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Apartheid
Als Apartheid (afrikaans Trennung) wurde die Rassentrennung in Südafrika bezeichnet.
Geschichte der Apartheid
Der Konflikt der „Rassen“ (vgl. Rassismus zum Begriff der „Rasse“) im südlichen Afrika geht bis in die Anfänge des Kolonialismus zurück und verschärfte sich nach der britischen Eroberung 1806. Beginnend mit der Diskriminierung beim Anrecht auf Grund und Boden erfolgten mit der Entdeckung von Diamanten- (1867) und Goldvorkommen (1886) weitere Beeinträchtigungen der Schwarzen vor allem in der Bewegungsfreiheit.
Von 1903 bis 1905 sollte die South African Native Commission (SANAC) eine gemeinsame Ethnienpolitik für alle vier südafrikanischen Provinzen (Natal, Kapkolonie, Orange Free State und Transvaal) festlegen. Die Kommission schlug die Errichtung im Sinne der in Natal herrschenden Praktik der Native Administration vor. Mit dem Native Administration Act von 1927 wurde diesem Vorschlag Folge geleistet. Die Native Administration war somit auf die ganze Südafrikanische Union ausgeweitet worden.
Apartheid unter den Briten
1910 wurde die Südafrikanische Union durch den Zusammenschluss der vier Republiken gegründet. Die Union war von Anfang an in den Händen der weißen Minderheit. Schwarze wie auch Farbige und Asiaten erhielten kein Wahlrecht. Sie waren von der staatlichen Regierung ausgeschlossen. Nur an den Provinzregierungen durften sie partizipieren. Des Weiteren war jeglicher sexueller Kontakt zwischen den unterschiedlichen „Rassen“ verboten. Durch verschiedenste Gesetze wurde der Segregationspolitik die rechtliche Basis geschaffen.
1911 wurde durch den Mines and Works Act die ungleiche Behandlung der Weißen und Schwarzen in der Wirtschaft festgelegt. Das wohl wesentlichste Gesetz der räumlichen Trennung, der Natives Land Act, wurde 1913 verabschiedet. In der Folge durfte die schwarze Bevölkerung nur noch in den ihnen zugeschriebenen Reservaten Land erwerben. Rund 7,3 % der gesamten südafrikanischen Fläche wurden für Schwarze reserviert, die Homelands. Zehn Jahre später vollzog der Natives Urban Areas Act die räumliche Trennung auch in städtischen Gebieten. Der Native Trust and Land Act von 1936 weitete das bestehende Gesetz von 1913 aus. Einige Reservatsflächen wurden vergrößert.
Apartheid unter den Buren
Das Jahr 1948 nimmt in der südafrikanischen Geschichte einen bedeutenden Platz ein. Die Partei der Afrikaner Nationalisten gewann die damaligen Wahlen überlegen. Damit kam erstmals eine burische Partei an die Macht, die sie bis 1989 behielt. Der Sieg der burischen Nationalisten war eng verknüpft mit dem Zweiten Weltkrieg. Der abtretende Premierminister Jan Christiaan Smuts hatte Südafrika auf britischer Seite in den Krieg hineingezogen. Die Nationalisten hingegen waren gegen eine Einmischung in das kriegerische Geschehen und sympathisierten offen mit dem deutschen Nazi-Regime. Das wahlberechtigte Volk stimmte mehrheitlich mit den Nationalisten überein. Premierminister wurde Daniel François Malan. Dieser Regierungswechsel stellte für viele Buren, die zuvor unter britischer Herrschaft kaum Anschluss an die führende Spitze des Landes gefunden hatten, den Ausstieg aus der Armut dar. Viele zogen in urbane Gebiete und fanden dort in der aufstrebenden Wirtschaft einen guten Job. Die Nationalisten, welche sich im Übrigen von den Briten abzugrenzen versuchten, lenkten die Indigenenpolitik in neue Bahnen.
Die Nationalisten verfolgten drei Ziele: Erstens wollten sie die politische Macht konsolidieren, zweitens ihre Vision der Rassenbeziehungen umsetzen und drittens sollte der Status der Erziehung und der Ökonomie der Buren angehoben werden.
Vor 1948 waren die Schwarzen meist von der Politik und den guten Positionen in der Wirtschaft ausgeschlossen. Die Rassenordnung war zum Teil durch das Gesetz und zum Teil durch den inoffiziellen Brauch gegeben. Die Ordnung war jedoch nicht sehr strikt. Es gab durchaus Farbige, die neben Weißen hausten, indische Händler, welche im Stadtzentrum ihre Geschäfte tätigten oder Schwarze, die außerhalb ihrer Reservate ihre Farmen bewirtschafteten. Diese Löcher in der Rassentrennung stopften die Nationalisten mit diversen Maßnahmen. Als erstes teilten sie die ganze südafrikanische Bevölkerung in vier Klassen ein: Weiße, Schwarze, Farbige und Asiaten (Siehe auch: Bevölkerung Südafrikas). Die Zuordnung zu einer dieser Gruppen geschah relativ willkürlich, insbesondere zwischen Schwarzen und Farbigen. Es kamen dabei „Tests“ zum Einsatz, zum Beispiel ob ein in die Haare gesteckter Stift runterfällt, wenn der Proband den Kopf schüttelt. Ist dies der Fall, so war er Farbiger, wenn der Stift stecken blieb, Schwarzer. Dies hatte zur Folge, dass Kurzhaarfrisuren relativ populär wurden und sich die Nationalisten andere, ebenso sinnvolle „Tests“ ausdachten. Diese Registrierung in eine Rassenkategorie bestimmte fortan das gesamte Leben. Heiraten zwischen verschiedenen Kategorien wurden kriminalisiert. An öffentlichen Orten war eine strikte Trennung von Weißen und Nicht-Weißen vorgeschrieben. Mit dem Group Areas Act vom 13. Juni 1950 wurde die Trennung der Wohngebiete festgeschrieben. In städtischen Gebieten wurden getrennte Wohnbereiche für die verschiedenen Rassen geschaffen; die Ausbildung richtete sich ebenfalls nach der entsprechenden Rasse. Schwarze mussten außerhalb ihrer Reservate einen Pass tragen. Damit sollten in städtischen Gebieten nur diejenigen Schwarzen geduldet werden, die dort auch arbeiteten. Alle übrigen Schwarzen wurden als Ausländer angesehen. Die in den Städten arbeitenden Schwarzen wurden als Gastarbeiter akzeptiert. Diese Schwarzen lebten in so genannten Townships am Stadtrand. Nicht städtische Schwarze durften sich gemäß dem Native Laws Amendment Act von 1952 ohne Genehmigung nur 72 Stunden in Städten aufhalten. Die Apartheid war erschaffen. Dennoch war der Lebensstandard, die Bildungsmöglichkeiten durch Schulen und Universitäten sowie die medizinische Versorgung und somit die Lebenserwartung der Schwarzen höher als in allen anderen afrikanischen Ländern, weswegen Südafrika auch während der Apartheid mit illegaler Immigration aus den nördlichen Anrainerstaaten konfrontiert war.
Große und kleine Apartheid
Die Apartheid unterteilte sich in zwei Aspekte: die kleine Apartheid, auch petty-Apartheid genannt und die große Apartheid. Die kleine Apartheid beinhaltete die rassische Trennung im Dienstleistungsbereich. Darunter fielen zum Beispiel das Verbot des Betretens von öffentlichen Parks für Schwarze, die separaten Abteile in öffentlichen Verkehrsmitteln oder die getrennten Schulen.
Die Apartheidsgesetze betrafen nicht nur Schwarze. Auch Farbige und Asiaten litten darunter. Die Betroffenen separierten sich ebenfalls von der jeweils anderen Gruppe. Farbige hielten, bildlich gesehen, den gleichen Abstand zu Schwarzen wie Weiße zu Schwarzen.
1952 1985]]
Der gesamte Alltag der Nichtweißen wurde von der kleinen Apartheid geprägt. Unmissverständliche Regelungen wurden durch Schilder erreicht, auf denen, zum Beispiel am Strand, neben einem Verbot für Hunde, das Verbot für Non-Whites ausgesprochen war. Krankenhäuser, Postgebäude, Rathäuser, Banken und Toiletten hatten grundsätzlich zwei, durch Schilder gekennzeichnete Eingänge. Viele Lebensbereiche waren nicht klar definiert. Durch Mundpropaganda wurden Restaurants und Bars unter Nichtweißen genannt, in denen man bedient wurde oder nicht erwünscht war. Mutige testeten ständig die Grenzen der Akzeptanz durch die Weißen. Die Vorsichtigen scheuten sich, ihren sicheren Bereich zu verlassen. Dadurch lebten sie ruhiger und wurden nicht wie Hunde verjagt oder von der Polizei überprüft.
Die große Apartheid meint die räumliche Trennung im großen Maßstab, die eigentliche Segregations- oder Homeland-Politik.
Über die Homeland-Politik hinaus wirkte die Apartheid auch innerhalb Südafrikas. So bedeutete die gesetzlich verordnete Zugehörigkeit zu einer Rassenkategorie, entsprechend der Hautfarbe (Schwarze, Farbige/Asiaten):
- getrennte Wohngebiete in jeder Stadt, in jedem Dorf,
- getrennte Schulsysteme mit unterschiedlich qualifizierten Lehrern und
- ausschließliches Wahlrecht für Weiße.
Die Rassenkategorie wurde in die Ausweisdokumente durch Buchstabencodes, zum Beispiel -C- für Coloureds, eingetragen.
Die Wohngebiete der weißen Bevölkerung, auch Europeans genannt, lagen durchweg in den geographisch und strukturell angenehmsten Bezirken jeder Ortschaft. Wurden die festgelegten Bereiche für die Weißen zu eng, mussten die Farbigen, auch Coloureds genannt und Asiaten, Teile ihrer Wohngebiete räumen und in neu zugewiesenen Bereichen neu bauen. Ein berühmtes Beispiel war die Räumung des District Six im Herzen von Kapstadt und die Zwangsumsiedlung von etwa 60.000 Menschen in das etwa 30 km entfernt gelegene sandige Khayelitsha. Die schwarze Bevölkerung war in ihrem abgelegenen Wohngebiet so weit außerhalb der Gemeinden, oft hinter natürlichen oder künstlichen Hügeln sowie Müllkippen verbannt, dass sie nicht als Teil der Gemeinde angesehen werden konnte.
Die auch inhaltlich unterschiedlichen Schulsysteme, mit jeweils abgestufter Qualifikation des Lehrkörpers und Ausstattung, waren mit verantwortlich für ungleiche Berufschancen.
Der Ausschluss aller Nichtweißen vom aktiven und passiven Wahlrecht wirkte bis in den kommunalen Bereich.
Die Apartheid war Ausdruck eines irrationalen Gefühls einer weißen, christlichen Überlegenheit gegenüber den heidnischen Schwarzen. Dieses Gefühl basierte auf einer tatsächlichen technisch-zivilisatorischen Überlegenheit. Im Wesentlichen spiegelt die Apartheid das Denken der burischen Calvinisten wider.
Um die Pfeiler der Apartheid umsetzen zu können, war ein riesiger Verwaltungsapparat notwendig. Rund vier Millionen Schwarze sollen alleine aufgrund fehlender Aufenthaltsgenehmigungen verhaftet worden sein; allein dies forderte einen enormen administrativen Aufwand. Des Weiteren mussten Millionen Schwarze umgesiedelt werden. Rund 3,5 Millionen Schwarze mussten ihre bisherigen Wohnstätten aufgeben. Dies erfolgte nicht ohne Proteste, die zu unzähligen Verhaftungen führten. Die Regierungen zerstörten ganze Siedlungen, um so die Schwarzen zur Umsiedlung, welche auf dem Native Resettlement Act von 1952 basierte, zu zwingen.
Widerstand der Schwarzen
Auch nach der Unterwerfung der Bantu führte die diskriminierende Indigenenpolitik der Weißen zu massivem Widerstand.
African National Congress
Bereits 1912, nur gerade zwei Jahre nach der Errichtung der Südafrikanischen Union, gründeten der Anwalt P. Seme, die Geistlichen J. L. Dube, W. Rubusana sowie der Autor Sol Plaatje den African National Congress (ANC). Obwohl von Männern aus der elitären Gesellschaft gegründet, verstand sich der ANC durchaus nicht als elitäre Organisation. Er stand grundsätzlich allen offen, egal welcher Hautfarbe, und akzeptierte sowohl das Christentum wie auch die englische Sprache. Der ANC verstand sich als schwarze Widerstandspartei, die das volle Bürgertum forderte. Lange Zeit opponierte er friedfertig durch Boykotte und Streiks. So organisierte er in den 1920er-Jahren Streiks der Minenarbeiter, um die schlechten Arbeitsbedingungen der Schwarzen zu verbessern.
Der ANC wurde immer mehr zur Massenorganisation. Hunderttausende befolgten die Aufrufe zu Demonstrationen oder Streiks. Beispielsweise im Jahre 1946, zwei Jahre vor dem Beginn der Apartheid, streikten rund 70.000 schwarze Minenarbeiter. Insbesondere gegen das Passgesetz, wonach die städtischen Schwarzen jederzeit einen Pass auf sich tragen mussten, um sich als Arbeitnehmer ausweisen zu können, protestierte der ANC durch Demonstrationen und durch das Verbrennen der umstrittenen Pässe. Trotzdem standen keineswegs alle Nicht-Weißen, nicht mal alle Schwarzen hinter dem ANC. Etliche Schwarze sahen die Homeland-Politik der Regierung als Chance, den Rassismus endlich zu beenden und ihre Traditionen wieder zu leben.
In späteren Jahren sollten diese Meinungsverschiedenheiten insbesondere zwischen städtischen und ländlichen Schwarzen zu bewaffneten Auseinandersetzungen führen. So forderten Unruhen bei Pietermaritzburg zwischen 1987 und 1990 rund 4.000 Todesopfer. Bei diesem Konflikt handelte es sich um Streitigkeiten innerhalb der Zulu. Städtische Zulu vertraten andere Ansichten als die in der Inkatha Freedom Party vereinigten ländlichen Zulu. In den frühen 1990er-Jahren, also bereits nach dem offiziellen Ende der Apartheid, wendeten sich die Inkatha-Anhänger dann im Besonderen gegen die Xhosa. Leute von beiden Seiten verloren dabei ihr Leben.
Die Regierung versuchte die Menschenrechtskämpfer des ANC immer wieder an ihrer Arbeit zu hindern, indem sie diese bannten. Gebannte waren eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit, sie durften ein genau definiertes Territorium nicht verlassen. Des Weiteren löste die Regierung häufig Treffen des ANC auf.
Militante Widerstandsorganisationen
Einigen Mitgliedern gingen die meist friedlichen Aktionen des ANC nicht weit genug. Sie gründeten 1959 eine weitere Widerstandsorganisation, den Pan Africanist Congress (PAC). Im Gegensatz zum ANC verwarf der PAC die offene Haltung gegenüber allen Rassen. Er positionierte sich als reine Schwarzen-Organisation und lehnte jegliche Zusammenarbeit mit den Weißen ab. Später gründete auch der ANC einen bewaffneten Flügel. Nelson Mandela selbst leitete diesen Flügel mit dem Namen Umkonto we Sizwe, was übersetzt soviel wie Speer der Nation bedeutet. Umkonto we Sizwe tat sich in den folgenden Jahren insbesondere durch Sabotageakte hervor.
Ein Jahr vor der Gründung des bewaffneten Flügels des ANC endete eine vom PAC organisierte Demonstration im Township Sharpeville in einem Blutbad, das die in Panik geratenen Polizisten anrichteten. 69 Afrikaner fanden dabei den Tod. Dieses Ereignis löste nationale Unruhen aus, welche die südafrikanische Regierung mit eiserner Faust bekämpfte. Rund 20.000 Demonstranten wurden verhaftet. In der Folge wurden sowohl der PAC wie auch der ANC verboten. Beide Organisationen operierten fortan aus dem Untergrund. Führende opponierende Köpfe wie Nelson Mandela oder Walter Sisulu wurden 1964 im sogenannten Rivonia-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht warf ihnen vor allem Beteiligung an Sabotageakten vor.
Neues Selbstbewusstsein
In den späten 1960er-Jahren entstand in Kirchen und Schulen, beeinflusst durch die Black Power-Bewegung in den USA, die so genannte Black Consciousness-Bewegung. Steve Biko gilt als Begründer dieser Bewegung. Hervorgerufen durch das neue Selbstbewusstsein der Schwarzen sahen sie die Kultur der Weißen nicht mehr als übermächtig, die zu kopieren sie versucht waren. Nein, sie verdammten die weiße Kultur nun; ihre eigenen Werte hingegen hoben sie heraus.
Künstler, wie Miriam Makeba engagierten sich für einen weltweiten Boykott des Apartheid-Regimes.
Die Folgen des neuen Bewusstseins waren zum Teil heftige Studentenunruhen. Am 16. Juni 1976 boykottierten Schüler in Soweto den Unterricht. Dies stand im Zusammenhang mit der versuchten, zwangsweisen Einführung der bei Schwarzen verhassten Sprache Afrikaans. Durch brutale Polizeieinsätze verloren in wenigen Tagen 160 bis 1000 Schwarze ihr Leben und viele Kinder und Jugendliche wurden inhaftiert. Weltbekannt ist das Foto des sterbenden 13-jährigen Hector Pieterson in den Armen eines Mitschülers. Danach nahm der bewaffnete Widerstand sprunghaft zu. Die in den nächsten zwei Jahren folgenden Unruhen verunsicherten das Land. Hunderte von Schwarzen wurden von der Polizei getötet. Die Studenten fanden Unterstützung bei Hunderttausenden von schwarzen Arbeitern. Für die südafrikanische Wirtschaft nahm dies verheerende Ausmaße an. Einige unbedeutendere Gesetze der Apartheid wurden gelockert, um dem Unmut der Schwarzen zu begegnen.
Das Ende der Apartheid
Die Proteste der Schwarzen sowie andere Faktoren ließen die Apartheid ab 1974 immer mehr bröckeln. Die Vollversammlung der UN nahm am 2. Dezember 1973 eine Konvention an, nach der die Apartheid geächtet wurde und sogar als Verbrechen galt. Die burische Regierung näherte sich in langsamen Schritten den schwarzen Vorstellungen an. Die schwarze Opposition wurde immer stärker, obwohl ihre bekanntesten Führer im Gefängnis saßen. Höhepunkte des Widerstandes in den 1970er-Jahren waren Streiks in Natal (1973), der Aufstand in Soweto 1976 sowie die Ermordung der weißen Ministerin Naantje van Bloekhop (1977). Dem schwarzen Widerstand begegnete die Regierung mit Notmaßnahmen, die allerdings die staatlichen Kapazitäten sprengten. Die Kosten der Apartheid waren nicht mehr länger tragbar.
Der ANC wurde vom internationalen Westen während des Kalten Krieges als revolutionär angesehen. Die USA und Westeuropa stützten das weiße Apartheidregime als Bollwerk gegen den Kommunismus. Nach dem Kalten Krieg ließ der Westen die Regierung fallen und sanktionierte das nun nicht mehr genehme Südafrika offiziell politisch.
Weiteres Ungemach erfasste Südafrika 1983 mit Beginn des Verfalls des Goldpreises auf dem Weltmarkt. Die bereits durch die europäischen und amerikanischen Sanktionen geschwächte ökonomische Situation verschärfte sich somit weiter.
Die zunehmend verbesserte Organisation der nichtweißen Opposition, die in den 80er Jahren faktisch die Verwaltung der Townships übernahm, führte zur Konfrontation mit dem Regime, die im permanenten Ausnahmezustand von 1985-90 kulminierte. Ab etwa 1988 begannen zunächst geheimgehaltene Verhandlungen mit den Führern des ANC im Exil.
1989 trat Frederik Willem de Klerk die Nachfolge von Pieter Willem Botha als südafrikanischer Staatspräsident an. De Klerk nahm sofort Verhandlungen mit dem noch immer inhaftierten ANC-Führer Mandela auf. Er stellte Mandela die sofortige Freilassung in Aussicht, wenn dieser gewisse Konditionen, wie beispielsweise die Abkehr vom bewaffneten Widerstand, annahm, worauf Mandela jedoch nicht einging. De Klerk ließ Mandela, aufgrund des steigenden Druckes, zusammen mit den übrigen politischen Gefangenen im Jahre 1990 frei. Die beiden Widerstandsparteien ANC und PAC wurden wieder legalisiert.
Aufgrund dieser in ihrer Summe mächtigen Gründe, also des Widerstandes der Schwarzen, des internationalen Druckes, der ökonomischen Krise, des Wechsels der Regierungsführung von Botha zu de Klerk sowie der Standhaftigkeit Mandelas bei den Verhandlungen mit de Klerk, brach die weiße Autorität in den frühen 1990er-Jahren schrittweise zusammen.
De Klerk hob wesentliche Gesetze auf, die als Pfeiler der Apartheid galten. Darunter war der Population Registration Act, der Group Areas Act, und der Land Act. Die Homelands existierten allerdings weiter; diesbezüglich änderte sich nur wenig.
Die Übergangsphase von der Apartheid zur Demokratie dauerte von 1990 bis 1994. Während dieser Zeit wurden die verbliebenen Gesetze der Rassentrennung beseitigt. Alle in Südafrika wohnhaften Menschen konnten sich frei und ohne Restriktionen bewegen. Viele Schwarze nutzten diese Chance und zogen in Städte. Des Weiteren war die Übergangsphase geprägt durch blutige Unruhen zwischen Mangosuthu Buthelezis Inkatha-Partei und dem ANC. Buthelezi, Führer des Homelands KwaZulu und der Inkatha-Partei, sah durch das neue Staatssystem seine Macht bedroht. Die Unruhen dauerten von 1989 bis 1994 und forderten insgesamt etwa 7.000 Tote. Nebst Buthelezi standen auch Lucas Mangope und Oupa Gqozo, die Führer der Homelands Bophuthatswana und Ciskei, dem neuen System negativ gegenüber. Andere Homeland-Verantwortliche kooperierten mit den Plänen des ANC und versuchten, opportunistisch eine gute Position in den neuen Machtverhältnissen zu ergattern.
Die neue Verfassung sollte 1994 in Kraft treten. Danach würden alle fünf Jahre Regierungswahlen stattfinden. Dazu sollte das Land in neun statt in vier Provinzen unterteilt werden.
Im letzten Moment schwenkte Buthelezi ein, nachdem ihm eine wichtige Position in der neuen Regierung zugesagt worden war. So kam es 1994 zu den ersten demokratischen Wahlen Südafrikas. Der ANC gewann mit 62,6 Prozent überragend, es folgte die National Party (NP) mit 20,4 Prozent und die Inkatha Freedom Party mit 10,5 Prozent. Mandela wurde zum ersten Präsidenten im neuen System ernannt. Ihm zur Seite standen zwei populäre Vizepräsidenten, de Klerk von der NP und Thabo Mbeki vom ANC. Buthelezi wurde Premier der Provinz Kwazulu-Natal, er konnte seine Macht also über die bisherige Homeland-Grenze ausdehnen.
Die neue Regierung sah sich vor große Probleme gestellt. Die vorausgegangenen Unruhen hatten Südafrika in eine ökonomische Krise gestürzt. Diese brachte eine hohe Verschuldung bei der Weltbank mit sich. Im Weiteren sollten die Ungleichheiten zwischen den Rassen beseitigt werden. Dies würde unter anderem bessere Schulen und eine bessere Gesundheitsversorgung für Schwarze bedeuten, beides war jedoch mit hohen Kosten verbunden. Unterschiedlichste Interessen führten zu verschiedenen Landstreitigkeiten. Schwarze, die während der Apartheid ihr Land aufgeben mussten und gezwungen worden waren, in die Homelands zu ziehen, forderten ihr Land zurück. Die nun dort ansässigen Weißen oder Industriebetriebe machten ihre neueren Rechte geltend.
1999 stieg Mbeki vom Vize zum Präsidenten auf. Er intensivierte in der Folge die Privatisierung von Staatsbetrieben. Dies hat zu Stellenabbau und zu teureren Strom- und Wassertarifen geführt. Immer mehr schwarze Arbeiter, die vor allem unter diesen Maßnahmen zu leiden haben, werden zunehmend unzufriedener mit der Politik des ANC. Sie werfen ihm vor, dass der ANC zwar von der linken Arbeiterklasse gewählt worden sei, dass er jedoch im Interesse der rechten Bourgeoisie regiere.
Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis.
In Anlehnung an das südafrikanische Regime wird heute eine systematische Rassendiskriminierung, insbesondere durch einen Regierungsapparat, als Apartheid bezeichnet. Durch eine UN-Konvention wurde Apartheid 1966 zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt.
In Orania gibt es bis heute eine kleine Gemeinde von Buren, die sich als neue Keimzelle eines südafrikanischen Burenstaates sehen und offen für die Wiedereinführung der Apartheid einstehen.
Verbrechen
Trojan Horse Massacre
Im Juni 1985 fuhr in Athlone ein LKW immer die Straßen hinauf und runter. Nach einem Steinwurf stiegen mehrere schwer bewaffnete Polizisten aus dem Laderaum und erschossen drei Jugendliche. Offiziell wurde es als eine „Anti-Terror-Aktion“ bezeichnet. Heute erinnert ein fast schon verblichener Spruch (Remember the Trojan Horse Massacre) auf einer Wand an die Ermordung.
Gugulethu 7
In dem Township Gugulethu wollte eine Gruppe wütender Jugendlicher zu einer Polizeistation gehen. Ein erwachsenes Mitglied der Gruppe war ein Mitarbeiter der Geheimpolizei. Auf einer Kreuzung wurde die Gruppe von 25 Polizisten gestellt, die alle sieben Jugendlichen erschossen. Als Erinnerung gibt es heute ein rotes Band. Ein offizielles, staatliches Denkmal wurde von den Müttern der Ermordeten abgelehnt, da die Täter in einem ersten Prozess freigesprochen wurden.
Siehe auch
- Hendrik Frensch Verwoerd
- Christiaan Frederick Beyers Naudé
- Geschichte Südafrikas
Literatur
- Beinart, William & Dubow, Saul (Eds.): Segregation and Apartheid in Twentieth-Century South-Africa. 1995: Routledge, London.
- Mandela, Nelson: Der lange Weg zur Freiheit. Autobiographie.
- Birgit Morgenrath/Gottfried Wellmer: Deutsches Kapital am Kap. 160 S.
- Freimut Duve: Kap ohne Hoffnung oder die Politik der Apartheid. Rowohlt, 1965
Weblinks
- [http://www.undp.org.za/docs/apartheid/un-chron.html UN and the struggle against apartheid] - Chronologie der Auseinandersetzung mit der Apartheid in der UNO (engl.)
- [http://www.apartheidmuseum.org/ Das Apartheid Museum in Johannesburg] mit interaktiver Lernmöglichkeiten
- [http://www.roschanski-net.de/Sonstiges/Apartheid/ Apartheid in Südafrika] Vom Aufkommen bis zur Abschaffung der Apartheid in Südafrika
Kategorie:Geschichte Südafrikas
Kategorie:Rassismus
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RassentrennungRassentrennung, auch (vor allem in den USA) Segregation genannt, ist die rassistisch motivierte zwangsweise Trennung von Menschen biologisch unterschiedlicher Menschengruppen ("Rassen") in einzelnen Bereichen des täglichen Lebens durch Zwang.
Der Begriff der Rasse ist in diesem Zusammenhang problematisch; meist werden darunter Menschen anderer Hautfarbe (oder mit Vorfahren anderer Hautfarbe) verstanden; diese Definition genügt nicht wissenschaftlichen Kriterien, sondern stellt eine willkürliche soziale Einteilung dar.
Sklaverei beinhaltet zwar in manchen Fällen auch eine Rassentrennung, wird aber nicht unter diesen Begriff gefasst. So spricht man von einer Rassentrennung in den USA erst für die Zeit nach dem Ende der Sklaverei.
Rassentrennung ist ein euphemistischer Begriff, da er eine neutrale Trennung in gleichberechtigte Gruppen suggeriert. In der Praxis dient diese Trennung aber immer dazu, herrschenden sozialen Gruppen Privilegien zu sichern und gleichzeitig Unsicherheitsgefühle ihrer Mitglieder zu beruhigen. Sie richtete sich meist gegen Nicht-Weiße.
Geschichte
Zur Rassentrennung gehörte in der Regel ein Verbot der Heirat zwischen Mitgliedern der jeweils als unterschiedlich definierten Menschengruppen. Typischerweise gab es auch getrennte öffentliche Einrichtungen für die Mitglieder der verschiedenen Rassen, zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel, Gaststätten, Theater und insbesondere Schulen. Dabei sind die Einrichtungen für die herrschende Rasse in aller Regel besser ausgestattet, als diejenigen für die ausgegrenzten Rassen.
Beispiele für eine gesetzlich fundamentierte Rassentrennung waren die Segregation in den Südstaaten der USA bis in die späten 1960er Jahre und die Apartheid in Südafrika bis 1990.
Aktuelle Konzepte
Die extreme rassistische Rechte in den USA propagiert in einer zukünftigen Gesellschaft nach einer eventuellen "nationalen Erhebung" die Einführung strikter Rassentrennung, um die "Durchmischung" verschiedener "Rassen" zu verhindern. Es gibt dabei Konzepte, um mit Hilfe einer solchen Trennung die bereits in den "arischen Volkskörper eingekreuzten fremdrassischen Elemente" zu beseitigen, indem Personen "reinen weißen Blutes" sich grundsätzlich nur untereinander und Personen mit geringen Anteilen (ca. 1/32 bis 1/8) "fremden Blutes" nur mit "reineren" Personen fortpflanzen sollen. Für Personen mit noch höherem "fremden Blutanteil" ist dann Zwangssterilisation oder sofortige Ermordung vorgesehen.
Es ist fast unnötig anzumerken, dass die Konzeption von "Blutanteilen" als Bruchzahlen, die sich aus der "Rasse" der Groß-, Urgroß- oder Ur-Ur-Großeltern usw. ergeben, einen ungeheuer vereinfachten und letztlich unhaltbaren Rassebegriff unterstellt.
Kategorie:Rassismus
Kategorie:Bürgerrechte
Südafrika
Die Republik Südafrika ist ein Staat an der Südspitze Afrikas. Der Nationalfeiertag, Tag der Verfassung (1994), ist der 27. April. Südafrika liegt bei 22 - 35° Süd und 17 - 33° Ost und wird vom Atlantischen und dem Indischen Ozean umschlossen. Das Land grenzt an Namibia, Botswana, Simbabwe, Mosambik und das Swasiland. Lesotho liegt innerhalb der Grenzen Südafrikas.
Geographie
Südafrika hat eine Fläche von 1.219.912 km².
Das Zentralplateau liegt in einer Höhe zwischen 900 und 2.000 Metern. Der zur Küste abfallende Landgürtel mit einer Breite von 20 bis 250 km wird Groot Randkant (Große Randstufe) genannt.
Die Drakensberge durchziehen das Land vom Nordosten bis in die Enklave Lesotho im Südosten, wo sie mit dem Thabana Ntlenyana ihren höchsten Punkt (3.482 m über NN) erreichen. Höchster Berg Südafrikas ist der Njesuthi mit 3.446 m. Nordwestlich von Bloemfontein erstreckt sich die Kalahari-Wüste durch Botswana bis nach Namibia hinein. Am Kaap Agulhas (port.: agulhas = Nadeln), der äußersten Südspitze des Kontinents, treffen sich Atlantik und Indischer Ozean, westlich davon ist das Kap der Guten Hoffnung (Cape of Good Hope oder Kaap van die goeie Hoop).
Die meisten Flüsse Südafrikas entspringen in den Drakensbergen und fließen nach Osten in Richtung Indischer Ozean. Der längste Fluss, der Oranje, mit einer Länge von 1.860 km entspringt auch in den Drakensbergen, fließt aber nach Westen und mündet in den Atlantischen Ozean. Die Augrabiesfälle (Aukoerebis, "Ort des Großen Lärms") des Oranje im Nordwesten des Gordoniadistriktes wurden 1778 von Hendrik Wikar entdeckt, haben eine Breite von ca. 3 km und sind 190 m hoch, davon 146 m im freien Fall. Der Hauptwasserfall ist ca. 150 m breit. Weitere wichtige Flüsse sind der Limpopo, der als Grenzfluss in Nordostrichtung nach ca. 1.600 km in den Indischen Ozean mündet, und der Vaal (1.251 km), ein Nebenfluss des Oranje. Die Wasserstände dieser Flüsse schwanken sehr stark.
Zu Südafrika gehören weiterhin die Prince-Edward-Inseln im südlichen Indischen Ozean. Seine territorialen Ansprüche in der Antarktis und auf die Walfischbucht in Namibia gab Südafrika 1994 auf.
Klima und Vegetation
Das Klima ist durch die Lage am südlichen Wendekreis subtropisch, überwiegend sonnig und trocken. Schnee gibt es im Winter meist nur in den Gebirgen. Die über das Jahr verteilten Niederschläge nehmen von Südosten nach Nordwesten ab, gleichzeitig nehmen die Temperaturen zu.
Durch seine Größe und mehrere Faktoren (Meeresströme, Höhenlage) bedingt, variiert das Klima zwischen den verschiedenen Teilen des Landes:
Das Klima der Westküste ist durch den Benguelastrom aus der Antarktis kühler und trockener. An der Ostküste sorgt der Agulhasstrom aus dem Indischen Ozean für ein eher feuchtes und warmes Klima.
Die Lage auf der Südhalbkugel führt dazu, dass die Jahreszeiten den europäischen entgegengesetzt sind. Im Winter, also zwischen Juni und August, kann in den Drakensbergen, auf dem Highveld und sogar in Johannesburg (1753 m über NN) und Umgebung Schnee liegen, abends und nachts ist es dann sehr kalt. Tagsüber steigen die Temperaturen auf ungefähr 23° C, im Sommer 30° C. Im Boland, der Region um Kapstadt (15 m über NN), herrscht im Winter kühles Klima mit Nieselregen. Von November bis März ist es dort warm bis heiß und trocken. In den Küstengebieten KwaZulu-Natals, u. a. in Durban (5 m über NN) und entlang der Ostküste ist die Luftfeuchtigkeit hoch, es weht jedoch meist ein kühlender Wind vom Meer. Temperaturen hier ganzjährig 25° - 35° C.
Das Plateau im Osten des Landes (Johannesburg eingeschlossen) ist durch warme, aber selten unangenehm heiße Temperaturen gekennzeichnet. In der Karoo-Halbwüste und der Kalahariwüste kommt es dagegen zu extrem hohen Temperaturen.
Am Westkap weht eine ständige, lindernde Brise, die Sommer sind warm und selbst die Winter milde. Die Südküste ist durch ein gemäßigtes Klima charakterisiert.
Es überwiegt eine Trockenvegetation mit ausgedehnten Savannengebieten, die im Westen in die Kalahariwüste und im Südwesten in die Karoo übergehen. Geschlossene Waldbestände finden sich nur im regenstarken Osten und Südosten.
Am Nord- und Westkap wachsen im Frühling prachtvolle Wildblumen. Das Namaqualand (Nord-Kap) ist von Mitte August bis Mitte September ein wahres Blütenmeer.
Die artenreiche Tierwelt wird in Wildschutzgebieten (z. B. dem Kruger-Nationalpark) geschützt.
Siehe auch: Liste der Nationalparks in Südafrika
Liste der Nationalparks in Südafrika
Bevölkerung
Hauptartikel: Bevölkerung Südafrikas
Das Land hat eine kulturell und ethnisch vielfältige Bevölkerung.
Es ist die Heimat verschiedener afrikanischer Völker, von niederländischen, deutschen, französischen, asiatischen und englischen Einwanderern und den sogenannten Coloureds (Farbigen - ein eigentlich rassistischer Ausdruck, der u. a. die Nachfahren der Khoisan, der Sklaven aus dem damals niederländischen Ostindien u. v. a. m. bezeichnet). Der soziale Aufbau ist ebenfalls sehr vielschichtig. Es ist ein multikulturelles Land, obwohl immer noch die Spuren der Apartheid zu finden sind und die Bevölkerungsgruppen häufig getrennt leben.
Südafrika war 2002 zu 58 % urbanisiert, die Bevölkerungsdichte betrug im Jahr 2003 37 Einwohner pro km².
Das Bevölkerungswachstum beträgt 0,8 % pro Jahr, die Kindersterblichkeit 6,9 %.
Es gibt 1.523 Einwohner pro Arzt. Die nutte Alphabetisierung beträgt etwa 85 %.
Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug für Frauen ungefähr 46 Jahre, für Männer ein Jahr weniger.
Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind Christen, des weiteren gibt es Anhänger von Stammesreligionen (mehrheitlich Animismus), Muslime (ca. 2 %) und Hindus (1,5 %).
Die Kapprovinzen werden mehrheitlich von Farbigen und Weißen bewohnt.
Es gibt in Südafrika elf Amtssprachen, aus diesem Grund gibt es auch elf verschiedene Bezeichnungen für den Staat Südafrika:
- Afrikaans: Republiek van Suid-Afrika
- Englisch: Republic of South Africa
- isiNdebele: IRiphabliki yeSewula Afrika
- isiXhosa: IRiphabliki yaseMzantsi Afrika
- isiZulu: IRiphabliki yaseNingizimu Afrika
- Nördliches Sotho: Rephaboliki ya Afrika-Borwa
- Sesotho: Rephaboliki ya Afrika Borwa
- Setswana: Rephaboliki ya Aforika Borwa
- Siswati: IRiphabhulikhi yeNingizimu Afrika
- Tshivenda: Riphabuliki ya Afurika Tshipembe
- Xitsonga: Riphabliki ra Afrika Dzonga
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Südafrikas
Siehe auch Transvaal, Südafrikanische Republik und Oranje-Freistaat.
Politik
Hauptartikel: Politische Situation in Südafrika
Politische Situation in Südafrika
Südafrika ist seit 1961 offiziell Republik, die ersten demokratischen Wahlen fanden aber erst nach dem Ende der Apartheid im April 1994 statt. Bis Anfang der 1990er Jahre stand Südafrika unter der Herrschaft der international geächteten Apartheid (der getrennten Entwicklung weißer, schwarzer und farbiger Bevölkerungsgruppen). Eine Wahrheits- und Versöhnungskommission versuchte, diese Zeit aufzubereiten.
Die Legislative besteht aus einem Zweikammerparlament, das sich aus der Nationalversammlung (400 Mitglieder), die nach dem Verhältniswahlrecht gewählt wird, und dem Nationalrat der Provinzen (90 Mitglieder, von denen jede der 9 Provinzen 10 Mitglieder wählt) zusammensetzt.
Der Präsident ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef und wird alle 5 Jahre durch die Nationalversammlung gewählt. Derzeitiger Staatschef ist Thabo Mbeki, wie sein Vorgänger Nelson Mandela Angehöriger der Partei und ehemaligen Anti-Apartheidsbewegung African National Congress (Afrikanischer Nationalkongress - ANC).
Provinzen
Hauptartikel: Provinzen Südafrikas
Südafrika ist in neun Provinzen unterteilt: Eastern Cape (Ostkap), Free State (Freistaat), Gauteng, KwaZulu-Natal, Limpopo, Mpumalanga, Northern Cape (Nordkap), Nord West (Nordwest) und Western Cape (Westkap).
Infrastruktur
Flugverkehr
Die South African Airways (SAA) bietet internationale Verbindungen von und zu den Flughäfen in Johannesburg und Kapstadt. Auch andere große internationale Fluggesellschaften wie Lufthansa, British Airways, Swiss Int. Air Lines, Air France oder KLM fliegen täglich nach Johannesburg oder Kapstadt. Für Inlandsflüge in Südafrika oder Flüge in afrikanische Nachbarstaaten bestehen viele Angebote von SAA, Comair, Nationwide, Kulula.com, 1Time, Air Namibia etc. Neben Johannesburg und Kapstadt fliegen sie auch kleinere Flughäfen wie George, Durban, Port Elizabeth, Pretoria oder Bloemfontein an.
Bahnverkehr
In Südafrika verkehren auf einem Schienennetz von rund 24.000 Kilometern häufig Passagierzüge zwischen den größeren Städten, aber auch auf Nebenstrecken. Für den Tourismus gibt es etliche wichtige Bahnverbindungen:
- Trans-Oranje-Express: fährt die Strecke Kapstadt / Durban / Kimberley / Bloemfontein wöchentlich in 37 Stunden
- Trans-Natal-Nacht-Express: fährt täglich in 13,5 Stunden von Durban nach Johannesburg
- Blue Train: der Luxuszug verkehrt zwischen Pretoria und Kapstadt, eine Reservierung elf Monate im Voraus ist empfehlenswert
- Rovos Rail: der historische Zug verkehrt zwischen Pretoria und Kapstadt, die dreitägige Fahrt kostet ab 700 Euro
- siehe auch Kapspur
Busverkehr
Internationale Verbindungen stellen die Linien Intercape Mainliner (Windhoek-Kapstadt) und Translux (Harare-Bulawayo-Johannesburg) her. Translux verkehrt wie die Greyhound Coach Lines, die Baz-Busse und Intercape innerhalb Südafrikas. Die Haltestellen sind oft flexibel.
Straßennetz und Autoverkehr
In Südafrika herrscht Linksverkehr.
Südafrika verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz, mit Autobahnen in und zum Teil zwischen den Großstädten, z. B. die N3-Autobahn zwischen Johannesburg und Durban. Die Höchstgeschwindigkeitsgrenze liegt normalerweise bei 120 km/h auf Autobahnen, bei 100 km/h auf Landstraßen und bei 60 km/h innerhalb der Ortschaften.
Es gibt an allen Flughäfen Autoverleihe (z. B. Avis, Hertz, Budget). Der Südafrikanische Automobilclub (AA) bietet Mitgliedern von Automobilclubs aus anderen Staaten kostenlos ihre Hilfe an. Der AA unterhält eine Pannenhilfe und gibt Straßenkarten sowie Wetterberichte heraus.
Da das öffentliche Transportsystem schlecht ausgebaut ist, sind viele Pendler auf Sammeltaxis und Busse angewiesen. Dies erhöht das Verkehrsaufkommen auf den Straßen erheblich.
Fahrradverkehr
Für viele Südafrikaner ist das Fahrrad ein gebräuchliches Verkehrsmittel. Besonders in ländlichen Gegenden sind Fahrräder für die ärmere Bevölkerung oft das einzige erschwingliche private Transportmittel. Angesichts der bisweilen großen Entfernungen, der Topografie und der klimatischen Verhältnisse sind Fahrradfahrer im Straßenbild dennoch insgesamt recht selten anzutreffen.
In den Städten gibt es aber auch viele Hobby- und Sportradler. Sie werden vom Tri-Cycling Magazine informiert. Radwege existieren nur selten.
Die Argus Tour, die im März auf einer 105 Kilometer langen Route auf der Kap-Halbinsel stattfindet, gilt mit 35.000 Teilnehmern als eine der weltgrößten Eintagesradtouren überhaupt.
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft Südafrikas
Südafrika ist ein wohlhabendes Schwellenland und wird von manchen Beobachtern (UN, EU) sogar schon zur Ersten Welt gerechnet. Es ist reich an Bodenschätzen, hat ein gut entwickeltes Finanz- und Rechtssystem sowie eine allgemein gute Infrastruktur (Kommunikations-, Energie- und Transportwesen).
Obwohl die letzten zehn Jahre vom Wachstum geprägt waren, liegt die Arbeitslosenquote bei etwa 42 % (Stand: Januar 2005), und die Nachwirkung der Apartheid, vor allem Armut und wirtschaftliche Benachteiligung der nicht-weißen Bevölkerung, sind noch nicht beseitigt. Weitere Probleme sind die hohe Kriminalitätsrate, die Korruption und HIV/Aids.
Anfang 2000 kündigte Präsident Thabo Mbeki an, das Wirtschaftswachstum und die Investitionen durch die Auflockerung des Arbeitsrechts, die Privatisierung staatlicher Betriebe und die Senkung der Staatsausgaben zu fördern.
Diese Bestrebungen stoßen auf harten Widerstand von Seiten der organisierten Arbeitnehmerschaft.
Die Einführung von Mindestlöhnen führte in Südafrika zu einer vermehrten Entlassung von nicht mehr bezahlbaren Landarbeitern und zu einer entsprechenden Landflucht und Arbeitslosigkeit.
Ein weiteres Problem der südafrikanischen Wirtschaft ist das fehlende Wissen im Verwaltungsbereich. Öffentliche Stellen wurden in den vergangenen Jahren oftmals an verdiente, aber auch leider inkompetente Widerstandskämpfer gegen das Apartheitsregime vergeben. Diese Praxis wird oftmals in den südafrikanischen Medien als Nepotismus bezeichnet.
Der Beitrag der verschiedenen Wirtschaftssektoren zum Bruttosozialprodukt liegt bei 64 % durch den Dienstleistungssektor und 32 % durch die Industrie, wozu heute auch eine entwickelte Autoindustrie zählt. Obwohl nur 4 % des südafrikanischen Bruttosozialprodukts aus der Landwirtschaft stammen, ist das Land der drittgrößte Exporteur von Agrarprodukten in der Welt. Das Bruttosozialprodukt beträgt 115 Mrd. Euro und ist damit das höchste aller afrikanischer Staaten.
Südafrika ist an mehreren regionalen Wirtschafts- und Entwicklungsprojekten beteiligt:
- NEPAD - New Partnership for Africa's Development
- SADC - Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft
Kultur
Film
Die südafrikanische Carmen-Verfilmung "U-Carmen e-Khayelitsha" von Mark Dornford-May erhielt den Goldenen Bären 2005 in Berlin. Hauptdarstellerin: Pauline Malefane [http://www.n-tv.de/5495439.html]
Literatur
Zwei südafrikanische Schriftsteller wurden bereits mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Dies war 1991 Nadine Gordimer und 2003 J. M. Coetzee.
Bibliothekswesen
Hauptartikel: Bibliothekswesen in Südafrika
Feiertage
Per Gesetz werden folgende Tage in Südafrika zu Feiertagen erklärt:
- 1. Januar: Neujahr
- 21. März: Tag der Menschenrechte (Human Rights Day). Jahrestag des Massakers von Sharpeville 1960.
- Karfreitag und Ostermontag (Freitag vor und Montag nach dem Ostersonntag)
- 27. April: Freiheitstag (Freedom Day). Jahrestag der ersten demokratischen Wahlen 1994.
- 1. Mai: Tag der Arbeit
- 16. Juni: Tag der Jugend (Youth Day), früher: Soweto-Tag. Jahrestag des Beginns der Rassenunruhen in Soweto 1976.
- 9. August: Tag der Frauen (Women's Day). Jahrestag der Frauen-Demonstration gegen das Pass-Gesetz 1956.
- 24. September: Tag des Erbes (Heritage Day).
- 16. Dezember: Versöhnungstag (Day of Reconciliation). Jahrestag der Schlacht am Blood River 1838 zwischen Buren und Zulu. Dieser Tag war bereits während der Apartheid als "Gelöbnis-Tag" oder "Schwur-Tag" Feiertag, und bekam 1995 seine neue Bedeutung.
- 25./26. Dezember: Weihnachten
Fallen diese Tage auf einen Sonntag, ist der folgende Montag ein Feiertag.
Probleme des Landes
Trotz der Aufwärtstendenz in Südafrika in den letzten 10 Jahren gibt es noch immer sehr große soziale Probleme. So werden Schwarze auch nach dem Ende der Apartheid meist immer noch weitaus schlechter bezahlt als Weiße. Große Teile der Bevölkerung leben in so genannten Townships. Dabei handelt es sich um Wohnviertel, in denen trotz positiver Entwicklung der Lebensstandard auch heute noch sehr niedrig ist. Aids ist trotz der Bemühungen seitens der Regierung weiterhin ein Hauptproblem. Nach wie vor ungelöst ist die enorm hohe Kriminalitätsrate und die Brutalität der Verbrechen, die sich besonders in den großen Städten manifestieren.
Kriminalität in Südafrika
Die Kriminalität in Südafrika ist ein sehr großes Problem. Das Land hat eine der höchsten Verbrechensraten weltweit. Nur in Kolumbien ist die Lage noch drastischer.
In Südafrika gibt es große soziale Unterschiede. Viele Menschen, besonders die Schwarzen, sind oft arm und arbeitslos. Aus diesem Grund muss Südafrika mit einer hohen Kriminalitätsrate kämpfen. Unter dem Apartheidsregime gab es eine brutale Polizeibehörde, die das Problem größtenteils mit nicht zu rechtfertigenden Methoden zu lösen versuchte. Nach dem Übergang der Macht zu den Schwarzen wurde im Polizeiapparat ein Vakuum hinterlassen, das bis heute nicht gestopft werden konnte.
Nach der Kriminalitätsstatistik von 2004 sind 38.400 Frauen und Mädchen vergewaltigt worden und 172.500 Fälle schwerer Körperverletzung registriert. Eine südafrikanische Spezialität ist „Carjacking“ bei der das Auto gewaltsam entführt und der Fahrer, wenn er versuchen sollte, Widerstand zu leisten - aber auch ohne Widerstand, um ihn als Zeugen auszuschalten - häufig erschossen wird. 2004 wurden auf diese Weise 11.500 Autos entführt, weitere 81.900 auf übliche Weise gestohlen und in 142.450 Autos eingebrochen oder die Einbrüche gemeldet.
Townships
Townships dienten während der Apartheid in Südafrika als Wohngegenden für die schwarze, die farbige (Coloureds) oder die indische Bevölkerung. Sie konnten Ausmaße einer ganzen Stadt annehmen. Ein typisches Beispiel ist Soweto (South Western Townships), ein Stadtteil von Johannesburg in der Provinz Gauteng im nordöstlichen Teil des Landes.
Homelands
Als Homelands wurden während der Apartheid die Stammesgebiete der Schwarzen in Südafrika bezeichnet. Die weißen Apartheidsführer nannten die Homelands Bantustan. Sie wollten die Rassentrennung der Apartheid unter dem Motto der "separaten Entwicklung" auch territorial durchsetzen und formell unabhängige Staaten der Schwarzen in Südafrika schaffen, deren Bewohnern (Schein-)Unabhängigkeit zugestanden werden sollte. Die Homelands waren ökonomisch, finanziell und militärisch jedoch vollständig von Südafrika abhängig. De facto stellten sie lediglich vom übrigen Staatsgebiet abgetrennte Reservate dar.
AIDS in Südafrika
Hauptartikel: AIDS in Südafrika
Aids gilt als die "tickende Zeitbombe" Südafrikas. Auf der Website der Südafrikanischen Aidsstiftung (Aids Foundation of South Africa) werden Prognosen zitiert, die besagen, dass innerhalb der nächsten drei Jahre jährlich fast 250.000 Südafrikaner an Aids sterben werden. Diese Zahl soll bis zum Jahr 2008 auf 500.000 jährlich anwachsen.
Deutsche Schulen in Südafrika
- [http://www.dsp.gp.school.za/index.htm Deutsche Schule Pretoria]
- [http://www.hmbschool.co.za/ Deutsche Schule Hermannsburg]
- Deutsche internationale Schule Kapstadt
- [http://www.dsj.co.za/german/index.asp Deutsche internationale Schule Johannesburg]
- [http://www.dsdurban.co.za/ Deutsche Schule Durban]
- Deutsche Schule Kroondal
Tourismus
Der Tourismus hat sich mittlerweile zu einem sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor Südafrikas entwickelt.
Sehenswürdigkeiten sind u. a.
- Sun City
- Kruger-Nationalpark und andere [http://www.sanparks.org Nationalparks in Südafrika]
- der 3000 km lange Küstenstreifen
- Kapstadt mit dem Tafelberg und der Kaphalbinsel (Kap der guten Hoffnung)
- Johannesburg, bekannt auch für die Goldminen
- Drakensberge
- Blyde River Canyon
Zurzeit wird der Tourismusanteil vom Bruttosozialprodukt schon auf mehr als 7 % geschätzt. Im Jahre 2002 waren mehr als sechs Millionen Touristen im Lande. Ungefähr 3 % der Angestellten arbeiten in der Branche, bei der man sich weiteren Zuwachs erhofft.
Am 13. Mai 2002 präsentierte der südafrikanische Umwelt- und Tourismusminister Mohammed Valli Moosa Leitlinien für eine verantwortungsvolle Tourismusentwicklung in Südafrika. Damit soll nicht nur der Tourismus im Lande gefördert, sondern vor allem die lokale Bevölkerung in die Planung und Entwicklung des Tourismus einbezogen werden. Besonders die ärmeren Schichten sollen so direkter vom Tourismus profitieren.
Südafrika zählt bereits heute zu einem der attraktivsten Altersruhesitzländer und gilt unter Golfern als heißer Tipp.
Literatur
- Lonely Planet: Mary Fitzpatrick, Rebecca Blond, Gemma Pitcher - South Africa, Lesotho & Swaziland. 6. Auflage - November 2004 - ISBN 1741041627
- Michael Iwanowski: Südafrika. November 2004 - ISBN 3923975082
Weblinks
- [http://www.gov.za/ Offizielle Homepage]
- [http://www.parliament.gov.za Offizielle Homepage des Südafrikanischen Parlamentes]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=162 Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes zu Südafrika]
- [http://www.afrika-heute.de/ShowC.php?country_nr=197 Südafrika Länderinformationen auf afrika-heute.de]
- [http://www.suedafrika.org Botschaft der Republik Südafrika in Deutschland]
- [http://www.suedafrika-nachrichten.de Aktuelle Nachrichten aus Südafrika]
- [http://www.indexmundi.com/de/sudafrika/ Informationen und Statistiken über Südafrika]
- [http://www.odci.gov/cia/publications/factbook/print/sf.html World Fact Book: South Africa]
- [http://www.columbia.edu/cu/lweb/indiv/africa/cuvl/SAfr.html Umfassende Linksammlung der Virtual Library]
- [http://www.southafrica-infoweb.com/ Deutschsprachiges Südafrika Portal mit Rezepte Verzeichnis, Forum und mehr.]
- [http://www-sul.stanford.edu/depts/ssrg/africa/southjo.html Südafrikanische Zeitungen und Zeitschriften - mit Beschreibung]
- [http://www.polity.org.za/html/people/pics.html Fotos, Flaggen und Symbole - (Photographs, Flags and Symbols)]
- [http://www.capepoint.de/ Kapstadt und die Kapregion, Informationen]
- [http://www.südafrika.info/ Allgemeine Infos über Südafrika in Deutsch mit vielen Infos, Community, Photobereich und Reisetipps.]
- [http://home.arcor.de/sirko.poehlmann/D_S_Roadbook/Reise_Links_und_Tipps/reise_links_und_tipps.html Umfangreiche Linkliste für Südafrika-Reisende]
Sudafrika
ja:南アフリカ共和国
ko:남아프리카 공화국
ms:Afrika Selatan
simple:South Africa
zh-min-nan:Lâm-hui
RasseRassen oder Unterarten sind in der biologischen Systematik Populationen einer Art, bei denen der Genaustausch mit anderen Populationen vermindert ist. Dadurch kann es zu einer verstärkten Herausbildung von gemeinsamen phänotypischen Merkmalen kommen, die die Individuen der Rasse von anderen Populationen der gleichen Art unterscheiden (Merkmalsdivergenz). Andere Begriffe, die vergleichbare Beobachtungen ausdrücken, sind Unterart (Subspezies), Zuchtform oder Varietät. Im Pflanzenreich sprechen Biologen auch von Sorten.
Im weissen diskriminierenden Sprachgebrauch des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (vgl. das englische race) wurde "Rasse" auf Menschen angewandt, als ein biologistisch "begründeter" kulturell zuschreibender Terminus.
Als soziologischen Begriff hat ihn vor allem der frühe Klassiker Ludwig Gumplowicz verwandt (Der Rassenkampf, 1909).
Da der Begriff "Rasse" in Bezug auf Menschen einen deutlich rassistisch-ideologischen Charakter annimmt (To most people, a race is any group of people whom they choose to describe as a race. Zitat aus dem UNESCO-Bericht [http://unesdoc.unesco.org/images/0007/000733/073351eo.pdf The race concept. Results of an inquiry. 1952, p 99]), hat die UNESCO ebenda empfohlen, den Begriff "Rasse" ("race") durch den rein deskriptiven (beschreibenden) Begriff Ethnische Gruppe (ethnic group) zu ersetzen.
Klassifizierung von Populationen in Evolutionsprozessen
Alle Mitglieder einer biologischen Art haben normalerweise an einem gemeinsamen Genpool teil. Innerhalb einer Art bilden sich jedoch weite Variationen in der phänotypischen Kombination bestimmter Merkmale. Bestehen zwischen verschiedenen Populationen oder Populationsgruppen der Art Barrieren für den Genaustausch - seien es räumliche (Gebirge, Landmassen, Meere), zeitliche (Entwicklungszeiten, etwa bei Maikäfern) oder vom Menschen induzierte (Zuchtwahl bei Hunden, Pferden etc) - so prägen sich diejenigen Merkmale heraus, die in hoher Frequenz bereits vorhanden sind (Genetische Drift), manchmal verstärkt durch spezifische Umweltbedingungen, die einen Selektionsdruck ausüben. Wenn es im Laufe der Evolution in bestimmten Populationsgruppen gehäuft zu einer einheitlichen Veränderung bestimmter Merkmale kommt, die die Angehörigen einer Gruppe von anderen unterscheidet, so liegt eine Unterteilung in Untergruppen nahe, die als Rassen, Unterarten, Sorten etc. bezeichnet werden. Diese Unterarten können sich zu neuen Arten entwickeln, wenn sie so weit auseinander driften, dass sich Fortpflanzungsbarrieren ausbilden, die den freien Genaustausch zwischen den Gruppen dauerhaft, d.h. selbst bei wieder etabliertem z.B. geografischem Kontakt, einschränken und dadurch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Fortpflanzung zwischen Individuen verschiedener Untergruppen stark herabsetzen. Es finden sich dann oft evolutionäre Zwischenstadien, bei denen zwar eine Kreuzung möglich ist, der Nachwuchs aber eine herabgesetzte evolutionäre Fitness zeigt, was sich u. a. in verminderter Fortpflanzungsfähigkeit wie beispielsweise zwischen Pferden und Eseln zeigen kann.
Da eine Rasse immer über eine ganze Reihe von Eigenschaften, Merkmalen oder Attributen definiert wird, können durch die Kreuzung von Individuen mit heterozygoten Merkmalen beliebige Zwischenstufen zwischen den Rassen entstehen. Die Rasse ist also nur in einer geografisch und zeitlich fest umrissenen Situation eine naturgegebene Kategorie; in vielen Fällen ist sie ein vom Menschen geschaffenes Abstraktum. Realität kommt dann nur den einzelnen genotypischen und phänotypischen Unterschieden selbst zu - es existiert also keine von der historischen Situation unabhängige "Summe" dieser Unterschiede.
Rassen in Bezug auf Tiere
Rassen sind heute insbesondere in der Tierzucht (Hunde, Pferde, Kühe und andere Haustiere) von Bedeutung, wo oft die Reinrassigkeit den Wert eines Tieres mitbestimmt: Die Tiere sollen den definierten Eigenschaften des Zuchtideals entsprechen. Die Art der Hunde wurde z. B. als Ganze vom Menschen aus der differierenden Art des Wolfes herausgezüchtet.
Nicht nur verantwortungslose Züchtung, sondern die ganz normale so genannte "Rasse-Hunde-Zucht" führt zwangsläufig zu Schädigungen des Haplotypus. Hellmuth Wachtel (Hundezucht 2000, Gollwitzer Verlag 1997) weist zu Recht darauf hin, dass als Population nur die effektiv an der Fortpflanzung teilnehmenden Haplotypen bezeichnet und gezählt werden können. Die zum Standard gewordene so genannte "Championzucht" verstärkt dies dramatisch.
Habe ich z. B. 3000 Zuchthündinnen einer "Hunderasse" und lasse sie von 50 "Champions" decken, beträgt die Populationsgrösse effektiv nur 200! Womit der Tatbestand der "heimlichen" Engzucht mit entsprechender Allelverarmung durch Gendrift schon erfüllt ist. Wachtel nannte dies treffend "Genetischer Genozid".
Die Folge ist, dass es immer mehr Rassehunde gibt, die Erbkrankheiten und krankes Erbgut tragen. Folgt man Wachtel so dürfte es mit der Vitalität der europäischen "Rassehunde" (Fruchtbarkeit, Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltreize, Widerstandskraft gegen Krankheitserreger, mittlere Lebenserwartung, Inzidenz von Erbkrankheiten) in ca. dreißig Jahren endgültig zu Ende gehen. Wobei heute schon einige Rassen ohne Kaiserschnittentbindungen ausgestorben wären.
Zusätzlich und verstärkend gibt es Überzüchtungen auf Schönheitsideale der Wohlstandsgesellschaft, die zu weiteren Inzucht-Effekten führen können. In der Zucht von Nutztieren und Nutzpflanzen dienen reinrassige Ur-Zuchtlinien zur Produktion von hybriden neuen Rassen.
"Rassen" in Bezug auf Menschen
Hauptartikel: Rassentheorien
Die mannigfachen Versuche, Menschen nach äußeren Merkmalen (wie Körperbau, Schädelform, Haut- und Haarfarbe usw.) in verschiedene "Rassen" einzuteilen, werden heute sehr kontrovers diskutiert und finden keine vorbehaltlose Akzeptanz mehr. Besonders die Rassenideologie hat zur Verbreitung unwissenschaftlicher, aber populärer Kriterien geführt und durch ihre menschenverachtende Ausrichtung auch die wissenschaftliche Disziplin in Misskredit gebracht. Während viele morphologische und physiologische Kriterien bis heute in Biologie und Medizin Bestand haben, wurden andere Merkmale inzwischen weitgehend widerlegt oder gelten doch zumindest nur stark eingeschränkt.
Die bis heute teilweise noch gebräuchliche Klassifizierung der Menschen in Rassen, früher oft als "Großrassen" bezeichnet, kann sowenig auf der Körperfarbe begründet werden, wie auf anderen Einzelmerkmalen. Die Einteilung in Schwarze, Weiße, Rote und Gelbe ist eine vereinfachte und unzutreffende Konstruktion. Während Walter Demel zeigte, wie die Chinesen 'gelb' gemacht wurden, beschrieb Alden T. Vaughan die Verwandlung der Indianer in 'Rothäute' oder verfolgte Wulf D. Hund die Entwicklung des europäischen Afrikanerbildes vom 'Äthiopier' der Antike über den 'Mohren' des Mittelalters zum 'Neger' der Neuzeit. John Solomos und viele andere haben daraus den Schluss gezogen, dass "schwarz und weiß [...] keine essentialistischen Kategorien [sind], sondern [...] durch historische und politische Kämpfe um ihre Bedeutung definiert werden und deswegen "Rasse" ein Produkt des Rassismus ist und nicht umgekehrt".
Literatur
- Michael J. Bamshad/Steve E. Olson: Menschenrassen - eine Fiktion?, Spektrum der Wissenschaft Mai 2005
- Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation. Darmstadt: WBG 1999
- G. Çağlar: Der Mythos vom Krieg der Zivilisationen. Der Westen gegen den Rest der Welt. Eine Replik auf Samuel P. Huntingtons »Kampf der Kulturen«, Münster 2003, ISBN 3-89771-414-0
- Stephen Jay Gould: Der falsch vermessene Mensch. Suhrkamp 1999
- J. Philippe Rushton: Rasse, Evolution und Verhalten: eine Theorie der Entwicklungsgeschichte. Graz: Ares 2005. ISBN 3-902475-08-0
Weblinks
- http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/1999/pri63_99.htm Kam der moderne Mensch durch ein "Nadelöhr"?
- http://www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/619209 Nur 2000 - Die gesamte Menschheit stammt von einer kleinen Gruppe ab
- http://www.shoa.de/rassenlehre.html Warum und mit welcher Wirkung klassifizieren Wissenschaftler Menschen?
- http://www.uni-oldenburg.de/biodidaktik/rasse.html Stellungnahme zur Rassenfrage - von den Teilnehmern der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der internationalen UNESCO-Konferenz "Gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung" am 8. und 9. Juni 1995 in Stadtschlaining, Österreich
- [http://www.news-medical.net/?id=7317 Human Genome Project may have made traditional race-based measurements of human differences obsolete] (engl)
- http://www.inidia.de/rasse-begriff-unesco.htm UNESCO-Erklärung gegen den "Rasse"-Begriff
Kategorie:Anthropologie
Kategorie:Soziologie
Kategorie:Rassismus
Kategorie:Zoologie
ja:人種
Kolonialismus
Der Ausdruck Kolonialismus (v. lat.: colonia Niederlassung, Ansiedlung) bezeichnet die auf Erwerb und Ausbau von Kolonien gerichtete Politik unter dem Gesichtspunkt des wirtschaftlichen, militärischen und machtpolitischen Nutzens für das Mutterland bei gleichzeitiger politischer Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeutung der abhängigen Völker. Der Kolonialismus ist kein Phänomen der Neuzeit, sondern spielt schon in der Antike eine große Rolle. Beim europäischen Kolonialismus ab dem 14. Jahrhundert, initiiert v.a. von portugiesischen und spanischen Seefahrern, spielte neben ökonomischen Aspekten auch religiöses Sendungsbewusstsein (christliche Missionierung) eine große Rolle.
Nach dem Muster des Kolonialismus verfuhren europäische Staaten bei der Eroberung und Ausbeutung anderer Kontinente wie Afrika, Asien, Amerika und Australien. Die europäischen Staaten beförderten Rohstoffe (z. B. Rohrzucker, Gold, Diamanten) aus den kolonialisierten Ländern in die Heimatländer, ohne dafür eine angemessene Tauscheinheit anzubieten. Das Zeitalter des Kolonialismus war auch geprägt von Gewalt und Unterdrückung gegenüber den "Ureinwohnern" (Indigene Völker) dieser Kontinente.
Auch kam es vermehrt zu Sklaverei, v.a. aus Afrika in die neuen Kolonien in Amerika.
Die Ära des Kolonialismus im engeren Sinne ging in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende, als fast alle ehemaligen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Aufgrund der Festlegung von Grenzen auf dem Reißbrett durch die ehemaligen Kolonisatoren ergaben sich in Afrika und im Nahen Osten immer wieder Kriege, da diese Grenzziehungen kulturelle Zusammenhänge kaum berücksichtigt hatten. Viele Staaten der Dritten Welt befanden sich auch nach ihrer Unabhängigkeit in einem Zustand wirtschaftlicher Abhängigkeit von ihren ehemaligen Kolonisatoren.
Mit dem Untergang der Sowjetunion Ende des 20. Jahrhunderts wurden erstmals auch russische Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen.
Neuere Bestrebungen, kolonialistische Machstrukturen herzustellen, bezeichnet man als Neokolonialismus. Aspekte der heutigen Kultur und Politik ehemaliger Kolonien, welche mit ihrer Vergangenheit als Kolonie zusammenhängen, werden unter dem Begriff Postkolonialismus zusammengefasst.
Eine Weiterentwicklung der Ideologie des Kolonialismus war der Imperialismus (1880-1914).
Ob der Zionismus zum Kolonialismus gezählt werden kann, ist eine höchst umstrittene und politisch aufgeladene Frage, die im Umfeld des Nahostkonflikts immer wieder aufkommt.
Alle außereuropäischen und auch einige europäische Länder (z. B. Malta, Zypern) sind im Verlauf der Geschichte Kolonie oder Halb-Kolonie (z. B. Türkei, Iran, Afghanistan, Thailand, China, Japan) einer europäischen Kolonialmacht gewesen.
Die letzten Beendigungen einer Kolonialherrschaft in einer bedeutsamen Kolonie waren die von Hongkong 1997 und von Macao 1999.
Geschichte
Vor dem ersten Weltkrieg
Vor dem ersten Weltkrieg war Großbritannien die bei weitem größte Kolonialmacht gefolgt von Russland an zweiter Stelle, Frankreich, Deutsches Reich den Vereinigten Staaten und Japan sowie weiteren Staaten. England, Russland und Frankreich traten bereits frühzeitig als Kolonialmächte in Erscheinung.
Kolonialbesitz der Großmächte (Mill. Quadratkilometer und Mill. Einwohner)
Kolonien || Kolonien Metropolen - Insgesamt
--------------------------------------++----------------------------------------------------
1876 || 1914 1914 1914
--------------------------------------++----------------------------------------------------
km2 Einw. || km2 Einw. km2 Einw. km2 Einw.
--------------------------------------++----------------------------------------------------
England 22,5 251,9 || 33,5 395,5 0,3 46,5 33,8 440,0
Russland 17,0 15,9 || 17,4 33,2 5,4 136,2 22,8 169,4
Frankreich 0,9 6,0 || 10,6 55,5 0,5 39,6 11,1 95,1
Deutschland - - || 2,9 12,3 0,5 64,9 3,4 77,2
Vereinigte Staaten - - || 0,3 9,7 9,4 97,0 9,7 106,7
Japan - - || 0,3 19,2 0,4 53,0 0,7 72,2
--------------------------------------++----------------------------------------------------
6 Großmächte zusammen 40,4 273,8 || 65,0 523,4 16,5 437,2 81,5 960,6
Kolonialbesitz der übrigen Staaten (Belgien, Niederlande usw.) 9,9 45,3
Halbkolonien (Persien, China, Türkei, Japan usw.) 14,5 361,2
Die übrigen Länder 28,0 289,9
=
Der ganze Erdball 133,9 1.657,0
Quelle: Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus
- Metropole ist im Sinne des Mutterlandes oder der Kolonialmacht selbst zu verstehen
Kolonialmächte
(klassische europäische Kolonialmächte mit außereuropäischen Kolonien)
Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland, Italien, Russland, Niederlande, Belgien und Dänemark
Halb-Kolonialmächte
(europäische Nationen, die vergeblich versuchten außereuropäische Kolonien dauerhaft zu beherrschen oder nicht-europäische Nationen)
Österreich, Schweden, USA und Japan
Halb-Kolonien
(Länder, die nur teilweise Kolonie bzw. nur zum Teil von einer Kolonialmacht beherrscht waren und denen sog. "ungleiche Verträge" aufgezwungen wurden)
Türkei, Saudi-Arabien, Jemen, Iran, Afghanistan, China, Thailand, Japan, Korea, Liberia
Verbliebene "Kolonien"
(außerhalb Europas)
Dänemark: Grönland
Großbritannien: Anguilla, Bermuda, Britische Jungferninseln, Britisches Antarktisterritorium, Britisches Territorium im Indischen Ozean, Kaimaninseln, Falklandinseln, Montserrat, Pitcairninseln, St. Helena, Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln, Turks- und Caicosinseln
Frankreich: Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Reunion, Mayotte, St. Pierre und Miquelon, Französisch-Polynesien, Neukaledonien, Wallis und Futuna, Französische Süd- und Antarktisgebiete, Iles Eparses, Clipperton
Niederlande: Aruba, Niederländische Antillen
Spanien: Kanarische Inseln, Ceuta, Melilla, Inseln der Plaza de soberanía
Portugal: Azoren, Madeira
Literatur
- Aimé Césaire, Über den Kolonialismus, Berlin: Wagenbach 1968
- Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt am Main 1981
- Horst Gründer, Eine Geschichte der europäischen Expansion, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1757-2
- Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Schöningh, 5. Auflage 2004, ISBN 3-8252-1332-3
- Jürgen Osterhammel, Kolonialismus : Geschichte, Formen, Folgen, Beck : München : Beck 1995, 142 S., ISBN 3-406-39002-1
- Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hg.) „... Macht und Anteil an der Weltherrschaft.“ Berlin und der deutsche Kolonialismus. Unrast-Verlag. Münster 2005, ISBN 3-89771-024-2
- Udo Scholze/Detlev Zimmermann/Günther Fuchs, Unter Lilienbanner und Trikolore : Zur Geschichte des französischen Kolonialreiches. Darstellung und Dokumente, Leipzig 2001, 289 S., ISBN 3-934565-96-4
- Jürgen Zimmerer, Joachim Zeller (Hg.), Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia und seine Folgen, Berlin: Christoph Links Verlag 2003, ISBN 3-86153-303-0
Weblinks
- Lenin: [http://www.mlwerke.de/le/le22/le22_258.htm Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]
- [http://www.stub.bildarchiv-dkg.uni-frankfurt.de/dfg-projekt/bildprojekt/Lexikon/lexikon.htm Deutsches Koloniallexikon im Internet]
- [http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/ahumboldt/holl_kolonialismus.pdf Frank Holl: Alexander von Humboldt - „Geschichtsschreiber der Kolonien”]
Siehe auch
- Kolonisation, Kolonialrecht, Kolonialgesellschaft, Sklaverei, Zivilisation, Dekolonialisierung, Unabhängigkeit, Dritte Welt
- Geschichte Afrikas, Wettlauf um Afrika, Geschichte Algeriens, Geschichte Namibias, Aufstand der Herero und Nama
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u.a. Länderartikel
Kategorie:Politologie
Kategorie:Kolonialismus
DiskriminierungDer Begriff Diskriminierung (v. lat.: discriminare = trennen) bezeichnet:
- in der Technik die Abgrenzung von Messwerten oder Einstellungen (z. B. in der Funktechnik)
- in den Wirtschaftswissenschaften die Differenzierung der Preise für verschiedene Kundengruppen (siehe Preisdiskriminierung)
- im Allgemeinen die benachteiligende Behandlung bestimmter Gruppen innerhalb eines Ganzen.
Diskriminierung in der Technik
Insbesondere in der Mess- und Elektrotechnik werden Diskriminatoren verwendet, um Signale (meist Spannungen) ober- oder unterhalb eines festgelegten Schwellenwertes zu unterdrücken. Dies ist z. B. nützlich, um Rauschen vom Nutzsignal zu trennen.
Soziale Diskriminierung
Im engeren Sinne versteht man unter Diskriminierung die Benachteiligung von Menschen oder Gruppen (zumeist Minderheiten) aufgrund von Merkmalen wie Herkunft, ethnischer, politischer oder religiöser Zugehörigkeit, sozialen Gewohnheiten, sexuellen Neigungen, Sprachen, Geschlecht, Behinderung oder äußerlichen Merkmalen wie Haut- oder Augenfarbe.
Sie steht dem Grundsatz der Gleichheit der Rechte aller Menschen entgegen und kann als ein Ausdruck von Intoleranz und dem Vorherrschen von Vorurteilen betrachtet werden.
Diese Benachteiligung kann in Einschränkungen in jeglichen Ebenen des Lebens stehen, insbesondere in Einschränkungen an der Teilnahme am öffentlichen Leben, Einschränkung der Freizügigkeit, Einschränkungen bei Ausbildung, Berufsausübung oder Entgelt.
Im Interessenkonflikt zwischen deutlich unterscheidbaren Gruppen (z. B. Rauchern und Nichtrauchern) ist die Grenze zwischen einer diskriminierenden (schlechterstellenden) Einschränkung der Selbstbestimmung und dem Schutz der Allgemeinheit eine Frage der Abwägung, die einer kontinuierlichen Neubewertung unterliegt.
Es besteht auch ein Konflikt zwischen Religionsfreiheit, staatlicher Schulpflicht und der Einschränkung der freien Religionsausübung in der Schule.
Altersdiskriminierung ist eine Diskriminierung auf Grund des Lebensalters. Während sie in der Bundesrepublik Deutschland erlaubt ist, ist sie in vielen anderen Ländern verboten. Die Altersdiskriminierung zeigt sich zum Beispiel darin, dass in der Bundesrepublik Deutschland in 41% der Betriebe niemand beschäftigt wird, der älter als 50 Jahre ist. (Quelle: Altenbericht, nach "Sächsische Zeitung" vom 31.8.2005, S.2)
Es gab in der Geschichte mehrere "große" Diskriminierungen, wie zum Beispiel der Genozid an Juden im nationalsozialistischen Regime oder der Rassismus von "weißen" gegenüber "schwarzen" Menschen in der ehemaligen Sklavenhaltergesellschaft der USA und dem ehemaligen Apartheidsregime in Südafrika.
Diskriminierende Sprache
Oft zeigt sich Diskriminierung in der Sprache, indem abwertende oder nicht neutrale Formulierungen verwendet werden. Viele versuchen, eine politisch korrekte Sprache zu verwenden. Oft genügen einfache Änderungen, um einen tatsächlich oder scheinbar diskriminierenden Gebrauch von Sprache zu vermeiden. So kann man in bestimmten Zusammenhängen Studentinnen und Studenten geschlechtsneutral zusammenfassen als Studierende. Einen feinen semantischen Unterschied macht es, ob man von „Behinderten“ spricht oder von „Menschen mit Behinderungen“. Problematisch ist dabei, dass es nicht gelingen kann, Diskriminierung durch sprachliche Änderungen zu beseitigen, solange die Ursachen nicht beseitigt sind. Neue Bezeichnungen nehmen den Charakter der alten an, wenn der alte Sachverhalt erhalten bleibt (Euphemismus-Tretmühle). Es hilft also kaum, lediglich die Bezeichnungen zu ändern. Man kann durch entsprechenden Sprachgebrauch Diskriminierung verschlimmern und verschleiern.
Typische Merkmale diskriminierenden Sprachgebrauchs sind:
- Betonung von Unterschieden
- Stereotypisierung
- abfällige und aufgezwungene Bezeichnungen
Positive Diskriminierung
Unter positiver Diskriminierung (engl. affirmative action) versteht man eine bewusste Bevorzugung von Mitgliedern einer Gruppe zum Ausgleich von behaupteten oder tatsächlichen Nachteilen
(Nachteilsausgleich: z.B. Quotenregelungen für Frauen und Menschen mit Behinderung, Erleichtern des Zuganges zu Universitäten für Schwarze in den USA). Diese positive Form der Diskriminierung ist umstritten, da sie mindestens eine formale Benachteiligung der Menschen, die das entsprechende Merkmal nicht aufweisen, umfasst.
Ein anderes Beispiel ist der Haushaltstag, der in der Bundesrepublik Deutschland nur Frauen gewährt wurde. Als Männer gegen die entsprechende Diskriminierung klagten und Gleichbehandlung einforderten, wurde der Haushalttag abgeschafft und (scheinbare) Gleichbehandlung erreicht. Eine andere Lösung wäre, dass in einer Familie die Familie selbst wählen kann, wer den Haushalttag nimmt, wie es z.B. in der DDR praktiziert wurde.
Rolle des Staates
In den meisten Staaten der Neuzeit wird es als eine der Grundaufgaben des Staates betrachtet, seine Bürger beziehungsweise Einwohner vor Diskriminierung zu schützen, weswegen Gesetze zur Vermeidung von Diskriminierung bestehen. Auf der Grundlage relativ weit gehender entsprechender europarechtlicher Vorgaben (vgl. unten: WEB-Link), die allerdings bislang nicht vollständig in deutsches Recht umgesetzt sind, bestehen in der Bundesrepublik Deutschland vor allem im Bereich des Arbeitsrechts verschiedene Anti-Diskriminierungsbestimmungen (vor allem bei Benachteiligungen wegen des Geschlechts und wegen bestehender Behinderung).
Dennoch kommt Diskriminierung in allen Staaten in den unterschiedlichsten Formen vor.
In zahlreichen Staaten wird eine systematische Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen staatlich organisiert und mittels der Gesetzgebung festgeschrieben. In diesen Fälle erhofft sich zumeist eine herrschende Gesellschaftsgruppe Vorteile von einer solchen Diskriminierung, oder sie nimmt die Nachteile für die Minderheiten billigend in Kauf.
Die Diskriminierung kann aktiv geschehen z. B.:
- Rassengesetze im Dritten Reich,
- Apartheid in Südafrika,
- Rassentrennung in den Südstaaten der USA.
Eine mögliche Maßnahme gegen Diskriminierung ist die aktive Integration (soviel wie Einbeziehung), bei der Benachteiligungen für ausgegrenzte Personen oder Personengruppen durch gezielte Erleichterungen bei der Teilnahme am öffentlichen Leben (Ausbildung, Arbeit, Kultur, ...) verringert oder verhindert werden sollen. z. B.:
- Integrationsklassen für behinderte Kinder an "normalen" Schulen.
- Staatliche Zuschüsse zur Einrichtung von Behindertenarbeitsplätzen.
- Anlegen von behindertengerechten Parkplätzen, Toiletten, Gebäudezugängen, Sitzplätzen, Einstiegmöglichkeiten in Busse u.v.m.
- Beschriftungen von öffentlichen Anlagen in Brailleschrift.
- Markierung von Gefahrstellen wie z. B. Kreuzungen und Haltestellen für Sehbehinderte durch wechselnde (meist gerippte) Bodenbeläge.
Siehe auch
- Altersdiskriminierung
- Antidiskriminierungsgesetz
- Besonderungsprinzip
- Diskriminierungsverbot
- Diversity Management
- Emanzipation
- Gleichberechtigung
- Intoleranz
- Kinderrechtskonvention
- Klassismus
- Menschenrechte
- Othering
- Rassismus
- Rassentrennung
- Religionsfreiheit
- Repression
- Schwerbehindertenrecht (Deutschland)
- Sexismus
- Speziesismus
- Vorurteil
Weblinks
- [http://europa.eu.int/eur-lex/pri/de/oj/dat/2000/l_303/l_30320001202de00160022.pdf Antidiskrimierungsrichtlinie 2000/78 EG als pdf-Datei]
- http://www.hilfsorganisationen.de/MENUE/Unterdrueckung/ - [Unterkategorie des Portals]
Kategorie:Arbeitsrecht
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Kategorie:Politik
Kategorie:Rassismus
Kategorie:Soziales Handeln
Kategorie:Macht
ja:差別
Diamant
Diamant (von griechisch diaphainein: „durchscheinen“ und adamantos: „das Unbezwingbare“) ist neben Graphit und den Fullerenen eine der drei Modifikationen des Kohlenstoffs und mit einer Mohshärte von 10 das härteste natürlich vorkommende Mineral. Seine Schleifhärte ist gar 140 mal so groß wie die des Korund. Allerdings ist die Härte des Diamanten auf seinen einzelnen Kristallflächen unterschiedlich, wodurch es erst möglich wird Diamant mit Diamant zu schleifen, da in dem dazu verwendeten Diamant-Pulver jeder Härtegrad vorkommt. Diamant ist bei Raumtemperatur metastabil, die Aktivierungsenergie für den Phasenübergang in die stabile Modifikation (Graphit) ist jedoch so hoch, dass eine Umwandlung in Graphit bei Raumtemperatur praktisch nicht stattfindet. Diamant besitzt ein kubisches Kristallsystem und ist in reinem Zustand transparent, oft aber durch Verunreinigungen in den verschiedensten Farben gefärbt; die Strichfarbe ist weiß.
Die Masse einzelner Diamanten wird traditionell in Karat angegeben, einer Einheit, die 0,200 Gramm entspricht.
Neben dem eigentlichen, kubisch kristallisierenden Diamant gibt es auch eine sehr seltene hexagonale Kohlenstoff-Variante, welche als hexagonaler Diamant oder Lonsdaleit bezeichnet wird.
Ballas (Radialstrahlig) und Carbonado (Polykristallin) bezeichnen dagegen keine Varietäten oder Modifikationen, sondern Diamanten, deren Kristallaufbau durch ungünstige Wachstumsbedingungen fehlerhaft oder stark verformt ist.
Aufbau und chemisches Verhalten
Exakt betrachtet ist Diamant kein reiner Kohlenstoff. Wenn auch der innere Aufbau theoretisch aus reinem Kohlenstoff besteht, so sind die freien Atombindungen an den Grenzflächen des Kristalls mit (je nachdem, was gerade "greifbar" war) Sauerstoff oder Wasserstoff gesättigt.
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Im Diamant sind die Kohlenstoffatome tetraedrisch gebunden, das bedeutet, jedes Atom hat vier symmetrisch ausgerichtete Bindungen zu seinen nächsten Nachbarn. Die große Härte resultiert aus der sehr hohen Bindungsenergie der vollständig in sp3-Hybridisierung vorliegenden chemischen Bindungen.
Diamant verglüht in reinem Sauerstoff bei ca. 720 °C, in Luft bei über 800 °C zu Kohlendioxid.
Mit Wasserstoff reagiert Diamant bei hohen Temperaturen zu Kohlenwasserstoffen.
Diamant ist löslich in Metallschmelzen kohlenstofflöslicher Metalle und deren Legierungen, wie Eisen, Nickel, Kobalt, Chrom, Titan, Platin, Palladium und ähnlichen.
Aufgrund der sehr kleinen reaktiven Oberfläche ist die Umsetzungsgeschwindigkeit auch entsprechend klein.
Durch das Bestrahlen mit Neutronen bestimmter Energie lässt sich Diamant "härten". Diese Härtesteigerung des Diamanten beruht auf durch die Neutronenstrahlung bewirkten Gitterversetzungen.
Diamant lässt sich aber durch Neutronenbestrahlung "aktivieren", wodurch radioaktiver Kohlenstoff 14C entsteht. Hierin liegen auch die Grenzen des Verfahrens.
Entstehung und Vorkommen
Kohlendioxid
Diamanten bilden sich im Erdmantel bei hohen Drücken und Temperaturen, typischerweise in einer Tiefe von etwa 150 Kilometern und Temperaturen von 1200 bis 1400 °C. Die Muttergesteine der Diamanten sind Erdmantelgesteine wie Peridotit und Eklogit. Gasreiche vulkanische Gesteine, so genannte Kimberlite oder Lamproite transportieren Bruchstücke des Erdmantels mit den enthaltenen Diamanten bei ihrer Eruption an die Erdoberfläche, wo man sie in den Pipes, vulkanischen Eruptivschloten, abbaut. Die Transportgeschwindigkeiten aus der Tiefe werden auf wenige Stunden geschätzt, so dass aufgrund der Schnelligkeit keine Phasenumwandlung zu Graphit stattfindet. Diamanten sind Fremd- oder Xenokristalle in Kimberlit und Lamproit und in diesen Magmen chemisch nicht stabil. So kann man an natürlichen Diamanten immer Auflösungserscheinungen beobachten. Von ihren Vorkommen in Pipes können die Diamantkristalle durch natürliche Verwitterungsprozesse, bei denen sie aufgrund ihrer Härte intakt bleiben, abtransportiert werden und reichern sich dann in Sedimentgesteinen an, die heute eine der Hauptquellen des Minerals darstellen. Solche Vorkommen nennt man alluvial.
Gewonnen werden sie auch in den Pipes der erloschenen Kimberlitvulkane, die senkrecht nach unten, zuerst im Tagebau, dann unter Tage, abgebaut werden. Das Muttergestein wird dabei zermahlen, um die Diamanten zu gewinnen. In Namibia im Südwesten Afrikas kommen Diamanten auch in der Wüste und im Küstenbereich des Meeres unter Wasser vor. Für den Abbau zu Wasser werden spezielle Schiffe eingesetzt, die die Diamanten aus dem Sand waschen.
Wüste
Die größten Diamantenvorkommen befinden sich in Afrika, insbesondere in Südafrika, Namibia, Botswana, der Demokratischen Republik Kongo und Sierra Leone, in Australien, in Russland und in Kanada. Es wurden aber auf allen Kontinenten Diamanten gefunden. In Europa gibt es bei Archangelsk ein Vorkommen. Die Weltproduktion an Naturdiamant liegt heute bei etwa zwanzig Tonnen pro Jahr und deckt bei weitem nicht mehr den Bedarf der Industrie. Etwa 80 Prozent des Bedarfs können die Naturdiamanten nicht decken. Daher decken in steigendem Maße synthetisch erzeugte Diamanten, deren Eigenschaften wie Zähigkeit, Kristallhabitus, Leitfähigkeit und Reinheit genau bestimmt werden können, diese Lücke.
Mikrodiamanten entstehen vor allem bei Meteoriteneinschlägen: Bei den dabei auftretenden hohen Temperaturen und Drücken wird irdischer Kohlenstoff so stark komprimiert, dass sich kleine Diamantkristalle und auch Lonsdaleiten bilden, die sich aus der Explosionswolke ablagern und noch heute in der Umgebung von Meteoritenkratern wie dem Barringer-Krater nachgewiesen werden können.
Mikrodiamanten kommen auch in Fundstücken von Eisenmeteoriten und ureilitischen Achondriten vor, wo sie vermutlich durch Schockereignisse aus Graphit gebildet wurden. Winzige Diamanten, wegen ihrer typischen Größe von nur einigen Nanometern oft Nanodiamanten genannt, kommen zudem in Form von präsolaren Mineralen in primitiven Meteoriten vor. Irdische Mikrodiamanten wurden zum Beispiel im Erzgebirge, in Griechenland und in Kasachstan gefunden. Die Vorkommen sind an Abschnitte der Erdkruste gebunden, die während einer Gebirgsbildung und Metamorphose unter große Drücke und Temperaturen gebracht wurden.
Das Alter der Diamanten kann anhand ihrer Einschlüsse bestimmt werden. Diese Einschlüsse wachsen gleichzeitig mit dem Diamant, der sie umschließt und bestehen oft aus Silikatmineralen der Umgebung. Das Alter der Silikatminerale kann mit der Geochronologie anhand ihrer isotopischen Zusammensetzung bestimmt werden; dazu werden hauptsächlich die Zerfallssystematik von 147Sm zu 143Nd und 187Re zu 187Os verwendet. Anhand der inzwischen großen Datenbank an Isotopendaten lässt sich feststellen, dass die Diamantbildung immer wieder zu verschiedenen Zeiten über alle Erdzeitalter hinweg stattfand und es nicht nur sehr alte Diamanten gibt, die älter als drei Milliarden Jahre sind, sondern auch jüngere, die allerdings immer noch ein Alter von mehreren hundert Millionen Jahren erreichen.
Aus dem Verhältnis der stabilen Isotope 13C und 12C lassen sich Rückschlüsse auf den Ursprung des Kohlenstoffs ziehen. Radioaktives 14C ist bereits nach weniger als 500.000 Jahren vollständig zerfallen und deshalb in Naturdiamanten genauso wie in Naturgraphit nicht mehr vorhanden.
Synthetischer Diamant
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Seit 1955 ist es mit Hilfe des so genannten Hochdruck-Hochtemperatur-Verfahrens (HPHT - englisch: high-pressure high-temperature) möglich, künstliche Diamanten herzustellen. Bei diesem Verfahren wird Graphit in einer hydraulischen Presse bei Drücken von bis zu 6 Gigapascal und Temperaturen von über 1500 °C zusammengepresst. Unter diesen Bedingungen ist Diamant die thermodynamisch stabilere Form von Kohlenstoff, so dass sich der Graphit zu Diamant umwandelt. Dieser Umwandlungsprozess kann unter Beigabe eines Katalysators beschleunigt werden. Analog zum Diamant lässt sich aus der hexagonalen Modifikation des Bornitrids ebenfalls unter Verwendung der Hochdruck-Hochtemperatur-Synthese kubisches Bornitrid (CBN) herstellen. CBN erreicht nicht ganz die Härte von Diamant, ist aber zum Beispiel bei hohen Temperaturen gegen Sauerstoff beständig.
Parallel dazu wurde die Schockwellendiamantsynthese unter Zuhilfenahme höchster Drücke, wie sie bei Explosionen auftreten, entwickelt.
Dieser kommerziell erfolgreiche Weg liefert Diamantpulver in verschiedenen Feinheiten.
Eine Alternativmöglichkeit zur Herstellung von künstlichem Diamant ist die Beschichtung von Substraten mit Hilfe der chemischen Gasphasenabscheidung (CVD - engl.: chemical vapour deposition). Dabei wird in einer Vakuumkammer eine einige Mikrometer dicke Diamantschicht auf den Substraten, zum Beispiel Hartmetallwerkzeugen, abgeschieden. Ausgangsstoff dabei ist ein Gasgemisch aus Methan und Wasserstoff, wobei ersteres als Kohlenstoffquelle dient.
Gemäß der Ostwaldschen Stufenregel sollte sich hauptsächlich metastabiler Diamant abscheiden; nach der Ostwald-Volmer-Regel bildet sich wegen seiner geringeren Dichte vorwiegend Graphit. Mit atomarem Wasserstoff gelingt es, Graphit selektiv zu zersetzen und die Bildung von Diamant zu begünstigen. Atomarer Wasserstoff (H) entsteht in einem thermisch oder elektrisch aufgeheizten Plasma aus molekularem Wasserstoff-Gas (H2).
Die Substrattemperatur muss unterhalb von 1000 °C liegen, um die Umwandlung in das stabile Graphit zu unterbinden. Es lassen sich dann Wachstumsraten von mehreren Mikrometern pro Stunde erreichen.
Als weitere Entwicklung können mit Hilfe der Technik der Plasmabeschichtung nur wenige Mikrometer dünne Schichten aus so genanntem diamantartigen Kohlenstoff (DLC: diamond-like carbon) hergestellt werden. Diese Schichten vereinigen gleichzeitig die extreme Härte von Diamant und die sehr guten Gleitreibungseigenschaften von Graphit. In ihnen liegt, je nach Beschichtungsparametern, eine Mischung von sp2- und sp3-hybridisierten Kohlenstoffatomen vor.
Neuerdings ist es Nanotechnikern des Rensselaer Polytechnic Institute in Troy gelungen, magnetische Diamanten herzustellen. Sie sind nur winzige 5 Nanometer klein und besitzen ein eigenes Magnetfeld. Der Effekt beruht auf einem Defekt im Kristallgitter. Dabei wird das Magnetfeld einzelner Elektronen freigesetzt und gebündelt. Anwendungen des gesundheitsverträglichen Kohlenstoffs werden vor allem in der Medizin prognostiziert.
Verwendung
Die prestigeträchtigste Anwendung finden Diamanten als hochwertige Schmucksteine. Eine höhere wirtschaftliche Bedeutung haben sie aber heute durch ihre industrielle Verwendung in der Produktion von Bohr-, Schneid-, Schleif-, Polierwerkzeugen, wobei man sich ihre große Härte, Versc | | |