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Angeln (Volk)Die Angeln waren ein westgermanisches Volk, das wohl aus dem gleichnamigen Landstrich Angeln im Norden Schleswig-Holsteins und seinen Nachbargebieten stammte.
Geschichte
Antike
Um 100 erwähnt der römische Autor Tacitus die Angeln: Reudigni deinde et Aviones et Anglii et Varini et Eudoses et Suardones et Nuithones fluminibus aut silvis muniuntur. Er findet allerdings nur erwähnenswert, dass sie alle gemeinsam den Gott Nerthus (Erde) verehrten. Etwa ein halbes Jahrhundert später werden die Angeln von Ptolemäus erwähnt und den Sueben zugerechnet.
Wanderung nach Thüringen
Im 2. oder 3. Jahrhundert wanderten Angeln gemeinsam mit den Warnen nach Süden in das Gebiet der oberen Elbe, wo die Hermunduren und Markomannen ihre Reiche hatten. Ob die heutige Landschaft Angeln dabei wirklich von allen Bewohnern verlassen wurde, wie es spätere Berichte behaupten, ist unklar. Die Angeln bildeten einen Teil der Oberschicht des Königreiches Thüringen. Auch nach der fränkischen Besetzung blieben Angeln im Land, worauf das Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum, das Karl der Große um 800 aufzeichnen ließ, hinweist.
Ab etwa 200, verstärkt dann ab etwa 450 wanderten Angeln gemeinsam mit Sachsen und Jüten nach Britannien aus. Offenbar wurden sie zunächst von den römischen Einwohnern der Insel als Hilfstruppen (foederati) angeworben, um das Land nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen (410) gegen Angreifer zu schützen. Doch bald scheinen die germanischen Truppen unabhängige Herrschaften errichtet zu haben. Dabei siedelten die Angeln wohl insbesondere in East Anglia (Grafschaften Cambridgeshire, Norfolk, Suffolk und Teile des südlichen Lincolnshire). Die Namen der Völker verschmolzen zum Begriff der Angelsachsen. Der Name England für den südöstlichen Teil Britanniens leitet sich von den Angeln ab. Die angelsächsische Sprache, ein Zweig der altniedersächsischen Sprache, wurde zur Grundlage der englischen Sprache.
An der Wende von der Spätantike zum Mittelalter begann um die Christianisierung durch Augustinus von Canterbury. Die Hauptstämme vereinigten sich schließlich zu einem "englischen" Königreich unter Egbert von Wessex. Es gab immer wieder Angriffe der Dänen. 1066 wurden die Angeln von Wilhelm dem Eroberer bei der Schlacht von Hastings besiegt. Die Normannen vereinigten sich mit den Angeln unter einem Wahlkönig. Das Volk teilte sich in Freie (Earls) und Unfreie.
Gründe der Auswanderungen
Für die Auswanderung der Angeln werden in der Geschichtsforschung mehrere Gründe diskutiert:
- Es gab im 3. und 4. Jahrhundert auf der kimbrischen Halbinsel kriegerische Auseinandersetzungen, die sich archäologisch nachweisen lassen (vgl. die Waffenfunde in Thorsberg bei Süderbrarup u.a.).
- Außerdem gab es vermutlich klimatische Änderungen. So brechen um 350 die Funde von Getreidepollen in den tiefer gelegenen Gebieten ab, während sie auf Geestinseln, z.B. Süderbrarup zunehmen.
- Durch den Abzug des Römischen Heeres aus Britannien entstand eine Sicherheitslücke. Die keltorömische Bevölkerung war durch die Einfälle der keltischen Pikten aus Schottland beunruhigt. So warb der britische "König" Guorthigirn (auch Vortigern, lat. Vertigernus, angelsächsisch Wyrtgeorn genannt) um 430 gezielt Angeln, Sachsen und Jüten (die bereits früher an der britischen Küste zu Raubzügen aufgetaucht waren) als Schutztruppen an. Unklar ist aber wie gesagt, ob tatsächlich alle Angeln ihr Ursprungsgebiet verlassen hatten, oder ob ein Teil blieb. Zumindest ist wohl die Oberschicht ausgewandert, darunter auch Nachfahren des legendären Angeln-Königs Offa (nicht zu verwechseln mit dem englischen König Offa von Mercien) aus der Zeit vor der Auswanderung.
Wirtschaft
Die Angeln betrieben Ackerbau, züchteten Vieh und galten als gute Fischer.
Die heutigen Bewohner der Landschaft Angeln werden Angeliter genannt.
Kategorie:Europäische Ethnie
Kategorie:Germanischer Stamm
Angeln (Gebiet)Die Landschaft Angeln (dänisch: Angel) ist ein Gebiet im Nordosten des Bundeslandes Schleswig-Holstein. Sie liegt zwischen der Flensburger Förde und der Schlei. Anders als das südlich gelegene Schwansen ist Angeln von alters her durch kleinere, selbständige Bauernhöfe gekennzeichnet.
Typisch für Angelns Landschaftbild sind daher die vielen relativ kleinen Felder, die mit Knicks voneinander getrennt sind. Die hügelige Landschaft mit ihren kurvenreichen Straßen wird häufig durch kleinere Buchenwälder unterbrochen, sodass diese Kulturlandschaft wie ein natürlicher Landschaftspark wirkt. Die vorübergehende technische Nutzung durch Windräder, die Zersiedelung an den Rändern der Dörfer und die damit einhergehenden Schnellstraßen sind natürlich auch hier für das Landschaftsbild störend.
Größere Orte in Angeln sind (u.a.)
- Kappeln an der Schlei
- Süderbrarup
- Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands
- Gelting
- Glücksburg
Die höchste Erhebung Angelns ist der Scheersberg (71 m), auf dessen Kuppe sich eine alte nordgermanische Thingstätte befand.
Der Name der Landschaft geht auf den Volksstamm der Angeln zurück, der in der Landschaft Angeln ansässig war. Ab etwa 200 wanderte ein Großteil der Angeln nach Britannien aus und siedelte dort in East Anglia. Nach 600 siedelten sich Jüten und Dänen (Wikinger) auf der Halbinsel an, was heute noch an den Ortsnamen in Angeln und im übrigen Südschleswig deutlich wird, so enden viele Ortsnamen auf -by und -rup, was übersetzt Dorf heißt. Noch heute bekennen sich viele Angelner zur dänischen Minderheit.
Angeln ist bekannt für seine Viehzucht und seine besonderen Nutztierrassen. So stammen das Angler Rind und das Angler Sattelschwein aus Angeln.
Sprachen
Die wichtigsten Sprachen in Angeln sind Hochdeutsch, Niederdeutsch in einer besonderen Variante und Dänisch. Der alte angeldänische Dialekt starb im 19. Jahrhundert aus, hat sich jedoch in zahlreichen Ortsnamen erhalten.
Bücher über Angeln
- Hans Nicolai Andreas Jensen: Angeln : Zunächst für die Angler historisch beschrieben, S. 432, Flensburg: Andersen 1844. ISBN 3921361001
- Erich Thiesen: Das neue Angelnbuch, S. 160, Neumünster: Wachholtz 2001. ISBN 3-529-06183-2
siehe auch
- Angler Muck
Kategorie:Region in Schleswig-Holstein
Kategorie:Südschleswig
Kategorie:Dänemark
Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein ist das nördlichste Land der Bundesrepublik Deutschland. Die Landeshauptstadt ist Kiel. Mit einer Fläche von 15.761,4 km² ist Schleswig-Holstein das kleinste Flächenland nach dem Saarland. Schleswig-Holstein grenzt im Norden mit der Bundesgrenze an Dänemark, im Süden an die Bundesländer Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
Geografie
Schleswig-Holstein stellt in Norddeutschland geographisch den südlichen Teil der Halbinsel Jütland dar und ist eingeschlossen zwischen der Nordsee im Westen, der Ostsee und Mecklenburg-Vorpommern im Osten, Hamburg und Niedersachsen im Süden und Dänemark im Norden. Die Küstenlinie des Landes hat einen Anteil von 3,2 % an der gesamten europäischen Küstenlinie.
Die Landschaft Schleswig-Holsteins gliedert sich von West nach Ost in die Marsch, die Geest und das Östliche Hügelland. Größter Fluss ist die Eider, höchste Erhebung der Bungsberg (168 m). Die Ostküste gliedert durch Förden und Buchten das Land in die Landschaften Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld und die Halbinsel Wagrien.
Historisch-politisch besteht Schleswig-Holstein seit über 1.000 Jahren aus den beiden Landesteilen Schleswig und Holstein; die Grenze zwischen den beiden Gebieten wird durch die Flüsse Eider und Levensau markiert, sie bildeten bis 1806 bzw. 1864 auch die Nordgrenze des Heiligen Römischen Reiches bzw. des Deutschen Bundes. Hinzu kommen das Herzogtum Lauenburg (seit dem Kieler Frieden 1815) und die Hansestadt Lübeck, die Schleswig-Holstein im Tausch für die holsteinischen Städte Altona und Wandsbek, die 1937 Hamburg im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes zugeschlagen wurden, zugeteilt wurde.
Das Land beherbergt mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer den größten Nationalpark Mitteleuropas. Insgesamt wurden in den letzten 80 Jahren durch Landesverordnungen insgesamt 189 Naturschutzgebiete und 275 Landschaftsschutzgebiete festgelegt. Ohne den Nationalpark nehmen die Gebiete 2.000 km² ein, wovon etwa 1.600 km² Meer- oder Wattgebiete sind. Oft betreuen Naturschutzverbände die Gebiete aufgrund eines Vertrages mit dem Land. Zusätzlich bestehen fünf Naturparke, von denen jedoch keiner Meeres- oder Küstengebiete einschließt.
Siehe auch: Liste der Gewässer in Schleswig-Holstein, Liste der Erhebungen in Schleswig-Holstein
Bevölkerung
In Schleswig-Holstein leben 2,82 Millionen Einwohner, die Bevölkerungsdichte von 179 Einwohnern/km² ist die sechstdünnste in Deutschland. In Schleswig-Holstein lebt sowohl eine dänische (im Landesteil Südschleswig) als auch eine friesische (vor allem an der nördlichen Nordseeküste) Minderheit.
Der Altersaufbau und die Geschlechterverteilung entspricht weitgehend der in der gesamten Bundesrepublik. 45,7 % der Frauen sind verheiratet, 12,9 % verwitwet und 6,4 % geschieden. Bei den Männern sind es 47,7 %, 2,6 % und 5,4 %.
Die Bevölkerungsdichte ist ungleichmäßig verteilt. Neben den kreisfreien Städten ist das Hamburger Umland, insbesondere die Kreise Pinneberg und Stormarn dicht besiedelt, der Landesteil Südschleswig und der Kreis Dithmarschen dagegen sehr dünn.
Sowohl aufgrund der abgeschiedenen geographischen Lage als auch aufgrund der eher schwachen Wirtschaftsentwicklung hat Schleswig-Holstein den niedrigsten Anteil von Ausländern eines der westdeutschen Länder. (1994: 5,1 %). Von den 140.000 hier lebenen Ausländern kommen gut drei Viertel aus Europa, davon 22 % der gesamten Ausländer aus den alten Ländern der Europäischen Union. Die größte Gruppe aller Ausländer stellen (1999) mit 42.000 Türken und die zweitgrößte mit 14.000 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Einer Umfrage zufolge sind die Bewohner Schleswig-Holsteins mit ihrem Bundesland zufriedener als alle anderen Bundesbürger.
Geschichte
Mittelalter und früher
Von der Bronzezeit bis zur Völkerwanderung entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein mit den Nord- und Westgermanen zwei Sprach- und Völkergruppen. Zwischen 768 und 811 kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen dem christlichen Kaiser Karl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen. 811 wurde in einem Friedensvertrag die Eider als staatsrechtliche Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgeschrieben, die zwar mit der Zeit an tatsächlicher Bedeutung als Trennungslinie verlor, aber bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 bzw. bis 1864 rechtlich fortbestand. Ab 1111 wuchs beiderseits der Eider die Eigenständigkeit, aus denen die Herzogtümer Schleswig und Holstein (damals noch als Grafschaft) hervorgingen. Zugleich wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Verbindungen geknüpft. Im frühen 13. Jahrhundert versuchte der dänische König, auch Holstein in sein Reich zu integrieren, er scheiterte aber nach anfänglichen Erfolgen in der Schlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. 1386 zeigten sich die beiden Gebiete erstmalig vereint im Wappen. Im Einzelnen war dann die Territorialgeschichte Holsteins durch zahlreiche Erbteilungen und Heimfälle sehr verwickelt. 1460 wählten der Adel und das Bürgertum nach dem Aussterben der Schauenburger den dänischen König Christian I., der aus dem deutschen Haus Oldenburg kam, zum Landesherrn, wodurch Schleswig-Holstein entstand. Diese Personalunion mit Dänemark hielt bis 1864: Der dänische König regierte Schleswig und Holstein also nicht in seiner Eigenschaft als König, sondern als Herzog der beiden Gebiete.
19. Jahrhundert bis heute
Der im 19. Jahrhundert sowohl in Dänemark wie auch in Deutschland aufkommende Nationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sogenannten Elbherzogtümer, der in zwei Kriegen mündete. Umstritten war dabei nicht das rein deutsch besiedelte Holstein, das ja seit dem frühen Mittelalter zu Deutschland gehörte und lediglich vom dänischen König regiert wurde, sondern das Herzogtum Schleswig: Sowohl in Deutschland wie in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen ganz beansprucht, obwohl es in einen dänischen Norden und einen deutschen Süden geteilt war. 1848 übernahmen dann in Kopenhagen die Eiderdänen das Ruder, die versuchten, Schleswig verfassungsmäßig in das dänische Reich zu integrieren. Im Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848–1851 versuchten hingegen die mehrheitlich deutsch gesinnten Schleswig-Holsteiner zunächst noch vergeblich, die dänische Oberhoheit zu beenden; auch Schleswig sollte Mitglied des Deutschen Bundes werden und vereint mit Holstein ein souveräner Staat unter Regierung des Herzogs von Augustenburg werden.
Zunächst wurden die deutschen Schleswig-Holsteiner dabei von der Paulskirchenversammlung unterstützt, doch bald zogen sich die preußischen Armeen und die Bundestruppen zurück und überließen die Kieler Regierung ihrem Schicksal. Der dänische Sieg bei Idstedt beendete vorerst die Hoffnungen auf Loslösung, der status quo ante wurde wiederhergestellt – auch auf internationalen Druck. Die Trennung von der dänischen Krone gelang dann im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, in dessen Folge Schleswig-Holstein zunächst unter eine gemeinsame Verwaltung durch Preußen und Österreich kam – im Gegensatz zu den ursprünglichen Zielen der Schleswig-Holsteiner wurden die Herzogtümer also nicht unabhängig. Nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch, wie z. B. die Insel Lyö und die Stadt Ripen; dafür gab die dänische Krone ihre Ansprüche auf einige Gebiete und Inseln (vor allem in Friesland) auf, die nicht zu Schleswig gehört hatten. Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Schleswig-Holstein 1867 als Ganzes eine preußische Provinz und damit 1871 Teil des Deutschen Reiches. Die Schleswig-Holsteinische Frage war ein zentraler Aspekt der Politik Bismarcks, die schließlich zur Reichseinigung 1871 führte.
Abgeschlossen wurde die völkerrechtliche Auseinandersetzung mit Dänemark jedoch erst 1920, als unter dem Druck und der Aufsicht der Siegermächte des Ersten Weltkriegs die im Vertrag von Wien 1864 zugesagte Volksabstimmung in den nördlichen Teilen Schleswigs stattfand. Deutschland musste als Verlierer des Krieges einen ungünstigen Zuschnitt der Stimmbezirke akzeptieren, was unter anderem zum Verlust der überwiegend deutschsprachigen Städte Apenrade, Hadersleben und Tondern führte (siehe auch Nordschleswig). Der mittlere der drei Stimmbezirke (mit Flensburg) war besonders hart umstritten und entschied sich dann für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. 1955 kam es dann zu einer endgültigen Einigung zwischen Dänemark und Deutschland, die insbesondere den Status und die Sonderrechte der jeweiligen Minderheit regelte. Trotz kleinerer Streitigkeiten leben Deutsche und Dänen nun seit Jahrzehnten friedlich miteinander.
Während der späten Zwanziger Jahre war Schleswig-Holstein, insbesondere das an der Westküste gelegenen Dithmarschen eine der Hochburgen des Nationalsozialismus. Die Blutnacht von Wöhrden wurde von der nationalsozialistischen Bewegung deutschlandweit zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Bereits 1930 konnte die NSDAP in dieser Gegend gut 70 % der Wählerstimmen für sich verbuchen. 1938 brannten auch in Schleswig und Holstein – etwa in Kiel – die Synagogen; es gab auch einige kleinere Konzentrationslager.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleswig-Holstein Hauptansiedlungsgebiet für Vertriebene und Hamburger Ausgebombte. Die Bevölkerungszahl, die 1939 noch 1,6 Millionen Einwohner betragen hatte, stieg bis 1949 auf 2,7 Millionen Einwohner.
Nach dem Krieg entstand am 23. August 1946 durch alliierten Beschluss zunächst das „selbständige Land Schleswig-Holstein“. Bundesland wurde Schleswig-Holstein mit der 1949 vom ersten gewählten Landtag verabschiedeten Landessatzung, die am 12. Januar 1950 in Kraft trat. Erst die nach der Verfassungsreform am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedete Verfassung trug auch den Namen Landesverfassung.
Siehe auch: Geschichte der deutschen Bundesländer
Den größten Skandal der Nachkriegsgeschichte stellte die Barschel-Affäre 1987/88 dar. Dieser Skandal erfuhr dann 1993 noch eine Fortsetzung mit der Schubladen-Affäre.
Zuletzt rückte Schleswig-Holstein in den Mittelpunkt des Interesses, als im März 2005 die Wiederwahl von Heide Simonis zur Ministerpräsidentin spektakulär im Landtag scheiterte, was zu einer Großen Koalition in Kiel führte und vielfach auch als bundespolitisches Signal gesehen wurde.
Literatur
- Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Neumünster (Wachholtz) 2003, ISBN 3-529-02440-6
- Jürgen H. Ibs/Eckart Dege/Henning Unverhau (Hrsg.): Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Bd. I–III. Neumünster (Wachholtz)
Hoheitszeichen
Flagge
Die Landesflagge besteht aus drei horizontalen Streifen. Der obere Streifen ist blau, der mittlere weiß und der untere rot. Die Farben sind aus dem Landeswappen genommen und sollen 1840 zum ersten Mal aufgetaucht sein, als es Abspaltungsversuche der Herzogtümer Schleswig und Holstein von der dänischen Herrschaft gab. Im Jahre 1949 wurde die Flagge offiziell von den Alliierten anerkannt.
Die Dienstflagge enthält im Gegensatz zur Landesflagge das Landeswappen. Bei offizieller Beflaggung wird die Dienstflagge gehisst.
Die Dienstflagge darf nur von den entsprechenden Behörden benutzt werden, die Landesflagge dagegen kann von jedermann frei benutzt werden.
Schiffe führen eine Erkennungflagge in den Farben der Landesflagge.
Wappen
Das Wappen Schleswig-Holsteins zeigt nach Landesgesetz auf goldenem Grund zwei blaue, nach innen gewandte, rot bewehrte, übereinander schreitende Löwen und ein silbernes Nesselblatt, wobei die Löwen den Landesteil Schleswig, das Nesselblatt Holstein symbolisiert. Im Gegensatz zu den „normalen“ Schleswiger Löwen, die auf den Kreis-/Stadtwappen nach links sehen, sehen die Löwen im Landeswappen nach rechts. Angeblich beruht dies auf einem Erlass Otto von Bismarcks aus den 1880er Jahren, da es „unhöflich“ von den Löwen wäre, dem Nesselblatt den Hintern zuzuwenden.
Das Wappen darf nur von offiziellen Stellen verwendet werden. Jedoch hat die Landesregierung vor kurzer Zeit ein vereinfachtes Wappen herausgegeben, das frei verwendbar ist.
Hymne
Das Schleswig-Holstein-Lied heißt offiziell „Wanke nicht mein Vaterland“, der umgangssprachliche Name ist jedoch „Schleswig-Holstein meerumschlungen“. Den Text hat Matthäus Friedrich Chemnitz verfasst, die Melodie ist von Carl Gottlieb Bellmann
Siehe auch: Schleswig-Holstein meerumschlungen
Sprachen
Es gibt vier offizielle Landessprachen: die Niedersächsische Sprache (Plattdeutsch), die Friesische Sprache, die Dänische Sprache sowie natürlich Deutsch. Die Niedersächsische Sprache gilt als Regionalsprache, Dänisch und Friesisch als Minderheitensprachen. Daneben existiert noch Plattdänisch ("Synnejysk") als nichtoffizielle Sprache, die jedoch sowohl südlich wie auch nördlich der Grenze am Verschwinden ist.
Zur Anwendung kommen Dänisch und Friesisch allerdings hauptsächlich nur im Schleswiger Landesteil. Im Kreis Nordfriesland finden sich auch zweisprachige Ortsschilder, so wird dem Besucher von Niebüll die Stadt auch als Naibel angekündigt.
Der Südosten des Landes war bis ins 12. Jahrhundert von slawischen Völkern besiedelt, was sich heute noch an einigen slawischstammigen Ortsnamen erkennen lässt (z. B. Lübeck, Eutin, Preetz, Ratzeburg)
Siehe auch: Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein
Religion
Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein ist ein protestantisch geprägtes Land. 2000 gehörten 63,8 % der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen Kirche an, 6,1 % waren 2003 römisch-katholisch. 25.000 Schleswig-Holsteiner bekennen sich zum Islam. Die evangelischen Freikirchen zählen etwa 15.000 Mitglieder, die dänische Kirche in Südschleswig umfasst etwa 6.000 Mitglieder und ungefähr 1.800 Bewohner des Landes sind Juden.
Die evangelische Kirche gehört zur Nordelbischen Kirche und wird von den drei Bischofssitzen Hamburg, Holstein-Lübeck und Schleswig aus betreut. Schleswig-Holstein gehört zum Erzbistum Hamburg der Römisch-Katholischen Kirche.
Verwaltungsgliederung
Erzbistum Hamburg
Schleswig-Holstein erfuhr 1970/71 eine Gebietsreform. Die Zahl der Landkreise wurde von 17 (siehe preußische Provinz Schleswig-Holstein) auf 11 gesenkt, die Zahl der Gemeinden sank mittelfristig von 1.371 (1959) auf 1.131 (1994) und die bisher 199 Ämter wurden in jetzt 119 Ämter zusammengefasst. Gleichzeitig wurde die Fläche der vier kreisfreien Städte erheblich erweitert.
Schleswig-Holstein bestand am 31. Dezember 2002 aus insgesamt 11 Landkreisen und 1.130 Gemeinden. Von diesen Gemeinden haben 1.019 weniger als 2.000 Einwohner und werden deshalb von einem ehrenamtlichen Bürgermeister verwaltet. 62 Gemeinden besitzen das Stadtrecht. Stadtrecht kann eine Gemeinde erhalten, die mindestens 10.000 Einwohner besitzt, Städte die dieses aus alter Zeit haben, verlieren es aber nicht. In diesen Städten leben 1,5 Millionen der etwa 2,7 Millionen Einwohner des Landes. Der Kreis Pinneberg ist mit 290.000 Einwohner der bevölkerungsreichste des Landes, der Kreis Rendsburg-Eckernförde mit 2.400 km² der größte und damit fast so groß wie das Saarland. Einige Kreise in der Metropolregion Hamburg diskutieren den Zusammenschluss zu einem großen Hamburger Umlandkreis. Auch auf Landesebene gibt es im politischen Raum Überlegungen, die Zahl der Landkreise auf sechs bis vier und die Zahl der kreisfreien Städte auf zwei oder keine zu reduzieren.
Kreise
Metropolregion Hamburg
Kreisfreie Städte
(in Klammern die Kfz-Kennzeichen)
Es gibt Überlegungen seitens der Stadt Neumünster, sich zwecks Kosteneinsparungen dem Kreis Segeberg anzuschließen.
Siehe auch [http://www.abendblatt.de/daten/2004/09/22/343707.html Artikel im Hamburger Abendblatt]
Städte und Gemeinden
Metropolregion Hamburg
Metropolregion Hamburg
Größte Städte und Gemeinden
Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine große Zahl von Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern änderte daran auch die durchgeführte Gebietsreform nichts. 1.026 kleinere Gemeinden sind in 119 Ämtern zusammengefasst, um die Verwaltungsaufgaben effektiver zu gestalten (Stand: 31. Dezember 2002).
So ist Arnis mit seinen 365 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands.
Wiedenborstel ist die kleinste eigenständige Gemeinde Deutschlands. Sie besteht aus einem Haus und hatte in den letzten Jahren zwischen zwei und sieben Einwohnern.
Siehe auch: Liste der Orte in Schleswig-Holstein.
Regionen
- Angeln
- Dänischer Wohld
- Dithmarschen
- Eiderstedt
- Holsteinische Schweiz
- Lauenburg
- Nordfriesland
- Probstei
- Schwansen
- Stormarn
- Wagrien
Staatsaufbau
Verfassung
Schleswig-Holstein ist laut Artikel 1 seiner Verfassung vom 12. Januar 1950 ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Das Land besitzt die modernste Verfassung der alten Bundesländer. In Folge der Barschel-Affäre 1987 wurden vom Untersuchungsausschuss strukturelle Änderungen angeregt. Eine eingesetzte Enquete-Kommission erstellte Vorschläge zu einer Verfassungs- und Parlamentsreform und legte 1989 ihren Schlussbericht vor. Daraufhin wurde die Verfassung geändert und auch von Landessatzung in Landesverfassung umbenannt. Sie wurde am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedet. Die Verfassung enthält seitdem auch Staatszielbestimmungen, z. B. den Minderheitenschutz der friesischen Volksgruppe und der dänischen Minderheit im Land (Art. 5), die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau (Art. 6), den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 7) oder Schutz und Förderung der Kultur (Art. 9).
Im Vergleich zu anderen deutschen Landesverfassungen hat die Verfassunge weitreichende Elemente der direkten Demokratie. Wie in allen anderen deutschen Ländern geht die Staatsgewalt vom Volke aus, das heißt, das Volk bekundet seinen Willen in Wahlen und Abstimmungen im Lande, in den Gemeinden und den Gemeindeverbänden.
Die Verfassung verliert vorbehaltlich anderweitiger bundesgesetzlicher Regelung ihre Geltung an dem Tag, an dem eine Neugliederung des Bundesgebietes in Kraft tritt.
Landtag
Neugliederung
Der Landtag ist das vom Volk gewählte oberste Organ der politischen Willensbildung und führt somit die legislative Gewalt aus. Der Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten. Außerdem kontrolliert er mit der Rechtsprechung die ausführende Gewalt. Der Landtag besteht in der Regel (ohne Überhangmandate) aus 75 Abgeordneten (siehe Tabelle). Sie werden nach einem Verfahren gewählt, das die Persönlichkeitswahl mit den Grundsätzen der Verhältniswahl verbindet. Ab der 16. Wahlperiode wird der Landtag aus 69 Abgeordneten bestehen.
Landesregierung
Die Landesregierung ist im Bereich der vollziehenden Gewalt oberstes Leitungs-, Entscheidungs- und Vollzugsorgan. Sie besteht aus der Ministerpräsidentin oder dem Ministerpräsidenten und den Landesministerinnen und Landesministern.
Die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident wird vom Landtag ohne Aussprache gewählt. Sie oder er beruft und entlässt die Landesministerinnen und Landesminister und bestellt aus diesem Kreis für sich eine Vertreterin oder einen Vertreter.
Zur Ministerpräsidentin oder zum Ministerpräsidenten ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Landtages auf sich vereinigt (Absolute Mehrheit).
Erhält im ersten Wahlgang niemand diese Mehrheit, so findet ein neuer Wahlgang statt. Kommt die Wahl auch im zweiten Wahlgang nicht zustande, so ist gewählt, wer in einem weiteren Wahlgang die meisten Stimmen erhält.
Rechtsprechung
Die rechtsprechende Gewalt ist den Richterinnen und Richtern anvertraut; sie wird im Namen des Volkes ausgeübt. Die Richterinnen und Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.
Die Gerichtsstruktut in Schleswig-Holstein war und ist vergleichsweise gering ausgebaut. Ein eigenes Oberverwaltungsgericht wurde erst 1991 mit dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht in Schleswig eingerichtet. Bis dahin war das OVG Lüneburg in Niedersachsen gem. § 3 Abs. 2 VwGO auch für das Land Schleswig-Holstein zuständig.
Schleswig-Holstein verfügt noch immer als einziges Bundesland über keine eigene Verfassungsgerichtsbarkeit. Auch im Rahmen der Verfassungsreform von 1990 wurde vorläufig weiterhin auf ein eigenes Landesverfassungsgericht verzichtet. Stattdessen weist Art. 44 der Landesverfassung dem Bundesverfassungsgericht die Stellung als Verfassungsgericht für das Land Schleswig-Holstein zu, wobei jedoch keine Landesverfassungsbeschwerde ermöglicht wird.
Im November 2004 wurde, wie auch schon Ende der 90er Jahre, im Schleswig-Holsteinischen Landtag über die Einrichtung eines Landesverfassungsgerichts diskutiert. Gründe für diese Überlegung sind z. B., dass selbst Entscheidungen über die Zulässigkeiten von Volksinitiativen erst Jahre nach deren Abstimmungen im Landtag fallen, oft dann schon in der nächsten Legislaturperiode. Auch seien Richterinnen und Richter aus Schleswig-Holstein in den Bundesgerichten unterrepräsentiert. Das Bündnis 90/Die Grünen sprach sich für eine Schaffung eines solchen Gerichts unter Einsatz von nebenamtlichen Richtern und organisatorischer Anbindung an ein bestehendes Gericht aus. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vom 16. April 2005 sieht nun vor, ein Landesverfassungsgericht zu schaffen, bei dem auch die richterlichen Mitglieder ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausüben (Punkt 7.b.). Dies wird wohl auf eine Anbindung an das OVG in Schleswig hinauslaufen.
Direkte Demokratie
Initiative aus dem Volk
Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, den Landtag im Rahmen seiner Entscheidungszuständigkeit mit bestimmten Gegenständen der politischen Willensbildung zu befassen. Einer Initiative kann auch ein mit Gründen versehener Gesetzentwurf zugrunde liegen; er darf den Grundsätzen des demokratischen und sozialen Rechtsstaates nicht widersprechen. Die Initiativen müssen von mindestens 20.000 Stimmberechtigten unterzeichnet sein. Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben das Recht auf Anhörung.
Initiativen über den Haushalt des Landes, über Dienst- und Versorgungsbezüge sowie über öffentliche Abgaben sind jedoch unzulässig.
Volksbegehren
Stimmt der Landtag dem Gesetzentwurf oder der Vorlage innerhalb einer Frist von vier Monaten nicht zu, so sind die Vertreterinnen und Vertreter der Volksinitiative berechtigt, die Durchführung eines Volksbegehrens zu beantragen.
Der Landtag entscheidet nun, ob das beantragte Volksbegehren zulässig ist.
Ein Volksbegehren ist dann zustande gekommen, wenn mindestens 5 % der Stimmberechtigten innerhalb eines halben Jahres dem Volksbegehren zugestimmt haben.
Volksentscheid
Ist ein Volksbegehren zustande gekommen, so muss innerhalb von neun Monaten über den Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ein Volksentscheid herbeigeführt werden. Der Landtag kann einen eigenen Gesetzentwurf oder eine andere Vorlage zur gleichzeitigen Abstimmung stellen. Ein Volksentscheid findet nicht statt, wenn der Landtag das Gesetz schon verabschiedet hat, so dass ein Volksentscheid überflüssig geworden ist und wenn das Bundesverfassungsgericht auf Antrag des Landtages oder der Landesregierung das Volksbegehren als verfassungswidrig eingestuft hat.
Der Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten, zugestimmt hat. Eine Verfassungsänderung durch Volksentscheid bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens die Hälfte der Stimmberechtigten. In der Abstimmung zählen nur die gültigen Ja- und Nein-Stimmen.
Gesetzgebung
Die Gesetzentwürfe werden von der Landesregierung oder von einzelnen oder mehreren Abgeordneten des Landtages oder durch Initiativen aus dem Volk eingebracht. Die Gesetze werden durch den Landtag oder durch Volksentscheid beschlossen.
Gesetze die die Verfassung ändern bedürfen der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Landtages sowie der Zustimmung des Volkes. Außerdem müssen sie den Wortlaut des ändernden Verfassungstextes ausdrücklich ändern und ergänzen.
Politik
In der Bundesrepublik besitzt Schleswig-Holstein als ebenso ländlich wie protestantisch geprägtes Land keine ausgeprägten Stammwähler einer der großen Parteien. In der Nachkriegszeit konnte der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten fast 25 % der Wähler hinter sich bringen. Mit dem Abgleiten in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit verlor er aber auch hier seine Wähler. In den sechziger Jahren (NPD) und in den neunziger Jahren (DVU) konnten rechtsextreme Parteien Wahlerfolge bei Landtagswahlen verbuchen, diese aber nicht wiederholen. Eine Besonderheit in der Parteienlandschaft Schleswig-Hosteins ist der Südschleswigsche Wählerverband, der die Interessen der dänischen und friesischen Minderheit vertritt. Er ist bei Landtagswahlen von der 5%-Hürde nach Wahlgesetz für den Landtag von Schleswig-Holstein [http://www.landesregierung-sh.de/landesrecht/111-1.htm#3 § 3 Abs. 1 Satz 2] ausgenommen.
Landesregierung
Die Regierung wird seit 27. April 2005 von einer großen Koalition aus CDU und SPD getragen:
- Peter Harry Carstensen (CDU), Ministerpräsident;
zu seinem Kabinett gehören:
- Ute Erdsiek-Rave (SPD), Ministerin für Bildung und Frauen und zugleich Stellvertreterin des Ministerpräsidenten,
- Rainer Wiegard (CDU), Minister für Finanzen,
- Dr. Ralf Stegner (SPD), Innenminister,
- Uwe Döring (SPD), Minister für Justiz, Arbeit und Europa,
- Dr. Christian von Boetticher (CDU), Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume,
- Dr. Gitta Trauernicht (SPD), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren, und
- Dietrich Austermann (CDU), Minister für Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Verkehr.
Ehemalige Ministerpräsidenten
Die Ministerpräsidenten ab 1945:
- 1945–1947: Theodor Steltzer (1945/46 als Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein)
- 1947–1949: Hermann Lüdemann, SPD
- 1949–1950: Bruno Diekmann, SPD
Die Ministerpräsidenten seit der Verfassung von 1950
- 1950–1951: Walter Bartram, CDU
- 1951–1954: Friedrich-Wilhelm Lübke, CDU
- 1954–1963: Kai-Uwe von Hassel, CDU
- 1963–1971: Helmut Lemke, CDU
- 1971–1982: Gerhard Stoltenberg, CDU, siehe Liste der Ehrenbürger Schleswig-Holsteins
- 1982–1987: Uwe Barschel, CDU
- 1987–1988: Henning Schwarz, (2. Oktober–31. Mai; kommissarisch)
- 1988–1993: Björn Engholm, SPD
- 1993–2005: Heide Simonis, SPD (siehe auch: Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005)
Wirtschaft und Verkehr
Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005
Wirtschaft
Schleswig-Holstein ist traditionell ein strukturschwaches Land mit nur zwei Großstädten, Kiel und Lübeck. Verhältnismäßig viele Einwohner arbeiten weiterhin in der Landwirtschaft. Produzierende Industrie entwickelte sich hier relativ spät und wurde schon früh wieder vom einsetzenden Strukturwandel betroffen. Auch die Wiedervereinigung von 1990, durch die Schleswig-Holstein vom Nehmer- zum Geberland im Länderfinanzausgleich wurde, hatte ökonomisch ungünstige Folgen. Auch der Abbau von Bundeswehr und Marine traf die Wirtschaft des Bundeslandes besonders hart.
Wirtschaftlich lassen sich drei Großräume unterscheiden: das prosperierende Hamburger Umland in der Metropolregion Hamburg, auch Speckgürtel genannt (mit Maschinenbau und Dienstleistungen), die Westküste (Landwirtschaft, Tourismus in Schleswig-Holstein, Windenergie) und die großen Städte an der Ostküste. In den letzten Jahren gewinnt der Seehandel mit dem Ostseeraum wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen dabei die Jütlandlinie und die Vogelfluglinie wie auch der Lübecker Hafen als Wege nach Skandinavien, Finnland, Russland und das Baltikum.
In Schleswig-Holstein sind zwei Drittel der gesamten deutschen Fischereiflotte stationiert. Rund ein Viertel der deutschen Reedereien sind im Land angesiedelt; etwa 20 % des deutschen Umsatzes im Schiffbau werden hier erwirtschaftet. Vor allem die Werft HDW in Kiel ist auch international erfolgreich.
Schleswig-Holstein hat an drei Standorten Atomkraftwerke, in Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel.
Der Tourismus in Schleswig-Holstein spielt eine weit größere Bedeutung als in den meisten anderen Bundesländern. In der Tourismusindustrie erwirtschafteten im Jahr 2002 etwa 80.000 Beschäftigte einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro. Der Beitrag des Tourismus zum Volkseinkommen betrug damit 4,6 % im Gegensatz zum Bundesschnitt von 2,8 %.
Verkehr
Wichtige Autobahnen, die durch das Land gehen, gehen alle von Hamburg aus. Es sind die Bundesautobahn 1 nach Lübeck und weiter über die Vogelfluglinie mit der Öresundregion Kopenhagen/Malmö verbindend, die Bundesautobahn 7 über Neumünster und Rendsburg nach Flensburg mit einem Abzweig nach Kiel und die Bundesautobahn 23 nach Heide mit Anschluss nach Husum und die Nordfriesischen Inseln. Die im Bau befindliche Bundesautobahn 20 führt bisher von Lübeck an die Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste und soll irgendwann bei Glückstadt die Elbe queren. Die Bundesautobahn 24 verbindet die Metropolregion Hamburg mit der Metropolregion Berlin/Brandenburg.
Eisenbahnverbindungen gibt es ebenfalls von Hamburg aus nach Kiel, Lübeck, Flensburg und die Marschbahn nach Westerland auf Sylt. Bis Kiel und Neumünster verkehren auch ICEs. Von Bedeutung war lange Zeit auch die Eisenbahnfähre von Fehmarn nach Lolland im Verlauf der Vogelfluglinie. Das gut entwickelte Überland-Omnibus-Netz Schleswig-Holsteins wird im wesentlichen von der Autokraft GmbH betrieben.
Das Land hat insgesamt 46 öffentliche Häfen und Anlegestellen, von denen vier überregionale Transitfunktionen erfüllen: Kiel, Lübeck/Travemünde und Puttgarden an der Ostsee, Brunsbüttel an der Nordsee. Kiel und Lübeck sind ebenso für den Güterverkehr nach Skandinavien sowie zunehmend nach Osteuropa wichtig. Kiel ist zudem ein wichtiger Fährhafen. Puttgarden ist der deutsche Hafen der Vogelfluglinie nach Dänemark. Brunsbüttel ist ein wichtiger Hafen für Massengüter und entwickelt sich derzeit außerdem zu einer bedeutenden Basis für die Offshore-Windenergieindustrie. Der Nord-Ostsee-Kanal ist mit etwa 40.000 Schiffsbewegungen jährlich die am meisten genutzte künstliche Wasserstraße der Welt.
Flugverkehr: Flughäfen gibt es u. a. in Kiel und Lübeck. Der letztere ist auch für den Tourismus im Land von Bedeutung. Es gibt Flugplätze u. a. in Flensburg, Sonderlandeplätze auf den Inseln Helgoland,Sylt und Fehmarn.
Bildung
Schleswig-Holstein verfügt über drei Universitäten, wobei nur die 1665 gegründete Christian-Albrechts-Universität in Kiel eine Volluniversität ist. Ferner gibt es im Land eine Kunsthochschule, eine Musikhochschule, vier Fachhochschulen und eine Verwaltungsfachhochschule. Insgesamt studierten im Wintersemester 2003/2004 in Schleswig-Holstein 45.542 Personen, davon 26.510 an Universitäten und 16.973 an Fachhochschulen.
Im Schuljahr 2001/2002 besuchten 36,6 % der Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Grundschule, 20,8 % ein Gymnasium, 18,6 % eine Realschule, 13,3 % eine Hauptschule, 4,8 % eine Gesamtschule und 3,7 % eine Sonderschule. Weiterhin gibt es Freie Waldorfschulen (1,3 % der Schüler), Schulkindergärten (0,4 %), Abendrealschulen (0,2 %) und Abendgymnasien (0,1 %).
Kultur
Die Kultur Schleswig-Holsteins ist durch den niederdeutschen, dänischen und friesischen Einfluss vielfältig. Sie ist geprägt von landschaftlichen Faktoren, wie den beiden Meeren und der bäuerlichen Kultur. Besonders im Norden des Landes ist der skandinavische Einfluss in der Architektur und Wohnkultur erkennbar.
Siehe auch: Liste historischer Orte in Schleswig-Holstein
Sport
Durch die Küsten ist der Wassersport ebenso populär, wie das Angeln. Schleswig-Holstein beheimatet zwei Handballvereine, die regelmäßig an der Spitze der Bundesliga spielen: THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt. Bekannt sind auch die Fußballvereine VfB Lübeck und der KSV Holstein Kiel, der 1912 Deutscher Fußballmeister war. Kiel ist historisch eine traditionsreiche Stätte des Boxsports und eine der Weltmetropolen des Segelns, anerkannt durch die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1936 und 1972. Mit der Kieler Woche und der Travemünder Woche ist das Land Ausrichter von zwei der größten und traditionsreichen Segelwettbewerbe der Welt. Insgesamt sind im Land in 230 Vereinen etwa 32.000 Segler organisiert. Sylt und Fehmarn sind das Mekka vieler Surfer, außerdem lädt das Land zum Wandern und Radfahren ein. Aus der Ruder-Stadt Ratzeburg kam und kommt der Deutschlandachter.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Schleswig-Holstein Musik Festival
- Kieler Woche
- Travemünder Woche
- E.ON Hanse-Cup
- Nordische Filmtage Lübeck
- Karl-May-Festspiele
- NORLA (Landwirtschaftsmesse)
Siehe auch: Tourismus in Schleswig-Holstein
Ehrenbürger
Vier Personen wurden Ehrenbürger von Schleswig-Holstein:
- Helmut Schmidt, 1998, früherer deutscher Bundeskanzler, MdB,
- Uwe Ronneburger, 2000, früherer stv. Bundesvorsitzender und schleswig-holsteinischer Landesorsitzender der FDP, MdB,
- Gerhard Stoltenberg, 2002, früherer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und früherer Bundesminister der Verteidigung und der Finanzen, MdB, und
- Siegfried Lenz, 2004, bekannter deutscher Autor, der einen Teil des Jahres in Tetenhusen bei Rendsburg lebt. Viele seiner Geschichten spielen in Schleswig-Holstein.
Siehe auch: Liste der Persönlichkeiten (Schleswig-Holstein)
Weblinks
-
- [http://www.schleswig-holstein.de/ Schleswig-Holstein.de]
- [http://www.sh-landtag.de/ Der Landtag Schleswig-Holstein]
- [http://landesregierung.schleswig-holstein.de/ Die Landesregierung Schleswig-Holstein]
- [http://www.geschichte.schleswig-holstein.de/ Geschichte des Landes]
- [http://www.statistik-sh.de/ Statistisches Amt für Schleswig-Holstein und Hamburg]
als:Schleswig-Holstein
ja:シュレースヴィヒ=ホルシュタイン州
ko:슐레스비히홀슈타인 주
simple:Schleswig-Holstein
Tacitus
Publius (oder Gaius) Cornelius Tacitus ( - um 55; † nach 115) war ein bedeutender römischer Historiker und Senator.
Leben
Über Tacitus’ (wörtlich: „der Schweigsame“) Leben existieren nur verstreute Zeugnisse von ihm selbst oder von seinen Zeitgenossen, vor allem vom jüngeren Plinius. Seine Familie stammte wahrscheinlich aus einer der römischen Provinzen, vielleicht Gallia Cisalpina oder Gallia Narbonensis. Tacitus begann unter Kaiser Vespasian die typische politische Karriere eines römischen Senators (cursus honorum), die ihren formalen Höhepunkt mit dem Consulat im Jahre 97 und dem Proconsulat der Provinz Asia (auf dem Gebiet der heutigen Türkei) zwischen 112 und 116 erreichte.
Werk
Tacitus galt als einer der bedeutendsten Redner seiner Zeit; der Redekunst widmete er unter stilistischer Anlehnung an Marcus Tullius Cicero, den bedeutendsten Redner der goldenen Latinität, den Dialogus de oratoribus.
Nach dem Konsulat (97) unter Nerva begann er mit der Arbeit an seinen großen Geschichtswerken, die sich vielleicht noch bis in die beginnende Herrschaft des Kaisers Hadrian hinzog. Tacitus schrieb seine Geschichtswerke aus der Perspektive des Senators, der die Zeit der römischen Kaiser von Tiberius bis Domitian danach beurteilte, wie weit sie noch den Idealvorstellungen der römischen Republik entsprach. Seine scharfen und auch sprachlich brillanten Analysen haben das moderne Bild vom römischen Reich im 1. Jahrhundert n. Chr. wesentlich geprägt. Er kritisierte die zeitgenössischen Zustände als Verfallserscheinungen und versuchte dies anhand von bewusst ausgewählten Ausschnitten aus der Geschichte zu belegen. Der subtilen Coloration der Charaktere kam so die Aufgabe zu, dem Leser ein ganz bestimmtes Bild zu vermitteln. Dabei ist zu beachten, dass Tacitus sich zwar der Maxime "sine ira et studio" (lat. "ohne Zorn und Eifer") - also einer objektiven Berichterstattung - verschrieben hatte, dieses Ziel aber oft verfehlt hat; beispielsweise bei der Charakterisierung des Tiberius. Dabei macht sich oft Tacitus' Denken in stereotypen Kategorien bemerkbar.
Die Werke in vermuteter Entstehungsfolge:
- Agricola (De vita Iulii Agricolae) -- Biographie des Feldherrn Gnaeus Iulius Agricola, seines Schwiegervaters, mit einer geographischen Beschreibung Britanniens. (Siehe unter Agricola und Germania).
- Germania (De origine et situ Germanorum) -- Geographie und Kultur der Germanen, teilweise seinen Landsleuten als Gegenbild einer nicht korrupten und dekadenten Gesellschaft vor Augen gehalten. (Siehe unter Agricola und Germania).
- Dialogus de oratoribus -- über den Verfall der Beredsamkeit.
- Historien (Historiae) -- Geschichte des römischen Reiches von Galba (69) bis Domitian (96) (nur teilweise erhalten).
- Annalen (Annales bzw. ab excessu divi Augusti) -- Geschichte des römischen Reiches vom Tod des Augustus (14) bis Nero (68) (etwa zur Hälfte erhalten)
Charakter der taciteischen Historiographie
Tacitus war ein scharfer Kritiker der von Augustus begründeten staatlichen Ordnung des Prinzipats. Als Anhänger der alten Republik (und deren Freiheit - die genau genommen ja vor allem die Freiheit der herrschenden Schicht war) kritisierte er die Alleinherrschaft, die er als ursächlich für den Verfall von Gerechtigkeit und virtus ansah. Geprägt vom Erlebnis der (in dieser Weise zu Unrecht) als Tyrannis empfundenen Herrschaft Domitians (81-96), schilderte er die julisch-claudischen Kaiser von Tiberius bis Nero (Annales) sowie die Flavier Vespasian, Titus und jenen Domitian (Historiae), wobei sich sein Geschichtsbild allmählich verdunkelte: Die Absicht, Zeugnis gegenwärtigen Glücks (testimonium praesentium bonorum) abzulegen, trat in den Hintergrund und wich dem Bestreben, die Erinnerung an frühere Knechtschaft (memoria prioris servitutis) wachzuhalten. In dem Bewusstsein, dass die Zeiten knapp bemessen seien, in welchen man frei seine Meinung äußern könne, geriet ebendies zu seinem Hauptaugenmerk: den Taten der historischen Personen Würdigung oder Schmach zuteil werden zu lassen, wobei Tacitus eben oft in stereotype Denkmuster verfiel: Tiberius ist bei ihm ein durch und durch böser Mensch, wobei Tacitus die Person des Germanicus als Antipode zu Tiberius glorifizierend darstellt. Zur geplanten Schilderung der ihm positiver erscheinenden Zeit unter Augustus, Nerva und Trajan kam es nicht mehr. Offenbar sah Tacitus auch ein, dass es unmöglich war, zu den vom idealisierten Zuständen der res publica libera zurückzukehren.
Tacitus' Geschichtsschreibung ist demnach nicht wie beispielsweise die eines Titus Livius didaktisch-moralisch, sondern eher deskriptiv-moralisch. Er glaubt kaum an eine Besserung der Situation, da die Heilmittel gegen die Laster der Zeit langsam wirkten, zumal die meisten Träger der Tugend (virtus) den Tyrannen zum Opfer gefallen seien und der Rest der Bürgerschaft (civitas) in Lethargie versunken sei.
Tacitus und der Aufstand des Arminius
Tacitus beschrieb in seinen Annalen den Krieg gegen die Germanen eingehend. Von den zeitgenössischen Autoren unterschied sich Tacitus gerade durch seine bittere Kritik am Ausgang des Krieges. Hinsichtlich seiner verwendeten Quellen in Bezug auf die Germanicusfeldzüge sind keine sicheren Angaben möglich. Sowohl Aufidius Bassus als auch Plinius der Ältere wurden als Quellen in Anspruch genommen. Für die Germanicusfeldzüge erlaubt die Darstellung des Tacitus nur bedingt eine sachliche Rekonstruktion der Ereignisse; vor allem die hinter den einzelnen Feldzügen stehenden Ziele und Absichten bleiben unklar.
Der kompositorisch zentrale Aspekt der ersten beiden Bücher der Annalen des Tacitus ist der scharfe Gegensatz zwischen dem Helden Germanicus und dem Tyrannen Tiberius (Parallele zu Tacitus' Schwiegervater Agricola und Domitian). Der Marserfeldzug nach der Niederschlagung der Meuterei der Rheinlegionen (Herbst 14 n. Chr.) wird zum eigentlichen Neubeginn sieg- und ruhmreicher römischer Offensiven gegen das rechtsrheinische Germanien. Auch erzeugt Tacitus die Vorstellung, dass Rom bereits unter Augustus das einzig ehrenvolle Ziel einer expansiven Wiederherstellung der römischen Herrschaft über Germanien (bis an die Elbe) definitiv aufgegeben habe. Für Tacitus - und nur für ihn - begann "der" germanische Krieg im Herbst 14 und endete im Herbst 16. Aus der Natur der Sache ergab sich die Auffassung des Tacitus keineswegs. Die moderne Geschichtsschreibung ist ihm dennoch hierin z. T. gefolgt.
Bewertung
Man muss bei der Betrachtung der Geschichtswerke des Tacitus - die zweifellos stilistisch beeindruckend sind und die annalistisch-historiographische Tradition Roms auf ihren Höhepunkt führten - sehr kritisch verfahren. So baute Tacitus oft auch Hofklatsch mit ein (Annalen, 4,53), was wohl auch auf das Quellenmaterial zurückzuführen ist, das er zur Fertigstellung seiner Werke gesichtet hatte. Auch das Denken in Schwarz-Weiß-Kategorien sollte zur Vorsicht ermahnen. Manche Ereignisse lässt er wegfallen, andere interpretiert er so, dass sie seine Thesen zu untermauern scheinen. Von seinem verlockend klingendem Grundsatz sine ira et studio kann daher nur sehr bedingt die Rede sein.
In der Antike fand Tacitus relativ wenig Beachtung; Ammianus Marcellinus schloss an ihn an, Sidonius Apollinaris hat ihn offenbar gelesen. In der Zeit des Humanismus (15./16. Jh.) wurden die Schriften des Tacitus (v. a. die "Germania", aber auch die Kapitel über Arminius in den "Annalen") nach ihrer Wiederauffindung und Publizierung in Erstdrucken zu einer wichtigen Grundlage des entstehenden deutschen Nationalbewusstseins. Die positive Charakteristik der Germanen durch Tacitus wurde von den deutschen Humanisten begeistert aufgenommen und recht unkritisch und in wörtlicher Übernahme zur Darstellung "des" deutschen Nationalcharakters herangezogen. Auch die Gestalt des Arminius entwickelte sich von da an zum deutschen Nationalhelden und zum Vorkämpfer deutscher Freiheit gegen Rom (vgl. v.a. den "Arminius" des Ulrich von Hutten). In der Zeit der Französischen Revolution wurde er als Vorkämpfer gegen die Unterdrückung gefeiert, später wurde er jedoch teils sehr kritisch betrachtet (Theodor Mommsen).
Literatur
- Peter Horst Herzog: Die Funktion des militärischen Planens bei Tacitus. Der Kriegsrat von Bedriacum im zweiten Buch der Historien als Paradigma für das Verhältnis von Rat und Tat, Frankfurt/a.M. u.a. 1996.
- Ronald Syme: Tacitus, 2 Bde., Clarendon Press, Oxford 1958. Wichtiges Standardwerk.
- Heinz Heubner/Wolfgang Fauth: P. Cornelius Tacitus. Die Historien. Buch 1-5. Kommentar, 5 Bde., Heidelberg 1963-1982.
- Stephan Schmal: Tacitus. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2005, ISBN 3-487-12884-5
Zitate
- Ohne Zorn und blinden Eifer.
- Odium humani generis (= Hass auf das Geschlecht der Menschen): Tacitus warf den Christen u.a. mit diesem Satz generellen Menschenhass vor.
Weblinks
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- [http://www.thelatinlibrary.com/tac.html Werke auf Latein]
- [http://onlinebooks.library.upenn.edu/webbin/book/search?author=tacitus&amode=words Werke in englischer Übersetzung]
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
Tacitus, Cornelius
ja:タキトゥス
ko:타키투스
NerthusNerthus ist eine germanische Gottheit.
Gemäß Tacitus, Germania Kap. 40, wurde die Gottheit Nerthus von den germanischen Stämmen der Avionen, Anglier, Variner, Eudosen, Suardonen und Nuitonen verehrt. Tacitus beschreibt Nerthus als Terra Mater (Mutter Erde), nennt sie aber nicht dea (Göttin), sondern numen (göttliches Wesen).
Auf einer Insel des Ozeans (wohl der Ostsee) gab es in einem heiligen Hain einen bedeckten Wagen, der nur von einem Priester berührt werden durfte. Mit diesem von Kühen gezogenen Wagen soll Nerthus durch das Land gefahren sein. Während dieser Fahrt herrschte bei den Stämmen ein heiliger Friede, der an den ebenfalls von Tacitus überlieferten Frieden bei den Suionen erinnert. Nach der Fahrt wurde der Wagen mit den ihn bedeckenden Tüchern in einem See von Sklaven gewaschen, die anschließend dort ertränkt wurden.
Der Name der offensichtlich mehr oder weniger geschlechtslosen Gottheit wird seit Jacob Grimm oft als mit dem des nordgermanischen Gottes Njörðr (Frau Holle und Frau Perchta seien die nächsten Parallelen und die eigentlichen Spätformen der Nerthus.
Originaltext von Tacitus:
::XL. Contra Langobardos paucitas nobilitat: plurimis ac valentissimis
::nationibus cincti non per obsequium, sed proeliis ac periclitando tuti sunt.
::Reudigni deinde et Aviones et Anglii et Varini et Eudoses et Suardones et
::Nuithones fluminibus aut silvis muniuntur.
::Nec quicquam notabile in singulis, nisi quod in commune Nerthum, id est terram
::matrem, colunt, eamque intervenire rebus hominum, invehi populus arbitrantur.
::Est in insula Oceani castum nemus, dicatumque in eo vehiculum, veste
::contectum. Attingere uni sacerdoti concessum. Is adesse penetrali deam
::intellegit vectamque bubus feminis multa cum veneratione prosequitur.
::Laeti tunc dies, festa loca, quaecumque adventu hospitioque dignatur.
::Non bella ineunt, non arma sumunt; clausum omne ferrum; pax et quies tunc
::tantum nota, tunc tantum amata, donec idem sacerdos satiatam conversatione
::mortalium deam templo reddat. Mox vehiculum et vestes et, si credere velis,
::numen ipsum secreto lacu abluitur. Servi ministrant, quos statim idem lacus
::haurit. Arcanus hinc terror sanctaque ignorantia, quid sit illud, quod
::tantum perituri vident.
Literatur
- Publius Cornelius Tacitus: de origine et situ germanorum liber.
- Rudolf Simek: Religion und Mythologie der Germanen. Darmstadt 2003.
- Lotte Motz: The Godess Nerthus. A New Approach. In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik. 1992. Bd. 36, S. 1 - 19.
- A. Hultgård: Nerthus und Nerthuskult. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Berlin 2002.
Kategorie:Germanische Gottheit
3. Jahrhundert
Das 3. Jahrhundert begann am 1. Januar 201 und endete am 31. Dezember 300.
Es ist die Epoche der Spätantike.
Zeitalter/Epoche
- Das römische Reich wird in den Jahren 235-285 von den so genannten "Soldatenkaisern" regiert. Diese wurden fast durchweg von den Legionen zum Kaiser erhoben und regierten oftmals nur wenige Monate.
- Mit dem Herrschaftsantritt Diokletians im Jahre 284 beginnt die Epoche der Spätantike.
Ereignisse/Entwicklungen
- In der Schweiz beginnt die erste Christianisierung die aber erst im folgenden Jahrhundert wirklich durchgreift.
- 262 zerstören Goten den Artemis-Tempel von Ephesos, eines der 7 Weltwunder der Antike
Persönlichkeiten
- Mani ( - 216;†276), persischer Religionsbegründer der nach ihm benannten, ehemaligen Weltreligion (Manichäismus).
Erfindungen und Entdeckungen
- 216 - Kaiser Caracalla vollendet den zehn Jahre zuvor begonnen Bau der nach ihm benannten größten öffentlichen Badeanlage Roms, den Caracalla-Thermen.
- um 230 - Claudius Aelianus beschreibt die vom Zitterrochen ausgehende "betäubende Wirkung" (Elektrizität).
- um 250 - in China werden erste eiserne Hängebrücken gebaut.
- um 260 - In Skandinavien sind Schlittschuhe mit Eisenkufen in Gebrauch.
- 284 - in Alexandria wird die Diokletianische Zeitrechnung eingeführt, die mit der Thronbesteigung des römischen Kaisers Diokletian beginnt und später von den christlichen Kopten übernommen wurde.
- um 290 - Pappos von Alexandria entwickelt die später als Guldinsche Regeln bekannten Formeln zur Berechnung von Rauminhalt und Oberfläche von Rotationskörpern.
01-03
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ja:3世紀
ko:3세기
Elbe
Die Elbe (tschechisch Labe, polnisch Łaba) ist ein europäischer Fluss, der in Tschechien entspringt, durch Deutschland fließt und in die Nordsee mündet.
Mit 1.165 km Länge ist die Elbe der dreizehntlängste Fluss in Europa und gehört zu den 150 längsten Flüssen der Erde. Weil die Elbe nicht in einen anderen Fluss, jedoch insbesondere in das Weltmeer mündet, zählt sie als Strom. Der Fluss besitzt ein Einzugsgebiet von etwa 148.000 km².
Nachdem der Fluss Tschechien in einem großen Südbogen nach Nordwesten hin durchflossen hat, fließt er durch Deutschland und darin unter anderem durch Dresden, Magdeburg sowie Hamburg und bei Cuxhaven in die Nordsee. Während der deutschen Teilung bis 1990 war die Elbe auch über längere Strecke Grenzfluss. Obwohl sie Anfang der 1990er Jahre stark durch Schwermetalle und chemische Abwässer belastet war, gilt sie insbesondere im Mittellauf für einen europäischen Fluss als sehr naturbelassen.
Der Verlauf der Elbe
Grenzfluss]]
Tschechischer Oberlauf
Die Elbe entspringt im Riesengebirge und verlässt dieses Gebirge in südliche und südöstliche Richtung, also entgegen ihrer späteren Hauptfließrichtung. Ab Pardubice verläuft sie nach einem scharfen Knick in Richtung Westen, nimmt kurz darauf ihre Hauptrichtung auf und fließt, mit wenigen Ausnahmen, Richtung Nordwesten. Bei Mělník mündet der längste Nebenfluss, die Moldau, auf linker Seite in die Elbe. Ab Litoměřice (Leitmeritz) verläuft die Elbe auf etwa 100 Kilometern Länge in Richtung Norden und verlässt hinter Děčín die Tschechische Republik.
Deutscher Oberlauf
Der deutsche Verlauf beginnt mit einer Flussbiegung, nachdem die Elbe wieder mehr in Richtung Nordwesten fließt. Es wird Dresden durchquert und im weiteren Verlauf nimmt auch das Gefälle immer mehr ab. Der deutsche Anteil am Oberlauf ist, wenn man ihn geologisch bzw. geomorphologisch festlegt, sehr klein. Spätestens ab Torgau, eher schon ab Riesa geht die Elbe in ihren Mittellauf über. Die IKSE hat 1992 die geografische Gliederung der Elbe festgelegt. Danach endet der Oberlauf bei Schloss Hirschstein am Strom-km 96,0.
Riesa
Mittellauf
Im Mittellauf bewegt sich die Elbe weiterhin in nordwestlicher Richtung, bis sie bei Magdeburg einen stärkeren Knick macht, ab dem es etwa 80 km nach Norden, teilweise sogar nach Nordosten weitergeht. Nach der Mündung der Havel, dem längsten rechten Nebenfluss, fließt die Elbe wieder in nordwestlicher Richtung (vergleiche Kapitel "Urstromtäler"). Kurz vor Hamburg, am Wehr Geesthacht, erreicht die Elbe das untere Ende ihres Mittellaufs.
Unterelbe
In Hamburg bildet die Elbe quasi ein Binnendelta, indem sie sich für etwa 15 Kilometer in die Norder- und Süderelbe aufteilt. Dazwischen befindet sich der bedeutende Seehafen Hamburgs, und obwohl die Nordsee noch über 100 Kilometer entfernt ist, ist dieser Abschnitt schon deutlich maritim geprägt, weist zum Beispiel Gezeitenwirkung auf. Ab hier wird der Flussabschnitt auch Niederelbe genannt. Nach dem Hamburger Binnendelta fließt der Unterlauf wieder vereint weiter und mündet in einer langen Trichtermündung in die Nordsee, ohne die Grundrichtung zu ändern. Die Öffnung der Mündung ist zwischen Cuxhaven und Dithmarschen etwa 15 Kilometer breit. Die offizielle Länge der Elbe beträgt 1091,47 km (IKSE, 1995). Die Zahl von 1165 km (s.o.) ist veraltet.
Geomorphologie und Hydrologie
Elbtal im Riesengebirge
Dithmarschen
Dithmarschen
Dithmarschen
Die Elbquelle befindet sich im Norden Tschechiens an der Grenze zu Polen im Riesengebirge. Sie liegt dort nordwestlich von Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) zwischen den Bergen Reifträger und Hohes Rad. Die Quelle wird durch ein in Mauern gefasstes Wasserloch symbolisiert, weil sie eigentlich durch eine Vielzahl von kleinen Quellbächen in der Hochgebirgsalm Siebengründe entsteht. An einer Mauer nahe dieser Quelle sind die Stadtwappen von Städten angebracht, durch welche die Elbe fließt.
Etwa 500 Meter nach der Quelle stürzt der junge Fluss als Elbfall in sein erstes Kerbtal. Dieses Labský důl (deutsch: Elbgrund) zieht sich etwa 4,5 Kilometer durch den Hauptkamm des Riesengebirges. Im weiteren Verlauf im Riesengebirge wird die Elbe durch die Krausebauden-Talsperre aufgestaut.
Das Tal der Elbe teilt später den Hauptkamm des Gebirges vom südlichen und flacheren Böhmischen Kamm auf kurzer Strecke. Der Böhmische Kamm (oder auch Innere Kamm) wird von der Elbe genau wie weitere sich abflachende Kämme in südliche Richtung durchbrochen. Dabei werden auf kurzer Strecke starke Höhenunterschiede überwunden. In Hradec Králové, etwa 200 Kilometer südlich der Elbquelle, ist der Fluss dann bereits auf eine Höhe von 235 Meter über NN gefallen.
Nun beschreibt der Verlauf einen langen Bogen, anfangs in Richtung Westen, später in Richtung Nordwesten in einer von den Sudeten eingegrenzten Beckenlandschaft. Erst in Nordböhmen und Deutschland quert sie in weiteren Durchbruchstälern die Umrandung der Sudeten.
Weitere Durchbruchstäler
Nordböhmen
Die Elbe durchbricht zwischen Litoměřice und Dresden mehrere Mittelgebirgsketten. Zuerst ist es das kleinere Böhmische Mittelgebirge, um anschließend ein kurzes Stück im Eger-Graben zu verlaufen. Das Erzgebirge erreicht die Elbe deshalb nicht direkt. Weil das aufgestemmte Erzgebirge, ein feststeiniges Pultschollengebirge, auf südlicher Seite sehr steil ist, "suchte" sich die Elbe im Verlauf eine andere Stelle zum Durchbruch des Mittelgebirgsrückens - das Elbsandsteingebirge. Dieses ist niedriger und schließt im Mittelgebirgsrücken die Lücke zwischen Erzgebirge und Lausitzer Gebirge. Wesentlich ist auch, dass Sandstein viel leichter erodiert als die festeren Gesteine am Rand der Scholle des Erzgebirges.
Der gesamte Durchbruch der Elbe durch das Elbsandsteingebirge ist etwa 30 Kilometer lang. Die Landschaftsräume des Elbsandsteingebirges sind dabei die Böhmische Schweiz auf tschechischer und die Sächsische Schweiz auf deutscher Seite. Von einem Durchbruchstal lässt sich auch noch beim Elbtalkessel sprechen, der aber auch schon stark glazial geformt wurde. Danach geht die Elbe in wesentlich flachere Landschaften über und durchbricht keine Gebirge mehr.
Urstromtäler
Die Elbe verlässt hinter dem Elbtalkessel den Bereich des tektonischen Sächsisch-Thüringischen Grundgebirges. Von nun an durchläuft sie im nordostdeutschen Tiefland pleistozäne Landschaften. Der Strom hält jetzt auch überwiegend eine nordwestliche Fließrichtung ein. Diese grobe Geradeläufigkeit ist dadurch zu erklären, dass die Elbe nun innerhalb der glazial geschaffenen Urstromtäler fließt, also in großen Schmelzwasserrinnen der verschiedenen Eiszeiten. Diese haben sich alle parallel zu den Eisrandlagen in nordwestlich-südöstlicher Ausrichtung gebildet. Während der letzten Glaziale und vor dem Eiszeitalter existierten vom heutigen Flussverlauf stark abweichende Verläufe, die man nach heutigen Orten am damaligen Flussverlauf bezeichnet. So gab es vor der Elster-Eiszeit den Bautzener und den Senftenberger Elbelauf, zwischen der Elster- und der Saale-Eiszeit den Berliner Elbelauf. Erst nach der Saale-Eiszeit hat die Elbe etwa ihren heutigen Verlauf eingenommen. Bei starken Eisvorstößen wie dem Drenthe-Stadium der Saale-Eiszeit oder der Elster-Eiszeit wurde die Elbe auch regelrecht aufgestaut, da das Inlandeis teilweise bis an die Mittelgebirgsschwelle reichte.
Eine Besonderheit des Elbverlaufs ist es, dass die Geländegegebenheiten den Fluss kurz hinter Magdeburg zu einem Wechsel des Urstromtals zwingen. Bis dahin bewegt er sich im Breslau-Magdeburger Urstromtal, das weiter nordwestlich noch von der Aller und der unteren Weser eingenommen wird. Die Elbe fließt nun aber plötzlich auf einer längeren Strecke in Richtung Norden und Nordnordosten weiter. Dabei gelangt sie bald in das weichsel-eiszeitliche Glogau-Baruther Urstromtal. Dieses ist entstehungsgeschichtlich jünger und daher geomorphologisch noch besonders gut erhalten, was sich zum Beispiel durch stellenweise abrupte Unterschiede des Höhenniveaus zwischen der Talsohle und den begrenzenden Geesträndern bemerkbar macht. Etwa ab der Havelmündung spricht man auch vom Elbe-Urstromtal. Der Grund für den Wechsel der Urstromtäler liegt im vorletzten Glazial: Die Saale-Eiszeit bildete Inlandgletscher, deren Eisrandlage in einer Phase des Drenthe-Stadiums etwa bis zum heutigen Magdeburg reichte. An der Stelle des späteren Richtungswechsels bildete der Gletscher eine Art Nase, die das Magdeburg-Breslauer Urstromtal anschürfte und vorhandene Endmoränen einebnete. Dazu lagerte sich Geschiebematerial ab, welches das dortige Tal schließlich blockierte und so die Elbe in ein anderes Flussbett zwang. Von der nördlich bis kurz vor Magdeburg reichenden Eisrandlage des Warthe-Stadiums der Saale-Kaltzeit ließ sich die Elbe später dagegen nicht ablenken und durchstieß diese Endmoränenstaffel. An der Verlaufskarte (s. o.) lassen sich die markanten Richtungsänderungen gut ablesen.
Glogau-Baruther Urstromtal
Die Elbe kann fast insgesamt als ein "Sandfluss" bezeichnet werden, zum einen, weil sie Sandsteingebirge durchbricht und erodiert, vor allem aber, weil der Tieflandanteil des Elbverlaufes in den Urstromtälern über pleistozänen Sandablagerungen (und holozänen Sedimenten des Flusses selbst) verläuft. Relikte der Eiszeiten sind im Mittel- und Unterlauf auch Findlinge, die wegen der Schifffahrt teilweise aus der Elbe geborgen wurden, aber auch immer noch im Grund des Flusses vorhanden sind.
Von besonderer Bedeutung sind eng begrenzte Felsaufragungen im Flussbett der Elbe vor allem bei Torgau und Magdeburg (Domfelsen), die vor allem bei Niedrigwasser ein gefährliches Hindernis für die Schifffahrt darstellen.
Mündung
Der Mündungsbereich hat noch in erdgeschichtlich jüngster Vergangenheit erhebliche geomorphologische Änderungen erfahren. So war der gesamte südliche Teil der heutigen Nordsee gegen Ende des Weichsel-Glazials Landfläche - die Elbmündung befand sich entsprechend vielleicht mehrere hundert Kilometer weiter nordwestlich an einer Stelle, die heute mitten im Meer liegt. Um 5000 v. Chr. hatte sich durch den Meeresspiegelanstieg im Holozän die Elbmündung schon eher dem heutigen Bereich angenähert, aber die Küstenlinie unterschied sich immer noch deutlich.
Nebenflüsse
Flüsse über 100 km Länge
Der größte Nebenfluss der Elbe ist die Moldau (tschechisch Vltava) mit 440 Kilometern Länge, die bei Mělník etwas nördlich von Prag in die Elbe mündet. Über die Moldau reicht das Einzugsgebiet der Elbe bis in kleine Teile Bayerns. An der Stelle ihrer Mündung ist die normale Abflussmenge der Moldau sogar größer als die der Elbe. Der zweitlängste Nebenfluss ist die Saale mit 413 Kilometern, die bei Barby in Sachsen-Anhalt in die Elbe mündet. Mit 325 Kilometern ist die Havel der längste rechte Zufluss der Elbe, mit dessen größerem Nebenfluss, der Spree, gerechnet ist sie sogar mit über 480 Kilometern Länge der größte Nebenfluss der Elbe überhaupt. Die Eger (tschech. Ohře) hat eine Länge von 291 Kilometer und folgt in etwa dem Verlauf des gleichnamigen Eger-Grabens und des Südfußes des Erzgebirges. Ihre Quelle befindet sich in Bayern und sie mündet in der Nähe der tschechischen Stadt Litoměřice (Leitmeritz). Die Schwarze Elster (188 km) entspringt in der Oberlausitz und verläuft in Richtung Westen. Sie ist folglich ein rechter Zufluss. Die Mulde (124 km) ist ein wichtiger Abfluss des Erzgebirges und verläuft als linkes Nebengewässer sehr kontinuierlich nach Norden.
Andere Nebengewässer mit mehr als 100 km Länge sind die Elde (220 km) im unteren Mittellauf zwischen Wittenberge und Hamburg, die Oste (153 km), die in den Ästuar der Elbe mündet, die Ohre (110 km), die im Bereich der Elbe parallel zum Mittellandkanal verläuft, und die Polzen (102 km), die noch in der Tschechischen Republik mündet.
Weitere Nebenflüsse (Auswahl)
Die Elbe selbst entsteht aus den beiden Gewässern Weißwasser und der Kleinen Elbe. Weitere wichtige Nebenflüsse der Elbe sind insbesondere im Raum des Osterzgebirges die Flüsse Bílina (Biela), Müglitz (entspringt als Mohelnice in Tschechien) und Weißeritz. Als weithin bekannter, wenn auch eher kleiner und kurzer Nebenfluss ist die Hamburger Alster zu nennen.
Siehe auch: Liste von Nebenflüssen der Elbe
Naturräume, Flora und Fauna, Naturschutz
Naturräumliche Haupteinheiten
Liste von Nebenflüssen der Elbe
Die Elbe durchfließt auf deutschem Gebiet die folgenden „Naturräumlichen Haupteinheiten“ (definiert nach geomorphologischen, bodenkundlich-geologischen und biogeografischen Kriterien gemäß Bundesamt für Naturschutz, BfN, 1994):
- D15 – Sächsisch-böhmisches Kreidesandsteingebiet
- D19 – Sächsisches Hügelland und Erzgebirgsvorland
- D10 – Elbe-Mulde-Tiefland
- D09 – Elbtalniederung
- D24 – Untere Elbeniederung (Elbmarsch)
Die drei letztgenannten Naturräume innerhalb des Norddeutschen Tieflandes werden dabei wesentlich durch die Elbe selbst bestimmt und definiert.
Das „Sächsisch-böhmische Kreidesandsteingebiet“ erstreckt sich innerhalb des deutschen Gebietes von der Staatsgrenze zu Tschechien etwa bis Pirna (südöstlich von Dresden). Landschaftsräumlich ist der Bereich als Elbsandsteingebirge bzw. der deutsche Teil des Gebirges als Sächsische Schweiz bekannt. Das „Sächsische Hügelland und Erzgebirgsvorland“ passiert die Elbe von Pirna/Dresden bis kurz vor Riesa. Von dort erstreckt sich bis kurz hinter Magdeburg (etwa Mündung des Elbe-Havel-Kanals) der lange Verlauf des „Elbe-Mulde-Tieflandes“. Danach reicht ein weiterer sehr langgezogener Abschnitt, die „Elbtalniederung“, bis vor die südöstlichen Tore Hamburgs. Alle diese Abschnitte und Naturräume gehören zur kontinentalen Biogeografischen Region.
Ab dem Sperrwerk bei Geesthacht spricht man von der Unterelbe, präziser vom Naturraum „Untere Elbeniederung“. Dieser wird zur atlantischen Biogeografischen Region gezählt. Durch den marinen Mündungstrichter (Ästuar) der Elbe in die Nordsee zieht sich dann noch eine naturräumliche Grenze, die zwischen der Unteren Elbeniederung am niedersächsischen Südufer und dem Naturraum „D21 – Schleswig-Holsteinische Marschen“ auf der nordöstlichen Seite unterscheidet.
Die genannten Naturräumlichen Haupteinheiten können in weitere Untereinheiten differenziert werden (Beispiele: „Dessauer Elbtal“, „Untere Mittelelbeniederung“ etc.) – auf diese feinere Gliederung, die je nach Bundesland nicht immer einheitlich definiert wird, soll hier nicht eingegangen werden.
Charakteristische Biotoptypen der Flussaue
Ästuar
Ästuar
Ästuar]
Da die Elbe sehr unterschiedliche Landschaften durchläuft, sind die sie begleitenden Biotope je nach naturräumlichen Gegebenheiten und dem Grad der Veränderung durch den Menschen entsprechend verschieden. Auf tschechischer Seite und im sächsischen Mittelgebirgsbereich ist die Flussaue überwiegend auf ein schmales, teilweises schluchtartiges Kerbtal beschränkt, das sich nur streckenweise weiter öffnet. Solche Areale sind dann oft mit Siedlungen, Verkehrswegen oder Landwirtschaft überformt. Ein höheres Maß an natürlichen oder naturnahen Biotopen weist der lange Mittellauf auf, der vergleichsweise dünn besiedelt ist, allerdings durch Deichbau einen großen Teil der ursprünglichen Auenlandschaft innerhalb der Urstromtäler verloren hat. Der Unterlauf wiederum hat durch die Dimensionierung des Mündungstrichters (bei Cuxhaven ist die Elbe 15 Kilometer breit), durch den Gezeiteneinfluss und durch die Nutzung als Wasserstraße einen gänzlich eigenen Charakter.
Zu den natürlichen Biotoptypen eines mitteleuropäischen Tieflandflusses gehören vor allem Weichholz- und Hartholzauwälder. Während die länger überflutungstoleranten Weichholzauen aus Weiden und Pappeln noch auf größeren Abschnitten zumindest linear vorhanden sind, sind Hartholzauen (mit Eichen, Ulmen, Eschen u. a.) nur noch in Fragmenten erhalten geblieben. Oft mussten sie landwirtschaftlichen Flächen weichen oder wurden durch Deichbau vom regelmäßigen, lebensnotwendigen Überflutungsgeschehen abgeschnitten. Die größten zusammenhängenden Reste von „echtem“ Auwald - auch ganz Mitteleuropas - finden sich heute im Dessauer Elbtal, insbesondere zwischen den Mündungen von Mulde und Saale.
Die überwiegend offenen Landschaften der mittleren Elb-Auen werden von Grünlandnutzung, in überschwemmungssichereren Bereichen auch von Ackernutzung geprägt. Dazwischen sind Biotoptypen wie Niedermoore (Erlenbruchwälder, Großseggenriede, Röhrichte) und verschiedene Stillgewässerarten anzutreffen. Vor allem vor der Regulierung des Flussverlaufes durch Deiche sowie Buhnen konnten durch die Fließgewässerdynamik (Hochwässer, Verlaufsänderungen) ständig neue Randgewässer wie Flutrinnen und –mulden, Altarme und Bracks entstehen. Ein Charakteristikum der Elbe ist auch nach der Ausdeichung erhalten geblieben: Bei Hochwasser steigt der Grundwasserspiegel zeitlich verzögert an und drückt – begünstigt durch den grobporigen, sandigen Boden – unter den Deichen hindurch. Auf der anderen Seite tritt dieses Wasser als so genanntes Dränge-, Druck- oder Qualmwasser wieder an die Oberfläche. Auf diese Weise entstehen dort temporäre Gewässer, in denen viele sehr seltene Tier- und Pflanzenarten ein Refugium haben – ein gewisser Ersatz für die ursprünglichen, durch die Bedeichung verloren gegangenen Überflutungsbiotope. Das sandige Ufer der Elbe selbst mit den ständigen Wechseln aus Überstauung und Trockenheit ist ebenfalls Lebensraum einer spezialisierten Flora und Fauna (s. u.). Gleiches gilt für pleistozäne Geestrücken und periglazial entstandene Flugsanddünen, die entweder als Inseln innerhalb der Talaue liegen oder diese begrenzen.
In den stärker urban geprägten Abschnitten des Elbufers finden sich oft Grünlandflächen auf den Auenstandorten, so genannte "Elbwiesen". Diese werden in der Regel extensiv als Weide oder Mähwiese bewirtschaftet und dienen zudem als Erholungs- und Veranstaltungsflächen. Dabei verblieben aber auch Reste von Auenbewaldung die teilweise unter Naturschutz stehen. Häufig spielen sie auch als Retentionsraum eine Rolle und dienen zusammen mit verlandeten Altarmen dem Hochwasserschutz. Nebenarme der Elbe wurden entweder künstlich trocken gelegt oder verlandeten von selbst und sind heute innerhalb von bebauten Gebieten als Feuchtwiese erhalten. Diese Altarme, die bei Hochwasser selbst schnell hohe Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten aufweisen, wurden nicht überall baufrei gehalten.
Im Unterlauf übt die Nordsee bereits einen merklichen Einfluss auf die Landschaft und die Lebewelt aus. Die weitläufigen, von Entwässerungsgräben durchzogenen Grünlandkomplexe entlang der Elbe werden hier als Marsch bezeichnet.
Typische/besondere Pflanzen und Tiere
Pflanzen
Marsch]
Die natürliche Pflanzenwelt der Elbe, ihrer Ufer und Auen ist vor allem durch den stetigen Wechsel von trockenen und nassen Bedingungen geprägt – dies gilt sowohl räumlich als auch zeitlich betrachtet. Im Fluss selbst wachsen heute vergleichsweise wenige Pflanzen. Das hängt mit menschlichen Eingriffen in Verlauf, Fließgeschwindigkeit und Wasserqualität zusammen. Aber schon am sandigen bis schlickigen Spülsaum findet man spezialisierte, teils amphibisch lebende Pflanzen wie den Hirschsprung, den Schlammling, verschiedene Zweizahn- und Gänsefuß-Arten, Röhrichte, Seggenriede und Hochstaudenfluren. Unter den krautigen Pflanzen sind viele so genannte Stromtalpflanzen, die schwerpunktmäßig oder sogar ausschließlich entlang größerer Flussläufe vorkommen. Ihre Ansiedlung wird begünstigt durch kleinklimatisch bevorzugte, wechselfeuchte Standorte sowie durch Ausbreitung mittels Verdriftung, Schiffsverkehr und Wasservögel. Zu den mit Schwerpunkt im Elbtal auftretenden Arten gehört u. a. die Elbe-Spitzklette. Unter den Gehölzen sind Weiden, insbesondere die Silberweide, Schwarzpappeln und alte Stiel-Eichen besonders landschaftsprägend.
Stiel-Eiche]
Die Nebengewässer in den Elbauen weisen eine große Vielfalt an Wasser-, Sumpf- und Uferpflanzen auf, darunter seltenere Arten wie die Krebsschere, die Schwanenblume und die Seekanne. Im Spätfrühling und Frühsommer sind viele Tümpel und Flutmulden von einem weißen Teppich blühenden Wasserhahnenfußes bedeckt. Feuchtwiesen sind zur gleichen Zeit rosa von Blütenaspekten der Kuckuckslichtnelke und gelb von verschiedenen Hahnenfuß-Arten. Sehr kleinräumlich können sich feuchte und trockene Biotope abwechseln, so dass man wenige Meter entfernt Pflanzen der Magerrasen und Sand-Trockenrasen findet.
An der Unterelbe mischen sich Florenelemente atlantischer und salzverträglicher Standorte in die Ufervegetation. Dazu gehört beispielsweise die Strandsimse. Eine Rarität, die weltweit betrachtet ausschließlich an wenigen Stellen der Unterelbe endemisch vorkommt, ist der Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides). Dieser ist auf den extrem seltenen Lebensraum „tidebeeinflusstes Süßwasserwatt“ spezialisiert. Bekannt wurde dieses durch das teilweise Zuschütten des „Mühlenberger Loches“ bei Hamburg im Zuge der Ansiedlung des Flugzeugbauers EADS/Airbus.
Tiere
Airbus
Airbus
Säugetiere: Bemerkenswerte Säugetierarten an der Elbe sind der Fischotter und der Biber. Die Elbe-Biber befinden sich – ausgehend von ihrem Refugium im Dessauer Auwald – dank intensiver Naturschutzmaßnahmen seit einigen Jahren wieder in Ausbreitung an der Mittelelbe und den dortigen Nebenflüssen. Seit 1990 wird beispielsweise auch die niedersächsische Elbtalaue von dieser Tierart wieder besiedelt (2004 wurden allein dort rund 300 Tiere gezählt). Hier galt die Art seit 1819 als ausgestorben – Folge vor allem einer intensiven Bejagung.
Vögel: An der Elbe und in ihren Auen kommt ein Großteil der mitteleuropäischen Arten als Brutvogel vor. Darunter sind Seltenheiten wie der Seeadler, der Schwarzstorch und verschiedene Limikolen. Hinzu kommen Zugvögel, die das Elbtal als Rastgebiet und Wanderlinie nutzen – besonders die untere Mittelelbe und den Mündungsbereich. Beispiele sind nordische Schwäne und Gänse aus Westsibirien (Sing- und Zwergschwan, Bless- und Saatgans u. a.). Unter den Großvögeln sind die Weißstörche besonders populär, die entlang der Mittelelbe in zahlreichen Dörfern brüten. In Ausbreitung als Brutvogel ist der Kranich, der versteckt in Bruch- und Auwäldern nistet. Daneben ziehen viele nordische Kraniche über die Elbe und rasten dort.
Kranich]
Kranich]
Amphibien: Mindestens zwölf der 21 deutschen Lurcharten kommen entlang der Elbe in den stehenden Auengewäss | | |