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Arabische Sprache
Die arabische Sprache (auf Arabisch: اللغة العربية)
gehört zum südlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Der Language Code ist ar bzw. ara (nach ISO 639).
Allgemeines
Die einzelnen arabischen Dialekte in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander und sind, wenn sie weit auseinander liegen (z. B. Marokko - Irak), auf basilektaler Ebene oft gegenseitig nicht oder nur schwer verständlich, in etwa vergleichbar mit den verschiedenen deutschen Mundarten.
Algerische Filme, die natürlich im dortigen Dialekt gedreht worden sind, werden zum Teil hocharabisch untertitelt, wenn sie in den Golfstaaten ausgestrahlt werden.
Die arabische Sprache in einem erweiterten Sinne umfasst eine Vielzahl von verschiedenen Sprachformen, die in den letzten anderthalb Jahrtausenden gesprochen wurden und werden.
Was all diese Sprachformen zu einer Sprache zusammenbindet, ist vor allem der Islam und speziell der Koran. Das Beispiel des Maltesischen zeigt sehr deutlich die große Rolle des Islam, was die Einheit des Arabischen angeht. Das Maltesische ist eine den maghrebinischen Dialekten der arabischen Sprache nah verwandte Sprache, die aber weitestgehend zu einer modernen, eigenständigen Standardsprache ausgebaut worden ist.
Aus dem Alt-Arabischen, das dem klassischen Hocharabisch sehr nahe stand, hat sich eine Vielzahl von Dialekten entwickelt, die neuarabischen Dialekte; für alle Sprecher dieser Sprache außer dem Maltesischen ist das unverändert geschriebene Hocharabisch weiterhin Schriftsprache und Dachsprache.
Ob Hocharabisch als moderne Standardsprache zu betrachten ist, ist umstritten (siehe auch Halsbandsittich in vielen Sprachen). Die panarabischen Satellitensender könnten es dazu werden lassen. Es fehlt oft noch an einem einheitlichen Wortschatz für viele Dinge der modernen Welt, sowie am Fachwortschatz für viele Bereiche der modernen Wissenschaften. Darüber hinaus ist Hocharabisch innerhalb der einzelnen arabischen Ländern relativ selten ein Mittel zur mündlichen Kommunikation.
Das Arabische im Semitischen
Das klassische Hocharabisch unterscheidet sich nicht wesentlich von der alt-arabischen Sprache. Versucht man durch Vergleich aller semitischen Sprachen die Wurzel eines Wortes zu ermitteln, findet man oft, dass sie genau der klassisch-arabischen Form gleicht. Dadurch kommt dem klassischen Hocharabisch eine zentrale Stellung innerhalb der semitischen Sprachen zu.
Lange betrachteten viele Semitisten das klassische Arabisch als die ursprünglichste semitische Sprache überhaupt. Erst langsam stellt sich durch den Vergleich mit anderen afro-asiatischen Sprachen heraus, dass vieles doch nicht so ursprünglich ist, wie man dachte. Klassisches Hocharabisch stellt wohl eine neuere Schicht semitischer Sprachen dar, die viele Möglichkeiten, die in der Grammatik der semitischen Sprachen angelegt sind, konsequent ausgebaut hat. Es hat einen sehr reichen semitischen Wortschatz bewahrt und sogar noch weiter ausgebaut. Die heutigen Dialekte haben viele Veränderungen durchgemacht, wie sie andere semitische Sprachen schon sehr viel früher (2000-3000 Jahre) durchgemacht haben. So fällt beispielsweise auf, dass Alt-Hebräisch und moderne arabische Dialekte, was Lautgestalt und Grammatik angeht, viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Es gibt Spekulationen, dass die Aufgabe der nomadischen Lebensweise und die Überlagerung anderer Sprachen immer wieder ähnliche sprachliche Entwicklungen hervorgerufen haben.
Verbreitung
Varianten des Arabischen werden von ca. 200 bis 300 Millionen Menschen gesprochen. Es ist (nicht immer alleinige) Amtssprache in folgenden Ländern: Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Eritrea, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Komoren, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tschad, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate. Darüberhinaus ist es eine der sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen.
In aller neuester Zeit gewinnt das gesprochene Hocharabische wieder an Raum, Schrittmacher ist dabei u.a. der Fernsehsender Aljazeera in Katar. Dort gibt es sehr lebendige Diskussionen von Sprechern aus allen Ecken der Arabischen Welt, die sich bemühen eine dem Hocharabischen nahe kommende Sprache zu gebrauchen.
Durch die dominierende ägyptische Film- und Fernsehproduktion (u.a. bedingt durch die Bevölkerungszahl) gilt der gesprochene Kairoer Dialekt des Arabischen in der arabischen Welt als allgemein verständlich, sozusagen "gemeinsprachlich". Gewöhnliche Filme auf hocharabisch zu drehen ist nicht üblich, da diese Sprache eher ernsten Themen wie den Fernseh- und Rundfunknachrichten, religiösen Sendungen und Gottesdiensten vorbehalten ist.
Geschichte
Schon in vorislamischer Zeit existierte auf der arabischen Halbinsel eine reichhaltige Dichtersprache, die nur mündlich weitergegeben wurde. Auf dieser Dichtersprache fußt zum Teil das Arabische des Korans, das aber wohl schon modernere Züge aufwies, wie man am Konsonantentext sehen kann. Wohl erst nachträglich hat man durch Zusatzzeichen das Koran-Arabisch für neue nicht arabische Muslime einfacher gemacht. In frühislamischer Zeit wurden viele Gedichte dieser Sprache schriftlich festgehalten. Bis heute ist das Memorieren (Auswendiglernen) von Texten ein wichtiger Bestandteil der islamischen Kultur. So gibt es bis heute viele sehr geachtete Menschen, die den gesamten Koran auswendig vortragen können (Hafiz oder Hafidh).
Das klassische Hocharabisch ist insbesondere die Sprache des Korans, das sich aus dem Zentrum der arabischen Halbinsel, dem Hedschas, im Zuge der islamischen Eroberungen über den ganzen Vorderen Orient verbreitete.
Der Kalif Abd al-Malik erhob in den 90er Jahren des 7. Jahrhunderts diese Form des Arabisch zur offiziellen Verwaltungssprache des islamischen Reiches.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Sprache dann immer mehr, was jedoch zum Teil an der Schrift nicht zu erkennen ist, da die kurzen Vokale außer im Koran nicht geschrieben wurden und man sich bemühte die alten Regeln bei der Schreibung beizubehalten.
Das klassische Hocharabisch wird als Muttersprache heute von niemandem mehr gesprochen. Es wird allerdings auch heute noch, nur im Wortschatz verändert, als geschriebene Hochsprache benutzt, in der fast alle Bücher und Zeitungen erscheinen (außer in Tunesien, Marokko und in etwas geringerem Maße in Algerien, wo sich das Arabische diese Rolle mit dem Französischen teilen muss). Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird in den anderen arabischen Ländern aus Mangel an einem spezifischen Fachwortschatz oft Englisch gebraucht.
Bei offiziellen Anlässen wird diese normalerweise nur geschriebene Sprache auch mündlich gebraucht, ebenso teilweise in Fernsehen und Rundfunk. Diese Sprache wird oft auch als modernes Hocharabisch bezeichnet. Es unterscheidet sich vom klassischen Hocharabischen vor allem im Wortschatz und je nach Bildungsgrad des Sprechers teilweise auch in Grammatik und oft in der Aussprache.
Siehe auch: Geschichte der arabischen Literatur
Phonologie
Das Hocharabische Lautsystem ist wenig ausgeglichen. Es gibt nur drei mit den Lippen gebildete Laute (M م, B ب, F ف), P und das deutsche W fehlen. Der Laut و, den man mit W in der Umschrift wiedergibt, ist ein Halbvokal, der einem englischen W [] entspricht.
Dagegen gibt es sehr viele an den Zähnen gebildete Laute: L ل, N ن, D د, T ت, stimmloses und stimmhaftes (wie im Englischen ausgesprochene) "TH" (TH ث, DH ذ), stimmloses und stimmhaftes S (س und ز) und SCH ش. Hinzu kommen die dem Arabischen eigenen emphatischen Laute, d. h. stimmhaftes und stimmloses S (ص und ظ) sowie T ط und D ض, die "dumpf" ausgesprochen werden. Neben dem Zungen-R ر gibt es ein streng davon unterschiedenes Zäpfchen-R غ, normalerweise GH umschrieben.
An Gaumenlauten gibt es DSCH ج, K ك, CH خ und den Halbvokal J ي, das G fehlt. Des Weiteren gibt es ein tief in der Kehle gesprochenes K, das mit Q ق umschreiben wird, sowie das mit dem Kehlkopf ausgesprochene Hamza und einen stimmhaften Kehlkopf-Presslaut ع, den man "Ain" nennt, den es aber nur in sehr wenigen anderen Sprachen gibt, sowie eine stimmlose Entsprechung ح, die wie unser H auch mit H umschrieben wird. Unser H ه gibt es auch noch. Die Konsonanten werden sehr genau ausgesprochen, beeinflussen aber stark die Vokale, die deshalb in vielen Varianten vorkommen, obwohl es eigentlich nur A, I, U sowohl lang als auch kurz gibt. Insgesamt entsteht so der kehlige, raue Lauteindruck des Arabischen.
Die Dialekte haben dieses Ungleichgewicht zum Teil ausgeglichen: in vielen Dialekten gibt es ein G, TH und DH fehlen meist, deutsche W und P gibt es oft in Fremdwörtern. Meist gibt es auch langes E und O.
Schrift
Hauptartikel: Arabische Schrift
Geschrieben wird das Arabische von rechts nach links mit dem arabischen Alphabet, das nur Konsonanten und Langvokale kennt. Es gibt allerdings als Lern- und Lesehilfe ein nachträglich hinzugefügtes System mit Kennzeichen (اشكال) für die Kurzvokale A, I und U, und das in der klassischen Grammatik wichtige End-N, Konsonantenverdopplungen und Konsonanten ohne nachfolgenden Vokal. Der Koran wird immer mit allen Zusatzzeichen geschrieben und gedruckt. Grundsätzlich wäre das vokalisierte und mit Zusatzzeichen versehene Schriftarabisch gleichzeitig eine präzise Lautschrift, diese wird jedoch fast nur für den Koran genutzt. Bei allen anderen Texten muss man die kurzen Vokale selbst finden, was nur möglich ist, wenn man die Grundvokale jedes Wortes auswendig kennt und die grammatische Struktur vollständig analysieren kann, so dass man die richtigen Endungen einfügen kann. Aus diesem Grunde ist das Auswendiglernen langer Texte und die ständige Kontrolle eines anwesenden Lehrers fast unumgänglich, da so gut wie niemand im Alltag Hocharabisch spricht und man es auch nicht, den Koran ausgenommen, durch Lesen selbständig lernen kann.
Die arabische Schrift ist eine Kurrentschrift, die sich im Laufe der Geschichte verschliffen hat. Als immer mehr Buchstaben in der Gestalt zusammenfielen, entwickelte man ein System, diese durch Punkte über und unter den alten Konsonanten zu unterscheiden. Da die Buchstaben in einem Wort verbunden werden, gibt es bis zu vier verschieden Formen eines Buchstabens: allein stehend, nach rechts verbunden, nach links verbunden und beidseitig verbunden. Ohne die Punkte fallen beispielsweise in der beidseitig verbundenen Form die Buchstaben N, T, TH, B, Y und P zusammen. Die Punkte für das P übernahm man aus dem Persischen, um Fremdwörter, die ein P enthalten, wiederzugeben. In einer früheren Form der arabischen Schrift, dem Kufi (كوفى), in der es noch keine Punkte gab, wurden viele Texte fast nicht mehr lesbar, da wie gesagt nur die Konsonanten geschrieben wurden und einige davon auch nicht mehr zu unterscheiden waren. Die neuentwickelte Schrift mit den Punkten nennt man Nas-ch (نسخ).
Aussprache
In vielen islamischen Ländern gibt es Bestrebungen, sich bei der Aussprache der modernen Hochsprache einem Standard zu nähern, der dem nahe kommen soll, was als Aussprachestandard für das klassische Hocharabisch gilt. Grundlage dabei ist meistens der Aussprachestandard der Rezitation (ar. tilāwa تلاوة) des Korans, der weitgehend kodifiziert ist und in modernen Korandrucken auch durch Diakritika wiedergegeben wird. Diese Ausspracheform genießt ein hohes Prestige, wird allerdings in der Regel nur im religiösen Kontext verwendet.
Die frühere Aussprache des Hocharabischen ist nicht mit Sicherheit in allen Einzelheiten bekannt. Ein typischer Fall, wo bis heute keine völlige Klarheit über die Aussprachenormen des klassischen Hocharabisch besteht, ist die so genannte Nunation, also die Frage, ob die Kasusendungen bei den meisten unbestimmten Nomina auf n auslauten oder nicht (kitābun vs. kitāb). Für beide Varianten lassen sich Argumente finden, und da in alten Handschriften das Vokalzeichen der Endung nicht geschrieben wurde, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, wie diese Formen ausgesprochen wurden.
Grammatik
Das Arabische kennt indeterminierte (unbestimmte) und determinierte (bestimmte) Nomina. Determiniert wird ein Nomen durch den vorangestellten Artikel al, der nach Zahl und Fall unveränderlich ist, der aber sein A verliert, wenn er auf einen anderen Vokal folgt, und sein L an nachfolgende Substantive, die mit Sonnenbuchstaben beginnen, assimiliert.
Durch ein nachfolgendes Wort im Genitiv (s.a. Status constructus) oder durch ein direkt an das Wort angeschlossenes Personalsuffix wird ein Wort ebenfalls determiniert. Eigennamen sind von Haus aus determiniert und tragen keinen Artikel, ausgenommen die meisten Ländernamen.
Indeterminierte und determinierte Nomina unterscheiden sich zusätzlich durch unterschiedliche Endungen. Attribute werden dem zugehörigen Nomen nachgestellt.
Im Arabischen gibt es zwei Geschlechter, männlich und weiblich, die meisten weiblichen Wörter enden auf ah, das bei angehängten Endungen zu at wird. Weibliche Personen (Mutter, Schwester etc.) Eigennamen von Ländern und Städten, und die Namen doppelt vorhandener Körperteile (Fuß, Hand) sind auch ohne weibliche Endung weiblich. Daneben kennt das Arabische noch ein Kollektivum.
Es gibt drei Numeri: Einzahl, Zweizahl (Dual) und Mehrzahl, und drei Fälle: Nominativ, Genitiv und Akkusativ, die fast ausschließlich durch kurze Vokal-Endungen bezeichnet werden. Diptoten sind Eigennamen oder indefinierte Substantive, welche anstatt der üblichen drei Deklinationsendungen nur deren zwei aufweisen, d.h. zwischen Genitiv und Akkusativ nicht formal unterscheiden.
Die wirkliche Komplexität der arabischen Sprache liegt in der Vielfalt ihrer Verbformen und daraus abgeleiteten Verbalsubstantive, Adjektive, Adverbien und Partizipien. Jedes arabische Verb verfügt über zwei Grundformen im Perfekt und Imperfekt, Beispiel: kataba - yaktubu: "er schrieb - er schreibt". Dazu kommt als dritte wichtige Form das Verbalsubstantiv ("das Schreiben"). Da sich die meisten Verbformen schematisch ableiten lassen, sind sie viel leichter zu erlernen, als ein Arabisch-Schüler vermuten mag. Zwar gibt es nur zwei Hauptzeiten, wobei das Perfekt eine vollendete, das Imperfekt eine unvollendete Handlung ausdrückt. Trotzdem hat das Arabische eine Vielzahl von Zeitstufen ausgebildet. Viele Verben existieren in zahlreichen, durch Umbildung der Wurzel abgeleiteten Stämmen, die jeweils bestimmte Bedeutungsaspekte haben, wie zum Beispiel Intensivierung oder reflexive Bedeutung. Jeder Stamm besitzt bestimmte Eigenschaften, z.B. ein Präfix, Verlängerung, Änderung oder Wegfall eines Vokals oder auch Verdopplung des mittleren Radikals (d.h. Wurzelkonsonanten). Die Art und Reihenfolge dieser Konsonanten ändern sich hingegen innerhalb einer Wortfamilie nie.
Eine Eigenheit der arabischen Grammatik erleichtert die mündliche Wiedergabe des Hocharabischen sehr: Am Ende eines Satzes fällt im Hocharabischen die Vokalendung meist weg. Man nennt diese Form traditionell "Pausalform". Nun werden aber die drei Fälle und auch zum Teil die Modi gerade durch diese Endungen ausgedrückt, die bei einer Sprechpause wegfallen. Deshalb benützen viele Sprecher, wenn sie modernes Hocharabisch sprechen, sehr häufig diese "Pausalform" und ersparen sich so einen Teil der manchmal komplizierten Grammatik. Da aber auch gerade diese Vokalendungen in allen Dialekten wegfallen, erleichtert dies das moderne Hocharabisch sehr. Das komplizierte System der Verbformen ist in vielen Dialekten noch weitestgehend erhalten, so dass die Dialektsprecher damit weniger Schwierigkeiten haben. Obwohl wie unten beschrieben die Bedeutung eines Wortes meist an den Konsonanten hängt, sind es gerade die kurzen Vokale, die einen großen Teil der komplizierten Grammatik ausmachen.
Arabische Wörterbücher sind häufig so angelegt, dass die einzelnen Wörter nach ihren Wurzeln, also quasi ihren "Wortfamilien", geordnet sind. Daher ist es beim Erlernen des Arabischen wichtig, die Wurzelkonsonaten eines Wortes identifizieren zu können. Der überwiegende Teil der Wörter hat drei Wurzelkonsonanten, einige auch vier. Durch das Abtrennen bestimmter Vor-, Zwischen- und Endsilben erhält man die Wurzel eines Wortes. Gerade Anfänger sollten solche nach Wurzeln geordnete Wörterbücher benutzen, da der Gebrauch "mechanisch-alphabetisch" geordneter Lexika bei geringen Grammatikkenntnissen oft dazu führt, dass eine Form nicht erkannt und falsch übersetzt wird.
Wortschatz
Die meisten arabischen Wörter bestehen aus drei Wurzelkonsonanten (Radikalen). Daraus werden dann verschiedene Wörter gebildet, beispielsweise kann man unter anderem aus den drei Radikalen K-T-B folgende Wörter und Formen bilden:
- KaTaBa : er schrieb
- yaKTuBu : er schreibt
- KiTaaB : Buch
- KuTuB : Bücher
- KaaTiB : Schreiber (Einzahl)
- KuTTaaB : Schreiber (Mehrzahl)
- KaTaBah : Schreiber (alternative Mehrzahlform)
- maKTaB : "Ort des Schreibens", d.h. Büro
- maKTaBah : Bibliothek, Buchhandlung
Die hier angegebenen Formen sind Pausalformen. Im klassischen Hocharabisch treten noch die meist nicht geschriebene Endungen -a, -i, -u, -an, -in, -un, -ta, -ti, -tu, -tan, -tin, -tun oder auch keine Endung auf. Das T in den Endungen kommt so zustande, dass man das heute stumme End-H zum T uminterpretiert, indem man ihm die Punkte von T beigibt. Das N in diesen Endungen wird auch nicht durch den Konsonanten-Buchstaben N gekennzeichnet, sondern durch die wenig gebräuchlichen Zusatzzeichen.
Der Wortschatz ist zwar extrem reich, aber oft nicht klar normiert und mit Bedeutungen aus der Vergangenheit überfrachtet. So gibt es zum Beispiel kein Wort, das dem europäischen Wort "Nation" relativ genau entspricht. Das dafür gebrauchte Wort (أمة, Umma) bedeutete ursprünglich und im religiösen Kontext bis heute "Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime); oder z.B. "Nationalität" (جنسية, dschinsiyya) eigentlich "Geschlechtszugehörigkeit" im Sinne von "Sippenzugehörigkeit", "Geschlechtsleben" z.B. heißt (حياة الجنسية, Hayāt al-dschinsiyya) wobei Hayāt "Leben" heißt. Das Wort für "Nationalismus" (قومية, Qaumiyya) bezieht sich ursprünglich auf die Rivalität vom (Nomaden)-"Stämmen" und kommt von Qaum ursprünglich und bis heute oft noch "Stamm" im Sinne von "Nomandenstamm". So überlagern sich oft in einem Wort sehr alte und sehr moderne Konzepte, ohne dass das eine über das andere obsiegen würde. "Umma" z.B. gewinnt wieder mehr seine alte religiöse Bedeutung zurück. Es gibt zahlreiche alte Lehnwörter aus dem Aramäischen und Griechischen und viele neuere aus dem Englischen und Französischen, die aber oft wie Fremdkörper im Arabischen wirken. Andererseits hat jede Sprache eine Anzahl von Lehnwörtern aus anderen Sprachen. So sind ca. 10% der spanischen Wörter arabischen Ursprungs. Vgl.:Arabischer Einfluss in der spanischen Sprache
Die zehn häufigsten Wörter des Arabischen
Die drei häufigsten Wörter des Arabischen werden im arabischen mit dem nächsten Wort verbunden geschrieben (in der Umschrift mit Bindestrich abgetrennt); es sind "al" der/die/das, "wa" und sowie "bi" in/mittels ال و ب
# في fi (in)
# من min (von, aus)
# على ala (auf, über, an, bei)
# أن anna (dass)
# إن inna (gewiss, wahrlich auch Verstärkungspartikel)
# إلى ila (zu, nach, bis, bis zu)
# كان kana (sein [Verb])
# هذا، هذه hadha, hadhihi (das, diese[r, s])
# أن an (dass)
# الذي der (Relativpronomen)
Sprachprobe
Die erste Zeile zeigt die Originalschreibweise, die zweite ist eine buchstabengetreue Umschrift, die dritte Zeile gibt die Lautgestalt im modernen Hocharabischen an, wobei die eingeklammerten Kurzvokale wegfallen, weil man oft Pausalformen gebraucht, die letzte Zeile ist eine recht wörtliche Übersetzung. Das End-N in ahlan und sahlan ist eine erstarrte klassische Endung, bei der das N nie geschrieben wird. Siehe auch: Salam, Traditionelle afrikanische Begrüßungsformen
Erster Sprecher:
!صباح الخير
S-B-alif-H alif-L-CH-Y-R!
sabaah(u) l-chair(i)!
Morgen der Güte!
Guten Morgen!
Zweiter Sprecher:
?صباح النور, يا أخي! كيف حالك
S-B-alif-H alif-L-N-W-R, Y-alif alif-CH-Y! K-Y-F H-alif-L-K
sabaah(u) n-nuur(i), ya achi! kaif(a) haaluk(a)?
Morgen des Lichts, o mein Bruder! Wie ist dein Zustand?
Guten Morgen, mein Freund, wie geht es dir?
Erster Sprecher:
!بخير, الحمد لله
B-CH-Y-R alif-L-H-M-D L-L-H
bi-chair(in), al-hamdu lillah(i)!
Mit Güte, Lob sei Gott!
Gut, Gott sei Dank!
Zweiter Sprecher:
?الحمد لله! وأنت, كيف حالك
alif-L-H-M-D L-L-H! W-alif-N-T, K-Y-F H-alif-L-K?
al-hamdu lillah(i)! wa anta, kaif(a) haaluk(a)?
Lob sei Gott! Und du, wie ist dein Zustand?
Gott sei's gedankt! Und wie geht's dir?
Erster Sprecher:
!الحمد لله جيد
alif-L-H-M-D L-L-H, DSCH-Y-D!
al-hamdu lillah(i), dschayyid(un)!
Lob sei Gott, gut!
Gott sei Dank, gut!
Zweiter Sprecher:
!أهلا وسهلا بك
alif-H-L-alif W-S-H-L-alif B-K!
ahlan wa-sahlan bik(a)!
etwa: Sei willkommen!
Erster Sprecher:
.أهلا بكم
alif-H-L-alif B-K-M.
ahlan bikum.
etwa: Ich fühle mich (bei dir) willkommen.
Dieses Beispiel zeigt eine typische Begrüßung auf Hocharabisch, wie sie zwischen etwa gleichaltrigen jüngeren, nicht zu sehr vertrauten Männern stattfinden würde.
Der eine grüßt den anderen, dieser grüßt zurück, woraufhin der erste den anderen einlädt, einzutreten und der andere sich dafür bedankt.
Dieses Beispiel müsste jeweils mehr oder minder von der Lautgestalt her in den Dialekt übertragen werden. Was Grammatik und Wortschatz angeht, ist der Unterschied zu den Dialekten hier eher gering, da es sich in diesem Beispiel fast nur um alte feststehende Redewendungen handelt.
Verwandte Artikel
- Arabische Dialekte
- Arabische Schrift
- Arabisches Alphabet
- Arabische Literatur
- Arabischer Name
- Liste deutscher Wörter aus dem Arabischen
Literatur
- Borg, Tawfik: Modernes Hocharabisch. Konversationskurs. 5. Auflage. Hamburg 2004. ISBN 3921598230 - Konversationsbezogenes Lehrwerk, das z. T. jedoch ägyptisches statt hocharabischen Vokabulars verwendet.
- Harder, Ernst; Schimmel, Annemarie: Arabische Sprachlehre. Heidelberg 1997 ISBN 3872760017 - Knappe Einführung in die arabische Sprache und Grammatik.
- Krahl, Günther; Reuschel, Wolfgang; Schulz, Eckehard: Lehrbuch des modernen Arabisch. 5. Auflage. Berlin, München 2002. ISBN 3324006139 - Ein umfangreiches und akademisch geprägtes Standardwerk, Lehrbuch an vielen deutschsprachigen Universitäten.
- Mace, John: Arabic Grammar. A Revision Guide. Edinburgh 1998. ISBN 0748610790 - Übersichtliche, auf das Arabisch der Gegenwart bezogene Grammatik.
- Schregle, Götz: Deutsch-Arabisches Wörterbuch. Wiesbaden 1977. ISBN 344701623X - Gilt als das Standardwörterbuch Deutsch - Arabisch.
- Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch-Deutsch. 5. Auflage. Wiesbaden 1985. ISBN 3447019980 - Das Standardwörterbuch der arabischen Gegenwartssprache, nach Wurzeln geordnet.
Weblinks
- [http://www.lessan.org/ Deutsch-Arabisches Online-Wörterbuch]
- [http://www.nicoweb.com/sirpus/ Arabische Schrift und Spache auf MP3]. Arabische Schrift und Spache auf MP3. Neu.
- [http://www.arabmed.de/deutsch/magazin/022002/S50-51.pdf So viel Arabisch steckt im Deutsch]
- [http://www.nicole.ksc.ch/kurs/ksc_abschlussarbeit/arabisch_dt.shtml Arabisch in der deutschen Sprache]
- [http://www.ex-oriente-lux.de/arabischeserbe2.htm Deutsche Wörter arabischen Ursprungs]
- [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Spr_Welt/SW_Arab.html Informative Seite über Arabisch der Universität Erfurt]
- [http://www.arabia-institut.de/download/ Nützliche PDF-Dokumente zum Arabischlernen]
- [http://www.schriften-lernen.de/Schrift/Arab/Arab1.htm Einführung in die arabische Schrift]
- [http://lexicons.ajeeb.com/ Arabische Standard-Wörterbücher المعاجم العربية online auf einer Seite]
- [http://www.chj.de/ Arabische Schrift und Sprache]
- [http://www.muftah-alhuruf.com Muftah-Alhuruf.com]: Schreibt und schickt arabische E-Mails ohne eine arabische Tastatur oder Betriebssystem zu haben.
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:arabische Sprache
Kategorie:Orientalistik
Kategorie:Afrikanische Sprache
ja:アラビア語
ko:아랍어
ms:Bahasa Arab
simple:Arabic language
th:ภาษาอาหรับ
Semitische SprachenDie Sprachfamilie der semitischen Sprachen ist Teil der Afro-Asiatischen Sprachen, die sich in Nordostafrika entwickelt haben. Sie werden heute von ca. 280 Millionen Menschen gesprochen.
Den Alphabeten oder Abjaden der semitischen Sprachen (außer den semitischen Sprachen Äthiopiens, dem Mandäischen und dem Maltesischen) ist gemein, dass sie nur Konsonanten benennen, während die Vokale im geschriebenen Text meist nicht bezeichnet werden, des Weiteren in vielen Fällen die Schreibweise von rechts nach links.
Typische Merkmale aller semitischen Sprachen sind:
- in der Phonologie: das Auftreten zahlreicher Kehl- und emphatischer Laute.
- in der Formenlehre:
- die Verwendung einer aus drei Radikalen bzw. Konsonanten bestehenden Wortwurzel zur Bildung von Wörtern (Triradikalität).
- die Verwendung eines bestimmten Artikels vor bzw. nach Substantiven.
- die Verwendung des Status constructus zur Verbindung von zwei oder mehreren Substantiven (siehe hierzu hebräische Sprache).
Substantive in semitischen Sprachen kennen zwei Nominalklassen bzw. Genera, die üblicherweise maskulin und feminin genannt werden. Neben Plural und Singular gibt es in vielen Fällen noch den Dual ("Zweizahl"). Das klassische Arabisch verwendet diese Form in sämtlichen Substantiven und Verben, im Hebräischen hingegen wird sie nur für in der Regel als Paar auftretende Gegenstände verwendet (Augen, Hände etc.).
Verben in semitischen Sprachen unterscheiden ursprünglich nur die Aspekte vollendet (perfekt) oder unvollendet (imperfekt). Dafür drücken verbale Ableitungen semitischer Stammformen verschiedene Modifikationen aus, beispielsweise die Intensivierung (im Deutschen selten: stechen – sticheln, streichen – streicheln), die Veranlassung in kausativen Verben (im Deutschen z. B.: fallen – fällen oder trinken – tränken), oder die rückbezügliche Beziehung in reflexiven Verben. Ansonsten kennen semitische Sprachen Entsprechungen für Aktiv und Passiv, Imperativ, Verbalsubstantiv usw. wie andere Sprachen auch.
Selbständige Personalpronomen kommen selten vor und dienen der Hervorhebung (ich persönlich, du da). Im Unterschied zum Deutschen können die Personalpronomen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen, verschmolzen werden. Dies hat nicht nur orthographische Konsequenzen, da sich das 'Anhängen' auf die gesamte Wortform verändernd auswirkt. (vergleiche biblisches Hebräisch: schamar = behüten, schamreni = behüte mich). Auch Artikel, die Konjunktion und sowie einige Präpositionen sind nicht selbständig, sondern verschmelzen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen.
Einteilung
Die semitischen Sprachen werden gemeinhin in folgende Gruppen eingeteilt:
- Ostsemitisch
- Akkadisch (ausgestorben)
- Babylonisch (ausgestorben)
- Assyrisch (ausgestorben)
- Nordwestsemitisch
- Amoritisch (ausgestorben)
- Eblaitisch (ausgestorben, Zuordnung umstritten)
- Ugaritisch (ausgestorben)
- Kanaanäisch (ausgestorben)
- Phönizisch-Punisch (ausgestorben)
- Moabitisch (ausgestorben)
- Ammonitisch (ausgestorben)
- Hebräisch
- Neuhebräisch (heute wieder gesprochen)
- Aramäisch (Aramäer, auch als Gelehrten-, Handels- und Sakralsprache)
- Westaramäische Dialekte
- Nabatäisch (ausgestorben)
- Palmyrenisch (ausgestorben)
- Jüdisch-Aramäisch (Sprache der Targume, des Palästinischen Talmuds und einiger Midraschim)
- Samaritanisch (ausgestorben)
- Christlich-Palästinisch
- Neuwestaramäisch (in Ma'lula in Syrien heute noch gesprochen)
- Ostaramäische Dialekte
- Syrisch
- Jüdisch-Babylonisch-Aramäisch (Sprache des Babylonischen Talmud)
- Mandäisch
- Neuostaramäisch auch Aramoyo genannt (heute noch gesprochen)
- Südsemitisch
- Äthiopische Sprachen
- Ge'ez (im Alltag ausgestorben – hat noch als Sakralsprache Bedeutung)
- Amharisch
- Tigrinya
- Tigré
- Gurage
- Aderi (die Sprache der Stadt Harar)
- Nordarabische Sprachen
- Klassisches Arabisch (Literatur- und Sakralsprache)
- moderne arabische Dialekte
- Maltesisch (auf Malta gesprochen, mit modernen maghrebinischen Dialekten verwandt)
- Südarabische Sprachen
- Sabäisch (ausgestorben)
- Minäisch (ausgestorben)
- Suqutri (heute auf der Insel Sokotra gesprochen)
- Mehri (heute im Jemen und Oman gesprochen)
- Dschibbali (heute im Oman gesprochen)
!
S
ja:セム語派
Sprachfamilie
Die Sprachen der Welt lassen sich in Sprachfamilien aufteilen.
Eine Sprachfamilie ist eine Gruppe genetisch verwandter, das heißt von einer gemeinsamen Grundsprache (Ursprache, Gemeinsprache) abstammender Sprachen, zwischen denen regelmäßige Lautentsprechungen bestehen.
Die genetische Klassifikation steht in Abgrenzung zur typologischen Klassifikation nach Merkmalen der Sprache, und ebenso zur geographischen Klassifikation in Sprachbünde. In manchen Fällen lässt sich diese Ursprache zu weiten Teilen durch Vergleich der einzelnen Sprachen rekonstruieren. Die Liste der Sprachfamilien ist ungefähr nach der Zahl der Muttersprachler der Gesamtfamilie geordnet. Entsprechend der von August Schleicher entwickelten Stammbaumtheorie findet man in der jeweiligen Sprachfamilie ihre Zweige und Unterzweige, bis man zu einzelnen Sprachen, deren Dialektgruppen und Dialekten kommt. Nicht in Sprachfamilien einzuordnen sind, wie der Name schon sagt, isolierte Sprachen.
Ferner entziehen sich die Kreolsprachen völlig dem Konzept der genetischen Sprachverwandtschaft.
Um zu erfahren, welche Sprachfamilien wo gesprochen werden, siehe: Sprachfamilien nach Kontinenten geordnet
Gesicherte Sprachfamilien
- Indoeuropäische Sprachen (~48% der Menschheit)
- Sino-tibetische Sprachen (~23%)
- Kongo-kordofanische Sprachen (~10%)
- Afro-asiatische Sprachen (~5%)
- Austronesische Sprachen (~3%)
- Dravidische Sprachen (~3%)
- Altaisprachen (~3%) (enthält die Turksprachen)
- Austroasiatische Sprachen (~1 %)
- Uralische Sprachen (~0,4%)
- Kaukasische Sprachen (~0,2%)
- Nilotische Sprachen (~0,12%)
- Hochlandindianer-Sprachen (~0,12%)
- Tupi-Guarani-Sprachen (<0,1%)
- Dagestanische Sprachen (<0,1%)
- Nachische Sprachen (<0,1%)
- Maya-Sprachen (<0,1%)
- Uto-aztekische Sprachen (<0,1%)
- Na-Dene-Sprachen (<0,1%)
- Khoisan-Sprachen (<0,1%)
- Algonkin-Sprachen (<0,1%)
- Salish-Sprachen (<0,1%)
- Wakash-Sprachen (<0,1%)
- Muskogee-Sprachen (<0,1%)
- Sioux-Sprachen (<0,1%)
- Irokesische Sprachen (<0,1%)
- Caddo-Sprachen (<0,1%)
- Hoka-Sprachen (<0,1%)
- Penuti-Sprachen (<0,1%)
- Mixe-Zoque-Sprachen (<0,1%)
- Totonakische Sprachen (<0,1%)
- Kiowa-Tano-Sprachen (<0,1%)
- Otomangue-Sprachen (<0,1%)
- Misumalpan-Sprachen (<0,1%)
- Chibcha-Sprachen (<0,1%)
- Ge-Sprachen (<0,1%)
- Pano-Sprachen (<0,1%)
- Karaibische Sprachen (<0,1%)
- Mataco-Guaicuru-Sprachen (<0,1%)
- Arawak-Sprachen (<0,1%)
- Araukanische Sprachen (<0,1%)
- Eskimo-aleutische Sprachen (<0,1%)
weitere Sprachfamilien und Klassifikationen:
- Kam-Tai-Sprachen
- Japonische Sprachen (Japonisch oder auch austronesisch-altaiische Mischform enthält Japanisch. Sie wird von vielen Sprachwissenschaftlern auch zu den Altaisprachen gerechnet oder als Einzelsprache angesehen).
Sprachfamilien nach Anzahl der Einzelsprachen
Gemäß Ethnologue (einer Liste der Sprachen der Welt) haben folgende Sprachfamilien die meisten Sprachen:
- Kongo-kordofanische Sprachen (2061 Sprachen)
- Austronesische Sprachen (1304 Sprachen)
- Indogermanische Sprachen (861 Sprachen)
- Afro-asiatische Sprachen (584 Sprachen)
- Sino-tibetische Sprachen (431 Sprachen)
- Nilo-saharanische Sprachen (279 Sprachen)
- Austro-asiatische Sprachen (227 Sprachen)
- Oto-Mangue-Sprachen (144 Sprachen)
- Australische Sprachen (120 Sprachen)
- Dravidische Sprachen (87 Sprachen)
- Aztekisch-tanoische Sprachen (55 Sprachen)
- Khoisan-Sprachen (51 Sprachen)
- Turksprachen (32 Sprachen)
Siehe auch: isolierte Sprachen, Liste von Sprachen
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Kategorie:Historische Linguistik
Kategorie:Liste (Sprache)
ja:言語の分類一覧
ko:어족
simple:Language families and languages
zh-cn:语言系属分类
ISO 639ISO 639 ist ein internationaler Standard, der Sprachen Sprachkennungen zuordnet. Die Buchstabenkürzel werden in kleinen Buchstaben geschrieben (siehe dazu auch das Kapitel Abgrenzung zu ISO 3166 und RFC 1766).
Struktur
Gemäß der ISO-Website sind bislang zwei Teile von ISO 639 veröffentlicht:
- ISO 639-1:2002 -- Codes for the representation of names of languages -- Part 1: Alpha-2 code (Kurzbezeichnung aus jeweils zwei Buchstaben)
- ISO 639-2:1998 -- Codes for the representation of names of languages -- Part 2: Alpha-3 code (Kurzbezeichnung aus jeweils drei Buchstaben)
Weitere Teile befinden sich derzeit noch in Entwicklung:
- ISO 639-3:2006? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 3: Alpha-3 code for comprehensive coverage of languages ([http://xml.coverpages.org/Nx74Clews-part3.pdf Draft technical report: Language codes part 3] (PDF))
- ISO 639-4:2007? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 4: Implementation guidelines and general principles for language coding
- ISO 639-5:2006? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 5: Alpha-3 code for language families and groups
Beispiele
Eine (englischsprachige) Liste der Kürzel in beiden Varianten ist im englischen Artikel zur ISO 639 enthalten. Die deutschen Entsprechungen sind im Wiktionary auf der Seite Wiktionary:Sprachen verzeichnet.
- Für heutiges Deutsch gibt es drei Kürzel: ger (bibliographischer Code), deu (terminologischer Code) und de.
- Mittelhochdeutsch (ca. 1050 - 1500) ist gmh (German, Middle High),
- Althochdeutsch (ca. 750 - 1050) goh (German, Old High) und
- Platt nds (Low Saxon).
Es werden auch Kunstsprachen (z. B. Klingonisch unter tlh) in die ISO-Listen aufgenommen.
Language Code nach ISO 639 (Liste/Auswahl)
Klingonisch
Klingonisch
(Liste bestehend nur aus Sprachen mit Codes nach ISO 639-1 und ISO 639-2!)
Abgrenzung zu ISO 3166 und RFC 3066
Während ISO 639 die sprachliche Einteilung definiert, beschreibt ISO 3166 die geografische Einteilung. ISO 639-1 und ISO 3166 verwenden dabei beide 2-buchstabige Kürzel, aber während diese im ISO 639-1 aus Kleinbuchstaben bestehen, verlangt die ISO 3166 Großbuchstaben. Abweichend vom Standard wird die Sprachkodierung aber oft in Großbuchstaben angegeben. Dies kann zur Verwechslung mit der Geografiekodierung führen, da einige Länder die selben Kürzel für ihre geografische und sprachliche Einteilung haben während andererseits das selbe Kürzel für völlig verschiedene Geografien bzw. Sprachen stehen kann.
Beispielsweise stehen DE/de für Deutschland/deutsch, FR/fr stehen für Frankreich/französisch, aber BE/be stehen für Belgien/belorussisch.
Andererseits lautet die geografische Einteilung für Griechenland GR, während die sprachliche Einteilung für die griechische Sprache el lautet.
Es existieren viele weitere Beispiele. Das Kürzel EU/eu steht einerseits für die geografische Einteilung Europäische Union, andererseits für die sprachliche Einteilung baskische Sprache. Das Kürzel AF/af steht einerseits für die geografische Einteilung Afghanistan, andererseits für die sprachliche Einteilung Afrikaans. Sämtliche Homographen finden sich auf :meta:Language codes/Conflicts (engl.).
Die Einteilung in Geografie und Sprache ist jedoch sinnvoll: beispielsweise gilt, dass Deutsch nicht nur in Deutschland und Französisch nicht nur in Frankreich gesprochen wird.
In Kombination mit den Geografiecodes nach ISO 3166 für Länder erklärt der RFC 3066 (früher RFC 1766) die Angabe von Sprachenkürzeln wie man sie für Locales benutzt, z.B. en_US (englische Sprache im Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika; amerikanisch) im Gegensatz zu en_GB (englische Sprache im Gebiet des Vereinigten Königreichs; britisch). Die Sprachkürzel werden hier durch Kleinbuchstaben symbolisiert, die Länder durch Großbuchstaben. Neben dem Unterstrich (engl. underscore) kommt als Trennzeichen auch oft der Bindestrich zum Einsatz. Locales definieren aber nicht nur eine Landessprache bzw. Regionalsprache, sondern werden auch zur Lokalisierung herangezogen.
Weblinks
- [http://lcweb.loc.gov/standards/iso639-2/codechanges.html ISO 639-2/RA Änderungsangaben] der Library of Congress
- [http://www.loc.gov/standards/iso639-2/langcodes.html Komplette Codeliste] (alphabetisch sortiert)
- [http://www.loc.gov/standards/iso639-2/normtext.html Details] at Library of Congress website
- RFC 3066, Tags for the Identification of Languages, Best Current Practice, Januar 2001
- [http://www.ethnologue.com/iso639/ ISO 639 and the Ethnologue]
- [http://fara.cs.uni-potsdam.de/~georgk/639.xml XML version] of the official ISO 639 HTML data at the Library of Congress
- Künftige [http://www.sil.org/iso639-3/codes.asp ISO 639-3-Codes bei der SIL] (Online-Version)
Kategorie:Sprache
Kategorie:ISO-Standard
ja:ISO 639
ko:ISO 639
th:ISO 639
zh-min-nan:ISO 639
DialektDer Ausdruck Dialekt (von griech. dialegomai: miteinander reden) kann auf zweierlei Weise definiert werden:
# Als jedwede regionale Varietät (Linguistik) (z.B. Standardsprache, Standarddialekt, Nationalvarietät, ein regionaler Dialekt).
# Als diejenigen regionalen Varietäten, die nicht die Kriterien einer Ausbausprache erfüllen (bzw. Standardsprache oder Hochsprache).
Dialekte (nach beiden Definitionen) können sich auf allen linguistischen Ebenen unterscheiden. Im Folgenden wird "Dialekt" im Sinne der zweiten Definition aufgefasst.
Vom Begriff Dialekt ist der Begriff Akzent abzugrenzen. Akzent bezieht sich lediglich auf die phonologischen Charakteristiken der Aussprache. So kann ein Bayer Hochdeutsch mit einem bairischen Akzent sprechen, aber nicht mit einem "bairischen Dialekt".
Derjenige Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit der traditionellen Beschreibung der Dialekte befasst, heißt Dialektologie. In der neueren Linguistik befasst sich auch die Soziolinguistik mit Dialekten.
Der Begriff Dialekt wurde von Philipp von Zesen durch den Ausdruck Mundart eingedeutscht.
Abgrenzung Sprache – Dialekt
Es gibt keine eindeutigen Kriterien zur Unterscheidung von Dialekt und Sprache.
Da die eigene Sprache zur eigenen Identität gehört, ist die Unterscheidung zwischen Dialekt und Sprache auch für viele Nichtlinguisten eine wichtige Frage und wird oft sehr emotional diskutiert. Dies liegt daran, dass in der Bezeichnung Dialekt für viele eine gewisse Minderwertigkeit mitklingt im Gegensatz zu einer "richtigen" Sprache. Überdies kann die Unterscheidung von Dialekt und Sprache von der politischen Situation abhängen (z. B. Serbokroatisch). Aus diesen Gründen ist sie häufig sehr umstritten und wird nach verschiedenen, sich teilweise widersprechenden Überlegungen durchgeführt.
In der historisch ausgerichteten deutschen Dialektologie war die Unterscheidung von Dialekt und Sprache vergleichsweise unproblematisch, da die Dialekte auf die alten deutschen Stammessprachen zurückgeführt wurden.
Die neuere Linguistik versucht, sich nach Möglichkeit aus der emotionalen Kontroverse zwischen Dialekt und Sprache herauszuhalten. Zur Vermeidung des oft negativ konnotierten Begriffs des Dialekts ist der Begriff der Varietät geschaffen worden.
Gegenseitige Verständlichkeit
Oft wird die gegenseitige Verständlichkeit als Kriterium zur Abgrenzung von Dialekt und Sprache genannt. Die genaue Bestimmung der gegenseitigen Verständlichkeit ist jedoch auch in der Linguistik umstritten.
Die gegenseitige Verständlichkeit ist nur ein graduelles Kriterium, da es zwischen vollständiger gegenseitiger Verständlichkeit und Unverständlichkeit eine große Bandbreite von teilweiser Verständlichkeit gibt. Auch hängt sie nicht nur von persönlichem Hintergrund (z. B. Fremdsprachenkenntnisse oder Ferienaufenthalte) und Begabung einzelner Sprecher ab, sondern auch von der Bereitschaft, einander verstehen zu wollen.
Oft ist es auch so, dass keine Gegenseitigkeit gewährleistet ist. Beispielsweise versteht ein Sprecher des Walliserdeutschen ein standarddeutsches Gespräch viel besser als umgekehrt ein Sprecher des Standarddeutschen ein walliserdeutsches.
Ausbausprache, Abstandsprache
Der Soziolinguist Heinz Kloss hat die Termini Ausbausprache und Abstandsprache eingeführt, um besser beschreiben zu können, welche Varietäten als eigenständige Sprache gelten.
Eine Varietät ist dann eine Ausbausprache, wenn sie als standardisierte schriftliche Form verwendet wird, und zwar nicht nur in der Belletristik, sondern auch z.B. in der wissenschaftlichen Fachliteratur. Ausbausprachen sind beispielsweise das Standarddeutsche oder das Niederländische. Keine Ausbausprachen sind beispielsweise das Bairische, das Meißenische oder das Schweizerdeutsche. Problematisch ist, dass eine gewisse minimale Verschiedenheit gegeben sein muss. So gilt z. B. das Schweizer Hochdeutsch nicht als eigene Ausbausprache, das Luxemburgische hingegen schon.
Eine Varietät ist dann eine Abstandsprache, wenn sie linguistisch sehr deutlich von einer anderen abweicht. Als typisches Beispiel gilt das Baskische, das ganz klar eine Abstandsprache des spanischen ist. Nach ebendiesem Kriterium gilt auch das Sorbische als eine Abstandsprache des Deutschen. Problematisch ist die Bestimmung der deutlichen linguistischen Abweichung.
Auch das Begriffpaar Ausbausprache - Abstandsprache kann die geläufige Unterscheidung von Dialekt und Sprache nicht in allen Fällen begründen. So gilt das Niedersächsische weder als eigene Abstandsprache noch — im Gegensatz zum Mittelniederdeutschen — als Ausbausprache, obwohl es in der EU-Charta der Minderheitssprachen als eigenständige Regionalsprache anerkannt worden ist.
Zitate
Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an. (Johann Wolfgang von Goethe)
Jede Region liebt ihren Dialekt, sei er doch eigentlich das Element, in welchem diese Seele ihren Atem schöpfe. (Johann Wolfgang von Goethe)
Die politische Seite der Abgrenzung Dialekt – Sprache wird deutlich in einem Linguistenwitz in dem Artikel von Max Weinreich Der yivo un di problemen fun undzer tsayt (Der Yivo und die Probleme unserer Zeit): Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine (A shprakh iz a diyalekt mit an armey un a flot. in Yivo-bleter, 1945, vol. 25, Nr. 1, S. 13). (Die ursprüngliche Quelle ist aber unklar.)
Siehe auch:
- Soziolekt, Basilekt, Mesolekt, Akrolekt, Register, Dialektgruppe, Dialektkontinuum
- Substandard
- Germanische Sprachen
- Sprachgebrauch in Österreich, Österreichisches Wörterbuch
- Kolonialdialekt
- Deutschsprachiger Raum, Deutsche Mundarten
- »BRD-Sprache« und »DDR-Sprache«
Weblinks
- [http://members.tripod.com/~radde/Mundarten.html Deutsche Mundarten der Gegenwart]
- [http://ka.stadtwiki.net/Mundartlexikon Mundartlexikon im Karlsruher Stadtwiki]
- [http://woerterbuch.saarlaendisch.de/ http://woerterbuch.saarlaendisch.de Saarländisches Mundartwörterbuch]
- [http://www.linguasphere.net/secure/ip/pdf/zones/52.pdf "The Linguasphere Register", Zone 52- Germanische Sprachen]
- [http://www.diwa.info 'Digitaler Wenker-Atlas': Karten zu Dialektphänomenen]. Nur mit Login-Anmeldung
- [http://library.uwsp.edu/aschmetz/German_Resources/WAFLT2000/German_dialects.htm Viele Links, auch zu Hörbeispielen]
- [http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/dial-aud.htm Hörbeispiele zu deutschen Dialekten als Real-Audio-Dateien]
- [http://www.genealogienetz.de/misc/dialect_gross.html Dialektkarte - Die deutschen Mundarten um 1965]
- [http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/ma-spr.htm Diskussion Dialekt vs. Sprache]
- [http://grimm.adw-goettingen.gwdg.de/wbuecher/ Dialektwörterbücher]
- [http://www.sprachatlas.de/ Forschungsinstitut für deutsche Sprache]
- [http://psb1.uibk.ac.at/retti/oewb/ Österreichisches Wörterbuch]
- [http://teaching.schule.at/cybercollege/lernplattform/dialekt/ Pinzgauer Dialektlexikon]
- [http://members.aol.com/lorenzgunar/Oertel/ErzgebirgischeMundart Die erzgebirgische Mundart oder de arzgebirgsche Sproch]
- [http://www.abc.krieewelsch.de/ Krieevelsch Wörterbuch online]
- [http://www.plautdietsch-freunde.de Plautdietsch - Plattdeutsch der Russland-Mennoniten]
- [http://homepages.compuserve.de/balesmanfred1/buch.htm Moselfränkisches Wörterbuch]
- [http://www.arl.lvr.de/FachDez/Kultur/Landeskunde/Alltagskultur/kompetenz/Sprache/ Dialekt- und Sprachforschung am Amt für rheinische Landeskunde] mit vielen Karten und Hörbeispielen
- [http://www.wiebel.de/arbeiten.php Varietäten im Wandel], Diachrone Darstellung deutscher Dialekttheorien des 20. Jh.
- [http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/ld00.htm "Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten" (1936/37)]
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Kategorie:Soziolinguistik
Dialekte
als:Dialekt
ja:方言
ko:방언
Deutsche MundartenDie deutschen Mundarten bilden einen Zweig der westgermanischen Sprachen Europas. Die Mundarten sind ein natürlicher Teil der deutschen Sprache und bildeten einst die Basis zur heutigen Neuhochdeutschen Schriftsprache.
Verbreitung der deutschen Mundarten
Schriftsprache
Das Verbreitungsgebiet der deutschen Mundarten ist heute überwiegend auf die Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Luxemburg, das Siedlungsgebiet der Deutschschweizer, dem dänischen Sönderjylland (Südjütland bzw. Nordschleswig) und auf Südtirol und Liechtenstein verteilt.
Sprachinseln sind in Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Namibia, sowie Pennsylvania erhalten geblieben.
Damit ist im groben das heutige Gebiet der deutschen Mundarten umrissen. Sieht man jedoch genauer hin, so entdeckt der aufmerksame Betrachter, dass sich die Sprachgrenzen aus historischen Gründen vielfach nicht mit den Staatsgrenzen decken.
Bereits im Westen beginnen die Abweichungen: gegenüber der belgisch-französischen bzw. der deutsch-französischen Grenze stimmen die Mundartgebiete mit diesen nicht mehr überein: In Belgien wird ein großer Teil des französischen Sprachgebietes eingeschlossen, weil in Flandern das germanische Niederländisch bzw. Flämisch und auf der deutsch-französischen Seite greifen die deutschen Mundarten weit über die heutigen deutschen Staatsgrenzen hinaus. In Ostbelgien leben heute in den Kantonen Eupen-St. Vith rund 65.000 Deutsche. Sie bilden in der „Region Wallonien“ die staatlich anerkannte deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens und in diesen Kantonen ist Deutsch Amts- und Schulsprache. Sprachhistorisch gehörten die Mundarten Eupens überwiegend zum Ripuarischen (besonders das Aachener Platt gilt als Schwestermundart) und die St. Viths zum Luxemburgischen.
In den südöstlichen Niederlanden gibt es ebenfalls ein deutsches Sprachgebiet mit rund 100.000 Sprecher: Im Gebiet um Kerkrade lebt das Gros der deutschen Minderheit. Sie nennen ihr Siedlungsgebiet „Duits-Limburg“ (Deutsch-Limburg) und ihre Dialekte gehören zum ebenfalls zum Ripuarischen; als Schwesterdialekt wird von den „Holland-Deutschen“ das Platt in und um Geilenkirchen angesehen.
An den Westgrenzen sind die deutschen Mundarten gegenüber dem Französischen auf dem Rückzug: allein in Elsaß-Lothringen ging das deutsche Sprachgebiet seit 1945 um 30 km² zurück - im alten Deutsch-Lothringen ist es heute fast ausgestorben und im benachbarten Elsass herrscht ein Sprachenstreit, die jüngere Generation spricht fast nur noch Französisch.
Im Südwesten grenzen die deutschen Mundarten erst an das französischsprachige (Bern, Biel/Bienne und Freiburg), dann an das italienische und schließlich an das rätoromanische Sprachgebiet.
Im Süden greift die Mundartgrenze weit über die Staatsgrenze Österreichs hinaus und umfasst vor allem das südliche Tirol.
Seit 1945 sind im Südosten und Osten die Mundartgrenzen durch die Vertreibungen der Sprachträger mit den Staatsgrenzen deckungsgleich.
Die drei Sprachgebiete bis 1945
Vertreibung
Im Zuge der 2. Lautverschiebung zerfallen die deutschen Mundarten in drei in West-Ost-Richtung verlaufende Sprachgebiete. Bis zur Vertreibung der Deutschen im östlichen Sprachgebiet umfasste das deutsche Mundartgebiet folgende Teile:
# Im Norden herrschte das Niederdeutsche. Das Niederdeutsche hatte diese Lautverschiebung der germanischen Sprachen gar nicht oder nur sporadisch mitgemacht und zerfiel zum einen in das Westniederdeutsche und zum anderen in das Ostniederdeutsche Sprachgebiet. Die Südgrenze bildete die sogenannte Uerdinger Linie, die von Uerdingen über Düsseldorf, Siegen, Kassel, Göttingen und Quedlinburg nach Dessau verlief, dann bei Berlin einen nördlichen Bogen schlug (Berlin gehörte damit zum Mitteldeutschen Sprachgebiet) und weiter über Landsberg und Thorn zur Südgrenze Ostpreußens lief. Die Zugehörigkeit der flämisch-holländischen Mundarten zum Niederdeutschen wird heute nur noch formal anerkannt, da diese zur Schriftsprache (Ausbausprache) reiften und sich so aus der deutschen Sprachgemeinschaft ausgeklinkt haben. Aber völlig umstritten ist die Zugehörigkeit des Friesischen zum Niederdeutschen: Sprachhistorisch war es einst Teil des Altniederdeutschen, entwickelte sich aber in der Folgezeit zu einer Nebensprache des Deutschen, die heute mehr Ähnlichkeiten mit dem modernen Englischen als mit dem Hochdeutschen aufweist. Auch hat das Friesische das werdende Niederländisch stark beeinflusst. Das Friesische Sprachgebiet wird seitdem in den deutschen Mundartkarten als Nebensprache immer gesondert aufgeführt.
# Im Mitteldeutschen Sprachgebiet hatte sich die 2. Lautverschiebung nur zum Teil durchgesetzt und steht damit sprachlich zwischen dem Norden und dem Süden des Sprachgebietes. Die Nordgrenze wird durch die Benrather oder Uerdinger Linie gebildet, während der Süden des Mundartgebietes durch folgende Linie umrissen wird: von Karlsruhe bis Ellwangen, dann in nordöstlicher Richtung über Nürnberg nach Hof. Von dort aus wendete sich die Sprachgrenze bis ins böhmische Karlsbad. Heute werden die ostfränkischen Mundarten meist zum Oberdeutschen gerechnet, daher bildet nun die weiter nördlich verlaufende Mainlinie die Südgrenze des Mitteldeutschen. Die Zugehörigkeit des Luxemburgischen zum Mitteldeutschen wird heute immer mehr angezweifelt. Seit 1945 wird es vom Sprachträger als eigenständige Sprache betrachtet und steht damit auf Seiten des Niederländischen und Friesischen. Sprachgeschichtlich ist es weiterhin Teil des Mitteldeutschen.
# Im Süden herrschte das Oberdeutsche, das in die Untergruppen "Nordoberdeutsch", "Westoberdeutsch" und "Ostoberdeutsch" zerfiel.
Naturgemäß ist der Unterschied zwischen Mundart und Hochsprache beim Niederdeutschen am größten, da die heutige Schriftsprache im Wesentlichen auf mitteldeutschen und oberdeutschen Grundlagen beruht und damit zu Recht als "Hochdeutsch" bezeichnet werden kann.
Grobgliederung der deutschen Mundarten heute
Niederdeutsch: Im äußersten Westen des Sprachgebietes Niederfränkisch, das Basis der niederländischen Sprache geworden ist.
Sprachgeschichtlich gehört auch das Friesische dazu, das nun eine eigene Sprachgruppe bildet.
Im Osten schließt sich das "Westniederdeutsche" an, das seinerseits in Niedersächsisch (Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein), Westfälisch (Münster, Dortmund, Osnabrück, Waldeck) und Ostfälisch (Hannover, Magdeburg) zerfiel.
Das "Ostniederdeutsche" zieht in seinen verschiedenen Ausprägungen durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Bis zur Vertreibung der Deutschen (1945) war es bis Ostpreußen verbreitet und wird heute durch die Oder begrenzt.
Mitteldeutsch: Im Westen des Sprachgebietes herrschen vor allem die verschiedenen Spielarten des "Fränkischen" vor, das auch als "Westmitteldeutsch" bezeichnet wird. Heute wird das Mittelfränkische durch Ripuarisch (Köln, Aachen, Bonn, Eschweiler) und Moselfränkisch (Trier, Luxemburg, Koblenz) gebildet. Das Rheinfränkische wird heute in Rheinpfälzisch (Pfalz, südöstliches Saarland) und "Hessisch" (Fulda, Gießen, Frankfurt am Main, Mainz, Darmstadt) unterteilt.
Im Osten herrschen "ostmitteldeutsche" Mundarten vor. Der Sprachraum umfasst heute das Thüringisch-Obersächsische, das Berlin-Brandenburgische und das Ostmitteldeutsche. Bis 1945 auch in Schlesien und dem nördlichen Sudetenland verbreitet, wird sein Geltungsbereich heute durch Oder und Neiße begrenzt.
Auch die Sprache der Siebenbürger Sachsen gehört in diese Gruppe, da diese größtenteils westmitteldeutscher Herkunft und eng mit dem Luxemburgischen verwandt ist.
Oberdeutsch: Im Übergangsbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem eigentlichen Oberdeutschen herrschen das Nordoberdeutsche mit dem "Südrheinfränkischen" im Westen (um Karlsruhe, Pforzheim und Heilbronn) und das östlich davon angesiedelte "Ostfränkische" vor, das auch die mainfränkischen Mundarten umfasst. Einst auch im westlichen Sudetenland verbreitet, wird das Ostfränkische seit 1945 durch den Böhmerwald begrenzt.
Im äußersten Westen des Sprachgebietes befindet sich Westoberdeutsche oder auch "Schwäbisch-Alemannische". Dieses umfasst das Alemannische (Elsass, Südbaden, Deutsch-Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg). Das Alemannische ist nochmals in drei Untergruppen zerfallen, die sich von Norden nach Süden erstrecken: Niederalemannisch (nördlich von Freiburg), Hochalemannisch (z.B. in Bern, Zürich und Basel) und Höchstalemannisch (Wallis, Graubünden). Letztere gilt als alterümlichst deutsche Mundart. Im Osten schließt sich das Schwäbische (südliches Württemberg, Bayerisch-Schwaben, Allgäu) an, das durch den Lech begrenzt wird.
Der gesamte Osten des Sprachgebietes wird durch das Ostoberdeutsche oder auch "Bairisch-Österreichische" gebildet, das sich vom Lech bis an das südliche Sudetenland erstreckte. Darüber hinaus in zahlreiche Sprachinseln des östlichen Europas. Heute zerfällt das Bairisch-Österreichische in drei große Sprachgruppen Nordbairisch (Oberpfalz und südöstlicher Grenzbereich Oberfrankens), Mittel- oder Donaubairisch (Oberbayern, Niederbayern, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien und nördliches Burgenland) und Südbairisch (Tirol, Südtirol, Kärnten, Steiermark und südliches Burgenland). Als mittelbairische Sondermundart gilt Wienerisch, die Stadtmundart Wiens.
Deutsche Mundarten im und nach dem Zweiten Weltkrieg
Bis 1941 waren die deutschen Mundarten über ganz Europa verstreut. Aber die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler wollte die verstreuten Sprachgruppen aus- und in den dem Großdeutschen Reich angegliederten Ostgebieten ansiedeln. Es entstand die Losung "Heim ins Reich" und bis 1943 waren rund 1,1 Millionen Volksdeutscher aus den alten Siedlungsgebieten ausgesiedelt worden, darunter auch Bessarabiendeutsche wie die Eltern des Bundespräsidenten Horst Köhler, der im östlichen Polen geboren wurde.
Dasselbe Schicksal sollte auch die Deutsch-Tiroler Südtirols treffen, da Mussolini ihre Heimat als italienisches Gebiet beanspruchte (siehe unter: Option in Südtirol), aber es blieb ihnen dieses aufgrund der Kriegswirren erspart. Nur 72.000 von ihnen ließen sich in Ost- und Nordtirol nieder und kehrten überwiegend nach 1945 in die Heimat zurück.
Die in Polen angesiedelten Volksdeutschen wurden mit der abgestammten deutschen Bevölkerung in den Westen vertrieben. Damit hatten auch sie das gleiche Schicksal der Deutschen, die in den deutschen Ostgebieten lebten.
Die Nachfahren der Vertriebenen gingen sprachlich in die neuen Wohngebiete auf und mit dem Wegsterben der aktiven Sprecher sind die ostdeutschen Mundarten dem Untergang geweiht.
Vergleiche auch: Fränkische Mundarten
Die heutige Lage der Mundarten
In der Bundesrepublik haben die Mundarten einen schweren Stand. Im Westen größtenteils durch Halbmundarten (mundartlichgeprägtes Hochdeutsch) verdrängt, hat es sich nur im Norden (Schleswig-Holstein, Mecklenburg usw.) erhalten können. Größere Sprecherzahlen bilden die Sachsen und Thüringer, da deren Mundarten in der sonst dem Dialekt eher abgeneigten ehemaligen DDR einen gewissen "Sonderstatus" hatten, allerdings ist dort selten die ursprüngliche Mundart erhalten, meist herrscht eine regional gefärbte Aussprache des Hochdeutschen ("(Parade-)Sächsisch") vor, die aber von vielen Sprechern versucht wird zu verdrängen.
In Baden-Württemberg (vor allem im Süden) und weiten Teilen Bayerns herrscht der Dialekt vielfach noch vor.
Im Westen haben die niederfränkischen und friesischen Mundarten ein Eigenleben entwickelt und sehen sich nun als eigenständige Sprachen.
Dasselbe ist nun auch in Luxemburg zu beachten, das sich selbst nun als "Fränkischer Eigenzweig" betrachtet.
In Österreich werden die angestammten Mundarten vor allem in den ländlichen Gebieten noch sehr häufig gesprochen. Ein starker Rückgang der Mundart ist nur in Wien zu verzeichnen, wo lt. Schätzungen nur noch ca. 10 % das angestammte Wienerisch sprechen. Der Großteil spricht entweder einen anderen Dialekt oder ein Deutsch mit österreichischem Akzent. In den anderen Bundesländern sind solche Rückgänge in schwächerer Form nur in den Landeshauptstädten oder in Gebieten mit viel Zuwanderung zu verzeichnen.
In der Schweiz haben die alemannischen Mundarten im 20. Jahrhundert gegenüber der Hochsprache an Terrain gewonnen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Schweizerdeutsche vor allem dem privaten Bereich und informellen Gesprächen vorbehalten. Mit Kriegsausbruch besannen sich die Deutschschweizer vermehrt ihrer Mundarten und belebten diese neu. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gab es in der Schweiz eine eigentliche "Mundartwelle", die dazu führte, dass die Hochsprache mehr und mehr auf die formelle Ebene (Parlamente, Schulunterricht, Universitäten, Ansagen in öffentlichen Verkehrsmitteln u. ä.) verdrängt wurde. Auch in den elektronischen Medien werden immer mehr Sendungen in der Mundart veröffentlicht. Die Mundartwelle kann nicht alleine mit einer durch den Kriegsausbruch verstärkten Abwehrhaltung gegenüber den Deutschen begründet werden. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielten u. a. die Jugendkultur, der Mundartrock und die Lokalradios.
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Siehe auch: Dialekt
Weblinks
- [http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/dialekte/hochdeutsch.xml Herkunft des Hochdeutschen]
- http://www.dialekt.ch/ - Deutschschweizer Dialekte
- http://www.oeaw.ac.at/dinamlex - Institut für Dialekt- und Namenlexika in Wien
Kategorie:Deutsche Sprache
Kategorie:Dialekt
Persischer GolfDer Persische Golf (persisch: خلیج فارس, (Arabisch الخليج الفارسي) ist eine Meeresbucht zwischen dem Iran (Persien) und der arabischen Halbinsel.
Über die Straße von Hormuz ist der Persische Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer bzw. dem Indischen Ozean verbunden. Da gegenüber dem Iran alle übrigen Anrainerstaaten arabisch sind, wird der Persische Golf von diesen auch Arabischer Golf (الخليج العربي) genannt. Europäische Karten aus dem 17. Jahrhundert bezeichnen den Golf auch als "Golf von Bassorah", obwohl die dafür den Namen gebende irakische Stadt Basra gar nicht am Golf liegt.
Die Anrainerstaaten dieses Gewässers sind (im Uhrzeigersinn) Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate,
Saudi-Arabien, Katar, Bahrain (auf einer Insel gelegen), Kuwait, der Irak und der Iran,
In den Persischen Golf mündet der Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, der Schatt al-Arab.
Die Region um den Persischen Golf ist wegen des Erdölreichtums von geopolitischer Bedeutung.
Der Persische Golf war Schauplatz der drei so genannten Golfkriege.
Kategorie:Meer
ja:ペルシア湾
ko:페르시아 만
Islam
Der Islam ( islām Hingabe an Gott; al-islām der Islam) ist mit ca. 1,2 Milliarden Anhängern nach dem Christentum (ca. 2,0 Milliarden Anhänger) die zweitgrößte Religion der Welt. Seine Anhänger werden als Muslime oder (deutlich seltener und veraltet) als Mohammedaner bezeichnet; letzteres stößt indes als Fremdbezeichnung unter den meisten Muslimen auf Ablehnung, da die Muslime nicht - wie das Wort suggeriert - Mohammed, sondern einzig den einen Gott anbeten.
Vor allem in älterer Literatur werden Muslime häufig mit der persischen Variante des arabischen Wortes als Moslems bezeichnet.
Der Islam ist eine monotheistische Religion, die sich streng vom Polytheismus und auch von der christlichen Vorstellung von Inkarnation und Trinität abgrenzt. Er gründet sich auf den Koran, der für Muslime das unverfälschte Wort Gottes ist. Zweite Erkenntnisquelle sind die Worte und Handlungen (Sunna) des Propheten Mohammed.
Die Entstehung des Islam
Mohammed]]
Der Religionsstifter Mohammed (: der Vielgelobte) wurde um 570 als Sohn eines Händlers in Mekka im heutigen Saudi-Arabien geboren. Nach der Überlieferung soll ihm 610 der Erzengel Gabriel erschienen sein, und ihm die ersten Verse (Ayāt) des Korans übermittelt haben. Im Verlauf der folgenden 23 Jahre soll ihm dann Vers für Vers davon offenbart worden sein.
Der Islam begreift sich als Fortsetzung göttlicher Offenbarung. Deshalb sehen sich Muslime in der Kontinuität von Judentum und dem Christentum. Mohammed wird deshalb auch als das „Siegel der Propheten“ bezeichnet. In diesem Sinne werden im Islam auch alle vorher von Gott gesandten Propheten, die in der Bibel genannt werden, als eigene Propheten verstanden. Es gibt aber Abweichungen: So ist nach islamischem Glauben Jesus ein Prophet, der jedoch weder am Kreuz starb noch auferstand. Einige Personen, die im Juden- bzw. Christentum nicht als Propheten gesehen werden, werden im Islam als solche verehrt, zum Beispiel Adam.
Grundlagen des Islam
Die fünf Säulen
Die Grundsätze des Islam, die fünf Säulen, die zu erfüllen jeder Muslim verpflichtet ist, sind:
- Das Glaubensbekenntnis Schahada (): Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer (dem einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. (s.o.) Die Schiiten fügen in der Regel noch den Satz hinzu: und Ali ist der Freund Gottes. Gemeint ist hier Ali ibn Abi Talib.
Im Sufismus (islamische Mystik) wird der erste Teil der Schahada auch interpretiert mit: Ich bekenne, dass es nichts außer Gott gibt bzw. Es gibt nichts. Es gibt nur den Einen (die Einheit).
Das Aussprechen der Schahada in ehrlicher Absicht (niya) reicht aus, um Muslim zu werden. Sie ist auch das erste, was einem Neugeborenem ins Ohr geflüstert wird, und der letzte Gruß an einen Sterbenden. In der heutigen islamischen Kultur, verliert ein Moslem, der den Islam verläßt, häufig seine familiären und gesellschaftlichen Bindungen, seine Rechte und Erbansprüche. In der Rechtstheorie, in einigen Ländern auch in der Rechtspraxis, wird das Abfallen vom Islam mit dem Tode bestraft.(Siehe: ridda)
- Das Gebet Salat () ist religiöse Pflicht.
Es wird zu festgelegten Zeiten verrichtet, zu denen der Muezzin ruft: in der Morgendämmerung, mittags, nachmittags, abends und nach Einbruch der Nacht.
Zuvor erfolgt die rituelle Reinigung (arabisch: "wudu'" ;persisch: "âbdast") mit reinem Wasser. Sollte dieses nicht in ausreichender Menge zu Verfügung stehen oder als Trinkreserve benötigt werden, wird symbolisch Sand oder Staub verwendet (tayammum). Das Zusammenlegen oder Nachholen von Gebeten ist unter bestimmten Bedingungen gestattet, z. B. auf Reisen. Am Freitag muss das Mittagsgebet (Freitagsgebet) in der Gemeinschaft (das Gebet in der Moschee ist nicht Pflicht, zwingend ist für das Freitagsgebet die Gemeinschaft) stattfinden, dann (oder davor) wird auch gepredigt (Khutba). Viele Muslime beten aber auch sonst möglichst in der Moschee. Die Teilnahme am Freitagsgebet ist Pflicht für alle männlichen erwachsenen Muslime.
- Die Almosensteuer Zakat ().
Die Erträge werden für Bedürftige, Kranke, Befreiung Gefangener, den Dschihad oder zum Aufbau religiöser Schulen verwendet. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5-10% ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen). Zakat stellt eine der drei nach islamischem Recht erlaubten Steuerformen dar; die anderen beiden sind die Grundsteuer (Charadsch) und die Kopfsteuer (Dschizya), die von Nichtmuslimen in islamischen Gesellschaften als Gegenleistung für ihre Duldung (siehe: Dhimmi) verlangt wird. Die Zakat ist eine fromme Handlung und religiöse Pflicht des Muslims und kann somit nur Muslimen zu Gute kommen.
- Das Fasten Saum ().
Im Monat Ramadan, der sich jedes Jahr um 10 Tage verschiebt, wird von Beginn der Morgendämmerung - wenn man einen „weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“ kann (Koran 2:187) - bis zum vollendeten Sonnenuntergang gefastet, nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und manche andere Enthaltsamkeit im Verhalten geübt.
Das Fasten wird nicht aus gesundheitlichen Gründen befolgt, sondern um Gottes Befehl während des Tages zu genügen. Insofern ist das oft praktizierte ausgiebige Fastenbrechen bei Nacht zwar nicht unbedingt ideal, verletzt jedoch auch nicht die religiöse Pflicht. Oft bricht man das Fasten mit einer Dattel und einem Glas Milch, nach Vorbild des Propheten. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens ('Īd al-fitr) beendet.
- Die Pilgerfahrt Haddsch ().
Einmal in seinem Leben soll der Muslim die Pilgerfahrt nach Mekka antreten. Sie findet im letzten Mondmonat statt, und wird dann zur Pflicht für ihn, wenn er dazu in der Lage ist. Entscheidend dafür ob die Pilgerfahrt zur Pflicht wird, sind unter anderem seine finanziellen und gesundheitlichen Lebensumstände.Die Einschränkung der ritualrechtlichten Pflicht der Pilgerfahrt ist in Sure 3, Vers 97 begründet:
:::"...und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus (d.i. die Kaaba von Mekka) zu machen - soweit sie dazu eine Möglichkeit finden ".
Die Interpretation des hier verwendeten Ausdruckes "Möglichkeit finden" erfolgt in einem Prophetenspruch (Hadith), dessen Isnad allerdings als "schwach" eingestuft ist. Demnach ist der Besitz von Reiseproviant und Reittier (arabisch: al-zâd wa-'l-râhila) die Grundvoraussetzung für die Erfüllung dieser rituellen Pflicht.
Die Pilger müssen nach ihrer Ankunft in Mekka u.a. die Kaaba sieben Mal umkreisen, auf dem Hügel Arafat verweilen, zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa laufen - damit vollziehen sie den Durst von Hagar und Ismael auf der Suche nach Wasser in der Wüste nach (vgl. 1. Mose 21, 9-21) -, Opferschafe schlachten und den Satan rituell steinigen.
Glaubensgrundsätze
Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel, nämlich den Glauben an:
- Gott (Allah)
- seine Engel
- seine Offenbarung (heilige Bücher: Tora, die Evangelien, den Koran etc.)
- seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed
- den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllenfeuer bestraft bzw. mit dem Paradies belohnt
- die göttliche Vorsehung.
Erwähnt werden diese Glaubensartikel sowohl im Koran (z.B. in an-Nisā'(4):136:
:::Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und an die Schrift, die er schon (früher) herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt.
Auch in Hadithen wie folgendem Ausspruch des Mohammed heißt es:
:::Der Glaube besteht darin, dass du an Gott glaubst und an seine Engel, an seine Bücher, an seine Propheten und an den Jüngsten Tag, sowie an die göttliche Vorsehung des Guten und des Bösen.
Die genaue Liste der Glaubensartikel varriiert leicht zwischen den Rechtsschulen und gelegentlich sogar zwischen einzelnen Gelehrten. Das Glaubenskonzept der Schia ist praktisch identisch und wird nur durch einige Punkte erweitert, die z.B. die Verehrung der Imame betreffen. Lediglich die Ismaeliten weichen durch ihre monistischen Vorstellungen vom Wesen der Engel und des Prophetentums deutlicher davon ab.
Nach muslimischem Verständnis sandte Allah den Koran durch den Erzengel Gabriel als „göttliches Zeichen“ an Mohammed, zur Verkündigung an die Menschen. Die „göttlichen Zeichen“ seien für jeden Menschen erkennbar, sofern er „vernünftig“ überlege. Um den Koran zu verstehen, müsse der Mensch sich von seinen „schlechten Eigenschaften“ und seinen „falschen Ideen“ befreien, damit sein Geist sich durchsetze. Dies erreiche man durch ständige Selbstüberwindung und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Die Menschen sollten „Stellvertreter Allahs auf Erden“ sein, indem sie verantwortlich handelten und für Gerechtigkeit einträten.
Der Islam ist eine ausgeprägt monotheistische Religion. Die christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit wird missverstanden und daher ausdrücklich als im Ansatz polytheistisch abgelehnt, ebenso jede Personifizierung oder gar bildliche Darstellung Gottes. Gott wird durch seine 99 wundervollen Namen beschrieben, die nur ihm alleine zustehen. Die Menschen können über Gott nur wissen, was er ihnen selbst in seiner Gnade offenbart hat, da es die menschliche Vorstellungskraft weit überschreitet, sich direkt ein Bild von Gott zu machen.
Anders als Jesus Christus im Christentum ist Mohammed ein sterblicher Mensch, der jedoch von Gott als ein Prophet auserwählt wurde, um den Menschen die Wahrheit zu verkünden. Schon vor ihm habe eine Vielzahl anderer Propheten der Menschheit die göttliche Botschaft überbracht, jedoch sei diese immer wieder verfälscht worden, so dass der Koran die einzige wirklich verlässliche Quelle sei. Unter diesen Propheten finden sich sämtliche Propheten, die in der Bibel genannt werden, einschließlich Jesus (arabisch Isa). Außer ihm werden auch Abraham (Ibrahim), Moses (Musa) und Josef (Yusuf) im Koran erwähnt.
Der Mensch ist im Islam nicht an die Vermittlung durch eine Institution gebunden, sondern jedes Individuum kann sich durch seine guten Taten und seine "Gottesfurcht" direkt einen Platz im Himmel verdienen – allerdings nur für sich selbst, nicht für andere. Somit wird die Eigenverantwortung jedes Einzelnen betont. Im Volksislam wird dieses Prinzip durch die Heiligenverehrung etwas aufgeweicht.
Neben der Eigenverantwortung steht die Verantwortung für andere: Jeder Muslim ist verpflichtet, zu „gebieten, was recht ist“ und zu „verbieten, was verwerflich ist“ (amr bi-l-ma'rūf wa nahy ani l-munkar ) (mehrfach im Koran, z. B. in Sure 7, Vers 157). Dieser Grundsatz hat, durch den resultierenden Gruppendruck gegen „verwerfliches“ Verhalten, in der islamischen Geschichte zum einen die Gemeinschaft gestärkt, aber auch dafür gesorgt, dass der berühmte Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ in der Praxis nie wirklich relevant wurde. Siehe hierzu auch Hisba.
Wer im Islam ehrliche Reue zeigt, kann immer zu Gott zurückfinden. Andererseits strebt der Islam auch auf Erden einen "Idealzustand" an. Dabei sollte man vielleicht eher von einem Zustand sprechen, der unter Berücksichtigung der Mängel und Unvollständigkeiten der Menschen möglichst nahe an den Idealzustand herankommt.
Nach der Überlieferung war die frühislamische Gesellschaft ein solcher „Idealzustand“. Der wesentliche Unterschied zwischen „Fundamentalisten“ und „gemäßigten Muslimen“ besteht darin, dass erstere den damaligen Zustand als für alle Zeiten vorbildhaft betrachten. Gemäßigte Muslime glauben zwar auch, dass es die unter den damaligen Umständen in einer Gesellschaft von Wüstenomaden bestmögliche Annäherung war, betonen aber, dass die zu Grunde liegenden Ziele unter geänderten Bedingungen auch auf veränderte Weise angestrebt werden sollen.
Der Dschihad
Der Dschihad (arab. »sich bemühen, sich anstrengen, kämpfen«) ist ein wichtiges Glaubensprinzip. Seine Bedeutung im Islam ist so groß, dass zeitweise diskutiert wurde, ob der Dschihad als sechste „Säule des Islam“ gerechnet werden sollte. Das „Bemühen auf dem Wege Gottes“ umfasst die eigene spirituelle und moralische Verbesserung, die Verbesserung des Gemeinwesens bzw. seiner Mitbrüder, und auch die Verteidigung des Glaubens mit der Waffe.
Manche Muslime deuten Dschihad als Feldzug gegen ‚Ungläubige‘, also Nichtmuslime. In der Praxis sind damit oft die westlichen Industrieländer gemeint. Diese Interpretation wird zum Beispiel von Al-Qaida unter Osama bin Laden vertreten, jedoch von den einschlägigen Gelehrten des Islams und der breiten Basis abgelehnt.
Die Scharia
Unter Scharia (arab. »der Weg zur Wasserstelle«) versteht man das islamische Recht, d.h. die Gesamtheit von religiösen Regeln und Pflichten der Muslime (Gebet, Reinigung, Fasten, etc.) zum einen, und die Regelungen zwischenmenschlicher Beziehungen (Ehe- Kauf- Vertragsrecht usw.), ferner das Strafrecht (hudùd / 'uqùbât), aber auch das Kriegsrecht (siyar), d.h. die Regelung der Beziehungen zu der nichtmuslimischen Welt zum anderen.
Im Sufismus (islamische Mystik) hat die Scharia den Stellenwert der Basis für den Weg des Gottessuchenden. Weitere Stationen sind in der Reihenfolge: Tariqa (der mystische Weg), Haqiqa (Wahrheit) und Ma'rifa (Erkenntnis).
Richtungen
Sunniten
Der Islam ist in mehrere Richtungen gespalten. Die Sunniten bilden mit etwa 90% die zahlenmäßig größte Gruppierung. Sie unterteilen sich wiederum in die sunnitischen Rechtsschulen der Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten.
Wahhabiten
Der Wahhabismus ist eine äußerst strenge Auslegung der hanbalitischen Rechtsschule der Sunniten, zum Zeitpunkt seiner Entstehung auch eine politische Strömung.
Schiiten
Die Schiiten sind die zweite große Richtung. Deren Hauptrichtung sind die so genannten Imamiten oder Zwölferschia, die vor allem im Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain und dem Libanon weit verbreitet sind. Weiter gibt es die Anhänger der Siebenerschia (Ismailiten), die vorwiegend auf dem indischen Subkontinent (Mumbai, Karatschi und Nordpakistan) sowie in Afghanistan und Tadschikistan leben. Die Zaiditen oder Fünferschia finden sich heute nur noch im Jemen.
Charidschiten
Die Charidschiten sind heute die kleinste Richtung des Islams, die heute noch bestehde Untergruppierung heißt Ibaditen. Sie leben vor allem in Südalgerien (Mzab), auf der tunesischen Insel Djerba und in Oman.
Sufismus
Wie fast alle Religionen bzw. religiöse Richtungen besitzt auch der Islam einen inneren (esoterischen) und einen äußeren (exoterischen) Aspekt. Die mystische innere Dimension des Islam ist der Sufismus (arabisch tasawwuf ). Der innere Aspekt wird auch Tariqa, der äußere Schari'a genannt. Nach Auffassung der Sufis gehören diese beiden Aspekte untrennbar zusammen, als Beispiel dient das Symbol einer Öllampe: Die Flamme der Lampe steht für Tariqa, also für die Essenz der Religion, die ohne das schützende Glas beim ersten Windhauch erlöschen würde. Das Glas, also die Hülle, steht für Schari'a, aber ohne eine Flamme hätte das Glas alleine als Lampe keinen Sinn.
Von puritanischen Gruppen wie den Wahhabiten werden die Sufis oft als Ketzer bezeichnet und deswegen abgelehnt.
Weitere Gruppen
Weitere Gruppen sind die Aleviten und die Ahmadiyya. Aus dem schiitischen Islam haben sich auch die eigenständigen Religionen der Drusen, der Jesiden, des Babismus und die Religion der Baha'i entwickelt.
Geschichte
Die politische Geschichte des Islam und des Kalifats wird in eigenen Artikeln behandelt. Eine Herrscherliste bietet die Liste der Kalifen.
Gegenwart
Liste der Kalifen]]
Heute ist der Islam in vielen Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas, Zentral- und Südostasiens verbreitet. Hauptverbreitungsgebiet ist dabei der Trockengürtel, der sich von der Sahara im Westen über den Nahen Osten und den Kaukasus bis nach Zentralasien im Osten zieht. Das bevölkerungsreichste muslimische Land ist Indonesien. Muslimisch geprägte Länder in Europa sind Bosnien und Herzegowina, der europäische Teil der Türkei und Albanien. Viele weitere Länder haben muslimische Minderheiten. Die Anhängerzahl des Islam wird auf zwischen 900 Millionen und 1,4 Milliarden geschätzt.
Islamische Konferenz
Die islamischen Länder sind in der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) organisiert, der auch einige Staaten mit größeren muslimischen Minderheiten angehören.
Umsetzung der Scharia
Seit der Kairiner Deklaration 1990 soll die Scharia wieder Basis der Gesetzgebung in allen islamischen Ländern sein. Die praktische Umsetzung ist jedoch sehr unterschiedlich. in Tunesien beschränkt sich die Umsetzung nur auf das Zivilrecht, in Saudi-Arabien und Sudan hingegen kommt sie vollständig zur Geltung.
In der Türkei wird die Scharia in der Rechtssprechung überhaupt nicht praktiziert. Allerdings sieht die soziale Realität in Teilen der Gesellschaft anders aus. So existiert z.B. die offiziell nicht anerkannte islamische Ehe.
Zuweilen gilt die Scharia nur in islamisch dominierten Landesteilen (Nigeria). Besonders drakonische Strafen (Amputation, Steinigung), die oft international kritisiert werden, finden in relativ wenigen islamischen Ländern Anwendung und werden auch innerhalb des Islams teilweise kritisiert, weil dabei meist die in der Scharia vorgeschriebenen strengen Schutzbedingungen für Angeklagte außer Acht gelassen werden, so zum Beispiel die Pflicht, mindestens vier erwachsene männliche Muslime als Zeugen vorzuführen, welche die Tat selbst mit eigenen Augen gesehen haben. Es gibt allerdings hier eine Grauzone, z. B. bei sogenannten «Ehrendelikten» (beispielsweise Tötungen wegen Ehebruchs). Selbst in der laizistischen Türkei konnte bis vor kurzem noch bei solchen Delikten mit mildernden Umständen gerechnet werden. Erst 2004 wurde ein Gesetz durch das Parlament beschlossen, das so genannte „Ehrenmorde“ an Mädchen und Frauen wie vorsätzlichen Mord mit lebenslanger Haftstrafe ahndet. Ein Bereich der Scharia, der wohl nur noch im Sudan und in Mauretanien existiert, ist die Sklaverei.
Wirtschaftliche und soziale Situation
Alle islamischen Staaten gehören zu den Schwellenländern oder Entwicklungsländern. Keines der Länder hat den Sprung zu einem Industrieland geschafft, was manche Forscher in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen der entsprechenden Länder bringen. Die arabischen Länder, wo der Islam seinen Ursprung hat, bestehen zudem im Wesentlichen aus Wüsten mit verhältnsmäßig wenigen fruchtbaren und bewohnbaren Flächen. Der Wassermangel behinderte, und erschwert auch heute, eine etwa mit Europa vergleichbare wirtschaftliche Entwicklung. Im Wirtschaftsleben besteht durch das Verbot Zinsen zu nehmen ein grundlegender Unterschied zum Kapitalismus westlicher Prägung. Nicht zuletzt waren die meisten muslimischen Länder Afrikas und Asiens bis in die zweit | | |