oder Historien sind nach dem Vorbild Appians aufgebaut (geographische Gesichtspunkte), stilistisch sind sie an Thukydides und Herodot orientiert und bewegen sich auf einem hohen Niveau.
Die Frage nach der genauen Datierung der Werke ist seit langem strittig - eine Frühdatierung (alles bis 553) steht einer Spätdatierung (Bauwerke und Geheimgeschichte erst um 560) gegenüber, ohne dass eine eindeutige Antwort möglich wäre. In aller Regel nimmt man an, dass Prokop noch vor Justinians Tod 565 starb; so fehlt jeglicher Hinweis auf den Friedensschluss mit den Sassaniden im Jahr 562, den Prokop wohl mit Sicherheit erwähnt hätte, wenn er ihn noch erlebt hätte.
Bauten und Geheimgeschichte
Prokops andere beiden bekannten Werke sind De Aedificiis (Bauten) und die so genannten Geheimgeschichte (Historia Arcana bzw. Anekdota, erstmals so genannt in der mittelbyzantinischen Suda). In der wohl zwischen 553 und 555 verfassten Auftragsarbeit der Bauten, in der Prokop in sechs Büchern auf das umfassende Bauprogramm des Kaisers in Konstantinopel (Buch I) und den Provinzen (außer Italien) einging, wird Justinian (aber vor allem Belisar) panegyrisch gelobt. Die Bücher 5 und 6 sind vielleicht nicht vollendet worden, sondern blieben womöglich im Entwurfsstadium (hierfür spricht die notizartige Abfassung).
Demgegenüber ist die Geheimgeschichte, die wahrscheinlich nicht zu Lebzeiten des Kaisers (und Prokops) veröffentlicht und entweder 550 oder 558 verfasst wurde, eine reine Skandalgeschichte und Schmähschrift (Psogos). Entweder sollte der Text später, nach Justinians Tod, in die Bella integriert werden, oder er war von Anfang an als eine Geheimschrift für oppositionelle Zirkel gedacht. In ihr werden Justinian I. und seine Frau Theodora I., aber auch Belisar und seine untreue Frau Antonina gegeißelt. Auch wenn die Anekdota und das konträre Bild Justinians in den Bauten vielleicht ein schiefes Licht auf Prokops Charakter werfen, ist er dennoch die wichtigste Quelle für die Regierungszeit Justinians. Averil Cameron hat versucht, die Widersprüche zwischen den Werken damit zu erklären, dass Prokop geglaubt habe, nur auf diese Weise ein vollständiges Abbild seiner Zeit liefern zu können.
Prokop erwähnt wiederholt seine Absicht, auch eine Kirchengeschichte zu schreiben, doch falls er seinen Plan verwirklicht haben sollte (was unwahrscheinlich ist), so ist das Werk komplett verloren.
Prokops Stil und Intention
Das Niveau der Darstellung in Prokops Werken, hier vor allem die Kriegsgeschichte, ist insgesamt als sehr hoch anzusetzen; tatsächlich war er neben Ammianus Marcellinus der einzige Historiker der Spätantike, der sich mit den berühmten klassischen Vorbildern (Herodot, Thukydides, Polybios und Tacitus) messen konnte. Prokop diente nachweislich vielen nachfolgenden Autoren als Vorbild und Quelle; auch in der modernen Forschung wird sein Wert in der Regel als sehr hoch veranschlagt.
Prokop verwendete eine kraftvolle Sprache, allerdings mit vielen Klassizismen, und schrieb guten attischen Stil, was eine Lektüre erschwert haben dürfte, ausgenommen natürlich für die gebildetere Oberschicht, auf die Prokops Darstellung auch abzielte. Das Alltagsgriechisch seiner Zeit hatte sich hingegen bereits recht stark gewandelt, kann aber noch als Altgriechisch bezeichnet werden. Sein Bericht ist gewürzt mit vielen Anekdoten, und er hatte ein klares (aber nicht immer objektives) Urteil. Er baute auch versteckte Kritik an der Person Justinians I. (den er in der Geheimgeschichte als "Dämonenfürst" verunglimpft) mit ein, später kritisierte er auch Belisar, den er zuerst in den höchsten Tönen gelobt hatte.
In den Kriegsgeschichten bleibt Prokop zumindest oberflächlich objektiv und hat einen klaren Blick für die Ereignisse. Prokops Kritik ist dabei zu einem guten Teil Personenkritik. Er kritisierte nie die Institution des Kaisertums an sich, sondern nur die Politik Justinians, dem er oft Zögerlichkeit oder Misstrauen gegenüber seinen Generälen vorwarf, womit die Kriegsanstrengungen Ostroms (und damit die Bemühungen von Prokops Helden Belisar) gehemmt wurden. Prokop stand den konservativen Senatskreisen nahe, deren Interessen durch die teilweise harte Politik Justinians tangiert wurden. In religiösen Fragen stand Prokop hingegen für ein tolerantes Christentum ein und dürfte an der rigiden Religionspolitik des Kaisers keinen Gefallen gefunden haben (vgl. auch Averil Cameron, Procopius). Dass er, wie früher oft vermutet wurde, in Wahrheit ein "Heide" gewesen sei, ist allerdings sehr unwahrscheinlich.
Wie John B. Bury in seiner History of the Later Roman Empire (Geschichte des spätrömischen Reiches) so treffend formulierte: It was one of the glories of Justinian's age to have produced a writer who must be accounted the most excellent Greek historian since Polybius... (Bury: History of the later Roman Empire. Bd. II., S. 419): Es war eine der Errungenschaften des justinianischen Zeitalters, einen Schreiber hervorgebracht zu haben, der als der hervorragendste griechische Historiker seit Polybios angesehen werden muss...
Allerdings gibt es Indizien dafür, dass Prokop selbst am Ende seiner Tätigkeit den von ihm gepflegten klassizistischen Stil vielleicht als nicht mehr zweckmäßig ansah. Die Katastrophen, die das oströmische Reich heimgesucht hatten (Pestepidemien, Erdbeben, Barbareneinfälle), konnten nicht mehr nach klassischen Denkmustern erklärt werden, so dass Prokop als Erklärungsansatz auf das mit menschlicher Logik nicht erklärbare Walten Gottes hinwies. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass die Geschichtsschreibung nach klassischem Vorbild in Ostrom bald darauf für lange Zeit verstummte, und stattdessen die Kirchengeschichte an Boden gewann (so zumindest Mischa Meier: Prokop, Agathias, die Pest und das `Ende` der antiken Historiographie, in: Historische Zeitschrift 278 (2004), S. 281–310, speziell S. 290 ff. [Meiers Thes | | |