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Antwerpen
Antwerpen (franz. Anvers - engl. Antwerp) ist die wichtigste Hafenstadt in Belgien und Hauptstadt der Provinz Antwerpen. Der Ort ist die größte Stadtgemeinde des Landes mit 457.749 Einwohnern (1. Januar 2005) und hat somit mehr Einwohner als die Gemeinde Brüssel. Die Einwohnerzahl der Agglomeration Antwerpen liegt aber mit 949.000 Einwohnern geringfügig unter der für Brüssel genannten Einwohnerzahl.
Brüssel
Brüssel
Brüssel
Geographische Lage
Antwerpen liegt am Fluß Schelde, 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee.
Kultur
Kunst und Lebenskunst
Die Stadt hat viele bekannte Künstler hervorgebracht, darunter die Maler Rubens, van Dyck, Jacob Jordaens, Jan Bruegel und den sehr bedeutenden Buchdrucker und Verleger Christoph Plantin (17. Jahrhundert), dessen Haus jetzt ein interessantes Museum ist. In Antwerpen befinden sich zahlreiche kulturelle Einrichtungen, etwa die Oper oder das Rubensmuseum. Antwerpen ist für seine Lebenskunst bekannt. Durch seine historische Hafenlage entwickelte sich eine außerordentliche metropolische Vielseitigkeit der Gastronomie mit internationalen Einflüssen.
Besonders im Viertel Zuid findet man Kultur auf engstem Raum konzentriert. Dieses Ambiente hat dafür gesorgt, dass sich hier inzwischen eine reiche, talentierte Modekultur entwickelt hat, deren Mittelpunkt die Modeabteilung der Königlichen Akademie der Schönen Künste, um die sich neben vielen Schriftstellern und Künstlern auch viele gemütliche Bars angesiedelt haben, bildet. Das Paradepferd der Art Deco ist zweifelslos das Viertel Zurenborg.
Religion
In Antwerpen befindet sich eine der größten jüdischen Gemeinden Europas. Orthodoxe Juden, von denen mehrere im Diamanthandel tätig sind, beherrschen in einigen Vierteln das Stadtbild. Die Stadt ist katholischer Bischofssitz.
Wirtschaft, Bildung und Verkehr
Diamanten
Traditionell gilt die Stadt als wichtigster Diamantenhandelsplatz der Welt. Neben vier Diamantenbörsen gibt es etwa 1500 Diamantenfirmen und ein Diamantenmuseum.
Wissenschaft
Antwerpen war eine dreifache Universitätsstadt (heute sind alle drei zusammengefügt) und Sitz mehrerer wissenschaftlicher Institute (z. B. Institut für Tropenmedizin).
Hafen
Der Containerhafen der Stadt ist einer der größten der Welt und der drittgrößte Europas nach Rotterdam und Hamburg. Über den Albert-Kanal besteht eine Verbindung zum Binnenhafen von Lüttich.
Söhne und Töchter der Stadt
- Abraham Janssens, niederländischer Maler
- Hendrik van Balen d. Ä., niederländischer Maler flämischer Herkunft
- Jacob Barbireau, belgischer Komponist
- Pieter Bast, niederländischer Zeichner, Kupferstecher und Kartograf
- Maria Belpaire, belgische Schriftstellerin
- Jan Frans van Bloemen, Flämischer Landschaftsmaler
- Peter van Bloemen, Flämischer Maler
- Daniel Bomberg, wurde berühmt durch seine Offizin in Venedig
- Paul Bril, niederländischer Maler
- Karel De Schrijver, belgischer Komponist und Professor
- Martin Anton Delrio, Jesuit und Hexentheoretiker
- Angèle Durand, belgische Sängerin und Schauspielerin
- Anthonis van Dyck, flämischer Maler
- Willem Elsschot, niederländischsprachiger Schriftsteller aus Belgien
- Jacob van Es, flämischer Maler
- Ernest van der Eyken, belgischer Komponist und Dirigent
- Georges Follman, belgischer Komponist und Dirigent
- Jacqueline Fontyn, belgische Komponistin und Professorin
- Jan Fyt, belgischer Maler
- Cornelius Galle d. J., niederländischen Kupferstecher
- Cornelius Galle d. Ä., niederländischen Kupferstecher
- Jef Geeraerts, belgischer Krimi-Schriftsteller
- Jan Gruter, Schriftsteller und Polyhistor
- Frans Hals, niederländischer Maler
- Jos van Immerseel, belgischer Cembalist
- Jacob Jordaens, flämischer Maler
- Benjamin Katz, belgischer Fotograf
- Willem Kersters, belgischer Komponist und Professor
- George Koltanowski, belgischer Schachspieler
- Jef Maes, belgischer Komponist und Professor
- Paul de Man, ein aus Belgien stammender Literaturtheoretiker, Literaturkritiker und Philosoph
- Louis Marischal, belgischer Komponist und Musiker
- Eugeen Van Mieghem, Maler
- Joos de Momper, niederländischer Maler
- Abraham Ortelius, niederländischer Geograf und Kartograf
- Johannes Adolph Overbeck, deutscher Archäologe
- Artus Quellinus I., niederländischer Bildhauer
- Cyprian de Rore, niederländischer Komponist
- Frans Snyders, flämischer Maler
- Antoine Tassaert, flämischer Bildhauer
- Guy Thys, belgischer Fußballtrainer
- Jan van den Hoecke, niederländischer Maler
- Henry van de Velde, belgischer Architekt und Designer
- Hans Witdoeck, niederländischer Kupferstecher
Sonstiges
Den Eisenbahngüterverkehr des Hafens mit dem weit über Belgien hinausreichenden Hinterland vermittelt der Rangierbahnhof Antwerpen-Noord, einer der größten in Europa. Ferner befinden sich in Antwerpen verschiedene Industriezweige, u. a. Fahrzeugbau und Erdölindustrie. Der Kennedy-Autobahntunnel verbindet die beiden Scheldeufer miteinander, außerdem hat Antwerpen eine U-Bahn.
Geschichte
U-Bahn
Antwerpen wurde 726 das erste Mal erwähnt. Ende des 11. Jahrhunderts kam Antwerpen zu Brabant. Die Stadt erhielt 1291 die Stadtrechte. 1315 wurde sie Hansestadt. Antwerpen fiel 1430 an Burgund, 1477 an Habsburg.
Im 16. Jahrhundert war die Stadt reichste Handelsstadt Europas. Durch die darauffolgenden Konflikte zwischen Habsburg und den Niederlanden folgte jedoch der Niedergang.
Seit 1863 erlebte Antwerpen einen erneuten Aufschwung als belgischer Hafen.
1920 war Antwerpen Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.
Sehenswürdigkeiten
- Grote Markt (Marktplatz)
- Cogels-Osylei (Prachtstraße)
- Centraal Station (Bahnhof)
- Judenviertel
- Onze Lieve Vrouwekathedraal (Liebfrauenkathedrale)
- Steen (alte Burg, heute ein Schiffahrtsmuseum)
- Vogelmarkt
- Rubenshaus (Wappervaart)
- Brabobrunnen
- Diamantenmuseum
Weblinks
- [http://www.antwerpen.be/ Netzpräsenz der Stadt Antwerpen]
- [http://www.dekathedraal.be/ Onze Lieve Vrouwekathedraal (Liebfrauenkathedrale)]
Kategorie:Ort der Provinz Antwerpen
!
Kategorie:Ort mit Seehafen
ja:アントワープ
Hafen)]]
Ein Hafen ist ein natürlich oder künstlich geschützter Uferbereich für die Schifffahrt, meist durch ein System von Hafenbecken, Anlegestellen, Kais, Hafenmauern und Molen gebildet. Wichtigere Häfen haben eingene Verkehrsanbindungen, zum Beispiel einen Eisenbahnanschluss, der bei großen Anlagen als unabhängiger Hafenbahnhof darstellt, oder in letzter zeit eigene Autobahnanbindung.
Man unterscheidet primär nach der Funktion zwischen Binnenhäfen - Flusshäfen, Kanalhäfen, Tiefwasserhäfen, Binnenseehäfen und Seehäfen, auch Hochseehäfen genannt. Weiterhin sind Yacht-Häfen (Marinas) und Freizeit-Häfen zu nennen.
Eine weitere Unterscheidung zwischen den verschiedenen Hafentypen kann man nach ihrem Verwendungszweck vornehmen:
- Handelshäfen für den Warenumschlag
- Öl und Chemieprodukte
- Stückguthafen
- Containerhafen
- Fischereihäfen für die Küsten- oder Hochseefischerei
- Fährhäfen für Autofähren oder Eisenbahnfähren, oft gemischt
- Militärhäfen Marinehäfen, U-Boot-Häfen und Hafenanlagen für die Küstenwache
- Freizeithäfen, Marinas - für die Sportboote
- Bauhäfen - die Werften, Docks
Als weitere Unterscheidung ist die technische Ausbildung zu sehen. Dabei werden insbesondere offene Häfen (offener Tidehafen)und Dockhäfen unterschieden. Im offenen Hafen kann das Schiff jederzeit Ein- und Auslaufen. Im Dockhafen sind Schiffsgröße und Auslaufzeit durch eine in der Hafenzufahrt gelegene Schleuse begrenzt.
Besonders in großen Häfen findet man eine Vielzahl der oben genannten Einrichtungen.
__NOTOC__
Die größten Häfen nach Handelsvolumen in Millionen Tonnen 2004
Weltweit
#Singapur (Singapur) 393,4
#Shanghai (VR China) 379,7
#Rotterdam (Niederlande) 352,4
#Ningbo (VR China) 225,9
#Hong Kong (VR China) 222,9
#Guangzhou (VR China) 215,2
#Tianjin (VR China) 206,2
#Nagoya (Japan) 180,0
#Tsingtao (VR China) 162,7
#Antwerpen (Belgien) 152,3
Belgien]]
Deutschland
#Hamburg 114,5
#Bremen/Bremerhaven 52,3
#Wilhelmshaven 45,0
Anmerkungen:
- Die Zahlen für Singapur und Schanghai umfassen auch den Handel über die jeweiligen Flüsse.
- Es lassen sich im Internet noch andere Quellen finden, in welchen die Daten teilweise abweichen.
- Nicht einbezogen ist Duisburg als Europas größter Binnenhafen mit 75 Mio t.
Quelle: [http://www.portofrotterdam.com/abouttheport/images/29_56582.pdf World's Major Ports 2004 - 2001, by metric tons and by TEUs, Port of Rotterdam], Seite 5 (PDF-Format, 4 Megabyte)
Andere Bedeutung
Im Oberdeutschen bezeichnet Hafen auch einen Topf oder ein sonstiges – meist aus Ton hergestelltes – Gefäß. Die zugehörige Berufsbezeichnung ist Hafner.
in der Schweiz wird die WC-Schüssel manchmal auch als Hafen bezeichnet.
Siehe auch:
- Liste der Seehäfen
- Flughafen
- Vertragshafen
Kategorie:Verkehrsbauwerk
Kategorie:Güterverkehr
Kategorie:Stadtbaugeschichte
simple:Harbor
Provinz Antwerpen
Antwerpen ist eine ist eine der fünf Provinzen von Flandern. Sie grenzt an die Provinzen Limburg im Osten, Flämisch-Brabant im Süden und Ostflandern im Westen. Im Norden grenzt Antwerpen an die Niederländische Provinz Nordbrabant.
Gemeinden (Einwohner am 1. Januar 2005)
Bild:Gemeinden in Antwerpen.png
Kategorie:Belgische Provinz
Brüssel
Brüssel (frz. Bruxelles [] oder [], niederl. Brussel []) ist die Hauptstadt von Belgien. Als Sitz wichtiger Institutionen, wie Europäische Kommission oder Rat der Europäischen Union (Ministerrat) wird die Stadt inoffiziell häufig als Hauptstadt der Europäischen Union bezeichnet.
Stadtgliederung und Zahlen
Europäischen Union
Brüssel umfasst eine Fläche von 32 km². Mit 142.853 Einwohnern (Stand:01.01.2005) stellt sie mit 16 % die größte Bevölkerungszahl aller Gemeinden der Hauptstadtregion Brüssel, in der insgesamt 1.007.000 Menschen wohnen.
Die Stadt Brüssel gliedert sich in sechs Bezirke:
- Brüssel-Haren
- Brüssel-Laeken / Laken
- Brüssel-Neder-Over-Heembeek
- Brüssel-Pentagone / de Vijfhoek
- Brüssel-Quartier Louise / de Louizawijk
- Brüssel-Espace Nord / de Noordwijk
- Brüssel-Nord-Est / de Noord-Oostwijk
Brüssel-Nord-Est
Die Hauptstadtregion Brüssel, Region de Bruxelles Capitale/ Brussels Hoofdstedelijk Gewest, ist ein Zusammenschluss von Brüssel-Stadt und 18 umliegenden Kommunen, die zwar dicht zu einer Stadt verwachsen sind, jedoch bis heute ihre Selbstständigkeit völlig bewahrt haben. Die Region, also Brüssel, ist die Hauptstadt eines zweisprachigen Landes (im Norden niederländisch / im Süden französisch), um Eupen und St. Vith gibt es auch ein kleines deutschsprachiges Gebiet. Aufgrund der Umstände und Brüssels Hauptstadtfunktion ist die Stadt offiziell zweisprachig (niederländisch/französisch). Mit etwa 80 % überwiegt aber die französische Sprache in Brüssel.
Verkehr
KFZ: Brüssel ist das Zentrum des gut ausgebauten, nachts zum Teil beleuchteten belgischen Autobahnnetzes. Die Autobahnen laufen strahlenförmig nach Brüssel bis zur Ringautobahn zu.
Bahn: In Brüssel gibt es mehrere große Bahnhöfe (Brüssel-Nord, Brüssel-Central und Brüssel-Süd), die miteinander durch eine Nord-Süd-Tunnelstrecke verbunden sind. Zugreisende aus dem Ausland kommen meist in Brüssel-Süd (frz. Bruxelles Midi) an, wo Verbindungen aus Paris, Amsterdam, Köln (mit dem Thalys oder aus Köln auch mit dem ICE) und London (Eurostar) bestehen. Ebenso hat man direkten RER-Anschluss zu einem der vielen kleineren Brüsseler Bahnhöfe. Die Station Brüssel Luxemburg, abseits der Haupttunnelstrecke Nord-Süd, ist eigentlich ein Bahnhof zur Anbindung der EU-Institutionen, der jetzt nach der Renovierung immer mehr von der allgemeinen Bevölkerung angenommen wird.
EU
U-Bahn: Sie besteht aus den drei Linien 1a, 1b, und 2. Die ersten beiden verbinden Vororte mit der Stadt, Linie 2 fährt in einem erst 2007 vollständig geschlossenen Kreis um das Zentrum herum. Hinzu kommen 16 Straßenbahnlinien und über 50 Buslinien (bis etwa 00.30 Uhr).
Nachts: Ein Nachtverkehr existiert in Brüssel - abgesehen von einer Nachtbuslinie - nicht. Taxis haben ein relativ hohes Preisniveau.
Flugverkehr: Bei der Nachbargemeinde Zaventem befindet sich ein internationaler Flughafen mit Zuganbindung zum Zentrum. Ebenfalls in Reichweite (60 min entfernt) ist der Flughafen Charleroi, der vor allem von Billigfliegern frequentiert wird.
Wirtschaft
Brüssel ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort in Belgien. Volkswagen betreibt hier ein Werk, in dem u.A. das Modell VW Golf gefertigt wird.
Die Europäischen Institutionen sowie der Sitz des Nato-Hauptquartiers sind der Grund, dass sich viele internationale Großunternehmen sowie Interessensverbände und Lobbyistenbüros in Brüssel niedergelassen haben. Auch Länderbüros, Kulturinstitute und Botschaften aus aller Welt bringen eine große Kaufkraft nach Brüssel. Natürlich ist auch die weltweite Presse ständig mit einem Großaufgebot vertreten. Dieses stößt nicht immer nur auf Gegenliebe der Brüsseler.
Geschichte
Die Anfänge
VW Golf
Der Name Brüssel kommt von einer Wortzusammensetzung des keltischen Wortes bruoc, Sumpf, und des lateinisch-keltischen Wortes sella, Tempel oder Kapelle. Der Stadtname bedeutet also Kapelle im Sumpf.
Der Legende nach wird Brüssel im 6. Jahrhundert durch den heiligen Goorik gegründet. Im Dokument nachweisbar ist die Siedlung jedoch erst 966, in einer Urkunde Otto des Großen, die Bruocsella erwähnt. 977 bis 979 errichtet Karl von Niederlothringen eine Burg und eine Kapelle auf einer Insel im Flüsschen Senne und damit die Grundlage für die weitere Stadtentwicklung. Im 11. Jahrhundert wird erste Stadtmauer angelegt. Die Stadtbefestigung des 14. Jahrhunderts spiegelt sich in den Boulevards des kleinen Rings wider.
Das mittelalterliche Brüssel und die Habsburger
14. Jahrhundert
1430 erbt Philipp der Gute, Herzog von Burgund, das Herzogtum Brabant. Er macht Brüssel zur Hauptstadt seines Burgunderreiches. In dieser Zeit entstehen das Rathaus und die ersten Zunfthäuser am Großen Markt. Die Stadt blüht in dieser Zeit wirtschaftlich auf. Bildhauer, Teppichwirker und Goldschmiede finden ihr Auskommen. Künstler wie Pieter Brueghel der Ältere und Rogier van der Weyden lassen sich der Stadt nieder. Die Enkelin Philipps des Guten, Maria von Burgund, heiratet 1477 Maximilian von Habsburg, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Dadurch kommt Brabant unter die Herrschaft des Habsburgerreiches. Nach einer kurzen Unterbrechung durch Margarete von Österreich, welche die Hauptstadt nach Mecheln verlegt, wird Brüssel nach 1531 erneut Hauptstadt von Burgund.
Nach dem Tode Karls V., unter seinem Sohn Philipp II. wird der größere Teil des heutigen Belgien, mit Brüssel, Bestandteil der spanischen Niederlande. Unter Philipp II. kommt es zu Erhebungen gegen die spanische Herrschaft, unter anderem zu den Aufständen der Grafen Hoorn und Egmont. Mit der Hinrichtung der beiden Adligen auf dem Großen Marktplatz werden diese Aufstände 1568 blutig niedergeschlagen. In Folge dieses gescheiterten Aufstandes kommt es 1578-1579 zur Gründung der Union von Utrecht, der Keimzelle der späteren unabhängigen nördlichen Niederlande. Unter dem Statthalter Spaniens, des Herzogs von Alba, wurden die Anhänger des Protestantismus gnadenlos verfolgt. Diese Repression hat den Exodus der wirtschaftlichen und geistigen Elite, vorwiegend nach Amsterdam, und den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt Brüssel zur Folge.
Amsterdam
Brüssel nach dem Dreißigjährigen Krieg
Im Westfälischen Frieden von 1648 werden die nördlichen Niederlande unabhängig, während die südlichen Niederlande und damit Brüssel unter spanischer Herrschaft bleiben. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kämpft Frankreich unter Ludwig XIV um die Vormachtstellung in Europa. Die Truppen Ludwigs XIV. erobern Westflandern und den Hennegau. Brüssels Großer Markt wird 1695 drei Tage lang mit Kanonen bombardiert und fast völlig zerstört. Im Frieden von Rijswijk 1697 muss Frankreich die belgischen Gebiete wieder abtreten. In Folge des spanischen Erbfolgekrieges, 1701 - 1714, erhalten die österreichischen Habsburger die Herrschaft über die südlichen Niederlande und damit über Brüssel.
Kampf um die Unabhängigkeit
1714
1789 wird im Brabanter Aufstand die Unabhängigkeit gegen die Habsburger unter Joseph II. errungen. Diese ist jedoch nur von kurzer Dauer, weil 1794 die Truppen der revolutionären französischen Republik das Land erobern. Die französische Herrschaft endet 1815 mit der Niederlage Napoleons auf dem Schlachtfeld von Waterloo, das sich unmittelbar südlich der heutigen Hauptstadtregion Brüssel befindet. Im Wiener Kongress 1814 - 1815 werden die südlichen Niederlande mit den nördlichen Niederlanden unter Wilhelm I. von Oranien vereinigt. Doch in Folge der divergenten politischen und kulturellen historischen Entwicklung sind Konflikte zwischen den beiden Landesteilen im Keim angelegt. Der zum Teil französischsprachige und hauptsächlich katholische Süden fühlt sich gegenüber dem protestantischen, holländischen Norden in der politischen Mitsprache, im Unterrichtswesen und in wirtschaftlicher Hinsicht benachteiligt. Der Aufstand im Süden wird zunächst militärisch unterdrückt. Die ausländischen Großmächte England, Österreich und Russland haben jedoch ein Interesse daran, den Konflikt friedlich beizulegen, um einer möglichen Einflussnahme und damit einem Wiedererstarken Frankreichs entgegenzuwirken. Durch ihre Intervention kommt es 1831 zur Konferenz von London. Das Königreich Belgien wird als Staat anerkannt, Brüssel wird Hauptstadt dieses neuen Staates, Leopold I. von Sachsen-Coburg wird der erste König einer neuen konstitutionellen Monarchie.
Das moderne Brüssel
Durch die neue Rolle als Hauptstadt eines unabhängigen Staates und durch den industriellen Aufschwung Belgiens im 19. Jahrhundert erlebt Brüssel einen gewaltigen Aufschwung. Die Bevölkerung wächst dramatisch, auch in Folge einer lebhaften Zuwanderung aus Wallonien und Frankreich. Ehemals ländliche Gemeinden um den alten Brüsseler Stadtkern herum verschmelzen zu einem urbanen Konglomerat; riesige neue Stadtgebiete wachsen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert scheinbar aus dem Nichts. In dieser Zeit entstehen große Gebäude wie der Justizpalast (1863 - 1866), die Börse (1873), der Königspalast auf dem Mont des Arts (Fertigstellung 1903), der Triumphbogen (Fertigstellung 1905), und die berühmten Jugendstilbauten der Stadt, beispielsweise Victor Hortas Bauten.
Victor Horta
Obwohl Belgien in beiden Weltkriegen als Vormarschgebiet Opfer der deutschen Offensivstrategie war, blieb Brüssel von Kriegszerstörungen weitgehend verschont. Deshalb prägen die Architektur und die Straßenzüge der Gründerzeit immer noch das allgemeine Stadtbild.
Ein Zankapfel, der Belgien seit seiner Gründung zu spalten drohte, macht sich auch in jüngster Vergangenheit in Brüssel noch bemerkbar: Der sprachliche und kulturelle Konflikt zwischen der wallonischen, französisch sprechenden Bevölkerung im Süden und der flämischen Bevölkerung im Norden. Das kleinstädtische Brüssel des frühen 19. Jahrhunderts ist flämisch geprägt, im heutigen urbanen Brüssel dominiert das französische Element. Diese Verschiebung der Gewichte in der Hauptstadt verschärft eine Zeit lang den Konflikt, auch begünstigt durch das nationalsozialistische Deutschland und rechtsextreme Gruppen in Belgien, die darin in den 1930er Jahren politischen Profit suchen. 1932 - 1938 wird Brüssel zweisprachig. Straßennamen, Namen von Stadtteilen und Stationen des öffentlichen Nahverkehrs sind seitdem konsequent zweisprachig beschildert, sofern die Namen nicht in beiden Landessprachen übereinstimmen. 1988 verabschiedet das belgische Parlament ein Gesetz, das Belgien zum Bundesstaat macht, mit den autonomen Regionen Flandern und Wallonien und der Region Brüssel mit besonderem Status. In den letzten Jahren, mit der zunehmenden Internationalisierung Brüssels, verliert dieser Konflikt mehr und mehr seine Schärfe.
Siehe auch: Flämisch-wallonischer Konflikt
Nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert sich Brüssel auch international als Zentrum: 1958 wird es zum Sitz der EWG, der Vorläuferin der heutigen Europäischen Union. 1958 findet auch die Weltausstellung in Brüssel statt, die uns eines seiner berühmtesten Bauten, das Atomium, hinterlässt. 1967 wird der Sitz der NATO von Paris nach Brüssel verlegt.
Sehenswürdigkeiten / Kultur
1967
1967
Hauptsehenswürdigkeiten sind der Grand Place/Großer Platz mit dem gotischen Rathaus im alten Zentrum, die Kathedrale Saint Michel/Sint-Michiels und das Atomium in Laeken/Laken, das Wahrzeichen der Weltausstellung von 1958. Die 9 Kugeln der 165-milliardenfachen Vergrößerung eines Eisenmoleküls sind zusammen 102 Meter hoch und 2400 Tonnen schwer. Der Architekt A. Waterkeyn widmete das Atomium dem wissenschaftlichen Fortschritt.
Auch das "Männeken Pis", eine 60 Zentimeter hohe Bronzefigur in der Altstadt ist bei den Touristen sehr beliebt.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Triumphbogen im Park Cinquantenaire, die Art-Deco-Basilika Sacre-Coeur, die Börse, das Brüsseler Königsschloss mit dem Park, der Kunstberg, der Justizpalast, das Königsschloss (Palais Royal), das Schloss mit den Gewächshäusern in Laeken, sowie die Gebäude der Europäischen Union im Europaviertel Leopold.
Zum großen Kulturangebot Brüssels gehören viele Theater (darunter das international vielbeachtete Opernhaus Théâtre de la Monnaie/Muntschouwburg) und Museen aller Art – vom königlichen Kunstmuseum bis zum Comicmuseum. Zudem gibt es in den einzelnen Brüsseler Vierteln weitere Sehenswürdigkeiten und eigene kulturelle Angebote.
Das Stadtbild im Zentrum wird von flämischen Bürgerhäusern geprägt. Besonders auffällig ist der Jugendstil, der durch den Brüsseler Architekten Victor Horta ins Leben gerufen wurde. In der Blütezeit des Jugendstils schossen in Brüssel neue Vorstädte aus dem Boden. Die Architektur der Viertel Schaerbeek/Schaarbeek, Etterbeek, Ixelles/Elsene und Saint-Gilles/Sint-Gillis ist daher besonders sehenswert.
Ein absolutes Highlight des Jugendstil ist das in der Avenue de Tervueren 281 gelegene Palais Stoclet von dem Wiener Architekten Josef Hoffmann (leider nicht von innen zu besichtigen). Die modernen Gebäude im Quartier Leopold/Leopoldswijk oder Espace Nord runden das Bild ab.
In der Stadt gibt es seit jeher eine große Künstlerszene. Der berühmte belgische Surrealist René Magritte beispielsweise hat in Brüssel gelernt. Die Stadt gilt auch als eine Hauptstadt des Comics: In Deutschland am bekanntesten sind Lucky Luke, Tim und Struppi, Cubitus, Gaston und Marsupilami. Graue Häuserwände werden mit riesigen Bildern belgischer Comichelden bemalt, Metrostationen werden von Künstlern gestaltet. Im Centre Nationale de la Bande Dessinnée verbinden sich zwei künstlerische Leitmotive Brüssels, denn dieses nationale Comicmuseum ist im ehemaligen, 1906 errichteten und von Victor Horta entworfenene Jugendstil-Kaufhaus Waucquez untergebracht.
Kulinarische Spezialitäten Brüssels sind besonders Waffeln (Gaufres), Schokolade (vor allem dunkle), Pralinen und Muscheln (Moules). Die Pommes frites wurden von einem Belgier erfunden und werden wie auch die Waffeln überall in Brüssel auf der Straße verkauft. Zudem genießt das belgische Bier einen guten Ruf – Hoegaarden, Leffe,Duvel, Jupiler, Stella Artois und Kriek (Kirschbier) sind Beispiele dafür.
Söhne und Töchter der Stadt
- Lucas Achtschellinck, belgischer Landschaftsmaler
- Chantal Akerman, belgische Filmregisseurin und Professorin für Film an der European Graduate School in Saas-Fee, Schweiz
- Albert I. (Belgien), König der Belgier
- Albert II. (Belgien), regierender König der Belgier
- Maria Viktoria Pauline von Aremberg, Markgräfin von Baden-Baden
- Leopold Philipp von Arenberg, kaiserlicher Feldmarschall
- Ludwig-Engelbert von Arenberg,
- Jacques d'Arthois, Flämischer Landschaftsmaler
- Konstantin Aspre, ein österreichischer General
- Bernard van Orley, Maler
- Victor Boin, belgischer Sportjournalist, Sportler und Sportfunktionär
- Adolphe van Soust de Borkenfeldt, belgischer Dichter und Kunsthistoriker
- Thierry Boutsen, Autorennfahrer
- Jan Brueghel der Ältere, flämischer Maler
- Georg Franz August, Graf von Buquoy, Sohn von Leopold Albert de Longueval
- Maria von Burgund, Herzogin von Burgund
- René Carcan, belgischer Künstler
- Philippe de Champaigne, französischer Maler
- Clemens August I. von Bayern, Erzbischof des Erzbistums Köln
- Johann Ludwig Graf Cobenzl, österreichischer Staatsmann
- Julio Cortázar, Argentinischer Schriftsteller
- Christl Cranz, deutsche Skirennläuferin
- Peyo, belgischer Comiczeichner
- Ivo Van Damme, belgischer Leichtathlet
- François Duquesnoy, flämischer Bildhauer
- Marc Dutroux, belgischer Serienmörder
- Maria von Eicken, Ehefrau des Markgrafen Eduard Fortunat von Baden
- Henri La Fontaine, belgischer Jurist und Politiker
- Lucien Emile Francqui, belgischer Afrikaforscher und Staatsmann
- André Franquin, belgischer Comiczeichner
- Olivier Gendebien, Rennfahrer
- Paul Gilson, belgischer Komponist und Professor
- Raymond Goethals, belgischer Fußballtrainer
- Jean Jérôme Hamer, Kardinal der römisch-katholischen Kirche
- Johan Baptista van Helmont, Universalwissenschafter, Arzt, Naturforscher und Chemiker
- Audrey Hepburn, Schauspielerin britisch-niederländischer Herkunft
- Gustav René Hocke, Journalist, freier Schriftsteller und Kulturhistoriker
- Wilhelm Hyacinth, Prinz von Prinz von Oranien
- Jacky Ickx, belgischer Formel 1- und Sportwagen-Rennfahrer
- E. P. Jacobs, belgischer Zeichner von Comics.
- Joséphine Charlotte (Luxemburg), Mutter des Luxemburger Großherzogs Henri (Luxemburg) | Henri
- Karl Eugen (Württemberg), Herzog von Württemberg
- Karl Theodor (Pfalz), Kurfürst von der Kurpfalz|Pfalz und von Bayern
- Karl VII. (HRR), Kaiser des Heiliges Römisches Reich deutscher Nation|Heiligen Römischen Reiches
- Ferdinand Käs, österreichischer Berufssoldat und antifaschisticher Widerstandskämpfer
- Leopold II. (Belgien), König von Belgien (1865-1909)
- Leopold III. (Belgien), König der Belgien|Belgier
- Claude Lévi-Strauss, Ethnologe und Anthropologe
- Ursula von der Leyen, deutsche Politikerin
- Eugène de Ligne, belgischer Politiker
- Margarete von Österreich, österreichische Prinzessin, Regentin der Niederlande
- Philips van Marnix, niederländischer Schriftsteller
- Jean-Philippe-Eugène de Merode-Westerloo, kaiserlicher Feldmarschall
- Jos Moerenhout, belgischer Komponist und Dirigent
- Brian Molko, britisch-amerikanischer Musiker
- Jacques Neirynck, französischer Elektrotechniker, Verbraucherschützer und Autor
- Charles de Noyelle, Ordensgeneral
- Paul Otlet, Pionier der Informationsmanagements und Begründer der moderen Dokumentationswissenschaft
- Philipp von Belgien, belgischer Thronfolger, Herzog von Brabant
- Jacques Piccard, Schweizer Tiefseeforscher und Ozeanographie|Ozeanograph
- Pierre Alechinsky, belgischer Maler
- Plastic Bertrand, belgischer New Wave-Musiker
- Joseph Antoine Ferdinand Plateau, Physiker
- Jean Toots Thielemans, Jazz-Mundharmonikaspieler, -gitarrist, und -pfeifer
- Jean-Philippe Toussaint, Schriftsteller
- Philippe Vandevelde, belgischer Comiczeichner
- Agnès Varda, belgische Filmregisseurin
- Pierre-François Verhulst, belgischer Mathematiker
- Andreas Vesalius, belgischer Anatom und gilt als Begründer der neuzeitlichen Anatomie sowie des morphologischen Denkens in der Medizin
- Heinrich von Brederode, Vorkämpfer für die Befreiung der Niederlande|Niederländer von der spanischen Herrschaft
- Jean-Remy von Matt, deutscher Werber
- Wilhelm III. (Niederlande), niederländischer König
- Alfred I. Fürst zu Windisch-Graetz, österreichischer Feldmarschall
- Marguerite Yourcenar, Schriftstellerin
- Yslaire, Ist ein belgischer Comiczeichner
Weblinks
- [http://www.bruessel-gui.de Die deutsche Website rund um Brüssel]
- [http://www.bruxelles.be Offizielle Website der Stadt]
- [http://www.ilotsacre.be/site/de/stadtplan_brussel.htm Interaktiver Stadtplan von Brüssel]
- [http://www.europa-digital.de/laender/bel/bruessel/ Das kleine abc von Brüssel]
Kategorie:Hauptstadt in Europa
Kategorie:Ort der Hauptstadtregion Brüssel
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Kategorie:Belgien
Kategorie:Sprachinsel
ja:ブリュッセル
ko:브뤼셀
ms:Brussels
simple:Brussels
Schelde
Die Schelde (fr. Escaut) ist ein Fluss in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Sie entspringt im äußersten Norden Frankreichs, fließt durch Flandern, unter anderem durch die Stadt Antwerpen. Dort befindet sich ein großer Seehafen. In der niederländischen Provinz Zeeland bildet die Schelde einen großen Mündungstrichter aus Westerschelde und der inzwischen eingedeichten Oosterschelde.
Am Ufer der Schelde spielt die Handlung der romantischen Oper Lohengrin von Richard Wagner.
Weblinks
- http://www.scheldenet.nl/ Ausführliche Informationen in Niederländisch, einige gute Karten
Kategorie:Fluss in Belgien
Kategorie:Fluss in Frankreich
Kategorie:Fluss in den Niederlanden
Nordsee
Die Nordsee ist ein relativ flaches Randmeer des Atlantischen Ozeans im nördlichen Europa.
Lage
Die Nordsee trennt die britische Insel im Westen vom mittel- und nordeuropäischen Festland mit Norwegen (Nordost), Dänemark (Ost) sowie Deutschland, Niederlande und Belgien (Südost).
Im Süden geht die Nordsee durch die Straße von Dover in den Ärmelkanal über, im Osten hat sie über Skagerrak und Kattegat Kontakt zur Ostsee und nach Norden öffnet sie sich zum trichterförmig zum Arktischen Ozean.
Die wichtigsten Zuflüsse sind vom Festland her die Schelde, die Maas, der Rhein, die Ems, die Weser und die Elbe, sowie die Themse, die in England nördlich der Straße von Dover in dieses Meer mündet.
Daten
Themse
Die Oberfläche der Nordsee beträgt ungefähr 575.000 km² bei einer Wassermenge ca. 54.000 km³.
Die Nordsee ist ein Flachmeer mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur 94 Metern. Die Ausnahme bildet die Norwegische Rinne; an dieser tiefsten Stelle misst die Nordsee 725 Meter. Die flachste Stelle an der Doggerbank beträgt 13 Meter. Im übrigen liegt der Meersboden größtenteils auf dem Schelf, und so steigt die Tiefe von 25 bis 35 Metern im südlichen Teil bis zu 100 bis 200 Metern zwischen Norwegen und den Shetlandinseln.
Der Salzgehalt ist orts- und jahreszeitenabhängig und liegt zwischen 1,5 bis 2,5 Prozent in der Nähe der Flussmündungen bis zu 3,2 bis 3,5 Prozent in der nördlichen Nordsee.
Die Temperatur schwankt im Mittel zwischen 18 °C (Sommer) und 1 °C (Winter); die Eisbildung ist damit ausgeschlossen.
An der südlichen Küste der Nordsee beträgt der durch Gezeiten ausgelöste Tidenhub bis zu 4 Meter.
Entstehung
Die Nordsee ist ein geologisch altes Meer und seine Entstehung sowie die Veränderungen in Gestalt und Größe sind über einen Zeitraum von etwa 350 Millionen Jahren zu beobachten. Die jetzige Form erhielt sie jedoch erst mit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11.000 Jahren.
Gliederung
Der Südostteil der Nordsee ist die Deutsche Bucht.
Flora und Fauna
Starke Gezeiten, große algen- und kelpwaldreiche Flachwasserbereiche und der große Nährstoffvorrat in der See sorgen für ein vielfältiges maritimes Leben. An der Nordsee liegt das das größte Wattenmeer der Welt. Bekannte Vertreter sind die Miesmuscheln, Möwen, Krebse, Garnelen und kleine Haie.
Rohstoffe
In den 1960er Jahren wurde in der Nordsee erstmals Erdöl entdeckt, weitere große Entdeckungen von Ölfeldern folgten in den 1980ern und 1990ern. Obwohl die Produktionskosten vergleichsweise hoch sind, haben es die hohe Qualität des zu findenden Öls, die politische Stabilität der Region und die Nähe zu den Absatzmärkten Westeuropas zu einer wichtigen Ölregion werden lassen. Mittlerweile gilt die Nordsee als erschlossenes Rohstoffgebiet, in dem kaum noch große Entdeckungen zu erwarten sind. Große Ölkonzerne wie Shell oder British Petroleum haben die Ölförderung in dem Gebiet bereits eingestellt.
Mittlerweile gibt es im Meer 450 Bohrinseln, die Nordsee ist das wichtigste Gebiet der Offshore-Förderindustrie. Die meisten Plattformen befinden sich im britischen Sektor der Nordsee, gefolgt vom norwegischen, dem niederländischen und dem dänischen Sektor. Im deutschen Sektor befinden sich nur zwei Plattformen, es handelt bei ihm um den am wenigsten erschlossenen Sektor in dieser Hinsicht. Das größere der beiden Felder ist das Ölfeld Mittelplate.
Inseln und Küste
Mittelplate
Zu den größten Inseln der Nordsee gehören Helgoland, die Nordfriesischen Inseln, die Ostfriesischen Inseln und die niederländischen Westfriesischen Inseln (siehe auch Friesland). Zwischen Esbjerg (Dänemark) im Norden und Den Helder (Niederlande) im Westen erstreckt sich das Wattenmeer. Dies ist eine von Ebbe und Flut geprägte Landschaft, von der wichtige Teile mittlerweile zum Nationalpark erklärt wurden.
Die Küstenlinie verändert sich stetig. Sowohl durch die natürlichen Wassersteigungen und -senkungen, die im Laufe der Geschichte immer wieder vorkamen, als auch in den letzten Jahrhunderten durch gezielte Landgewinnung. Besonders die Niederländer waren hierbei aktiv, das größte Projekt der Art war die Abdeichung des Ijsselmeeres und die Landgewinnung im Ijsselmeer.
In einem 150-Kilometer-Bereich von der Küste leben 80 Millionen Menschen, davon fast die gesamte Bevölkerung der Niederlande und Belgiens, fast alle davon in urbanen Gegenden. In diesen Bereichen haben die Küstenregionen eine Bevölkerungsdichte von über 1000 Einwohner pro Quadratkilometer, der Küstenabschnitt zwischen Hamburg und Brüssel ist stark industrialisiert, wahrscheinlich findet sich hier die größte Ansammlung von Schwerindustrie weltweit.
Im Einzugsbereich der Flüsse, die in die Nordsee münden, leben auf ungefähr 850 000 km² etwa 160 Millionen Menschen. Sie entwässern einen Großteil Westeuropas, darunter ein Viertel Frankreichs, dreiviertel Deutschlands, fast die gesamte Schweiz und Großbritannien, die Hälfte Jütlands, die gesamten Niederlande und Belgien, den Süden Norwegens, sowie kleine Teile von Österreich. In diesem Bereich findet sich die größte Ansammlung weitweiter Industrie, allein 15 Prozent der Weltindustrieproduktion finden im Einzugsbereich der Nordsee statt.
Zu den bekanntesten Städten an der Nordsee zählen Aberdeen, Den Haag, Haarlem, Rotterdam, Bremerhaven, Cuxhaven, Wilhelmshaven, Esbjerg und Bergen. Über die Weser und die Elbe gehören auch Bremen und Hamburg zu den wichtigen deutschen Nordseehäfen.
Schifffahrt
Die Nordsee ist ein vielbefahrenes Gewässer, in dem wichtige Handels- und Verkehrswege verlaufen. Unter Seefahrern ist sie berüchtigt als der Blanke Hans, Untiefen wie der Große Vogelsand, Grundseen und sehr schwerer Seegang zu Zeiten der Sturmfluten in Frühling und Herbst haben schon zu vielen Schiffsunglücken geführt, die in früheren Zeiten gelegentlich auch Strandräubern als Verdienstquelle gedient haben sollen.
Umweltschutz
Zum Schutz der Nordsee wurde 1992 die Oslo-Paris-Konvention gegründet. An der Nordsee befinden sich mit den Nationalparks Wattenmeer in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg die größten deutschen Nationalparks.
Weblinks
- [http://www.nordseecam.com/ Webcams an der Nordsee]
- [http://www.dwd.de/de/WundK/Warnungen/index.htm?Land=NS00&Art=O Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes im Nordseebereich (DWD)]
Kategorie:Meer
Kategorie:nordeuropa
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Peter Paul Rubens
Peter Paul Rubens ( - 28. oder 29. Juni 1577 in Siegen/Westfalen; † 30. Mai 1640 in Antwerpen/Belgien) war ein flämischer Maler und einer der bekanntesten Maler des Barock.
Leben
Jugend und Elternhaus
Peter Paul Rubens wurde 1577 als Sohn des Rechtsanwalts Jan Rubens vermutlich in Siegen in Westfalen geboren. Er hatte 6 Geschwister. Der Geburtsort des Malers ist nicht dokumentiert. Die Unsicherheit hat ihren Grund darin, dass nicht einmal das genaue Datum der Geburt sicher bezeugt ist. Der 27. Juni 1577 wird als Geburtstag des Malers nur durch einen Kupferstich überliefert, der neun Jahre nach Rubens’ Tod entstand. Zwar gibt es keinen Grund, diese Angabe in Zweifel zu ziehen, aber beweisen lässt sie sich bislang nicht. Abgeleitet von dem letztlich nicht gesicherten Geburtsdatum schließt man auf den Geburtsort, da sich seine Eltern damals gezwungenermaßen in Siegen aufhielten. Rubens' Vater wurde u.a. im Gefängnis der Stadt Lüdenscheid wegen Ehebruchs mit der Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Oranien, Anna von Sachsen, gefangen gehalten.
Nach dem Tod des Vaters 1587 zog seine Mutter mit den Kindern nach Antwerpen. Nachdem er gemeinsam mit anderen Söhnen der Antwerpener Oberschicht die Lateinschule von Rumoldus Verdonck (1541–1620) besucht hatte, wurde Peter Paul Rubens als Page an den Hof von Marguerite de Ligne (1552–1611) gegeben, der Witwe von Philipp de Lalaing (1537–1582), dem Gouverneur des Hennegau.
Lehrzeit
Seit 1592 widmete er sich der Kunst und hatte nacheinander die Maler Tobias Verhaecht (auch T. Verhaegt), Adam van Noort und Otto van Veen als Lehrer. 1598 wurde er in die Malergilde zu Antwerpen aufgenommen.
Aufenthalt in Italien und Spanien
Im Mai 1600 ging er nach Italien, um dort Tizian, Veronese u. a. zu studieren. Hier wurde der Herzog Vincenzo Gonzaga von Mantua auf ihn aufmerksam, der ihn als Hofmaler nach Mantua holte.
Die Kunstschätze des Herzogs, die Fresken Giulio Romanos, die Arbeiten Mantegnas in Mantua, boten ihm die reichste Anregung für sein Schaffen. Nach längerem Aufenthalt in Rom begab sich Rubens 1603 als Überbringer kostbarer Geschenke des Herzogs an den spanischen Hof nach Madrid. 1604 zurückgekehrt, malte er ein Triptychon mit der heiligen Dreifaltigkeit für die Jesuitenkirche in Mantua. 1605 ging er nach Rom, wo er ein Altarbild für Santa Maria in Vallicella (Madonna mit sechs Heiligen) zu malen begann (1608 vollendet). 1607 besuchte er mit dem Herzog Genua, wo er die Marchesa Spinola malte, Mailand.
Rückkehr nach den Niederlanden
Die Nachricht von der Krankheit seiner Mutter rief ihn im Herbst 1608 nach Antwerpen zurück. Die Trauer über ihren Tod sowie das Versprechen der Statthalter der spanischen Niederlande, Erzherzog Albrecht und Isabella, ihn zum Hofmaler zu ernennen, hielten ihn dort fest. 1609 vermählte er sich mit Isabella Brant ( - 1591 † 1626), und 1611 gründete ein eignes prächtiges Heim, in dem er seine reiche Sammlung unterbrachte.
Sein Atelier füllte sich bald mit Schülern. Die ersten Bilder dieser Periode sind: die Anbetung der Könige (1610, Museum zu Madrid), der Altar des heil. Ildefonso (Wien), ein Werk von wunderbarer Feinheit der Ausführung und zartem Dufte der Farbe (damals begonnen, aber erst nach 1630 vollendet) und das berühmte Bild in der Alten Pinakothek zu München, welches ihn und seine Frau vorstellt, in einer Laube sitzend.
Welche Meisterschaft Rubens damals schon in dramatisch bewegten Darstellungen entfalten konnte, zeigen die Gemälde Kreuzaufrichtung von 1610 und Kreuzabnahme von 1611 (beide in der Kathedrale zu Antwerpen), in welchen noch am stärksten die Erinnerungen an Michelangelo und Caravaggio nachklingen. Von Jahr zu Jahr mehrte sich der Ruhm Rubens, sein Reichtum, seine Ehren und die Zahl seiner Schüler.
Paris
1622 rief ihn Maria de' Medici nach Paris, um ihren dort erbauten Luxembourgpalast mit Darstellungen der merkwürdigsten Begebenheiten ihres eignen Lebens zu schmücken. Rubens entwarf die Skizzen (Münchener Pinakothek) und ließ danach von seinen Schülern die Gemälde ausführen, die er überging und 1625 selbst nach Paris brachte (jetzt im Louvre).
Spanien
Nachdem Rubens schon seit 1623 als Diplomat in den Diensten der Erzherzogin Isabella zum Zweck von Friedensunterhandlungen tätig gewesen war, sandte ihn 1628 die Erzherzogin in gleicher Absicht nach Spanien.
Rubens gewann das Vertrauen des Königs, wurde Sekretär des Geheimen Rats und führte während seines Aufenthalts in Madrid mehrere Werke aus. Von Madrid wurde er unmittelbar 1629 nach London gesandt, um mit dem König über einen Frieden zwischen Spanien und England zu verhandeln.
Diesen Vorbesprechungen ist zu verdanken, dass 1630 der Friedensvertrag unterzeichnet wurde. König Karl I. von England schlug ihn deshalb zum Ritter. Auch in London war er als Maler tätig. In der Folge wurde er noch zu mehreren Staatsgeschäften gebraucht, die ihm jedoch geringere Ehren einbrachten.
Zweite Heirat
Ritter
Nach dem Tod seiner ersten Gattin vermählte er sich 1630 mit der schönen Helene Fourment, welche ihm häufig als Modell diente. In den späteren Jahren seines Wirkens entwarf er, da sich die Aufträge zu sehr häuften, fast nur noch die Skizzen selbst; die Ausführung überließ er größtenteils seinen Schülern. Bei Übernahme von Arbeiten wurde häufig ausgemacht, von welchen Schülern er sich helfen lassen dürfe. Rubens lebte jetzt bald in der Stadt, bald auf seinem Landsitz Steen bei Mecheln. Seit 1635 malte er meist Staffeleibilder von feinerer Ausführung.
Tod und Nachlass
Er starb nach längerem Leiden an der Gicht mit 62 Jahren am 30. Mai 1640 in Antwerpen. Die Stelle, wo seine Gebeine in der St. Jakobskirche zu Antwerpen ruhen, bezeichnet eines seiner Werke, welches die Madonna mit dem Kind und mehreren Heiligen darstellt.
Der Erlös aus dem Verkauf seines Nachlasses belief sich auf 1.010.000 Gulden. 1840 wurde Rubens zu Antwerpen eine von Geefs modellierte Bronzestatue gesetzt und 1877 sein 300-jähriger Geburtstag in Antwerpen und Siegen feierlich begangen.
Künstlerisches Werk
Bildsprache
Seine Bilder zeichnen sich durch eine allegorische Bildsprache voller mythologischer Symbolik aus. Dabei werden die Zeichnungen vielfach zu eigenen Werken, die die späteren Gemälde in der Formulierungskraft übertreffen. So zeichnet Rubens für die große Antwerpener Kreuzaufrichtung die Halbfigur des gekreuzigten Jesus als triumphierenden Jüngling - als eine seiner vielen "Vorratserfindungen", die er in keinem seiner Werke unterbrachte. Vergleichbarer Pathos spricht aus Prometheus, der dem Betrachter aus dem Bild entgegenrutscht, oder der tote Christus, der wie ein Stein vom Kreuze fällt. Tiefe Rätsel sprechen aus hockenden, sinnenden Frauengestalten wie Hagar oder Susanna - und viele dieser Zeichnungen verwahrte er nur für sich selbst, ohne Anderen ihre Intimität preiszugeben. Manche private Zeichnung in der Familie wirkt wie ein Schnappschuss, den nicht einmal die Betroffenen merkten.
Rubens Hauptstreben ging auf höchste Lebendigkeit der Darstellung und auf das höchste Maß von koloristischer Wirkung. Die erloschene religiöse Begeisterung suchte Rubens, ohne sich jedoch in den Dienst einer fanatischen kirchlichen Richtung zu stellen, dadurch wieder anzufachen, dass er selbst Gegenstände, deren Natur eine ruhige Darstellung erforderte, in lebhaft bewegter Weise malte.
Schnappschuss
Rubens Werke sind, mehr als die jedes anderen Malers, geprägt durch Licht und Farbenglut. Seine Freude an der sinnlichen Erscheinung bildet einen scharfen Gegensatz zu der weltentrückten Frömmigkeit der Andachtsbilder der älteren Schule; aber die sinnliche Glut seiner Farbe und das berauschende Fortissimo seiner religiösen Kompositionen kamen den katholischen Reformbestrebungen, die in erster Linie durch die Jesuiten vertreten wurden, sehr entgegen, weshalb ihn auch die Jesuiten 1620 mit der Ausschmückung ihrer Kirche in Antwerpen betrauten und er bis an sein Lebensende der bevorzugte Kirchenmaler der katholischen Welt blieb.
Die gleiche Kraft leidenschaftlicher Darstellung widmete er aber auch mythologischen Gegenständen. In der Darstellung des Nackten, in der wunderbaren Leuchtkraft der Fleischfarbe ist er unübertroffen. Er war der erste, der nicht nur ausgekleidete Modelle nachbildete, sondern Gestalten schuf, welche, wie die der Griechen und Römer, an Nacktheit gewöhnt waren.
Rubens hat etwa 1500 Bilder hinterlassen, von denen freilich ein großer Teil von Schülerhänden ausgeführt und nur von ihm ergänzt worden ist. Neben den bereits genannten religiösen Bildern ist das jetzt im Schloss Belvedere zu Wien befindliche Bild des heil. Ignaz von Loyola, der den Teufel austreibt, als eins derjenigen Werke auszuzeichnen, woraus die eigentümliche Größe von Rubens besonders hervorleuchtet.
Am herrlichsten kommt diese letztere aber zur Entfaltung in solchen Bildern, die eine dramatische Behandlung erfordern, wie die Bilder: der Sturz der rebellischen Engel, der Sturz der Verdammten, das große und kleine Jüngste Gericht, das apokalyptische Weib, die Niederlage Sanheribs und der bethlehemitische Kindermord (sämtlich in der Münchener Pinakothek). Von anderen biblischen Darstellungen sind zu nennen: das Urteil Salomos, Simson und Delila, Christus und die bußfertigen Sünder, Lot mit Frau und Töchtern von zwei Engeln aus Sodom geleitet (bei Mr. Butler zu London), zahlreiche Darstellungen der Anbetung der Könige und der Himmelfahrt Mariä (letztere zu Antwerpen, Brüssel, Düsseldorf, Wien), die Kreuzigung Petri (Peterskirche zu Köln), die Kreuzigung Christi (coup de lance, Antwerpen), die Kreuztragung Christi (Brüssel) und die heil. Cäcilia (Berlin).
Ganz frei und eigentümlich erscheint der Künstler in der Behandlung des klassischen Altertums, dem er eine große Zahl von Bildern entnahm, zum Teil aus der Göttergeschichte, besonders aus dem bacchischen Kreis (zahlreiche Bacchanalien), zum Teil aus der Heroengeschichte (Decius Mus in Wien). Hervorzuheben sind: der Raub der Töchter des Leukippos, die Amazonenschlacht und der sterbende Seneca (München), das Venusfest und Boreas und Oreithyia (Wien), Jupiter und Kallisto (Kassel), Neptun und Amphitrite, die gefesselte Andromeda und Bacchanal (Berlin), das Urteil des Paris (Madrid) und Neptun auf dem Meer (Dresden, ein Teil der unter Rubens' Leitung ausgeführten Dekorationen zum Einzug des Kardinal-Infanten Ferdinand zu Antwerpen, 1635).
Mit gleicher Wärme und Liebe umfasste Rubens die Darstellung des Naturlebens und des fröhlichen Treibens der Kinder. Das vortrefflichste Bild letzterer Art sind die sieben Kinder in der Pinakothek zu München, welche einen mächtigen Fruchtkranz tragen.
In seinen Tierbildern, die zum Teil in Gemeinschaft mit Frans Snyders entstanden sind, entfaltet Rubens ebenfalls das höchste Maß von Lebendigkeit und dramatischer Kraft. Es sind zumeist Jagden, unter denen die Löwenjagd in München, die Wolfsjagd bei Lord Ashburton, die Wildschweinsjagd in Dresden und die Hirschjagd der Diana in Berlin in erster Reihe stehen.
Auch für die Landschaftsmalerei war Rubens bahnbrechend, weil er Größe der Auffassung mit Tiefe und Kraft der Stimmung verband. Es gibt sowohl solche Landschaften von ihm, welche, mit Zuziehung einiger Motive aus der Natur aus freier Fantasie hervorgegangen, die Elemente in ihrem Aufruhr zeigen (Odysseus an der Küste der Phäaken in Florenz, Überschwemmung mit Philemon und Baucis in Wien), als solche, die den idyllischen Charakter von Rubens' reich gesegnetem Heimatsland darstellen (Landschaft mit dem Regenbogen in München, Abendlandschaft in Petersburg).
Seine wenigen Genrebilder zeichnen sich durch eine geistreiche Auffassung und eine freie Behandlung aus (Bauernkirmes und Turnier im Louvre, Bauerntanz in Madrid). Von den Konversations- und Schäferstücken existiert der Liebesgarten in vielen Exemplaren, von denen aber das Bild in Madrid, nicht das in Dresden, als das Original zu betrachten ist. Ein andres Konversationsstück befindet sich unter dem Namen "der Schlosspark" im Belvedere zu Wien.
Unter seinen zahlreichen Bildnissen gehört das Bild im Palazzo Pitti zu Florenz, bekannt unter dem Namen der vier Philosophen, welches Justus Lipsius, Ioannes Wowerius, Philipp Rubens und den Künstler selbst vorstellt, seiner frühsten Zeit an.
Ausgezeichnet sind auch die Bildnisse von Rubens und seiner Frau im Schloss zu Windsor, bedeutender aber noch sind dessen Familienporträt in der Nationalgalerie zu London, das Bild seiner Frau mit Kind in München und das Doppelbildnis seiner Söhne in der Galerie Liechtenstein zu Wien.
Eins seiner vollendetsten Bildnisse ist das des Doktors van Tulden in der Pinakothek zu München; ausgezeichnet durch sein magisches Helldunkel ist das unter dem Namen des Strohhuts bekannte Bildnis eines Mädchens in der Nationalgalerie zu London und meisterhaft in der Modellierung des Fleisches das Bildnis der nur mit einem Pelz bekleideten Helene Fourment in Wien.
Wirkung und Einfluss auf sein Umfeld
Philipp Rubens
Philipp Rubens
Wenige Künstler haben auf ihre Zeit einen so mächtigen, unwiderstehlichen Einfluss geübt wie Rubens; es gibt keinen Zweig der niederländischen Malerei, auf den er nicht bestimmend eingewirkt hätte. Er wurde schon zu Lebzeiten als Künstler-Unternehmer bewundert, und seine Werkstatt war in ganz Europa berühmt. Außerordentlich groß war daher auch die Zahl seiner Schüler.
Die bedeutendsten sind: van Dyck, Soutman, Th. van Tulden, M. Pepyn, A. Diepenbeek, C. Schut, Erasmus Quellinus II., Justus van Egmont, I. van Hoeck, etc. Außerdem aber hat er auch eine Schule von ausgezeichneten Kupferstechern herangezogen, wie Vorsterman, S. a Bolswert, Pontius etc., die seine Werke auf seine Kosten für den Verkauf in Kupfer stachen, während Chr. Jegher sie in Holz schnitt. Auch war er selbst der Radierkunst mächtig, und überdies hat er eine große Zahl von Zeichnungen für Büchertitel, Bücherverzierungen u. dgl. angefertigt. Er hat zahlreiche Handzeichnungen hinterlassen (in London, Paris und Wien).
(Mal-)Technik
Den letzteren und den Ölskizzen widmete sich im Herbst 2004 eine Ausstellung in der Wiener Albertina, die dadurch Rubens' mehrstufigen Arbeitsprozesss erhellt. Er war legendär in der "malerischen Schnellschrift" seiner Ölskizzen, durch die er zuerst seine eigene Vorstellung über geplante Werke entwickelte und dann mit Auftraggeber und Werkstatt kommunizierte.
Die Vorarbeit umfasste mindestens: gezeichnete Entwürfe, monochrome Skizzen, farbige Ölskizzen (für die figurenreiche Komposition) und Zeichnungen, welche die einzelnen Motive vergrößerten. Letztere waren die Vorgabe für die Ausführung im Gemälde oder Stich.
Die eigentliche Umsetzung erfolgte dann zum großen Teil von Werkstadtsmitgiedern, deren Arbeit fast nur noch von Rubens kontrolliert wurde. Lediglich Korrekturen wurden vom Meister noch selbst ausgeführt. Dieses wurde möglich durch die virtuose Vorarbeit der oben beschriebenen Öl-Skizzen, die dann den anderen Künstlern der Werkstatt als Blaupause diente. Diese war war für damalige Zeit nichts Ungewöhnliches. Nicht anders war auch die immense Produktivität der Werkstatt zu schaffen. Rubens machte daraus auch kein Hehl. In einer von ihm beschriebenen Auflistung seiner zum Verkauf stehenden Werke, heißt es dann auch "vom Meister selbst retuschiert". Es gab auch Bilder aus seiner Werkstatt, die nur nach seinen Skizzen gefertigt wurden ohne das Rubens daran selbst gemalt hatte. Rubens war nur in sofern ungewöhnlich, als dass er das System wie kein Anderer perfektioniert hat. Er hat sogar Kollegen Auftragsarbeiten an seinen Bildern erteilt, die sich z.B. auf Landschaften oder Blumen spezialisiert hatten. So glich seine Werkstatt schon fast einer Manufaktur.
Das Charakteristische an seiner eigentlichen Technik in seinen Bildern ist, dass Rubens immer noch im hohen Mass Holz als Bildträger benutzte, zu einem Zeitpunkt, als sich Leinwand als Bildträger weitestgehend durchgesetzt hatte. Ca. 50 % seiner Bilder sind auf Holz ausgeführt, darunter auch großformatige Werke. Das Schwierige an Holz als Bildträger war, dass nur bestes Material dafür verwendet werden konnte und dass das Zusammenfügen der Hölzer zu einer Tafel großes handwerkliches Können und Erfahrung erforderte. Rubens wird diese Arbeit nicht selbst gemacht haben, sondern darauf spezialisierte Handwerker damit beauftragt haben. Der Grund warum er Holz immer noch (gerade auch für seine Öl-Skizzen) den Vorzug gab, war, dass es einer Maltechnik entgegenkam, bei der eine glatte Oberfläche von Vorteil war, um den so charakteristischen Emaille-Effekt zu erreichen.
Die Bildtafeln und Leinwände wurden mit Kreide grundiert und glatt geschliffen. Dann folgte eine farbige Isolierung aus einem Harzbindemittel - wahrscheinlich Dammar . Zum einen sollte diese Isolierung das einsinken der oberen Malschichten verhindern, mit die Leuchtkraft der Farben erhalten bleibt und zum anderen, ließen sich die Halbschatten der Inkanate (Hautfarben) damit leichter erzielen. Der dritte Grund ist, das sich auf einem strahlend weißen Untergrund die Proportionen schlechter abschätzen lassen.
Die Untermalung war höchstwahrscheinlich eine Ei-Tempera-Ölfarbe, mit der die Motive in lockerer Manier (Stil), skizzenhaft angelegt wurden. Ein Übertrag einer kleineren Öl-Skizze des Meisters (Rubens), die zuvor mehr oder weniger detailliert ausgearbeitet war.
Darauf folgte die eigentliche Malschicht, die wohl eine Harz-Öl-Farbe war. Dieser Prozess wurde nass-in-nass gemalt ohne Zwischentrocknung. Harze wie Venezianisches Harz, verzögerten die Trocknung und beeinflussten die Alterungs-Eigenschaften noch positiv. Nur so ist zu erklären, warum die Leuchtkraft der Bilder in den Jahren so wenig nachgelassen hat und die Werksspuren (der Pinselstrich) ein so zarten "Schmelz" (weicher Verlauf) hat. Wäre das Bild in vielen Ölschichten entstanden wie z.B. bei Tizian, wäre eine stärkere Vergilbung zu beobachten.
Zum Schluss wurden noch (nach dem vollständigen Austrocknen) einige kleine Stellen überarbeitet, oder durch Übermalung verändert.
Werke
Vergilbung
(Titel (ungefähres Entstehungsdatum, heutiger Aufbewahrungsort))
- Die Beweinung (um 1608/1609, Gemäldegalerie Berlin)
- Samson und Delilah (1609/1610, London- Nationalgalerie)
- Doppelbildnis in der Geißblattlaube (um 1609/10, München, Alte Pinakothek)
- Die Kreuzaufrichtung (1610, Kathedrale Antwerpen)
- Die Kreuzabnahme (1611, Kathedrale Antwerpen)
- Tarquinius und Lukretia (1610/11, im Zweiten Weltkrieg verschollen, 2003 in Moskau im privaten Besitz wieder aufgetaucht, schwer beschädigt)
- Das große Jüngste Gericht (um 1615/16, München, Alte Pinakothek)
- Judith mit dem Haupt des Holofernes (um 1616, Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum)
- Der Raub der Töchter des Leukippos (um 1618, München, Alte Pinakothek)
- Die Amazonenschlacht (vor 1619, München, Alte Pinakothek)
- Das kleine Jüngste Gericht (um 1618-1620, München, Alte Pinakothek)
- Der Höllensturz der Verdammten (um 1620, München, Alte Pinakothek)
- Perseus and Andromeda. (um 1620-1621, St.Peterburg, Russland, The Hermitage)
- Judith mit dem Haupt des Holofernes (1620-1622, Florenz, Italien, Uffizien)
- Perseus befreit Andromeda. (1622, Gemäldegalerie Berlin)
- Der Altar des heil. Ildefonso (1630-32, Kunsthistorisches Museum in Wien)
- Der Liebesgarten, um 1632, Museo del Prado, Madrid
- Helene Fourment mit ihrem Sohn Frans (um 1635, München, Alte Pinakothek)
- Andromeda (um 1638, Gemäldegalerie Berlin)
- Landschaft mit Philemon und Baucis (1635-40, Kunsthistorisches Museum in Wien)
- Landschaft mit dem Regenbogen (um 1635, München, Alte Pinakothek)
- Schloss Steen (1635-37, London, National Gallery)
- Das Pelzchen (um 1638, Kunsthistorisches Museum in Wien)
- Bathseba am Springbrunnen (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Die Wildschweinjagd (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Hero und Leander (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Dianas Heimkehr von der Jagd (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Merkur und Argus (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Leda mit dem Schwan (Dresden, Galerie Alte Meister)
Galerie Alte Meister
- Die Anbetung der Könige
- Der Sturz der rebellischen Engel
- Das apokalyptische Weib
- Die Niederlage Sanheribs
- Der bethlehemitische Kindermord
- Das Urteil Salomos
- Christus und die bußfertigen Sünder
- Lot mit Frau und Töchtern von zwei Engeln aus Sodom geleitet
- Die Himmelfahrt Mariä (Museum Kunstpalast, Düsseldorf)
- Die Kreuzigung Petri
- Die Kreuzigung Christi
- Die Kreuztragung Christi
- Die heil. Cäcilia (Gemäldegalerie Berlin)
- Der sterbende Seneca
- Das Venusfest und Boreas und Oreithyia
- Jupiter und Kallisto (Kassel, Galerie Alte Meister)
Galerie Alte Meister
- Neptun und Amphitrite
- Die gefesselte Andromeda und Bacchanal
- Das Urteil des Paris
- Neptun auf dem Meer
- Die sieben Kinder, die einen mächtigen Fruchtkranz tragen
- Die Löwenjagd
- Die Wolfsjagd
- Die Hirschjagd der Diana
- Odysseus an der Küste der Phäaken
- Abendlandschaft
- Bauernkirmes
- Turnier
- Bauerntanz
- Der Schlosspark
- Doktor van Tulden
- Bildnis eines Mädchens (der Strohhut)
- Venus und Adonis (um 1615, Museum Kunstpalast, Düsseldorf)
Literatur
Galerie Alte Meister
ältere Literatur:
- Bakhuizen van den Brink, Les Rubens à Siegen (Haag 1861);
- Gachard, Histoire politique et diplomatique de Rubens (Brüssel 1877);
- Génard, P. P. Rubens (Antw. 1877);
- Goeler v. Ravensburg, Rubens und die Antike (Jena 1882);
- Hymans, Histoire de la gravure dans l'école de Rubens (Brüssel 1879);
- Michel, Histoire de la vie de Rubens (Brüssel 1771);
- Michiels, Rubens et l'école d'Anvers (4. Aufl., Par. 1877);
- Rooses, Rubens en Balth. Moretus (Antwerp. 1884);
- Rooses, L'oeuvre de Rubens (das. 1887 ff., 4 Bde.);
- Rosenberg, Die Rubensstecher (Wien 1888 ff.);
- Rosenberg, Rubensbriefe (Leipz. 1881);
- Ruelens, Correspondance de Rubens (Antwerp. 1888 ff.).
- Sainsbury, Original unpublished papers illustrative of the life of Rubens (Lond. 1858);
- Waagen, Kleine Schriften (Stuttg. 1875);
neuere Literatur:
- Cotte, S., Rubens und seine Welt, Bayreuth 1980
- Warnke, M., Peter Paul Rubens Leben und Werk, Köln 1977, ISBN 3-7701-0952-X
- Baudouin, F., Peter Paul Rubens, Königstein/Taunus 1977
- Liess, R., Die Kunst des Rubens, Braunschweig 1977
- Ritter, H., Der ungemalte Atlas, FAZ 21.Sept. 2004
- Büttner, N. u. Heinen, U. (Hg.): Peter Paul Rubens. Barocke Leidenschaften. Katalog einer Ausstellung im Herzog Anton Ulrich–Museum Braunschweig. München 2004.
[Ein Großteil des Artikels basiert auf Meyers Konversationslexikon von 1888-90.]
Weblinks
-
- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/13/seite/1019/meyers_b13_s1019.html#Rubens Rubens], in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888-90, Bd. 13, S. 1019
- [http://www.bautz.de/bbkl/r/rubens_p_p.s.shtml Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon]
- [http://www.siegen.de/standard/seite.cfm?menu=Siegerlandmuseum&path0=18&seite=18&menu_top=12 Siegerlandmuseum im Oberen Schloss, Siegen]
- [http://www.rubensinwien.at/ Ausstellung "Rubens in Wien" 2004/2005]
- [http://artrenewal.org/asp/database/art.asp?aid=85 Art Renewal Center - Peter Paul Rubens]
- [http://www.malarze.walhalla.pl/galeria.php5?art=48 Art Gallery - Peter Paul Rubens]
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Kategorie:Barock
ja:ピーテル・パウル・ルーベンス
ko:페터 파울 루벤스
Anthonis van Dyck
Sir Anthonis van Dyck ( - 22. März 1599 in Antwerpen - † 9. Dezember 1641 in London) war ein flämischer Maler (insbesondere Porträts) und Grafiker des flämischen Barock und Meisterschüler von Peter Paul Rubens.
Als siebtes Kind eines reichen Textilkaufmanns geboren, galt er als besonders begabt im Zeichnen. So akzeptierte ihn bereits im Alter von zehn Jahren der Maler Hendrick van Balen (1575-1632) als Schüler. Van Balen arbeitete als Schöpfer eleganter kleinformatiger mythologischer Szenen für Sammler der Antwerpener Mittelklasse. Die bekannten Frühwerke van Dyck zeigen - auch wenn nur in Details - den deutlichen Einfluss des Lehrmeisters. Bereits mit 19 Jahren arbeitete van Dyck als unabhängiger und anerkannter Meister, was nicht viele seiner Zeitgenossen von sich behaupten konnten.
Bald geriet er in das Umfeld von Rubens. Bei Arbeiten für dessen Studio lernte ihn der herausragende Kunstkenner Englands, der Earl von Arundel kennen und schätzen. Auf Veranlassung Arundels reiste Anthonis erstmals 1620 nach England. Nach nur einem Jahr trat er in die Dienste James I., um gleichzeitig einige Aufträge für die herausragenden Männer des Hofes zu malen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, die in deren Sammlungen befindlichen Meisterwerke der italienischen Renaissance zu studieren, die ihn schon in Antwerpen interessiert hatten.
Damit wurde der Einfluss von Rubens zugunsten Veroneses, und mehr noch Tizians zurückgedrängt. Erika Langmuir, National Gallery London, sprach in diesem Kontext sogar von einer "Verwässerung" (diluted).
Anthonis van Dyck übersiedelte 1632 nach London, wo er als Hofmaler und herausragende Porträtist für Karl I. arbeitete. Im selben Jahr erhob ihn der König in den Adelsstand.
Ihm zu Ehren wurde seine Büste in der Walhalla aufgestellt.
Walhalla
Werke
- 1618 "Das Martyrium des heiligen Sebastian"
- 1626 "Susanna im Bade"
- 1638 "Karl I. auf der Jagd"
- "Porträt Inigo Jones"
Weblinks
-
- http://www.schwarzaufweiss.de/belgien/dyckleben.htm
Dyck, Anthonis van
Dyck, Anthonis van
Dyck, Anthonis van
Dyck, Anthonis van
Dyck, Anthonis van
Dyck, Anthonis van
ja:アンソニー・ヴァン・ダイク
OperAls Oper (ital. opera in musica, von lat. opus - Arbeit, Werk) bezeichnet man seit etwa 1650 eine musikalische Gattung, in der eine szenisch-dramatische Handlung durch Musik gestaltet wird. Zur Gesamtwirkung der Oper vereinigen sich:
- Musik (Ausführende sind hierbei Orchester und Sänger)
- Dichtung (in Gestalt des Librettos)
- Darstellende Kunst bzw. Schauspiel
- Ballett und Tanz
- Bühnenbild (Malerei, Plastik, Dekoration und Architektur)
- Beleuchtung und div. Effekte
- Maske und Kostüme
Hierbei wird vor allem die Musik zum Träger der Handlung, der Stimmung und der Gefühle - im Gegensatz zur simultanen Untermalung eines Sprechstücks mit Musik (Melodram) oder der einlagenartigen musikalischen Auflockerung einer Handlung (Singspiel, Bühnenmusik).
Die Vielfalt der zusammenwirkenden Künste schafft viele Möglichkeiten für eine Oper, Gestalt anzunehmen, lässt aber auch Widersprüche entstehen. Die Musikgeschichte kennt daher viele unterschiedliche Ausprägungen der Oper.
Als Oper bezeichnet man auch die Aufführungsstätte, das Opernhaus, oder die Oper aufführende Kompagnie.
Opernhaus
Opernhaus
Form
Formal gesehen ist die Oper seit der Barockzeit eine Aneinanderreihung in sich geschlossener Musikstücke (Nummernoper), die durch Rezitative miteinander verbunden werden. Wie auch im Schauspiel kann eine Oper in Akte, in Bilder, in Szenen bzw. Auftritte gegliedert sein. Das Textbuch zu einer Oper heißt Libretto.
Die musikalischen Bestandteile der Oper sind
- Instrumentalstücke
:Ein anfangs eigenständiges Musikstück ist die Ouvertüre, ital. oft Sinfonia, die eine Oper oder einen Akt eröffnet. Oft wird thematisches Material aus der Oper selbst zitiert (z.B. "Hänsel und Gretel", Engelbert Humperdinck), oder die Ouvertüre schildert die wesentlichen Züge der Handlung im Voraus (Programmouvertüre). Das Vorspiel ist meist kürzer als eine Ouvertüre und geht oft direkt in die Musik der Szene über (Bsp. "Der Rosenkavalier", Richard Strauss). Ein Zwischenspiel, französisch Entr'acte, verbindet unterschiedliche Akte. Innerhalb der Opernakte finden sich Ballettmusik bzw. Tänze (z.B. "Tannhäuser", Richard Wagner), Märsche, Pantomimen, Auftrittsmusiken etc.
- Gesangsnummern mit Handlung schildernder Funktion
- Rezitativ, recht direkt der Sprache folgende, offene Formen
- Szene, ital. Scena, im 19. Jh aus dem Rezitativ hervorgegeangene, orchesterbegleitete Handlungsmusik
- Melodram, musikbegleitetes Sprechen
- Gesangsnummern als geschlossene Form
- Arie, Oberbegriff für alle Sologesänge in der Oper. Andere Bezeichnungen für Solostücke können sein: Lied, Couplets, Rondo, Ariette, Cabaletta, Romanze etc.
- Ensembles für mehrere Stimmen: Duett, Terzett, Quartett etc., ein vielstimmiges Ensemble heißt in Italien (pezzo) concertato
- Vaudeville, ein von mehreren Solisten gesungenes Strophenlied, oft mit gemeinsamem Refrain
- Chöre
- Introduktion und Finale, längere einleitende oder einen Akt beschließende Formen mit wechselnden Formen und Besetzungen
Durchkomponierte symphonische Großform
Richard Wagner schuf ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Form, welche die musikalische Nummernstruktur ersetzt und in welcher sich Musik und Dichtung zu einem durchkomponierten sinfonischen Ganzen verbinden. Wagners Opern bezeichnet man als "Musikdrama", das eine "unendliche Melodie" formt. Sein Werk Tristan und Isolde bezeichnete Wagner dementsprechend nicht als Oper, sondern als Handlung in Musik. Man bemerke hier die Ähnlichkeit zu Monteverdis Gattungsbezeichnung für seinen Orfeo: Favola in musica.
Die durchkomponierte Oper ist im Prinzip für alle Komponisten nach Wagner maßgeblich, auch wenn viele Komponisten immer wieder auf geschlossene Formen in Opern zurückgegriffen haben (z. B. Zoltán Kodály oder Kurt Weill). Die 'Nummernoper' lebt außerdem in Operette und Musical weiter.
Geschichte
Vorgeschichte
Bereits im der antiken griechischen Theater verband man szenische Aktion mit Musik. Der Chor hatte hierbei eine tragende Rolle: Chorgesang wurde einerseits zu den pantomimischen Tänzen herangezogen, welche das Theaterstück in verschiedene Teile gliederten; andererseits hatte der Chor auch die Aufgabe, die Handlung kommentierend zu begleiten (Bsp. "Antigone", Sophokles).
Es ist nicht bekannt, ob die Römer diese Tradition übernommen hatten. Mit der Zerstörung der römischen Theater im 6. Jahrhundert sind Aussagen hierüber nicht mehr zu belegen - das gilt auch für alle anderen Aktivitäten, die das Theater betreffen.
Im Mittelalter wurde die Tradition von musikbegleiteter Handlung fortgesetzt. Geistliche Themen wurden herangezogen, um dem einfachen Volk die Aussage der Bibel anschaulicher zu machen. Ganze Teile eines Gottesdienstes wurden mit den Mitteln des Theaters dargestellt. Beliebtes Thema war dabei die Geburt oder Auferstehung Christi. Dabei wurde durch das ganze Stück hindurch gesungen. Daraus entstanden die auch außerhalb der Kirche aufgeführten Mysterienspiele.
Weltliche Stücke, wie z.B. kurze Komödien, wurden in einigen Szenen nur teilweise mit Musikeinlagen unterstützt. Adam de la Halles melodienreiches Stück "Jeu de Robin and Marion", das um 1280 geschrieben wurde, bildet hier eine Ausnahme.
Auch in Intermedien, Tanzspielen, Masken- und Triumphaufzügen der Renaissance findet man die Verbindung von Szene und Musik.
Unmittelbare Vorläufer der Oper sind beispielsweise
- das im Mittelalter entstandene geistliche Mysterienspiel
- italienische Pastoralen (Schäferspiele) mit Musikbegleitung, etwa "Favola d'Orfeo" von Angelo Poliziano, 1471
- Madrigalkomödien, etwa "L'Amfiparnasso" O. Vecchi 1597
- das französische "Ballet comique de la Reine" (1581)
Entstehung der Oper
Die Oper selbst entstand am Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz. Die Florentiner Camerata versuchte, die antike Form und auch die Vertonungsprinzipien der griechischen Tragödie wiederzubeleben, indem man nun textlich ausgearbeitete Dramenstoffe komplett mitsamt der Dialoge vertonte, statt wie zuvor nur die Zwischenchöre mit Musik zu versehen. Das bei den Florentinern vorherrschende System des vom Generalbass begleiteten rezitativischen Gesangs verzichtete zugunsten der Textverständlichkeit und -deklamation weitgehend auf freiere Formen- und Melodiebildung und setzte nur zuweilen Akzente durch kantablere Passagen oder dramatische Akzente.
Als erstes Werk der Gattung Oper gilt La Dafne von Jacopo Peri (1597). Weitere wichtige Werke aus der Anfangszeit der Oper sind L'Euridice von Jacopo Peri (1600) als älteste erhaltene Oper sowie Euridice (1602) und Il Rapimento di Cefalo von Giulio Caccini. Die erste deutsche Oper ist 1627 die (verschollene) Daphne von Heinrich Schütz, der die Oper bei seinem Studienaufenthalt 1609-1613 in Italien kennen gelernt hatte.
Besondere Bedeutung hat Claudio Monteverdis erste Oper L’Orfeo (1607). Hier sind im Vergleich zu seinen Vorgängern erstmals eine reichere Instrumentation, ausgebautere Harmonik, tonmalerisch-psychologische und bildhafte Ausdeutung von Wort und Figuren sowie eine personencharakterisierende Auswahl der Instrumente zu hören. Zwar nimmt Monteverdis persönliche Entwicklung im Orfeo erst ihren Anfang, seine Spätwerke „Il ritorno d'Ulisse in patria“ (1640) und L'incoronazione di Poppea (1643) stellen aber in Hinblick auf die Musikdramatik Höhepunkte der gesamten Opernentwicklung dar.
In der Geschichte der Oper unterscheidet man grob zwei Traditionsstränge, die sich jedoch vielfach berühren und mischen:
- Große, 'ernsthafte' Werke meist tragischen Inhalts, verwandt mit Tragödie und dem Historischen Drama, die Stoffe entspringen meist der Tragödie oder epischen Heldendichtung, später auch Roman und Novelle:
- Dramma per musica oder ähnliche Bezeichnungen der frühen Oper
- Opera seria – große oder ernsthafte Oper, meist über Helden und tragisch endend;
- Opera semiseria – Form des Barock, in der neben der heroischen Handlung auch volkstümlichere, komische Figuren vorkommen
- Melodramma – häufig verwendete Bezeichnung im Italien des 19. Jahrhunderts
- Grand Opéra in Frankreich (z. B. Giacomo Meyerbeer)
- Tragédie lyrique in Frankreich (z.. B. Jules Massenet)
- Musikdrama – durchkomponierte große Oper der Romantik, geprägt durch Richard Wagner
- Literaturoper – Form des 20. Jahrhunderts unter enger Anlehnung an bestehende Theaterstücke oder andere literarische Vorlagen
- Heitere, komische Formen, häufig mit gesprochenen Szenen - diese führen historisch weiter zu Operette und Musical, wobei auch hier die Grenzen fließend sind. Die Stoffe stammen aus dem Volkstheater und der Komödie. Stark beeinflusst durch die italienische commedia dell'arte, aber auch durch die deutsche Hanswurstiade, ferner Posse und Schwank nahestehend
- Opera buffa, (Opéra bouffe) – komische oder scherzhafte Oper, mit volkstümlichen oder komischen Szenen
- Singspiel – deutsches Pendant zur italienischen Opera buffa, allerdings mit Sprechszenen anstelle der Rezitative
- Opéra comique – französische Form des Singspiels im 19. Jahrhundert, nicht unbedingt heiteren Inhalts, aber in Abgrenzung zur Grand Opéra ohne Ballett und mit gesprochenen Dialogen (z. B. Carmen).
siehe auch:
- Geschichte der Oper
- Opernreform
Bedeutende Opernkomponisten (chronologisch)
Die hier aufgeführten Komponisten sind heute einerseits "Klassiker" des modernen Opernbetriebs und haben andererseits durch eines oder mehrere Werke Entscheidendes zur Entwicklung der Kunstform Oper beigetragen.
Aus heutiger Perspektive der erste bedeutende Opernkomponist. Er komponierte Anfang des 17. Jahrhunderts. Heute bekannteste Werke sind sein L'Orfeo sowie L'Incoronazione di Poppea - letztere ist insbesondere wegen ihres wenig moralischen Schlusses (die "Bösen" gewinnen und singen ein Liebesduett) bedeutsam.
Überaus produktiver Opernkomponist und einer der wichtigsten Komponisten des Barock. Geboren in Halle (Saale) wanderte er nach Aufenthalten in Hamburg (wo er seine erste Oper komponierte) und Italien nach England aus. Betrieb dort auch eine eigene Opernkompagnie. Wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts langsam wieder als Opernkomponist entdeckt, galt davor vor allem als Schöpfer großer Oratorien. Einige seiner heute wieder häufiger aufgeführten Werke sind: Alcina, Giulio Cesare, Serse, Rinaldo und Ariodante.
Reformierte die bis dahin gängige Opera Seria. Während noch G. F. Händel dem strengen Korsett der barocken Opera Seria blieb, die vor allem durch die strikte Trennung von Rezitativen und Arien und damit zwischen Reflexion und Emotion gekennzeichnet ist, beginnt Gluck damit, diese Elemente stärker ineinander zu verflechten. Wichtigstes Werk: Orfeo ed Euridice.
Neben Verdi, Wagner, Puccini und Strauss sicherlich der bedeutendste Komponist im heutigen Opernbetrieb. Seine frühen Opern, die er als Jugendlicher verfasste, waren noch stark am Modell der barocken Opera Seria orientiert. Entwickelte später mit Opern wie Don Giovanni oder Le nozze di Figaro und deutschsprachigen Singspielen wie Die Entführung aus dem Serail und Die Zauberflöte seinen eigenen unverwechselbar "klassischen" Stil. Mit letzteren wurde er zum Wegbereiter der deutschsprachigen Oper des 19. Jahrhunderts.
Prägten Anfang des 19. Jahrhunderts wesentlich den heute Bel Canto genannten Opernstil. Wie der Name Bel Canto (Schöner Gesang), (auch: Belcanto) bereits impliziert, sind die Werke dieser Komponisten stark auf virtuosen Gesang ausgerichtet. Partien wie Lucia di Lammermoor (Donizetti), Norma (Bellini) oder Semiramide (Rossini) sind eine Herausforderung für jede Sopranistin, da s | | |