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Antazidum

Antazidum

Ein Antazidum - Mz.: Antazida - ist ein Arzneimittel zur Neutralisierung der Magensäure. Es handelt sich um eine schwache Base oder das Salz einer schwachen Säure, so dass dessen Wirkmechanismus unter anderem durch die Pufferung der Magensäure zu erklären ist. Indikationen für den Gebrauch für Antazida sind Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, eine Magenschleimhautentzündung und die Vorbeugung stressbedingter Magengeschwüre (Stressulkus). Meistens werden Antazida jedoch als rezeptfreie Selbstmedikation gegen saures Aufstossen und Sodbrennen eingesetzt. Früher wurde oft das doppeltkohlensaure Natron - Natriumhydrogencarbonat ("Bicarbonat") als Säurehemmer eingesetzt. Da jedoch Natriumhydrogencarbonat vom Darm resorbiert werden kann, besteht die Gefahr, dass das Blut alkalisch wird (metabolische Alkalose) und dass der Natriumspiegel ansteigt (Hypernatriämie). Zudem kam es zur Gasentwicklung (CO2) und über die Dehnung der Magenwand zur reflektorischen Steigerung der Säureproduktion führen. Daher setzten sich in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts schließlich die nebenwirkungsärmeren Aluminium- und Magnesiumhydroxid-Gele durch. Diese werden nicht nur weniger resorbiert und wirken deshalb nur im Magen, sie zeichnen sich auch durch eine bessere Verträglichkeit aus. Zudem stimulieren aluminiumhaltige Antazida die Magenschleimproduktion, da sie die Prostaglandinsynthese steigern. Vorsichtig sollten Patienten mit einer Niereninsuffizienz sein, denn chronischer Gebrauch von Antazida kann zu einer Ansammlung von Aluminium- und Magnesiumhydroxid im Körper führen, was zu neuromuskulären Lähmungen führen kann (Mg²+ wirkt als ein Kalziumantagonist). Aluminiumhydroxid kann Verstopfungen hervorrufen, wohingegen Magnesiumhydroxid eher die Darmtätikeit anregt und laxierend wirkt. Daher sind die meisten heute angebotenen Fertigpräparate, z.B. Maaloxan, Maalox 70 oder Riopan Mischpräparate aus beiden Wirkstoffen. In den letzten Jahren haben Antazia bei der Behandlung von Magengeschwüren an Bedeutung verloren. Dies ist auf den Durchbruch der so genannten Protonenpumpenhemmer zurückzuführen, die die Magensäureproduktion direkt hemmen und daher länger und effektiver wirken.

Weblinks


- http://www.sodbrennen-welt.de Infos zu Antazida bei Sodbrennen ! th:ยาลดกรด

Arzneimittel

Arzneimittel oder Pharmaka (Singular das Pharmakon, griech. φάρμακον „Gift, Droge, Arznei“) sind laut Arzneimittelgesetz (AMG) Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind, um:
- Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu verhüten oder zu erkennen,
- Krankheitserreger, Parasiten oder körperfremde Stoffe abzuwehren, zu beseitigen oder unschädlich zu machen,
- die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktionen des Körpers oder seelische Zustände zu erkennen oder zu beeinflussen,
- vom menschlichen oder tierischen Körper erzeugte Wirkstoffe, Transmitter oder Körperflüssigkeiten zu ersetzen. Der Begriff Arzneimittel schließt also alle Medikamente ein, geht aber über den Begriff eines Medikamentes hinaus: Blutpräparate oder Diagnostika wie beispielsweise Kontrastmittel sind zwar Arzneimittel, aber keine Medikamente. Umgangssprachlich wird das Wort Arzneimittel jedoch häufig synonym mit Medikament verwendet. Siehe auch: Arzneistoff Heilmittel hingegen umfassen andere medizinisch unterstützende Maßnahmen wie Badekuren, Massagen, Ergotherapie oder Krankengymnastik.

Entwicklung

Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels ist kapitalintensiv und langwierig, da bis zur Zulassung umfangreiche Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden müssen. Dem forschenden Unternehmen, welches das Arzneimittel entwickelt hat, wird daher ein zeitliches Monopol zur ausschließlichen Nutzung des Medikaments gewährt (Patentschutz). Nach Ablauf dieser Zeit können andere Firmen (so genannte Nachahmer) eigene Präparate (so genannte Generika) mit dem gleichen Wirkstoff auf den Markt bringen. Dies geschieht meist unter dem Freinamen (International non-proprietary name, INN) der von der WHO vergeben wird. Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels erfolgt in drei Phasen: # Präklinische Entwicklung, # Klinische Prüfung, # Galenische Entwicklung. Auf Grund des Zeitdrucks bei der Entwicklung eines neuen Arzneimittels werden diese Phasen teilweise parallel durchlaufen. Von der Entwicklung eines neuen Arzneistoffes bis zu seiner Zulassung und Produktion vergehen 12 bis 15 Jahre. Die Kosten betragen 500 bis 800 Millionen Dollar. Diese Aufwendungen bedingen aber nicht allein den Preis der Arzneimittel, da hier noch wesentliche Kostenanteile durch das Marketing hinzukommen, insbesondere durch die Bewerbung der Produkte durch Pharmareferenten bei der Zielgruppe der Ärzte.

Präklinische Entwicklung

Bestandteil der präklinischen Entwicklung ist die Synthese oder Isolierung eines potenziellen Arzneistoffes (oder Arzneistoffgemisches) und dessen Untersuchung in geeigneten experimentell-pharmakologischen Testsystemen. Dabei können Wirkstoffe (Arzneistoffe) aus:
- Pflanzen
- Tieren
- Mikroorganismen
- Sera (Seren aus Tieren, durch Impfen (Vakzinen)) oder durch Synthese bzw. Teilsynthese gewonnen werden.

Klinische Prüfung

Für die Zulassung eines Humanarzneimittels ist dessen Prüfung in klinischen Studien am Menschen vorgeschrieben. Diese umfassen:
- Phase I: Überprüfung der Aufnahme des Arzneistoffs und erste qualitative Überprüfungen der (Neben-)Wirkungen an einem kleinen Kreis i. d. R. gesunder Probanden (ca. 10–20 Probanden).
- Phase II: Qualitative und quantitative Überprüfungen der Wirkungen und Nebenwirkungen eines Arzneistoffs und Dosisfindung für Phase III der klinischen Prüfung (ca. 100–300 Patienten).
- Phase III: Quantitativer Nachweis der Wirksamkeit eines Arzneimittels unter definierten Bedingungen (über 500 Patienten).
- (Phase IV): Überprüfung eines Arzneimittels nach dessen Zulassung.

Galenische Entwicklung

Die (galenische Entwicklung) beschäftigt sich mit der Form eines fertigen Arzneimittels aus einem (oder mehreren) Arzneistoffen und einem (oder mehreren) Hilfsstoffen. Durch die Galenik kann die Freisetzungsgeschwindigkeit, der Ort der Freisetzung und der Ort der Wirkung beeinflusst werden. Siehe auch: Pharmaforschung

Rechtliches

Zulassung

Arzneimittel müssen in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder dem Paul-Ehrlich-Institut zugelassen werden. Für sogenannte High-tech-Arzneimittel ist eine EU-weite Zulassung bei der europäischen Arzneimittelagentur EMEA vorgeschrieben. In den USA erfolgt die Zulassung von der FDA. Für die Zulassung in Deutschland bedarf es einiger Voraussetzungen, die u. a. im Arzneimittelgesetz (AMG) niedergelegt sind.

Verkehr mit Arzneimitteln

Arzneimittel können in Deutschland nach ihrer Erhältlichkeit in vier Gruppen eingeteilt werden: # freiverkäufliche (Verkauf auch außerhalb von Apotheken) # apothekenpflichtige (Abgabe nur in Apotheken) # verschreibungspflichtige (Abgabe nur in Apotheken gegen Vorlage einer ärztlichen Verschreibung) # Betäubungsmittel (Abgabe in Apotheken nur gegen Vorlage eines Betäubungsmittelrezeptes)

Pharmazentralnummer

Die meisten Fertigarzneimittel erhalten in Deutschland einen eindeutigen 7-stelligen Schlüssel, die so genannte Pharmazentralnummer (PZN). Die PZN wird von der IFA GmbH (Frankfurt) auf Antrag des Herstellers vergeben und muss nach SGB V auf die äußere Umhüllung aufgedruckt sein. Mit Stand Januar 2004 sind etwa 340.000 PZN vergeben. Bei der Abrechnung der Arzneimittel mit den Krankenkassen durch die Apothekenrechenzentren werden die PZN als Schlüssel genutzt, dazu müssen sie von den Apotheken auf die Rezepte aufgedruckt werden. Weiterhin findet die PZN für die Bestellungen zwischen Großhändlern und Apotheken Verwendung. Die im Krankenhausbereich häufig genutzte EAN-128 konnte sich bislang nicht in Deutschland durchsetzen. Anmerkung: Die PZN ist nicht ständig eindeutig: Nach einer gewissen Zeit tauchen früher vergebene PZN wieder auf. Hieraus resultiert ein Problem bei Arzneimitteldatenbanken, die mit Präparaten arbeiten, die „außer Handel“ gegangen sind. Allerdings spielt das im Apothekenalltag keine große Rolle.

Geschichte

Für eine Reihe von Heilpflanzen finden sich Hinweise auf ihre Anwendung schon aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Bereits in einem Grab eines Neandertalers (Shanidar IV., im heutigen Irak) das vor ca. 70.000–40.000 Jahren angelegt wurde, finden sich Beigaben, die nach Pollenuntersuchungen sieben Heilpflanzen zuzuordnen sind, weswegen hier das Grab eines Heilkundigen, eines Schamanen mit Attributen seiner Tätigkeit vermutet wird. Steht dieser Fund aus frühester Zeit noch isoliert, so sind aus dem Neolithikum, der jüngeren Steinzeit, eine Reihe von Funden bekannt, die auf die Anwendung von Heilpflanzen schließen lassen. Aus den frühen Hochkulturen gibt es dann zahlreiche schriftliche Zeugnisse für deren umfangreichen Arzneischatz, in Assyrien und Ägypten waren einige hundert pflanzliche, tierische und mineralische Arzneimittel in Gebrauch.

Griechisch-römische Überlieferung

Für die Arzneien der westlichen Medizin sind folgende Autoren besonders wichtig:
- Theophrastos von Eresos (371–287 v. Chr.) beschrieb 550 Pflanzen, darunter zahlreiche Arznei- und Giftpflanzen.
- Plinius der Ältere lebte von 23/24 bis 79 n. Chr. schrieb eine höchst umfangreiche enzyklopädische Naturkunde, die naturalis historiae. Die Heilmittel nehmen einen breiten Raum ein, es werden beinahe 1000 aus dem Pflanzenreich beschrieben.
- Die in fünf Büchern abgefasste Arzneimittellehre De materia medica des Dioskurides (ein römischer Militärarzt, der im 1. Jh. lebte) ist die umfangreichste des Altertums. Er behandelt Arzneimittel aus allen drei Naturreichen, es werden 102 mineralische, 101 tierische und 813 pflanzliche Arzneimittel beschrieben. Das Werk erschien um 78 n. Chr. und wirkte über Jahrhunderte. Besonders im Mittelalter diente es als Vorbild und Fundgrube für andere einschlägige Kompendien.

Mittelalter

Die mittelalterlichen Quellen zum Arzneischatz sind sehr zahlreich. Dazu gehört u. a. so genannte Hortulus des Walahfrid Strabo (9. Jahrhundert), der Abt des Klosters Reichenau war. Das Wissen über die Heilkräfte der Pflanzen wird in Gedichtform (Hexameter) vermittelt. Ebenfalls ein Lehrgedicht über Heilpflanzen und durch den 'Hortulus' beeinflusst ist der 'Macer floridus'. Der Verfasser, Odo von Meung, lebte im 11. Jahrhundert. Eine vom 13. Jahrhundert an überlieferte thüringisch-schlesische Prosaübersetzung und -bearbeitung, der 'Ältere deutsche Macer' war weit verbreitet und diente neben anderen Quellen als Textgrundlage für den 'Gart der gesuntheit' von 1485, eines der einflussreichsten gedruckten Kräuterbücher. Zudem wird das europäische Mittelalter etwa vom Jahr 1000 an mit verloren geglaubten oder in Vergessenheit geratenen Schriften der Antike durch Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische bekannt. Die Zentren der Übersetzertätigkeit liegen in Süditalien (Salerno) und Spanien (Toledo). Dazu kommen eigenständige Erkenntnisse arabischer Gelehrter. Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi (865 bis etwa 930), Avicenna (9801037) und andere arabische Autoren zählen zu den hochgeachteten Autoritäten der europäischen Heilkunde. In ihren Schriften werden bislang unbekannte Arzneidrogen beschrieben, zum Beispiel Ambra, Benzoeharz, Cubeben, Galgant, Kampfer, Moschus, Muskat, Mumie (siehe Mumia), Sandelholz, Sennesblätter und andere. Auch unabhängig vom antiken oder arabischen Einfluss werden hier und da neue, eigenständige Beobachtungen gemacht, die das Wissen über den Arzneischatz bereichern. Herausragend sind die „Physica“ der Hildegard von Bingen und eine Schrift des Albertus Magnus mit dem Titel „De vegetabilibus“.

Neuzeit

Seit der frühen Neuzeit wurde der europäische Arzneischatz erheblich erweitert:
- durch eine neue Dimension im Handel mit Heilpflanzen und Drogen, die sich nach der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien durch Vasco da Gama und die Landung in Amerika durch Columbus eröffnete. So kamen beispielsweise Brechwurzel, Chinarinde, Curare, Guajak und Perubalsam nach Europa.
- durch Produkte alchemistischer Tätigkeit. Besonders wichtig war die Alchemie der Araber, da hier eine medizinische Zielrichtung in den Vordergrund trat: die Suche nach der Panazee, der Universalmedizin. Der wichtigste Wegbereiter für den Einsatz (al)chemischer Präparate in der Medizin wurde Philippus Theophrastus Bombastus von Hohenheim genannt Paracelsus (14931541). Er vertritt die innerliche Anwendung von Chemikalien, gerade von giftigen Antimon- und Quecksilberpräparaten als erster. Zwar fanden seine Lehren zu seinen Lebzeiten nur einen beschränkten Anhängerkreis, doch seine Nachfolger, die Paracelsisten, vermittelten seine Ideen einem immer größer werdenden Kreis von Medizinern und anderen Gelehrten. Von hier führt der Weg zur pharmazeutischen Chemie.

19. Jahrhundert bis jetzt

Die Neuzeit brachte mit ihren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ganz erhebliche Veränderungen des Arzneischatzes. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es zunächst eine deutliche Reduktion: Übrig blieb, was nach damaligen Stand der Wissenschaft in der Wirksamkeit als gesichert galt. Der Erkenntniszuwachs in der Chemie führte dazu, dass eine Fülle von wirksamen Inhaltsstoffen aus Arzneipflanzen isoliert wurden, etwa die Alkaloide Chinin, Morphin, Strychnin. Nicht nur Alkaloide, auch viele weitere Pflanzeninhaltsstoffe wurden isoliert und davon eine große Zahl arzneilich verwendet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der Siegeszug der organisch-synthetischen Arzneimittel, die von der Teerfarbenindustrie entwickelt wurden, wobei das Herstellungsverfahren dem Patentschutz unterlag. Dies förderte ganz erheblich die industrielle Produktion von Arzneispezialitäten, den in abgabefertiger Verpackung hergestellten Arzneimitteln, wie sie heute das Bild beherrschen. Die Acetylsalicylsäure, bekannt unter dem Namen Aspirin®, viele andere Schmerzmittel und weitere auf das Nervensystem wirkende Arzneistoffe gehören hierher (Narkosemittel, Antiepileptika, Antiparkinsonmittel, Psychopharmaka und andere). Weitere Beispiele sind Arzneimittel, die das vegetative Nervensystem beeinflussen, etwa die Sympatholytika (zu denen die „Betablocker“ zählen), die als Herz-Kreislaufmittel eingesetzt werden. Die Zahl der synthetisierten Wirkstoffe wurde rasch unüberschaubar. Bei den Hormonen und Vitaminen gab es in der Folge biochemischer, physiologisch- und klinisch-chemischer Untersuchungen des 19. und 20. Jahrhunderts zahlreiche Fortschritte. Dabei wurden u. a. die Grundlagen für den therapeutischen Einsatz von Vitaminen, Insulin, den Sexualhormonen (Estrogene, Gestagene, die "Pille", Androgene), den Hormonen der Nebennierenrinde (Glukokortikoide wie Cortison), Schilddrüsenhormonen, den Gewebshormonen und ihren Antagonisten (beispielsweise Antihistaminika als Antiallergika) gelegt. Besondere Bedeutung erlangten Arzneimittel zur Prophylaxe und Therapie der Infektionskrankheiten. Dazu gehören vor allem Antibiotika, Desinfektionsmittel, Sterilisation und Impfungen. Mit ihrer Hilfe, aber auch durch bessere Ernährung und Wohnung sowie durch Anwendung hygienischer Verhaltensweisen, sind einst lebensbedrohliche Erkrankungen („Geißeln der Menschheit“), die auf Mikroorganismen zurückgehen, stark zurückgegangen. Zu nennen sind hier die Forschungen von Paul Ehrlich (1854–1915) (Salvarsan) und Gerhard Domagk (1895–1964) (Sulfonamide). Dazu kam die Entdeckung, dass Naturstoffe, so das von Schimmelpilzen gebildete Penicillin, als Antibiotika erfolgreich gegen diese Krankheiten eingesetzt werden können.

Arzneimittelrückstände in der Umwelt

Arzneimittel sind aufgrund ihrer Bestimmung in der Regel biologisch hochaktive Stoffe, die selbst oder als Metabolite (Stoffwechselprodukte) in der Umwelt bei entsprechenden Konzentrationen zu Schäden führen können. Durch verbesserte Analysetechniken werden seit etwa Mitte der 1990er Jahre vermehrt Arzneimittel oder deren Rückstände in Oberflächen-, Grund- und Trinkwässern nachgewiesen. Eintragsquellen in die Umwelt ist neben den Ausscheidungen (Urin, Kot) von Mensch und Tier auch das Wegwerfen ungebrauchter Arzneimittel. Antibiotika Es wird befürchtet, dass sich durch das Vorhandensein von Arzneimitteln bzw. von deren Rückständen in der Umwelt bei Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika ausbilden können.

Siehe auch

ROTE LISTE, Verschreibungspflicht, Betäubungsmittel, Drogen, Wirkstoff, Placebo, Generika, Mumia, Therapeutische Breite, Nebenwirkung, Orphan drug, Phytotherapie, Allopathie, Homöopathie, TCM, Medizinische Wirksamkeit, Rezeptgebühr

Literatur


- Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Christoph Friedrich: Geschichte der Arzneimitteltherapie. Stuttgart 1996
- Merrill Goozner: The $800 million pill. University of California Press, Berkeley, 2004, 297 S., ISBN 0-520-23945-8
- Marcia Angell: The truth about the drug companies. Random House, New York 2004, 305 S., ISBN 0-375-50846-5
- Ray Moynihan, Alan Cassels: Selling sickness: How the world's biggest pharmaceutical companies are turning us all into patients. Nation Books, New York 2005
- Robert Langer: Medikamente direkt am Ziel. Spektrum der Wissenschaft, März 2004, S. 42–48,
- Franz-Josef Kuhlen: Historisches zum Thema Schmerz und Schmerztherapie. Pharmazie in unserer Zeit 31(1), S. 13–22, 2002, ISSN 0048 - 3664
- Bernd Hanisch, Bettina Abbas, Werner Kratz, Gerrit Schüürmann: Humanarzneimittel im aquatischen Ökosystem. Bewertungsansatz zur Abschätzung des ökotoxikologischen Risikos von Arzneimittelrückständen. USWF – Zeitschrift für Umweltchemie und Ökotoxikologie 16(4), S. 223–238, 2004
- Radka Alexy, Klaus Kümmerer: Antibiotika in der Umwelt. KA-Abwasser, Abfall 52(5), S. 563–571, 2005, ISSN 1616-430x

Weblinks


- [http://www.onmeda.de/lexika/arzneimittellexikon/index.html www.onmeda.de] – Arzneimittellexikon bei Onmeda.de
- [http://www.fda.gov www.fda.gov] – Homepage der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde
- [http://www.bfarm.de www.bfarm.de] – Homepage der deutschen Arzneimittelzulassungsbehörde
- [http://www.pei.de www.pei.de] – Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – das Bundesamt für Sera und Impfstoffe
- [http://www.vifapharm.de www.vifapharm.de] – Virtuelle Fachbibliothek Pharmazie
- [http://www.who.int/medicines/organization/par/edl/eml.shtml www.who.int] – WHO-Liste unerlässlicher Arzneimittel ! Kategorie:Klinische Forschung ms:Dadah

Base (Chemie)

Eine Base (griechisch βάση, basé - die Ausgangs-, Grundlage, das Fundament) ist eine chemische Verbindung, die ein Proton H+ aufnehmen kann. Dies geschieht, wenn sie mit H2O in Kontakt kommt bzw. darin gelöst wird, beispielsweise mit Ammoniak:
NH3 + H2O --> NH4+ + OH-
Darstellung einer Base:
Metalloxid + Wasser --> Base
Dabei entsteht ein Hydroxid-Ion (OH--Ion). Eine Base sollte aber nicht mit einem Salz wie z. B. Natriumhydroxid verwechselt werden. Dieses bildet zwar in Verbindung mit Wasser eine alkalische Lösung, hierbei findet aber keine Protonenwanderung statt. Es werden lediglich die Salzionen getrennt (Na+ + OH-). Eine Base ist das Gegenstück zu einer Säure und vermag diese zu neutralisieren (Definition nach Brönsted). In wässriger Lösung reagiert eine Base durch Abfangen von Protonen alkalisch, der pH-Wert der Lösung liegt über 7 (siehe alkalische Lösung). Als Basen oder organische Basen wird auch eine Klasse von Biomolekülen bezeichnet, die auf das Grundgerüst des Purins oder des Pyrimidins zurückgeführt werden. Siehe hierzu auch:
- Nivellierender Effekt des Wassers
- für die Definition nach Lewis siehe: Säure
- für den Gebrauch des Begriffs "basische Aminosäure" siehe Aminosäure Siehe auch die Begriffsklärungen Base und Basis Kategorie:Chemikaliengruppe ko:염기

Puffer

Ein Puffer ist (in der Regel) ein "Zwischenstück", das etwas aufnehmen kann. Ein Puffer ist (je nach Bedeutung)
- ein Speicher, um Schwankungen zwischen Zufluss und Abfluss von Stoff-, Geld-, Waren- oder Energieströmen auszugleichen. Siehe auch: Puffer (Informatik)
- eine Vorrichtung, um Kräfte während des Aufpralls zwischen zwei Objekten abzufangen - entweder reversibel (mit Federwirkung)- beispielsweise bei Schienenfahrzeugen oder irreversibel (durch Verformung)- beispielsweise Knautschzonen, Stoßfänger (nur bedingt elastisch), Airbags, Sprungtuch
- ein elektrischer Verstärker, der eine 1-fache Spannungsverstärkung, einen hohen Eingangswiderstand und einen geringen Ausgangswiderstand hat. Siehe Impedanzwandler.
- ein Zeitraum, um die ein Vorgang sich verzögern darf, ohne den Nachfolger zu gefährden. Siehe Netzplantechnik.
- die Kurzbezeichnung für das Gericht Kartoffelpuffer.
- ein chemischer Stoff bzw. eine Kombination von chemischen Stoffen (Puffersystem), welche dazu tendieren den pH-Wert einer Lösung konstant zu halten, siehe Pufferlösung, Pufferkapazität und Pufferbereich Siehe auch: Pufferbatterie, Pufferzone

Ulcus duodeni

Ulcus duodeni(lat.) ist ein Geschwür (Ulcus) im Zwölffingerdarm (Duodenum). Es ist seit 1824 bekannt.

Ursachen

An der Entstehung eines Ulcus duodeni scheinen mehrere Faktoren beteiligt zu sein. Es tritt gehäuft im jüngeren bis mittleren Lebensalter vorwiegend bei Personen männlichen Geschlechts und bei Personen mit Blutgruppe 0 auf. Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori wird als Risikofaktor beschrieben, ein vermehrtes Auftreten im Frühling und im Herbst wird beobachtet. Auch psychosomatische Faktoren spielen eine Rolle.

Literatur


- Yvonne Syha, Laura Popescu, Mario Wurglics, Manfred Schubert-Zsilavecz: Geschichte der Ulcustherapie. Pharmazie in unserer Zeit 34(3), S. 188 - 192 (2005), ISSN 0048-3664 Kategorie:Gastroenterologie

Gastritis

Gastritis, auch Magenschleimhautentzündung ist eine Krankheit des Magens. Man unterscheidet zwischen akuter und chronischer Gastritis. Akute Gastritis wird meistens durch äußere Umstände wie zum Beispiel Alkoholmissbrauch, Stress, schwere Verletzungen oder Infektion von Helicobacter pylori ausgelöst. Symptome dafür sind Bauchschmerzen, Magenblutung, Appetitlosigkeit oder Erbrechen. Die Behandlung der akuten Gastritis erfolgt erstrangig durch die Beseitigung der Ursache (wie zum Beispiel Medikamentgebrauch oder Stress). Dazu werden Magenschutzmittel verabreicht. Chronische Gastritis kann viele Ursache haben und wird hauptsächlich in drei Kategorien aufgeteilt:
- Die A(utoimmun)-Gastritis ist eine Autoimmunkrankheit, deren Ursache noch nicht völlig aufgeklärt ist und macht etwa 5% der chronischen Gastritis aus. Die A-Gastritis kann zu einem Vitamin B12 Mangel führen.
- Die B(akterielle)-Gastritis wird durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht. Sie ist die häufigste Form der chronischen Gastritis. Der Erreger dieser Infektionskrankheit wurde von Robin Warren und Barry Marshall identifiziert. Für diese Entdeckung wurden sie im Jahre 2005 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.
- Die C(hemische)-Gastritis wird durch Reizung von chemischen Substanzen verursacht. Bestimmte chemische Substanzen können die Magensäureproduktion anregen, oder die Schutzschicht der Magenschleimhaut schwächen. Regelmäßiger Alkohol- oder Nikotinmissbrauch kann zum Beispiel C-Gastritis hervorrufen. Symptome für chronische Gastritis sind Bauchschmerzen, Blähungen und andere Bauchbeschwerden. Behandlungen der chronischen Gastritis erfolgen durch entsprechende Vermeidung oder Bekämpfung der Ursache wie zum Beispiel Bekämpfung von H.pylori oder Vermeidung von Alkoholgenuss.

Weblinks


- [http://www.medicoconsult.de/Gastrobook/Gastri.php Gastritis] Informationen für Ärzte, Medizinstudenten und medizinisch gebildete Laien
- [http://flexicon.doccheck.com/Gastritis Gastritis - Flexicon]
- [http://www.medinfo.de/index.asp?r=576&thema=Gastritis Medinfo.de - gute Webadressen zu Gastritis] Kategorie:Krankheit Kategorie:Autoimmunerkrankungen ko:위염

Prophylaxe

Die Prophylaxe (griechisch προφύλαξη) bedeutet die Vorbeugung. Synonym dazu ist die Prävention (von lateinisch praevenire „zuvorkommen, verhüten“). Diese Begriffe werden in der Alltagssprache, in der Kriminalistik, in der Medizin, Zahnmedizin und in der Pflege benutzt. In der Medizin bzw. Pflege bezeichnet man Maßnahmen als prophylaktisch oder präventiv, die das Auftreten bestimmter Krankheiten, Unfälle oder Komplikationen verhindern oder unwahrscheinlicher machen sollen.

Begriffsdifferenzierung

Zielebenen der Prävention in der Medizin:
- Primäre Prävention will den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und Unfälle oder die Entstehung von Krankheiten vermeiden.
- Sekundäre Prävention bezieht sich auf Krankheitsfrüherkennung (Screening) und Behandlung in einem möglichst frühen Stadium (z.B. Krebsvorsorge).
- Zur tertiären Prävention zählen Maßnahmen, die Krankheitsrückfällen vorbeugen, die Verschlimmerung von chronischen Erkrankungen verlangsamen oder Folgestörungen bei bestehenden Krankheiten verhindern. Ansatzpunkte präventiver Maßnahmen:
- Bei der Verhaltensprävention oder personalen Prävention soll das Individuum durch Aufklärung oder Information (siehe: Gesundheitsbildung), Stärkung der Persönlichkeit oder auch Sanktionen dazu motiviert werden, Risiken zu vermeiden bzw. gesundheitsfördernde Verhaltensweisen zu übernehmen.
- Bei der Verhältnisprävention oder strukturellen Prävention werden die strukturellen Bedingungen verschiedener Lebensbereiche (Arbeit, Familie, Freizeit) oder Umweltfaktoren möglichst risikoarm ausgestaltet. Es ist nicht nur effizienter, sondern oft auch wesentlich effektiver, Gesundheit vorbeugend zu schützen als sie wiederherzustellen.

Allgemein als sinnvoll betrachtete Maßnahmen


- Hygiene
- Ausgewogene Ernährung
- Verminderung von Risikofaktoren, wie Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel
- Trinkwasser- und Speisesalzjodierung zur Vorbeugung des Schilddrüsenkropfes
- Folsäurebeigabe zum Mehl zur Verhinderung von Neuralrohrdefekten
- Einige Impfungen
  - Kinderlähmung
  - Diphtherie
  - Tetanus
  - Keuchhusten
  - Hepatitis B
  - Hämophilus influenzae Typ B, ein Erreger der Meningitis
  - Mumps
  - Masern
  - Röteln bei Mädchen (zur Eindämmung auch bei Jungen, so dass sich weniger - ungeimpfte - Schwangere infizieren)
  - Windpocken
- Vitamin-D-Gabe im ersten Lebensjahr zur Vorbeugung der Rachitis
- Vermeiden der Bauchlage und Maßnahmen zur Schlafumgebung von Säuglingen zu Vorbeugung des plötzlichen Kindstods
- Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta zur Kariesprophylaxe
- Safer Sex
- Geschwindigkeitsbegrenzungen zur Vermeidung von Verkehrsunfällen
- Gurtpflicht für Autofahrer
- Helmpflicht für Motorradfahrer und Helmbenutzung bei Radfahrern
- Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften
- Sonnenschutzmittel
- und andere Einige Maßnahmen der Prophylaxe haben sich als außerordentlich erfolgreich erwiesen, so zum Beispiel die Impfung gegen die Kinderlähmung oder die Pocken. Erfolgreich war auch die Verminderung der Berufskrankheiten und Berufsunfälle durch die Berufsgenossenschaften. Andere Maßnahmen sind kaum durchzusetzen. So war beispielsweise die Reduzierung des Rauchens wenig effektiv, obwohl das Rauchen für circa 25 % aller Krebsfälle verantwortlich zu machen ist. Auch die Überernährung ist nur unzureichend zu bremsen.

Risikoabwägung

Im Gegensatz zur Therapie von Krankheiten, bei der die Maßnahmen auf den Einzelfall zugeschnitten sind, werden prophylaktische Maßnahmen oft pauschal für größere Bevölkerungsgruppen empfohlen. Hierbei besteht unter Umständen die Gefahr, dass bislang gesunde Menschen geschädigt werden (z. B. Impfschäden). Bei Kranken müssen gegebenenfalls auch Wechselwirkungen mit Medikamenten bedacht werden. Prophylaktische Maßnahmen können daher nur dann empfohlen werden, wenn der zu erwartende Nutzen höher ist als die unerwünschten Nebenwirkungen. So ist beispielsweise der Nutzen der Tetanus-Impfung unumstritten. Dagegen kann eine prophylaktische Impfung gegen Milzbrand, wie sie nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 diskutiert wurde, wegen der zu erwartenden Nebenwirkungen nur angeordnet werden, wenn die Verbreitung der Erreger unmittelbar zu befürchten ist.

Literatur


- Klaus Hurrelmann, Theodor Klotz, Jochen Haisch (Hrsg.), Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung, Verlag Hans Huber, Bern u.a. 2004
- Tillmann Kommerell, Wolfgang Willig (Hrsg.), Geistes- und Sozialwissenschaften pflegerelevant. Ein Lehrbuch für die Gesundheits- und Krankenpflege, Selbstverlag Willig, Balingen 2005
- Annette Lauber, Petra Schmalstieg (Hrsg.), Prävention und Rehabilitation, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York 2004

Siehe auch


- Drogenpolitik, Drogenprävention, Drogenkonsumprävention
- Gesundheitsbildung, Gesundheitsförderung, Gesundheitsvorsorge
- Healthism
- Infektion
- Postexpositions-Prophylaxe
- Präemptiv
- Präservativ
- Präventionsgesetz
- Screening
- Sexualkunde
- Sucht, Suchtprävention
- Umweltmedizin
- Vorsorgeprogramm
- WHO

Weblinks


- [http://www.die-gesundheitsreform.de/glossar/praevention.html Das Glossar zur Gesundheitsreform (BMGS): Prävention]
- [http://www.bzga.de/ Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung]
- [http://www.wikiservice.at/wikimed/wiki.cgi?Pr%e4ventive__Medizin Präventive Medizin (WikiMed)]
- [http://www.gesundheitsfoerderung.ch/de/knowhow/links/default.asp Gesundheitsförderung in der Schweiz]
- [http://www.praevention.at Institut Suchtprävention] Kategorie:Medizinstatistik Kategorie:Gesundheit !

Selbstmedikation

Als Selbstmedikation wird eine Behandlung von Krankheiten oder Symptomen durch Medikamente bezeichnet, ohne dass vorab mit einem Arzt Rücksprache gehalten wurde. Besonders häufig ist diese Form der Medikation bei so genannten "Alltagsbeschwerden", etwa Kopfschmerzen, Durchfall, Erkältungsbeschwerden oder Übelkeit. Zur Selbstmedikation eignen sich ausschließlich rezeptfreie Produkte sowie so genannte Hausmittelchen. Eine Einnahme oder Anwendung von rezeptpflichtigen Mitteln oder eine länger andauernde Einnahme bei bleibenden Beschwerden muss auf jeden Fall mit einem Arzt abgestimmt werden - was häufig genug leider nicht geschieht. So wird ein vom Arzt verordnetes Antibiotikum oft nach der ersten Besserung der Beschwerden vom Patienten selbst abgesetzt und bei Auftreten ähnlicher Beschwerden wieder eingenommen. Abgesehen davon, dass ein Antibiotikum bei klarer Indikation auch über die Besserung der subjektiven Beschwerden eingenommen werden muss, ist es auch für den Arzt oft schwer genug zu entscheiden, ob die Gabe eines Antibiotikums im Einzelfall angezeigt ist. Die aus einem solchen Verhalten entstehenden Konsequenzen sind z.B. eine zunehmende Resistenzentwicklung bei vielen Keimen. Selbstmedikation wird - ohne dies ausdrücklich zu erwähnen! - über die Propagierung rezeptfreier Medikamente zwecks Kostenersparnis gefördert. Allerdings verursachen z.B. die am häufigsten verkauften rezeptfreien Substanzen, nämlich Analgetika wie Aspirin und andere nichtsteroidale Antirheumatika, jährlich viele Todesfälle durch Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt . Siehe auch: OTC-Arzneimittel Kategorie:Pharmakologie

Sodbrennen

Sodbrennen beschreibt eine brennende oder schmerzhafte Empfindung in der oberen Magengegend, die durch den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Oesophagus) ausgelöst wird. Ein geringfügiger gastroösophagealer Reflux, zum Beispiel nach fettigen Speisen ist physiologisch. Jeder fünfte Mensch verspürt gelegentlich Refluxsymptome. In der Alternativmedizin wird Sodbrennen auch mit einer Übersäuerung des Säure-Basen-Haushaltes des Menschen in Verbindung gebracht. Die pathologische Form des Sodbrennens heißt Refluxkrankheit oder Refluxoesophagitis. Die gastro-ösophageale Refluxerkrankung (Sodbrennen, Refluxösophagitis, GERD) ist relativ weit verbreitet und betrifft mehrere Millionen Menschen. Die Symptome sind hauptsächlich Sodbrennen, Brennen in der Brust und eventuell ein bitterer Geschmack im Mund. Die Refluxerkrankung (GERD) kann viele Ursachen haben. Glücklicherweise gibt es Behandlungsmethoden, welche die Symptome lindern.

Anatomie

Nachdem die Nahrung gekaut wurde, wird sie durch die Speiseröhre in den Magen geleitet. Dort wird sie von verschiedenen Säuren verdaut. Die Säuren befinden sich normalerweise nur im Magen und werden durch einen Schließmuskel-Mechanismus daran gehindert, in die Speiseröhre einzutreten. Dieser Mechanismus besteht aus zwei Muskeln und verhindert den Rückfluss der Nahrung oder der Magensäfte in die Speiseröhre. Der erste Muskel befindet sich direkt am Übergang von der Speiseröhre zum Magen. Dieser Bereich wird als Unterer Speiseröhren-Schließmuskel (LES) bezeichnet. Der Muskel erlaubt den Eintritt von Nahrung in den Magen und macht einen Rückfluss nicht möglich. Der zweite Muskel ist das Zwerchfell, ein sehr großer Muskel, der die Lungen vom Bauchraum trennt und bei der Atmung eine wichtige Rolle spielt. Im Zwerchfell befindet sich ein Loch, durch das die Speiseröhre führt. Dieses wird Hiatus genannt. Der Hiatus verhindert ebenso wie der LES den Rückfluss von Nahrung oder Säuren aus dem Magen in die Speiseröhre. Wenn diese Muskeln nicht richtig funktionieren, können Magensäfte in die Speiseröhre fließen und dort Sodbrennen verursachen. Dies ist als gastro-ösophagealer Reflux bekannt. Die Magenwände bestehen aus Zellen, die den Säuren stand halten. Die Speiseröhre hat jedoch keine solche Schutzfunktion und kann daher von den Säuren angegriffen werden. Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten kann es bei nächtlichem Sodbrennen Abhilfe schaffen, auf der linken Körperhälfte zu schlafen: Menschen, die auf der rechten Körperseite schlafen, haben doppelt so häufig Sodbrennen, denn der Magenausgang liegt rechts, sodass der Ausfluss von Magensäure durch eine Rechtsseitenlage begünstigt wird, während eine Linksseitenlage präventiv bzw. lindernd wirkt. Darüber hinaus kann eine Erhöhung des Oberkörpers günstig sein. Ursachen und ihre Auswirkungen Wenn der Schließmuskel-Mechanismus, der den Rückfluss verdauter Nahrung in die Speiseröhre verhindert, nicht richtig funktioniert, können Säuren in die Speiseröhre gelangen und manchmal den Mund erreichen. Die Säuren können die Speiseröhre reizen und sie sogar zerstören. Vom Mundbereich aus können die Säuren in die Lungen fließen. Die Auswirkungen, welche die Säuren auf Speiseröhre, Mund und Lungen haben, verursachen die Symptome von GERD. Die Hauptursache von GERD ist die Schwäche des LES. Einige Chemikalien wie Koffein, Alkohol, Nikotin und Schokolade können diese Schwäche hervorrufen. Andere medizinische Probleme wie Zwerchfellbrüche verstärken das Risiko von GERD. Durch große Zwerchfellbrüche können Magenanteile ins Innere der Brust verlagert werden. Dies bedingt einen Rückfluss von Nahrung oder Säuren in die Speiseröhre.

Signale und Symptome

Achtung: Der nachfolgende Abschnitt beschreibt Symptome und Probleme bei andauerndem krankhaftem Sodbrennen. GERD verursacht typischerweise Sodbrennen. Wenn die Magensäfte den Mund erreichen, entsteht ein bitterer und saurer Geschmack. In Ausnahmefällen können auch Rückenschmerzen durch GERD hervorgerufen werden. Solche Rückenschmerzen können aber bereits Anzeichen für einen bevorstehenden Herzinfarkt sein. Die Symptome verschlechtern sich im Allgemeinen, wenn sich die Patienten hinlegen. Dadurch können mehr Magensäfte in die Speiseröhre einfließen. Einige Patienten haben eventuell Hustenanfälle, sobald sie sich hinlegen. Dies wird durch Magensäuren hervorgerufen, die über die Speiseröhre in die Luftröhre, und von dort in die Lungen gelangen. Durch das Husten versucht der Körper die zerstörerischen Säuren aus der Lunge zu entfernen. Um einen Rückfluss von Säuren in den Mund zu verhindern, kann es für Patienten mit GERD sinnvoll sein, in einer sitzenden Position zu schlafen. Zumindest sollte jedoch der Kopf erhöht liegen. Wird GERD nicht behandelt, wird die Speiseröhre durch die Säuren zerstört. Dies kann zu ernsthaften medizinischen Problemen führen. Andere Krankheiten können allerdings ähnliche Symptome hervorrufen wie GERD. Zum Beispiel können Herzinfarkten ebenso Brustschmerzen und Sodbrennen vorangehen, die ähnlich den Symptomen von GERD sind. Geschwüre im Magen oder dem Darm können auch derartige Symptome verursachen. In seltenen Fällen gilt dies auch für Gallenblasen- oder Bauchspeichelproblemen.

Therapieoptionen

Da sehr ernsthafte Krankheiten, wie Herzprobleme, ähnliche Symptome wie GERD aufweisen, ist es für Patienten unbedingt erforderlich, medizinischen Rat zu suchen. Der Arzt wird dann versuchen sicherzustellen, dass die Symptome nicht die einer lebensbedrohlichen Krankheit sind. Eventuell wird der Arzt einige Tests empfehlen, wie zum Beispiel eine endoskopische Untersuchung des Magens. Dabei werden Bilder vom Inneren des Magens gemacht. Andere Tests können den Säuregehalt in der Speiseröhre ermitteln. Röntgentest der Speiseröhre, des Magens und der Brust oder EKGs können außerdem notwendig werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die erste Behandlungsmöglichkeit schließt zunächst eine Änderung des Lebensstils ein. Dabei sollten folgende Produkte im Konsum eingeschränkt werden, da sie die Symptome von GERD verursachen und verschlimmern können.
- Alkohol
- Schokoladen
- Koffein
- Nikotin
- Kohlensäurehaltige Getränke
- Fettige oder würzige Nahrung
- Zwiebeln
- Pfefferminze
- Zitrusfrüchte
- Tomaten und ihre Nebenprodukte Manchmal hilft es auch, mit zwei oder drei Kissen zu schlafen. Alternativ können Patienten das Kopfende ihres Bettes mit Holzblöcken (Bücher) erhöhen, um das ganze Bett in eine Schräglage zu bringen (ca. 10-15 cm.) dadurch entsteht kein Knick und der Rückfluss wird verhindert. Zum Schlafen sollte die günstigste Seite ausprobiert werden, wobei Schlaf auf der linken Seite am günstigsten ist. Bei übergewichtigen Patienten kann eine Gewichtsreduktion manchmal helfen, die Symptome von GERD zu lindern. Enge Kleidung oder Gürtel und unnötiges Bücken sollten vermieden werden, da sie die Symptome verschlimmern könnten. Eine andere Behandlungsmöglichkeit betrifft das langsame Essen kleiner Portionen von Nahrung. Große Mengen auf einmal zu verzehren erhöht plötzlich den Druck auf den Magen und verschlimmert die Symptome von GERD. Falls durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten keine Besserung der Symptome erreicht wird, kann eine medikamentöse Behandlung empfohlen werden. Medikamente können dabei helfen a) die Aktivität der Magensäure zu vermindern
b) den LES zu stärken. Einige dieser Medikamente können starke Nebenwirkungen haben. Wenn nicht-chirurgische Maßnahmen keinen Erfolg bringen, wird ein chirurgischer Eingriff empfohlen (Laparoskopische Fundoplicatio). Während der Operation wird ein Teil des Magens teilweise um die untere Speiseröhre gewickelt (Fundoplicatio). Dieser Eingriff wird auf minimal invasiven Weg im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt. Komplikationen Wenn GERD nicht behandelt wird, kann es zu einer Entzündung der Speiseröhre und eventuell zu einem erhöhten Risiko für Speiseröhrenkrebs kommen. Als Vorsorge-Untersuchung bietet sich die Magenspiegelung an, wobei Ursache und Ausmaß der bestehenden Refluxkrankheit geklärt werden können. Insbesondere wird festgestellt, ob bereits eine chronische Entzündung der Speiseröhre vorliegt. Eine Narbenbildung in der Speiseröhre kann außerdem zu deren Verengung führen. Dies wird als Speiseröhrenstriktur bezeichnet. Diese können eine Behinderung beim Schlucken darstellen. Bei sehr ernsten Fällen von GERD kann es auch zu chronischer Entzündung der Lungen und zu Atembeschwerden kommen.

Zusammenfassung

GERD ist ein weit verbreiteter Zustand. Die Behandlung ist sehr erfolgreich, hängt aber auch davon ab, ob die Patienten einige ihrer Lebens- und Essgewohnheiten ändern. Eine medikamentöse Behandlung kann außerdem sehr erfolgreich die Symptome von GERD reduzieren.

Literatur


- Christian Pehl, Wolfgang Schepp: Wie entsteht Sodbrennen? Pathomechanismen und Einflussfaktoren. Deutsches Ärzteblatt (Köln) 99(44), S. A2941 - A2949 (2002), ISSN 0012-1207
- Volker F. Eckardt: Wie gefährlich ist Sodbrennen? Deutsches Ärzteblatt (Köln) 99(25), S. A1754 - A1759 (2002), ISSN 0012-1207

Weblinks


- http://www.sodbrennen.net
- http://www.sodbrennen-welt.de Website über das Sodbrennen
- [http://www.dkmic.de/forum/n_reflux.html Deutsche Klinik für minimal invasive Chirurgie - Refluxerkrankung] Kategorie:Krankheit

Metabolische Alkalose

Metabolische (Stoffwechsel bedingte) Alkalose

Bei Erbrechen oder Magendrainage (absondern von Mageninhalt) kann es durch den Verlust von Wasserstoff- und Chloridionen der Magensäure zu einer metabolischen Alkalose kommen. Therapeutisch steht die Korrektur der in der Regel starken Elektrolytstörung im Vordergrund (Infusionstherapie)

Siehe auch


- Respiratorische Alkalose
- Metabolische Azidose
- Respiratorische Azidose
- Alkalose
- Azidose Kategorie:Krankheitssymptom Kategorie:Medizin Kategorie: Krankenpflege

Aluminiumhydroxid

Das Aluminiumhydroxid, Summenformel Al(OH)3 wird nach seinen Erscheinungsformen unterschieden und hat amphoteren Charakter.

Modifikationen

Vom Aluminiumorthohydroxid Al(OH)3 sind drei Modifikationen bekannt:
- monokliner Hydrargillit (α-Al(OH)3)
- hexagonaler Bayerit (β-Al(OH)3)
- Nordstrandit Weiterhin existiert das wasserärmere Aluminiummetahydroxid (Aluminiumoxidhydroxid) AlO(OH) von dem folgende Variationen existieren:
- orthorhombischer Böhmit (α-AlO(OH))
- rhombischer Diaspor (β-AlO(OH))

Vorkommen

Die Aluminiumhydroxidmodifikationen Hydrargillit und Bayerit kommen in der Natur als Bestandteile des Bauxit vor.

Synthese

Durch Fällung von Aluminiumhydroxid mit Ammoniak in wäßriger Aluminiumsalzlösung erhält man eine als Aluminiumoxidhydrat bezeichnet amorphe und voluminöse Form, die sich über die Zeit langsam über Bayerit und Böhmit in den thermodynamisch stabilen Hydrargillit wandelt. Wird Kohlendioxid in eine Natriumaluminatlösung eingeleitet bildet sich bei 80 °C kristallines α-Al(OH)3. Bei geringerer Temperatur würde zunächst Bayerit entstehen, der allmählich in α-Al(OH)3 übergeht. Durch Erhitzung von Hydrargillit auf 300 °C wird eine teilweise Entwässerung zu kristallisiertem Böhmit erwirkt. Diaspor wird dargestellt in dem Böhmit in wäßriger Natronlauge unter Druck (50 MPa) auf 380 °C erhitzt wird. Werden die verschiedenen Aluminiumhydroxidformen durch starkes erhitzen dehydriert, erhält man schließlich Aluminiumoxid Al2O3.

Reaktionsverhalten

Unter Einwirkung von Basen wird Aluminiumhydroxid in Aluminate überführt: Al(OH)_3 + OH^- \to [Al(OH)_4]^- In Säuren reagiert es zu den entsprechenden Aluminiumsalzlösungen. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist dabei abhängig von der beteiligten Modifikation, so ist die Löslichkeit in Säuren bei amorpher Struktur wesentlich größer als bei kristalliner Form.

Verwendung

Bayerit und Hydrargillit treten als Zwischenprodukte bei der Aluminiumgewinnung in Erscheinung.

Wiki-/Weblinks

Siehe auch:
- Chemikalienliste
- WikiProjekt Chemikalien
- Portal:Chemie Kategorie:Chemische Verbindung th:อะลูมิเนียมไฮดรอกไซด์

Magnesiumhydroxid

  Magnesiumhydroxid Mg(OH)2 bildet ein amorphes weißes Pulver. In der Natur kommt es vereinzelt als Brucit vor.

Eigenschaften

In Wasser und alkalischen Lösungen ist es schwerlöslich. In Lösungen, die Ammoniumsalze enthalten, ist es gut löslich, da hier die Ammonium-Ionen die Hydroxid-Ionen "einfangen". Magnesiumhydroxid bildet mit Säuren basische und neutrale Salze. Bei Temperaturen oberhalb 350°C tritt langsam Zersetzung zum Magnesiumoxid ein. Bei 600°C liegt das Gleichgewicht praktisch auf der Seite des Oxides.
Mg(OH)2 -> MgO + H2O

Herstellung

# Ausfällen von Magnesiumhydroxid mit Kalkmilch aus Restlaugen der Kaligewinnung, anschließend Filtration und Trocknung bei etwa 100°C :
MgCl2 + Ca(OH)2 -> Mg(OH)2 + CaCl2 # Ausfällen von Magnesiumhydroxid aus Meerwasser mit gebranntem Dolomit, anschließend Filtration und Trocknung bei etwa 100°C :
MgCl2 + CaO
- MgO + 2 H2O -> 2 Mg(OH)2 + CaCl2 # Bei besonders hohen Reinheitsanforderungen lässt man Magnesium auf Wasser einwirken :
Mg + 2 H2O -> Mg(OH)2 + H2

Verwendung


- Heizölzusatz zur Abbindung von Schwefeldioxid
- Putzmittel
- Antacida und mildes Abführmittel
- Flockungsmittel in der Abwasserbehandlung
- Flammschutzmittel in thermoplastischen Kunststoffen wie Polyolefinen, PVC, sowie in Elastomeren Der größte Teil des für industrielle Zwecke hergestellten Magnesiumhydroxids wird durch Calcinieren (Brennen) bei 500 - 600°C zum Magnesiumoxid weiterverarbeitet. Kategorie:Chemische Verbindung ja:水酸化マグネシウム th:แมกนีเซียมไฮดรอกไซด์

Niereninsuffizienz

Als Niereninsuffizienz bezeichnet man die akute oder chronische Abnahme der Nierenfunktion. Als Maß für die Nierenfunktion gilt die glomeruläre Filtrationsrate (GFR).

Stadien

Die Niereninsuffizienz wird in mehrere Stadien eingeteilt: # Kompensierte Niereninsuffizienz: Glomeruläre Filtrationsrate messbar eingeschränkt, Laborwerte noch normal. # Stadium der kompensierten Retention: Laborwerte (Kreatinin < 6 mg/dl, Harnstoff) erhöht, Patient klinisch beschwerdefrei. # Präterminale Niereninsuffizienz: Patient symptomatisch, z.B. Gewichtsverlust, Anämie, Störung des Knochenstoffwechsels. Wird oft als Stadium der dekompensierten Retention bezeichnet. (Kreatinin > 6 mg/dl) # Terminale (dialysepflichtige) Niereninsuffizienz: Trotz Ausschöpfung konservativer Maßnahmen durchgehend klinische Beschwerden, lebensgefährliche Komplikation Hyperkaliämie. Therapie: Dialyse, Nierentransplantation.

Siehe auch

Diurese, Alport-Syndrom

WebLinks

www.netdoktor.de: [http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/chronisches_nierenversagen.htm - Chronisches Nierenversagen] [http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/nierenversagen_akutes.htm - Akutes Nierenversagen] [http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/nierenversagen.htm - Harnvergiftung (Urämie)] Kategorie:Krankheit Kategorie:Urologie Kategorie:Nephrologie

Laxans

Abführmittel, Laxativa oder Laxanzien sind pharmazeutisch wirksame Mittel, die die Stuhlentleerung beschleunigen. Man setzt sie also gegen Verstopfung ein (nicht aber gegen Darmverschluss). Laxativa sind das Mittel der Wahl, wenn eine Verstopfung nicht mehr durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten geheilt werden kann. Eine bewusste Ernährung mit Ballaststoffen, viel Gemüse und mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag und ein gemäßigtes Sportprogramm helfen, die Verdauung zu normalisieren. Helfen diese Maßnahmen nicht, kann man zu einem Abführmittel greifen. Man sollte aber so wenig wie möglich einnehmen und wenn die Verstopfung noch eine weitere Woche anhält, zum Arzt gehen.

Geschichte

Abführmittel sind seit 2.500 v. Chr. bekannt. In Mesopotamien und im Alten Ägypten wurde das aus Rizinussamen gewonnene Öl für diese Zwecke eingesetzt. Die Assyrer kannten um 1500 v. Chr. neben der Verwendung ballaststoffreicher Nahrungsstoffe wie beispielsweise Kleie auch saline Abführmittel, die den Wassergehalt des Darmtraktes erhöhen. Siehe auch: Frankfurter Pillen

Wirkprinzipien von Abführmitteln

Bei Abführmitteln wird die Wirkung in drei Wirkmechanismen untergeteilt, die volumenersteigernde Wirkung, die motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Wirkung und die Gleitwirkung des Stuhles. Die am häufigsten verwendeten Abführmittel sind die motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel.

Volumenersteigernde Mittel

Die Wirkung dieser Abführmittel wird meistens dadurch erzielt, dass sie das Volumen innerhalb des Darms vergrößern. Dadurch wird auch der Druck auf den Darm größer und dieser reagiert mit der Auslösung von Wellenbewegungen, die den Speisebrei weiter in die gewünschte Richtung schieben. Diese Volumenzunahme kann durch mehrere Mechanismen ausgelöst werden:

Füll- und Quellstoffe

:Quellung des Speisebreis durch Wasseraufnahme (Flüssigkeit allein sorgt durch ihre Anwesenheit bereits für die gewünschte Volumenzunahme. Die Ballaststoffe in der Nahrung nehmen Flüssigkeit auf und vergrößern so ihr Volumen). Es ist darauf zu achten, daß die Ballaststoffe mit genügend Flüssigkeit eingenommen werden, da sonst die Gefahr eines Darmverschlusses besteht. Folgende Ballaststoffe, die zusätzlich genommen werden, sind bekannt: :
- Leinsamen :
- indische Flohsamenschalen

Osmotisch wirkende Abführmittel

Als Osmose bezeichnet man den Vorgang der Diffusion eines Lösungsmittels durch eine halb durchlässige Membran zum Ausgleich von Konzentrationsunterschieden der durch die Membran getrennten Flüssigkeiten. Dabei kommt es durch den Einstrom von Lösungsmittel in die stärker konzentrierte Flüssigkeit zu einem Ausgleich der Konzentration gelöster Teilchen in beiden Flüssigkeiten. In verschiedenen Bereichen des Körpers herrscht ein bestimmter osmotischer Druck, der sich nur in engen Grenzen bewegen darf. Im menschlichen Körper handelt es sich bei dem Lösungsmittel um Wasser und die Darmwand stellt in diesem Zusammenhang die semipermeable Membran dar. Bei den osmotisch wirkenden Abführmitteln handelt es sich um Stoffe, die nur zu einem geringen Anteil aus dem Darm in den Körper aufgenommen werden können und im Darm zu einem erhöhten osmotischen Druck führen. Nun wird durch Einströmen von Wasser in den Darm der erhöhte osmotische Druck ausgeglichen und dadurch kommt es in Folge des vergrößerten Stuhlvolumens zu einer Dehnung der Darmwand und damit zu der abführenden Wirkung. :Salinische Abführmittel :Die salinischen Abführmittel sind Salze, die sich im Wasser lösen und Anionen enthalten, die osmotisch aktiv sind und Wasser im Darm zurückhalten. Sie erhöhen im Darm den osmotischen Druck und bewirken dadurch eine Zunahme des Volumens im Darm. Diese "Abführsalze" werden heute noch gerne zu Beginn von Fastenkuren genommen, haben aber teilweise einen sehr salzigen oder bitteren Geschmack. Je nach Konzentration der zubereiteten Salzlösung kann die Wirkung schon innerhalb von 2 bis 4 Stunden eintreten. Die gebräuchlichsten Salze sind hierbei: :
- Natriumhydrogenphosphate :
- Natriumsulfat (Glaubersalz) :
- Magnesiumsulfat (Bittersalz) :
- Natriumcitrat :Zucker und Zuckeralkohole :Abführmittel in Form von Zucker oder Zuckeralkohole werden aus dem Darm nur geringfügig aufgenommen. Durch ihre Anwesenheit führen sie im Darm zu einem erhöhten osmotischen Druck, der durch vermehrte Wassereinlagerung ausgeglichen wird. Dadurch wird der Stuhl erweicht und die Stuhlmenge erhöht. Die Zucker oder Zuckeralkohole verursachen häufig unangenehme Blähungen. Da diese Stoffe von den Darmbakterien aufgespalten werden müssen, kann es je nach Dosierung zu unterschiedlichen Zeiträumen beim Wirkungseintritt schon nach 2 Stunden oder aber erst nach einigen Tagen kommen. Zu den gebräuchlichsten Zucker und Zuckeralkoholen gehören: :
- Lactitol (Lactit) :
- Lactose (Milchzucker) :
- Lactulose (auch bei hepatischer Encephalopathie) :
- Sorbitol (Sorbit) :
- Mannitol (Mannit) :
- Xylitol (Xylit) :Polyethylenglykole (Macrogole) :Polyethylenglykole stellen eine relativ neue Gruppe innerhalb der Abführmittel dar. Ihr Wirkprinzip ist in etwa mit den Superabsorbern vergleichbar, sie binden eine bestimmte Menge an Flüssigkeit an sich und werden vom Körper nicht resorbiert. Dadurch gelangt die zugeführte Menge an Flüssigkeit ungehindert bis zum Enddarm, wo der Stuhl aufgeweicht und der Entleerungsreflex ausgelöst wird. Die Macrogole werden überwiegend bei chronischer Verstopfung und für Darmspülungen vor Untersuchungen wie etwa eine Koloskopie oder zur Vorbereitung von Operationen verwendet, dazu müssen mehrere Liter einer Macrogol-Lösung getrunken bzw. über eine Magensonde verabreicht werden. Der Name Macrogol ist die Kurzbezeichnung für Polyethylenglykol. Die Zahl hinter dem Namen gibt das mittlere Molekulargewicht an. Derzeit werden folgende Kohlenwasserstoffverbindungen als Abführmittel verwendet: :
- Macrogol 4000 :
- Macrogol 3350

Gasbildende Abführmittel

:Das sind Abführmittel, die als Zäpfchen in den Darm eingeführt werden, dort zu einer Gasentwicklung im Enddarm führen und über einen Dehnungsreiz auf die Darmwand als Folge davon der Reflex zur Darmentleerung auslösen. Die Zäpfchen enthalten den Wirkstoff Natriumhydrogencarbonat und als Hilfsstoff Natriumdihydrogenphosphat (H2O-frei), die im feuchten Klima des Enddarmes miteinander reagieren und dadurch das CO2 erzeugen. Das CO2 wird auch von den Darmbakterien produziert und kann daher als natürliches Abführmittel angesehen werden. Folgende Abführmittel, die zu einer Gasentwicklung im Darm führen, sind bekannt: :
- Natriumhydrogencarbonat (Handelsname: Lecicarbon®)

Motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel

Diese Abführmittel beeinflussen die Darmbewegung und bewirken, daß durch den schnelleren Transport dem Darminhalt weniger Wasser entzogen werden kann. Zu diesen Arzneistoffen zählen die pflanzlichen anthranoidhaltigen Abführmittel wie Aloe, Faulbaum, Rhabarber, Senna und die synthetischen Triarylmethan-Derivate wie Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Natriumdioctylsulfosuccinat und Phenolphthalein.

Pflanzliche Abführmittel

:Anthranoidhaltige pflanzliche Abführmittel :Anthranoide sind pflanzliche Inhaltsstoffe, die eine abführende Wirkung besitzen können. Die meisten und umfangreichsten Untersuchungen wurden zur Sennapflanze gemacht. Die Inhaltsstoffe dieser Pflanze werden erst im Dickdarm durch die dort lebenden Darmbakterien in pharmakologisch wirksame Bestandteile umgewandelt. Diese Bestandteile fördern die Darmbewegung und dadurch wird der beschleunigte Transit und die Wasserrückresorption vermindert. Anders als früher angenommen, sind anthranoidhaltige Abführmittel bei normaler Dosierung weder karzinogen noch führen sie zu Vergiftungen, wie in Langzeitstudien festgestellt wurde. Die bei der längeren Anwendung auftretende Schwarzfärbung der Dickdarmschleimhaut ist eine harmlose Pigmentablagerung, die sich nach Absetzen des Abführmittels wieder zurückbildet. Die Wirkung tritt bei den anthranoidhaltigen Abführmitteln nach etwa 8-12 Stunden ein. Hier noch einmal die wichtigsten pflanzlichen anthranoidhaltigen Abführmittel: :
- Aloe :
- Faulbaum :
- Chinesischer Rhabarber :
- Sennapflanze :Rizinusöl :Eines der ältesten und bekanntesten pflanzlichen Abführmittel ist das Rizinusöl. Bei entsprechender Dosierung (10-30 ml) wirkt es innerhalb weniger Stunden und führt oft zu durchfallartigen Stuhlentleerungen. Es kann aber zu allergischen Reaktionen kommen, etwa Hautausschlag oder Magenreizungen. Wegen seines unangenehmen Geschmacks wird es heute nur noch selten verwendet.

Chemische Abführmittel

:Zu den synthetischen Abführmitteln gehören die Triarylmethan-Derivate wie Bisacodyl, Natriumpicosulfat und Phenolphthalein, wobei das Phenolphthalein wegen seiner möglicherweise karzinogenen Wirkung heute nicht mehr verwendet wird. Das wenig wasserlösliche Bisacodyl wird im Dünndarm resorbiert und in der Leber durch Glucuronidierung oder Sulfatierung zu einer wasserlöslichen Substanz verändert. Danach gelangt die veränderte Substanz über die Galle wieder in den Darm und hat damit den enterohepatischen Kreislauf hinter sich. Im Dickdarm werden durch die Darmbakterien das eigentlich wirksame Diphenol gebildet, das zu der bereits mehrfach erwähnten antiresorptiven und hydragogen Wirkung führt. Bei oraler Einnahme dauert es dadurch 10 bis 12 Stunden, bis die erwünschte Wirkung eintritt. Wird das Bisacodyl dagegen Rektal appliziert, so tritt die Wirkung bereists nach 30 bis 60 Minuten ein. Das Natriumpicosulfat ist fast genauso aufgebaut wie das Bisacodyl, es durchläuft aber nicht den enterohepathischen Kreislauf, gelangt daher etwas rascher in den Darm und wirkt deshalb schon nach 4 bis 10 Stunden. :Als Stuhlweichmacher wird häufig das Natriumdioctylsulfosuccinat (Docusat-Natrium) eingestuft. Es ist aber inzwischen nachgewiesen, daß der abführende Effekt auf seiner sekretagogen Wirkung beruht. In der Regel wird das Natriumdioctylsulfosuccinat in Kombination mit Glycerol, Sorbitol oder Bisacodyl als Klistier verwendet. Hier noch eine Zusammenfassung der synthetischen Wirkstoffe: :
- Bisacodyl :
- Natriumpicosulfat :
- Natriumdioctylsulfosuccinat :
- Phenolphthalein

Gleitmittel

Abführmittel die als Gleitmittel verwendet werden, sollen den Stuhl weich und gleitfähig machen. Sie sind daher besonders bei Verletzungen oder Erkrankungen im Analbereich wie etwa bei Hämorrhoiden bei Analfissuren geeignet.Zu den heute noch gebräuchlichen Gleitmitteln zählen:
- Glycerol
- dickflüssiges Paraffin Das Glycerol besitzt außer der Gleitwirkung auch noch eine osmotische Wirkung, da es zusätzlich den Stuhl aufweicht. Es wird bei uns am häufigsten Rektal in Form von Zäpfchen und Klistieren verwendet. Da es keine Nebenwirkungen verursacht, kann es deswegen sogar bei Säuglingen, Kleinkindern und Schwangeren eingesetzt werden. Die Wirkung von Glycerol setzt schon relativ schnell, etwa nach etwa 5 bis 60 Minuten ein und wird gerne auch als Zusatz zum Einlauf verwendet. Das Paraffin wird nur noch selten verwendet, da eine mögliche Resorption von Paraffinöl aus dem Darm zu Fremdkörperreaktionen, vor allem in der intestinalen Mukosa, den mesenterialen Lymphknoten, der Leber und der Milz führen kann. Bei hoher Dosierung kann es zum Heraussickern von Paraffin aus dem After und zu Stuhlinkontinenz kommen. Das Paraffinöl verringert die Resorption lipophiler Arzneimittel, fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) und fettlöslicher essentieller Nahrungsstoffe.

Darreichungsformen von Abführmitteln

Abführmittel werden in unterschiedlichen Formen angeboten und unterscheiden sich in Oral oder Rektal anzuwendende Mittel. Dabei setzt die gewünschte Wirkung bei den Rektal angewendeten Abführmitteln meist schon nach 5 bis 30 Minuten ein, da der Wirkstoff nicht den ganzen Verdauungskanal durchlaufen muß. Bei den Oral verwendeten Abführmitteln tritt je nach Wirkstoff (Wirkprinzip) die Darmentleerung nach 2 bis 12 Stunden oder aber erst nach Tagen (Füll- und Quellstoffe) ein.

Orale Darreichungsform:


- Tabletten und Dragees
- Lutschpastillen
- Früchtewürfel
- Tropfen
- Sirup
- Tee
- Pulver

Rektale Darreichungsform:


- Zäpfchen
- Klistier/Miniklistier

Medizinische Anwendung von Abführmitteln

Als medizinisch sinnvoll werden Abführmittel dann angesehen, wenn der natürliche Nahrungstransport durch den Körper gestört ist und mit gesunder und ballaststoffreicher Ernährung nicht normalisiert werden kann. Abführmittel werden auch bei bestimmten Erkrankungen, in Verbindung mit anderen Medikamenten oder vor medizinischen Behandlungen eingesetzt.

Bei Erkrankungen


- Bei akuter und/oder chronischer Verstopfung
- Bei Darmlähmungen infolge von Erkrankungen z. B. bei Querschnittlähmung, Spina bifida, Bandscheibenvorfall, Schlaganfall, ....
- Bei einer Stuhlinkontinenz, um eine zeitlich vorbestimmte Darmentleerung zu erzielen.
- Wenn die Stuhlentleerung sehr schmerzhaft ist z. B. bei Hämorrhoiden und Analfissuren.
- In der Schwangerschaft, weil dort oftmals eine Verstopfung vorliegt.

Bei Medikamenten


- Wenn ein Patient Opioide (sehr starke Schmerzmittel), zum Beispiel im Rahmen einer Krebserkrankung nehmen muß, die zu einer Verstopfung führen würden.
- Medikamente die zur Behandlung von Inkontinenz (Anticholinergika) eingesetzt werden.

Vor Behandlungen


- Wenn der Darm vor Untersuchungen entleert werden soll z. B. bei einer Darmspiegelung, Untersuchungen mit Kontrastmitteln.
- Vor Operationen im Bauchraum

Andere Anwendungen von Abführmitteln

Abführmittel sind sehr beliebt zum "Abnehmen". Der erzielbare Gewichtsverlust, nachdem man auf dem Klo war, bewegt viele Menschen zu denken, man würde an Körpergewicht verlieren. Tatsächlich besteht der Unterschied in den Gewichten "vorher" und "nachher" überwiegend nur in Wasserverlusten. Trinkt man "hinterher" wieder ein Glas Wasser, wird das Wasser sofort wieder eingelagert und der Effekt ist passé. Sport und eine gezielte Ernährung sind eine bessere Methode, unfreiwillig eingelagertes Wasser wieder los zu werden. Wenn allerdings Wasser aufgrund einer Herzinsuffizienz eingelagert wurde, muss man unbedingt mit seinem Arzt reden, denn Abführmittel können hier eine Verschlechterung bewirken. Abführmittel werden besonders gerne im Frühjahr zum Entschlacken eingesetzt. Ziel soll hierbei sein, den Körper von angesammelten Schlacken zu befreien und ihm hiermit die Möglichkeit zur Regeneration zu geben. Oftmals leitet das Entschlacken eine Fastenzeit ein. Die Befreiung von körperlichem Ballast wie dem Kot wird hier als Aufbruchsignal für die Fastenwoche gesehen. Meist werden hierfür so genannte salinische Abführmittel wie Glaubersalz oder Bittersalz benutzt. Auch hier sollte man einen Arzt befragen, denn diese Mittel können schwere Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Muskelschwäche bis hin zu Reflexausfällen zeigen. Viele Menschen sind außerdem der Überzeugung, man müsse jeden Tag aufs Klo gehen. Es ist aber auch vollkommen normal, wenn man nur dreimal die Woche "groß muss". Gerade ältere Leute, die oftmals krankheitsbedingt nicht in der Lage sind, sich viel zu bewegen und die auch normalerweise weniger und weniger ausgewogen essen, meinen, an Verdauungsstörungen zu leiden. Dann wird ein Abführmittel eingenommen. Allerdings ist der Darm dann erst einmal leer und bis wieder eine ausreichende Füllung da ist, die einen Defäkationsreflex auslöst, dauert es noch eine Weile. Die Gefahr liegt nun darin, am nächsten Tag wieder ein Abführmittel zu nehmen, weil "nichts kommt" und man Angst vor der nächsten Verstopfung hat. Dies führt über kurz oder lang zu einer Gewöhnung, der Darm kann sich schließlich nicht mehr selbst helfen und man wird von den Abführmitteln abhängig.

Was sollte man bei Abführmitteln beachten?

Man sollte zuallererst die Ernährung umstellen und versuchen, ein wenig Sport zu treiben (hierunter zählen auch Spaziergänge von einer halben bis zu einer Stunde!) Klappt das nicht, sollte man es mit Ballaststoffen versuchen. Hierzu muss man aber viel Flüssigkeit (mindestens zwei Glas Wasser pro Tag mehr!) trinken, sonst tritt der gegenteilige Effekt ein. Tritt trotzdem kein Erfolg auf, sollte man seinen Arzt aufsuchen, um sicherzugehen, dass keine ernstere Erkrankung wie etwa ein Darmverschluss vorliegt. Der Arzt wird dann auch entscheiden können, welches Abführmittel im folgenden besser ist. Abführmittel können viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bewirken, und deshalb ist es wichtig, dem Arzt zumindest von der Einnahme eines Abführmittels zu berichten. So kann die gleichzeitige Einnahme von Abführmittel und Antibabypille deren Wirkung beeinträchtigen, wodurch die Verhütung nichtmehr gewährleistet ist. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch (Packungsbeilage) von Abführmitteln sind Nebenwirkungen wie Natrium und Kaliumverlust nicht zu befürchten, da der Körper diese Stoffe aus der Nahrung wieder ergänzen kann. Man sollte daher Abführmittel nie länger als in der Packungsbeilage angegeben verwenden. Hat sich die Verdauung bis dahin nicht normalisiert, kann eine ernsthafte Erkrankung dahinterstehen, in diesem Fall sollte ein Arzt aufgesucht oder zumindest darüber informiert werden. Außerdem besteht dann die Gefahr einer Gewöhnung. Der Körper kann sich dann nicht mehr selbst helfen. Das Abführmittel ist individuell auszuwählen. Am besten sind "sanfte" Abführmittel wie Ballaststoffe oder Zuckeralkohole wie Mannitol oder Lactose (Milchzucker). Nur wenn es unbedingt notwendig ist, können motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel genommen werden. Schwangere sollten unbedingt ihren Arzt / Apotheker fragen, welche Abführmittel sie nehmen dürfen.

Wann darf ich kein Abführmittel nehmen?

Wie bei allen anderen Medikamenten auch, gibt es bei Abführmitteln ebenfalls Situationen, bei denen sie nicht genommen werden dürfen. Besonders bei unklaren Bauchbeschwerden oder Bauchschmerzen darf ohne ärztliche Abklärung kein Abführmittel genommen werden, da evt. ein Darmverschluss (Ileus) die Ursache sein kann. Ebenfalls ohne ausdrückliche ärztliche Genehmigung dürfen Abführmittel bei Darmerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa nicht genommen werden. Auch während einer Schwangerschaft und der Stillzeit ist unbedingt der Arzt zu befragen, welche Abführmittel ohne Risiko verwendet werden dürfen. Bei Kindern unter 12 Jahren ist immer der Arzt zu fragen, da nicht alle Abführmittel für Kinder geeignet sind. Unter folgenden Bedingungen dürfen keine, bzw. nur nach Rücksprache mit dem Arzt, Abführmittel gegeben werden:
- mechanischer Darmverschluß
- akute Baucherkrankungen, z. B. Peritonitis
- bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Blutungen im Magen- Darmtrakt
- akute Unterbaucherkrankungen
- Vorsicht bei angeborenen Fehlbildungen (z. B. Megacolon, Morbus Hirschsprung)
- Vorsicht während der Schwangerschaft / Stillzeit
- Vorsicht bei Kindern unter 12 Jahren
- Vorsicht bei bestimmten Medikamenten (z. B. Herzglykoside)

Nebenwirkungen der Abführmittel

Wie bei jedem anderen Medikament, kann es auch bei Abführmitteln zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Diese Nebenwirkungen sind von mehreren Faktoren wie etwa die Wirkungsweise und Menge des genommenen Abführmittels abhängig. Besonders bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika kann es zu Elektrolytverschiebungen kommen. Bei der Verwendung von anthranoidhaltigen Abführmittel wie z. B. Senna kann es bei stuhlinkontinenten Patienten zu Hautreizungen durch den Stuhl kommen, daher ist hier besonders auf ein regelmäßiges Wechseln des Inkontinenzslips (Windel) zu achten. Hier die wichtigsten Nebenwirkungen von Abführmitteln nach ihrer Wirkungsart unterschieden: Füll- und Quellstoffe
- Völlegefühl
- Blähungen
- mechanischer Darmverschluß bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr Osmotisch wirkende Abführmittel
- Blähungen
- Bauchschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Elektrolytverschiebungen Gasbildende Abführmittel
- Keine Nebenwirkungen bekannt Motilitäts- und sekretionsbeeinflussende Abführmittel
- Blähungen
- Bauchschmerzen
- kolikartige Bauchkrämpfe
- Durchfall
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- allergische Haut- und Schockreaktionen (z. B. Angioödem, anaphylaktoide Reaktionen)
- lokale Reizungen wie z. B. Brennen im Enddarmbereich bei Zäpfchen, Klistieren
- Elektrolytverschiebungen bei Laxantienabusus
- Magenreizungen (bei Rizinusöl) Gleitmittel
- Stuhlinkontinenz bei Paraffinöl
- Paraffinöl verringert die Resorption lipophiler Arzneimittel, fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) und fettlöslicher essentieller Nahrungsstoffe.
- Einlagerung von Paraffin in der intestinalen Mukosa, den mesenterialen Lymphknoten, der Leber und der Milz
- lokale Reizungen wie z. B. Brennen im Enddarmbereich bei Glyzerin (Zäpfchen, Klistiere)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Abführmittel können viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bewirken und deshalb ist es wichtig, den Arzt zumindest von der Einnahme eines Abführmittels zu berichten. So kann die gleichzeitige Einnahme von Abführmittel und Antibabypille deren Wirkung beeinträchtigen wodurch die Verhütung nichtmehr gewährleistet ist. Ebenfalls zu Problemen kann es in Verbindung mit Herzglykoside und Entwässerungsmittel kommen. Die Aufnahme von gleichzeitig eingenommenen Medikamenten aus dem Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn kann verzögert werden. Bei insulinpflichtigen Diabetikern kann eine Reduzierung der Insulindosis erforderlich sein. :Herzmedikamente und Abführmittel :Patienten mit Herzinsuffizienz, die Herzglykoside nehmen, sollten mit Abführmitteln sehr vorsichtig umgehen. Besonders die Abführmittel, welche direkt in den Wasserhaushalt des Körpers eingreifen, können die Wirkung der Herzmedikamente verstärken und zu bedrohlichen Wechselwirkungen führen. Die Herzglykoside (Digitalis) stärken die Herzleistung und werden oft bei nachlassender Herzfunktion oder verschrieben. Ihre Menge wird für jeden Patienten genau berechnet, um Nebenwirkungen wie Farbensehen zu vermeiden. Am Herzen setzen sie dort an, wo eigentlich das Kalium hingehört. Eine veränderte Kaliummenge im Blut verändert auch die Wirkung der Herzglykoside. Für eine gleichbleibende, genau kontrollierte Wirkung ist daher ein gleichbleibender Kaliumspiegel notwendig. Einige Abführmittel hingegen führen oft zu Kaliumverlusten, besonders bei langfristiger Anwendung. Deshalb sollten Abführmittel ohne ärztliche Anweisung nicht länger als zwei Wochen angewendet werden. :Diuretika und Abführmittel :Harntreibende Medikamente, sogenannte Diuretika können den Kaliumverlust weiter verstärken. Durch den Kaliumverlust kann es zu Herz-Kreislaufstörungen und Muskelerschlaffung kommen, die wiederum die Darmträgheit verstärken können. :Kortison-Präparate und Abführmittel :Cortison und Cortisonähnliche Substanzen (Nebennierenrindensteroide) können die Kaliumverluste durch bestimmte Abführmittel auch bei bestimmungsgemäßem Einsatz verstärken und damit auch die Wirkung der Herzglykoside verstärken. :Antibiotika und Abführmittel :Antibiotika können die Wirkung von Abführmitteln teilweise oder sogar ganz aufheben, da sie die biotransformierenden Bakterien abtöten. :Verhütungsmittel und Abführmittel :Da die Aufnahme von Medikamenten aus dem Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn verzögert werden kann, dürfen Verhütungsmittel (Antibabypille) nicht gleichzeitig mit Oral verabreichten Abführmitteln eingenommen werden. In welchem Abstand Abführmittel genommen werden dürfen, das ist der Packungsbeilage des Medikamentes zu entnehmen bzw. vom Arzt zu erfragen. Auch bei Rektal verabreichten Abführmittel kann es zu Problemen mit der Qualität von Kondomen kommen, wenn analer Geschlechtsverkehr betrieben wird.

Brauche ich wirklich ein Abführmittel?

Abführmittel können wie alle anderen Medikamente auch missbraucht werden. Der Missbrauch wird häufig mit dem chronischen Gebrauch von Abführmitteln gleichgestellt, dies ist aber nicht gerechtfertigt. Ein Abführmittelmissbrauch (Laxantienabusus) liegt vor, wenn sie trotz fehlender Indikation z. B. einer Obstipation eingenommen werden bzw. wenn sie bei bestehender Indikation in Überdosierung eingesetzt werden. Im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln kann der Missbrauch jedoch sehr leicht anhand der resultierenden Diarrhöe (Durchfall) festgestellt werden. Bewußter Abführmittelmissbrauch muß von einem eher unabsichtlichen Fehlgebrauch unterschieden werden. Ein Fehlgebrauch basiert häufig auf einem mangelnden Verständnis der normalen Darmfunktion und den individuellen Stuhlgewohnheiten. Bei diesem Personenkreis ist Aufklärung hilfreich und notwendig. Bei einem eigentlichen Missbrauch von Abführmitteln ist der primäre Zweck nicht Behebung einer meist gar nicht vorhandenen Verstopfung, er wird daher im allgemeinen nicht von psychisch gesunden obstipierten Personen betrieben. Ein Missbrauch ist häufig bei jüngeren Frauen festzustellen, die das Abführmittel als Mittel zur Gewichtsabnahme ansehen (was es nicht leistet) bzw. bei Personen mit psychischen Problemen und Eßstörungen, die sich als Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa manifestieren. Schließlich gibt es noch eine Gruppe von psychisch gestörten Patienten, die mit Hilfe von Abführmitteln eine schwere chronische Diarrhöe erzeugen, um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erfahren. Diese nehmen über Jahre Krankenhauseinweisungen, aufwendige Diagnostiken und Operationen auf sich. In allen Fällen, die mit psychischen Problemen verbunden sind, erfolgt die Einnahme von Abführmitteln heimlich, es werden teilweise extreme Überdosen (bis zum 100fachen der Tagesdosierung) eingenommen und die Patienten sind gegenüber Aufklärung uneinsichtig. Sehr häufig werden auch andere Arzneimittel wie z. B. Mittel die eine Entwässerung (Diuretika) des Körpers bewirken, zusätzlich mißbraucht. Generell können alle Abführmittel missbraucht werden. Der Personenkreis mit absichtlichem Missbrauch bevorzugt jedoch im allgemeinen Darreichungsformen wie kleine Tabletten oder Tropfen, die diskret in großen Mengen eingenommen werden können. Trotz extremen Missbrauchs dauert es manchmal oft Jahre, bis auffällige Krankheitszustände erreicht werden. Durch die extreme Überdosierung von Abführmitteln ausgelösten Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten kann durch die normale Nahrungs oder Flüssigkeitsaufnahme nicht ausreichend gedeckt werden. Es kann zur Hypokaliämie, einem sekundären Hyperaldosteronismus mit der Folge einer "Gewöhnung", daher einer Abnahme des abführenden Effektes durch eine hormonelle Gegenregulation kommen. Die Folge ist noch trägerer Darm und eine weitere Dosiserhöhung, die zu Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen führen können. Menschen, die Abführmittelmissbrauch betreiben, sollten unbedingt mit ihrem Arzt / Apotheker darüber reden oder die Hilfe einer Suchtberatungsstelle in Anspruch nehmen!

Sind Abführmittel toxisch?

Die Sicherheit von Abführmitteln vor allem für den Langzeitgebrauch wurde schon häufig diskutiert. Aber wie sieht es bei extremer Überdosierung (Laxantienabusus) damit aus, können sie zu Vergiftungen führen? Die meisten Abführmittel sind schon seit sehr langer Zeit im Handel, aber toxikologische Untersuchungen entsprechend aktueller Zulassungsanforderungen sind für die meisten nicht beziehungsweise nur unvollständig gemacht worden. Eine Ausnahme bilden Senna und seine Wirkstoffe sowie Macrogol. Bei Tierversuchen zeigte sich, dass eine übermässige Gabe von Sennosiden, Bisacodyl oder Natriumpicosultat erst in sehr hohen oralen Dosen (über 2,0 g/kg) an Maus und Ratte toxisch ist. Chronische Toxizitatsuntersuchungen über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten an der Ratte und den Hund sind nur für Sennoside verfügbar. Diese zeigen jedoch keine spezifischen toxischen Effekte, und auch keine neuronalen Veränderungen in den intestinalen Nervenplexi. Tierexperimentell kann durch Sennoside auch bei Langzeitanwendung hoher Dosen, die einen starken Durchfall (Diarrhoe) hervorrufen, keine Hypokaliämie und keine Gewöhnung beobachtet werden. Das alles spricht dafür, daß die Elektrolyt- und Flüssigkeitsaufnahme durch eine ausgeglichene Ernährung und bei normaler Nahrungsaufnahme und Nierenfunktion ausreichend ist, um die durch den Durchfall bedingten Verluste auszugleichen und Sekundärfolgen zu vermeiden. Bei Bisacodyl ist jedoch im Rattenversuch eine Abnahme des abführenden Effektes nach dreiwöchiger Gabe festgestellt worden. Tierexpermentelle Untersuchungen hinsichtlich Embryotoxizität, Teratogenität, Fetotoxizitit, postnataler Entwicklung und Fertilität liegen bisher vollständig nur für Sennoside vor und in eingeschränktem Maße für Bisacodyl, Natriumpicosulfat und Phenolphthalein. Mit Ausnahme des Phenolphthaleins, das aufgrund seiner mutagenen Eigenschaften bedenklich ist, sind alle Befunde negativ. Spezielle Elektromyographische Zusatzuntersuchungen zeigen keine Stimulation der Uteruskontraktionen durch Sennoside am trächtigen Tier. Ein abortives Risiko durch Senna ist somit nicht erkennbar, daher können Sennoside bedenkenlos auch bei Schwangerschaften verwendet werden. Ausgelöst durch tierexperimentetle Befunde kanzerogener Effekte von Danthron, einem leicht resorbierbaren synthetischen Anthrachinon und Phenolphthalein wurde die gesamte Stoffklasse der Anthranoide und die der Triarylmethan-Derivate in den letzten Jahren intensiv auf gentoxische und kanzerogene Risiken untersucht. Danach wurde Danthron 1987 weltweit und Phenolphthalein 1997 in den USA und weiteren Ländern aus dem Handel genommen. Sennoside und ihr aktiver Metabolit (Rhein) erwiesen sich in einem breiten Spektrum von Versuchen auf Genotoxizität als unbedenklich. Langzeitkanzerogenitätsstudien mit einem Sennaextrakt beziehungsweise Rhein zeigten kein kanzerogenes Risiko auf. Die aktiven Metaboliten der anderen anthranoidhaltigen Abführmittel (Aloeemodin, Emodin) waren dagegen zum Teil im Reagenzglas, d.h. außerhalb des Organismus mutagen, nicht jedoch im lebenden Organismus. In einer Reihe von Untersuchungen wurde sogar eine antimutagene und antikanzerogene Wirkung von Rhein, Emodin und Aloeemodin nachgewiesen. Insgesamt ist die experimentelle Datenlage für Senna ausreichend, um ein genotoxisches und kanzerogenes Risiko auszuschließen. Für die dem Phenolphthalein verwandten Substanzen Bisacodyl und Natriumpicosulfat ist derzeit keine abschließende Beurteilung möglich, aber die bisher vorliegenden Daten lassen jedoch kein Risiko erkennen. Abschließend kann gesagt werden, dass man sich mit den heute auf dem Markt befindlichen stimulierenden Abführmitteln (Sennosiden, Bisacodyl, Natriumpicosultat) nicht vergiften kann! Selbst bei extremer Überdosierung (Laxantienabusus) ist das auszuschließen. Rein rechnerisch müsste eine Person mit 75 kg Körpergewicht schon das 15.000-fache der Tagesdosis von z. B. Bisacodyl (10 mg Tagesdosis) einnehmen, um toxische Erscheinungen zu bewirken, das sind immerhin 30.000 Dragees bei 5 mg pro Dragee.

Siehe auch

Portal:Medizin ! Kategorie:Gastroenterologie Kategorie:Krankenpflege th:ยาระบาย

Kategorie:Antazidum

Kategorie:Arzneistoff

Kaboverde

Kaboverdes Republika (portugāliski República de Cabo Verde) ir vidēji attīstīta mononacionāla salu valsts Atlantijas okeānā. Tā atrodas apmēram 500 km uz rietumiem no Senegālas. Sastāv no 15 salām. Nopietni cieš no sausuma.
República de Cabo Verde
Senegālas Senegālas
(Par karogu) (Par ģerboni)
image:Kaboverde vieta.png
Valsts iekārtapusprezidentāla republika
Freedom House brīvības indekss1,0 - brīva valsts
ANO tautas attīstības indekss0,717 (105.vieta pasaulē 2002.gadā)
IKP (PPP) uz vienu iedzīvotāju1400 USD (2002) - 186.vieta pasaulē
Valsts valoda portugāļu valoda
Galvaspilsēta Praja
Lielākās pilsētas Praja
Mindelo
Santamarija
PrezidentsPedro Pirešs
PremjerministrsŽozē Marija Nevešs
Platība4033 km²
Iedzīvotāju skaits (2004)463 600
Etniskais sastāvskaboverdieši - 66%
balanti - 18%
fulbi - 14%
Reliģijakatolisms
NeatkarībaNo Portugāles 1975.gada 5.jūlijā
Valūta Kaboverdes eskudo/CVE
Laika zona UTC -1
Valsts himnaCântico da Liberdade
Interneta domēns.CV
Starptautiskais tālsarunu kods+238
Category:Valstis ja:カーボベルデ ko:카보베르데 ms:Cape Verde zh-min-nan:Chheⁿ-kak Kiōng-hô-kok

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Strippen
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