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Anthropogeografie

Anthropogeografie

Die Anthropogeografie bzw. -graphie oder Humangeografie ist ein Teilbereich der Geografie, der sich mit der Interaktion von Raum und Mensch (gr. anthropo- von ανθροπος = Mensch) beschäftigt. Alle Tätigkeiten des Menschen, die den Raum verändern (z. B. Siedeln, Wirtschaften) oder durch den Raumeinfluss beeinflusst werden (z. B. Mobilität) und sich in direkt oder indirekt zu beobachtenden Strukturen und Prozessen niederschlagen, sind Gegenstand von Teildisziplinen der Anthropogeografie. Teildisziplinen der Anthropogeografie oder Humangeografie sind unter anderem:
- Bevölkerungsgeografie
- Wirtschaftsgeografie
- Sozialgeografie
- Siedlungsgeografie insbesondere Stadtgeografie
- Kulturgeografie
- Verkehrsgeografie
- Wahrnehmungsgeografie
- Politische Geografie und Historische Geografie
- Diffusionsforschung
- Religionsgeografie ! ko:인류지리학

Geografie

Die Geographie (auch: Geografie, griechisch Γεωγραφια geographia; gaia – Erde; gráphein – kritzeln, schreiben, zeichnen), vor allem in Deutschland umgangssprachlich auch Erdkunde genannt, untersucht die Beschaffenheit der Erdoberfläche und deren Auswirkungen auf den Menschen und bildet so eine Nahtstelle zwischen den Natur- und den Sozialwissenschaften. Dabei werden sowohl die Topographie der Landschaft als auch wirtschaftliche Faktoren (z. B. Lagerstätten, Wasserhaushalt) und die Stadtentwicklung ins Kalkül gezogen. Dort, wo diese Untersuchungen vom Menschen aus gesehen werden, bildet sich eine Überschneidung zur Ethnologie (Völkerkunde). Geographie ist also die Lehre von der Umwelt des Menschen und vom wechselseitigen Beziehungsgefüge Mensch - Umwelt in räumlicher Sicht. Die Definition, was Geographie ist, gestaltet sich entsprechend obiger Kurzbeschreibung problematisch und ist historischen und politischen Veränderungen unterworfen. Der Begriff Geographie wurde erstmals von dem griechischen Gelehrten Eratosthenes verwendet.

Geschichte

Die Bedeutung geographischen Wissens wurde erstmals in der Antike von den Griechen erkannt. Deren Erkenntnisse nutzten die Römer weiter. Während des europäischen Mittelalters geriet die Geographie, wie andere Wissenschaftszweige auch, wieder in Vergessenheit. Lediglich aus dem Kaiserreich China und dem aufstrebenden Orient kamen neue Impulse. In den Anfängen der heutigen wissenschaftlichen Geographie im 19. Jahrhundert war deren Ziel im Wesentlichen die Entdeckung, Erkundung bisher unbekannter Regionen der Erde (terra incognita); sie hatte sich die Auffüllung und Entdeckung der "weißen Flecke" auf der Landkarte zur Aufgabe gemacht. Die damalige Geographie kann daher als eine Wissenschaft "vom wo" umschrieben werden. Die Geographie muss man bis in das 19. Jahrhundert hinein als eine Wissenschaft beschreiben, die Tatsachen sammelte und zum Beispiel in Form von Bildern, Karten und Berichten dokumentierte. Sie war also rein deskriptiv (beschreibend). Geographie ist die Wissenschaft der räumlichen Strukturen und der raumzeitlichen Prozesse. "Unschuldig" war die Geographie damit nie. Die seitens der Staaten geförderte Geographie (Universitäten, Expeditionen) stand immer im Kontext der Geschichte. Für den Kolonialismus beispielsweise waren die deskriptiven Ergebnisse seitens der Geographen unabdingbar und sind in diesem Sinne Produkte desselben. Siehe auch: Liste der Entdecker

Einteilung

Physische Geographie

Die Physische Geographie beschäftigt sich in erster Linie mit den natürlichen Bestandteilen und Strukturen der Erdoberfläche. Dabei wird die Tätigkeit des Menschen zur Erklärung der Landschaftsgenese tendenziell ausgeklammert: Teilgebiete sind
- Geomorphologie,
- Klimageographie,
- Bodengeographie,
- Vegetationsgeographie, Biogeographie und
- Hydrogeographie.

Mathematische Geographie

Siehe Geodäsie, Kartografie

Anthropogeographie

Die Anthropogeographie (Geographie des Menschen; auch Humangeographie oder Kulturgeographie) beschäftigt sich mit dem Einfluss des Menschen auf den geographischen Raum, wie auch mit dem Einfluss des Raums auf den Menschen beispielsweise im Zusammenhang mit der räumlichen Verteilung von Bevölkerung oder von Wirtschaftsgütern. Teilgebiete der Anthropogeographie sind unter anderem:
- die Politische Geographie, Historische Geographie,
- Wirtschaftsgeographie, Industriegeographie, Agrargeographie
- Bevölkerungsgeographie, Sozialgeographie,
- Siedlungsgeographie, Geographie des ländlichen Raums,
- Stadtgeographie,
- Kulturgeographie,
- Verkehrsgeographie, Dienstleistungsgeographie,
- Wahrnehmungsgeographie und
- Religionsgeographie
- Geographie der Freizeit und des Tourismus. Der Anthropogeographie nahe stehen Raumordnung und Raumplanung. Begründer der Anthropogeographie war Alexander von Humboldt, der die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mensch und Natur erstmals erkannte.

Zitate


- Es ist nichts, was den geschulten Verstand mehr kultiviert und bildet, als Geographie. - Immanuel Kant
- Geographie ist die Mutter der Wissenschaften! - Immanuel Kant
- Without Geography we are nowhere. - ([http://www.metskers.com Metsker Maps of Seattle])
- "Geography is what geographers do!"
- "Krieg ist Gottes Weg, den Amerikanern Geografie beizubringen."

Siehe auch

Portal:GeographieGeowissenschaftenLänder der WeltListe geographischer Namen in mehreren Sprachen

Weblinks


- [http://www.gender-arbeit-geographie.de Arbeitsgruppe Gender Arbeit Geographie] Bietet Informationen zur Geschlechterforschung in der Geographie, Newsletter: feministisches Geo-RundMail
- [http://www.geoportal.de geoportal.de] Bietet tagesaktuelle Nachrichten, ein Diskussionsforum, Literaturtipps und vieles mehr für geographische Themen
- [http://www.geographie-diplom.de Das Portal der erdwissenschaftlichen Intelligenz]
- [http://www.geographie.de Deutsche Gesellschaft für Geographie]
- [http://www.geographie.de/dvag/ Deutscher Verband für angewandte Geographie]
- [http://www.erdkunde-wissen.de Erdkunde-Portal]
- [http://www.geoworld.de Geographisches Informationssystem] inkl. Literatur-, Adress- und Linksuche sowie Web-Mapping-Anwendung
- [http://www.mygeo.info Geographisches Portal www.mygeo.info] mit [http://dict.mygeo.info Online Wörterbuch Deutsch Englisch]
- [http://www.geosciences-forum.com/ Geosciences-Forum: Geographie]
- [http://www.gfe-berlin.de Gesellschaft für Erdkunde]
- [http://www.uni-graz.at/geowww Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz] inkl. Geographie Magazin, europaweitem Veranstaltungskalender u. v. m
- [http://www.kartenmeister.com/ Kartenmeister Datenbank]
- [http://www.kritische-geographie.at Kritische Geographie] inkl. Download-Material
- [http://www.critical-geography.de.vu www.critical-geography.de.vu - Die Seite des offenen AK Kritische Geographie] von Studis für Studis !Geographie Kategorie:Geowissenschaft Kategorie:Sozialwissenschaft Kategorie:Erde als:Geografie ja:地理学 ko:지리학 ms:Geografi simple:Geography th:ภูมิศาสตร์

Interaktion

Interaktion bezeichnet das wechselseitige aufeinander Einwirken von Akteuren oder Systemen. Der Begriff ist eng verknüpft mit dem der Kommunikation, manchmal werden diese beiden Begriffe sogar synonym verwendet.

Interaktionsbegriff in Soziologie und Psychologie

Laut Fremdwörterbuch (Duden Band 5, 4. Auflage 1982, S. 350f.) handelt es sich um einen in Soziologie und Psychologie geläufigen Terminus, mit dem "aufeinander bezogenes Handeln zweier oder mehrerer Personen" oder die "Wechselbeziehung zwischen Handlungspartnern" bezeichnet wird: Siehe Soziale Interaktion. Der symbolische Interaktionismus ist eine soziologische Theorie, die sich mit der Interaktion zwischen Personen beschäftigt. Sie basiert auf dem Grundgedanken, dass die Bedeutung von sozialen Objekten, Situationen und Beziehungen im symbolisch vermittelten Prozess der Interaktion/Kommunikation hervorgebracht wird. In der Systemtheorie von Niklas Luhmann wird unter Interaktion Kommunikation unter Anwesenden verstanden (etwa im Gegensatz zur schriftlichen Kommunikation): Siehe Interaktionssystem.

Interaktionsbegriff in der Informatik

In der Informatik ist der Begriff der Interaktion mit dem Begriff der Kommunikation identisch: er befasst sich damit, wie einzelne Komponenten eines Systems sich gegenseitig beeinflussen. Siehe auch: Kommunikation (Kybernetik), Kommunikation (Informationstheorie), Kommunikation (Nachrichtentechnik) und Interaktion (UML). Eine etwas andere Bedeutung hat der Begriff in Bezug auf die Mensch-Maschine-Interaktion, also der Gestaltung der Benutzerschnittstelle zu Programmen und Hardware: Ergonomische Software bedeutet, dass dem Kommunikations-Design in Bezug auf Orientierung, Navigation, Maskengestaltung, System-Reaktionen, Meldungen usw. hohe Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Es gibt eine Norm (EN ISO 9241), die im Kapitel Gestaltung von Benutzerschnittstellen Näheres regelt. Im Bereich der Gestaltungsdisziplinen setzt sich seit den 90er Jahren immer mehr der Begriff Interactiondesign durch. In diesem Feld der Gestaltung geht es um die Planung, Entwicklung und Gestaltung interaktiver Benutzerschnittstellen. Benutzerschnittstellen, findet man im Bereich von Hardware und Software. Siehe auch: [http://interaction.hgkz.ch Interactiondesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich]. Eine Übersicht der hier laufenden Projekte findet man in: Buurman, Gerhard M. (Ed.): Total Interaction. Theory and practice of a new paradigm for the design disciplines. Birkhäuser. Basel, Wien, New York, 2005. ISBN 3764370769. Als erste Hochschule in Deutschland bietet die FH Potsdam seit Oktober 2003 einen BA/MA-Abschluss in [http://interface.fh-potsdam.de Interaction/Interface Design] an. Dieser Studiengang ist im [http://www.design.fh-potsdam.de/ Fachbereich Design] angesiedelt.

Interaktionsbegriff in der Biologie

Funktionsbegriff im Ökosystem. Wirkung der Organismen aufeinander, auch wechselseitige Beziehungen zwischen Organismen und Stoffen, Prozessen oder zwischen diesen unbelebten Bestandteilen und Wirkungen. siehe auch: Bi-Systeme in einem Ökosystem, Kommunikation (Biologie) ja:相互作用

Interaktion in der Rechtswissenschaft

Als Interaktion wird in einem Prozess das Zusammenwirken aller Prozessbeteiligten verstanden. Literatur: Ellen Schlüchter, Das Strafverfahren, 2. Auflage 1983 Kategorie:Kommunikation

Raum

Raum (v. althochdeutsch rūmi: weit, geräumig) bedeutet: Ein Raum (im allgemeinsten Sinne) ist innerhalb eines Modells immer dann gegeben, wenn in Bezug auf dieses Modell eine Aussage über das Vorhandensein von mindestens zwei voneinander unterscheidbaren Objekten möglich ist. Ein Raum wird durch die Gesamtheit aller in ihm möglichen Objektrelationen spezifiziert. # im Sinne der Architektur ein durch Bauteile oder Gebäude wahrnehmbar definierter Bereich. z.B. Platzraum, Außenraum, Innenraum. Das Definieren, Fügen und Gestalten von Räumen ist ein zentrale Aufgabe der Architektur siehe dazu: Raum (Architektur). # im Sprachgebrauch ein zum Wohnen bzw. Nutzen verwendeter, von Wänden, Boden und Decke (Bauteil) umschlossener Teil eines Gebäudes; siehe Zimmer # Verschiedene Bedeutungen in der Mathematik - gemeint sind stets Mengen, die mit einer Struktur versehen sind: siehe Raum (Mathematik) # Der physikalische Raum als "Behälter" aller Dinge: Raum (Physik) # in Länge, Breite, Höhe nicht fest eingegrenzte Ausdehnung (der unendliche Raum des Universums) # in Länge, Breite, Höhe fest eingegrenzte Ausdehnung (umbauter Raum) # für einen Zweck zur Verfügung stehender Platz (freier Raum [beim Ballspiel], das Thema nimmt breiten Raum ein) # Kurzwort für Weltraum (den Raum erobern) # in der Geographie ein bestimmtes Gebiet (im Raum Berlin) # in der Soziologie (als sozialer Raum) z.B. ein Gegenstand der Stadt- und Architektursoziologie # beim Regattasegeln den Zuruf zu einem näher kommenden Schiff, wenn man der Meinung ist, Vorfahrt zu haben. #Im militärischen Bereich redet man von einem Geländeabschnitt als Raum. Kategorie:Architekturtheorie Kategorie:Raum ja:空間 ko:공간 simple:Space

Mensch

Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). Früher wurden Mensch (Hominidae) und Menschenaffen (Pongidae) insbesondere aufgrund der besonderen geistigen Entwicklung des Menschen als zwei getrennte Familien betrachtet, jüngere Untersuchungen sehen zwischen beiden Gruppen ein engeres Verwandtschaftsverhältnis und stellen sie daher in eine gemeinsame Familie. Der moderne Mensch ist die einzige bis heute überlebende Art der Gattung Homo. Manchmal wird für den modernen Menschen auch die wissenschaftliche Bezeichnung Homo sapiens sapiens gebraucht, die zum Ausdruck bringen soll, dass der Neanderthaler (dann Homo sapiens neanderthalensis) zur selben Art gehörte wie der moderne Mensch. Diese Ansicht gilt heute aber als sehr zweifelhaft, weswegen die moderne Bezeichnung schlicht Homo sapiens ist. Sie leitet sich aus dem Lateinischen von homo:„Mensch“ und sapiens:„weise“ ab.

Die einzigartige Stellung des Menschen im Tierreich

Wie manche andere Tiere, weist der Mensch einige hoch spezialisierte Merkmale auf. In vermutlich zwei Eigenschaften, sicher aber hinsichtlich eines Kriteriums unterscheidet er sich deutlich von den heute bekannten übrigen Tierarten: Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass beim Menschen die biologische zu Gunsten einer "kulturellen" Evolution in den Hintergrund getreten ist. Aufgrund seiner intellektuellen oder auch kulturellen "Fähigkeiten" ist er in der Lage, sich veränderten Umweltbedingungen sehr viel besser und schneller anzupassen als jedes andere Tier. Die Evolution hat sich beim Menschen auf die Verbesserung seiner Kulturfähigkeiten (Schrift, gedankliche Konstrukte wie Mathematik, Religion oder Recht, Ausdruck von Gefühlen und Gedanken durch Kunst) ausgeweitet; diese Kulturtechniken durchlaufen nunmehr selbst einen Evolutionsprozess. Andere Tierarten dagegen durchlaufen nach heutigem Wissen mitsamt ihrer Kultur die Evolution. Kunst]] In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass andere Tiere nicht im selben Maße wie der Mensch die Fähigkeit besitzen, ihre im Phänotyp entwickelten Fähigkeiten, ihr erlerntes Wissen, auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen. Der Mensch besitzt ein historisches Bewusstsein: Er steht nicht in der Notwendigkeit, Informationen entweder durch die genetische Vererbung zu erhalten oder Erfahrungen genauso wie seine Vorgänger immer aufs Neue selbst machen zu müssen, sondern er kann auf Handlungen und Informationen zurückgreifen, die viele Generationen vor ihm geschaffen haben (wobei es aber auch bei zahlreichen sonstigen Tierarten zur Traditionsbildung kommt, beispielsweise bei Menschenaffen). Der Mensch ist vermutlich viel stärker als jedes andere Tier in der Lage, in seinem zeitlichen Bewusstsein Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft in kausale Zusammenhänge zu bringen. Somit kann er seine Handlungen vergleichen, um "viele Ecken herum" planen (Kreativität) und somit teilweise eine Zukunft entwerfen, die er durch seine absichtlichen Handlungen schaffen sollte. Der Mensch ist in der Lage, die Lebensbedingungen seiner Art durch Arbeit bewusst zu gestalten, solange er sich seine Arbeit aussuchen kann und ihn keine sonstigen Hindernisse daran hindern. Zum zweiten sind sich menschliche Individuen – vermutlich als einzige Lebewesen auf der Erde – sich selbst und ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst. Durch das absehbare Sterben ergibt sich nur für den Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Leben nach dem Tod. Diese Fragen sind in der Philosophie und der Religion zentralständige Themen. Nicht allein typisch für den Menschen, jedoch bei ihm besonders stark ausgeprägt, ist seine Eigenschaft, sich hochorganisiert in größeren Gruppen zusammenzuschließen, was man in einer sehr abgeschwächteren Form auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel Wölfen oder Affen beobachten kann. Dies wird begünstigt durch die im Vergleich zu anderen Tieren komplexe Sprache des Menschen, die eine fortschreitende Arbeitsteilung ermöglicht. Auf der anderen Seite steht zu vermuten, dass die Entwicklung der Zivilisation auch die Entwicklung der Sprache in enger Wechselwirkung förderte und beides letztlich zu den hoch entwickelten Kulturen führte, die die Menschheit heute besitzt.

Entwicklung

Mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum heutigen Jetzt-Menschen beschäftigt sich die Paläanthropologie, deren wichtigste Datenquellen die Archäologie liefert. Noch immer sind die Vorgänge der Menschwerdung aus affenartigen Vorfahren, vermutlich im Osten Afrikas, nicht endgültig aufgeklärt. Der gegenwärtige Stand der Erkenntnisse wird im Artikel Hominisation aufgezeigt. Neben der biologischen Entwicklung ist für den Menschen jedoch auch seine kulturelle Entwicklung maßgeblich, welche auf die Entwicklung der Sprache zurückzuführen ist, mit der es dem Menschen erst möglich wurde Ideen auszutauschen. Der kulturelle Entwicklungsstand des Menschen war zunächst über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Mit der Entstehung des modernen Menschen und seiner nachfolgenden Auswanderung aus Afrika beschleunigte sich jedoch die kulturelle Innovation, bis seit Ende der letzten Eiszeit mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht der Mensch erstmals großräumig gestaltend in seine Umgebung eingriff. Seit dieser Zeit besitzt der Mensch eine über weitaus mehr als ein paar Generationen zurückreichende Geschichte, auf deren Grundlage die Individuen agieren müssen. Typische Merkmale des modernen Menschen im Vergleich:
- Das Gehirnvolumen von Homo sapiens ist etwas kleiner als das des Neandertalers.
- Die Stirn ist am steilsten von allen Hominiden ausgeprägt
- Ober- und Unterkiefer sind leicht reduziert Als Vorfahren des Homo sapiens kommen insbesondere die afrikanischen Populationen von Homo ergaster und Homo erectus in Frage. Die Zuordnung der Fossilfunde zu einzelnen Arten ist allerdings umstritten. Der wissenschaftliche Begriff Homo sapiens wird nicht selten in leicht humoristischer Anspielung als Vorlage für die Kreation neuer Begriffe benutzt, die Eigenschaften des Homo sapiens darstellen, beispielsweise
- Homo oeconomicus
- Homo reziprocans
- Homo faber (Roman von Max Frisch)
- Homo ludens
- Homo sociologicus
- Homo ötzi Die Entwicklung des Menschen muss auch deutlich im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Planeten, der Erde, gesehen werden. So zwangen die vielen Eiszeiten den Menschen, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Der Mensch war also in der Lage, sich immer wieder anzupassen und er kam und kommt mit den verschiedensten Lebensbedingungen zurecht. Im Gegensatz dazu sind die meisten Tiere auf einen Lebensraum beschränkt.

Verbreitung des modernen Menschen über den Globus

Alle heute lebenden Menschen sind sehr nahe miteinander verwandt, wie molekularbiologische Untersuchungen an der ribosomalen RNA und mitochondrialen DNA gezeigt haben. Die größten Unterschiede finden sich innerhalb der afrikanischen Populationen. Die Populationen außerhalb Afrikas sind – mit Ausnahme einiger später aus Afrika ausgewanderter Gruppen – genetisch sehr uniform. Moderne Funde unterstützen die „Out of Africa“-These, also die Ausbreitung des modernen Menschen vom afrikanischen Kontinent aus. Fossilien, die dem biologisch modernen Menschen zugerechnet werden, gibt es seit etwa 160.000 Jahren, verstärkt seit ca. 100.000 Jahren. Lange Zeit lebte die Art in Afrika zeitparallel zum primär europäischen Neandertaler, der besonders an das Leben im eiszeitlichen Klima angepasst war. Im Nahen Osten, später auch in Europa, kamen beide gleichzeitig gemeinsam vor. Es ist unklar, ob sich beide Arten vermischt haben, die Mehrzahl der Fossilien weist deutlich erkennbare morphologische Unterschiede auf. Molekulargenetische DNA-Analysen sprechen gegen eine Vermischung beider Arten. Die Menschheit kann auf genetischer Basis in zahlreiche Gruppen unterteilt werden. Diese konnten entstehen, da es früher aufgrund von geographischen Distanzen und kultureller Differenzen keinen kontinuierlichen Genfluss aller Populationen gab. So können die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den menschlichen Populationen relativ genau ermittelt werden. Das Genographic Project untersucht mit Hilfe moderner Methoden, wie sich die Menschheit als sie von Afrika den Rest der Welt besiedelte in immer mehr Gruppen aufspaltete. Dabei kann jeder an dem Projekt teilnehmen, indem er seine DNA Probe untersuchen lässt. Auf diese Weise kann man herausfinden, woher die eigenen Vorfahren stammen. Zuerst teilten sich die Menschen vor etwa 65.000 Jahren in die folgenden drei heute noch lebenden Gruppen auf: #Nicht-Afrikaner #Afrikaner außer San #San und Khoi Khoi Die beiden Gruppen der Afrikaner blieben auf ihrem Heimatkontinent während die Nichtafrikaner nach Asien auswanderten. Die San und Khoi Khoi leben heute im südlichen Afrika, sie unterscheiden sich von allen anderen Afrikanern genetisch und durch ihre Sprache (Klicklaute). Auch die Nichtafrikaner teilten sich nicht lange nach ihrer Auswanderung vor etwa 55.000 Jahren wieder in eine nördliche und eine südliche Gruppe auf. Die südliche Gruppe spaltete sich wenige Jahrtausende später weiter in Australier (heutige Aborigines, Tasmanier und Papuas), Negritos (heute Andamaner, Aeta, Semang, Senoi) und Südasiaten (heute: Südchinesen, Thai, Khmer, Indonesier, Philipinos, Polynesier und andere Bewohner Ozeaniens) auf. Die nördliche Gruppe teilte sich vor etwa 45.000 Jahren in "Weiße" (dunkelhäutige Inder, südwestasiatische Völker, Araber, Nordafrikaner, hellhäutige Menschen europäischer Abstammung) und Nordasiaten (heute: Mongolen, Tibetaner, Sibirische Bevölkerung, Nordchinesen, Japaner, Ainu, Koreaner, Inuit) auf. Von den Nordasiaten trennten sich zwischen 30.000 und 14.000 Jahren dann die Indianer (Nord- und Südamerika) ab. In prähistorischen Zeiten haben sich die unterschiedlichen Populationen der Menschheit an den regionalen Grenzen ihres Verbreitungsgebietes immer wieder vermischt, wobei dieser Effekt lange Zeit nur gering war. Heute ist der Mensch mit über 6 Milliarden Individuen bis auf einige Wüsten- und Bergregionen, einige Inseln und die Antarktis auf dem ganzen Globus anzutreffen. Durch die zunehmende Mobilität vermischen sich die unterschiedlichen genetischen Gruppen immer mehr, nachdem sie früher durch geographische Distanz oder kulturelle Unterschiede genetisch voneinander getrennt blieben. So bilden sich immer mehr neue Ethnien (z.B. Farbige in den USA). Andere Gruppen wie z.B. die San und Khoi Khoi sind dagegen dabei ganz zu verschwinden, da ihre Kultur immer mehr zerstört wird und sie in Städte wandern und sich dort vermischen.

Biologie

Anatomie

Der menschliche Körper ist ein kompliziertes Gebilde, das zu 60 bis 70% aus Wasser, etwa 20% Proteinen, 15% Fetten und 5% Mineralen und anorganischen Stoffen besteht. Ein erwachsener Mensch hat eine typische Körpergröße zwischen 150 cm und 200 cm. Die Anatomie des Körpers ist im Artikel Anatomie des Menschen detailliert beschrieben: Wie bei anderen Wirbeltieren auch, lässt sich der Körper strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane. Doch greift die Reduktion auf eine rein funktionale Betrachtung des Körpers zu kurz, der Körper des Menschen stellt als Grundbedingung für die Existenz des Menschen einen unabdingbaren Rahmen für seinen Geist und sein Erleben der Welt dar.

Genetische Verwandtschaft

Das menschliche Genom enthält sowohl kodierende als auch nicht-kodierende DNA-Sequenzen, die denjenigen anderer Lebewesen erkennbar homolog sind und mit DNA-Sequenzen sehr nahe verwandter Arten wie der anderer Menschenaffen sogar völlig übereinstimmen. Anhand quantitativer Messungen der Ähnlichkeit dieser Basenpaarketten kann man umgekehrt auf die Verwandtschaftsverhältnisse zurückschließen. Dies bestätigt Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans in dieser Reihenfolge als nächste menschliche Verwandte.

Soziologie

Die Soziologie beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit dem Menschen, obwohl es in den 1920er Jahren Versuche gab, eine "Tiersoziologie", sogar eine "Pflanzensoziologie" zu etablieren. Warum das biologisch erschlossene Tier "Mensch" besondere Eigenarten hat, untersuchen beziehungsweise beantworten i. w. S. die Anthropologie, sodann die Soziobiologie und die Biosoziologie. Daher nimmt dann die Soziologie ihre Axiome, wenn nicht Soziologen selber soweit ausgreifen. Der Versuch, schon einmal eine Soziologie für extraterrestrischer Lebewesen mit menschenähnlicher geistiger Entwicklung zu entwerfen, wie beispielsweise die 'Exosoziologie', sind so lange rein spekulativ, bis sie empirisch geprüft werden können.

Recht

Rechtlich gesehen ist der Mensch zumeist eine ("natürliche") Person, deren Status je nach Staat unterschiedlich festgelegt ist, jedenfalls ist er rechtsfähig. Im "Bürgerlichen Gesetzbuch" der Bundesrepublik Deutschland heißt es dementsprechend in § 1: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung seiner Geburt. Es gibt Gesellschaften, in denen das nicht jeder Mensch ist: In Stammesgesellschaften beispielsweise kann ein Neugeborenes bis zur Anerkennung durch den Vater ohne Rechtsfähigkeit sein; in Staaten mit Sklaverei gelten Sklaven zuweilen als "Sachen" u. a. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen soll in jedem Staat einen Grundstatus vorgeben. Gemäß diesem Menschenbild besitzt jeder einzelne Mensch von Geburt an eine besondere, unantastbare und unveräußerliche Würde. Aus diesem Grund hat jeder Einzelne bestimmte Rechte, zum Beispiel das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit, auf Religionsfreiheit und auf Meinungsfreiheit sowie auf einen angemessenen Arbeitslohn. Dieses Ideal ist aber nicht überall verwirklicht, denn in vielen Staaten werden Leute ohne Gerichtsverfahren eingesperrt, Gefangene gefoltert, Frauen und Kinder unterdrückt und Menschen leben in Armut. Ferner wird das Grundrecht auf Leben, obgleich mit dem Begriff der Würde eng verknüpft, in keinem Land als unantastbar angesehen, da eine solche Unantastbarkeit mit jeglicher Bewaffnung (Armee, Polizei usw.) im Widerspruch stünde. Manche Kulturkreise und Religionen kennen keine allgemein gültigen Menschenrechte. Insbesondere der Islam, die indische und die chinesische Kultur machen einen Unterschied zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" oder zwischen den Rechten des Mannes und denen der Frau.

Religion

Der Mensch handelt selbst sowohl als glaubendes, betendes, Riten ausübendes Subjekt, als auch als Objekt religiöser Riten und Anbetungen. Nicht in allen Religionen gilt er als direkte Schöpfung eines oder mehrerer Götter. Religionen und religiöse Motive haben nahezu die gesamte bekannte Geschichte des Menschen begleitet, zuerst als Verehrung von Naturkräften, dann als Anbetung mehrerer Götter und schließlich als Monotheismus. Dies führte zu der philosophischen Frage, in wieweit die Religion zu den spezifischen Merkmalen des Menschen gehöre. Das Christentum, das Judentum und der Islam betrachten die Entwicklung des Menschen, wie auch die gesamte Schöpfung als Werk Gottes. Für die großen christlichen Religionsgemeinschaften bestehen dabei keine Widersprüche zwischen dem wissenschaftlich Bewiesenem und dem christlichen Glauben, weil nach ihrer Auffassung Theologie und Wissenschaft unterschiedliche Fragestellungen behandeln. Aus Sicht christlicher Kreationisten, die vor allem in den USA ein umfangreiches Unterstützerfeld haben, wird die Vorstellung, der Mensch habe sich über Jahrmillionen aus tierischen Vorfahren entwickelt, in wörtlicher Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte entschieden abgelehnt.

Verwandte Themen


- Anatomie des Menschen
- Anthropologie
- Menschheitsgeschichte
- Hominisation
- Humanismus
- Körpergröße
- Daten des menschlichen Körpers
- Kreativität
- Menschenbild
- Menschenrechte
- Philosophische Anthropologie
- Psychologie
- Schwanzmensch
- Soziologie
- Weltbevölkerung

Literatur


- Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002),
- Walfried Linden, Alfred Fleissner: Geist, Seele und Gehirn. Entwurf eines gemeinsamen Menschenbildes von Neurobiologen und Geisteswissenschaftlern, LIT-Verlag Münster 2004, ISBN 3825879739

Weblinks


- [http://www-users.med.cornell.edu/%7Espon/picu/calc/bsacalc.htm Body Surface Area Calculator] - Tool zur Berechnung der Körperoberfläche eines Menschen (engl.)
- [http://www.med-rz.uni-sb.de/med_fak/anatomie/bock/3dstart.htm 3D Anatomie]
- [http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/~stueber/darwin/werke05/index.html Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen] (in der ersten deutschen Übersetzung (1875) des englischen Originaltextes)
- [http://www.tgs-chemie.de/evolution_des_menschen.htm Vergleich von Menschenaffen und Menschen]
- [http://clv.dyndns.info/pdf/255649.pdf Faszination Mensch - Buch im PDF-Format] (stark religiös motiviert) Kategorie:Primaten Kategorie:Anthropologie Kategorie:Menschenrechte ko:사람 ms:Manusia ja:人間 nb:Menneske simple:Human zh-min-nan:Lâng

Mobilität

Mobilität = Beweglichkeit ist von "mobil" (lat. mobilis, beweglich) abgeleitet. Je nach Zusammenhang hat Mobilität folgende Bedeutungen:
- Mobilität (Fortbewegung): Möglichkeit, räumliche Entfernungen zu überwinden..
- vertikale Soziale Mobilität: In der Soziologie Auf- und Abstieg von Personen(gruppen) zwischen verschiedenen sozialen Positionen bzw. Ständen
- horizontale Soziale Mobilität: In der Soziologie verwendeter Begriff für verschiedene Formen der Migration.
- geistige Mobilität: Fähigkeit, flexibel und in Alternativen zu denken (geistige Beweglichkeit)
- Mobilität im Sinne der Telematik: Im Gegensatz zur Portabilität die Möglichkeit zu Telekommunikation während der Bewegung
- mobile Arbeit siehe Immaterielle Arbeit
- Kommunikationslehre: Unterschiedliche Zeichen zeigen die gleiche Bedeutung auf (Beispiel: Regen wird durch Regenschirm, Wassertropfen, Regengeräusche angedeutet)
- elektrische Mobilität: Im elektrischen Transport bezeichnet die Mobilität \mu die Beweglichkeit der Ladungsträger in einem Leiter bei angelegtem elektrischen Feld.

Siehe auch


- Verkehrswesen
- Verkehrswissenschaften
- Mobility Kategorie: Eigenschaft

Wirtschaftsgeografie

In der Wirtschaftsgeografie auch Wirtschaftsgeographie steht das wirtschaftliche Handeln des Menschen (vergleiche auch Anthropogeografie) im Raum und die Rückkoppelung zwischen Raum und wirtschaftlicher Aktivität im Mittelpunkt des Interesses. Wie in anderen Teildisziplinen der Geografie, werden räumliche Strukturen und Prozesse wissenschaftlich untersucht und durch allgemeingültige Theorien und Modelle beschrieben und erklärt. Diese lassen sich in drei Kategorien aufteilen:
- Standorttheorien
- Räumliche Mobilitätstheorien
- Regionale Wachstums- und Entwicklungstheorien Unter den von Wirtschaftsgeografen eingesetzten Methoden finden sich beispielsweise
- Methoden der empirischen Sozialforschung
- Statistische Methoden
- Anwendungen aus der Kartografie und Nutzung von Geoinformationssystemen Einige Beispiele der Fokussierung und Forschung:
- Ein besonders aktuelles Thema der Wirtschaftsgeografen ist die Globalisierung, die Veränderungen der Wirtschaft und Märkte durch Erschließung und Erschöpfung von Rohstoffquellen, Verkehrswegen und Kommunikationsmitteln. Das Internet und besonders das Web sowie die mobile Telekommunikation eignen sich exzellent für den wirtschaftgeografischen Fokus.
- Oder noch spezieller: GIS und GPS und ihre gemeinsame Nutzung in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder bei der Raumplanung.
- Ein anderes, besonders interessantes Thema: die Wandlung der europäischen Industrie und der Weltwirtschaft durch den Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs. Dieses Thema betrifft sowohl die Wirtschaftsgeografie als auch die Wirtschaftsgeschichte.
- Ein anderer Vorschlag: Multinationale Fast-Food-Ketten und die Agrarwirtschaft in Europa, in den USA und in den Dritten Welt.
- Oder: "Migration und Wandel der Ernährungsgewohnheiten" und deren Einfluss auf die Agrarmärkte.

Begriffe


- im Bereich des Strukturwandels: Industrieller Strukturwandel

Literatur


- Harald Bathelt, Johannes Glückler: Wirtschaftsgeographie. 2. Auflage. Ulmer, Stuttgart 2003 (UTB 8217), ISBN 3-8252-8217-1
- Elmar Kulke: Wirtschaftsgeographie. Schöningh, Paderborn 2004 (UTB 2434), ISBN 3-8252-2434-1
- Thomas Reichart: Bausteine der Wirtschaftsgeographie. Eine Einführung. Haupt, Bern 1999 (UTB 2067), ISBN 3-8252-2067-2
- Ludwig Schätzl: Wirtschaftsgeographie I, Theorie. 9. Auflage. Paderborn, Schöningh 2003 (UTB 782), ISBN 3-8252-0782-X
- Ludwig Schätzl: Wirtschaftsgeographie II, Empirie. Schöningh, Paderborn 2000 (UTB 1052), ISBN 3-8252-1052-9
- Ludwig Schätzl: Wirtschaftsgeographie III, Politik. 3. Auflage. Schöningh Paderborn, 1994 (UTB 1383), ISBN 3-8252-1383-8
- Horst-Günter Wagner: Wirtschaftsgeographie. Westermann, Braunschweig, 3. Aufl.1998. = Reihe: Das Geographische Seminar.

Weblinks


- http://www.wirtschaftsgeografie.de
- http://www.wirtschaftsgeographie.de
- http://www.geog.uni-hannover.de/wigeo Lehrstuhl Prof. Dr. L. Schätzl
- http://www.geographie.uni-halle.de/wgeo Lehrstuhl Prof. Dr. W. Thomi
- http://www.wirtschaftsgeographie.com Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie
- http://www.wigeo.bwl.uni-muenchen.de/
- http://wigeoweb.wu-wien.ac.at Inst. f. Wirtschaftsgeographie u. Geoinformatik, Wirtschaftsuniversität Wien Kategorie:Humangeographie Kategorie:Wirtschaft

Siedlungsgeographie

Untersuchungsgegenstand der Siedlungsgeographie sind menschliche Siedlungen. Im Einzelnen beschäftigt sich dieses Fachgebiet mit der Physiognomie (u. a. Größe und Grundriss), der Verteilung, Lage, Funktion und Entstehungsgeschichte von Siedlungen. Darüber hinaus werden auch räumliche Organisation, hierarchische Ordnung und regionale Unterschiede untersucht, beschrieben und erklärt.

Kulturgeografie

Die Kulturgeographie auch -grafie ist ein Teilbereich der Anthropogeografie und somit der übergeordneten Geografie. Sie beschäftigt sich mit den räumlichen Auswirkungen kulturbezogener Aspekte des Menschen. Die theoretischen und methodischen Konzepte in der deutschsprachigen Kuturgeografie waren in den letzten Jahren eher diffus. Je nach Institut vermischten sich Aspekte der Sozialgeografie mit stark länder- und regionsbezogenen Themenschwerpunkten. Dies liegt zu einem nicht geringen Teil an der schwierigen Definition des Begriffes Kultur. In der aktuellen Entwicklung richtet man sich an den Konzepten aus dem angelsächsischen Raum aus. Dort wurde mit der Theorie des cultural turn eine stärkere Konzentration auf kulturelle Fragestellungen in Bezug zu gruppenspezifischen Abgrenzungen verfolgt. Mit der "new cultural geography" hat sich in England und vor allem in den USA eine teilweise den etablierten Methoden kritisch gegenüberstehende Richtung entwickelt, deren Kulturbezug sich auf bis auf die Definition und (räumliche) Untersuchung von Subkulturen herunterbrechen kann. Unter dem Begriff der Neuen Kulturgeographie werden diese Konzepte in der deutschsprachigen Kulturgeographie diskutiert.

Literatur


- Kulturgeographie. Spektrum Akademischer Verlag, 10/2003. ISBN 3827413931.
- Neue Kulturgeographie. Petermanns Geographische Mitteilungen, 2/2003. ISBN 3-623-08102-7. Themenheft PGM.

Siehe auch


- englischsprachiger Wikipedia-Artikel: cultural turn
- Ewald Banse

Weblinks


- http://www.ifl-leipzig.com/index.php?id=116 Zusammenfassung der Tagung "Neue Kulturgeographie in Deutschland. Themen, Methoden, Perspektiven" am Leibnitz Institut für Länderkunde e. V. (29.-31. Januar 2004) Kategorie:Humangeographie

Verkehrsgeografie

Die Verkehrsgeografie als Teil der geografischen Wissenschaften sowie der Verkehrswissenschaften untersucht die räumliche Verteilung der Erscheinungen des Verkehrs bzw. des Verkehrswesens und die Bedingungen und Besonderheiten seiner Entwicklung in verschiedenen Räumen. Der historische Prozess der Erforschung der Erde als Ausgangspunkt der Geographie ist ohne Verkehrsmittel kaum denkbar. Die Verkehrsgeographie bzw. Verkehrsgeografie beschäftigt sich jedoch nicht mit dem Prozess der Tilgung weißer Flecken auf Landkarten, sondern mit der Wechselwirkung von Raum und Verkehr bzw. Methoden zur Raumüberwindung.

Themenfelder

Folgende Bereiche sind bei der wissenschaftlichen Betrachtung zu unterscheiden:
- Die Geographie von Verkehrsmitteln und -infrastruktur (beispielsweise Verteilung der Verkehrswege).
- Die Wirkung von Verkehr auf Raum und Raumnutzung (siehe auch Wirtschaftsgeographie).
- Räumliche Mobilität (und ihre moderne Substitution mithilfe von IT) mit ihren Vernetzungen zu Stadtgeographie und Suburbanisierung. Die Übertragung von verkehrsgeografischen Erkenntnissen in praktische Anwendungen geschieht regelmäßig (Beispiel: Verkehrstelematik, Verkehrsplanung).

Literatur


- Blum, Otto, Verkehrsgeographie, Berlin 1936
- Hochschule für Verkehrswesen, Haack Verlag (Hrsg.): Haack Atlas Weltverkehr - Atlas des Transport- und Nachrichtenwesens, Gotha 1985
- Jörg Maier, Heinz-Dieter Atzkern: Verkehrsgeographie. Verkehrsstrukturen, Verkehrspolitik, Verkehrsplanung. Teubner, Stuttgart 1992, ISBN 3-519-03428-X
- Institut für Länderkunde Leipzig (Hrsg.): Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland: Verkehr und Kommunikation, Spektrum Verlag 2001

Siehe auch


- Infrastruktur
- Verkehrszweige
- Verkehrswesen
- Verkehrswirtschaft

Weblinks


- http://www.verkehrsgeografie.de Verkehrsgeografische Infoseite Kategorie:Humangeographie Kategorie:Verkehr

Wahrnehmungsgeografie

Die Wahrnehmung (Perzeption) von Raum durch Menschen findet nur scheinbar so objektiv statt wie es die Raumdarstellung in der Kartografie, in Luft- oder Satellitenbildern nahelegt. Tatsächlich ist die Raumwahrnehmung und -abbildung ein sehr subjektiver Prozess.

Einleitung

Kevin Lynch, ein Architekt und Stadtplaner, begann Mitte der 1950er Jahre am Massachusetts Institute of Technology (MIT) das Wahrnehmungsverhalten von Stadtbewohnern zu untersuchen, weil er Zusammenhänge zwischen der menschlichen Wahrnehmung und der Art und Qualität von Architektur vermutete. Er fand durch empirische Studien heraus, dass das geistige Abbild, das jeder Mensch über seine Umwelt anfertigt
- mehr oder weniger verzerrt ist,
- Vereinfachungen gegenüber der Wirklichkeit aufweist,
- gruppenspezifisch ist und
- aus einer kleinen Gruppe von Grundelementen zusammengesetzt wird, die in verschiedenen Städten unterschiedliche Bedeutung für die Strukturierung der Stadtgestalt haben. Diese geistigen Karten, auch als kognitive Karte bezeichnet (engl. mental maps), haben vor allem Funktionen im Zusammenhang mit der räumlichen Orientierung und Ordnung. Die Art der subjektiven Entstehung dieser mentalen Repräsentation des Raumes aus der Verarbeitung eigentlich einheitlicher (objektiver) Sinneseindrücke lassen sich nur indirekt erfassen. Als Untersuchungsmethode verwendete Lynch neben Gedächtnisprotokollen vor allem Kartenskizzen, die von den Probanden aus der Erinnerung dargestellt wurden. Da die mental maps einen ausgesprochenen Anwendungsbezug haben, fanden sie rasch in anderen raumbezogenen Wissenschaftsdisziplinen weiteren Einsatz.

Die fünf Grundelemente

Wege

Wege bilden für die meisten Menschen die vorherrschenden Elemente im Raum (beispielsweise in einer Stadt). Durch Wege (Straßen, Gassen, Gehwege, Trassen öffentlicher Verkehrsmittel...) bewegen sich die Bewohner regelmäßig, gelegentlich oder zufällig. Sie nehmen Räume als eine Ansammlung von Gestaltelementen wahr, die entlang dieser Wege angeordnet sind. Für die Wahrnehmung besonders bedeutsam ist insbesondere die Breite eines Weges, aber auch die Funktion als Grenzlinie erhöht die Bedeutung.

Grenzlinien

Grenzlinien oder Ränder sind linienhafte Stadtelemente, die vom Beobachter nicht (oder nicht nur) als Wege benutzt oder bewertet werden. Sie trennen unterschiedliche Bereiche, sind Grenzen des Zusammenhangs. Neben einem trennenden Aspekt, wie beispielsweise der Grenze zwischen unterschiedlich dicht bebauten Bereichen, haben diese Ränder aber auch verbindende Funktionen, die als Säume/Nähte zwei Gebiete aneinander fügen oder in Beziehung setzen. Wenngleich Ränder für die Beobachter keine so bedeutende Rolle wie die Wege spielen, sind sie vor allem dort ein wichtiges Gliederungselement, wo Bereiche/Regionen durch solche Grenzlinien zusammengefasst werden.
Die Wichtigkeit von Grenzlinien wird nach der Stärke des Unterschieds zwischen den getrennten Bereichen und nach ihrer Kontinuität bewertet. Häufig fallen Grenzlinien mit Verkehrstrassen insbesondere Straßen und Eisenbahnlinien zusammen.

Bereiche

Bereiche sind mittelgroße bis große, in der Vorstellungswelt zweidimensional abgebildete flächenhafte Abschnitte einer Stadt. Sie werden als Gebiete wahrgenommen, in die man hineingeht oder die man verlässt. Jedes dieser Gebiete hat in der Vorstellung einen individuellen Charakter, der aus einem Merkmalskomplex heraus definiert wird. Dabei sind in der Regel die Bereich von innen immer zu identifizieren, während sie von außen nur dann als Gestalt-/Orientierungselement eine Rolle spielen, wenn sie über charakteristische Elemente zu erkennen sind (zum Beispiel Hochhausbebauung in einem Hochhauskomplex).
Der Merkmalskomplex, der einen Bereich definiert, ist durch thematische Kontinuität geprägt. Gestaltelemente können sein:
- Gliederungen,
- Formen,
- Details,
- Symbole,
- Gebäudetypen,
- Nutzungsarten,
- Einwohnerschaft,
- Verkehr,
- Gebäudezustand,
- Topographie u. a. Gerade die Einheitlichkeit von Fassaden im Hinblick auf Material, Traufhöhe, Erhaltungszustand und das Bild der Bewohnerschaft, soweit diese im Straßenbild erkennbar ist, tragen maßgeblich dazu bei, Bereiche zu identifizieren.

Brennpunkte

Brennpunkte sind Zentralpunkte einer Stadt. Häufig sind sie Ziel- oder Ausgangspunkt einer Bewegung im Stadtraum. Sie sind für den Beobachter zugänglich und werden häufig durch das Zusammentreffen mehrerer Straßen (Kreuzungen, Kreisverkehre) oder durch das konzentrierte Zusammentreffen einer Vielzahl von Merkmalen auf relativ kleinem Raum definiert. Der Brennpunkt - auch als Ort von Fahrt-/Bewegungsunterbrechungen wahrgenommen - wird vom Beobachter als wichtig angesehen, weil er an dieser Stelle Entscheidungen treffen muß. Die Umgebung solcher bewussten Entscheidungspunkte wird dabei meist besonders deutlich wahrgenommen, so dass Befragte das Erreichen eines Bereiches meist mit dem Passieren eines Brennpunktes gleichsetzen. Typische Brennpunkte können daher beispielsweise bestimmte U-Bahnstationen sein (Umsteigebahnhöfe oder Stationen, die mit besonders gestalteten Bereichen an der Oberfläche korrespondieren).

Merk- oder Wahrzeichen

Merk- oder Wahrzeichen fungieren als optische Bezugspunkte. Oft sind sie identisch mit besonders auffallenden Bauwerken (beispielsweise Türmen) oder Landschaftselementen. Charakteristischerweise verwenden Beobachter, die besser mit einer Stadt vertraut sind, ein ganzes Netz von Bezugspunkten für die Orientierung. Die Merkzeichen haben dabei den Charakter von etwas einmaligem, speziellem, das die Kontinuität der Umgebung durchbricht. Wichtige Merkzeichen, die von einem hohen Anteil von Befragten einer Stadt übereinstimmend genannt werden,
- haben meist eine einfache und klare Form (zum Beispiel Eiffelturm, Siegessäule, Brandenburger Tor, Fernsehturm),
- sind auch aus der Distanz zu erkennen und
- weisen einen deutlichen Kontrast zur Umgebung auf. Das räumliche Herausragen eines Merkzeichens kann einerseits durch Größenunterschiede hervorgerufen werden, was das Erkennen auch aus der Distanz und damit den Bekanntheitsgrad steuert, andererseits auch durch andere deutliche Kontrastelemente (beispielsweise ein "herausgeputztes" Gebäude in einer eher desolaten Umgebung oder das Gegenteil).

Beziehung der Grundelemente zueinander

Die Gesamtheit der Grundelemente fungiert als "Rohmaterial", aus dem sich in der Vorstellungswelt des Beobachters das Image einer Stadt zusammensetzt. Erst aus der Kombination der Merkmale und ihrer Beziehung untereinander ergibt sich eine räumliche Wirkung, die sich in Form einer mental map darstellen lässt. Verschiedene Grundelemente können dabei sowohl synchron einen Gesamteindruck erzeugen, als auch durch kontrastierende Wirkung Eindrücke der jeweiligen Einzelelemente unscharf machen. Gleichzeitig weisen bestimmte Grundelemente erst in einer typischen Kombination raumprägende Eigenschaften auf, so zum Beispiel die Kombination aus Wegen und Brennpunkten. Die meisten Beobachter fassen anscheinend die erkannten Elemente in größeren Anordnungen zusammen, die als Vorstellungskomplexe bezeichnet werden. Wichtige Eigenschaft von Vorstellungskomplexen und Images ist ihre Veränderbarkeit im Zeitverlauf: Der Charakter eines Bereiches kann beispielsweise innerhalb eines Jahrzehnts starken Veränderungen unterworfen sein (beispielsweise Gentrification eines Stadterneuerungsgebietes), seine Abgrenzung kann sich verändern. Zugleich kann auch die Hierarchie von Stadtbereichen Veränderungen unterworfen sein. Andererseits können bestimmte Bezugspunkte ihren Charakter auch im Wandel beibehalten. Auskunft über die Beziehung der Grundelemente kann das Vorgehen beim Skizzieren einer mental map geben: # Häufig wird das Image entlang von bekannten Bewegungsrichtungen entwickelt. # Viele Beobachter beginnen eine Skizze mit Grenzlinien, die Bereiche abgrenzen, wie zum Beispiel der Uferlinie eines Gewässers. # Andere Beobachter beginnen mit dem Skizzieren der zugrundeliegenden Struktur, wie beispielsweise einem rechtwinkligen Straßenraster. # Typisch ist auch das Ausgehen von einem vertrauten Zentralpunkt, von dem aus alle weiteren Bereiche und Beziehungen definiert werden. Die Gesamtheit aller in einer mental map darstellbaren und dargestellten Grundelemente ist in den meisten Fällen verzerrt, weist aber eine starke topologische Übereinstimmung mit der Wirklichkeit auf. Die Planskizzen können durchaus auch den Charakter von Stadtplänen aufweisen, die auf ein beliebig dehnbares Gummituch projiziert und dann gedehnt wurden.

Übertragung des Perzeptionsansatzes auf geographische Fragestellungen

Lynch verband mit seinen Studien die Hoffnung, aus ihnen eine empirisch begründbare, "richtige" Stadtplanung herleiten zu können. Die Qualitäten geplanter Räume wollte er vor allem an deren Merkmalen
- Eindeutigkeit und
- Klarheit messen. Geographen, wie zum Beispiel T. Hägerstrand und Downs/Stea wandten die hier aufgeworfenen Überlegungen auf geographische Fragestellungen an. Fragen zur relativen Wahrnehmung von Räumen, soweit diese sich in der Vorstellungswelt von Menschen abbilden lassen, wurden unter anderem im Zusammenhang mit Untersuchungen zu Interaktionen, räumlicher Diffusion und der Imageanalyse untersucht. Insbesondere im sozialwissenschaftlich orientierten Bereich der Geographie wird seither der Relativraum als der eigentliche "Normalraum" betrachtet. Ein weiterer Ansatz ist die "Imaginäre Geographie". Die auf den Überlegungen von, MORIN (1958 - "halbimaginäre Realität des Menschen"), SAID (1978), SHIELDS (1991) und BALANDIER beruhende Sichtweise weist eine hohe Interdisziplinarität auf (vgl. auch Psychologie und Philosophie, ein guter Überblick hierzu SCHULTHEIß, 1996). In Deutschland ist es vor allem HENNIG (1997) zu verdanken, dass diese Überlegungen bei der Konstruktion imaginärer Räume in den tourismuswissenschaftlichen Diskurs eingegangen sind. Imaginäre Geographie, die sich mit der Entwicklung und Projektion sozialer Konstrukte auf bestehende Räume beschäftigt (so weist beispielsweise URRY nach, dass der englische Lake District durch die "literally landscapes" der Romantik geprägt wurde - heute ist es gerade dieser "romatic-gaze" der die Besucher anregt den Lake District zu besuchen - vgl. URRY, 1995) führt in der wissenschaftlichen Diskussion bisher noch ein Schattendasein. Zum Teil auch weil der traditionell behaviouristische Ansatz der Wahrnehmungsgeographie in Frage gestellt wird. So weist SHIELDS anhand des Beispiels Brighton nach, dass es kollektiv überprägte Raumvorstellungen gibt, die sich zu "Raum-Mythen" verdichten können.

Literatur


- P. Haggett: Geographie - Eine moderne Synthese. Stuttgart 1991
- Christoph Hennig: Reiselust. Touristen, Tourismus und Urlaubskultur. Insel, Frankfurt am Main u. a. 1997, ISBN 3-458-16841-9
- K. Lynch: Das Bild der Stadt. Frankfurt 1970
- K. Lynch: City Sense and City Design. Cambridge (Massach.), London 1991
- R. Shileds: Places on the margin. Alternative Geographies of Modernity. 1991
- J. Urry: Consuming Places. 1995
- J. Urry: The Tourist Gaze. Cambridge, 1990/2002 Kategorie:Humangeographie

Historische Geographie

Die Historische Geographie ist eine historische Raumwissenschaft, die sich mit raumrelevanten Prozessen menschlicher Aktivitäten und den sich daraus ergebenden räumlichen Strukturen zu einer beliebigen Zeit der Vergangenheit beschäftigt. Das setzt die Erfassung, Beschreibung und Erklärung der Qualität und Quantität relevanter wirtschaftlicher, demographischer, sozialer, politischer und natürlicher Prozesse in der raumzeitlichen Differenzierung voraus, beinhaltet die Rekonstruktion von vergangenen Landschaftszuständen und zielt letztlich auf eine Formulierung von Regelhaftigkeiten raumzeitlicher Differenzierung. Weitere Arbeitsfelder der Historischen Geographie sind die Genetische Kulturlandschaftsforschung und die Angewandte Historische Geographie.

Diffusionsforschung

In der geographischen Diffusionsforschung wird die Ausbreitung (vergleiche Diffusion, Physik) von Informationen, Innovationen und menschlichen Aktivitäten (vergleiche Anthropogeografie) im Raum erforscht: Was bestimmt den Ausbreitungsweg einer Krankheit, einer technischen Neuerung oder einer Kultur?

Räumliche Diffusion

Ausgangspunkt der Erforschung eines Ausbreitungsvorgangs im Raum ist die Beobachtung einer Innovation - beispielsweise die Einführung eines neuen Produkts (Wirtschaftsgeografie), die Anwendung neuer Ideen; allgemein die Verbreitung von Tätigkeiten oder Objekten, die von einem Individuum oder einer sozialen Gruppe als neu angesehen werden - die sich mithilfe zwischenmenschlicher Kontakte im Zeitverlauf ausbreitet und schließlich eine Raumeinheit zumeist vollständig erfasst.
Dabei wird die Innovation von einem Menschen, der sie bereits übernommen hat (Adoptor) an einen/mehrere weitere Menschen weitergegeben. Auf die Charakterisierung der Verbreitung eine Innovation wird im folgenden noch eingegangen. Zunächst lässt sich der Prozess der bewussten Übernahme einer Innovation folgendermaßen charakterisieren:
- Die Adoptionsbereitschaft und -geschwindigkeit einer Innovation wächst mit der Stärke der Wahrnehmung ihres relativen Vorteils
- Je mehr eine Innovation mit den bestehenden Werten, Normen sowie den Erfahrungen der Alltagspraxis übereinstimmt, um so größer wird die frühe Akzeptanz und damit die Adoptionsgeschwindigkeit sein.
- Eine Innovation wird um so langsamer in den Alltag integriert, je komplexer sie ist und je mehr neue Kenntnisse und Fähigkeiten zu ihrer Nutzung benötigt werden.
- Sofern eine Innovation Möglichkeiten zur Erprobung und Anpassung bietet und z.B. auf kleiner Basis erprobt werden kann, desto eher können Ungewissheiten beseitigt und Entscheidungsprozesse beschleunigt werden.
- Je einfacher es für den potentiellen Adoptor ist, einen Innovationsprozess oder die mit einem Produkt gemachten Erfahrungen zu beobachten und zu evaluieren, um so schneller wird die Entscheidung zur Übernahme getroffen.

Formen der räumlichen Diffusion

Erste Ansätze einer geschlossenen geographischen Innovations-Diffusions-Theorie entwickelte der schwedische Forscher Torsten Hägerstrand in seiner Veröffentlichung "The Propagation Of Innovation Waves" (1952). Im Zentrum seiner Untersuchungen standen die Gesetzmäßigkeiten der räumlichen Verbreitung von Neuerungen. Sein methodisches Ziel war es, den Diffusionsprozess mithilfe mathematischer Modelle in Form von Computeralgorithmen so realitätsnah wie möglich darzustellen und zu simulieren. Ausgehend von der Annahme, dass die Weiterverbreitung einer Innovation (beim Kontakttypus) stets an persönliche Kontakte zwischen Menschen gebunden ist, gehörte zu seinen Grundannahmen das Vorhandensein eines Kommunikationsnetzes, das er als "mean information field" bezeichnete. Innerhalb dieses Feldes wird es mit wachsender Entfernung vom Informationszentrum immer unwahrscheinlicher, mit Information versorgt zu werden. Die Wahrscheinlichkeiten lassen sich statistisch ermitteln und damit auf einfache Weise in ein mathematisches Modell überführen.

Expansive Diffusion

mathematischer Bei der expansiven Diffusion verbleiben die Informationsträger (Adoptoren) größtenteils am Ausgangsort. Zwischen zwei Zeitpunkten vergrößert sich die Gesamtfläche der Verbreitung ausschließlich durch Kontakte mit weiteren potentiellen Adoptoren ausgehend vom Ursprungsort. Die Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung sinkt mit der räumlichen Distanz zum Quellort.

Relokative Diffusion

mathematischer Bei der Verlagerungs-Diffusion (Relokations-Diffusion) verlassen die Adoptoren das Ursprungsgebiet und verlagern sich in neue Regionen, in denen sie jeweils die Verbreitung der Innovation auslösen. Beispiele sind ansteckende Krankheiten, die in mehreren Regionen fast zeitgleich ausbrechen indem sie rasch (z.B. durch Flugreisende) in neue Regionen verlagert werden. Diese Diffusionsform steht zumeist im Zusammenhang mit Wanderungsprozessen unterschiedlicher Maßstäblichkeit und Reichweite. Die Verbreitungswahrscheinlichkeit ist an die Bewegung der Adoptoren gekoppelt.

Kombinierte Diffusion

Wanderungsprozessen Kombinierte Expansions- und Verlagerungsprozesse sind die häufigste Form der Diffusion. Hierbei überlagern sich Ausbreitungsprozesse von einem Ursprungsort (Kontaktdiffusion) mit der Relokations-Diffusion durch Verlagerung der Ausbreitungsquelle. Die Ausbreitung ausländischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland mag als ein Beispiel für den Typus des kombinierten Diffusionsprozesses dienen. Die Ausbreitungswahrscheinlichkeit ist in diesem Fall sowohl abhängig von der räumlichen (sozialen) Distanz zum Ausgangspunkt als auch abhängig von der Bewegungsrichtung der Adoptoren.

Hierarchische Diffusion

Es wurde häufig beobachtet, dass die Ausbreitung einer Neuerung (z.B. Fernseher, Mobiltelefone, Faxgeräte, Mode) nicht gleichmäßig, sondern in Abhängigkeit von der hierarchischen Ordnung eines Siedlungssystems abläuft. Diese Abhängigkeit zeigt sich sowohl in Verdichtungsräumen als auch in ländlich geprägten Regionen. Auch die Ausbreitung in einer sozial gegliederten Gesellschaft verläuft oft in Form einer hierarchischen Diffusion, indem Innovationen zunächst von Angehörigen der obersten sozialen Schicht angenommen werden und allmählich in untere Schichten sickern. Bei der hierarchischen Diffusion hängt die Ausbreitungsgeschwindigkeit von der Richtung der Verbreitung ab: Während ein Diffusionsprozeß von oben nach unten relativ rasch abläuft, ist die Verbreitungsgeschwindigkeit von unten nach oben deutlich geringer.

Anwendung

Das Wissen über die Mechanismen und die Raumwirksamkeit von Diffusionsprozessen findet breite Anwendung in unterschiedlichen Spezialdisziplinen. Als stellvertretende Beispiele seien hier die Epidemiologie und die Marktforschung genannt.

Literatur


- R. Abler, J.S. Adams, P.R. Gould: Spatial organisation. 1971
- T. Hägerstrand: Innovation diffusion as a spatial process.1968
- P. Haggett: Geographie - Eine moderne Synthese. 1991
- T. Reichart: Bausteine der Wirtschaftsgeographie. 1999

Siehe auch


- Geografie
- Diffusionstheorie
- Wirtschaftswissenschaft
- Migration Kategorie:Humangeographie

Religionsgeographie

Die Religionsgeographie ist ein Teilgebiet der Anthropogeographie und der Religionswissenschaft. Sie untersucht die Wechselwirkungen zwischen Religion und geographischer Region. In der Religionsgeographie spielt zum einen die Frage eine Rolle, wie sich religiöse Zugehörigkeiten auf die regionale Struktur - etwa Architektur, Infrastruktur oder Wirtschaft - auswirken. Ein typisches Forschungsbeispiel für ein derartiges Thema betrifft den Einfluss des Pilgertums auf eine Region. Ein anderes Thema sind die Auswirkungen einer Mission auf eine Region. Mit dem Wechsel der Konfession verändert sich oft auch die regionale Struktur erheblich. Zum anderen wird in der Religionsgeographie erforscht, wie religiöse Strukturen von geographischen Besonderheiten abhängen. Hier spielen Fragen der folgenden Art eine Rolle: In welchen geographischen Verhältnissen halten sich religiöse Minderheiten? Wie wirken sich städtische und ländliche Strukturen auf religiöse Gemeinschaften aus? In welchem Maße fungieren geographische Schranken (Gebirge, Gewässer) auch als religiöse Schranken?

Literatur


- Manfred Büttner: Grundfragen der Religionsgeographie, Reimer (1985)
- Gisbert Rinschede: Religionsgeographie, Westermann (1999)

Weblinks


- [http://www.religionsgeographie.de/ Arbeitskreis Religionsgeographie in der Deutschen Gesellschaft für Geographie] Kategorie:Religionswissenschaft Kategorie:Humangeographie Kategorie:Religion lokal

Category:Grenoble

Category:Communes of Isère Category:Cities in France Category:Ordre de la Libération Category:Host cities of the Winter Olympic Games

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