:: wikimiki.org ::
| Apostelgeschichte |
ApostelgeschichteDie Apostelgeschichte des Lukas ist ein Buch des Neuen Testaments der Bibel. Es wird seit dem Mittelalter in 28 Kapitel unterteilt. Im Griechischen ist der Titel Praxeis Apostolôn, das heißt Taten der Apostel; in vielen anderen Sprachen hat das Buch ebenfalls einen Titel, der sich als Buch der Taten wiedergeben lässt, zum Beispiel auf Englisch: Book of Acts.
Autor
Die Tradition nennt als Autor des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte den Evangelisten Lukas, einen Begleiter des Paulus, der nach Kolosser 4,14 Arzt war. Diese Identifizierung setzten die Schriften jedoch nie voraus, so hat beispielsweise der Autor keine spezifische Theologie des Paulus (wie sie in seinen Briefen zu finden ist) aufgenommen und erwähnt diese später so bedeutenden Briefe mit keinem Wort.
Die liberale-theologische Forschung geht davon aus, dass Lukasevangelium und Apostelgeschichte zwar zweifellos aus einer Hand stammen, dass der Autor des Doppelwerkes des Lukas und der Paulusbegleiter aber keinesfalls identisch sind. Unerklärt bliebe dann allerdings, warum der Erzähler in einigen (aber nicht allen) Passagen in der ersten Person schreibt und sich selbst somit als Beteiligten eines Teils der geschilderten Ereignisse darstellt. Möglicherweise habe der Autor hier einen ihm vorliegenden Augenzeugenbericht eingearbeitet.
Der Sicht der liberalen Theologen widerspricht jedoch der Darstellung der frühen Kirchenväter: Papias, Bischof von Hierapolis (etwa 130 n. Chr.), Justin der Märtyrer (nach 130 n. Chr.), Irenäus von Lyon (um 180 n. Chr.), Clemens und Origenes (um 200 n. Chr.). Alle bestätigen die Autorenschaft der Apostel (Matthäus und Johannes) und ihrer Nachfolger (Markus von Petrus, Lukas von Paulus). Ebenso Eusebius von Caesarea und der/die anonymen Schreiber des Muratori.
Adressat
Die Apostelgeschichte ist ebenso wie das Lukasevangelium namentlich an einen Theophilus gerichtet, über den nichts aus anderen Quellen bekannt ist. Er wird mit kratistos angeredet (mächtigster, hochverehrter - eine Anrede zum Beispiel für Provinzstatthalter). Da Orte in Palästina genau beschrieben sind, während Orte in Italien nicht näher erläutert werden, kann man annehmen, dass er in Italien gelebt hat. Es ist jedoch auch möglich, dass dieser Theophilus (übersetzt: Gottesfreund) keine historische Person ist, sondern eine literarische Fiktion des Autors darstellt, mit der er seine Leser persönlich ansprechen möchte.
Datierung
Für die Datierung gibt es heute im Wesentlichen zwei Argumentationslinien:
- Argumente für eine frühe Datierung 62 oder 63:
- Wesentliche Ereignisse vor 70 sind nicht erwähnt: Christenverfolgung, Tod des Paulus, Tod von Jakobus dem Gerechten, Jüdischer Aufstand 66 bis 70 n.Chr. und Zerstörung Jerusalems.
- Das Verhältnis von römischen Regierungspersonen zum Christentum wird als neutral geschildert - nichts von staatlicher Christenverfolgung wie sie unter Nero stattfand
- Das gespannte Verhältnis Judenchristen - Heidenchristen ist ein immer wiederkehrendes Thema, war es historisch allerdings nur bis zum Fall von Jerusalem.
- Lukas bezieht sich nicht auf die Paulusbriefe. Diese waren jedoch nach Ansicht vieler Forscher bereits um 70 als Sammlung im Umlauf.
- Argumente für eine Datierung 80-90
- Diskrepanzen zwischen der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen
- Diskrepanzen zwischen Apostelgeschichte und Flavius Josephus
- Aus Sicht einer bestimmten Richtung innerhalb der historisch-kritischen Theologie müssen die Endzeitreden von Jesus im Markusevangelium, geschrieben vor dem Lukasevangelium (das es als Quelle verwendet) und somit auch vor der Apostelgeschichte, nach der Zerstörung von Jerusalem geschrieben worden sein, da es keine echte Prophetie sein könne, sondern ein vaticinium ex eventu sei. Dem wird entgegengehalten, dass es durchaus echte Wunder und Prophezeiungen im Leben Jesu geben könne und von daher auch die Spätdatierungsfrage offen bleibe.
Inhaltsübersicht
: Das Kommen des heiligen Geistes
: Die Urgemeinde in Jerusalem
: Stephanus wird gesteinigt
: Die Mission in Samarien
: Paulus wird berufen
: Nichtjuden in der Gemeinde
: Die Gemeinde in Antiochia
: 1. Missionsreise des Paulus
: Apostelversammlung in Jerusalem
: 2. Missionsreise des Paulus
: 3. Missionsreise des Paulus
: Paulus als Gefangener
: Paulus kommt nach Rom
Inhalt
Die Apostelgeschichte setzt mit einem sehr kurz gehaltenen Bericht über die Zeit nach Ostern ein, in der Jesus Christus für vierzig Tage den Aposteln erschienen ist und dann in den Himmel aufgehoben wird (1,1-14). Der Kreis der ursprünglich zwölf Apostel wird kurz darauf nach dem "Wegfall" des Judas Iskariot wieder ergänzt: Per Losentscheid wird Matthias zum 12. Apostel gewählt (1,15-26). Zu Pfingsten senkt sich der Heilige Geist auf die christliche Gemeinde herab und bewirkt Zungenrede, die bei Außenstehenden teils Schrecken, teils Spott hervorruft (2,1-13). Petrus predigt den Verschreckten und Spottenden das Evangelium von Jesus Christus (2,14-36), woraufhin sich viele Juden zum Christentum bekehren und taufen lassen: Die erste christliche Gemeinde entsteht (2,37-47), die schnell anwächst. Petrus ruft nach der Heilung eines Gelähmten auch im Jerusalemer Tempel die Juden zur Bekehrung zu Christus auf (3), woraufhin er und seine Begleiter festgesetzt und verhört werden: Trotz Einschüchterungsversuchen halten die Christen an ihrer Botschaft fest (4,1-22). Angesichts der Drohungen des Hohen Rates betet die Gemeinde um "Freimut beim Reden", Zeichen und Wunder (4,23-31). Einige Gemeindemitglieder fühlen sich sogar derart stark miteinander verbunden, dass sie eine Gütergemeinschaft bilden (4,32-37).
In der Episode über Hananias und Saphira wird die Konsequenz einer Lüge gegen Gott verdeutlicht, nämlich der Tod (5,1-11). Durch viele Wunder begleitet, geht die Mission erfolgreich weiter (5,12-16), so dass die Apostel abermals festgesetzt und vor dem Hohen Rat verhört werden (5,17-33). Die für die Apostel lebensbedrohende Situation wird durch den angesehenen Rabbi Gamaliel gerettet, der darauf hinweist, dass, handele es sich bei der Lehre Jesu um reines Menschenwerk, diese sich ebenso von allein wieder überleben würde wie die Lehren diverser früherer Messias-Anwärter. Die Apostel werden daraufhin nach Geißelung freigelassen (5,34-42). Schon kurz danach kommt es in der jungen und schnell wachsenden Gemeinde zum ersten Streit zwischen hebräischen und griechischen Juden. Die "Griechen" meinten, Ungerechtigkeiten bei der Versorgung der Witwen erblicken zu können, woraufhin man offizielle Armenpfleger (Diakone) bestellt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken (6,1-7).
Auch der nächste Konflikt mit dem Hohen Rat folgt schon bald: Stephanus, der von falschen Zeugen beschuldigt wurde, gegen das Gesetz und den Tempel zu agitieren, hält eine umfangreiche apologetische Rede, in der er eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass er des Gesetzes kundig ist, um schließlich darauf abzuheben, dass die Israeliten, obwohl sie das Gesetz kannten, dies doch nie befolgt haben (7,1-53): "Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr." (V. 51b) Die so beschuldigten jüdischen Religionsoffiziellen geraten außer sich, verschleppen Stephanus aus der Stadt und steinigen ihn (7,54-8,1). Ebenfalls in dieser Szene wird Saulus als junger Mann aus der Anhängerschaft der Pharisäer eingeführt, der Gefallen am Tode des Stephanus gehabt habe und eine große Rolle bei der ersten über die junge Christengemeinde hereinbrechenden Verfolgung spielte (8,2f.).
Die durch die Verfolgung verstreute Christengemeinde beginnt damit, nun auch außerhalb Jerusalems das Evangelium zu verkünden. Philippus trifft dabei in Samaria auf den Zauberer Simon, der erkennt, dass durch Handauflegen der Apostel der Heilige Geist empfangen wird. Er bietet Philippus Geld, damit dieser ihm diese Gabe schenke. Philippus weist Simon zurecht und legt ihm ehrliche Buße nahe (8,4-25). Auf der Rückreise nach Jerusalem trifft Philippus einen zum Judentum konvertierten äthiopischen Kämmerer, dem er den Propheten Jesaja auslegt. Der Kämmerer bekehrt sich daraufhin zu Christus und lässt sich umgehend taufen. Philippus wird nach Aschdod entrückt (8,26-40). Saulus, der eifrig mit der Verfolgung der Christen beschäftigt ist, hat eine Jesuserscheinung ("Saul, Saul, warum verfolgst du mich?"), durch die er erblindet. Jesus befiehlt ihm, nach Damaskus zu gehen, um dort weitere Anweisungen zu erhalten. Dem in Damaskus lebenden Jünger Hananias wird von Gott im Traum befohlen, dem Saulus die Hände aufzulegen und ihn zu heilen. Trotz großer Angst vor dem bekannten Christenverfolger tut Hananias, was ihm geheißen wurde, Saul erhält sein Augenlicht wieder, bekehrt sich und lässt sich taufen (9,1-19a). Schon bald predigt er sehr erfolgreich in Damaskus und wird selbst ein potentielles Ziel der Christenverfolger. Gemeinsam mit dem schon in der ersten Zeit in Jerusalem bekehrten Leviten Barnabas flieht er zurück nach Tarsos (seiner Heimatstadt) und die Mission der Christen geht ruhig weiter (9,19b-31). Petrus wirkt weitere Wunder in Lydda (9,32-35) und Joppe (heute Jaffa; Auferweckung der Tabita, 9,36-43), woraufhin sich alle Bewohner der Orte bekehren. Die christliche Mission wird nun auch auf die Heiden (hier: Nicht-Juden) ausgedehnt: Mit dem römischen Hauptmann Kornelius tauft Petrus auf Weisung Gottes erstmals einen unbeschnittenen, und für die Juden damit unreinen Mann (10).
Die Heidenmission wird von Teilen der Jerusalemer Urgemeinde kritisiert, so dass Petrus sich rechtfertigen muss. Schließlich jedoch wird sie allgemein akzeptiert (11,1-18). Durch die Verfolgung vertriebene Christen siedeln sich nun auch in Antiochia an, wo ihnen von Gegnern erstmals der Name Christen, ursprünglich ein Spottname, beigelegt wird. Die Gemeinde wächst schnell und von Jerusalem aus wird Barnabas entsandt, der zusammen mit Saulus eine längere Zeit in Antiochia bleibt (11,19-30). Durch König Herodes Agrippa I. beginnt eine neue Christenverfolgung, bei der Petrus gefangengenommen wird und Jakobus getötet wird. Petrus kann auf wundersame Weise aus dem Gefängnis entkommen (12,1-25). Herodes wird kurz darauf von einem Engel Gottes "mit Würmern geschlagen" und stirbt; diese Szene ist wesentlich für die Chronologie der Ereignisse des gesamten Neuen Testaments, da Herodes' Todesjahr -- 44 n. Chr. -- als einziges Ereignis des Neuen Testamentes, neben dem lukanischen Datum, aus weltlichen Geschichtswerken gut bekannt ist (12,18-25). Saulus und Barnabas werden zur Heidenmission berufen und ziehen von Antiochia fort (13,1-3). Auf Zypern, woher Barnabas stammt, treffen sie auf den Zauberer Barjesus, der ihnen Widerstand leistet und mit Blindheit geschlagen wird, woraufhin sich Sergius Paulus, der Statthalter Zyperns bekehrt (13,4-12). In Antiochia (Pisidien) hält Paulus -- ab Zypern wird Saulus mit dem lateinischen Namen Paulus statt dem hebräischen Saulus bezeichnet -- in der Synagoge eine umfangreiche Predigt, nach der viele Juden sich bekehren.
Auf die Anfeindungen der neidischen Religionsoffiziellen hin erwähnt Paulus nochmals seinen Auftrag zur Heidenmission (13,13-52). Ähnliches passiert in Ikonien (14,1-7) und Lystra (14,8-20a) und Derbe. Paulus und Barnabas setzen in den neu gegründeten Gemeinden Älteste ein und kehren dann für längere Zeit nach Antiochia zurück (14,20b-28). Nach einiger Zeit kommt es dort zwischen den Tora-gesinnten Judenchristen und Paulus zum Streit über die Beschneidung der nichtjüdischen Christen, die diese für dringend notwendig erachten. Eine Versammlung der Apostel in Jerusalem soll Klarheit in dieser Frage schaffen. Nach langem Streit (15,1-21) trifft die Versammlung den Beschluss, dass die Beschneidung nicht heilsnotwendig ist.
Paulus und Barnabas werden von Jerusalem zur weiteren Mission entstandt (15,22-29) und kehren nach Antiochia zurück, wo sie weiterhin leben und predigen (15,30-35). Paulus beginnt eine weitere Missionsreise (diesmal begleitet von Silas, nachdem er sich mit Barnabas zerstritten hatte), die ihn nach Kleinasien führt (16,1-8). In einer nächtlichen Erscheinung wird Paulus nach Mazedonien gerufen (16,9f.), woraufhin die Reise nach Philippi fortgesetzt wird (16,11-13). Die bekehrte Lydia bietet den Reisenden Quartier an (16,14f.). Als Paulus und Silas dem Besitzer einer wahrsagenden Sklavin durch Austreibung des Wahrsagegeistes die Geschäftsperspektiven verdunkeln, zeigt dieser sie kurzerhand wegen Aufwiegelung der Bevölkerung an (16,16-22). Paulus und Silas werden ins Gefängnis gesteckt, müssen aufgrund eines Erdbebens das Gefängnis verlassen und kommen bei ihrem Aufseher unter, der sich ebenfalls bekehrt. Als die Stadtoberen erfahren, dass Paulus ein römischer Bürger ist, lassen sie ihn ziehen (16,23-40).
Auch auf den folgenden Stationen, Thessalonich (17,1-9) und Beröa (17,10-15) geht die von Konflikten mit den Juden begleitete Mission weiter. In Athen spricht Paulus auf dem Areopag und verkündet den Einen Gott, erntet teilweise Spott, gewinnt aber auch neue Anhänger (17,16-34), darunter Dionysius Areopagita. In Korinth trifft er auf Aquila und Priszilla, ein judenchristliches Ehepaar, das aus Rom vertrieben worden war. Die beiden werden zu engen Mitarbeitern des Paulus. Auch in Korinth bekehren sich viele, dennoch schweben die Christen ständig in der Gefahr, verfolgt zu werden. In einer erneuten Erscheinung wird Paulus aufgefordert, „weiterhin nicht zu schweigen“ (18,1-17).
Die zweite Missionsreise beschließt Paulus in Antiochia (18,18-22). Nach einiger Zeigt bricht er zu einer dritten Missionsreise auf (18,23-28), die ihn zunächst nach Ephesus führt. Dort lehrt er zunächst in der Synagoge, später dann in der Schule des Tyrannos. Einige jüdische Beschwörer missbrauchen den Namen Jesu für ihr Handwerk und werden schwer zugerichtet, woraufhin viele, die vorher Zauberei betrieben hatten, ihre Bücher verbrennen (19,1-22). Einige Kunsthandwerker unter einem Demetrius geraten in Zorn darüber, dass durch die Christen viele Menschen dem Artemis-Kult abspenstig gemacht werden, so dass ihre „Silbernen Tempel der Artemis“ (wohl Nachbildungen, die an reiche Pilger verkauft wurden) keine Abnehmer mehr finden. Die Stadtoberen lassen die Situation jedoch nicht eskalieren, sondern verweisen Demetrius auf den ordentlichen Gerichtsweg (19,23-40). Unter starker Verfolgung reist Paulus über Mazedonien und Griechenland (20,1-5) nach Troas, wo ein junger Mann, der bei der überlangen Predigt des Paulus eingeschlafen ist, aus dem Fenster im dritten Stock fällt, stirbt, und von Paulus wiederbelebt wird (20,6-12), dann nach Milet (20,13-16). Paulus verabschiedet sich von den Ältesten von Ephesus (20,17-38) und kehrt über Cäsarea (21,1-14) nach Jerusalem zurück. In Jerusalem sind die Apostel beglückt über seine Missionserfolge (21,15-26), doch lässt die Verhaftung des Paulus nicht lange auf sich warten. Paulus entgeht nur knapp durch die Hilfe des Militärs dem Tode (21,27-40) und darf eine Verteidigungsrede halten, in der Paulus von seiner Berufung berichtet (22,1-21). Beim Verhör mit einem römischen Oberst betont Paulus, ein römischer Bürger zu sein und entgeht so weiterer Geißelung (22,22-30). Dennoch wird er erneut vor dem Hohen Rat verhört, wo seine Äußerungen zu Zwietracht zwischen Pharisäern und Sadduzäern führt, die derartig eskaliert, dass der römische Oberst Paulus aus Angst um dessen Leben zurück in die Burg bringt (23,1-11). Einige Juden beschließen, Paulus in einem Hinterhalt zu töten.
Der Oberst erfährt durch Paulus' in Jerusalem lebenden Neffen von dem Komplott (23,12-22) und lässt Paulus nach Caesarea überführen (23,23-35). Dort wird Paulus erneut verhört: Diesmal vom Statthalter Felix. Die Juden beschuldigen Paulus im Verhör, der Anführer der Sekte der Nazoräer zu sein, Aufruhr zu stiften und den Tempel zu entweihen. Paulus weist alle Vorwürfe zurück (24,1-21). Felix verschleppt den Prozess, weil er sich von Paulus Bestechungsgelder erhofft (24,22-27). Auch Felix' Nachfolger, der Statthalter Festus, verhört Paulus (25,1-8): Dieser beruft sich auf sein römisches Bürgerrecht und auf sein Recht, nur vor dem Kaiser zum Tode verurteilt werden zu können (25,9-12).
Bei einem Besuch des galiläischen König Agrippa bei Festus bittet der König darum, Paulus ebenfalls verhören zu dürfen (25,13-27). Paulus hält vor Agrippa eine lange Verteidigungsrede, in der er seinen Weg vom eifernden Pharisäer zum Christen nachzeichnet und die Auferstehung Jesu bekennt. Agrippa findet nichts Verwerfliches und würde Paulus freilassen, wenn dieser sich nicht auf den Kaiser berufen hätte (26). So wird Paulus als Gefangener nach Rom geschickt (27,1-12), gerät auf der Überfahrt in einen heftigen Seesturm (27,13-26) und erleidet einen gimpflich ausgehenden Schiffbruch vor der Insel Melita (Malta) oder Melite (Mljet) (27,27-44). Auf Malta werden die Gestrandeten freundlich aufgenommen, Paulus heilt viele Kranke und gelangt zu großer Ehre (28,1-10). Nach drei Monaten kann die Reise nach Rom fortgesetzt werden (28,11-15). In Rom angekommen, kann Paulus dank eines offenen Strafvollzugs auch dort umgehend mit der Verkündigung beginnen (28,16-31). Damit endet die Apostelgeschichte.
Historische Zuverlässigkeit
In der Vergangenheit wurde der Autor der Apostelgeschichte als genauer und zuverlässiger Erzähler der Ereignisse betrachtet. Durchgängig wird anerkannt, dass der Autor gute geographische, soziale und politische Kenntnisse der Region hat. Er ist bei Namen und Titeln der römischen Beamten, die in seiner Erzählung vorkommen, sehr genau und scheint auch über die römische Rechtslage bestens informiert zu sein.
Einer der bedeutendsten Archäologen, Sir William Ramsey: "Luke is a historian of the first rank; not merely are his statements of fact trustworthy [...] this author should be placed among with the very greatest of historians." (deutsch: "Lukas ist ein Historiker ersten Ranges; nicht nur seine faktischen Aussagen sind verbürgt, er besitzt eine echte historische Gesinnung; [...] dieser Autor sollte zu den allergrößten Historikern gerechnet werden." William M. Ramsay, Paulus in der Apostelgeschichte.)
Verschiedene Orte und Titel die Lukas in der Apostelgeschichte erwähnt, waren lange Zeit unbekannt, bis die Archäologie im 19. und 20. Jhdt. Beweise dafür fand.
In der frühen Kirche gab es Mitglieder, die Paulus gegen Petrus ausspielten, und es ist gut möglich, dass Lukas diese bewusst beeinflussen wollte. Die Darstellung des Paulus zeigt - vor allem im direkten Vergleich zu den Paulusbriefen, wo Lukas eine eigene Darstellung der Ereignisse hat.
Einige liberale Theologen der jüngeren Zeit fragen immer wieder, inwiefern Lukas seine eigene theologische Meinung einbrachte und ob dadurch seine Darstellung beeinflusst wurde.
Personen
- Simon Petrus
- Apostel Paulus von Tarsus
Wichtige Stellen
- Himmelfahrt
- Pfingsten
- Die erste Gemeinde
- Bekehrung des Saulus
Literatur
- Die Apostelgeschichte, in: J. F. MacArthur: MacArthur Studienbibel - Schlachter 2000 mit neuer deutscher Rechtschreibung, ISBN 3-89397-017-7([http://clv.dyndns.info/pdf/studybible/44.pdf PDF-Download])
Siehe auch
- Liste der Bücher der Bibel
- Portal: Bibel
- Bibelstudium
Weblinks
- [http://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=0&searchstring=Apostelgeschichte&author=343&language=0&category=0 Die Apostelgeschichte des Lukas kapitelweise als Audiobibel] (MP3, Elberfelder Bibel (unrevidiert, 1871))
Kategorie:Neues Testament
ja:使徒行伝
ko:사도행전
Neues TestamentDas Neue Testament (Abgekürzt NT) der Bibel ist das zentrale Schriftwerk im Christentum. Es enthält die Berichte über Wort- und Tatzeugnisse von Jesus Christus sowie die seiner ersten Anhängerinnen und Anhänger, insbesondere der Apostel.
Der Begriff „Neues Testament“
Der Begriff ergibt sich aus dem griechischen „kaine diatheke“, was „neuer Bund“ heißt und ins lateinische mit „novum testamentum“ übersetzt worden ist. Jesus Christus benutzt den Ausdruck beim letzten Abendmahl, wahrscheinlich in bewusster Anlehnung an das Wort des Propheten Jeremia: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen.“ ([http://www.bibel-online.net/buch/24.jeremia/31.html#31,31 Jeremia 31, 31])
Das Neue Testament wurde ursprünglich in der griechischen Sprache aufgezeichnet („Novum Testamentum Graece“), dieses Griechisch ist in der verbreiteten Koine abgefasst. Die Hebraismen der eingeflossenen Sprache des alttestamentlichen Septuaginta-Textes nennt man Bibelgriechisch.
Gemäß der Bibel beginnt das Neue Testament erst nach dem Tode von Jesus. Siehe [http://www.bibel-online.net/buch/58.hebraeer/9.html#9,17 Hebräer 9, 17]: „Denn wo ein Testament ist, da muss der Tod geschehen des, der das Testament machte. 17 Denn ein Testament wird fest durch den Tod; es hat noch nicht Kraft, wenn der noch lebt, der es gemacht hat.“ Jesus selber war noch unter dem Gesetz des Alten Testamentes. Das Neue Testament beginnt somit mit dem Tod Jesu am Ende der Evangelien.
Bibelkundlicher Überblick über das NT
1. Die Evangelien
- Das Evangelium nach Matthäus: Mt
- Das Evangelium nach Markus: Mk
- Das Evangelium nach Lukas: Lk
- Das Evangelium nach Johannes: Joh
2. Die Apostolischen Schriften
a) Die Apostelgeschichte
:Apostelgeschichte des Lukas Taten der Apostel: Apg (Auch „Acta Apostolorum“)
b) Die Paulusbriefe
Bei den Paulusbriefen wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass nicht alle Briefe von Paulus selbst stammen. Einige sollen demnach in späterer Zeit unter seinem Namen verfasst worden sein, um ihnen ein höheres Gewicht zu geben. Man unterscheidet zwischen Protopaulinen (echte Paulusbriefe) und Deuteropaulinen (unechte Paulusbriefe). Zu den unechten zählen: 2. Thess, Kol, Eph, 1. und 2. Tim, Tit.
- Der Brief an die Römer: Röm
- Der 1. Brief an die Korinther: 1 Kor
- Der 2. Brief an die Korinther: 2 Kor
- Der Brief an die Galater: Gal
- Der Brief an die Epheser: Eph
- Der Brief an die Philipper: Phil
- Der Brief an die Kolosser: Kol
- Der 1. Brief an die Thessalonicher: 1 Thess
- Der 2. Brief an die Thessalonicher: 2 Thess
- Der 1. Brief an Timotheus: 1 Tim
- Der 2. Brief an Timotheus: 2 Tim
- Der Brief an Titus: Tit
- Der Brief an Philemon: Phlm
d) Die katholischen (d.h. allgemeinen) Briefe
- Der Brief des Jakobus: Jak
- Der 1. Brief des Petrus: 1 Petr
- Der 2. Brief des Petrus (nicht in der syrischen Bibel): 2 Petr
- Der 1. Brief des Johannes: 1 Joh
- Der 2. Brief des Johannes (nicht in der syrischen Bibel): 2 Joh
- Der 3. Brief des Johannes (nicht in der syrischen Bibel): 3 Joh
- Der Brief des Judas (nicht in der syrischen Bibel): Jud
e) Die Offenbarung
- Die Offenbarung des Johannes
Neutestamentliche Wissenschaft
Die neutestamentliche Wissenschaft, ein Teilgebiet der Bibelwissenschaft und somit der Theologie, beschäftigt sich mit dem Neuen Testament vermittels
- der Exegese (Auslegung)
- der Einleitungswissenschaft / Neutestamentlichen Literaturgeschichte
- der Neutestamentlichen Zeitgeschichte / Geschichte des Urchristentums
- der Theologie(en) des Neuen Testaments und
- der Neutestamentlichen Hermeneutik.
Literatur
- Jürgen Roloff: Einführung in das Neue Testament. Reclam, Ditzingen 1995, ISBN 3150094135
- Gerd Theissen: Das Neue Testament. Beck Wissen 2002, ISBN 3406479928
- William MacDonald: Kommentar zum Neuen Testament. CLV, Bielefeld 2. Aufl. 1997, ISBN 3-89397-378-8[http://clv.dyndns.info/pdf/255378.pdf Gratis-Download (PDF, 6 MB)]
Siehe auch
- Kanon des Neuen Testaments, Textkritik des Neuen Testaments, Textgeschichte des Neuen Testaments
- Jehoschua, Josua, Jesus Ben Joseph, Jesus, Jesus von Nazaret,
- Messias, Christus, Christentum, Agnus Dei,
- :en:Jews for Jesus, Messianisches Judentum, Christentum
- Portal:Bibel, Bibelstudium
Weblinks
- [http://www-users.cs.york.ac.uk/~fisher/gnt/ Neues Testament im griechischen Urtext] (nach Nestle-Aaland)
- [http://www-user.uni-bremen.de/~wie/GNT/books.html Das Griechische Neue Testament] Urtext: Westcott-Hort Text von 1881, kombiniert mit den NA26/27 Varianten.
- [http://www-user.uni-bremen.de/~wie/Vaticanus/index.html Codex Vaticanus B/03] Ausführliche Beschreibung des Codex Vaticanus mit vielen Bildern (als Beispiel für eine Handschrift)
- [http://www.reformiert-online.net:8080/t/de/bildung/bibelkunde/nt/index.jsp Bibelkunde des NT aus reformierter Sicht]
- [http://www.ecclesiabz.com/biblia/kl_bibelka.htm Bibelkunde des NT aus katholischer Sicht]
- [http://www.karl-leisner-jugend.de/Evangelien.htm Zur historischen Glaubwürdigkeit der vier Evangelien]
- [http://www.theologie-links.de/nt.html Links zum NT]
- [http://www.tillmann-group.de/mythen/filmnt.htm Filme zum NT]
- [http://www.gemeinde-christi.de/buecher/artikel/bibel/nt.htm Ist das Neue Testament Gottes Wort?] Information der Gemeinden Christi
- [http://www.welt-der-bibel.de/bibliographie.html wissenschaftliche Literatur zum NT]
Kategorie: Neues Testament
Kategorie: Bibel
ja:新約聖書
zh-min-nan:Sin-iok Sèng-keng
th:คำพยากรณ์ในคัมภีร์ไบเบิลใหม่
Bibel
und Menora.]]
Menora, 1550 - die erste dänische Übersetzung - in 3000facher Auflage]]
Weiterführende Informationen und Themen rund um die Bibel sind auch im Portal:Bibel zu finden.
Die Bibel ist eine in etwa 1.400 Jahren entstandene Sammlung von Schriften, die für das Judentum und das Christentum Gottes Offenbarung enthalten und Urkunden ihres Glaubens sind. Es handelt sich dabei um unterschiedliche redaktionelle Zusammenstellungen von "Büchern" (griechisch: biblia) aus dem Kulturraum Palästinas und des Vorderen Orients, die bis zum 2. Jahrhundert zuerst von Juden, dann auch von Christen als "Heilige Schrift" kanonisiert wurden.
Die jüdische, ursprünglich überwiegend in Hebräisch abgefasste Bibel ist der Tanach, bestehend aus drei Hauptteilen: der Tora, den Propheten und den "Schriften" (Ketubim). Diese bilden in anderer Anordnung und geringfügig anderem Umfang als Altes Testament auch den ersten Hauptteil der christlichen Bibel, den hier das zuerst in Griechisch abgefasste Neue Testament ergänzt. In dieser Form ist die Bibel das am weitesten verbreitete und häufigsten publizierte schriftliche Werk der Welt.
Die Begriffe "Bibel" und "Heilige Schrift"
Das Wort "Bibel" stammt vom griechischen Neutrum βιβλíoν, das "Papyrusrolle" bedeutet. Der Wortstamm Biblion ist von bíblos oder býblos abgeleitet und bedeutet "Papyrusstaude" oder "Papyrusbast": So hieß auch die phönizische Hafenstadt Byblos, die in der Antike ein Hauptumschlagplatz für Bast war, dem Rohstoff zur Herstellung der Papierrollen.
Der Plural biblia ("Schriftrollen, Bücher") wurde später irrtümlich als Singular eines lateinischen Femininums aufgefasst. Zugleich wurde das Wort synonym mit dem ebenfalls weiblichen Ausdruck "Heilige Schrift" (griech. hagia graphae) verstanden. Insofern trifft die populäre Bezeichnung "Buch der Bücher" zu.
Im Judentum wie im Christentum gilt diese Schriftsammlung als Offenbarungszeugnis Gottes und hat daher für die gesamte Religionsausübung normativen Charakter. Dies zeigen die bei ihrer Zusammenstellung wirkenden Redaktionen und späteren Kanonisierungen ebenso wie ihre Bezeichnungen als "Wort Gottes" oder "Heilige Schrift".
Von Ausnahmen wie der zeitweise im Katholizismus und lutherischer Orthodoxie gültigen Verbalinspiration abgesehen, wird die Bibel jedoch in den meisten Religionsgemeinschaften, die sich auf sie beziehen, nicht direkt und vollständig als Ergebnis göttlicher Eingebung oder göttlichen Diktats aufgefasst, sondern als menschliches und daher irrtumsfähiges Zeugnis, das Gottes Offenbarungen enthält, reflektiert und weitergibt. Diese schriftliche Überlieferung ist jedoch gegenüber ihrem Inhalt nicht beliebig und wurde daher auf verschiedene Weise vor Verfälschung und Erweiterung zu schützen versucht.
Für das Judentum ist primär die Tora, darin vor allem der Bundesschluss am Sinai "Wort Gottes" und damit der "Kanon im Kanon". Für Christen ist die Person Jesus Christus das eigentliche, maßgebende, alle äußeren Worte erhellende Zentrum der ganzen Bibel. Mit der Kanonisierung des Neuen Testaments entschied die Kirche zugleich, grundsätzlich auch die heiligen Schriften des Judentums bleibend als "Wort Gottes" anzuerkennen und aufzunehmen. Die Interpretation beider "Testamente" ist hier wechselseitig aufeinander angewiesen, wobei Tod und Auferstehung Jesu Christi das Hauptkriterium bleiben. Aber auch dessen Verständnis unterscheidet sich zwischen den christlichen Konfessionen.
Für Katholiken ist die Überwindung der Erbsünde durch Jesu stellvertretendes Sühneopfer, daraufhin das Zusammenwirken von menschlicher Bemühung und Gottes Gnadenangebot (Synergismus) zentraler Inhalt der biblischen Zeugnisse von Gott. Protestanten finden die "Mitte der Schrift" im Anschluss an Martin Luther dagegen im reinen Gnadengeschenk Jesu Christi ohne jedes eigene Zutun. Für liberale Theologie ist dagegen oft das menschliche Vorbild des historischen Jesus und die eigene religiöse Erfahrung Maßstab der Schriftauslegung.
Manche Evangelikalen und Freikirchen vor allem in den USA schreiben der Bibel auch heute noch eine "Irrtumsfreiheit" (Inerrancy) zu und reagieren damit auf die als Angriff auf die Glaubensgrundlagen empfundene historische Bibelkritik seit der Aufklärung. Diese Richtungen werden oft als Biblizismus oder christlicher Fundamentalismus eingeordnet. Dabei besteht z.T. die Gefahr, daß die Bibel selbst gott-ähnlichen oder fetisch-artigen Charakter erhält.
Die jüdische Bibel
Die Bibel des Judentums heißt "Tenakh" oder "Tanach". Sie wurde in hebräischer Sprache, kurze Passagen auch in aramäischer Sprache verfasst und besteht aus den drei Teilen:
- Tora (hebr. "Lehre") oder Pentateuch, die fünf Bücher Mose
- Nebiim (hebr. "Propheten")
- Ketubim (hebr. "Schriften").
Der Begriff Tanach setzt sich aus den hebräischen Anfangsbuchstaben dieser drei Hauptteile zusammen. Ihre Sammlung, schriftliche Fixierung und redaktionelle Überarbeitung verlief über mehr als tausend Jahre bis zum Abschluss des jüdischen Kanons um 135 n. Chr.
Die Tora
Der erste Hauptteil besteht aus den fünf Büchern Moses, die auch Pentateuch ("Fünf Buchrollen") genannt werden. Die Einteilung beruhte darauf, dass der Umfang unmöglich auf einer antiken Buchrolle Platz fand, erfolgte aber auch nach inhaltlichen Gesichtspunkten: Jedes der Bücher hat einen klaren Anfang und eine deutliche Zäsur am Ende.
Der Begriff "Tora" bedeutet "Weisung" und bezieht sich nicht nur auf die jüdischen religiösen und profanen Gesetze im engeren Sinn - diese sind Hauptinhalte des 2. und 3. Buchs Mose -, sondern auf die gesamte, seit der Schöpfung geoffenbarte Lebensordnung für das erwählte Volk Gottes. Die Einzelbücher heißen im Hebräischen nach ihren ersten Worten; in der Kirchensprache Latein, die darin der griechischen Bibelübersetzung folgte, bezeichnen sie das Hauptthema des jeweiligen Buchs:
- Bereshit ("Im Anfang") / Genesis ("Schöpfung, Ursprung")
- Schemot ("die Namen") / Exodus ("Auszug")
- Wajikra ("Und Gott rief") / Levitikus ("Priesterschrift")
- Bemidbar ("In der Wüste") / Numeri ("Zahlen")
- Debarim ("die Worte") / Deuteronomium ("zweites Gesetz").
Die Tora umfasst demnach die Geschichte der Welt und des Gottesvolks Israel als Heilsgeschichte, beginnend mit der Schöpfung (Siehe auch:Wiege der Menschheit) und den Geschichten der Erzväter, dem Auszug Israels aus Ägypten, der Gesetzgebung unter Mose und dem Zug ins verheißene Land. Sie wurde wohl schon im 6. vorchristlichen Jahrhundert kanonisiert.
Ihre ältesten Stoffe entstanden im Verlauf von Wanderungsbewegungen von Nomaden im Zweistromland und aus Ägypten, die seit etwa 1200 v. Chr. in das Kulturland Kanaan einsickerten und dort sesshaft wurden. Sie wurden über Jahrhunderte zunächst mündlich tradiert; ihre Verschriftung und Zusammenstellung begann erst um 1000 v. Chr., nachdem aus dem losen Stämmebund verschiedener Hebräer ein Staatswesen nach dem Vorbild antiker Monarchien geworden war.
Die Propheten
Als "Propheten" gelten im Judentum die angenommenen Autoren folgender Bücher:
- Josua,
- Richter,
- Samuel (ein Buch),
- Könige (ein Buch),
- Jesaja,
- Jeremia,
- Hesekiel,
- das Zwölfprophetenbuch.
Die ersten vier dieser Bücher erzählen die Geschichte Israels vom Tod des Mose, der Landverteilung an die Stämme bis zum Ende der beiden Staaten Israel und Juda und der Zerstörung des 1. Jerusalemer Tempels (586 v. Chr.). Sie werden im Christentum nicht zu den Propheten gezählt, sondern als "Geschichtsbücher" betrachtet.
Die folgenden drei "großen" Propheten sind nach Analogie der drei Erzväter jeweils einem Buch zugeteilt; die übrigen "kleinen" Propheten sind als Analogie zu den zwölf Söhnen Jakobs, den angenommenen Stammvätern der Stämme Israels, in zwölf Bücher eingeteilt.
Das erste Prophetenbuch betont gleich zu Beginn (Jos 1,5) die Unterordnung des Josua unter die Autorität des Mose; Maleachi schließt als letzter der zwölf kleinen Propheten mit der erneuten Rückbindung an das mosaische Gesetz. Diese Hierarchie gilt also für alle Propheten, die demgemäß erst recht spät kanonisiert wurden: frühestens im 4. Jahrundert v. Chr. nach der Abspaltung der Samaritaner, für die allein die Tora "Wort Gottes" blieb.
Andererseits betont die ganze Prophetie die Offenheit der Geschichte Israels für eine ganz neue, noch nicht offenbar gewordene Zukunft. Das Phänomen der prophetischen Zukunftsverheißung, die die ganze Schöpfung in Gottes Geschichte mit dem erwählten Volk einbezieht und ihre radikale Erneuerung thematisiert, ist ein Hauptmerkmal des Judentums im Unterschied zu anderen antiken Religionen. Sie setzte sich in der Zeit Jesu von Nazarets mit dem Auftreten Johannes des Täufers fort.
Die Schriften
Zu den "Schriften" (Ketuvim) des Tanach gehören:
- Psalmen
- Hiob
- Sprüche Salomos
- Ruth
- das Hohe Lied
- Kohelet (Prediger)
- Klagelieder (im christlichen Alten Testament zum Propheten Jeremia gehörig)
- Ester
- Daniel (im AT als eigenes Prophetenbuch)
- Esra
- Nehemia
- Chronik (zwei Bücher).
Es handelt sich um Werke, in denen eher die Menschen reden als Gott. Sie sind alle nach dem Exil und später entstanden als die vorherigen "klassischen" Propheten, überwiegend ab 200 v. Chr.. Einige sind vor oder parallel zu den zwölf kleinen Propheten entstanden. Dennoch ist ihre theologische Bedeutung diesen nachgeordnet. Ihre Kanonisierung geschah spät, für das Buch Daniel erst 135 n. Chr. mit dem Abschluss des Tanach.
Nur fünf dieser Bücher werden als "Festrollen" im Synagogengottesdienst verlesen und sind wichtigen Festen des Judentums zugeordnet:
- Ruth: Wochenfest
- Hohes Lied: Pessach
- Kohelet: Laubhüttenfest
- Klagelieder: Gedenktag derTempelzerstörung
- Ester: Purimfest.
Auch dieser dritte Hauptteil bezieht sich betont am Anfang auf die Tora (Ps 1,1):
:Wohl dem, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt, ... sondern hat Lust zur Weisung des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht.
Das zweite Chronikbuch endet mit dem Ausblick auf den Neubau des Tempels und die Anerkennung JHWHs als Herrn der ganzen Erde: Auch hier ist Israels Zukunftsperspektive untrennbar mit der Weltgeschichte verknüpft.
Die christliche Bibel
Das Alte Testament (AT)
Alle kanonischen Schriften des jüdischen Tanach haben - wenn auch in teilweise anderer Reihenfolge - Eingang in das christliche "Alte Testament" gefunden. Angesichts dieser Gemeinsamkeit mit dem Judentum wird christlicherseits inzwischen statt vom "Alten Testament" auch die Bezeichnung "Erstes Testament" verwendet, um der Vorstellung einer Vorrangstellung des späteren "Neuen Testaments" vor dem "Alten Testament" entgegenzutreten, die in der Geschichte der Judenmission und des christlichen Antijudaismus ("Oremus et pro perfidis Judaeis", "Lasset uns auch beten für die treulosen Juden", Karfreitagsliturgie bis 1970) oft die ideologische Grundlage für Pogrome darstellte. Heute stimmen fast alle christlichen Konfessionen darin überein, dass beide Teile gleichberechtigt zum Bestand der christlichen Bibel gehören. Im Unterschied zum jüdischen Verständnis gesteht die christliche Theologie dem Tanach aber weiterhin keine eigenständige Autorität zu, sondern interpretiert den Pentateuch aus der Perspektive der christlichen Heilsgeschichte, in der der zweite Bund ("Neues Testament") den ersten aufhebe und/oder erfülle.
Das Neue Testament (NT)
Das "Neue Testament" entstand in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. im jüdisch-christlichen Umfeld. Es ist fast durchgängig in griechischer Sprache, genauer: in der so genannten Koine verfasst. Es enthält in den Evangelien einige aramäische Begriffe, Aramäisch war die damalige Umgangssprache in Palästina und zeitweise lingua franca des antiken Nahen Ostens.
Das Neue Testament besteht aus:
- erzählenden Schriften
- vier Evangelien
- die Apostelgeschichte
- belehrender Briefliteratur
- Paulusbriefe
- Brief an die Hebräer
- Katholische Briefe
- einer prophetischen Vision
- Offenbarung des Johannes (Apokalypse).
Die Zugehörigkeit der vorgenannten Schriften zum "Neuen Testament" ist in allen christlichen Religionsgemeinschaften unumstritten (mit Ausnahme der Syrisch-Orthodoxen, die einige davon nicht anerkennen; die Offenbarung des Johannes wird auch bei den anderen Orthodoxen nicht öffentlich verlesen).
Das "Neue Testament" erzählt in den Evangelien von Jesus von Nazaret, der als Christus bezeichnet wird, und in der Apostelgeschichte von den Anfängen der Kirche. Dabei wird der überwiegende Teil des Erzählstoffes unter Aufnahme und in Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des Volkes Israel und unter Verwendung alttestamentlicher Themen und Bilder dargestellt. In den Briefen versuchen die Autoren, Antworten auf Glaubensfragen zu geben, das Leben in den neuen Gemeinden zu organisieren und auf anstehende Probleme in den Gemeinden zu reagieren, oder den Christen ihrer Zeit mit mahnenden und tröstenden Worten zur Seite zu stehen.
Das Verhältnis von Altem und Neuen Testament
Das Christentum nennt die bereits lange vor seiner Entstehung vorliegende jüdische Sammlung heiliger Schriften Altes Testament (AT) im Gegenüber zum Neuen Testament, das die um 180 kanonisierten Schriften des Urchristentums umfasst.
Der lateinische Begriff testamentum übersetzt den griechischen Ausdruck diatheke, der seinerseits das hebräische berith (Bund, Verfügung) übersetzt. Er meint nicht wie in der antiken Umwelt ein zweiseitiges Vertragsverhältnis, sondern eine einseitige unbedingte Willenserklärung. Dies bezieht sich im Tanach auf Gottes heilsstiftende Taten und Bekundungen in der menschlichen Geschichte, besonders auf den Bundesschluss Gottes mit dem ganzen Volk Israel am Berg Sinai nach der Offenbarung der Gebote (Exodus 24). Ihm gehen Gottes Schöpfungsbund mit Noah (Genesis 9), die Berufung Abrahams zum "Vater vieler Völker" (Genesis 12) und der Bund mit Moses zur Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei voraus (Exodus 3). Zudem wird in der Prophetie des Tanach ein "neuer Bund" verheißen (Jeremia 31), der alle Völker einbeziehen werde (Joel 4).
Für Christen hat sich diese Verheißung in Jesus Christus als dem fleischgewordenen Wort Gottes erfüllt. In seinem Tod und seiner Auferstehung wurde für sie Gottes "letzter Wille" offenbar. Damit wurde Gottes Bund mit dem erwählten jüdischen Gottesvolk für die Urchristen aber nicht ersetzt, sondern erfüllt und so endgültig bekräftigt. Beide "Testamente" liegen als Gottes endgültige Offenbarung in verbindlicher Schriftform vor und beanspruchen über Jesu Tod hinaus unbedingte Geltung. Die Gegenüberstellung von "altem" und "neuem" Bund ist besonders auf die Zentraldaten beider Religionen bezogen: den Exodus Israels, die Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Sie werden gemeinsam als jene Taten Gottes aufgefasst, in denen er sein volles Wesen zeigt. Sein letzter Wille widerspricht seinem ersten Willen nicht, sondern bestätigt und erneuert ihn für die ganze Welt.
In der Kirchengeschichte wurde der Begriff "Altes Testament" jedoch bis 1945 fast nur als Herabsetzung gedeutet: Das Judentum galt als veraltete, überholte, zum Untergang bestimmte Religion. Die Gesetzesoffenbarung Gottes am Sinai sei vom Selbstopfer Jesu Christi auf dem Hügel Golgota abgelöst worden. Gott habe Israel "enterbt" und den Christen die Verheißungen übergeben, so dass Heil nur noch in der Kirche liege.
Wegen der fatalen Folgen dieser antijudaistischen Abwertung des Tanach bis hin zum Holocaust wird der Begriff "Altes Testament" heute von den Großkirchen und vielen Theologen zwar nicht aufgegeben, aber als "Erstes Testament" übersetzt. Um Vorrang und Weitergeltung des lebendigen Bundes Gottes mit seinem Volk Israel zu betonen und die traditionelle Diskriminierung und religiöse Enteignung des Judentums zu überwinden, verwenden viele Christen auch die Bezeichnung "Hebräische" oder "Jüdische Bibel" oder "Hebräisch-Aramäische Schriften".
Gleichwohl weicht deren inhaltliche Deutung in beiden Religionen, aber auch zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen voneinander ab. So haben nicht alle Teile der Tora für Christen denselben Rang und die gleiche Gültigkeit wie für Juden, da sie in ihrem Glauben durch Jesus Christus bereits erfüllt, auf die Gottes- und Nächstenliebe konzentriert und so relativiert wurden.
Für Christen spielt auch die mündliche Tora-Auslegung (Halacha) keine Rolle, die im Talmud fixiert wurde und im Judentum nahezu gleichrangig mit der Tora tradiert wird. Erst in neuerer Zeit hat die von der Judaistik lernende neutestamentliche Forschung wiederentdeckt, dass Jesu eigene Verkündigung zu weiten Teilen eine Form der Halacha im Dialog mit anderen damaligen jüdischen Gruppen war. Dabei wird die traditionelle Deutung etwa der Bergpredigt als "Aufhebung" der Tora, die jüdische Gebote wie das Ius talionis ("Auge um Auge") außer Kraft setze bzw. auf allgemeingültige Normen hin transzendiere, heute vielfach als von christlichen Vorurteilen bestimmte Fehldeutung angesehen (siehe dazu Feindesliebe).
Entstehung
Textgeschichte
Antike Handschriften waren mit ruß- und harzhaltiger Olivenöl-Tinte auf Papyrus- oder Leder-Rollen notiert. Eine Rolle konnte nur begrenzte Inhalte aufnehmen. Die älteste noch erhaltene Gesamtrolle eines biblischen Buches ist die 7,5 Meter lange Jesajarolle aus Qumran, um 180 v. Chr. entstanden. Von weiteren Büchern des Tanach aus dieser Zeit existieren vielfach nur noch Fragmente.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand der Pergamentkodex, in dem sich mehrere Buchrollen zusammenfassen ließen. Reste von Papyruskodices mit griechischen alt- und neutestamentlichen Texten stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert: Der älteste existierende Text des NT überhaupt ist der Papyrus P52 mit einem Fragment aus dem Johannesevangelium, entstanden um 120.
Der hebräische Tanach war in Teilen bereits seit etwa 250 v. Chr. in Alexandria in die griechische Verkehrssprache, die Koine, übersetzt worden und wurde um 100 n. Chr. abgeschlossen. Die Ausbreitung des Christentums trug entscheidend zur Bewahrung dieser sogenannten Septuaginta bei. Ihre ältesten vollständigen Texte, die zugleich auch das ganze NT enthalten, sind der Codex Sinaiticus und der Codex Vaticanus aus dem 4. Jahrhundert, dicht gefolgt vom Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert. Auf sie geht auch die lateinische Übersetzung des Hieronymus, Grundlage der Vulgata der römisch-katholischen Kirche, zurück.
Mit der endgültigen Kanonisierung des Tanach um 135 ergab sich die Notwendigkeit einer einheitlichen Fassung und Vokalisierung des hebräischen Konsonantentextes. Damit begann die 1000jährige Arbeit der Masoreten. Auf ihrer Textvereinheitlichung beruhen die ersten vollständigen hebräischen Bibelhandschriften des Mittelalters, allen voran der Codex Petropolitanus von 1008. Diese hebräische Version des Tanach galt seit der Renaissance als gemeinsame Urform aller späteren Bibelübersetzungen. Sie liegt der Bibelübersetzung des Erasmus von Rotterdam und damit auch dem Alten Testament der Lutherbibel zugrunde.
Die Auffindung ausrangierter Bibelfragmente in der Synagoge von Kairo um 1850, vor allem aber der Schriftrollen vom Toten Meer (1947 - 1956 und 1961) brachte die Annahme eines einheitlichen hebräischen "Urtextes" vollends zum Einsturz: Vor und nach seiner Kanonisierung existierten mehrere voneinander abweichende Textvarianten des Tanach parallel zueinander, neben der Septuaginta vor allem der Samaritanische Pentateuch aus dem 4. Jahrhundert v. Chr..
Die neuen Schriftfunde bestätigten aber auch die große Übereinstimmung der masoretischen Versionen mit den älteren hebräischen Bibeltexten. Diese Disziplin bei der Textüberlieferung geht auf ein Gebot in der Tora selbst zurück: In 5. Mose 4,2 und 12,32 wird streng untersagt, Gottes Wort etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen.
Die Annahme eines Primärtextes hat historische Textkritik jedoch unwiderruflich widerlegt: Hinter allen bekannten Textfassungen der Bibel und den meisten ihrer Einzelschriften stehen eine Vielzahl von Verfassern und Redaktoren, die an der Überlieferung mitwirkten. Die gemeinsame Version der Masoreten stand erst am Ende, nicht am Anfang dieses Traditionsprozesses.
Siehe auch Textgeschichte des Neuen Testaments
Verschiedene Kanonisierungen
Das lateinische Wort "Kanon" bedeutet "Richtschnur" oder "Richtmaß" und meint hier die festgelegte Anzahl der Bücher, die in einer bestimmten religiösen Gemeinschaft als heiliges Wort Gottes gelten. Mit einer gewissen Eigendynamik tendierte die Sammlung von Schriften mit autoritativem theologischen Anspruch zu einem verbindlichen Abschluss ihres Umfangs und ihrer Inhalte. Diesen Prozess nennt man "Kanonisierung".
Deren Anfänge lagen in der vorexilischen Königszeit der Reiche Israel und Juda: So berichtet 1. Kön 22 von der Auffindung eines "Gesetzbuchs" im Jerusalemer Tempel, das den judäischen König Josia 621 v. Chr. zu einer jahwistischen Kultreform und Abschaffung des Synkretismus veranlasst haben soll. Gemeint war das Deuteronomium (5. Buch Mose), das seinerseits in vieler Hinsicht die Gebotsoffenbarung am Sinai (2.-3. Buch Mose) aktualisierend wiederholt. Spätestens seit dem Wiederaufbau des Tempels 539 v. Chr. war die Tora als erster und wichtigster Teil des Tanach kanonisch; für die Samaritaner bildete sie bei ihrer Abspaltung im 4. Jahrhundert v. Chr. das einzige, maßgebende Gotteswort.
Das Neue Testament setzt bereits den ganzen Tanach als verbindliche Basis des jüdischen Gottesdienstes voraus, etwa bei Jesu Antrittspredigt in Nazaret, die nach Lk 4,14-21 mit einer Lesung der "Schrift" begann. Vom "Gesetz" ist oft im Zusammenhang mit Tora-Auslegungen Jesu die Rede, etwa zu Beginn der Bergpredigt. Dort wird die kanonische Geltung der Tora bis zur Parusie bekräftigt (Mt 5,18):
:Wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis alles geschieht.
Häufig werden "Gesetz und Propheten" als Kürzel für die Gesamtheit der biblischen Überlieferung vom Bundeswillen Gottes genannt. Auch eine dreigliedrige Form des Tanach wird im Mund des Auferstandenen für die Christen verbindlich gemacht (Lk 24,44):
:Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.
Der Tanach wurde nach der zweiten Zerstörung des Jerusalemer Tempels 70 und der Niederlage im letzten jüdischen Krieg gegen die Römer 135 endgültig kanonisiert. Er umfasste laut Flavius Josephus 22 Bücher wie das hebräische Alphabet, laut des außerkanonischen 4. Esrabuchs dagegen 24 Bücher (2 mal 12 wie die Zahl der Stämme Israels). Dabei wurden aber nur dieselben Schriften verschieden zusammengelegt.
Der Kanon der Septuaginta enthielt zudem die Bücher Judit, Tobit, Erweiterungen der Bücher Ester und Daniel, die beiden ersten Makkabäerbücher, den Propheten Baruch, die Weisheit Salomos und das Buch Jesus Sirach. Diese zusätzlichen Schriften nennt man heute besonders im evangelischen Raum oft "deuterokanonisch".
Sie gelangten nicht in den Kanon des Tanach, wanderten aber durch ihre lateinische Übersetzung in die lateinische Vulgata ein. Der katholische AT-Kanon enthält demnach 46 Bücher, der orthodoxe noch mehr. Sein Umfang ist dennoch zu 90% deckungsgleich mit der Hebräischen Bibel.
Das Neue Testament umfasste zur Zeit seiner Kanonisierung (um 180) 27 griechische Einzelschriften, davon 4 Evangelien und 21 Briefe. Alle zusammen erreichen insgesamt nur ein Viertel des Umfangs des Alten Testaments.
Martin Luther übernahm mit seiner Übersetzung des Tanach auch dessen Kanon, den er in 39 Bücher einteilte. So erlangte dieser auch im Protestantismus Gültigkeit. Die evangelische Gesamtbibel umfasst also 66 Bücher, wobei sich das evangelische AT nur nach Anordnung und Aufteilung vom Tanach unterscheidet.
Zwar übersetzte Luther auch die weiteren Schriften der Septuaginta und hängte sie seiner Bibelübersetzung an, bewertete sie aber als geheime "Apokryphen" und menschliche Bücher: so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind. Den Begriff "Apokryphen" reserviert man heute dagegen meist für die aus dem NT-Kanon ausgegrenzten christlichen, von fast keiner Kirche anerkannten Schriften.
Die katholischen, orthodoxen und evangelischen Konfessionen betrachten die ganze Bibel als alleinigen Maßstab ihres Glaubens, als norma normans. Der Theologe Dietrich Kuessner formuliert ([http://bs.cyty.com/kirche-von-unten/archiv/kvu109/Auseinandersetzung.rtf]):
:Das Bekenntnis ist im Verhältnis zur Bibel nachgeordnet, eine bereits von der Schrift geprägte Norm (norma normata).
Demnach haben sich alle Glaubensäußerungen, Bekenntnisschriften und Dogmen an der Bibel zu messen. In ihnen darf theoretisch nichts geregelt sein, was dem biblischen Zeugnis widerspricht.
Dennoch wird das Verhältnis der Bibel zur folgenden kirchlichen Tradition konfessionell verschieden gesehen: In der katholischen Kirche ist das päpstliche Lehramt die maßgebende, letztlich alleinige Autorität zur Auslegung der Schrift. Damit wird aus evangelischer Sicht ein nicht biblisch begründetes Amt der Bibelauslegung übergeordnet. Hier gibt es faktisch keine einheitliche Lehre, da die Schriftauslegung Sache des Einzelgewissens bleibt.
In allen auf die Bibel bezogenen jüdischen oder christlichen Konfessionen und Denominationen haben Glaubensbekenntnisse, Liturgie und andere mündliche oder schriftliche Traditionen eine wichtige Bedeutung für ihr Selbstverständnis. In der katholischen Tradition sind etwa die Apostolischen Väter, die bereits im 3. Jahrhundert fast kanonische Bedeutung hatten, neben der Bibel wesentlich. Aber nur einige christliche Sekten wie die Mormonen und Christliche Wissenschaft setzen ihre Bekenntnisse der Bibel gleich.
Im Judentum wird das Verhältnis zwischen Tanach und Tradition, vor allem in Gestalt von Mischna und Talmud, ähnlich betrachtet wie im Katholizismus, obwohl es auch hier wie im Protestantismus kein autoritatives Lehramt, sondern faktisch Pluralismus der Bibelauslegung gibt.
Geschichte oder Mythos
In der Diskussion, inwiefern die biblischen Erzählungen als historische Berichte gelten können, treffen verschiedene Auffassungen aufeinander.
- Ein großer Teil der evangelikalen Bewegung begreift die Bibel als Geschichtsbuch und betont, dass "die Bibel absolut irrtumslos und unfehlbar" sei (Johannes Vogel, Breckerfeld; in: idea-Pressedienst 46/004). Dabei gibt es divergierende Positionen: Die "Chicago Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift" von 1978, betont, "daß die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos und damit frei von Fehlern, Fälschungen oder Täuschungen ist" (zitiert nach idea-Pressedienst 25/2003); dies umfasse auch naturwissenschaftliche Aussagen (Biblischer Fundamentalismus). Weitaus verbreiteter ist die Meinung, dass die Bibel als Gottes Wort hinsichtlich ihrer Glaubensaussagen und der Fragen zur Lebensführung unfehlbar sei.
- Die historisch-kritische Exegese geht davon aus, dass die Texte der Bibel nur vor ihrem historischen Hintergrund und unter Berücksichtigung ihrer literarischen Form verständlich sind. Die Bibel erzähle nicht Geschichte, sondern Heilsgeschichte. Der historische Gehalt der biblischen Erzählungen wird in ihren verschiedenen Teilen sehr unterschiedlich beurteilt. Speziell die Methoden der (nichttheologischen) Literar- und Formkritik sowie allgemein die Methoden der historischen Forschung dienen hierzu als Hilfsmittel. Insbesondere wird biblischen Texten, die nicht beanspruchen, historische Tatsachen zu berichten, nicht unterstellt, Geschichte erzählen zu wollen. Anderen Teilen der Bibel wird hingegen relativ hohe geschichtliche Zuverlässigkeit zugeschrieben. Eine Sonderstellung nehmen die Evangelien ein. Sie beanspruchen nicht, Geschichtswerke zu sein oder Fakten aus dem Leben Jesu zusammenzutragen, sondern verstehen sich als Frohe Botschaft. Ihr Ziel ist, den Glauben an den auferstandenen Jesus Christus zu bezeugen. Den Evangelien sei zwar historisch zuverlässiges Material zu entnehmen, wichtiger aber sei es, die Glaubensbotschaft der Evangelien verständlich und lebendig zu machen.
- Nichttheologische Historiker verstehen die Bibel als ein literarisches Werk. Gattungsgeschichtlich gehören die Texte in die literarischen Kategorien des Mythos, der Sagen, Gleichnisse, Parabeln, Gedichte, Briefe und Geschichtsschreibung. Die Texte stellen eine wertvolle Quellensammlung für die Erforschung ihrer jeweiligen Entstehungszeit dar. Die Historizität der Erzählungen selbst wird als relativ gering eingeschätzt.
- Weniger weit verbreitet ist der Glaube, bei der Bibel handele es sich um ein magisches Buch, mit welchem wichtige Ereignisse in der Zukunft vorhergesehen werden könnten. Manche Menschen haben einige Zeit ihres Lebens damit verbracht den vermuteten Bibelcode zu entschlüsseln, um an die geheimen Botschaften zu gelangen. Bislang ist die Existenz eines solchen Codes nicht bewiesen.
Übersetzungen
Während die Orthodoxen Kirchen schon früh Bibeln in der Landessprache verwendeten, war für die katholische Kirche praktisch seit dem Altertum die lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus, die so genannte Vulgata maßgebend, auch wenn immer wieder Bibeln in die Volkssprache übersetzt wurden.
So übersetzte im 4. Jahrhundert bereits der gotische Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische, und erstellte die nach ihm benannte Wulfilabibel. Wulfila war allerdings nicht katholisch. Auch die Vulgata selbst war ursprünglich eine Übersetzung in die Volkssprache, als sie entstand war Latein ja noch Umgangssprache. Die Wandlung des Lateinischen zu den romanischen Sprachen machte die westliche Bibel dann allerdings nicht mehr mit, und auch in den germanischen und keltischen Gebieten Westeuropas wurde die Bibel nur auf Lateinisch gelehrt.
Im Spätmittelalter entstand eine Reihe von deutschen Bibelübersetzungen. Besonders die Reformatoren, aber auch schon einige ihrer Vorläufer (Petrus Waldes, John Wycliff) sahen den direkten Zugang zur Bibel in der Landessprache als wesentlich für den christlichen Glauben an. Durch die Übersetzung der Reformatoren Luther und Zwingli in den Jahren 1522-1534 wurde die Bibel zum ersten Mal einer größeren Leserschaft im deutschen Sprachraum zugänglich. Maßgeblichen Beitrag dazu leistete die Erfindung des Buchdrucks. Die Lutherbibel wurde Grundlage einerseits für die weite Verbreitung der Bibel in Deutschland, andererseits für ihre kritische Lektüre vor allem seit der Aufklärung und hatte auch eine große Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Schriftsprache. Gedruckt wurde sie in der Schwabacher Schrift.
Heute gibt es eine gute Auswahl an Bibelübersetzungen in deutscher Sprache. Neben der klassischen (inzwischen mehrfach überarbeiteten) Lutherbibel sind erwähnenswert: die sehr wortgetreue Elberfelder Übersetzung, die ebenfalls recht wortgetreue und etwas besser lesbare Zürcher Bibel, die katholische (bzw. für die Psalmen und das Neue Testament katholisch-evangelische) Einheitsübersetzung, die eine verständliche Sprache und gute Brauchbarkeit für liturgische Zwecke aufweist, und die modernen Übersetzungen "Gute Nachricht" und "Hoffnung für Alle", die die alten Texte durch eine freiere Übersetzung in eine zeitgemäße und sehr gut verständliche Sprache übertragen haben. Eine Sonderrolle nimmt die Schlachter-Bibel ein, die Genauigkeit mit einer gut verständlichen Sprache vereint, teilweise aber eine sehr umstrittene Wortwahl bietet.
Einzelheiten zu deutschen Bibelübersetzungen sind im Artikel Bibelübersetzung zu finden.
Die Rolle der Bibel im Islam
Auch für den Islam gelten die Bücher der Bibel als von Gott stammende, aber von den Menschen verfälschte Schriften. Da viele Erzählungen und Lehren des Tanach und des NT auch im Koran, der heiligen Schrift des Islam, enthalten sind, sind viele Muslime mit den wichtigsten Inhalten der Bibel vertraut.
Die Zentralgestalten der Bibel, vor allem Abraham, Mose, Elia, Jesus sind auch für Muslime Propheten, die den Menschen Gottes Willen offenbaren. Sie sind für sie aber nur Vorläufer des letzten Propheten Mohammed, die bestätigen, dass er als einziger Gottes vollgültiges Wort erhalten habe. So deutet etwa Huseyn al-Dschisri 114 Stellen in der Bibel als Hinweise auf Mohammeds Prophetentum.
Verwendung im jüdischen und christlichen Gottesdienst
Verbreitung
Die hebräische Bibel ist, als Übersetzung im Alten Testament der christlichen Bibel, das meistgedruckte und am weitesten verbreitete Buch der Welt. Es existieren Gesamtübersetzungen in 392 Sprachen und Teilübersetzungen in weiteren 2377 Sprachen. Für die Verbreitung der Bibel setzen sich Bibelgesellschaften weltweit ein. In Deutschland sind dies insbesondere:
- Deutsche Bibelgesellschaft (evangelisch) http://www.dbg.de
- Katholisches Bibelwerk http://www.bibelwerk.de
Unabhängig von den traditionellen Bibelgesellschaften engagiert sich die Organisation "Wycliff":
- Wycliff-Projekt http://www.wycliff.de/neu/index.php
Zitate
in der Bibel selbst
- "Denn die ganze Heilige Schrift ist von Gottes Geist eingegeben. Sie lehrt uns, die Wahrheit zu erkennen, unsere Schuld einzusehen, uns von Grund auf zu ändern und so zu leben, dass wir vor Gott bestehen können. Sein Wort zeigt uns, wie wir als veränderte Menschen fähig werden, in jeder Beziehung Gutes zu tun." Paulus in 2. Tim. 3,16-17 (Bibelübersetzung Hoffnung für Alle)
- "Das Wort Gottes ist lebendig, es ist eine wirkende Macht. Es ist schärfer als das schärfste beidseitig geschliffene Schwert. So wie ein Schwert tief einschneidet, die Gelenke durchtrennt und das Mark der Knochen freilegt, so dringt das Wort Gottes ins Innerste von Seele und Geist. Es deckt die geheimen Wünsche und Gedanken des Menschenherzens auf und hält über sie Gericht." (Hebr 4,12 Gute-Nachricht-Bibel; siehe jedoch Wort Gottes)
- "Das bekenne ich aber dir, daß ich nach diesem Wege, den sie eine Sekte heißen, diene also dem Gott meiner Väter, daß ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten," (Apg 24,14 Lutherbibel)
- "Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?" Jesus in (Joh 3,12 Elberfelderübersetzung)
über die Bibel
- "Sie werden lachen: Die Bibel!" (Bertolt Brecht, deutscher Dramatiker und Lyriker (1898-1956) auf die journalistische Frage nach seiner Lieblingslektüre)
- "Was mich an der Bibel stört, sind nicht die Teile, die ich nicht verstehe, sondern diejenigen, die ich kapiere." (Mark Twain, US-amerikanischer Schriftsteller (1835-1910))
- "Das gefährlichste aller Bücher in weltgeschichtlicher Hinsicht, wenn durchaus einmal von Gefährlichkeit die Rede sein sollte, ist doch wohl unstreitig die Bibel, weil wohl kein anderes Buch so viel Gutes und Böses im Menschengeschlecht zur Entwicklung gebracht hat." (Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, Naturwissenschaftler und Staatsmann, am 10.11.1810)
- "Die Bibel gleicht einem Acker, der nie abgeerntet werden kann und deshalb nie öde und leer daliegt. Sie gleicht einer Quelle die beständig fließt und um so reichlicher strömt, je mehr man daraus schöpft." (Ephräm der Syrer (306-373), syrischer Kirchenlehrer (Quelle: [http://dreifaltigkeit-altdorf.de/zitate_bibel.htm]))
- "Neben die Bibel gehalten sind alle menschlichen Bücher, auch die besten, doch nur wie Planeten, die alle ihr Licht und ihren Glanz von der Sonne empfangen." (Robert Boyle (1627-1691), britischer Chemiker und Physiker, Quelle: [http://www.die-bibel-lebt.de/ozitat.htm])
- "Ich glaube, dass die Bibel allein die Antwort auf all unsere Fragen ist und dass wir nur anhaltend und demütig zu fragen brauchen, um die Antwort von ihr zu bekommen." (Dietrich Bonhoeffer, evangelischer Theologe)
- "Ein Christ ohne die Bibel ist wie ein Flussbett ohne Wasser." (Ulrich Fick, Quelle: [http://www.die-bibel-lebt.de/ozitat.htm])
- "Die Heilige Schrift kann nie lügen oder irren. Ihre Aussprüche sind absolut und unverletzlich wahr. Sie selbst kann nie irren, nur ihre Ausleger können in verschiedener Weise irren, denn an vielen Stellen ist sie einer vom unmittelbaren Wortsinn verschiedenen Auslegung nicht bloß fähig, sondern auch bedürftig." (Galileo Galilei, Quelle: [http://www.die-bibel-lebt.de/ozitat.htm])
- "Die Aussage, bei der Bibel handele es sich um den Weltbestseller der Buchgeschichte, ist eine Untertreibung." (ZDF-Lieblingsbücher 2004 Quelle: [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,2189666,00.html])
- Mahatma Gandhi sagte einmal: "Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen, dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist - sonst weiter nichts."
Literatur
- Klaus Koch u.a. (Hrsg.): Reclams Bibellexikon. Siebte, überarbeitete und erweiterte Auflage 2004, ISBN 3150105552
- David Gooding: Die Bibel - Wahrheit oder Mythos? Bielefeld, Zweite Auflage 2001, ISBN 3893974687 [http://clv.dyndns.info/pdf/255468.pdf (PDF-Download)]
- John F. MacArthur: Basisinformationen zur Bibel. Bielefeld 2003, ISBN 3893976442 [http://clv.dyndns.info/pdf/255644.pdf (PDF-Download)]
- Annemarie Ohler: dtv-Atlas Bibel, ISBN 3423033266
- Hans-Peter Schmidt: Schicksal Gott Fiktion - Die Bibel als literarisches Meisterwerk. ISBN 3506713922 [http://www.schicksal-gott-fiktion.de (Homepage des Buches)]
- Volker Neuhaus: Schnellkurs Bibel. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln, September 2005, ISBN 3832176357
- Kamal Salibi: Die Bibel kam aus dem Lande Asir. Reinbek (Hamburg) 1985. ISBN 3498061798
Siehe auch
- Portal:Bibel
- Liste der Bücher der Bibel
- Schreibung biblischer Namen
- Kanon des Alten Testaments
- Kanon des Neuen Testaments
- Textkritik des Neuen Testaments
- Bibelübersetzung
- Kinderbibel
- Apokryphen
- Bibeltelefon
- Biblische Einleitungswissenschaft
- Heilsgeschichte
- Maße und Gewichte in der Bibel
- Bibelkritik
- Gewalt in der Bibel
- The Sword Project, MyBible-Software
- Bibelstudium
- Typologie (Bibel)
- Bibelverfilmungen
- Bibel-Quiz
- Kreationismus (Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube)
- Interpolationstheorie (Religion)
Weblinks
-
-
Inhaltsangaben
- [http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/bibel-inhaltsangabe.pdf Inhaltsangaben zu allen 66 Büchern der Heiligen Schrift] (Freikirchlich, hrsg. von G. Lorenz, PDF)
Sonstiges
- [http://www.dbg.de/ Deutsche Bibelgesellschaft]
- [http://www.bibelkommentare.de Bibelkommentare.de] Sammlung von Auslegungen und Kommentaren zur Bibel (freikirchlich)
- [http://www.die-bibel-lebt.de/ Wissenschaftliches und Spirituelles zur Bibel] (kath.)
- [http://www.ubf-dortmund.de/bibel/index.htm Bibel Online] - Umfangreiche Sammlung von deutschen Links zur Bibel (freikirchlich)
- [http://cgi.godsview.com/cgi-bin/rcdenig/pvseek.pl?search=&word= Bibelkonkordanz] (englisch, freikirchlich)
- [http://www.carlosmime.com/mybible Pantomimenprogramm zum Thema Bibel] (ökumenisch)
- [http://www.welt-der-bibel.de Portal für Bibelauslegung] (ökumenisch)
- [http://www.theologie-systematisch.de/erkenntnislehre/8schrift-tradition.htm Aktuelle Literatur zur Bibelauslegung] (Webseite katholisch, führt Literatur verschiedener Konfessionen auf)
- [http://www.bibelkritik.ch Kritische Analyse biblischer Texte] (Das Buch der Bücher im Licht von Wissenschaft, Vernunft und Moral)
- [http://www.bibel-literatur.de Forum für literarische Bibelinterpretation] (Die Bibel als Meisterwerk der Literatur)
- http://www.people.freenet.de/biblische_lehre : Wesentliche biblische Themen
!
Kategorie:Christentum
Kategorie:Heilige Schrift (Judentum)
Kategorie:Literarisches Werk
ja:聖書
ko:성서
simple:Bible
zh-min-nan:Sèng-keng
Griechische Sprache
Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen.
Siehe: Griko in Italien
Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden.
Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el
bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis
1453) grc.
Geschichte
1453
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist.
Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert.
Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden.
Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt.
Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus).
Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt.
Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.
Grammatik
Altgriechisch
Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie.
Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.
Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.
Nominale Wörter
Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
- (allgemeine) Regeln:
- Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
- Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
- Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache.
Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
- echter Akkusativ (direktes Objekt)
- adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
- echter Genitiv (Bereich)
- Separativ (Herkunft)
- Dativ
- echter Dativ (indirektes Objekt)
- Soziativ (Gemeinschaft)
- Instrumental (Mittel)
- Lokativ (Ort, Zeit)
Verben
Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm.
Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.
Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen)
Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung.
Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens)
Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.
Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen
Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten).
Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.)
Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.
Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.
Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck.
Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint.
In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt.
Der Imperativ drückt einen Befehl aus.
Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt).
Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung.
Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus.
Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:
Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)
Beispiele:
Aktiv: er löst (etwas)
transitives Medium: er löst (etwas) für sich
intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen
Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural).
Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.
Neugriechisch (Dimotiki)
Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation.
Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache:
Vokale
geschlossen
halbgeschlossen
offen
Alle Vokale werden kurz ausgesprochen.
laut IPA
Konsonanten
p t k
b d g
v δ z γ
f θ s χ
m n
l
r
Siehe auch
- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen
Literatur
- Geschichte:
- Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
- Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
- Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
- Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
- Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
- Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
- Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
- Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
- Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
- Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992
Weblinks
- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Einzelsprache
als:Griechische Sprache
ja:ギリシア語
ko:그리스어
ms:Bahasa Greek
simple:Greek language
th:ภาษากรีก
TraditionTradition bezeichnet die Überlieferung des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche in einer Kultur oder einer Gruppe. Der Gebrauch des Wortes ist allerdings nicht einheitlich. Unter Tradition versteht man unter anderem
- das Überlieferte, die Überlieferung selbst (traditum)
- das Überliefern, die Weitergabe (tradendum)
- Gepflogenheiten, Konventionen, Brauchtum
Begriff
Allgemein
Tradition stammt von lateinisch traditio („Übergabe, Auslieferung, Überlieferung“). Das Substantiv leitet sich wiederum her vom Verb tradere (aus „trans-“ 'hinüber-' und -dare 'geben'). Die Wortbedeutung entspricht weitgehend dem altgriechischen Wort paradosis.
Insgesamt lassen sich zwei Hauptbedeutungen unterscheiden: 1. Tradition als kulturelles Erbe und 2. Tradition als Tradierung. Forschungen zum Begriff und zum Verhältnis der beiden Hauptbedeutungen fallen in den Bereich der Traditionstheorie.
Tradition als kulturelles Erbe
Unter Tradition wird in der Regel die Überlieferung der Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche einer Kultur oder einer Gruppe verstanden. Tradition ist in dieser Hinsicht das kulturelle Erbe | | |