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Assuan
Assuan (arabisch أسوان, Aswān, Eswan für das Tor; das antike Syene) ist eine Stadt am rechten Nilufer unterhalb des ersten Kataraktes in Ägypten, 106 m ü. NN., mit etwa 220.000 Einwohnern (2002) die südlichste Stadt des eigentlichen Ägypten.
Da man im Altertum bemerkte, dass die Sonne am längsten Tag in Syene keinen Schatten warf, zog man hier den Wendekreis des Krebses, der aber in Wirklichkeit etwas weiter südlich liegt.
Sehenswürdigkeit
Nicht nur touristische Bedeutung hat der Assuan-Staudamm (2 km lang, seit 1902 in Betrieb) sowie der neue Assuanhochdamm (3,6 km lang, 111 m hoch, am 15. Januar 1971 eingeweiht, staut den 400 km langen Nasser-See).
Im Jahre 1964 startete die UNESCO die größte Rettungskampagne in der Geschichte der Archäologie. Nicht nur Tempel wie Abu Simbel sondern auch rund 35 Dörfer wurden versetzt. Fast 150.000 Menschen wurden zwangsumgesiedelt, die meisten nach Kom Ombo, etwa 60 Kilometer nördlich von Assuan.
Altertümer umgeben ringsum die Stadt: hier von den Pharaonen und Ptolemäern erbaute, jetzt
halb unter Flugsand begrabene Tempel und Paläste, dort von den Römern und Arabern aufgeführte Festungswerke und Gemäuer.
Festung und der Nil]]
Bemerkenswert sind auch die über 6 km langen Steinbrüche roten Granits (hier als Syenit bezeichnet, doch von dem in Europa so genannten Gestein verschieden), aus welchem die Obelisken und kolossalen Statuen der ägyptischen und äthiopischen Tempel gebildet wurden.
Auf der linken Seite des Stroms auf dem Qubbet el-Hawa liegen die antiken Gräber von Syene, gegenüber nach Süden hin eine Menge reizender und fruchtbarer Inseln, darunter das Elephantine der Alten und Philae mit berühmten Tempelruinen.
Das im Jahre 1998 eröffnete Nubische Museum enthält neben der Statue des ägyptischen Pharaos Ramses III. 1200 Exponate aus den verschiedenen Etappen der nubischen Geschichte, ein Dokumentationszentrum für nubische Kultur und ein kleines Modelldorf in der ethnografischen Abteilung.
Kategorie:Ort in Ägypten
Kategorie:Ägyptologie
ja:アスワン
Arabische Sprache
Die arabische Sprache (auf Arabisch: اللغة العربية)
gehört zum südlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Der Language Code ist ar bzw. ara (nach ISO 639).
Allgemeines
Die einzelnen arabischen Dialekte in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander und sind, wenn sie weit auseinander liegen (z. B. Marokko - Irak), auf basilektaler Ebene oft gegenseitig nicht oder nur schwer verständlich, in etwa vergleichbar mit den verschiedenen deutschen Mundarten.
Algerische Filme, die natürlich im dortigen Dialekt gedreht worden sind, werden zum Teil hocharabisch untertitelt, wenn sie in den Golfstaaten ausgestrahlt werden.
Die arabische Sprache in einem erweiterten Sinne umfasst eine Vielzahl von verschiedenen Sprachformen, die in den letzten anderthalb Jahrtausenden gesprochen wurden und werden.
Was all diese Sprachformen zu einer Sprache zusammenbindet, ist vor allem der Islam und speziell der Koran. Das Beispiel des Maltesischen zeigt sehr deutlich die große Rolle des Islam, was die Einheit des Arabischen angeht. Das Maltesische ist eine den maghrebinischen Dialekten der arabischen Sprache nah verwandte Sprache, die aber weitestgehend zu einer modernen, eigenständigen Standardsprache ausgebaut worden ist.
Aus dem Alt-Arabischen, das dem klassischen Hocharabisch sehr nahe stand, hat sich eine Vielzahl von Dialekten entwickelt, die neuarabischen Dialekte; für alle Sprecher dieser Sprache außer dem Maltesischen ist das unverändert geschriebene Hocharabisch weiterhin Schriftsprache und Dachsprache.
Ob Hocharabisch als moderne Standardsprache zu betrachten ist, ist umstritten (siehe auch Halsbandsittich in vielen Sprachen). Die panarabischen Satellitensender könnten es dazu werden lassen. Es fehlt oft noch an einem einheitlichen Wortschatz für viele Dinge der modernen Welt, sowie am Fachwortschatz für viele Bereiche der modernen Wissenschaften. Darüber hinaus ist Hocharabisch innerhalb der einzelnen arabischen Ländern relativ selten ein Mittel zur mündlichen Kommunikation.
Das Arabische im Semitischen
Das klassische Hocharabisch unterscheidet sich nicht wesentlich von der alt-arabischen Sprache. Versucht man durch Vergleich aller semitischen Sprachen die Wurzel eines Wortes zu ermitteln, findet man oft, dass sie genau der klassisch-arabischen Form gleicht. Dadurch kommt dem klassischen Hocharabisch eine zentrale Stellung innerhalb der semitischen Sprachen zu.
Lange betrachteten viele Semitisten das klassische Arabisch als die ursprünglichste semitische Sprache überhaupt. Erst langsam stellt sich durch den Vergleich mit anderen afro-asiatischen Sprachen heraus, dass vieles doch nicht so ursprünglich ist, wie man dachte. Klassisches Hocharabisch stellt wohl eine neuere Schicht semitischer Sprachen dar, die viele Möglichkeiten, die in der Grammatik der semitischen Sprachen angelegt sind, konsequent ausgebaut hat. Es hat einen sehr reichen semitischen Wortschatz bewahrt und sogar noch weiter ausgebaut. Die heutigen Dialekte haben viele Veränderungen durchgemacht, wie sie andere semitische Sprachen schon sehr viel früher (2000-3000 Jahre) durchgemacht haben. So fällt beispielsweise auf, dass Alt-Hebräisch und moderne arabische Dialekte, was Lautgestalt und Grammatik angeht, viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Es gibt Spekulationen, dass die Aufgabe der nomadischen Lebensweise und die Überlagerung anderer Sprachen immer wieder ähnliche sprachliche Entwicklungen hervorgerufen haben.
Verbreitung
Varianten des Arabischen werden von ca. 200 bis 300 Millionen Menschen gesprochen. Es ist (nicht immer alleinige) Amtssprache in folgenden Ländern: Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Eritrea, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Komoren, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tschad, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate. Darüberhinaus ist es eine der sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen.
In aller neuester Zeit gewinnt das gesprochene Hocharabische wieder an Raum, Schrittmacher ist dabei u.a. der Fernsehsender Aljazeera in Katar. Dort gibt es sehr lebendige Diskussionen von Sprechern aus allen Ecken der Arabischen Welt, die sich bemühen eine dem Hocharabischen nahe kommende Sprache zu gebrauchen.
Durch die dominierende ägyptische Film- und Fernsehproduktion (u.a. bedingt durch die Bevölkerungszahl) gilt der gesprochene Kairoer Dialekt des Arabischen in der arabischen Welt als allgemein verständlich, sozusagen "gemeinsprachlich". Gewöhnliche Filme auf hocharabisch zu drehen ist nicht üblich, da diese Sprache eher ernsten Themen wie den Fernseh- und Rundfunknachrichten, religiösen Sendungen und Gottesdiensten vorbehalten ist.
Geschichte
Schon in vorislamischer Zeit existierte auf der arabischen Halbinsel eine reichhaltige Dichtersprache, die nur mündlich weitergegeben wurde. Auf dieser Dichtersprache fußt zum Teil das Arabische des Korans, das aber wohl schon modernere Züge aufwies, wie man am Konsonantentext sehen kann. Wohl erst nachträglich hat man durch Zusatzzeichen das Koran-Arabisch für neue nicht arabische Muslime einfacher gemacht. In frühislamischer Zeit wurden viele Gedichte dieser Sprache schriftlich festgehalten. Bis heute ist das Memorieren (Auswendiglernen) von Texten ein wichtiger Bestandteil der islamischen Kultur. So gibt es bis heute viele sehr geachtete Menschen, die den gesamten Koran auswendig vortragen können (Hafiz oder Hafidh).
Das klassische Hocharabisch ist insbesondere die Sprache des Korans, das sich aus dem Zentrum der arabischen Halbinsel, dem Hedschas, im Zuge der islamischen Eroberungen über den ganzen Vorderen Orient verbreitete.
Der Kalif Abd al-Malik erhob in den 90er Jahren des 7. Jahrhunderts diese Form des Arabisch zur offiziellen Verwaltungssprache des islamischen Reiches.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Sprache dann immer mehr, was jedoch zum Teil an der Schrift nicht zu erkennen ist, da die kurzen Vokale außer im Koran nicht geschrieben wurden und man sich bemühte die alten Regeln bei der Schreibung beizubehalten.
Das klassische Hocharabisch wird als Muttersprache heute von niemandem mehr gesprochen. Es wird allerdings auch heute noch, nur im Wortschatz verändert, als geschriebene Hochsprache benutzt, in der fast alle Bücher und Zeitungen erscheinen (außer in Tunesien, Marokko und in etwas geringerem Maße in Algerien, wo sich das Arabische diese Rolle mit dem Französischen teilen muss). Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird in den anderen arabischen Ländern aus Mangel an einem spezifischen Fachwortschatz oft Englisch gebraucht.
Bei offiziellen Anlässen wird diese normalerweise nur geschriebene Sprache auch mündlich gebraucht, ebenso teilweise in Fernsehen und Rundfunk. Diese Sprache wird oft auch als modernes Hocharabisch bezeichnet. Es unterscheidet sich vom klassischen Hocharabischen vor allem im Wortschatz und je nach Bildungsgrad des Sprechers teilweise auch in Grammatik und oft in der Aussprache.
Siehe auch: Geschichte der arabischen Literatur
Phonologie
Das Hocharabische Lautsystem ist wenig ausgeglichen. Es gibt nur drei mit den Lippen gebildete Laute (M م, B ب, F ف), P und das deutsche W fehlen. Der Laut و, den man mit W in der Umschrift wiedergibt, ist ein Halbvokal, der einem englischen W [] entspricht.
Dagegen gibt es sehr viele an den Zähnen gebildete Laute: L ل, N ن, D د, T ت, stimmloses und stimmhaftes (wie im Englischen ausgesprochene) "TH" (TH ث, DH ذ), stimmloses und stimmhaftes S (س und ز) und SCH ش. Hinzu kommen die dem Arabischen eigenen emphatischen Laute, d. h. stimmhaftes und stimmloses S (ص und ظ) sowie T ط und D ض, die "dumpf" ausgesprochen werden. Neben dem Zungen-R ر gibt es ein streng davon unterschiedenes Zäpfchen-R غ, normalerweise GH umschrieben.
An Gaumenlauten gibt es DSCH ج, K ك, CH خ und den Halbvokal J ي, das G fehlt. Des Weiteren gibt es ein tief in der Kehle gesprochenes K, das mit Q ق umschreiben wird, sowie das mit dem Kehlkopf ausgesprochene Hamza und einen stimmhaften Kehlkopf-Presslaut ع, den man "Ain" nennt, den es aber nur in sehr wenigen anderen Sprachen gibt, sowie eine stimmlose Entsprechung ح, die wie unser H auch mit H umschrieben wird. Unser H ه gibt es auch noch. Die Konsonanten werden sehr genau ausgesprochen, beeinflussen aber stark die Vokale, die deshalb in vielen Varianten vorkommen, obwohl es eigentlich nur A, I, U sowohl lang als auch kurz gibt. Insgesamt entsteht so der kehlige, raue Lauteindruck des Arabischen.
Die Dialekte haben dieses Ungleichgewicht zum Teil ausgeglichen: in vielen Dialekten gibt es ein G, TH und DH fehlen meist, deutsche W und P gibt es oft in Fremdwörtern. Meist gibt es auch langes E und O.
Schrift
Hauptartikel: Arabische Schrift
Geschrieben wird das Arabische von rechts nach links mit dem arabischen Alphabet, das nur Konsonanten und Langvokale kennt. Es gibt allerdings als Lern- und Lesehilfe ein nachträglich hinzugefügtes System mit Kennzeichen (اشكال) für die Kurzvokale A, I und U, und das in der klassischen Grammatik wichtige End-N, Konsonantenverdopplungen und Konsonanten ohne nachfolgenden Vokal. Der Koran wird immer mit allen Zusatzzeichen geschrieben und gedruckt. Grundsätzlich wäre das vokalisierte und mit Zusatzzeichen versehene Schriftarabisch gleichzeitig eine präzise Lautschrift, diese wird jedoch fast nur für den Koran genutzt. Bei allen anderen Texten muss man die kurzen Vokale selbst finden, was nur möglich ist, wenn man die Grundvokale jedes Wortes auswendig kennt und die grammatische Struktur vollständig analysieren kann, so dass man die richtigen Endungen einfügen kann. Aus diesem Grunde ist das Auswendiglernen langer Texte und die ständige Kontrolle eines anwesenden Lehrers fast unumgänglich, da so gut wie niemand im Alltag Hocharabisch spricht und man es auch nicht, den Koran ausgenommen, durch Lesen selbständig lernen kann.
Die arabische Schrift ist eine Kurrentschrift, die sich im Laufe der Geschichte verschliffen hat. Als immer mehr Buchstaben in der Gestalt zusammenfielen, entwickelte man ein System, diese durch Punkte über und unter den alten Konsonanten zu unterscheiden. Da die Buchstaben in einem Wort verbunden werden, gibt es bis zu vier verschieden Formen eines Buchstabens: allein stehend, nach rechts verbunden, nach links verbunden und beidseitig verbunden. Ohne die Punkte fallen beispielsweise in der beidseitig verbundenen Form die Buchstaben N, T, TH, B, Y und P zusammen. Die Punkte für das P übernahm man aus dem Persischen, um Fremdwörter, die ein P enthalten, wiederzugeben. In einer früheren Form der arabischen Schrift, dem Kufi (كوفى), in der es noch keine Punkte gab, wurden viele Texte fast nicht mehr lesbar, da wie gesagt nur die Konsonanten geschrieben wurden und einige davon auch nicht mehr zu unterscheiden waren. Die neuentwickelte Schrift mit den Punkten nennt man Nas-ch (نسخ).
Aussprache
In vielen islamischen Ländern gibt es Bestrebungen, sich bei der Aussprache der modernen Hochsprache einem Standard zu nähern, der dem nahe kommen soll, was als Aussprachestandard für das klassische Hocharabisch gilt. Grundlage dabei ist meistens der Aussprachestandard der Rezitation (ar. tilāwa تلاوة) des Korans, der weitgehend kodifiziert ist und in modernen Korandrucken auch durch Diakritika wiedergegeben wird. Diese Ausspracheform genießt ein hohes Prestige, wird allerdings in der Regel nur im religiösen Kontext verwendet.
Die frühere Aussprache des Hocharabischen ist nicht mit Sicherheit in allen Einzelheiten bekannt. Ein typischer Fall, wo bis heute keine völlige Klarheit über die Aussprachenormen des klassischen Hocharabisch besteht, ist die so genannte Nunation, also die Frage, ob die Kasusendungen bei den meisten unbestimmten Nomina auf n auslauten oder nicht (kitābun vs. kitāb). Für beide Varianten lassen sich Argumente finden, und da in alten Handschriften das Vokalzeichen der Endung nicht geschrieben wurde, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, wie diese Formen ausgesprochen wurden.
Grammatik
Das Arabische kennt indeterminierte (unbestimmte) und determinierte (bestimmte) Nomina. Determiniert wird ein Nomen durch den vorangestellten Artikel al, der nach Zahl und Fall unveränderlich ist, der aber sein A verliert, wenn er auf einen anderen Vokal folgt, und sein L an nachfolgende Substantive, die mit Sonnenbuchstaben beginnen, assimiliert.
Durch ein nachfolgendes Wort im Genitiv (s.a. Status constructus) oder durch ein direkt an das Wort angeschlossenes Personalsuffix wird ein Wort ebenfalls determiniert. Eigennamen sind von Haus aus determiniert und tragen keinen Artikel, ausgenommen die meisten Ländernamen.
Indeterminierte und determinierte Nomina unterscheiden sich zusätzlich durch unterschiedliche Endungen. Attribute werden dem zugehörigen Nomen nachgestellt.
Im Arabischen gibt es zwei Geschlechter, männlich und weiblich, die meisten weiblichen Wörter enden auf ah, das bei angehängten Endungen zu at wird. Weibliche Personen (Mutter, Schwester etc.) Eigennamen von Ländern und Städten, und die Namen doppelt vorhandener Körperteile (Fuß, Hand) sind auch ohne weibliche Endung weiblich. Daneben kennt das Arabische noch ein Kollektivum.
Es gibt drei Numeri: Einzahl, Zweizahl (Dual) und Mehrzahl, und drei Fälle: Nominativ, Genitiv und Akkusativ, die fast ausschließlich durch kurze Vokal-Endungen bezeichnet werden. Diptoten sind Eigennamen oder indefinierte Substantive, welche anstatt der üblichen drei Deklinationsendungen nur deren zwei aufweisen, d.h. zwischen Genitiv und Akkusativ nicht formal unterscheiden.
Die wirkliche Komplexität der arabischen Sprache liegt in der Vielfalt ihrer Verbformen und daraus abgeleiteten Verbalsubstantive, Adjektive, Adverbien und Partizipien. Jedes arabische Verb verfügt über zwei Grundformen im Perfekt und Imperfekt, Beispiel: kataba - yaktubu: "er schrieb - er schreibt". Dazu kommt als dritte wichtige Form das Verbalsubstantiv ("das Schreiben"). Da sich die meisten Verbformen schematisch ableiten lassen, sind sie viel leichter zu erlernen, als ein Arabisch-Schüler vermuten mag. Zwar gibt es nur zwei Hauptzeiten, wobei das Perfekt eine vollendete, das Imperfekt eine unvollendete Handlung ausdrückt. Trotzdem hat das Arabische eine Vielzahl von Zeitstufen ausgebildet. Viele Verben existieren in zahlreichen, durch Umbildung der Wurzel abgeleiteten Stämmen, die jeweils bestimmte Bedeutungsaspekte haben, wie zum Beispiel Intensivierung oder reflexive Bedeutung. Jeder Stamm besitzt bestimmte Eigenschaften, z.B. ein Präfix, Verlängerung, Änderung oder Wegfall eines Vokals oder auch Verdopplung des mittleren Radikals (d.h. Wurzelkonsonanten). Die Art und Reihenfolge dieser Konsonanten ändern sich hingegen innerhalb einer Wortfamilie nie.
Eine Eigenheit der arabischen Grammatik erleichtert die mündliche Wiedergabe des Hocharabischen sehr: Am Ende eines Satzes fällt im Hocharabischen die Vokalendung meist weg. Man nennt diese Form traditionell "Pausalform". Nun werden aber die drei Fälle und auch zum Teil die Modi gerade durch diese Endungen ausgedrückt, die bei einer Sprechpause wegfallen. Deshalb benützen viele Sprecher, wenn sie modernes Hocharabisch sprechen, sehr häufig diese "Pausalform" und ersparen sich so einen Teil der manchmal komplizierten Grammatik. Da aber auch gerade diese Vokalendungen in allen Dialekten wegfallen, erleichtert dies das moderne Hocharabisch sehr. Das komplizierte System der Verbformen ist in vielen Dialekten noch weitestgehend erhalten, so dass die Dialektsprecher damit weniger Schwierigkeiten haben. Obwohl wie unten beschrieben die Bedeutung eines Wortes meist an den Konsonanten hängt, sind es gerade die kurzen Vokale, die einen großen Teil der komplizierten Grammatik ausmachen.
Arabische Wörterbücher sind häufig so angelegt, dass die einzelnen Wörter nach ihren Wurzeln, also quasi ihren "Wortfamilien", geordnet sind. Daher ist es beim Erlernen des Arabischen wichtig, die Wurzelkonsonaten eines Wortes identifizieren zu können. Der überwiegende Teil der Wörter hat drei Wurzelkonsonanten, einige auch vier. Durch das Abtrennen bestimmter Vor-, Zwischen- und Endsilben erhält man die Wurzel eines Wortes. Gerade Anfänger sollten solche nach Wurzeln geordnete Wörterbücher benutzen, da der Gebrauch "mechanisch-alphabetisch" geordneter Lexika bei geringen Grammatikkenntnissen oft dazu führt, dass eine Form nicht erkannt und falsch übersetzt wird.
Wortschatz
Die meisten arabischen Wörter bestehen aus drei Wurzelkonsonanten (Radikalen). Daraus werden dann verschiedene Wörter gebildet, beispielsweise kann man unter anderem aus den drei Radikalen K-T-B folgende Wörter und Formen bilden:
- KaTaBa : er schrieb
- yaKTuBu : er schreibt
- KiTaaB : Buch
- KuTuB : Bücher
- KaaTiB : Schreiber (Einzahl)
- KuTTaaB : Schreiber (Mehrzahl)
- KaTaBah : Schreiber (alternative Mehrzahlform)
- maKTaB : "Ort des Schreibens", d.h. Büro
- maKTaBah : Bibliothek, Buchhandlung
Die hier angegebenen Formen sind Pausalformen. Im klassischen Hocharabisch treten noch die meist nicht geschriebene Endungen -a, -i, -u, -an, -in, -un, -ta, -ti, -tu, -tan, -tin, -tun oder auch keine Endung auf. Das T in den Endungen kommt so zustande, dass man das heute stumme End-H zum T uminterpretiert, indem man ihm die Punkte von T beigibt. Das N in diesen Endungen wird auch nicht durch den Konsonanten-Buchstaben N gekennzeichnet, sondern durch die wenig gebräuchlichen Zusatzzeichen.
Der Wortschatz ist zwar extrem reich, aber oft nicht klar normiert und mit Bedeutungen aus der Vergangenheit überfrachtet. So gibt es zum Beispiel kein Wort, das dem europäischen Wort "Nation" relativ genau entspricht. Das dafür gebrauchte Wort (أمة, Umma) bedeutete ursprünglich und im religiösen Kontext bis heute "Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime); oder z.B. "Nationalität" (جنسية, dschinsiyya) eigentlich "Geschlechtszugehörigkeit" im Sinne von "Sippenzugehörigkeit", "Geschlechtsleben" z.B. heißt (حياة الجنسية, Hayāt al-dschinsiyya) wobei Hayāt "Leben" heißt. Das Wort für "Nationalismus" (قومية, Qaumiyya) bezieht sich ursprünglich auf die Rivalität vom (Nomaden)-"Stämmen" und kommt von Qaum ursprünglich und bis heute oft noch "Stamm" im Sinne von "Nomandenstamm". So überlagern sich oft in einem Wort sehr alte und sehr moderne Konzepte, ohne dass das eine über das andere obsiegen würde. "Umma" z.B. gewinnt wieder mehr seine alte religiöse Bedeutung zurück. Es gibt zahlreiche alte Lehnwörter aus dem Aramäischen und Griechischen und viele neuere aus dem Englischen und Französischen, die aber oft wie Fremdkörper im Arabischen wirken. Andererseits hat jede Sprache eine Anzahl von Lehnwörtern aus anderen Sprachen. So sind ca. 10% der spanischen Wörter arabischen Ursprungs. Vgl.:Arabischer Einfluss in der spanischen Sprache
Die zehn häufigsten Wörter des Arabischen
Die drei häufigsten Wörter des Arabischen werden im arabischen mit dem nächsten Wort verbunden geschrieben (in der Umschrift mit Bindestrich abgetrennt); es sind "al" der/die/das, "wa" und sowie "bi" in/mittels ال و ب
# في fi (in)
# من min (von, aus)
# على ala (auf, über, an, bei)
# أن anna (dass)
# إن inna (gewiss, wahrlich auch Verstärkungspartikel)
# إلى ila (zu, nach, bis, bis zu)
# كان kana (sein [Verb])
# هذا، هذه hadha, hadhihi (das, diese[r, s])
# أن an (dass)
# الذي der (Relativpronomen)
Sprachprobe
Die erste Zeile zeigt die Originalschreibweise, die zweite ist eine buchstabengetreue Umschrift, die dritte Zeile gibt die Lautgestalt im modernen Hocharabischen an, wobei die eingeklammerten Kurzvokale wegfallen, weil man oft Pausalformen gebraucht, die letzte Zeile ist eine recht wörtliche Übersetzung. Das End-N in ahlan und sahlan ist eine erstarrte klassische Endung, bei der das N nie geschrieben wird. Siehe auch: Salam, Traditionelle afrikanische Begrüßungsformen
Erster Sprecher:
!صباح الخير
S-B-alif-H alif-L-CH-Y-R!
sabaah(u) l-chair(i)!
Morgen der Güte!
Guten Morgen!
Zweiter Sprecher:
?صباح النور, يا أخي! كيف حالك
S-B-alif-H alif-L-N-W-R, Y-alif alif-CH-Y! K-Y-F H-alif-L-K
sabaah(u) n-nuur(i), ya achi! kaif(a) haaluk(a)?
Morgen des Lichts, o mein Bruder! Wie ist dein Zustand?
Guten Morgen, mein Freund, wie geht es dir?
Erster Sprecher:
!بخير, الحمد لله
B-CH-Y-R alif-L-H-M-D L-L-H
bi-chair(in), al-hamdu lillah(i)!
Mit Güte, Lob sei Gott!
Gut, Gott sei Dank!
Zweiter Sprecher:
?الحمد لله! وأنت, كيف حالك
alif-L-H-M-D L-L-H! W-alif-N-T, K-Y-F H-alif-L-K?
al-hamdu lillah(i)! wa anta, kaif(a) haaluk(a)?
Lob sei Gott! Und du, wie ist dein Zustand?
Gott sei's gedankt! Und wie geht's dir?
Erster Sprecher:
!الحمد لله جيد
alif-L-H-M-D L-L-H, DSCH-Y-D!
al-hamdu lillah(i), dschayyid(un)!
Lob sei Gott, gut!
Gott sei Dank, gut!
Zweiter Sprecher:
!أهلا وسهلا بك
alif-H-L-alif W-S-H-L-alif B-K!
ahlan wa-sahlan bik(a)!
etwa: Sei willkommen!
Erster Sprecher:
.أهلا بكم
alif-H-L-alif B-K-M.
ahlan bikum.
etwa: Ich fühle mich (bei dir) willkommen.
Dieses Beispiel zeigt eine typische Begrüßung auf Hocharabisch, wie sie zwischen etwa gleichaltrigen jüngeren, nicht zu sehr vertrauten Männern stattfinden würde.
Der eine grüßt den anderen, dieser grüßt zurück, woraufhin der erste den anderen einlädt, einzutreten und der andere sich dafür bedankt.
Dieses Beispiel müsste jeweils mehr oder minder von der Lautgestalt her in den Dialekt übertragen werden. Was Grammatik und Wortschatz angeht, ist der Unterschied zu den Dialekten hier eher gering, da es sich in diesem Beispiel fast nur um alte feststehende Redewendungen handelt.
Verwandte Artikel
- Arabische Dialekte
- Arabische Schrift
- Arabisches Alphabet
- Arabische Literatur
- Arabischer Name
- Liste deutscher Wörter aus dem Arabischen
Literatur
- Borg, Tawfik: Modernes Hocharabisch. Konversationskurs. 5. Auflage. Hamburg 2004. ISBN 3921598230 - Konversationsbezogenes Lehrwerk, das z. T. jedoch ägyptisches statt hocharabischen Vokabulars verwendet.
- Harder, Ernst; Schimmel, Annemarie: Arabische Sprachlehre. Heidelberg 1997 ISBN 3872760017 - Knappe Einführung in die arabische Sprache und Grammatik.
- Krahl, Günther; Reuschel, Wolfgang; Schulz, Eckehard: Lehrbuch des modernen Arabisch. 5. Auflage. Berlin, München 2002. ISBN 3324006139 - Ein umfangreiches und akademisch geprägtes Standardwerk, Lehrbuch an vielen deutschsprachigen Universitäten.
- Mace, John: Arabic Grammar. A Revision Guide. Edinburgh 1998. ISBN 0748610790 - Übersichtliche, auf das Arabisch der Gegenwart bezogene Grammatik.
- Schregle, Götz: Deutsch-Arabisches Wörterbuch. Wiesbaden 1977. ISBN 344701623X - Gilt als das Standardwörterbuch Deutsch - Arabisch.
- Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch-Deutsch. 5. Auflage. Wiesbaden 1985. ISBN 3447019980 - Das Standardwörterbuch der arabischen Gegenwartssprache, nach Wurzeln geordnet.
Weblinks
- [http://www.lessan.org/ Deutsch-Arabisches Online-Wörterbuch]
- [http://www.nicoweb.com/sirpus/ Arabische Schrift und Spache auf MP3]. Arabische Schrift und Spache auf MP3. Neu.
- [http://www.arabmed.de/deutsch/magazin/022002/S50-51.pdf So viel Arabisch steckt im Deutsch]
- [http://www.nicole.ksc.ch/kurs/ksc_abschlussarbeit/arabisch_dt.shtml Arabisch in der deutschen Sprache]
- [http://www.ex-oriente-lux.de/arabischeserbe2.htm Deutsche Wörter arabischen Ursprungs]
- [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Spr_Welt/SW_Arab.html Informative Seite über Arabisch der Universität Erfurt]
- [http://www.arabia-institut.de/download/ Nützliche PDF-Dokumente zum Arabischlernen]
- [http://www.schriften-lernen.de/Schrift/Arab/Arab1.htm Einführung in die arabische Schrift]
- [http://lexicons.ajeeb.com/ Arabische Standard-Wörterbücher المعاجم العربية online auf einer Seite]
- [http://www.chj.de/ Arabische Schrift und Sprache]
- [http://www.muftah-alhuruf.com Muftah-Alhuruf.com]: Schreibt und schickt arabische E-Mails ohne eine arabische Tastatur oder Betriebssystem zu haben.
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:arabische Sprache
Kategorie:Orientalistik
Kategorie:Afrikanische Sprache
ja:アラビア語
ko:아랍어
ms:Bahasa Arab
simple:Arabic language
th:ภาษาอาหรับ
Nil
Der Nil (arab. بحر النيل, Bahr al-Nīl) ist ein Strom in Afrika.
Der Nil entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi und mündet ins Mittelmeer. Dazwischen durchfließt er die Gebiete von sechs Staaten: Burundi, Ruanda, Tansania, Uganda, Sudan und Ägypten. Besonders für Ägypten hat der Nil überragende wirtschaftliche Bedeutung.
Mit 6.671 km Länge ist der Nil der längste oder zweitlängste Fluss der Erde, da die Länge des Amazonas – je nach Definition – zwischen 6.500 km und 7.200 km angegeben wird. Die ungenaue Angabe beruht darauf, dass der Quellfluss des Amazonas nicht eindeutig zu bestimmen ist.
Siehe hierzu auch: Die längsten Flüsse der Erde
Flusslauf, -länge und Einzugsgebiet
Der Nil besitzt zwei so genannte Quellflüsse - den kürzeren Blauen Nil und den wesentlich längeren, eigentlichen Weißen Nil.
Quellflüsse
Der Hauptfluss des Nils, der Weiße Nil, entsteht aus den Quellflüssen des Akagera-Nil, der oftmals nur Kagera-Nil genannt wird und in den Tälern der Gebirge von Ruanda und Tansania aus zwei Quellflüssen gespeist wird:
# "Burundischer Quellfluss", der in Burundi entspringt
# "Ruandischer Quellfluss", der in Ruanda entspringt
Burundischer Quellfluss: Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera
Der Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera bildet den südlichsten und längsten Quellfluss des gesamten Nils: Dieser Flusslauf ist von der Quelle bis zur Mündung 6.671 km lang; sein Einzugsgebiet umfasst 2.870.000 km² (andere Angaben, die in den verschiedensten Medien zu finden sind, berichten von sogar 6.693 km und 2.881.000 km²); nur der Kongo, welcher der wasserreichste Strom Afrikas ist, hat in Afrika ein noch größeres Einzugsgebiet. Weil der Nil von der Quelle des Luvironza aus gemessen insgesamt länger und größer als der nachfolgend genannte "Ruandische Quellfluss" ist, stellt er den tatsächlichen Quellfluss des Nils dar.
Die Quelle des "Burundischer Quellflusses", welche die südlichste des Nils und auch die vom Nildelta bzw. von der Mündung des Nils am weitesten entfernte ist, liegt in den östlichen Randgebirgen des Great Rift Valley bzw. in den südlichen Hochgebirgen von Burundi. Sie befindet sich etwa 45 km östlich des Tanganjikasees zwischen Bururi und Rutana; sein Quellbach heißt Luvironza. Von dort aus fließt dieser über den Ruvuvu, der auch Ruwubu oder Ruwuwu genannt wird, und über den Ruvusu, der auf den letzten Kilometern schiffbar ist, in Richtung Norden und heißt nach 350 km Länge Akagera (Fortsetzung siehe weiter unten).
Ruandischer Quellfluss: Rukarara-Nyabarongo
Der Rukarara-Nyabarongo bildet den nördlicheren und kürzeren Quellfluss des gesamten Nils. Er gilt als einer der beiden Quellflüsse des Weißen Nils. Entdeckt wurde die Quelle des Rukarara im Jahr 1898 durch Richard Kandt.
Sein Quellgebiet liegt rund 185 km weiter nördlich, als die des zuvor genannten "Burundischen Quellflusses". Die Quelle, Source du Nil (Nilquelle) genannt (daher ein Mineralwasser namens Nil) liegt im südlichen Ruanda ebenfalls in den östlichen Randgebirgen des Great Rift Valley. Sie befindet sich in etwa 2.700 m Höhe im Nyungwe-Wald etwa 40 km südöstlich des Kiwusees, der oft auch Kivusee genannt wird. Von dort aus fließt er als Rukarara 50 km in östlicher Richtung ab und bildet später - mit dem ihm zufließenden Mwogo - den etwa 225 km langen Nyabarongo (auch Njawarongo genannt). Dieser fließt zuerst in Richtung Nordosten, um dann nach Osten abzuknicken; die dort mehr als rechtwinklige Laufänderung ist geologisch/tektonisch durch die Entstehung der Virunga-Vulkane und des Great Rift Valley bedingt. Danach steuert der Nyabarongo auf Kigali zu, ohne die Hauptstadt von Ruanda direkt zu erreichen. Südlich dieser Stadt, von der er mit kleinen Schiffen mit wenig Tiefgang nutzbar ist, nimmt er den 165 km langen Akanyaru (auch Akanjaru genannt) auf, der aus Richtung Süden kommt und ebenfalls in seinem Unterlauf mit kleinen Schiffen mit wenig Tiefgang befahrbar ist. Der Nyabarongo setzt seinen Lauf auf der Grenze von Ruanda und Burundi sowie auf der Grenze von Ruanda und Tansania nach Osten fort und passiert den Rwerusee (Lac Rweru). Ab dort trägt der Fluss den Namen Akagera ...
Weiterer Flusslauf
Der Flusslauf Akagera-Nil-Viktoria-Nil-Albert-Nil-Weißer Nil-Nil bildet ab der oberhalb der Rusumo Falls liegenden Grenze von Ruanda und Tansania die Fortsetzung der zuvor genannten Flussläufe - Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera ("Burundischer Quellfluss") und Rukarara-Nyabarongo ("Ruandischer Quellfluss"). Er entsteht in knapp über 2.000 m Höhe in der Bergwelt von Ruanda, fließt überwiegend in nördliche Richtungen und mündet in Ägypten in das Mittelmeer:
Akagera-Nil
Der rund 850 km lange Akagera-Nil (auch Kagera-Nil und früher teils Alexandra-Nil genannt) ist vorerst nur die Fortsetzung des Flusslaufs Rukarara-Nyabarongo in den Gebirgstälern von Ruanda. Er fließt - schiffbar - zuerst innerhalb Ruandas und dann rund 175 km auf den zuvor erwähnten Grenzen nach Osten. An seinem etwas östlich bzw. unterhalb von Ngara liegenden "Südknie" nimmt der Akagera-Nil den Ruvusu auf, welcher der Unterlauf des "Burundischen Quellflusses" ist.
Danach knickt er nach Norden ab und stürzt nur wenige hundert Meter nach dieser Flusseinmündung über die Rusumo Falls (Chutes Rusumu). Nach dem Wasserfall ist der Akagera bis zum "Nordknie" wieder schiffbar und bildet nicht nur im dortigen Akagera-Nationalpark die Grenze von Ruanda und Tansania, um rund 180 km weiter im Norden sein "Nordknie" und das Dreiländereck Ruanda-Tansania-Uganda zu erreichen. Dort wechsellt der Flusslauf abermals geologisch/tektonisch bedingt und wieder mehr als rechtwinklig seine Fließrichtung nach Osten. Fortan fließt er erst ein Stück direkt auf der Landesgrenze von Uganda und Tansania; danach verlässt er diese, um über zahlreiche Stromschnellen durch die nördlichen Teile von Tansania zu fließen. Später steuert er in Richtung Nordosten, um rund 270 km nach seinem "Nordknie" und unweit der Grenze der beiden zuletzt genannten Staaten in den Westteil des Viktoriasees zu münden.
Seltsamerweise wird der Flusslauf bis zu diesem See oftmals nicht als Teil des Nils angesehen (siehe hierzu weiter unten: "Der tatsächliche Quellfluss").
Viktoria-Nil
Der Nil fließt dann in Uganda als Viktoria-Nil aus dem Norden des Viktoriasees, in dem die überfluteten Owen- und Ripon Falls liegen, durch den Kiogasee, der auch Kyogasee genannt wird, und über die Murchison Falls, die man auch Kabelega Falls nennt und die im Murchison Nationalpark liegen, in den Albertsee, der früher auch Lac Mobutu-Sese-Seko hieß.
Albert-Nil
Unterhalb des Albertsees wird das Fließgewässer Albert-Nil genannt. Seinen Namen trägt er - gemeinsam mit dem Albertsee - zu Ehren des Prinzgemahls der Königin Victoria von England, Prinz Albert. Er fließt innerhalb Ugandas vorbei an der Ruinenstätte Wadelai weiter nach Norden und erreicht die Grenze zum Sudan.
Bahr al-Dschabal
Ab der Grenze zum Sudan heißt der Flusslauf Bahr al-Dschabal (arabisch: Bergfluss; auch Bahr al-Jabal und Bahr el-Dschebel genannt). Bei der Stadt Bur fließt er in den Sudd ein, ein großes Sumpfgebiet, in dem 53 Prozent des Wassers verdunsten.
Weißer Nil
Nach verlassen des Sudd trifft der Bahr al-Dschabal mit dem Fluss Bahr al-Ghazāl im No-See zusammen und wird ab da als 'Weißer Nil bezeichnet, der nun ostwärts weiterfließt. Bei der Stadt Malakal trifft er auf den Jonglei-Kanal und den Zufluß des Sobat. Dann fließt er nordwärts weiter in Richtung Khartum und Omdurman, wo er auf den Blauen Nil trifft, der von rechts bzw. Südosten aus Äthiopien kommt.
Bahr an-Nīl
Von Khartum flussabwärts wird der Strom als Bahr an-Nīl (arabisch: Nilfluss) bezeichnet. Von dort an fließt er als so genannter Fremdlingsfluss durch ausgedehnte Steppen und Wüstenlandschaften s-förmig weiter nach Norden, ohne noch nennenswerte Nebenflüsse aufzunehmen. Während er dabei die Nubische Tafel durchbricht, passiert er die an seine östlichen Ufer angrenzende Nubische Wüste. Somit erreicht er den Nassersee, der durch den von 1960 bis 1971 errichteten Assuan-Damm aufgestaut wird. Darin überquert der Nil die Grenze vom Sudan nach Ägypten, welches der Strom von Süd nach Nord durchfließt. In den Wüstengebieten Oberägyptens bildet der Nil dabei eine 5 bis 20 km breite Niederung, eine lebenswichtige Fluss-Oase, die landwirtschaftlich nutzbar ist. Durch den eben erwähnten und zum Zweck der umfangreichen Bewässerung errichteten Staudamm, der die Schwebstoffe und Sedimente zurückhält, lässt mit der dauerhaften Nutzung der Felder deren Fruchtbarkeit nach; dies liegt auch daran, dass die Versalzung der Böden zunimmt, so dass mit Düngern nachgeholfen wird.
Nil
Nördlich bzw. unterhalb des Assuan-Staudamms und etwa ab Qena trägt der Strom nur noch seinen eigentlichen Namen - Nil. Nun tangiert er die östlich angrenzende Arabische Wüste. Weiter nördlich fließt sein Wasser östlich am Fayyum-Becken vorbei, eine große oasenartige und reichlich besiedelte Beckenlandschaft, mit der er über den Bahr Yusuf (Kanal) verbunden ist.
Unterhalb von Kairo und damit noch weiter nördlich, fächert sich der Nil zum etwa 24.000 km² großen Nildelta auf, nach dessen Durchfließen er schließlich in das Mittelmeer mündet; der Assuan-Staudamm ist auch der Grund, warum dieses Flussdelta nicht mehr weiter ins Meer vorgeschoben, sondern durch die dort oftmals sehr starke Brandung abgetragen wird.
Nebenflüsse
Wasserfälle
Kaskaden und Stromschnellen
Im Oberlauf des Weißen Nils (mit all seinen ihn speisenden Flüssen) muss das Nil-Wasser zahlreiche kleinere und größere kaskadenartige Wasserfälle überwinden; dazu gehören:
- Rusumo Falls (Chutes Rusumu) auf der Grenze von Ruanda und Tansania
- Kuruma-Schnellen in Tansania - östlich vom Nordknie des Kagera-Nils
- Ripon Falls in Uganda - (durch den Owen-Falls-Damm vom Viktoriasee überflutet)
- Owen Falls in Uganda - (durch den Owen-Falls-Damm vom Viktoriasee überflutet)
- Murchison Falls (auch Kabelega Falls genannt) in Uganda
Katarakte
In Mittelauf des Nils, unterhalb der Einmündung des Blauen Nils in den Weißen Nil, muss(te) das Nil-Wasser zwischen Omdurman und Assuan insgesamt 6 Katarakte überwinden. Dies sind explizit bei Niedrigwasser schwer passierbare Stromschnellen, die nicht nur im alten Ägypten sehr gefürchtet waren, weil sie zwischen teils spitzen und nur schwer überschaubaren Felsklippen hindurchführen, so dass man sie mit großen Booten oder Schiffen nicht befahren kann; noch heute stellt dies eine Herausforderung dar, diese Katarakte mit Kleinbooten zu überwinden. Früher bildeten sie die Grenze zwischen den Königreichen.
Diese 6 natürlichen Granitbarrieren, sind Hunderte Millionen Jahre alte Zeugnisse von übereinander geschobenen Kontinentalplatten, die wesentlich härter sind, als das weiche Sedimentgestein, das der Nil selbst abgelagert hatte. Man nannte diese Barrieren schlicht und einfach Katarakte und gab ihnen eine zusätzliche Nummer; die Nummerierung erfolgt flussaufwärts: Der 1. Katarakt liegt bei Assuan, der heute allerdings – wie der zweite – von den Wassermassen des Nassersees überlagert ist. Der 3. Katarakt liegt nur etwas nördlich von Kerma, der vierte östlich von Merowe und der fünfte 50 km nördlich von Berber. Der oberste Katarakt liegt etwa 75 km nördlich von Omdurman.
Durch diese Katarakte fließt das Nil-Wasser aufgrund des schmaleren und tieferen Flussbettes und des stärkeren Gefälles zumeist reißend, insbesondere wenn weiter südlich die Regenzeit tobt und die Wassermassen nach Norden kommen. Bei Assuan wird die Nilschifffahrt durch das 1. Katarakt nach wie vor unterbrochen: Alles was per Schiff weiter nach Süden will, Material und Menschen, muss umgeladen werden bzw. umsteigen, um einen Umweg über Land zu nehmen und dann die Fahrt auf dem Assuan-Stausee weiter fortzusetzen und umgekehrt.
Einige interessante Längen und Daten des Nils
Von seiner am weitesten entfernten Quelle in Burundi legt der Nil bis zu seiner Mündung insgesamt 6.671 km Flussstrecke zurück. Vom Viktoriasee sind dies noch 5.588 km, von Khartum, wo der Blaue Nil in den Weißen Nil fließt, rund 2.700 km und von der Landesgrenze von Sudan/Ägypten bis zur Mündung noch 1.550 km.
Geologischen Untersuchungen ergaben, dass sich erst vor ca. 1 Million Jahren der Viktoriasee durch Absenkung des dortigen Hochlandes gebildet hat. Nach dem Ende der letzten Eiszeit ist dieser See vor ca. 12000 Jahren erst übergelaufen und ließ den Viktoria-Nil, bzw den Weißen Nil entstehen.
Geschichte
Altes Ägypten
Erst durch den Nil wurde das Leben und die Kultur an den Nilufern des Alten Ägyptens möglich. Ohne ihn wäre das Land eine einzige Wüste. Man sieht es daran, dass er im Westen von der Libyschen und im Osten von der Nubischen Wüste sowie der Arabischen Wüste eingefasst wird, wo bis auf ein paar Oasen kein Wasser existiert und somit Landwirtschaft und Kultur unmöglich waren bzw. sind. Erst durch den fruchtbaren Schlamm, den der Nil bei seinen Hochwassern über das Land verteilt, konnten Nutzpflanzen angebaut und Landwirtschaft betrieben werden. Außerdem wurde der sehr tonhaltige Schlamm des Nils zum Häuserbau benutzt.
Während die vom Nil geführte Wassermenge, die fast ausschließlich von den Niederschlägen in den Ländern um den Viktoriasee abhing, ihren Tiefstand zumeist im April erreicht(e), stieg diese bis Ende August auf das etwa 50 bis 60fache an:
Einmal im Jahr überschwemmte der Nil das Land und bedeckte einen bis zu mehrere Kilometer breiten Streifen Land. Wenn das Wasser abfloss und verdunstete, hinterließ er fruchtbaren, dunklen Schlamm (so dies auch heute noch, wenn es den Assuan-Staudamm nicht gäbe), der dem Alten Ägypten seinen Namen gab (Kemet - "Das schwarze Land"). Um diese Anbaufläche für Getreide vollständig nutzen zu können, siedelten die Ägypter meist direkt entlang des Nils, aber auch etwas abseits des Flusses in der Wüste. Um für die Wüstensiedlungen und für Trockenzeiten Wasser speichern zu können, mussten sie Kanäle und künstliche Seen anlegen. Da der einzelne ägyptische Bauer diese nicht bauen konnte, schlossen sich die Bewohner eines Landstriches zusammen und bildeten Gaue, die von Gaufürsten verwaltet wurden.
Der Pegelstand des Nils zur Zeit der Überschwemmung schwankte stark. Er wurde an sog. Nilometern gemessen. Da bei niedrigem Stand manche Landstriche nicht überschwemmt wurden und die dort lebenden Bauern hungerten, wurden die Steuern nach dem Stand des Nils festgesetzt. Stieg der Nil aber zu hoch, drohte das Brechen von Dämmen und die Zerstörungen der Häuser. Dadurch wurden schon früh Geometer benötigt, die das Land neu ausmaßen und die Feldergrenzen neu festlegten.
Der Nil war der Haupthandelsweg Ägyptens. Über den Fluss wurde z. B. Holz transportiert, das in Ägypten fast überhaupt nicht vorkommt. Es wurde aus Syrien und Palästina importiert. Außerdem wurden Steinblöcke für den Bau von Pyramiden auf Schiffen transportiert. Der Schiffverkehr war auf den Tag begrenzt, da man in der Nacht Gefahr lief, auf Sandbänke zu laufen. Bei sehr niedrigem Wasserstand wurden die Schiffe über kurze Strecken über Land gezogen. Das Segel wurde erst 3350 v. Chr. eingeführt.
Römer- bis Neuzeit
Segel
Bereits die alten Römer waren auf der Suche nach den Quellen des riesigen Stromes. Der portugiesische Jesuitenmissionar Pater Pedro Paez (1564-1622) entdeckte 1613 die Quelle des Blauen Nils. Der schottische Afrikaforscher James Bruce (1730-1794) entdeckte die Quelle am 4. November 1770 wieder und beanspruchte den Ruhm (vergeblich) für sich; er befuhr 1771 den Blauen Nil bis zur Vereinigung.
Für die Entdeckung der tatsächlichen Quelle des Nils am Luvironza haben viele Afrikaforscher meist vergeblich gesucht und Hypothesen aufgestellt. Bei einer Expedition, die von 1821-1822 dauerte, erreichte der Franzose Frédéric Cailliaud (1787-1869) die Mündung des Blauen- in den Weißen Nil. 1861 stellte die niederländische Afrikaforscherin Alexandrine Tinné in Kairo eine Expedition zusammen, musste diese aber aus logistischen Gründen nach einigen Monaten erfolglos abbrechen. 1866 machte sich der berühmte britische Forscher David Livingstone (1813-1873) auf Expeditionen zu den Quellen des Nil und des Kongo; er meinte sie im viel weiter südlich liegenden Bangweulusee gefunden zu haben, erreichte die wirkliche Quelle aber nie. 1857 gingen die Briten John Haning Speke und Richard Francis Burton gemeinsam auf Erkundung des Viktoriasees: John Speke sah in ihm die Quelle - Richard Burton jedoch im südlicherem Tanganjikasee; 1858 machte sich John Speke, nun in Begleitung mit James Augustus Grant, erneut auf Expedition und sie entdeckten 1862 die seit langem überfluteten Ripon Falls (die damals wohl noch freilagen) im Norden des Viktoriasees, welcher fälschlicher Weise oft als Nilquelle angesehen wird. Die Quelle des Kagera Nils am Luvironza, die der tatsächlichen Nil-Quelle entspricht, wurde 1893 von den Österreichern Oscar Baumann (1864-1899) und Oskar Lenz (1848-1925) gemeinsam entdeckt; erst 1898 wurde die geographische Lage dieser Quelle vom Deutschen Dr. Richard Kandt (1867-1918) genau bestimmt. Auch der Brite Samuel White Baker und der Italiener Romolo Gessi, die sich ebenfalls auf die Suche machten, haben erfolgreiche Expeditionen unternommen.
Die Entdeckung des tatsächlichen Quellflusses des Nils
Weil der Weiße Nil - mit seinen sich daran anschließenden und oben genannten Quellflüssen - deutlich länger als der Blaue Nil ist und auch ein wesentlich größeres Einzugsgebiet als dieser aufweist, ist er der tatsächliche und seit langen unumstrittene Quellfluss des Nils.
Allerdings galt der Blaue Nil früher auch als dessen Quellfluss, wohl auch weil zu seinem Namen die Bezeichnung Nil gehört; dies geschah, bis 1893, als man die Quelle des obig genannten Luvironza fand und sich in der Folgezeit daran machte, den sich daran anschließenden Flusslauf zu vermessen. So fand man heraus, dass der Weiße Nil mit seinen Quellflüssen der deutlich längere Fluss ist, so dass dieser der tatsächliche Quellfluss des Nils ist. Wohl der Tradition wegen wird oft auch noch der Viktoriasee (bzw. die darin liegenden und seit langer Zeit überfluteten Ripon Falls) als Flussursprung genannt; dabei werden allerdings 1.083 km (fast die Länge der Elbe) von der Quelle des Luvironza bis zum Ausfluss des Nils aus diesem See unterschlagen.
Fasst man die zuvor genannten Erkenntnisse über die Länge und Einzugsgebiet des Stroms zusammen, so ist der Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Akagera-Weißer Nil-Nil der tatsächliche - gesamte - Flusslauf des Nils.
Fauna
Der Nil besitzt eine artenreiche und einmalige Tierwelt. Viele erhielten nach dem Fluss auch ihren Namen, so etwa das Nilkrokodil, der Nilhecht, die Nilgans, die Nil-Grasratte, der Nilwaran und auch das Nil- oder Flusspferd, welches aber heute im Unterlauf nicht mehr vorkommt. Viele Tiere nutzten die Ägypter als Haustiere oder Vorbilder für Götter.
Städte am Nil-Ufer
Die Millionenstädte Kairo, Giseh (beide Ägypten) und Khartum (Sudan) sind die größten Städte. Die alten Ägypter bauten ihre Städte oft an den fruchtbaren Ebenen des heiligen Flusses. Viele Katarakten und Stauanlagen wurden, u. a. für die Besiedlung, errichtet.
Städte am Ufer mit über 100.000 Einwohnern:
- Ruanda
- Kigali
- Uganda
- Kampala (am Viktoriasee)
- Jinja
- Sudan
- Dschuba
- Malakal
- Kusti
- Rabak
- Khartum (al-Chartūm)
- Omdurman (Umm Durmān)
- Bahri
- Atbara
- Wadi Halfa
- Ägypten
- Assuan (Aswān)
- Luxor (al-Uqsur)
- Qena (Qinā)
- Sohag (Suhādsch)
- Asyut (Asyūt)
- Minya (al-Minyā)
- Beni Suef (Banī Suwaif)
- Fajum (al-Fayyūm) - etwas westlich vom Nil
- Helwan (Hulwān)
- Orte im oder am Nildelta
- Kairo (al-Qāhira)
- Giseh (al-Dschīza)
- Heliopolis (Misr al-Dschadīda)
- Imbaba (Imbābā)
- Banha (Banhā)
- Shibin al-Qaum
- Ismailia (al-Isma'īliyya, am Sueskanal, über Seitenkanal mit Nildelta verbunden)
- Zagazig (az-Zaqāzīq)
- Tanta (Tantā)
- al-Mahallat al-Kubra (al-Mahallāt al-Kubrā)
- Mansura (al-Mansūra)
- Naukratis (Nebireh)
- Damanhur (Damanhūr)
- Kafr asch-Schaich
- Alexandria (al-Iskandariyya)
- Port Said (Būr Sa'īd)
- Damietta (Dumyāt)
Kanäle
Künstliche angelegte Kanäle, welche den Nil begleiten, oder von ihm abzweigen sind unter anderen:
- Bahr Yusuf
- El Muhit-Kanal
- Giseh-Kanal
- Ibrahim-Kanal
- Ismailia-Kanal
- Jonglei-Kanal
Literatur
- Lutz Knörnschild: Zur Geschichte der Nilwassernutzung in der ägyptischen Landwirtschaft von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Leipziger Beiträge zur Orientforschung, Bd. 1), Frankfurt/a. M./Berlin u.a. 1993, S. 284, 11 Abb., 60 Tab., ISBN 3-631-44755-8
Weblinks
- [http://www.selket.de/nil.htm Der Nil - eine Menge Informationen mit Bildern]
- [http://www.jaduland.de/afrika/nil/index.html Der heilige Nil]
- [http://www.chufu.de/Nil/nil.html Der Nil (chufu.de)]
- [http://www.nilebasin.org Nile Basin Initiative]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/254226.html Nilhochwasserzyklus ]
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Ägypten
Ägypten ( Misr) liegt im Nordosten Afrikas, die zu Ägypten gehörende Halbinsel Sinai wird im allgemeinen zu Asien gezählt. Das Land grenzt an das Mittelmeer, das Rote Meer (Golf von Aqaba), den Gaza-Streifen, Israel, Libyen und den Sudan. Die Landfläche Ägyptens besteht im wesentlichen aus der Stromoase des Nils sowie der Libyschen Wüste im Westen und Süden und der östlichen arabischen Wüste.
Geographie
Der landschaftliche Charakter Ägyptens ist geprägt vom Gegensatz der Wüstengebiete und dem dicht besiedelten, bewässerten Kulturland entlang des Nils. Diese Landfläche macht etwa 5% des Territoriums aus.
Im Westen Ägyptens liegt die Libysche Wüste, die rund zwei Drittel der Staatsfläche einnimmt. Im Norden dieser Wüste befindet sich das nur recht niedrig gegliederte Libysche Plateau, das in Ägypten bis 241 m Höhe erreicht. Südöstlich dieses Gebiets senkt sich das Gelände in der Kattara-Senke auf knapp 134 m unter den Meeresspiegel ab, im Südwesten steigt es bis 1.098 m Höhe an. Im Osten Ägyptens, wo sich die Arabische Wüste befindet, erheben sich die Berge bis auf 2.184 m. Die höchste Erhebung des Landes ist mit 2.637 m Höhe der Gabal Katrîna (Katharinenberg) im Gebirge Gabal at- auf der Sinai-Halbinsel, die sich im Nordosten des Landes befindet und durch den Sueskanal vom afrikanischen Festland getrennt ist. Der Mittelteil des Landes erhebt sich bis durchschnittlich 500 m Höhe.
Zwischen den beiden zuvor genannten Wüsten durchfließt der Nil, dessen Quellfluss der Kagera im Gebirgsland von Burundi ist, auf etwa 1.550 km Länge in Ägypten von Süden nach Norden, bevor er nach Durchfließen des 24.000 km² großen Nildeltas in das Mittelmeer mündet. Durchschnittlich 100 km südwestlich von Kairo befindet sich das 1.827 km³ große Fayyum-Becken, eine beckenartige Oasenlandschaft, in deren Nordteil sich der 230 km² große Qarun-See befindet.
Die Küsten liegen im Norden zum Mittelmeer, im Osten zum Roten Meer, beide sind durch den Sueskanal miteinander verbunden.
Klima
Am Nildelta und an der Mittelmeerküste herrscht mediterranes Klima, dort gehen im Winter die Temperaturen herunter und es kommt zu Regenfällen. Der Rest des Landes unterliegt dem Wüstenklima: Heiß und trocken im Sommer, mild im Winter, kaum Regen.
Bevölkerung
Die Bevölkerung Ägyptens siedelt primär im Niltal, im Nildelta, am Sueskanal und am touristisch bedeutsamen Roten Meer. In den westlichen Oasen Fajum, Dachla, Farafra, Siwa und Charga leben nur wenige Menschen.
Die größten Städte sind (Mio. Einwohner, Stand 1. Januar 2005): Kairo (7,7), Alexandria (3,8) und Gizeh (2,4), Assuan und Sues.
Siehe auch: Liste der Städte in Ägypten
Ethnien
Die Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung sind Araber. Darüber hinaus sind im Süden Ägyptens Nubier ansässig. In der libyschen Wüste lebten einst Berberstämme, von denen heute jedoch nur noch wenige in der Oase Siwa eine Berbersprache sprechen, in den Wüsten östlich des Nils leben arabisch- und Bedscha-sprachige Nomaden.
Religionen
Ägypten ist der Verfassung nach ein islamischer Staat und der Islam ist Staatsreligion, die Scharia ist die Hauptquelle der Gesetzgebung.
Neben der sunnitischen Mehrheit findet man jedoch in Kairo und Alexandria, aber auch auch in Mittel- und Oberägypten, christliche, vor allem Kopten, die nicht selten in überwiegend christlichen Dörfern leben. Eine amtliche Zählung der Christen wird bewusst nicht durchgeführt, obwohl die Religion im Pass eingetragen sein muss.
90,7 % der Ägypter sind Muslime (meist Sunniten) , 8,5 % sind Christen (meis Kopten)
und 0,8 andere.
Besonders in Oberägypten sind die Kopten Ziel des Terrors radikaler Muslime geworden, häufig mit Wissen und Billigung der lokalen Behörden. Muslime die zum Christentum übertreten, müssen mit staatlichen Zwangsmaßnahmen rechnen. Neue Kirchen dürfen nicht gebaut werden, auch kleinere Reparaturen bedürfen eines Präsidialerlasses.
Ägypten ist seit Jahrzehnten, neben Saudi-Arabien, Zentrum des islamischen Fundamentalismus.
Sprachen
Die Sprache des alten Ägyptens, die sich im Koptischen fortsetzt, wird heute nur noch als Sakralsprache gesprochen.
Heute spricht man Ägyptisch-Arabisch, einen neuarabischen Dialekt. Schriftsprache ist seit der arabischen Eroberung im 7. Jh. das Hocharabische, nur in der koptischen Kirche wird als Liturgiesprache noch das Koptische verwendet, das in eigener Schrift, die von der griechischen abgeleitet ist, geschrieben wird.
In der Oase Siwa (auch Siwah) spricht man noch eine Berbersprache, das so genannte Siwi.
Im Süden und in der Oase Charga sprechen viele Menschen Nubisch. Im Südosten gibt es auch Bedscha-Sprecher.
Als Fremdsprache ist Englisch und in der Oberschicht auch noch Französisch verbreitet.
In Ägypten gibt es auch orthodoxe religion.
Bevölkerungsentwicklung
Französisch
Die Bevölkerung Ägyptens wächst sehr schnell und stellt das ohnehin schon in seinen fruchtbaren Teilen sehr dicht besiedelte Land vor große Probleme. Um 1800 hatte das Land nur etwa 2,5 Millionen Einwohner. Im Jahre 1900 erreichte die Bevölkerung etwa 12 Millionen Einwohner, 2000 schon fast 68 Millionen. In der Vergangenheit, etwa in sicheren Zeiten unter den Pharaonen hatte das Land zwischen 4 bis maximal 12 Millionen Einwohner, eine Bevölkerungszahl, die wohl auch in der Spätantike erreicht wurde.
Geschichte
Die Anfänge der ägyptischen Zivilisation liegen ca. 7.000 Jahre in der Vergangenheit. Die ägyptische Geschichte wird in viele Epochen gegliedert:
Epochen]
- Vordynastische Zeit bis 3150 v. Chr.
- Pharaonenzeit
- Frühdynastische Zeit 3032 - 2707 v. Chr.
- Altes Reich 2707 - 2216 v. Chr.
- Erste Zwischenzeit 2216 - 2025 v. Chr.
- Mittleres Reich 2010 - 1793 v. Chr.
- Zweite Zwischenzeit 1648 - 1550 v. Chr.
- Neues Reich 1531 - 1075 v. Chr.
- Dritte Zwischenzeit 1075 - 652 v. Chr.
- Spätzeit 652 - 332 v. Chr.
- Griechisch-Römische Zeit 332 v. Chr. - 395
395]
- Byzantinische Zeit 395 - 638
- Frühislamische Zeit 640 - 968
- Fatimidenzeit 969 - 1171
- Ayyubidenzeit 1171 - 1250
- Mamlukenzeit 1250 - 1517
- Osmanenherrschaft in Ägypten 1517 - 1801
- Ägyptische Expedition 1798 - 1802
- Dynastie des Muhammad Ali 1805 - 1882
- Britische Herrschaft in Ägypten 1892 - 15. März 1922
- Königreich Ägypten 19. April 1922 - Juli 1952
- Republik Ägypten seit Juli 1953
Speziell die Einteilung der geschichtlichen Perioden der vorchristlichen Zeit geht auf Manetho zurück, der die Herrscherlisten des alten Ägyptens bis zum letzten ägyptischen Pharao in 30 Dynastien eingeteilt hat.
Siehe dazu auch den Hauptartikel: Geschichte des Alten Ägypten
Aus der altägyptischen Kultur sind bis heute eine Reihe von Bauwerken erhalten. Die wohl bekanntesten sind die Pyramiden von Gizeh, das einzige noch erhaltene der 7 antiken Weltwunder. Die Zentrum der Wissenschaften, vor allem der jüdischen und christlichen Theologie und Philosophie (siehe auch Alexandrinische Schule).
In späterer Zeit wurden christliche Kirchen und Klöster gebaut. Das bekannteste Kloster ist das auf der Sinai-Halbinsel liegende Katharinenkloster. Die meisten der in islamischer Zeit errichteten Moscheen stehen in Kairo. Deren bedeutendste Moschee ist wohl die zur gleichnamigen Universität gehörige Al-Azhar-Moschee.
Politik
Siehe auch: Politisches System Ägyptens
Ägypten ist seit dem 18. Juni 1953 eine Republik. Das Staatsoberhaupt ist seit 14. Oktober 1981 Muhammad Husni Mubarak, der gleichzeitig Führer der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) ist. Ein Referendum über die Wahl eines vom Parlament vorgeschlagenen Präsidentschaftskandidaten findet alle 6 Jahre statt, nach einer Ankündigung von Mubarak vom 26. Februar 2005 sollen daraus jedoch in Zukunft freie Wahlen mit mehreren zugelassenen Kandidaten werden. Die nächsten Parlamentswahlen (alle 5 Jahre) sollen im Oktober/November 2005 stattfinden. Die letzten Wahlen (2000) zum 454 Sitze umfassenden "Rat des Volkes" (10 Sitze werden vom Präsidenten vergeben) gewann die NDP mit 86%, es folgten die Unabhängigen (darunter die Kandidaten der Muslim-Bruderschaft) mit 8%, die Neue Wafd-Partei (NWP) mit 2%, die Nationalprogressive Gewerkschaftsvereinigung Al-Tagammu‘ (NPUG) mit 1% und die Nasseristische Partei sowie die Liberale Partei mit jeweils weniger als 1%.
Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und hat das Recht, Dekrete zu erlassen. Beratendes Legislativorgan ist die Schura. Hauptquelle der Gesetzgebung ist die Scharia. Ein Verfassungsgericht überwacht die konstitutionelle Ordnung.
Verwaltungsgliederung
Siehe hierzu: Gouvernorate Ägyptens
Wirtschaft
Gouvernorate Ägyptens
Die Wirtschaft Ägyptens wird auch heute noch durch die Landwirtschaft geprägt, die sich hauptsächlich auf die Regionen entlang des Nils, im Nildelta und an einzelnen Oasen befinden. Dabei hat sich der landwirtschaftliche Anbau von einer Subsistenz- zu einer Exportorientierung gewandelt, so dass relativ betrachtet weniger landestypische Nahrungsmittel wie Hirse, Saubohnen und Kohl geerntet werden. Dennoch ist Ägypten nicht fähig, seine stark anwachsenden Bevölkerung zu ernähren, so dass riesige Mengen an Lebensmitteln importiert werden müssen - im Jahr 1980 wurden über 5 Mio. Tonnen Weizen aus dem Ausland eingeführt bzw. dreimal soviel, wie in Ägypten selbst angebaut wurde. Die Lebensmitteleinführung macht etwa einen Viertel der Gesamteinfuhr aus, was etwa 3 Mrd. US-Dollar entspricht. Zudem existiert ein riesiges Missverhältnis zwischen Im- und Export, was zu einer enormen Auslandsverschuldung geführt hat. Dieses Problem wird sich auch nicht so schnell beenden lassen, da Ägypten bis auf die bereits genutzten Flächen für die Landwirtschaft kaum bis gar nicht nutzbar ist, da sie sehr arid sind und kaum Wasserquellen für künstliche Bewässerung vorhanden sind. Ein weiterer negativer Punkt für den Lebensmittelanbau in Ägypten ist die Errichtung des Assuan-Staudamms; er sorgte dafür, dass die Überflutung des Nils fast nicht mehr existiert und somit die Ernten bzw. Ernteflächen kleiner und unfruchtbarer wurden. Zurzeit werden jedoch im Rahmen des Toshka-Projekts Teile der ägyptischen Wüste westlich des Nils für die Landwirtschaft nutzbar gemacht.
Die wichtigsten Exportgüter Ägyptens sind Erdöl, Baumwolle und Aluminium, die wichtigsten Importgüter sind Nahrungsmittel, chemische Produkte, Metalle und Maschinen.
Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus, der nach den Terroranschlägen in Luxor am 17. November 1997 und in den USA am 11. September 2001 jedoch starke Einbrüche verkraften musste.
Tourismus
11. September 2001
Der Tourismus ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Einnahmequellen im Land. Besonders die ägyptischen Altertümer sind ein großer Anziehungsmagnet für ausländische Besucher. Neben Gizeh und Kairo wird auch Luxor gern besucht, von wo aus unter anderem das Tal der Könige erreicht werden kann. Luxor ist auch der Ausgangspunkt für Nilkreuzfahrten bis nach Assuan. Von dort werden Flüge und Bus- Touren nach Abu Simbel angeboten. Die meisten Reiseveranstalter bieten dann einen Inlandsflug nach Kairo und nach diesem Kairo- Aufenthalt einen Badeurlaub in Hurghada an.
Die Touristenhochburg ist unbestreitbar Hurghada am Roten Meer. Der moderne Touristenort Sharm El-Sheikh an der Südspitze der Sinai-Halbinsel ist besonders bei Freunden des Tauchsports sehr beliebt. Allerdings ist der Touristenansturm auf Sharm El-Sheikh und die Sinai-Halbinsel an sich seit den Anschlägen im Oktober 2004 und Juli 2005 stark zurückgegangen. Durch den allgemein weiter steigenden Tauch-Tourismus werden auch Orte im Süden, entlang der westlichen Küste des Roten Meeres, erschlossen. Hierzu zählen El Quesir und Marsa Alam, sowie kurz vor der sudanesischen Grenze Zabargad.
Kultur
Siehe auch: Musik Ägyptens
Das Deutsche Welle-TV strahlt ab dem 28. Februar 2005 täglich drei Stunden arabisches Programm über den ägyptischen Satelliten NileSat in den Nahen Osten aus.
Literatur
- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/1/seite/0209/meyers_b1_s0209.html#%C4gypten Ägypten], Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl., 1888, Band 1, Seite 209 ff.
Zum alten Ägypten siehe:
- Umfangreiche Literaturliste zum Thema
- Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten (Beck Wissen), München 2003 (knappe Einführung mit Literatur).
Weblinks
-
-
- [http://www.sis.gov.eg/ Offizielle Webseite]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=2 Informationsseite des Auswärtigen Amtes (D) über Ägypten]
- [http://www.mein-altaegypten.de/ Das Alte Ägypten] Für Ägypten-Interessierte, die sich für die pharaonische Vergangenheit interessieren.
- [http://www.chufu.de/ Ägypten - Land am Nil] Informationen über das Land und seine Sehenswürdigkeiten. Mit Pharaonenliste, Erläuterungen zu Pyramiden, Städten, Tempeln, Nil und Totenkult, Reiseberichte und Reisetipps.
- [http://www.faszination-aegypten.de Faszination Ägypten]: ein weiteres Portal zum alten Ägypten
- [http://www.evdaniken.com/index-g.htm Ägypten aus mystischer Sicht]: Mysterien im alten Ägypten
- [http://www.antikreisen.de/egypt/ Antikes Ägypten] Geschichte, Geographie, Religion, Schrift, Fotos und Rezepte
- [http://anaconda-forum.de/wew00.html Bildergalerie Wüste]
Agypten
Agypten
Kategorie:Mittelmeer
als:Ägypten
ja:エジプト
ko:이집트
ms:Mesir
simple:Egypt
th:ประเทศอียิปต์
zh-min-nan:Ai-ki̍p
Syene
Assuan (arabisch أسوان, Aswān, Eswan für das Tor; das antike Syene) ist eine Stadt am rechten Nilufer unterhalb des ersten Kataraktes in Ägypten, 106 m ü. NN., mit etwa 220.000 Einwohnern (2002) die südlichste Stadt des eigentlichen Ägypten.
Da man im Altertum bemerkte, dass die Sonne am längsten Tag in Syene keinen Schatten warf, zog man hier den Wendekreis des Krebses, der aber in Wirklichkeit etwas weiter südlich liegt.
Sehenswürdigkeit
Nicht nur touristische Bedeutung hat der Assuan-Staudamm (2 km lang, seit 1902 in Betrieb) sowie der neue Assuanhochdamm (3,6 km lang, 111 m hoch, am 15. Januar 1971 eingeweiht, staut den 400 km langen Nasser-See).
Im Jahre 1964 startete die UNESCO die größte Rettungskampagne in der Geschichte der Archäologie. Nicht nur Tempel wie Abu Simbel sondern auch rund 35 Dörfer wurden versetzt. Fast 150.000 Menschen wurden zwangsumgesiedelt, die meisten nach Kom Ombo, etwa 60 Kilometer nördlich von Assuan.
Altertümer umgeben ringsum die Stadt: hier von den Pharaonen und Ptolemäern erbaute, jetzt
halb unter Flugsand begrabene Tempel und Paläste, dort von den Römern und Arabern aufgeführte Festungswerke und Gemäuer.
Festung und der Nil]]
Bemerkenswert sind auch die über 6 km langen Steinbrüche roten Granits (hier als Syenit bezeichnet, doch von dem in Europa so genannten Gestein verschieden), aus welchem die Obelisken und kolossalen Statuen der ägyptischen und äthiopischen Tempel gebildet wurden.
Auf der linken Seite des Stroms auf dem Qubbet el-Hawa liegen die antiken Gräber von Syene, gegenüber nach Süden hin eine Menge reizender und fruchtbarer Inseln, darunter das Elephantine der Alten und Philae mit berühmten Tempelruinen.
Das im Jahre 1998 eröffnete Nubische Museum enthält neben der Statue des ägyptischen Pharaos Ramses III. 1200 Exponate aus den verschiedenen Etappen der nubischen Geschichte, ein Dokumentationszentrum für nubische Kultur und ein kleines Modelldorf in der ethnografischen Abteilung.
Kategorie:Ort in Ägypten
Kategorie:Ägyptologie
ja:アスワン
Nördlicher Wendekreis
Der Nördliche Wendekreis oder Wendekreis des Krebses ist der nördlichste Breitenkreis, an dem die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht, nämlich am 21. Juni, dem Tag der Sommer-Sonnenwende der Nordhalbkugel. (Wenn die Sonne im Zenit, also senkrecht über dem Boden steht, würde ein senkrecht auf dem Boden stehender Stab keinen Schatten werfen). Er ist der Breitenkreis bei 23°27' Nord und verläuft ungefähr durch die Südspitze Niederkaliforniens bei La Paz (Mexiko), über Havanna (Kuba) und den Atlantik zur mittleren Sahara (von Cisneros bis Assuan). (Nördlich dieses Wendekreises steht die Sonne also an keinem Tag des Jahres im Zenit, am Wendekreis bei Sommerbeginn, südlich jeweils einmal im Frühling und einmal im Sommer, am Äquator jeweils zu Frühlings- und Herbstbeginn zur Mittagszeit.)
Weiter verläuft der Wendekreis über die Arabische Halbinsel bei Medina über Oman nach Indien (Karatschi, Gondwana, Kalkutta), durch Bangladesch, Birma, Südchina (Kanton, Taiwan) und nördlich der Pazifik-Inseln in Richtung Hawaii.
Er wird auch Wendekreis des Krebses genannt - nach jenem Ekliptik-Sternbild, das die Sonne zur Sonnenwende in der Antike durchquerte, als unsere Sternbilder definiert wurden. Ab 20 v.Chr fanden dann die Sonnenwenden im Sternbild Zwillinge statt, und seit 1990 finden sie im Sternbild Stier statt, weil sich der Frühlingspunkt und der Herbstpunkt durch die Präzession langsam verschieben. Im englischen Sprachraum spricht man vom Tropic of Cancer in Abgrenzung zum Tropic of Capricorn (Südlicher Wendekreis).
Der Wendekreis verläuft 2606 km nördlich des Äquators. Auf der Südhalbkugel, in gleicher Entfernung vom Äquator, verläuft der südliche Wendekreis.
- Wendekreis des Krebses ist auch der Titel eines Romans von Henry Miller.
Früher war hier angeführt, dass der Wendekreis auch Marcus-Necker-Rücken genannt werde. Dieser Name konnte nicht verifiziert werden. Allerdings gibt es ein Necker Island in der Karibik (Britische Jungferninseln).
Kategorie:Astronomisches Koordinatensystem
1902
Politik und Wirtschaft
- 1. Januar: Joseph Zemp wird neuer Schweizer Bundespräsident
- 7. Januar: Kaiserinwitwe Cixi kehrt nach ihrer Flucht in die Verbotene Stadt von Peking zurück und übernimmt wieder die Regierungsgewalt über China
- 9. Januar: Sturz des Präsidenten von Paraguay, Emilio Aceval; Nachfolger wird Hector Carvallo
- 14. Januar: General Tung Fuhsian, einer der Führer des Boxeraufstandes wird hingerichtet. Die Ermordung ist eines der Zugeständnisse der Kaiserinwitwe Cixi an die ausländischen Mächte, die ihr die Regierungsgewalt zurückgaben
- 16. Januar: Deutschland erhält von der Türkei die Konzession für den Bau der Bagdadbahn von Konya nach Bagdad
- 24. Januar: In Frankreich werden die Eisenbahnen verstaatlicht
- 29. Januar: Die sozialdemokratische Tageszeitung Vorwärts veröffentlicht ein Geheimpapier der Kaiserlichen Marine, in dem der damalige Vizeadmiral Alfred von Tirpitz detaillierte Rüstungspläne über eine Flottenerweiterung aufführt. Die Veröffentlichung weitet sich zu einem Skandal aus, da sich selbst die regierungstreuen Zentrumsorgane von Tirpitz hintergangen fühlen
- 7. Februar: Tirpitz bestätigt die Authentizität des veröffentlichten Geheimpapiers, sieht darin aber keine verfänglichen Äußerungen, da er schon 1900 offen über diese Pläne gesprochen habe
- 7. März: Die türkische Regierung verbietet an armenischen Schulen den muttersprachlichen Untericht
- 16. März: Kuba wird unabhängig
- 18. April: Der 22-jährige russische Revolutionär Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, der sich später Stalin nennt, wird verhaftet. Er soll Arbeiterunruhen in Batum mit angeführt haben
- 23. April: In Washington, D.C. unterzeichnen US-Außenminister John Milton Hay und der kolumbianische Botschafter Thomas Herran einen Vertrag, der die Rechte zum Weiterbau des Panama-Kanals den USA überträgt. Der Bau wurde 1881 von Frankreich begonnen. Nachdem Tausende von Arbeitern an Malaria und Gelbfieber starben, boten sie den Verkauf der Baurechte in Höhe von 40 Mio. US-Dollar an
- 17. Mai: Der 16-jährige Alfons XIII. besteigt an seinem Geburtstag den spanischen Thron
- 20. Mai: Kuba erlangt die Unabhängigkeit von Spanien. Erster Präsident wird Tomás Estrada Palma
- 31. Mai: Mit dem Friedensvertrag von Vereeniging endet der Burenkrieg in Südafrika
- 12. Juli: Der britische Premierminister Salisbury tritt aus Altersgründen mit 72 Jahren zurück, sein Nacholger wird Arthur James Balfour
- 17. Juli: Ein panarmenischer Kongeß in Brüssel ruft die europäischen Mächte zum Schutz der armenischen Christen vor den türkischen Muslimen auf
- 9. August: In London wird König Eduard VII. feierlich gekrönt
- 1. November: Italien und Frankreich einigen sich in einem Geheimvertrag über die Abgrenzung ihrer Interessenssphären in Nordafrika (Libyen, Tunesien)
- 22. November: Rüstungsmagnat Friedrich Alfred Krupp stirbt sieben Tage nachdem er öffentlich im Vorwärts als homosexuell geoutet wurde
- 29. November: das Haager Schiedsgericht entscheidet im Streitfall um Ansprüche auf das Beringmeer zugunsten der USA und gegen Großbritannien
- 14. Dezember: Der Deutsche Reichstag verabschiedet die Kompromißfassung eines neuen Zolltarifgesetzes. Die Diskussionen über das Gesetz dauerten über ein Jahr
- Die AV Cheruskia, eine katholische Studentenverbindung, wird in Tübingen gegründet
Wissenschaft und Technik
- 1. Januar: Die Schweizerische Bundesbahnen AG nimmt ihren Betrieb auf
- 18. Februar In Berlin fährt die erste U-Bahn, und zwar vom Stralauer Tor zum Potsdamer Platz: Anbruch einer neue Ära des Personennahverkehrs
- 16. Juni: Albert Einstein erhält eine Anstellung als Experte III. Klasse am Patentamt in Bern
- ca. 25. August: Die ersten Fahrten der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok finden statt
- 10. Dezember: Der Assuan-Staudamm wird offiziell eingeweiht
- ohne Datum: Patentierung des Tachometers durch Otto Schulze beim Deutschen Patentamt
- ohne Datum: Ernest Rutherford und Frederick Soddy entwickeln die Theorie vom Atomzerfall unter Aussendung von Alpha- und Betastrahlen
- ohne Datum: Léon-Philippe Teisserenc de Bort entdeckt die Stratosphäre und die Tropopause
- entdeckung der Boyschen Fläche
Kultur
- 1. Januar: Eröffnung einer Sonderausstellung mit Werken des griechisch-spanischen Malers El Greco im Prado von Madrid. Die Gemälde waren in Vergessenheit geraten und erregten erhebliches Aufsehen
- 17. Januar: Uraufführung der Oper Les Guelfes von Benjamin Godard am Théâtre des Arts in Rouen
- 30. April: Uraufführung des lyrischen Dramas Pelléas et Mélisande von Claude Debussy an der Opéra-Comique in Paris
- 6. Oktober: Uraufführung der Oper Das war ich! von Leo Blech an der Dresdner Hofoper
- 18. Oktober: Hugo von Hofmannsthals Brief des Lord Chandos erscheint
- 19. Oktober: Uraufführung der Komödie Die Lokalbahn von Ludwig Thoma
- 6. November: Uraufführung des Dramas Adriana Lecouvreur von Francesco Cilea am Teatro Lirico in Mailand
- 21. November: Uraufführung der Operette Wiener Frauen von Franz Lehár am Theater an der Wien in Wien
- 28. November: Uraufführung der Oper Saul und David vonCarl August Nielsen in Kopenhagen
- 29. November: Uraufführung der Sage Der arme Heinrich von Gerhard Hauptmann im Wiener Burgtheater
- 16. Dezember: Uraufführung der Oper Götz von Berlichingen von Karl Goldmark an der Nationaloper in Budapest
- 20. Dezember: Uraufführung der Operette Der Rastelbinder von Franz Lehár am Carl-Theater in Wien
- 25. Dezember: Uraufführung der Oper Der unsterbliche Kaschtschej (Orig.: Kaschtschej Bessmertny) von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow an der Solodownikow-Privatoper in Moskau
Katastrophen
- 19. April: Bei einem Erdbeben der Stärke 7,5 in Guatemala, Mittelamerika sterben ca. 2.000 Menschen
- 8. Mai: Ein Vulkanausbruch des Mont Pelée auf der Antilleninsel Martinique fordert etwa 30.000 Tote
- 24. Juni: Das deutsche Torpedoboot S 42 sinkt in der Elbemündung nach der Kollision mit dem britischen Dampfer Firsby. Von den 16 Mann Besatzung des Torpedobootes kommen 5 Mann ums Leben
- 21. Juli: Untergang des Vergnügungsdampfers „Primus“ nach Kollision mit einem Schlepper auf der Elbe bei Hamburg. 101 von 206 Passagieren kommen ums Leben
- 16. Dezember: Einem Erdbeben der Stärke 6,4 in Turkestan (Landschaft) fallen ca. 4.500 Menschen zum Opfer
Sport
- Im (Autorennsport) Italiencup (Florenz, Italien) gewinnt Guido Adami
- 1. Januar: Georg Hackenschmidt gelingt in Paris die Weltmeister-Revanche gegen Constant le Boucher im Ringen
- 16. Februar: Das erste Skirennen in der Schweiz findet in der Nähe von Bern statt. Der Deutsche Heinrich von Dieskau gewinnt
- 18. März: Gründung des Fußballvereins Real Madrid
- 10. August: Beim Internationalen | | |