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Araber (Volk)

Araber (Volk)

Die Zuordnung einer Person zur Gruppe der Araber kann auf unterschiedlicher Grundlage erfolgen:
- politisch: leben in einem Land, welches zur Arabischen Liga gehört - das betrifft ca. 300 Millionen Menschen.
- linguistisch: sprechen eine arabische Sprache (siehe unten) - das betrifft ca. 200 Millionen Menschen.
- genealogisch: die Vorfahren stammen von einem bestimmten Volk der arabischen Halbinsel.
- ethnisch handelt es sich bei den Arabern um semitische Nomadenstämme im nördlichen und zentralen arabischen Steppengebiet. Oft spielen mehrere oder alle Merkmale eine Rolle. So sind nach Sir Hamilton Gibb Araber solche Menschen, "für die die Mission des Propheten Muhammad und die Erinnerung an das Arabische Reich das zentrale historische Faktum sind und die darüber hinaus die arabische Sprache und ihr kulturelles Erbe als ihre gemeinsame Wurzel betrachten und an ihr festhalten." Nachdem die Definition in unterschiedlichen Kulturkreisen und Zeiten stark voneinander abweicht, ist eine eindeutige Zuweisung nur im entsprechenden Kontext möglich.

Textquellen

Die ältesten Überlieferungen stammen von den Assyrern (Inschrift aus dem Jahre 853 v.Chr.), aus der Genesis (10. Kapitel) und von Aischylos (Prometheus). In den assyrischen Texten tauchen die Begriffe "Arabi", "Arabu" oder "Urbi" häufig als Bezeichnung für einen Landstrich oder für ein Volk auf, das in der nördlichen Region der arabischen Halbinsel lag bzw. lebte. Nicht zu verwechseln mit dem Volk der Sabäer die im Königreich Saba auf dem Staatsgebiet des heutigen Jemens lebten. Herodot und viele andere griechische und lateinische Schriftsteller bezeichneten als Arabien die ganze Arabische Halbinsel und als Araber alle ihre Bewohner (einschließlich derer der ostägyptischen Wüste zwischen Nil und Rotem Meer). Auf Relikten der im Süden der arabischen Halbinsel lebenden Stämme (Sabäer) wird der Begriff zum ersten mal von Personen, die auf der arabischen Halbinsel leben, gebraucht. Als Araber werden Beduinen und Räuber bezeichnet. Somit dient das Wort der Trennung der sesshaften Bevölkerung von der nomadisierenden Bevölkerung. In arabischer Sprache, aber noch in nabatäisch-aramäischer Schrift verfasst, tauchte das Wort 'raber im frühen vierten Jahrhundert nach Christus in einem Text der Grabinschrift von Namara auf und erzählt die Geschichte eines "Königs aller Araber" (Imru al-Qais), der die Oberherrschaft über alle Nomaden in Nord- und Zentralarabien beanspruchte.

Linguistische Definition

Zur Herkunft des Wortes arab existieren mehrere Ansätze. Einige führen es zurück auf die semitische Wurzel "Westen", die von den Bewohnern Mesopotamiens auf die Völker westlich des Euphrattals angewandt wurde; auch "Abhar" für "reisen, weiterziehen" wird als möglich angenommen. "A'raabi أعرابي" und "arabi عربي"; A'raabis sind die Nomaden, während arabis die Bewohner der Städte waren.

Arabisch-Islamische Expansion

Im Zuge der islamischen Expansion breiteten sich die Araber im 7. und 8. Jahrhundert von ihrem ursprünglichen Gebiet auf der arabischen Halbinsel nach Nordafrika, Spanien, Palästina, Syrien und Persien aus.

Bedeutungswandel des Wortes

Die Bedeutung des Begriffes Araber unterlag einem gewissen Wandel:
- In vorislamischer Zeit galt die Unterteilung der Araber zu Nomaden (A'raab) auch als Beduinen bekannt, Stadtbewohner (A'rab) und ausgestorbenen Stämmen. Darüber hinaus unterschied man die nordischen Adnan-Stämmen von den südlichen Qahtan-Stämmen. Die größte Konzentration der Araber war auf der arabischen Halbinsel zu finden, dennoch gab es arabische Stämme im Nil-Tal, im Römischen Reich und in Persien.
- In der Zeit des Propheten Mohammed hat sich an der Unterteilung nichts geändert. Die Sprache wurde aber einheitlicher, denn der Koran wurde in der städtischen Sprache von Mekka und Umgebung verfasst, was dazu führte, daß viele Dialekte verschwanden.
- Zur Zeit der Ausbreitung des Islamischen Weltreichs galten als Araber alle arabisch sprechenden Menschen, die zu einem arabischen Stamm oder zu dessen Nachfahren gehörten. Die Unterscheidung zwischen den Arabern und den Nichtarabern innerhalb des Staates war einfach, da die Vermischung der Völker sich noch am Anfang befand. Es war nie die Absicht eine strikte Trennlinie zwischen den Menschen zu ziehen.
- In der Blütezeit des Islamischen Weltreichs vermischten sich die Araber mit den anderen Völkern immer stärker. Der Islam und die arabische Sprache wurden die zentralen Gemeinsamkeiten der Bevölkerung des Islamischen Weltreichs. Die Ansiedelung der Turkvölker hat mit der Entwicklung des Begriffs Araber wenig zu tun.
- Am Ende des ersten Abbasidenstaates (13. Jahrhundert) setzt sich im Okzident zur Bezeichnung der Einwohner der islamischen Welt die Bezeichnung Sarazenen durch. Der erste Abbasidenuntergang war im Jahre 1258 in Bagdad durch die Mongolen. Der zweite Untergang war im Jahre 1517 in Kairo durch die Osmanen.
- Im Osmanischen Reich änderte sich hier auch nichts an der Grundunterteilung der Araber. Hier war der Herkunftsnachweis in vielen Fällen nicht mehr möglich. Deshalb bezeichnet man heutzutage jeden als Araber, der die Sprache spricht und sich zum Arabersein bekennt, es sei denn, man kann seine Herkunft nachweisen, dann gilt die Person als arabisch, auch ohne die Sprache zu können.

falsche Verwendung der Bezeichnung Araber

sehr beliebt ist die Bezeichnung 'Araber' auch für die iranischen Völker Irans, Afghanistans und Tadjikistans. Diese Bezeichnung ist jedoch gänzlich falsch, da sich die Perser sowohl durch Sprache, Sitten und Gebräuche (iranischer Kulturkreis), Religionen, Politik, Ethnie und Lebensraum streng unterscheiden. Durch die Nachbarschaft ist es da nicht verwunderlich, dass es in der gesamten Geschichte Irans immer wieder zu Kriegen zwischen diesen Völkern kam. Neuestes Beispiel: erster Golfkrieg. Um 641 unterlagen die Perser der islamischen Expansion, infolge dessen sie arabische Schrift und islamischen Glauben annahmen. Der Irak als Südgebiet des Irans ging an die Araber verloren. Die persische Sprache gehört zu den indoeuropäischen Sprachen. Im heutigen Iran macht der Anteil der Araber an der Bevölkerung ca. 3% aus.

Konfessionen

Die große Mehrzahl der Araber sind Muslime der verschiedenen islamischen Konfessionen. Die christlichen Araber gehören überwiegend den altorientalischen Kirchen an, wie z.B. der Assyrischen Kirche des Ostens, der koptischen Kirche oder der Syrisch-orthodoxen Kirche, in Syrien und Palästina finden sich aber auch viele Östlich-Orthodoxe und im Libanon katholische Maroniten. In neuerer Zeit gibt es auch kleine Gruppen von Protestanten, meist durch US-amerikanische Mission. schlauster araber:momo

Organisationen


- Arabische Liga

Literatur


- Bernard Lewis: Die Araber. - ISBN 3423308664 - Fundierte historische Einführung Kategorie:Nahost Kategorie:Arabien als:Araber ja:アラブ人 ko:아랍인

Arabischen Liga

Die Arabische Liga (جامعة الدول العربية) ist ein Verbund, eine Liga arabischer Staaten und wurde am 22. März 1945 in Kairo gegründet, wo sie auch ihren Sitz hat. Sie besteht aus 22 Mitgliedstaaten: 21 Nationalstaaten in Afrika und Asien sowie Palästina. Letzteres ist international nicht anerkannt und wird inoffiziell durch die PLO vertreten.

Ziele

Als Hauptziele des Verbunds gilt die Förderung der Beziehungen der Mitgliedstaaten auf politischem, kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet (Finanzwesen, Transport, Kultur, Gesundheitswesen, Medien). Ebenso soll die Unabhängigkeit und Souveränität der Mitgliedstaaten und der arabischen Außeninteressen gewahrt werden. Streitfälle der Mitglieder untereinander sollen verhütet und geschlichtet werden. Außerdem soll die Anerkennung Palästinas als unabhängiger Staat erreicht werden.

Organe

Zu den Organen der Arabischen Liga gehört der Rat der Arabischen Liga (Ligarat), welcher aus Vertretern der Mitgliedstaaten (meist Außenminister), der permanenten Kommission und dem Generalsekretariat zusammengesetzt ist. Seine Empfehlungen sind nur für die jeweils zustimmenden Mitglieder verbindlich und sie müssen, sollten sie umgesetzt werden, von den Staatschefs und Regierungen gebilligt werden. Es finden halbjährliche Konferenzen statt. Bei Bedarf können Gipfeltreffen der Könige und Staatschefs einberufen werden (zuletzt 1990 und 2001). Das Generalsekretariat wird von einem Generalsekretär geleitet.

Mitgliedstaaten

Palästinas Ihre Mitglieder sind Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Komoren, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästina, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Entwicklung

Vorläufer der Arabischen Liga war der Pakt der Liga der Arabischen Staaten, gegründet 1943 auf einer Konferenz in Alexandria, Ägypten. Gründungsmitglieder waren Ägypten, Irak, Transjordanien, Jemen, Libanon, Saudi-Arabien und Syrien und bestand aus einem Konsultativ- und Nichtangriffspakt. 1950 wurde auch die Arabische Liga durch einen kollektiven Verteidigungspakt ergänzt. Generalsekretär der Arabischen Liga ist seit 2001 Amre Moussa ehemaliger Außenminister des Mitgliedstaates Ägypten, dessen Mitgliedschaft zwischen 1979 und 1989 ausgesetzt war. Moussa löste Esmat Abdel Meguid ab.

Weblinks


- [http://www.arableagueonline.org/ Website der Arabischen Liga] Kategorie:Internationale Organisation ja:アラブ連盟

Ethnologie

Ethnologie (grch.: ethnos [fremdes] Volk), auch Völkerkunde erforscht als Wissenschaft die verschiedenen Ethnien bzw. Völker der Welt sowie ihre Kulturen. Manchmal wird die Ethnologie als vergleichende Völkerkunde von der Ethnographie, also der einfachen Beschreibung ethnischer Gruppen, abgegrenzt.

Begriff

Die klassische Völkerkunde wandte ihr Augenmerk vornehmlich der Kultur außereuropäischer, schriftloser Völker zu, die überwiegend in die Kategorie indigene Völker fallen, bzw. sich selbst als solche definieren. Im internationalen (und damit auch im deutschen) Bereich wird Ethnologie zunehmend als ein System vielfältiger miteinander verflochtener Disziplinen verstanden. Anthropologie und Geschichtswissenschaft gehören ebenso hinzu wie Sozialpsychologie, Kultursemiotik oder Ökonomie. Das Feld der ethnologischen Forschung wird vor allem im angelsächsischen Bereich unter den Begriffen cultural anthropology (USA) und social anthropology (UK) beschrieben. Der bedeutende französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss nannte sein Programm auch "strukturale Anthropologie". In Europa wird zusätzlich die Europäische Ethnologie betrieben (der klassische Name lautet Volkskunde), die als Selbstreflexion der europäischen Kultur das Andere in der eigenen Gesellschaft untersucht. Definition: Eriksen, Thomas H.: "Anthropologie ist das vergleichende Studium des kulturellen und sozialen Lebens. Ihre wichtigste Methode ist die teilnehmende Beobachtung, welche aus lange andauernder Feldforschung in einem besonderen sozialen Umfeld besteht." Geertz, Clifford: " Wenn wir entdecken wollen, was den Menschen ausmacht, können wir das nur finden, in dem, was die Menschen sind: und was die Menschen sind, ist höchst unterschiedlich. Indem wir die Verschiedenheiten verstehen- ihr Ausmaß, ihre Natur, ihre Basis und ihre Implikationen- können wir ein Konzept der menschlichen Natur erstellen, mehr ein statistischer Schatten als ein primitivistischer Traum, das beides beinhaltet: Substanz und Wahrheit." Ingold, Tim: " Anthropologie ist Philosophie mit den Menschen darinnen." Lévi-Strauss, Claude: " Die Anthropologie hat die Menschheit zum Subjekt ihrer Forschung, aber anders als andere Wissenschaften vom Menschen, versucht sie ihr Objekt mittels unterschiedlichster Manifestationen zu erfassen."

Gegenstand

Die Ethnologie untersucht die Struktur und Funktion von Gesellschaftssystemen und versucht sie in Modellen darzustellen. Dabei wendet sie sich der gesamten Breite gesellschaftlichen Lebens zu, wie ethnischen Gruppen in städtischen Gesellschaften, Geschlechterdifferenzen, sozialer Schichtung, internationalen Beziehungen und Spezialdisziplinen wie Medizin-, Wissenschafts-, oder Musikethnologie. Ihr Gebiet reicht von der Archäologie, dem Studium der Religionen mit ihrem Brauchtum bis hin zur Sozial- und Individualpsychologie. Biologische Faktoren finden ebenso Berücksichtigung (Genetik, Soziobiologie) wie maßgebliche philosophische Entwürfe (Strukturalismus). Methoden: Qualitative Methoden, Quantitative Methoden, Feldforschung Theorien: Funktionalismus, Strukturfunktionalismus, Strukturalismus, Neoevolutionismus, Kulturrelativismus, Kulturmaterialismus, Kognitive Ethnologie, Kulturökologie, Psychoanalyse Forschungsbereiche: Visuelle Anthropologie, Verwandtschaftsethnologie, Ethnosoziologie, Friedens- & Konfliktforschung, Action Anthropology, Wirtschaftsethnologie, Genderforschung, Rechtsethnologie, Religionsethnologie, Interkulturelle Kommunikation Bekannte Ethnologen: Bronislaw Malinowski, Alfred Radcliffe-Brown, Margaret Mead , Evans-Pritchard, Levi-Strauss, Victor Turner, Clifford Geertz, Stanley Tambiah etc.
(Liste von Ethnologen)

Geschichte

Ethnologie in einem weiteren Sinn (Ethnographie, d.h. die Beschreibung fremder Völker) wurde schon in der griechischen und römischen Antike betrieben. Im 5. Jahrhundert v. Chr. gab Herodot von Halikarnassos bereits eine ausführliche und empirisch gestützte Darstellung der Völker der damals bekannten Welt und ihrer Sitten. Beschreibungen anderer Kulturen finden sich auch bei Platon, Aristoteles und anderen. Für die Neuzeit hat zunächst die Epoche der großen Entdeckungsreisen zu neuen Kontakten mit fremden Völkern geführt, die sich vielfältig in Reiseliteratur und anderen Texten spiegeln (z.B. bei Montaigne (Über Kannibalen), bei Montesquieu und vielen anderen). Die Geburt der Ethnologie im heutigen Sinne ist im Schatten des Kolonialismus geschehen, und zwar seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie erscheint somit als eine Art verwissenschaftlichten "schlechten Gewissens" der Kolonialpolitik der europäischen Nationen. Daher erklärt sich, dass die Ethnologie eine westeuropäisch geprägte Disziplin ist und ihre wichtigsten Exponenten in einigen jener Nationen gefunden hat, die rund um die Welt Macht beansprucht haben, vor allem England, Frankreich und Deutschland. Von den anderen Kontinenten ausgehend, gibt es keine vergleichbare Wissenschaft des kulturell Fremden. Somit trägt sie exemplarisch den Vorwurf des Eurozentrismus aus. Aktuell sind es vor allem Fragen der Methode, die die Forschung beschäftigen und die auch auf die anderen Sozialwissenschaften ausstrahlen.

Antike bis Mittelalter

Herodot (490-425 v. Chr.) war ein Geschichtsschreiber, der Reisen in den anatolischen, syrisch- irakischen und arabischen Raum unternahm. Seine Schriften gelten als wichtige Quelle. Herodot schrieb im fünften Jahrhundert vor Christus in den Historiai über die "barbarischen" Stämme im Norden und Osten der griechischen Halbinsel, im Vergleich zu den Gewohnheiten und Vorstellungen der Athener. Cornelius Tacitus (ca. 56- ca. 120): De origine et situ Germanorum Marco Polo (1254-1324): Le divisament dou monde/ Il Milione Ibn Khaldun (1332-1406): Muqaddima José de Acosta (1540-1600): Auf der Grundlage einer umfassenden humanistischen Bildung schuf der Jesuit José de Acosta mit seiner Historia natural y mortal de las Indias ein herausragendes Werk, das unvoreingenommen über die "Neue Welt" und ihre Bewohner informiert und die amerikanischen Kulturen mit den europäischen vergleicht und in Beziehung setzt. 1537: Die Bulle des Papstes Paul III. bezeichnet die Entdeckten als "veri homines", als Menschen also, die für die Christenheit gewonnen, und missioniert werden können. Die absolute Stellung der Kirche, die alle Entdeckungen, sowie herrschaftliche Entscheidungen, für sich beansprucht, führt nach dem Investiturstreit zu einer Konfrontation der kirchlichen und weltlichen Macht. Zwei theologische Schulen prägten Universalideen, nämlich a. Die Augustinische Schule: Augustinus setzt alle Probleme des Lebens in Rückverbundenheit zu Gott in Beziehung. Die unmittelbare Macht der Kirche- " deus & anima"- schafft einen Weg zur theokratischen Gesellschaftsordnung. Aegidius Humanus denkt, dass jeder Ungläubige in Feindschaft mit Gott lebt. Dieses " Heidenproblem" spricht Ungläubigen jeden Besitz ab, weil alles "von Gott" sei. Papst Innozenz IV legitimiert Gewalt gegen "Heiden", erkennt Staatenbildung der Nicht- Christen ab, meint aber, dass der freie Wille ein Naturgesetz sei. Durch die Unterordnung unter die Gewalt des Papstes, sei den Menschen Wille und Menschsein zuerkannt. So verlasen die Entdecker entsprechende Texte, die für Indigene als Handlungsvorlage dienen sollten. Wenn die Entdeckten nicht nach christlichen Vorgaben handelten, war Gewalt legitim anzuwenden. b. Die Thomistische Schule: Thomas von Aquin erkannte Gott als Ursache der Welt, die Macht der Kirche als mittelbar. Gott existiere im aristotelischen Denken, das auf Erfahrung beruht, aufgrund der Existenz der Welt. Die Bewegung der Welt und die Rechtsordnung fußten in Erfahrung. Persönliche Freiheit, Eigentumsrecht und Eigenstaatlichkeit wurden als Naturrecht zuerkannt.

Phasen der deutschsprachigen Ethnologie

15. und 16. Jahrhundert Europa war eine religiöse, keine politische Einheit. Die Wertegemeinschaft Christentum stellt ihr christliches Erbe vor Politik, das als konstitutives Element fungierte, daher hat Glaube auch heute noch politische Relevanz. (EU: Ostverhandlungen, Verhandlungen mit der Türkei, baltischer Raum: " containment" von außen, um Stabilisierung zu schaffen.) Die spanische Inquisition propagiert das Christentum als den "rechten Glauben" und hoffte so das "Maurenproblem" zu lösen. 1492 wurde das letzte maurische Königreich zerstört, Amerika von Christoph Kolumbus wieder entdeckt, und 1610 erfolgten die letzten Vertreibungen von Mauren aus Spanien. Spanier und Portugiesen reisen nach Afrika, Indien, Mittel- und Südamerika um Rohstoffe, Gold und Reichtümer zu rauben. Menschen wurden nicht als Menschen wahrgenommen, das Christentum sollte verbreitet werden. Nach den Entdeckungen überwiegt eine eurozentristische Sichtweise, die bis ins zwanzigste Jahrhundert von Forschern und Kolonialisten nur wenig selbstreflexiv und kritisch hinterfragt wurde. Bernardino de Sahagún ( 1499- 1590): Histroia general de las cosas de Nueva Espagna. Sahagun thematisiert Bräuche, Praktiken, Promiskuität und Kannibalismus. Staden, Hans ( ca. 1525- ca. 1576) schrieb 1557 die "Wahrhaftige Historia" und legte das konfrontative Verhältnis gegen "Wilde" fest, die mit brutaler Härte als Nicht- Menschen interpretiert wurden. Staden stand auf Seiten der Kirche. Verzerrte Darstellungen aus dieser Zeit schildern Nacktheit, Kannibalismus und Promiskuität. Vermutungen und Phantasien bilden negative Darstellungen, zum Beispiel auch auf Stichen. Kannibalen in "Naturgesellschaften" seien nicht "missionierbar", "Wilde" nicht für das Christentum" aquirierbar". Die politisch- ideologische Botschaft verhinderte Respekt und nihilierte die Tötungshemmung. Thomas Hobbes´s (1588- 1679) Leviathan (1649/ 1651), Antonio de Oliveira de Cadornega (1610- 1690), Joseph-Francois Lafiteau (1681- 1746), Jean-Jacques Rousseau ueber den Contract Social (1762). 18. und 19. Jahrhundert "The rise of anthropological theory began during that hallowed epoch in Western culture known as the Enlightenment- the period roughly coincident with the one hundred years from the writing of John Locke´s An Essay Concerning Human understanding (1690) to the outbreak of the French Revolution." Im 19. Jahrhundert war die Ethnologie vom Evolutionismus bestimmt, dessen Anliegen der Entwurf einer kulturellen Abfolge war. Oftmals stützten sich die Theorien nicht auf eigene Forschungen, sondern auf Berichte von Missionaren ("Lehnstuhlethnologie"). 20. Jahrhundert Erst Bronislaw Malinowski begründet die Forschungsmethode der teilnehmenden Beobachtung, die auch heute noch für das Fach wesentlich ist.

Literatur


- Karl-Heinz Kohl: Ethnologie - die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung. München : Beck 1993. ISBN 3-406-37733-5 (Hervorragende Einführung in den aktuellen Stand der Disziplin)
- Christoph Antweiler: Ethnologie lesen.Ein Führer durch den Bücher-Dschungel. Mit CD-ROM Bd. 1, LIT Verlag, 3. überarb. u. erg. Aufl. 2004, ISBN 3-8258-5608-9
- Werner Petermann: Die Geschichte der Ethnologie, Wuppertal 2004;
- Friedrich Ratzel: Völkerkunde (1885);
- Hans Fischer/Beer, Bettina (2003): Ethnologie. Einführung und Überblick. Reimer: Berlin. zu Geschichte:
- Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology',' Cambridge University Press, 2000
- Barnard, Alan & Spencer, Jonathan:
Encyclopaedia of Social and Cultural Anthropology, London/ New York: Routledge, 2003
- Borofsky, Robert:
Assessing Cultural Anthropology, McGraw- Hill, Inc., 1994
- Eriksen, Thomas H.:
Small Places, Large Issues, London: Pluto Press, 2001
- Feest, Christian & Kohl, Karl- Heinz ( Hg.):
Hauptwerke der Ethnologie, Stuttgart, Alfred Kroener Verlag, 2001 .
- Gingrich, Andre:
Erkundungen, Wien, Boehlau Verlag, 1999
- Harris, Marvin:
The Rise of Anthropological Theory. A History of Theories of Culture. Updated Edition, USA: Alta Mira Press, 2001 ( 1968)
- Kuper, Adam:
Anthropology & Anthropologists, GB: Routledge, 2002

Populärwissenschaftliche Literatur


- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum; Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8

Weblinks


- http://www.evifa.de/ - EVIFA - Virtuelle Fachbibliothek der Ethnologie
- http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/ulb/etn.html - Die Düsseldorfer Virtuelle Bibliothek: Ethnologie
- http://www.ethno.info - Portal für moderne Ethnologie
- http://www.antropologi.info/blog/ethnologie - Ethnologische Presseschau (mehrsprachiger Blog)
- http://sonner.antville.org - Ethnologisches Weblog (Newsseite), das von Studierenden der LMU München betrieben wird.
- http://journal-ethnologie.de - Virtuelles Ethnologie-Journal

Siehe auch

Portal:Ethnologie | Ethnobotanik | Liste der Museen für Völkerkunde | Ethnopsychoanalyse Theorie der interkulturellen Kommunikation ! Kategorie:Kulturwissenschaft ja:文化人類学


Semiten

Als Semiten werden Menschen bezeichnet, die eine semitische Sprache sprechen. Oft wird eine gemeinsame Abstammung von der biblischen Gestalt Sem behauptet, was aber eher den Charakter eines Mythos hat. Ob der Begriff über das Sprachliche hinaus relevant ist, wird heute von der Wissenschaft stark bezweifelt. Abraham führte seine Abstammung auf Sem, dem ältesten Sohn Noachs zurück. In Anlehnung daran bezeichnete man in biblischer Zeit alle Völker des Nahen Ostens, die sich als Nachkommen Abrahams betrachteten, als "Söhne des Sem". Der biblische Mythos hat aber nichts mit dem heutigen Begriff "Semiten" zu tun. 1781 prägte der deutsche Historiker Ludwig Schlötzer das erste Mal den Begriff Semiten. Im wissenschaftlichen Sinne gibt es nur semitische Sprachen, aber keine semitische Völker oder Ethnien.

Geschichte

Im Altertum bewohnten Völker, die semitische Sprachen sprachen, die arabische Halbinsel. Völkerwanderungen brachten sie nach Mesopotamien, Syrien und Palästina, Ägypten, Äthiopien und mit der phönizischen Kolonisierung bis an die Küsten des westlichen Mittelmeers. Obwohl dies bisher nicht bewiesen werden konnte, kamen sie wohl ursprünglich aus Nordost-Afrika, wo auch die anderen Zweige der afroasiatischen Sprachfamilie zu finden sind.

Semiten als politischer Begriff

Laut der pseudowissenschaftlichen Rassentheorie nach der Aufklärung wurden die Juden als "Semiten" bezeichnet, um so mit rassistischen Argumenten den zuvor eher christlich motivierten Judenhass (Begründung: "Gottesmord") fortsetzen zu können, indem die "Semiten" zu einer minderwertigen Rasse erklärt wurden. 1944 haben die Nationalsozialisten die Araber ausdrücklich von der "Rasse der Semiten" ausgenommen. Siehe auch: Pansemitismus
- Kategorie:Ethnologie
- Kategorie:Orientalistik

Assyrer

Die Assyrer sind seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. am mittleren Tigris nachgewiesen. Mehrfach schwangen sie sich zur Vorherrschaft über Nordmesopotamien und Nordsyrien auf (siehe Geschichte des assyrischen Reiches) und konnten auch Babylon erobern. Im 8. Jahrhundert v. Chr. stieg das Neu-Assyrische Reich zum Großreich auf und beherrschte Babylonien und Ägypten. Die Kultur Assyriens war wie die der Akkader sumerisch beeinflusst. In Neu-assyrischer Zeit lassen sich auch Einflüsse der Aramäer, Babylonier sowie der Iraner feststellen. Ihre Könige trugen unter anderem den Titel "König von Sumer und Akkad". Sie zeichneten sich durch kriegerische Aktivität aus, vollbrachten aber auch hohe kulturelle Leistungen. Ihr Nationalgott war Assur, der im Lauf der Zeit mit dem babylonischen Gott Marduk verschmolz. Die bekannte assyrische Königin Semiramis wollte Babylon zur religiösen Hauptstadt des Reiches machen, hob die Stellung Marduks und trug eine große Rolle zur religiösen Verschmelzung Babylons und Assyriens. Einer ihrer hartnäckigsten Feinde war das Reich von Urartu, das Assyrien beinahe zum Zusammenbruch brachte. Am Ende verlor das assyrische Reich gegen die immer stärker werdenden Meder und Babylonier. 612 v. Chr. wurde die Hauptstadt Ninive zerstört. Die Bevölkerung des assyrischen Reiches hat nicht nur in Nineve gelebt, sondern in allen Gebieten des Großreiches Assyrien vor der Zerstörung Nineve. Assyrisch ist eine ostsemitische Sprache, neben dem Babylonischen einer der beiden Hauptdialekte des Akkadischen.

Literatur


- Eva Cancik-Kirschbaum: Die Assyrer. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, C.H. Beck, München 2003 (C.H.Beck Wissen) ISBN 3-406-50828-6

Siehe auch


- Geschichte des assyrischen Reiches
- Assur
- Liste der assyrischen Könige
- Liste der assyrischen Könige von Babylonien
- Assyrische Frage in der Gegenwart
- Assyrische Kirche des Ostens

Weblinks


- [http://www.miglus.com/Themen/Assur/assur.html Ausgrabungen in Assur 2000 und 2001]
- [http://assur.de/Themen/themen.html Neue Ausgrabungen in Assur] Kategorie:Assyrien Kategorie:Asiatische Ethnie __NOTOC__

Aischylos

Aischylos (griechisch Αισχύλος), auch Aeschylos, Äschylos, oder Æschylos geschrieben, (
- 525 v. Chr. in Eleusis, Attika; † 456 v. Chr. in Gela, Sizilien) gilt als einer der großen griechischen Tragödiendichter, zu denen neben ihm noch Sophokles und Euripides gezählt werden.

Leben

Einem alten Adelsgeschlecht entstammend, wird Aischylos als Sohn des Euphorion geboren. Als junger Mann erlebt er den Sturz der Tyrannis und die demokratischen Reformen des Kleisthenes von Athen. Er begeistert sich früh für die Dramen von Choirilos und Pratinas und die Dichtkunst von Agathokles und Apollodoros. Der Sage nach wird er durch Dionysos selbst im Traum zum Dichter geweiht. An seinen frühen Stücken nimmt er noch selbst als Schauspieler teil. Im Alter von fünfundzwanzig Jahren bewirbt er sich erstmalig um den Siegespreis der Dionysien, des Dichterwettbewerbs der Stadt Athen, unterliegt jedoch. Als Soldat nimmt er 490 v. Chr. für Athen an der Schlacht bei Marathon gegen die Perser teil, wo er seinen Bruder verliert. Nach der Zerstörung Athens im Jahre 480 v. Chr. ist er auf einem der griechischen Kriegsschiffe an der Seeschlacht von Salamis beteiligt. Mehrfach reist er nach Sizilien, so auch 475 v. Chr. auf Einladung des dortigen Königs Hieron I. von Syrakus und trifft dort auf die Lyriker Simonides, Pindar und Bakchylides. Für Hieron verfasst er das Festspiel Die Ätnäerinnen. Zurück in Athen wird 472 v. Chr. das Drama Die Perser uraufgeführt, in dem er auf dramatische Weise seine Kriegserfahrungen verarbeitet, und gewinnt den ersehnten Preis. Im Wettstreit mit Sophokles unterliegt er im Jahre 468 v. Chr., doch insgesamt kann er gegen Ende seines Lebens auf dreizehn Siege bei den Dionysien zurückblicken. Von seiner letzten Sizilienreise kehrt er nicht mehr zurück. Er stirbt 456 v. Chr. in Gela - der Legende nach erschlagen durch eine Schildkröte, die ein Adler fallen ließ - wo er auch begraben wird. Sein Grab-Epigramm lautet: : In Athen wurde auf die Nachricht von seinem Tode der Beschluss gefasst, seine Dramen auch weiterhin (außer Konkurrenz) an den Wettbewerben teilnehmen zu lassen. Die wichtigsten Quellen für das Leben des Aischylos sind eine in mehreren Texthandschriften überlieferte Lebensbeschreibung, der Artikel in dem byzantinischen Lexikon Suda und die Einträge 48, 50 und 59 in der Parischen Chronik, dem so genannten Marmor Parium.

Wirkung

Im Jahre 406 v. Chr. macht Aristophanes in seiner Komödie Die Frösche Aischylos im Wettstreit mit Euripides zum Vertreter der altehrwürdigen Zeit und Vorbild des tragischen Dichters. Gegen Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. wird seine Statue neben denen des Sophokles und Euripides im Theater des Dionysos aufgestellt. Seine Einführung des zweiten Schauspielers revolutionierte durch den dadurch ermöglichten Dialog das griechische Theater. Aber auch durch Sprache, Stil und die Wahl des Mythos als Thema der griechischen Tragödie beeinflusste er seine Nachwelt maßgeblich. Seine Charaktere sind keine gewöhnlichen Menschen aus dem Volk, sondern ragen aus ihnen durch ihre übermenschliche Leidenschaft und Charakterstärke, aber auch die kraftvolle, schroffe, erhabene und bilderreiche Sprache heraus.

Werke

Erhaltene Werke

Gemäß Überlieferung gehen neunzig Dramen auf Aischylos zurück, von denen aber nur neunundsiebzig dem Namen nach bekannt sind. Die besonders gerühmten zwanzig Satyrspiele sind allesamt verloren gegangen, von den Tragödien sind lediglich sieben noch vollständig erhalten, dazu kommen Teile dreier anderer Stücke. Von seinen Frühwerken hin zu der kurz vor seinem Tod fertig gestellten Trilogie Orestie ist eine deutliche künstlerische Entwicklung feststellbar - von einem eher schlichten Erzählstil hin zu einem in seiner Tragik und Gedankentiefe kaum übertroffenen Drama der Weltliteratur.
- Die Perser (472 v. Chr.) (1. Preis bei den Dionysien)
- Die sieben gegen Theben (467 v. Chr.)
- Die Schutzflehenden (463 v. Chr.)
- Orestie (458 v. Chr.), in den Teilen
  - Agamemnon
  - Die Grabspenderinnen (Choephoren)
  - Die Eumeniden
- Der gefesselte Prometheus (Echtheit von einigen Forschern angezweifelt)

Die verlorenen bzw. fragmentarisch überlieferten Werke


- Aigyptioi (463 v.Chr.)
- Aitnaiai (Die Ätnäerinnen)
- Amymone (Satyrspiel, 463 v.Chr.)
- Argeioi
- Argo
- Athamas
- Bacchai
- Bassarai
- Danaides (463 v.Chr.)
- Diktyoulkoi (Satyrspiel)
- Edonoi
- Eleusinioi
- Epigonoi
- Glaukos Pontios
- Glaukos Potnieus (472 v.Chr.)
- Heliades
- Herakleidai
- Hiereiai
- Iphigeneia
- Ixion
- Kabeiroi
- Kares / Europe
- Kressai
- Laios (467 v.Chr.)
- Leon
- Lykourgeia
- Lykourgos
- Memnon
- Myrmidones (Die Myrmidonen)
- Mysoi (Die Nyser)
- Neaniskoi
- Nemea
- Nereides
- Niobe
- Oidipous (467 v.Chr.)
- Oplon Krisis
- Oreithyia
- Ostologoi
- Palamedes
- Pentheus
- Perraibides
- Penelope
- Philoktetes
- Phineus (472 v.Chr.)
- Phorkides
- Phryges / Hektoros Lytra
- Prometheus Lyomenos
- Prometheus Pyrkaios (472 v.Chr.)
- Prometheus Pyrphoros
- Proteus (458 v.Chr.)
- Psychagogoi
- Psychostasia
- Salaminiai
- Semele / Hydrophoroi
- Sisyphos Drapetes
- Sisphos Petrokylistes
- Sphinx (467 v.Chr.)
- Telephos
- Theoroi / Isthmiastai
- Threissai
- Toxotides
- Trophoi
- Xantriai

Weblinks


-
- [http://www.litlinks.it/ax/aischylos.htm Texte im Internet]
- [http://www.ashmol.ox.ac.uk/ash/faqs/q004/ Parische Chronik - Marmor Parium] (auf Englisch) Kategorie:Autor Kategorie:Antike (Literatur) Kategorie:Literatur (Altgriechisch) Kategorie:Drama Kategorie:Grieche Kategorie:Mann ja:アイスキュロス ko:아이스퀼로스

Sabäer

Die Sabäer (assyr.: Sabảajja; griech.: Σαβαĩοι / Sabaioi; latein.: Sabaei ) waren ein antikes semitisches Volk im Südwesten der Arabischen Halbinsel im Gebiet des heutigen Jemen. In den Annalen der Assyrer werden die Sabäer bereits 730 v. Chr. erwähnt. Im Alten Testament der Bibel werden sie hauptsächlich als Weihrauch-Händler erwähnt (u.a.: Jer 6,20; Jes 60,6). Siehe auch: Königin von Saba Auch den Griechen waren die Sabäer in erster Linie als Händler von Weihrauch und Myrrhe bekannt. Strabon erwähnt ebenfalls ihre Hauptstadt Marib (von manchen Autoren, ebenso wie das Reich, Saba genannt). Die Römer halten sie für das wohlhabendste Volk in Arabien, denn auch ihnen liefern sie das begehrte Weihrauch. Ursprünglich war die Sabäer Anhänger einer altorientalischen Religion, die astrale Götter wie Mond, Sonne und die Venus verehrten. Nachdem Südarabien 575 n. Chr. unter persischen Einfluss geraten war, konvertierte 628 der letzte persische Statthalter zum Islam. Der Koran erkennt die Sabäer صابئون (Sabi'un) als Buchreligion an (Sure 2:62): : Wahrlich, diejenigen, die (an den Qur'an) glauben, und die Juden, die Christen und die Sabäer, wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und Gutes tut - diese haben ihren Lohn bei ihrem Herrn und sie werden weder Angst haben noch werden sie traurig sein. Unklar ist jedoch auf welche Religionsgemeinschaft sich dies bezeichnet, da von den arabischen Autoren alles mögliche mit diesem Namen bezeichnet wird, so auch die Sabier von Harran, die 830 diese Bezeichnung übernahmen, um als Buchreligion anerkannt zu werden. Hingegen werden die Mandäer lediglich von ihren Nachbarn als Sabäer bezeichnet, verwenden diese Bezeichnung jedoch nicht selbst. Hier bezieht sich der Name auf das wiederholte Untertauchen in fliessendem Wasser. Das dem arabischen صاب (ausgiessen) entsprechende Wort hat im Aramäischen die Bedeutung "sich waschen", aber auch "taufen", und ist Bezeichnung für die Taufe. Der Name kann also auch "Täufer" bedeuten. ! Kategorie:Mandäismus

Reich Saba

Saba (griech.: Σαβα ; hebr.: Šebā) war ein Königreich im heutigen Jemen zwischen 1000 v. Chr. und 400 n. Chr. mit der Hauptstadt Marib. Trotz seiner Bedeutung steht die Erforschung der Geschichte und Kultur dieses Landes erst am Anfang. Vor allem die zeitliche Einordnung der historischen Ereignisse und der bekannten Könige ist noch nicht gesichert. Der Bericht über den Besuch der Königin von Saba bei König Salomo im 10. Jahrhundert vor Christus ist nur in der Bibel zu finden. Das Reich von Saba wurde spätestens im 8. Jahrhundert v. Chr. vom Stamm der Sabäer im nordwestlichen Jemen gegründet (teilweise wird auch schon das 10. Jahrhundert v.Chr. angenommen). Hauptstadt war zunächst Sirwah. Diese wurde aber bald von Marib, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Reiches, abgelöst. Wirtschaftliche Grundlage des Landes war der Weihrauchhandel, der von Marib kontrolliert wurde. Zum Unterhalt der Bevölkerung wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. der berühmte Staudamm von Marib errichtet. Mit diesem Damm konnten große Flächen des Wüstenbodens am Rand der Rub al-Chali urbar gemacht werden, was erheblich zum Aufstieg von Saba beitrug. Erster bekannter Herrscher war Karib`il Watar, der am Ende des 8. Jahrhunderts v.Chr. herrschte. In mehreren Feldzügen gelang ihm die Unterwerfung der Nachbarstaaten Ma`in, Qataban, Hadramaut und Ausan sowie die Kontrolle des Weihrauchhandels. Um diesen nicht zu beeinträchtigen, nahm Karib`il Watar Beziehungen zu den Assyrern unter Sanherib (705-681 v. Chr.) auf, die damals in Syrien den Endpunkt der Weihrauchstraße kontrollierten. Neben dem Weihrauchhandel gab es auch einen umfangreichen Seehandel mit der afrikanischen Ostküste. Besonders im heutigen Eritrea wurden viele Kolonien gegründet, aus denen sich im 1. Jahrhundert v. Chr. das Reich von Aksum entwickeln sollte. Im 4. Jahrhundert v. Chr. errangen die Vasallen Ma`in, Qataban und Hadramaut ihre Unabhängigkeit. Saba gelang es aber am Ende des 2. Jahrhundert v. Chr., Ma`in zu unterwerfen und große Teile von Qataban zu erobern, wodurch es wieder die Vormachtstellung in Südarabien errang. In dieser Zeit mussten die Sabäer auch einen römischen Feldzug unter Aelius Gallus gegen Marib abwehren (24 v. Chr.). Seinen politischen Höhepunkt erreichte das Reich mit der Eroberung von Hadramaut (242), womit wieder die gesamte Weihrauchstraße im Jemen kontrolliert wurde. Allerdings geriet Saba seit der Zeitenwende zunehmend in eine wirtschaftliche Krise. Bisher war der Handel auf der Weihrauchstraße und die daraus erlangten Gewinne ein wichtiges Standbein für die Wirtschaft von Saba gewesen. Im 1. Jahrhundert v.Chr. erschlossen die Ptolemäer von Ägypten aber den Seeweg nach Südarabien und konnten deshalb unter Umgehung der Zölle und Abgaben auf dem Landweg in den Weihrauchhandel einsteigen. Zwar hatten die Sabäer selbst einen umfangreichen Seehandel mit Ostafrika, doch basierte die Wirtschaft des Landes auf der Kontrolle der Weihrauchstraße im Landesinneren. Durch die Verlagerung der Handelswege gewannen die Küstengebiete zunehmend an Bedeutung. So konnten die Himjariten im südlichen Bergland des Jemen seit 100 zunehmend an Einfluss gewinnen, da sie besser die Häfen und damit den Seehandel kontrollieren konnten. Um 260 gelang ihnen die Unterwerfung von Saba. Zwar betrachteten sich die Himjariten als Nachfolger der Sabäer, doch konnte der Niedergang des Hinterlandes nicht mehr aufgehalten werden. Zunehmend zerfielen die Bewässerungsanlagen, was zur Abwanderung der Bevölkerung führte. Nach mehreren Dammbrüchen wurde Marib 572 endgültig aufgegeben. Mit byzantischer Unterstützung eroberten die Abessinier 525 Südarabien, nachdem es 517 an den jüdischen König Yūsuf Asar Yatar gefallen war. Jemen wurde kurzzeitig ein abessinischer Vasallenstaat, ab 575 gelangte es in die Abhängigkeit des Perserreichs, bis es 597/598 eine Provinz des Sasanidenreiches wurde.

Literatur


- Willeitner, Joachim: Jemen, München 2002. ISBN 3-7774-8230-7
- Phillips, Wendell: Kataba + Saba: Entdeckung der verschollenen Königreiche an den biblischen Gewürzstraßen Arabiens. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1958. !

Jemen

---Sidenote START---
Der Jemen (arab.: اليمن al-Yaman) ist ein Staat im Nahen Osten, im Südwesten der Arabischen Halbinsel. Er grenzt an Oman, Saudi-Arabien, das Rote Meer, den Golf von Aden und das Arabische Meer. Dschibuti und Eritrea liegen nur wenige Kilometer entfernt gegenüber des Roten Meeres.

Geographie

Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Sana'a 1.937.451 Einwohner, Hodeida 617.888 Einwohner, Tais 615.467 Einwohner, Aden 550.744 Einwohner und Mukalla 258.428 Einwohner. Zu Jemen gehören neben zahlreichen kleinen Inseln im Indischen Ozean auch die große Insel Sokotra. Siehe auch: Liste der Städte im Jemen, Landkarte des Jemen.

Bevölkerung

Das Land ist ganz überwiegend von Arabern bewohnt. In der Tihama zeigen sich Einfüsse aus Afrika. 3% der Bevölkerung sind pakistanische oder indisch-muslimische Gastarbeiter, etwa 3% ethnische Somalis, von denen viele schon länger in Lande leben. siehe auch Wayilah

Religion

Die Staatsbürger Jemens sind zu fast 100% muslimisch. 53% der Bevölkerung gehören der schiitischen Religionsgemeinschaft der schiitischen Zaiditen an, 47 % sind Sunniten. Die Missionierung zu anderen Religionen als dem Islam ist verboten. Die nichtmuslimischen Gastarbeiter im Lande dürfen ihre Religion nicht praktizieren, tun sie es doch, werden sie hart bestraft. Das Abfallen vom Islam wird mit dem Tode bestraft. Im Januar 2000 wurde ein zum Christentum übergetretener somalischer Staatsbürger zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Wirtschaft

In der Wirtschaft des Jemen dominiert der Agrarsektor. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Hirse, Gerste und andere Getreide sowie verschiedene Früchte, Baumwolle und Tabak. Des Weiteren werden Kaffee und der Kathstrauch angebaut, dessen Blätter gekaut werden können und eine beliebte Alltagsdroge im Jemen sind. Im letzten Jahrzehnt ist die Anbaufläche des Khat stark erweitert worden. Vor den Küsten im Golf von Aden wird Fischfang betrieben. Im mittleren Jemen befinden sich einige mittelgroße Ölfelder, die von Gesellschaften u.a. aus den USA, Frankreich und Südkorea genutzt werden. Die Landeswährung ist der Jemen-Rial. Jemen-Rial Jemen-Rial

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Jemen Die Geschichte des Jemen ist seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. vor allem durch den Weihrauchhandel und die sich darauf begründenden Königreiche gekennzeichnet. Das bedeutendste Reich war Saba mit seiner Hauptstadt Marib. Um die Zeitenwende begann der langsame Niedergang der antiken Reiche an der Weihrauchstraße. Zwar gelang den Himjariten im 3. Jahrhundert nochmals die Einigung des Landes, doch wurde das Land 525 von Aksum erobert. 628 schloss sich der Jemen der Lehre des Propheten Muhammad an. Die Bevölkerung übernahm schnell den Islam. Innerhalb des Kalifats stieg der Jemen aber zu einer Randprovinz herab. Dies begünstigte seit dem 9. Jahrhundert die Entstehung mehrerer Dynastien, deren bedeutendste die der Zaiditen war. Sie sollte im Nordjemen bis 1962 herrschen. Als sich im 10. Jahrhundert der Schwerpunkt der Handelswege zwischen Mittelmeer und Indien vom Irak nach Ägypten verlagerte, begann auch im Jemen der wirtschaftliche Aufschwung. Seine Blütezeit erlebte das Land unter den Rasuliden bis ins 15. Jahrhundert. Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch die Portugiesen verlor das Land für den Welthandel an Bedeutung und wurde im 16. Jahrhundert von den Osmanen erobert. Nach der Eröffnung des Sueskanals im 19. Jahrhundert geriet der Jemen wieder verstärkt in den Blickpunkt der Großmächte. Während Großbritannien im Jahre 1839 Aden und damit den Südjemen besetzte, konnte der Nordjemen unter den Zaiditen seine von den Osmanen unterstützte Staatlichkeit behaupten. 1905 legten das Osmanische Reich und Großbritannien die gemeinsame Grenze zwischen ihren Protektoraten fest. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches wurde der Nordjemen 1919 unabhängig und führte von da an immer wieder einen Guerillakrieg gegen den südlichen, noch immer britischen, Landesteil. Allerdings gelang es den regierenden Imamen nicht, das Land zu modernisieren. Ihre konservative Herrschaft führte 1962 zum Sturz der Zaiditen und zur Ausrufung der Republik. Seitdem wurde zwar die Modernisierung des Landes eingeleitet, doch konnten die wirtschaftlichen Probleme durch das hohe Bevölkerungswachstum nicht wirklich gelöst werden. 1990 gelang durch den Anschluss des bisher kommunistischen, realsozialistischen und säkularen Südjemen auch die Vereinigung des Landes, politische Stabilität und Demokratie herrschen im Jemen aber noch immer nicht, siehe unter Politik.

Politik

Innenpolitik / Wahlen

1993 fanden im frisch vereinigten Jemen die ersten freien Wahlen statt, in denen sich drei große Parteien gegenüber standen: Der Allgemeine Volkskongress, ehemals Einheitspartei im Nordjemen, die Sozialistische Partei, Einheitspartei des Südjemen, sowie als dritte die Jemenitische Vereinigung für Reformen (Islah). Die Koalition von Islah und Volkskongress wurde fast Modell für eine arabische Demokratisierung. Allerdings behielten alle Parteien ihre Truppen, was durch militärische Ausgewogenheit für Stabilität sorgte. Bei der Parlamentswahl im April 1997 unterlagen die Sozialisten und Präsident Ali Abdullah Saleh konnte mit einer absoluten Mehrheit ohne die Islah regieren. Am 23. September 1999 wurde der seit 1978 regierende Präsident ein fünftes Mal gewählt, der einzige Gegenkandidat, der langjährige Parlamentsvorsitzende und Scheich Abdallah al-Ahmar, war aus den eigenen Reihen ausgewählt worden und so waren 96,3 % der Stimmen für Saleh auch keine Überraschung. In nur 6 Jahren war Jemen wieder zu einem typischen arabischen Einparteienstaat geworden. Ab 1999 wurde der Druck auf die Oppositionsparteien erhöht, obwohl die Regionalwahlen im Februar 2002 durch ein Dezentralisierungsgesetz zu pluralistischen Gemeinde- und Regionalräten führten. Im Februar 2001 konnte die Staatspartei ihre Macht mit einer durch ein Referendum abgesicherte dritte Verfassungsreform stärken. Der Konsultationsrat wurde in eine zweite Kammer gewandelt (Majlis ash-Shura) und die präsidiale Amtszeit dauerte nun sieben statt fünf Jahre. Präsident Ali Abdullah Saleh wird dadurch bis 2004 regieren können und wohl von seinem Sohn Ahmed Saleh abgelöst werden. Nach dem 11. September 2001 wurden ausländischen Studenten sowohl Stipendien als auch Visa gestrichen, wodurch diese zur Ausreise gezwungen waren. Der radikale Flügel der Partei, angeführt von Scheich Abdelmadschid al-Zandani, geriet ebenso wie die oppositionelle Presse unter Beschuss. Wörtlich unter Beschuss geriet auch der Sohn des Parlamentpräsidenten, der am 24. Oktober in einem bewaffneten Kampf zwischen Polizei und der Garde des Parlamentspräsidenten schwer verletzt wurde. Am 28. Dezember 2002 wurde der zweitwichtigste Politiker der Sozialisten, Jarallah Omar, beim Parteitag der Islah getötet. Ein Täter fehlt noch (?), jedoch verdächtigt die Regierung Anhänger der Islah, obwohl diese gerade von Omar zu einer Koalition gegen die Staatspartei aufgerufen worden waren. Am 2. 11. 2005 wurde Ali Alsa'awani zum Tode wegen der Ermordung von Jarallah verurteilt. Kritisiert wurde, daß das Gericht im Interesse der Regierung keine Motive und Hintergründe der Tat thematisiert hat. Der Verurteilte gestand die Tat, er sah in Jarallah den Architekten der Koalition der Sozialisten und der Islah.

Außenpolitik

Im Golfkrieg von 1990 hatte Jemen noch den Irak unterstützt, konnte aber 1999 die Beziehungen zu Kuwait normalisieren. Die außenpolitischen Bemühungen des Staatschefs zeigten sehr gute Erfolge. 1998 wurden diplomatische Beziehungen zwischen Jemen und dem Heiligen Stuhl aufgenommen und Frankreich stufte den Jemen als "Zone de solidarité prioritaire" ein, was eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern bedeutet. Im Somalia-Konflikt konnte der Jemen im Dezember 2000 mit Erfolg vermitteln. Die Beziehungen zwischen den USA und dem Jemen sind trotz eines Treffens von Bill Clinton und Ali Abdullah Saleh im April 2000 gespannt. Der Jemen schlägt seit Beginn der zweiten Intifada in Palästina eine härtere Gangart ein (siehe Innenpolitik) und ist bei der Zusammenarbeit für mehr Sicherheit zaghaft. Aber auch der Einsatz einer US-Drohne, die am 3. November 2002 sechs mutmaßliche Al-Qaida-Kämpfer im Jemen tötete, sowie die Ermordung dreier US-Missionare am 31. Dezember 2002 belasten die Beziehungen. Trotzdem ist Washington an einer Stärkung der jemenitischen Regierung interessiert. Im Januar 2002 trat der Jemen dem Golf-Kooperationsrat bei, vorerst nur als Beobachter. Am 6. Oktober 2002 wurde der französische Öltanker Limburg durch einen Bombenanschlag vor der Küste von Mukalla schwer beschädigt.

Grenzstreitigkeiten

Der Konflikt um den genauen Grenzverlauf zum Sultanat Oman wurde beigelegt. Im Abkommen von Dschidda wurden die Grenzstreitigkeiten mit Saudi-Arabien beendet. Jemen erhielt einen Gebietsstreifen, unter dem sich höchstwahrscheinlich Erdöl befindet, und akzeptierte im Gegenzug das Abkommen von Taif 1934, in dem Imam Yahya bin Muhammad Saudi-Arabien zwei Provinzen überließ. In Bezug auf die Hanischinseln wurde der Internationale Gerichtshof angerufen, der im Oktober 1998 gegen Eritrea entschied.

Verwaltungsgliederung

Der Staat gliedert sich in 19 Gouvernorate und den Hauptstadtdistrikt.

Weblinks


- [http://www.d-j-ge.de Deutsch-Jemenitische Gesellschaft e.V.]
- [http://www.botschaft-jemen.de/ Jemenitische Botschaft in Deutschland]
- [http://www.derjemen.de Das Fenster zum Jemen] Kategorie:Staat ! Kategorie:Nahost ja:イエメン ko:예멘 ms:Yaman th:ประเทศเยเมน zh-min-nan:Yemen

Herodot

Herodot von Halikarnassos (griech.: Ηροδοτος Herodotos; ca.
- 484 v. Chr. - † 425 v. Chr.) war ein griechischer Historiker, Geograf und Völkerkundler. Er wurde von Cicero (De leg. 1,5) zugleich als "Vater der Geschichtsschreibung" - pater historiae - und als Erzähler "zahlloser Märchen" - innumerabiles fabulae - bezeichnet.

Leben

Herodot (gr. Herodotos, lat. Herodotus) wurde in Halikarnassos in Kleinasien, heute Bodrum/Türkei, geboren. Er unternahm eigenen Angaben zufolge lange Reisen nach Persien, Ägypten, Babylonien und zum Schwarzen Meer. Zeitweise lebte er auch in Süditalien in Thurioi, an dessen Gründung er mitbeteiligt war. ~447 v.Chr. kam er nach Athen, wo er wohl engen Kontakt zu großen Persönlichkeiten dieser Zeit pflegte. Dazu gehören Sophokles und Perikles.

Werk

Herodot schrieb eine Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern zu Beginn des 5. Jahrhundert v. Chr. (Perserkriege), die unter dem Titel Historien (gleichbedeutend mit: Erkundungen, Forschungen, s. a. Historien von Herodot) bekannt sind. Ursprünglich trug Herodot einzelne inhaltlich in sich geschlossene Abschnitte (so genannte logoi) einem Publikum vor. Seine Schriften wurden als eine neue Form der Literatur bald nach seiner Veröffentlichung anerkannt. Herodots Prosawerk ist zudem auf einem hohen literarischen Niveau verfasst worden, so dass sein Stil noch nachhaltigen Einfluss auf die zukünftige Geschichtsschreibung ausüben sollte. In den Historien befindet sich die Verfassungsdebatte, in der die einzelnen Staatsformen gegeneinander abgewogen werden. Sie haben bis heute eine wichtige Bedeutung in der Demokratieforschung (Herodot 3,80-84 [http://www.gottwein.de/Grie/hdt03080.htm]). Im Rahmen seiner Abhandlungen wird vor der Darlegung des Verlaufs der Perserkriege gleichsam als Bühne des Geschehens das Panorama der Länder und Völker der gesamten damals bekannten Welt aufgespannt. Damit leistete Herodot frühe Beiträge zur Völkerkunde. Herodot legt dar, wie eine Weltkarte seiner Meinung nach aussehen sollte, und verschafft uns somit Einblick in den Welthorizont der gebildeten Menschen seiner Zeit. Seine Beschreibung gehört zu den frühesten Anfängen der Kartografie. Vor Herodot gab es nur Chroniken und Epen als Formen der Geschichtsbeschreibung. Herodot war jedoch der Erste, welcher nicht nur die Vergangenheit registrierte, sondern sie zusätzlich als philosophisches Problem oder Forschungsprojekt behandelte, welche Kenntnisse des menschlichen Verhaltens ergeben konnte. Die Komposition der Historien folgt dabei meist weniger "wissenschaftlichen" Kriterien als vielmehr künstlerischen und philosophischen Überlegungen. Von Teilen der Forschung wird Herodot aber auch sehr kritisch gesehen. Ihm wurde vorgeworfen, nicht zwischen Mythen und historischen Ereignissen unterschieden zu haben, wobei als Gegenentwurf das Werk des Thukydides gelten könne; über die Frage, welchen Wert die Historien als Quelle haben, ist in der Forschung bis heute keine Einigung erzielt worden . Herodot unterscheidet in den Historien die Leitvorstellungen menschlicher Selbstwertsuche. Ungebundenem, bedenkenlosem Handeln, wie in der Rhampsinit-Geschichte, in der zwei Brüder in die Schatzkammer des Königs einbrechen und, um nicht entdeckt zu werden, der eine dem anderen den Kopf abschlägt, nachdem er in eine Falle getreten war aus der er sich nicht mehr befreien kann stellt er Bewusstsein für Verantwortung und Schuldbewusstsein (vgl. Gyges-Geschichte) gegenüber. Ein wichtiger Aspekt in den Historien ist auch die Hybris. Sie wird mit Nemesis, bei Schrankenübertretungen, oder Tisis, bei Unrecht, vergolten - diese Warnung vor Hochmut zieht sich wie ein Leitmotiv durch das gesamte Werk und richtet sich wohl an die Athener, deren Großmachtpolitik Herodot sehr kritisch bewertet. Er will seine Leser offenbar am Beispiel des gescheiterten Angriffs der Perser auf Griechenland davor warnen, einen ähnlichen Fehler zu begehen.

Herodot als Autor

In den Historien will Herodot persönlich historische Fakten ordnen, deuten, kausal verbinden und im Zusammenhang darstellen. Dies ist ein Aspekt des Kontrastes zwischen der rationalen Weltsicht Herodots und beispielsweise Homers archaischer Anschauung. Homer tritt als Erzähler göttlichen Wesen gegenüber zurück und lässt sie berichten: Proömium von Herodots Historien: Von Herodot aus Halikarnaß ist dieser Forschungsbericht, damit weder das, was durch Menschen entstanden ist, durch die Zeit ausstirbt, noch große und wunderliche Taten, die von Hellen und Barbaren ausgeführt wurden, ruhmlos werden, und aus welchem Grund sie gegeneinander kämpften. Proömium von Homers Ilias: Den Zorn singe, Göttin, des Peleus-Sohns Achilleus, Den verderblichen, der zehntausend Schmerzen über die Achaier brachte Und viele kraftvolle Seelen dem Hades vorwarf Von Helden, sie selbst aber zur Beute schuf den Hunden Und den Vögeln zum Mahl, und es erfüllte sich des Zeus Ratschluß... Proömium von Homers Odyssee: Den Mann nenne mir, Muse, den vielgewandten,….

Wichtige Zitate aus den Historien


- „Der Mensch ist Spielball des göttlichen Schicksals.“ (pan esti anthropos symphoré)
- „Der Mensch ist schicksalsverhaftet und sterblich und hat ein Bewusstsein dafür.“
- „Die Götter sind gänzlich neidisch und wankelmütig.“ (to theion pan phthoneron te kai tarachodes) :Zeugt von einer anthropomorphen Göttervorstellung, die dem subjektiven Empfinden eines Geschädigten entspringt. Der Mensch wird durch göttliche Eingriffe in Grenzen verwiesen => Erklärungssuche des Menschen für jedes Geschehen
- „Niemand wird so dumm sein, dass er Krieg statt des Friedens wählt.“ (oudeis gar huto anoétos esti, ostis polemon pro eirénés hairëetai)
- „Friedenspolitik ist Vernunftsache.“

Literatur

Werkausgaben


- Das Geschichtswerk des Herodot von Halikarnassos, Insel Verlag, Frankfurt, 2001, ISBN 3-45834-443-8
- Historien, Reclam Verlag, Ditzingen, 2002, ISBN 3-15018-221-2
- Gesamtausgabe (Buch I-IX) "Historien" von Herodot, ISBN 3520224046

Sekundärliteratur


- Bichler, Reinhold/Rollinger, Robert: Herodot, Hildesheim u. a. 2000. (Das derzeitige Standardwerk)
- Erbse, H.: Fiktion und Wahrheit im Werk Herodots, Göttingen 1991.
- Evans, James A. S.: Herodotus, explorer of the past. Three essays, Princeton 1991.
- Fehling, Detlev: Die Quellenangaben bei Herodot, Berlin/New York 1971. (Eine ebenso einflussreiche wie umstrittene Arbeit, die die These vertritt, Herodot habe die referierten Daten fingiert bzw. erfunden und die angeblichen Forschungsreisen nie unternommen)
- Hart, John: Herodotus and Greek history, London 1993.
- Herodot. Eine Auswahl aus der neueren Forschung, hrsg. v. Walter Marg, Wege der Forschung 26, 3. Aufl., Darmstadt 1982.
- Hose, Martin: Am Anfang war die Lüge? Herodot, der "Vater der Geschichtsschreibung", in: Hose, Martin (Hg.): Große Texte alter Kulturen, Darmstadt 2004, S. 153-174.
- Keller, Werner: Da aber staunte Herodot, Zürich 1972, ISBN 3-426-05571-6
- Pritchett, William K.: The liar school of Herodotos, Amsterdam 1993.
- Schadewaldt, Wolfgang: Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen, Bd. 2, 3. Aufl., Frankfurt a. M. 1990. ISBN 3-518-27989-0 (Zur Einführung)
- Sélincourt, Aubrey de: Die Welt Herodots, Wiesbaden 1967.

Weblinks


- [http://ancienthistory.about.com/library/bl/bl_text_herodotus.htm Herodots Geschichtswerk (engl.)]
- [http://www.iranica.com/articles/v12f3/v12f3016.html Ausführlicher fachwissenschaftlicher Artikel aus der "Encyclopaedia Iranica" mit reichen Literaturangaben (englisch)]
- [http://www.isidore-of-seville.com/herodotus/ Webportal zu Herodot (engl.)]
- [http://www.gasl.org/as/referenz/alles.php Komplette deutsche Übersetzung der Historien als PDF, ca. 21 MByte] Kategorie:Mann Kategorie:Historiker Kategorie:Grieche Kategorie:5. Jahrhundert v. Chr. ja:ヘロドトス ko:헤로도토스 ms:Herodotus

Arabien

Mit der Kurzform Arabien wird allgemein bezeichnet
- die Arabische Halbinsel als Urheimat der Araber
- das Königreich Saudi-Arabien, das sieben Zehntel der eigentlichen Halbinsel (ohne Nordarabien) umfaßt
- das (fiktive) einheitliche "Arabische Vaterland", siehe Arabische Einheit

Arabische Halbinsel

Die Arabische Halbinsel (arabisch جزيرة العرب Dschazīrat al-cArab), auch einfach Arabien, befindet sich zwischen Südwest-Asien, zu dem sie gehört, und Nordost-Afrika und erstreckt sich ungefähr von Nord-Westen nach Süd-Osten. Sie ist vor der Westantarktis und Vorderindien die größte Halbinsel der Erde. Zusammen mit mehreren angrenzenden Staaten bildet sie den nahen Osten. Im Osten grenzt die Halbinsel an den Persischen Golf und den Golf von Oman. An der südlichen Seite wird sie vom Arabischen Meer, das zum Indischen Ozean gehört, und vom Golf von Aden begrenzt. Im Westen schließen sich der Sueskanal und das Rote Meer an. Tektonisch gesehen bildet diese Halbinsel die Arabische Platte. Geologisch gehört die Halbinsel zur alten afrikanischen Kontinentalmasse, auch wenn sie durch den Grabenbruch des Roten Meeres getrennt ist. Die Halbinsel ist mit der Großen Nefud im Norden und der Rub al-Chali im Süden fast vollständig ein Wüstengebiet. Auf der Arabischen Halbinsel und auf den vorgelagerten Inseln liegen die heutigen Staaten Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Katar und Kuwait. Von diesen Staaten ist Saudi-Arabien, das heute umgangssprachlich oft mit der Bezeichnung Arabien gemeint ist, das bei weitem größte Land. An die Region grenzen außerdem nördlich die Staaten Ägypten, Jordanien und der Irak.

Geschichte

Geschichte vor Mohammed

Ein frühes Reich auf der in weiten Teilen unbewohnbaren Arabischen Halbinsel war im Süden das sagenumwobene Saba. Im 3. Jahrhundert v. Chr. gewann das Reich Himyar, das an der südwestlichen Spitze lag, an Macht; es dehnte seinen Herrschaftsbereich in den folgenden Jahrhunderten bis nach Somaliland und Sansibar aus und eroberte um 300 auch Hadramaut, das wegen des Weihrauch- und Myrrhe-Anbau seit alters her bedeutend war. Von 355 bis 378 unterwarf Abessinien das Reich Himyar und christianisierte es. Unter dem Schutz der Sassaniden gelang es, zu Beginn des 6. Jahrhunderts dem Himyarkönig Nuwas (Yusuf), ein Großreich im Süden der Insel zu errichten; Nuwas nahm den jüdischen Glauben an. Nach einer Christenverfolgung durch Nuwas unterwarf Abessinien das Reich. Den Abessiniern folgten 572/75-628/30 die persischen Sassaniden. In Innerarabien ist die Kinda-Föderation erwähnenswert. Im Norden bestand zunächst das Reich der Nabatäer, dann das Reich Palmyra, später auch die Reiche der Ghassaniden und Lachmiden, die am Ende ebenfalls von den Persern erobert wurden. Im Westen auch stand Oman (zeitgleich mit Jemen) unter persischer Kontrolle, die Region Jamama spielte noch bis zum Tode Mohammeds eine eigene Rolle.

Siehe auch


- Zentralarabien
- Geschichte Saudi-Arabiens

Weblinks

Kategorie:Halbinsel Kategorie:Arabien Kategorie:Nahost ja:アラビア半島 ko:아라비아 반도 simple:Arabia

Nil

Der Nil (arab. بحر النيل, Bahr al-Nīl) ist ein Strom in Afrika. Der Nil entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi und mündet ins Mittelmeer. Dazwischen durchfließt er die Gebiete von sechs Staaten: Burundi, Ruanda, Tansania, Uganda, Sudan und Ägypten. Besonders für Ägypten hat der Nil überragende wirtschaftliche Bedeutung. Mit 6.671 km Länge ist der Nil der längste oder zweitlängste Fluss der Erde, da die Länge des Amazonas – je nach Definition – zwischen 6.500 km und 7.200 km angegeben wird. Die ungenaue Angabe beruht darauf, dass der Quellfluss des Amazonas nicht eindeutig zu bestimmen ist. Siehe hierzu auch: Die längsten Flüsse der Erde

Flusslauf, -länge und Einzugsgebiet

Der Nil besitzt zwei so genannte Quellflüsse - den kürzeren Blauen Nil und den wesentlich längeren, eigentlichen Weißen Nil.

Quellflüsse

Der Hauptfluss des Nils, der Weiße Nil, entsteht aus den Quellflüssen des Akagera-Nil, der oftmals nur Kagera-Nil genannt wird und in den Tälern der Gebirge von Ruanda und Tansania aus zwei Quellflüssen gespeist wird: # "Burundischer Quellfluss", der in Burundi entspringt # "Ruandischer Quellfluss", der in Ruanda entspringt

Burundischer Quellfluss: Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera

Der Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera bildet den südlichsten und längsten Quellfluss des gesamten Nils: Dieser Flusslauf ist von der Quelle bis zur Mündung 6.671 km lang; sein Einzugsgebiet umfasst 2.870.000 km² (andere Angaben, die in den verschiedensten Medien zu finden sind, berichten von sogar 6.693 km und 2.881.000 km²); nur der Kongo, welcher der wasserreichste Strom Afrikas ist, hat in Afrika ein noch größeres Einzugsgebiet. Weil der Nil von der Quelle des Luvironza aus gemessen insgesamt länger und größer als der nachfolgend genannte "Ruandische Quellfluss" ist, stellt er den tatsächlichen Quellfluss des Nils dar. Die Quelle des "Burundischer Quellflusses", welche die südlichste des Nils und auch die vom Nildelta bzw. von der Mündung des Nils am weitesten entfernte ist, liegt in den östlichen Randgebirgen des Great Rift Valley bzw. in den südlichen Hochgebirgen von Burundi. Sie befindet sich etwa 45 km östlich des Tanganjikasees zwischen Bururi und Rutana; sein Quellbach heißt Luvironza. Von dort aus fließt dieser über den Ruvuvu, der auch Ruwubu oder Ruwuwu genannt wird, und über den Ruvusu, der auf den letzten Kilometern schiffbar ist, in Richtung Norden und heißt nach 350 km Länge Akagera (Fortsetzung siehe weiter unten).

Ruandischer Quellfluss: Rukarara-Nyabarongo

Der Rukarara-Nyabarongo bildet den nördlicheren und kürzeren Quellfluss des gesamten Nils. Er gilt als einer der beiden Quellflüsse des Weißen Nils. Entdeckt wurde die Quelle des Rukarara im Jahr 1898 durch Richard Kandt. Sein Quellgebiet liegt rund 185 km weiter nördlich, als die des zuvor genannten "Burundischen Quellflusses". Die Quelle, Source du Nil (Nilquelle) genannt (daher ein Mineralwasser namens Nil) liegt im südlichen Ruanda ebenfalls in den östlichen Randgebirgen des Great Rift Valley. Sie befindet sich in etwa 2.700 m Höhe im Nyungwe-Wald etwa 40 km südöstlich des Kiwusees, der oft auch Kivusee genannt wird. Von dort aus fließt er als Rukarara 50 km in östlicher Richtung ab und bildet später - mit dem ihm zufließenden Mwogo - den etwa 225 km langen Nyabarongo (auch Njawarongo genannt). Dieser fließt zuerst in Richtung Nordosten, um dann nach Osten abzuknicken; die dort mehr als rechtwinklige Laufänderung ist geologisch/tektonisch durch die Entstehung der Virunga-Vulkane und des Great Rift Valley bedingt. Danach steuert der Nyabarongo auf Kigali zu, ohne die Hauptstadt von Ruanda direkt zu erreichen. Südlich dieser Stadt, von der er mit kleinen Schiffen mit wenig Tiefgang nutzbar ist, nimmt er den 165 km langen Akanyaru (auch Akanjaru genannt) auf, der aus Richtung Süden kommt und ebenfalls in seinem Unterlauf mit kleinen Schiffen mit wenig Tiefgang befahrbar ist. Der Nyabarongo setzt seinen Lauf auf der Grenze von Ruanda und Burundi sowie auf der Grenze von Ruanda und Tansania nach Osten fort und passiert den Rwerusee (Lac Rweru). Ab dort trägt der Fluss den Namen Akagera ...

Weiterer Flusslauf

Der Flusslauf Akagera-Nil-Viktoria-Nil-Albert-Nil-Weißer Nil-Nil bildet ab der oberhalb der Rusumo Falls liegenden Grenze von Ruanda und Tansania die Fortsetzung der zuvor genannten Flussläufe - Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera ("Burundischer Quellfluss") und Rukarara-Nyabarongo ("Ruandischer Quellfluss"). Er entsteht in knapp über 2.000 m Höhe in der Bergwelt von Ruanda, fließt überwiegend in nördliche Richtungen und mündet in Ägypten in das Mittelmeer:

Akagera-Nil

Der rund 850 km lange Akagera-Nil (auch Kagera-Nil und früher teils Alexandra-Nil genannt) ist vorerst nur die Fortsetzung des Flusslaufs Rukarara-Nyabarongo in den Gebirgstälern von Ruanda. Er fließt - schiffbar - zuerst innerhalb Ruandas und dann rund 175 km auf den zuvor erwähnten Grenzen nach Osten. An seinem etwas östlich bzw. unterhalb von Ngara liegenden "Südknie" nimmt der Akagera-Nil den Ruvusu auf, welcher der Unterlauf des "Burundischen Quellflusses" ist. Danach knickt er nach Norden ab und stürzt nur wenige hundert Meter nach dieser Flusseinmündung über die Rusumo Falls (Chutes Rusumu). Nach dem Wasserfall ist der Akagera bis zum "Nordknie" wieder schiffbar und bildet nicht nur im dortigen Akagera-Nationalpark die Grenze von Ruanda und Tansania, um rund 180 km weiter im Norden sein "Nordknie" und das Dreiländereck Ruanda-Tansania-Uganda zu erreichen. Dort wechsellt der Flusslauf abermals geologisch/tektonisch bedingt und wieder mehr als rechtwinklig seine Fließrichtung nach Osten. Fortan fließt er erst ein Stück direkt auf der Landesgrenze von Uganda und Tansania; danach verlässt er diese, um über zahlreiche Stromschnellen durch die nördlichen Teile von Tansania zu fließen. Später steuert er in Richtung Nordosten, um rund 270 km nach seinem "Nordknie" und unweit der Grenze der beiden zuletzt genannten Staaten in den Westteil des Viktoriasees zu münden. Seltsamerweise wird der Flusslauf bis zu diesem See oftmals nicht als Teil des Nils angesehen (siehe hierzu weiter unten: "Der tatsächliche Quellfluss").

Viktoria-Nil

Der Nil fließt dann in Uganda als Viktoria-Nil aus dem Norden des Viktoriasees, in dem die überfluteten Owen- und Ripon Falls liegen, durch den Kiogasee, der auch Kyogasee genannt wird, und über die Murchison Falls, die man auch Kabelega Falls nennt und die im Murchison Nationalpark liegen, in den Albertsee, der früher auch Lac Mobutu-Sese-Seko hieß.

Albert-Nil

Unterhalb des Albertsees wird das Fließgewässer Albert-Nil genannt. Seinen Namen trägt er - gemeinsam mit dem Albertsee - zu Ehren des Prinzgemahls der Königin Victoria von England, Prinz Albert. Er fließt innerhalb Ugandas vorbei an der Ruinenstätte Wadelai weiter nach Norden und erreicht die Grenze zum Sudan.

Bahr al-Dschabal

Ab der Grenze zum Sudan heißt der Flusslauf Bahr al-Dschabal (arabisch: Bergfluss; auch Bahr al-Jabal und Bahr el-Dschebel genannt). Bei der Stadt Bur fließt er in den Sudd ein, ein großes Sumpfgebiet, in dem 53 Prozent des Wassers verdunsten.

Weißer Nil

Nach verlassen des Sudd trifft der Bahr al-Dschabal mit dem Fluss Bahr al-Ghazāl im No-See zusammen und wird ab da als 'Weißer Nil bezeichnet, der nun ostwärts weiterfließt. Bei der Stadt Malakal trifft er auf den Jonglei-Kanal und den Zufluß des Sobat. Dann fließt er nordwärts weiter in Richtung Khartum und Omdurman, wo er auf den Blauen Nil trifft, der von rechts bzw. Südosten aus Äthiopien kommt.

Bahr an-Nīl

Von Khartum flussabwärts wird der Strom als Bahr an-Nīl (arabisch: Nilfluss) bezeichnet. Von dort an fließt er als so genannter Fremdlingsfluss durch ausgedehnte Steppen und Wüstenlandschaften s-förmig weiter nach Norden, ohne noch nennenswerte Nebenflüsse aufzunehmen. Während er dabei die Nubische Tafel durchbricht, passiert er die an seine östlichen Ufer angrenzende Nubische Wüste. Somit erreicht er den Nassersee, der durch den von 1960 bis 1971 errichteten Assuan-Damm aufgestaut wird. Darin überquert der Nil die Grenze vom Sudan nach Ägypten, welches der Strom von Süd nach Nord durchfließt. In den Wüstengebieten Oberägyptens bildet der Nil dabei eine 5 bis 20 km breite Niederung, eine lebenswichtige Fluss-Oase, die landwirtschaftlich nutzbar ist. Durch den eben erwähnten und zum Zweck der umfangreichen Bewässerung errichteten Staudamm, der die Schwebstoffe und Sedimente zurückhält, lässt mit der dauerhaften Nutzung der Felder deren Fruchtbarkeit nach; dies liegt auch daran, dass die Versalzung der Böden zunimmt, so dass mit Düngern nachgeholfen wird.

Nil

Nördlich bzw. unterhalb des Assuan-Staudamms und etwa ab Qena trägt der Strom nur noch seinen eigentlichen Namen - Nil. Nun tangiert er die östlich angrenzende Arabische Wüste. Weiter nördlich fließt sein Wasser östlich am Fayyum-Becken vorbei, eine große oasenartige und reichlich besiedelte Beckenlandschaft, mit der er über den Bahr Yusuf (Kanal) verbunden ist. Unterhalb von Kairo und damit noch weiter nördlich, fächert sich der Nil zum etwa 24.000 km² großen Nildelta auf, nach dessen Durchfließen er schließlich in das Mittelmeer mündet; der Assuan-Staudamm ist auch der Grund, warum dieses Flussdelta nicht mehr weiter ins Meer vorgeschoben, sondern durch die dort oftmals sehr starke Brandung abgetragen wird.

Nebenflüsse

Wasserfälle

Kaskaden und Stromschnellen

Im Oberlauf des Weißen Nils (mit all seinen ihn speisenden Flüssen) muss das Nil-Wasser zahlreiche kleinere und größere kaskadenartige Wasserfälle überwinden; dazu gehören:
- Rusumo Falls (Chutes Rusumu) auf der Grenze von Ruanda und Tansania
- Kuruma-Schnellen in Tansania - östlich vom Nordknie des Kagera-Nils
- Ripon Falls in Uganda - (durch den Owen-Falls-Damm vom Viktoriasee überflutet)
- Owen Falls in Uganda - (durch den Owen-Falls-Damm vom Viktoriasee überflutet)
- Murchison Falls (auch Kabelega Falls genannt) in Uganda

Katarakte

In Mittelauf des Nils, unterhalb der Einmündung des Blauen Nils in den Weißen Nil, muss(te) das Nil-Wasser zwischen Omdurman und Assuan insgesamt 6 Katarakte überwinden. Dies sind explizit bei Niedrigwasser schwer passierbare Stromschnellen, die nicht nur im alten Ägypten sehr gefürchtet waren, weil sie zwischen teils spitzen und nur schwer überschaubaren Felsklippen hindurchführen, so dass man sie mit großen Booten oder Schiffen nicht befahren kann; noch heute stellt dies eine Herausforderung dar, diese Katarakte mit Kleinbooten zu überwinden. Früher bildeten sie die Grenze zwischen den Königreichen. Diese 6 natürlichen Granitbarrieren, sind Hunderte Millionen Jahre alte Zeugnisse von übereinander geschobenen Kontinentalplatten, die wesentlich härter sind, als das weiche Sedimentgestein, das der Nil selbst abgelagert hatte. Man nannte diese Barrieren schlicht und einfach Katarakte und gab ihnen eine zusätzliche Nummer; die Nummerierung erfolgt flussaufwärts: Der 1. Katarakt liegt bei Assuan, der heute allerdings – wie der zweite – von den Wassermassen des Nassersees überlagert ist. Der 3. Katarakt liegt nur etwas nördlich von Kerma, der vierte östlich von Merowe und der fünfte 50 km nördlich von Berber. Der oberste Katarakt liegt etwa 75 km nördlich von Omdurman. Durch diese Katarakte fließt das Nil-Wasser aufgrund des schmaleren und tieferen Flussbettes und des stärkeren Gefälles zumeist reißend, insbesondere wenn weiter südlich die Regenzeit tobt und die Wassermassen nach Norden kommen. Bei Assuan wird die Nilschifffahrt durch das 1. Katarakt nach wie vor unterbrochen: Alles was per Schiff weiter nach Süden will, Material und Menschen, muss umgeladen werden bzw. umsteigen, um einen Umweg über Land zu nehmen und dann die Fahrt auf dem Assuan-Stausee weiter fortzusetzen und umgekehrt.

Einige interessante Längen und Daten des Nils

Von seiner am weitesten entfernten Quelle in Burundi legt der Nil bis zu seiner Mündung insgesamt 6.671 km Flussstrecke zurück. Vom Viktoriasee sind dies noch 5.588 km, von Khartum, wo der Blaue Nil in den Weißen Nil fließt, rund 2.700 km und von der Landesgrenze von Sudan/Ägypten bis zur Mündung noch 1.550 km. Geologischen Untersuchungen ergaben, dass sich erst vor ca. 1 Million Jahren der Viktoriasee durch Absenkung des dortigen Hochlandes gebildet hat. Nach dem Ende der letzten Eiszeit ist dieser See vor ca. 12000 Jahren erst übergelaufen und ließ den Viktoria-Nil, bzw den Weißen Nil entstehen.

Geschichte

Altes Ägypten

Erst durch den Nil wurde das Leben und die Kultur an den Nilufern des Alten Ägyptens möglich. Ohne ihn wäre das Land eine einzige Wüste. Man sieht es daran, dass er im Westen von der Libyschen und im Osten von der Nubischen Wüste sowie der Arabischen Wüste eingefasst wird, wo bis auf ein paar Oasen kein Wasser existiert und somit Landwirtschaft und Kultur unmöglich waren bzw. sind. Erst durch den fruchtbaren Schlamm, den der Nil bei seinen Hochwassern über das Land verteilt, konnten Nutzpflanzen angebaut und Landwirtschaft betrieben werden. Außerdem wurde der sehr tonhaltige Schlamm des Nils zum Häuserbau benutzt. Während die vom Nil geführte Wassermenge, die fast ausschließlich von den Niederschlägen in den Ländern um den Viktoriasee abhing, ihren Tiefstand zumeist im April erreicht(e), stieg diese bis Ende August auf das etwa 50 bis 60fache an: Einmal im Jahr überschwemmte der Nil das Land und bedeckte einen bis zu mehrere Kilometer breiten Streifen Land. Wenn das Wasser abfloss und verdunstete, hinterließ er fruchtbaren, dunklen Schlamm (so dies auch heute noch, wenn es den Assuan-Staudamm nicht gäbe), der dem Alten Ägypten seinen Namen gab (Kemet - "Das schwarze Land"). Um diese Anbaufläche für Getreide vollständig nutzen zu können, siedelten die Ägypter meist direkt entlang des Nils, aber auch etwas abseits des Flusses in der Wüste. Um für die Wüstensiedlungen und für Trockenzeiten Wasser speichern zu können, mussten sie Kanäle und künstliche Seen anlegen. Da der einzelne ägyptische Bauer diese nicht bauen konnte, schlossen sich die Bewohner eines Landstriches zusammen und bildeten Gaue, die von Gaufürsten verwaltet wurden. Der Pegelstand des Nils zur Zeit der Überschwemmung schwankte stark. Er wurde an sog. Nilometern gemessen. Da bei niedrigem Stand manche Landstriche nicht überschwemmt wurden und die dort lebenden Bauern hungerten, wurden die Steuern nach dem Stand des Nils festgesetzt. Stieg der Nil aber zu hoch, drohte das Brechen von Dämmen und die Zerstörungen der Häuser. Dadurch wurden schon früh Geometer benötigt, die das Land neu ausmaßen und die Feldergrenzen neu festlegten. Der Nil war der Haupthandelsweg Ägyptens. Über den Fluss wurde z. B. Holz transportiert, das in Ägypten fast überhaupt nicht vorkommt. Es wurde aus Syrien und Palästina importiert. Außerdem wurden Steinblöcke für den Bau von Pyramiden auf Schiffen transportiert. Der Schiffverkehr war auf den Tag begrenzt, da man in der Nacht Gefahr lief, auf Sandbänke zu laufen. Bei sehr niedrigem Wasserstand wurden die Schiffe über kurze Strecken über Land gezogen. Das Segel wurde erst 3350 v. Chr. eingeführt.

Römer- bis Neuzeit

Segel Bereits die alten Römer waren auf der Suche nach den Quellen des riesigen Stromes. Der portugiesische Jesuitenmissionar Pater Pedro Paez (1564-1622) entdeckte 1613 die Quelle des Blauen Nils. Der schottische Afrikaforscher James Bruce (1730-1794) entdeckte die Quelle am 4. November 1770 wieder und beanspruchte den Ruhm (vergeblich) für sich; er befuhr 1771 den Blauen Nil bis zur Vereinigung. Für die Entdeckung der tatsächlichen Quelle des Nils am Luvironza haben viele Afrikaforscher meist vergeblich gesucht und Hypothesen aufgestellt. Bei einer Expedition, die von 1821-1822 dauerte, erreichte der Franzose Frédéric Cailliaud (1787-1869) die Mündung des Blauen- in den Weißen Nil. 1861 stellte die niederländische Afrikaforscherin Alexandrine Tinné in Kairo eine Expedition zusammen, musste diese aber aus logistischen Gründen nach einigen Monaten erfolglos abbrechen. 1866 machte sich der berühmte britische Forscher David Livingstone (1813-1873) auf Expeditionen zu den Quellen des Nil und des Kongo; er meinte sie im viel weiter südlich liegenden Bangweulusee gefunden zu haben, erreichte die wirkliche Quelle aber nie. 1857 gingen die Briten John Haning Speke und Richard Francis Burton gemeinsam auf Erkundung des Viktoriasees: John Speke sah in ihm die Quelle - Richard Burton jedoch im südlicherem Tanganjikasee; 1858 macht