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Atlas (Kartographie)

Atlas (Kartographie)

Der Atlas (Mehrzahl: Atlanten oder – für Kartenwerke weniger gebräuchlich – Atlasse) ist in der Kartografie eine Sammlung thematisch, inhaltlich oder regional zusammenhängender Landkarten in Buchform oder loser Folge. Abweichend von der Definition, dass ein Atlas normalerweise Kartenmaterial enthält, verwenden manche Verlage das Wort auch, um ein mit viel Bildmaterial versehenes Nachschlagewerk zu einem bestimmten Wissenbereich zu bezeichnen (zum Beispiel dtv-Atlas zur Ökologie, deutscher Taschenbuchverlag, 1990)

Etymologie

Der Begriff Atlas wurde durch Gerhard Mercator im 16. Jahrhundert eingeführt, der sein geografisches Kartenwerk "Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" nannte. Erst Anfang der 1990er Jahre fand man heraus, dass er ihn nicht wie zuvor angenommen nach dem Titan Atlas, sondern nach einem gleichnamigen König von Mauretanien benannt hatte.

Gliederungsmöglichkeiten

Mauretanien, auf der Internationale Raumstation (ISS) mit einem Atlas. Der Kommandant der ersten ISS-Crew, William Shepherd hatte bemängelt, dass der Umgang mit einem entsprechenden Computerprogramm unpraktisch sei. Also ging man wieder zur konventionellen "Technik" über.]]
- nach Medien
  - Papieratlas
  - elektronischer Atlas
- nach Format
  - Riesenatlas
  - Handatlas
  - Taschenatlas
- nach Zweck
  - Schulatlas
  - Fachatlas
  - Planungsatlas
- nach Darstellungsgebiet
  - Weltatlas
  - Nationalatlas
  - Stadtatlas
- nach Inhalten
  - Umweltatlas
  - Geschichtsatlas
  - Literaturatlas

Grundprinzipien der Atlaserstellung

Ein fester Plan, dessen Prinzipien für alle Karten maßgebend sind, sollte jedem solchen Unternehmen zu Grunde liegen. Dieser Plan erstreckt sich # auf die Zahl der Karten, ihre Ordnung und ihr Format # auf die Vollständigkeit, gegenüber der Anzahl von Landflächen, die nicht dargestellt werden und anderen, die ungenügend bearbeitet erscheinen # auf das Reduktionsverhältnis, insofern es des bequemen Vergleiches wegen erwünscht ist, wenn gewisse Folgen von Karten (zum Beispiel die Karten der Erdteile, der europäischen Staaten etc.) in gleichgroßem Maßstab entworfen werden oder, wenn Ausnahmen stattfinden müssen, die verschiedenen Maßstäbe unter sich kommensurabel sind (zum Beispiel 1:1 Mill., 1:2 Mill.,1:4 Mill. etc.) # auf den Karteninhalt, das heißt auf eine zum Raum verhältnismäßige, dem Hauptzweck des Atlas entsprechende Auswahl der Details, eine Hauptaufgabe des Kartografen, der bei dieser Gelegenheit seine geografischen Kenntnisse bestens verwerten und zeigen kann, dann eine den einzelnen Kartenfolgen tunlichst gleichförmige Bezeichnung der Objekte (Orte, Bahnen, Straßen etc.) # auf die kluge Benutzung disponibler Räume zu Illustrationen (Nebenkärtchen von Hauptstädten, Fabrikbezirken, Pässen etc.), wenn der Maßstab der Karten zu solchen oft sehr nötigen Darstellungen nicht ausreicht # auf die möglichst gleichartige technische Ausführung.

Geschichte der Atlaskartografie

Vor 1500

Bereits um 100 n. Chr. führte Marinus von Tyrus die Gradnetzkarte ein. Ca. 50 Jahre später fertigte Claudius Ptolemäus von Alexandrien eine Atlas-ähnliche Kartensammlung an. Der erste Weltatlas (mit Bedeutung) ist die "Mapa Mondi" (1375) aus Spanien. Besonders das Mittelmeergebiet ist genau dargestellt.

1500 bis 1800

Niederlande

Der Anfang der großen Entdeckungsreisen läutete eine neue Entwicklung der Kartografie ein. Bis ins 15. Jahrhundert waren Landkarten basiert auf den klassischen Arbeiten des Ptolemäus (2. Jh. n. Chr.) und "Atlanten" beliebige Sammlungen zusammengebundener Karten. Der erste Atlas, im Sinne eines Buches, das in einer bestimmten Auflage verlegt wird mit Karten gleichen Formats die speziell für diese Ausgabe entworfen oder angefertigt sind, war "Theatrum Orbis Terrarum" (d. h. Weltbühne) von Abraham Ortelius (1527-1598), 1570 erschienen zu Antwerpen, ein Foliant mit 70 aktuellen Karten die inhältlich auf einander abgestimmt waren. Es sind 41 Ausgaben bekannt die bis 1612 in verschiedenen Sprachen publiziert wurden. Ein derartiger Atlas war jener von Gerhard und Cornelis de Jode: "Speculum Orbis Terrarum" (d. h. Weltspiegel, Antwerpen, 1578) mit 36 Karten (2. Aufl. 1593, 52 Karten). Der erste der "Atlas" als Titel für ein ähnliches Werk verwendete, war der aus Rupelmonde in Flandern gebürtige Gerhard Mercator (1512-1594, heute noch bekannt von der gleichnamigen Projektion, 1569), der den kurz nach seinem Tode verlegten "Atlas, sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" (d. h. Atlas, oder kosmografische Betrachtungen über das Weltgebäude und die Gestalt desselben") schuf (Duisburg, 1595, 2. Aufl. Düsseldorf, 1602). Die Kupferplatten wurden 1604 verkauft an den Betrieb des aus Flandern gebürtigen Jodocus (Josse) Hondius (1563-1612) zu Amsterdam, der den Atlas Mercators 1606 mit 36 neuen Karten vermehrte; bis 1636 erschienen neue, erweiterte Ausgaben in mehreren Sprachen. Gleich erfolgreich war die von Hondius publizierte ausgewählte Ausgabe von Mercators Atlas, der "Atlas Minor" (d. h. kleiner Atlas, Amsterdam, 1607 und später). Amsterdam war der Mittelpunkt der Weltkartografie geworden. Der Teilhaber im Geschäft von Hondius, Joannes Janssonius aus Arnheim (1588-1664), gab 1638 den zweiteiligen "Novus Atlas" ( d. h. neuer Atlas) heraus, der 1658 bis zu 6 Bände ausgewachsen war. In diesem Jahr erschien außerdem der 11bändige "Atlas Maior" (d. h. großer Atlas), jedoch mit älteren Karten, mit der Absicht zu konkurrieren mit der, ebenfalls in Amsterdam ansässigen, kartografischen Anstalt gegründet von Willem Blaeu aus Alkmaar (1571-1638). Blaeu beschäftigte sich erst seit 1629 mit dem Verlag von Atlanten; erstmals mit Ergänzungsblättern zu den Atlanten von Ortelius und Mercator. 1634 verlegte Blaeu einen zweiteiligen Weltatlas, "Novus Atlas" mit 208 Karten, der 1655 einen Umfang angenommen hatte von 6 Bänden mit 400 Karten. Den Höhepunkt bildete dennoch der von dem Sohn Blaeus, Joan Blaeu (1598-1673) herausgegebene "Atlas Maior", der in verschienen internationalen Ausgaben in 9-12 Bänden mit etwa 600 Tafeln ab 1662 erschien. Der "Atlas Maior" bildete die Grundlage für den 50bändigen "Atlas Blaeu-Van der Hem" mit mehr als 2000 Tafeln, der in der Nationalbibliothek von Österreich in Wien aufbewahrt wird. Gleichfalls in Amsterdam ansässig war Frederick de Wit (1630-1706), der galt als einer der wichtigsten Verleger von Karten in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Seine Atlanten sind meistens nicht datiert, tragen nur den Titel "Atlas" oder "Atlas Maior" und befassen in den älteren Ausgaben auch Karten von Janssonius oder Blaeu. Bekannt ist sein Seeatlas "Orbis Maritimus ofte Zee-atlas" mit 27 Karten. Der Verlag von Seeatlanten war übrigens schon früheren Datums: bereits 1584/85 war bei Plantijn in Leiden "Spiegel der Zeevaerdt" (2 Bde. mit je 23 Karten) von Lucas Jansz. Waghenaer (1533-1606) erschienen. Auch andere verlegten Seeatlanten, z. B. Blaeu: "Het Licht der Zee-Vaert" (1608, 42 Karten) und "Zeespiegel" (1623, mit 111 Karten).

Frankreich

"Das Goldene Jahrhundert" nennt man die Blütezeit des 17. Jahrhunderts in Holland. Doch das Ende dieser Epoche war auch das Ende der führenden Stelle der Niederländer auf dem Gebiet der Atlaskartografie. Atlanten wurden zwar neu aufgelegt, doch nicht auf dem laufenden erhalten. Die Vorherrschaft wurde von Frankreich übernommen, das damals voran ging in Wissenschaft und Kunst. Bereits 1652 hatten Nicolas Sanson (1600-1667) und Pierre Mariette (1603-1657) einen Atlas herausgegeben, der 1658 von den "Cartes générales de toutes les parties du monde" (Paris, 1658, mit 113 Karten, bis 1676 sechs weitere Auflagen) gefolgt wurde, welche die niederländischen Atlanten an Zuverlässigkeit und Aktualität übertrafen. Durch Anwendung der Triangulation wurde die Genauigkeit der Karten stark verbessert. Ein erstes Beispiel davon sind die Atlanten von Nicolas de Fer (1646-1720), der seinen "Atlas curieux ou le monde dressé" (Paris, 1699, 2 Bde. mit 295 Tafeln), basierte auf den neuesten Vermessungsdaten der französischen "Académie des sciences" und diese Daten außerdem noch ließ nachprüfen von Astronomen. Der "Atlas Nouveau" von Guillaume Delisle (1675-1726), der 1730 in Amsterdam erschien, zählte 56 Karten; in späteren Auflagen erweitert bis 138. Delisle pflegte Beziehungen mit Gelehrten und Behörden in der ganzen Welt (u. a. mit dem russischen Zaren Peter den Großen) mit der Absicht originelle Vorlagen für seine Karten zu erwerben. Der berühmte Kartograf Jean Baptiste Bourguignon d'Anville (1697-1782) verwendete nicht nur aktuelle geodätische Angaben, sondern auch, nach kritischer Prüfung, Berichte von Entdeckungreisenden. Bekannt ist sein "Atlas Général"(1780, 46 Blatt). Rigobert Bonne (1727-1794), der noch Bekanntheit geniesst durch die nach ihm genannten Kartenprojektion, machte von sich reden mit dem "Atlas moderne ou collection de cartes sur toutes les parties du globe terrestre" (Paris, 1771) und mit dem zusammen mit Nicolas Desmarest (1725-1815) verfassten 3bändigen Atlas zu der von Panckouke verlegten neuen Ausgabe (Paris, 1787/88) der berühmten Encyclopédie von Diderot und d'Alembert. Übrigens hat Max Eckert-Greifendorff festgestellt dass "die Karte damals als ein Gemälde angesehen wurde, was schon mit der Bezeichnung "pictura" gesagt wird; der Karteninhalt erscheint mehr oder minder als Nebensache und das Drum und Dran die Hauptsache, d. h. die reich verschnörkelte Randleiste, die Titelsetzungen und -verzierungen, die Parerga und sonstige Ausschmückungen. Erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts verblasst die Bezeichnung "pictura" und mehren sich die Ansichten, dass die Karte ein bedeutendes wissenschaftliches Erzeugnis ist." So gab in Frankreich die Aufklärung Anlass zum Erscheinen von Schul- und Taschenatlanten ohne überschwenglichen Schmuck, dennoch gut fundiert, z. B. der "Atlas moderne ou collection des cartes" von De La Croix (Paris, um 1762, mit 37 Karten und Text). Aber auch die französische Kartografie geriet in Verfall und war im 19. Jahrhundert unbedeutend geworden.

England

Die bekanntesten englischen Atlanten des 18. Jahrhunderts waren "New and Compleat Atlas" (1720, 27 Karten) von Moll, "New General Atlas" (1721, 48 Tafeln) von Senex, "General Atlas" (1770) und "New Universal Atlas" (1790) von Kitchin, "General Atlas of the four grand quarters of the World" (1778, später "General Atlas of the World") von Faden, u. a. Sie lassen sich jedoch nicht vergleichen mit den französischen Atlanten in der gleichen Periode.

Deutschland

Der wissenschaftliche Wert der Atlanten, die im 18. Jahrhundert in Deutschland erschienen, war beschränkt. Der bekannteste Kartograph und Verleger war Johann Baptist Homann (1664-1724) aus Nürnberg, der mehrere großen Atlanten verlegte, so etwa "Grosser Atlas über die ganze Welt" (1716, 126 Karten). Seine Erben erweiterten den Verlag mit einem 3bändigen "Atlas geographicus maior" (1740), der aber auch Arbeiten von anderen enthielt. Ein Schüler Homanns, Mattias Seutter (1678-1756) aus Augsburg publizierte verschiedene Atlanten, z. B. einen "Atlas Geographicus" (1720) mit 46 Karten, der mehrmals aufgelegt wurde. Im allgemeinen aber sind Seutters Arbeiten wenig originell und meist Nachstiche.

Österreich

Erst am Ende des 18. Jahrhunderts ist in Österreich von einer eigenen Atlaskultur die Rede. Als bekannteste Werke gelten Schrämbls "Allgemeiner Grosser Atlas" (Wien, 1786 und später, 133 Karten) und der wohl namenreichste Atlas aller Zeiten, der "Schauplatz der fünf Theile der Welt", verlegt von Franz Johann Joseph von Reilly (Wien, 1789 und später), mit 830 Tafeln, der leider nicht ganz vollendet wurde.

1800 bis 2000

Deutschland

Im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die deutsche Atlaskartographie mit unübertroffenen Meisterwerken eine dominante Position ein. Die Produktion von Atlanten in Deutschland war bis ca. 1870 hauptsächlich in Thüringen (Weimar, Gotha, Hildburghausen) konzentriert. Während die kartographischen Unternehmungen in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich in Thüringen stattfanden, wurde nach 1870 Leipzig das neue Zentrum, weil sich dort Verlage wie Velhagen & Klasing, Wagner & Debes und Bibliographisches Institut niederließen. Das blieb es bis 1945. Am Anfang gab es den in 1807 vollendeten "Allgemeiner Hand-Atlas der ganzen Erde..." verlegt durch das Landes-Industrie-Comptoir bzw. Geographisches Institut (1791-1905) zu Weimar. Der spätere Titel dieses Atlas war: "Großer Handatlas des Himmels und der Erde". In der Periode 1820-45 gab vor allem Carl Ferdinand Weiland (1782-1847) Gestalt an diesem Werk von ca. 60x40 cm, ab 1845-55 Heinrich Kiepert (1818-1899) und zuletzt Carl und Adolf Gräf. Die letzte (49.) Auflage erschien ab 1880.
Justus Perthes
Ebenfalls ist der Verlag von Justus Perthes aus Gotha, gegründet in 1785, sehr aktiv. Dieser Verlag ist heute noch immer in Gotha etabliert. Er ging erst später als seine Konkurrenten zur Lithographie über. In 1817 wurde angefangen mit der Veröffentlichung von Stielers Handatlas, genannt nach Adolf Stieler (1775-1836). Dieser Atlas bestand aus 50 Karten und wurde in 1823 vollendet. Kenner betrachten die späteren Ausgaben wie ein Kunstwerk von großem wissenschaftlichem Wert und schätzen die Qualität der Kupferdrucke. Eigentlich haben alle Karten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dieselbe Ansicht. Die Karten haben dieselbe Typographie, dieselbe raupenartige, manchmal tannenbaum-ästige Ansicht von Gebirgen. "Süd-West Deutschland und Schweiz" von 1868, nach dem Entwurf von Carl Vogel (1828-97), kann als die erste moderne Atlaskarte betrachtet werden. Die sachliche Schrift von H. Eberhardt und die plastische Gebirgsdarstellung von W. Weiler wurden folglich überall nachgeahmt. Es würde aber noch bis zur 9. Auflage von 1905 dauern, bevor alle Karten im Stieler auf diese Art angefertigt werden würden. Diese 9. Ausgabe, die zum ersten Mal in Lithographie realisiert wurde, enthielt 100 Karten. Das war eine Verdopplung des Umfangs seit der ersten Auflage von 1823, und wird drucktechnisch als die beste von Stieler angesehen. Die Bodendarstellung ist in frühen Auflagen der 10. Auflage (1925) zu schwer angesetzt, was die Lesbarkeit verschlechtert. Diese "Hundertjahr-Ausgabe", welche 108 Karten zählte und ein Register von 320.000 Namen enthielt, erschien bis 1944. Eine noch umfassendere, internationale Ausgabe von dem Stieler Atlas blieb mit 84 der geplanten 114 Karten leider unvollendet. Verleger Perthes ist auch bekannt wegen der Veröffentlichung der folgenden Atlanten:
- Berghaus' Physikalischer Atlas (1848, 3. Aufl. 1892),
- Spruners Historisch-Geographischer Handatlas (1851 und später),
- Justus Perthes' Taschenatlanten (Taschenatlas, Taschenatlas vom Deutschen Reich, See-Atlas, Atlas Antiquus, Geschichtsatlas, Staatsbürger-Atlas),
- verschiedene Schulatlanten unter welchen Sydow-Wagners Methodischer Schulatlas (1888; 23. (letzte) Aufl. 1944).
Bibliographisches Institut - Brockhaus
Das Bibliographische Institut wurde 1826 gegründet von Carl Joseph Meyer (1796-1856). 1984 fusionierte dieser Verlag mit F.A. Brockhaus. Die Aktien der "Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG" sind seit 1988 größtenteils im Besitz von Langenscheidt Verlag. Das Bibliographische Institut (BI) veröffentlichte im 19. Jahrhundert zahlreiche große Handatlanten, unter welchen der "Große Hand-Atlas über alle Theile der Erde in 170 Karten" (1843-60) der größte war. Die in der Periode 1892-1945 durch das Bibliographische Institut verlegte Atlanten waren alle basiert auf Kartenmaterial von Meyers Lexika und/oder Meyers Reisebücher. Der erste Atlas von größerem Umfang welcher nach dem Zweiten Weltkrieg vom Bibliographischen Institut herausgegeben wurde, war Meyers Großer Weltatlas von 1970. Die kartografische Tätigkeit des Brockhaus Verlages war weniger bedeutend und beschränkte sich hauptsächlich auf die Kartenbeilagen seiner Lexika.
Verlag Carl Flemming
Der von Verlag Carl Flemming herausgegebene "Vollständiger Hand-Atlas der neueren Erdbeschreibung" ... von Sohr darf nicht vergessen werden. Nach manchen Quellen ist Sohr eine fiktive Figur, der jedoch Prof. Wilhelm Bonacker einen lobenden Artikel widmete. Sohr erarbeitete diesen Atlas in Zusammenarbeit mit Heinr. Berghaus (1797-1884). Der Atlas erschien zum ersten Mal in den Jahren 1842-44, die 9. und letzte Auflage erschien 1902-06. Der Verlag wurde 1932 aufgelöst, als er sich in Głogów befand.
Dietrich Reimer
Der berühmte Kartograf Heinrich Kiepert (1818-1899) editierte den großen Atlas aus Weimar. Seine wichtigsten Aktivitäten entfaltete er jedoch für Verleger Dietrich Reimer aus Berlin. Vor allem ist sein dort veröffentlichter Atlas Antiquus (1859) bekannt, der in hunderttausenden Exemplaren über die ganze Welt verbreitet wurde und in viele Sprachen übersetzt wurde. Kieperts wichtigstes geografisches Werk ist sein "Neuer Handatlas" von 1860, von welchem die 3. Auflage 1896 erschien.
Velhagen & Klasing
Der große Handatlas dieses Verlags ist "Andrees Allgemeiner Handatlas" (nach R. Andree, 1835-1912). Der Verlag, gegründet 1835, wurde von Franz Cornelsen 1954 übernommen und rund 1990 aufgelöst. Die erste Auflage dieses Atlas erschien 1881. Die umfangreichste Ausgabe war die 8. Auflage, 5. Abdruck 1930 mit über 300.000 Namen. Eine ausgewählte Ausgabe erschien 1937. Dieser Atlas hatte ein größeres Format als der Stieler, und hatte eine ruhigere Kartenansicht und verwendete eine noch bessere Typografie. Die wichtigsten Mitarbeiter waren A. Scobel (1851-1912), G. Jungk (†1932), R. Köcher (†1958), E. Umbreit (†1904), A. Thomas (†1930), H. Mielisch (†1925) und K. Tänzler (†1944). Eine Anzahl Karten wurde aber anderswo gezeichnet oder lithografiert (Peip, Wagner & Debes, Sternkopf, Sulzer). Andere bekannte Titel von Velhagen & Klasing sind:
- Putzgers Historischer Schulatlas / Weltatlas (nach Friedrich Wilhelm Putzger (†1913)) von 1877, 100. Aufl. 1979,
- Großer Volksatlas 1935,
- Großer Wehratlas 1937.
weitere
Der letzte der großen deutschen Handatlanten aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den wir vermelden, hätte genau so gut der erste sein können: "Debes Neuer Handatlas" (genannt nach Ernst Debes (1840-1923)), 1895, 4. Auflage 1913 - 2. Abdruck 1914, von der Geographischen Anstalt von Wagner & Debes. Dieser Atlas erschien ab 1935 als "Columbus Welt­atlas", ergänzt mit Karten von Columbus Verlag P. Oestergaard (= 5. Auflage; 8. Aufl. 1941) mit noch einigen kürzeren Ausgaben nach dem Kriege. Wagner & Debes arbeiteten aber vor allem in Auftrag von anderen und lieferten zum Beispiel die Karten im Reiseführer von Baedeker und die Lexika von Pierer und Herder. Auch nach 1945 sind noch hervorragende deutsche Atlanten erschienen, aber meistens noch nicht halb so umfassend wie Andrees oder Stielers Handatlas, aber so gut wie alle versehen mit dem Prädikat "groß". Beispiele sind "Der Große Bertelsmann Weltatlas" von 1961 und den davon abstammenden "Bertelsmann Atlas International" von 1963, der bereits genannte "Meyers Großer Weltatlas", "Herders Großer Weltatlas" von 1968 und der wirklich große "Die Erde - Meyers Großkarten-Edition" von 1978. In der DDR erschien 1968 "Haack Großer Weltatlas". Seit 1945 kann man aber nicht mehr von einer deutschen Hegemonie auf diesem Gebiet sprechen und wurde diese von Großbritannien und den Vereinigten Staaten übernommen.

Frankreich

Bei den französischen Atlanten steht der "Atlas universel de géographie" von 1911 von Vivien de Saint-Martin & Schrader an der Spitze. Mit gutem Recht sind auch Schraders "Atlas de géographie moderne" von 1889, "Atlas général Vidal-Lablache" von 1900 und "Atlas Niox" bekannt. Nur nach Abmessungen groß ist der "Atlas International Larousse Politique et Économique" von 1950.

Großbritannien

Die britische Kartografie trieb und treibt seit 1850 auf den Veröffentlichungen von drei Verlage:
- Bartholomew in Edinburgh
- Johnston ebenfalls in Edinburgh und
- Philip in London. Von Bartholomew müssen genannt werden "The Citizen's Atlas of the World" (1898, 10. und letzte Auflage 1952) und vor allem "The Times Survey Atlas of the World" (1922, mit 112 Karten und über 200.000 Namen, jahrelang der Stolz der britischen Kartographie) und der daraus entwickelte "The Times Atlas of the World. Mid-Century Edition" (5 Teile, 120 Karten, 1955-59, Ausgabe in einem Teil 1967; erschienen in vielerlei internationalen Ausgaben). Die "Millenniumausgabe" (1999) der Ausgabe von 1967 ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern vollständig mit Computerkartografie hergestellt. Von Johnston sind zu vermelden "The Royal Atlas of modern geography" von 1861 und "The Cosmographic Atlas ..." von 1884. Der bekannteste Atlas von Philip ist "Philips' New Handy General Atlas" von 1920, 4. Auflage 1934. Der größte Atlas dieses Verlegers ist "Philips' New Imperial Atlas" von 1922 mit 95 Karten und 100.000 Namen. Im allgemeinen schaffen diese Werke es aber nicht die Qualität der deutschen Atlaskartografie dieser Periode zu übertreffen. Eine auffallende Merkwürdigkeit der britischen Atlanten ist zweifellos die enorme Verschiedenheit von Titeln ("The Victoria Regina Atlas", "The M.P. Atlas", "The Multum In Parvo Atlas of the World", "The Unrivalled Atlas", "The Graphic Atlas"), oft bei demselben Inhalt.

Italien

Der italienische "Atlante Internazionale del Touring Club Italiano" erschien zum ersten Mal 1927 und hat seine traditionelle Kartenansicht von überlegener Typografie und Geländedarstellung auch nach 1945 behalten. Ein anderer bekannter, aber weniger umfassender italienischer Atlas ist der "Grande Atlante Geografico" von De Agostini (1922, 5. Aufl. 1959), der auch in einer deutschen Ausgabe ("Goldmanns Großer Weltatlas" 1955, 2. Aufl. 1963) erschienen ist.

Niederlande

Die niederländische Atlaskartografie hat im 19. und 20. Jahrhundert nicht gerade sehr originelle Werke geliefert. Die Weltatlanten von Witkamp und Kuijper aus dem 19. Jahrhundert sind durchgehend Imitationen von Sydows oder Stielers Schulatlas. Im 20. Jahrhundert ist meistens die Rede von im Ausland hergestellte Übersetzungen für den niederländischen Markt, unter anderem durch Bartholomew, Rand McNally und Bertelsmann. Eine wichtige Ausnahme ist der "Bosatlas", jedoch ein Schulatlas, der auch in andere Sprachen übersetzt worden ist. Von eigenem Boden sind weiter die im so genannten Kompas-Kartografie verfassten Atlanten von Elsevier (ab ca. 1950) und Kompas selber (erschienen zwischen 1935 und 1960) ursprünglich niederländisch. Kenner beurteilen die Typografie ebenso wie die Gebirgsansicht dieser Atlanten als unbeholfen. Die Karten im Atlas von De Bezige Bij von 1951 sind von belgischer Herkunft. Aus derselben Ecke stammt der von verschiedenen Zeitungen rund 1940 in mehreren Folgen veröffentlichte Weltatlas, der im Vergleich mit den niederländischen Produkten sehr umfassend ist, aber eben von mäßiger Qualität.

Österreich und Österreich-Ungarn

Österreich hat Anfang 19. Jahrhundert sehr umfangreiche Kartenwerke aufzuweisen, z. B. der "Allgemeine Hand-Atlas der ganzen Erde", verlegt bei J. Riedl in Wien (1817/19 - 55 x 36,5 cm - 90 Karten) oder der noch größer angelegte Handatlas herausgegeben von F.A. Schrämbl ("Allgemeiner Großer Atlas", 1803, 64 x 44 cm mit 138 Karten). Bei der K.k. Schulbücher-Verschleiß-Administration oder bei Artaria & Co. (gegründet 1770) erschienen Schulatlanten. Nach dem Wiener Kongress (1815) bis in die 1860er Jahre aber dominierten deutsche Produkte - etwa hatte ein Exemplar von "Stieler's Schul-Atlas" von 1852 erstmals einen eingebundenen Supplementteil zu Österreich. In der 1865 erschienenen 45. Auflage umfaßte der Österreichteil sieben Karten (von 39). Einen großen Aufstieg machte die österreichische Kartografie vor allem mittels Veröffentlichungen der Wiener - später fusionierten - geographischen Anstalten Artaria und Freytag & Berndt. Bei Artaria wurde der Handatlas von Scheda und Steinhauser (1868-92) verlegt und erschienen die Schulatlanten von Steinhauser (ab 1865), Peucker (ab 1892) und Johann Georg Rothaug (ab 1880), der auch bei Tempsky in Wien einen Schulatlas gestaltet hatte (ab 1884). Die Atlanten von Rothaug kamen seit den 1880er Jahren auch bei Freytag & Berndt (später "Freytag-Berndt u. Artaria" - http://www.freytag-berndt.at ) heraus und wendeten eine neue Farbhypsometrie an. Der Sohn J.G. Rothaugs, Rudolph Rothaug, gab dort 1911 den sehr weit verbreiteten "Geographischen Atlas zur Vaterlandskunde an den österreichischen Mittelschulen" heraus. Weite Anerkennung erfuhren die bei Freytag & Berndt verlegten kleinen Weltatlanten von Freytag ("G. Freytag's Welt-Atlas", 1900-1935, laut einer Anzeige "einem großen Atlas nicht nachstehend") und Hickmann ("Geographisch-Statistischer Universal-Atlas", bis 1930/31). Auch die Karten des (großformatigen) Hartlebenschen Volks-Atlas sind von dieser Firma gefertigt worden. Der Verlag Ed. Hölzel gab/gibt den bekanntesten österreichischen Schulatlas heraus: Den Kozenn - Atlas: einen Schulatlas seit 1861 in vielen Auflagen mit unterschiedlichen Bearbeitern, der aber in vielen Ländern (Frankreich, Niederlande, Belgien, Türkei...) auch als Weltatlas herausgegeben worden ist. Bemerkenswert ist weiter der bei Hölzel erschienene "Physikalisch-statistische Hand-Atlas von Österreich-Ungarn", herausgegeben von Jos. Chavanne u. a. (40 Karten, 1887). Bei M. Perles in Wien erschienen österreichisch-ungarische Ausgaben der 4. und 5. Auflage des deutschen Andrees Handatlas (1904 und 1909-13). Die Firma J. Otto in Prag verlegte "Ottuv Zemepisný Atlas" (= Ottos geographischer Atlas), 38 Blätter, 1901 ff., größtenteils basiert auf "E. Debes' Neuer Handatlas". Eine 2. Auflage erschien 1924 nach der Teilung Österreich-Ungarns.

Polen

Der polnische "Atlas swiata" (= Weltatlas) von 1962/63, der vor allem in einer englischen Ausgabe als "Pergamon World Atlas" von 1968 Bekanntheit erwarb ist ein weniger bekannter, mittelgroße Weltatlas von hervorragender Qualität. Er enthält eine große Anzahl thematischer Karten im Gegensatz zu vielen anderen Atlanten, die meistens nur die Funktion eines Such-Atlas und Nachschlagewerkes haben.

Russland

Dass die russische Kartografie, die anfangs auf wenig originelle Arbeit basiert war - so ist zum Beispiel der "Atlas Marxa" von 1905 größtenteils eine Übersetzung von Debes' Handatlas - zu außerordentlichen Ergebnissen führen kann, beweist der große Atlas Mira von 1954. Im Jahr 1967 erschien sowohl eine zweite russische als auch eine erste englische Ausgabe dieses Atlanten. Ein vergleichbares russisches Projekt war eher wegen des Krieges unvollendet geblieben.

Schweiz

Die schweizer Kartografie konzentriert sich vor allem auf die Herstellung von Routekarten und hat, seit dem Atlas von Ziegler von 1851 keinen Weltatlas von Bedeutung mehr produziert. Der bekannteste Verleger von Karten und Plänen ist Kümmerly & Frey in Bern. Siehe auch: Siegfriedatlas

Spanien

Von akzeptabler Qualität ist der 3-teilige spanische "Gran Atlas Aguilar" von 1969/70, der eine große Kartenoberfläche mit einer relativ geringe Namendichtigkeit paart.

Tschechoslowakei

Der tschechoslowakische "Československý Vojenský Atlas" (= Tschechoslowakischer Militärischer Atlas) von 1965/66 ist ein Weltatlas mit einem Anhang, worein sehr detailliert den Verlauf von vielen Schlachten geschildert worden ist.

USA

Nach dem Fall der deutschen Hegemonie kamen die amerikanischen Atlanten zur Blüte mit Rand McNally's "International Atlas" von 1969 und dem Nachfolger "The New International Atlas" von 1981. Genau wie der britische Times erschien dieser in vielen internationalen Ausgaben. Die Karten in diesen Ausgaben gleichen wegen der Typografie Routekarten. Auch die Verwendung von Druckbuchstaben für Ortsnamen, wie auf den Karten der bekannten Atlanten von Hammond, ist weniger zutreffend.

Herstellung

Gravierer

Der Stich auf Stahl oder (meist) Kupfer für die Karten wurde oft von einer erlesenen Gruppe Gravierer hergestellt, die auf Deutsch "Stecher" genannt werden. Diese Gravierer arbeiteten als kleine selbständige Unternehmer und der Beruf wurde von Vater auf Sohn vererbt. Gravierer arbeiteten für verschiedene Verlage oder waren selber auch Verleger. Hierdurch begegnet man in den Atlanten dieser Zeit immer wieder denselben Namen. Beim Druck vom Stein (Lithografie) spricht man von Steingravur.

Technik

Als Technik wurde ursprünglich der Kupferdruck verwendet weil es die besten Resultate ergab. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde diese Technik ersetzt durch Lithografie, welche unter anderem als Vorteil hat dass auch maschineller Farbdruck möglich ist. Als eines der wenigen verwendete das Bibliographische Institut, Hildburghausen den härteren "Stahlstich", der größere Auflagen zuließ. In Großbritannien wurde der Stahlstich übrigens, auch nach der Erfindung rund 1840 des Galvanisierens von Kupferplatten, noch längere Zeit verwendet.

Berühmte Atlanten


- Atlas Blaeu-Van der Hem - UNESCO Weltdokumentenerbe ([http://www.onb.ac.at/aktuell/atlasblaeu_fr.htm])
- Sammelatlas Ryhiner ([http://www.stub.unibe.ch/stub/ryhiner/ry-dt1.html]) Kategorie:Kartografie !

Karte (Kartografie)

Eine Karte ist eine Visualisierungsmöglichkeit räumlichen Wissens. Sie kann zur Orientierung, Planung oder Darstellung von Sachverhalten angewandt werden. Werden mehrere einzelne Karten in loser oder gebundener Form gesammelt, wird dies dann Kartenwerk oder Atlas genannt. Anhand von Kartenmaterial lassen sich Landschaftsveränderungen nachvollziehen. Sie können zusätzliche Informationen über ein Objekt vermitteln. Bei kleiner werdenden Maßstäben können Objekte generalisiert, also zusammengefasst werden. Informationen aus Kartenmaterial gelten als räumlicher Bezug. Karten können auch einen zeitlichen Bezug vermitteln. Mit ihnen kann man gleichfalls Ursachenforschung betreiben.

Bestandteile einer Karte

Eine Karte kann aus vielen verschiedenen Elementen bestehen.
- Kartenbild (auch Blattspiegel, Kartenspiegel oder Kartenfeld)
  - Karteninhalt
  - Kartennetz oder Koordinatennetz (Koordinatensystem)
    - Gradnetz (bei geografischen Koordinaten)
    - Gitternetz (bei kartesischen Koordinaten z.B. UTM oder Gauß-Krüger-Koordinatensystem)
    - Projektionsart (z.B. Flächen- o. Zylinderprojektion; Mercator, Robinson etc.)
  - Kartenrahmen oder Rahmen
    - Blattrandlinie, Kartenfeldbegrenzung, Kartenschnittlinie
    - Koordinatenangaben
    - Blatteckenwerte (Koordinaten der Blattecken)
    - Abschlussnomenklatur (Blattnummern der anschließenden Kartenblätter)
    - Abgangsschrift (Bei Straßen, die am Kartenrand enden, z.B. Musterstadt 15 km)
- Kartenrand
  - Kartenblattbezeichnung evt. in einer Kartusche
    - Kartentitel oder Blattname (z.B. Trier)
    - Kartenwerk (z.B. Topografische Karte 1:50000)
    - Blattnummer oder Nomenklatur (z.B. L 6304)
  - Legende oder Zeichenerklärung
  - Nordpfeil
  - Nebenkarte (überregionale Einordnung der Karte)
  - Maßstab
    - grafisch (Maßstabsleiste)
    - numerisch (z.B. 1:50000)
    - verbaler (z.B. 1 cm in der Karte = 500 m in der Natur)
  - Neigungsmaßstab
  - Blattübersicht (Übersicht über die Nachbarkartenblätter bei Kartenwerken)
  - Kartenautor oder Herausgeber (z.B. Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz)
  - ISBN (z.B. ISBN 389637180)
  - Bearbeitungsvermerk (z.B. 6. Auflage 1996)
  - Copyright

Kartenuntergliederung

Nach Maßstab

Man teilt Landkarten auch nach der Größe ihrer Darstellung (Maßstab) ein. Dabei wird eine Karte mit kleiner Maßstabszahl als großmaßstäblich bezeichnet, weil sie ein (kleines) Gebiet groß darstellt; entsprechend ist eine Karte mit großer Maßstabszahl kleinmaßstäblich, eine Karte 1:5000 hat also einen größeren Maßstab als eine Karte 1:25.000. Vom Maßstab ist auch die Genauigkeit der Karte abhängig. Zu unterscheiden sind:
- Pläne, haben einen Maßstab bis 1:5000
- Topografische Karten haben im Maßstab von 1:5000 bis 1:100.000
- Topografische Übersichtskarten haben im Maßstab zwischen 1:200.000 bis 1:1.000.000
- geografische Karten haben einen Maßstab von 1:1.000.000 bis zu noch kleinere Maßstäben Karten sind im wesentlichen maßstäbliche Darstellungen der Erdoberfläche. Im Gegensatz zu Plänen werden bei Karten jedoch auch Generalisierungsmethoden und symbolische Darstellungen eingesetzt. Das kann dazu führen, dass Karten in einzelnen Bereichen nicht exakt maßstäblich oder nicht lagerichtig sind. Beispiele:
- In einem engen Tal ist nicht genug Platz, um Fluss, Eisenbahn und Straße lagerichtig darzustellen. Daher werden Bahnlinie und Straße nicht genau ihrer tatsächlichen Lage eingezeichnet
- Eine Straße wird durch eine symbolische Doppellinie gezeichnet. Die Breite der Straße kann nicht maßstäblich aus der Karte herausgemessen werden.

Nach Inhalt

Generalisierungsmethoden] In der Kartografie untergliedert man Karten nach Thema:
- topografische Karten habe das Thema Topografie
- thematische Karten stellen andere Themen in den Mittelpunkt Eine scharfe Trennung der topografischen und von den thematischen Karten ist aber nicht möglich, da auch die Topografie des Georaums ein Thema ist.

Nach Georaum

Karten können auch nach dem auf ihnen abgebildeten Georaum geordnet werden:
- Land
  - Weltkarte
  - Landkarte
  - Stadtkarte
- Wasser
  - Seekarte
  - Flusskarte
- Himmel
  - Sternkarte

Nach Nutzergruppe


- Fachkarten
- Blindenkarte
- Schulkarte (siehe auch Stumme Karte)

Der Blattschnitt

Wenn ein größeres Gebiet kartografisch erfasst werden soll, das nicht auf einem Kartenblatt Platz findet, so wird dieses auf mehrere Blätter aufgeteilt. Dabei wird häufig ein regelmäßiges Raster verwendet, durch das diese Aufteilung vorgenommen wird. Dieses kann mit dem Gitter der Geografischen Koordinaten oder dem Koordinatnsystem der Kartenabbildung in der Ebene zusammenfallen. Dieses Raster wird als Blattschnitt bezeichnet. Siehe auch: Kartengenauigkeit,

Geschichte

Kartengenauigkeit Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden topografische Karten gedruckt. Erste Aufnahmen wurden in Deutschland 1855 gemacht. Seit den 1970er Jahren hat die Speicherung von Karteninformationen auf elektronischen Datenträgern zugenommen. Siehe auch: Abschnitt Geschichte im Artikel Kartografie

Berühmte Karten


- vorchristliches Kartenwerk von Anaximander und Hekataios
- Ebstorfer Weltkarte
- Karte des Piri Reis
- Tabula Peutingeriana
- Vinland-Karte
- Dufourkarte
- Liniennetzplan der Londoner U-Bahn (Der erste Liniennetzplan mit dieser neuen Art der Darstellung.)

Kartenherstellung

Die ersten Karten wurden in Tontafel oder Tierknochen geritzt. Später konnte man sie auf Papyrus oder Pergament zeichnen, aber eine Vervielfältigung war eine mühsame Arbeit. Erst nach der Einführung der Drucktechnik im 15. Jahrhundert konnten höhere Stückzahlen gedruckt werden. Von der Karte wurde je nach Technik eine Vorlage geschaffen, die dann im Druckprozess vervielfältigt wurde. Durch verbesserte Verfahren konnten immer feinere Elemente in die Karte aufgenommen werden und auch der Mehrfarbdruck eingesetzt werden.

Holzschnitt

Der Holzschnitt, im Beginn der Kartografie noch oftmaliger Anwendung, ist aus derselben fast gänzlich verdrängt worden. Der Zeit nach reichen Holzschnitt und Kupferstich bis in das letzte Viertel des 15. Jahrhundert zurück.

Kupferstich

In ersterer Beziehung liefert der Kupferstich in Bezug auf Schärfe und Tiefe des Strichs sowie Weichheit und Feinheit der Ausführung unstreitig die schönsten Karten, durch galvanisch erzeugte Hilfsplatten unterstützt, auch in beliebiger Menge; Korrekturen sind nicht schwierig auszuführen, namentlich auf den Hochplatten, doch erfordern sie mehr Zeitaufwand und Kosten.

Stahlstich

Der Stahlstich, eingeführt ca. 1820, eignet sich für sehr große Auflagen von der Mutterplatte, wird aber, seit der Kupferstich sich die Galvanoplastik dienstbar gemacht hat, der Schwierigkeit der Plattenkorrekturen wegen kaum noch angewandt.

Lithografie

Die Lithografie datiert vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Billiger produziert die Lithografie in Verbindung mit dem Steindruck mittels Schnellpresse, welcher die weitestgehende Ausnutzung von farbigem Druck gestattet. Im 19.Jahrhundert hat die Lithografie in Verbindung mit der Buchdruckpresse glänzende Erfolge erreicht. Indem lithografisch gravierte Karten durch Überdruck auf Zink (Chemigrafie oder Zinkografie) in Hochdruckplatten verwandelt werden, um in der Buchdruckpresse zur Benutzung zu gelangen. Auch bei dieser Art der Vervielfältigung kann farbiger Druck in ausgedehntestem Maß zur Verwendung kommen, doch ist das Verfahren nur bei sehr großen Auflagen von Vorteil, da umfassendere Korrekturen stets eine Erneuerung der Druckplatten erforderlich machen.

Weitere Reproduktionsverfahren

Kartenabdrücke jeder Art können auch durch das anastatische Verfahren reproduziert werden, doch wird man nur noch selten zu demselben greifen, seitdem man mit Hilfe der Fotografie in technischer Beziehung weit günstigere Resultate zu erlangen vermag. Denn durch Fotolithografie und Heliografie können Originalzeichnungen unmittelbar auf Stein oder Kupfer übertragen, auch je nach Wunsch verkleinert oder vergrößert werden.

Typografische Herstellung

Die typografische Herstellung (d. h. der Buchdruck mit beweglichen Lettern) von Landkarten ist öfters schon versucht (1478, 1777, 1839, 1862) und wieder verlassen worden.

Gravur

Bis in die 1990er Jahre galten die Gravierutensilien, der Leuchttisch und die Tuschefeder als Werkzeug des Kartografen. Damit konnte er die einzelnen Folien gravieren und retuschieren, die zur Herstellung der Druckplatten benötigt wurden.

Computerbasierte Herstellung

Doch die fortschreitende Entwicklung der Computertechnik ermöglichte dann den Umstieg von der analogen zur digitalen Kartenherstellung. Anfangs wurden im starken Maße Grafikprogramme (z. B. Freehand von Macromedia) eingesetzt. Im Zuge der Entwicklung kamen auch kartografische Spezialprogramme (z. B. Themak von GraS) auf den Markt. Heute werden die meisten Karten mit Hilfe von Geoinformationssystemen (z. B. ArcGIS) auf Grundlage von Geobasisdaten (beispielsweise ATKIS) und anderen Geodaten hergestellt. Die Geodäsie und die Fernerkundung liefern die Daten, die von den Kartografen dann in Karten umgesetzt werden.

Kartennutzung

Karten dienen zur Orientierung und Navigation zu Lande, im Wasser und in der Luft. Weiterhin werden sie zur Planung eingesetzt. Dabei kann man mit ihnen Entfernungen, Winkel oder Flächen messen beziehungsweise schätzen. Als Hilfsmittel können dabei dienen Kompass, Streckenteiler, Planimeter, Kurvimeter oder Lineal. Eine Karte kann je nach der zu Grunde gelegten Projekton entweder flächentreu, längentreu oder winkeltreu sein. Alle drei genannten Attribute in einer Darstellung weist nur der Globus auf. Allen Seekarten liegt eine winkeltreue Projektion zu Grunde. Diese Projektion nennt man auch Mercatorprojektion. Hier werden die beiden polnahen Regionen genauso lang wie der Äquator als Linie dargestellt. Alle Längen- und Breitengrade sind Geraden und verlaufen parallel zueinander. Auf diese Weise kann die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten als gerade Linie dargestellt werden, obwohl man auf dem Globus eine Kurve beschreibt. Diese Kartendarstellung kann deshalb nicht längentreu sein.

Sonstiges


- Es gibt einen Schmetterling mit dem Namen Landkärtchen.
- Jede Landkarte lässt sich mit 4 Farben färben, so dass benachbarte Länder verschiedene Farben haben. Siehe auch Vier-Farben-Satz.

Siehe auch


- amtliche Karte
- Kartogramm
- kognitive Karte
- Mappa Mundi
- Portulan
- Reliefkarte
- Wikipedia:Karten

Literatur


- Gerald Sammet: Der vermessene Planet; GEO-Verlag, 350 Seiten, - Sehr schön bebildert Entwicklungsgeschichte der Karten

Weblinks


- Webkataloge und Suchmaschinen
  - [http://www.maps.ethz.ch/map_catalogue.html Katalog von Karten im Web] der ETH Zürich:
  - [http://oddens.geog.uu.nl/index.php Oddens’ Bookmarks] Umfangreiche Linksammlung zu Karten und Kartografie (engl.)
  - [http://www.landkartenindex.de/ LandkartenIndex.de] Karten Online Weltweit
  - [http://www.geometa.info geometa.info] Die Suchmaschine für Geodaten, Geodienste und Karten
- Online-Karten
  - [http://www.weltkarte.com Weltkarte.com] Online Weltkarten, Landkarten und Stadtpläne aus aller Welt.
  - [http://www.welt-atlas.de Welt-Atlas.de] Über 600 Karten aus aller Welt kostenlos online ansehen mit Informationen über die gezeigten Gebiete.
  - [http://www.planiglobe.com planiglobe] Interaktive Kartenerstellung.PostScript oder Illustrator Version downloaden, weltweite Abdeckung, gratis und lizenzkostenfrei
  - [http://www.routenplaner24.de/ Routenplaner24] Strassenkarten und Stadtpläne mehrerer europäischer Länder
  - [http://www.pdfkarte.de pdfkarte] Weltkarte und Kartenausschnitte zum Export als PDF
  - [http://www.lib.utexas.edu/maps/ Perry-Castañeda Library Map Collection] (engl.) sehr umfangreiche Online-Kartensammlung
  - [http://www.multimap.com/ Mulitmap]
  - [http://www.freeroute.de/ FreeRoute.de]
  - [http://www.mapquest.de Mapquest]
  - [http://maps.mygeo.info maps.mygeo.info] - Freie Public Domain Landkarten der Welt
  - [http://www.kartenwelten.de/index.php?id=downloadseite&no_cache=1 Karten im Vektorformat zur freien Weiterverarbeitung] (Welt, Europa, Deutschland und einige deutsche Großstädte
  - [http://www.freeworldmaps.net/ www.freeworldmaps.net] - Free World Maps
  - [http://map.search.ch/ map.search.ch] - Landkarte der Schweiz (Luftaufnahmen inkl. Strassenkarte)
  - [http://www.swissinfo-geo.org/ www.swissinfo-geo.org] - GIS der Schweiz, Ausschnitte aus Karten der Swisstopo
- GIS-Daten
  - [http://arcdata.esri.com/data_downloader/DataDownloader?part=10200 GIS Data Downloader] GIS-Daten weltweit, detaillierte Daten nicht überall verfügbar (engl.)
- Stadtpläne
  - [http://www.stadtplandienst.de Stadtplandienst.de]
  - [http://www.stadtplan.de/v_1_1/ Stadtplan.de]
  - [http://www.stadtplan.net Stadtplan.net]
  - [http://www.freemaps.de/ FreeMaps.de]
- Historische Karten
  - [http://www.dhm.uni-greifswald.de/ Digital Historical Maps (DHM)] - über 7000 historische Karten Schwedens, Dänemarks und Deutschlands
  - [http://www.ieg-maps.uni-mainz.de/ Server für digitale historische Karten (IEG-MAPS)]
  - [http://www.henry-davis.com/MAPS/ Große Sammlung historischer Karten von der Antike bis zur Neuzeit]
  - [http://historic-cities.huji.ac.il/ Sammlung historischer Stadtpläne und -ansichten der Universität Jerusalem] (engl.)
  - [http://www.davidrumsey.com/ David Rumsey Historical Map Collection] - frei zugängliche Kartensammlung von 1700-1950
  - [http://www.karten.hdbg.de/ Historische Karten] - aus den Ausstellungen des Hauses der Bayerischen Geschichte
- 3D
  - http://worldwind.arc.nasa.gov/index.html - NASA World Wind - interaktiver Globus in 3D Kategorie:Kartografie Kategorie:Dokument ja:地図

Verlag

Der Verlag ist ein Medien-Unternehmen, das Werke der Literatur, Kunst, Musik oder Wissenschaft vervielfältigt und verbreitet. Der Verkauf kann über den Handel (Kunst-, Buchhandel etc.) oder durch den Verlag selbst erfolgen. Der Verlag oder die Person des Verlegers erwirbt in der Regel das Nutzungsrecht am Manuskript eines Autors (Urheberrecht) auf Grund eines Vertrages und sorgt für Herstellung (Vorbereitung für den Druck) und eben den Druck des Werkes. Zweitens besorgt er die Werbung und den Vertrieb über die verschiedenen Vertriebswege, zum Beispiel über den Buchhandel oder den Pressegroßhandel. Die dritte Funktion liegt in der Vorfinanzierung, wie schon der Wortursprung deutlich macht, denn Verlegen kommt von Vorlegen. Angestellte in einem Verlag üben den Beruf des Verlagskaufmanns aus oder sind in der Verlagsherstellung tätig.

Selbst- und Kleinverlag

Sofern ein Autor seine Bücher nicht über einen Verlag in den Handel bringt, sondern selbst für Druck und Vertrieb sorgt, spricht man von einem Selbstverlag. Der Selbstverlag ist zu unterscheiden von einem Kleinverlag, in dem ein Verleger als Gewerbetreibender fremde oder eigene Werke verlegt. Zahlenmäßig sind weitaus die meisten Verlage in der Kategorie, viele sind winzig. Privatvermögen fliesst hinein, sowie die eigene, geradezu unbezahlte Leistung. Meist ist man persönlich engagiert, bestimmte Inhalte zu verbreiten und hat Freude an dem Metier. Weil Autoren auch bei gewissem Erfolg immer noch wenig verdienen, sind sie meist darauf angewiesen, zu größeren Verlagen zu wechseln, wenn sie etwas Erfolg haben – was die Kleinverlage weiter klein hält.

Zuschussverlage

Eine Besonderheit sollen sog. Zuschussverlage bzw. genauer Druckkostenzuschussverlage darstellen. Insbesondere wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten wie Diplomarbeiten oder Dissertationen können die Druck- und Vertriebskosten des Verlegers kaum decken. Deshalb haben die Autoren einen Zuschuss zu den Druckkosten zu leisten. Solche Druckkostenzuschüsse sind bei renommierten, großen Verlagen völlig unüblich, sie honorieren ihre Autoren von Anfang an. Ein Reihe von Unternehmen haben sich auf das Geschäft mit Zuschussbüchern spezialisiert. Sie verlegen nicht allein wissenschaftliche Literatur sondern auch literarische Texte von Amateuren. Von Zuschussverlagen im klassischen Sinne zu unterscheiden sind manche Book on demand-Verlage. Der Begriff Zuschussverlag ist relativ neu. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts nahm diese Aufgabe der Kommissionsverlag wahr, der bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts kaum vom selbstfinanzierenden Verlag getrennt war. In Meyers Konversationslexikon von 1893 steht für den Verlag "Zuweilen trägt auch der Schriftsteller einen Teil der Kosten, oder er lässt sein Werk ganz auf eigene Kosten drucken ..." (Bd.3 S.627). Selbstverständlich und doch schwer zu erringen sind Druckkostenzuschüsse (fester Begriff) für wissenschaftliche Arbeiten. Sie gehen an renommierte Verlage, der Definition kein richtiger Verlag zu sein, weil die Autoren selbst zahlen, fern. Druckkostenzuschüsse kommen meist von der grössten Unterstützerin der Wissenschaft hierzulande, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Verlagsarten

Verlage lassen sich nach ihren Hauptprodukten ordnen:
- Buchverlag (siehe auch Fachbuchverlag)
- Kunstverlag und Musikverlag,
- Zeitungsverlag,
- Zeitschriftenverlag,
- Spieleverlag,
- Kartenverlag
- Wissenschaftsverlag
- und Sondergebiete (z.B. Formularverlag).

Siehe auch


- Liste von Verlagen in Deutschland, Österreich und Schweiz
- Liste internationaler Verlage
- Copyright, Urheberrecht, Verlagsrecht
- Erstausgabe, Börsenverein des Deutschen Buchhandels
- Verlagsbranche, Verlagsnummer, backlist, Universitätsverlag
- Kommissionsverlag
- Verlagsystem (oder Verlag) als Organisationsform der Handwerksproduktion - z.B. Bierverlag

Literatur


- Reinhard Mundhenke, Marita Teuber: Der Verlagskaufmann. Berufsfachkunde für Kaufleute in Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlagen. 9. völlig überarbeitete Auflage 2002, 696 Seiten, ISBN 3-7973-0792-6
- Kurt Tohermes, Eckhard Bremenfeld, Holger Knapp: Fachwissen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Leitfaden für Verlagsberufe und Quereinsteiger. Heidelberg 1999, ISBN 3-9806-28604
- Dietrich Kerlen: Lehrbuch der Buchverlagswirtschaft. Stuttgart 2003, ISBN 3-7762-1002-8
- Manfred Plinke: Mini-Verlag. Selbstverlag, Publishing on Demand, Verlagsgründung, Buchherstellung, Buchmerketing, Buchhandel, Direktvertrieb, 6. überarbeitete und erweiterte Auflage, Berlin: Autorenhaus Verlag, 2005
- Schiffrin, André: Verlage ohne Verleger : über die Zukunft der Bücher, Berlin : Wagenbach, 2000

Weblinks


- [http://www.verlagskaufleute.info Ausbildung und Beruf von Verlagskaufleuten]
- [http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/toolbox/verlagde.html Liste von Verlagen in Deutschland] (Service des Hochschulbibliothekszentrums Nordrhein-Westfalen)
- [http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/toolbox/verlagat.html Verlage in Österreich]
- [http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/toolbox/verlagch.html Verlage in der Schweiz]. !Verlag Kategorie:Medienunternehmen Kategorie:Medien Kategorie:Bibliothekswesen Kategorie:Buchhandel ja:出版社

Nachschlagewerk

Ein Nachschlagewerk ist eine zur Fachliteratur zählende Datensammlung, die nach bestimmten systematischen oder alphabetischen Kriterien aufgestellt ist, bzw. nach solchen durchsucht werden kann. Immer mehr Nachschlagewerke erscheinen nicht nur in Buchform, sondern auch als CD-ROM oder DVD. Oft sind sie - wie die Wikipedia - auch online im Web verfügbar, einige davon allerdings, im Gegensatz zur Wikipedia, nur gegen eine Benutzergebühr. Die digitalen Nachschlagewerke können nicht nur Texte und Bilder (Illustrationen), sondern auch Ton und Musik (Audio) oder gar Video-Dokumente enthalten, solche Werke werden als Multimedia bezeichnet. Sie können gleichzeitig auch der Schulung dienen, dann werden sie allgemein auch Computer Based Training - kurz: "CBT" genannt.

Einteilung nach Inhalt

Die Inhalte der Nachschlagewerke sind einzuteilen in:
- Texte: Stichworte, Fachgebiete, Autoren usw.
- Abbildungen: Fotos, Illustrationen, Infografiken, Karten und Pläne
- Tabellen und Listen - zum Beispiel - alphabetische, chronologische oder geografische Übersichtsdarstellungen, oft auch mit Grafik kombiniert.
- Ton und Audiodokumente - nur bei den digitalen Nachschlagewerken (Multimedia)
- Videosequenzen und Animationen - ebenfalls bei der Multimedia

Arten von Nachschlagewerken

Man unterscheidet grob, wobei Überschneidungen möglich sind:

Enzyklopädie

hat den weitesten Wissensumfang, im 19. Jahrhundert auch als Konversationslexikon bezeichnet, da sie der Allgemeinbildung des Bürgertums dienen sollte, die sich dann wiederum in der "gebildeten Konversation" widerspiegelte. "Der Brockhaus" ist derzeit die einzige noch gepflegte große allgemeine Enzyklopädie die in deutscher Sprache erscheint. Auch die Wikipedia ist eine Enzyklopädie.

Lexikon

Die Bezeichnung Lexikon wird sowohl für enzyklopädische Nachschlagewerke (Sachwörterbuch) als auch für Sprachwörterbücher verwendet. In der Regel werden Enzyklopädien mit einem begrenzten Fachumfang (Fachlexikon) eher als Lexikon bezeichnet (z.B. Computerlexikon, Tierlexikon wie Brehms Tierleben oder Künstlerlexikon wie der Thieme-Becker).

Wörterbuch

sprachzentriert, einsprachig oder meistens zweisprachig, auch mehrsprachig (als Übersetzung) - im Sinne eines Diktionärs (schweiz.), oft jedoch fälschlicherweise auch als Lexikon bezeichnet. Spezielle Wörterbücher, die sich mit der Herkunft der Wörter befassen, bezeichnet man als etymologische Wörterbücher. Ein Mundartwörterbuch wird auch als Idiotion bezeichnet. Eine Spezialität ist ein Fremdwörterbuch, oder Fachwörterbuch. Ein besonders umfangreiches Fachwörterbuch wird zum Fachlexikon. In der deutschen Sprache ist der Duden das wohl am meisten verwendete Wörterbuch.
Ein Wörterbuch ist aber auch gleichzeitig die eigentliche Grundlage von jedem guten Nachschlagewerk. Das allererste deutsche Wörterbuch war Abrogans, ein handgeschriebenes lateinisch-althochdeutsches Wörterbuch (oder auch Glossar ↓) aus dem 8. Jahrhundert, es gilt bisher auch als das erste deutsche Buch überhaupt. Das wohl umfangreichste Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm wurde bereits 1838 mit dem Band 1 begonnen und erst im Jahr 1961 mit dem 32. Band abgeschlossen.

Handbuch

sachorientiert, jedoch meistens nicht alphabetisch, sondern thematisch gegliedert, im Sinne einer Anleitung, inhaltlich eine Ergänzung zum Lexikon. Gebrauchsanleitungen (zum Beispiel zu einem Computer oder zu einer Software werden daher als Handbücher (engl. "manual", auch "handbook") bezeichnet. Ein Handbuch als Lehrbuch wird oft auch als Kompendium bezeichnet.

Glossar

Sammlung schwieriger Wörter und Begriffe mit den dazugehörigen Erklärungen, themenzentriert, oft auch nur als Anhang zu einem anderen Werk, zum Beispiel bei einem Handbuch.

Thesaurus

legt die (Fach-)Begriffe fest, oft ist ein Thesaurus die Grundlage eines Projektes oder einer Institution, damit alle Beteiligten auch immer jeweils den gleichen Terminus Technicus richtig anwenden.
In EDV-Programmen und der Dokumentationswissenschaft auch eine Systematik von Begriffen, die in Beziehung zueinander stehen (kontrolliertes Vokabular, Synonyme usw.) als wichtiges Hilfsmittel zur Sacherschließung und für Recherchen.

Vokabular

Der Wortschatz eines Menschen, einer Personengruppe oder eines Gebietes wird als Vokabular (Wörterverzeichnis) bezeichnet.

Verzeichnis

Register: z.B. Telefonbuch, Adressbuch, Branchenverzeichnis, Denkmälerverzeichnis, Hochschulverzeichnis, Hotelführer usw., siehe auch Index.

Katalog

Ausstellungskataloge, Museumskataloge, Messekataloge, Warenkataloge usw. Auch Bibliotheken, Archive und Dokumentationen erschließen ihre Bestände mit einem Katalog, häufig nur als Kartei oder heute in digitaler Form. Zu den meisten Kunstausstellungen erscheinen Kataloge in Buchform, oft mit ergänzenden Information zum Thema oder Künstler. Kommerzielle Kataloge von Lieferanten, Versandhäusern oder Verlagen, auch das unverzichtbare VLB - (Verzeichnis lieferbarer Bücher) - eine Bibliografie in Buchform, als CD-ROM oder online - ist so ein Katalog.

Bibliografie

Verzeichnis von Literaturhinweisen, Bibliografien (auch Bibliographien) sind spezielle Verzeichnisse, bzw. Kataloge für die Literatursuche (Bücher, Zeitschrifen, andere Veröffentlichungen), meistens thematisch (nach Gebieten), Branchenbibliografie oder räumlich (Nachlässe, Bibliotheken) orientiert. Die Deutsche Nationalbibliografie (genauer Titel: "Deutsche Nationalbibliografie und Bibliografie der im Ausland erschienenen deutschsprachigen Veröffentlichungen") wird von der Deutschen Bibliothek erstellt und ist die größte Datensammlung deutschsprachigen Literatur. Sie erfasst alle eingesandten Pflichtexemplare der Veröffentlichungen in Deutschland. In der Schweiz und Österreich so wie in den meisten anderen Staaten gibt es ähnliche Institutionen.

Index

ein alphabetisches Verzeichnis (Register) meistens am Ende eines Buches oder Textes; bei Fachbüchern häufig geteilt in Namens- und Sachregister. Im Internet wird als Index oft die Startseite von Websites bezeichnet.
"Index" ist auch eine gängige Abkürzung für das Verzeichnis von verbotenen oder eingeschränkt zugänglichen Publikationen (z.B. der Index Librorum Prohibitorum oder der Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften).

Almanach

meistens ein Jahrbuch zu einem bestimmten Thema, z.B. Fischer-Almanach oder Spiegelalmanach oder astronomische Jahrbücher wie der Nautical Almanac. Oft auch mit literarischen und künstlerischen Inhalten.

Fibel

(von Bibel) ursprünglich ein Lehr- und Lesebuch, heute meistens ein Nachschlagewerk mit unterschiedlich langen, begleitenden, oft auch unterhaltsamen Texten, meistens alphabetisch geordnet: PC-Fibel, Garten-Fibel usw.

Agenda

Kombination eines Kalenders mit einem Nachschlagewerk, in diesem Falle chronologisch im Jahresablauf geordnet. Agenden gibt es zu vielen Themen und sie verbinden den täglichen Gebrauchswert für die Zeitplanung mit allerlei nützlichen Informationen.

Chronik

ist ein Lexikon, das nicht nach dem Alphabet, sondern nach der Zeitachse gegliedert ist. In digitalen Nachschlagewerken ist diese Funktion durch gezielte Datenbankabfrage gut als Zusatznutzen möglich, die Wikipedia ist auch eine Chronik. Auch ein Lebenslauf oder eine Biografie, bzw. Werkbiografie ist eine besondere Chronik, Künstler-Werkverzeichnisse werden ebenfalls gerne chronologisch geordnet.

Monografie

ist ein Werk, das sich nur mit einem Thema beschäftigt, entweder als Biografie oder Werkmonografie zu einer Person oder als Nachschlagewerk oder Handbuch zu einer Sache, einem Thema: zum Beispiel über eine Epoche oder ein Kunstwerk, eine Tier- oder Pflanzenart, ein Gegenstand ("Alles über VW-Käfer").

Atlas

grafisch orientiert, oft geografisch (z.B. als Schulatlas oder als Kartensammlung), historisch oder politisch (Historischer Atlas), aber auch fachlich orientiert (zum Beispiel Anatomie-Atlas, Pilz-Atlas) als Sammlung von Illustrationen mit Erklärungen.

Führer

Führer (Begriffsklärung) in Buchform, heute auch gerne (englisch) Guide genannt, sind Nachschlagewerke oder besondere Kataloge für eine bestimmte Thematik. Ein naturwissenschaftlicher, biologischer oder kulturhistorischer Führer könnte bei vielen Abbildungen natürlich aber auch als Atlas bezeichnet werden (etwa „Botanischer Führer Westeuropa“ oder „Atlas der Dorftypen in Mitteleuropa“).

FAQ

Die Abkürzung FAQ bedeutet Frequently Asked Questions. Es handelt sich dabei um eine Zusammenstellung von oft gestellten Fragen und den dazugehörigen Antworten zu einem Thema.

ungenaue Begrifflichkeit

Die Verlage und Autoren sind in der Titelwahl für ihre Werke frei; so ist die Bezeichnung Glossar, Wörterbuch, Handbuch, Lexikon, Fibel, Almanach, Atlas usw. im Buchtitel nicht unbedingt mit der oben genannten Einteilung im Einklang. Es gibt auch sehr spezielle Fachlexika, die sich jedoch gerne selbst Enzyklopädie nennen (zum Beispiel: Hühner-Enzyklopädie), damit will man, auch im Marketing, den Umfang des Werkes und seine Bedeutung noch besonders hervorheben.

nicht onlinebasierte Aktualisierung

Da viele Nachschlagewerke der ständigen Aktualisierung unterliegen, werden manche umfangreichere und aufwändige Fachbücher als Loseblattwerke herausgegeben, um sie jederzeit durch zusätzliche Ergänzungslieferungen auf dem neuesten Stand zu bringen. Dabei werden Seiten ausgetauscht oder eingefügt, bei Bedarf auch neue Ordner. Eine derartige Sammlung kann über Jahre hinweg zum mehrbändigen Werk heranwachsen (Normen, Gesetze, Vorschriften usw.)

Siehe auch


- Nachschlagewerke im Internet, Lexikologie und Lexikografie, Wikipedia:Public-Domain-Quellen, Liste der Nachschlagewerke

Weblinks


- http://dmoz.org/World/Deutsch/Zuhause/Nachschlagewerke/ - Kategorie Nachschlagewerke im DMOZ Kategorie:Literarischer Begriff Kategorie:Sachliteratur

Gerhard Mercator

Gerhard Mercator (eigentlich Gerard De Kremer, latinisiert: Gerardus Mercator) (
- 5. März 1512 in Rupelmonde, Flandern; † 2. Dezember 1594 in Duisburg) war ein Mathematiker und Kartograf, der schon zu Lebzeiten als der Ptolemäus seiner Zeit angesehen wurde. Mercator sah sich selbst mehr als wissenschaftlichen Kosmografen, und nicht als jemand, der seinen Lebensunterhalt mit der Herstellung und dem Verkauf von Karten verdienen musste. Seine Produktion war nicht gerade sehr umfangreich: Wir kennen nur ein Globen-Paar, fünf Wandkarten und eine unvollendete Kosmographie. Mercator lebte seit 1552 in Duisburg. Er schuf die erste Europakarte (1562) und das erste Kartensammelwerk, den Atlas ("Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura", 1595). Die neue Universität in Duisburg, heute Universität Duisburg-Essen, war bis zur Fusion mit der Universität Essen nach dem Kartografen Gerhard-Mercator-Universität benannt.

Frühe Jahre

Gerhard Mercator wurde 1512 unter dem Namen Gerard De Cremer (sein Name ist latinisiert: Krämer = Händler = Mercator) in der flämischen Stadt Rupelmonde, südwestlich von Antwerpen geboren und war deutscher Abkunft. Er ging zur Schule bei den Broeders des Gemenen Levens (Bruderschaft des Gemeinen Lebens) in Herzogenbusch, und studierte danach an der Katholieke Universiteit Leuven. Inzwischen hatte er sich auf die Kunst des Kupferschnittes spezialisiert. Er wurde dermaßen tüchtig, dass der Werkzeughersteller Gaspard van der Heyden ihn ganz oder teilweise mit der Anfertigung der Kupferplatten für den neuen Erden- und Himmelsglobus von Gemma Frisius beauftragte. Beide Werke, die ungefähr um 1537 erschienen, sind die ältesten von Mercator bekannten. 1537

Selbstständige Werke

Bald nach diesem Werk im Dienst seines Lehrmeisters veröffentlichte Mercator selbstständig kurz nacheinander eine Wandkarte vom Heiligen Land, Amplissima Terrae Sanctae Descriptio (6 Blätter, 1537), eine kleine Weltkarte in herzförmiger Projektion, Orbis Imago (1538), und eine Wandkarte von Flandern Exactissima Flandriae Descriptio (9 Blätter, 1540); in diesem Jahr veröffentlichte er darüber hinaus ein Buch über Kursivschrift, Literarum latinarum, quas italicas, cursoriasque vocant, scribendarum ratio, bestehend aus 52 Blättern im Holzschnitt. Mercator war der erste der die Kursivschrift 'italic' auf Landkarten verwendete. Es verbesserte die Optik der Karten dermaßen, dass es bis in das 19. Jahrhundert hinein üblich blieb, Namen auf Karten in kursiver Schrift zu schreiben. Im Jahr 1541 setzte er seine Arbeit mit einem Erden-Globus fort. Danach hören wir eine Zeit lang nichts mehr von seiner Arbeit auf dem Gebiet der Kartografie. Mercator hatte Probleme mit den Behörden und der katholischen Kirche und wurde unter anderem der Ketzerei beschuldigt, 1544 sogar für mehrere Monate eingekerkert. Erst 1551 folgte eine neue Ausgabe, ein Himmels-Globus, als Gegenstück zum Erden-Globus.

Duisburg

Durch die Heilige Inquisition verfolgt (Mercator war Anhänger der Reformation), zog er mit dreißig Jahren 1552 zusammen mit seiner Familie in das protestantische Duisburg im damaligen Herzogtum Kleve, wahrscheinlich weil er von der beabsichtigten Gründung einer Universität gehört hatte. Die Universität wurde allerdings erst knapp hundert Jahre später, im Jahre 1655, eröffnet. In Duisburg erwarb Mercator ein Haus sowie Grundstücke außerhalb der Mauern der Stadt. Drei Jahre lang, von 1559 bis 1562 lehrte er am Duisburger akademischen Gymnasium Geometrie, Mathematik und Kosmologie, bis er etwa um 1563 vom Herzog von Kleve zum herzöglichen Kartographen ernannt wurde. Mercator starb 1594 in Duisburg. Sein Grab befindet sich in der Salvatorkirche zu Duisburg.

Die Mercator-Projektion

Aus der Duisburger Periode kennen wir nur vier Wandkarten:
- Europæ descriptio, eine Wandkarte von Europa aus 1554 in 15 Blättern (159 × 132 cm). Mit dem Erscheinen dieser Karte wurde das schon lange überholte Ptolemäische Weltbild weitgehend korrigiert. Die gegenseitige Position der Europäischen Länder ist zum ersten Mal korrekt dargestellt. Für anderthalb Jahrhunderte diente Mercators Europa-Karte als Maßstab.
- eine Karte von Lothringen 1563/1564.
- Angliæ, Scotiæ et Hiberniæ nova descriptio, eine Wandkarte der Britischen Inseln in acht Blättern von 1564.
- Nova et aucta orbis terræ descriptio ad usum navigantium emendate accomodata, 1569, die große Wandkarte der Welt in 21 Blättern mit einer Gesamtgröße von 134 × 212 cm. Diese letzte Karte kann mit Recht Mercators Meisterwerk genannt werden. Es ist die erste Weltkarte, bei der eine winkeltreue Projektion verwendet wurde. 1569 Zu Mercators Zeiten war es nötig, winkeltreue Karten für die Navigation in der Seefahrt zu haben. Nur Globen können gleichzeitig eine flächen-, winkel- und längengetreue Abbildung der Erde bieten. Diese drei Eigenschaften kann eine Karte nicht gleichzeitig erfüllen. Deswegen waren Mercators Karten, die die Erde als erste in einer winkeltreuen Darstellung auf die Ebene projizierten, so wichtig, dass die winkeltreue Kartenprojektion nach ihm Mercator-Projektion genannt wird. Der größte Nachteil dieser Projektion ist, dass in der Nähe der Pole starke Verzerrungen auftreten. Die Pole selbst konnten so gar nicht abgebildet werden.

Kosmographie

Nach der Ausgabe der Weltkarte verlegte Mercator sich mehr und mehr auf die Herstellung einer Kosmographie. Mercator hatte große Pläne: Ein riesiges kosmographisches Werk über die Schöpfung, deren Ursprung und dessen Geschichte. Die ersten Ideen dafür schrieb er 1569 in der Einleitung zu seiner Chronologia. Die Kosmographie würde aus fünf Teilen bestehen:
- Die Schöpfung der Welt. Nach seinem Tod herausgegeben als Einleitung zum Atlas (1595).
- Beschreibung des Himmels (nie erschienen)
- Beschreibung der Länder und Seen in drei Teilen:
  - Moderne Geographie. Der Atlas, unvollendet, siehe unten;
  - Ptolemäus' Karten. Herausgegeben 1578;
  - Antike Geographie. (nicht realisiert).
- Genealogie und politische Geschichte. Nur erschienen als begleitende Texte zu den Karten im Atlas.
- Chronologie. (Herausgegeben im Jahr 1569). Mercator wurde seine wissenschaftliche Einstellung zum Schicksal. Immer wieder verschob er in der Hoffnung auf neue Informationen die Herausgabe seines Werks. Der kartografische Teil seiner Kosmographie wurde daher nur teilweise vollendet. Zuerst wurde seine Ptolemäus-Ausgabe von 1578 angefertigt. Mercator sah diese Ausgabe bloß als Darstellung der Welt nach den Ideen der klassischen Autoren. Die 28 Ptolemäischen Karten sind nie in einem anderen Atlas eingefügt, während sie noch im Jahr 1730 (!) neu herausgegeben worden sind. 1730 Erst im Jahr 1585, fünfzehn Jahre nach der Ausgabe des Theatrum, kam Mercator mit einer unvollendeten Ausgabe seiner 'modernen Geographie'. Das Kartenbuch enthält 51 Karten: 16 von Frankreich, 9 von den Niederlanden und 26 von Deutschland. Von diesen Ländern hatte er die zuverlässigsten Beschreibungen. Jeder Teil hat ein eigenes Titelblatt: Galliae Tabulae Geographicae, Belgii Inferioris Geographicae Tabulae und Germaniae tabulae geographicae. Das ganze hatte noch keinen Titel. Im Jahr 1589 folgten 22 Karten von Südosteuropa, Italiae, Sclavoniae et Graeciae tabulae geographicae. Mercator hatte leider nicht die Möglichkeit, gemäß seiner ursprünglichen Planung seine Tabulae Geographicae zu einem richtigen Weltatlas mit einem Umfang von etwa 120 Karten zu erweitern.

Postum herausgegebene Werke

Ein Jahr nach Mercators Tod gab sein Sohn Rumold Mercator eine Ergänzung mit 34 Karten aus. Hierin befinden sich 29 von Gerardus Mercator gravierte Karten der fehlenden Teile Europas (Island, die Britischen Inseln und de nord- und osteuropäischen Länder). Um das Ganze schnell vollenden zu können, fügte Rumold seine eigene Weltkarte von 1587 hinzu und ließ vier Karten der Kontinente von der großen Weltkarte seines Vaters von 1569 durch seine Neffen Gerardus Mercator Junior und Michael Mercator (Söhne von Arnold Mercator) kopieren. Auch das Titelblatt ist eine Notlösung: Es ist der Titel der Ptolemäus-Ausgabe von 1578, auf den der neue Titel in Buchdruck geklebt ist. Weiterhin veröffentlichte Rumold Mercator eine vollständige Ausgabe mit allen 107 Karten. Tatsächlich ist diese Ausgabe nur eine in einem Band gebundene Neuauflage der vier Serien Tabulae Geographicae mit einer eigenen Ergänzung.

"Atlas"

1578 Rumolds "vollständige Ausgabe" hat ein eigenes Titelblatt und Vorwort. Der Titel lautet Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabrica Figura (Atlas oder kosmographische Meditationen über die Schöpfung der Welt und die Form der Schöpfung). Die Wahl dieses Titels erklärte Mercator in einer Einleitung, deren Veröffentlichung jedoch von der katholischen Kirche verboten und erst 1993 aus dem Lateinischen übersetzt wurde. Danach ist der Name nicht, wie bis dahin angenommen, von dem Titan Atlas entliehen, weil dieser die Welt auf seinen Schultern hielt, sondern sollte an den – mindestens ebenso mythischen – König Atlas von Mauretanien erinnern, den er sich offensichtlich zum Vorbild nahm: „Meine Bestimmung ist es also, es diesem Atlas nachzutun, einem in Belesenheit, Menschlichkeit und Weisheit so herausragendem Mann, wie von einem hohen Wachturm aus die Kosmografie zu betrachten, so weit meine Kraft und Fähigkeit es erlauben, um zu sehen, ob ich möglicherweise durch meinen Fleiß einige Wahrheiten in noch unbekannten Dingen finden kann, welche dem Studium der Weisheit dienen könnten.“ Der Atlas ist auf dem Titelblatt von Mercators Atlas mit einem Himmels- und Erden-Globus abgebildet. Übrigens wurde der Titan Atlas als Weltenträger schon früher auf dem Titelblatt dargestellt, das Lafreri um 1570 seinen IATO-Atlanten voranstellte, an Mercators Originalität kann also gezweifelt werden. Der Atlas beginnt mit einer Biografie von Gerardus Mercator des Duisburger Magistrats Walter Ghim und folgt dann mit dem ersten Teil: Mercators Werk über die Schöpfung Mundi Creatione et Fabrica Liber. Die 107 Karten bilden dann den zweiten Teil. In Duisburg wurde ihm 1878 ein Denkmal gesetzt.

Museen und Ausstellungen


- Das weltweit einzige dedizierte Mercator-Museum befindet sich in Sint-Niklaas (Belgien). Es zeigt das Leben und Wirken des Mercator.
- Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg (zeigt Mercators Werk in einem eigenen Bereich mit wertvollen Karten und Büchern)
- Mercator-Atlanten in der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen, Campus Duisburg: Dauerausstellung ab dem 29. Januar 1997

Literatur


- Rienk Vermij (Hrsg.): Gerhard Mercator und seine Welt. Mercator-Verlag, Duisburg 1997. ISBN 3-87463-254-7
- Nicholas Crane: Der Weltbeschreiber. Gelehrter, Ketzer, Kosmograph - Wie die Karten des Gerhard Mercator die Welt veränderten. Verlag Droemer Knaur, München 2005. ISBN 3-426-27224-5
- John Vermeulen: Zwischen Gott und See: Roman über das Leben und Werk des Gerhard Mercator. Diogenes-Verlag, Zürich 2005. ISBN 3-257-06495-0

Weblinks


- [http://www.wilhelmkruecken.de/GMindex.htm Private Website mit einigen Detailinformationen zu Mercator]
- [http://www.stadtmuseum-duisburg.de/ Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg]
- [http://www.sint-niklaas.be/ Website der Stadt Sint-Niklaas mit Informationen zum Mercator-Museum] (auf flämisch) Mercator, Gerhard Mercator, Gerhard Mercator, Gerhard Mercator, Gerhard Mercator, Gerhard Mercator, Gerhard

16. Jahrhundert

Das 16. Jahrhundert begann am 1. Januar 1501 und endete am 31. Dezember 1600. Mit der Reformation Luther im Jahre 1517 endete das Spätmittelalter in Europa, und es begann damit die Epoche der frühen Neuzeit.

Ereignisse/Entwicklungen


- Weitergehende Reformation der Kirche
- König Heinrich VIII. (England) bricht mit der katholischen Kirche (1533)
- Religionskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten in Frankreich
- Die Zeit der großen europäischen Hexenverfolgung beginnt gegen Ende des Jahrhunderts
- Erste Erdumseglung von Ferdinand Magellans Expedition.
- Die Türken schlagen Ungarn (Schlacht bei Mohács, 1526) und belagern Wien (Erste Wiener Türkenbelagerung, 1529)
- Kopernikus veröffentlicht seine Theorie vom heliozentrischen Weltbild (1543)
- Der Gregorianische Kalender wird in vielen katholischen Ländern eingeführt (1582)
- Die britische Flotte unter Sir Francis Drake schlägt die spanische Armada vernichtend (1588)

Persönlichkeiten


- Martin Luther, religiöser Reformator
- Michelangelo Buonarotti, Maler und Bildhauer
- Thomas More, englischer Politiker und Schriftsteller
- Miguel de Cervantes, spanischer Schriftsteller
- Elizabeth I., englische Königin
- Philip II., spanischer König
- Nostradamus, Arzt, wurde berühmt für seine Prophezeiungen
- Nikolaus Kopernikus, Astronom
- Mary Queen of Scots, Königin Schottlands und Mutter James I of England and VI of Scotland
- William Shakespeare, englischer Dichter und Dramatiker

Erfindungen und Entdeckungen


- Erfindung des Spinnrads. 01-16 ! ja:16世紀 ko:16세기

Titan (Mythologie)

Titan ist in der griechischen Mythologie der Sohn Uranos' und dessen Mutter Gaia. Dieser Fassung zufolge gebar Gaia auch die Titäa, die mit Titan das erste Titanenpaar darstellt, von dem die Titanen, sechs Söhne und sechs Töchter, abstammen, wobei die Schwestern auch als Titaniden bezeichnet werden.

Die Titanen

Einer anderen Erzählung zufolge stammen die Titanen jedoch direkt von Uranos und Gaia ab, sodass Titäa demzufolge als Beiname der Gaia zu sehen ist. Die Titanen bilden so oder so das älteste Göttergeschlecht der griechischen Mythologie. Es sind dies: #Okeanos #Koios #Hyperion #Kreios (Krios) #Iapetos #Kronos (Vater des Zeus) #Tethys #Rhea (Mutter des Zeus) #Themis #Mnemosyne #Phoibe #Theia Die ersten Kinder, die Gaia dem Uranos gebar, die Kyklopen und Hekatoncheiren, waren diesem von Anfang an verhasst, sodass er sie in die inneren Höhlungen der Erde (den Tartaros) verbannte und - nach Hesiods "Theogonie" - Freude an diesem schlimmen Werk empfand. Da Gaia darunter litt, versteckte sie die folgenden Kinder, brachte den grauen Stahl hervor, machte daraus eine Sichel und überreichte ihnen diese, damit sie ihn bestraften. Der jüngste der Titanen, Kronos folgte dem Wunsch seiner Mutter Gaia und entmannte Uranos, da dieser als erster eine schlimme Tat ersonnen habe. Die "Männlichkeit" des Uranos warf er ins Meer, und aus dem weißen Schaum, der um die unsterbliche Haut herum entstand, wuchs Aphrodite heraus. Damit fand die Urzeugung zwischen Himmel und Erde ihr Ende: Der Himmel näherte sich fortan der Erde nicht mehr zur allnächtlichen Begattung. Mit der Herrschaft des Kronos jedoch begann ein Goldenes Zeitalter, in dem noch Honig aus den Eichen floss, und das anhielt, bis Kronos von Zeus besiegt wurde, siehe dort. Von den zwölf Titanen verbinden sich im übrigen vier Schwestern mit vier Brüdern:
- Theia gebiert dem Hyperion den Helios (die Sonne), die Selene (den Mond) und Eos (das Frühlicht).
- Phoibe wird durch Koios zur Ahnin eines Göttergeschlechts, zu dem Leto, Artemis und Hekate sowie Apollon gehören
- Rhea nimmt Kronos zum Mann und bringt Hestia, Demeter und Hera sowie Hades, Poseidon und Zeus zur Welt.
- Tethys und Okeanos sind die Eltern der Okeaniden. Iapetos zeugt mit Klymene weitere Titanen: den harten Atlas, den überheblichen Menoitios, sowie Epimetheus und Prometheus, den Freund der Menschen.

Der Kampf mit den Göttern

Hesiod erzählt, dass nach dem Sieg des Zeus über Kronos und der Freilassung aller von Uranos und Kronos gefangen gehaltenen oder verschlungenen Kinder zwischen den Titanen auf dem Gipfel des Berges Othrys und den neuen Göttern auf dem Olymp ein heftiger Kampf entbrannte, der erst entschieden werden konnte, als Gaia letzteren verriet, wie der Sieg zu erringen sei: Die Hundertarmigen sollten vom äußersten Rand des Erdkreises zur Hilfe herbeigeholt werden und mit Nektar und Ambrosia bewirtet werden - und tatsächlich sagten diese nach dieser göttlichen Bewirtung ihren Beistand zu. Als der Kampf zwischen Göttern und Titanen neu entbrannte, bewarfen die Hundertarmigen die Titanen mit Steinen, sodass sie unter diesen begraben wurden. Schließlich auch noch gefesselt wurden sie in den Tartaros gestoßen, von wo sie niemals mehr entkommen können, da Poseidon eine eherne Tür baute und die Hundertarmigen diese nun bewachen. Okeanos und Helios sowie alle Titaninnen sollen an diesem Kampf nach anderen Angaben nicht beteiligt gewesen sein, so dass die Olympier letztlich nur gegen vier Titanen kämpften, was uns wiederum zeigen würde, wie stark sie tatsächlich waren – zumal Okeanos selbst manchmal als stärkster der Titanen bezeichnet wird. Einer anderen Version dieser Geschichte zufolge ist der Sieg über die Titanen Zeus alleine zuzuschreiben, der Donner und Blitz, jene Geschenke der Kyklopen, die er nach seinem Sieg über Kronos befreit hatte, als Waffen einsetzte.

Quellen


- Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen - Die Götter- und Menschheitsgeschichten, dtv, ISBN 3-423-30030-2
- Michael Köhlmeier: "Klassische Sagen des Altertums", ORF, 1995, Edition Radio Literatur

Weblinks


- [http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/titanen.htm Das Schwarze Netz: Titanen]

Siehe auch


- Portal:Mythologie
- Stammbaum der griechischen Götter und Helden Kategorie:Griechische Mythologie Kategorie:riese ja:ティタン

Mauretanien

Die Islamische Republik Mauretanien ist eine ehemalige französische Kolonie in Westafrika, am Atlantik gelegen. Sie grenzt an die Staaten Algerien, Mali und Senegal sowie an das Territorium der Westsahara (Demokratische Arabische Republik Sahara). Mauretanien liegt am Westrand der Sahara und ist von urprünglich nomadisch lebenden Mauren, einem Mischvolk aus Arabern, Berbern und assimilierten schwarzen Westafrikanern, bewohnt. Die beginnende Ölförderung wird dem bisher sehr armen Land voraussichtlich wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Geographie

Die Grenze zum Staat Senegal bildet der Senegalfluss, ein Beispiel einer unglücklichen Grenzziehung durch die europäischen Kolonisatoren, da auf beiden Seiten des Flusses vielfach die gleichen Volksgruppen leben. Intensiver Handelsverkehr und intakte kulturelle Beziehungen sind bis heute die Regel, die Grenze beinahe als rein virtuell zu bezeichnen.
- Siehe auch: Liste der Städte in Mauretanien
- Siehe auch: Liste der Regionen in Mauretanien

Gesellschaft

Die französischen Kolonisatoren des 19. Jahrhunderts sahen das Land als geographische und kulturelle Brücke zwischen Nordafrika und Westafrika. Am Anfang des 21. Jahrhundert bietet sich dem Beobachter allerdings ein gänzlich anderes Bild. Wir haben stattdessen eine zwischen zwei kulturellen und linguistischen Traditionen zerrissene Gesellschaft, die eine tiefe Verwandlung erfährt. Der von der kolonialen Regierung zu Beginn 20. Jahrhundert initiierte Vorgang, die Nomaden des Landes zu einem sesshaften Leben zu zwingen, wurde durch eine ernste Trockenheit Mitte der Sechziger Jahre beschleunigt. Für die zwei folgenden Jahrzehnte war die daraufhin einsetzende Landflucht beispiellos und unaufhaltsam; Mauretanien ist von einer nomadisch pastoralen Gesellschaft zu einer hauptsächlich sesshaften, städtischen Lebensweise übergegangen. Große, früher pastorale Bevölkerungsgruppen wurden (von den Umständen oder der Regierung) gezwungen, den Boden zu verlassen, der nicht mehr genügend für das wirtschaftliche Überleben abwarf. Die schon damals beinahe überbevölkert zu nennenden Städte des Südens waren indessen nicht darauf vorbereitet, die große Zahl der Zuwanderer aufzunehmen. Obwohl zum Teil kompensiert, hat die hohe und wachsende Säuglingssterblichkeit in den Siebziger und Achtziger Jahren die Urbanisierungsprobleme verschlimmert. Kombiniert mit einer geschwächten Wirtschaft haben die Urbanisierung und die Überbevölkerung zu einem generell niedrigen Lebensstandard geführt. In den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat die Regierung ihre spärlichen Mittel dazu aufgewendet, die Investitionen in Erziehungs-, Unterkunfts- und Gesundheitswesen zu erhöhen, um die grassierende Armut zu bekämpfen. Anfang des 21. Jahrhundert ist die mauretanische Bevölkerung weiterhin nach ethnischen und regionalen Linien geteilt. Mauren im Norden - Weiße und Nachkommen der ehemals schwarzen Sklaven, die sich mit den Werten der Mauren identifizieren - bilden traditionell die politische, wirtschaftliche und religiöse Elite. Die andere Hauptgruppe setzt sich aus den schwarzafrikanischen Nachkommen der damals im Süden lebenden Bevölkerung zusammen, die sich mit den afrikanischen kulturellen und sozialen Werten identifizieren. Das Vermächtnis der maurischen Dominanz und der Versklavung der Schwarzen wurden durch Mischehen und Assimilation in die Kultur der Mauren verwischt; der Spalt zwischen den beiden Gruppen ist aber weiterhin groß, was sich im schwachen sozialen und nationalen Zusammenhalt der mauretanischen Gesellschaft widerspiegelt. Die ethnischen Spannungen waren offensichtlich auch die Ursache für andauernde Auseinandersetzungen in der gesamtstaatlichen Politik. Gegen Ende der achtziger Jahre waren die ethnischen Spannungen etwa der Grund für eine unbeständige soziale Atmosphäre. Die Gemeinsamkeiten zwischen den Mauren und den afrikanisch-stämmigen Völkern wurden von beiden Gruppen als ziemlich oberflächlich angesehen. Die religiöse Einheit im Islam verdeckte wichtige Unterschiede auch in den religiösen Betrachtungsweisen der Schwarzen und der Mauren. Die Regierung hoffte, dass die schnelle Urbanisierung die sozialen und kulturellen Wechselwirkungen erhöhen und die Vorurteile abbauen würde.

Bevölkerung

Wie viele Entwicklungsländer konnte Mauretanien keine präzisen Bevölkerungsstatistiken während der ersten Jahrzehnte seiner Unabhängigkeit zusammenstellen. Die Statistik der offiziellen Zählung vom Dezember 1976 zeigte etwas mehr als 1,4 Millionen Personen, einschließlich einer nomadischen Bevölkerung von ungefähr 513.000. Auf diesen Angaben basierte auch die Schätzung von 1987 von 1,8 Millionen, von denen ungefähr 50,25% weiblich waren. Die Regierung hat das jährliche Bevölkerungswachstum auf 1,6% in den Siebziger Jahren geschätzt, die Bewertungen der Vereinten Nationen (UNO) haben das Wachstum hingegen mit 2,9% (zwischen 1975 und 1985) angesetzt. Mit dem Satz 2,9% sollte die Bevölkerung Mauretaniens im Jahre 2000 2,5 Millionen erreicht haben. Man nimmt allgemein an, dass diese Wachstumsrate, die viel niedriger als jene vieler anderer afrikanischer Länder ist, in den Neunziger Jahren gestiegen ist. Die Brutto-Geburtenrate stieg im Vergleich zu 1965 laut Angaben der UNO von 45,1 pro 1.000 auf 50,1 pro 1.000 in den Achziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Brutto-Sterblichkeitsrate hingegen ist von 28 pro 1.000 im Jahre 1965 auf 20,9 pro 1.000 im Jahre 1980 gesunken. Die Säuglingssterblichkeit ist auf 137 pro 1.000 Geburten geschätzt worden. Die Lebenserwartung lag bei 42,4 Jahren bei Männern und bei 45,6 Jahren bei Frauen. Wie viele Entwicklungsländer ist die Bevölkerung Mauretaniens jung: im Jahre 1985 waren ca. 72% unter 30 Jahren, und 46,4% unter 15 Jahren alt. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte lag im Jahre 1987 bei 1,8 Personen pro Quadratkilom