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Assyrien

Assyrien

Das assyrische Reich existierte ca. 1000 Jahre, vom 17. Jahrhundert vor Christus bis zu seiner Vernichtung im siebten Jahrhundert - es ist von der Forschung in drei Perioden eingeteilt worden, namentlich das alt-, mittel- und neuassyrische Reich. Es wurde ca. 608 v. Chr. vollständig zerstört. Das Neuassyrische Reich -ca. 750 - 620 v. Chr. gilt als das erste Großreich der Weltgeschichte. Die Assyrer waren semitische Einwanderer, die sich ca. seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. am mittleren Tigris niedergelassen haben und dort ein Reich errichteten, das im 8. Jahrhundert v. Chr. zum Großreich aufstieg. Die Kultur Assyriens war wie die der Akkader sumerisch beeinflusst. Andererseits lassen sich auch Einflüsse der Hurriter sowie der Iranier feststellen. Insofern stand der Volkstypus den Babyloniern eher nah. Die Sprache der Assyrer ist Assyrisch, ein Akkadischer Dialekt. Die Assyrer zeichneten sich einerseits durch kriegerische Aktivität aus, vollbrachten aber auch hohe kulturelle Leistungen. Ihr Hauptgott war Assur, der auch Schutzgottheit der alten gleichnamigen Hauptstadt war.

Aufstieg zur Regionalmacht - das altassyrische Reich

Assur In der Nachfolge der sumerischen Reiche gewann Assur an Bedeutung, als es die nördlichen Gebiete von Babylon eroberte, und wurde unter Schamschi-Adad I. (König der Gesamtheit, 1745 v. Chr. - 1712 v. Chr) zu einer Regionalmacht in Mesopotamien; jedoch wurde das 2-Strömeland zu großen Teilen weiterhin von Babylon dominiert. Es folgte eine Zeit unter den Hurritern, bis sie von Salmanassar I. besiegt wurden. Nach einem Hethitereinfall wurde Assyrien geschwächt. In der Endphase des altassyrischen Reiches, das von 1800 v. Chr. bis 1375 v. Chr. dauerte, wurde Assyrien ein Vasallenstaat der Mitannis (ab 1450 v. Chr.). Die Levante war unter Hethitern, Mitanni und Assyrien umkämpft. Die durch das aufstrebende Ägypten im Süden und Hethiter im Norden geschwächten Mitanner unterlagen Assyrien unter Schalmaneser (etwa 1400 v. Chr.).

Übernahme der Vormachtstellung in Mesopotamien - das mittelassyrische Reich

Assur-uballit I.- der Wegbereiter

Assyrien übernahm die Vormachtstellung in Mesopotamien unter König Assur-uballit I. (1363 v. Chr. - 1328 v. Chr.). Sein Vater Eriba-adad (1392 v. Chr. - 1366 v. Chr.) konnte Assyrien von der Vasallenschaft Mitannis befreien, gegen den von den Hethitern eingerichteten Nachfolgestaat Hanigalbat musste man aber auch weiterhin schwere Kämpfe austragen, um sich in Obermesopotamien als Macht etablieren zu können. Um seine Position auch im südlichen Mesopotamien zu festigen, hatte Assur-uballit seine Tochter mit dem babylonischen König verheiratet; als deren Sohn bei einem Aufstand in Babylon getötet wurde, schritt der assyrische König ein und installierte einen neuen Herrscher in Babylon, was Assyrien die kurzzeitige Kontrollen über die Stadt brachte.

Tukulti-ninurta - erster Höhepunkt der Macht

Tukulti-ninurta (1243-1207) legte sich nach Siegen über die Hethiter und die Babylonier stolz den Titel "König der Gesamtheit" zu. Unter ihm werden ausserdem erstmals Deportationen der Bevölkerung aus den unterworfenen Gebieten erwähnt - eine Praxis, die im späteren Neuassyrischen Großreich zum probaten Mittel werden sollte. Etwa 3 km nördlich von Assur ließ sich der König eine neue Residenz errichten; dieser wurde aber bereits kurze Zeit später wieder aufgegeben, nachdem Tukulti-ninurta von seinen eigenen Söhnen bei einer Palastrevolution getötet wurde. Durch diese inneren Unruhen geschwächt, musste das mittelassyrische Reich Babylon an den Herrscher des westiranischen Reiches Elam abgeben. Erst unter König Assur-rescha-ischi I. (1132-1115) begann Assyrien erneut, Expansionspolitik zu betreiben; damit ebnete er seinem Nachfolger Tiglatpileser I. den Weg.

Tiglatpileser I. - Ausdehnung bis zum Mittelmeer und erster Niedergang

Tiglatpileser I. (1114 - 1076) konnte auf neue Waffen mit enormer Durchsetzungskraft zurückgreifen, denn sie waren erstmals aus Eisen gefertigt. Der neue König konnte den assyrischen Machtbereich enorm erweitern. Im Süden waren die in Babylon ansässigen Kassiter bereits sehr schwach, so dass die erneute Einnahme der altehrwürdigen Stadt wohl nicht sehr schwer fiel. Im Norden war das seit Jahrhunderten bestehende Reich der Hethiter zu Grunde gegangen; dadurch konnte Tiglatpileser in seinen Feldzügen in ganz neue Gebiete vordringen und das assyrische Reich bis zum Taurus und der Küste des Mittelmeeres erweitern. In seinen Inschriften stellt der König die Fahrt mit einem Boot, auf dem er ein Meerestier (wohl einen Delphin) erlegte, als großen Höhepunkt seiner Herrschaft dar. In der Folgezeit konnten die Nachfahren Tiglatpilesers dieses große Reich aber nicht mehr zusammenhalten. Insbesondere gegen die einwandernden Aramäer wurden weite Teile der Territorien wieder verloren. Es sollte lange bis zu einem erneuten Erstarken des assyrischen Reiches dauern, denn in den folgenden Jahren wurde die mittelalterliche Welt durch bis heute nicht ganz geklärte Ereignisse erschüttert. Mehrere Reiche verschwanden vollständig von der Bildfläche und auch die Assyrer wurden auf ihr Kerngebiet im nördlichen Mesopotamien zurückgedrängt.

Das Neuassyrische Großreich

Assurnasirpal II. - ein erster Höhepunkt neuassyrischer Macht

Nachdem die unmittelbaren Vorgänger von Assur-Nasirpal II. (883 - 859 v. Chr.) durch zahlreiche Feldzüge die Vormachtstellung Assyriens im mesopotamischen Tiefland wieder hergestellt hatten, konnte der neue König daran gehen, auf diesen Anfangserfolgen aufzubauen. In mehreren Schlachten konnten die Routen zum Mittelmeer, die bereits unter Tiglatpileser I. kurzfristig kontrolliert worden waren, wieder unter assyrische Macht gebracht werden. Da die assyrische Macht in diesen Gebieten immer präsent sein musste, ließ Assurnasirpal II. Garnisionen in diesen Gebieten einrichten und ging gegen Aufstände mit brutaler Grausamkeit vor. Sein Sohn Salmanassar III. (858 - 824) schob die Grenze des assyrischen Reiches noch weiter Richtung südliches Syrien und Israel vor. Durch die drohende Gefahr schloss sich eine Allianz aus mehreren Fürstentümern zusammen, der unter anderm Israel und der König von Damaskus angehörten. In einer Schlacht konnte diese Koalition aus ansonsten rivalisierenden Herrschern den assyrischen Vormarsch stoppen. Áuch nach Norden leistete ein neues Reich namens Urartu Salmanassar erfolgreich Widerstand und konnte sich zu einem dauerhaftem Gegner der Assyrer etablieren.

Innere Krisen

In den nächsten 80 Jahren konnte das aufgebaute Reich aber erneut nicht gehalten werden; bedingt durch innere Krisen, die bereits zu Lebzeiten des Salmanassar entstanden, mussten sich die folgenden Herrscher wieder mehr auf die Schlichtung innerer Schwierigkeiten konzentrieren und die eroberten Gebiete nicht halten. Vor allem das Königreich Urartu machte den Königen enorm zu schaffen; auf Grund seiner bergigen Landschaft war es kaum zu erobern und stellte gleichzeitig eine enorme Bedrohung für das assyrische Kernreich dar. So war das neuassyrische Reich zum Regierungsantritt Tiglatpilesers III. an einem neuen Tiefpunkt seiner Geschichte angelangt.

Tiglatpileser III. – Begründer des neuassyrischen Großreiches

::„Auf meinem zweiten Feldzuge lenkte ich den Weg nach Ägypten (...) und zog bis nach Theben, der Stadt seiner Stärke. Er sah das Heranrücken meiner gewaltigen Schlacht, verließ Theben und floh (...). Diese Stadt ganz und gar eroberten im Vertrauen auf Asúr und Istar meine Hände. Schwere Beute ohne Zahl erbeutete ich aus Theben. Über Ägypten (...) ließ ich meine Waffen funkeln und (...) kehrte wohlbehalten nach Niniveh, meiner Residenz, zurück.“ So überliefern die Annalen Assurbanipals, des Großkönigs von Assyrien, (667 v. Chr.). Wer war dieser Mann, dessen Imperium sich vom Persischen Golf bis ins ferne Theben erstreckte und der über mehr Untertanen herrschte, als je ein Mann vor ihm? Wie entstand dieses riesige Reich, das nur 60 Jahre später vernichtet werden sollte? Es begann im Jahr 744 v. Chr. mit der assyrische Expansion in Mesopotamien.

Reform der Provinzeinteilung

Als Tiglatpileser III. den Thron bestieg, befand sich das assyrische Reich auf einem Tiefpunkt seiner Geschichte. Das Land war durch Seuchen, innere Unruhen und dem Machtanstieg des im Norden angrenzenden Königreichs Urartu geschwächt. Bis heute ist nicht genau geklärt, wie er an die Macht kam. Da seiner Königskrönung eine Militärrevolte vorausging, ist es wahrscheinlich, dass Tiglatpileser nicht zur bis dahin herrschenden Dynastie gehörte. Emil Forrer vermutet, Tiglatpileser sei Statthalter einer der riesigen Bezirke des assyrischen Reiches gewesen. Diese Verwalter hatten im Lauf der Zeit einen enormen Machtzuwachs erfahren, die bis zur Erblichkeit des jeweiligen Gebietes führte. Für die Tatsache, dass Tiglatpileser Statthalter einer der Bezirke war, würde sprechen, dass er sofort nach seiner Machtübernahme daran ging, diese systematisch zu verkleinern. Aus eigener Erfahrung war ihm bewusst, dass unter den bestehenden Verhältnissen ein Statthalter so viel Macht bekam, dass er die herrschende Dynastie – sprich ihn selbst – leicht vom Thron stoßen konnte. So finden wir dann ab der Zeit Tiglatpilesers das doppelte an eingetragenen Bezirken für das Reich. Diese von seinen Nachfolgern übernommene Regelung stellte die Grundvoraussetzung dar für die Feldzüge, die Tiglatpileser nun zur Vergrößerung des Reiches unternahm.

Auf dem Weg zum Großreich

Stets galt das Hauptinteresse der assyrischen Könige bei ihren Expansionen dem Mittelmeer und damit dem Zugang zum Handel. In mehreren Schlachten gelang es Tiglatpileser, die Fürstentümer des heutigen Syrien und Libanon zu erobern und im Jahr 733 v. Chr. bis Damaskus vorzudringen, das er umschloss und belagerte. Damaskus war noch nie zuvor von einem assyrischen König erobert worden und Tiglatpileser berichtet von seinem größten Erfolg in seinen Annalen: „That (king of Damascus), in order to save his life, fled alone, and entered the gate of his city like a moongoose. (…) For 45 days my camp I set up around his city and I cooped him like a bird in a cage.“ Über den Fall der Stadt wird hier nicht berichtet, die Forschung stimmt darin überein, dass dieser im Jahr darauf erfolgt sein muss. Jedenfalls spielt Damaskus ab dieser Zeit als Gegner Assyriens keine Rolle mehr und Tiglatpileser kann sein Herrschaftsgebiet bis nach Palästina und Gaza an die ägyptische Grenze ausweiten: „Hanno von Gaza (…) floh zum Lande Ägypten. Gaza... eroberte ich.“ Damit erstreckte sich das assyrische Reich bereits vom heutigen Israel bis zum persischen Golf. Nun ging Tiglatpileser daran, dass eroberte Gebiet fester in sein Reich einzubinden.

Deportationen und Grausamkeit

Bereits 100 Jahre zuvor hatten die Könige Assurnasirpal und Salmanassar III. das assyrische Gebiet ähnlich ausgeweitet, jedoch nicht verstanden, dieses längerfristig zu behaupten. Dies wollte Tiglatpileser nicht wiederholen und begann, die eroberten Gebiete ebenso wie das Kernland in kleinere Distrikte aufzuteilen, die er genehmen Statthaltern übertrug. Außerdem griff Tiglatpileser rigoros zum Mittel der Massendeportation. Während tausende von treuen Landsleuten in den Grenzgebieten angesiedelt wurden, mussten die meisten der dort lebenden Stämme den weiten Weg ins assyrische Kernland antreten: „thousands to the province of the turtanu, 10000 to the province of the Palace-Herald,…thousand to the the province of the Chief Cupbearer, thousands to the province of Barhalzi, 5000 to the province of Mazamua I divided and settled therein. I united them; I considered them as inhabitants of Assyria.“ Alleine für die Regierungszeit Tiglatpilesers wird mit einer Deportation von mehreren 100000 Personen gerechnet. Ziel dieser Politik war einerseits die stärkere Vermischung der Bevölkerung um die Gefahr eines nationalen Aufstandes zu verhindern; zum anderen wurde damit aber auch eine sprachliche Vereinheitlichung der verschiedenen Volksgruppen gefördert. Die trotz dieser Mischungen immer wieder auftretenden Aufstände schlug Tiglatpileser mit brutaler Gewalt grausam nieder. Nachdem Tiglatpileser nun den ganzen vorderen Orient kontrollierte, ergab sich in den letzten Jahren seiner Regierung noch einmal ein Problem, das zum einem Novum in der weit zurückreichenden Geschichte Mesopotamiens führen sollte.

Pulu, König von Babylon

In der altehrwürdigen Stadt Babylon regierte seit 747 v. Chr. König Nabunasir auf Gnaden Tiglatpilesers. Da er eine starke Herrschaft ausübte und die assyrischen Besitztümer nördlich des persischen Golfes unter Kontrolle hatte, gab es für Tiglatpileser keinen Grund einzugreifen. Dies änderte sich, als nach dem Tod Nabunasirs in Babylon Thronwirren ausbrachen, die die Südgrenze Assyriens gefährdeten. Die Forschung ist sich über die nun folgende Machtübernahme Tiglatpilesers nicht einig, doch liefert uns hier die babylonische Chronik einen relativ detaillierten Bericht:„Nadinu (…) setzte sich in Babylon auf den Thron. Im Jahre 2 wurde Nadinu in einem Aufstand getötet.(…)Sumu-ukin, (…) am Aufstand beteiligt, setzte sich auf den Thron. Ukin-zir…bemächtigte sich des Thrones. Im dritten Jahre Ukin-zir´s zog Tiglatpileser nach Akkad (…) und nahm Ukin-Zir gefangen. Tiglatpileser bestieg in Babylon den Thron.“ Damit kam es unter Tiglatpileser, der sich als babylonischer König unter dem Namen Pulu krönen ließ, erstmals zu einer Personalunion der Throne Assyriens und Babyloniens. Als Tiglatpileser 727 v. Chr. starb, hinterließ er seinem Sohn Salmanassar V. ein Reich ungeheuren Ausmaßes, das sich sowohl im Inneren als auch nach Außen hin relativ stabil und gefestigt präsentierte. Es gab jedoch ein Reich, das Tiglatpileser Zeit seiner Regierung nicht erobern konnte, das im Gegenteil immer wieder an die Grenzen Assyriens stieß und sich anschickte, zu einem adäquaten Gegner der mesopotamischen Zentralmacht aufzusteigen.

Urartu - Gefahr aus dem Norden

Im transkaukasischen Hochland nördlich der Poebene hatte sich bereits unter den Vorgängern Tiglatpilesers –wahrscheinlich ironischerweise durch die Bedrohung Assyriens – aus mehreren Kleinfürstentümern das Königreich Urartu entwickelt, dass dem aufstrebenden neuassyrischen Reich zunehmend Widerstand leisten sollte. So war Tiglatpileser auf seinem Weg zum Mittelmeer bereits auf eine urartäische Armee getroffen, die er nach heftigem Kampf aber nach Norden zurückschlagen konnte: „Sardauri vom Lande Urartu fiel von mir ab und (…) im Lande Kista und dem Lande Halpi schlug ich ihn bis zur Vernichtung.“ Auf Dauer konnte das den urartäischen Widerstand aber nicht brechen und zwei Jahrzehnte später sollte es erneut zu einer – diesmal entscheidenden Schlacht kommen.

Sargon II. – Das Reich im Zenit seiner Macht

Armee Armee Salmanassar V., der Sohn Tiglatpilesers, sollte sich nicht lange am Königsthron halten. Wie wir aus den Quellen seines Nachfolgers erschließen können, hatte er es gewagt, die Sonderstellung der heiligen Stadt Assur abzuschaffen. In der darauf folgenden Revolte 722 v. Chr. fiel Salmanassar einem Mordanschlag zum Opfer; es heißt, der Gott Assur habe ihn für seinen Frevel gestürzt. Über die Herkunft seines Nachfolgers Sargon II. ist so gut wie nichts bekannt. Allein die Tatsache seines Namens, der übersetzt „rechter Herrscher“ bedeutet und somit eine Überbetonung der Legitimität darstellt, lässt die Forschung darauf schließen, dass er wohl nicht der bis dahin herrschenden Dynastie angehörte. Ein weiteres Indiz dafür könnte auch die Tatsache sein, dass sich Sargon immer als von Gott eingesetzt betrachtet, aber nie seine Vorgänger nennt: „Sargon, (…) der Günstling der großen Götter, (…) welchem Assur und Merodach ein Königthum ohne gleichen verliehen und dessen Namens Ruf sie an die Spitze berufen haben.“ Nachdem Sargon die Ruhe im Reich wieder hergestellt hatte, wandte er sich zuerst gegen Babylon, wo ein Fürst namens Marduk-apla-iddina (biblisch: Merodochbaladan) die Wirrungen genutzt hatte, um sich auf den Thron zu setzen. Sargon berichtet in seiner großen Prunkinschrift von einem Sieg gegen die Allianz aus Babyloniern und dem König von Elam: „(…) brachte ich Humbanigas von Elam in der Vorstadt von Duril eine Niederlage bei.“ Einen gänzlich anderen Bericht zu dieser Schlacht liefert uns aber die babylonische Chronik: „Im zweiten Jahre Merodoch-Baladan`s lieferte Umbanigas, König von Elam, in dem Bezirke Dur-ilu Sargon, dem König von Assyrien, eine Schlacht. Er überzog Assyrien mit Verwüstung und erschlug ihrer viel. Merodach-Baladan und seine Leute, welche zur Hilfe des Königs von Elam gekommen waren, kam nicht mehr zur rechten Zeit zur Schlacht und zog hinterher.“ Sargon hat hier also in Wahrheit eine Niederlage bezogen, die er aber durch ein geschicktes Stillhalteabkommen mit Marduk-apla-iddina auf einen minimalen Schaden reduzieren konnte.

Entscheidungsschlacht gegen Urartu

Nach der Niederlage im Süden wandte sich Sargon II. wieder dem Mittelmeer zu. Es gelang ihm, sein Reich bis nach Zypern und Kleinasien auszuweiten und dann mit den dort ansässigen Phrygern einen Waffenstillstand zu schließen. Unausweichlich jedoch war die Tatsache, dass es früher oder später zur entscheidenden Schlacht gegen Urartu kommen würde. Wie gespannt das Verhältnis zum Königreich im Norden war, zeigt der unentwegte Briefwechsel Sargons mit seinen Statthaltern im Norden; so sind die Assyrer über ein ganzes Heer an Spionen genauestens über die Truppenbewegungen informiert, bis im Jahr 714 v. Chr. Sanherib, Kronprinz und Chef des Geheimdienstes, seinem Vater die entscheidende Information sandte: „To the king(…). The Ukkaen has sent me (ths message): The troops of the Urartian king have been utterly defeated on his expedition against the Cimmerians.“ Nun sah Sargon II. seine Chance zum entscheidenden Schlag gekommen und er wusste sie zu nutzen: „Ursa von Urartu schlug ich auf dem unzugänglichen Berge Uaus und 250 seiner königlichen Sippe nahm ich gefangen. 55 starke mit Mauern versehene Städte seiner acht Gebiete nebst elf seiner Burgen eroberte und verbrannte ich.(…) Musasir, das auf Ursa von Urartu sich verlassen (…) hatte (…) bedecke ich mit Truppenmassen heuschreckengleich. (…) Ursa (…) hörte, dass Musasir zerstört, sein Gott fortgeschleppt sei, und nahm sich (…) mit dem eisernen Dolche seines Gürtels das Leben.“ Urartu konnte sich auf Grund dieser gewaltigen Niederlage zwar nochmals erholen, stellte aber für Assyrien keinerlei Bedrohung mehr dar.

Babylon kommt erneut unter assyrische Herrschaft

Mit dem Sieg über Urartu 714 v. Chr. hatte Sargon die größte Bedrohung für das mesopotamische Kernland ausgeschaltet. Es galt, die Schmach für die Niederlage gegen Merodochbaladan zu rächen und Babylon zurückzuerobern. 710 v. Chr. zog Sargon gegen Marduk-apla-iddina, der daraufhin nach Süden in die Sümpfe floh. Die ländlichen Gebiete südlich von Babylon verwüstete Sargon, während er die alten Residenzstädte im Norden verschonte. Sargon zog als Sieger in Babylon ein und ließ sich dort zum König krönen. Allerdings führte er diesen Titel in Zukunft - wahrscheinlich wegen der damit verbundenen Verpflichtungen – wohl nicht, wie aus einer seiner Inschriften hervorgeht: „ Palast Sargons, des großen Königs, des mächtigen Königs, des Königs der Gesamtheit, des Königs von Assur, des Machthabers von Babel.“ Gegenteilige Meinungen in der Forschung sind damit wahrscheinlich nicht korrekt.

Bau einer neuen Residenzstadt – Dur-Sarruken entsteht

Eines der größten Anliegen Sargons war Zeit seiner Regierung der Bau einer neuen Residenzstadt beim heutigen Khorsabad, zu der er bereits 717 den Auftrag erteilte. Vor allem in den letzten, ruhigen Jahren seiner Herrschaft forcierte er diesen Plan mit allen Mitteln: „Baute ich (…) oberhalb Ninives eine Stadt und nannte Dur-Sarruken ihren Namen.(…) jene Stadt bewohnt zu machen (…) plante ich bei Tag und bei Nacht.“ Die Anlage, die 706 v. Chr. fertig gestellt wurde, ist jedoch nie zu einer funktionsfähigen Hauptstadt geworden, da Sargon bereits ein Jahr später bei einem Feldzug ums Leben kam und sein Sohn Sanherib den Regierungssitz nach Ninive verlagerte.

Die Sprache

Das in Nordmesopotamien gesprochene Assyrisch bildet gemeinsam mit dem Babylonischen Südmesopotamiens die akkadische Sprache. Akkadisch wurde jedoch schon zur sargonischen und neubabylonischen Zeit vom Aramäisch verdrängt. Aramäer hatten sich in der Region um Mesopotamien herum angesiedelt und ihre Sprache wurde gewollt von den babylonischen und assyrischen Königen überall verbreitet. Assyrisch blieb jedoch die offizielle Sprache, in der auch die amtlichen Schriftstücke abgefasst wurden, deren Zeugnisse in Form gebrannter Tontafeln erhalten geblieben sind. Das in Keilschrift geschriebene Akkadisch nimmt schon unter den Sargoniden die Stellung ein, die Latein im mittelalterlichen Europa hatte.

Assurbanipal – Blütezeit und Niedergang

Innerhalb von 40 Jahren hatten Tiglatpileser und Sargon das Assyrien zum größten Reich ausgebaut, das Vorderasien bis dahin hervorgebracht hatte. Die Nachfolger Sargon's, Sanherib und Assurhaddon konnten ihr Herrschaftsterritorium mit zahlreichen Feldzügen und brutalem Vorgehen gegen Aufstände halten und sogar noch ausbauen. Als Assurhaddon 669 v. Chr. auf einem Feldzug gegen Ägypten starb, übernahm sein Sohn und Kronprinz Assurbanipal die Regierung. Dieser sollte zwei Jahre später mit der Einnahme Thebens, der Hauptstadt Oberägyptens die größte territoriale Ausdehnung des neuassyrischen Reiches erreichen. Unter der 40-jährigen Herrschaft Assurbanipals (668 -627) erlebte das Land noch einmal eine Blütezeit: „ließ Ramman seinen Regen los, öffnete Ea seine Wasserhöhlen, ward das Getreide fünf Ellen hoch in seinen Ähren, ward die Ähre 5/6 Ellen lang, ließen die Baumpflanzungen die Frucht üppig werden, hatte das Vieh beim Werfen gelingen. Während meiner Regierungszeit kam der Überfluss massenhaft herab, während meiner Jahre stürzte reichlich Segen hernieder.“ Doch kam es unter Assurbanipal auch zu blutigen Kämpfen, darunter ein Bruderkrieg mit Schamasch-schum-ukkin, dem König von Babylon, der das Reich nachhaltig schwächen sollte.

Aufstand des Schamasch-sum-ukkin, König von Babylon

Assurhaddon hatte sich bereits während seiner Regierungszeit mit seiner Nachfolgeregelung auseinandergesetzt. Er selbst war als einer der jüngeren Söhne Sanheribs nur dank der Fürsprache seiner energischen Mutter Nakia auf den Thron gelangt. Diese beeinflusste ihn nun auch bei der Festlegung auf seine Thronfolge. So ernannte er den jüngeren Assurbanipal zum zukünftigen König von Assyrien, während sein älterer Bruder Schamasch-sum-ukkin den Thron in Babylon besteigen sollte. Diese Regelung sollte sich jedoch im 652 v. Chr. als verhängnisvoll erweisen. Während das Bruderverhältnis in den ersten Jahren noch loyal gewesen war, verbündete sich Samas-sum-ukkin nun mit dem König von Elam und wandte sich gegen Assurbanipal. Nach 2-jähriger Belagerung Babylons gelang Assurbanipal schließlich die Eroberung der ausgehungerten Stadt, die er mit aller Härte bestrafte: „Zu dieser Zeit geschah es, dass die Leute von Akkadu [= Babylon], welche auf Seiten des Sammuges (=Samas-sum-ukkin] standen und Böses planten, der Hunger erfasste, und sie gegen ihren Hunger das Fleisch ihrer Söhne und Töchter aßen und Asur, Sin (…), die vor mir hergingen und meine Widersacher unterjochten, warfen Sammuges, den feindlichen Bruder (…) in eine brennende Feuerstelle und vernichteten sein Leben.(...) Kein Einziger entrann.(…) Ihr zermetzeltes Fleisch ließ ich Hunde, Schweine und Geier (…) essen.“ Nach der Einnahme Babylons zog Assurbanipal nach Elam weiter, dessen Hauptstadt Susa er eroberte und dem Reich somit ein Ende machte.

Letzte Jahre des Assurbanipal und Niedergang

Über die letzten Jahre des Assurbanipal wird über keine weiteren Feldzüge berichtet, so dass es sich hier wohl noch einmal um eine stabile Phase des Reiches gehandelt hat. Die gut erhaltenen Reliefs Assurbanipals zeigen ihn so auch oft bei der Löwenjagd, die als besondere Leidenschaft des Großkönigs galt. Da Darstellungen zeigen ihn bei übermenschlichen Kämpfen, in denen der König der Tiere durch die Nähe des Großkönigs zum gewöhnlichen Wild degradiert wird. Wann genau Assurbanipal starb, ist auf Grund der zu dieser Zeit katastrophalen Quellenlage nicht bekannt, es wird aber wohl um das Jahr 627 v. Chr. gewesen sein. In den nächsten zehn Jahren, über die nichts bekannt ist, hatten sich die Machtverhältnisse dann anscheinend grundlegend geändert. 616 v. Chr. zieht ein babylonisches Heer unter dem neuen König Nabopolassar nach Assyrien, 614 fällt die ehrwürdige Stadt Assur und 612 nach langem Kampf auch Ninive. Damit ist das assyrische Reich faktisch am Ende. Der letzte Assyrerkönig, der sich in den Restteil Assyriens geflüchtet hatte, findet 608 den Tod. Das Ende Assyriens war gleichzeitig der Aufstieg Babylons zur vorherrschenden Macht in Mesopotamien. Unter Nabopolassar und vor allem seinem Sohn Nebukadnezar II. sollte sich noch einmal für 50 Jahre ein Großreich unter babylonischer Führung etablieren, bis auch diesem dann durch den Perserkönig Kyros II. endgültig ein Ende gesetzt wurde. Um 539 v. Chr. war mit dem Fall Babylons das endgültige Ende der beiden großen mesopotamischen Kulturen gekommen, während eine noch größere Macht erst in die Geschichte eintreten sollte: Das Perserreich.

Gründe für den Niedergang

Um die möglichen Gründe für den plötzlichen Niedergang des Reiches genauer zu beleuchten, kehren wir noch einmal zurück zur Einnahme von Theben im Jahr 667. Vermutlich waren bereits hier, zum Zeitpunkt der größten Ausdehnung, die Vorzeichen gegeben für den späteren Niedergang: Das neuassyrische Reich war nach neuerem Forschungsstand ein System, das einzig und alleine auf Expansion ausgerichtet war. Die eroberten Gebiete wurden durch Deportationen und die verschwendungssüchtigen Könige so lange ausgeblutet, dass, um den Lebensstandard der Führungsschicht zu erhalten, nur eine weitere Expansion in Frage kam. Um die immer weiter entfernten Gebiete unter Kontrolle zu halten, mussten immer mehr Assyrer aus dem Kernland umgesiedelt werden bzw. zu Verwaltungsaufgaben abgezogen werden. Die daraus resultierende Unproduktivität des Kernlandes führte nun wiederum zur erneuten Ausbeutung der eroberten Gebiete und der damit zwingend nötigen weiteren Expansion; dass dieser Teufelskreislauf irgendwann zwangsläufig zur Katastrophe führen würde, ist offensichtlich. So waren wohl bereits bei der Eroberung Thebens die Ressourcen an Verwaltungspersonal ob der riesigen Entfernung komplett überfordert. Dies führt jedoch nicht zu einem sofortigen Zusammenbruch, wie sich an der 40-jährigen Herrschaft Assurbanipals zeigt. Das bereits instabil gewordene Reich konnte sich durch ihren starken König, reiche Ernten und durch relativ wenig Unruhen an den Außengrenzen noch einmal behaupten. Doch schließlich kommt es durch das zufällige Zusammentreffen von mehreren negativen, weitgehend unbekannten Parametern (evtl. schwache Herrscher, Aufstand in Babylon, Erstarken der Meder) zum endgültigen und totalen Kollaps. Die Folge ist dann nicht nur der Einbruch an den Rändern, sondern der komplette Zusammenbruch des ganzen Reiches bis hin zum Kern. Solche und ähnliche Zusammenbrüche expansiver Imperien sollten sich im Lauf der Geschichte auf vielfältigste Weise wiederholen.

Literatur


- Cancik-Kirschbaum, Eva: Die Assyrer. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, C.H. Beck, München 2003 (C.H.Beck Wissen) ISBN 3-406-50828-6
- Forrer, Emil: Die Provinzeineinteilung des assyrischen Reiches, Leipzig 1920
- Klengel, Horst u.a. (Hgg.): Frühe Hochkulturen, Mannheim 2003
- Nissen, Hans-Jürgen: Geschichte Altvorderasiens, Oldenbourg, München 1999 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte)
- Schmöckel, Hartmut: Ur, Assur und Babylon, Stuttgart 1962

Quellen


- Borger, Riekele: Die Inschriften Asarhaddons, König von Assyrien; Osnabrück, 1967
- Lyon, Dr. D.G.: Keilschriftentexte Sargons, König von Assyrien; Leipzig, 1883
- Parpola, Simo: The Correspondence of Sargon II., Part I and II; Helsinki, 1987
- Schramm, Wolfgang: Einleitung in die assyrischen Königsinschriften II, in: Handbuch der Orientalistik, hrsg. v. B. Spuler; Köln, 1973
- Streck, Maximilian: Assurbanipal und die letzten assyrischen Könige bis zum Untergang Ninivehs, II. Teil – Die Inschriften Assurbanipals; Leipzig, 1916
- Tadmor, Hayim: The Inscriptions of Tiglath-Pileser III., King of Assyria; Jerusalem, 1994
- Watanabe, Kazuko: Die adé- Vereidigung anlässlich der Thronfolgeregelung Assarhaddons, in: Baghdader Mitteilungen, hrsg. v. Deutschen Archäologischen Institut; Berlin, 1987

Siehe auch


- Liste der assyrischen Könige

Weblinks


- [http://www.miglus.com/Themen/Assur/assur.html Ausgrabungen in Assur 2000 und 2001]
- [http://assur.de/Themen/themen.html Neue Ausgrabungen in Assur]
- [http://www.beepworld.de/members41/assyrismus/ Assyrismus] Kategorie:Assyrien ja:アッシリア

Semiten

Als Semiten werden Menschen bezeichnet, die eine semitische Sprache sprechen. Oft wird eine gemeinsame Abstammung von der biblischen Gestalt Sem behauptet, was aber eher den Charakter eines Mythos hat. Ob der Begriff über das Sprachliche hinaus relevant ist, wird heute von der Wissenschaft stark bezweifelt. Abraham führte seine Abstammung auf Sem, dem ältesten Sohn Noachs zurück. In Anlehnung daran bezeichnete man in biblischer Zeit alle Völker des Nahen Ostens, die sich als Nachkommen Abrahams betrachteten, als "Söhne des Sem". Der biblische Mythos hat aber nichts mit dem heutigen Begriff "Semiten" zu tun. 1781 prägte der deutsche Historiker Ludwig Schlötzer das erste Mal den Begriff Semiten. Im wissenschaftlichen Sinne gibt es nur semitische Sprachen, aber keine semitische Völker oder Ethnien.

Geschichte

Im Altertum bewohnten Völker, die semitische Sprachen sprachen, die arabische Halbinsel. Völkerwanderungen brachten sie nach Mesopotamien, Syrien und Palästina, Ägypten, Äthiopien und mit der phönizischen Kolonisierung bis an die Küsten des westlichen Mittelmeers. Obwohl dies bisher nicht bewiesen werden konnte, kamen sie wohl ursprünglich aus Nordost-Afrika, wo auch die anderen Zweige der afroasiatischen Sprachfamilie zu finden sind.

Semiten als politischer Begriff

Laut der pseudowissenschaftlichen Rassentheorie nach der Aufklärung wurden die Juden als "Semiten" bezeichnet, um so mit rassistischen Argumenten den zuvor eher christlich motivierten Judenhass (Begründung: "Gottesmord") fortsetzen zu können, indem die "Semiten" zu einer minderwertigen Rasse erklärt wurden. 1944 haben die Nationalsozialisten die Araber ausdrücklich von der "Rasse der Semiten" ausgenommen. Siehe auch: Pansemitismus
- Kategorie:Ethnologie
- Kategorie:Orientalistik

Tigris

Der Tigris (arab. دجلة, Didschla, türkisch Dicle, in alten Inschriften auch Hiddekel) ist ein 1.899 km langer Fluss in Vorderasien. Er entspringt im Osttaurus in der Türkei und verläuft zuerst auf einer kurzen Strecke auf der Grenze zu Syrien. Danach durchfließt der Tigris den Irak und vereinigt sich dort mit dem Euphrat zum Schatt al-Arab, der in den Persischen Golf mündet. Zusammen mit dem Euphrat bildet der Tigris, dessen Einzugsgebiet 375.000 km² umfasst, das Zweistromland, in dem sich einige der ersten Hochkulturen entwickelten. Kategorie:Fluss in Asien Kategorie:Geographie (Irak) Kategorie:Geographie (Syrien) Kategorie:Fluss in der Türkei Kategorie:Ort in der Bibel ja:チグリス川

8. Jahrhundert v. Chr.


Zu diesem Jahrhundert v. Chr. existieren noch keine Wikipedia-Artikel zu den Jahrzehnten.
---- Das 8. Jahrhundert v. Chr. begann am 1. Januar 800 v. Chr. und endete am 31. Dezember 701 v. Chr..

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen


- 776 v. Chr.
  - Die ersten (schriftlich belegten) Olympischen Spiele der Antike finden statt (Die Anfänge der Olympischen Spiele gehen auf das 2. Jahrtausend v. Chr. zurück)
  - Beginn der ältesten griechischen Zeitrechnung, basierend auf den Olympiaden
  - 6. September - Die tagesgenaue Aufzeichnung einer Sonnenfinsternis ermöglicht die Zusammenbindung der damaligen chinesischen Kalender und dem heutigen Kalender bis auf den Tag genau
- 771 v. Chr. - Einfall der Nomaden in China, Ende der Westlichen Zhou-Dynastie
- 770 v. Chr. - Mit der Thronbesteigung des Königs Ping von Zhou beginnt die Östliche Zhou-Dynastie in China.
- 756 v. Chr. - Gründung der Stadt Kyzikos in Kleinasien durch Griechen aus Milet
- 753 v. Chr. - am 21. April sagenhafte Gründung Roms durch Romulus. Beginn der Zeitskala des römischen Kalenders .
- 751 v. Chr. - Ägypten: Beginn der 25. Dynastie
- 747 v. Chr. - älteste überlieferte astronomische Beobachtung
- 735 v. Chr. - (nach Thukydides) Gründung von Náxos als erste griechische Kolonie auf Sizilien. Beginn der "Großen Griechischen Kolonisation"
- 722 v. Chr. - Israel: während der Regentschaft des israelischen Königs Hoschea werden Israel und seine Hauptstadt Samaria durch den assyrischen König Salmanassar (Sargon) erobert; er lässt das Land durch Menschen aus Babel, Kuta, Awa, Hamat und Sefarwajim besiedeln - Ende des nordisraelitischen Reichs.
- 715 v. Chr. - Der medische Staat wird gegründet.
- 707 oder 706 v. Chr. - die neue Residenz und Hauptstadt Assyriens, Dur Scharrukin, wird eingeweiht
- 706 v. Chr. - Gründung von Tarent
- Keltische Stämme wandern nach Britannien ein.
- Einwanderungswellen von Griechenland nach Anatolien: Mehrere Städte entstehen.

Persönlichkeiten


- Jimmu, japanischer Kaiser (
- 1. Januar 711 v. Chr. - † 11. März 585 v. Chr.)
- Wirkungszeit der alttestamentlichen Propheten Amos, Jona, Hosea, Jesaja und Micha
- Homer, griechischer Dichter und Sänger, verfasste Ilias und Odyssee in Schriftform.
- Midas, König des Phrygerreichs seit mindestens 738 v. Chr. † vermutlich 696 v. Chr.

Erfindungen und Entdeckungen

00-08 ja:紀元前8世紀 ko:기원전 8세기

Akkad

Akkad ist eine historisch belegte, von Archäologen allerdings noch nicht genau geortete bzw. entdeckte Stadt (Region) im Norden Mesopotamiens, zwischen Assyrien im Nordwesten und Sumer im Süden. Nach der Hauptstadt Akkad wurde eine Dynastie benannt, die zwischen der 3. Dynastie von Uruk und der 3. Dynastie von Ur regierte. Alternative Schreibweisen sind Akkade und Agade.

Geschichte und Kultur

3. Dynastie von Ur Schriftliche Hinweise auf die Stadt stammen Keilschrifttafeln, die in Mesopotamien gefunden wurden sowie von Rollsiegelen, Siegesstelen, architektonischen Funden in Tell Brak, Assur und Tell Asmar und Kunstwerken, die nach Susa verschleppt wurden. Akkad wurde ca. 2340 v. Chr. von Sargon von Akkad (akkadisch Scharrukin bzw. Sarruken) gegründet. Sargon war nach eigenen Aussagen ein Findelkind, der Sohn einer Tempeldirne. Er war zuerst Statthalter in Kisch und kam unter ungeklärten Umständen an die Macht. Bis er in seine neu errichteten Kapitale Akkad übersiedelte, regierte er von Kisch aus. Sargon eroberte das komplette Zweistromland: im Süden bis zum persischen Golf, den Städten Uruk, Ur, Umma, Lagasch und Eninmar. Im Westen weite Teile Syriens, die Städte Mari, Jarmuti und Ebla, im Südosten Elam und Barachsum und im Osten bis zum Zagrosgebirge. Sargon beanspruchte für seine Kapitale Akkad das Monopol auf den Seehandel am persischen Golf und der Küste des indischen Ozeans. Sargon begründete damit den ersten Territorialstaat im von Stadtstaaten geprägten Mesopotamien. In Akkad und seiner Umgebung wurde während der Anfangszeit noch Sumerisch gesprochen, was dann mit der Zeit vom Akkadischen verdrängt wurde. Die Akkader vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 v. Chr. bis 2191 v. Chr., nach der mittleren Chronologie). Gefördert durch die Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die Gutäer. Die steten Revolten im Akkadischen Reich wurden in der überlieferten Dichtung "Fluch über Akkade" aufgezeichnet. Die bisher wichtigsten Fundorte der Akkad-Zeit sind die Provinzresidenz in Tell Brak, der alte Palast in Assur, eine komplexere Siedlungsstruktur in Tell Asmar, die Städte Susa und Ninive. Die gefundenen Schrifttafeln geben Aufschluss über die Herrscher Akkads und ihre Regierungszeiten. In Ninive wurde die Bronzeplastik des Kopfes eines unbekannten akkadischen Herrschers gefunden, die Aufschluss auf die künstlerischen Fertigkeiten jener Zeit gibt. In Susa wurde unter anderem die Siegesstele des Naram-Sin gefunden, die wie der Bronzekopf und verschiedene Rollsiegel von der Kunstfertigkeit der Akkad-Zeit zeugen. Kunst und Handwerk der Akkad-Zeit unterscheiden sich stark von den vorhergehenden und den nachfolgenden Dynastien. Rollsiegel tragen detailliertere, individuellere und anatomisch korrektere Darstellungen. Das vorher verbreitete Kleidungsstück, der Zottenrock, wurde mehr und mehr zur Bekleidung der Götter, die menschlichen Figuren trugen nun einfache glatte Gewänder. Des Weiteren begründete Naram-Sin die kultisch-religiöse Verehrung der akkadischen Herrscher. Er ließ sich als "Gott von Akkad" bezeichnen, später wurden seine Statuen und die von Sargon angebetet. Ein weiterer Hinweis auf die Vergöttlichung sind Darstellungen der Herrscher mit einer Hörnerkrone, die bis dahin Göttern vorbehalten war. Es gibt so gut wie keine Grabungsfunde aus der Akkad-Zeit, die Aufschlüsse über Architektur, Lebensweise oder Bildwerke geben. Der Großteil der Forschung muss sich daher auf Texte beschränken. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass die meisten bisher entdeckten Fundstücke im 2. Jahrtausend v. Chr. als Beutestücke nach Susa verschleppt wurden und daher nicht mehr in ihrem ursprünglichen Kontext stehen.

Siehe auch


- Liste der Könige von Akkad Kategorie:Akkad Kategorie:Mesopotamische Stadt ja:アッカド

Sumer

Sumer bezeichnet eine der fünf autochthonen Hochkulturen in Mesopotamien. Sumer, Shumer oder Schumer kommt aus dem Akkadischen und bedeutet Kulturland – eine Anspielung auf die Leistung der Sumerer als Kulturbringer. Kulturbringer Die sumerische Sprache ist weder eine semitische noch eine indogermanische Sprache, sie konnte bisher auch keiner anderen Sprachfamilie zugeordnet werden. Man bezeichnet sie deshalb als isolierte Sprache. Am Anfang standen eine Reihe von Stadtstaaten (Adab, Eridu, Isin, Kisch, Kullab, Lagasch, Larsam, Nippur, Ur und Uruk), welche etwa 2800 v. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten. Erster bekannter Herrscher von Sumer ist Etana, der um 2800 v. Chr. lebte und König von Kisch war. Sein Nachfolger Meskiaggascher, König von Uruk (dem biblischen Erech), gründete weit südlich von Kisch eine rivalisierende Dynastie und erlangte die Herrschaft über die ganze Region zwischen dem Mittelmeer und dem Zagros-Gebirge. Er wurde von seinem Sohn Enmerkar (um 2750 v. Chr.) abgelöst. Diesem folgte sein Feldherr Lugalbanda auf den Thron. Am Ende der Regierungszeit von Lugalbanda wurde Enmebaragesi (um 2700 v. Chr.), ein König der Etana-Dynastie in Kisch, zum führenden Herrscher von Sumer. Die Akkader aus dem Norden vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 bis 2191 v. Chr.). Befördert durch Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer, endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die Gutäer. Das Neusumerische Reich (2112 bis 2004 v. Chr.) unter der Herrschaft der 3. Dynastie von Ur endete unter dem Druck Elams aus dem Osten. Kleinreiche um Assur, Babylon, Eschunna, Der und Susa entstanden in der Folge. Mesopotamien wurde später von Assyrien und Babylonien dominiert. Im August 2005 wurde von schiitischen Gruppierungen vorgeschlagen, den Südirak zu einer autonomen Region eines föderalen Irak zu machen. Als Name für diese zu bildende autonome Region wurde Sumer vorgeschlagen. Der Vorschlag ist jedoch insbesondere unter den irakischen Sunniten hochumstritten.

Die kulturelle Bedeutung der Sumerer

Obwohl die Schrift mehrmals in der Geschichte der Menschheit erfunden wurde (Ägypten, China, Maya), ist für Europa die sumerische Keilschrift von zentraler Bedeutung und vermutlich auch älter als die anderen hochentwickelten Schriften. Die Keilschrift wurde erfolgreich an das Akkadische und Hethitische (auch Hittitisch) angepasst und gilt als Vorläufer vieler Schriften. Die Entwicklung des Rades – ebenfalls erstmals im Reich der Sumerer benutzt – steht in engem Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass domestizierte Tiere nicht nur eine Nahrungs- und Rohstoffquelle (z.B. Leder) sind, sondern auch als Zugtiere und Arbeitstiere dienen können (Pflug, Karren). Eine weitere Vorbedingung für die Nutzung des Rades sind ebene, breite Wege, die erst bei einer kritischen Bevölkerungsdichte und geeignetem Landschaftsrelief entstehen. Im Bereich der Landwirtschaft haben die Sumerer wahrscheinlich keine neuen Nutzpflanzen oder Nutztiere domestiziert; der Beitrag liegt hier in der Verfeinerung der Bewässerung sowie der Einführung der Milchwirtschaft. Die fortschrittliche Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Aufgrund der Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück. Noch heute sind weite Landstiche nur bedingt nutzbar. Die Sumerer haben die erste bekannte Kultur mit hoch entwickelter Mathematik hervorgebracht. Sie gelten als die Erfinder des Gewölbes und gründeten mit Ur, Uruk und Lagasch die ältesten bekannten Städte mit Monumentalbauten, insbesondere der für Mesopotamien typischen Zikkurat. Die sumerische Religion ist eine der ältesten der bekannten Religionen und gilt als wesentliches Vorbild für spätere Religionen in Mesopotamien und den angrenzenden Gebieten. Die Herkunft der Sumerer ist bis heute ungeklärt, aber es wurde vermutet, dass die Sumerer ein turksprachiges Volk waren, deren Vorfahren altaischer Abstammung waren. Die Vermutung wird dadurch bestätigt, dass mehr als 1000 Wörter in Schrift und Sprache den heutigen Turksprachen aus aller Welt ähnlich sind; auch die Bestattung der Toten wurde wie im turksprachigen Raum vorgenommen und praktiziert. Diese Theorie wird aber von den meisten Historikern abgelehnt, denn wie so viele Theorien ist auch diese weder zu beweisen, noch zwangsläufig glaubwürdig. Die großartige Leistung der Sumerer besteht in der Schaffung der ersten Hochkultur der Menschheit ab ungefähr 3500 v. Chr. in einem Gebiet, das keinesfalls ein landschaftlicher Gunstraum war, sondern mühevoll umgestaltet werden musste. Die gewaltige Leistung bei der Entwicklung zur Hochkultur im Gefolge der neolithischen Revolution bzw. Evolution kann keinesfalls überbewertet werden. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der kleinen Anzahl von nur fünf authochtonen Hochkulturen. (Anmerkung: Absolute Jahreszahlen innerhalb der sumerischen Datierung variieren je nach Lehrmeinung um etwa 100 Jahre. Zur genaueren Datierung sollte Fachliteratur herangezogen werden.)

Literatur


- Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens, C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51664-5.
- Helmut Uhlig: Die Sumerer, Lübbe, Bergisch-Gladbach 1992, ISBN 3-404-64117-5.

Weblinks


- [http://www.ancient-cultures.com/untergang_sumerer.php Der Untergang der Sumerer (deutsch)]
- [http://etcsl.orinst.ox.ac.uk/ Elektronische Sammlung der sumerischen Texte (englisch)] Kategorie:Alter Orient ! ja:シュメール ko:수메르

Iranier

Die Iranier sind eine Völkergruppe der indogermanischen Völkerfamilie aus der Untergruppe der Indoiraner und gehören dem “Iranischen Kulturraum“ an. Man schätzt ihre Zahl heute auf ca. 180-200 Millionen. Dabei ist zwischen dem Angehörigen des “Kulturraumes Iran“ und dem Staatsbürger des Staates Iran (Staat) den man als Iraner bezeichnet, zu unterscheiden. Zwar wird in der heutigen Literatur teilweise auch Iranier verwendet, um den Angehörigen der Völkergruppe und den Staatsbürger des Staates Iran zu unterscheiden. Dennoch werden in der Umgangssprache "Iranier" und "Iraner" oft unterschiedslos verwendet. Früher benutzte man für diese Sprachgruppe den Namen Arier, während man die Eroberer Indiens Indoarier nannte (um sie von der nicht-arischen Bevölkerung Indiens zu unterscheiden). Doch aufgrund des Missbrauchs des Wortes durch den deutschen Nationalsozialismus findet man heute in der westlichen Literatur nur noch den Begriff Iranier bzw. Iraner. Im persischen Sprachraum ist das Wort Arier immernoch in Gebrauch und wird auch als Selbstbezeichnung immer beliebter. Arier

Einleitung

Das Wort Iranier bedeutet Arier, womit das alt-iranische Wort Arya, was "edel" bedeutet, gemeint ist. Nach einer anderen Theorie bezeichnet Ari ursprünglich "die mit dem Pflug", was hieße, dass Arier eine Bezeichnung für Ackerbau betreibende Stämme sind. Es gibt verschiedene Formen dieses Wortes: "Ayrani, Irani, Ironi, Erani". Dabei wird die Bezeichnung Aryani von den Ostiranern, Irani von den Südiranern, Ironi von den Nordiranern und Erani von den Westiranern benutzt. Der heutige Name des Staates Iran ist vom altiranischen Aryana, Land der Arier, abgeleitet. Aryana ist ebenfalls der Name der staatlichen afghanischen Fluggesellschaft, ebenfalls auf den antiken Namen der Region bezogen. Naqsh-e-Rostam Inschrift von Darius: Ich bin Dariush der große König, "König der Könige", König dieser Länder, die jede Art von Menschen beherbergt, König dieser großen Erde weit und breit, Sohn Hystaspes, ein Achämenide, ein Perser, Sohn eines Persers, ein Arier, arischer Vorfahren. Naqsh-e-Rostam Inschrift von Shapur: Ich, der Mazda Verehrer Herrscher Shapur, "König der Könige" von Iran und Nicht-Iran, welcher abstammt von den Göttern, Sohn von Mazda verehrtem göttlichen Ardashir, "König der Könige" von Iran, welcher abstammt von den Göttern, Großsohn von König Papak, bin Herrscher von Iranshahr. Der achämenidische König Darius sieht sich nicht nur als Perser, sondern lässt seine Herrschaft auch auf seiner iranischen (arischen) Herkunft begründen. Diesem Beispiel folgt auch Shapur, der einen Unterschied zwischen dem Iran und nicht-Iran macht. Beide Inschriften zeigen klar, dass schon die alten Iraner sich als Iranier sahen und sich anhand ihrer Sprache, Kultur und Herkunft von den nicht-Iranern abgrenzten. Persisch-sprechende Iraner/Iranier werden heute allgemein als Perser bezeichnet. In Zentralasien nennt man sie Tadschiken. Aber auch andere Völker wie die Paschtunen (Afghanen), Kurden und Belutschen werden zu den Iraniern gezählt und sprechen iranische Sprachen. Im Paschto und im Persischen ist die Wurzel des Wortes "Arier" noch in der Form "Ar = edel, urprünglich" (Paschto) bzw. "Arya = edel" (Persisch) lebendig geblieben und gebräuchlich. Obwohl die Armenier sprachlich nicht zur iranischen Völkergruppe gehören, sondern wahrscheinlich zur Alt-Indoiranischen Gruppe (siehe Indoiraner), werden sie oft dennoch zu den Iranern/Iraniern gezählt. Es existiert eine gemeinsame Ursprache der Iranier mit den indischen Völkern, das Indoiranische, das sich in das Iranische und das Indoarische sowie die Dardsprachen aufteilte.

Völker und Stämme

Vorgeschichtliche Völker


- Die Aratti
- Die Mardi
- Die Amardi
- Die Haxa
- Die Gutäer
- Die Tugri
- Die Danu

Geschichtliche Völker


- Die Meder
- Die Perser
- Die Parther
- Die Baktrier
- Die Sogdier
- Die Choresmier nicht zu verwechseln mit der Dynastie der Chwaresm-Schahs
- Massageten
- Kimmerier
- Die Skythen
  - Die Saken
    - Issedonen
    - Vorfahren der Bulgaren
- Sarmaten
  - Alanen
  - Aorsen
  - Jazygen
  - Maioten
  - Roxolanen
  - Die Siraken
  - Die Vorfahren der Kroaten (Hrvat)
  - Die Vorfahren der Serben (Srb)

Die Nordgruppe der Iraner/Iranier

Die Steppen Zentralasiens, Südrusslands und der Ukraine waren Jahrtausende lang, mindestens vom 3. Jahrtausend v. Chr. an bis zum Einfall der Hunnen, die Heimat der iranischen Volksstämme. Mit Ausnahme der Alanen, von denen sich nicht-assimilierte Reste im Kaukasus unter einem neuen, seit dem Spätmittelalter gebräuchlichen Volksnamen "Osseten" erhalten haben, sind alle nordiranischen Völker in anderen Völkern aufgegangen. Nicht mehr existente iranische Völkerstämme aus den Steppen Eurasiens sind:
- Kimmerier (inkl. Taurer u.a.)
- Skythen (inkl. Issedonen, Saken, Parner u.a.)
- Sarmaten (inkl. Massageten, Iazygen, Roxolanen, Alanen, Aorsen, Siraken, Ruchs-as, Saii, Kalyben u.a.)

Die heutigen iranischen Volksstämme

Die iranischen Volksstämme haben im Laufe der Geschichte viele Fremdelemente aufgenommen, hauptsächlich arabisch und turko-mongolisch, die heute fester Bestandteil ihrer Kulturen und Sprachen sind. Die heute bekanntesten, noch existierenden iranischen Volksstämme sind:
- Die Belutschen
- Die Kurden
  - Die Zaza
  - Die Gorani
- Die Paschtunen, die ethnischen Afghanen
  - Ghilzai
- Die Perser
  - Die Tadschiken, die Perser Zentralasiens
    - Galtscha (Berg-Tadschiken)
- Die Osseten
- Die Gilaki
- Die Mazandarani
- Luren
  - Die Bakhtiari
- Die Taten
- Die Talisch
- Die Yagnoben (Jagnobi)
- Die Azari (höchst umstritten!)
- (Die Armenier)
- Die Sistanis

Babylonien

Babylonien bezeichnet das ehemalige Königreich in Mesopotamien in der Zeit von 1900 v. Chr./1800 v. Chr. bis 539 v. Chr., am Unterlauf der beiden Flüsse Euphrat und Tigris, etwa das Gebiet zwischen der heutigen irakischen Stadt Bagdad und dem Persischen Golf. Das kulturelle Zentrum des Gebietes war die Stadt Babylon, die im Laufe ihrer Existenz von Herrschern aus zahlreichen Volksstämmen erobert und regiert wurde.

Frühzeit

Die einzelnen Fürstentümer, die das sumerische Reich bildeten, wollten sich nicht einer einheitlichen Zentralgewalt unterordnen und sorgten für den Zerfall des Reiches. Die Fürsten erklärten ihre Fürstentümer zu Königreichen und sich selbst zu deren Könige und sorgten damit für eine Zersplitterung des gesamten Reiches. Der anwachsende Zustrom semitischer Einwanderer sorgte zusätzlich für Instabilität und ließ schließlich das sumerische Reich zusammenbrechen. Die nachfolgende Zeit war durch eine Vielzahl von lokalen Dynastien geprägt, die sich untereinander bekriegten, ohne dass sich eine Vorherrschaft stabilisieren konnte. Im Laufe von zwei Jahrhunderten wurden die Sumerer gänzlich zurückgedrängt und die Semiten übernahmen die Kontrolle.

Altbabylonisches Reich

Hauptartikel: Altbabylonisches Reich, Liste der Könige von Babylonien Babylon wurde 1894/1830/1806 v. Chr. - die Chronologie ist umstritten, es werden derzeit drei Systeme vertreten - vom semitischen Stamm der Amoriter unter Sumu-abum gegründet. Er ließ um die Stadt eine Mauer errichten, die allerdings erst durch seinen Nachfolger Sumulael fertiggestellt wurde. Lange Zeit änderte sich an der Bedeutung Babylons nichts, bis Hammurapi (1795/1728/1704-1750/1686/1664) als 6. König den Thron bestieg. Er verstand es, die politische Situation der Stadtstaaten auszunutzen, und erkannte den Vorteil der strategischen Lage der Stadt. Einerseits kontrollierte er durch die schmalste Stelle zwischen Euphrat und Tigris die Handelswege, und andererseits lieferte ihm diese Tatsache einen militärischen Vorteil. Schon bald stieg Babylon zur Metropole auf und Hammurapi wurde ihr oberster Herrscher. Durch die Unterwerfung von Elam, Subartu und Eschnuna wurde er auch Herrscher von Assur. Die Eroberung von Larsa dehnte sein Reich auch über die Königreiche Sumer und Akkad aus. Damit wurde Babylonien zum dominierenden Reich in Mesopotamien (Altbabylonisches Reich). Hammurapi erwies sich als geschickter Außenpolitiker, errichtete Bewässerungsanlagen und großartige Bauten, organisierte das Land durch eine straffe Verwaltung und verfasste eine einheitliche Rechtsordnung, die ihm bis in die heutige Zeit Ruhm beschert, den Codex Hammurapi. Dieses Gesetzeswerk, mit 282 Paragraphen, sicherte die Rechte aller Klassen seines Volkes. Damit die Bürger über ihre Rechte informiert waren, wurden sie auf Säulen und Tontafel geschrieben und öffentlich in den Städten aufgestellt. Den Stadtgott von Babylon, Marduk, erhob er zum Hauptgott des Landes und machte seinen Kult für alle Untertanen verbindlich. Keiner der Nachfolger Hammurapis erwies sich in Politik und Strategie annähernd so geschickt wie er. Schon sein Sohn musste gegen die aufständischen Stämme im Süden des Reiches in den Krieg ziehen. Nach und nach verlor das Reich an Einfluss und Herrschaftsbereich. Durch zahlreiche inneren Unruhen und durch Angriffe von außen geschwächt, gelang es schließlich dem Hethiterkönig Murschili I. 1595/1531/1507, die Stadt einzunehmen. Es gelang ihm aber nicht, sich gegen die nachdrängenden Kassiten zu verteidigen. Die Ära des Altbabylonischen Reiches war damit zu Ende. Die nachfolgende Zeit wird als dunkle Periode der babylonischen Geschichte bezeichnet. Die Kassiten regierten etwa 400 Jahre lang (siehe Königsliste). Sie erweiterten das Reich vom Euphrat bis zum Sagrosgebirge und machten das Land nochmals zur Großmacht. Im 15. Jahrhundert v. Chr. gehörte es zu den vier wichtigsten Mächten in Vorderasien (neben den Ägypter, Mitanni und Hethiter). Kurze Zeit später löste sich Assyrien vom Mitannireich und erreichte von diesem die Unabhängigkeit. Obwohl sie die Entwicklung in Babylonien misstrauisch beobachteten, herrschte zwischen den beiden Reichen eine kulturelle und religiöse Verbundenheit. Sie versuchten, das Land politisch zu kontrollieren und erreichten dadurch eine erhebliche Schwächung von Babylon. 1155 wurde die Stadt von den Elamitern erobert. Sie plünderten und brandschatzen die Reichtümer und brachten die Gesetzesstele Hammurapis in ihre Hauptstadt Susa. Der mesopotamische König Nebukadnezar I. bestieg den Thron, und es gelang ihm 1137, die Kassiten endgültig zu vertreiben. Anschließend ging er gegen die gefährlichen Elamiter vor, die nach einem jahrelangen Krieg unterlagen. Ihre Hauptstadt Susa wurde völlig zerstört. Die Gesetzesstele Hammurapis wurde wieder nach Babylon zurück gebracht. Jeder Versuch Nebukadnezars, das Reich auszudehnen, wurde von den Assyrern beobachtet und zum Teil verhindert. Eine direkte Konfrontation gab es jedoch nicht. Durch die assyrische Politik wurde Babylonien immer mehr in ihr Reich integriert. Kurze Zeit saßen sogar assyrische Könige auf Babylons Thron und regierten beide Reiche. Die religiöse Verbundenheit der beiden Völker war sehr hoch. So wurden in beiden Ländern die gleichen Götter verehrt, und die Zerstörung eines babylonischen Tempels wurde von den Assyrern als Sakrileg empfunden. König Salmanassar III. (858-824) verheiratete seinen Sohn mit der babylonische Prinzessin Samuramat. Nach dem Tod ihres Mannes regierte sie vier Jahre lang das Königreich und ging unter dem Namen Semiramis in die Legenden ein. Babylon war aber immer Zentrum des assyrischen Reiches und damit auch Angriffspunkt der Gegner. Immer wieder versuchten die Babylonier, mit Hilfe der Elamiter die Macht der Assyrer zu brechen. 689 zerstörte Sanherib die Stadt gänzlich. Sein Sohn Asarhadon versuchte, die Stadt wieder aufzubauen und im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt änderte Assyrien die Politik gegenüber Babylon und schlug einen harten Kurs ein. Die Folge waren Kriege und Zerstörung. 648 musste sich Babylon nach einer zweijährigen Belagerungs- und Aushungerungszeit dem assyrischen König Assurbanipal geschlagen geben. Nach dem Tod Assurbanipals, dem letzten großen König Assyriens, brach das Reich auseinander. Ausgeblutet durch die vielen Kriege hatte es den aufstrebenden Volksstämmen der Meder nichts entgegen zu setzen.

Neubabylonisches Reich

Hauptartikel: Neubabylonisches Reich In Babylon ergriff der chaldäische General Nabopolassar diese Gelegenheit und bestieg 626 den Thron. Mit ihm begann das Zeitalter des Neubabylonischen Reiches. Er vereinigte die lokalen Volksstämme und verbündete sich mit den Medern, die das Erbe der Elamiter im Osten antraten. Zwischen den beiden Völkern wurde ein Vertrag aufgesetzt, wonach der Sohn Nabopolassars mit der Enkelin des Mederkönigs verehelicht wurde. Durch dieses Bündnis war der Weg nach Ninive, der assyrischen Hauptstadt, frei. 612 fiel Ninive nach einer dreimonatigen Belagerung. Bis zum Jahre 610 waren die versprengten assyrischen Heerteile gänzlich aufgerieben. Nach Nabopolassars Tod trat Nebukadnezar II. (605-562 v. Chr.) die Thronfolge an. Er entwickelte während seiner Regierungszeit außerordentliche Fähigkeiten als Staatsmann, Heerführer, Friedensstifter und Bauherr. Nebukadnezar ließ die Tempel in allen Städten des Landes wieder aufbauen, errichtete Kanäle, die so genannte Medische Mauer und die Prozessionsstraße mit dem Ischtar-Tor. Er förderte den Ackerbau, den Gartenbau und den Handel, sodass sich die Wirtschaft rasch erholte und aufblühte. Mit Syrien und Israel führte Nebukadnezar Krieg, um sein Reich abzusichern. Die unterworfenen Länder wurden tributpflichtig und hatten hohe Abgaben an Babylon abzuliefern. Israel versuchte mehrere Aufstände, die alle blutig niedergeschlagen wurden und schließlich dazu führten, dass Jerusalem vollkommen zerstört wurde. Zur Strafe wurde die Bevölkerung als Sklaven nach Babylon verschleppt. Das ist der Beginn der babylonischen Gefangenschaft der Juden, die erst in der Perserzeit ihr Ende nimmt. Im Jahre 562 starb Nebukadnezar und hinterließ seinem Sohn Amell-Marduk ein wohlgeordnetes und konsolidiertes Reich. Nach nur zwei Jahren wurde Amell-Marduk bei einem Aufstand getötet und der babylonische General Neriglissar bestieg den Thron. Starke Streitigkeiten mit der Priesterschaft führten schließlich dazu, dass sich 555 Nabonid durch einen Aufstand des Throns bemächtigte. Nabonid war selbst Anhänger des Gottes Sin und wollte die Macht der Marduk-Priesterschaft eindämmen. Das brachte ihm heftige Auseinandersetzungen bei der Neuordnung des Landwirtschafts- und Pachtsystems ein. Außenpolitisch verhielt sich Nabonid neutral, als die Perser gegen die herrschenden Meder einen Aufstand wagten. Als Dank übergab ihm der Perserkönig Kyros II. nach dem Sieg die Heimatstadt seiner Mutter. Nachdem die Perser auch die Lydier bezwungen hatten, war Babylonien vom Persischen Reich eingeschlossen. Nabonid erkannte seine Lage und wollte durch strategische Maßnahmen der drohenden Gefahr entgegenwirken. So überließ er den Schutz des Reiches seinem Sohn Belsazar, der riesige Truppenkontigente befehligte, während er sich selbst mit seinen Truppen auf einen zweite gut geschützte Anlage außerhalb Babylons zurückzog. Dadurch kontrollierte er die wichtigen Handelswege und konnte wirtschaftlichen Druck auf Ägypten ausüben. Die Gefahr durch die Araber nutzte er, um alle semitischen Stämme zu vereinigen. In Babylon war der Zwist zwischen dem König und der Priesterschaft schon weit gediehen. Die Perser hatten ihren Ruf, tolerant zu sein und nationale Tradition zu respektieren, in die Stadt getragen. In Abwesenheit von Nabonid begingen die Priester Verrat. Nach einer kurzen Schlacht, bei der Belsazar besiegt wurde, marschierten die Perser gegen Babylon. Am 16. Oktober 539 marschierten die Truppen ohne Gegenwehr in Babylon ein. Am 29. Oktober zog Kyros II. unter Triumph und Jubel der Priesterschaft in der Stadt ein und wurde sofort als Machthaber eingesetzt. Kyros leitet eine neue Politik der Duldsamkeit und gibt den Städten ihre Götter wieder zurück. Den Juden gestattet er, nach Jerusalem zurückzukehren. Die Perser erkannten die Vorteile der Entwicklungen unter Nebukadnezar und wussten sie nutzbringend einzusetzen. Die aramäische Sprache wurde amtlich eingeführt. Die Wissenschaftler durften weiterhin die akkadische Sprache und Schrift nutzen. Viele Gelehrte aus Ägypten, Persien, Indien und Griechenland kamen, um ihr Wissen zu erweitern. Im 5. Jahrhundert v. Chr. errechneten die Astronomen Babylons das Sonnenjahr und entwickelten im Jahre 410 das erste Horoskop. Während dieser Zeit wurde aus den Astrallehren der Babylonier die chaldäische Astrologie entwickelt, die später den Boden für die hellenistische bildete. Alexander der Große traf während der Expansion seines Reiches 331 auf die persischen Streitkräfte und besiegte sie endgültig in der Schlacht von Issos und Gaugamela. Die Griechen tolerierten weiterhin die babylonische Kultur und erweiterten sie um Theater und zusätzliche Errungenschaften. Nach dem Tode Alexander des Großen verwüsteten Kriege der zerstrittenen Heerführer das gesamte Gebiet. Plünderung und Zerstörung sorgten für eine elende Hungersnot unter der Bevölkerung. Im 1. Jahrhundert v. Chr. übernahmen die Parther die Macht in Mesopotamien und beendeten die fast zweitausend jährige Existenz Babyloniens.

Literatur


- Jursa, Michael: Die Babylonier - Geschichte, Gesellschaft, Kultur, C. H. Beck, München 2004. ISBN 3-406-50849-9 Kategorie:Babylon Kategorie:Alter Orient ja:バビロニア nb:Babylonia

Assur

Assur ist der Name:
- einer antiken, mesopotamischen Stadt, siehe Assur (Stadt),
- eines mesopotamischen Gottes, siehe Assur (Gottheit),
- eines antiken Staates, der auch Assyrien genannt wird. Andere Schreibweisen sind Aššur, Aschschur und Aschur.

Sumerer

Sumer bezeichnet eine der fünf autochthonen Hochkulturen in Mesopotamien. Sumer, Shumer oder Schumer kommt aus dem Akkadischen und bedeutet Kulturland – eine Anspielung auf die Leistung der Sumerer als Kulturbringer. Kulturbringer Die sumerische Sprache ist weder eine semitische noch eine indogermanische Sprache, sie konnte bisher auch keiner anderen Sprachfamilie zugeordnet werden. Man bezeichnet sie deshalb als isolierte Sprache. Am Anfang standen eine Reihe von Stadtstaaten (Adab, Eridu, Isin, Kisch, Kullab, Lagasch, Larsam, Nippur, Ur und Uruk), welche etwa 2800 v. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten. Erster bekannter Herrscher von Sumer ist Etana, der um 2800 v. Chr. lebte und König von Kisch war. Sein Nachfolger Meskiaggascher, König von Uruk (dem biblischen Erech), gründete weit südlich von Kisch eine rivalisierende Dynastie und erlangte die Herrschaft über die ganze Region zwischen dem Mittelmeer und dem Zagros-Gebirge. Er wurde von seinem Sohn Enmerkar (um 2750 v. Chr.) abgelöst. Diesem folgte sein Feldherr Lugalbanda auf den Thron. Am Ende der Regierungszeit von Lugalbanda wurde Enmebaragesi (um 2700 v. Chr.), ein König der Etana-Dynastie in Kisch, zum führenden Herrscher von Sumer. Die Akkader aus dem Norden vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 bis 2191 v. Chr.). Befördert durch Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer, endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die Gutäer. Das Neusumerische Reich (2112 bis 2004 v. Chr.) unter der Herrschaft der 3. Dynastie von Ur endete unter dem Druck Elams aus dem Osten. Kleinreiche um Assur, Babylon, Eschunna, Der und Susa entstanden in der Folge. Mesopotamien wurde später von Assyrien und Babylonien dominiert. Im August 2005 wurde von schiitischen Gruppierungen vorgeschlagen, den Südirak zu einer autonomen Region eines föderalen Irak zu machen. Als Name für diese zu bildende autonome Region wurde Sumer vorgeschlagen. Der Vorschlag ist jedoch insbesondere unter den irakischen Sunniten hochumstritten.

Die kulturelle Bedeutung der Sumerer

Obwohl die Schrift mehrmals in der Geschichte der Menschheit erfunden wurde (Ägypten, China, Maya), ist für Europa die sumerische Keilschrift von zentraler Bedeutung und vermutlich auch älter als die anderen hochentwickelten Schriften. Die Keilschrift wurde erfolgreich an das Akkadische und Hethitische (auch Hittitisch) angepasst und gilt als Vorläufer vieler Schriften. Die Entwicklung des Rades – ebenfalls erstmals im Reich der Sumerer benutzt – steht in engem Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass domestizierte Tiere nicht nur eine Nahrungs- und Rohstoffquelle (z.B. Leder) sind, sondern auch als Zugtiere und Arbeitstiere dienen können (Pflug, Karren). Eine weitere Vorbedingung für die Nutzung des Rades sind ebene, breite Wege, die erst bei einer kritischen Bevölkerungsdichte und geeignetem Landschaftsrelief entstehen. Im Bereich der Landwirtschaft haben die Sumerer wahrscheinlich keine neuen Nutzpflanzen oder Nutztiere domestiziert; der Beitrag liegt hier in der Verfeinerung der Bewässerung sowie der Einführung der Milchwirtschaft. Die fortschrittliche Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Aufgrund der Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück. Noch heute sind weite Landstiche nur bedingt nutzbar. Die Sumerer haben die erste bekannte Kultur mit hoch entwickelter Mathematik hervorgebracht. Sie gelten als die Erfinder des Gewölbes und gründeten mit Ur, Uruk und Lagasch die ältesten bekannten Städte mit Monumentalbauten, insbesondere der für Mesopotamien typischen Zikkurat. Die sumerische Religion ist eine der ältesten der bekannten Religionen und gilt als wesentliches Vorbild für spätere Religionen in Mesopotamien und den angrenzenden Gebieten. Die Herkunft der Sumerer ist bis heute ungeklärt, aber es wurde vermutet, dass die Sumerer ein turksprachiges Volk waren, deren Vorfahren altaischer Abstammung waren. Die Vermutung wird dadurch bestätigt, dass mehr als 1000 Wörter in Schrift und Sprache den heutigen Turksprachen aus aller Welt ähnlich sind; auch die Bestattung der Toten wurde wie im turksprachigen Raum vorgenommen und praktiziert. Diese Theorie wird aber von den meisten Historikern abgelehnt, denn wie so viele Theorien ist auch diese weder zu beweisen, noch zwangsläufig glaubwürdig. Die großartige Leistung der Sumerer besteht in der Schaffung der ersten Hochkultur der Menschheit ab ungefähr 3500 v. Chr. in einem Gebiet, das keinesfalls ein landschaftlicher Gunstraum war, sondern mühevoll umgestaltet werden musste. Die gewaltige Leistung bei der Entwicklung zur Hochkultur im Gefolge der neolithischen Revolution bzw. Evolution kann keinesfalls überbewertet werden. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der kleinen Anzahl von nur fünf authochtonen Hochkulturen. (Anmerkung: Absolute Jahreszahlen innerhalb der sumerischen Datierung variieren je nach Lehrmeinung um etwa 100 Jahre. Zur genaueren Datierung sollte Fachliteratur herangezogen werden.)

Literatur


- Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens, C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51664-5.
- Helmut Uhlig: Die Sumerer, Lübbe, Bergisch-Gladbach 1992, ISBN 3-404-64117-5.

Weblinks


- [http://www.ancient-cultures.com/untergang_sumerer.php Der Untergang der Sumerer (deutsch)]
- [http://etcsl.orinst.ox.ac.uk/ Elektronische Sammlung der sumerischen Texte (englisch)] Kategorie:Alter Orient ! ja:シュメール ko:수메르

Assur

Assur ist der Name:
- einer antiken, mesopotamischen Stadt, siehe Assur (Stadt),
- eines mesopotamischen Gottes, siehe Assur (Gottheit),
- eines antiken Staates, der auch Assyrien genannt wird. Andere Schreibweisen sind Aššur, Aschschur und Aschur.

Schamschi-Adad I.

Schamschi-Adad I. ist ein assyrischer König, der ca. 1813 v. Chr. bis 1781 v. Chr. regierte (genaue Jahresangaben sind umstritten). Die Abstammung von Schamschi-Adad I. ist unbekannt. In der assyrischen Königsliste wird berichtet, dass er der Sohn von Ila-kabkabi war. Dort wird auch berichtet, dass er von Babylon kam und Ekallatum eroberte, dort drei Jahre herrschte und dann nach Assur ging, den dortigen Herrscher Erischum II. absetzte und dann von hier aus 33. Jahre in Assyrien regierte. Sein Regierungssitz wurde aber nicht Assur, sondern eine Stadt namens Schubat-Enlil. Die genauen Umstände dieser Machtübernahme, eines Herrschers, der fast aus dem Nichts gekommen ist, bleiben leider vollkommen dunkel. Möglicherweise war er ein amoritischer Herrscher, dessen Vater ein Königreich im heutigen Syrien hatte. Doch bleibt dies reine Vermutung. Schamschi-Adad I. tat sich auch weiter besonders als Eroberer hervor. In einer Inschrift berichtet er sogar, dass er seine Herrschaft bis an das Mittelmeer ausweitete. Tatsächlich bestand sein Machtbereich wohl aus Nordmesopotamien, Teile von Syrien und Teile der heutigen Türkei. Zu seinem Herrschaftsbereich gehörte vor allem auch Mari. In den dortigen Archiven wird er mehrmals genannt und ist deshalb eine der best bezeugten Personen seiner Epoche.

Siehe auch


- Liste der assyrischen Könige Kategorie:Assyrien

Mesopotamien

Mesopotamien (griechisch: zwischen den Flüssen; Aramäisch: Beth Nahrin = Zweiflussland), auch Zweistromland genannt, bezeichnet geographisch das Gebiet um die Flüsse Euphrat und Tigris in Südost-Anatolien, Syrien und im Irak.

Regionale Gegebenheiten

Geografie

Im Norden beginnt die Landschaft am Taurusgebirge und reicht bis zum Persischen Golf. Im Osten grenzen die Berge des Irans und im Westen die arabische Wüste und die Hochebenen Syriens an.

Klima

Das Klima im Norden ist rau mit kalten Wintern. Der Süden hingegen ist im Winter milder und hat heiße Sommer.

Landwirtschaft

Die Bauern bauten vorwiegend Gerste und Weizen an. Der Regenfeldbau im Norden und die umfassende künstliche Bewässerung im Süden lieferten sehr ertragreiche Ernten. Die Felder wurden nur alle zwei Jahre bepflanzt, um den Boden zu schonen. Die Erträge der Ernten waren bemerkenswert. Schon im 3. Jahrtausend erreichten die Ernten das 30fache der Aussaat. Im Laufe der Jahrtausende sanken die Erträge, weil die Böden durch die Bewässerung immer salzhaltiger wurden. Trotzdem wurde noch bis zum Zehnfachen der Aussaat geerntet. Ein Vergleich: Die Bauern des antiken Griechenlands und Roms erzielten ein deutlich geringeres Verhältnis bei ihren Ernten. Es wurden auch Dattelpalmen, Feigen und Granatäpfel kultiviert. Obwohl es in Mesopotamien Laub- und Nadelholzwälder gab (wo???), wurden in der Eisenzeit für Bauvorhaben Zedern aus dem Libanon importiert. Außerdem wurden Schafe, und Ziegen und Rinder gehalten, in sumerischer Zeit auch Schweine.

Geschichte

Der Großteil der bekannten Geschichte Mesopotamiens ist geprägt von der schubweisen Einwanderung diverser Völkern. Meist zerfiel die Region in zahlreiche Stadtstaaten, ähnlich wie im antiken Griechenland, denen Könige vorstanden, die miteinander zeitweilig im Krieg standen. Weiterhin gab es Phasen, die von Grossreichen dominiert wurden, sowie Phasen, in denen Mächte aus den Nachbarregionen Eroberungsfeldzüge führten. Das fruchtbare Mesopotamien lockte im Laufe der Geschichte unzählige Völker an. Im Gegensatz zu Ägypten konnten sich die Einwohner Mesopotamiens wegen der langen, offenen Grenzen nie wirklich gegen neue Einwanderer abschotten.

Vorgeschichte

Erste menschliche Spuren in Vorderasien fand man aus dem 70. Jahrtausend v. Chr. Neanderthaler lebten hier als Nomaden. Erste feste Siedlungen wie Göbekli Tepe und Nevali Cori entstanden Ende des 9. Jahrtausends in Nordmesopotamien im sogenannten PPN A. Zu dieser Zeit waren domestizierte Tiere und Pflanzen noch unbekannt. Die Besiedlung des südlichen Mesopotamiens beginnt in der Obed-Zeit. Seit der Uruk-Zeit finden sich Städte und die Anfänge der Schrift, die sich aus einem System von Piktogrammen zur sumerischen Keilschrift entwickeln sollte.

Sumerer

Die ersten Schriftzeugnisse in Südmesopotamien sind in sumerischer Sprache verfasst. Manche Sprachforscher vermuten, dass die sumerische Sprache mit dem Mongolischen, dem Türkischen oder dem Ungarischen verwandt sein könnte, und leiten daraus eine Einwanderung der Sumerer ins Zweistromland von Osten her ab, wo sie die Wurzeln dieser Sprachen vermuten. Archäologisch gibt es für eine solche Zuwanderung keine Belege. Die Theorie, dass das südliche Mesopotamien im Neolithikum noch unter dem Meeresspiegel lag, lässt sich inzwischen nicht mehr halten, auch wenn es durch die Erosion im Folge ackerbaulicher Nutzung und Überweidung in Taurus und Zagros zu einem starken Bodenauftrag kam. Ende des 4. Jahrtausends v.Chr. wurden Technologien für eine effektivere Bewässerung der Felder entwickelt und etabliert, sodass sich erstmals auch größere Städte bilden konnten. Das weitverzweigte Kanalsystem wurde von so genannten Priesterfürsten organisiert und gemeinsam bebaut ("Tempelwirtschaft". Handwerk und Handel gewannen immer mehr an Bedeutung und die Städte wurden immer wohlhabender. Jede dieser Siedlungen war politisch eigenständig. Die steigenden Anforderungen an die Organisation und auch die Tempelwirtschaft bedingten und begünstigten die Entwicklung einer Schrift. Zunächst diente die Schrift nur der Buchhaltung. Die wichtigste Stadt der Sumerer war Uruk, die Stadt Gilgameschs. Der Epos dieses Helden gilt als das älteste erhaltene literarische Dokument der Menschheit. 2700 v. Chr. wurde die Keilschrift in ihren Möglichkeiten zur Vollendung geführt. Ab 3000 v. Chr. wanderten Nomaden aus dem Norden in das südliche Mesopotamien ein. Die sumerische Königsliste, die auch von einer Sintflut berichtet, dokumentiert diese Wanderungen durch das Auftauchen semitischer Namen. Die Historiker bezeichnen diese Epoche als Frühdynastische Periode, die im 23. Jahrhundert v. Chr. endete. In dieser Epoche zerbrach die Einheit von geistlicher und weltlicher Macht. Paläste wurden für die Könige gebaut, die nicht nur der Repräsentation dienten. Die Könige dieser Zeit wurden "lugal" genannt (= großer Mensch). Ihren Machtanspruch zeigten die Herrscher auch mit ihren Gräbern, indem sie sich mit ihrem Gefolge begraben ließen. Mehrere dieser Königsgräber fand man in der Nähe von Ur. Weitere Erfindungen, die für die Wirtschaft entscheidende Bedeutung hatten, waren das Rad und die Töpferscheibe (späte Uruk-Zeit).

Einigung und Blütezeit unter Akkad

Mit Sargon von Akkad, einem Stadtstaatenkönig der Sumer, begann eine neue Epoche. Er schuf das erste große vorderasiatische Reich, indem er die vielen Stadtstaaten vereinte, sodass er heute auch als Sargon I. bezeichnet wird. Zu seinem Machtbereich gehörte ganz Mesopotamien sowie Teile Syriens, des Irans und Kleinasiens. Die Stadt Akkad wurde zu seinem Regierungssitz. Die akkadische Sprache verdrängte das Sumerische. Die Eroberungen Sargons führten zu wirtschaftlichen und kulturellen Verknüpfungen mit den unterworfenen Völkern und den neuen Nachbarn. Der Zugang zum Persischen Golf ließ einen florierenden Seehandel entstehen. Kulturell wurde das Leben im Reich Sargons I insbesondere von der ägyptischen Kultur beeinflusst. Das zeigte sich sowohl in den bildlichen Darstellungen als auch in der Verehrung des Herrschers als Gott bzw. als Stellvertreter Gottes. Das Reich der Akkad hatte nicht lange Bestand. Zahlreiche Aufstände und insbesondere das einwandernde Bergvolk der Gutäer beendeten die Epoche (Reich von A.: um 2235-2094 v. Chr.). Dieses erste große Reich blieb in den Mythen der Region lebendig. So berichten selbst die viel später aufkommenden Assyrer in ihrer Historie von Sargon.

Neuformierung in der Ur III Dynastie

Nach knapp 100 Jahren wurden die Gutäer vertrieben, und die sumerischen Stadtstaaten fanden wieder zu Macht und Größe. Die Stadt Ur wurde erneut zum Zentrum. Die so genannte Ur III-Dynastie dauerte von 2047 - 1939 v. Chr.. Diese Zeit zeichnete sich durch eine straffe Verwaltung aus und durch die Festlegung von Rechtsverordnungen (Codex Urnammu). Diese Epoche ist die letzte von den Sumerern geprägte Zeit. Ihr Niedergang ist durch das Schwinden der Macht der Städte gekennzeichnet, wodurch ein weiteres Nomadenvolk seine Chance zum Aufstieg bekommen sollte.

Babylonisches Zeitalter

Es ist nicht bekannt, wann die Stadt Babylon gegründet wurde. Erst unter König Hammurapi gelangte die Stadt in den Mittelpunkt des Zeitgeschehens und wurde so bedeutend für die Region, dass die Griechen in der Folge ganz Mesopotamien als Babylonien bezeichneten. Hammurapi ist der Nachwelt besonders bekannt, weil er eine der ersten überlieferten Gesetzessammlungen verfasste, den sogenannten Kodex Hammurapi. In 280 Paragrafen regelte dieses Werk Aspekte des bürgerlichen Rechts, das Straf- und Verwaltungsrecht. Es definierte zahlreiche Einzelfallentscheidungen, die sich oft durch große Härte auszeichneten. Die Historiker sind sich nicht sicher, wie dauerhaft diese Gesetzessammlung beachtet wurde. Das Reich Hammurabis zerfiel in den nächsten Jahrhunderten. Die Kassiten wanderten ein, und die Hethiter erstarkten im Westen. Erst ab dem 15. Jahrhundert v.Chr. erreichte Babylon wieder Weltgeltung. Besonders mit Ägypten gab es engere Beziehungen, da zahlreiche babylonische Prinzessinnen nach Ägypten verheiratet wurden.

Weltreich der Assyrer


- Siehe auch: Geschichte des assyrischen Reiches Geschichte des assyrischen Reiches Im 18. Jahrhundert v. Chr. vereinte Schamschi-Adad I. zumindest im Norden Mesopotamiens ganz Assyrien, aber in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zerfiel Assyrien bereits wieder, womit das Altassyrische Reich beschlossen wurde. Im 14. Jahrhundert v. Chr. erstarkte als neue Macht Assyrien. Die Herkunfts- und Hauptstadt Assur lag am oberen Tigris. Historiker vermuten, dass die Stadt am Anfang unter der Herrschaft Akkads stand, während die ersten Assyrer nur Nomaden waren. An der Spitze der Assyrer stand der König, der sich auch als Stellvertreter des Gottes Assur sah. Daneben übten die Kaufleute einen bedeutenden Machtanspruch im Land aus. Assur, geographisch günstig an wichtigen Handelswegen gelegen, handelte mit dem Iran, Babylon und dem heutigen Anatolien. Unter Assur-uballit I. (1353-1318 v. Chr.) erlangte Assyrien seinen Einfluss zurück. Zahlreiche Eroberungen führten wieder zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der König Tukulti-Ninurta verstand sich wieder als Stellvertreter des Gottes Assur. Er nannte sich selber “Herrscher der vier Erdteile” und machte damit seinen Machtanspruch deutlich. Mit seinem Tod endete aber diese Epoche des Mittelassyrischen Reiches. Einen letzten Aufschwung erlebte das Reich mit ihrem König Assur-dan III. (935-912 v. Chr.), der zahlreiche Städte aramäische Städte eroberte. Die Assyrer übernahmen von dem Aramäern jedoch allmählich Schrift und Sprache. Die Könige Assurnasirpal II. (883-859 v. Chr.) und Salmanassar III. (858-824 v. Chr.) erweiterten den assyrischen Machtbereich bis nach Syrien. Nach einigen Rückschlägen und inneren Zwistigkeiten gelang es Tiglat-pileser III. (745-727 v. Chr.) Babylon, Phönizien, Palästina und Israel zu erobern. Der Eroberungsdrang fand 50 Jahre später seinen Höhepunkt in der Eroberung Ägyptens durch Asarhaddon (681-669 v. Chr.). Assurbanipal (669-627 v. Chr.) war der letzte bedeutende Herrscher. Die griechischen Historiker verunglimpften den Herrscher als Schwächling. Heutige Historiker können dieses Urteil nicht bestätigen. Sie sehen in ihm einen erfahrenen Politiker, der sehr belesen war. Seine Bibliothek ist eine bedeutende Quelle für die Geschichte des Zweistromlandes. 18 Jahre nach dem Tod Assurbanipals ging Assyrien endgültig unter. Die vereinigten Meder und Babylonier besiegten die Heere Assyriens (609 v. Chr.) Assur und Ninive wurden vollkommen zerstört und die Assyrer verschwanden schließlich aus dem Gedächtnis der nachfolgenden Generationen, bis dieser Name aus politisch-sozialen Gründen innerhalb des aramäischen Volkes im Osten im 19. Jahrhundert n. Chr. wiederbelebt wurde.

Antike und Mittelalter

Mesopotamien war als Teil der Diözese des Ostens zeitweise eine römische und byzantinische Provinz und damit Schauplatz der Kriege zwischen Rom und den Parthern, bw. dem neupersischen Reich der Sassaniden. Mit der Expansion des islamischen Reiches kam Mesopotamien unter arabische Herrschaft. Im frühen Mittelalter waren die Städte Bagdad und Samarra Sitze des abbasidischen Kalifats. Später wurde die Region dem Osmanischen Reich einverleibt. Bis sie nach dem Ersten Weltkrieg im Staat Irak aufging.

Kultur

Wirtschaft und Volkswirtschaft

Im 3. Jahrtausend (Sumerer) herrschten die Priesterfürsten, die die politische und religiöse Macht in ihren Händen hielten. Sie organisierten auch die Kanalisierung des Landes und den Ackerbau. Der Haushalt des Staates war gleichbedeutend mit dem des Herrschers, man nennt diese Wirtschaftssystem Oikos-Wirtschaft. Die Organisation benötigte dafür einen großen Verwaltungsapparat. Die Menschen, die für die Priesterfürsten arbeiteten, wurden mit Naturalien bezahlt. Privateigentum wurde erst in der Zeit Babylons etabliert. Die Aufgaben des Staates wurden im Laufe der Zeit teilweise “privatisiert”, d.h. ein Pächter übernahm die Arbeiten und musste dafür eine Leistung (z.B. Silber) erbringen. Die Bauern im 2. bis 1. Jahrtausend dagegen tauschten ihre Produkte gegen benötigte Lebensmittel und Textilien. Die Tempel und ihre Priester hatten in Assyrien weit weniger Einfluss auf die Wirtschaft. Der assyrische Staat duldete das Privateigentum und finanzierte sich durch Tribute und Steuern. Die Ländereien waren im Besitz von Adelsfamilien, die die kleinen Bauern immer mehr zu Abhängigen machten. Einen großen Vorteil hatte der Landbesitz - er war steuerfrei. Neben Landbesitz besaßen diese Adelfamlienen meist noch große Handelsunternehmungen. Auch in Babylon gab es einflussreiche Handelsherren, die mit ihren Familien regelrechte Dynastien bildeten. Nicht nur durch Handel vermehrten sie ihr Vermögen, sondern auch durch Geldgeschäfte. Erstaunlicherweise schien es zu dieser Zeit keine Märkte (Basare) gegeben zu haben, wie man es von einem orientalischen Land eigentlich erwarten würde. Doch die aufgefundenen Dokumente berichten nicht über diese Handelsform. Mesopotamien handelte mit den angrenzenden Ländern. Die Fernhandelsbeziehungen reichten dabei sogar von der Ostsee bis zum Indusdelta. Die Waren wurden per Schiff oder mit Karawanen ins Land gebracht. Die Karawanen transportierten ihre Handelsware zunächst mit Eseln, ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. trugen Kamele die Ware. Im geringen Umfang wurden auch Pferde und Wagen eingesetzt. Straßen gab es erst seit dem Neuassyrischen Reich. Zunächst herrschte der Tauschhandel vor, später galten bestimmte Mengen an Gerste als Tauscheinheit. Ab dem 3. Jahrtausend wurden Metalle, insbesondere Silber zur Universalwährung. Babylonien hatte den Schekel, Minen und Talente als Währungseinheiten. 30 kg Silber entsprachen einem Talent, ein Schekel wog 8,4 g. Ab dieser Zeit finden sich auch Hinweise auf Handwerker, Köche, Schuster u.a. Berufe. Sie dienten zunächst im Rahmen der Tempelwirtschaft. Ab dem 2. Jahrtausend arbeiteten sie auch verstärkt unabhängig im privaten Interesse.

Die Stellung der Frau

Die Stellung der Frau in Mesopotamien ist für die Historiker trotz aller Quellen nicht eindeutig festzulegen. Der zukünftige Ehemann schloss mit dem Brautvater einen Ehevertrag, und die Frau brachte eine Mitgift in die Ehe. Der Mann war der eindeutige Familienvorstand. Die Stellung der Frau hing davon ab, ob sie Kinder zur Welt brachte. Blieb die Ehe kinderlos, konnte der Ehemann sich scheiden lassen oder eine Nebenfrau nehmen. Hatte die Ehefrau aber Kinder, war eine Scheidung kaum möglich. Frauen stand aber das Recht auf Scheidung zu. Die Frauen konnten auch Besitz haben, sie durften handeln und erben. Historiker vermuten, dass die Frauen in Babylon fast die Gleichberechtigung errungen hatten. Das galt natürlich nur für Frauen aus der Oberschicht. Die Kindersterblichkeit war hoch, so erreichten nur zwei bis vier Kinder das Erwachsenenalter.

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