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Aphrodite
Aphrodite (Αφρoδιτη) ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde. Ursprünglich zuständig für das Wachsen und Entstehen, wurde sie erst später zur Liebesgöttin, die sich in allen polytheistischen Religionen findet: In der römischen Mythologie entspricht ihr ungefähr Venus, in der ägyptischen ungefähr Hathor und in der germanischen Mythologie (sehr) ungefähr Freya.
Geburt
Freya
Nach Hesiod ist sie die Tochter des Uranos. Dessen Sohn Kronos schnitt ihm die Geschlechtsteile ab und warf diese ins Meer. Der Samen vermischte sich mit dem Meer, schäumte auf und daraus entstand Aphrodite, die dann in Zypern an Land ging. Dieser Mythos, dem sie auch den Beinamen "die Schaumgeborene" verdankt, wurde aus dem Wortstamm αφρος (aphros) (Schaum) konstruiert. Man geht heute aber davon aus, dass diese Verbindung etymologisch unhaltbar und der Name Aphrodite möglicherweise gar nicht griechischen, sondern orientalischen Ursprungs ist.
Allerdings gibt es auch andere Mythen über die Abstammung der Göttin: Nach Homer ist sie eine Tochter des Zeus und der Dione, andere berichten wieder, sie sei in einer Muschel geboren, wie sie auch Botticelli darstellt. Eine weitere Quelle nennt sie gemeinsam mit den Erinyen und den Moiren als Tochter des Kronos.
Männer
Verheiratet war Aphrodite mit Hephaistos, dem Gott der Schmiede und des Feuers, den sie allerdings ständig mit Sterblichen und Unsterblichen betrog. Notorisch war ihre lange Beziehung zum Kriegsgott Ares, aus der Eros, Harmonia, Phobos, Deimos und Anteros entstanden. Einmal aber wurden die beiden Liebenden - laut Homer - von Hephaistos in flagranti in einem Netz gefangen. Als er sie so den anderen Göttern präsentierte, erhoben diese das sprichwörtliche "homerische Gelächter".
Aus ihrer Liebschaft mit dem Trojaner Anchises ging Aineas hervor, Held im Trojanischen Krieg, der dann zu den Stammvätern der Römer gehören sollte. Außerdem zeugte sie mit Dionysos den Priapos und mit Hermes den Hermaphroditos. Ferner liebte sie den schönen Adonis, der jedoch vom eifersüchtigen Ares in Gestalt eines Keilers bei der Jagd getötet wurde.
Mythen, Beinamen, Attribute
Adonis
Adonis
Der Sage nach soll Aphrodite den Trojanische Krieg ausgelöst haben, indem sie dem Trojaner Paris dazu brachte, die schöne Helena zu rauben. Als der Krieg ausgebrochen war unterstützte sie, gemeinsam mit Ares, Troja nach Kräften.
Die Göttin wird oft in Verbindung zu Tauben und Sperlingen gebracht, aber auch die Schildkröte kann ihr Symbol sein. Besonders ist sie die Göttin der Blumen, Bäume und Früchte, besonders Myrte, Rose, Anemone, Zypresse, Linde und Apfel. Ihren unwiderstehlichen Liebreiz verdankte sie ihrem magischen Gürtel ("Gürtel der Aphrodite"), den sie auf Bitten sogar gelegentlich auslieh, z.B. an Hera.
Mehrgestaltigkeit
Ursprünglich war Aphrodite wohl eine Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin. Wie sich alle Vegetation auf drei Bereiche erstreckt, so unterschied man auch eine dreifache Aphrodite:
# Aphrodite Urania (Venus caelestis), die himmlische. Als Urania wurde sie zur Tochter des Zeus als des lichten Himmels und der Dione, der weiblichen Ergänzung desselben, gemacht und gern auf den lichten Höhen (akroi) der Berge verehrt, daher auch "Akraia" genannt. Als solcher dient ihr der Polos (oder Modius), ein runder, hoher, scheffelartiger Aufsatz, das Abbild des Himmelsgewölbes, und in gleicher Anschauung die Schildkröte als Symbol.
# Pontia oder Thalassia (Venus marina), die Göttin des Meers (póntos bzw. thálassa). Als Pontia stand sie ursprünglich nur der Fruchtbarkeit der Tierwelt des Meers vor, wurde aber allmählich zur Meergöttin überhaupt, besonders zur Göttin der Meeresstille und glücklichen Meerfahrt (Euploia) sowie der Häfen. So wurde Thalassa (= "die See") ihre Mutter genannt und sie selbst oft mit Poseidon zusammen verehrt.
# Aphrodita Pandemos, die bei allem Volk waltende. Als Göttin der Erde hat sie den aus einem Baum gebornen Adonis, das Sinnbild der erblühenden und ersterbenden Natur, zum Geliebten. Sie verbirgt ihn (den Samen) in einem Kasten und gibt ihn der in der Unterwelt, dem Schoß der Erde, thronenden Persephone; diese will ihn für immer behalten, erst auf den Schiedsspruch des Zeus gibt sie ihn für zwei Drittel des Jahrs der Aphrodite zurück. Besonders ist sie die Göttin der Blumen, Bäume und Früchte, unter denen ihr Myrte, Rose, Anemone, Zypresse, Linde und Apfel, wie unter den Tieren der Bock, der Hase, die Taube, der Sperling, die Schwalbe, der Jynx (Wendehals), der Schwan, heilig sind. Aber auch der menschlichen Zeugung steht sie vor, ja sie wurde auch die Göttin der Hetären und Lustknaben, ähnlich wie im Mittelalter die büßende Magdalena die Schutzheilige der Dirnen war.
Ein weiterer Beiname ist
- Aphrodite Kythereia, der sich von der ihr geweihten Insel Kythera ableitet
Heiligtümer
Eines der Hauptzentren der Verehrung der Aphrodite war die Stadt Paphos auf Zypern, daher der weitere Beiname der Göttin "die Paphische" (Paphia). Kupfer (griechisch kypros) ist das ihr heilige Metall. Später wurde der Aphroditetempel von Paphos in ein Heiligtum der Jungfrau Maria umgewandelt, wo die Muttergottes bis heute als Panhagia Aphroditessa verehrt wird.
Ein anderes Heiligtum der Aphrodite gab es in Kleinasien in der Stadt Aphrodisias.
Siehe auch
- Astarte, Aschera, Venus, Mari, Androphonos, Ishtar, Hathor
- Hera (zur ehelichen Liebe)
- Portal:Mythologie
- Stammbaum der griechischen Götter und Helden
- Aphrodisiakum (= Liebesmittel)
"kypros" heisst nicht "Kupfer" sondern ist die alte oder andere Bezeichnung für die "Henna"-Pflanze, die auf Zypern wächst. Die griechische Bezeichnung für "Kupfer" ist "chalkos". Hansgeorg Hermann, Paris
Weblinks
Kategorie:Griechische Gottheit
ja:アプロディテ
ko:아프로디테
simple:Aphrodite
Liebe der aufopfernden Liebe.]]
Liebe (von mhd. liebe „Gutes, Angenehmes, Wertes“) ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden fähig ist. Im weiteren Sinne bezeichnet Liebe eine ethische Grundhaltung („Nächstenliebe“). Im ersteren Sinne ist Liebe ein Gefühl oder mehr noch eine innere Haltung positiver, inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person, die den reinen Zweck oder Nutzwert einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt. Hierbei wird nicht unterschieden, ob es sich um eine tiefe Zuneigung innerhalb eines Familienverbundes („Elternliebe“) handelt, um eine enge Geistesverwandtschaft („Freundesliebe“) oder ein körperliches Begehren („geschlechtliche Liebe“). Auch wenn letzteres eng mit Sexualität verbunden ist, bedingt sich auch in letzterem Falle beides nicht zwingend (z.B. sog. „platonische Liebe“).
Ausgehend von dieser intensiven, von positiven Gefühlen begleiteten Zuwendung zum anderen Menschen wurde der Begriff in der Umgangssprache und in der Tradition schon immer auch im übertragenen Sinne verwendet und steht dann allgemein für die stärkste Form der Hinwendung zu anderen Lebewesen, Dingen oder Tätigkeiten. Diese allgemeine Interpretation versteht Liebe also zugleich als Metapher für den Ausdruck tiefer Wertschätzung.
Kulturell und historisch ist „Liebe“ ein schillernder Begriff, der nicht nur in der deutschen Sprache in vielfältigen Kontexten und in den unterschiedlichsten Bedeutungsschattierungen verwendet wird. Das Phänomen wurde in den verschiedenen Epochen, Kulturen und Gesellschaften unterschiedlich aufgefasst und erlebt. Jede Zeit und jeder soziale Verband setzt je eigene Verhaltensregeln für den Umgang mit der Liebe. Daher können die Bedeutungsebenen sinnlichen Empfindung, dem Gefühl und der ethischen Grundhaltung „Liebe“ changieren.
Ebenso vielschichtig wie die Bedeutungen der Liebe sind die Bedeutungen der Antonyme. Im Hinblick auf die emotionale Anziehung zwischen Personen ist es der Hass. Im Sinne der Abwesenheit von Liebe kann aber auch die Gleichgültigkeit als Antagonismus angesehen werden. Im christlichen Verständnis gilt auch die Angst - als der Mangel oder die Abwesenheit von Liebe und Geborgenheit - als Gegensatz der Liebe. Fehlentwicklungen der Liebesfähigkeit sind im Sinne des „reinen“ Liebesbegriffes das Besitzdenken (Eifersucht) oder verschiedene Formen der freiwilligen Abhängigkeit bzw. Aufgabe der Autonomie bis hin zur Hörigkeit.
Liebe als intersubjektive Anerkennung
Liebe wird häufig als eine auf Freiheit gegründete Beziehung zwischen zwei Personen gesehen, die ihren Wert nicht im Besitz des geliebten Objekts finden, sondern im dialogischen Raum zwischen den Liebenden entfaltet. Die Liebenden erkennen einander in ihrer Existenz wechselseitig an und fördern sich "zueinander strebend" gegenseitig.
Sie wird teilweise als quasi anarchisches, asoziales und entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt aufgefasst.
Als das Verliebtseins ist die Liebe kein bewusster oder rationaler Entschluss der Liebenden, deswegen muss sie jedoch nicht als irrational betrachtet werden.
Im Sinne des Diskurses der Anerkennung (z.B. John Rawls, Axel Honneth) enthält Liebe nämlich die von Hegel betonte „Idee der wechselseitigen Anerkennung“, was ihr ein moralisches Fundament verleiht. Liebe ist daher für Honneth neben dem Recht und der Solidarität eines der drei „Muster intersubjektiver Anerkennung“. Die moralische Grundierung unterscheidet Liebe daher auch vom reinen Trieb. Auch bei Immanuel Kant findet sich diese Unterscheidung:
:„Die Geschlechtsneigung wird auch Liebe (in der engsten Bedeutung des Worts) genannt und ist in der Tat die größte Sinnenlust, die an einem Gegenstande möglich ist; - nicht bloß sinnliche Lust, wie an Gegenständen, die in der bloßen Reflexion über sie gefallen (da die Empfänglichkeit für sie Geschmack heißt), sondern die Lust aus dem Genusse einer anderen Person, die also zum Begehrungsvermögen und zwar der höchsten Stufe desselben, der Leidenschaft, gehört. Sie kann aber weder zur Liebe des Wohlgefallens, noch der des Wohlwollens gezählt werden (denn beide halten eher vom fleischlichen Genuss ab), sondern ist eine Lust von besonderer Art (sui generis) und das Brünstigsein hat mit der moralischen Liebe eigentlich nichts gemein, wiewohl sie mit der letzteren, wenn die praktische Vernunft mit ihren einschränkenden Bedingungen hinzukommt, in enge Verbindung treten kann.“ (Die Metaphysik der Sitten, S. 559).
Klassifizierungen
Die abendländische Auffassung von Liebe wird von der Dreiteilung Platons geprägt, die in der antiken Philosophie später ausgebaut wurde. Sie basiert auf den folgenden Konzepten:
- Eros bezeichnet die sinnlich-erotische Liebe, das Begehren des geliebten Objekts, der Wunsch nach Geliebt-Werden, die Leidenschaft
- Philia - bezeichnet die Freundesliebe, Liebe auf Gegenseitigkeit, die gegenseitige Anerkennung und das gegenseitige Verstehen
- Agape - bezeichnet die selbstlose und fördernde Liebe, auch die Nächsten- und „Feindesliebe“, die das Wohl des Anderen im Blick hat
Die genauen Bedeutungen und Schwerpunkte der Begriffe haben sich im Laufe der Zeit verändert, so dass - im Gegensatz zum ursprünglich Gemeinten - unter „Platonischer Liebe“ heute ein rein seelisch-geistiges Prinzip ohne körperliche Beteiligung und Besitzwunsch verstanden wird, dem das leiblich-erotisches Modell von geschlechtlicher Liebe schroff gegenübergestellt wird.
Im Laufe der Zeiten wurden diese Grundformen der Liebe immer wieder differenziert. So bezeichnet man manchmal die Interessenliebe als „stoika“, die spielerisch-sexuelle Liebe als „ludus“, die besitzergreifende Liebe als „mania“ und die auf Vernunftgründen basierende Liebe als „pragma“. Ein besonderes Liebesverhältnis stellt in theistischen Religionen auch jenes zwischen der erbarmenden Liebe Gottes zu den Menschen und der verehrenden Liebe der Menschen zu Gott dar.
In Anlehnung an diese Dreiteilung kann man die Ausprägungen des Phänomens der Liebe in Empfindung, Gefühl und Haltung unterscheiden:
Liebesempfindung
theistischen
Unter Liebesempfindungen versteht man die primär sinnlichen Liebesgefühle, insbesondere die Verliebtheit und die sexuelle Anziehung. Sie stehen in der Regel in Verbindung mit den beiden anderen Formen der Liebe, können aber auch durch die Wahrnehmung eines fremden Körpers, d.h. durch visuelle, olfaktorische oder taktile Reize, ausgelöst werden oder ganz einfach durch den empfundenen Mangel an einem geliebten Gegenüber. Die Liebesempfindung steht in enger Verbindung mit der Sexualität, d.h. sexuellen Wünschen, Bedürfnissen und Handlungen (z.B. den Geschlechtsverkehr, auch bezeichnet als „Liebe machen“).
Liebesgefühle
Unter Liebesgefühlen allgemein versteht man ein komplexes, vielfältigen Spektrum unterschiedlicher Empfindungen und Haltungen gegenüber verschiedenen Arten von möglichen Liebesobjekten, in denen die sinnlich-erotische Komponente nur sekundär von Bedeutung ist. Sie führen zu einer Hinwendung und Zuwendung zum Anderen, dem Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit geschenkt werden.
Sympathie, Freundschaft, Sorge und emotionale Liebe sind Erscheinungen, in denen Liebesgefühle eine große Rolle spielen. Ebenso können die kontemplative Liebe (z.B. zur Natur), die aktive sorgende Liebe um den Nächsten (caritas), die religiöse bzw. mystische Liebe und das Mitleid hierzu gerechnet werden.
Liebe als Grundhaltung
Liebe als ethische „Geistes-“ oder Grundhaltung, als Tugend, ist das Paradebeispiel für rational begründeten Moralität. Es ist eine auf notwendiger Selbstliebe gegründete Fremdliebe, die eine Interessenbalance zwischen Egoismus und Altruismus herstellt. Nächstenliebe wird dabei üblicherweise nicht als altruistische Selbstaufgabe aufgefasst.
In den meisten Religionen ist die Liebe der zentrale Begriff, das wichtigste Gebot im Christentum lautet „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Markus 12,31; Matthäus 22,39; Römerbrief 13,8–10). Analoges gilt für das Judentum und den Islam. Im Buddhismus steht das liebende Mitleid zum Mitgeschöpf im Mittelpunkt.
Art des Liebesobjekts
- Selbstliebe: Selbstliebe gilt allgemein als die Voraussetzung zur Fähigkeit zum Lieben und zur Nächstenliebe, wobei nach Auffassung von Erich Fromm Selbstsucht Selbsthass bedeute. Selbstsucht äußere sich in der Liebe durch besitzgieriges Interesse. Fromm behauptet, dass zu starke Selbstlosigkeit keine Tugend sei, sondern ein Symptom, durch das unbeabsichtigter Schaden entstehen könne. Pathologische Selbstliebe wird als Narzissmus bezeichnet.
- Partnerliebe: Die partnerschaftliche, besonders die geschlechtliche Liebe kann in gegengeschlechtliche (Heterosexualität) und gleichgeschlechtliche Liebe (Homosexualität) unterschieden werden. Eine besondere Rolle nimmt in vielen Gesellschaften die eheliche Liebe ein, die oftmals Exklusivität für sich in Anspruch nimmt (siehe Monogamie). Nicht auf klassischen Zweierbeziehungen beruhende Liebesmodelle (Polygamie) spielen in außereuropäischen Kulturen und in den letzten Jahrzehnten auch im Westen („Polyamorie“) eine größere Rolle.
- Familiäre Liebe: Neben der partnerschaftlichen Liebe sind insbesondere die Liebe zwischen (engen) Verwandten (Vaterliebe, Mutterliebe) und die Freundesliebe in menschlichen Gemeinschaften von größter Bedeutung.
- Nächstenliebe: Die Nächstenliebe gilt im Sinne von Religion und Ethik primär den Bedürftigen, während die Philanthropie sie zur allgemeinen Menschenliebe ausdehnt (vgl. Menschlichkeit). Die Feindesliebe ist eine im Neuen Testament auf Feinde bezogene Nächstenliebe, die oft als christliche Besonderheit gilt, aber in abgeschwächter Form auch in anderen Religionen vorkommt. Noch weiter geht das Konzept der „Fernstenliebe“.
- Objekt- und Ideenliebe: Insbesondere in jüngerer Zeit ins Zentrum gesellschaftlicher Begriffe gerückt sind auch „Tierliebe“ oder die „Liebe zur Natur“. In der weitesten sprachlichen Auslegung „liebt“ man seine Hobbys oder Leidenschaften und kann diese dann auch als Liebhaberei oder Vorlieben bezeichnen. Auch Ideale können demnach geliebt werden, etwa durch den Begriff „Freiheitsliebe“ dargestellt, aber auch Zugehörigkeiten wie Vaterlandsliebe (Patriotismus). Diese Vorlieben können bis hin zu Fanatismus gehen, der Begriff Fan wird aber heutzutage auch für nichtfanatische Formen der Bewunderung, Verehrung bzw. Anhängerschaft verwendet.
- Gottesliebe: Eine besondere Rolle nimmt die Gottesliebe ein, in ihrer allgemeinen Form die Liebe zu einem Gott oder mehreren Göttern bzw. spirituellen Entität.
- "Objektlose Liebe": Liebe als Grundhaltung benötigt für christliche Mystiker wie Meister Eckhart kein Objekt. Liebe wird hier als bedingungsloses öffnen verstanden. Der Philosoph und Metaphysiker Jean Emile Charon bezeichnet diese „universale“ Liebe gar als „Finalität der Evolution“ und „Selbsttranszendenz des Universums“.
Ausdrucksformen
Jean Emile Charon sind verbreitete Alltagssymbole der Liebe]]
Liebe, insbesondere Verliebtheit („Verliebtsein“) kann sich nonverbal, etwa durch Blicke, Mimik, Unruhe oder Körperhaltung ausdrücken. Beruht die Liebe auf Gegenseitigkeit, drückt der Mensch sie durch Zärtlichkeiten, insbesondere Küssen und Berührungen aus. Die körperliche Vereinigung (Sex) kann dabei als intimste Ausdrucksform der Liebe dienen.
Verbale Ausdruckformen sind in erster Linie Bezeichnungen des Geliebten in Form von Komplimenten und Koseworten oder Kosenamen („Liebling“, „Schatz“ usw.).
Besondere, konventionelle Formen sind die „Liebeserklärung“ oder der „Liebesbrief“, die auch in der Literatur eine besondere Würdigung erfahren haben. Auch Rituale wie die Verlobung oder Symbole wie der Freundschaftsring gehören hierzu.
Das Ideal einer „Liebe als Verehrung“ unter Ausschluss einer konkreten körperlichen Beziehung gehört eher in die (Literatur-)Geschichte und fand dort eine besondere Form in der so genannten "hohen minne", ein Begriff, den Walther von der Vogelweide als Gegenbegriff zur "nideren minne", also der körperlich erfüllten Minne, verwendet.
Wissenschaftliches
Biologie und Physiologie
Der Begriff „Liebe“ ist in der Biologie nicht definiert und damit keine wissenschaftliche Kategorie. Allgemein ist es schwierig, emotionale Prozesse mit naturwissenschaftlicher Methodik zu bearbeiten, zumal die zugrundeliegende Biochemie noch kaum bekannt ist. Gesichert sind beim Menschen lediglich folgende Erkenntnisse:
Neueren Untersuchungen des Gehirnstroms und Studien zufolge bewirkt Liebe in Bereichen des menschlichen Gehirns, die auch für Triebe zuständig sind, die höchste Aktivität, was darauf schließen lässt, dass das Gefühl, das gemeinhin als „Liebe“ bezeichnet wird, in seinem biochemischen Korrelat einen starken Zusammenhang mit dem biologischen Trieb aufweist.
Die mitunter sehr lang anhaltenden Wirkungen der Liebe deuten aber auch auf neuroendokrine Prozesse hin, die dem Phänomen zugrunde liegen. Das würde sich auch in das Entstehungsfeld einfügen, das in der Sexualität zu suchen ist und die selbst wiederum maßgeblich der diencephalen neuroendokrinen Steuerung unterliegt. Nicht zuletzt die endogenen Opiate des Hypophysenzwischenlappens spielen dabei ein Rolle.
Verliebt sich ein Mensch, so sorgen verschiedene Botenstoffe für Euphorie (Dopamin), Aufregung (Adrenalin), rauschartige Glücksgefühle und tiefes Wohlbefinden (Endorphin) und erhöhte sexuelle Lust (Testosteron). Auch Sexualduftstoffe (Pheromone) werden vermehrt abgegeben. Hingegen sinkt der Serotoninspiegel stark ab, wodurch der Zustand der Verliebtheit in diesem Punkt eine Ähnlichkeit mit vielen psychischen Krankheiten aufweist. Das trägt dazu bei, dass Verliebte sich zeitweise in einem Zustand der „Unzurechnungsfähigkeit“ befinden können, sich dabei zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen und Hemmschwellen abbauen. Nach einiger Zeit (wenige Monate) gewöhnt sich der Körper an diese Dosen und ganz allmählich (laut WHO maximal nach 24-36 Monaten) beendet das Gehirn diesen sensorischen "Rauschzustand".
Das vertiefte Gefühl der Liebe ist aus evolutionsbiologischer Sicht möglicherweise im Zusammenhang mit der Sexualität entstanden, wobei die Liebe es ermöglichen sollte, die erfolgte Partner-Selektion und damit die Paarbeziehung über längere Zeiträume zu stabilisieren. Es sind zwar bei vielen Tierarten monogame Paarbeziehungen bekannt (z. B. auch bei den Graugänsen von Konrad Lorenz), aber ob diese Tiere dabei Liebe empfinden, ist unbekannt und wohl auch unerforschbar.
Im Rahmen des Konzepts der biologischen Determiniertheit entsteht Liebe zwingend aus bestimmten körperlichen Reaktionen. Viele Menschen empfinden diese naturwissenschaftliche Einengung der Liebe auf körperliche Funktionszusammenhänge als unzureichende Beschreibung eines inneren Phänomens bzw. subjektiven Erlebens.
Psychologie und Psychiatrie
körperliche schießt blind, der Tod grüßt.]]
Die Psychologie beschäftigt sich mit den zahlreichen Spielarten der Liebe und des Liebesentzuges.
Nach Auffassung der Evolutionspsychologen werden Frauen und Männer bei der Partnerwahl von Vorlieben regiert, die sich über Millionen von Jahren von unseren Vorfahren auf uns weitervererbt haben. Diese „Steinzeit-Psyche“ soll Frauen auf starke oder statushohe Beschützer-Typen reagieren lassen; Männer dagegen auf junge, hübsche Frauen. Schönheit gelte bei beiden Geschlechtern offenbar als Indiz für „gesunde Gene“, wie auch Humanethologen bestätigen. In diesem Zusammenhang wurde auch vielfach untersucht, was „Schönheit“ in diesem Zusammenhang bedeutet, welche körperlichen Merkmale für beide Geschlechter als attraktiv gelten („Durchschnittlichkeit“ als Ideal).
Die Psychiatrie befasst sich unter dem medizinischen Aspekt mit dem Phänomen. So wird zum Beispiel die Psychopathologie des „Liebeswahns“ im Zusammenhang mit paranoischen Vorstellungen diagnostiziert (vgl. Wahnsinn).
Soziologie
Allgemeines
Es liegen in der Soziologie mindestens vier substanzielle, thematisch einander eher ergänzende Ansätze zur Liebe vor. Sie betonen mehr oder weniger die „liebalen“ Aspekte Kommunikation (Interaktion) und Semantik. Demnach wird Liebe definiert als Emotion (z. B. Jürgen Gerhards), Kulturmuster (z. B. Niklas Luhmann), Intimsystem (Becker/Reinhard-Becker/Fuchs) und nicht-kognitive Form kommunikativer Praxis (Günter Burkart, Cornelia Koppetsch).
„Liebe“ wird u.a. als ein gesellschaftlich wirkendes Symbol für Interaktionen betrachtet (vgl. Symbolischer Interaktionismus) und auf seine soziale Funktion hin untersucht. Die Soziologie untersucht zahlreiche Einzelformen der Liebe, etwa die „romantische“ Liebe, die „Liebe“ im Bürgertum, die „Mutterliebe“, die „Vaterlandsliebe“, die Bezüge zwischen Liebe, Gewalt und Macht u. a. m. Unter den gegenwärtigen Soziologen behandelt z. B. Bálint Balla Liebe in seiner Soziologie der Knappheit eingehend, Horst Herrmann untersucht die (geschlechtsspezifischen) Zusammenhänge von Liebe und Gewalt sowie die gesellschaftlich wirkenden Modelle heutiger Liebesbeziehungen.
Die „Vaterlandsliebe“ ist oft im Zusammenhang des Studiums der Ideologien erforscht worden.
Auch hat die Soziologie angrenzende soziale Bräuche wie die Koketterie (Georg Simmel) oder den Flirt untersucht.
Systemtheoretischer Ansatz
Die Systemtheorie nahm eine einschneidende Begriffsverengung vor, indem sie Liebe neu als eine „gesellschaftliche Semantik“ bzw. als Code des Miteinander-Umgehens definierte. So formulierte Niklas Luhmann in Liebe als Passion (1982) romantische Liebe als ein Phänomen der Moderne, welches seine Grundlegung vor allem im Bürgertum des 18. Jahrhunderts erfährt.
Liebe fungiert – nach Luhmann – in der heutigen funktional ausdifferenzierten Gesellschaft in erster Linie als „symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium“, das unwahrscheinliche Kommunikation wahrscheinlich machen soll. Die Gesellschaft differenziert sich immer stärker in einzelne Teilbereiche. Jedes einzelne Individuum ist nicht mehr nur in einem Bereich, z.B. der Familie verwurzelt, sondern in vielen Teilbereichen, etwa Freizeit oder Beruf. Auch ist es immer auch nur zu einem Teil verortet und bewegt sich ständig zwischen verschiedenen Bereichen hin und her. Auf Grund dieser kommunikativen „Polykontexturalität“ erschwere sich die identitätsbildende Interaktion.
Familie der fürsorgenden Liebe kann u.a. die mütterlich-familiäre Liebe meinen]]
Dem Einzelnen fällt es vor diesem Hintergrund zunehmend schwerer, sich selbst zu bestimmen. Hinzu kommt, dass diese Individualität und Identität im kommunikativen Austausch mit anderen bestätigt werden muss. Diese „höchstpersönliche“ Kommunikation nimmt in einer derart ausdifferenzierten Gesellschaft aber ständig ab, denn zum einen wird durch die Vielzahl an Rollen in den beschriebenen Teilbereichen (z. B. als Tochter, Sekretärin, Freizeitsegler, etc.) dort auch nur unpersönliche Kommunikation erfahren, und zum anderen begreift sich der Mensch als Individuum, also etwas Besonderes, Einzigartiges, anders als die Anderen. Angesichts dieser Entwicklung ist es nicht nur schwierig, miteinander in Kontakt zu treten, es wird auch schwierig, einander überhaupt noch zu verstehen bzw. die Motivation zu finden, sich auf einen doch so Besonderen, Anderen einzulassen. Genau dieses Problem zu bewältigen ist – in dieser Theorie – Aufgabe der Liebe. Fuchs definiert Liebe daher als "wechselseitige Komplettannahme im Modus der Höchstrelevanz". Liebe als Kommunikationsmedium motiviert dazu, sich dem Anderen unter Ausblendung von Idiosynkrasien in seiner "Ganzheit" zu nähern und nicht unter der verengenden Perspektive des jeweiligen Sozialsystems (z.B. als Freizeitsegler). Durch diese Komplettannahme entsteht eine wechselseitige Bestätigung des „Selbst-Seins“ und des jeweiligen „Weltbezugs“ .
Liebe, bzw. genauer das Intimsystem, das im Medium Liebe operiert, ist eine Vorform des Sozialsystems „Familie“, dem grundlegende gesellschaftliche Funktionen zukommen (nämlich Reproduktion und Sozialisation). Des Mediums Liebe bedarf es, da unwahrscheinliche Ereignisse (zwei Menschen begegnen sich unter Millionen anderen und begründen und stabilisieren ein Zusammenleben) erwartbar gemacht werden müssen. Liebe ist also wie Geld oder Macht ein sogenanntes Steuerungsmedium, das die Chance auf das Eintreffen unwahrscheinlicher Sinnzumutungen steigert. Überraschend ist dabei jedoch, dass Intimsysteme auf dem paradoxen, komplexen und sehr täuschungsempfindlichen Medium Liebe basieren.
Sonstige Aspekte
Wesentlich ist im sozialen Kontext die Unterscheidung zwischen der einseitigen und der gegenseitigen Liebe. Erstere hat ihren Spezialfall in der im Volksmund so genannten unglücklichen Liebe (vgl. Liebeskummer).
Viele Bezeichnungen für Fachgebiete sind, ebenso wie eine Reihe anderer Begriffe, auf dem Präfix phil- aufgebaut. Hierzu zählen insbesondere die „Philosophie“ (ursprünglich: „Liebe zur Weisheit“) und die „Philologie“ (ursprünglich: „Liebe zu Sprachen“). Die „Philatelie“ sei stellvertretend für andere Sammelleidenschaften genannt, der Name „Philipp“ („Philhippos“, verschiedene Schreibweisen) bedeutet „Pferdeliebhaber“.
Sammelleidenschaften
Polytheistische Religionen kennen zumeist Göttinnen, denen die Liebe zugeordnet wird und die sie befördern (vgl. Aphrodite, Hera). In monotheistischen Religionen ist die Allliebe Gottes eine seiner Eigenschaften; da er aber auch Zorn oder Eifersucht zu seinen Eigenschaften zählt, hat die Theologie hier ein komplexes Arbeitsfeld. Selbst in der negativen Theologie, wie auch in der Mystik wird als einzige Aussage über das Unsagbare in der Regel dennoch die Feststellung Gott ist die Liebe anerkannt; vgl. dazu auch die Natürliche Theologie.
Siehe auch
- Empathie, Liebesbeziehung, Theologische Tugend, Metta, Bergpredigt, Das egoistische Gen, Stockholm-Syndrom
Literatur
Allgemeines
- Erich Fromm: Die Kunst des Liebens. 59. Aufl. Ullstein, München 2001, ISBN 3-612-26745-0
- José Ortega y Gasset: Über die Liebe. Meditationen. Dtv, München 1993 u.ö., ISBN 3-423-19025-6
- Josef Pieper: Über die Liebe. 7. Aufl. Kösel, München 1992, ISBN 3-466-40131-3
- Max Scheler: Wesen und Formen der Sympathie. Bouvier, Bonn 1999, ISBN 3-416-02910-0
- Marsilio Ficino: Über die Liebe oder Platons Gastmahl. 3. Aufl. Meiner, Hamburg 1994 u.ö., ISBN 3-7873-1189-0
- Stendhal: Über die Liebe. 6. Aufl. Insel, Frankfurt am Main 1989 u.ö., ISBN 3-458-31824-0
Philosophie
- Axel Honneth, Liebe und Moral. Zum moralischen Gehalt affektiver Bindungen, in: Honneth, Das Andere der Gerechtigkeit. Aufsätze zur praktischen Philosophie, Frankfurt am Main 2000, S. 216ff., ISBN 3-518-29091-6
Psychologie
- Peter Lauster: Die Liebe. Psychologie eines Phänomens. 35. Aufl. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-17677-7
- Robert A. Johnson: Traumvorstellung der Liebe. Der Irrtum des Abendlandes. 3. Aufl. Walter, Olten u.a. 1988, ISBN 3-530-40391-1
Soziologie
- Niklas Luhmann: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. 7. Aufl. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-28724-9
- Karl Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung. Eine Einführung. 2. Aufl. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-531-33348-8
- Peter Fuchs: Liebe, Sex und solche Sachen. Zur Konstruktion moderner Intimsysteme. UVK, Konstanz 1999, ISBN 3-87940-663-4
- Christian Schuldt: Der Code des Herzens. Liebe und Sex in den Zeiten maximaler Möglichkeiten. Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-5592-4
- Werner Faulstich (Hrsg.): Liebe 2000. Konzepte von Liebe in der populären Kultur heute. Wissenschaftler-Verlag, Bardowick 2002, ISBN 3-89153-034-X
- Anthony Giddens: The transformation of intimacy. Sexuality, love and eroticism in modern societies. Nachdruck. Polity Press, Cambridge 2001, ISBN 0-7456-1012-9 , ISBN 0-7456-1239-3
Weblinks
- [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GL05411 „Liebe“ im Deutschen Wörterbuch von Grimm]
- [http://www.merian.fr.bw.schule.de/mueller/SchuelerII/Facharbt/Liebe/liebe2.htm Schülerarbeit über einige Aspekte von „Liebe“]
- [http://www.kulturkritik.net/begriffe/l.html#liebe „Liebe“ im Kulturkritischen Lexikon von Wolfram Pfreundschuh]
- [http://www.neoexpressionismus.de/liebe-projekt/index.html Wissenschaftliche und praktische Forschung zu „Liebe“]
- [http://www.sgipt.org/gipt/sozpsy/bez/m_liebe0.htm Materialien zu Partnerschaftsproblemen, Definitionen, Theorien u.a. zu Entstehung von „Liebe“]
- [http://www.streifzuege.org/str_02-3_behrens_liebe.html#a17 Roger Behrens, Eine kleine Bemerkung zur Liebe, Streifzüge 3/2002]
Kategorie:Emotion
Kategorie:Tugend
Kategorie:Religion
Kategorie:Psychoanalyse
ja:愛
Schönheit
Schönheit ist ein abstrakter Begriff, der stark mit allen Aspekten menschlichen Daseins verbunden ist. Mit der Bedeutung dieses Begriffes beschäftigt sich hauptsächlich die philosophische Disziplin der Ästhetik. Wie jede Wertung, ist dieser emotional positiv belegte Begriff von Wertvorstellungen (Bewertungsmaßstäben) und Bewertungszielen abhängig, die auch durch gesellschaftliche Konventionen geprägt werden. Welche Wertmaßstäbe dem Begriff "Schönheit" zu Grunde liegen, und wie diese zu stande kommen, ist auch Untersuchungsgegenstand von Natur- und Geisteswissenschaften.
Allgemein
Psychologie und Soziologie
Psychologie und Soziologie betrachten die Bewertung "schön" in Abhängigkeit von gesellschaftlich und psychogenetisch geprägten Wertvorstellungen. Diese fundamentale Bewertung wird sowohl auf Empfindungen des Einzelnen angewendet, wie auch auf die gesamte menschliche und nicht-menschliche Umwelt eines Menschen. Die Bewertung hat daher Rückkopplungen auf die Psyche, auf alle Bereiche der menschlichen Gesellschaft und auf die außermenschliche Umwelt - mithin auf die Bildung und Änderung von Konventionen (siehe auch: Wertewandel).
Philosophie
In der Philosophie beschäftigt sich die Ästhetik mit der Frage, was Schönheit sei. Als Erfinder des Namens dieser philosophischen Disziplin gilt Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762), dessen Aesthetica (1750/58) ein ganz neues Feld philosophischer Arbeit eröffneten. Dennoch gibt es natürlich auch in der älteren Philosophiegeschichte Überlegungen zur Schönheit. In der Philosophie des Mittelalters gilt Schönheit etwa als "Glanz der Wahrheit", eine Eigenschaft von Gedanken, die von deren Übereinstimmung mit der Wirklichkeit abhängt. In der Neuzeit wird Schönheit nicht mehr als Eigenschaft von Gegenständen definiert, sondern als Urteil des Verstandes.
Baumgarten
Für Baumgarten ist Schönheit die Vollkommenheit der sinnlichen Erkenntnis. Ähnlich wie seine philosophischen Ahnen Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff teilte er die Erkenntnisvermögen des menschlichen Verstandes in obere und untere Vermögen ein, in logische und sinnliche Erkenntnis. Während die logischen Vermögen als einziges Mittel galten, zu sicherem Wissen zu gelangen, betrachtete man die sinnliche Erkenntnis mit Misstrauen: Einerseits war sie fehlerbehaftet, andererseits bot sie nicht genug Klarheit und Deutlichkeit. Baumgarten nun argumentierte, dass man zur klaren und deutlichen Erkenntnis nur über den Zwischenschritt der "dunklen" Sinneswahrnehmung gelangen könne. Diese sollte nun Gegenstand der neuen philosophischen Theorie namens Ästhetik sein.
In der (Theoretischen) Ästhetik geht es Baumgarten um die Vervollkommnung der sinnlichen Erkenntnis (perfectio cognitionis sensitivae). Die Vollkommenheit dieser Erkenntnis ist die Schönheit, ihre Unvollkommenheit die Hässlichkeit (§14). Dabei geht es Baumgarten hauptsächlich um das "schöne Denken". Dessen Schönheit ist definiert als innere Kohärenz der Gedanken sowie die Kohärenz des Ausdrucks mit dem Gegenstand und mit sich selbst.
Kant
Die einflussreichste philosophisch Definition von Schönheit in der Neuzeit stammt wohl von Immanuel Kant.
Das maßgebliche Werk ist seine Kritik der Urteilskraft (1790). Hier definierte Kant Schönheit als Gegenstand einer bestimmten Tätigkeit der Urteilskraft: das ästhetische Urteil oder Geschmacksurteil.
Ästhetische Urteile basieren nach Kant auf privaten, subjektiven Empfindungen des Gefallens oder der Abneigung, der Lust oder Unlust. Insofern könnte man meinen, schön sei einfach, was uns persönlich angenehm sei. Kant stellt jedoch einen Unterschied fest: Über das Angenehme lässt sich nicht streiten, denn jeder empfindet etwas anderes als angenehm und wird dies auch zugeben. Ästhetische Urteile dagegen sind zwar subjektiven Ursprungs, sie haben jedoch Anspruch auf Allgemeingültigkeit - wer über die Schönheit eines Gegenstandes urteilt, behauptet zugleich, ein Urteil zu fällen, dem auch andere zustimmen müssten. Schönheit hat daher den Anspruch subjektiver Allgemeinheit. Anders als über das Angenehme lässt sich über Schönheit und Geschmack durchaus sinnvoll streiten, da jedes Geschmacksurteil sich anmaßt, über die Empfindungen anderer mit zu urteilen.
Die Grundlage dieser Argumentation ist die Abgrenzung zwischen dem Guten, dem Angenehmen und dem Schönen. Das Gute ist etwas, an dem wir ein motiviertes Interesse haben - es macht für uns einen Unterschied, ob etwas Gutes vorhanden ist oder nicht. Auch am Angenehmen haben wir Interesse, da die Empfindung des Angenehmen für uns begehrenswert ist (und wir das Unangenehme meiden). Das Gute, das Schöne und das Angenehme beruhen auf unserer subjektiven Empfindung des Wohlgefallens, der Lust im Gegensatz zum Missfallen und zur Unlust. Das Urteil über das Schöne allerdings ist das einzige, welches das persönliche Interesse an dem Gegenstand nicht berücksichtigt (und nicht berücksichtigen darf, da es sonst verfälscht wird). Daher definiert Kant Schönheit in einer berühmten Formulierung als "interesseloses Wohlgefallen".
Kunst
In der Kunst wird die "Schönheit" teilweise nicht nur zum Bewertungsmaßstab, sondern zum Ziel.
Gleichsam kann die Kunst aber auch die "Hässlichkeit", also die "Unschönheit" zum Ziel haben.
Naturwissenschaft
Naturwissenschaftliche Versuche, "Schönsein" zu definieren, beschränken sich meist auf die Angabe von "Idealmaßen" für das, was gemeinhin als schön empfunden wird, wobei umstritten bleibt, ob diese "Ideale" allgemeingültig sind oder nur Ausdruck einer immer wieder wechselnden Mode sind.
Alltag
Im Alltag wird als "schön" meist etwas bezeichnet, was einen besonders angenehmen Eindruck hinterlässt: ein schöner Körper, ein schönes Musikstück, eine schöne Bewegungsabfolge im Tanz, aber auch Erlebnisse wie z.B. Gestreichelt-Werden. Eine Nähe zu Begriffen wie Harmonie und Symmetrie fällt auf, eine Abgrenzung gegenüber sinnlicher Überwältigung oder dem "nur" Hübschen, dem das Besondere fehlt, ist nicht immer leicht.
Was in diesem alltäglichen Sinne als "schön" bezeichnet wird, ist bis zu einem gewissen Grade von wechselnden "Schönheitsidealen" abhängig, die sich beispielsweise in Schönheitswettbewerben äußern. So gibt es die These, dass in den Industriegesellschaften heutzutage nur deswegen besonders schlanke Menschen als schön gelten, weil Nahrung im Überfluss vorhanden ist, während unter anderen Umständen beleibte Menschen, die durch ihre Körperfülle Wohlgenährtheit signalisieren, als schön bezeichnet werden. Diese These scheitert aber wohl schon an dem Umstand, dass eine schlanke Figur als Ideal im Okzident weit älter ist als Industrialisierung und allgemeiner Wohlstand.
Diese Argumentation gehört in den Kontext des Biologismus, demzufolge das als schön und erstrebenswert gilt, was einen biologischen Vorteil, z.B. bei der natürlichen Auslese, verspricht. Solchen Theorien zufolge ist z.B. Symmetrie ein Zeichen dafür, dass eine Person gesund aufwuchs und frei von sichtbaren genetischen Defekten ist. Diese Theorie wird allerdings zunehmend durch neue Ergebnisse relativiert (siehe hierzu eine [http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_II/Psychologie/Psy_II/beautycheck/virtuelle/virtuelle.htm aktuelle Studie der Uni Regensburg]). Auch gibt es die Beobachtung, dass in allen Kulturen Frauen mit einem Taille-zu-Hüfteverhältnis von ungefähr 75% als schön gelten. Die Theorie des Taille-zu-Hüfte-Verhältnisses (Waist-to-Hip-Ratio, WHR) entdeckte der Psychologe Devendra Singh; es ist bei den meisten Frauen ein Zeichen für ihre Fruchtbarkeit. Dass Schönheit als Kriterium vor allem an Frauen gemessen wird, ist wohl ein Attribut der patriarchalen Gesellschaft.
Die Einflüsse der Antike und des Christentums (Differenzierung von Körper und Geist, Askese) sollten für ein Verständnis okzidentaler Ästhetik nicht außer Acht gelassen werden.
Schönheitsanspruch
Bestimmte Menschen vermögen ihren Schönheitssinn zu entwickeln und zu verändern. Geringste Abweichungen eines Ideals empfinden sie als unschön. Viele Musiker hören minimale Abweichungen vom vorgegebenen Ton als Dissonanz. Je tiefer man sich auf ein bestimmtes ästhetisches Gebiet spezialisiert, desto höher wird der Schönheitsanspruch.
In der Philosophie gibt es seit der Antike Versuche zu verstehen, was Schönheit ist. Die den Pythagoräern zugeschriebenen Schriften zeigen, dass sie einen engen Zusammenhang zwischen Schönheit und bestimmten mathematischen Verhältnissen sahen, z.B. dem goldenen Schnitt oder den Zahlenverhältnissen, die den musikalischen Intervallen zu Grunde liegen. (Die moderne Forschung scheint dieses zu bestätigen: Menschen, deren Gesichter symmetrisch und dem goldenen Schnitt gemäß proportioniert sind, gelten attraktiver als andere.)
Insbesondere im Gefolge Platons verbreitete sich die Ansicht, schön sei, was "gut" ist. "Gut" ist dabei weniger im Sinne eines moralischen Urteils zu verstehen, sondern als Maß dafür, inwieweit ein Objekt mit seiner Idee übereinstimmt. So ist ein Tisch dann schön, wenn er ein besonders guter Tisch ist, also besonders geeignet dafür, ihn als Tisch zu verwenden. Auf diese Weise wird versucht, dem Begriff "Schönheit" eine allgemeine, zeitübergreifende Bedeutung zu geben. In diesem Sinne können auch Dinge "schön" sein, deren Auswirkungen aus menschlicher Sicht alles andere als gut sind, z.B. Wirbelstürme.
Die Bewertung von Kunstwerken auf Basis dieser Vorstellung ist weniger offensichtlich und steht nicht selten in Widerspruch zu modernen Einschätzungen. Allerdings werden auch heute nicht alle als ästhetisch anspruchs- und wertvoll geltenden Kunstwerke als "schön" bezeichnet, z.B. bestimmte groteske oder sarkastische Werke.
Schönheit und Komplexität
Gelegentlich wird versucht, den Begriff der Schönheit über den Begriff der Komplexität, insbesondere theoretisch anhand der Kolmogorow-Komplexität zu fassen. Dass hier kein einheitlicher Ansatz existiert, zeigt die Tatsache, dass einmal Objekte mit hoher Komplexität, ein andermal solche mit niedriger Komplexität als "schön" definiert werden.
Ein schöner Kreis hat beispielsweise niedrigere Komplexität als ein schönes Pferd. Deswegen ist er nicht notwendigerweise schöner, und viele würden sagen, Kreise und Pferde sind gar nicht vergleichbar. Jürgen Schmidhubers komplexitätsbasierte Theorie der Schönheit sieht daher das subjektiv schönste Muster aus einer Reihe vergleichbarer Muster als dasjenige mit der kürzesten Beschreibung in der Musterkodiersprache des subjektiven Beobachters. Dieser Ansatz führte ihn auch zum Konzept Kaum Komplexe Kunst, der Minimalkunst des Informationszeitalters.
Zitate
- Man nennt das Bild des Teufels "schön", wenn es die Hässlichkeit des Teufels gut wiedergibt und also hässlich ist. (Bonaventura)
- Es lag dieser Fluch auf der Schönheit - sie kam zu leicht, sie kam zu vollendet. Sie brachte das Leben zum Verstummen - ließ es erstarren. (Virginia Woolf)
- Der Schönheitsmythos wurde perfektioniert, um dem Vormarsch der Frauen in allen Lebenslagen einen Riegel vorzuschieben ... Der Schönheitsmythos schreibt in Wahrheit Verhaltensmuster vor und nicht Qualitäten. (Naomi Wolf)
- Schönheit ist auch und vor allem eine Waffe gegen Emanzipation. (Alice Schwarzer)
- Ad pulcritudinem tria requiruntur, integritas, consonantia, claritas. Dreierlei ist der Schönheit wesentlich, Ganzheit, Harmonie und Ausstrahlung. (James Joyce, Ein Portrait des Künstlers als junger Mann)
- La beauté est partout. Où tu tournes les yeux. (Eric Emmanuel-Schmitt, Monsieur Ibrahim et les fleurs du coran)
- Schönheit ist ein Versprechen des Glücks. Stendhal
Siehe auch
- Anmut
- Attraktivität
- Kunstbegriff
- Mode
- Sexappeal
- Ästhetik
Literatur
- [http://www.soziologie.uni-freiburg.de/degele/ Degele, Nina]: Ganz schön inszeniert. Überlegungen zu Heteronormativität und Schönheitshandeln. in: Feministische Studien, 22 Jg., Heft 1, Mai 2004: 6-21
- Drolshagen. Ebba D. Des Körpers neue Kleider: Die Herstellung weiblicher Schönheit, Frankfurt a. M.: Fischer, 1995
- Umberto Eco: Die Geschichte der Schönheit. München 2004. (Ita.: Storia della bellezza, 2004)
- [http://www.soziologie.uni-freiburg.de/degele/ Degele, Nina]: "Sich schön machen." Zur Soziologie von Geschlecht und Schönheitshandeln. Opladen: VS-Verlag, 2004
- [http://www.soziologie.uni-freiburg.de/degele/ Degele, Nina]: Bodification and Beautification. Zur Verkörperung von Schönheitshandeln. in: Sport und Gesellschaft, Jg. 1, Heft 3 (2004): 244-268
- [http://www.complit.fu-berlin.de/institut/lehrpersonal/menninghaus.html Menninghaus, Winfried]: Das Versprechen der Schönheit. Frankfurt am Main 2003.
- [http://www.researchmatters.harvard.edu/people.php?people_id=245 Etcoff, Nancy]: Nur die Schönsten überleben. Die Ästhetik des Menschen. München 2001. (Eng.: The Survival of the Prettiest, 1999)
- Chahine, Nathalie: Schönheit. Eine Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. München 2000. (Frz.: La beauté du siècle, 2000)
- [http://www.hejj.de Andreas Hejj]: Traumpartner - Evolutionspsychologie der Partnerwahl, 1996, ISBN 3540605487
- [http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/ Henss, Ronald]: [http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/Publicat/Abstract/Mirror.htm "Spieglein, Spielglein an der Wand ..." Geschlecht, Alter und physische Attraktivität]. München: Beltz, 1992
- Cramer, Friedrich ; Kaempfer, Wolfgang: Die Natur der Schönheit. Zur Dynamik der schönen Formen. Frankurt am Main 1992.
- [http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/ Henss, Ronald]: [http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/Publicat/Abstract/Buch2.htm Gesicht und Persönlichkeitseindruck]. Göttingen: Hogrefe, 1988
Weblinks
- [http://www.faceresearch.org/ FaceResearch] – Aktuelle wissenschaftliche Forschungsberichte und Onlinestudien zur Rolle des Gesichts für die Schönheit
- [http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_II/Psychologie/Psy_II/beautycheck/ Aktuelle Studie der Uni Regensburg zu Symmetrie und Kindchenschema als Schönheitskriterien]
Kategorie:Menschliches Erscheinungsbild
Kategorie:Ästhetik
als:Schönheit
ja:美
Venus (Mythologie)
Venus war die Göttin der Liebe und des erotischen Verlangens der Römer.
Die Annahme, Venus sei ursprünglich eine eine italische Göttin des Ackerlands, der Gärten, des Frühlings und als solche von Bauern und Winzern gewesen, wird heute nicht mehr vertreten. Auch für einen frühen Kult sind keine Anzeichen zu finden. Sie hatte keinen eigenen flamen (Priester) und auch in den ältesten Kalendern war kein Fest der Venus verzeichnet. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. wurde sie desöfteren als Göttin der Liebe mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt, deren Kult sich von Sizilien, besonders vom Berg Eryx, nach Italien ausbreitete. Das erste archäologische Zeichen war eine Darstellung zusammen mit Persephone auf einem Spiegel aus Praeneste. Sie gelangte zu besonderer Bedeutung als Göttin des latinischen Bundes und hatte als solche Heiligtümer in Lavinium und Ardea. In Rom hatte sie in alter Zeit besondere Verehrung als Murcia, worin man später fälschlich die „Myrtenfreundin“ (Myrtea) sehen wollte und als Cloacina. Als Venus Libentina war sie die Göttin der sinnlichen Lust, als Venus Libitina die Leichengöttin. In ihrem Tempel wurden die zur Bestattung notwendigen Utensilien aufbewahrt und die Totenlisten geführt. Parallel zur Entwicklung der Venus verlief in Kampanien die Gleichsetzung der oskischen Göttin Herentas zu Aphrodite. Der erste Stadtrömische Venus-Tempel wurde 295 v. Chr. von Quintus Fabius Maximus Gurges geweiht. 217 v. Chr., nach der Schlacht am Trasimenischen See, wurde auf Geheiß der Sibyllinischen Bücher der Venus vom Berg Eryx ein Tempel gelobt und auf dem Kapitol erbaut.
Die Sage, dass Aeneas der Sohn von ihr und Anchises sei, wurde dahin erweitert, dass er nach der Zerstörung Trojas nach Latium ausgewandert war. Zunächst führte Venus ihren Sohn mitsamt dem alten Vater Anchises sicher aus der untergehenden Stadt. Als Göttin der Liebe sorgte sie dafür, daß sich die karthagische Königin Dido in Aeneas verliebte und ihm Zuflucht gewährte. Auch in der entscheidenden Schlacht gegen Turnus griff sie auf Seiten ihres Sohnes ein und brachte diesem seinen Speer zurück.
Neben der vielfachen, dem griechischen Aphroditekult entsprechenden Formen der Verehrung, die sie genoss, hat sie eine besondere Bedeutung als Venus genetrix, das heißt als Stammmutter des römischen Volkes durch ihren Sohn Aeneas. Speziell das Geschlecht der Julier, das seine Abstammung von ihrem Enkel Julus, dem Sohn des Aeneas, herleitete, verehrte sie als Stammmutter. In diesem Sinn errichtete ihr Julius Cäsar als Venus genetrix auf dem von ihm angelegten Forum 46 v. Chr. einen prächtigen Tempel, bei dem alljährlich elftägige Spiele gefeiert wurden. Als Stammmutter des ganzen römischen Volkes war ihr neben der Roma von Hadrian der 135 vollendete, herrliche Doppeltempel in der Nähe des Kolosseums (später templum Urbis genannt) geweiht, von dem heute nur noch Ruinen vorhanden sind.
Venus war der 1. April heilig, wo sie von den römischen Matronen neben der Fortuna Virilis, der Göttin des Glücks der Frauen bei den Männern, und der Concordia als Venus Verticordia (Wenderin der weiblichen Herzen zu Zucht und Sitte) verehrt wurde. Von geringerer Bedeutung waren die Kulte der Venus Obsequens (der Willfährigen), der Venus Salacia (Göttin der Buhlerinnen) und anderer. Auch in Kampanien stand, wohl infolge griechischer Einflüsse, der Kult der Venus in hohem Ansehen, hier war sie zum Beispiel als Venus Fisica Stadtgöttin von Pompeji.
Kunstwerke, die die Venus darstellen
Bild:La naissance de Vénus.jpg|Die Geburt der Venus (1485), Sandro Botticelli
Bild:William-Adolphe Bouguereau (1825-1905) - The Birth of Venus (1879).jpg|Die Geburt der Venus (Bouguereau)
Bild:Lucas Cranach d. Ä. 072.jpg|Venus (Cranach)
Bild:Caba1.jpg|Venus und Eroten auf dem Meer (Cabanel)
Bild:altdorfer2_venus-bath.jpg|Venus nach dem Bad (Altdorfer)
Bild:Aphrodite1.JPG|Aphrodite von Knidos
Siehe auch
- Venus von Milo
- Portal:Rom
- Römische Mythologie
Kategorie:Römische Gottheit
ja:ウェヌス
ko:베누스
simple:Venus (goddess)
Germanische MythologieGermanische Mythologie bezeichnet im engeren Sinne die Mythologien der verschiedenen germanischen Kulturen der Eisen- und Völkerwanderungszeit, wobei die Mythen von religiösen Vorstellungen und Riten zu unterscheiden sind. Die vorchristlichen Glaubensvorstellungen der germanischen Völker gingen mit der Christianisierung in unterschiedlichem Maße in dem jeweiligen Volksglauben auf (siehe auch Synkretismus.)
Allgemeines
Die germanische Mythologie entstand ursprünglich im Umfeld oraler Traditionen, wurde aber durch die Einführung der Schrift durch die christliche Missionierung zunehmend aufgeschrieben. Literarische Quellen entstanden erst relativ spät, und sind für die einzelnen germanischen Regionen Europas äußerst unterschiedlich überliefert. Gegliedert werden die germanischen Gruppen in
- die Ostgermanen, die sich in die Oder-Weichselmündungs-Germanen (Goten, Rugier, Burgunder) und die Oder-Warthe-Germanen (Wandalen, Lugier) gliedern,
- die Angeln und Sachsen,
- die Kontinentalgermanen, die sich in die Nordseegermanen (Friesen, Chauken, Chasuarier, Ampsivarier), die Rhein-Weser-Germanen (Brukterer, Angrivarier, Sugambrer, Usipeter, Chatten, Cherusker, Ubier), die Elbgermanen (Warnen, Langobarden, Semnonen, Hermunduren, Markomannen, Quaden, Naristen, Sweben) gliedern sowie
- die Nordgermanen (Wikinger / Skandinavier).
Im weiteren Sinne ist die Bezeichnung Germanische Mythologie ein Sammelbegriff für die Überlieferungen Skandinaviens, Englands und Deutschlands. Über die Mythologie der Germanen der Eisen- und Völkerwanderungszeit ist nur wenig bekannt, da eine ausgeprägte Schriftkultur erst mit der Christianisierung folgte und die Schriftlichkeit vom Klerus getragen wurde, der, außer in Island und Irland, wenig Interesse an der Überlieferung der vorchristlichen germanischen Überzeugungen hatte.
Quellenlage
Die indigene Überlieferung der germanischen Weltanschauung steht heute in unterschiedlichen Quellenarten zur Verfügung. Die wichtigsten dieser Quellen sind
- die Dichtungen des Codex Regius (bzw. der Lieder-Edda);
- die Texte der Snorra-Edda sowie Snorris mythistorisches Werk Heimskringla;
- die Chroniken beziehungsweise geographischen, historischen oder ethnographischen Studien antiker Autoren wie Tacitus (Annalen, Historien, Germania), Plutarch, Jordanes und Procopius (De bello Gothica);
- die altnordisch-isländische Sagaliteratur sowie
- die Neun Bücher der Dänischen Geschichte Gesta Danorum des Saxo Grammaticus. Die erhaltenen Überlieferungen zeigen ein vielschichtiges Bild, in dem sich Mythen, Epen, Märchen, volkstümliche Erzählungen, Rechts- und Merksprüche, Sprichwörter oder magische Formeln sowie Gebete mischen. Der größte Teil dieser schriftlichen Überlieferungen ist nordeuropäischen Ursprungs, geht auf die Nordgermanen zurück, geographisch auf Skandinavien und Island. Die Mythen und Epen der Süd- oder Kontinentalgermanen sind allenfalls in Spuren überliefert. Nennenswerte schriftliche Überlieferungen existieren nicht mehr: Die große Bibliothek des kontinentalgermanischen „Heidentums“, die Karl der Große sammeln ließ, verbrannte schon dessen Sohn Ludwig der Fromme. In dem religiösen Wahn befangen, so die Christianisierung der Germanen voranzutreiben, vernichtete er die Basis der ethnischen Identität seines Volkes.
Die vorhandenen altgermanischen Überlieferungen liegen in schriftlicher, poetischer oder prosaischer Dichtung und als literarische Werke vor, die aus einst oral tradierten Mythen und Epen schöpfen. Die Verfasser dieser Literatur waren die anonymen Autoren der Sagaliteratur, in Adelskreisen verkehrende Skalden oder wissenschaftlich orientierte Mythographen, Männer, die Felix Genzmer in einem Kommentar der Hymiskviđa als Märenkenner, die Karl Simrock in seiner Edda-Übersetzung Gottesgelehrte (altnordisch goðmölugir) nennt. Das Alter der Erzählungen, die diese Autoren nutzten, verliert sich weitgehend im Dunkel der Geschichte. Fest steht aber, dass isländische Mönche vom 9. Jahrhundert bis ins 13. Jahrhundert an der Niederschrift, Kompilation oder wissenschaftlichen und literarischen Bearbeitung regionaler mythologischer Überlieferungen intensiv beteiligt waren.
Angeln und Sachsen in England
Die nordwesteuropäische germanische Tradition der Angeln und Sachsen in England äußert sich ganz besonders in dem großen Beowulf-Epos, der Angelsächischen Chronik sowie mehreren kleineren Werken. In diesen Texten zeigt sich eine mit Skandinavien eng verbundene narrative Tradition.
Kontinentalgermanen
Interessante, wenn auch wenig genaue, antike Texte über kontinental-germanische Mythologie und Religion sind die Agricola und Germania von Tacitus und De bello gallico von Caesar.
Nordgermanen in Skandinavien
Die reichhaltigste Überlieferung stellt die Nordische Mythologie dar. Die schriftlichen Zeugnisse Skandinaviens sind erst nach der Christianisierung entstanden und daher deutlich von christlichem Glauben und monastischer Bildung beeinflusst.
Die wichtigsten Quellen stellt die eddische Mythologie dar. Dabei handelt es sich um hoch artifizielle Dichtung des mittelalterlichen Islands. Sie wurde im Zusammenhang mit der isländischen gelehrten mittelalterlichen Frühgeschichte bis ins 13. Jahrhundert hinein aufgeschrieben, bildet den Volksglauben dieser Zeit aber nicht identisch ab. In den eddischen Dichtungen mischen sich vorchristliche und frühchristliche Vorstellungen, oft nur sehr schwer voneinander lösbar.
Die nordgermanische Götter-, Helden- und Schöpfungsmythologie wird
- in der älteren, poetischen Lieder-Edda (auch Ältere-Edda oder unrichtig Sæmundar-Edda genannt) und
- in der zweigeteilten, prosaischen Snorra-Edda (oder Prosa-Edda bzw. Jüngere Edda), in der mythologisches Wissen (in der Gylfaginning) und ein Lehrbuch für Skalden (die Skáldskarparmál) tradiert.
Auch die Lieder-Edda ist zweigeteilt:
- in die Götterlieder (Göttermythen und religiös-philosophische Texte) und
- die Heldenlieder (von denen die Helgakviða, die Guðrúnarkviða und die zum Kreis der Nibelungenlieder gehörenden Sigurðarkviða und Atlakviða die bekanntesten sind).
Bei den Götterliedern handelt es sich einerseits um Wissensdichtung, die umfangreiches kosmogonisches Wissen tradiert (Völuspá, Grímnismál, Vafþrúðnismál oder Baldrs draumar), andererseits aber um eine moralisch-ethisch belehrende Spruchdichtung (Hávamál). Die Heldenlieder berichten in drei unabhängigen Mythenkreisen von den heroischen Taten Helgis, Sigurðrs und Jörmunrekrs. Die Lieder-Edda enthält eine ältere und eine jüngere Schicht poetischer Götter- und Heldendichtungen, die auf eine alte Handschrift (den Codex Regius) zurückgehen. Der Codex Regius ist eine um 1640 aufgefundene Handschrift, welche die Dichtungen der Lieder-Edda enthält, und der aufgrund paläographischer und linguistischer Kriterien in das Jahr 1270 datiert werden konnte. Wahrscheinlich stammen die Texte des Codex Regius von dem Priester Sæmundar inn froði (dem Weisen), Islands erstem Dichter (1056 bis 1133), der diese Lieder selbst geschrieben oder gesammelt haben soll.
Literatur
- Rudolf Simek: Religion und Mythologie der Germanen, Darmstadt 2003. ISBN 3-8062-1821-8
- Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie, Stuttgart 1995. ISBN 3-520-36802-1
Siehe auch
- Nordische Mythologie
- Nordgermanische Religion
- Portal:Mythologie
Kategorie:Germanische Mythologie
Weblinks
- [http://norsemythology.cybersamurai.net CyberSamurai Encyclodia of Norse Mythology - Englischsprachige Online-Enzyklopädie der Nordischen Mythologie]
ja:北欧神話
ko:북유럽 신화
ms:Mitos Norse
Hesiod
Hesiod (griech. Ἡσίοδος, Hesíodos) ( - ca. 700 v. Chr., vermutlich in Askra in Böotien, weniger wahrscheinlich in Kyme in Kleinasien) war ein griechischer Dichter und Geschichtsschreiber, der als Bauer und Hirte in Böotien lebte. Neben Homers Ilias und Odyssee sind Hesiods Werke die Hauptquelle der griechischen Mythographie.
Leben
Die einzigen authentischen Hinweise über Hesiods Leben sind Ereignisse, die er in seinen Epen der Nachwelt hinterlassen hat. An drei Stellen seiner Arbeiten fügte er biografische Elemente ein. Sie lassen sich in seinem Hauptwerk Theogonie finden.
Hesiod wurde in Askra, einer kleinen Burg in Böotien geboren. Sein Vater stammte aus Kyme, das an der kleinasiatischen Küste in Ionien gelegen war. Der Name seines Vaters ist unbekannt. Die Überlieferung ordnete ihn den Adligen zu, was aber durch eine falsche Übersetzung der Passage Perse, dios genos ( griech. "Πέρση, δῖος γένος" ) in 'Perses, Kind der Adligen' anstatt in 'Perses, das wohlgeborene Kind' erklärt werden kann. Hesiods Vater besaß ein kleines Handelsunternehmen, das Handel mit anderen griechischen Städten über die damals übliche Küstenschifffahrt betrieb. Er war jedoch nicht erfolgreich und ruinierte sich. Daraufhin überquerte er das griechische Meer und ließ sich in Askra nieder, wo er ein kleines Stück Land am Fuße des Berges Helikon erwarb. Dort heiratete er Pycimede, mit der er zwei Kinder hatte: Hesiod und Perses.
Askra war ein armer Ort. Hesiod beschrieb ihn als "eine verwünschte Burg." Sein Leben war durch "harte Winter" geprägt, "ein karges Dasein, das niemals angenehm wurde."
Werk
Hesiods Hauptwerke sind das epische Lehrgedicht Werke und Tage sowie die Theogonie, ferner die Großen Eoien. Außerdem wird ihm der Schild des Herakles, ein Epos in 460 Versen, zugeschrieben.
Sein Epos Theogonie, in dem er in über tausend Hexametern die Entstehung der Welt und der Götter schildert, ist weitgehend Grundlage für die heutige Kenntnis der griechischen Mythologie. In seinem weiteren Hauptwerk Werke und Tage ist der Mythos von der Büchse der Pandora enthalten; außerdem wird darin eine Abfolge der Weltzeitalter geschildert. Nach einem vollkommenen goldenen Zeitalter folgen ein silbernes und ein bronzenes Zeitalter, dann das so genannte „Zeitalter der Heroen“, indem unter anderem auch Odysseus und Archilles gelebt haben sollen und der trojanische Krieg stattfand, schließlich folgt das eiserne Zeitalter, das durch allgemeine Verfinsterung und Verrohung der Sitten gekennzeichnet ist. In Anbetracht von Willkür und Gewaltherrschaft fordert Hesiod zu redlicher Arbeit und tugendhaftem Lebenswandel auf. Aus seinen Hinweisen zu den Regeln der Landwirtschaft kann geschlossen werden, dass er Bauer war.
Aus den in der Theogonie gemachten geografischen Angaben lässt sich das erste von den Griechen entworfene Weltbild rekonstruieren. Dieses Weltbild umfasst hauptsächlich Gebiete, die sich im östlichen Mittelmeerraum und in Kleinasien befinden. Das westliche Mittelmeer war Hesiod nur sehr schemenhaft bekannt. Weiterhin erwähnt wurden das Schwarze Meer (Pontos), die Donau (Istros) sowie die Alpen, die als Rhyphaen-Gebirge bezeichnet werden. Alle Teile Europas, die sich nördlich der Alpen befinden, waren Hesiod jedoch gänzlich unbekannt.
Auf Grund der in Theogonie vorhandenen geografischen Angaben kann davon ausgegangen werden, dass Hesiod erst nach Homer gelebt hat. Von ihm werden Gebiete beschrieben, die Homer noch völlig unbekannt waren.
Herodot berichtet: "Homer und Hesiod haben die Götter geschaffen".
Literatur
- E. Heitsch (Hg.): Hesiod (Wege der Forschung 44), Darmstadt 1966.
- Hans Schwabl: Hesiodos, in: Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike, Bd. 2, Sp. 1113ff.
Siehe auch: Portal:Mythologie
Weblinks
-
- [http://12koerbe.de/pan/hesiod.htm Theogonie: Aphrodites Geburt, griech./dt.]
Kategorie:Griechische Mythologie
Kategorie:Autor
Kategorie:Antike (Literatur)
Kategorie:Literatur (Altgriechisch)
Kategorie:Lyrik
Kategorie:Mann
ja:ヘシオドス
ko:헤시오도스
Uranos (Mythologie)Uranos (römischer Name: Uranus) stellt in der griechischen Mythologie den Himmel in Göttergestalt dar, den Gaia ohne Begattung durch Eros im Schlafe hervorbrachte, „dass er sie immer umgebe, und dass er auf ewige Zeit der seligen Götter sichere Wohnung sei“ (Hesiod, Theogonie). Mit Uranos kam das männliche Element in die Welt.
Mit seiner Mutter Gaia zeugte Uranos die Titanen, Eurynome, die Kyklopen und die Hekatoncheiren. Er verbarg alle seine Kinder in der Erde – nach Michael Köhlmeier stieß er diese mit seinem riesigen Phallus immer wieder in Gaia, die ja für die Erde steht, zurück. Diese böse Tat erfreute ihn, so erzählt es Hesiod. Und sie erboste Gaia, die daraufhin den grauen Stahl hervorbrachte, um daraus eine Sichel (harpe) zu machen, und ihre Söhne anstiftete, den Vater zu entmannen. Alle erschraken, doch der Titan Kronos erklärte sich schließlich bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, da Uranos tatsächlich als erster eine schändliche Tat ersonnen habe. Als Uranos das nächste mal zu Gaia stieg und bei ihr lag, entmannte ihn Kronos mit dieser Sichel – die in anderen Erzählungen aus Feuerstein gewesen sein soll. Aus den Blutstropfen, die auf die Erde fielen, gebar Gaia die drei Furien (Erinyen), die Giganten und die Eschennymphen. Seither verfolgen die Erinyen jede Verletzung mütterlicher Ansprüche, selbst wenn diese nicht gerechtfertigt sind, in weiterer Folge aber auch jede Verletzung einer Rangordnung, die durch eine Blutsverwandtschaft bedingt ist.
Aus dem Samen des abgeschnittenen Geschlechts, das in das Meer fiel, entstand Aphrodite. Kronos übernahm die Weltherrschaft, bis auch er von seinem Sohn Zeus gestürzt wurde.
Mit der Erzählung der Entmannung des Uranos nimmt die Urzeugung zwischen Himmel und Erde in der griechischen Mythologie ihr Ende und Uranos selbst spielt in den weiteren Erzählungen keine Rolle mehr.
Quelle: Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen – Die Götter- und Menschheitsgeschichten, dtv, ISBN 3-423-30030-2
Siehe auch: Generationenkonflikt – Jungfrauengeburt – Kannibalismus – Mythos - Stammbaum der griechischen Götter und Helden
Kategorie:Griechische Gottheit
ja:ウラノス
Meer
Unter Meer (von lateinisch mare: Meer oder althochdeutsch meri: Sumpf, stehendes Gewässer, verwandt mit Moor) versteht man im Hochdeutschen die miteinander verbundenen Gewässer der Erde, die die Kontinente umgeben, im Gegensatz zu den auf Landflächen liegenden Binnengewässern.
Im Niederdeutschen (und ebenso im Niederländischen) sind demgegenüber die Wortbedeutungen von "Meer" und "See" vertauscht: die an Norddeutschland angrenzenden Meere heißen Nordsee und Ostsee (die See); im Landesinneren liegen dagegen das Steinhuder Meer, das Zwischenahner Meer; in den Niederlanden wurde die Zuiderzee nach ihrer Eindeichung in IJsselmeer umbenannt.
Das Meer ist eine zusammenhängende, reich gegliederte Wassermasse, die rund 71% der Erdoberfläche bedeckt. 31,7% des Weltmeeres sind 4000 - 5000 m tief. Die Meeresflora produziert ungefähr 70% des Sauerstoffes, den die Menschen einatmen.
Die Kontinente gliedern es in drei Ozeane: den Atlantischen, den Indischen und den Pazifischen Ozean. Insgesamt hat das Meer ein Volumen von 1,338 Mrd. km³ und damit einen Anteil von 96,5% am Weltwasservorkommen. Meerwasser ist wegen des hohen Salzgehaltes von rund 3,5% für den Gebrauch als Trink- und Bewässerungswasser nicht direkt geeignet. Nur 3,5% des gesamten Wasservorrates auf der Erde ist Süßwasser.
Man unterscheidet die Ozeane (Pazifischer Ozean, Atlantischer Ozean, Indischer Ozean) und deren Nebenmeere. Zu diesen gehören unter anderem
:Chinesisches Meer
:Japanisches Meer
:Karibisches Meer
:Nordsee
:Ostsee (umrandet von Skandinavien und Deutschland, Polen und Baltikum)
:Mittelmeer (zwischen Europa, Afrika und Asien)
:Schwarzes Meer (umrandet von Bulgarien, Rumänien, Ukraine, Russland, Kaukasus, Türkei)
:Rotes Meer (zwischen Asien und Afrika)
:Gelbes Meer (zwischen Korea und der Volksrepublik China)
Weil das Kaspische Meer und das Tote Meer auf einem Kontinent liegen; zählen sie weder zu den Meeren noch zu den Binnenseen; sie gelten als Seen.
Alle Meere unterliegen den Gezeitenkräften. Durch die Anziehung des Mondes entstehen Ebbe und Flut - auch Tide genannt. Den bei Ebbe freiliegenden Meeresboden nennt man Watt.
Meeresgrund
Vor der Erfindung des Echolots stellte man sich den Meeresboden als eine weitestgehend ebene Fläche vor. Später erkannte man, dass der Meeresgrund mindestens genauso gebirgig ist wie die Erdoberfläche. Unter der Wasseroberfläche gibt es Riffe, Gebirge, Erdspalten, Graben und Rinnen. Durch die Verschiebung der Erdplatten (Tektonik) kommt es zu untermeerischen Vulkanausbrüchen und Seebeben.
Salzgehalt (Salinität)
Meerwasser zeichnet sich durch einen relativ einheitlichen Salzgehalt aus, der durchschnittlich 3,5% beträgt. Erhöht ist er dort, wo die Verdunstung sehr hoch ist, wodurch relativ gesehen die Wassermenge weniger wird, während der Salzgehalt steigt. Zusätzlich steigt er, wenn wenige Zuflüsse bestehen, die das Meer mit dem Süßwasser verdünnen.
Wirtschaftliche Bedeutung
Meere sind seit jeher eine der Nahrungsquellen. Seit Jahrtausenden leben viele Menschen an den Küsten, ja ganze Inselvölker vom Fischfang im Meer. Meere sind weiterhin für den internationalen Verkehr und Warenaustausch von größter Bedeutung. Die maritimen Branchen erreichen pro Jahr einen Weltmarktumsatz von 1 200 Milliarden Euro bei stark steigender Perspektive.
Vor der Erfindung des Flugzeugs war der Transport durch Schiffe über die Meere die einzige Möglichkeit, von Europa nach Amerika oder nach Australien zu gelangen. Auch die meisten in den Ozeanen gelegenen Inseln, wie z.B. Madagaskar, und Inselgruppen, wie z.B. die Kanarischen Inseln, waren nur auf dem Meerweg zu erreichen.
Da der Transport per Luftfracht viel teurer ist als per Schiff, ist der Warentransport über die Meere für Massengüter nach wie vor die erste Wahl. Nach dem Gewicht werden weiterhin 92% aller Güter im Welthandel - 5,7 Milliarden Tonnen jährlich - über den Seeweg transportiert.
In den letzten Jahrzehnten wurden Ideen zur Erzeugung elektrischen Stromes in den Meeren entwickelt und in den letzten Jahren auch vermehrt umgesetzt. (Windkraft, Gezeitenkraftwerk, Osmosekraftwerk ...)
Gefahren des Meeres
Das Meer hält für den Schiffsverkehr und für die Küstenstaaten einige Gefahren bereit. So können z. B. Untiefen, Riffe und Klippen, aber auch Sturmfluten für Schiffe gefährlich werden. Wattwanderer und Badende sollten auf Ebbe und Flut sowie auf starke Strömungen achten. Küstenländer können von Sturmfluten und Springfluten bedroht sein. Seebeben und Meteoriteneinschläge können riesige Schwerewellen auslösen, die Tsunamis.
Verwandte Themen
Wasserhalbkugel, Salinität, Liste der Meere
Siehe auch
- Meeresboden
- Meereskunde
- Meerestief
- Meerestiefe
- Nebenmeer (= Oberbegriff für):
- Binnenmeer
- Binnensee
- Mittelmeer
- Randmeer
- Ozean
- Ozeanografie
- Tiefseebecken
- Tiefseerinne
- Schwelle
- Weltmeer
- [http://www.meercam.com/ Webcams am Meer]
Kategorie:Ozeanologie
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Zypern
Die Republik Zypern (griechisch: Κυπριακή Δημοκρατία, türkisch: Kıbrıs Cumhuriyeti) ist ein Inselstaat im Mittelmeer.
Sie liegt vor der Südküste der Türkei, nicht weit von Syrien entfernt und ist ein Teil von Asien.
Die Autorität der Regierung der Republik Zypern beschränkt sich auf den griechischsprachigen Südteil der Insel. Der Nordteil der Insel bildet seit der türkischen Invasion die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Völkerrechtlich wird die Insel durch die Republik Zypern vertreten. Es kann mit dem Zypern-Pfund, in den souveränen königlich-britischen Basen mit dem Britischen Pfund und im Norden des Landes mit der Türkischen Lira bezahlt werden.
Geographie
Zypern ist die östlichste Insel im gesamten Mittelmeer. Mit einer Fläche von ca. 9.251 km² (griechischer Teil ca. 5.896 km², türkischer Teil ca. 3.355 km²) ist sie nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel im Mittelmeer (West-Ost-Ausdehnung ca. 230 km, Nord-Süd-Ausdehnung ca. 95 km).
Die Entfernung zur Südküste des türkischen Festlandes beträgt ca. 75 km, zur Westküste Syriens ca. 95 km, nach Ägypten ca. 325 km und zur nächstgelegenen griechischen Insel ca. 450 km. Damit bildet Zypern die Schnittstelle zwischen den Kontinenten Europa, Asien und Afrika.
Zwei Gebirgszüge durchziehen die Insel: Die zur Küste hin abfallende, sonst schroffe Kette des Pentadaktylos (Beşparmak) im Nordosten und das vulkanische, waldreiche Troodos-Gebirge im südlichen Landesinnern, mit dem Olympos (1.952 m) als höchster Erhebung. Die ca. 780 km lange Küste bietet teils ausgedehnte Sand- und Kiesstrände sowie steil abfallende Felsküsten mit kleinen Buchten.
Olympos
Zypern besitzt heute ein mediterranes Klima mit deutlich kontinentaler Ausprägung. Die südliche Lage bedingt höhere Temperaturen als im nördlichen Mittelmeeraum und die Nähe zum arabischen Teil Asiens lässt des Öfteren heiße Wüstenwinde übers Meer wehen. Das Mittelmeer um Zypern hat die höchsten Wassertemperaturen im gesamten Raum. Im Februar werden etwa 17 °C, im August um 28 °C erreicht.
Das Land leidet chronisch unter Wassermangel. Die Regenzeit beschränkt sich eigentlich auf die Monate Dezember bis April. Von Mai bis November ist es trocken und vor allem im Landesinneren z. T. sehr heiß. Nikosia hat im Juli und August eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 37 °C, was nur 2 °C unter der Temperatur in Dubai liegt, aber 8 °C wärmer ist als auf Mallorca. In Extremfällen steigt das Thermometer im Zentrum der Insel im Hochsommer auf 47 °C. An den Küsten ist es während des Sommers meist am Tag 30 bis 35 °C warm, in der Nacht kühlt es auf 23 bis 20 °C ab. Der Westen der Insel um die Stadt Pafos ist oftmals 2 bis 4 °C kühler als der Osten. Im Winter liegen die Temperaturen zwischen 15 °C und 20 °C am Tage, von Zeit zu Zeit auch darüber, selten darunter. Oberhalb von 1.500 m kann es Schnee geben.
Flora und Fauna
Schnee
Zypern ist eine grüne Insel, die waldreichste im gesamten Mittelmeerraum.
Aleppo-Kiefern, Steinpinien, Platanen, Zedern und Eichen wachsen im Troodos-Gebirge – dem „Schwarzwald“ Zyperns. Die flach abfallenden Ränder des Troodos sind bedeckt mit Apfel-, Birnen-, Pfirsich-, Mandel- und Nussbäumen sowie mit Weinfeldern. Im Übrigen wird das Bild der Insel von Zypressen, Oliven- und Johannisbrotbäume geprägt.
Orangen- und Grapefruithaine herrschen in der Umgebung von Lemesos vor. Das "Land der roten Erde" im Südosten gilt als Gemüsegarten Zyperns mit Kartoffeln, Auberginen, Tomaten, Gurken, Zwiebeln und anderen Arten. Feigen und Granatäpfel wachsen im Nordwesten. Im Südwesten, bei Patos, gibt es riesige Bananenplantagen.
Im Frühling bedeckt ein Blumenteppich die Insel. Nicht weniger als 1.800 Blütenpflanzen blühen, vor allem Anemonen, Narzissen, Gladiolen, Iris, Goldwurz, Tulpen und Klatschmohn. Auch 44 Arten von Orchideen kommen vor. Im Herbst, mit den ersten Regenfällen, sprießen unter anderem Traubenhyazinthen, Weihnachtsstern und Hahnenfuß. Bougainvillea blüht das Jahr hindurch.
Das Zypern der Antike war mit Wäldern bedeckt, heutige Wälder bedecken nur etwa 17 % der Fläche der Insel (im Wesentlichen im Troodos-Gebirge), da viele Faktoren wie Eingriffe des Menschen, große Anzahl von Ziegen, häufige Waldbrände dazu beigetragen haben, den Waldbestand zu vermindern. Heutzutage bemüht man sich den Waldbestand durch Neubepflanzung oder Wiederbelebung zu erhöhen. Das Überleben neu eingepflanzter Bäume wird durch den ständigen Mangel an Wasser erschwert. Einige fremde Arten wurden allerdings eingeführt (verschiedene Tannenarten, Akazien, Fichtenarten), die als natürliche Art auf Zypern völlig unbekannt sind.
Fossilien und archäologische Funde belegen, dass auf Zypern bis in die Nacheiszeit eine verzwergte Fauna hauptsächlich aus Nilpferden und Elefanten lebte, die allerdings bereits im Neolithikum ausgestorben ist. Schweine, Rinder, Ziegen, Damhirsche und Wildschafe sowie Füchse und Wildkatzen wurden von den ersten Bauern mitgebracht. Die Schafe verwilderten und lebten auf der Halbinsel Akamas. Die ebenfalls eingeführten Rinder verschwanden nach relativ kurzer Zeit und wurden erst im Endneolithikum wieder eingeführt. Heute gibt es auf Zypern nur noch das Wildschaf, fälschlicherweise Mufflon genannt.
Jährlich kommen die Meeresschildkröten an die Küsten von Akamas, Varousha und des Karpaz, um Eier zu legen. Um diese Tiere zu schützen und ihre unbehinderte Fortpflanzung zu ermöglichen, verabschiedete die zyprische Regierung ein Programm. Für die Dauer der Eiablage werden die Strände, die die Schildkröten zum Nisten bevorzugen, für Menschen gesperrt.
Neben den im Mittelmeer üblichen Fischarten tummeln sich an den Stränden im Osten der Insel auch Tierarten, die durch den Suez-Kanal aus dem Roten Meer ins Mittelmeer kamen. So sind Rostnacken-Papageifische, Gelbflossen-Doktorfische u. v. a. zu bewundern.
Die Vogelwelt Zyperns umfasst 340 Arten. Die Insel ist ein Durchzugsge | | |